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C (0. fl>. Hrnntanii ,
SJtit einer «nfidji unb einem 6ituation«plane ber ©tobt.
© ö t l i fer
3n Gommiffan ber $f*n'fö™ 93ud$aiiblung 91 cm et),
4850.
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STAATS-
BIBLIOTHEK
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auptfötoierigfrit bei Bearbeitung biefer Sdjrift braute bte
S!bjiu)t be$ 93erfafM, eine ptagmattfdje ©eföifye *u liefern,
oh« bie «m ©»qialgefäitye nötigen ginftetyrften jti *er>
na^idfftgen, unb ba* Streben fold>e in Der &rt eta|ufle($ten, baf
bie gülle ber Sinjelfjeitcn nidjt ben inneren 3ufömmen^ang ber
3>arttettnng serbunfein fonnc Um nity iäfttge sIBieberf)olungen
fcrbetauf&tyren, fcbteti fein anberer SluStoeg offen, afe ben ge*
botenen auäaebebnten £toff in ©nippen tu bchanbeln, n>elcf)e
ftd) an bie natürlichen mit ben Verloben ber Öefdjidjte ber
Sed)$ftäbte parallel laufenben @nttm<felung$*3eittäume unferer
Stobt anlehnen. $ief* ®ruppirung ergab ftd? balb aW.ba$
3»«fmä0igfte, obgleich einzelne Anomalieen bamit nity ju wr*
meiben traten, fo ba£ 5ß. bie ©efdjidjtc be$ grangidfaner^
Äom>ente$ erft in ber brttteit *ßertobe mitgeteilt ift, n>äf)reiib
ber .ganzem fdjon in ber feiten bei ©eföicfyte ber fatfyo*
ttfd>en $arod)ie jur ßrtbäljming fommen muffte. Auffallenber
noO> mirb bem Äitifer ber llmftanb fein, baf föon in ber
erpen $ertobe bie Sr^Iung *on ben batüityn* Semafoing*'
uab Steuer * Angelegenheiten bi6 auf bie neuefte $t\t fortge*
fu^tt tß, obttoljl biefe $eripbe felbft nur M6 auf bie ®rtitt*
bung be* fe<$eftäbtifaen «unbe* ji<h erftreeft. 2)iefe Sertyei*
■
DigitizecTC57 Cioogle
VI
lung tt>at in bcm 9Bunfd)e begrünbet, bie angeregten gragen
im 3Hfawmenfyange $u crlcbigen, um nity metyr auf fte $u*
rücffommen gu muffen, unb fo eine ben Ueberblitf erföwerenbe
3erfplftterung $u ttermefben. 3»d^^ war ^öm^ ^3ort^d(
t>erbunben bem 2efer bie öafid ber inneren (Sntwitfelung tum
Oärlifr, bie £ülf6qHeUen anfdjaulid) $u ma^en, welche bem
Statte Seijtonb gewährt tyaben bei Ueberwinbung ber gefdjil*
berten weltlidjen unb geiß(i$en, inneren unb äußeren SBirren
unb 3erwürfniffe, $ur (Sljre unb $um SBotyle be£ ($emeinbewefen$.
S)a* 4—6. Zapftet beS erften Sfodieö jmb fyaitytfädjlidj befHmmt
biefem 3roetfe ju bienen. SJttt bem brüten $ud>e, an beffen
(Spifre ber benfwürbige qjönfaK be* 3a^re6 1547 geflettt ifl,
fföxt bie eigfentfafce poHtffdK Sebeötuni] ber (Stobt auf.
bte batyut «iftofratifc^re^H^li^amf^ mwaftete ©emelnbewefett
erf^dnt fetttw^fo nur Utotnb, bta <5tabt*0*uT«ränttät tft in
V» V V» f * * »V *• I W & »411» l V4 i 1% Hl rV^rj •* il /^Br M ™ I « J
aticö We Sefjanblung beö 4. SBudK«. Da $tar fttr **n bet •
(Stabt ©*>rli$ bie 9tebe fein buvfte, wenn fid) tiefe 6tabt^-
fc^id^ie ifityt ummllfüTii^ $u etiler ®efd)id?te be6 fedj$ftäbrtfdj*tt
Siwbcd ewwttetn feilte, tarnte* leibet bie görlifcer äriegäwt*
f>äütri#* tot breifiörtÄfiiafe*^ fte&tflj<tytig«iti unb »efreiung^
ärieg* mm 1813 nic^t tu innigeren ^ufammenfjang mil jenen
we*tf#orifcfwt Gegebenheiten gebraut werben, eine Stuffaffung,
welche fftr Ben 3Bcrfaffer uno ben Sefer, $Hr 1)arfitettung ufib
geftäre Hngleiety Idinenber gewcfen wäre, afo* bie fyiet a«$ bem
5ßef*n ber ^>e§ialgevcbicf}te von fief&ffc ficty ergebenbe ©efnnrt^
luttg. Ueberbiel hmnieh bfo etojelften an ftd? ermtitenben
©Regalitäten rtidjt fehlen oljwe ben ^aMptgefrcfyttyunft
etntrAtyigw. »aii^e werben mit bem 8#f. fearüber rec|kn,
ba# eine foe$ieUe «ngabe ber -Duellen »ermtft wirb. Dk
eiitaeldlate fft* fcW^i* bet K»un^(^dtni^ wegen weflg*
löffen, |ra ber Äff. bfe Schrift fttff eigpene dJefa^r In SDtutf
gcien önt» ft^ ba^er feinen ^imlrt anl»<?ttmen mu$t«. Bei
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$eef}rten firerartfcf^rTT Jreunben ^erÜA^tc IWbelftant) nwtyt fo fdjreff
ttrbtfrtrcttn, a(6 a«f ben erf*en3Micf fd>cint Sic faft aHfjebet
€eite angebogenen Dofumente fmb fdmmtlid? ber fyanbfct)rift*
Itd|en ttrfn*beiif<rmmta«sf*) bet rf>er!«»f. ©efellftfjaft ber ®if*
K'tii'A "rTf^tt ^tthtnm nii1!) titih fitt Ul li et mj ttt Ispti *\rtti ls#t* /tp**
nannten Äefcflfdjaf* tjeraudgegebenen beiben 33*nben : $er}etc$ni$
Übetl. Urfuuben, $u finben. Sfco anbtre Urfunben betrugt fm&,
ifr bie Duette dtitt, be$glct<fyen bie pt fllatfye $ejegenen ©ä*
djet imb Slbtyanblungen i«U«t bem Xtttt bet betrefltnben
mte(. Die tfielffld) erw Junten ,£>affe'fd)eii ?Katb(5annakn werben
tard ben unter Der treffe befmMidjfn ffi.SJanb ber Weiten Script!,
rer. Lusaeic. bem gelehrten ^nbfifum balD ^gängig werben,
lieber We 9taft>ere<$mtn<fen ifr vom (StaMraty Ä^let
^terfetbf* im feuert fcttf. aSag^n 3NHjfrg. 1B37 p. 210 ff.
anäfüfyrltd) $5erict)t erftattet, t>ci^ ältefte ^tabtbnd) aber p. 29.
btef. @efty. betrieben, gür bie mannigfachen 9coti$cn von
einzelnen (Skbäuben uitb 9*äumlidjfeiten, n>e(ct}< befonberd fm
2. Ä«r>. be$ I. ©ud>e4 niib im Anfange wrfommen, finb auper
eben <jebad>tcn Duellen *om mir nactyfle^enbe Drigtnale extra*
^itt »Orbfrt: 1) Uber Vöcationum prtwcripteruni acticato-
pym obligacionom. A. primua, 1342. 106 531 fol. (von f. 72
beginnt ttttt bem 3abre 1372 ein $!$rbu4)), ^ap. in wutm-
ütyige* ©djwetoafcber geheftet 3m 9ef. be* ©labrratl) Mfy
kr ^ierf. 2) Uber Voeatiönam *e Proscriptiontim von 1465—
1911 in rbrtfe* fcebet gebnnben. 250 9C. von bem bie
legten jwöCf erma^ oermobert 91. 1 beginnt: Inccptu^Anne
(fomini eCc ti¥. ÄdtÖ6fatl?lei SRo. 110. 3) Uber prö$crip-
tiomnit et eausanini criminaiiimi, in rotten <Bafji<m*£oty
banb mit »ncfeln unb klammern. (Der Sanb ifl geheftet in
«uff. ixm JT^ler im 91. tauf. *Rag«j. 1Ö35: 3öa«
tt Ii* jf*t für bi« Öefdjktjtfd^ithttf *r £>Ur\mifo $tfätt)<%*
I
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VDI
ein ©tutf eineö ^falterö (sec. XIII.). ©et ißapterbanb entölt
136 Slatt, t)on Denen nur fol. 1 (1447) — f. 12, f. 14b.
<»on 1463 ab.) bi* f. .17a, f. 103a. (1448) bt6 fol- 103<L
befdjrieben finb. Stattfandet 9to. 89. 4) Uber obligacionum
et censuum iqceptus anno CCC°lxxxiv0. 1384—1409. 50 331.
QJapier (bie legten betben 91. (eer) in etwa* jerrijfeneä ©cfywemä'
Uber geheftet, im 93efi$ be* ©tabtr. Stotyet. 5) Liber acto-
mm (1432—1486), uietft geifHidje ©a^en. £ol$banb mit
5 SKefjtngbudeln auf jebem 2)e<fel. 140 ©I. *ßaj>. t>on betten
ba$ le&te auf berJteljrfeite nicfyt betrieben iß. $fof bcn 5)c<felu
ftefjen Urfuuben, auf ber »orberen inneren golie eine Dorn *|}le*
ban $etru* ©unjlin au greijfcbt, auf ber Unteren eine Urtanbe,
worin SRifolauä ©ifd)of von Berleburg eine 9leformtrungb*6 £ety>
jiger Xfyomaä^ftonüenteä anfünbigt. 6) Liber acticator. inoeptus
anno cic. M°CCCC°xni0. 215 »I. $ap. in ©djweindleber ge*
heftet 1413 — 1422. 7) Liber resignacionum anno etc.
M0CGCC0xxxu.0 (1432) usque ad annum quinquagesimum.
168 8L Rapier, 9latl>dfanjlei «o. 106* fol., ^alb gebto^en
in ©cbroeinöleberbanb, enthalt Stterfäufe, &dufe unb Stiftungen
Bon 1432—1450. *8om 3al)re 1433 ab fmb regelmäßig bie
tfürergebniffe angezeigt. 8) Liber resignacionuni 1450—1470
fol., gortfefcung be* vorigen, 53anb IL, 189 SM; Rapier, t>ou
benen 531. 160, 162 b. — 190 unbefdjrieben ftnb; auf bem in*
neren ^oljbetfel fteljen ©teilen au* ber ®eneft$. $luf ieber
©eite be* $iemlid> ftarfen Sanbe* befinben fty fünf SRefftng*
budein. 3wei klammern preffen bie ©d>rift jufammen. 9tafy**
fandet %o. 30. J. II. — $fuf?erbem flanben mir jwei neuere
4>ant>fd)riften ju ©ebote, welche metyrfeitig benufct werben fonn*
ten unb ftd) mefyr ober weniger auf bie eben angegebenen Oru
ginale ftöften, a) Notizen zur Geschichte von Görlitz. Alpha-
bet, nach den Gegenständen geordnet von Johann Abraham
Grudelius. I. 93b. 137 81., IL 93. 134 91. gr. fol. nur tyeü*
weife betrieben, fcfywara «ngebunben in $appb. mit rotyem
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K
mt 0o(b<XM mi. ber O&trf. ®ff. Lus. I. 80. $tt f^tt
bcflnbltc^eit Sfotijen ftnb fämmtlidj au$ bcnt Stabtbudje t»on
1305, fcfit libr. obligat, censuum, aclorum, acticat. proscrtpi.
n. vocat fowie ben Gasrechnungen utib Sttemorialbücbern
(im fRath$fefftonö$immer) gebogen. Selber ftnb bic benufrten
»änbe nic^t citirt, wäfjrenb bie ©teilen bei jebem ©egenftonbe
au6 bem JDrigfnal in ber betreffenben ®prad>weife auägefdjrfe*
ben ftnb. Sine Stargteicfyung ber Ortginare beweif! bie große
©enauigfeit be£ wbierrftooHen gorfdjerä drubelfu* bei biefer
Arbeit b) Unter ber Ueberförift: Lmisitzische Büchersamm-
lung, in etwa« abgeriebenen £alb*gol. gr$b. gebunben, beftfrt
£r. 28. Jammer f>ierfe(6fl ein 263 SM. ftarfe* OTfcpt. be«
SÖürgermeifter3 Steumann, weld?e6 eine Spenge fdjäfcbarer 9lo*
H§en jht ©efdjicfrte eingelner ©aubenfmäler, £äufer, ©äffen k.
t>on ©orlifc enthält. VI 81. mit röni. 3tffern ftgnirt, bringen
Zotigen über bie geograpljffdje Sage bet ©tabt, bie Sänge ber
©tabrmauern ic. 81. 1 enthält Wotijen über „baö ©djlof}
(am grauent&ore)," 81. 182b. iß gegenwärtig ba* §ule$t be*
fd)riebeue unb tyanbelt t>om: „ßippel." Slußer ber £anb be$
8ürgermeifter 9ieumann fjabeu nod) $wei anbere, nämlid) a) bie
be$ £rn. Jammer sen. unb 6) be$ £rn. Jammer jun. im
9Rfcpt. Röttgen über ÜBeränberungen an ©ebäuben ?c. feit ben
legten 30 Satyrn, eingetragen. Die älteren Stötten frimmen
meiften* mit benen t>on (SrubeltuS; über ba6 16. 3afjrf)unbert
r)fnaud jeboety fdjeinen fote^e ben UmgangSjetteln tyieftger Stix*
djen entnommen ju fein, unb ftnb bafyer wie lefctere nur mit
SBorftdjt jh wählen.
Sfofjer biefen fpejietf Gezeichneten 8änben würben bie nn*
enblidj reiben bie größten Spezialitäten umfajfenben ©amrn*
(ungen berftubrif: Lusatica auf ber 8iMiotf)ef ber%©efellfcbaft
ber SBiffenfdjaften, bie tum ber grau Xtfdjoppe erworbene
(Snibeliuä'fche Sammlung unb bie treffliche Golleftion lauftyi*
fd^er Schriften, welche weilanb £r. Superintenbent 3am!c ber
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©efeüfcfyaft iegtrtc, cnbltct> mehrere (^Ueffoween iwb ftofcUe mei*
neö (EdnDaaerd beä ©tabtratb Äöbler hierfelbft benMfel helfen «e*
nw Äcuntwf fyiejiger $er&4tt»tfie mir f<$r näfrlüfc war.
3xa$ qxofycx Sorgfalt in fcen Äweftnren fyat ein -Drjuffetyler*
wjeidjjiffi fcigegeben werben müften. 3d) t>tt|c bafyer bem
®cbjcau4K Serie* bie förgänflüHiften nnt %m%ti$u*m
aeiättiaft. nacbiufchen
2U*f bem freigegebenen ©knatiiwtytone ber $tabt iß ber
5krfn<$ gemacht, an bie ®egen$art jiug(ei$ bie 8$etg(mgeiU)etl
awtfnüpftn. 3>anf ber förgfWtige* *rteit jbe0 £it$ogrflj>f>en
£errn Sßeingärtiier ifi fyeitanft fttnetwge bie 3D«stü^Wt
btd Silbe* Derminbert »orben. Die gbtftät bef ßbermarfte*
im 3. 1800 ifi ber »atfa'föea ®wmto«ig läufiger
fixten im 8frd>toe *>er Oberi. ®efe«f<fr#ft ber IBiffenf^aften
entlehnt.
mWW fage id? ho* b*a Herren £tabtfefee*är 8B*r<
»er «nb ätegiftauor @r^nlid>, beren ©efWiigteit i* **ef)rfa<fc
in Slnfpru^ nehmen mußte, frwie aVen ben geehrten ©efyötben
mib $rtoateti, n>el(^e bei feien 9loti$en für be» SBegiretfcr bnrdj
©örfi» mir freunblty SluSfenft ert&dlt fatert, meinen faralicfc
jten $anf.
<£prlij>, 3. «ugttji 1.850.
~ — r? — r
■
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3 n h a 1 1
Seite
93orn>ort ........ L
Grftcö »Ud).
Qtxjie$ Kapitel. 9ÜUem. Ueberblicf bet ganbedgefftidjte . Jftegente» 3
3 to e 1 1 c 6 a vm t e l. '«aulidK gnttpicfeluna, bei vgtabt ® ort*b * Q
i>nttcg JtaEitel. llebergana, aud ber iflurq jur sStabt. jMoio>
bing. Wjjlgj beg Qkmeinbeleben*. C*tnfühvuna, befl äRagbe-
burget JXtüft* . . . . . . . 3t
Cierteii .Kapitel. $ie ffenraltunaaformen . . 126
fünfte« ÄaiMteL ^fflK be* '»teuenreftnd in OJörii^ i 40
WtqTftt Jtjpitel. Ije ^ripilegien ber 3Mbt , tnäbefpnberc
be* JXarbrrf unb ber ©efdjledjter . . . . 52
Siebentes .Kapitel. I>ac rWigiidje <srt}effen;i&eria)t p @or*
liß unb fein 3ßirfuna«frei«
3toetteö S«4.
«•rfte* Jtapitcl. Xte GHrünbttng be* Eunbea ber <3ed?*tfabte in
bet Cberlaune unb btt* iBerljaitutfc ber Stabt ©drlifc M bcmfelben 105
Streite? Äapitel. ^Beteiligung ber 2tabt bei Berjtötung von
Saubfdjldftern unb ebben ber £anbedf}erren, bia auf bie Seit
ber $ufitenfrieae ...... 109
jhrfttei jjfcijtjC ffle bürgerlichen Unrufren in (Sförltj roäfrrenb
be$ 14. nnb 15. 3cbrhun'berM. SBeftrebungen ber ^anbiperrer
um igetheiUgung au ber 9tatr)6fur unb ben übrigen ^Hinlegten
Sergej flieq>ter . . . . _ . . 114
giert« .Kapitel. 3)ie QkteaUtfyat gegen 9teufran<. fttinbel mit
ftünftet Aapitel. Wi>rlt£ unter £erjoq, 3or)annc6. Sebmgerirttt.
ftebbe bee £er*ogd mit Dem 9. ©iberftein auf fftieblanb. 33er*
treibung ber Suben. 1376 — 1396 , .127
€>ed)äte$ .Kapitel. (Iryerbung ber ganbeaftone. 1440 . . 153
Siebentes .Kapitel. &e)d)id)te ber *£tabt njähteub bet bufUt-
fd)en, tt?artemberaifd)en unb pobiebrabiftfren 3eiten. UU--1488 157
nefrte« .Kapitel. r£te £änbel ber Stabt QJötlift mit rpejtptyäli»
fflen BBB bft ^e^"^: 3ofranu y. gurte 1426. 3obann
amjicbe 1445. Eeonfrarb SRutfrer 1455. 9ima« Heller 143Ö 207
4
YTT
All
0) « Ii n t t V a tt f t a 1 W 1 i 1 1 .» »• i i.tlthAH K .»v i^t.ihf In .1 n "r.» 11 K IS *A
JLtuwiic jv a r 1 1 c i . jwcuwri fNiMrin rii <>siiiri i v a p 1 1 1 1 r rcp
Willi
•yiiHifniiu >('•■ nur nun] riiiiituiii tu* im ru nuiu ^uidi^iiiuu
reo lo. oanrounriny ......
C \ t
lehnten Haiutel Bier a ehre mit Zittau 1491
t^J VlfH-t-Vf V» U m * % V 1 • 1 * V * fj Vif VV Ulli t\J * I IM * ^» V * • •
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(vfft#4 ff n \y i t »* 1 (s'i'ifhirhf ■» b>*r f.ifhiil *l?iiri>riui* (Stroit hta
^iiiiiiiv in 1 1 riii n i ii ii^io i ii in i l i ii ci i Ii. -cuiiuiu iic i> kh u i .
in if bi'ni *Äiit!u'
Ulli l llll .'Ivlli'l .
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2711
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lYi i ,i r i ii )t ii t .< .i l t 1 Ii i f .' 1 *)l 1 1 1 .mi t Ii i 1 f S.m 1 1 Hi i \ i .\ V ii Ii i ii tt n 1 e\\ •
1 i 1 i e Ii II I C u Hai , i 1 1. /UlTllUlluu PC0 -Ol|Uyl'l8 Ol 1' ii II II V. VSltl}-
nip (\u ä'.eipeu) in i»oru& im ^anre l.r.'U
ftunT^cnn tc»? .Kapitel. v>mgang rcr Wetorinatiou. ^oroegung
hilf kMltr liTI Hl 1 1 1 ,1 »» 1 >\ r*ll * V 1 r Ii LyP- f 1 1 1 1 1 t tt > h »' v ^Hp\.\ tl tt 1
CiL v UuiuHlinil m m Ul tili i/llll U| w 1 1 UU Ulir L l i vHll U[IUU|
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i u i ^ i' ii u i' .Hiiriiti. -i.il » un<niuii<i r iiui i iiui loct ,
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«4 Ul 1 i l DU 1 l V ill U V 1 1 l Ii v'l Hill! «ill'lllll />lll lllillll VUll «t/l 11 11 1 1 II
mi ISS i\rl r It 1 Y<S
Ul vT' l'l Up Ii'OO . . .
s). cun zehnte« JCa V i t e (. S)ic altcücn Statuten von ©orlip ciie
v'haraFtcrntit tcr StatfvU'lnMUd)* tinb ötttcn^e|d)iuile nnf. <ötabt
307
3toan jigfiee JCapittl. ietbcüigung ber &uitt bei ben Xurfen-
317
frieden .......
Stiftes ÜBueft.
(?rfieö Stapittl. JDerbnnrlunijen mit bem .<lOniv^t, ;nv Jvttvi'cn
ÜiUnn^ für ben Ävieg g.j^cn Johann Aricrrtd) »un vcacfcfen.
Herrath bei Sanbfdfaft an ben etäbten. iU'nfaU. ^cnurbtitn^
ber fect>«ftartuuien »iartit bnvrti lonfyttty* CMewaltf^ruct) 1547 32<
3 n? ei t e t .Satutil Ta^ görliijier AViüi^iiifanerfUMier bte- ^tr Muf*
leinnq bety. Konvente* 1563 . . . . 340
grittf» iRtt<)itel. >3inltetng nnt> ^afob S56t>me . . 360
iQtertctj Kapitel. (Morlip währenb ber ^iUn bet? Avicbrid) »on
ber ^TaU nnb ber Xrie>uMinmhcn bit5 auf ben Vrager ftheben 3S?
^nnftet? .HaVitel. j?ie t^rblmlbi^nng ber Cberlanüs an ba^
iHurrtauo £ gehen in C»orliK IHM/ . . . . 392
Viertes «ucfai
«?rfte6 Jtapitel. £ic Belagerung ber Stabt im M\n< l H 4 J 397
^weiteet Xapitel. IMeirtiielite ber ftangelifel>cn ^aroeb/ic. A\\
nuMiorruung. VÄenirentuuDtaner. iHrftptocaluint^mue. '4.uetu^uuci 412
Dritte* Xapitei. I'ic alte heimle. gorliper i*)iimna-
ftum feit 1565^1 ! »t Mwi}n#iV . :ft^>^*%A4#
^ierteg .Hapitel. Der Celano, in (Morlift ron ber alteften big
aiI^tt_n<?llc>u' 3e». (Mefangbud)tr . . . ~T 468
^ütiTtfv JtayMtel. 0<eidiict)tc ber ^ndibtucferei m (^^tt^ . 47H
^fd)^teg .Kapitel. Die 3dmu'ben in ber VJantlft. Karl XII. w
v^orlip. 17Q6. 1707 . . . . .479
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Seite
482
€>ic6entc< StutittL Dunftmätfcftt nnb Pjjt|ggflfg iparjttnb
ber ffftUfrfctjen jtnea^ 1742. 1745 . . _„•....•
| et? feg gägtlet >Scr)icf|'ale bet £tabt rearjrenb beg fiebenjafrrü
gen «ftriea.eg . . . . . ' »
Oieunteg JC a ^ 1 1 c 1. Xüe milben isttttuna,en in (jJörlifi . s
3 e h n 1 1 e JK a r 1 1 c 1. -Tie legten 3ahre bei Stobt unter bem faetys
Äfcben fteflimente big $um ^efreiuna,sfriea.c 1810—1813 \ 513
(5 If t es .Kapitel. Worlifc vom «uramic teg 3abreg 1813 big
;um l*nre beg ^affenftillitanbeg. lö'. Vlu^uft 1M13 . [ 517
3 tt> ö l t t e e Jtapttel. %3om 15. yluautt 1813 btg $ur (£rbr?ulbu
a,una, an ^reugen 1815 .... 529
483
«jgji an isteuEen ipia * . ' ' .
Tteijehnteg .Kapitel, freier ber l»rbtnilbia,uua, in (jflötüfr beim"
Ueberflange an bie preuRijct)e Jtrone. 3. Viugitit 1815 . . 546
rÖiet^et? nteg JtatMtel. dflottlcb Eubwia, Xeimaut unb bte äett
feiner iüertoaltuna, . ■ . . . ~ 553
ftunf jsebnteg .Kapitel. »Jieug^3<a,tunbuna, einer f atholifrt?cn v^a-
roertte. 1835 ! . ] ~. . . 576
®ed)tehnteg jfä^Ttet Vit ®tabt von Temiani'g Xobe big
auf unfere Xage . . ... . 580
Siebente* jtapitel. jBfljMHM einer cbriiHatfrpI. C^rmeince. 1845 594
?l cf> t jeljuteg Äapitel. @efd)td)te ber 3nnuna,en fotoic ber 3n-
buüric unb beg £anbelg in CMbrli^ . . . 596
I. fferieicftnip bet jBfttgttmcjggrte . . .
II. Ujerjeicftniji r-er Fonujlierten Siebter . . . ~.
III. ^er^ei(T)nip ber evano,elifrf)en (Meijllicrjen
636
"638
II. ^»LM'ritaler ,unb .Rranfenbaufer .
670
IH Schulen .....
677
IV. t8täbtifrr)e unb fönujlidje @ebäube unb Seljurben
. 681
V. SilMtienfcrjaftltcbe unb anbere Vereine
. 701
VI. 3Hbliotl)efen unb Sammlungen ....
706
VII. ^romenaben unb $eranüauna.gi>tiet
710
VIII. ä^erfwürbia.feiten unb ^artieen ber Umg.ea.enb
712
IX. Jmtan$iennoti$ für 1850 ....
717
A £aa,egfalenber
, 725
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€r|ffs |nrii.
Soiit ttrftiinitige bft ©tebt M auf bte ©tünbung bed
»unbeö bet ©etfejfräbte* 1346.
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/yA v E Wisch fcS
5VAATS-
3inilOTHI:K
allgemeiner Ueberblirf ber Sanbetf ge|'djid}t*-
Regenten.
Heber bie urfprünglictjen 6iiin>of>ner ber Oberlaufs unb
ber Umgebung unferer £ tun un* weiter auebreiten ju wollen,
würbe und Don ber 6peaal*®e|d)id)te, bie wir tner beginnen,
\u weit abrühren. £>ie grage: ob ü)eutfd)e, ob Slawen Urein*
wobner gewefen fmb, erfordert bie auägeber;ute|ten gorfd)ungcn.
-ßajtor £ a\ in in Xjfdjedjeln hui bie Bfung verfugt uub glaubt
auf baä urfpriinglicfre Safein t>on beutfdjer Söeoölferung fd>lie
fen |it muffen*).
2Bir erlauben uu* hin nur einige $emerfungen, bie jid>
auf unfere ©egenb besiegen. 2Benn bie fcnnarjme richtig iß,
bap jene uralten Staffen, Keffer, ©erätfje jc. »on (Stein nity
fla*ifd>en, fonbern germamfdjen 93er>ölferungen angehören, fo
Ratten wir nur (finen Ueberreft au$ jener 3eit. 3» 3arjre
1838 würbe auf görlifrer gelbern ein Jammer t>on ©riinftein
aefunben, weiden bie Mltertrjüraerfammlung ber oberlaufcfrer
©efeflfetjaft ber Sinenfctyaften aufbewahrt. 3»an nennt biefe
Jammer „XrjoKtyammer," unb werben foldje fer>r $ar;lreicfy im
ffanbinarittyen Horben aufgefunden. — #eibengräber fuib, fo-
Diel Mannt, bei ©orlifc nie entberft; bie früher wfyanbencn
baunad) i.al)lrei<r) bur$ bie überr>anbnel>menbe 6ultur jerftört
worben. 3Ute ©efdjje t>on grobförnigem Ztyon würben unter
*) 2 elvi*: „ffiamt geruianifty ober fiavif&c $olf« Urtinktur
ber baten ganzen?" eine ^fronte $ret6f(ferift. 91. V. 2W. XIX. $anfr,
225 — 259. edjelfe: Urfunblidje <3>efcf>id)tc b«t Ober? unb Sfcifbft*
t<ufMh I B*i 6. 2 f. $<*tt« lw.
1*
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4
berförbe in ber *ßlattnergaffe gefunben; fte fdjetnen jcbod} nid)t
in bie Älaffe ber ^obtenurnen \\\ gehören. Uralte Erinne-
rungen erwetfen folgenbe örtliche tarnen:
1) Der ^ainwalb. Dcnft man ftd) ben aanjen £ugel, %
wo *ßeterefirdje unb Sur») erbaut würben, ttorper mit SMu*
men bewarfen, fo war Die oberfte Spifcc ein geeigneter s4*la$
jur WufjiteUung etneS ©ö&enbilbcö. Der Sage uad} foll ed ein
beutfdje* 3bol, eine &rt 3ft* gewefen fein.
2) Di« »oa* ober ©o^- (jefct $orf ) ©affe. ©og, $of>,
ift ©ott, ein ferbifdjer ©o&e. Diefe ©äffe liegt w bem alten
©örlifc, welche* frühere Dorf an ber Hnit (gumja) gebaut
war. $icx ging bie ältefte Straße, welche von ber Drütte f>cr
(wo ein Jfretfcfyam war) um ben «£>ainwalDberg, fpäter ber
93erg ber ©urg Drebnow, enDlid) ©örlifc genannt, Die jefcige
^>oti)ergaffe (^utergaffe, £utmad>erftraße) Ijerum, bie S3og-
ÖJajte Ijeraud, Den Xeidjen entlang iljren 3«fl naljm. $uf ber
fjalben ©erglef)ne, vielleicht bort wo jefct Die Mfolaifirdje liegt,
bereit *ßtofr ftc^er aud) mit 2Öalb bewarfen war, ftanb ein
wenbtftycr ©ö$e, ©og (ineüeidjt ber ©tele ©og, ber weiße ober
gute ©ott), jur Anbetung.
3) Die Sdjäbelteidje. ßntweDer riityrt Diefer 9t ante t>on
einer großen Sd)lad)t her, nad) welcher man Die Xobten in
ben Seid) warf, fo baß fpäter ihre ©ebeuic bort gefunben
würben, ober e$ war f>icv ein alter germanifefter ©egräbnißplafc
mit ©erippen entberft worben, alä man Die Xeidje anlegte.
6d}äDelteidje finbet man aud) an aubern £)rten. ÜÄan lieft
in Gljronifen bie Sage, bie Tonnen hätten i()re Jtfnber er*
morbet uub in Den Sijhäbelteich getragen. %m annehmbaren
erfdjeint allerbingS bie ^inweifung auf eine große Schlacht,
©roße uub blutige ©efedjte finb $wifd)en Deumen unb 5Ben*
ben (Serben) in unfein ©egenben gefdjlagen worben; einzelne
Sagen haben bunfle £inbeutungen aufbewahrt. So erzählt
mau in greiwalbe (Jtrei* Sagau), an ber laujtyifcfyen ©ren&e,
baß bort, wo je$t ber fogenanme Jtirdjwiufel tf*, einfi eine
blutige Schlacht ftattgefunben t)abe. Oefter fanb man bort
Sßaffcn, norh 1839 eine Sanjenfpiue von ©ronce, welche \>on
Der oberlauftf er ©efeüf^aft ber SBijfenfc^af ten aufbewahrt wirb.
#önig$haiu mit feinen jDpferftätten unb 8fd)enurnen war jeben*
fallä einer ber lefrten £alteplä$c ber Ijiqtyn 5Benben gegen
bie Deutfd;etu Der Simatfberg, xoo ber ^age nad? auf fei*
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«
5
nem Schlöffe ein SBenbenfurft Räufle, war ba* Borwerf. Born
(EcMcfTe famcn vor vier fahren, al$ ber geld nun Baue be*
ftrffrtabuft* abgebrochen wart», viele Ueberrefte }H £age. $a*
Schloß tft burd) ÄCMer jerftört werben, jebenfall* nach einer
Crrtfürmung. Die SÖaffen jebech zeigen von feinem hohen
«tter unb Die le$tc Burg war beutfehen iirfprnnaa. Bielleicht
häufte auf bem flavifchen Schlöffe Der «&er$og 2>erwan, wel*
$er, altf im Kampfe bei bem Schlöffe Sogaft im 3ahrc 7üO
Mc Deutfcfcen von ben Söenben befielt würben, ftd> gäntfich
t»cn Den Dcutfchen loflfagte unb uim großen Slavenfürften
Santo hielt Bogaft ( Castrum) fdjeint zweifellos Ufyvft an
rer Spree z» fein. Änf ber Spree entfloh ber von ben Deut*
fchen gefdjlagene ©enbenfurfit, ben bie Sage ^rzibi*lau$ nennt
unb von bem aud) bie £anbee*frone zuerfil befeftigt werben fein
foll. ffa£ jener 3eft ftammen wahrfcheinlich auch bic menfd)-
lieben Ueberrefte, welche ben Seichen bie Tanten gegeben fjaben,
bie fte feit 3af)rf)unberten fuhren. 3n bemerfen ift, büß in
bemfelben Ihale, wo fpäter bie Sdiäbelteiche angelegt würben,
He alte Strafe ging, welche s|*olen unb Serhenlanb mit mach-
ten unb granfen verbanb. 2(uf biefer «Straße, beren 3»g 8w
qcriuS in feiner noch ungebrurften (#efchichtc ber £>berlauftfc
nachgewiefen hat*), zogen felbft römifche ^aufteilte von 9te-
aeneburg nach bem Cften. Biele (Mrabfteine, gefunben am
Ähein unb fonft in Dcutfchlanb, aeben Vluofnnn, baß eö vor
Uiglich eine Art ®vp$ftgurenr)cmbler (nei:otiatores artis cre-
tariae) waren, welche (Mefcfyäfte im Cften unb Horben betrieben;
auch fommen Äleiberhctnbler, @rz- unb (*ifcnr)dnbler k. vor.
Sie taufchten von ben Serben ^eluverf, «öonig unb (betreibe
ein. *Kömifcr)e sJÖcumen fanb man bei itefyfa, worein ber
Straßeuutg gegangen fein feü*. Um Dueiß aber neuerbingä
ein broiuenetf Statuettchen (Jupitor lonans), im Befiö be$
$räftoenten greiherm von Secfenborf in (ftörlifc, jebenfalle*
romifchen UrfprungS.
Bei Bolfenhain finbet ftch bie Bezeichnung Sdjäbelböhe,
weil bort ber ieft fluchtiger lartarett erfdjlagen würbe. 1842
fanb man bafelhft mehrere tartarifdje $ufeifen. Die Bezeich-
nung Schäbelteicr/, Sdjäbelböhe, Schäoelberg u. f. w. läßt
immer auf ba vorgefallene blutige kämpfe fd)ließen.
•) Xibiiotbtt ttx cbtxl ©ffellfdj. Ux SiMfanfaaftcn : Lusatica I. l.
I
6
Unter ber jefcigen $ftof*erhdf>e Stabt fanb man,
weifen 3 gu£ tief, j. B. in bcr ^eterögaffe alte £ufeifen, in ber
£otf)ergaffe alte £au6fct;iüftel ; nod) tiefer, wie auf bem £anb*
werfe, gro0e Stämme verwitterter l*id)en. Die $*ge(, auf
benen<5törli& liegt, waren mit Räumen beftanben. Wo* fpät,
al$ ba6 älofier fdjon gebaut war, jeood) außerhalb ber Stabt*
mauern, ftanben alte Bäume, unb £äufer, bie an beren Stelle
traten, befamen if>re Tanten. 6ö bie „brei dicken," baSSei*
ber'fcbe $au* in ber Wonnengaffe. 3n bcr tfangengaffe ver*
ewtgt ber «anaer'f^e Bierf>of bagegen „brei Smben." — Dod>
wir wollen Wer abbrechen mit Diefen Betrachtungen unb auf
• ba$ eigentliche Xfyema junteffemmen.
3u ber 3eit, wo ber Warne ©örlty auftawbt, war bie
Besölferung jwelfello« wenbifcb, b. !)• flasifcb.
Die belüften ßbromfien nennen bie beutige Dberlauftfc
SKilccnia (Wil«ca), bie (Stnwofmer SWjener. Die Sorben*
SBenben felbft f)aben biefen tarnen ntdn, wie überbauet feinen
tarnen für ba« Sanb, weldje* fte bewohnen. Sie nennen
fich noef) beute einfach Serben (Serb) ober lauftfcer Serben
(lujicanffi Serb), womit fte Ober, unb Wiecerlauft&er zugleich
bezeichnen.
Der Warne ?aufty bezeichnet übrigens biö an bat* (*nbe
be$ 14. 3abrl>unberta immer nur bie Wieberlauftfc; bie Ober*
lauftfc al6 feiere fommt unter biefem Warnen erft feit fem 15.
3ar>rl)unbcrt, Hnter bem Warnen Sauftfc ein Diflrift berfelben
im 3a^re 1390 vor.
®ewöhnlid) fagte man Dberlanb, bie oberen ©egenben,
ba$ Sanb jenfeit ber Berge (von Böhmen au* geregnet), bie
Sechaftäbte ober Secb*lanfre, womit bie Dberlauftfc; unb Wieber*
lanb, bie niebern ®egenben, womit bie Wieberlauftfc bezeichnet
wirb.
Die Unterwerfung ber Bewohner unferer ©egenb bt« an
ba6 Wiefengebirge unb bie bör>mifc^eu Höhenzüge, berSWilzener
ober 9Wiltfd)aner, wie fte Sd)affarfd)if *) nennt, gelang ben
Deutfc^en erft febr fpät. Die guftjer unb OTftfäjaner geborten
$war ebenfalls in ben Bereich ber $?arf be$ Itfarfgrafen ©ero,
bem Äöniq ^einrid) I. bie Bezwingung jener öftlichen Sänber*
gebiete jwtfdjeu @lbe unb Ober unb bie Befestigung bei beut.
•) €(a»ifd)e IMtrrtfyiimer (ber teutfdien IWberfffctmg) $b. II., ®. 530 f.
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fcfccn Dberberrfcbaft Darin übergab, aber fte qfitoffett einer
qrcßeren $retl>eu al$ ifyre norblidjcti märfifeben, meflenburgi*
ufren unb fdjle*wigfd)en Btammeegenofjen.
3m 3af)re 963 jebod) brad) 3ttarfgraf ©ero mit einem
?on SBidjmann gebungeiteii f lamfdjim £i(f*beere in t>ci gauftft
unt> im sIJWrfd)ancilaiibe ein, bereu ©ewobuer bamatö teil
Xrtbut verweigern meduen unb in einem Sünbrnffe mit Geleit
getreten tu fein febeinen. Okro fdjlua Den polnifdjen Surften
aRetfdjidlaro , unterwarf Vufner unb vj)iiUfct>aiier unb nötbigte
foqar ben Uolenfurften, bad Vano |ttifdjfcn s£ober unb s2ßartt)e
^um geben anzunehmen. - Stil 3Warf greif Wero * Abgang
unb lebe (965) fd)einen imwifd>en neue flufftänbe bei frei*
beikMtebenben iWiltfcf)aner eingetreten tu fein, benn evft im 3.
1002 fonnten fieb joeutfebe (ii)rettt)1ten bamit bcrübmeii, ba£
bie l\iltfd>aner völlig bedungen unb ber üRarf Siegelt ein-
verleibt feien.
&aum ivav aber ba$ gefd)el)cn, al6 bei 9iad>bar ber
v)Mtfd)aner, ber Holenberg Soleölaw, beffen (tyrenjeu bi$ an
ben Dueifi gingen, am (£iibe be* 3af)reo 1002 fid) in Hn
»eft* thred Üanbetf fe&te, $au&en fl&ubiftn, ^ubifftn) in feine
Gewalt bradjte unb felbft bie Burg Vitien §u erlangen be*
mubt war.
(*$ tatfpanuen ftdj hierauf $wifd)en bem .König £>einrid) II.
unb ben %*okn mehrjährige kämpfe, in Denen bie sJJtiltfd)aner
auf leiten be* »oleeiaw ftanbeu. Xie fdjon im 3. 1004
beabftdjtigte &*ieberunteriod)Hiig ber SJtiltfcbaitcr gelang nicht,
weil ba$ Deurfebe »beer — nad) ttuofage ber (Irjronifteu —
burd) §u großen g d)nee gehemmt würbe, (*ttblid) im x>. 1018,
im grteben *u Rauben, fam ba$ fcanb bei $?iüfcr)aner ganj
an ben beutfdjcn .Honig.
93ole$law braeb J 024 ren frieren unb ber 58eftfc be«
KiUfdHinerlanbe^ war wieber in ^ra*je geftellt, biö äaifer „
Äonrab HL, welduu $ele0law'd £olm ÜRie&o längere 3eit in
Salinen belagerte, WUetoo im 3- J.032 bezwang, unb biefen
Xiftrift (begrenzt von ber <£lbe, ben Twf)mifd)eit Qren.tbergeit,
Um Dueif unb ber Weberlau mit ben Clauen 23ubifjin,
%icjt$ unb 3<Wf* unter beut Manien Provincia Mikienorum
bem 8ad)fenlanbe r)in$ufugte.
2)ie beut|"d)en Könige legten fefte Burgen im eroberten
fcutöc an, teilten e$ in von Vögten verwaltete Surgwarbe,
8
Wela)e bem Warfgrafen von Weißen untergeben waren, unb
wiefen e* in fird)lid}er Se$ief)ung $um Sprengel be6 $i$fyum$
Weißen.
Sir wollen fner bie tarnen ber Surften unb ttyctx unter?
gebeiwn Warfgrafen alöbalb fnnpfugen, ba wir auf baä HU-
gemeine foätcr uia)t mehr jururffornmen.
Unter Jtönig ^einrid) L war, wie fdjon gefagt, Warfgraf
©ero (t 965), ebenfo wie unter Jtaifer Otto L (936—973)
£anbe6gebietiger. Unter Jtaifer Otto III. (983—1002) ber im
3. 1002 ermorbete Warfpraf Grfbarb von Zeigen. Sdbrenb
äönig Jtonrab'ä II. 9tegierunge$eit faVint Warfgraf DittriA
in ber Oßmarf bie Verwaltung beö tfanbeä geführt w fyaben,
nad) welaVm Warfgraf (fefbarb II. von Weißen (t 1046) ba$
Regiment befaß. 3bm folgte, unter flönig £einria) III. (1039
— 1056), SBilbelm, Warfgraf von Weißen, welker 1062 fkrb
unb von feinem (1067 geftorbenen) 93ruber Otto v. Orlamünbe
erfefct würbe. Neffen 9?acbfolger Stfbert L von ®raunfa)weig
ftarb fdjon im 3. 1068.
3Bäf)rcnb ber ftegierungtyeriobe Jtönig #cinria)$ IV.
(1056 — 1106) befam ben $eft$ ber Weißner unb Wilriener
Warf im 3- 1068 (Stfbert« erft fc<Wtyriger 6ofm tfefbert II.
ober 3»«gere, beffen Xot> 1090 erfolgte.
©Aon im 3. 1076 r)a«e Jtönig fyinxiQ IV. bem£er<oge
Söratiälaw von Böhmen ba$ Warfgruftfjum Weißen $ü Seljen
gegeben, womit aud> bie Oberlaufifc - an 936f>men fam. K)ladf
mebrjabrigen kämpfen mit (Fcfbert IL fam enblia) eine 8M*
gung ba^in *u 6tanbe, baß @tfbert II. bie Oberlauf unb ben
©au Seifen (um Dreflben) an vBrati*law abtrat, welajcr fogar
bura) £einria) IV. jum tfönig von $öl)mcn erhoben würbe.
SBrattelaw ftarb 1093. 3ljm folgte fein ©ofm $r*eti<5*
law U. im (September 1093 unb im December 1100 SBoni*
wo»? II., welker mefyrfaa> 8a)itffal$wed}fel erfuhr unb burd>
(gobieSlaw I. vom- Sfjrone geftoßen würbe. €ein gotyn war
©labi*law U. (1140—1174), an ben ftd) £obie«law II. (1174
— 1178), griebrief) (1178-1190), (Fourab (1190-1191),
®en*el I. (1191), £einricr;, jugleto) (Srjbifa>of oon^rag (1191
— 1196) unb 2Ölabi*law IU. anreihen.
<pfa)emiel Ottofar I. (feit 1198, t 1230) übergab noaj
bei feinen Sebjeiten im 3^re 1226 ba* <Reta) feinem ©obne
SBenjel II. (Wonoculue, Su*cu$, Dtofar), welcher von 1226—
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9
*
1253 regierenb, im 3abrc 1250 bem Warfgrafen Ottol!l.#»cn
Sranbenburg, einem Jcamofgenoffen free Äonig* unb oft in
per SDberlauitfc fowie in(ik>rli$ antoefenb, oie Dberlauftfc über-
gab. Crto III. batte nämlicb bie 6cbwefter beö tfonig*, >\kin*
wwnSratrir von Böhmen, im % 1244 gebeiratbet unb 10,000
Warf foltten ihm al* flutffiattung überliefert werben. Dod)
fonrite ihr trüber biefe Summe nid>t aufbringen unb oer*
pfänbere bafür bie Dberlauftfc, weldje 1250 befutitiv in feinen
#efi$ fam, trenn gleich immer nur al$ t>cbnnfcf»c€*f vom beut*
feben Weiche abhängige* Sehen.
(£6 gehörte bemnad) <Mörlifc ungefähr feit 1250 ben Warf*
grafen Otto III. unb 3ob«nn I. i>on ^ranoenburg. Wad)
ihrem üobe 1267 erbielten bei ber 1268 erfolgten Ibeifung ber
DberCawttö ÜWet £öbne, bie Warfgrafen >bcmn, JDttoV.,
&onxat> unb Ctto VI. bie Warf Wrlifc. Otto V., ber Vange, über-
lebte aUe feine trüber ttttfc' war forttoäbreno in bie Kriege
feinet Cbeim*, Äönig s4wemfel Cttofarä II. von Bobinen,
verflochten; führte auch, nach bem $elfrentobe äönig Ottofarö
in ber Schlacht auf bem Warcbfelbe gegen ben beutfeben ßönig
ftuoolpb von 4?abe*burg (1278), bie &ormunbfcf)aft über beffen
uitmünbigen ^Sofjn $ßemel II. (1278 -1304) bie *um 3abre
1283 unb war mebrfacb in ber Oberlaufs, namentlich in
®örli$ unb. Vauban anwefenb. 3bm folgte im 3- 1304 fein
le$ter, ihn überlebenber £of)n Warf graf «^ermann ber Sange.
(&x ftanb auch unter bem neuen Xtonige i>on Böhmen,
©en*cl III. (1304, ermorbet 1306), im freunblicbften Verhält*
ntffc mit Böhmen, ftarb jeboeb fd)on 1308. s)?adt feinem
Xofre führte Warfgraf ©alPemar ber Wrofie von v$taubenburg
rie *Hormunbfdjaft für jofyann V., ben (^Hauchten, Sohn »^er-
manne* befl fangen, audj in unferer (tycgenb bi$ \\\m 3 1313,
unb übernahm nach 3obannd Xobe im 3- 1317 bie Regierung
voUftänbig, ftarb aber leiber fdwn im 3-1319. &Ue um-
liegenben dürften griffen nun bafl branbenbutgifdtc (frbgebiet
an. €>o gefdjab e$ aua) mit @örlt&.
Hm 26. Huguft 1319 batte ftcb fflörlift fdjon einem
tenbenten, bem ^erjoge Heinrich von 3«uer, übergeben, welchem
Äöniq 3ohan» von Lohmen, auä bem «£>aufe Suremburg, auch
bie $eft$ung beftdtigte. .Röntg S^bann erhielt im folgenben
3abre von $aifer Vubtoig bem Öaier bie £)berlauft$ $um
größten Steile ate Sehen ^ugewiefen. Der Stabt ©örlifc lag
10
- — —
jebo# bauVtfäcbttdj baran, bem 5Reid>e ©ofymen einverleibt *u
werben, um bem beftänbiqen ftürftcnwedjfel, ber febr foftfmeliq,
war, ein (*nbc \n machen. tfun, im 3. 1328 jinben wir
qörli^er ©efanbte bei bem älteften fehlte jofyann'tf, bem nad>-
maligen #arl IV., welche ihn, a($ ben qefefclidjen Arbeit be$
böl?mifcben fteidje*, um Sieberoereiniqunq ihre* C%biete* mit
Sehnten baten. Äarl wwenbete ftd> bei feinem s43ater unb
ber SSunfd) fam wr Shitfubrunq: .freneq ^einrieb wfaufte
6tabt unb Sanb au tföniq 3^«nn" unb am 3. ^ai 1329
würbe bie llrfunbe hierüber aitö^erteUt.
*Bon nun an tbeilte Wörlifc bi* tum 3. 1636 alle Veiben
unb ftreuben bei* werf) fei nben (Mefdnrfe Pehmen*. $ad) tföntg
3et)ann$ Sobe in ber €cbladn bei Grect> fiel batf (Gebiet an
feinen Sohn tfarl IV. (1347—1378), ber im 3 1377 feinen
jünqften 6or)n 3obaime* ;um 4>eqoq von ©örlift ernannte
unb baö Gebiet von (ftorlio in ein gürftentbum verwanbelre,
weld)e$ aß bebmifebe* Unterlegen verwaltet warb, bi$ e$ bnrd)
ben üob 3cfyann* 1396 wieber an Scbmen wrürffiel.
Die folqenben flieqenten waren »en*eUV. (1396- 1419),
Siqmunb (1419— 1137), 2Ubrecr)t Ii. (1437— 1439), Jtatidlait*
'JJofthumu*, bem erft 1 4n3 qehulbiqt würbe, fatim <wei 3abre
Bor feinem lobe. Die faum verfyarrfcbenben 2i>unben ber
^ufttenfrieqe würben burd) bie Stiabl be* $nftten ©eorq $0*
biebrab 1458 für bie £ed)*ftäbte unb (Mörlifc wieber jiim
fluten qebraebt. (Mörlifc hutbiqte auä fatl)clifa)er Öiqeteric
erft fpät, fiel aber balD mit beit cuttern etäbten wieber ab
unb fam in bie verwtcfeltften {(ebben bis \n ©eciqd lobe
1471. Sa>n feit 1468 führte $iattbia* 1. Coroinud bie
Oberberrfd>aft in ben tfaufi&eit, wa* ^u neuen 9}erwirfcluna,en
mit bem Okgenfpuiqe SBIabiälaw 3aqello führte, bifl legerer
enblid) 1490 $llleint)err na« SWattbia* Sebe war. 1516 ftarb
2ßlabi$law, auf weldjen bitf jum 3. 1526 l'ubwiq, töonia, von
Ungarn, folqte, weldjer bei Webau qeqen bie dürfen fiel.
Sott nun an felqte bie auf ben bret£i<iiähita,en Aliieq feine
Unterbred}ttiiq bei ^anbedberren. X)ie fteifyenfelge ift: ger-
btnaub 1. (1526-1564), SHarimilian II. (1564—1576),
bolpb II. (1576—1611), Mattbia* II. (1611 — 1619). ger*
btnanbll. war jwar fdwn 1617 in kauften t>orlaufi^ aebulbiqt
werben, bod) hielten e£ bie ced)6fitäbte fowie ®crli6 fe lan#e
mit griebrid) von bei s4*faü, bie bie 6a)lad)t am weisen Serqe
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11
renen Entthronung tewirfte. €<$on 1621 warb Obeilaufte
t>om Aatfcr an JRurfürft >hann ©corg L »erpfänbct; 1635
fam Sc «^an^ an Sadjfen im »rager Separatfrieden.
Äurfürften von Sacbfen unb ^crren Der Oberlaufs waren
nnn: 3ohann ©eorg I. (1635— 1657), Johann (*teorg IL (1657
-1680), Johann Okorg III. (1680—1691), Johann ©eorg IV.
(1691 — 1694)r Friedrich fluguft 1., and) Der Starfe genannt
(1694 — 1733), grtefttdj Huguft IL (1733 biS5.£ftbr. 1763),
griedrid» Gljriftian (5. Cftbr. 1763 bi* 17. Secember 1763),
griebrid) III. (son 1763), würbe 1806 ßonig von Saufen
Hnb mufjte einen Ibcil bei £)bedaufi$ nebft ©örlifc an ^reiujen
im 3. 1815 abtreten, wo ohcIj bie Huldigung an «ftöuigftrieb*
rid> Sttyelm III. (t 1840) erfolgte, beffeii Sohn griedii*
mWm Vi. in bei ©egenwart regiert.
©aultcrje Cntwitfefung ber Stabt ©örlifc.
ffuf hügeligem $\oben unb auf rem «$anqe bee* 99erg*
riirfen*, weiter auf bem Obermarfte bereite 656 ftuß r)och
über bem -Jtteereäfpiegel ber 9corbfee, unter 51° 9' 8" nörbl.
breite unb 32° 38' 42" öftl. l*änge, von ber 2ande$frone nach
cen fteifen Ufern ber läufiger (bei Welchenberg in Böhmen ent*
bringenden) sJReißc abfällt, liegt bie je£t ungefähr 19,000 Seelen
wählende Statt TOrlifi. $ln beiben Seiten be* hier ferjr ab*
fchüfftgen Steißen fere erheben jtcfi bebeutenbe 4pngel}iige, weld>e
bie Stadt völlig beberrfdien.
©örli§ war urfprünq(id) nur ein Dorf *) (93illa), unb ber
ferbtfdje 9tame „Sf^orelif" (Sranbftätte) bezeugt, baß Statten
reffen (Erbauer gewefen ftnb. ^orf lag an bei 9tya
(^ei#e) unb Sunua, etwa auf ber Stelle, wo je&t ba$ fo*
yt\Mi% Ui 35urgermeijier ju (fcrti* (tMW Jtd^ftt), 0tttt| 1839," freierer
edmft »tr, vfTglicbcii mit ben JVathörcrt^nunqon , 3in** unb (9efd)ptf--
bwdiern :c. fctoebl in tiefem al« im 3. &apitel im «efeiUUeben gefolgt firtfc.
SmittS tfetpttcl.
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genannte „9tieber*fertel" iß. Der ?(u*t>nicf „ 93111a ©oreli*"
rommt in einer Urfunbe vom 3 1071 sor, worin StM$$ä&*
ria> IV. bem€tifte *u beißen acht fömgliche £ufen in(**oreli*
^eignet, welche einem gewiffen JD^er wegen begangenen Ver-
brechend abgefprodkn werben.
Untere Dörfer, fpätcr 6 tabt; Vorwerfe, welche bei ber
jefeigen 6tabt lagen, unb tbeüweife ftitterftyf waren, wie ver~
fct)ierene 9cad)richten in Den alfen Stabtbii ehern beweifen, ftnb:
Jllepbetewalbc (bie ctufkre 9tr$wjfciM iml» He bleichen, tm*
gefäbr bte *ur alten lanbaner Strafte); $ertf>olbc<borf, von
rem früheren Sefifcer, Witter Veitbolo, fo genannt (rie innere
Sceifworftabt, £bergaffe, Töpferberg, töabettgaffe, faft bi* nadj
9Wop$ hin); @onrac$borf, 13().i .ttunftinöborpb, and) tfunnen-
borpf), 1309 (*onrat>eeborph (bie ^arfanla^en, sAWtl)lweg, tfohl*
gaffe, 6ommergajfe, £)bermül)le, btd an bie9?ei£e); @alman6«
borf unb tfrewelöborf (bie 3afob$gaffc, $almhof*ftra|?e, Heine
unD grofie bieSni&er ©äffe, Salomonägaffe, (froetegaffe, tfuh'
gaffe, baufcner ctrape, 6teinbrud), bie leiche, grüne Kraben,
£of)egaffe, fidl. Okab^affe nnb bie 6$<utftM umfattenb).
Oberhalb bem Dorfe Wötlifc, auf bem [teilen fteleabbange
Ulm Wcifmfer, lag oatnal* eine $urg, gleidjfallo flaoifchett
Urfprung*, Drebnow genannt, wahrfcheinlid? ber eine*
weurifdKit ^irfobeamten ßupan ober €npan). Dtefe ©krj
war tmrd) ftcuer *erftört worben, nnb bie Vötjmen bauten im
3. 1126 ungefähr auf berfelbcn Stelle, wo ie&t bie ctrafanftalt
fteht, eine neue Sefeftigung , weld>e ben Hainen be* baruntcr
liegenben Dorfen 5)}orelif, t>. i. Wörlifc, annahm. Die 93urg
muß halt» wieber renuduet worben fein, benn fcfyon im 3. 1131
begiüubete fie «£>enog Sobiedlaw ron Böhmen auf« Weue.
sMt bei Aunehmenbeii ^nwlferung tu ber 33urg mußte
man auf Wuäoehnung fmnen unb fdwtt um bie Witte bec* 12.
3ahrhunt>ertä mögen ftd) bie dauern ber s£imj um bie Straften
erweitert haben, weld)e jeßt unter ben Wanten j>iinwalb, Äird>-
berg, Steipgaffe, ^etertfgane, Wifolaigaffe unb »ftarpfengrunb
befannt ftnb, von betten ftd) ber ftubau im i'aufe ber folgenben
3ahr\e()nte um oic föofcugaffe, 3nbettgaffe (wo bie 3ubett
wohnten), beu Jparingtfmarft ober llntermarft, bie ^ellegajTe*),
*) £ort lammt nud) im 3. 1527 (6affr, ©ort. SRaHn<annalen III.
28.) ein 5Merhau* unter ttm Namen „ric ^elle" O&ölle) vor. «Sctjen febr
ftnb ift toxt ein .ftvetfdjam flewffcn. Actor. (1432) üb, p, 24.
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13
*ie ©rubergarTe (feit beut Weiteten beo ÄlofterS fo genannt),
ccbmaqegaffe, fteDermarft (gifdjmarft), Barfergaffe, Sebergaffe
unb £anbroerf (au* ©ewanbmadjergajfe, weil fid> bort vor*
)ügüd> bie Söollenweber, t>lamlänbifd>e»t Xuc^madjcr anfiebelten)
unb Die Ärämelgaffe aümäljlig audbermte.
bereit* im 12. 3af>rf)unbcrt muß auf Dem Burgberge eine
Äapetle ober ein Üirdjlein erbaut gewefen fein, tatiumj. 1225
erfolgte fd)on ein Umbau ber $eterofir*e.
Burgberg tyiet* ber gan$c gelfeu, auf welkem bie $urg
»iib ^eteröfir^e ftanb. (*r würbe begreift *on ber 93urg*
freibeit. 4pier jianben früher Siebelrjofe, eifce ber Stüter,
roeldje nid)t unter jtäbtifd?er ©erid>tobarfeit waren, beren
©rmibjrücfe jebtrd} feit bem 14. 3al)rl)unberte, wo fte ba$
gewaltig aufblübenbc 93ürgertt)um ju meiben begannen, all-
mälig vorn *Ratt)e angefauft würben. Xiefer wneljme ^Be-
ut! umfaßte ^eteregaffe, Wifolai gaffe, ^eipgaffe unb .ftainwalb.
Xie Käufer mit$öfen Dort fmb in Derivat meiften* ©rauljöfe.
Da* jefcige Eanbrjau*, ober £d)lötjd)en, war lange $eit
ein cieDetyof. 3" fpäterer 3eit fommt noct) ein s$ewol)ner
^ef^elben t>or, bem bie 6taDt auänafjmäweifc Den ü*ßol)nfi$
bierfelbfi gemattete, oljue Dai* er Bürger werben mu^te.
»ar Die© ein früherer s|iräfeft auf bem £)wbiu, 3afob »on
§••(), fönigl. Staft unb Äammerfefrctdr in oetylejien. (£r
^e Den Dienft aufgegeben, um feine le$tcu läge in *Kur)e
IV verleben, unb erbat fUb im 3. 1563 ttom Äaifer bie (£r*
taHbiiifj, Den Söoigtdbof (bie jefcige 3trafanftalt) einzunehmen
Mb 300 Xljaler barein }H oerbauen, waö il)m geftattet warb.
$od) warb ifjm ber Äuöbau biefes großen (Mebäubeä |u foft*
Ipielig, wetfljalb er mit (Genehmigung bee Matltf ba$ vEdjlöp-
auebaute*). ^act> il)m bewoljnte bao cdjlötidjen ber
weflenburger bitter, griebridj cpätf), in äljnlidjer 2Beife.
Vtm Untermarft wollen wir unfer ^lugeninerf nod; auf
e'n ®ebäube richten, weldjeä i>ermutl)lid) mit bem fogenannten
M^^önen .jpofc," bem sJ*atl)f)aufe gegenüber, jufammenbängt.
$iefed £auä, ba$ ©rofmann'fcrje, »on bem im 3- 1833, al*
umgebaut würbe, ber (SM. SBegweifer, 9Jo. 31. eine 9lb*
bil&ung gebraut ^atf fyiep in alter 3«t „ber Xempel." SBeit
') Ueber Hefen t>. J&aafl unb feine Dtieberlaffuna f. au«fttf>rl. Äauf*
1«'« Cbetl. ©efdj. 111. 334 (f., »gl. 0rofftr 1. j>, 213. ff.
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u
biefer &uoDrucf fdjon im 3. 1309 vorfommt, war bie Sage,
eä habe bort ein (Grunbftütf Deä XemplerorDenä gelegen. Dod)
ift tiefe Meinung fd)on voüftdnDig widerlegt*).
Vlio Daä gran^tofanerflofter begrüubet worben mar, ftant
eä außerhalb ber ÜKingmauern, mtb baö nad) ihm f)iuruf)venbe
Zi)ox (vielleicht am Ausgange Der 33rüDergaffe \u fud)eu?)
würbe bae ©rüDerthor genannt.
Die (friitnwljnenatjl wud)S rafd), befonbeiö Durd) Den
3ujiup von Vlamtänberu, weldje bae £uchmad)ergewerf hier*
felbft griinbeten, feit c. 1 1 50. 3)al)er erfdH'en eä fd)on im
3. 1255 bem SRarfgraf.eu £>tto von Trauben tmrg nothwenDig,
bie 8tabt ju erweitern.
(Sr rip bie alten eigenen ^efeftignngen nnb dauern,
weld>e Die Mtftabt vom Softer trennten, nieber, unb $og bie
neuen 9)Jaueru unb Ihnrme vom 9Jifolaithor, Idngä beö £alter*
berget, grünen ©rabenä, über ben jefrigen 9ta(>ml)of, bie an
ben Aufgang ber teteivanbmadjcrgaffe, wo bie neuen dauern
mit ben friil)eren, juni 9ietpthor fid) fenfenben, verbunbeit
wurDen. $öo jefct Der Ü)eratanipla$ ift, inöbefonDere in ber
9tdl)e be$ 3^"^-' ober grauenthoreö, befanb |td> fumpjiged
l'anb, ku beffen 9lu6fchüttung unb Auffüllung ^erraägtniffe in
ben ctabtbüchern verleidetet ftnb.
Doppelte (Kraben mit ^allifaDen würben um biefe %n*
läge geigen, beren äußerer Umfrete Die £tabtfreihcit genannt
warb, b, h., ctf Durften, Dorf) nur mit betonterer (Genehmigung
be$ Watt)*, höhnte £dufer erbaut werben, um bei Der ton*
ndherung De* geinbe* fofort Durch ©ranD Der Vernichtung ge*
weiht werben \u fonuen.
So entftanb bie Weuftabt. 3« Oft Bereich gehört ber
£>bermarft (bie tief in** 16. 3ahrhunbert „Sccumarft" ge*
nannt), bie Steingaffe ( wahrfcheinlich , weil fte juerft maf*
ftv gebaut oDer juerft gepflafitert war), bie ftonnengajfe (ent*
weber von Dem beim älojtar befinblichen £aufe ber graste*
fanerfdjweftern 3. Otegel ober einem 9fejiben$haufe ber $on*
nen au* 9)Jari*iithal fo getauft), Jtloftergaffe, ©reitegaffe,
3ubenring, gleifchergaffc, ^lattnergaffe (wo metften* ^armfcV
oDer s4>lattenfchmieDe wohnten), SBüttaergafK unD Sangengaffe.
•) mhtrd iiUt t>a4$a\i6 „bttXtmptl" f. <3ötl Mc$tot tfcr a. a. 9.
u. 3atyrgang 1838, 8. 392. ff.
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4 5
Die tarnen ftnr im «aufc ber 3cü *idfart abgeändert Wor-
ten unr raber fdjwer Mi beftimmen.
Die Käufer, namentlid) rer Mtftart, »arm ramal* fafl
leriglid) aus bo\\, ma6 gam in rer Äälje wud)S, gewimmert*,
fie waren mit (liebeln unr ßrfern serfeheu unr unterhalb,
inäbefenrere an ren SWarfrpläfcen, fogenannie l'äuben, weldje
na* rem Srante reu 1525 gröfneutbeilfl mafftt» gebaut unr
mit ©ölhungcn verfemen waren, über welken tu reit Käufern
3immer angelegt würben. Namentlid) rie (Giebel waren bei
ten geuersbrünften febr gefäbrlid). Die (Srfabrung mad)te
aber utdjt Rüg. 1329 brannte faft rie gante Start nieder;
1331 mup flUeS febou wierer von $oU aufgeführt gewefen
fein r renn eS wirr üon einem gleich auSgerebntcn $ranbe
beinahe in rerfelben Startgegenr unter riefein 3aln*e berietet.
Ceftcntlidje (JJebäure Meinen feit rem 14. Jahrb. mafjw
gebaut Worten ut fein. Das Älcfter mag aud) grojiteutbeil*
?on früh an fteineru gewefen fein, ra es niemals abgebrannt
ift tre$ großer geuersbrünfte in rer Mä^ej ebenfo ifi e$ mit
rem ttatbfcau*, was am Anfange re$ 14. Jafofy erbaut fein
mag. 33iS auf ren (Hrunr fanu es niemals abgebrannt fein,
M l»ie feit rem 3abrc 1305 bort aufbewahrten ctartbfidjcr
nicbtS tavon mciren. Rur ras Dad) war mit Schütteln ge*
redt unr brannte einigemal, wie in rer befcittern s£efdncibuug
refelben im $(nbangc mitgctbeilt ift.
3«nt 39au mit Steinen mögen aud^ rie effentlidjeu s3au
'ten, namentlid) im 15. nur 16. 3abrb. angeregt haben. Seit
rer Gfrfhtfenng res Scbicfjpulr'erS, was freilid) wabreitt rer
^ufiteiifriege wegen res mangelhaften OU*braud)cs unr rer
.HenntnitHongfeit rer Sücbfeumeifter (geuerwerfer) mel)r fd?a-
rete als nü^te, murren rie Xbürme, Saßrien, dauern unb
Sollwerte mafffo gebaut. Seit rem 16. jaljrb. erreichten rie-
felbeu eine unglaubltdje Dtrfc. 9fad) rem großen SJraitte r>on
1525 bauten rie Bürger grcptcutbcils von Stein, unr rer ra*
mals ausgebet djnete ^ennersrerfer Jtalf, rer forgfdltig zube-
reitet, rem Hörtel gleid) war, gab ungemeine Jpärte unr
gejtigfeit ren dauern.
3m 3- 1329 brannte wahrfduinlid) aud) rie von ü)?arf*
graf Otto neu angelegte $urg mit ab; mdtf \\\ t»erwed)feln
mit rem Sdjloffe; legeres naunte man im 3- 1376: ra<5
neue £au$. CSö ging vom graueutlwrc — ber grauentburm
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IG
war ber S<$(oßfyltrnt — (jerab biö auf ben gifdjmarft, biä
jum gegenwärtigen 3nquifitoriat, wo bamaltf bie fyofyn*
»efte, baä Stabigefänguip war. 3ut 3. 1376 machte man
einen Durchgang burd) batf neue $a\iü, wa$ burdj bie (Er*
nennung t)eö «öerjog oofyauneö, 311m «£>erJt0g von ©örlifj, bef-
fen ^auptaufentfyaltäort ©örü$ nunmehr fein follte, widriger
würbe. ($3 war aber nod) t>cr Umftanb, weiter einen 9Reu*
bau erforberte, bap in tiefer 3e** &w 3ud)mad)cr unb ©c-
werfe feljr aufrüfyrerifd) gegen ben jRatl) waren, wegen ber
vielen Soften, weldje bie unten erjagte jerftörung von 9ku*
fyauä verurfadjte. iBarum würbe ber SBeiterauäbau befehlen,
welcher mehrere 3af)te bauerte. 1380 mujjte bie Ringmauer
beim 8d)loffe gebeffert werben. 9?od) im 3. 1408 befat) fidj
^önig 9Ben^c( bei feiner Slnwcfenljeit in ®orU| bad neue
S'auä. 1474 erlaubte ßönig 9)fattl)ia$ ben Äbbrud) Dee
djloffeS, ber benn aud) ntcfyt lange nadjfyer erfolgte.
^011 ben üfyürmeu war ber merfwürbigfte ber im 3» 1836
abgebrodjene 9?ci£tl)urm *). @r tonnte leictot ber ältefte unter
feinen ehemaligen ©efd) widern fein unb ftaub biö gum 3. 1397
an ber v£rütfe, unter il)m burd) führte bie Strafe.* 3ut %
1397 waren bie Letten an ber33rücfe jerrijTen unb ber übrigens
hölzerne Xburm würbe wieber neu gebaut. 66 war ein SBädjtcr
oben, welker bao «Jporn Mied, geueröbrünfte unb Traube an*
fagte; aud) fd)o£ mau von bort mit dfrmbruften. 14J5 baute
man ben Xljurm nodjmaltf neu, mit füarfeu (Sid)en befeftigt,
mit eifernen %£>afen unb Unfern verbunbeu unb mit ät^11
geberft. Seit ber 3cit biefj er „ber neue Xfjurm." 1426,
nad) bem $krluft ber cd)lad)t von Mujjig, würben bie dauern
am Ärifttfcurme normale mit eifernen jpafeit verfdjränft, ein
neuer ^öobeu gebaut unb baö £ad) neu mit 3ifgrl" gebedt;
ebenfo würbe bie £altbarfcit bee XljurmbobenS verftärft, ba
legte ^einrid) v. 3)ialtt$, ein bitter ber Weber lauftfc, an ben
dauern unb Ifyürmen überljangenbe 2Bel)ren au, wa$ aud)
beim 9ceiptt)unue gefdjal). sJHan untermauerte bamalä aud)
baS 9?eißufer an ber Stelle, wo £f)or unb Sljurmbefeftigungeu
•) Aleiut ßnrenif t>e* Oleiptfyurmd (von äöljler) im ©orl.
toeifet 1836, 9to. 15, 16, 17, 18, aud) befonfcer* mit itoei «bbifouna/n
(ber 3>trm 15Ü5 u. 1836).
1428
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muten. $icfe Befestigungen betriff«! fich bei mehrfad>er
anwcfcnbdt ber £uftten vor ber Stabt fehr äwecfmä£ig. 1438
würbe Die Xreppe auf ben Xfyurm gebaut, ebenfo 1455. 3m
3. 1525 verbrannte ber Weipthurm unb würbe erft 1539 wieber
aufgebaut 1687 würbe Die Spifcc beö Zburmd um eine l*Ue
gefünt vom ^£>erfmeifxer @cor<} ^>eutfd)el. Sei ber Belagerung
1641 würbe ber Xrjunnfiiopr ruinirt unb eift 1665 wieber
bergefteüt. J726 am 30. Slpril würbe ber Sl)urm biö auf
bie Stauern niebergebrannt. X>cr Uuebau im 3- 1737 foftete
circa 1350 I^tr. £ie 3»«nierarbeit beforgte bamalö ©eorg
£amann, bie Maurerarbeit Samuel Sucfert, 9fitfftc6t hatte
ber Bauinfpcftor Stabin Dr. ©e()(er unb ber Baufchreibcr
Benjamin !)iegiu$. ©Iqrfengießer Benjamin Jrörner gofi bie
neue ©locfe unb Xitbreat feinde fertigte ben großen Änopf.
1836 würbe ber Shurm, weil ei bie sJ?affage am sJceißti)ore
verengte, gan$ abgebrochen.
3m 3. 1407 würbe ba$ Saljhanö auf bem Cbermarfte
begonnen, aber erft 1470 vollenbct; ebenfo 1190 ber Jtaffertruft.
(fr bat djjeüweife febr biefe ÜRauern (nact) bem I6pfertl)ove *u
7';2 (iüe), jeboer) ift ber obere lljeil nicht gewölbt. Xhnrme
unb Boüwerfe biefer 9(rt, wovon uod) einige wenige Bajteien
ftd) ci halt hl Ijaben, gab eö fel)r viel. Httf einem Bilbe von
@örli^ vom Anfange be$ vorigen 3ahr^unocrJÖ JÄ^ten wir
noch 32 3 härme unb Xhürmdjen ohne bie feften ifjore, ob*
gleicl) nad) ber Belagerung von 1641 viele fd;abbaft gewor-
bene abgetragen finb. 3" ben fefteften gehörte ein ieefungö-
werf an bem 9ieitwfcr bei ber Briicfe, bie JDcbfenbaftet, welche
im 3. 1525 bei bem grojkn Branbe mit nieberging unb biet
1536 in Zinnien lag, in welchem 3 ahn* fte hoher gebaut unb
mit ©ervölbe verfehen würbe. $)a3 Ü>acf/ war von gehauenen
Steinen, auf weldje Jialf unb bann erft Siegel famen. 3)ort
war bie 3nfd)ttft: Ci vitalem melius ainor civium quam
alta propu.qnacula tutatur. *) 3m 3- 1833 Würbe ber auf
ben Jlup ui liegenbe $r)eil biefer Baftei mit großen Schwierig*
feiten abgetragen, auf bie man fc^on 1823 beim Abbruche ber
Baftei jenfeit ber ^eipe, welche auf ber Stelle ber feftiaen
Sauer'fchen gabrif ftanb, geftopen war. 9citht weniger feft
') „$it Siebe ber «Bürget fcefd)ü$t eine Statt beffet a(* fteüe
$<ftuuvi*tt>erfe.''
1*c dachte von 0trlift. 2
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18
war aud> ba« S3oüwerf Sßagenfcroffel; e$ wufbe 1429 ab*
gebro^cn unb ftonb beim Äifolaitfyurm. dbenfe feft war bie
alte Pforte (jefrfge ©ebertljor), abgebrochen im 3.. 1843, bad
grauentfjor (abgebrochen 1846, 1847), ba$ reidjenbaaVr nnb
Wfolaityor (abgebrochen 1848).
SBenn man im 14. 3atyrf)unbert burdj bie finfterit «nb
engen Xfyore über bie 3w9^riiden unb ©räben au$ ber 6tabf
gerommen war, war man nod) nity ganj im freien. (5d
ging im llmfreife von einer falben ©tunbe ein $a(Iifaben$aun
um bie fi$mmt(ia)en @tabtmauern, unb wieber eine SBiertelftunbe
weiter, foweit ba$ ffieictybilb ging, ein ©raben, ber fogenannte
8tabtgraben. 3nnerf)alb be$ genannten *ßaUifabenjaune« vor
bem Srauentfjore war ber ftäbttfd)e £)bjigarten. <£ine zottig ver*
fdjwunbene Capelle ober Jtirctye werbe hier noch erwähnt, bie fo*
genannte @trot)fira)e, welche einfi auf bem ©raben an ber
i?unifc ftanb. 3m 3- 1380 heißt eä in ben mehrfach genannten
Stabtbüchern, baß ber 3ai*n M ber ©trowinfirc^e gebejfert
werben \ft. 1386 von Äenberung ber Umzäunung unb beS
©rabenS um ben Dbftaarten (pomeriuiu) unb bie <§lrobfira)e,
ebenfo 1387 unb 1389. 3m 3. 1392 verfauft man $fft$le
bei ber <£tro^fira)e. 1398 wirb bie 3Rauer bei ber 6trof>*
ftrdjc gebaut. 3nt 3- 1434 l)ieß noch ein ©runbfförf, ein
©arten an ber 8uni$, <Strof)fira)e*). 9)?ehrere6 if? über biefeä
©ebäube nia>t befannt, welches, wie bie Capelle am gujje beä
Sßeinbergeä natt) Sefa)wit ju, in ben Fricgertfdjen ^dttn wäh*
renb ber Äufitenfriege abaebrannt worbeu iji. Severe würbe
1425 jerftort. Um biefelbe 3«t mögen aud) bie !Rebenpflan*
jungen auf ben fogenannten SBeinbcrgen wieber eingegangen fein.
©a)on 1379 unb bann 1420 ift von einem Sßege bei
bem SBeinberge bie 9tebe, welker bamafö auägebeffert würbe.
9Rod) im 3. 1410 würbe ber SBerfud) wiebcrljolt gemalt, SSBein»
Pflanzungen auf jenen $tyen, beren eine ben tarnen 6a)we^
benfa^anje führt, anzulegen, unb jwar von etfafftfa^em SBeine,
unb bei biefer ©elegenljeit vom §fatl)e ein dffen veranftoltet.
£>ie SBerfuche mißlangen aber.
Die $orjiabt vor bem Äaifertrufce burfte früher nur von
•) Lib. Resign. I. f. 37a. ©trofirty off bemc $rahin. 1434. Ibid.
$<ter »nb Sebbum eiw gorttn (Slau* jhitfned>tc gen. ftroöfitthe bö ber
Unqc erbitten, f. 80b. f. 65.
♦
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1»
£o(j gebaut fein nrtb jwar unter Der Sebütgung, bei Vit*
ndberung bed geinbeä fofort abgebrochen ober aftgejünbet *u
»erben, £ange $tit ifl biefe wrjtabt, welche auf feuchtem
SXoorgrunbe fleht, einer ber ftaifte in bev <Stabt gewefen,
100 man oie meiften 93efürcbtiingeii vor Skanb hegte. Ter
Käme war bdmältf, weil faft alle $6ttfer, wie ein Xbeil noch
je$t mit ©eiligen unb Väuben verfeben war, 9?abelduben, ober
ftabemarft; bort war an ben SBällen bic alte $rontenabe,
&nben, 93udjen nnb Jfaftanienwälbcben unt> aud) eine Rappel«
alle*. Seit ungefähr 15 Sauren ifit fo viel gebaut worben,
bat* ber völlig nmgewanbelte $la& fänftit] als einer ber febön*
ftert <5tabttr)eile prangen wirb. 3«r Erinnerung an ben ver-
cienjivoffen Oberbiirgermeiftei Xemiani l)ar man ben €tabt^
ttyeil $emiani*la$ umgetauft.
Die meiften baulichen Seränberungen finb in unferer
etabt, wie febon angebeutrt, feit ben legten jwanjig fahren
vorgefommen, bebeutenber al6 fte ftd) feit Jafyrljunberten er^
eignet fyaben. Denn wenn auch bie vielen $3ränbe im 3nnem
ber mm (1329, 1331, 1456, 1506, 1525, 1537, 1633,
1642, 1643, 1691, 1717 (wcflbalb bie ©ranbyvebigt gehal-
ten wirb), 1726, 1759, 1807, 1811, 1813 (12. «tyril, 5.
6e>t; — bie «orftäbte würben, wie j. 93. 1641, mefyrmal*
gan; ange^ünbet) bie Strafjen nnb Jgjäuferlage oft wefentlid)
wrrengeTt ooer Verbreitert haben mögen, wobei bie Kamen von
ganzen <Straj*en vetfdjwunben unb von ben gegenwärtigen ver*
brängt wotben |lnb, wie ber ftelfrermarft je^t gifdjmarft, bie
®ewanbmad)et(lraee jefct $Beberffra£e (1331), bie folbifcer
unb ^gaffe (1371), bie 33üttnergajfe (1378), bie Oe(fd>lä<
gergaffe ic, ber 3ubenfir*f)of (in ber flal)le? 1411); fo blieb
Dod> ber »aum in ber Stabt immer ber gleite unb bie 2&!Ue
mit ben Stürmen unb hafteten bewahrten baö altertbüm*
Ikhe Profil. Gbenfo ftub im lieber Viertel meiere neue
tarnen, wie «eine unb große Sranbgaffe, 6teinweg, Ken-
gaffe, aufgefommen, nur bie Kamen ber gunifc nrtb #og^
(9affe finb uralt.
Seitbem aber bie Sevölferung ber etabt trilmer mehr
im Saufen aewefen an* namentlich ba* $rad>tfnf>fWerf unb
*ie Sikgenpaffage lebenbiger geworben ifl, fo baß einige €tef<
len lefXitfgefdfjrlid) Würben, toAr man fottbauerflb foWoM
auf erweiterung ber 6traßen un* Z^xplä^, al* a»d> auf
2* £ c ,
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20
9(u$behnung ber Start bebaut. Damit eine gleichmäj&ige,
elegante Bauart in reu neuen ^(ubau fomme, hat ber 93er-
mejfungc* 'jRftifor SBäge im Auftrage beä Sflagiftratö Die
ganje ^sstabt nebft gelbmarf ttermeffen, unb 1849 einen großen
*pian geliefert
Älä unn befonberen Neubau beftimmt faim man annef)*
men ben 6tabttheil sor bem Jrauentfjore nach bem ^Bahnhofe
$u, wo fcf)on jefct in §olge eineä neuen »on ber fönigl. 9te*
gierung in $iegnifc unter bem 24. 'December 1847 genehmig*
ten unb am 6. SÜMrj 1848 vom 5J?agiftrat üeröffentlidjten
Vauftatutö, in graben Linien gebaut werben muß. 3" rcm
neuen Einbau geboren bic Vahnhoföftraße , bie Heine bieänifcer
(Straße alo Verlängerung ber Salomonögaffe auf ber ^abn-
hofsfrraße auämünbenb, unb bic im 3. 1848 »ollenbete 2Bebcr*
thorffraße.
Vluner bem oben angeführten Abbruch toon 33afteien unD
Xljoren fmb in neuefter Seit, im 3. 1848 unb 1849, fcerfchie*
bene erweiternbe Anlagen aufgeführt worben. SENan bat ]\vi
fdjen bem Jrauenthore unb ber Saftet „fchwebifdjer gähnrid)"
einen (Kraben vollgefüllt unb bie <§tabtmauern abgebrochen,
fowie ben Verg am grünen ©raben etwaä abgetragen, woburch
bie Einfuhr bafelbffc erleichtert unb ber fo erweiterte grüne
©raben für fcf)öne ^aufteilen fehr geeignet wirb. 5)er S)e*
mianiplafc ift baburch erweitert worbeit, baß gleichfalls ber
Serg vom Xöpferthore nach *>em reichenbacher Xhore faft ganj
abgegraben ift. Von ber baufcner (Straße fowof)l als von ber
heil, ©rabögajfe unb bem ^reujthore h*r fmb bie 3^gÄnge jur
<5tabt bamit wefentlich gebcjfert.
Verbreiterungen beä 2ßeged fmb in neuefter !$tit noch
Doraefommen beim (aubaner I bor Durch Abbruch eineä ©anged,
fowte einer alten ©artenmauer hinter ber SBafferpforte auf
bem 9Bege nach ben bleichen; beim -Kieberthore, in ber93ranb*
aaffe; beim ^ifolaithore. 1 aburd), baß ber 9Äagiftrat eine
Spenge fleiner SauftcUen auf bent 5Riebert)iertel unter ber 93c;
bingung be$ fofortigen S(nfbauec3 tjerauftionirte, ift bort in furjer
3eit ein mafftoer, faft jierlich $u nennenber Neubau entftanben,
namentlich in ber £uni$ unb ber 9ccugaffe. — Die Arbeiten
auf bem l)emiampla$e unb tu ber fübweftlichen Vorftabt wan
bcln baä 8leußere ber 6tabt bebeutenb um, weiche feit mehreren
3ahren uragepflaftert unb mit Srottoird verfemen wirb.
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»ritte* MapittL
Ucbergang au$ ber 93urg <\ur Stabt. Soigtbing.
SSilbung be$ ©emeinbeleben*. (Sinfüfyrung beö
magbcburger $ecr)ta.
2&enn wir im vorigen Jtapttet von bem Dorfe (93illa)
unb ber ©Hrg ©orelij fprad)en uttb beren aUmäfylige bauliche
StuSbefjnung §u fcrjilbern verfucr/ten, fo war mit ber erftenfttu
läge ber Stauern über bie 53iirg fjirtauä nca) feineöwegS bic
Statt nadj redjtlicfjent begriffe fertig; efl fehlte ba$u ba$
Stabrrcdjt.
Um bie Sebenrfamfeit biefe* Sßorte* flar gu madjen,
muffen wir normal* jur $urg unb beren 3nf)abern jurnrf-
fefyren.
Auf ber Surg wohnten bie Beamten be$ 2anbe6herrn,
ber Snrggraf (castellaitas, burggravius), an bejfen Stelle
fpäter ber Sßoigt (advocatüs) trat. Diefc Burggrafen waren
bie erften ©ebietiger im £anbe unb ftanben unmittelbar unter
bem 2anbe*fyerrn, bem fte allein verantwortlich waren, tarnen
pon Burggrafen auf ber Burg Srcbmw, fpäter ©orelu, ftnb
gar niit)t vorrjanben; von Vögten nur einige wenige. $Bann
ber tfame biefer Sßürbe gewedelt fjat, ift gleichfalls nod) nierjt
fefeuftellen. —
3ur Seit be$ Warfgrafen von Branbenburg fcf)eint ber
£anbvotgt über bie ganje JDberlauftfc jugleid) aud) bie ©eridjtä'
barfett in ©örlifr unb bem ganzen görlifcer ©au gehabt *u
bjaben, ber bi* *u jener $ät nod) unter bem »ejirf «ubiffin
ftanb.
Die gormel bei Wenden: „3- be£*) wirb als £»bcrftcr
in Subifjtn gefegt, mit ben Dörfern, welche jefet baju gehören/'
woju bamale ©örlijj geregnet werben muß, bürftc fo auSju*
(egen fein.
3ur 3ett #er*og £einrid)* von 3auer fommt fem „$oigt"
in ©orlifr mefyr vor, wolil aber ber SluSbrurf: advocatus,
beffen in ber emverfeibungSurfunbe be$ Sanbe* CHörft^ leitend
»tfönigä 3ofjann von Boomen im % 1329 als „advocatus
Ciorlicensis" unter bem Kamen „3otyanne6" gebaut wirb.
(Sntfpredjenb feinem Stange fjattc ber Burggraf, fpäter
■J Script, rer. German, praec. Saxon. III. 2034.
22
SSoigt, ba« Statt, über bie Untergebenen ftedjt s« fprec^en,
weldje* ©eriebt man unter bem tarnen „*Boigtbmg" begreift.
(50 erifttrt fein gefdwiebenet? »cc^t unter tiefem tarnen, unb
fd)eint lebiglid) feewol)nbeit$red)t gewefen gu fein, wenn wir
nid)t annehmen wollen, baf* ba$ ©örlifcer £ebnrecf)t bie ©runb-
Kiijc ber SciqtfyntdK gewefen fei.
Dem Zeigte folgte im Wange ber fönifllidfc 3*id>teiv beffen
nur unten nod) befonber* gebeutelt.
WS ber Dritte auf ber Söurg wirb augefe&t: ber
berechtigte, föniglid)e ^Hcrtyeber [telonarius); a($ ber Vierte:
ber Verwalter, Weier, ©üterinfveftor (villicus), welcher fo lange
bie Verwaltung bc* Dorfe* CMorltfe tyatte, bi* e* $ur Stabt
würbe; al* günfter: ber ÜMirnjer (moni'iarius . 3f)ncn waren
nod) einige Rubere beigegeben.
£ie waren fämmtüd» Dienftmannen, bitter beä Äonig*.
3bnen war untergeben bie bewaffnete Wacbt berSurg, womit
ber Burggraf, ©urgvoigt ober (SaßcUan, tfyeilä bie föniglidje
Sitrg vertfyeibigte, tbcilä bie 9teifjbrütfc — weldje bie uralte
Vanbftraße au£ ^oleu nad> 8ad)fen vermittelte — vor feinb*
litten Maubfd)aaren beefte, unb ben be3sHkae$ gicfjenbcn jtauf*
leuteu biö jur nädjften foniglid)cn 33urg Geleit mitgab, um
fte vor SKchibem unb ißegelagercrn ju fd>itßcn.
3n baä ^ereid) ber 93urg famen aber nod) anbere ?eute,
welche für bie ^ebürfniffc ber Beamten unb ifyrer untergebenen
Krieger forgten, ihnen äleibuug verfertigten, fte mit 3ßanjern
unb 3Baffcu vcrfal)en, furji — ^anbwerfer. Sic waren für
ibre fßtrfptt nid)t leibeigen, — wie bie Solbaten, welche mei?
ften£ Anette ber bitter waren, — biegen „Surgfaffen" unb
ftanben unter bem Sdjufce ber ^urg.
?(u£ öurgfaffen, ^urggefeffene, 3Jurginfaffcu burgonses]
wurbe ba$ SBort „Bürger." Die SJurg würbe &u eng unb
' muftte autfgebebnt werben über ba$ Dorf unb nod) etwa$
weiter, wojit f^on im 12. 3afyrf)unbert ein Umftaub wefent-
lid) beitrug.
Um bafl 3af)r JLiO, wo ba$ je&ige Belgien unb «fwllanb
febr burd) bie einbredjenbe s)torbfce litt, wauberten viele Jlam*
länber, &lämifd)e auö bem Wiebcrlaube au6 unb famen in
bie bamalä nod) flavifdjen ^toviii^en SJranbenbura, Weißen,
bie Vauftfyen unb Sd)leften. Sie brauten bie lud) * ober
Sollenweberei in ©örlifc in ttuffctyttung unb waren jweifelloä
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bie Veranlaffung, baß ungefähr 1255 bie große <5tabterweiterung
vorgenommen werben mußte. 66 war ein fräfn'ger Stfenföen*
fctyag, ber bie 3been beä frriftnnigen SBeflenö, wo bamal&
febon bie fpäter fo berühmten £anfeftäbte emporbtöthen, nach
<**örli$ mpflanjte; 3been, welct/e manche forgenoolle €tunbe
ben Vätern ber €tabt bie tief ine 16. 3abrf)ttnbert bereiteten.
Unfer Volfäbialeft hat noch einige auf ihre Stärfe unb ©rob-
heil fyinbeutenbe Sluebrücfe, wie: ein slämfcher Jterl = trofciger
Sflenfth; ein riämfcfa* ©eftcht machen, ulämfcrjcn = zornig,
erbittert auäfe^u., /V * vV/V v^<<y.'
lureb ben legten 3"fto§ im 13: 3ar;rhunbert trat am*
bad 3nnungdwefen in ©örlift in ber TOtte beä 13. Safyffyun-
bertö in* Seben, bem wir im folgenben ©ucfje ein bejonbereS
c^arirti wibmen.
^D?it Verfertigung ber SÖaare fanb ftch ba« Vebürfniß
be$ tKbfafceä ein. (Sine 3dl lang benufcte man*) bie otelen
Jpetliacntaqe ;u Jabi märften, unb urfpninaiicb mag ber $ain*
walb unb Ätrctyberg, al6 in ber9?ctr;e ber ißeteräfirclje gelegen,
Verfaufdplat* gewefen fein, ber immer befugter würbe, in bem
Varbältmffe, wie baä £«tbentr)um allmählig au6 ber ©egenb
febwanb unb bem @r)riftentr;Hme SM machte, ©pater würbe
beim ©eiterbau ein befonberer ^la$ ba$H freigehalten unb
Warft ober 9fing genannt. 6o entftanb ber Vermag jefct
Untermarft, befftn tlrftmmg in ben Anfang bed 13. 3abrf)un*
bert6 fdüt.
*X)ie 6tabt wirb na* bem beulten begriff buret) ba$
Warfrrecbt unb btc Verleiijuna beleihen gebilbet. (Sine Ver-
leihung be6 SWarfrrechreS an wrlij ifl fo wenig wie an bie
anbern oberlauft&ifcben <Sccf?öftdbte befannt. Dad $eburfniß
febnf ben ©ebrauch beffelben unwförurlicr), unb au6 bem jahre-
langen ungeftörten ©ebrauebe würbe ein fRtdft.
2tte im 3- 1255 neue slämifcbe dHnwanberer naef; ©örlifc
famen, war ba(3 ftäbtiferje Sehen fer/on rege, obwohl bie 8b-
fydngigfeit von ber Vurg, bie fd)on bamal6 vorn »ornehmfiten
*) 3u btefem €AIuffe fdjeint «ne<&age iu beredte«, nadj »eitler
ttn einem ftenfier in ber $ tttxtUtQt na&> ber ©tabrmauer gefagt wirb,
bie b«rin brnnrtirtun toufartigen erhaben feien §ur (frinwning an ben
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93cwof)ner, bem ÜBoigte, ben Warnen 95oigtflr;ef führen mochte,
nod) nidjt gan$ gebrochen war.
t>er Dort ftfcenbc Voigt machte nod) Slnfpriidje an bic
^Bürger geltcnb. Sie ftanten nod) unter feiner SotmafHgfeit;
er woHtc über fic $tect)t ft>rcd)en — ba$ Voigtbing üben — ,
unb erfyob Abgaben, worin btc neuen (iinwanberer, rermutbltd}
^unact)ft au£ 9tieber[ad)fen unb ber Warf fommenb, eine &n-
mafhtng erblitften, fo baß arge Streitigfeiten mit bem Voigte
ftd> entsannen. $)ie neuen $nfommtingc fanuten bafl tnagbe-
burgifd>e Dtedjt mit feinen Vorteilen; fte matten für ftd) bic
bort au6gefprod}enen Safcungeu geltenb, trjeüten fte ben ein-
gefeffenen Stabtbewofynern mit unb bewirften baburd) große
Erbitterung gegen ben Voigt, beffen (Siufliiß im Verfjältnifi
jum 2ßad)$tl)um ber Vei^ölferung unb beren Selbftconftituirung
jum ©emelnbeleben beftänbig im ©infen begriffen war.
Diefe SUtgefejfencn, wie wir fte $ur Untertreibung von
ben sJ?eueingewanberten nennen wollen, befianben aber ntc^t
leDtg(ta) auä .^anbwerfern, fonbern eä war unter ir)ncn eine
klaffe, weltf/e befonbere Änfprüdje unb Vorzüge vor lederen
behauptete. lebten in ber entfiefyenbeu @emeinbe eine
Wenge gewefener föntq(tct>er Beamter, bitter unb Seute auä •
ber Stppftfjaft ber Wmifterialen, wgleia) $cft$er ber um*
Itegenben Vorwerfe unb Dörfer , bie ncr) etwaö beffer al$ bic
^anbwerfer bünften, einen befonberen ©eridjtflftanb in ftnfprud)
nafymen, bie @bel* ober ©icbelfyöfc allein bewohnten, unb |td}
allmär/lig ber Verwaltung ber jungen Stabt unb iljred (Sigen-
tfyumd bemäd)tigten. 2)a fte ald reia)e begüterte Seute an-
fdnglid) bie Verwaltung umfonft befergten, wie jebe$ begilt-
nenbe ©emeinbeleben berarttge 99eifptelc aufweifen wirb, leate
tl^nen 9ctemanb etwafl in ben 2Beg. 3)er arme ^anbwerrer
mufrte arbeiten um ;u leben 5 er r/atte ntc^t 3ett, ftcr) um ba3
Allgemeine \n befümmern. 3o würbe au$ bem, wad erft ge-
hübet werben war, eine Veredjtigung, unb im Saufe ber 3^
ein 9ted)t. 2)fefe ftäbtifd)en Sewofyner nannten ftd), jur Unter-
fdjeibung von ben ^janbwerfern, vorwgäweife Sürger, ©e-
faMedjter, $atricier. Diefe erften Bürger von ©örli& waren
alfo 5lbeltnge; fte ftanben über bem, wa$ jefct Sürger fjefjjt,
unb ledere würben Damals „2lrme, arme Seilte," genannt, welcher
8u$bru(f biö m<3 16. 3af>rl)unbert venugSweife and) für bie
dauern auf bem Sanbe im Sraucfj war.
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95cm ben alten ®efcr)le<htern wellen wir nad> äöhfer*)
einige anfuhren. 1308 fommt ein i\ OlerSborf (bamal»5 ^Bot^t)
r<er; von ?Rabeberg, welche eine Witzle am 9te$tbore, bie
Dörfer 9Hovd unb ^aufcbwafbc bcfajjen, baö SMngrctftt inn*
harten unb feit 1316 (ich auch de moneta (auä ber SNflgt)
nannten; v. ©al*a (auf ®ie*nt$ unb Deutfcbofftg); v. Älten-
barg; t>. £önig£bain; v. ($runa; vom Dorfe; v. SRonneberg,
welchen ba$ (jrbgut in £unfhn#borph — vielleicht ba$ alte,
1846 abgebrochene @hit auf ber n'ttauer Strafe, wo jefct Der
Bahnhof ijt? — geborte. *Rod} anbere fommen in ben <5tabt-
büchern vor: v. Scbönberg; v. $orftn>i(; v. ©ifdjofäroerber;
v. ber Äue; v. Strumpfen (1310); v. $ernharbe$borpr) ; von
ber ^)orfa; von SBenbifcbefftg (vorne winbeffjen O^ec); ^on
$iet*ni&; v. ¥ffd)wu); v. föengerflborf; v. l'ubwigäborf; v.
grieber^verf; v. *ßfaffenborf; v. $eopolb*hai»t; D. ©Mrtrwuij
v. £ö*li& ic. 2Kan ficht, baß ihr 9tame hauptfächlich vom
$citfc ber Dörfer, bie nach ihren» erften 93efi&cr genannt wur^
ben, herfommt.
Diefc ^bclinjc befajjen in ber Stabt bie Srauböfe, bie
Scbuh*, $rot* unb Jlcifchbänfe, bie Äramgerecbtigfeüen, bie
Bühlen (an ber 9?eifjbrücfc, in JClephclöwalbe [auf ben $(ei
eben), unb ju Äunfhnflborf [bie jefcige Dbermühle]), bte^abe-
fhibcn unb &potr)efc, unb erhoben für bie ^enuöung ber »ou
. ihnen errichteten (*)ebäube 3^d. 9(u6 ihnen würben bie ©e
ricfytafcfy offen gewählt, wout man, ba bie s3Rengc bc$ fogenannten
gemeinen $olfe ihnen fchon bamalG (im 12. unb 13. 3abrb.)
KU ferjr $1 Äopfe flieg, and) noch bie Jtaufleute *og. 3hne»
lag bie (Stabtverwaltung ob, unb nach Cfinfütyrung bed magbc*
burgifc^en SRec^td würbe au* ihrer $?itte lebigiidj Der 9tath
«nb ber Bürger meifter gewählt.
Da* Schöffengericht, bem, wie oben gefagt, ber föniglictye
Abrichter beiwohnte, war urfprünglfch vom $$oigtc pretnbirt,
bei bem u<le$t noch ber 93lutbann, bie peinliche (Berich fflbarfeit,
auf einige 3ahr$ehnte blieb, wübrenb bie übrige (Wcrichttfbar*
fett bem fonigiieben l?rbricbter unb ben Scfyöjfen oblag. Da6
") 9L a. C. €. 5, &i*rbti Jttofc, ®ffd)icM* ber ?anf»o^tf in
ber Cberlaufilj, I. $b. SWfpt.. in ber $iblti>ti)ef ber «tftHf^aft ber'Äincn;
feftaften, ein uöerf, Welc^e^ mit bnrrfj ben atgenftittfacit Stanb ber «fi?if;
fmfd?aft bebingten $erid)tiflnngen wUtfänbtg btltffmtg ift.
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SBoigt* ober (Sd>ebing, wie gefagt, fcfym feit 3a^ren wenig ge*
übt, würbe bem Zeigte befmitis genommen am 28. Syrern ber
1303 burd) Warfgraf $crmann von Sranbenburg, welcher
baS vorher fd)on bräunliche magbeburger 9ted)t ber 6tabt
gefefcmäpig gab. Uebrigen* hatten Die ©ürger, ba bie 3at)l
ber Schöffen and ihnen gewagt war, bei btefem ®erid)t ftetö
ba$ Ucbergewidjt unb überfUmmlcn häufig ben SJoigt unb ben
fümgüd)en ^td)Uc, welcher einen Xheil ber ©ertchtfgebühren
erhielt, währenb t*m Soiate jwei Xheile jufitänbia waren.
flach Hnttod* be$ alten ©tabtbuch* von 1305, welche«
bie su Bericht «Sifcenben namentlich aufführt, ift ber Steigt
bamal* nur fehr feiten, fpäter gar nidjt mehr zugegen gewefen.
211$ flnwefenbc werben (aujjer bem SBoigtc) aufgeführt: ber
(Srbridtfcr (fönigli^c dichter), ber Unterrichter (subjudex,
Schultheis), bie Schöffen (juweilen fehlen Einige), mit ihnen
bie ftathmänner (consules), bisweilen auch ber ©Treiber.
Sßterte« mpittU .
Die SBerwaltungSformcn.
2)ie oberfte 93ehörbe war ber 9tath, unter bejfen Leitung
bae Stabiler mögen verwaltet unb von bem alle 9ßert)anblungen
geführt würben, welche baS 3ßi>hl unt> Sehe ber Stabt be*
trafen. Der 9tatf) würbe nur auö ben ©efchlechtern gewählt,
welche, wie gefagt, fd>on früh bie Jtaufleute mit hinzogen,
enblid) bind) blutige (Empörungen ber «£>anbwerfer unb fort*
währenbe innere Unruhen aenöthigt, feit 1401 brei au$ ben
Urningen ber Xud)macher, gleifcher unb *Kt>thgerber $ur iähr*
(id)en Mathewahl (Mut) anließen.
DeriRuth beftanb, foweit bie£ au$ bem Stabtbuche (von
1305 begiunenb) nad)gewiefen werten fann, auä 22 ^erfonen,
welche in folgenber SReihe am 9tatty$ti\it)t fafkn: J) ber Bürger-
meffter; 2) bie Scabini ober Schoppen ( ursprünglich 7, bann
wedjfelnb jwifdjen 7 unb 8); 3) bie consales ober 9fratb$-
Herren, auch flelteßc (seniores, senatores) genannt, 11 an ber
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3a«; 4) 0er €tabtfdnetbet (protonoiarius); 5) ber Unter*
Äanfcbreiber subnokirius;; 6) ber dichter (judex). Einigemal
X«ä Siatbffollegium fommt fchou früher w atö bie
5öurbe 0e6 ^üraermeifterä (niHgisler avium, proconsul, pro-
toconsuJ . ^ahrfcfceinlich hatic 0amal* immer bei äiteftc
9latt)*l>crt ( rahcu proloooosul \u erflehen) 0en löorftfc unb
mar fo 0er (Srfte unter ben ©leidjett
Xer ertfe Bürger nteifter wirD beim 3abre 1296 erwähnt
imt> beipt Hlbredjt flpej *).
Xer SBürgermeifter, Neffen Stimme ftetO son 0er größten
Bedeutung war, 0a man nur bie tvüt^tgften ut tiefem Soften
trrthlu'i rhu gieichfam «ftcmig auf bem motu flehten 5 t a r t
qrt-ictt- , un0 hatte im ßinfcerftänbmfj mit 0em jtoUegiutn über
gefammte (ftgent()iim# fowie 0ie Stabtbörfer, alfo liegen0en
wib beweglichen ®uter, iit t>erfü^cn. &llc Privilegien, alle
fenialicben Veiorbuungen gingen an „0en Bürgermeifter nur
to< Sathmanne 0er £tabt ©örlifc"; alle Briefe unb UrfunDen
ttaroen aufgeteilt mit rem flogen , melfagenben Anfange:
,Mx Bürgermeister un0 *Hathmanne 0er ötabt ic." Xer
Bürgerin elfter mit Stoffen unb »Katbmännein innren 0aher
,Mt Herren" genannt. Sie betrachteten fid) alf ^errfdjaft
(domkuurnj über bie r mm nur Btaotbörfer nur trennten jtch
tonrn aud0rüdlich vorn übrigen Vanre unb 0er Äitterfchaft,
»flcbe mit ihren Untertanen alf „0ie »ein J£an0e, 0ie 2an0*
!<haft" 0en ©egenfafc *ur Stabt bilbeten. Xa* VerbältmH?
bet £tabtoörfer jur Stabt, welche 0er Stobt Serfdwf ober
®ff^p aahltfN H«b wn Ten übrigen lanbeeherrlichen Steuern
(frutbbebe) aufgenommen waren, betätigte aufbrittflich «öerftog
^einrieb doii 3auer bei 0er Uebeniahme 0er 5koDin$ wrlifc
iw 3. 1319, wie aud) 0er Äönig Johann im 3. 1329, alf ftcf)
^örlifc freiwillig in 0en Schuft 0er behmifeften ütrone begab.
lieber 0ie Verpflichtungen 0ef Sürgeuneifterf von ®örlifc
wWu t>on ber «£>au0 0e$ $ürgermeifterf gratienburg eine
Wefrerfcbrift auf 0em 15. 3ahrNnbert**), ber wir golgenbef
«tmehmcit, waf natürlich gleich aud) 0ic Verrichtungen
•) Tat ®cr;ftd)nig fret ^ürflfrmeiftn: M<* auf 0ic ntucfle 3eit f. in
") ««au^acbe» »en 3an(fe Im ». 8. iWaftajiii. 1846. €. 1. f.
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M «Ratf>« überhaupt mit einfa>lte#. Dem 93ürgermeiftcr ff*
bie* befonber* Migefd^ricben, weil er in allen $erl)rtltniffen ben
^Borfife fuhren Ijatte.
Der $ürgermcifter fett fta) fegleicf) naa> feiner SBabl
@otte6 ®nat>c empfehlen, (^tntafett unter bem ftatbe erhalten,
Im n&cnben föatfye 31cr)tung auf bie Älagen fjaben, bem (Eliten
milbe, bem Söfcn fa)arf begegnen unb forgfältig auf gute
«Prüfung aller vorfommenben föea)t$fäüe galten. (Sr feil be^
müfjt fein, mel)r i'iebe al$ gurcfyt ju erwetfen, ®ercd)tta,fett
mel)r al* @unft anfetjen, Wtcmanbcn ohne $crf)6r verurtbeilcn,
bem Hrmcn wie bem 9*ei*en gleidje* *Rea>t geben unb ftedjt^
fälle fdjnell, jebod) er)nc Ucbcreilung, erlebigen, üx feil eine
würbige Haltung tyaben, ftd} nur ehrbar fleioen unb meiftciiS
auf bem Mathhaufe fein, boa> aud) in feiner ffiohnung Wie*
manben ofync guten föatb von fto) weifen. Den CHctte^btenfl
foll er forgfam überwadjen, ©etteSläftcrungcn ftreng ftrafett
unb barauf halten, bajj ©orte* (Gebote nidjt übertreten, bic
Sonntage unb geftc or)ne Störung unb würbig begangen unb
ben s^rteftern ü)re @f)re ;n übeil werbe. Die Äira)en unb
Kapellen jmb fetner befonberen Ucbcrwadjung anvertraut, ftctä
Im befren Staube )n halten unb auf $oll*iebung ber $u (*Hmftcu
berfelben gemachten Stiftungen unb üeftamente }H ad)ten.
3m $oltttf$en mufi er mit (Mortis SBeiftanb ©ut unb
SMut einfefcen für ber Stabt ^>errlia)feiten, Privilegien unb
$egnabungen; auf alle^änbel aa)ten unb fte \\\ einem guten
(Snbe ;u rühren fudjen; bie Innungen im ©cfyorfamc b alten;
nicht obnes)cotb neue Steuern auflegen; bie ftäbtifa)en ©ebäuDc
fn Stanb bringen unb verbeffern; ber Stabt SoUwerfc unb
dauern wehrhaft madjen unb ftetfl Kriegsmaterial unb sJ)Ju*
nitton bereit haben; bie ^oltfuhrcn regeln ; feine üppige Kleiber*
rraitn auffommen (äffen, wie überhaupt üctd bie (£f)rbaifeit in
ber Stabt befeftigeu; bic Stabtbiener in *Hcfpeft erhalten. Da6
2llle$ muß von ihm aud> in 93e*Hg auf ber Stabt Dörfer ge~
fd>el)en. ^or allem follen Die haften nur gleichmäßig von ihm
aufgelegt unb vertheilt werben.
3Bie wir fcr)on angegeben, war ehebem von 1297 — 1405
bie itehl ber föatfjäpcrfoncn circa 22 — 20, weil immer ein
Xheil ber sJDiitglieber feierte, b. fy. einige 3abre lang audge-
faMoffen blieb unb bann erft wieber eintreten burfte. 3m 3.
1420 befttmmte König Sigmunb bie $abl a«f 19, unb im 3.
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1737 eine föniglidje Äommifjion auf 16, nämlid> 2 Bürger*
meifler, \ Stabtridjter, 6 Sdjöfren (Sfabiue), 4 Senatoren
mit 3 9iatr)$verwanbte au$ reu oben genannten Innungen.
Xie dlteften 6—8 waren, wie fd)on gejagt, t>ie &d)öppcn,
treibe mit ben übrigen Dlatrjömitgliebern in bie Angele-
genheiten ber «Stabt teilten, inöbefonbere aber beä 9tatl)$
@eridjt$barfeit über feine Bürger unb Untertanen aufregt
erhielten 21 uf ben fo genannten 4 kaufen würben alle im
görli^iid^en $Beid)bilbe t>orfommeitben (£it>il unb Jtriminalfäüe
perljanbelt, wie unten folgt.
xM ir f bem s)v\ubt)viuK war aud) unter Mufftdjt ber 2 d offen
..iii Startmänner ba$ €tabtbud>, weldjeä im 3 1305 ange*
le^t würbe, hud noer; »orrjanben ift. ($6 ftnb 314 Statt
Pergament, bie Seiten gweifpalf ia, alleä ift linirt unb rnuli
jdmtttltd) 28 ieiim auf ber ^eite. $a$ le&te eingetragene
iatjr ift 1436. Diefed Stabtbud) ift eingebuuben in Jr>oU-
bcdel mit rotr)em Veberüberjuge unb jwei klammern verfemen,
?en benen nur eine nodj fafjt. iu Vhiruiuifi lautet: Actor.
über. 1305. 1416. 9facf)bem bie iHid)ter unb bie Schoppen
angegeben, beginnt eö nad)ftel)enb: „1305. (5$oll. s)?ad) ©oteä
geburt fcber Xufent jar tmbe brir)unbert wibe in beme fünften
iahe" je. $\tx finb eingetragen naefy ben 3afjren: bie
Stoppen, ein Xfyeil ihrer Sprüdje, Verlaufe Don Käufern
in Der Stabt unb auf ber Stabt Dörfern, Scfyenfungen unb
$ermäd)tnifK; Xeftamente, (£utfct}eiDungen in allen möglichen
Streitigfeiten, einzelne ftltarftiftungen k. s2Baö je&i beim
^e^tdanwalt abgemacht wirb, mutne bamald Vilich vor ben
-Wath gebraut werben. Vlntut biefem ^auptbudje fmb nod}
viele anbere in ber 'Kathen nUet »orfyanben, unter beut Tanten:
Über resignationum OBerjidjtbud}), über censuum Oindbudi),
Über obligationum Oikrpfanbungöbud)), Über jutUcialis (Q)e*
ruttet'-ueb ) r Uber proseriptionum ($ed}tungdbud)> worin bie
Tanten ber au* ber Stabt Sterwiefenen), enblid) nod) viele
unter bem tarnen: Uber aetorum (^rorofollbudj), barunter
ein Banb, welker eine grojje SRenge fird)lid>er Stiftungen
erut)ält.
Stnfier ben 9latr)$perfonen an ftc§ ift nod) ber Stabtfdjrei'
kr merfen. <5r mußte ftetö ein befonber$ gelehrter unb
niebt blod im beutfdjen vHed)te, fonbern aud) tm römifdjen
ftctye bewanbert fein. (Sr fyatte bie güljrung ber Stabtbndjer
$n tamfftoftatn unb fpdtet lag ibm bie amtlidie (Stabtdjrom't
ob. SBlr fyaoen nod) mehrere foldje &nua(en, bdefift fcfyctyen**
wertfy für «ufere @efcbiit>fe. $er Stabtfcfyrrifrer würbe vor*
jugftweffe von Den vielen Seifen unb WedUSbänbeln in Slnfprudj
genommen, unb war baber gewübnlid) aud} ein böc^ft feiner
unb biplomatifcber Rann. ^Bor Äfffft jtnb al6 ftaat6flnge
ehemalige ©tabtfdjreiber ait6 ber ^dt, al$ ©örlifc nod) eine
bobe poltttfd>c Sebeutuitg im fecbsftclbtifdjen ©uitbe hatte, ju
nennen, 3o^ann bereit!) (von 3üterbogf), 3^)«»n granenburq,
9)(gr. 3ol)anne$ $affe im Anfange be$ 16. 3atyrl)unbert$, granj
8d)neiber in ber SMitte beffelben yix i<it beä $önfaH0. 99efoiu
ber$ berühmt in Bejng auf politifd) feine nnb glücflidK Unter«
banblungen jum SBoble ber €tabt ift audj ber vortreffliche Senl*
tehtfl, beut wir im 3. $5ud}e ein befonbered&apitel gewibmet fyaben.
CDte £aupterfolge foldjer SBerbaublungcn, neben vjüitft
fünjHicfyen SedjtSauflfübrungen würben gewöbnlfcb an bem
ftetS gelbbungrigen boljmtfcfyen $ofe, mit Seftedjungen ober
burefy beftoc^ene 3wffd}euttager erreicht.
$)a na<b ben {»tfttenfriegen bie biplomatifdjen ^erfyanb*
hingen unb !)led}te>bänbel fowöfyl ber €tabt ©örlifc allein, al$
in s-üerbinbung mit bem fecfyäfiftbtifcbeu Staube immer verwitfeU
ter unb weitläufiger würben, unb efl baranf anfam, ben 9Bort*
laut aller 5$erl)anblungeu buebftetblid) genau *u fennen, fübrte
man ein dFopialbncfy aller abgeljenben Briefe unb Urfunben,
3nfhruftionen nnb s$ertl)eibigung$fd)riften ein, welche von ceti
3afyren 1491 — 1662 in ber gdrft^cr *Ratf)^f anjlei , in einer
großen Slnjabl gebnnbener Solianten noeb vorbanben, leiber
aber ifyrem 3nbalte naefy noeb nicfyt völlig regifhirt jtnb.
Sie tragen burdjfdniittlicb auf bem fRüden bie tlirffcfyrift:
liber misstaarum et rosponsiuarum. werben in ben 9tatb$*
annalen oft audj unter bem litel: „$rieuebud>" ritirt unb
enthalten einen gropen 8d)a(> von 9cactyrid)ten für bie <£pe*
cialgefdjidjte ber £)berlauft$ unb ber äugrenKtiben Üänber,
jugleid) ben $ewci$, ba£ ber 9tatl) von ©örlift fafl mit allen
beutfdjen unb polnifdjen StäMen, Surften nnb Herren in
Qeftyäft* ; Skrbiubung ftanb.
<Racb biefer Äbfcfyweifung muffen wir nur nodj> bemerfen,
bafi bie 9tatf)0perfonett in Deputationen, «tommifnonen, wie
fie meifkn* genannt werben, bie ©trafenpelijei unb geuer*
prbnung ^anb^a&fen, v*n weiter ber Knfl$ug a«6 ben allen
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31
Statuten im 2. Buche ein ©Üb geben wirb. Auch mußten
ue ben Aufwanb bei ^odwiten, lauten unb Begräbmffcn
anter Dberaufftcht in ben gehörigen Scbranfen halten.
lie Aufjubt über bie bewaffnete iVadu führte fpdter, ba
ber fctoigt Gtörlifc nur zeitweilig Mint Aufenthalte nahm unb
na> meinen* am «§ofe bee jtönig& aufhielt, ein von bem
Xaibc ermiifalter ^auarnittim von 4*örli&, ein Abeligcr, ber
Seit oem 3ahre 1484) tft tiefe BearitTung tiebenFnäcT)juweifen.
üx orbnete, nacb Einwilligung be6 BürgermetficrS bie
Sachen an ben % hören, r ic Spähe auf ben Ihiirmcn unb
reit 33oUwerfcn unb erteilte ?Katb unb Anschläge uu flärferett
9cfejrigung unb i&tebrbaftmachuna ber &täbt, auch mürben
unter feiner Oberaufftcht bie ^föaffenübungen ber jungen Bur*
gcr unb jungen $Xannfcr/aft au$ ben jeclum vorgenommen,
ijn Äriegälanften nntentn tuen ihn bte gleichfalls Waffen! ttnbigen
Äatt)0berren unb Schöffen, welche über einzelne Abtbetlungen
teit Oberbefehl uberfamen.
Au$er bieten bewaffneten gab cd noch bte fogenannten
StaDtfnethtc, bie unmittelbaren Unterbeamten bee» *Katb$, welche
ben Dicnft unferer (ewigen *Poli$ci* Sergeanten verfallen. Sie
hatten auf :)C ube unb Crbnung in ber 2 tabt, bereit orfent-
liehen Säften unb S tränen, auf Säuberung unb 8 i Gerung
berfclben, auf gehörige Befolgung ber SÄarftpolijci, fBer^itt*
oeruna bee Schmuggels mit fremben ©iere ui achten.
jfyr unmittelbarer Auffebcr war ber Jirfelmeiffcer. CDer
Stocfmetjter hatte bie Äatbbauäwacbe inne, beforgte bie im Stoff,
b. Ij. iKatr^gefängntf Verhafteten unb regelte bie Bebnrfniffe
ber (befangenen in ben Xbürmen.
(£ine mi^Hge *Rolfe fpielte ber Scharfrichter, ,,9)a<hrichter,
&enger" genannt, bei ben zahlreichen Enthauptungen unb
|>mrid)tungen, welche ber uubeuafame Sinn ber iVentdum
jener eifemen $tit unerbittlich erbende. .
(frttrltch ftnben wir noeb, baf bie Stabt einen befonberen
^üntraeifter hielt, welker Diäten unb ^rojeitfe vom (Gewinne
befant.
Ü)icd war ungefähr bao $erwaltung*perfonal für bie
Stabt; ber Stabt Dörfer Angetegenheiten würben bura) Stonu
minanen bed sJcathö georbnet, wela)e bie (jitenbammer unb
gifenfteinlagcr infpicirten. Auf ba* J&olj warb bamal* faf» g«r
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fein 2BertI) gelegt 2ßar bo$ im 3. 1720 nocfy fo viel t>or*
bauten, rap Die (Smnafyntc aud bem.ftolie ber großen görlifcer
£aibe auf uid>t mel)r plö circa 200Ü £l)lr. jäfjrlid) gcfdjäfrt
wart).
ü)ie Dörfer mußten mit jur 6tabt f$offen, wofür bie
Dominien gleite Sintberte im £ol$ gcnoftcn, augleid) aber
audj bewaffnete unb ^ferbe jum ftäbtifdjeu Kontingent ber
(sedjäftabt $u ftcüeu Ratten.
3m 17. 3a^rl)unbert finbeu wir bie ^erfonen$al)l, iu$*
befoubere bei beu Unterbeamten, vermehrt*).
2Bir finbeu 4 $3urgermeiftcr, »on_benen immer )wej bie
Verwaltung ujn ba$ anbere 3al)r wedjfclten, unb einer 6ev
„regiercnbe öürgermciftcr'' genannt Würbe. Sic erhielten @)e*
balt an ®clo, £ol$beputat Hub ®ctreioe. 2>aö 9)carftgelb
be^og ber Stabtfctyrciber (fdjon bamal* „6efretär" genannt) j
®efyalte: ber Stabtricfytcr (ein foldjeä Umt entftanb uad) ?lb*
§ang ber föniglid)en ©eridjte), 6 £d)öppen, 4 ^euatoren, ein
^tynbifuä, brei 9Ratl)männer auö ben (bewerfen, jwei Notare,
ber boten * unb ^arftafl Verwalter, jwei ©erid)te^rofura*
toren, ein 6tabtwad)tmeiftcr, ein StabU3<>Ueinnei)mer, ein
3ollgegenfd)reiber, ein SBrücfenjöÜner, ein Seigermeifter (er be*
tarn eiu Honorar für batf Stellen ber Dtatfyeuljr, in ©örlifc
„8eiger" genannt), ein Strajmibcrciter (für bie $eauffidtfigung
ber 3oUftrapen), ein Süegemeifter unb feine (SefeUen, eine
ffiefjefrau Käuferin), 12 Diat^bicuer, ctubenfjeijer, >Bäd)ter
auf ben Xfyürmen unb in &>ad)t(hiben, eiu JHbfjrmeifter (m
Seauffutjtigung ber untcrirbif^eu ^ugäfanälc unb Gaffer*
röf)rleitungen), 4 $l)orl)ütcr, ein Stabtpfeifer (welker allein
ba$ ^rimlegium fyattc, in ber £tabt sJXu|lf au madjen, ftd>
sJOcufifanten l)ielt unb gegen eine beftimmte Summe bei feier*
liefert ©elegeufjeiten fungtrte).
gerner ftubet ftd> nod) ein töronbote, um bie (Steuern mit
* einju^ieljen, welche an beu £anbe$l)crrn famen; ber Sdjarf*
ridjter; enblid) ber 6totfmeifter unb Sättel.
Süperbem gab e$ einen <Stabtf)auptmann unb $ur gür*
forge für franfe #rme würbe ein ?lrjt bcfolbet, ber jene, ot)ne
•) <SammInngert, ©orllfr fcettejfcnb, IBtH. Ux obexl @. b«t äö.
Urtica |( 07.
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Honorar vi nehmen, $u befugen hatte, im 17. 3ahrhunbert
nod> dnfad) $!wfifu*, foäter ©tabtpfwftfu* genannt.
£>ie X^orwac^en waren burdj Die ©tabtfolbaten befe^r,
welche ungefähr biefelben 2)ieufte wie bie je&igeu Steuer*
fontroleure an ben Igoren \\\ beforgen Ratten unb erfi unter
ber preupifd)eu SRegiemtfl aufborten.
$urd) ein 9ieffri»t vom 20. $ecbr. 1800 WHrben foge-
nannte Planten and ber »ürgerfdjaft eingeführt, an ber 3<W
101 — 102.
81$ $örlie preupifch geworben war, blieb anfdttglid) nod)
bie frühere <*inrid)tung ber Beerben befiehl. 3m 3. 1Ö17
am 8. SRai ging p(öfclid> eine Verovbnung ber tauglichen Re*
gie rung in £iegni$ eiu, ber «Jagifkat folle $ur VenjoUftänbigung
ber fdMeftfaen 3nftan*ien*9lotift ein Verjeid>ni|j ber ftäbtifd)cn
unb föntalic^en Beamten unb Sefyorben k. einfenben, wad t>on
ba an aUjährlid) gefä^en mu(jte. $>a$ betreffenbe «ftenftütf
Acta Litt. J. ^o. 3 giebt oom 3. 1817 ab einen regelmäßigen
Inhalt über bie 3at>l ber Beamten, bie neuen Kamen ber
Beerben unb gewährt erft fixere Bufflärung in bie Verwal-
tung, beren ©efcbidjte früher nur auä abgeriffenen jerftreuten
Stötten jufammengeftellt unb nachgewiefen werben fann.
mt bem 1. 3uni 1820 trat, jur ©täbteorbmmg über*
ieüenb, eine neue interimiftifdje Verwaltung für bie ©tabt
(Hörlte in* l'eben *).
Vermittelt fteffripl vom 23. $o»br. 1819 war burd) ba* •
^tmifterium bee 3nnern bem sJ»agiftrate ju GJörlifc empfohlen
werben, |td) mit ben (£ommum9iepr<ifen tauten ber ©tabt über
eine benfelben *u bewtüigenbe Anteilnahme an ber Verwaltung
bee ©emeinwefenä au vereinigen, wa$ beim auch nad) beä*
faltfigen unterm 22. gebruar 1820 ben ftepräfentanten ©eilend
bee sIRagiftrat$ gemalten Eröffnungen gefchah.
3Äit (Einführung biefer prot>ifori|^en Verfaffung hörte ber
Unterfctyeb $wifchen Äämmerei* unb Sürgerttermöaen gänjlid)
auf. Veioee gehörte nun mit gleichem $ed)te ber 33ürgerfchaft.
$>ie ©orge für bie h^ft mögliche Venufcung be$ Jtäm*
merei* unb Sürgen>ermögen$ unb für beffen lebigüd) gum
Vorth«l ber ©tabt* unb Sürgergemeinbe anjulegenbe Verwen*
*) Urfuitben bft mit bem 1. 3«ni 1820 in« 8eben fletretenen interi*
nufUfdjen iUettoaltung ber ©tabt Qtorlifc. ©dtlifc, gebr. bei £ref (er. 31 <S.
»efdjidJte pen Okrlt*. 3
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81
bung, war ftwifctycn SWagiftrat unb' Vürgerfchaft bergeftaft ^leicfy
geseilt, ba£ fein Tl)eil ofmc bcn anbcrn für biefen ober jenen
3wecf über erfte* lffcte* J)infcrt verfügen durfte.
Die flu*füfnung aller vom Wagifirate unb ber Vürger*
fdjaft gefasert Vefdjlüffe blieb von ba an unter fortwäbrcnber
«ufftdjt ber Vürgerfdjaft geftellt.
Diefe Hufftdjt erftrecftc ftd> gleichfalls über bie müben
^tiftunqcu unb bereit wfdpifttmäßige Verroenbung, unb
mußten fowoljl biefc al* anbere Rechnungen ber »erfrtjiebeueu
Waffen burd) bie $ürgerfd)aft vor Ertheiiiing einer Dmttuncj
geprüft werben.
Da* bi*herige «ffia^re^t be* Wagitfrat* blieb einftweilett
befte^en. Diefer sDJagiftrat unb bie Tetanien unb DepuHrtm
ber Vürgerfdjaft bilbeten bie 6tabtbel>6rbe unb führten btc
Verwaltung. Reue 9tfitglieber in ben Stadtrat tonnten von
1820 an weber in ein (Schaft nod) in ein fonfttqed Dienftein*
fommen anber* eingewiefen werben, al* mit^uftimmHng ber Vür-
gerfchaft. Die Einrichtung ber Ratböverwanbten au* ber
macr/er*, Roth- unb Lohgerber * unb gleifcherjunft würbe auf-
gehoben. @* traten bafür bret sJ)?itglteber ber bürgerfdjaft*
liegen Repräfentation (bie* war ber Rame bic5 jum 3- 1833)
mit Vefolbung, nach ber $Bal)l ber Repräfentanten, in ben
3Ra giftrat. Diefe UÖal)l warb jährlich wieberholt.
Den von ber Vürgerfchaft gewünfehten Einfluß auf bie
Vefefcung ber ftäbtifdjen UuterbeamtenfteUen räumte ber $Ra*
gtftrat bamal* nicht ein Hnb erft bie <5täbteorbnung gewährte
biefe* Red)t ber ȟrgerfchaft.
Da* unterm 17. Vlai 1820 von ber foniglichen Regie-
rung ju l'iegni$ erlaffene Dienftreglement für bie ©tabt ©orlifc
beftimmt im SBefeutlichen folgenbe*:
Die $auptverwaltung*jweige werben von ba an ein-
getf)eilt: a) in bie Äämmerei mit ihrem 3ubebör, Defonomie-,
ftorft-, 3^9eW;» Äalfbruch', 9ftarftall*, Voben -Verwaltung ?e.,
fammt ben bie*fälligen Waffen, ©ie flehen bem Kämmerer
^mt Verwaltung ju. b) Die (StabrjteHer unb übrigen bürger-
fchaftltchen ftonb* (Special-, Servt**, tfofal-, Sranbf äffen*,
3Bachg<lber*Äaffe) bem (Styitbifu*, ber mit feiner rechtlichen $e*
gutadbtung fowo!)l bem SRagiftrate, al* ber Vürgerfchaft an
bie $anb geht unb bie £aitbtag*fachen bearbeitet, c) Die
Verwaltung be* Äirchen* unb <Stiftung*t>ermögen* tyat vor*
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.raqdwriic ber ©ürgeTtneijfcr mit allen >patronatdangelegcnljeiten
<u i! bei nehmen, d) Dem befonberen *4Mi'S«birigcnten, bem ba*
matö aua) ba* Kuratorium über bad Wwmnaftum juftanb,
liegt bic allgemeine unb Ortdpoliaci ob. Die übrigen gäajcr,
ba* 33auwefen, bic 9fHf!ld>t über bic (§lemcntarfd>ulcu, bie
Hrmenverforgung, bie sDiilitärfad)cn (IfiuauartirungG , Slrmcc,
(frfa&wcfcn), bie (bewerbe , 9Ud) unb Sauljanbwcrfer^rüfungä*
angelegentyciten fmb burdj ben ^Bürgermeister, ber bie allgemeine
Leitung aller &ngelegenl)ettcn vertritt, unter bie übrigen 3Wa-
gifrratemitglieber *u verteilen. Die ftäbtifd;en Subalternen
werben vom 3Äagiftrate injrruirt unb bcaufftajtigt.
tBöd^entlid) zweimal werben alle Slngclegcnrjeitcn in regele
mäßigen 2 i jungen bed 3)?agiftratdfolkgiuntd erlebigt, in m ldum
ber $5ürgcrmeijter ben $$orfi& füfyrt. Die bort gefaxten 93e*
fa)tüf|e werben ben ^ürgerfdjaftdSceprfyentanteu jur (Menefymi?
gung vorgelegt. Damit Vetteren flare (£infid}t in bie $kr*
waltungdwcife werbe, muffen fie Deputationen \u\ Begutachtung
ber SRagifrratdvorlagen unter beut SBorftfce eineö ^agiftrato-
mitgliebeä biitxn.
Diefe Deputationen werben von ben Äcprafcntanten ber
$urgcrfd)aft, auä jta) unb ben übrigen bürgern gewählt, wo-
bei i)auptfäa>lid) barauf \\\ fe()en, ba(* bie bürgerlichen SWitglic*
ber berfelben tedmifa)e Sad)fciiutni|7c befreit.
Damalä würbe pgleia) bem 3Ragifrrate aufgegeben, bad
wenig überftd>tlid)e Kaffen- unb 9ted)mmgdwefcn \u vereinfachen.
(f$ würbe beftimmt, baf bic vcrfa)iebcncn Kaffcu auf vier ju*
rürfjufüfyren feien; nämlia?: a) für bie Kämmerei nad) i In cm
ganzen Umfange; b) für bie Stabtjieuerverwaltung; c) für
ben rein bürgcrfd)aftlid>en 5Berfer)r wegen ber ©tabtfcfyutben,
bed Scrvtfcä, ber 2ofal*93ranbver|ia)erung — weldje feitbem
eingegangen ift — , bem 2i$aa)egelbe, unb d) für bie milben
Stiftungen. 3ebe biefer Kapell foll einen Kurator aud bem
^agiftratdfollcgium erhalten, welker ber au bemfelben 3^erfe
erwählten Deputatton au* bürgern vorfielt.
Dad SRedjnungdjatyr fiel feit biefer $eit mit bem trittuv*
iia)en uifammen unb mußten bemnaa) bie jRcd)nungdabfd)lüffe
mit 3al)rcdfd)lujj erfolgen,
lieber ben @kfa)dft£gang ber bürgerten «Repräsentation
murbe folgenbed fcftgefefct:
Die £f)eilnatyme ber $ürgerfa)afi fß auf bie Verwaltung
3?
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3G
beö Vermögens ber Jfommun unb bcr ftäbtifchen müben <5rifV
tungen, fo wie fonfl alfcr, bie SÄedfte unb Ü8crbtnbUd)fcitm Der
6tabt betreffenben, Angelegenheiten gerietet, wobei fte md>t
blofl $ur Sillenääufjerung Darüber fonbern auch &ur $eauftlcf)~
tigung ber Ausführung ihrer ÜBefchlüjfe befugt ift.
Der ffitrt^fctjaftepfari ber <5tabt ift jebeS 3al)r mit ben
föepräfentanten $u verabreden r welche berechtigt fmb bie (ftnftcfjt
alter utr $3efd)einigung unb SJeurtheitung ber einzelnen Vlnfane
erfordernden Aftcn, Ütfunbett, Rechnungen , fur^ ^Belege aUer
Vlrt |M verlangen. Much in allen gällen, welche nad) gefl*
ftellnng de* 2i$trtf)|d)aft$pfand im Saufe ber 3af)re$vermaltung
vorfommen, ftnb bie Iftepiafen tauten hmui ni Rieben , ohne
iveldje vom s)Kagiftrate überhaupt nutuo befd)loffeu werben
fann. Namentlich gehören hierher alle ^erctufierungen , sl*er*
Pachtungen, Remifftoneu, @hatififalionen unb ^erpfänbuugen
ftäbtifdjer ©tundftürfe; bie (*ntfiheibung über bie Srage: ob
bie eine ober bie anbete Art ber 'öenufcung beneloen eintreten
folle, bie (£Mfd)liefuing über bie Huvorbcrgeiebeu vor^unehmenben
SBaue ober Reparaturen, über bie beeljalb unb ju anbern
^werfen abutfdjlieficitbcu Jtontraftc nnb ^ttforbe, über Anleihen
unD anbete von bcr Jcämmctet unb 'öürgerfdjaft einzugehende
^ied)tovcrbinblichfeiteit, über ut betvilligenbe S3e|olbungen und
©cfolbungtfuilagcii, unb überhaupt über alle Aufgaben, welche
triebt im (£tat bereite* genehmigt fmb. Die Verwaltung bcö
Armcmvefene* ift genau von ber Representation gu beauf*
fichtigen.
Der sl'erfel)r jwif^en SWagiftrat unb Repräfentantcn ift
fd)riftlid>. Vettere treten in bei Regel zweimal be$ Stoitatf )H
ihren mit Stimmenmehrheit ut faffeubeu 53efd)lüffen jufammen.
Der Svubifuc< ift Der beftdnbige Red)ttianwalt ber Repräfen*
tauten, hat jeboct) nur auf befoubere (£inlabung in ilnem .Hol
legitim jtt erfreuten unb nur beratbeube, nid)t befchlicpenbe
Stimme, ju einem gültigen ^efd)litffe gehört, baß jwei
Dritttbcile M tfollegiunttf anwefend ftnb; bie ohne ($utfchuU
biguug AuäMeibeuben verfallen in eine ber Armenfajfe \u im
rechnenbe GJeldftrafe von vier ®rofd)en. Die $efd)lü|fe fmb
möglichft jtt be|d)leiintgen, um nidjt einen mit bem Start
Wohle unverträglidjen fdjleppenben ©ang in bie ©efchdfte
in bringen. Die Repräfentanteu hatten il)rerfeit$ auch ba$
$echt, felbftftctubigc Anträge an ben Sttagiftrat $u bringen,
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37
treibe ebenfafl* *om 9Ragifrrate fcrajam erwogen werben muffen.
Stemmt in einzelnen gällen feine (Sinigung ut 6tante, fo ift t>tc
caax unter Beifügung ber (irflärung ber Stepräfenkiiiten, oom
*Jcagitrrat an bie fbnigliax Regierung jh berieten. Die §&>U*ic
bung aller $efd>lüffe fteljt Dem s3Nagiftrare, unter beliebiger
Jcomrole ber ftepräfentaitten, au. Diefe .Hontrele baruber ift
jeboa) mctjt bura) Da* %3iepiäfentanteiuÄeUeijium im 0*am,en,
fenberu tnirdj Deputationen $u betoerfftelligen. gür bie Ädm-
mereü, Die bürgerfdjaftlicben unb Die milDen Stiftung* Jtaffen
Änb ^e\>ifion*'tfommiffioueu ju ernennen, welche biefc Äaffe
monatlich ni reoibiren baben unD wantwortlid) bafür fuib,
wenn Dura) i\)H 9ta$Ufttgfett in bei ftufttebt bie Commune
jh €d?at>en fommt.
Die jdfjrücrjen !Kea)nungen fmb tont sJ!)cagitkatc beut
Sicpräfentanten Kollegium oor*ulegcn, weldje* Tie felbft prüfen
oDer 511 biefem 2kt)uf einen, nad) Umjtänben *u fjonorirenben,
geeigneten Wann beftimmen fann. 3n ftreitigen gäUen ent*
fambet immer bie «Regierung.
3u berartigen Honoraren wirb im jubilieren (jftat eine
beftimntie oon ber föniglia)en Regierung 411 genefymigenbe
£umme ausgeworfen, weldje umgefebrt and) für fdjleunige
Ausgaben be* SRagiftrat* oorrjanben fein muß.
Die 3af)lung*orbre erteilt fttt* ber s))cagiftrat.
Da* 3at)r 1833 braute bie pirußifdje StäDreorDuung
ton 1808 unb mit tf>r bie llmwanblung Der Deputation au*
ber 33ürgerfd>aft in ba* StabtoerorDncrcnfoUegium mit 40.
$erfoiteu, weldje, al* ©6rli$, bura) Se. $Raj. Den Üönig im
3abre 1844 bei (Gelegenheit ber 2(nwefcur)eit Deffelbcn, *ur
flrejkit Stabt erbeben, im 3atyre 1847 wirfliu) in bie NJfeif)e
Der großen 6täbte trat, auf 60 vermehrt würben« Die beoor*
ftefcenbe (£inful)rung ber neuen C^emeiitbeotDnnitg wirb aua)
tyerin wieoer ^ciiDeruttgcn, wabrfdjeiulia) eine ikrmiuDerung
tiefer iatji, oeianlaffen.
Die Organisation ber ^ebörben Ijat in beu erfreu 3eiten
ber preufufdjen Regierung fta) fern; oerfd)ieben geftaltet; mana)c
Stellen mürben oeraubert; auf ber einen Seite trat eine sBcx-
minberung, auf ber anberen Seite eine Vermehrung Der 33e*
amten ein*, ber 9camenwea)fel für bie »erfdjiebenen SBeamtungeit
uno Kollegien tbut aber im ^anjen fo wenig *ur Sadje, baß
toir unferen £efern einen Dienft $u efroeifen glauben, wenn
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38
wir barauf nidjt fpcciclicr eingeben, fonbcrn mit Anfurjrung
ber gegenwärtigen Beamtungen tiefen Xr)eil beä tfapitelö
gefeit.
Der SWagiftrat befiel}! jefct auä 16 ^erfonen, einem Ober*
bürgermeifter, einem Bürgermetfier, welker jugleia) 6tmbifuö
b. i). Beamter für bie 3uftt*fälle ber 6tabt unb ber fiäbtifd>e
9tea)t$anwalt ift ; einem Äämmerer, für bie Jtaffen* Angelegen*
tyeiten imb bie mistige gorfroerwaltung; einem 6tabtratf) für
bie ^olijeifadjen, welche fowoljl für bie Stabt alö beren
Dörfer iimädjft an ifpt unb bann an ben föuiglidjen ^olijeu
anwaltgel)en; einem *öaurat!>, bem feit 1847 noel) ein Baumeifter,
jur Unterftü&ung in ben Saufacfyeii beigegeben ift, einem <5tabt*
ratf) für bie äirdjen*, 6d)ttl = ic. Angelegenheiten, 10 nu*
ber Bürgcrfdjaft bura) bie Stabfrerorbneten gewählten unbe*
folbeten Stabträtljen, wela>e alö magiftratualifdje ilommiffarirti
bei ben verfcfyiebeucn Deputationen jugleidj mit ben fogenannten
gelehrten (b. r). ftubirten) 6tabträtfyen fungiren.
6tabroerorbnetc futb 60. Unter biefer 3al)l futb begriffen
ber <Biufef)cr unb fein etelluertreter, ber >ßrotofoüfül)rcr nebft
(Stelfoertreter. 3ur (Stellvertretung ber 6tabtverorbneteit ftnl>
nod> 20 t)ieftge Bürger gewählt.
Deputationen beftefyen folgenbe ad)tjel)tt, regelmäßig auö
6 OTtgliebern, gen>dr)it(ict> betf 9Äagiftrattf unb ber 6tabti>er^
orbneten, bodj werben auöuafymöweife aud> aubere, namentlid)
faa>erftänbigc Bürger unb (£inwol)tter baju gewählt: (*inc
Äirdjeubeputation; eine 6djulbeputation (al$ faa>erftänbigc
SHitglieber ftnb 2 ©eiftlid)e Hnb ber Bürgerfajul^Direftor Ijüu
jugejogen); eine *J$oli$ei; Deputation; eine 6anität$<Deputa~
tion; eine Bau-' Deputation; eine Stabtrjauptfaneu* Deputation;
eine (stabtfteuer* Deputation; eine $id)amt$; Deputation; eine
<5trafienbeleud)tung$; Deputation (7 9Xitg4teber) , eine gorft-
Deputation; eine Oefonomic Deputation (8 SJcitglieber); eine
Deputation für 9km>al)rung ber tfämmerei^ntereffeu im
ftäbtifdjen 9krfer)r (7 SRitglieber); eine Deputation für «er*
fdjonerung ber 6tabt Httb beren Umgegenb; eine Deputation
für ba* Militär * (Servil «nb (Siuquartinmgawefen. Die
15. Deputation füf)rt ben Tanten: Armen -Diireftiou mit 9
9)titgliebern, &u beneu noa) in jebem Be^irfe ein Armenpfleger
gered)net werben muß. Befolbet ftnb in iljr 1 Armen Abrni;
nifrrator unb 2 Armerwögte. Die 16. würbe jur gefifieflung
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;*9
ttx 6d)u(a,elber'(*rlaffe auf ber Mmcn $üra,erfd)itle, JUaffe
für .Knaben; eine 17. jur Aeftftelluna, ber ßwibefteiier befrei
imqen, eine IM. jur tJtoUjiefyung ' fcer 8riebrid}-Sil()elm'o
ctiftuna, ernannt.
l>ie £tabt fclbft ift in 14 93ejirfe getyeUt, beren jeber
(rinen 2*qirföt>or|tefoer tyat.
£täbtifa)e (bcfcloete) Unterbcamtc fmb folgcnbc
I. a) äanjlci« Seattle: 1 Stabt*6efretär, I iHeajftra
tcr, 1 Äeajftratui flffiftent, 2 JCaii^tftcii, 1 $otennteifbr, 3
$oten; b) i «Halfulatur Beamter ; c) 6tabtt)auptfaffen Beamte:
1 «jpauptrenbant; 1 4)auptfafftrcr, 7 93ud)l)alter, I JCafjircr«
ty'Üjtait, 1 .Raffenbote, 1 lirefutor für bie £tabt, 1 für batf
^anb; d) für bie ofoiunnifcfycu Mutagen unb ^3caiifftd)tiquitc)
bttfclbf n : 1 Defononiic^nfpeftor. II. $olMeii>rrtt>altuiig: 1
ff>ii\d ^efretär, 2 (*rpebienten, 1 Jblti^ltfl, l ^otijei;
jni'peftor, 6 jßtUftei Sergeanten, 1 Ißelijetoiener, tex jugleid}
Äaftcllan be* 4paufed »ft, 1 ©efananiwärter. SommiaC«
IfoliKiwwalttiug in 9iauf$a: 1 geiftpclijei £efretär unb
1 sJ*oli$eit>ieaet. III- 6cn>ie Mint: 2 SMUctteurtf, i 33etc.
IV. Süaifeufyautf: 1 Mbminiftratin , 1 ,£>au$vater, 1 3i>aifeit;
mmter. V. Jmaittfdarbeitöanftalt: I ,£>autfr>ater, 1 Wuf(et)er.
VI . flimenbefa)äfti4una,tf Mnftalt: 1 Stferffüorer. VII. #iuft
mx (Oberaufftdjt: ber 8taNfämmerer): 1 ftorftmeifter (in
ftüufdja), 1 Dberfurfkr (in Aotyfurt). — Muf jeDem -Hcvier
£aioe ift 1 görfter angefteUt, nämlich in Äofalfttrt, in
9**m$ in 5i$albau, in Gielau, in Siefenruit, in Skaub, in
^aufa)a (2), in l'auterbad), in Nc-ttyroafter, in ^euneroborf.
Utuerförfter ober foa,euanntc ^aibeläufer befinbeu ftd) außer;
&ent nod): 2 in Weul)ainmer, 1 in lieber- s|*enMa,l)ammer,
1 in Stotyraaffer, 1 in fcamjenau, 1 ju 6tenfcr nnb 1 in Sranb.
£o viel von ber a,ea,enn>ärtia,cn $envaltunt}.
Die s«öel)i>rDen , wcldje früher $ur £tat>t geborten unb
W foniaUa) finb, fommen int Mnfyange *ur Krwltyiuuig; bie
^eiftlidjfeit unb Die *el)rerfoUeaün bei beu betreffenbeu Jcapi^
*k Daö 6tabtpi)pfifat beftel)t *uui Sffii^le ber tftmeu nodj
N> für ben JCreid ift ein befonberer föitt«3Ucf>er Spinal ^
«uet alö JtreieMvfito* angepeilt.
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»unfte« Ättpitcl-
©efd)icr)te be$ Steucrwefcnä in ©örlifc.
©erjen wir von ber Verwaltung bei Stabt (^örlifc au
bcn Stenern über, fo ftnbcn wir jwei Birten berfelben $u untere
Reiben: 1) lanbetfherrlid)e, nnb 2) ftäbtifdje.
Unter bcn SRorfgrafen von SManbcnburg führte bic gc~
wohnliche Vaubetfabgabe ben Hainen 33cebc O&ittc, (Srbctence*),
weil biefc Steuer allemal vom ¥anbe$f)crrn nadjgefudjt mit»
bnrd) bic Stäube bewilligt würbe.
Diefen tarnen führte unter Jlönig 3c()ann inbeg nur
bie aufjerorbentlid)e Steuer, um welche bei Krönung beä £ar^
beöberrn, bei Vcrhcimthung feiner Jiiubcr, in fdjwerer ÄriegS^
jeit befonbcr$ angehalten, unb bie bann and) bewilligt werben
mußte. Die gewöhnliche ober orbentlid)c Steuer war bie
9Öcrna. 3n 33e*ug auf fte würbe von ftoitfa 3ol)ann beftimmt,
baß ber görliflifdje tfrei* feit bem 3a^re 1341 jäfnlid) 12 ®r.
auf beirWaufuet (eine gewiffe glädjc £anb,. frätcr bebeutet
ba* SBort „einen borgen'') unb 2 Srfjcffel Äorn nebft 4
Steffeln £afcr abgebe. Äußerbcm mußte baö Vanb bic
gurren nun Xicnfte beä $anbedf)crrii (angaria unb perangaria)
umfoufi ftcllcn, eine Einrichtung, bie fet/on unter «£>er$og Apcinrid}
im 3- 1322 vorfommt.
Seit bem 16. 3al)rl)unbert finbet ftcr) piwcilen bie gor^
berung einer Abgabe auf bafl 33ier, ^ierfteuer genannt,
ferner einer flopffteucr, „,£>auptgclb" genannt.
3n bemfelben 3al)rl)unbertef in welkem übrigens fd)on
bie Sluflbrücfe Senta unb Skebc in ber allgemeinen 33e*cia>
nung: Steuer, untergegangen fmb, warb burd) ben ^rager
Vertrag von 1534 unb bic tfntfdjcibung geibinanb'ä I. (Deci-
sio Ferdinandea) von 1544, nadjbem eine ^ommiffion aue*
tfanb unb € täbteu ben SBcrmögenfyuftanb abgefdjäfct hatte,
folgenbc Verabrebung fcftgefcfct: wenn fünftig eine Steuer au
geben fei, foüe bie ganje Summe in ad)t «djtel geseilt wer-
ben, vier fld)tel auf baö 2anb, vier Heitel auf bie Stäbte.
Da nun bie Stäbte @örli& nnb Zittau fcf)r viel ©üter auf
bem *!anbe befaßen, unb baburd) bie bort Slnfäßigcn vom
?anbe verhältnismäßig t)ötyx belaftet gewefen wären, al* bie
Sanbfdjaft in ben übrigen fea)c3ftäbtifchen Eanbfreifen, fo warb
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41
frefrimmt, bafj @6rli$ unb Jittan ;u if>ren *wet 9ld>teln ned)
fett 4. Xheil l>cr ber betreffenben ¥anbfd}aft jufiehenben Steuer
ih geben Ratten.
Huf bem prager ?anbtage vom 3. 1567 fam abermals
rine flcnberung ber ©teuer auf. 5Bährenb vorher 12 $rc%cnft
gegeben werben waren, fo follte jefct eine Steuer auf bie
ftcuncr, vielmehr bie 9laiicbfänf)fr gelegt werben. Obgleich bie
Starte gegen biefe ftauchfteuer proteffirten, würbe fte ood)
im 3. 1568 eingeführt.
Hm lf. November 1581 errichteten bie StäDte, um eine
£rbmutg in ba$ Steuerwcfen ;u bringen, bie fogenannte
8tcuerguota für Xürfenfteuern, wobei auf Oiörlifc ba* Reifte,
312% Sehorf fam.
£ie Dfcaudjfteucr ift bie* auf bie neuefte 3*" geblieben,
ra bie befonbere Steucrverfaffung ber JDberlaufift bi* jefct noch
befteht. ®cnli$ ift mit *wei Stimmen auf bem Äommuuat*
jtanrtage vertreten, welcher bitf 411m 3- 1B48 bie Steuern
immer wie feit alter §tit bewilligt hat. 3n bei Stabt wirb
cie s)Jcabl - u»b Schlachtftcucr, in bereu Umgebung unp auf
bem ^anbe bie älaffcnfteuer feit Dem 3- 1820 erhoben, 2lujjer-
bem befteht befanntlich noch bie ©ewerbefteuer.
So viel über bie tauglichen Steuern; nun wollen wir
ju fen ftäotifihen unä wenben unb bereu ©efchidrte etwaö fpe=
«eüer, wie ftch* gebührt, in Erwägung Riehen.
5Bährenb in ber ©egenwart bie ^aupteinnahme ber ftäb*
nfeben Verwaltung auö bem (*rlofc betf *öel}eo in ber großen
6taotbaibe, ben 3iegelöfen, Jtalföfen, Verpachtung ber ftäbtifchen
$orf;S>ontinien, au* bem 3ufchlage jur SSaty* unb Salach**
(teuer befteht, war bie$ früher ber ©efdjep, eine Abgabe,
»eiche *war noch befteht, aber in einer A>he, bie jur früheren
Deutung biefer tfemmunalfteuer gar fein Verhältnis bilbet.
3n jenen unruhigen Reiten, wo baö tfigenthum ber StaDt
au6er ihren 3initen unb ÜÄauern, alle Sfugenblicfe burch ffiecjr*
leerer unb ftreifcnbc Mäuber in grage geftellt war; wo ferner
ta* §ol$ fchr wenig 2ßerth hatte, Hnb überbem wenig ver
tauft werben fonnte, weil faft *u aUen ©auten in ber Stabr,
ober auf ben SRMrfbenf>ctt** Dominien batf $cU foftenfrei
geliefert werben mußte: blieb ber Stabt au ihrer SelbfterhaU
tong nichts übrig, aß eine höh« t>ircfte Steuer (®efeho(j ober
42
SBerfcrjojj), t>cn ©urgent unb i'anbburgern (in Der 3)fttletbenf)etO
auftufetycn.
Tiefer (Sefdyol war eine birefte Skrmögenefteuer, n>ie
auö fotgenber Stelle Der alten Stabtftatutcn vom 3. 1433
fjersorgefyt:*)
„139. ^^ciii, bafj ein jet>cr (linwoljner ber «Statt OJörlifc
alle feine (5rbe unb ©üter, fal)renbe unb nidjtfabrenbe
jQdbc in ber Statt, fie mag fein, wofyer fie wolle, an
liegenben $rünben, ftebenrem (*rbc, baarenl ®e(be» an
auöftel>enben Sifmlben, an (£rbunfen, an 3uMen auf
SBtberfaitf ober Leibrente nnb an allerlei Stfaare, Jtauf-
mann$fd)a(, unb an allerlei ÜÄSaare unb 6abe, bie
©clbeo wertl) ift, allein Älciber nnb ^auSgerätl) auöge«
nommen, foll bei feinem gefdjwornen (*ibe, and) bte
^)abe feinet 5öeibe# unb feiner Jiinber, wenn fte nod)
bei ihm leben, getreulid) nad) ber Stabt 3Billfür
für (Statuten) ruTfdjoffen, unb wer bawiber Ijanbelt, ober
treulos wiber feinen (*ib feine ©tttcr, wie oben angegeben,
nid)t verfdwfjt, ift Dem Watbe, fei er reid) ober arm, mit
feinem CMute im geben, unb ana) wenn er nerftorben, ba«
für verantwortlich (b. (). ber föatr; wirb fid> felbft nadj
feinem lobe, ef)e batf (£rbred)t ber gamilie beä ^erfebic-
benen eintritt, an ber tjiutertaffenen ^abe fe^ablo^ für
ben betrug ber Stabt galten)."
Tu t£>ör;e biefer Steuer laut iut mebt genau anheben,
benn au$ ben @>efd)oßbüd)ern, wo bic ^Betrage tljeilweife aufgc-
fuf>rt fmb, ift nidjt augleid) auefy Daä Vermögen 511 eiferen.
Vluö einer sikrr;anDlung in «^affe'ä töatf)$aiinalen**), wo
fid) £>and Srenjel, weil er itic^t genau fein järjilidjeö CSiu
fontmen, bad oft über 7000 gl. jäijrlid) (Damals eine enorme
Summe) betrug, alö Kaufmann fctyafcen fonnte, vom ©efd)o(ie
loä faufte, b. t). i()u mit einer Summe von 5000 gl. auf feine
unb feiner ftinber Veben^eit ablöfce, gebt tymet, bafi im 3-
1518 ber Saft 5 ^ro^ent vom jäl)rlid)en (Sinfommen unb
Vermögen betrug.
Sßeun au(jerorbentlid)c ScDürfniffe eintraten, würbe aujier
biefem ©efdjoö nod) ein au£erorDentlid)er SHeljrberrag erhoben,
*) Script, rer. Lusat. N. F. 1 p. 390.
••) fcaffr, Äat^ajmaUn. <Bfc. 0. f. 97 b. (f.
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tra* in t>en f>nfttifct>cn Reiten febr oft ber JaU gewefen fein
mag. «116 der 3rit be* Tonfall*, wo bie Stabt furefrtbar
bdaftet war, fjaben wir eine Wert}, baji bie bamal* auferlegte
ainierorceiulidje Steuer bie £6t)e »on 5 ^ro^ent, b. f). vom
Rimbert: fünf Sdwd betrug. Diefc ©teuer führte ben Warnen:
£a)a&gelb*).
Won bttfen Steuern wmben fänrmtlidje Soften ber $rr-
n>almng unb aud) bie ;}ar)luug ber föniglid>en Steuern H*
ttutten.
Die Sdjä&ung**) ging nad) Schorfen unb 9Rarf bot)*
mifdirr 2ßähr«iifl <b. b. 1 Schorf Äreujer 4-3 ^f. -=23g®r.
4 ty., unb 1 Warf 48 jhrcii*« ober 18 gftr. 8 ff.)
$ie Warf machte bie Steuer Gihfjeit au* unb bie Biliare ge;
föaf) nad) Pfennigen, fo ba|i na* bem ^ebürfniffe 3 bief 1 1 $f,
pro Warf jdtyrlidj in *wei Terminen erhoben würben. 3)a$
Steuer ; Anlage $Hd) vom 3. t57ö gebenft be$ *u*brucf*:
^aiiemaitn^cf^of. WÜ bera (Hefdwfi ift bie unter bem Sa*
men: £aue»mann*ge|'a)ofi v<w Unangefeffenen , mit neuem 9JtV
to* bi* i«m ^ar)Ve 1820 beftaubene lanbe*l)errlid)e Steuer
nia)t \u t>erwea)feln, bie mit bem 3af)re 1820 auf Ohuub ber
neuefteu Steuerregulirung naa) I)öd)fler tfntfdjcibung in 2(uö-
Sidniug ber lanbetfl)errlid)en inbireften Steuern aufhörte, ob--,
on aus 3nrtl)um, ober vermöge ber allgemeinen Steuerte
trrtaiig, früher mitunter eine Ausgleichung beiber Steuerarten
flattgefunbeii gu t)aben fa)emt, wie ber Vermerf im 4kfcfw^
ßnmbfatafter vom 3- 1736 an bie .£>anb giebt. llcberljaupt
ttarb bie ^eriobe vom 3. 1730—1740, welche in golge ber
mit bem 3at)re 1730 in ffifrffamfeit getretenen lanbc$t>errlia)en
Äommifjion, beu .kommuualr)au6l)alt ber Stabt ©örlifc regu*
forte, ja umgeftaltete, namentlid) bie fcf>arfc Xrennung bed
Äämmerei' unb beä $ürgerwmögen$ feft(c|jte; erftereö, nad)
**n alten Statuten ber felbjtftänbigen Verwaltung bed Watt)*,
liiere* aber ber Verwaltung ber &nrgeT|'a)aft unter Äuffta>t
w *Ratl)ä überwies, aud) für baä ®efa)ofj baburd) entfdjci-
*) ©. meine Scfjvift: beitrage *ur @efct)id>t< bc* <S(f)iiiatfalpifdjrn
*tie<»e«j k. 1848. <S. 129. *Wr. XLII ber bort miifler&filtrn «ftenfhufc.
*') Wariffolgcnbe ift bit< auf w>enia,e 9lbfüriuna,cn, trörtlirf) rat«
wmtnen bem 9foffa$f f. 62. br« Hfreiifhirftö Vol. II Acta (ieneralia lit.
G., »o. 56, ba idj eiue beffete Sluefü^mug nity tyatte geben tonnen.
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benb, baß bic Jtommtffton, um bie (Sinnafymeu ber Kammern
genau fennen )u lernen, allenthalben unb aud) beim OJefdjoß,
tbeilS ein Verjeidmiß bei bamaligen Abgaben* $errägc ber
Kngefcffenen unter 91nerfenntniß ber 3«tereffentcn aufnehmen
lief, tbeil* bie Abgaben ber 9tid)t-$lngefeffenen (fpateren Sdju^
verwanbten) a(# @tatö-6oll, beredwungSfäfyig git mact)eu
ftrebte. Diefc reine Verwaltungemaßregel veranlagte bie ($ut-
ftetjung beä (Mefdjoß ®runb äatafteitf vom % 1731 ( Vol. I.
Act. G. 56. f. 13 b.), weldKö lefctere bie jä^rlid) in glatt
Terminen juentridjteube ®efct;oßa&g»be naa) 6 klaffen teilte,
unb ber
1. klaffe ä 1 Xtyx. bie t%offofaufleute,
2. „ a «/, „ bie 2)etai lüften unb Ürämer,
3. „ ä Va f, bie ^uoriftfrämer,
4. „ ä V4 ff bie jntnjUet unb funftartigen (bewerbe,
5. u. 6. Älaffe a % Xblr. bie junft* unb u^unftmäßiqen
bewerbe unb bie ^anbarbeiter aller «rt
einverleibte, harte aber aud) gleichzeitig bura) biefe gudfub*
nmgäform bie widtfige materielle golge, baß ftd> bie (*Jefdwß*
abgäbe: a) au* einer naa> bem äommunalbebürfniß fteigenben
unb falleuben in eine bem jäl)rlid)cn betrage nad) ftrirte fM»
gäbe umwanbelte, nidjt minber b) nad) Verwaltung** unb
&rbebung*art feilte, ben ©efdwß ber Unangefeffeneu von bem
ber Bngefeffenen trennte, unb in eine Diealgabc vcrwanbelte.
Die ©runblage war unb ift bie Aufnahme in ben kommunal*
Vcrbanb, bie kommunal *^ngebbrigfeit, berubenb auf ben all-
gemein gefcfclid>en s£eftimmungcn ber 6elbftftunbigfeit, reö
sBobnfi&e* unb biö *ur neuefteu 3eit in Uebereinfrimmung
mit bem «Hg. S. 9t Xty. II. Xit. 8. $ 1—5. aufragt in
ber ©eria)t*barfeir. 3n biefem Reifte ift bid 1846 bie ©eferjoß*
pflidjtigfeit beurteilt unb gebanbtjabt werben; er fanb nod)
im % 1844 bei ber Verwaltung beö ^irtl)$s@efdwffeS, b. b.
ber ojigefeffcnen kommungliebcr, in Belegung ber au* kom-
munal- in ^rivateigentljum Übergebenben ÖJrunbftiirfe mit ©e*
fa)oß, in Befreiung ber von ber kommun erworbenen ©rtmb-
ftürfe vom t«efd)oß, ingleid)en bei ber Verwaltung t>c* £äu*-
mann*gefdwffe*, b. f). ber unangefeffenen kommunglieber, in
VollMel)ung be* gebauten ^Regulativ* vom ß. 3auuar 1731,
(weld)e* nur baburd) eine Slbänberung erlitten l>a(, baß bei
ber im 3. 1797 erfolgten reeeßmäßigert Verwenbuug ber $h*
-
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u
bn>fram ^oiMcffionen in erbtirfie ©eredjthifeiten, bie 3. Ätaffe
tu Sfgftf fam unb in Betratet be* \\i nafylenben (£anon$
mit ber 4. Miafc vereinigt warb), t>oHe fcnwenbuitfl. 3tym
gehört ber (%Hnbfa(> an, baö bie (£ntrid)tuiig be* SBtrtfyftge»
fdjoffeS von brr 3a^un9 ^auämaniuige|d)ojfeä befreit;
ihm ifl bie *i|}rartd entfprungen, baf* bie früher von ber ftab-
ufd)en (9erid>t$barfeit erimirten ^erfoneu , in fo weit fie nid)t
im $ürgerred)te ftanben, al$ ?lbelia,e, giterati, Vanbe#berdid)e
mir lanbftänbifd)e Beamte, awdj nietet gefd)cth)flid)rig, vielmehr
von reffen (Surrt d) hing befreit waren.
Viiub in niDlid), um ben in 93e$ug auf bie ©efdjofiab*
gäbe im 3- 1844 beftanbenen 6ad)ftanb vollftänbig $u über*
feben, nid>t unerwähnt ui (offen, bajj einzelne Befreiungen be*
ftanben, namentlich nad) einqefd)lid)enem, gefdndjtlid) leidjt
erfennenbem Brauche für bie *J9titglieber beö Waqiftratä, bie
magiftratualifdien Beamten, bie jäbrlid)en (Ednifcenfönige, bie
Sleltejten ber $ud}mad)er uub für bie neuen Bürger auf ein
tyalbeS 3abr, bie ^gebrannten auf fed)3 Jabr, bie Wenan*
bauer auf brei 3afyr, früher, bi£ 511 ber &nfbebung burd) &om*
munalbefd)(uf?, aud) für bie Warf er* ober :£ud)madjer*3ituuug.
»nbere Befreiungen beftefyen auf (*)runb beö OJefefceä, für bie
mit 3uvali&en*33egünftiguiig eutlaffencn Wilitärtf (Ob. &mtei*
patent vom 29. 3uui 1782. Dberl. 6. SB. III. 847. v. &amv$,
»nnaleu 1834. 9co. HS. p. 1834); für bie (^eiftlidjen unb
@^uUer)rer (v. tfampfc Bnnalen. 1831. p. 109. 9to. 48);
unb bie Militär* (ÄabineW^Drbre v. 29. s)J?ai 1834. ©ef.^
Samml. 1834. 6. 74.)
(ftne zweite fyicrortö beftebenbe SCbqabe ift ber fogenannte
Servil, (fr verfiel efyemalö in ben 3i$irtb$*£ervi# uub in
beit <$paH#maiiit^oervitf, wetdje jwar einen Tanten, aber
gan^ verfdjicbene (9runblaqen, bafyer mdft$ mit einanber gemein
haben 1111D burd) ben ©ebraud) nur in fo weit in eine 2l$ed)fel*
wtrfung getreten fiub, al$ bie 3«l)l"»f? &ee @incn von ber
iMinutwmu] bee »nbem befreite.
2i$aö $uuäd)|t ben $öirtfy$'<Servid anlangt, fo bitbete ftdj
berfelbe in ber legten <£>ä(fte M 17. 3af)rt)unbertä, wal)r*
fdjeitüid) mit'i 3ai)r 1680, alfo )U ber 3^it aud, al$ ftefyenbeö
s3Jnlitdr eingeführt würbe. Wit bem ftcbeitbeu $eere traten
beftänbiqe Wüttdr - ©arttifoueit in'ö geben, in ifyrem ©efolge
eine nene 3}ervfltd}tung bei Öarnifonovte jwr WatnralHSin*
46
quartierung für ben qevcqeltcn grieben$wftanb, im ©egenfafce
jum ungeregelten Jrriegöjuftanbe, weldje unter ben mit quartier*
fähigem <SiAentl>uni »crfel>c«eii (Sinwoljnern eine ^(u^^(eid>uttc|
nner(df(f<$ notfywenbig madjte, juraat balb einzelne (Harnijöii*
»erl)äUni|Tef juuadjft weil fee einer fteten Vofatoeränberumj
utc^t unterworfen werben tonnten, ober fcofalitäten eigentfntm-
lieber $lrt forberten, in ®elbe gewährt werben mußten, <£iefe
(5inquartierung0*33erpflid)tung unb bie barautf entfpringenbe
s<Huegletd)ung war unb ift aud) nod) Ijeute bie alleinige gefefr*
lidje ©runblage beö ffiirij>«*€mri|e*, bie fid) im fcaufe ber
3eit unb burd) bie ©efeJwebwig mel)r auägebilbet unb fd)ärfer
begrenzt l>at. tiefer Öhunblage nad) ift ber £en>id redjt
eigentlich eine €raatelaft unb würbe al$ folctye nid)t uuter ben
eteuern $la$ finben tonnen, weld)e alo ftäbtifdje r>ier beban*
belt werben, wenn er nicfyt burd) bie €tabt»erwaltung einge*
jogen würbe. £>iefe (*iuquartieruug$laft tfyetU fid) in bie nor-
male (für ben griebeiu^uftanb) unb bie aufiergewötmlidje (für
ben Jtriegöjuftanb.)
3m itriegeauftanbe tritt il)re 9Jatur al* etaatelaft befon<
berö Ijertwr, inbem if>r uaef) bem "öebürfniji alle bequartier*
faljige Staatsbürger unterworfen ftnb, gleidjsiel ob biefe $e*
quartierfät)igfeit auf bem (*igentl)um ooer anbern £*erl)ä Uni Ifen,
j. 3Wierl)e berul)t; im griebeiu^ufitanbe bagegen nimmt jte
au6fd)lie(Hid) baä pritt^ipialiter »erpflidjtete bequartierfäfyige
(Sigentfyum, b. I). bie 33eti&er quartierfäl)iger ^dufer in Um
fpruc^ (S 14. C. H. ber Orbomtanj v. 3- 1752. £)b. Vf. Coli.
20. 11. p. 936, v. tfampfc. K. a. a. £>.), unb ift bafjer eilten
feitd eine ©runblaft, weil bie flnwenbung ber 6taatelaf* nid>t
burd) %hi\>ate befdjräntt werben barf, eine t>eränberlid)e, bie
mit ber (SinquartierungSfäfngteit entfielt, fteigt, fällt, ober
gan* in 5ßegfaU fommt, baljer aud) bei SMomembrationcn
unberürffidjtigt bleibeu, utc^t wie anbere (^runblafteu pro rata
verteilt werben foll (ganbefl Kultur -(*bift vom 14. £eptbr.
1811, § 3) — , anbererfeitä eine ©orietätölajt, b. I). auf einen
Xtyeil ber (Staatebürger befdjränft. 3)iefe beladete 6oeietät
bilbeu alle im s4$rwatbe)t$ beftnblid)e, ber bequartirten ©e
m ei übe angefyörige bequartierfäfyige C%unbftücfe ohne xHuo
nal>me (S 58 ff. ber Stäbteorbnuug t>on 1808), woran* von
felbft folgt, bap einerfeitd bie jeber$e-itige Duartierfäljigfeit unb
ifyr Söertjaltnip unter fitfy, wie jur ©eiamm^DuartierfätyigfcÜ,
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bie eimig richtige $orm ber Vertbeilunq ifi, antoereifeit^ biefer
«ntheünarjme alle quartierfdbige (*)runbftürfe, gleichviel, ob
fie fia) militärtfdjer Vorfdjriften ;u gol^e ihrer Vage k. baut
eignen ober nic^i, unterworfen ftnb, wie 5. V. hierorts bie
Hnwfa)loffenen SirfMtte. Der 9tn*brutf biefer anf ben
Ärietw? wftanb, b. fy. auf permanente unb jeitweife, §,
femra) llebnngen, Äommanbo'*, jKefrutitungen veranlagte
®armfort**3$erf>aitnijfe befdjränften, burrt bie müiiArijtye <#efeft<
qebung geregelten €orietät*lafi ift ber (servil, unb jwar allein
nnt> auefd>lie0licr) ber $eal*6er*t0, hierorts 3ßirtt)0 eervid
genannt, mit welkem alfo bie 6ervt* Abgabe ber unangefef*
jenen (Sinworjner nia)t$ gemein tyat, nid)t6 gemein rwbenbarf.
€0 tfl benn ber bieftge $ßirtr;$*6ervte ber von ben angrfef*
jenen Äommwnmügliebern, welche einen Söirttj für ($inquar*
rierung abgeben fönnen, folglid) bewohnbare (^ebäube beftfcen,
ju naj$lenbr Militär -(^nquartierungö Beitrag, and) ift beffen
tfaffenverwaltung, weil fie gefefclia) ber Äufjtyl ber 6tabt*
Wbörbe unterliegt, ber €tabt^auprfaffe# jebod) gemäf ihre*
tebarafterS einer 6ocietät$ Angelegenheit, nia)t beir Ableitung
uir &ämmerei, n nrern ald in fia) abgefdjlojfenetf 3nfiitut mit
fpeueller Vertretung ber Bbtrjeilung für ftäbtifctye 3nftitHte ein*
verleibt worben.
Bnoerä verhält eö fid) mit bem hierorts, wie oben ange*
flefcen, a,leid)fatld befterjenben, fogenannten .&auemann^<Servi$,
Mrä aud) feine (Sntfterjung unb (*ntwt(felung zweifelsfrei
Partr>ut.
Von ben frutyefien Reiten bis zur lanbe$r)errlid)en Stom*
mifjton, im % 1730, war ber ©efammt Äommunal^auer^alt
unter alleiniger Verfügung beS SWagiftratS in ber dämmeret
fon^ntrirt. 3)iefe äommiffton befdjranfte juerft baS magiftra*
nialifd)e VerfügungSredjt auf bie bamalige Äämmeret, b. f).
auf bie irjr bamalä gewibmeten @egenftänbe, fefcte tl>r baS
$ürgervermögen, b. t). Dasjenige, waS bie itommunglieber
auper ben Veiträgen zur ^dmmerei für jtommunafzweefe unter
ftd) aufzubringen hatten, entgegen, überwies ba$ 5>i$pofttionö*
ted>t über lefctereS ber Vtirgerfa)aft, fdjuf babura) ein ganj
neneS Clement ber Äemmunal* Verwaltung unb trennte, wie
bereit« oben beim ©efertofi gebaut worben Ift, dämmeret* unb
^ürgeroermögen fowotjl im ^ßrinaty, als in ber Verwaltung«-
form. Wdjt unwatyrfchetnlia) gab r>ierju bie mdji lange vorher
^ )gle
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entftanbcne €en>id'Kafie, weldje bamalä jebod) nur ben
gBir$t'6cn>i0 in ftcl> faßte, SBeranlaffung; wenigftcnS gcl)t
fo t>iel auä ben vorbanbeuen Segnungen fetter, baß bamalä
allein bie (gertttofaffe al$ eine bmgerfdjaftlidjc angefefjen warb
unb lange 3*i* allein baö SnrgervermÄgctt repräfentirte, weil
außer bem ©ennä feine twn ber Kämmerei getrennte bärger-
fd>aftltd>c ^Ib^abc bejtanb mib nötljig war. (£rft in Solge be$
fiebenjätjrigen Kriegen madjte ftd) ein erstes Bebürfniß gel*
tenb, unb jwar bei ber Sed>i$faffe, ju beffen Slbljulfe eine
Steuerung ber unangefejfcncn (*inwol)ner in $orfd)lag fam,
genehmigt warb unb vom 1. 3uli 1768 ab unter bem tarnen
,,#au$manu$'£en>i<V' ine ^ebeit trat.
$iefe Abgabe warb, jhc (£rf)ebung nad) bem $ebarf,
fclglid) ganj wie urfprünglid) baä $efd)oß, unfinrt in Kataftet*
(form »orgefdjlagen unb angenommen, oljne ^rinjipien ber
SBefteuerungö Worm au*bnidlid) fefauftelien; nid)te befto we-
niger läßt aber eine Prüfung be$ Katafterä unb ber bei Hb*
fd)d$ung neu eintretenber Kontribuenten gebilbete unb nod)
befteljenbe ®ebraud), niajt ben geriugfteu 3wetfef übrig,
baß biefe Eefteueruug* sJ(orm eine Klaffififation unb jwar
biefelbe ift, weldje gemäß be& Slegulattod vom 9. 3anuar
1731 beim £audmann^ ©cfdjoß jur fluwenbung fam. ü$
würbe nämlid), wie beim _£auemann$*®efd)oß, nad) SBegfaü
ber uriprüugUcben 3. Kla||e, ber ^auemaunö* ©erste nad) 5
Klaffen erhoben unb gehörten ber
1. Klaffe a 2 If)lr. bie ^erfonen höheren etanbc*, ©roffo*
faufleute k.,
2. „ a 1 V2 „ bie Detaiüiften, ^rofeffconiften, $A$*
ter K. mit umfangreid)em bewerbe,
3. „ a 1 „ bie ©ewerbtreibenben in befdjränftem
Umfange, s}*äd)ter, Künftler|jc,
4. „ a V» i, bie ©ewerbtreibenben, 3««ft' »nb
Unjunftmäßige, ©elbft* ober Unfelbft-
ftänbige anbeter Krt,
5. „ a y, „ bie £anbarbeiter unb Sagelörjner,
an. 3eber 3weifel, baß ba$ 6flM^mannö*@efd)oß mit bem
£auömann0;6en>iä gleiten Urfprung tjabe, ftnbet barin feine
(Srlebigung, baß mit all ein ige in Auöfdjluffe ber iuebmaduT
Slelteften bei leftteren wie bei erjicrn äanj gletd)e Befreiungen
hergebracht waren, jebod) feit 1833 bie SWitglieber bed
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SRagijtratd unb ber fiäbtiföen Beamten mit (finfüfjrung Der
©täbte-JOrbnung, auf @runb eine* bei tl>rer Bnftellung gemalten
Vorbehalte* 8en>id entrichteten, unb baf ber £au$raann**
eerriö, ebenfo wie ber ©ef<ho£, urfprüitglic^ nach bem Ve*
bürfnip brfnmntt unb erhoben »erben foütc, fid} aber wie biefer
nadj anb naety in eine firirtc Abgabe t>erwanbelt l)at. 3icht
man ferner in Vetrad)t, baß jur 3eit ber Gntftebuna beä
£audmannd*©cn>ifee fd)on nach fädwfcben ©efefcen, in lieber*
etnfhmmung mit ben jefct geltenben, ber ©ert>id eine ©runb*
lafi, folglidj eine VeitragSpflichtigfeit ber ilnangefefienen un*
richtig war, mitbin gar nidjt t»orau$gefefrt werben Durfte: fo
pellt fid) in Öemä^eit ber gefcbicbtlicben (fntwicfeluug hieftger
fommanal* Verwaltung flar heran*, bap ber ,ftau*mann**
£en?t* mit bem ©efchop ganj gleite gefcfclidje Vegrimbung,
gans gleite rechtliche 9tatur habe, ba|j beiDe $ur Veflreitung
allgemeiner kommunal- Vebitrfniffe beftimmte, in ganj gleiten
formen ausgeprägte Abgaben ber Äommunmitglieber ftnb,
unb bap ihre Verfdjiebenheit nad} tarnen unb Verwaltung*-
$ehörbe ihren ©runb in ber anfälligen, bamal* beftehenoen
Irennung be* Äämmerei* unb Vürger* Vermögen* hatte, bap
bamal* £au*mann**6en>i* nidjt* Slnbere* war, als eine unter
tiefem tarnen eingeführte Erhöhung be* £au*mann* - ©e*
fchone*. £ierau* folgt gleichzeitig, bat* mit ber burd) bie
tmerimijttfdjk Verfaffung »om 3. 1820 utdu nur au*gefpro*
enen, fonbern aud) in jeber anbern Begehung, namentlich in
erreff be* ©tabtfchulbenwefen* realiftrten, fowie burd) (fin*
fuhrung ber ©täbteorbnung im Jahre 1833 betätigten Vluf
hebuna biefer Trennung be* M am mei ei unb Bürger -Vermox
gen* hiejtger ©tabt jeber ©runb jur ©eparat*Verwaltung be*
£au*mann**©ennfe* weggefallen, vielmehr beffen &u*fcheiben
aud ber ©ertü*fa|7e unb jur Verfeinerung mit bem «ftau**
mann* - ©efdjojj gefefclich notJjwenbig geworben ift. tiefer
©nmbfafc, ba# nur allein ber $3irth**©erm* ber (Jinquartie*
rung, ber f>au*mannd *©ert>iä aber ben allgemeinen kommunal'
Verpflichtungen gewibmet unb angehörig, ift benn auch in golge
ber mterimiftifchen Verfaffung vom % 1820 tljatfädjlicb geltenb
gemacht worben, benn auf ihm beruht bie Veftimmung be* © labt*
|(bulben*$ilgung*-'9teglement*, nad) welker bie ©ervi*fajfe
jährlich jur ©chulbentilgung 1000 Ztyx. (al* oergleic^weife*
SUqutoalent für ben fortbejogenen £au*mann*'©ert>i*) beitrug,
0tf*t*tc 4
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I
50
So war bie ©abläge tiefer Steuer -Angelegenheiten bi£
in1* 3ahr 1844, wo t>er t>erftorbene Dberbürgermeifter Demiant
bie Regelung berfelben übernahm, un& einen auftfüfyrlicfycn
Vertrag barüber aufarbeiten ließ, Den wir, wie angegeben,
^ier benufct fyaben. Unter'm 16. December 1844 fapte bie
Stabtverorbueten^erfammlung beu $efd)luß, ba* ^romemoria:
„bie l)ier Ort* unter bem Warnen @ffd}o£ unb Sen>i* beftebenbe
Abgabe betreffen©", einer Deputation auf ihrer sJ)(itte gu über-
reifen. Diefe Deputation, beftehenb au* beu «£>erren: gerbi*
nanb Schmitt, Robert Dettel, Jtelier, ttöber, Dienet, Sättig,
(Sonrab, ®. Jtraufe, Naumann unb Drewer, trat am 31.
Dezember 1844 &ufammen unb gab eine ßrflärung über bie
$orfa)lägc ab, welche bie meiften berfelben genehmigte, anoere
ablehnte unb bafür SKobiftfatioiicit oorfd)lug. Der siKagiftrat,
Referent Dcraiaui, gab hierauf am 24. 3uni 1845 (*rläu^
terungen über bie ^orfa>läge, welche unterm 4. 3uli 1845
bie Genehmigung ber Stabtmorbneten^erfammlung erhielten.
Somit trat beim mit Dem 1. Januar 1846 bie SScr&u
berung in1* l'eben in uaehfteheuber Beife:
Da* Wättifi*@tfä*$, b. I). bie unter biefem Manien
von bewohnbaren gkunoftöcten erhobene Abgabe, trat au bie
Stelle be* £au*mann* ^e|d)o^ Servifed unb befreite baher
oon ber (£ntrid)tung be* lederen.
Sonad) war nun ba* Birth* ®efa)ot* al* perfönlidie
Abgabe ausuferen, we*halb a) foldjc* bei ben Diömembrationcn
ungeteilt unb jwar auf bem 1845 bewoh»bareu Iheil be*
©runbftücf* ruhen blieb unb fall* bie abgezweigten ^arjcllen
ober bie bamul* unbewohnbaren Grunbftücfe in bewohnbare
uragewanbelt werben, eine Belegung berfelben mit Birth*-
gefa)of$ nach Analogie ber bafür hergebrachten Säje in ber
VI« N4$la& anff, baß bei lederen ber etwa f(t>on baranf rubenbe
(*>efa)oß mit in Anrechnung aebradjt unb einverleibt würbe;
b) bie ßrben, fo lange ein mit Birth** ®efd)o|? belegte* ©runb*
ftücf in uugctyriücm (Srbe ftefyt, naa) ihren perfönlichen s^er*
hältuiffen £au*inaun* (*)efa)o^-Servi*^pflichtig bleiben. 8c
freiuugen finben nach $orfa)rift ber Stäbteorbimng vom
3. 1808 weber beim 4)au*mann* - Gefcho^ Sen>i*, noa) beim
Birth* Gefd)o^ fiait, jeboa) fann in ©ejug auf lefrtcre* auf
GJrunb eine* tfommunalbefchlujfe* Abgebrannten im galt be*
Söebarf* eine fea)*iahrige Öefreiung auf Auirag bewilligt werben.
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!il
*
Süe, welche in J>iejtger Statt im gefefclicben eimie
SDobnüe »ebinen ober haben, geboren bem .Kommunal < <Ber*
banbe an, unb haben Die b«8*bracbte $au*inannd*@cftyoji*
€ervid -Abgabe ;u entrichten, fluefnabmen von biefer Dtegel
faben nur aiif ©runb auebrücfticber gefe$li*er gtorföri fl jtart
und jwar für je$t binftcbtlicb a) ber fervio berechtigten unb auf
3aafttvität* behalt gefegten Wtittärö uuD Militär Beamten
Ü ©efefcf. v. 3. 18:11, p. 74); b) ber approbirten Hebammen
(*iegn. «egier. 'Amtsblatt vom 3. 1817, p. 113); e) ber an*
geseilten ©eiftlicben, ecbullebrer unb Äüfter (v. tfampfc
nafen 1831, p. 109. 9to. 48); d) ber föniglicben Straten in
ber «rt, bafi eS itirer SSabl überlaffcn bleibt, ob fie bem
kommunal -Ukrbanb beitreten wollen ober nicht. (StittfjL'Sl
som 3. 1843. p. 216. $o. 277).
$>er £au$raann6*®efcbo|i;6ervi$ wiro gewcbnbeitdgemäji
auf nun Älanen verteilt unb geboren ber 1.: tyerfonen hö-
heren (Stanbeä, ©rojfofaufleute u\, fowie höhere ©eamte unb
Rentiere; ber 2.: gabrifbejtfcer, Jtaufleute, höhere Ilmerbeamte,
^rofeff tont fiten unb ^achter mit umfangreicherem bewerbe;
ber 3.: äünftler, (Hewerbtreibeube unb ^achter mit befebränf-
terem ©efebäftäberriebe, fowie Unterbeamte; ber 4.: 'Jtarfonen,
welche ein ©ewerbe in fehr geringem Umfange ooer nicht
felbftftdnbig betreiben, unb niebere Unterbcamte; rer5. : Tage-
löhner unb £anbarbeiter in ber &rr, bap bie bezeichneten \Lht
bdltntffe bie 9corm abgeben, mich welcher bie nicht namentlict)
aufgeführten flafftfMtrl werben, (seit bem .ftommunalbefcbluß
vom 3. 3uli 1847 würben Tagelöhner unb ^anbarbeiter in
ber ^egel ftatt ber 5., ber 4. itlaffe jugefcfjrieben.
Die Abgabe an .£>au3mannd (Gurion cervie verbleibt in
ibrer^öbe, beträgt labrlut) in ber 1. Äfoff* (1 i Mr. ©efebojj,
2 lljlr. 6ervi$) 3 X^lr.; in ber 2. älajfe (% Xblr. ®e|d)o^,
lV*X^r- <5ervte) 2Zt)ix. 5 6gr.; in ber 3. Älajfe (l/4Iblr.
©efd>of , 1 Ztyt. 6ervi$) 1 Iblr. 7 6gr. 6 j|}f, ; in ber 4.
Äla||c (V» X^lr. ©efct)oß, V* 3$b. 1 $f. 8ervie) 18 6gr.
10 $f.; in ber 5. Jtlaffe ('/, X()^ @e|<bo£, % Thir. 1 $f.
6enriä) 11 ©gr. 4 sHf., unb wirb in halbjährlichen, 3um
2. Januar unb 1. 3u(t gefälligen *Katen prcuiumeranbo erhoben.
3ur voUftänbigen ^uefübrung biefer 3$orf<briften ift bie
^itroirf uug beö 9Nagtftraie, ingleichen ber ^oliaei^eroaltmig,
ber 6ervi$*2)eputarion, welche ftch auch von ben iBeihältmffeii
4*
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bcr SRietfjer unb iftfcn 9*aumlio)feitcn in fteter tfcnntniß gu
erhalten r>at, fowie bcr ©taotrjauptfaffe erfotberlia).
Die (Sinwotjner unb Bürger ber ©tabt erhalten ba* £i>lj
au* ber ftäbrifdjen £aibe $u einem billigeren greife, alä
9tta)t*@inl)eimifa)c. Die 3a$toJtg obiger fiäbtifajen «bgabe ift
nun mit bem £olaverfaufe in berartige Verbinbung gcbradjt
worben, baß Wemanb einen £ol$jettel auf einen ftäbtifa)en
£oljf)of erfjält, ber ftO) nidjt vorder bura) fein ©ervi**©efd>ofj*
bud) über bie 3a^"«9 ber Vlbgabe au*gcwiefen. £ierburd>
wirb bie befte Vefajleuniaung ber ;}ar;luug bewirft.
»m u/i8. 9»4rj 1848 befa)loffen bie ©tabtverorbncten,
baß benjenigen (Srben, welche ein 9taa)laßgrunbftütf befreit
unb verwalten, ein £ol$bua) 1. Älafie ol>nc (*ntria)tung be*
£au*manu*;©efa)offeö erteilt werben folle.'
©o viel über biefe ©teuer. 2tußcrbem beftef>en nod) 8lb*
gaben für bie Leitung be* SÖajjer* in rie £öfe, ONöfyrwafierjin*),
©tättegelb bei 3afyrmärf ten , (für beu 9taum eine* laufcnben
gußc* 2 ©gr., unwrfctylofjeneit Verfauf*pfa$e* 1 ©gr.),
$unbefteuer, beren Ertrag jur Regung von ©ramtylatten in
ber ©tabt verwcnbet wirb; enblia) eine SBilbvretfteuer, ledere
feit bem 3ar,re 1848.
®ed)ffc6 Äapttcl.
Die Privilegien ber ©tabt, in*bcfonbere be* föatbe*
unb bcr ©cfa)ledjter.
SBir (jaben oben vcrfudn, eine ($ntwitfelung*gcfd)ia)te bcr
ftäbtifdjen $kr)örbcn bi* in bie neuefte $tit hinauf ju geben,
unb gcfeljen, baß bie Verwaltung eine fetyr verwitfelte unb
umfa||enbe ift unb ftet* war. $öic follte e* aua) anber* fein,
ba bie &ommun ©orlifc ftd> eine* bebeutenben ©runbeigen«
Sum* erfreut, wa* ofync bie ©ruubftütfe |in bcr ©tabt über aa)t
Millionen Ityaler beträgt. 2ßtr haben aua) geferjen, baß in
ben erfiten Venoben unfercr ©tabtgefa)id)te ber tftatl) bie SRtttd
Sur Verwaltung unb jur Vefeftigung bc* ftäbtifa)cn xHufc lu-n^
au* ber Jiraft unb bem Vermögen ber Bürger al* foldjer
fajöpfte, ba bamal* ber ©runbbefty ber ©tabt nidjt ben 2Bcrtfy
tyatte, wie ^eut au Xagc.
■
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53
Hegt un$ nun ob, au jetgen, wo in jener früheren
3eit bie Duellen be* ®ol>lftanbe$ Der $iirgerfd>aft *u fudjen fmb.
3?et genauerer 39etrad}tung ftnben wir, baß fte in ber ge*
werblichen Ifyätigfett ber 3nfajfen fowobl, al$ in ber (Srmftg*
fett unb ^eftrebfamfeif rufyen, mit welker ber Watt) ber Stabt
ftetö Privilegien *u erwerben bemüht war, imb in ber feften
Ausbauet, bie erworbenen Deckte $u wahren.
*£ie 3C^ *or b<r Deformation ift ber gegenwärtigen in
ber 33e$ierjung fcollftänbig entgegengefeftt, baß bamalä $ur $e*
ferbentng befl materiellen 5üol)le$ nad) ®evorred)tung geftrebt
warb, wäfjrenb bie neuejte 3^it bemüht ift, alle 33eoorrecfytungen
aufzubeben. £amald beförberte oer (Btaat, wenn man biefen
mcDfrnen begriff auf ben lofen 3ufamnt?nfyan9 äWifctyen De*
genien unb Degierten im Mittelalter auwettben barf, ben Selbft-
sortiert beä (Einzelnen, um bason 9ßortf)eil au Riehen; jeftt
jrrebt bie ©efeftgebung babin, bem allgemeinen Duften bad
3ntereffe beä (Sinjelnen unter^uorbnen, unb Hillen t>or bem ©e*
fe$e gleite k Dedjte, aber auefy gleite *Pflid)ten unb Mafien auf*
iulegen.
3n ber Xfyat brausten audj bie<5täbte, um ftdj in jener
3cit in bem beftänbigen ©etummel oon gelben unb wilben
'Stretttgfeiten aller 2(rt gu erhalten, außerorbentlidjc Untere
früfriutg unb bie ungebunbenfte Bereinigung ifyrer Grifte, um
im 3nnern il)rer dauern unb Sßälle ifjr ©ewerbe ungeftört
*on fctyäblidjen äußeren Ginflüifen entfalten ju tonnen.
Ü)a0 erfannten bie bamalä nadj größerer ©ouverdnität
frrebenben Surften, benen, im beftänbigen Jtampfe mit bem un*
beugfamen reifigen Stbel, bie <5täbte bie -Wittel an bie £anb
gaben, jene wilben ©efellen *u bänbigen, abgefefjen batwn, baß
bie ftarfen 23otlwerfe ber 6täbte ben dürften erwunfdjte Sin*
f^altdpimfte bei ifyren ÄriegSjügen. gegen ben auf feften Scfolöffern
(jorftenben getnb gewährten, an beffen Unterbrürfung gürften
unb ©table baei gemeinfame 3ntereffe feffelte.
*X>enn wenn ber beftdnbige 33rucfy beS Sanbfriebend unb
bie ntc^t gefyinberten raubenden St umritte be$$(belä eine$tf)eil$
baö Mnfefyen ber £anbe$berren brachen unb fdjwädjten, anbern*
ttyeilä ber baburefy rjerbeigefufyrte Mangel an Berfefyr auf ben
£anbfftaßen bie (5innatymen unb ^6Üt ber gürften verminberte,
war gerabe Unterer, ben Slbfaft ber ftäbtifdjen ^robufte w
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fjtubernber Umftanb, ©runb jur ©migung ber 6t<ibte mit bcn
£anbeSr)erreit.
6d)on bte branbenburgtfcr/en gürften, mef)r. aber nocf; Die
£urcmburger, unb unter ihnen vorzugsweise Jtaifer Carl IV.,
waren beStyalb bie größten s3eförberer Der 6täbte, inSbefonberc
aud) Der 6tabt ®örlifc, weldje, wegen irjreS energifcfyen <5in*
fdjreitenS gegen alle Unrurjftifter im tfanbe, fowotjl mit als
olme beu fcd)öftäbtifd>cn 9m* , tu ber l)6cr;ften ®unft am
vrager iwfc ftaub, uiid biefe ©ttuft mr (Erwerbung von guten
unb ^wertmäßigen Privilegien wol)l auszubeuten verftanb.
Triefe Privilegien fmb, mit 8uemat)me verfjältnißmäßig
weniger, allein beut föatfye, fomit ben ©efdjledjtern, gegeben,
unb aud} von il)m gegenüber bem tfanbeSljcrrn unbeftritten
ausgeübt worbcu, wäljrenb bte ^anbwerfer gleichfalls 2(nfprüd)e
an bicfelben geltenb j;u maetycn verfugten, mit welkem Erfolge,
wirb ber Verlauf biefer ®c\d)i<btc ergeben.
SBtt wollen nun m beu Privilegien felbf! übergeben.
SBon großer Üöidjtigfcit für bie innere ©eftaltung ber
Stabt war baS ÜRedjt, iijrc oberfte 33er>örbe felbft *u wählen.
fDiefeS Privilegium, welches oljne Söeftätigung von ben @e-
fcfyledjtetn feit gcfd)id)tlid) mcf>t beftimmt nad)mweifenben 3eiten
geübt ift, „bie freie ftattySfür", würbe erft mm ©efefc erhoben
bind) Äaifer Maxi IV. in ben 3al)ren 1373 unb 1375, unb
von ben nadjfolgenben ÜÄarfgrafen ber £>berlauftfc betätigt.
Die jätyrlicfje töatrjSfür*) fan'b bis 1475 am Ausgange beS
€e»tember, gu 3Beu$eSlauS (28.) ober 9J?id)ael (29.), bis 1520
*tt ©gib»? (1. 6etotbr.), bis 1563 am l*nbe beS DftoberS, bis
1738 wiebet ,w(£gibv unb feitbem um ben 1. 3uli ftatt, wenn
nidjt befenbete ^inberniffe eintraten.
Normal* wählten, nad) ^onig (sigmnnbS SBorfcfyiift von
1420, alle 9Katf)Sglieber 9 fünftige *Ratl)Sr;erren unb Sdjvffen,
VoeW^e !)ikf;|retrS im ^weiten ©rabe verwanbt fein burften, unb
biefe nvim Welten fiety aus ben juvor im Slatlje gefeffenen
Perfonen neun anbere «Öulfe, wobei feiner länger als 3
3afyrc Ttadj ein cm ber im ftätfye fem burfte, bafyer wenigstens
ein 'Drittel beS JfoHegfuntS fiii 3atrr, ja manchmal mehrere
Satyte hinter einanbet feierte, fc. t}. mdr>t im föatlje faß. 3m
ftt Uz €e$#aM ^»e»r!r$ fett 5 3a^tmbfrte». Qtttit 1801. 4. <S. 3. 4.
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55
!6. 3abrf>unbcrte feierten in jebem 3abre ein SSürgermeijrer,
etn<Sd}öffe, ein föatbmann unb brei ^anbwerftfälteften, weldje
bei ber folgenben Äür wieber in ben Matl) gebogen unb an
beren Stelle wieber 6 perfonen jum geiem beftimmt würben.
3m Anfange bed 19. 3abrl)unbert$ feierten nur bie 3 £anb-
werföäiteften mit 3 anbercn tyrer KUtel in jät)rlia)cr 3lb;
wea)felimg.
liefen allgemeinen Betrachtungen fugen wir nod) einige
fperieüe 9toti*en in Bejug auf bie töatböfür binju. 6d)ön
ehe Da* Privilegium felbft erteilt war, gab etf, feit bem
3abre 1347 eine UrfunDe, ba$ ftd) KicmanS Dem föatr/e unb
bei» 0*efd)worenen wiberfefcen feile. Dl« Beftätigung biefe*
#riefeö muffte, wie wir unten fernen, oft wieberfyolt werben.
3m 3al)re 1409 fam eine fömglidK Äommiffton an, weld)c
Kedmung vom Natbe forberte; Wfla* Staren würbe if>m
ramale vorgefe&t. 141 2 betätigte .Honig ffienjel aua> mit
anbeten Privilegien Die Jtür. 1420 verbot äaifer Sig-
munb, naljc vl<erwanDre gemeinfam in ben vJlatf) *u wählen.
1476 Würbe bie !Ratb$wat)l ptn 1. 3Me am läge (*gibt>
qebalten; vorder am 6t. Üßenaelätage. 1477 wurre 21$en<el
feraeTi* gum ftatfymanne gewählt, aber nur in ben 3abien
in oen *Ratf> gebogen, wo fein dritter $eorg @merid> feierte.
1486 würbe Sürgermeifter peter Salbaw, bamit feine harte
Hu ftd) au^uorurfen wnb fein benehmen überhaupt nid)t Huf*
rut»r unb 3wtetrad)t ueranlaffe, von ber Siiix autfgefdjloffen
unD bi* an feinen Xob al$ ein ^eltefüer angefebeu. 1491
wiberfefcte fid) ber föatbmann 4?an$ Hrt öffentlid) einem in
tirbfadjen ihn betrefenben !ftatr;c<bef<hluffe, wurre nad) £aufe
xu gerben bereutet unb ferner nierjt mel)r *ur Slüx bejanDt.
1496 fd?lo$ man Peter ftren*el wegen (Sbebiuay* autf bem
*atbe au*, unb 1498 Wifla* Wring, weil er ffet* in unb
sor bem 9i$etnfeller gefeffen, öffentlia) getrunfen unb babei über
ben ftatb fpifrige DieDen geführt batte. 1508 würbe, weil Die
üXatb*glieber bei peft wegen nia>t in ©örlifc waren, bie äür
bid *um 11. Dcccmbcr verfa>ben. 1521 unterblieb fte Derfel*
ben 6eud>e wegen gan*. 1522 fjeiratljete firan* 6d)neiber
bee €d)öffen Bernbt Xoa)ter, unb würbe beSbalb gebeten, fta)
be* flatbe *u entäufern; ebenfo £)*walb 93tcifrer. 1547 wwbe,
wegen Änroefeiibeit fatferlidjer Äommiffarien feine Mv atfyaU
tat, mtb 1548 am 14. 3«ni von benfelben Der !ftatb*ttul)l mit
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56
anberen fügfamcrcn s#erfonen befefct. 1549 gefdjaf) am 4. 9to*
vember bie Erneuerung beä Dtatbe bHrd) biefelben Jtommijfa*
rten unb ebenfo in ben folgenben 3af)ren. 1557 unfc 1558
burfte ber 9iatl) bie Äür jwar galten unb bie Remter befefcen,
mußte aber bie 2Bal)l von ber Jtommiffton beftätigen lajfcn.
1559 voü>g ber föatl) bie $Baf)l ofyne r?öt)ere SBeftättgung,
trie vormale. 1560 wart* ein für allemal ber 1. September
ale Jiürtag angenommen. 1580 würbe Jtaifer Sigmunde
Jturs^rit)iicgiuni 1) am Xagc vor ber Jtür; 2) bei ber Stur
bee $ürgcrmeifier£ uno 3) bei ber Jtür bee 9Rtd)tere, vom
33ürgermeifter vorqelefen, weil befohlen war, baß bie #ür vor
wenigftene 300 sJßerfonen vorjuner/men fei. Seit bem 3afjre
1623 finbet man im tfnrtmdje feine feiernben *Hatbei)erren
mehr, ale bie 3nmmgoäIteften. 1630 im November fam
wegen bee Sdjuloenwefene eine faiferlicfye Äommiffion nadj
©thlifc. 1641 würbe bie Mm wegen ber ^Belagerung ber
Stabt aufgefajoben unb am 13. 3anuar 1642 gehalten. Seit
1672 wurrc Der Senator Xobiae Wupper unb fein SBater
gleidjee 9famene, weiter ale lua)mad)crältefter in ber 9tatr;e-'
ftube faß, mit S3cibel)altung feiner 93efolbung ni$t mef>r in
bie Sifcungen geforbert. SBon 1680—1688 mußte, mit ben
übrigen Sedjeftäbten, aud) ber föatf) au ®örli& vor ber f urfürftl.
Äammer ?Ked)nung legen, erhielt aber am 18. Dftober mit
ben übrigen fünf Stäbten gegen 3ahlung von 20,000 Ztyx,
an Se. ©naben unb von 4196 £f)lr. an beren SOrinifter
einen 33erforg über fernere Befreiung von biefer iljm lafrtgen,
wkwoty l)öd)jt nötigen ^ormunbfdjaft. Slm 17. 3uni 1690
famen jebod} unvermutet furfürftlidje Jiommiffarien *ur *ßrü*
fung bee 93erwaltHngewefcne an. £>ajfelbe war im folgenben
3abre ber goß, wegen Streitigfeiten, welche ftd> *wifa)en bem
9tatl)e unb ber 93ürgerfd)aft erhoben fjatten. 1705 würbe ber
<$erberaltefte Cfr)rtfttan £ofmann in ben föatf) gebogen, 2 3abre
lang aber nidft $ur Sifcung geforbertr weil fein Detter, ber
2ud)mad>eniltefte ©ottfrieb Sdjmiebt, bereite im 9?atr>e faß.
Seit 1709 befugten S3eibe 2Boa)e um 2Boa)e abwe^felnb bie
Sifcung. $ae 3abr vorder fanb bie Mx aud unbefannten
Urfaajen auenafymeweife am 22. Sluguft fitatt. 1717 würbe
£ofmann aufgeforbert fidj ber Sifcungen \u entfalten, bie bie
llnorbnungen im ©efa)oß befeitigt feien. 3m 3- 1729 famen
fönigl. furfürftl. tfemmiffarien bae, ungeachtet ber reiben £ilfe*
>
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mittel, bem $anqueroute nar)e *Berwaltung*wefen $u fontroliren,
weshalb man *nr Äbwenbung ber gefur*teten Unterfu*ung
1730: 30,000 Sblr. bellte. Dod> ging ttefdbe fort; 1733
verlangte griebri* fluguft IL 50,000 gl. Dabrun, erhielt au*
42,000 gl. , unterfagte aber bie Mx bi* na* 8eenbigung ber
UnrerfH*ung, in golge Deren ber ©ürgermeifter S*äfer vom
27. augufit 1733 bi* 10. «pril 1734 £au*arref* befam. Die
fönigl äommiftten war f*on unterm l.3uli 1733 angefommen.
6eit bem I. 3ult 1738 würbe bie Mx wieberum, na* fönigl.
BefiätigHng be* fommtffartfd)en ^ie^lement*, Debatten, unb bid
uim 3. 1820, wo bie interimiftif*e Stabt^errbaltung (wie oben
bereit* mitgeteilt) in* geben trat, ferneren ofyne Störungen
in alter Seife begangen.
Da* Privilegium wegen ber fönigl. ©eri*te, ift fo wid-
rig, baß wir ibm ein befonbere* Kapitel wibmen, ebenfo wie
bem 9Kün)rf*te, unb bem *Re*te, 3ünfte *n tow Statt errie-
ten *jti bürfen.
3Öenn in ben eben angegebenen Privilegien etn bebeut-
fame* 9te*t ;m ungefiörten Selbftentwicfelung, juglei* mit
einem fönigl. *Regal gegeben war*, fo gewann ba* materielle
5ßor;l ber Stabt bur* na*fitef)enbe Privilegien.
93on f>ö*fier ©ebeutung für ©örfifc war e*, baß bie Sanb*
(traße au* Polen unb €*leuen na* Sa*fen ©örlifc beruhte,
unb baß ifjr ba* *Re*t juftanb, anbere ^Begeben gufjrleuten \n ver*
bieten. Der 3ug biefer Äauptftraße war Arfurt, M\>m, Dre*ben,
Äöniqdbritcf, tarnen*, ©örlifc. «u* unb na* $ör;men mußte
ba* äaufmann*gut feit 1378 über ©örlty, £)ftri&, 3*«au unb
von ©örlt$ über Sauban ria* <5*leften gelten. Die (£rt>al*
tun$ tiefe* Privilegium* verwtefelte bie Stabt in bie mannig -
faltigften £änbel, ni*t blo* mit Zittau «nb £auban, fonbern
mit anberen Stäbten unb ben £erren vom «bei. ®ie ba* privi*
le^ium ©runb u\ einer ©ewafttfyat gegen bie SBeftc Neubau*, ein
(ftgentfyum ber £er§ogm &gne* v. ©*weibni$, gab, werben
wir unten au*füf)rlf*er f*ilbern. Die Straße von Polen na*
6a*fen muß f*on 1314 fef>r lebenbig gewefen fein, weil bamal*
bur* bie von Äamenj an £einri* urib ©unjelin von *Rabeberg
ber $o\l fyo* p £etyen gegeben warb, wel*e Urfunbe $Raxb
graf 3obann von ©ranbenburg unterm 4. September betätigte.
Die ©ebrüber au* ber äRünje, von benen biefer S3rief ijanbelr,
0
58
finb ndmlicb mit benen von 9tabeberg eine ^erfon. Möniq
3ol)ann befidticjte baä 6trafjenj>riMlegium am I. 3hiu 1341,
unb t>erbi>tr wie 1414 Äönig Stengel, 1462 Äönig ©eorge
(im Sntereffe bec £erjoge von 6ad)fen), 1544 fterbinanb I.,
1598 Äubolpf) II., *u ©un^en ber 6tabt ©örlifc, bie (strajie
über ©eibenberg, 6d)6nberg unb gwblanb au fal>ren. ©örlifc
bielt, wie fdjen gefaxt, forgfam auf biefe 6traße, beren l'eben*
bigfeit namentliit) mit bem &uffd)wunge fceipjigä wud)4.
1503 befahl äenig SMabiSlaw ben fcaubanern bic bobe €trajje
unb fagte wiebetfjolt im 3. 1509 bem £er*pge ©eorg au
6ad)fen 6d)u$ gegen 2terfud)e, anberweit Straßen in
Vlufnaljme $u bringen. £a0 3at)r 1512 brachte ineue Sto* -
runden in 3tejug auf biefe £tratiencinrid)tung baburd), bap
Äöiiig SBlabidlaw ber <5tabt 33rcölau batf 6tapelred>t »erlief,
Wae feine Ginwirfung auf ben 4terfel)r in 9Jiebcrfd?k(mi unb
ber £>berlauft$ nicfyt »erfetyltc.
4ja(fe in feinen $atl)öaunalcn fdjilbert mit großer Sßcit-
fdjweiftgfcit biefe £dnbel.
(Dem Kaufmann lag ber Steg über 8agan unb ©legau
nad) s|*olen ndljer, wetffjalb bie <Strajk über 2auban nad)
$redlau, wo ein t>or>er 3oll bejablt werben unb bie ©ütcr
liegen bleiben mußten, wöbete. Rubere äaufleute wäblten
ben Steg über tforenjborf nad) SSunjlau, ©prottau unb »on
ba nad) ©logau, weil ber SBerwcfer be6 £enogtbum$ ©agan,
\>. ©d)lieben, ben 3*11 in £09™ erf)öl)te,| al* viel ©üter
burd) bie Stefte ©agan famen. (Sr fowofyl, als ber £er$og
t>on Siegnifr unb bie €tabt ©reälau traten nun nur SSabwng
tyrer 3nterejfen gegen ©örtifc Hagbar auf, weldjer 6tabt nad)-
gefegt warb, fte bejeierme ben Aaiftaiten einen beftimraten
Steg, um bie Äläger in 6d)aben au bringen. $ie $re*lauer
nabmen fogar görlifcer ©ut auf bem Stege nad) ©logau auf,
unb gangen bie ftiirjrleute nad) Breslau au fommen unb ba*
©ut bort ah lagern. ÜttKt bem £errn von ®d)lieben einigte
fi<f> bie <5tabt balb; er erniebrigte ben 3oÜ unb febann mürben
bie grad>twagen Hnter görlifcer Stebetfung bi* Sagan geleitet.
Da* gab nun Dem £ofrid)ter in $un*!au, gr. t>. ©(bellen-
borf, ©clegenbeit, gegen ©örlifr flagbar 4« werben, weld>et
©trett fdjliejjlid) *u ©unfien ber ©tabi enrfd)ieben würbe;
wdfjrenb ein Sterglrid) mit ber ©ed)*ftabt 2anban au ©tanbe
fam, welche fid) vorbem auf ben 6tdbtetagen ^u Üöba« über
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rut* punripfnucuci>c «ocncomen rou v^orii^ pejcowett nam.
^artnäcfiger würbe jebocb ber «öanbel mit 9?re$lau.
3ur «mfajäbigung für Die $re*lauer Uebergriffe hielt
man in ©örlifc brei $&agen mit breölatier .ftaufmannäaittern
an unb jwang Die ftubrleute, mehrere SBoaVn in ©örlifc
liefen \h bleiben; aua) würben Die ftubrteute nur frei gegeben,
als bie »reSlaner fte mit baarem Weibe auflgelöf* Ratten.
Die Sache fam bi0 w ben Jtdmg unb bie behmifchen €tänce,
txmrtbfttten enblieb, ba bie ^öreolauer in mehreren Terminen
nicht erschienen waren, bie 6tabt Breslau in contumaciam,
unc fpradjen <9örli$ »on allem 3chabenerfa& frei, Hn $retflau
ging ba$ Webet ber böl)mi|d)en 6tänbe, bie Sfieberlage ein^u-
jtellen, obgleich bie $re*lauer im 3. 1517 eine foniglidje
Äommiffwn *u ihren Wnnften erlangten, wela)e aber ber bo>
mifchen £anbe*orbnHng sufolge wirfungälo* war, ba fie unter
ungarifchem 6iegel unb *on ber ungarifa>en tfan$lei au$ge-
ftcilt erfd>ien. - 3m 3. 1528 gab jebed) ber neue äenig
gerbinanb ben Söreölauern ba* etapelrecht wieber unb alle
wettern 5krbanblungen wegen 3Hrncfnahme beffelben blie-
ben frua)tlo$. — 3n ber £uftten*eit verfugte ber ^auf-
mann fta> einen anberen Seg gn bahnen, al$ ben von fceipjig
über £>re$ben nach Wörlifc, unb fuhr baher über ^iebufl,
6agan, (Sprottau unb t*archwt$ nach Breslau, wogegen unfere
Stabt ftch naturlich erheb. Jtdnig Wecrg entfehieb gegen
Den J^erjog t>on (Sagan, welker jene (Errate begunftigte,
unb Verbot bie fogenannte „ ■Wieberftra^e" über Jtottbue,
s#riebu6, 6agan u. f. ro. ©eorg fowohl als SHMabttflaw
haben mehrmals ben £anb&ögten auf ber «Strafe s8efel)lc ge-
geben, über ©örlt^ \u fyaiUn. (später ftagte £er*og griebnd)
feilhelm t»on <5ad)fen, SJortnunb ber JÜnber beö jtnrfurften
IMuntiait I., 1592 beim ^atfer föubolph, über ben HM, weiter
nicht forgfältig bie beöfallfigen Meffripte. ber böfymrfchen Röntge
befolge unb überwache. 2lm »ernunftgemäßejten waren baher
Jtaifer ftubolph'* «nb (5r>urfurft ftriebrid) Äuguft'0 9ccffriple,
erftereä von 1597, ledere ihm 1708 unb 1723. <Siewerhen
bie (Straßen in guten 6tanb \u fefcen unb billige WafthaHfer
anzulegen, fo wttrbe fteh auch ber ÜJerfehr aUmälig etnfinben.
<So t>ie( von bem Strafjenprimlegium ber <S>tabt ®örli$.
Jbtermit tyängt eng fufammen ba6 ^Ked)t, eine ^aib^
mererlage jn tyabtn. ©örli^ fährte ben ®aib ptn Xud)-
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60
färben auä Düringen, namentlich au$ (Srfurt ein, waä feit
ben $t\Un ber 93ranbenbHrger auöfdjliejjlid) Privilegium biefer
Stabt blieb, tfönig 3otyaim betätigte unterm 21. »ai 1339
biefeS dit&ft Hnb befahl, bafj alle tfaufleute unb gubrmanner,
weldje 2ßait> in bie Sanbe kauften ober ©örlifc führten, fol-
gen in ©örlifc aufjuftatoeln l)ätten. Den übrigen Sed)$ftäbten
war biefer 3wang, woburd) ifmen ber SBaib viel teurer fam,
alä wenn fte ibn'auS erfter ,£>anb erhalten rotten, unleiblid),
Hnb fic machten viel 93erfu$e, baä Privilegium ju Hingeben,
«ftönig 3ol)ann gab Übrigend einige Monate barauf, al* et
i>er etabt Wörlt^ jene Urfunbe über ben 2öaib auegeftellt
batte, unterm 28. 3uli eine *8crorbnung, wonadj ben ^ittauern
ber 2öaib von ©örlifc auä au i^rer 9cotbburft jugefübrt wer-
ben follte. Erfurter ßaufleute wollten ben SBaib nadj Bobinen
fübren unb mit Uebergebung von ©örlifc, über grieblanb,
€eibenberg, 6cf>onberg in'* Sdjleftfcf)e nnb 3ittaHt'fcbe bringen.
Diefe Straße warb bat)er von tfönig 3of)ann Hnterfagt uno
ber 9ßeg über Söaufcen nad) ©örlifc wieberbolt anbefoblen.
Die ^cqöge von <5ad)fen legten )nm großen Aerger ber ©ör-
lifcer in ©rojjenfyavn eine 2Baibnieberlage an unb waren auch
trofc aller ©einüb/ungcn Hnb ©egenvcrfpredjungen beä ?flathe$
niebt w ©efeitigHng biefer Weberlage \\\ bewegen. Die <Ber~
banblungen hierüber finben fid) in Raffe'S ftatfjeannalen,
»anb I., bei ben 3abren 1513 unb 1514.
Da$ Privilegium be$ SalamarfteS warb ber 6tabt im
3. 130ß burd) SRarfgraf ^ermann ben fangen von Sranben*
bürg verlieben unb bHrd} Äonig tfarl fdwobl im 3- 1347 alä
1356 wieberbolt betätigt. 3Rtt bem 3abre 1308 fommt ein
9)cunimeijter von Salja vor, beffen 9tame zweifelsohne baher
entftanb, baß tf>n ber Dtath mit bem Saljverfauf belehnte.
3ur Aufbewahrung biefe* febr gefugten, weil unentbebrlidjen
unb baber um fo gewinnbringenberen Artifclä würbe in ©örlifc
eine befonberc Saltfammer, ba£ Salband genannt, im 3.
1407 erbaut. Anfänglich würbe ed mit 2 boben ©ibeln er*
richtet unb überbautot erft im % 1470 voüenbet. 3m % 1453
vom 10. 3anuar ab prebigte von berXrevpe, welche nach ber
93rübergaffe \u liegt, ber päbfHicbe £egat Gapiftrano 15 mal
lateinifcb pm 3$olfe, unb ber SÄöncb (Deorg verbollmerfchte
feine 5öorte. 3n ben unteren Räumen bewahrte man C£ifen-'
vorrätig auf. 3nt 3. 1536 würbe in biefem ©ebäube ein
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neuer Saittfaaf ju £odMeit*feiern gcwöfmlicfter Veute ausgebaut
unt> Ute genfter vergrößert, »ei ^abrmärften biente Der Saal
jum @ewanbnaufe. 1584 würbe ein (Stützen eingebaut, wo*
felbf* wäbrenb berieft von 1585 t>ie barbiere wohnten. 1767
würben bie baufälligen ©tbel btnuntergeworfen nnb regelmäßig
vermauert, aua) ba* ©ebäube an allen vier Seiten abgepufct.
jui 19. 3al)rl)unberte würben bie oberen Stäume pm ganb;
webqeugbaufe, ber Saal bei 3at)imärften al$ Äauf balle, bei
fa>lea)tem Detter als SkrfammlungSort jur Carole von
1848 weggebroa)en. Da« CMebdube felbft foU im % 1850
$ur (£rwetterung beä Dbermarfteö befeitigt werben.
Als ©örlifc preu^ifa) würbe, ging ber Saljverfauf ald
fteaal an bie ärone über.
£erjog 3ol)anne0 verlief) ber Stabt am 30. Otto) 1384
ba$ Privilegium ber Stabtwaaae, wela>e (Seretyigfeit fyeute
tioa) ber &tat>t etgentfyümlid) gebort urtb regelmäßig verpaßtet
wirb; über bie £age ber 3Baage in ber^ett naa> ber Stiftung
ut ntdjtd ^a^ered befannt, bod) bürfte man wofyl annehmen
fort neu, baß biefelbe nidjt weit von ber je$igen Stelle entfernt
gewefen fei. 33ieUeid)t war anfätiglid} bie sißaage im Statt);
rjairfe. 1398 tft von ber SÖaage Cammer bie ?Kebe. 1411
fa)eint bie $Baage fdwn an ber jefyigen Stelle gewefen \u fein,
benn im Stabtbua)e ift unter biefem Die Siebe von
„gifdjel'ä Aromen bei berSßogen." 1453 würbe ba$3Öaage*
baud auf bie gegenwärtige Stelle gebaut. 1562 am 13. ^Cprtl
warb ein fteinerner Steffel an bie*ÜBaage gefegt. 1569 wut
ben bie *§a(detfen von ber 2£aage an baö ?Kathbauo verfemt.
Die SBaage geborte nebft bem ^Katbbaufc uub ben Xfyoren ;u *
ben Drteu, wo ber rKatb feine Sefanntmadmngen anheftete,
f alfclKO ©elb pr Tarnung be# s^ublifumd aufteilte ic, würbe
aber aua) von Aufwieglern, wenn ftc auf baä 44$ublifum wir*
!en wollten, baju gewählt f ^lafate unb Sa)mäl)jetrel \w ver*
öffentlichen. 1599 ben 10. 3hIi befd)loß Der Stall), bie Stabt*
waage fammt bem näd)fteu s£arbieit)aufe auf brei Stocf f)od)
;n bauen, unb würbe bie Vlnnutu bem ©artbolomäuö Sculte*
ilio übertragen. Den 9. Auguft warb beö ©arbierd £auö
niebergeriffen, unb am 18. ÄHguft ber erfte ©runbftein $ur
neuen Sßaage gelegt. Anfänglich ftaub bae ©ebäube frei.
Auf einem ea)lupfteme be* ©eroolbee jtefyt; 1606. B. Sf
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62
(»artfjolomäu* Seultetu*); bie 3af>re*jaf>{ 1610 über einem
ber €teinbilber an Der Hupenfeite. — 1615 würbe ein fteiner*
ncd ©etreibemaa|j außen an ber $Öaage angebracht, wela)ed
am 18. Wai 1622 tu €tiirfe fprang, aber 1693 mit einem
jteinernen 6a)effel erneuert würbe. 1823 würbe ba* erjte unb
britte <5tocfwerf, weldjeö feit (SinfürjrHng ber lanbcdfjerrlidjen
$lecife legerer unb bann bem 6teueramte eingeräumt war, ber
Stabt junirfgegeben. 1836 würben bie tfäben von betrage
abgeritten unb bao <*lebäube frifd) abgepu$t, befleu obere Ucäume
jefct m« Skrfammlungen bee ®ewerbcverciii6 benufct werben.
1840 tjielt ber ©ewerbeverein feine erfte 6ifrung in ben «du*
men, bie er jefct inne fyat.
@benfo verbält cd ftd) mit bem Monopol be$ Sßein* unb
©ranutwcinvcrfaufö unb Sdjanfe*.*)
Diefe* Monopol ift ber otabtfommun ju ©örlifc erteilt
burd) «£>ewg 3ofyaune* von ©örlifc am 19. gebruar 1385
unb wieberl)oit beftdtigt im 3: 1394 bura) benfetben gantet*
Gerrit. ü)ie 5i$orte lauten:
„sBir geben vnb vorleben ewiglid)en ben obfdjriebenen
bürget meifteru, töatfylewte vnb <*)efa)woriu vnfer ftat
gu ©orlifc; bi ba uu fein abir \u jetten werben, biefelbe
gnaben, baö nvmant in berfelben ftat qu ©orli$ wein
fa^enfen fbolt, funber in bem gemeinen SBrinfeUer, ben
bie Satlcwte bie »cjunt fein aber cjh cjeiten werben,
in irer gewalt fyaben ffyoüen, vnb ben gem^ in ber
ftat budjfe legen t>nb an ber ftat nue$e vnb frommen
fehren vnb legen,"
womit baä privileginm »omSafyrc 1394 übereinfttmmt. 3)ad
Privilegium gebenft bed ^Branntweine, ald eined bamatö un*
befannten ©etrdnfeä, nia)t. (£r ift aber ftetd bem 2Beine
g(eia)geaa>tet unb bieö vielfaa) bura) (Sprud) ber £anbedrjerren,
burd) ununterbroa}eiie ©ewof)nf)eit unb burd) l$ntfd)etbung bet
©eridjte contrabiftorifa) betätigt worben. Seibe Privilegien
finb ofjne &ajfatiou, otyne iUaufel unb ohne Vorbehalt auäge*
fteüt worben.
Vermöge biefefl $Ronopo(6, welcbe^ ber SRarij naa> unbe*
fd)rdnfter SBtUfür gu Setyen gab, refp. verpachtete, waren bte
*) Acta bie refo. Huflofung k. ber flfertdjtitffeiun Merfelt»|t betr.
litt. G Olr. 1573 f. 12 b f.
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Seiner ber 8iaM GJörlie, incl. ber $orjtöMe, verbunben
unb *war binjidjtlicfy be3 $rannrwriii* ohne irgenb eine flu**
nomine, binfttylia) be* Sßeinetf aber mit alleinigem gudityiiftc
ber bewein fönigliajen, lanDfiiinbiiajen uub ftaDtifajen «cam*
ten, ifyren ^eDarf an s3ttein uni> Branntwein nirgenD* an*
ter* al* vom ftäbtifajen Äinfeller |M entnehmen. XerSeftfc
biefe* <Kea)te* verblieb Der£taN uugeftort bi* |«n 3al)ie 1845,
bie ;um 3tiälebentreten ber neuen Öewerbeorbnung; eö warb
ftetö von ben l)öd)ften Beworben auerfannt, aua) von allen
&eria)tefieUen, vor wela)en äoniraventionen gegen baffelbe an*
gängig gemaa)t würben, al* gültig anerfanni unD Demgemäß
bedangt. (Sd war an fein befonbereä fteale gebunben, viel*
metjr Eibele e* eine befonDere (#ered)tigfeit im ^eft^e ber
ctabt al* moralifa>er Herfen (§ 3. Iii. 23. i. L N.
*u beifen Jnbegriff ein (*JrunDftütf, nämlia) bie ftäDtifd>e Brannt*
»einbrennet De* £ältergrunbftütfe*, gehörte. .£infia)ilia) bed
$caniitweinä ift ju bemerfen, baß bem Ijiejigen apotljefer ver*
möge fehlt* Privilegium* vom 27. Huguft lt»;>7 Da* ftea)t
MU}anb: aquam viUm, foweit e$ proprie unb inimediate in
Die Slporl)efe gehöret, *u Deftilltreit, weldje Skfugnijj Dem 8po-
tbefer aud? auf 4 Korten Viqueure, weldje als ttrjntt betraf
tet wurDeu, ,iugefprod>en war. Xer slöertr> beo ^ouopolä warb
im 3. 1834 auf 48,675 Ityv. Kapital vcranfa>lagt.
Xer ü&emfeUer ift im iRatbljauie unter bei ehemaligen
$run$e. 1433 wurDen vor bem Heller £i$bänfe gemaa)t;
1648 im 3uni ließ ber JKatl) bie 98etn^ube im Jtftfct in Den
£tatib fe$cu, welker Bau vom 3uni bis in Den Vluguft bauerte.
S3iö 167b war bie i£>auptwaa>e jugleia) tu ber $i>eiiifiube, warb
jebod) in biefem 3al)re nad> bem Obermaifte verlegt. 1695
würbe auf ber ittifen £eite De* JicÜerö, vom (Eingänge gc*
rennet, eine neue 3ikinftube angelegt. 1842 würbe ber $or>
bau vor bem iüeinfeller abgebroajen.
9Jia)t unwichtig war Die 33egünjfigung ber >iinaiiat
„für alle Mnb einzelne @)örlt$er Bürger Dura) alle fcänber De$
jtönigreidje Lohmen, weldjeä ©ut, unb wo bin fie ed aud}
führen ntödjten, auf ewige Jeircn", auägefieUt bura) «König
3o^anu am 22. sMai 1329. 1 iefeä wiajtige töeajt, wela)eä
Die naa)folgenben sJJtarfgrafen ber £)berlauft& fämmtlid) beftä*
tigten, ging im pönfallc verloren.
Xaffelbe war aud; Der gali mit bem 9lea)te bed Äat^/
64
ber Bürger Sanbgüter ald Vchcn anzunehmen, fo baß ber iBer*
fan f berfelben nia)t vom Könige, fonberu vom 'Käthe all an
beftätigt ;u werben brauste, l ic ©ruublage $ur ^udbilbuna,
biej'ed Statte- fcfyetnt in ber burd) Vv i jog ^emuch vou 3auer,
bei Seftdtigung aller Privilegien ber 3tart, vom 6. xHu^uft
.1319 (Sonntag nad) fente Sartholomdudtage) aar ahnen (fr*
laubniß mi liegen, baß ber Stabl £anbgüter jHgleicfy mit ber
6tabt fd>offcrt unb feine ganbbeebc fahlen burften. 3öeil fte
mitfefjofften, b. 1). mitwählten , unb fo mit ber Stabt litten,
nannte man biefe tfanbgüter $fttleibenfyeitd*ßmter. 8Ue ©üter
auf betn ttanbe gingen von bem Könige \i\ 8efyen, b. b- er
erteilte bie $ollmaa)t bed SBeftyeö, baburd), baß er Me 9c
ji$er beim Söedjfel bed (Sigentfyumd für ftdj in fßjUctyt nehmen
ließ, co madtte |td) beim and) aud jener SBeebeubefreiung
ber görlifcer NJHitlcibenr;eitdgüter ber 93raud) audgebilbet haben,
baß Serfdttfe von i'anbgüterji ber Witleibenheit von ©örli$
nid)t mehr t>or beu Äönig gebraut, fonbern allein vom fönig*
liefen ($rbrid)ter im jlfcenben üRatfye abgefdjlojfen, genehmigt
unb fomit £ehcndbrdud)e geübt rourben. 8ld Jtaifer tfarl IV.
unter golbner Sülle ber Stabt Privilegien beftdtigte unb von
Beuern unter'm 11. 9Wai 1356 verbriefte, gab er btefem SÖraud)
ben Stempel bed föedjted, welcfyed, fei ed audbrürflid), fei ed
implieite in ben nadjfolgenbcn @eneralbeftdtigungen aller $ri*
vtlegten, bid auf bie $cit bed pönfalled fortbewilligt würbe.
3n ber $lnflagef<fyrift bed Äönigd gerbiuanb gegen bie Sechd*
ftdbte, würbe ber Stabt ©örli$ bie Sludübung biefed fönig*
lidjen <Borretyed jum s-8erbrec^en gemacht*) unb fanb in ber
$ertr;eibigungdfd>rift**) audführlid)e Überlegung, aud ber ju
aleidjer 3eit bie «Bebeutfamfeit biefed faifcrlidjen ©efdjenfed
für bie Äraftentwicfelung ber Stabt flar hervorgeht. (£d feien
aud guten ©rimben biefe 33clel)nungen jugelaffen worben,
Ijeißt ed bort, weil eine fo große tlnfidjerfyeit aller Sanbjtraßen
im ganjen 9Äarfgraftf)um Dberlaujifc gewefen, bie nur burety
bie Xljatfraft ber Stdbte, indbefonbere von ©orlifc gehoben
worben wdre. 2>ie (Sntwicfelung fo großer tfraft fei nur ba*
burd} möglich gewefen, baß bie Stabt oft vierzig unb metjr
Seifige bereit gehalten rjabe, weldje wieberum nur burdj bad
•) <S. t>ie angeführte Schrift: Beiträge K. <S. 89 unten.
Ibid. @. 105.
t
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^erhdliniß ber Sanbgüter *ur £tabt berieten gemacht werben
founten. Diefe grfläruitg fruchtete jebod) niO)tä unb bad
"Privilegium fdjwaub mit Dem Pönfalle.
t*iii Nety, welche* recht eigeiitlia) ben (Beftfafycni ber
3raDc ui ©Ute fam, war bad Bierlirbar. Daffelbe ift fa>n
viel früher geübt werten, alo bie Skrbriefung Dejfelbeu burch
Äaifer Maxi IV. d. d. Breslau, 8. Sluguft 1347 erfolgte. 3»
Privilegium ift e* gegeben bem mail>e nnD ber GJefamrathcit
ber £tat>t (consules et universalis Gorlieensis , unb fvdter
fortwdbrenb bi* auf bie neueften Reiten von ben jebeomaligen
*anbeel)ttien genehmigt unb bestätigt worben, wenn gleich fid)
faion im Unpniiigd^rivilegiuni bie Älaufel: „für bie gegen*
wärtig lefcenbeu niir bi* \\\ unfern ßurürfuahme gültig"
(prae«tentibus tarnen usque ad revocationem nostrain tan-
tummodo v.ilituris), finbet. $i$ie gefair, ber s2i$iberriif erfolgte
nid>t, vielmehr beftdtigte Äaifer SHatttya* in einer Ur*
. funbe d. d. £5fen, ftreitag vor fcueia (II. Dqember)*) 1489,
auäbrüdlid), auf eingetretenen SÜiberfyrud) ber fcanbfaneu,
„bap Wemanbt anberthatb sJWevl juring um C^drlt0 frembt
Bier verfd>eufeu foll." Der Natt) übertrug baö ?Wed)t nun
auf bie £äufer in ber ctabt gan* nach Sßillfür, wobei natür*
lta) »ieber bie ®efd)led)ter, bie Äiirfähigen, bebaut würben.
3e nad)bem er einem gewia>tigeu Bürger gefällig fein wollte,
erfolgte an biefen bie (frlatibnip, vi brauen. Die «Statuten
t*r Ätabt, von benen wir mehrere nad) bem Bcbütfuijj um*
gednfcerte Äuögaben befi$en, würben nad) altem Brauche, ber
burdj ein Privilegium be* Äömg* Sttattluad vom % 1471
luin 9ced)te erhoben war, vom töathe ohne ßujiehung bec
©emeinbe willfürlia) gednbevt. Der Umftanb, baß In ben
mehrfachen Bearbeitungen ftd) vertriebene verdnberte Beftim*
mungen über ba$ Biei brauen beftnbeu, inäbefonbere, ba(j ber
Äath ben Bierhöfen verfa>iebene Biere )uwjed, einigen mehr,
anberen weniger, beweift bie völlige freie Verfügung bed *Ka*
rhe* über biefeä 8ied)t. Die Bierhöfc würben von Seit \u
3eit vermehrt, fo bap fid) ie$t 94 Bierhöfe, ober branbereay
tigte Käufer in Oknlm fiitbeu, bereu 4üterth natürlid) ehemals
burch bae barauf ruhenbe 9ted)t l>dt>ev war, al* ber anbetet
£dufet, bie bajfelbe entbehren mußten. <Säuimt(id?e hüifidjtlid}
•) 35a« Saturn bei Äauffcr, Cberl. ©cfö- IU. £.322, unrichtig.
OK*»*" tjoä ©crli|. • 5
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ber Bierbrauerei unb ÄrugmlageS beftehenben Beftimmungen
würben in eine DrDnung wfarameugefa|jt unb bmd) laHbe$*
herrliche* fteffwvt vom 16. 9»ai 1806 beftötiqt, ohne bie Älaufel
mit aufzunehmen. Bon biefen 94 Bierhöfen finb 88 baju
berechtigt , neun Biere, fed)<3: lieben Biere ju brauen. 'Die
Brauhofabeji&cr brauten jcbcxty fcr)on feit langer 3eit nicht mehr
alle, ber größte Xfycü überlief Da* Brauen frei ihm jufte^
fünften ©ebräube gegen eine 0etbentf#AI>fgHtig au Brauer
von $a<h.
$)aä ^ierau^ fliepenbe (Siufommett war nun fo bebeutenb,
baß im 3. 1834, al* ber tyefee «iagiftrat an bie föiugli^e -
Regierung über Die in ©örli> vorhandenen 3wangögerechtig^
feiten Beridjt abftattete, ber ®ertf) eine* Wcrtpfr*, welker bad
ftecht t>at, iaf>riic^ neun Biere }U brauen, aHf" 2343 %%lx. 22 8gr.
6 unb ber eine* ftebeubierigen Brauhofe* auf jährlich
ein Kapital von 1822 Xt>li. 27 Sar. H W. mehr verjinfenD,
al(3 anbere nicht brauberechtigte ©ebiiube, gefegt würbe. 3)ie
(Einführung ber (Bewerbefreiheit hat biefe itavitale vlöfclich ben
bisherigen (Sigenthümern ebne (SntfchäDigung entzogen, inbem
feit jener 3eit bie Bannmeile ber StaDt unb ihr 3wangöred)t
auf bie Umgebung von 1% teilen natürlich von felbft auf* /
gehört hat. $>ie Brau^orporatiou war N* $um 3ahrc (845
in bem auöfchlieplidjen Befifcc ber Brauhof^<*tered>tigfeit und
be* Jfrug^Berlagöredjt* im Sinne De* % 59, Sit. 23. Bb. L
*. 8.4t Der Bejirf, innerhalb beffen bie @ered)tigfeit aud*
fcrjließlid) geübt wurDe, beftano, wie er im § 3. Sir IX. ber
lanbeäherrlid) beftdtigteu Brauorbnung bezeichnet würbe) für
ba$ 2öeid>bilb Der Stabt ©örlifc, nämlich a) für bie ber
etabt^ommun gehörigen $>orffchaften; b) Die Bafaüen ober
fcanDfaffen* ober StabtmitleiDenl)eit^®üter ber Stabt @örli$;
c) bie in ber unten gu erlduternbeu Bannmeile ber Stabt
©örlin. 3n ben Älteren 3eiten waren nur bie ©eiftlichen von
biefem 3wange frei, ber ju vielfachen tyodjjt foftfvteltgen
etreidgfeiten, nicht allein mit ben ganbfajfen, fonbern auch
mit ben ©eiftlichen führte, bie oft ihre Befugniffe unb bie
©renken beä Med)tä unter Dem Schirm Der Butter äird>e
übermäßig ju erweitern verfuchten. sMx foinmeu auf bie wich*
tigften Derfelbeu unten jttrücf. Später traten ^nahmen ein
für Die fogenannten biftinguirten ^erfonen, worunter bie höheren
föniglidjen, ftäubifdjeii. unD ftdbttfchen ^crjonat, 3lmea
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e$ stattet, „$n tyrm 1ifd>rrnnfe" fid} audj fremben 93iere$
»u bebienen; bod) tourftc foktyed ni^t el>er in bie vrtabt gebracht
»erben, biä bem sA>fa^ifn af VI nnige von ber eingeführten Duan^
ntat zugegangen war. £ie ^3eftimniun^f 11 hierüber würben auf
Antrag ber sJ3ered)tigten in einem befenbereu Ober $fmt£ pa-
tente vom 18. November 1772 einaefebärft $ie ^raugered)-
tigfi h umi , wie angegeben, au bie 9 4 ©raufjofe gebunben
und im £ttpotf)efenbua)e eingetragen. 3"r v£eanemlid)feH ber
entfernten «£>aibebörfer erbaute bie Korporation ber braubered)-
tigteR Bürger mit ©enerjraigung im 3al>re 1814 ein $rau
baH# in 9taufdja, weld)ed bie Korporation verpartnere, fpdter
aber verfaHfte, uub baä ®elb, wela)ed viel ^wertmäßiger $nr
(frbanung eine$ großen gemeinfamen 33rauf)aufeö in ®orfitj
verroenfret worben wäre, unter fid) verteilte. Vermöge befon*
berer $$ergleid>e war ben S)omMftl breier belafieren X)örfer:
Cber^ennborf, 9Jfarfcrtfborf (8riftautr)eil), Äönigebain, von
ber braubered>tigten $ärgerfd}aft bie ^efuvmiß umi eigenen
33ierbraueu gegen (£ntrid)tung efneä jät)rlid)en (sinono von
12 Xljiru., il Ulm. unb 2() Styhrtt. gewährt worben. 3öir
fürtreu nod) bie Skaurjofe uad) ben ^aM^numiuern auf. 9tfüit
Siere burften brauen bie folgenben: 9Jo. 1. 2. 4. 5. (Unter-
marft); 6. 7. 8. 9. 10. 13. 14. 17. 18. (Brubergafie); 20.
21. 22. 23. 24. (Obermarft); 29. (8teingaffe); 64. (Sifa>
warft); 66. (unter'n (*id>en); 77. (Wonnengaffe); 87. 93.
(Sfeingaffe); 94. 95. 105. 107. 124. 126. 128. 131. 133.
134. (Obermarft); 138. 139. ($rubergaffe) ; 193. 197. 198.
209. (Sangengafie) ; 239. (Oelfctylägergaffe) ; 254. 255. 256.
(«ofengaffe); 257. 258. (3übengaffe); 259. 260. 261. 262.
263. 265. 266. 267. (Untermarf t) ; 276. 277. 280. 281.
Oßerertgaffe); 285. 287. 290. 292. 294. (Wfolaigaffe); 305.
313. 315. 316. 318. 319. 320. 321. OJfctertfgaffe) ; 323.
324. (Untermarf 0; 328. 332. 343. 344. 348. 349. 350.
351. 353. 354. (Wetfgaffe); 382. 392. 395. (auf bem £anb<
werf); 405. 406. (5Bebergaffe). — 9?o. 125. (Dbcrmarft) ; 210.,
227., 231., (Sangengaffe); 279. CPeterSgaffe) unb 331. («elf*
gaffe) burften nur 7 $iere brauen.
3m 93ürger$wauge enblia) ftanben bie Dörfer: (Bx. Stcfl*
nift ('/* Weile), JH. &ie$ui& (V* ».), Sfrfenladie (3%3fc)#
($o$ma (1 91-.), dunnerwifc (* $0/ (Sunnertborf (1 38.),
2>efdjfa (1 W), 2>eutfa>offtg (1 ».>, GberSbadj mit (Sieben--
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f;iifcn (1 SR.), (Sarlöborf (I 9».), griebcräboif (1V2
©irbiatfborf, («fot&eiU (V«SR.), 6erm*borf (V» SR.), $>eiüqen:
fee (3% SRJ, <£wUeuborf (Anteil) (l.f), Äoelifc
Äofjlfurt (3 SJW.), 9Mtttfl Langenau (2 W.)t Dbcr Langenau
(beeujl.) &mtarbacr) (1% s3tt.), l'eopolbotjain (*/, SR.), 8cfdj*
wie unb ^ofotteuboif ('/« 9K.), ^t<^tcit6crg (I SJW.), ttffa
(1 sJ)c), £>ber4uiMm>boif (I SJR.), Riebci4'ubwiä*borf (I SR.),
a»o^(V2a».), ttartaftaf(llittt.)(J SR.), 3)(ül)lbocf (3 SR.),
Reuljammer (3 sJöf.), Remtborf an ber £aube#fnme (1 SR.),
»icbcr*8Ma (2 SR.). Rttrifd) (t% 9R.), Reufjau* (4 !Öc.),
£bei «Biela (23».), ^enjig (l1/««.), ^ia>immcr (2 W.),
Sßfaffcnborf (Rieben unbbbei) (I SR.), Raufd>walbc (V2 SR.),
Rabenau (2 W.), Raufdia nebft (WaOlniüe (3 SR.), Rotfc
Waffer (3 9Jc.), £d)lauroÜ) (% SR.), 6d)neüföitl)cl (3'/2 M.),
@(Qnettfurt$ (3 SJR), S(bönberg6anuner (3 ')}(.), (Stuften*
^ain (2 SJR.), £cid)a (l £ol)ra (I W.)f etangeubain
(3/4 SR.), £icnfer (4 SR.), Xiefeu|urtl) (4 SR.), Xrotoftcn*
bolrf (1 S.R.), $aibc/3Ba(ban (2 SDt.), jeutenborf (1 SJR),
3obel (1 SR.) (60 jDrrfd)af(cn). —
3u bcii, fn'er aufpifü()r*ubeu *ßri»i(cajcn muffen nur
aud t>tejeitt«)eit red)iieu, tveld>e tfyeilä, wie baö s£raured)t, an
beftimmte (Mcbaube, tbeiiö at* ttudita^me^ereduigfeiten inner-
l)alb ber ^ürgerfdjaft an fogeuannte S3änfe, aebunben waren,
ißeim aud) ledere einen wefeiitlidjen Xljeil beö 3itntingö*
wefeuö bübeteh, unb bort 31t erwaljnen fein würben, fo
muffen wir biefelben bed) l)ier aufführen, weil fie urfpräuajid)
fid) im s$e|ifce ber <$efd)(ed)ter befanben, unb erft in fpaterer
3eit burd) (Sxbpadft, noa) fpätci burd) Serfauf freieö (Sigeu-
tfyuin (Muu'inn würben.
3u ben an ©ebaube, refp. ©runbftürfe gebunbenen ©creay
tigfeiicu gehörte baö SRafyliwana.^ unb Statinwfyt. Dajfeibc
fyafiere:
i) 9fuf ber Dreiraben *SRuQte, Ro. 709;i. Raa) einer
Rottj tu eiuem ($i>rli$er fttmal, weldje aud) in cao obcrlau*
ftyer Urfunben*$krjeid)nifj übergegangen ift, füllen circa tm
3af)re 1273 bie SBürger Schrieb unb kalter |U (9örlifo biefc
MUuhlc beul «£)0öp!taie uun fyciligeu ®eifi gefd)enft haben.
Urfunblia?e $eftatigung biefer Radnictyt föunen wir jebodj
uid)t nac^weifeii. 1230 fonunt ber $(Hdbrucf: „in ben br^eti
Raben", 1359. 1365: ,,®petoU9R6l«", 1374 „bie bret) Raben"
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69
vor. 1449 im dtrefien ^intfreijifrer be$ 9tri$otyHa(0 beißt
fic: „'@pitta(*9tffir.M 1450 verbaute ba£ €vita( 50 6dwrf
aufö 2Öcbr; 1452 wnrre bie Statter um tao (Evital a,ebef^
fert. 1556 fauften oie (Berber ba* (Edjleifwerf in biefer
$Jtuble ;u einem (remifd) - SB äff werf. I5ü2 würbe fte rem
Gaffer weqaniffen unb neu erbaut. 1583 würbe bie OTuf)!c
au0 rem (Mrunbe neu gebaut. Hin 12. Ofteber 1826 ajna,
bie 2Rül)le au^ bem ftäbtifdjen Seftfc, fcurd) tfauf, in ^rt-
vatbänre über.
2) Huf ber ^ienabeu^Jhlble (Wo. 705.) 1320 befaß bie
WtUftt an rem Wrffrtficre 21peq, ber SRänunctftar. 1398 beißt
fte auif) neeb „Wühle vor bem Weißtbore". 1406: „vn vier
flabett"; 1413: „'JMerracen Wühle." 1 43 I »frb einer Xarra*
büd>fe, bie bei ber ^ierraben Wüfyle arnjebradtf war, a,ebad)t.
1432, am €onntaa,e *vor Warie Waqbalene (20. Juli) ^el
ein fo großer Weqen, baß bie $*ierrabenmüb(e nebfl bem fort?
pital $ttm heiligen (Wft ber Weißbabeftube unb etliaVn Käu-
fern in ber ,£wtr;era,affe von ber amjefchwoflenen Weiße weg-
geführt würben. Die Wüfyle würbe von reu Wüblherren mit
vielen Soften neu (xbawt; alkin eine große ißafferrlutb riß
fte 1434 am Tage Hbbon (30. 3nli) wieber ein. t>a bie
Crtgenrhümcr ber Wühle foldje wieber anzubauen unvermö*
geno waren, fo unterjrü&te ber Watb biefen 33au buref; guf)-
ren nnt> £of}, übernahm aud) ben $au eine* SBierteltf von
ber Wühle, weldjeä Wiemanb bauen wollte. 9?a<b beö einen
Wüblberren, ^eter Gunfce, Ableben, fanfte ber Statt) baö beut;
fefben uiftthtbig gewefene Giertet um 200 Warf <**rofd>en.
1448 verfaufte ber lefcte 93eft$er: Wifolau* Hrnolb, fein ibm
juffefyenbe* Viertel nm 230 Warf gleitfjfallfl an ben Rafy *
Die Wübiherren batten ftd) an ber Wühle, wefdje 1441 aber-
mals von ben 38afferflutbert ^evftort ttnb vernietet worben
warj, ruinirt, fo baß ber Watb bamale» ein anbereS Giertet
[übernehmen mußte. 1531 würbe ba* (#runbwerf $u bauen
begonnen nnb an ber $ßalfmüble bie €tirne gebaut. 1561
im 3uü' fing man bie Gatter an ber 5Merrabenmüble $u unter-
fabren an unb baute biefelbe gan^ neu. Diefe Arbeit warb
am 30. £ept. beffelben 3abre* beenrtqt, 'wie an ber Wühle
gegen bie Weiße gti lefen. 1595, ben 25. 3uni, würbe in ber
^terrabenmüble ein neuer <8ua>tbaum gelegt; 1613 würbe
bie ea)letf^üttc unb ^olir-- Wühle, foviel nod) ftanb, vom ,
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>
großen SBaffer weggeriffen. 1615 braute man t>ie beiben
©iebel ber «Wühle imter ein Dad). Hm 20. Dezember 1821
ging bie $>ierrabenmühle in privatbefifc über unb e$ wnrbe
fpäter eine Xucbfabrif in ber Stahe ber Stühle angelegt. 1849
würbe tiefe gabrif abermald um 2 £torf erhöht unb gegen
vJDiitteinad)t ein lf)ürmd)cn angebradn.
3) Die Dber^.Vühle, and? Kuu*enborfer 2Kül>U, weil ftc
ju KunftinoDorpl) lag.
1390 fommt bei Hiiöbrucf : „«ufffe mol", 1406 „SM *w
Kuncaeuboiph", 1449 im älicften Sineregifter be3 Ijeü. ©«fr
%§otfpitai* bei Huobrucf: „öbir sJOcöle" vor. Dort lag früher
aud) ein Kupferhammer, ber 1555 vom Scathc verfauft würbe.
1534 «mibe eine Papiermühle neben bem Kupferhammer er*
baut 1562 würbe bie gauje $)lül)k mit ben bewerfen neu
gegrünbet. 1581 würbe ein neneö (^runbwerf gelegt, aud)
bie ^txnt Statte ber ludjmadjcr neu aufgemauert. 1590
in ber Stacht vom 11. $nm 12. Hprtl fam in ber £d)leif*
mül)lf über ber £)bermül)le geuer anfl, tfeldjeö bie $ud>*
mad)er-Balfmüble unb ben Kupferhammer vermehrte, l'efcterer
würbe im X J655 vom 9ceipftrome weggeriffen. Hm 28.
3anuar 1804 verfaufte ber Statt) bie £>ber ^üble an einen
Privatmann. 1830, ben 15. flpril, brannte bie «fühle ab unb
wuroe neu unb fd)ön erbaut. 3e|t bilbet fic mit vielen neuen
$ud)fabrifgebaubcn umgeben, eine malerifdje Kolonie an ben
Promenabeu.
Huf biefeu brei Bühlen ruf>te ber sJ»tfahl$wang. Die,
Bühlen erfreuten fid> jwar feinef fpejiellen Privilegium^,
jeboa) grünbete ftdj ihr Söannredjt auf alted, feit redjtäverjährter
3eit gegen jeben s2BiDerfprud) behauptetet ,&erfommcn, weldjeö
aud) auf erhobenen Sßiberfpiud) ber 93elafteten, burch £t>cr*
Hmtö;patent vom 22. Dezember 1789, aiö befteljcnb anep
fannt würbe. 9eaa) uraltem *raua)e waren bie früheren bie-
ftgen Dörfer unb pfefferfüdder verpflichtet, all' ihr ©etreibe
in ben fogenannten brei 6tabtmühlen in ber Hrt mahlen *u
laffen, baß bie jcfyit jüngften sJDieifter ber entfernteren £)ber*
Wühlt, bie 20 alteren Itfeifier, je 10, ben beiben anbereu
Bühlen alö $anubelaftete jugewiefen waren. Die übrigen
Einwohner waren geldwert, anbereö sJ8cehl, al$ au$ ben brei
Bühlen *u begehen. — Ciine vierte s^ühle, bie Seichmühle
(feit 1516), befaß ba* 3wang*recht nidjt, würbe in eine
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QJulvermiihle umgewandelt unb fpdter burdj He gabrifantert
Bergmann unb &ranfe m einer XuAfabrif verwendet.
(*ine befonbere OJercdjtigfeit haftet bis freute anf bem
(HnmbfKkcfc 9?o. 1003., ber jefcigen Sa)arfrid)terei. — 1397
würbe an ber Sd)arfridjtcrei in ber Stabt gebaut. 1460 ver*
laufte man bieä 1571 würbe bem (Bcf>arfrtd)tcr fein
,$aud vor ba$ gihfter-^bor gebaut, bod) wg er 1589 wieber
in bie Stabt, ba jened «frauä bamal$ verfauft w fein fer/eint.
1601 fanfte ber ?Katr> von Wartin ©urffyarb'S (£rben baö
£au$ unb (Kärtchen vor bem ginftertlwre, wo bie Scfjarf--
ri<bterei jeftt ifr.
Der feefl^er Mefcä (9runbftucfc6 bat baä 9ted)t, aUe6 in
ber Stabt unb aHf ber Stabt Dorfern, fowie bereu Straßen
Hub £anbflrafkn gefallene Wmbvterj unb *Pferbe an fid) *u
nebmen unb w feinem $*ortbeile auszubeuten. Da$ 5Red)t
grünbet ftd) urfbrunglid) auf aHeä ,£erfommen unb ift befjufS
t>er unterm 17. ftebruar 1810 Seitend ber Stabt, al$ bereu
Dienftmann ber Scbarfridjter früher immer fuitgirte, erfolgten
Veräußerung ber Sd)arfridtterei, bureb baö *)teffript vom
2. Dftotar 1809 laubeSberrlidj anerfannt unb betätigt worben.-
Äud) ifi bie $ed)t#gultigfeit beffelben in nenefter Seit von ber
fömglid)en Regierung \i\ tfiegnifc in Den ^Berorbnungen vom
6. Wat 1832 unb vom 23. 3uni 1839 anerfannt unb beu
$annverpflicbtelen eingefdjärft worben. Dafl 33annred)t ift mit
r-em ©mnbjtnrfe zugleich im t£wpotbefenbuche eingetragen worben.
Der SBertf) biefeö $ea)te$ bürfte bei ehoa erfolgeuber $(ufl)e*
bung, weld)c jerod) (ba hier fanüdt^^oliJieHiefte >Hucf fid?tcit vor-
herr|d»citb fmb), fdjwerlid) bewirft werben bürfte, mit circa
1700 X'>f.\ CutrfMIf *u berechnen fein.
H($ befonbere* Privilegium, weldie* bie ®efd)led>tcr für
fta> irt flnfprud) nahmen, muß man hier bad *Red)t ber 9lpo*
tbefe nennen.*)
Der 9tame ber ?lpothefe fommt fd)on im StabtbudK von
1305 vor; rod> fdnnen wir bie erfic ?age nid)t beflimmen. ,
1353 wirb ein Hpotfyefer Ramend: ^etev erwähnt. 3m 3.
1441 finben wir ben Dr. med. Sd)wofbctm im $efil)c ber
9lpotbefe, fpäter vom 3ar>re 1463 an beffen Sohn ^eter, uhd
♦) G*rifH«« Än<ra%, M «nWnfen bem *K>U)ef<r in tPMifr. 4.
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feit 1484 bellen £obn Sobanneö ecbwofbeim. 3m % 1505
befaß Oflwato sA)<eijter bte «|>oti>cfe , von Dem fie fpäter
an bejfen Detter «leranbet $erub überging, welker bie Hpo*
tl)efe im 3- 156& an Dr. paul Siege mnnb, feinen 6d)Wiegcr*
foljn, übergab. 3m 3- 1476 war bie «potf)efe in ber
Sörübergaffe; J567 unterm Ratybaitff im gaben be* ©olb*
fcfymiebö l!ange. Mn beit genfterlaben fal) man bamal*
bie Silber bec* Ibeopbraftuö paracelfuä imb be* ©ruberä
*Bafüiu$, überbeut eine ^Jenge lateinifcber SprüdK von
fabaliflifdjem 3nbalte Hub verfd)iebene f)leid)bebeutenbe 3«d)cn.
Dr. Siegemunbe 9iad>fol^er# Paul Xübler, wenbete Viel auf
bie s4potb<*e , unb erlangte von Jtatfer IRubolpb II. nnter'm
5. 3uni 1594 auf bie ftpotyefe, weldje bte babin ofyne befonbere
33egnabung war, baö Privilegium, zufolge beffen: 1) weber
beimlid) nod) öffentlich in unb außer ber StaDt ©örlifc eine
5lpotJ>efc fernerhin eingerichtet, foubern alle anberen s2Öinfel* unb
fyeimlidjen flpotfyefen abgefdjafft fein follten; 2) baß ein 3*ber,
ber fia> \\\ ©örlifc furtren (äffen wolle, feine föejepte allein in
biefe orbentlicbe Wpotrjcfe fdnrfen unt> bafelbft bie iWebijin be*
reiten (offen folle; 3) baß weber ber beftellte pr)vftfu$, nod)
barbier, ober wer e$ fonf) fein möge, Arzneien bereiten unb
(Baaken, bie in bie Slpotljefe geboren, ;u beftilliren ober ver*
faufeu befugt fein folie, woburd) if>m ober feinen Nachfolgern
(Eintrag- gefd)el)en fonne.
Scad) lübler'* im 3- 1599 erfolgtem »bieben würbe Dr.
?(braf)am 6d)walbe, €ofm be$ üud)mad)er^elteften gletd)c$
Hamerns, SBeftfcer beä Privilegiums burd) Stauf von Sübler'S
(Srben. (fr bejahte 5000 Warf bafür. Dr. €d>walbe ftarb
am 8. September 1606 411 3mt0*9uiujau in ©obmen, auf
einer Oetoäfttoeife, an bei pefL 6d)walbe'$ fdjon 1604 ver*
ftorbeuer ®ebülfe, (Slia* Süttiter, erlangte vom tfaifer 'StuMtfl
wegen betf 3urfer- unb äonfeftbereitenS ein Privilegium.
9cad) 6a)walbe'ö Sobe fam bie ©erecfjtigfeit in beu Seile
beä gabian 9J?ul&e, eined geborenen s$ör;men. (fr bewarb ftcb
bei ßaifer Sftubolpf) um neue Segnabungen unb erhielt eine
fold)e am 24. September 1611 von Breslau au$ augefertigt,
liefern Privilegium zufolge würbe ben 3Burjfrämern, bie
3abrmarft^eit aufgenommen, wieberf)olt ber Jpanbel mit Jtom
feft unb äl)nlicben Süßigfeiteu verboten, ^iulfce verwenbete
fcr/r viel auf bie SÄpotljefe, fowofyl wa* bie äußere Einrichtung
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al$ Tie ^Bermehrung mit neuen Werifamenten itttl> foftfpieltgen
2ir;eneteii anbelangte. 3m 3. 1635 ftarb Wülfte imb 3 o bann
Büttner erlangte bie ^potbefe tiircb .Hanf. Büttner war be-
fenbers ausgezeichnet in Der Chemie uufc bofam beohalb and)
am 5. 3«li 1H27 ein Privilegium von <Haifer jftetoinanb II.
3m 3- 1629 ftellte er bie, erflc flpolfjefer lare in Otörlifc auf,
welche 1633 lanbeöberrlid) genehmigt würbe. 3m % 1633
bei cer Belagerung erlitt er an feinem (*igent()nme mrd)
wiederholte *lMünt>cntngen großen Sdtaben unb ftarb, wäbrent)
er auf ber $Rtffe mar, am 26. 9Jovember 1634 \n fceip^ig.
3wei 3abre nad> Suttner'd lobe beiiathete Neffen üBittwe
einen weitgereififen unt> fehr erfahrenen Vlpotbefer, 3obann
6trapl)inu$, ber erft 1687, oen 28. flpril ftarb. 1687 fanfte
rie Äpetbefe von 'Strapbin'c* (£rben: (*Jottfrieb 'Dietrich, in
bejfen Familie fte forterbte, bis fie an bie gtritve1 fd>e ftamilie
im 3- 1755 gelangte. Seit bem 3«bre 1773 beftnoet fia) biefe
flpothefe in bem ie&tgen J£)aufe am Untermarfr.
•3m 3- 1827 würbe bura> fönigl. jKeffript vom 9. sIRärj
bem SSpotbefer pape bie Anlage einer ^weiten Hpotfyefe in
(#6rlifc qeftartet, unb von ibm auf ben Obermarft verlebt.
Unter ben Sanfgeredjtigfriten futb, wie naturlid), bie fro*
heften bie ber ©ärfer unb jleifdjer.
£a£ ytedft, mit 3Äel)l unb Sacfwaareu, fowic mit g(eifd)
;u banbeln, war in ben ältejten $t\ttn fdjon an Saufe ge-
bunden, welcfje tbeilfl ber Stabt, tbeile* milben Stiftungen,
tbeilö Privatleuten geborten unb ben ©ädern unb gCeifcf^ern,
bie eine rigentrmmlidje Sanf nicr?t befaßen, gegen jährlichen
3in* verpaßtet würben. Diefe Sänfe Ratten 4l>ren 28ertl)
eben barin, baß bie ßinwormer *er Stabt i^ren Sebarf an
Sacfwerf unb gleifd) nirgenb anbei**, alc* von biefen Saufen
entnehmen, unb baß binwieberum gleifa)er unb Sä der nur
auf folgen Saufen verfaufen burften. 3n fernerer 3dt, im
% 1598, gemattete Jtaifer Stubolpr;, auf »ntrag ber ©arm*
Verpflichteten, jeboeb nur auänafymäweife, einen freien gleifa>
unt> Srobmarfr, hat aber foleben auf geführte Sefdjwerbe unb
naa> erfolgtem 9caa)weife ber babura) gefränften ©ewerbe,
fefcon im folgenben iatyxt wieber aufgehoben, mit bem Sfuf-
trage an ben föatf), bie alte Drbnung wieber einzuführen. 3n
bem ©iebminfefcungS^effripte erfanntc ber Äaifrr auSbriirf*
liü) an, baß bie von feinen Sorfarjren ber ©emeinbe erteilten
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Privilegien bem fremben %Uifä' Hnb 93robmarftc entgegen
feien, unb erflärtc fte babei fd)üfcen w wollen, ebne eined
Vorbehaltet \n gebenfeit. CDte Urfunbe hierüber ift iir(f) vor*
Rauben, ^icmuf fe(tfe oer^Katb im Auftrage be$ t'aubeä«
l)errn bie beider unb ftleifdjer in ihr altetf Wecr/t wieber ein,
inbem er ihnen ihre 3»nuug$ ftrtifii im 3. 1599 erneuerte.
hiernach haben benn bie ^ätfer mit 26 hänfen, anf
©nutD bc$ lanbedr/errlicb anerfannten Privilegiums, biefee biö
jur @Jewerbeorbnnng von 1845 gegen jebe befannt geworbene
Kontravention aufredet erhalten. $>aä tNeffrrvt vom 4. 3<m.
1599 fagt ctuSbrüdlicr): bafi ber *Watr/ bic verbefferten Ärtifel
ihm, bem äaifer iiberfdjirft habe; ftiigleid) wirb ber ganzen
©emeinbe ju ©örlifc reren Befolgung anbefohlen, wie ber 3n*
r)a(t biefer 3nnungtfarrifel aitäbnitflicr; beseitigt. 'Die 93efug*
ni£, baö Säcfergewerbe treiben unb mit SDiefn*, 93rob,
Semmel unb 33acfwaaren *u banbeht, war an ben 93eft& einer
93anf gefnüvft, wie bietf bie alteren 3'tnung6^rtife( ber Sbacfer,
beftätigt vom hiejigen föatbe, ben 16. 2luguft 1575, auäfprectyeu : .
„SHknn (*iner baö $Weifterred)t *h gewinnen begehrt, ber fcü jnver
ein 9$a<fbäMtf unt> eine 93robbanf traben. " Tie 26 33robbanfe
waren erblich unb t>fniuf?eiltd>, au fein <£)runbfttid gebtiuben
unb mit befouberen gelieu im ^)vpetf)efenbud)e eingetragen.
Die 3nnung$*$(rtifel vom 4. gebruar 1599 festen feft, baft
Mir ($rleid)terung ber bebräugteu $e\t nod) 8 plaj* ober
9$robbctcfer, 2 bei ber 6taot nub 6 auf bem £ant>e angefc$t
werben feilten, welche alle Montage nnb greitage 93reb, ntd)t
aber anbere SBatfwaäreu jur &tit>t briugen burften. Diefe
33ergünftigung war jeboebj rein perfenlid), oa fte mit bem Xebe
befl mit biefem ftectytc 93eliel)cneu aufhören mufite. 3)iefe-
$anbbärfer gingen baher in ber ftoiqt wiener ein nito e$ be*
fianbeu nur nod) bie fogenannteu piafcbäcfer, weUbe nur alfettv
SBreb, unb biefeS aud) nur auf ©eftellung baden burften.
Dietf verboten bic brei SMrtifel ber 93ätfer, foufirmirt vom
9fcatr)e unter'm 4. Dftober 1614, auäbriicftict). j&ujkr obiger
perfenlichen QkrgtinfHgHng war baä ©inbringen fremben 93rebeö,
Kneten nnb anoerer iöaefwaare burd) bie fchon genannten %x*
tifel vom 4. gebrnar 1599 gän^ltd) verboten.
Der 3ßertf) be0 SBanurecfjtä tfi bem tfrwerbungö * greife
ber 9Öanf gleich *u nehmen, 9cad) bem £wetr)ctenbiicf;e be*
trug ber l^d}ße itaufprei* 760 Xljlr., ber niebrigfte 400$rjlr.
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1307 i>t von Den 33änfen Der Marler Die iReDe. 6ie
waren feit 1388 über Den Dramen, in Drei !^eil>enf unD
ballen mein ere (Eingänge vom ^ärtfi^omarftc au*. $om 3afyre
144H eriftirt ein $*erg(eid) iibev Den $>au Der S3roDbaufe.
SM ältefte 3*»^re4|tffcr Deä ^eijj- (|dt. Weift-) ,£o$pital$
nennt aud) Die 93ieDbäufe beim 3- 1449. 3» 3- 1849 würbe
Der le&te ?Keft Der SkoDbäufe, Da Dac* vHreitfgerid>t Diefeö £efal
brau du l , auo elfterem (MebäuDe in Da* ^Katbbauö, uuD ;n\u
iu einen Der VäDetr nad) Der Srüoergaffe }U, gefegt.
Xem biefigen gleifd)ennittel, als 3nbaber Der 60 33arrf*
geredjtigf eitert, wuiDe tu Den vom hieftgeu ?Hatbe, im Auftrage
Der £anDe-el>erut Dem Wittel fonftuniiteu Nrttfeln vom 4. ge*
bruar 1599, an lürflidj ;ugefagt, Datr, attfkr 8 i'anDfleifdjerir,
tvelcbe Der Warf) mit per jeulieber, nad) Dem Xebe De* ^ntya*
bete erföfdjettDer Jloii^cfftcn verfemen forme: „Daö i*infd) (eifert
fremDeu gleifdjeo reit Der (^emetnbe gänilia) verbeten fein,
uuD Derjenige, fo DawiDer banDele, auf erlangten ^ertd)t von
Dem iKatfye «^eftraft werten feile." (*beitfe würbe Durd) Die
erneuerte vom Wattye bicrfelbft unterm 6. ?(uguft 1793 fort*
firmi uc gletfdjeiJDrbiruug, int $ I9<\ beftimmt: „e$ feli fein
grünes gleifd) von auswärtigen Orten in Die ctabt ePer si*er*
fiäDte eingefd>levpt, vielmehr befdjeiDentlid) angebalten, für
foufie^irt erachtet unD Die Xurbauten beftraft werten." Vettere
glrtifel von 1793 enthalten Den ^orbebalt, fclet>e ah miuDern
uuD i.u mebren, weldje* jeDod> mir auf Die 3unung$$>erfaf*
fiiH«3 , nidH auf Deren 0)ered}tfame belogen werben fann.
UebrigenO gilt fyter MUee», um* bei Den Bädern über Die (MüU
figfeit Der fltitfel vom 4. gebruar 1599 unD Deren Segrün?
Dung bemerft werben nt; nur tritt nod) Daß eine lau*
De6l)enlid)e SBerortmtrrg vom '29. 1)ejember 1766 bad ^ann*
redn Der gleifdjer jwa,r moDifiurt, DaDurd) aber aucf> fofd>e6
jugleiü) anerfaunte unD von Beuern betätigte.
3Üer Daö gleifa)erl)anDwerf betreiben wollte, muffte im
Befttje von $wei hänfen fein. Tarife waren 60 an Der
3abt, erblid) unD veräuperh'a), mit befotiDeren golieu int
^vpotfyefenbudje eingetragen, £>ie waren an fein (Hrunb*
frücf gebuttben. Die Snmuifl fjatte Da* *Hed)t, Datf Die (Sin*
wofyner Der Siabt il)ren &eDarf an gletfeb mdjt anbei ö
al$ bei Den Söanfberedjtigren beliebigen Durften, wogegen
Dem SRttiel Die ^flia)t juftaub, Da* $nblifnm mit gleiföe
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jeber ?lrt \\\ verforgen. Die im 3 1599 auögefcfeten Dorf--
* fletfcf^cr burfteii nur allein €>onnabenb$ uir StaM fommen
unb Vormittags 3 (stnnben fang feil haben. 15$ toirfteit
btc ßJaftwirtbe unb übrigen Singer nur für ibr ^atid eine
beftimmte MtnaM $ieb fc^fad)ten , weld)e Vunabl burd> ein
Defret be# ftatbd vom 26. gebruar 1732 feftgefe$t, aber erft
am 29. Dezember 1799 (anbeöbenlid) beffätigt werben ijr.
Die Jtonjcffionctt an VanbfleifdKr, weld>e aufborten h) mit
bem lobe beö 3nbabertf unb l>) fobalb berfelbe ntm Dritten
sDcale auf bem Warfte auSbl/eb, jinb nad) unb nad) erlofd>en.
Die Vattbfletfrfyer würben befonberö in (*ib nnb ^f!id>t ge*
nommen. 3« bem 33annred)te be$ $leifcbermtttelo gehörte
anef) ba£ !Red)t: ben Dorffleifd)ern bafl $*er- nnb Wuffaufen
be6 6a)lad)rviebeä in ben Vorwerfen nnb £tabtgärten, wie
aud) auf ben nir <Etabt geliörenben Dorffdjaften nad) S 19. .
ber gleifdjer Crbnung vom 6. Muguft 1793 nt oerbieten.
Die gleifd)bäufe in ihrer feigen Vage fontmen vor beim
3abre 1305 im €tabtbud)e, nnb noar 3inö auf eine gleifd)-
banf nt ©nnften Oer 6t. ^eteröfirdje. 1568 am 3. 9Mr|
riß man bie alten hölzernen ftleifd)bänfe ein. Die Sleifdjer
mußten einftroeilen auf bem Obermarftc feil fyabeit. Den
12. flprif fing man bie je|jigen fteinernen gleifdjbänfe mit großen
Unfoften ^u mauern an. «i&ierju gaben bie gleifd>er 300 Starf,
batf übrige erlegte ber *Ratb. Hin 14. Wuguft War ber San
vollenbet. 3 11 neuefter &it ift befa)loffeu worben, bie ftleifd)*
bänfe, bie inmitten ber etabt eine förmliaV 5Ruine bilben, ab-
jubredjen, 11m eine neue gabrftratfe $wifd)en ber obern Start
unb rem 9?ieberviertel ui eroffnen. Da aber batf gleifd)er<
mittel bitf jefct gn l)obe Sorberungen aufteilt !>at , ift ba$ ^ro*
jeft einftweilcn bei Seite gelegt.
$Öie baä härter- nnb gleifcber- (bewerbe, war and) ber
betrieb bei? fattfmämttftyen (*Jefd)äftS an OJereaMigfeiten ge*
fnüpft, weldje in einem befonber* baui errichteten (Mebäubc,
ben Jtramen, geübt würben. €eit 1320 ift von ben «tfranten,
and) &auff)aitä, ^auffammern, bie SRebe. 1327 beißt e$ „bei
ber 93ube auflwetibig ber tframen." 1330 „$robbanf bei ben
Dramen." 1351 war bie 3<i$1 ber ftramen: acfjuerjn. 1432
wnrbe ben Gramem erlaubt, ein föobr in bie 9fbnid)t (ui führen
unb mit ibrem @5eftnbe bei 9?ad)t in ben Dramen, ni fdjlafen.
Seit 1449 wirb be$ 3iirfe* von 9 Heid) Jlrämern gebad)t;
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aud> fommt feit bem 3abre 1163 ber Hitfbrurf „Sonnen* .
Ärämer" vor, bie von Drn fteia> ober Neia)* Trainern unter*
((hieben werften. 1667 würben bie Seite« Dramen uad) Dem
Untermarfte geöffnet. 1706 würbe t>ad alle Jtaufbau* einge*
rine« «»& mafftv gebaut. 3eit ber ^eit 1>c<hI cd: „baä neue
Äauf baut% ©orfe, Aommiffion^aii*." 1714 würben über bie
öandtlmrc Die fteinerneu Silber tat ftereduigfeit unb älug*
beit unb baruuter bie Etappen ber vier ^ürgermeifter Wiäuö,
Änorr v. iRofenrotl), Möller v. Wollerfieiit unb %\au\i, nebft
ter jnfeferift aufgefegt. 17 17 vermietete ber 9catl) bie grofie
Stube auf 3 3af)ve an bie tfaufleute. 17*4 fam bie Wi<
Ud>fd>e Sibtiotyef in baä obere, € torfwerf. 1824 mupte bie
SMbliotbef wieber weggebradu unb bad ganjc £auei, mit &uö*
uHini ber SSrobbanf unb einiger ©ewolbe, bfm föntglidjen
Vanbgeridjte überiaffen werben. 1849 ben 1. sH\mt würbe bie
$rcbbanf, wie fäon angegeben, unter'ö Hainau* verlebt unb
bad gau$e ®ebäube bem neuen .ttreiägeridjte übergeben.
Xie Ärämer würben suleftt eingeteilt in Sur,)* unb
Seibenfrämer unb Spi$- unb ^ubrifc Ukrainer.
Xäe 9Bftr|< unb Seibenfrämer Ratten h) ein Privilegium bed
äaifer föubolpf) vom 28. Dezember 1593; k) bedgl. beö äaifer
3)taiti)ia* vom 24. November 1611. $ie iDritjinal dlrfunbcn
fcarüber ftnb betbe im X 1633 verbrannt, ber 3nf»alt aber
WMrbe aufgenommen in c) bie tfouftemattou ber flrtifel bura)
£er$og 3c^ann (George von (Sadjfen, ben 18. 3uni 1641,
unb tu fold)er neu beftätigt. 3Betl bie 3itnti!tg bamate mit
ben Spifc- unb pubriefrämern (Sine 3ea>e auömad)te, finb bie
Slrtifei augleia) aua) aHf biefe mitgerid)tet unb bie obigen
Privilegien geuoffen beibe klaffen von Ärdmcrn gemeinfdj'aftlicb.
Die äonjirmatiou sub c. ift oljne tfaffationöJtlaufel, viel*
mefjr entbält fte bie S3eftimmung „mit biefer Bewilligung, baß
bie auägefefrte «n^abl ber 18 Ärdmer binfürjrter auf 26, fo
ifciger 3eit befunben werben, enveitert unb verflanben werben
foli, bei welker fln*af)l e$ aita) funftig unveränbert verbleiben
foll." l>ie neuejte SBeftatigung ber Innung* »rttfel ift vom
(«burfürften griebrid) ftuguß von Sadjfen, d. 17. 3anuar
1785, wela)e bie Üreunung beiber Gramer Innungen, ber
SBürv »nb 6eibenrrämer unb 6pifc unb ^ubrifcfrämer
genebmiat, unb beftimmt bie Hrt unb 9(n$ar)l von 2Baaren,
weldje jebec berfelben $u führen verftatiet fein foll, Sic
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. gigentlnimer bcr 9 2Bür$< unb ecibenfram <®tvt$ti$U iUn
(welche mit ben 17 @pi&- unb *ßubri(främerit bie gefd)loffene
3a^I »on 26 bübeten) ftnb im ungeftörten $eftt>c i^rer ©ere*-
tigfeiten unt> beö bamit verbundenen Unterfud) ungedecktes, bi$
in ine neuere« Seiten verblieben. 'Bei- Umfang ber fechte,
welche ben @igeiitl)ümern jnjtanben, wirb auä ber 3al)l bev
i()ueu au*fd)liejjlicr) wfttlH'ttbeu haaren 'Kftif el erficf;tlid>. Die
»Irtifel waren feftgeftellt ptyt am 17. 3awiar 1785 unb »er«
me^rt burd) baä Slbfommen vom 14. Dftober 1790, weldieä
unter'm 21. November 1791 beftätigt warb.. Die (9ered)tig*
feit war an Fein Qrantjhiif gebuuben. Die 5öür^ unb
6eibenfrämer ^ered)ti^feiteu waren erblid) unb veränderlich,
mit()iu eigenthümlid), unb mit befonberu gofite in'S £wpo*
thefenbuch eingetragen. Der ungefähre <K>erth eine* jol^ett
2(uöual)mcrea)ted betrug gwtfcheu 2700 unb 1500 Xl^aler vom
hödtften bi* mebrigfren 6a(je. Die^ gii6fchliep(id)feit biefer
6lered)tigfeiten war benfelben auflbrütflid) beigelegt in bem
unter' in 18. 3uni 1641 bura) £erjog 3ohann George von
ead)fcu gegebenen Htttfd 8.: „ed foli 9fiemanb in bie 3ed)e
aufgenommen werben, er habe beim *uvor einen SBärgframeii."
Äiic audiiabmdweife war bcr alten 6tabt'*fyothefe hierfelbft
ein ftrtifef jufolge be* «Privilegium* vom 28. Dejember 1593
erlaubt, neben ben Storp uut> Seibenfrämern fünferlei gejtopene
©ewürje, itdmlid) 6affran, 3ngwer, »Vfefer, 9Jägeleiu unb
Kummet $u führen, jeboch nia>t unter bem falben Vctbc ju
verlaufen, wa$ auch in ber 93eftätigung vom 17. Sanuar
1785 im Slrtifel 17. wieberholt worben ift. £iftorifch *u ver*
merfen ift, baß töramgerechtigfeiien, anfänglich 18, vom iRathe
audgefefct unb ben Jtrainern gu Sehen verreibt würben, wofür1
ber Jtram$in6 — eine SBierbung — V4 Warf, entrichtet werben
mußte. Die dltefte Urfunbc über bie «toSjefrung bei 18 Ära*
men, vom 3a^re 1351, ift ber 33eftdtigung vom 18. 3«n»
1641 einverieibt worben. Der föatr) beftimmt barin: „nun
wollen wir 6ie carbe*) ewiglid) erhalten, bafj Wemanb weber
an bem Warlttage, nod) *u feiner anbern <$e\t, welcherlei
(Kramerei eä fei, foU beim ^fnnb, nod) unter'm ^ßfunb ver-
laufen: ed foü aua) 9iiemanb mit ber (Süe fa)neiben $an$tit,
noch anbere SBaareti, bie jur Sh'irjrVdmerei gehören.
Die wnb s#Hbri&främer hatten §ule$r 17 $anf*
awchtigfeiten, 3hr* Privilegien Ratten fte gemein*
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fdKifrfid) mit ben 2öün* unb €eibenfrämeri!. $et ber 8on*
berung von biefen würben il>nen nod> bcfotttare Slrtifel, worin
ifjnen nauientlia) bie tf>nen t,ujtel)enbiu haaren jugewiefen
werten, gelben, unb »out ffburfuvflen griebrty Muqujl von
€a^i>n unter m 17. Januar 1787 beftutigr.
^rivilegirt bura) Sanfgereajtigfeiten waren ferner bie
©aber, voeldje 4 ®anfi|cred>ti«|reitejt belügen bura> bae* 9ri*
süegium be* Äaifer fterbinanb 0. vom 27. 3*ni 1629, neu
fenUrmirt vom (^nrrürft ftriebria) ^lii^uft von (Saufen am
11. «vrtt 1707, mit bem Vorbehalt: „bie «rtifef bei belegen*
beu ter ;ieit ju minbern ober melden." Die ®ered)tigfeiten
' waren erblid) uub veräußert idj, fte waren mit befouberen golien
iut £vvott)efett6uaK eingetragen. Der sBai\) ber 1. »auf
betrug im 3. 1802: 250 Ibliy ber 2. im 3- 1812: 175 $*r.,
öer 3. im 3- 1807: 120011)11., ber 4. im 3. 183*: lOXtjlr.
Die üöabftubeti finb ebenfalls vom Watrje ausgefegt worben
mit bei ^ejtimmuug, baß 3eber, ber baä 3Weijterrea> bei ber
3njuiug gewinnen wiü, *uvor eine folan* erlangt haben mußte;
unb bte vom Natrje ber 3nnung gegebeneu «rtifel vom
24.3uli «12 verorbnenauittnrücflia): „baM^K »abfhiben auf
eine gewtffe i&nyity gebracht werben follen." hiermit fttmmt
bad Privilegium be* tfaifer gerbiuanb überein. <$* verorbnet
auebritfluQ: „e* foUeit bie Wufätt unb (Sinläufer, bie ben
armen 9Xeiftern ba* $3rob vom 9Jtaule wegfdnteiben, von
WemauD \xid\t geförbert, viel weniger ihnen eine neue offene
SaDÜube aufzulisten gemattet werben." Die (Sigentl)ümer
ber $abftuben waren im 3. 1834 noa> in bem dejifte be*
ftecrjt*, bie Ausübung be* barbieren« Sebent, ber eine $ab*
jtuben^)ered)tigfeit niajt befaß, ju unterfagen. £inftd)tlid>
oed ebeufalle an ben 9eji$ einer Sabftube gebuubenen
:Kea>te$ *u äußeren Äuren, waren jeboa) fa>on früher bura>
bie allgemeinen Wettynalftefcfte Wobiftfationen eingetreten:
mbem eineä Ibfilö ber in ben Muffeln bestimmte (iramen vor
ben ^iwelddltefien ju Erlangung ber $efugniß, äntliaje
•fturen gu verrieten, md>t tuei)r genügte; anberntlieüä a«dj
ben vom Staate ernannten vrafrtfdjeu bersten ba* <Rea)t |»
äußeren Äuren beigelegt ift. Hua> bie 33abftuben^)ere*tigfeit
haftet an feinem Ghrunbftnrfe. Babjtuben werten in ben
etabtbüa>ern mehrere erwähnt. (Sine ber größten war bie
^eißbabftnbe. 1358 ift von ber oberften $abjt»be, 1489
80
von ber neuen Sabftube bie 9tebe. 1 386 wirb bie 9i*ei(jbab~
fttibe genannt, 1432 würbe fte vom Gaffer weggcriffen, fpdttrr
wiebcr gebaut nur Ina mite 1525 ab.
Die €d)ul)inad)ci Ijatleu 44 Saufe, zufolge ifyrer 3u-
itutta^avttfcl vom 1. November 17ö3, erteilt vom Ijiefigett
Oiattje, mit ber Klattfel:
„foldie Slrtifel naa) Seftubeii \n äjtberu, gu be))erit nur
\\i minbern, ober aua) gar wieberum aufgeben."
Dicfe \)[)ü\d würben uvar i\id)t lanbe$f)errlid) beftätigt,
ftc galten aber, vermöge beef Munt erwähnten Privilegium^ bed
König Duiifhiuo. Tie Saufgercdjtigfeit gab bereu jnljabcm
tao Ütedjt, jebem Anbeten, ber uictjt Seji&er einer Sauf war,
bie gfuoübuug beö £ d> u l) mad) er- ® ewerlxä $u verbieten, wcld)cd
9tca)t bie Korporation biö tu bie tteuefte 3eü geübt nub be
feffeu hat. -iMit bem Sejt$e ber (*k*rcd)tigfeit war baö NKedu
auf eine geilfteüe im od)ut)maa^eri)aufe verbunbeu. Sott bett
44 Saufen tvaren: 17 (iigentfyum ber Konintuu, uub würben
au ^eifter, bie i'uh eine eigene 0)ered)tigfeit nicht faufen
wollten ober fonnten, gegen ia In liehen v 1 1 1 o alä Venu baute
verliefen. Die übrigen Saufe tvaren ßigemfyttm ber Sefifcer.
Die ®cred)tigfeitcu tvaren, tvie bie obigen, erbltd) uub ver-
äußer Ii d) unb mit befonberen gölten im ,£>vpotl)efeubud)e ein
getragen. Der $Öertty beö (Srfluftvumö war bem ßrwerbungö'
greife ber Sauf gleia) gu redeten. s)U\d) 3nf>a(t ber «£>t)po;
tl)efenbüd)er betrug ber t)öd)fte Kaufpreis im X 1834:
575 ütyaler, ber niebrigfte aber 300 Xl)lr. Dureb bie £d)ul)*
tnadjer ; &rtif el vom 1. November 1783t „(S* muß Derjenige,
tveld)er l)ierfelbft SMctfter tverben um Ii, entweber von ben
Kaufbanfen eine ober eine von ben Vchubauteu eigentl)ümlia>
befifyen", tvar bie ($rf(uftveigeufd)aft biefer @)ered)ttgfeiteu aud*
gefprodjeu. Die Sanfgered)tigfett tvar nid)t au ein (^mu
ftürf gebunben. — Die v£d)ut)bänfe befanben jid) urfprüng*
lid) unter ben Kramen unb würben im X 1383 für bie
8d)ur)maa)er bort (Gewölbe eingebaut. 9Jad) einem Sergleidje
befanben ftc fief) mit ben Saderu feit 1448 in einem ®ebäube.
Später tvurbe ihnen auf bem gifdjmarfte e^t neueö £auö ge
bau), welcfyeä 1834 abgebrochen uub an beffen 3 teile bte neue
sJDcabd)enfdjnle erbaut tft. Die 6d)ur)tnad)er wie* man ba*
mal« auf '6 r al;han«.
Die ^fefferfn^ler Ratten 4 Sänfe.^rc 3nuung$*8rttfe(
«
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würben lanbcöberrlia) bejidtigt vom Crimen faver, als ftb-
minijtraior von €aa)fen, ben 20. 3imi 1768, mit MrJHtttfef:
„unb obwobl mir 4 £üd>lerti(d)e Dermalen in ©orlifc .
befinblia), tt>obei e$ aud> nod> $ur 3eit bcwenbet, fo
foll bod) Dem Wagiftrate M CrteS vorbehalten fein
unb bleiben, nad) vorfommenDeu Umftätwen, wenn ge-
meiner £tabt SBefteä eine ^ermefjrung berfelben etfbt«
berte, folcbe iu verftdrfen unb jti vermehren."
S)a* ben 3nf>abem biefer ®ered>tigfeit beiqcCrqre Wertt
(«rt. I4>, bat? feinem SÖeipbäcfer ober grembert »entartet ift,
auper ber 3abrmarftöjdt pfeffcrfürtler haaren in bie 3 MM
tu bringen, fola)e $u verfaufen unb bewerbe bamit ju be-
treiben, Ijaben biefetben fortwäljrenb unb ungeftört behauptet.
$ic nirtt an ein ©nmbftücf gebmibenen (**ered)tigfeiten waren
erblid) unb veräujjerlid>, unb mit befonberen gölten im $M>i><
tbefenbudje eingetragen. Wit ber ©ered)tigfeit war eine geil*
fielle auf bem Warfte verbunben, weldje bie beiben banfberedv
tigten pfenerfücbler noa> inne haben. Der Sßertl) ber 1 . «anf
war im 3 1828 itft. £au*: 1400 Shlr., ber 2:: 300 Sblr.,
ber 3. in«, £au$: 2000 Xblr., ber 4. infl. £an*: 1400 Sblr.
81* Littel waren bie pfefferfud?ler Der jnnung Der
3Sei$bätfer <ugewiefen.
3«r gorbermig ber 9anfbered)tiaten unb überhaupt aller
bewerbe wu^te fta) ber 9tath ber &ta*t ein (>öd>ft bebeut-
famed Privilegium, baö fogenattnte „Weilenrecbt", ju ver-
fa)affen. $>iefe* Weilenredjt, wela>e* mit all' bieten SIh*-
natymerednen gefallen tfl, ftanb ber £tabt C^örlifc at$ 3nl)a* •
bertn $u, $um grommen ber 54 3nnungen unb Der ehemaligen
aajt ftdbtifa}en ©ajtyöfe. m war bieä 9tea)t bie Sefuguiß
ber <Stabt- tfommun, innerhalb einer Weile im Umfreife bei-
gabt, ben Betrieb aller £anbwerfe, für welcbe 3miungen be>
Rauben, unb bie Anlage neuer ©aftljöfe, *u unterfagen, unb be*
ru^te auf befonberen lanbeSberrliajen Privilegien, namentlid)
auf bem bed Jtönig* 3of)ann vom 3. 1329, Wontag nad)
(Santate (22. Wai), unb auf bem unter golbener S3ulle gege*
betten Privilegium be* tfaifer Äarl vom 3- 1356. 3n lefcte;
rem tf* befonber* gefagt: „SBir verbieten and) aUe SBirty**
bäufer unb aUe unb jebe £anbwcrföarbeiten, baß fte inner*
tyalb einer Weile um bie genannte etabt ©örlifc irgenbwie
gefjanbljabt werben, aufgenommen ber 6a>mtebe, wela)e ba*
&ci*i*ic ?cn©prti|, 6 /-'-
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©ifen ber pflüge im Staube galten unb ber Sa)uf)mad>er,
ivelcfye alte Stiefeln befehlen" (qui veleres caieeos solent
reformare). £iefed Weilenredjt mürbe neu bejtäti$t in bem
fogeuannten prager .^ertrage vom J5. September 1534*)
in beu ©orten: „£anb»verfer foüen in ber Weile um eine
jeglicfye ber ScdjöftäNe ni<t}t geilten nxrben, awjierbalb benen
fo über verjährte £tit atibereit in ber Weile gewohnt; aber
Sdjmiebc, Die bie $fUigfa)aar fajärfen unb alt (Stfen baffen,
aua> Leinweber, jebod), baß fie bamit nidjt banbtfyiren, bie
mögen in ber Weile bleiben." Da* >Kea)t ift bü in bie neuefte
3eit ausgeübt unb gcbanbljabt worben. 3)ie Commune übte
ba$ !fted)t burd) ibre Bürger auö, ba bie Slufnafyme in eine
SitiMitfl von (Srlangung beä Söürgcrredjtö abhängig *toar.
3)a$ ?Kea)t Ijatte einen bebeutenben (ymfiint auf ben bürger*
lia)eu s)tal)iung$jn>cig ber Start unb glid) einem £aptta(
von circa 25,0<K) £l)lr. ©i* *ur @inful?rung ber (bewerbe*
orbmmg von 1845 genoffeu biefetf Privilegium bie in (Sörlift
bcftel)enben Innungen ber: £ud)maa)er, $5äcfer nebfi Pfeffer
fücbleru, Sentier, '$ötrd)er, 93ud>binber, $Bürftcumad)er, Mov*
buancr, $red)$ler, geileutjauer, gleifdjer, ©olbarbeiter, ©elb-
gieper, (Gürtler, £uffd)imebe, £utmad)cr, £am minorer, Älempt-
ncr, M nopfmadjer, Äürfdjuer, Jtupferferjmiebe, Mnweber, Wau*
rermeifter, Wej|erfa>miebe, Gabler, 9Jagelfd)micbe, pofamen*
tiver, ^abemadjer, 9ciemer, Dtotfygiejjer, üHotljgerber, Sartier,
Schleifer, Sdjneiber, Sdjivarjfärber, Sdjornfteinfeger, ScjM-
maa>er, Scifenjicber, Seiler, Stellmacher, Sirumpfwirfer,
Xijäjler, Töpfer, Ul)rmad)cr, $tfei|jgerber, 3i||*mermeifter,
ßammfe&er, 3*»gfd?miebe, @lafer, Sdjleifer, ^inngtejjer, 93aber,
Lohgerber, $ua)fa)eerer unb Sudjbereiter.
£icrl)er gehören aud) bie Privilegien ber Safyrmärfie.
3)aö erfte ift batirt ;u Vamf in Oteuffei* am Sonntage t>or
U. 2. grauen ttid)tine|? (31. 3att.) 1429 unb ^aifer Sigmuob
gibt in bemfelben ber Stabt ba$ 9ied?t, jvoei 3atyrmärfie jäfyr-
lia) ui galten, ben einen vom St. dradmuötage (3. 3unt),
ben auberu vom St. Wartindtage (11. 9tov.) an, betbe 8
üage tytntercinanber. Unter bem 25. 3uü 1655 gemittete
tfurfürft 3ol)aun ©eorge l. bie Verlegung berfelben auf ben
Sonntag vor Simon 3uba unb Sonntag uaa) Warid #immel*
•) Dbtxt. Sttüdtionmtxt II. mt.
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jährt nnb gab jugfeiefy einen brüten, welrter allemal 9ttontagd
i\d(b Dorothea abgehalten werben foU.
{§i bleibt un6 nur nod) übrig, über baö Stabtwappen
unb befielt (*nrj*ef>uitg (*inigeä ju berieten. 3 n bem ältefteu
Siegel *on ®örli$, welcM fta> an einer branbenburgifeben
Urfunre befinbet, ift nidjt ber böbmtfaje 8öwe, fouoern ber
branbenburgifaV Slbler. Der btymifät Hm würbe erft feit
1329 »teber in ben £d)ilb aufgenommen, jtaffer ©igmunb
gab ber <Stabt im 3- 1433, am 29. Huguft, einen ©appen*
brief, bem$ufolge bao Wappen Dabin verbeffert warb: baß in
einem aetr>efltcu 6a>ilbe rea)r* ein febwarjer 9lMer im gol*
benen €d>übe unb linfö ein weißer ¥6we mit boppeltem 3agcl,
golbener Jerone nnb Mannt, fbwie blauer 3»nge, barunter ein
weites Shitf unb jwifdjen Sfbler unb tföwen eine Äaifer*
frone fein foll, auf bem $elmc mit weiß unb rotten Detfen
<wei rotfce glügel mit golfreneu glittern, worin ber fcowe wie
im eebtlbe. Da* Söappen würbe ber €tabt gegeben, weil
jie fid} im erften £ufüenfriege febr mannbaft gehalten.*)
tfaifer Äarl V. gab am 2. Oft. 1536 ber etabt ein neuc$
»Bappen: einen gemerteteu (Sdnlb, abwedjfelnb in golbenem
gelbe einen jweiföpfigen fdjwarje» aufgehauen #bler, unb in
rolrjem gelbe ben weißen gefrönten Soweit mit blauer 3unge
unb boppeltem 3«gel: in ber Witte be$ ScbflbeS ba* <5d>üt>*
lein beä Jr>aufe$ £)efrerreid>, eine golbene Äaiferfrone. Huf
bem £d)i(t>e einen golbenen £elm. Die ^elmbetfen unb ber
»Herflug bikbm wie im alten ®appen. tfnfer Situation«*
<ßlan gibt bie genaue ©eftalt biefeS SBappeue.
©lehnte« Sapittl. .
Da* fontgli^e 6d) öffen*©eria)t tn@ärUft unb fein
2Btrfung*freiS.
ßbett ifr bereits angegeben worben, baß in ben älteften
3eiten in ©tfrlrfc, wie überall, ber 93urgooigt bie oberfte
rid>rdbarfeit übte, waö jebod) gtmrintajfq nur jweü ober brei;
maf fm 3ar)re $u gewrjfcn Reiten gcfa>if).
•) Script rer. Lusat N. t. f. 231 ff.
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ift bort fd)on bcä Privilegium^ gebaut, welche*
9)krfgraf Hermann von ©ranbenburg unterem 28. November
1303 ber etatt ©örlifc vetlich, jugleid) aber erwähnt, ran
mit (£rlafj biefer Urfunbc bie bte^eri^e ©eriajtäbarfett fcc*
föniglidjen SBoigteS, baä SBoigtbing, aufborte.
Die betreffenben (Stellen biefcö wichtigen Privilegiums
lauten:
„2Bir, Hermann von ©otteä (Knaben ju 93ranben*
bürg unb Saufty 9Warfgiaf, £err £enneberg, be*
funben burd) ben Wortlaut bed (Gegenwärtigen öffentlich,
baß wir nun allgemeinen 9Ju$en unb frommen Unferer
Stabt ©örlifc, Ünferen getreuen Bürgern unb bei-
gaben Stabe, au$ ®nabe Unfereö 9BiUenä, baä 9)?agbc*
burger 9ted)t geftatten, unb fdjenfeti, folcfyeä ab&u
halten, unb klagen , Jlontrafte, *Red)tefyänbel auf jete
3Beife, wie c$ ben bürgern felbft unb ber ©tabt am
heften unb vIn\niennteii fdjeinen wirb, }u verfyanbeln:
ben früheren ©eridjtä* ober 9iia)ter'$kaua) jebodj,
weldjer s.8oigt* ober (Sebcbina genannt wirb, wollen
2ßtr nidjt im- in- abgehalten wijfen, fonbern 3öir wollen
unb fefcen e$ bura) biefen Sefefyl feft, bafi $u gewiffen
Stunbeu unb bem ©eridjte bequemen Reiten, auf ben
Sänfen Unferer Stabt mit Unfcrem SBoigte, Unfer
"Kidua, wer ee* nun immer fein wirb, in eigener *ßerfon
jugeaen fei, beim ©eriajte oen SBorfifc füfrjre unb bort
au ©eridjtöftelle unb nid)t auberäwo, benebfi Unfern
anberu bürgern, auf ben kaufen, in @)eacuwart ber
6tabt Sajöffen vor Uuferem QJoigte, über »£>anblungen,
klagen, 9ied)t$f)änbel, bie an ben genannten 9tta)ter
gebraut, ober au bringen ftnb, einem 3*ben enblidjen
Sefdjeib erteile unb ba£ Unfer SBoigt von ben Sofien
beö ®erid)t$ ober ber ^ea)töftreitigfeiten, jwei Steile
empfange, Unfer @rbria)ter aber ben britten Xljeil, au$<
genommen bie gdüe von 9Äorb, Staub, 33ranb, $ieb*
ftaf)l, tförperverlefcung unb anbere äl)nlta)e auf Unferem
©ebiete ober bem ©ebiete von ©örlifc begangenen
fdjwereren 5krgel)en. Senn folaje üßergefyen auf ben
vier hänfen ber Stabt, in Gegenwart ber Sa>öffen,
Unferer Bürger unb niajt anberöwo, burd) Unfern
Söoigt abgeurteilt worben ftnb, wollen 2Bir bie (Sin*
■
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85
nahmen bavon für Unferc Cammer jurütfbetyalten.
s28tr befehlen bem na d) Ällen k."
Diefe* Privilegium erf>trlt eine Erweiterung burd> bie
Urfunbe vom 21. viftai 1329. 3" berfelben wirb ber <Stabt
©orlifc b«6 fRtdft verliefen, baß bie SMtrgfr t>te $ur Dritter?
(<baft gehörigen ober berfelben gleid^uaetytenben Männer,
hir$ alle freien fceute, vor bem ^Boiate ©örli$, beren Tawern
aber, vor bem (Jrbricfoter unb ben vier Öänfen befangen fönnen.
3m 3. 1342 fugte Äönig 3of)ann bie au$brü(f(id}e ©efrim*
muug r)tn$u, baß jeber au6 biefem görftyer ©eri(r;t6bejirf in
9nflagqttßanb SBerfefcte, nur vor feinem orbentfiayn ©eridjt,
bem Orrbridjter unb ben vier hänfen \h ©örlifc, nirgenbd an*
ber$ivo befangt werben bürfe.
33efi4ttgt ifl biefe* ©eridrt burdj Äerjog Äeinria) von
3aner unterem 26. Xuguft 1319; burdj «König 3opann bei ber
(Meneral * ©efiätiguug alfer gorltyer Privilegien im 3- 1329;
bmd> Äarf IV. unteVm 4. September 1347 unb in ber gof*
c*nen $ulle vom 11. 3Rai 1356; vom «fterjog 3or;anne$ von
(työtüfr unter'm 27. 3amtar 1377; von Äönig SBenjef am 14.
Äprtl 1381; von Jtönig (Sigmnnb am 29. Sltigujt 1433; von
&öntg 93?attt)ia6 am 27. (September 1474. (später würbe e$
nid)t mefyr betätigt unb warb im ponfalfe ber <Stabt endogen.
3m fcaufe ber ^tit freUte fia) nun ber $rauä) t;erau6,
baß ber föiilg(ia)e (Srbridjter gu @örli&, in bemfelben SBerfjält*
mffe, al$ bie Wadft be6 33oigte6 fanf, bie bem $oigte eigent*
lieb luftefyenoe *ftea)täbefugniß über bie 9tittermäßigen an ftd)
40g, w«$ Dann $u großen (Streitigfeiten mit ber Sanbfd>aft be$
görttfter ©eria)t$bejtrfe0 führte. "Die <5tabt ging immer $u*
le$t au$ folgen 9iea)t$r/änbefn ftegreia) fyervor.
^auptaninb ju berattigen <Streitigfeiten waren bie lieber-
Sriffe ber 9fttterf(r)aft, weldje in ifyren Patrimoniafgerictyten
4 oftr gegen auäbrücffiaV $egnabung ber «Stabt, ben 93lut*
bann anmaßte. — Die fiebert (5a)öffen mit bem roniglidjen
Stifter waren gteid}fam eine befoubere 9fbtf}ei(ung be$ 9catr>e3,
wefa>e, bei allen 3Berl)anbfungen be3 9tatbe6 jugejogen, für
ftet) ba3 ftedn fceg ©eria)tö allein fyatte.
3Die 93efd)affenr;eit bed 93erfaf)rend war im $llf gemeinen
folgenbe*). „$>a$ ©eria>t warb gehegt in „ber Dtngftatt."
•) edulfc, @efd)i(^t< k. I. 6. 581 (f.
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Sie war öffentlid) juganglid) , aber mit bejonber* abgeföloffe*
nen Si^eit für ftiditer un& Stoffen verfemen. ©lodengelaut
verfammeltc t>tc ©emetnbe, ber 9tid)ter faß unbewaffnet mit
ubereinaubergefdjlagenen deinen auf einem Stuljle, mit beberfv
tem Raupte unb nnigeb anfeuern Hantel. 93or ifym auf einem
Xifdje lag ein Stab mit abgefeilter 9^tut>e. 3«r iKedjten
Hub- i'infeu von il>m faßen Die Sdjöffen ober Dimjleute aHf
bei Sdjöffenbanf, o^ne SBaffen unb darret, aber mit SRün*
Hin verfefjen. Ter Eingang in biefe SMngftatt war öftüdj,
bei Si& beö Midjterä weftlid), fo baß fein ©efictyt aegen
JDftcit gcridjtet war. 9?ur gwifctyen bem Aufgange unb Unter
^an^e bei Sonne burfte ©ertc^t gehalten werben, nidjt früher,
nidji fpflrer (?inauö; bic Eröffnung burfte nur bei ffeigenber
Sonne, b. I). S$orutittag$, ftattjinben, unb fie gefdjalj, inbem
ber ffltcfytcr mit feinem Stabe auf ben $ifd> fd)lHg unb hierauf
Ginen bei Stoffen fragte: £>b eö XageS fei, baß er bao
2)ing eröffnen fönne. $>er befragte Stoffe autwertete im
tarnen ber Ucbrigen, weldje 310301 tfyre SÖqaljHng abgegeben
Ratten: baß e* Xageä fei, ünb baß er, wenn er von ®ott
bie ©nabe unb vom gnäbigeu £crrn bie SÄadjt ^abc , ba*
Ü)ing eröffnen fönne. Sftit erhobenem Stabe wanbte ftd) nun
bei Mcfyter gegen bie Sonne ünb fprad): „So l)cge id) bertn
l)ier ein red)t ©ebiug von unfereä lieben £«rrn ©ott6 wegen,
von wegen unfereö gnäbigften ^errn SHarfgrafen unb aud)
von @)erid)t$wcgen. 3d) »erbiete alle*, wad id) verbieten foU,
unb erlaube alle*, wa$ id) erlauben feil". 3<t) verbiete uujiem*
lidje Söorte unb iiberflüffige ?Kebe, unb jeige ben Sdjöffeji an,
baß id> bieä verboten Ijabe. 3d> frage, ob id) bie* ®ebiug
fo gel)eget tyabe, baß id) hu$ einen grieben wirfen mag?" 11.
So folgten nod) eiue Selige gragen, weldjc bei allerlei mög*
Uc^eu Unfällen 3. Ü8. wenn ein ©ewirter auftöge ober eine
gcuer*brunft auebrädje/ bie ©iltigfeit be$ ©eridjte* im $or*
au* feftfteüeu feilten. Sarauf tonnten bie Älagen angebracht
werben, waö gewöljnlid) burd) einen SBorfprud) ober Anwalt
in (Gegenwart be* Kläger* gefdjalj. ©laubte man ber Zt)üU
fadje gewiß jit fein, fo faßte ber Deister ben Xfjatbeftanb |u*
fammen, legte il)n ben Stoffen vor unb fragte, waö barum
föedjt fei? Die Schöffen legten nun it)re Mäntel ab, befpta*
djen fief) untereinanber unb Fountcn aud) ben „Umfxanb," b. f).
bie umtyerftefjenben geute, befonber* alte ^erfoueu, befwgen;
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hin aHf alle Söeife üd> bemühen, rao NKeebt ju nitre n. (Sin
Schöffe fprad) enrlteh im tarnen ber übrigen ba$ jRed^t an*
unk ber 9cia>ter wfünbete baä Urtbeil mit benfelben Korten
ben Parteien nur Mm „Umftanoe". 51$i< mübfelig aüd) biefe
IRecrttöfinbung fein mußte, fo war bod) baö gefprocfyene Urtbeil
unantaßbar utib unerfebütterlid] >, unb felbfi ber Vanreoben
rennte Daran itnlu rao ÜDtinbefte aitbern. @)efd)lorKn würbe
mc ^tnnna, mit ähnlichen a cimlich feiten, wie fte eröffnet wor*
ben war."
Dieä war im 8Ugemeiuen ber 93ra"ua) bei tiefen 6t$uu'
gen. 3n wie weit ber OWn icbteUuancb in (Morlifc in ben älteften
feilen mit jr)m übereinftimmte unb ob 9lbweid>ungen vorfa-
inen, fann nicht benimmt werben.
Bt viel ftefyt fett, baß bie Dingflatt in ®örli$ rao 9iatr)*
band war. ^af)rfa)ei u(id> hatte ba$ ältefte sUutbban* Vanben,
mir unter ihnen würben Die (%rid)tefi$mtgcu abgehalten. C5' i f t
fpärer verlegte man ben <*)erid)tejtfc, ber nach magbeburger ftecfjt
u nter (Mottet freiem ^immcl abgehalten werben mußte, in'6 Watt)
band in ein Limmer. 1 lc £anbedr)erren pflegten bei ir)rer
flnwefenbeir, wenn fte W euch t abhielten, auf ber ^athbaneMveppe
;u jtfcen unb 9tea)t \n tprechen. ^weifelioo war bie* fdwn
ber *ali uir Mt .Haner M ail'o IV., wenn er in ©örltft weilte.
58on .Honig ^Uen§el tft bie 3 tyatfaerje bejannt, baf er im 3.
1408 bei feiner £nwefenr)ett in ©örlifc von ber ?Katr)r;auä<
treppe ben sKath unb bie Suractfcfyaft anfjörte, bie bamalä, ut
ihrem £eile, bie gegenfeitige ^ufvierenheit auäfpradjen.
Die 9ratr)mäuner rtdjteten über ^oli^eivergerjen nad) bem
magbeburger iRectyt«; bie (Srbridjtcr über bie übrigen $er*
geben mir ütftruirteu bie ^rogejje in (Sivilfaa)en.
3n fdjwierigen gdllen wanbten fte fia> an bie 6cr)öffen
in SRagbebura, nnb holten fid) bei ihnen 9catr) ein.
Daä magbeburger 6d}bffengericr)t ftanb für ba6 görlifcer
nicht in einem öerfyältniffe wie ein @ericr;t 2. 3"ftan$ rjeutigen
Xaged ;n einem ®eriä)t 1. 3n itanv, fonbern man verfa>affte fta)
bort nur iRatl}, ber nun narr) belieben benufct, angenommen
ofcer bei *5eite gehoben werben fonnte unt) burdjauö feine
unbebingte, unumttößlia)e @ültigfeit hatte .*m befteu glauben
wir ba$ gan$e *8erfar)ren t>erbeutlier)en ju fönnen, wenn wir
einen folgen Stoffen <9te$t*fal( r>ter mittt)eiien. Der gall
betrifft bie gorlifrer £aibe unb ift ber aat>lrei<t>ett <5prua>
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Sammlung auf biengem iKatbbaufe entnommen. Söir qcben
Dae ©an;e tu heurigen 3praa)gebraud> übertragen. Ba>
banolung CJceajenberger £aiDe; #o. 9. 1499), wie folgt:
„Untere willigen Dienfte uitwr. ßbrfame, weife, be*
fonDere günftige grcuuDe unD görDerer. (£* ift gefdje^en vor
ungefähr anDertbalb hundert jähren, Daß ein äönig ;u 93öf)*
men, jorjannce Der Flinte genannt, etlichen (SDellenren, f&t*
bruDern von ^eujig, nacbfolgenDe £tucfe: Dürre £öl$er, fierienb
ober liegenD, Die tiefte Der abgehauenen Zäunte; Die Haftung,
mit Söiefen, Gaffer, einer l'acbe, „Der Noblen" genannt, miD
Den Dritten übeil De* (Sinfommen* von Den «erfefn auf Der
ganzen görlifcer £aite, welche £aiDe mit allen ©enüffen feiner
föniglidjen iWajeftät a(0 einem £erjog ;u ©örli* erNttt) §h*
geftanDen, $u erblia)em Sellen gegeben bat; unb Daß über viel
3at>re Darnach ein anDerer Jeimann, Wiefel v. Siedenberg
auf Jilitfdjborf, feine £aiDe, Jammer nnb ©üter an Der
obgemelDten gorlifcer £>aiDe gelegen, von Warfgraf Johann,
. alo «Jperjog }ii Ö>örli$ erworben ] unD erlangt: Daß it)m feine
fürftlia)e $naDe ein €türf Derfelben gorlifcer $atoe, von Der
großen Ü>fd>irnc bi* an Den <£id)clbcrg, fo viel feiner fürftli-
a)en ®naDen Slntbeil Daran betrug, für 100 6a)orf böt)mifa>er
©rofehen pfanbweife verfefct unD vcrfcrjrieben fflL ®* m
nun nadjmal* Derfclbe Wiefel 0. Siedenberg ober feine ©rben
Denen 0. ^enjig ifne obengefdjricbene ©eredjtigfeit auf Dem*
felben Stüde Der gbrlifcer £aiDe erblid) abgefauft, fo Daß
Derfclbe Scilla* 0. Siedjenberg unD v feine ^aa)fommen im
(Srblebn, bie auf JtaSpar 0. Siedenberg, Der beut $u läge
noa> lebet, auf angezeigte ihre SHbfunft Da« angegebene 6tücf
Der görlifccr £>atbe, unvcrfürjt unb obne (Sinfpruirj, gebraust
unD genoffen Ijabcn. $lber vor neben 3al)ren bat Der geftrenge
(Sbrtftopl) 0. lalfenberg im Tanten unD al* ^rofurator De*
jetzigen Jtönig* $cajeftät, waJ offenfunDig ift, £an* 0. Sie*
erjenberg De* genannten Äaopar'ö angeborenen Oettern ju ®utc,
Da* vorberübrte" Stüde Der görlifter |>aibe — mit 100 Scbotf
©rofa)en von gebautem äa*par v. Siedenberg ju löfen begehrt;
fo er it)m aber Die (*tnlöfung nia>t t)at gönnen woüen, au* Dem
GJrunbe, Daß ifjm äonig s2Jiattf)ia* löblichen «nbenfen* Daf*
fclbe Stürf görlifcer £aiDe, von Beuern erblid) verlieben batte,
ftnb beiDe Parteien auf befonberen 33efebl fontgltcfjer Vkatf*
vor Dem (öniglia)en Anwalt, Mannen unb 6tdDten Der^alb
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§u Otecbte gefommen unb haben beiberfeitä tf>re Schelfe unb
Sfaäwetfe fdwifttich \n Werirtu eingebracht , uitb bamit ttcf> bei
fem gliche Anwalt ^Rannen unb Stäbte, gcaen beibe Iheilt
bor SMUigfeit nach wußten halten, ^aben ne alle ber Par-
teien eingebrachte ©erecfjtigfeit, an (£uer \5 In tarn feiten gelangen
lanen, worauf 3br benn mit nachfolgenden 2Borten )u Oiedn
erfannt unb audgefproeften habt: „Da fetnedwegfl r urd> foldje
3krreicfuing unb 33elebnung bie <9erea)uqfett beä SÖiberfaufö
erfefeben ober verloren ift, foubern bie SBieberlöfung nod) bei
ber Ärone §n Böhmen fleht, fo muffen aud) bte von SKecben'
bera folche «£>aibe ber föniglid)en ^Wajeftät ;n Lohmen um
wiche b unbert echod, al$ ui ber Mw ber SBerreicrmnü mit
derlei bit n g gäng unb gäbe geweft, wiebereinjulöfen geftatten
unb vergönnen ic." ftuf folgen ergangenen Wecbtotpruct) unb
gethane (frinweifung bat ber föuig(id)e Anwalt btefer tfanbe,
auf Biatf) von Scannen unb Stätten, genannten (Sbriftoph
tj. Battenberg au5 föntglia)en ^rofurator in ba$ vorberübrte
Stücf ber gorlifcer £aibe unb §roei bortiae Jammer einweifen
(äffen, fo baß ibm auch bte bort wohnhaften Veute get)u(bigt
haben, roaö genannter @bnfiopb v. Hechenberg bat gefayfyen
laden. (£6 hat aber genannter tfhrittovb v. Battenberg auf
?old> ergangenen Wcebwfpruch unb gethane <§tnweifung , bte
erbliche (^ereeinigfeit , bie. Jtactyar Hechenberg'^ dltern unb
»Borfabren von betten v. ^engtg erblich gefauft unb welche in
bed genannten «jjerjog'ä $an$ pfanbfefcung unb üßerfdweibung
ni<bt begriffen tft, miteingewgen haben wollen, unb barüber
and) anbere jwei ^ämmer, nicht weit von ben erften gelegen,
ein? ic heu wollen aud rem angeblichen ©t nur e, äadpar v. 9te«
Osenberg fei burd) Hejefi verpflichtet, alle feine ©eredjtigf eit,
burd) welche er bie „ftrettiae 4?aibe" erblich ju erlangen
vermeinte, auf einen namhaften Xag einzubringen bei 93crfuft
ber Sachen, fo er aber nun biefe ober anbere feinen ©naben
wich wiegen unb nicht eingebracht habe, follc er aud) ber*
felben verluftig fein, Caspar v. Hechenberg aber hat fol<he*
nicht wollen bewilligen, noch julaffen, weil feine 15 Item unb
Vorfahren erft naci) ber angezeigten *ßfaubfe&ung unb Qkr*
fdweibung, ihnen von £erjog 3ot)ann gethan, bie obbenannten
Stüde unb 33ehörunge von benen v. ^enjig erblich gefauft
hätten, unb bewies, wie ftch'ö vor ©ertcht gebührt, baf bie
v. ^Penug länger benn 50 3afw juvor, biefelbe ©erechtigfeit
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bort tfönig Johann bcö genannten A>er;oaÄ Johann ©rofroater,
erblid) erlangt nnb befommen hatten, fo baß and) genannter
J^og Johannes, unb nad) ifym alle feine WacMonnncn,
önige ui Lohmen unb ^er^öge \u (S)örli$, bie angezeigten
(&cred?ttgfetten nie gehabt nod) in $fanb gegeben hatten; aud>
barum, baß bie an rem jwei Jammer nidn auf ber görlifyer
«ha irc, bie er in Titian gehabt, fonbern auf „Sommerifdjer
.paibe" gelegen hatten, weldje £aibe unb Jammer feine (Altern
unb SBerfabren mand)e£ ,\ahr Hnb lange $eil vcv angezeigter
^fanbfe^ung alä erblidjeö Vebn gehabt, unb auf ihn werbt
unb gebracht hatten, llnb wiewol er obgebacfyt mit Megefj
t>erfer>eu war, weil (Sfyriftepl) Xalfenberg'd Jtlage fid) nid>t
Weiter erftrerfte, a(6 auf bie «£>aibe unb Rehorn ngen, weld>e
£erjeg $an$ einfit 9citfel t>. SRedjenberg feinem 8elter*5$ater
verfemt unb auf ^Bieberabfofung oerfdjrieben hatte unb er foldje
au6 M raft ber s«Berleir)ung oen Jtönig 9Rattt)ia6, Iöb(id)e6 ®e*
bdctytntfj, erblidj ut haben »ermeinte, fo hatte er benned? and?
bie anberen erblichen <$ered}tigfeiten , wegen welcher er niemals
oerf (a$t, beten aud) in (Merid)ttM>änreln unb ergangenem
sKed>t(Mvind)e nie gebaut war, nid)t verfdjwiegen haben tollen.
Tenn genannter bbtittoyh t>. Xalfenberg hat burdj ©efannt*
fd)aft eine föniglidje Jtommifjten aufgebracht, weburefy er trofc
obiger Umftdnbe in alle bie twrberübrten Jammer unb 23et>o>
rungen fttll eingewtefen würbe. (§$ hat aud) ber fönigltctye
Anwalt biefer Sanbe, wiewohl ohne Riffen unb 23et>orwortung
ber Wannen unb *6täbte, ihn bie ($i*weifung thnn unb ra*u
verhelfen laffen. 60 aber Jtaepar 0. !fted)enberg beulte, ihm
gefeberie hiev SBerhtrjung, unb ba er twm föniglicfcen Anwalt
nittyt erlangen rennte, ba0 be6t)al6 ihm unb feinem 38u
bevpavt ein <$ertd)t<3tag angefefet unb ;n SRedjt mbolfcn
Würbe, hat er bie £aire unb bie Jammer wieberum einge-
nommen unb bie Vente jur ^ulbigiiug gezwungen, nidn um
etwaä, baö ihm bind) ren NedueM'prud) aberfannt war, ni behalten,
fonbern allein barum, raji er von bem föniglicben Anwalt
(fcanbooigt) biefer Vance, Xagfa&ung unb gejiemenbc Wedi tobnlfe
erlange, unb mit feinem iötberpart ni iKednöverbör fomme,
in bem sJWaa&e unb wie er felcbe* vor bem fönig(id)en Anwalt
biefer Vanbe Wannen unb Stäbten, öffentlich gefprodjen unb
audgefagt habe. C>o haben aber bie gemelbeten O'tyriftopb
ren Xalfenberg, unb «£>an$ unb Wfolanö Keyenberg mit
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\%xtw geifern, au$ eigener Waa)rooUfommenr;eit, ebne ffiijfen
uur Befehl itönigltd}er Wajeftat uud ber Jerone \\\ Böhmen
ein rdftged $olf oerfammeü, mit ^eeredfraft ausgeflogen unb
bie befagte «öaibe unb Jammer eingenommen, Darauf einen
Xabor*) unb neue ©efeftigitug, ebenfalls wiber tiefet £anbe
unb c tä r >te $rioilegta, gemalt, Hnb Diefen neugebauteit 1 aber,
mit einigem Üriegdoolfe, worunter aua) oiel offenfunbige unb
»eitberudutgte Strafieuplacfer gewefen ftnb, befefct (5c haben
ferner Einige tum bem Xabor, Dem genannten äao>ar fliegen*
berg an feinen Gütern unb beuten, bie in biefen gcridulidum
Äneg nidjt gehörten, großen Schaben uigefügt, barurd\ Dafj
jie ihm feine äeietye abgestochen unb gefttdu f>aben, aud> rap
fte feinen beuten in feinen (Gütern unb ©erid)ten einen £Bageu
mtt £>eti oerbrannt, brei Ddneu genommen, auf ben l\ibor
getrieben, bort gefa)lae)tet unb t>er$er>rt fyaben. ftnb über*
Die* (Einige barunter vom laber gegangen, unb haben bie
fentglicheii €>tra(?en merflid) beraubt unb be/d)äbtgt. S55ie nun
foleb Ibun an beä tfonig* Wajeftät, unfern aUergnäbigften
£errn gelangt ift, bat 2e. Wajeftät ben föntglia)en Anwalt
Diefet Sanbe, beägletajen Wannen unb oiäbten ernftlid) ©efef)l
gegeben, äadpar Diedenberg unb Gegner auf au; ine neu rem
*Red)tötage über alle ihre @)ebrea)en leieehl auf bie Jjpaupt
fad>e ald and> auf bie angezeigten jufäUe unb «öuurei bejüg*
lieb, ut verhören unb ohne öerjug redHlid) ra nie er \\x er*
tarnen. „®ir verfebeu tnw au<t), ran £oldu\ benen thie
3&aare unb .ftaufmannäguter auf fouigliduu (Strafe genom*
men ift roorben, auf angelegten (Mendnotag femmen unb
auf (frfenntnip beö toniglictyen Anwälte Wannen unb 6täbtett,
fe&cn werben, ob nidu Diejenigen, weUtye ihnen ihre ffiaarc
und ÄaufmaunSgut auf ofener fonigliduT Straße genommen,
bie vom laber gefommen unb naa) ber ihat wieber Dorthin
juruef gefehlt ftnb, feien fte nun in eigener $erfon ober bura)
ihre Dam »erorbneteti Untertbanen, mit gewaltiger unb gewapp*
neter «£anb an benfetben Ort gebogen, folgen laber ebne
Riffen unb Befehl föniglia)er Wajeftät unb wiber biefer fcanbe
Privilegien gebauet, ober folgen ©au ui tr)un mit ©ewalt
gefordert fjaben, naa) iXea)t oerpflidjtet unb fdjulbig fmb, ben
•) Xabot, eilt j«r £itfiten$eU in 9§i>f>men enlftanbfüft ff fr« Drit
r
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gemalten 6a)aben $u benötigen imb *u bejahen." <5o wir
nun gern fäfyen, ba|j unfere greunbe, bie auf angezeigtem
©eriebtötaa neben bem tonigücben Anwalt Mannen unb
6täbten, im föecfjt ftfcen follen, ©rünbe hätten unb wüßten,
wa$ fie in biefem galle für 9fcect)t erfennen follen, fo ifi
unfere fleißige unb freunb(ta)e 33ttte, 3br wollet biefe uitfere
©djrift, bie wir eilig f)abeu abfaften laffen, burebgefyen, unb
und burd) (Suren gefcrjriebenen *ReO)t$fprua) *u erfennen
geben: 1) ob ftd) itadpar Siedenberg Üraft be$ verpönten
WejeffeS, feiner (5Jered*tigfeit, bie feine (SUern unb 95orfar)ren
erblia) getauft, unb mit Skrfafc ber «£>aibe nicfyt verjährte,
begeben fyabe unb berfelben r)infort verluftig fein foU, ober
weil feineö ©egnerä Älage unb alle ©eridjtäfyänbel ftd* nur
auf bie verpfändete £aibe unb ©eredjtigfeit erfrrerfen, ob er
burcr) ben ergangenen *Recr)täfprucr) an feiner ©ereajtigfeit, bie
feine Altern unb <ßorfar)ren, vor SBerpfänbung ber <$erecr)tig*
feit, auf berfelben $aibe erblich gefauft unb alfo an fta> ge* •
braa)t fyaben, ungefäbrbet fein foll? 2) ob er nidjt nadj
6 ad) läge bie ,,<Sommer'fa)* $aibe" nebft ben beiben jammern
baraHf, al$ erb(id)e6 2ef)n unb ®ut, ba$ feine Altern unb •
9$orfar)ren, vor vielbertifyrter *ßfanbgebung gehabt nno alfo
auf ir)n gebracht baben, im *Reebt vertreten unb verantworten
möge, naher unb eher, als baß ihn ber ergangene Mcduofvrucb
baran binbere? 3) ob bie (£inweifung, fo ber fönig(ia)e Anwalt,
auf föniglid^er äommiffton unb bei* gartet Unterweifuna er
gangen, obifc SBijfen unb 93evorwortung 08olwort) von Wan*
nen unb Stäbten, bie boa) nacr) biefer £anbe$orbnuhg neben
feiner ©naben in biefer <Sa«V \n <&erid)t gefeffen unb erfannt
hohen, gerb an hat, jtt sKeclu beftehc, unb ba er alle bie an«
geieiaten «£>aibe, Jammer unb ©erea)rigfeit wieber mit eigener
vRaty eingenommen r)at, ob unb wafl il*m fold^ed vor Qkxity
f (baren fann, ober, weil bte (Sinweifung nidu nad) rechter
Orbnung unb Vütberfcanmcn biefer 8anbe, unb vielleicht über
ben ©prudj hinauf gefrf)ef)en ijt, ob ihm fokr/e (Sinweifnug
ba er bie «ftaibe unb Jammer fd^ließlia) wieber eingenommen
r)at, *u wrfyör unb ?Recf;t$erfenntnij? fommen mödjte, nid)t
barum weil er etwas ba6* ifjm nad) 9iea)t abgefproa)en war,
behalten wollte, nidjt in 93etraa}t *u jiefm fein burfte? 4) ob
(Fbriftüvh t*. Callenberg, unb §an$, fowie Wiefel v. 9ferfum
berg mit anbern ir)ren geifern nad) 9lea)t pflia)tig unb fa)uU
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93
big flnb, Äaäpar v. iKed>euberg unb feine Verne, bie in biefen
@)erid}tdfrieg nicht gehören , reu &ugefügteu 5$aben an gifd)en,
CcHcu, 6eu unb SBagen nad> sii>erth mtb rerhdui- Xare
um et er ;u entarten unb in wie weit biefelben fi>ld>er grevelti)aten
für ichuiDiq uj erachten ftnb? 5) ba einige auf bem Xabor
gelegen unb von bort au6 bie freie fonicjiidje Straße, forme
reu .Raup unb jubrnuinii befctyäbigt uttb beraubt haben, unb
nach (ölet) er Xbat wieoer ton hm cjcfo muten ftnb, ob uuht -
(ihruteph v. Battenberg, £an$ unb Wiefel v. Diedenberg unb
alle ihre Reifer, bie in eigener sJkrfou ober tuid) ihre baju
-er in mete ii Untertanen, mit gewalttätiger unb gewappneter
jSanc foldwu Xabor ohne Riffen unb Befehl föniglid^r s»ta
leitat unb wirer tiefer Vante Privilegien gebaut, ober jene
£eute &u tiefem Thun mit Gewalt geförbert haben, nad} vKcdit
rcrprlielHct unb |'d)ulbig ftnb ben $efd)dbigten iiuen erlittenen
■Schaben naef) ^OBcrtt) unb nötiger Xare \n eiferen uno vi
befahlen, ober waä hierin töecht fei? I an 3hr (Sud) tiefe
SRüfye nicht verbriefen laft, wollen wir um Onei (ffyrfamfeit
mit unfrem freunblid;em I)ienfte willig unb gern verbienen.
begeben unter unterer 3 tan Siegel, am Montage nad) Van
retuii im 3af)re be* £errn 1499"*).
„hierauf fprcdwn wir 3 d) offen &u 9Ragbeburg Btedjt.
©o <£fyriftiau v. Battenberg vormatö mit «Kaspar t>. Dieken* •
berg, über bie $aibe, welche £ert.og Johann ben Äedjenb er-
lern mit 100 3d)od wietei ablösbar, vertrieben hatte, allein
im 9ied)t6friege gegangen, alfo, baß Srjriftopt) t>. Battenberg,
bemelbteu «Kaopar v. Diedenberg nur wegen ftblöfuna berfelben
£aibe allein angefdjulbigt ha<, bort aber wohl beraelbter Stai*
pax v. SRedjenbera mit bem s2t*ietertbeii alfo burd) Diejefj ge*
bunten war, alle feine <&ered)tigfeüen ju übergeben, bei &erluft
rer 3ad>e, werbe er bennodj feiner anbern ©ere<t)ttgfeit, bie
er an ber anbern, von feineu Voreltern vormald von ben
$en$igern au ftch gebrauten <£>aibe, benen fte von Jlönia
Johann bem Klinten tnn fchn eben gewefen ift, wenn er aud)
feine @ered>tigfeit auf biefelbe £ait>e iüd>i mit übergeben fyat,
'). €>o »reit fleht bie ©cfctjidjttUqahluu^ , $eü>ei*aufnaf)uie unb
ftragefteUung ber görlifcer ©djöjfen, meldje in ©örlifc gefdjrieben ifl am
12. 8iiguR. ^«Rfölflt ber (Sprudj ber SHaabeburaa, unmittelbar untet
«
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I
9 t
nacr) Hech* uicr)t fällig. 9iach ©erlauf beS ergangenen Hecf/t$*
fprucf/a if* ihm aud) an berfelben £aibe, bteweif joldjer ©pntcf;,
auf bie aubcre von ^erjog >hanne$ verfcf/riebene Jftaibe ftttx
begeht, fein (graben anzufügen, fonbern, ba ber obgeuannre
Jtönig Johanne^, ben Reinigern mib ihren (£fben erblich ver*
trieben ^at: bie bürren £öljer, jteljenb ober liegenb, Sfefte
ober abgehauene Bäume, Wafhmg mit Buffett ©ewäifern,
Sachen uub bem brifrcit Xheile beä (finfommenä von ben
Werfern auf ber ganzen görli^er öaibe aW erblid>e Sehen ;u .
beftfren, bie Hechenberg aber bie* in berfelben 5öeife von
ben *)3enäigcrn an fid) gebracht ^aben, unb biefer (Berechtigfeit
über bie vorerwähnte £aibe in ben früheren $änbeln fowoftl,
alö in btm ergangenen (Sprudle niemals gebadrt ifl worben,
fo hätte aud> ber fonigliche ftnwaft ber Sanbe bemelbten @r)rifroph
v. Callenberg in bie oberroä()nte ^aibe unb Jammer nicht
feinem @rbfaufe, bei welchem biefe £aibe mit ber ^erfajfung
unb ben barauf rubenben Hechten nicbt inbegriffen nod) Qitt»
jugejogen war, fjinberücf; unb fchäblid) fein utufjte; unb ba
Hed)enberg biefe feine J^aibe unb Jammer überbieä wieber
eingenommen, in ber $(rt, bafj er \\\ Reiher unb Hebräer*
fenutmß barüber fommen will, fo ift er beöl)a(b Hiemanbem
verfallen. Gbriftopl) Xalfenberg aber, welcher bre $ctit>t
unb bie ^ämmer barauf mit gewaffneter .haut wiebtr einge-
nommen, einen %abox bafelbft gebaut, uub bamit £errn
ÄaSpar v. Hedienberg fein (figentrjum unb erbliche ©ereebtig*
feit wibcrred>tlicri genommen bar, mujj bem bemelbten uaöpar
v. Hechenberg, bie (Dcwähr berfelben «£aibe fammt ben 4?äm*
mern unb allen 3ubehörungen, mit 95>ette unb Süße, wiebet
abtreten unb einräumen, aud) uberbieä ben gebauten $abor
wieber abbrechen, unb fieb bann mit bem bemelbten ,$a$par
v. Hechenberg, wenn er an berfelben £atbe einige (Berechtig*
feit unb Änfprudje \u baben vermeint, auf Älage unb Änt*
wort befcheibeu unb richten (äffen. SBon Hed)t$ Wegen.
gerner fpred)en wir, €>cr/öffen jh SWagbeburg in ber
Sache weiter Hed)t. Da (Mniftoph *>• Battenberg, auch Sja\\#
unb Hirtel v. Hechenberg mit anbeut geifern ju unb von bem
obgenannten $abor, bemelbtem Jtaäpar v. Hechenberg unb
feinen beuten, an %i\d)m, Cd) feit, £vu unb 3ßagen, (Schaben
zugefügt ^a6enj femer, ba etliche von benen bie auf bem
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»
95
%*bm gelegen, wn bort aud bie fon14l.dK (Strafe, fowte
Den Äüur nur gubrmann befdjabigt nub beraubt haben, unb
na* Oer Srjat wieber borten aefommen ftnb, l>at Gl>r#o*b
t>. Callenberg, wenn er mit »edjt beffeu befd>ulbigt ijk, e*
ewgeftebt rnib fidi ba*u befennt ober beften nueb bic 9öe*
fAtoi^tcn, rote Mctycn*, überführt (obirwtmnen) wirb, einem
3eben feinen erlittenen ecfyaben, nad> bet JHägcr 3d>aeuug
ober best lieber fen läge reo @erid)tö, 911 Labien unb wieberju
ermatten; biejenigen aber wcl^e ben Xabor haben Reifen bauen
aber aufridjten, »erben foldjed H)un* falben, wauägefefrt
ba* fte bei bem €trat*itraube (nc^me) nidjt zugegen gewefen,
mcb( für fd^ulbig erfaunt (iitc^t t>orfaUcn). «011 »edjtewegen.
^erftegelt mit 1111 feiern 3nficgel"
3n ber 9ia^e ber 2>ingjiait, im Kaftfyaufc befanb fid>
• bie „Solterfantnicr, SKarterjiufrf." 3» fie würbe ber 3*qitireni
gebraut, wenn er „in ber ecrjArfV befragt werben foüte, wad
ter gaü war, wenn er nid)t „in ber Öhite" gejiaiib.
taö magbeburger ttedu, nadi weldjent in Worliö fett
bem ,\abre 1305 mit (Srlaubniß beä tfanbedberrn, bem s^rand>e
nnb ber Oteirobnheu nad) aber unzweifelhaft fd>on vor btefem
3abrc, geridjtet Würbe, ift enthalten in bem $ed)t*bud?e, wclcbeö
bic ctart ®ortift im 3. 1304 von ben sdjöffen w 9»agbe*
bnra erhielt unb wcidjeä no<r> benre auf bem JXatbfjaufe vor*
b an reu ift.*)
3>*r 3nfralt biefer @efe$fammlnng unb »ecfjteorbnung iffc
auer u brlid) angegeben bei £ d>et$. **)
*Mr befrfnaitfen und bin- nur auf eine fur$e lletarftcbt
ber 9iecr?r6föüef welche oor bad ecr>öffeitgcricr;r gehörten.
abgeurtbeitt würben bort: Jtdrpcn>erlc$ungrn, 9Rorb,
Xiebftabl, ?Kaub, wirerred>tlid)e unb unbcredjtigie 93erf)aftung,
SXorbbrennerci, »ranbftifrung, »otl)jud>t, $macft, gäl|d>ung,
Unglauben, 3aa*crri, «ergiflung , 6elbfrmorb, $riebbrud>,
6lr apenraub, 9krle$ung bc* £au$recrjtei, unerlaubte gcfjbc,
U lun dn unb Unfeufdjljeit überrjaupr, «Uineib, Äortbelfcu ®*
ddueter, (Sntfufjrung au* bem ©ericr/l unb gewaltfame 8e*
freiung befangener, »efjerbcrgung beamteter, iBerfpotfung be*
ttatlp* unb ber ©Höffen, Scrjmäfcreben auf bie Dbrigfcit,
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96
aufrufe, Verläumbung u. f. w., fon>re über alle Sflle ber &iv>iU
©eridjtdbarfeit unb reo bürgerten VerfefjrS. 3nt Statte
würben wn ber Sd&öffen*$btf)eilHitg bie 9ted)tef)änbel fämmtlidj
erlebigt. »eru^gte fi* 3<manb beim @»rud)e ber Stoffen
nidjt, fo würbe nadj sJÖtagbeburg an Die Stoffen ober an ben
Jtonig getrieben, welche ©eitläujtgfeiten freiließ bie tfofteu
ber ^rojeffc fel>r ersten.
Stuf ben mä\tm ber oben genannten Verbredjen ftanb ber
$ob, auf welken man aud) gewöfynlid), wenn man bed Xl)ä*
terä t)abr)aft werben fonnte, erfannte, unb ber burd) ben Strang
ober baä Sd>wert vollzogen würbe, ^inridjtungcn mit bem
Schwerte WMrben gewöf)iilid> auf einem ber tyitye ber Stabt, .
auf bem «£>ering$marfte, ferner in ber ©egenb ber Söaagc, vor
bem ^Kathbaufc unb auf bem Untermarfte »otogen. 3ur ^
\dnc(t[uu] für bie übrigen rief ein ?Katboherr ba$ llrtel auf
ber «Ridjtjtätte mit ben ©rünben beö (Srfenntnijfed au*. £in*
ridjtung mit bem Strange erfolgte am ©algen.
3)er ©algen war int Selbe auf Subwigöborf ju. 1432
ftanb ber ©algen unten an ber Steiße, in ber 9iäf)e ber ©olb*
grübe. (Sr würbe in biefem 3al)re vom großen Gaffer weg*
griffen, wa$ 1442 abermals geföah. darauf ließ ber $atf)
einen ftetnernen ©algen auf 3afob ^üttner'S ©runbftütfe an
ber ^obe erbauen. 31) in würbe bafür vom "Mathe ber $\n&
erlafjen bis auf eine £ufe l'aureo. . 3afob $üttner'd 9tad)
folger, Martin Sdjlrife, t heilte ba$ ©runbftürf in 19 ©arten,
wonadj nur ber ©arten, auf wcld)em ber ©algen ftanb, ge*
fdjoßfrei blieb. 1710, ben 1. Dftober, würbe ber ©algen, an
weldjem 56 3af>r 9ciemanb gegangen l)atte, wieber in Staut)
gefefrt Die Straße na<$ ^ubwtgdborf führte früher ben
warnen: ©aigengaffe, welker Äame juerft im 3. 1432 vor*
fommt, unb tyeißt feit bem 3af)re 1849: iÄotfyenburger Straße.
£nbere Strafen waren Ääbern, Verbrennen unb Menbig*
begraben, boeb ftnben fut wenig Änbeutungeu , baß folcfye ge*
übt worben feien. 8ud} baä Vierteilen, bei Stabtverrätfyern,
fam vor unb würben bann jur Sfbfdjrerfung bie vier Stüde
be$ getdjnamö an ben £aupt*Stabttljoreu §ur Sdjau geftellt.
3n allen benjenigen fdjweren Sailen, wo man De* Verbre-
djerd mdu habhaft werben fonnte unb bei leidueieu Vergeben,
wie lingual, betrug, falfdjer Angabe beä Vermögend u. f. w.,
trat bie »etyung ein. 2>ieje Beßtung ober »d>t bejtanb bann,
. •' - ♦ • *. /
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U$ ber (Beamtete au* ber Stabt unb ihrem ©ebiete gewiefen
nuD bei Obre oerluftia ging, Bürger Don ©örlifc <u fein.
Urfpränglidy hatte bie «eebtung feine grojie Iffitrfung, benn ein
p Utrufc @eäa)teter tonnte ft*, o()iie baß bie Stabt etwad
jagen burfte, l 58. in fcauban anhalten. Da bie SBirfung
neier (Siujel;&a>t nun aar niajt ben erwünfdtfen (Srfola hatte,
trat im 3- 1339 056rCt$ mit ben Stäbten $re*(au, Slogan,
Seuaarft, $au$en, Samens, l*öbau, Streben unb Chlau in
einen »unb, wonach ein in einer biefer Stäbte ©eäajteter and)
in allen ben genannten Stäbten unb ihrem 2Beia)bilbe fia)
nidn nieberlajfen Durfte. lOiit ber Stlbung De* fed^ftaDtiidum
SunbeS im 3- 1346 trat baffeibe <tterf)äUmj? für alle Sea>
u arte ein. Barett 8ua,ri|fe auf ben $unb al* folgen ge*
fa)el)eu, fo «erhängte btefer unter feinem Warnen Die Vi du;
unb ee Inejj bann: „er ift in ber 8ea)öfiäbte sMn." 3m
3. 1355 »erorbnete Jtönig Äarl IV., bap Der SeajSftäbte S(a)t,
gleidjbebeutenb ber von ihm felbjt audgefproa^enen, „be<3 Mo
uig4 ?ldu" fein foUe, wa* bem SSunbe mein SBebeutung gab.
(ya fommen SBcifptclc »or, ba? bie Ka>i nur angebroljt
wurbf, gälle, baß, nad* einigen 3af)ren Stabtserweifung, gegen
eine ©clDbufe bie 9tücffcfyr geplattet warb; gewöbniid) aber
war bte iHdu auf Sebenejcit aHägefproajen, unD nur wenn ber
Siebter im ©efolge bee Jtonigt in Die Stobt r)eimfel)ren
tonnte, würbe er wieber als Bürger angenommen.
2öer iu be* Äönigd unb ber Sca)$ftäbte &dj)t fam, »er*
Ipr alle feine ©üter; waren e* gehen, jog ber Äönig fte ein;
hatte er @rb'<£igentl)um/ sog ed ber Statt) ein.
©urbe über einen, ber in ber (Uewalt bed Natbcö war,
bie Bajt audgefprodjen, fo mufjte berfeibe erft „ürfehbc fa)wö*
ren," b. h- geloben, ba^ er ftd) wegen erlittener (Strafe nta)t
rächen wolle, unb Dann wurDe er auö ber Stabt biä an bie
(M ren;e beS 3öcta)bübe$ , Dura) ben genfer geführt. tHu t< ei-
tern SCudDrucf: „bie Stabt Derfagen," „bie Stabt ocrfdjwöreu,"
fommt lateinifch bad ©ort: „proscribere" oor. s3)*an fa>ricb
über foldjc gälte wenig nieber.
liefen Strafen ftauben nadj bie Strafen vi $aut unb
£aar. 6(3 fonnte bie £anb, ein gütjjer, häufig ber Baumen,
bie Dljren, abgefdjnitten werben. 23ct 33ranbmarf ung würben
bie £aare abgefdjnitten, wag als aroje Sa)anbc galt, ebenfo
bie öffentliche 3w*«gung m$ ^B^^ ^ **W*m <™
9cfdi tdjt« wen 9örli|. STAADS"* *
3IBUOYHBK
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98
£al$eifen, welo>* bi« 1569 an ber Söaage, feitbem amSa4f>*
häufe angebradjt war.
3n vielen gälten würbe ©elbftrafe: ,»n$t" befahlt.
Stußer biefem fönigliO)en ©eridjte, beftanben auf jcbcm
Dorfe @erid>te, welche aber nur Heinere, niemals &<fpital*8äUe
abzuurteilen hatten : Sanbgericfyte OPatrimonial * ©eria>te),
,,9tügegeria)te'' genannt.
Die ©rbnung be* ftngegertd)t$ *u ©örlifc, Dom 3. 1418,
weift naa), baß von jebem ber ba$u gehörigen, naajftef^enb
angeführten Dörfer ber ftidjter unb $wei 6a)öffen, in i$x*
mcingelMng eine* sJNd)terö bic älteftcn dauern, aUemal am
(Sonntag tfätare in bie 6tabt fommen, bie ihnen befannren
©efcfrüberfdjreitungen anmelden („rügen'') unb vor ben fönig*
lidjen ftid)ter bringen mußten.
Diefe* ©erid)t ging ein mit bem 3af)re 1562, al* ber
^önig bie Ober* ©erid>töbai feit ber 8tabt entzog.
SBelrtje HuebeljnHng ba$ Bericht f)atte, mib wie groß
fein Bejirf war, ergibt folgenbeS ^erjeidjniß ber Drtfcr;aften,
Grubeliu**) a. a. £>., 6. 69 ff.:
&rn$borf; %[% Sernöborf (Sernbarb**
Söalbramdborf (ob. SeUmann** borff ;)
borf); ^ernftabt ($ern$borff);
SBarutr; ; £>ber $ertbel<ftorf ($ertot*borff
33ar*borf; sup. Beinamen: Ungetreue,
DeutfaV (Dber ) Gielau (Bela aufm «gen, alben, #er*
Teutonica) ; telSborff);
lieber Gielau (Bela slavica): $ieftg (93efag, SBefaf);
üBityain ($el>ai>n); ©roß* unb Jfrein*»ie*nie;
SefamiSborf (lag am 3aner* $ifd)borf (93ifd>offeborff mit
nirfer $erge unb ift 1429 bem 3ufa$e: cirea Keiften*
von ben 4>uftten ber (frbe hart);
gleia> gemaa)t, nie wieber $orberg ($ode$berge) ;
aufgebaut worben); 9iieba ($oran bei &eba);
»ei»i|; ^rießnifc, Sriftg (Srefewicj);
Berna (Bernau); $röfa (33riftn);
*) KftffM in ber laufi&ifaftt SWonatafdjrift, <8anb f. 6. 342 ff.
" U f. 85 ff.
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»0
SraHdfe (BruScfe);
Sremerttjain (Bromiiennain) ;
$udn*ato;
Suba bei älein^Jcabmerifc;
(Sana;
Glitten, Glitten (Gfetin);
Stelm (Golmen, SXoima, Äo(-
nron);
Äwibcrf (Gotirabi*borff,
GonräDorff, Gunrtfborff, mit
bem 93eifa$c: 6dbenberij) ;
Ämincrdborf (vorige tarnen
mit bem ^eifafce tixca <&v
benhubea);
tfortmy,
Goftaia;
äoberdborff (Goffir*borff) ;
Ären^eldDorf (Grinfleteborff) ;
GromelSborf;
Ärif cr>a ;
©ro^Äraufctye (Croschin an-
tiqua, magna);
Äletn * ÄraufdK [Cruschin
parva) ;
Grobnifr (Gröbern*) ;
Greba;
Guna (Äunaro, ÄHne);
Gunnerroie;
Äi^er (Guwfera,
Gopfer, JtoMer)?
3obel (Gjobel);
DaHbty (Daupj,
Dato*, Ducj);
Defctyfa;
D'cterabacr) ;
Dittmaröborf; .
Doberö (Dobra, Dobirrodä,
Doberroies);
Döbfcr/ü$ ;
Dotyenrifc;
Giipra,
£f)omfj (Dornig, Dome);
DornrjennerSborf;
Drena, bei @ro0rabif(r) (Dre-
naro) ;
Dürnbach
Diebfa ;
Gberäbad} ;
$Uilf)dmfneittf>al |(Gfe(*bergH
Grid)*borf (ftef>t in ben Re-
gistris villarum immer *>in*
ter Gber*bad>);
grieberäborf;
Rlordborf (giorö;, glorin**,
gloren#borff, mit bem S3ei*
liamcnsuperior et inferior) ;
9*tfo* (Sorfricbeu, and)
Älein- Sorten);
«Bogtäborf (gowtfborf);
©ebd^ (©ewdcjia,);
©efjege;
©ernneSborf;
©erdborf ;
©eibdborf (©e^bicjOborf);
©erlad^ljdm ;
©lehrte;
©loffen; * '
©nrig (©orf, ©orifl);
©robi$ (©robiö, ©rabf*);
©runa (bei <£d)reiber«borf,
prope Scribersdorf) ;
©mna bei 6d)önfelb;
©utte (©utttn ober ©orra);
©o^voifc bei ®<fröp$ (@nfta*
totq);
©ünrtjerSborf;
talbau;
albenborf bei 6d>önberg;
»ammerftabt;
Ktltgenfee ;
lermerSborf (£dwri<^iorf);
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400
>rf (£erman$torf)>
lerbigdborf bei Söban;
>eiber$borf (£e9biurid)$torf) j
indjen (£et?nid>in);
>über$borf (^püberdtorf,
serStorf ; «ftübewigStorf) ;
£oltenborf (Volenti uborf,
latinborfl, £otientorf);
>orfa;
>aug$borf (£ugi$borf);
i ab m cn ;
3änfenborf;
3auernirf;
Jteule (Stank) bei 9)iuöfau;
Äemnifc ($empmcj) ;
Jtiediingäroalbej
^idlingSborf;
£>ber* unb lieber *$ieäborf ;
tfirdtftabt bei etenfer;
äittlifc;
ßlingcwalbe;
^oberöl)a\)itj
©oföüfr («ftoföicj);
tfofel;
ÄbSlifc;
tfottmaräborf (JlofcmerSborf,
JtoSmarätorff);
tfömgdtyain (oft mit beut 3«?
fa$: auf bem ©ebirge);
Gtafdjel (Jtofdjeü . au$ $0*
fdjcle bt> beu #ctin);
tfortennq;
.faupe;
.ärifdja;
Jtreba;
SRieberfyalbenborf bei 6d)6nberg
(Jtttqal,aud; iturfraget);
Jhmborf;
Langenau ;
Scuba (Sawbc, Sube, fietvbe);
Sautty;
SewtolSfyatyn) j
geilen j
Seippa;
Senifö ®M*
Semifdjaw);
Sefdjroifc (£ed)ett>iq)k';
Siebffein ;
Sinba (aud) Xüia);
Sickenberg;
Sifja (Seffe, Seffm circa $eucf,
Scqin);
Siebein (Sobelin);
Stltin * Siebein (itlein * Sobi*
*in);
Sobe (Sfllobe);
Somnifc (Somaq);
Subwigflborf;
l'auterbad);
9Raff$Wi$ (Walef^eiDics);
^eHfd)tt>i$ p3Raufd)enicj,
9Rawcjcniq, SNuffcniq,
5Dicfd>n>kj) ;
9Reufc(iM$ (Ilttt>fefo>tq, 3Rh*
fdjelroiq, SRujtfwiq, 3Wi$;
lan>icO ;
9)carfer$borf CäJtarquarSborff,
9){ areferö ; 3Jcargwar^borff) ;
«cengelöborf (SÄengeröiorff)
bei 9teid)enbad);
9)celaune (3Neran>);
§o$tiTd) (9Kelin*iorff, 3Reli$*
torff, ^elanätorff;)
Wilde CJHicfaw);
«Ritylrofc (SRilraföj
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101
^)lü(f enbamt ;
*Jcublbc(f;
Imfas;
#00$ (9fan>$, Siatris, 9fe?
bi$);
Wccfca (9ted>au);
Bieter- 9?eimborf (Sterrnbprf
circa Rotenburg);
Ober ^eunberf(^en>nbcrfrirca
G$cbcl) ;
&lri!t'9iftinbcrf (-tfenmborf
circa fcanbtecrcn) ;
Sterrmrorf circa (Bruna ($0<$*
ftreft) ;
9teu'äretfctyam;
9ceunammcr;
$ifla$borf;
fliefrifö (Wcfero«, XMMI);
9cecr)ten (Wcltbin);
Neubau« (mwen bwje) ;
i?rcrni$ (Dbfrnfq, Drern);
älein-Dctenifc (Osin parva,
erer rcentgin £>.);
©ternaifc (Olff b^ bemGolme);
Defffä (Cleuljtn);
Oppeln;
UWmann^orf (Ofmborff);
SBeRMMirffig (Ossec slavica);
DcurfcbeiTtg(Ossectcutonir.i ;
Cttencorf :
<l<aul*borf;
^ecfjern;
^emiijbammer;
^etereijatn,
^faffenborf bei gauban ($faf*
fenborf circa ©Dönberg, bty
ben Suban);
fem^faffenborf (b» ber San*
bf 6cronj ;
*ßorbe bei *Rcia)cnbad) (<ßerrob,
gerrere);
^efettrnborf (*ßofenan>, *Pofe*
ntq);
«ßrtbu« ($rebec*, $rieb*);
$rad>cnau ;
*Hpberofa)e (*ßonbercfe);
$obli(f;
Onifcborf (Onirtenberff, Ouifc'
borf bx> ber Defe);
Duoteborf (Jtol6*, Äofenborff,
Quolinäborff);
$acr)enau;'
ftabifa) (ftabeSc^attO;
9tieberf)eltenborf am $erge
(»Habeberg 1390);
fRabmerifc (@ke$*9tabniene,
magna by der Nysse);
jUein*Wabmeri&, parva by
Glossin;)
ftaufaja CJtatr^fa);
fteninie (ftarctbenifc, Wufyc*
nicO;
RetyeittaA ;
Weber * fteitfjenbacr) (fteieben*
baa)6borf);
<Reid>n>a(be;
föengerflborf;
ftenneräborf bei 3i«au (ften**
torff);
9Hrtf4eit (Wtftyci, 9Wfa)iit,
«Rotenburg;
£ber* h. Wteber'ftubeftborf;
ftaHfdpalbe ( 9*ua)em*a(be,
«Ruftymralbe);
Digitized fe^LiOOgle
10*
9tupper$to>rf (muppred>töborf) ;
lieber - $eid)manneborf ;
©alomonSborf bei ©örlifc;
(Särgen;
.©djeiba; (©djibe);
©djönberg;
Ober- Hiib lieber ;©d)ön*
brunn (©dwitborn)*,
©cbönfelb; ©<rni&enr>aw
©ee;
©ererje}
9Ut*©eit>enberg (©. alte);
©eibenberg-,
©icbenfjufeii bei ^unnerdborf;
©eiferöborf (©tjfcreborf vor
ber «£>et>be);
©cfylaurotr; (©lawrotr;, ©(a*
©d)tieüeRfnrrr);
©clatib;
Ober* unb lieber* ©ofyre;
©onrteiftg
©pree;
©preewifc bei ©ee;
©tangenbain;
©launcrpifcr);
©reinbadj (©tingbad)); .
©toljenberg ;
<stoUenhawi ;
©obernifc (©uberntq, ©on>*
berniq) bei @)ebel&ig;
©rrawalbe (bei ^errnbutlj);
Xaudjrifc CXauct)eri$, XljaH*
roS, Sparte);
Xiclty (Xelcj, Seite*);
Xetta (£ettan>, Xett, Jcleitt*
2f>ece);
Xbiemenbarf;
£eict)a;
3>efd)fa (Xcfdjfaw);
XcrmerSborf (XormelSDcrff
bei 9totf)enburg ;)
Xrebiiä (Xrebiä, Xreb^c^);
XraMau (Xrappte(att>, Xrap*
(enarc);
Xroirftfyettborf ( Xrorfdjenborf,
£>rofd)eniorf, Xrawfdjen*
borf);
Xcrge (Xurgaw);
Uftyß (Ugeftin circa ©robe*,
Dp*, Ugidf);
£>ber4lUeröborf;
$ierei$en ;
SBar$a; siBeiftenbcrgi SBcrtoa;
müh (Söelcfaw, S^ldo»,
2BcUtfan>);
SBanifdje OBenfcrmn), SÖeirr*
feftaro, 2ßenif(r)o, Statt'
fd)an>) ;
ü&eigerdborf (Sßigcfoborf, 2öi*
ginäborf) bei ©rofj'jKabifcr) ;
Söiefa (2Öife, 2ße$e);
3entenbor(;
3*>blt^ (3obo(H$f, Gjobilifcbd,
(pöbelte mir berr 3Hfä&en
circa *Reid)enbad) . u. circa
tfittlifc, circa 2obe); .
3obel;
3oberniJ;
3wefa (3wefaw, &Mfau,
(S^tvicfau, (^weefau);
3ef)rbeurel (^erbeucel) bei
3ibeüe ((^ebelle) bei SRuSfau.
1
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»
^weites Juri).
Seit »tgrünonng tt* f«*8jWbttf*en »nn*e* 6i$ o«f
bot «pönfnff (»on 1346—1547).
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•
t
(?rflfö Äopitr l.
Ü>ie (Drunbung beö 93unbe$ ber 3ed>6jtäbte in ber
Dberlaufifr unb ba6 $erl)ältni# ver 6tabt (Uärlifc
ju bemfelben. *)
Siefen 93unb fa?(offen bie (Etäbte kauften (93ubifjin),
@örli&, 3*^U/ fcöbau, tfauban unb Jtamenj. 93aH$en ifr
tebcnfallä bie ältefle Stabt in ber Dberlattftfe; eS war fd)on
©tabt ;ii üietmarfl von $Xerfeburg 3e*t*nr ber fie tn feiner
befannten (Sfyroncf immer fo nennt, 2$on ihr erhielt baä £atib
bie fJejeidjnung: SRarf Subifftn, bi$ 1268 bei ber Tbeilung
ber Sfame: Sanb Snbtffin, 8anb ©drli$, üblid) würbe. £öbun
feil jwar ber <Sage nacr) bie ä(tefte ber £5ed>6ftäbte fein, wirb
aber rrft 1259 alä <5tabt erwähnt, tarnen) war lange ein
mittelbarer Ort unb geirrte ben in bcr <Mren$itrfunbe von
1213 juerft erwähnten Herren von Äamenj; bie <Stabt ift
bureb $Rarfgraf 3Öalbemar von SBranbenburg am Anfange beö
14. jaf)rf)unbert6 M)ren bisherigen 93e|t$ern abgefauft unb ba-
burdj felbftftänbtg unb unmittelbar geworben. Zittau gehörte
bis 1253 bem böbmifdjen £errengefcbled)t von ber ?eipe unb
erhielt in biefem Ijahre von jtömg $fcr)emi$l Ortofar 11. von
53öt)men ba$ <5tabtrecr)t. VanKm fdjeint immer ber €>i$ eined
flavifdjen Supanä in alter 3e*t gewefen ju fein ; über bie (5r*
langttng bc6 <5tabtred>t0 if* nia)t$ befannt, wie überhaupt
3ittau bie einzige <Sed)$frabt fft, von ber wir bie SBewibmung
bamit fennen.
•) OJeral. 4?erina, »on bcr ©erbtnbung ber <gec$*ftäbte. 3n ber
Jauftftifd>en WonaMfchrifi »on 1793, I S. 273, 321. II. <£. 1 ff. Äcfjler,
ber «Bttnb ber @ed>«päbte m ber überlauft^ eine 3ubelfcf>rift. ©örli* 1846.
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106
2öie ber 3)rang ber llmftänbe, bie 9(otf)wenbigfeit einr/eü*
lidjen $anbe(n0 in ben friegerifdjen, anard)ifd>en $tittn beö
gauftredjte}, in aubcreit OJegenben M reutfd)en 9Baterlaube$
bie StäDte, welche ber einige Sifc beö ^anbefö unb ber ©e*
werbe waren, *tim 3nfammenl)alten $wang (1250 ber breifaa)er
StäbtebuiW, 1253 oei weftpbälifdje, fpdter ber grope rrjeinifcfje,
1321 rer marfifdje, 1331 Oer fd)wäbi|d)c Stäbtebunb ie.), war
bietf um fo mel)r ber Sali bei Den obengenannten fec^ö Stäbten,
bie, inmitten eineä räuberifa)en 21bel$, an ber ©renjc beö
berg- nnD burgeureid)eu 93öbmen$ gelegen, nur erft fpät w>n
s4$rag r)cr £ilfc erwarten fonnten. SSubiffiu unb ©örlifc, bie
beiben größten Starte, wela)e bauptfadjlid) bura) ben beftäH-
bigen £anbe6r;errenwed)fel ui leiben hatten, fa>loffen im 3. 1329
ein $5üntmip, bei Strafe von 2000 9ftarf Silberä an' ber
Ärone 9ör)men )u galten.
Äönig 3ol>ann oou Böhmen, ber ftets mit ber 9fittecfd?aft
feines Vaubeö, wie überall in ganj i)eutfd)lanb Die £anpe$;
fyerreu, um bie Souveränität im Streite lag, bereit 8lu$übuna,
jene hemmen unb unterbrürfen wollten, eifaunte fern fdjlau
baä Stäbteleben alö einen $wetf mäßigen ©egenfafc ber un^
mäßigen ^lufprüdje bec3 2foelö an. <£r unterftüfcte feine Staate
beäbalb burd) bie oben angeführten oortreffricr/'eu ^rioilegien,
bie fte bem geibfyungrigen Surften immer gut bejahen
mußten, auf bie naa)örüdlia)fte s2i*eife. ®r fteütc baö 93er-
bjUtttij Der töitterfajaft \\i ben Stäbten feft unb verfprad}, bie
Dberlaufife niemals mel)r wt Böhmen ju trennen.
Doa) hinberte ber gefürd)tete Scame be$ ritterlichen äoiiig*
mcr)t, bap eine Sttenge Vanbeäbefctjäbiger, ftd>, wie a.efagt, im
Bereiche ber Oberlaufs unb beä benachbarten böljimfcrjen @e-
birg£ftrid)ed feftfefcten, welche bie fabjrenben £eute, bie Äauf-
leute uno Bürger ber Stäbte, auf ber fcanbftrape überfielen,
beraubten unb branbjtfjafcten. £a$ töed)tfprechen Der Sa)bffcn
in ben Stäbten allein geuügte natürlid) nia)t. 3>er Sprua)
mußte nachbrürflicf) unterfrüfct werben. Daw brauste man
jeoed), ba bie Si$e unb Sa)lupfwinfel ber SanbeSbefcMbiger, bie
93urgen, oft fcf>v groß uno ftarf waren , SJfatht, uut> triefe fam
aue* Bereinigung. Hud) anbere Umflänbe zwangen §ü einer
foldjen.
2>ie inneren Unruhen in ben (gtäbtert, ber üampf mü
ben ratl)*befäl)igten ®efcr>led)terii um Hntr,eil an ber SlabU
*
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407
Verwaltung, veranlagten bie t*erfd)iebeuen ftätfye ber fed>6
Stätte fid) enaer ju serbinben , ein cd)«^ unb Irufybünbiuti,
jbwer>l nad) innen a(£ nad) außen einjugefyen; rie t> d n fi f|
jahrelange Slbwefenrjeit 3cf)«nn^, ber immer JUiegen unb
Zurnieren nad)jagte, au$ feinem &eiiigieid)e, brängten raeljr unb
me^r ba$u. Die flbwefeuljeit beö Jtönigo in bem franjöftfaV
engludu-n Kriege, (wo er 1346 am 2u, *Hug. bei (Srect) ben
^elDcntcD ftaib), unb bie s3efiird)tHug , es utod)ten au* ber
ISarf ober burd) Jteuig JCaßmir oon ^olen fetnblidjf xMn.u inc
auf bie gatt)ifc erfolgen, befa)leunigten ben tHbfdjluß beä öüno
niftcd, ui weld)em ber bamalige i'anbooigt .hauo >v 2Berga*
noirifc i'elbjt rieft), in erfolgte am Montage nad) Marien
>Sttr$*2ßeir)e, alfo am 21. Vluquft 1346, in ber 6tabt göbau.
Die ^erbinbttitq^urftiitbf würbe \>on jeber 6tabt für bie
duberen fünf (rtäbte, alfo in breißig (fremelaren abgefaßt.
5tenig £arl lcijte biefem ^ünbntß, weldjetf am flnbreatfabenbe
1350 in £öbau nodjmatö feierlidtfi erneuert würbe, uid)t£ in
ben *Beg; er begünftigte e* vielmehr unb gab im 3. 1355
einen (Irrlaß , weuad) bem fed)*ftäbtifd>en 93uube bie $ollmad)t
ertheilt würbe alte fa>äbiia>en ^Hrgen tu ^erftören, ferner titelt iu
mi Ire Ii, baß cftne bes Äenigä tfrlaubniß neue <5d)(öffer erbaut
würben; enblien, wie febon angegeben, baß 3*ber, ber juwiber* •
hanbeln würbe, in bei £ed)*ffäbte flty fein feile.
Söpn ba an würbe bie 8d)t, eher — wie öfter oorfommt —
bie Skbme ber £ed)öftäbte, ber Sd)rerfen aller Raubritter in
ber Dberlaiiftfc unb ben aiigreu^enben 2anbeötl)eilen. 4piernad)
atte ber 93uub eine rid)ter(td)e Gewalt, bie nod) babura) oer>
ärft würbe, baß biefem eft'entlidjeu — iud)t fjeimlidjen 93e**
fahren, wie iu SBcftpfyalcn — £eute rem 5Mbel, ftepräfentauten
be$ 2anbeä beiwofyuten.
Die Soften $u biefen mannigfad)en ^eereöfafyrten, wie
Der ?luöbrnrf war, würben cteraeinfam aufgebracht unb jwar
nad) folgenber Duete: (Hörlifc bezahlte brei Xfyeüe, $nbifjtn
mir Saubau, erftereö 2, Iciueu-o 1 1 heil , alfo *ufammen brei
il'^ik; ,\[tt an unb Flamen;, wovon Sittau 2 unb -Humen; 1,
alfo jufammen ebenfalls brei Trjeile, fo baß auf <§wrlt& ftetä
V» ^er fämmtlier)en Soften unb 3Xannfd)afteu §n geben fam.
€;o trat mithin eine- 6te«ert>erbinbung bqüglid) ber allgemein
nen 9Suube$foften ein. 3» bemfelben Serriältniffe war autt)
DigitizedHfy Google
108
bif 3ar)l bef $u fktfenben jtrieg$manfd)aften. £öbau, al$ ju
mittellos, bejahte, waä e$ aufbringen fonnte.
$)a$ £anb war »ertreten burd? bie alteften bitter; bei
gemeinfamen Angelegenheiten, oerfyanbelten bie Vertreter von
vanb unb Stäbten gemeinfam. 3eber Xr)ei( hatte 1 trimme,
fo baß feine Webrl)eit£befd)lüffe, fonbern nur (Einigungen vor*
famen. Sßährenb be$ 14. 3abrr;unbert$ war ba$ Verhältnis
jwifcfyen ?anb unb Stäbten fehr gefpannr. ©runb $n biefer
(Spannung gaben bie liefen Sd)löjferjerftörungen Seitens ber
Stäfcte, unb bie itnermüblicfje 3agb auf (Straßenräuber. $ic
plagen beä $11 fiten friegec* führten *u größerer (Einigung, aber
im 16. 3ar)rr)unbert würbe ber 93rud> jiwifdjen Sanb unb
(Statten immer großer unb jeigt ficf> am fchmählichften beim
*ßönfaü 1547, in bem bie <Stät>te von ber iRitterfdjaft verra*
tr)en würben. (£$ famen jwar 3 fügten ber Stäbte, inäbe*
fonbere mit Sittan, welche (Stabt immer eine etwaä abge*
fonbertei Stellung einnahm, vor, lotterten ben Sunb ein
wenig, führten jebod) beffen ?fuflöfung uid)t fyerbei: im ©egen-
tt)eil warb berfelbc im 3- 1547 bei gemeinfamen Unglücf in?
niger, wenngleich niemals mehr fo mädjtig, wie früher.
Unter ber Regierung Jtatfer ^.Äarimilianc* erholten ftdj
bie Starte wieber. 3hr unmittelbares £>berr)aupt, burcr) weld}e£
fte an bie Jhone ju gerjen Ratten, war ber in Siibtffm reftoirenbe
£anbvoigt ber Dberiaufift.
5Öie fchon aud ber Duote hervorgeht, war ©örlife unter
ben Secfyäfiäbten bie reichte unb mädnigfte, beflhalb aber auch
bie übermüthigfte; biefer Uebermiitb würbe felbfi gegen bie
verbunbenen Schwefterftäbte geübt unb führte |M mehreren un-
angenehmen Verwitfelungen. 3fyr Vlnfer/en erregte ben 9teib
fowor)( einjelnef Stäbte, al6 ber ganzen SRitterfdjaft, von wel*
djer nur bie SBeftfcer beä Scfjloffeä Tjfdjocha e$ immer mit
ber <3tabt gehalten haben. $ie &itterfdjaft jürnte ber Stabt,
namentlich wegen ihrer unerbittlichen Strenge gegen alle $el*
ben vom Stegreif.
Dbwofyl ber Jtonig gerbinanb im Tonfall bie ^flacht ber
Sedjdftäbte von ©runb au$ gebrochen, fo hatte et ihnen bod)
ir)re Stimme auf ben ganbtagen unb iljre Teilnahme an ber
nbifchen Verwaltung ber Ißrovinj nicht genommen. 211$
eile ber Stänoe be<3 bötjmifdjen *Reich<3 waren £anb unb
Stäbte ber Oberlauf berechtigt, auf bem allgemeinen Saubtage
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109
in $raqmitjutagen; bie $rovin*ial< Angelegenheiten beforgte
ber in 9nbifjtn abgehaltene eberlau ffyif&e $roviiijial(anbtag,
wo freiltdj gewöfmlid) bie €tanbedr>men, bie ^rälaten (bad
DömfHft in eubifjtn fowie bie vertriebenen älöjtcr), nnb bie
'Jcmcrfcbaft, gegen bie 6ed)3ftäbte jHm inten. Severe gelten
ihre Befreiungen jur Süerjiänbigung unter einanber anf bcn
8täbtetagcn in Söbau.
3m\tc* täapittL
Beteiligung ber Stabt bei ßerftörung von fflaub*
f^löffern unb #er)ben ber £anbc$r;erren, bi$ auf
bie 3eit ber £ufitenfriege.
2öir l>aben im vorigen Äapttel bereite gcfetyen, wie notty*
wenbig ber 6d)lufj eine« Sd)u&- unb $ru$bünbnifje$ für bie
6ed>gftäbte war. 3e$t wollen wir verfugen, bie rerfdncbenen
gebben «nb Äricgfyügc berfelbcn unb bie Betrjciligung ber
Stabt @örli$ babei näher ;u betrauten, hierbei muß freilich
von abfoluter Btflfl&nbigfett abgefehen werben, ba indbefon*
bm in ben älteften 3eiten bie £tabt* unb ®crid)t*büd)er fo
für; geführt würben, baß man eben nur ben tarnen unb bie
Strafen lieft, aber niebtd über bie Verbrechen felbft, welche
für* gricbcnSbrud), ^of)mc ((Straßenraub) , $Rorb auf
bed itönigS 2anbftra$e, Auaritte ftum ®egelagent) bejeid)* -
iKt werben. 3öir erferjen jeboch au$ bcr nadjfolgenben 3«#
famraenftellung ber fechäftabtifchen unb görlifcifchen Jfriegdjüge,
tan raiiuilo bie Wlafy fdwn ungemein gewachfen war.
2ßir werben un6 hierüber für? faffen, ba eine fpe&tette
6d)ilberung ber fafi unzähligen gebben unb Au$jügc ber @ör*
lifcer unfere Sefer langweilen würbe, weil bie Art unb 2Beife
£rieg ju führen in jenen Otiten bis in ba$ 16. 3al)rr)unbert
mit wenigen Abweisungen biefeibe blieb.
Staat jog gewollter; in baö (Gebiet beä ©egnerS, (engte
unb brannte bie ©fiter feiner Bauern unb ber ihm gefjörenben
Dörfer nieber unb fam vcrhältnijjmäjHg feiten in'6 £anbge*
menge mit ihm, außer wenn Hinterhalte gelegt worben waren
DigitizecMSy Google
410
ober 9taubfd>loffer mit 6mrm genommen würben. SBar ber
gcinb ftdrfer, fo jog man fid) tu bie feftett dauern unb 93oU*
werfe Juirutf, aHd benen feiten ein Kiiftfaü gemadjt würbe,
angriffe auf bie otäbte ftub vor ben £uftrenfriegen nidjt vor*
gefommen. 93ei ^erftorurtij von widrigeren Burgen ober 9fud*
aiigen auf Jial>lretd>ere Waubfdjaaren betbriltgte fid) gewöbnlid)
ber ^anbvoigt unb übernahm ben Oberbefehl ber Gruppen; fonft
würben fte von bem betreffenben fiäbtifa)en ober fbntgltd>eii
auptmann ober von einem befreunt*teu (Jeimann, ben bie
dtl)e barum angingen, befehligt. SBenn man nidjt wußte,
wor)in ber geiub fid) wenben würbe, be^og man l'äger, tu
welche auä ben £täbteu rtnD von ben Sdrfern bie Vebetismittel
gebrad)t würben.
Der gewöl)ttlid>e ^uSbrucf in alter 3*** für 1 gepaiiA«r*
ten Leiter unb 3 ober 4 mit £ellebarben unb 6piepeii bewaff*
nete äned)te war (*Hcfe ober (*Hewe. 3n ber erften 3eit
flogen bie Bürger mit auä; bie junungeu mußten ir>rcn bc^
betrimmten Sbeil bewaffnen unb auf ibre Soften erhalten-,
ebenfo war auf bie Dörfer (fintrjeilung abtroffen, baß fte
fo unb fo viel Leiter ober gupfnedjre, je nad) il)rer <**röße
unb 9(uebef)nuug, ?u fteüeu bitten. sMe bie große 3)tenge
ber s)]&itlribenrjeitö Dörfer t& ber £tabt ttur möglid) mad)te,
bem fönigtidjeti $ertd)te ftete Leiter *ur Verfolgung ber 84*
beöbefdjäbiger unb 6traßenräuber jur £anb \\\ halten, fo
waren aud) bie Dörfer eine ^auprquelle ber ftdbtifa>en Kriegs-
mannfd)aften. (Sä faitb rjieritt eine Slblöfung ber Dörfer in
regelmäßigem Xumue ftatt. Der -Natt) ftellte einen Heil ber
^ferbe auä bem Üftarftalfe. Urfpriinglid) war ber <DiarjtaU
in ber $angengaffe unb ift baä erfiemal im 3. 1379 bie *Kebe
bavon. 1385 ftnbet fid) tu ben 9tatl)$red)nuugen ber &uö
brud: „neiier Stfarftali". 1398 wirb zweier sJÖ?arfräüe ge-
badjt. 1399 werben bie s}]ferbe in ben SHarftäUeu erwähnt.
1476 würbe ben ^Wöndjen über bem nun in ber s)tonnengaffe
befinblidjen 9)farftalle ein beimlidjeä @emad) gebaut. 1752
Würbe baä gegenwärtige ■JJfarftaÜgebäube errid)tet.
Die Munition würbe auf Ü&agen nadjgefübrt; ald bie
großen $ud)f*n (Kanonen) auffaineu, würben fte, gebetft burd)
$Wannfa)aft, auf jtarfen Sttagen fortgefdjleppt. iMan brauste
ba$u mandjmal 12 bte 18 $ferbe.
3*or <&rfinbung beö ^ctyießpulverö waren nur <£c|werterf
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4M
£ellebarben unb ürmbrü^r im GMraudje; fte würben aber
noch Cait^e nacr/(>er vonugetweife benufrt,, ba t>ie fdjwerfälHgen
unb piumven fauergeweljre au$ Unfeiiuinij» ber ^ulverroir
hing, nen $cft*<rn anfänglicr; *»«f>r fcrjabeten al* tiü^teu.
$tan übcrtub bie ©ewebre mir ar^en $üd>fen fo, bap fte
oft auf ben ^weiten ober britrcn edyufi <erforangen. 6old*r
freigntfit wirb verfehiebene sDtale gebaut. - Da« ^ulver
würbe auf ber ^ulvermüble am Kraben enengt, wcfcfce jeftt,
wie bie $citytmr)le, ein Sabrifaebänbe ift.*> 1
9*ad> riefen allgemeinen tJetradmmgen wollen wir w
Darftellung ber gelben biö $um erften ^ufitenf liege übergeben,
unb bfefelben fonberu: 1) in *u<Müge gegen Waubnejter unb
errapenbef*dbiger; unb 2) in Äricgäjuge, für weldje bie £tabt
(Hörii$ ihr Kontingent £eere bee* Vanbesberren attfkrbalb
ber 3ed>elanbe fenben mupte.
(5in befonber* widriger ^unft für Wegelagerer war bie
auf einem fc&malen ÄHdldufer b«d lannenbergetf unfern ®eor
gentiml liegenbe $urg Soüenfteiu, benn bort $og fieb bie AaHbr (**
niraße auä ber £5berlanjt$ uad) Wobmen vorbei. $on fn'er
au$ gefdmr) nodi vi tfönig >bann'$ Seiten ben oberlaufim*
fdjen £iäfcten großer Schaben. Sie rütften baber im 3 1337
auf Sdifforbernng m £erjog ^einridj von Gatter vor biefe*
&<bh% unb erfrürmten eö nad) barter (Gegenwehr. (Sförlifter
flriegflvolf war audj bei biefem ö«ge.**)
3m 3 1343, am 8. Dezember in ber $ad)t, bemädK
ttgte ftd) ein bobmiferjer £err v. 9Kid>el*bad> be$ $ergefl
£>»büi, ber bantal* im ^eftfc' be& .Honigs, iebod>, unter einem
folgte, nur föwad) Defekt war, nnb begann von bort au$ bie
aanK ©egenb unjtdjer ]\i maduu. Die 3$urg, vor wel(be
.König Maxi felbfr im 3. 1349 mir einer, voqfiglty burdj bie
oberiaujt&cr £e<f>Sjiäbte, verwarten 9Äad?t riirfie, würbe nad)
hartem Süiberfitanbe genommen.***) — 9tid>t minber waren
bie OJörlieer beteiligt bei Serfförung beö in ber 9Mr>e von
•) £«ruadj iil bie »ertoedjfetuna,, oben <3. 71, ald ob Setymifff
unb $ufo<rmül}ie ritt unb biefelbe attoefen, tu berid)tt^en.
Johann de tiubin. N. S. H. L. 1. 7. Carpz. Analec. Fast.
Zill V. c f. €. 310. ^ffeberf1* <*»<fd>. von 3tttau II. 4*»0. Weuea
Sauf, »laoa*. 1837. @. 107 f.
•••) Johann de Gubin a.a.O. I. <£. 10. $<fd>ed a. a. O. ff. 492.
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112
£>t)6in lieaenben Xaubfälof* Jtorfte, weldje am i. 9toobr.
1352 erfolgte.
Die UnftduThcit im Sanbe würbe fyierburd} nodj nidu
gehoben. 6onnabenbd na$ Wid)aeliö (3. Oftober) 1355,
befahl bahei Maxi IV., alle feften ©urgen tu jerftdren unb
mit ©ewalt au brechen *, wa$ nun »on ben Stäbteu mit (Sifer
betrieben würbe.
Die ©örlifcer inSbefonbcre waren beteiligt bei ^herer
brennuua von (Sdjönfelber'ö £of §« ^onigöbrürf *), weiche ^T^at
Äönig Jfarl bei feiner balb Darauf erfolgenben Änfunft »oll*
fommen billigte.
3m 3. 1396 ^atte ftd) SÖJarfgraf 3*bof von 3)^är>reii
mit feiuem 93ruber, Köllig 2Benjel, wrfeinbet; er machte &n*
fvvuctu' auf r ic Vam^en, fiel mit einer bewaffneten Scfoaar
in> 8anb uub fefcte fid) auf Der gwiförn £irfd)fclbe uub
£>ftri$ im sJteißetluil gelegenen 93urg 9iofmau feft, von wo
auö ber fedfte uub meDrigfte Straßenraub ausgeübt würbe.
VU3 biefe 9Rad)rid)ten ui ben Chren beä Äönigd 28enael fa*
men, erfolgte oom Schlöffe ^Bettlern in SBörjmen auö, am
11. 9toiumbcr 1396, ber SBefefyl, biefem Unwefen ein (£nbe \u
machen, unb bemiuidjft würbe ber ^anbvoigt «^ettirtc^ $ßug
befehligt, mit bem jfricgäoolfe ber 6ed)öftäbte gur &uöfiif)*
rung ^n fd) reiten. Docfj würbe, well ei du nad? nu$lofer 93e*
lagerung bei großer geftigfeit M 3d)(ojfed, Der $efef)( ba*
malä nod) nidjt ausgeführt, fo baß ber iäuberifcf;e sJHarfgraf
jwei 3a^r lang ber 6<bretfen Der ©egenb war. $11« jebodj
wäl)renb ber itrantyeit SBeuaefö, im. 3. 1398, ber Sruber
be$ Skgelagererö, Warfgraf ^rofop t>ou Währen jum ober*
ften Sanbedr*auptmann in Lohmen ernannt war, erfolgte wie*
r erholt, \uim am 23. Dezember 1398, ber Befehl, ba$ 6d>lof
au aerftören. Diesmal würbe riefer gluweifung uad>gefommen.
Die ^itiaua erfd)ienen fogleid), unb Die übrigen Stäbte,
barunter namentlid) (Dörlifc, waren mdu minber ti)ätig bei
^erniir/tuiig beä 6d)loffe$. Die ß^f^rung gefcfyai) im 3ft5
im av 1399 uub awar fo ttoüftänbig, baß an VI nf hau nid)t
mefyr au benfen war.**) ($ö entfpanneu ftdj über biefe 3erfiorung,
*) Johann de Gubin a. a. D. I. 10.
••) Ääuffer, Cbcrl. @efd>. L 6. 354-363. Älof, ®cf$. ber *anb;
*ödt<. Mst ü. <S. 42b ff. VefffttcT« »im Zittau U. £. 494 ff.
«auf. SRagaj. 1Ö37, <S. 114 ff.
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welche ben Äomg nachträglich reute, a(d er ftd> mit Warfgraf
3obof verfolgt tyatte, mcl)rmouatlidje ^erfyanblungen.
Sir nehmen l)ier gleid) alte jerftörungen von odjlöffern,
bei reuen bie ®örli$er bie an ba* (*nbe tiefer ^eriobe be*
(heiligt waren, Durd)
3m 3. 1442 hatte mh auf Dem ed)lojte $a(bau ein
Sanbedbefdjäbiger feftge|"e$t. Die (Dortiger jogen am 4. Wärj
l)in, unb brauen ba* Sdjloj* nieber.*)
3u bemfriben 3af)re waren bie (iJörli&er gleidjfallä babet,
al* burd) ben Warfgrafeir von Weißen bao jwei Weilen t>ou
äuwg gelegene 6d?lo|j SManfenftein eingenommen unb jer*
frort wurte>)
3ur Eroberung bee ScMojfe* .$ammerftein, im 3- 1445,
btirdj ben £>errn von iBiberfiein ausgeführt, fanbten Die Wr*
ii^er tyr gupvolf.***) i$iiu<)e 3al)re barauf würbe fcae
8a)lo(j Satfenftetn bei lieber- Dittersbach , unweit bör>mtfc^
Äamnifc, fowie bie <£d)löffer galfenburg unb Gfcafenffein von
ben eed?eftabtifd)en eingenommen, t)
Die €ed)$ft<ibte, al* einverleibte Steile bes böfjmi*
fdjen iteuK\ unrben einige Wal veranlagt, Kontingente w
auswärtigen Achten be$ böfymifcfyen Äöniae §« ftellen. DaS
rcar btr gaü, als im 3. 1360 Äaifer &arl IV. gegen beu
©rafen von 3öürtemberg 30g. Die £)berlaufi$er mußten ihre
Gruppen *um Jg>ecrc bcS 3binfo von §afcnburg ftofieu
lajfen. @ie waren bamal* aa)t sü>od)en and unb fochten bei
Mdtng urt> 6<^ornborf.t*) Der &ufbrud> erfolgte am 10.
Hugujt.
33ei Eroberung ber Warf SBranbenburg buref» Karl IV.
in ben 3afcrcn 1370, unb fpdter 1373, waren regelmäßig bie
Dberlaufi&er jugegen.f**)
Die gef)be beä £erjogd 3ol)anne$ von ©örlifc mit bem
£er$oge von ©agan wirb unten erjagt werben.
•) ÄatMrcdjnttngen.
••) $cljcl u. 5)obxoto*ty, script rer. Boh. III. pag. 45.
***) Scatf^redjnungcn beim 3- 1445.
t) 9L *auf. ma^in 1837. ©. 131—133.
f ) Johann de Gubin a. a. D. ©. 11.
f •) Drrfelbt 6. 53. »ergt. 6. 165. 166. »enefdj v. ®<ümil bei
$cljcl ic. €L 415.
I
114
dritte* ®a)iUl
Die bürgerlidjen Unruhen tu @)ör(t( wär)renb bed
14. unb 15. 3«^v^uitDevt0. itteftrebungen ber 4c>anb*
werfet um ©etbeiligung an ber Dtathäfür unb ben
übrigen" ^Privilegien Der ®efd)ledMer.*)
(Sä ift oben .bereite angegeben, wie fid) in unfern* <Stabt
v>erfd)iebeue &laffeu bei* (viuwohnerfdjaft im £aufe ber erjien
3al)ri)unberte audbübeteit 3« mehr uuu bie sAVvubt mit bent
*uuenm.eut>en ftetdpthum ber ctabt wuajö, um fo greüer würbe
ber Unteifd)ieb )wifd>en bürgern ((Mefebled)teru) mtb ,£>aub*
werferu, uitb bie @rbittcruug ber i'e&terea gegen (Sifteie war
beftänbig im Steigen, Da bie materiellen Kragen uunmebr in
beu s^orbergrunb traten. Denn ee banbelte fta) fd)on feit
bem (£ube bed 13. jabvbuiiterto bei ber NK ai h^sfür nicht mehr
um bie bloße ß lue, an ber ctabtverwaltung ^ mbeil ui haben,
fonberu biefe Xbeünabme bradjte bie beu bürgern obeu ange-
gegebeneu großen $>ortheile, auf weldje bie ^anbwerfer mit
"iWißguuft unb Jieib faljeu, fo baß bie ^aubwerfer fid) in bem*
felbeu vJMajje gebrürft füllten, a(ö Die prioilegirten Bürger ir>ve
Rauptet ftolj emporhoben.
Xad ^auptgewerbe in allen 3ea)eftäbten, namentlich iu
Ü)ör(ii.v war bie Xudjmad)erei. Iu' lua)mad)er (ääoUeu*
webet, tovtoros)**) fanteu, wie gefagt im 3- 1 1 50, unb feit
1250 aus* ber Warf jat)lreid)er uad} 6)orli$ unb fiebelten fid;
auf bem £>ant>wcrfe unb ber ^liebergaffe (aud) (^ewaubmadKr*
gaffe) au. jroifchen 1 150 unb 1250 mag fid) wol)l fctyou eine'
3uuft auögebilbet haben; jebenfallä würbe fte naa) beut 3dhre
125.') eingerichtet, alä bie jweite <3tabterweiterung eingetreten
war, unb ber größere Umfang ber 3 um mau cm mel>r Ukr-
tt)eibiger ed)eifd)te. Damals hat bie <Stabtoerwaltuitg fta)erl ia>
bie noet) nicr)t künftigen einzelnen Arbeiter in bie ,Vif)l ber
künftigen eingereiht, um eine beftintmte, für bad gehbe* unb
s^ertl)eibigungöwefen bringenb noihwenbige, @irunb(age §«r
Söefdjaffuitg wehrhafter Wdnner ju tyabm. Die fünfte hatten
*) .§ani>KnieUeit tiefer TartfeUuna ftnb bie älteften 9lefyuna«luid>er,
nebfi ben 9iatf)*red}nuiia,en nur wenige Urfunben auf bem Watftfyaufe.
6. £d)el$ a. a. C. 1 o. 547 ff.
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M3
•-
ifjre eigenen Statuten # Denen zufolge btc 2lufnar)me in eine
Jnnung juateid) Die ^ehrpfliduigfeit im l)mi\tt Der €tabt
beDingte. 4>te 2telteften hatten Die Sfufjtcbt über Die 3nmtng;
fie bilteten Die ShbörDe, burd) meiere Der Matt) feine
|d>lüffe au Die Innungen braute; fie waren Dem föatlje ver*
antworttid) für Me«, wa« in Den $krfammlimgen Der
mingen gefprodjen oDer befdüojfen würbe unD befonber« buref)
eiblktyf«. (^elöbmu" Dem Mathe jum Gfcborfam verpflichtet
^oriiigiid) ftreng war Da« Verbot von $>erfamm(ungen, in
Denen fidi Die Innungen 411 gemeinfamen $efd)lüffen verein
nigten. jebe Innung follte ftet« allein für ftd> nur über ihre
eigenen 3ntere|fen, niemal« aber über Die Verwaltung Der
Btatt berathen. 3m (Hewarjijam Der Slelteften würben bi«
jum % 1372 Die £arnifd)e, Lüftungen unD Waffen Der
»ungen aufbewahrt. Wad> Dem ;\abrc 1372 mußten alle
©äffen auf Da« Mathfyau« abgegeben werben.
3n (*J6rli() mußten Die »erfd)ieoeneu Innungen, je nad>
Dem es nöthig war, mehr oDer weniger bewaffnete Warm*
fctyaft fiellen, weldje fid) bei Den ttelteßen freiwillig $u melDen
hatte. ©efdjal) l'efctere« ni(f»t, fo fomiteu Die Sielteften eine
«««bfbung au« Den (^efellen veranftalten. Vor Der Einfiel*
King fieberte nur Die $>anDerung au« Vr Stabt. ^e^tere
würbe häufiger, wenn eö ftdj um Stellung für eine unbeliebte
politifdje Sache hanDelre, wie wir Die« beifpiel«halber au«
ter ^eit De« frbmalfalDifdKn Kriege« erfahren *)
1>ie 3<d>c mußte atid) Die (Erhaltung Der von ihr gesellten
)Jiannfd>aft unD Deren @olb au« Der 3mtung«faffc befreiten.
Die meiften Jiuedue hatte immer Die ^Hdjmadjer^unung, al«
bte }af>lreicr)j*e, Mi ftellen. <3)ie Innungen führten im 15. unb
16. 3af)rlmnDfrte felbft tfanoueu. (£« wirb einmal ber
„großen 33üd)fe" Der Xuchmadjer gcDad)t.
Wod* Den Iud)mad>ern waren in <#örlift Die vornehmften
Innungen: Die gleifctyer, ÜKotbgerber, Sdjmiebe, Söärfer,
Sdjneiber, Sdjnbmadjer, Ziemer , $Wäl$er, Büttner, Särber.
£eirer jtnb von Den äiteften Innung« 'ttrtifeln gar feine merjr
erkalten. $)ie Statuten Der Böttcher (*3ütfner) vom 3«hre
1493 fmb überhangt bie dlteften Innung« ^rtifel, meldte auf
UM) gefommeit fmb.
•) £. i>ie fdjön attgef. $<ftta$c jut ©cfdj. Dicfeö fitityS, <S. 105.
6*
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•
Mc 3nnungen mußten jur Sät bed *gdnfa(fd if>re
tifel abliefern, unb ftnto biefelben wafyrfcfyeiulid) nod) in irgenb
einem #rd)ive ju *l<rag ober sBien oorl)anben. lieber bie 3ä*
uungeii feit ber Witte beä 16. 3al>rl)uubert0 fott im vierten
Söudje biefer ®ffdjid)te auäfütyrlidj getyaubelt werben.
(Eeitbem bie fünfte inniger verbunben, an fräftiger
unb ftärfer, an Wittein woblljabenber geworben waren, regte
fid) aud) if>r @f>rgei|. $>ie £tabtverwaltuiig, auf weld)e fie
früljer iüd>t fonberlia) geadjtet hatten, begann um fo mel>r if)re
iljeilnaljme \u feffeln, alä fie für bie 6tabt jaulen unD
5ßaf[enbienfte (eifteu mußten. Vit 3miutigeu, iuäbefonbere bie
3 ud)mad)ei , bereu eingewanderte keltern von ber 33ebeutuita,
ber Jpaubwerfe in ^Umlanb erjagten, begannen iuImu futylen
unb eö auffalteub ju fiubeu, baß nur eine gewiffe klaffe von
Wenfdjen bad SJorredjt fyaben foüe, im rKathc unb ju ©erid)t
ui ft$en. Wan bemühte fid) fottbauernb, biefed f>öcf>ftc
5Ked)t im ©emeutbeverbanbe \\i erringen. S)iefer &f \wv
fd)en itürfäfyigen unb «^anbwerferu, ber feit ber Witte Oed 14.
3at)rt)unbcrt$ im ganzen beutfd)cn ^aterlanbe auf baö hef
rigfte entbrannte, jicht fid). in einer 'Weibe von uierei holten
2(uffä$ig fei ten gegen ben Sflath unb feine vUeehte burd) rag
flanke 14 unb beu ^nfam; reo J5. ^ahihuuteuo. (iinge*
fd)lafert wäljrenb ber gemeiufameu ©efabren ber ^ufttenfriege
uub ber fvateren .£>änbel mit Äonig ^obtebrab, geigen fid)
fdjon neue Spuren am ©übe be$ 15. 3at)rl)unbert$, bis. bie
gewaltigftc ($rvloftoii am (Eingänge ber j?ird)eureformation in
©örlifc fid) vorbereitete unb nad) bereu 3)urd)füfyrung erfolgte.
Wir bem Anfange bed 14. 3abrbuubertö tauchen bie erftett
^iadu leinen htewon auf unb ftnb mit Urfuubeu &u belegen,
wenn aud) weitere Einzelheiten fehlen <&d)on im 3- l3(X)
ftritten ftd) Die 3ßeber unb Xud)inad)er (texlores) mit ben
bürgern (cives communes) wegen be&4)ewanbfd)iiitted, worauf
ber Damalige vanbeötjerr, Warfgraf ^ermann von SBranben-
bürg, unterm 3. Januar 1301 bestimmte, baß ber 2ud)verfauf
nid)t ben Xud)webern in ihren Käufern, fonbern nur ben 3n*
babern Oed ©ewanbfd)tiittred)t$ in bem Uaurhaufe gekartet
fein folle. 6d)on retinale* erlaubte ber Warfgraf, baß &ranu
laben für bie ' Jtaiifteute (institores) erbaut werben tonnten,
waö bamate gefdjefjeu ift, fo jwar, baß 1351 fd)on 18 beftanben.
3m 3- 1347 war ber Äat$ wieber gezwungen, fid} wegen
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innerer Unruhen an ben Sanbeäberrn, bamal* äönig flarl IV.,
m wenben. Sfcberlid) hatte man ben lob be* Jtönig* Johann
unb He ganje 3w»Hh™Kit, ehe tieft feineä «Sohne* .Harle* IV.
^Regierung befeftigen fonnte, baut benufct, ben iRatb um Hue-
cehnung ber Jtürfähigfeit anzugehen, flm 14. Septbr. 1347
erlfcp baber Äarl IV. ein ernftlicbeö Schreiben an bie gorlifccr
Stabtgemeine, bie Aufwiegelei gegen ben Watb $u unterlagen.
<l* heipt bann: „28eil Etliche au* <*u<b in Gurer (Gemeinbe
fidj ben gefahrenen Wathmannen Unferer Stabt tro^tiilicf)
wtbfrfefcen Hnb benfelbigen ftathmanuen billigen (Geborfam m
arteigen bisher nicht geachtet haben: barum wellen wir, ben
(Gefahren unb ©cbäoen, bie au* folgern Ungeborfam Unc* unb
Unferer Sta Dt in ftinftiger 3eit entftehen meßten, r>ct(fam m
begegnen, (fuch unb 3*gli<bem autf tfueb, ernftlicr) uuo gänjlid)
;n enthalten gebieten, bei sJßön (Strafe) unb Beraubung Veibeö
unb dtateä, baß uno binführo 3h* ben gefahrenen *Katl)'
mannen Unferer Stabt untertänigen unb oerpflidjteten @e-
borfam unb Ehrerbietung olme alled 5iMoerftrebcn eneigen
follet; unb bie bawiber tl)itn, follen wiffen, ta$ fte in bie $on
be* 5*er(Hjte$ geibee*, geben* unb Ohite*, ohne alle (*rlaffung,
fallen »erben/'
Sic anberwärtä, nament(id) in kauften unb 3ittau, liegen
jeboct) bie ^anbwerfer nicht ab, nad) ber Xheilnahme an ber
»Jtatrjflhir unb ben Vorrechten ber @efd)Ied)ter )H ftreben.
Sdfyon bie £änbe( mitWeufyauä unb bereu Soften brachten im
3. 1369 neue Unorbnungen unb Unatufriebenbeit, beim am 28.
gebraar 1370 folgte ein SSefebl, bajj bie ©emeiue fta) nicht
bem ftatbe wiberfefcen folle. 3m 3. 1372 muß ein 9uffiaiil>
mit bewaffneter £anD gefcbefjen fein, bei welcher (Gelegenheit
ein SRatbmann, gren^el (Sifenfwt, bura) einen gleifd>er, ^ent-
fa)el Äluge, auf bem' Schlöffe be$ Jlatfcrö am grauentbore
emiorbet, unb felbiger, fowie £ein$e ©ö$e, ber gange genannt,
trinke, genannt mit bem ©arte, £an$ ftaöpenau mit pei
öffnen, £an$ Äluge'ö Solm unb beffen Sdjwiegerfobn £ein**
borf, ^eter äönigehain , $aul TOffcner, £entfcbel &elroig,
£obetg, Wfolau* «Kenftiel, ^eter 9J?en$el, £an* ©lud Der Keffer*
fchmibt, ein gewiffer ©omelin unb ©premberger in bie &d)t ge*
tf>an würben. $er,äaifer#arl fanbtebeöhalb folgenbe* Schreiben:
„2Bir, Äarl von ®otte$ ©nabeit römifef/er Jtaifer, $u
allen 3eiten iWefyrer beS 9fceidj$ unb tfönig in ©ötjmen, ge*
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biete» bem ©ürgermeifier unb *Hatbleuten Der Stabt (Hörlifc
ernften, lieben, getreuen, llnfere ümate mit) allee* ©nie. 2&ir
gebieten eud) ernftlid) bei Unfern $nit>, bajj ihr bei Veit» unt
®ut gebieten laßt, bajj alle £ud>macber unb .£>anbwecfet Der
Statt ©in Ii U alle il)re %V>arntf«t>c auf bao 9iathl)aue in eure
(Mewalt jw St mibe überantworten, unb fie feiere fürban ntdtf
für ftd) behalten. Denn 2Bir meinen eö für jetyt baö s^efte,
bau* fein Ürieg ober ISut^veiiui^ fürber in ber Statt }ti
Ufc entftebe. Sollte aber ^eniano gegen Dice ilufcr (Mebot
ungeljorfam fein ober ftd) fonft unter (£ud) mit ten Watt)
freventlid) tefcen, fo wollen Wir lf)n Darum au i'eib unt @Htt
ftrafen. (begeben w sJJcul)lberg, am St. Xfyomaötage (21. ^)e-
jember) Umcieö *)icicf>6 im 26. unt teö Jtaifertbume im 18.
3alne (1372)". -
Damalö wauberten eine *Weuge ^^»btoerfer unt 'Xucb-
macber aus, von tenen ter .Hauptmann \\\ w£aufcen ^enefd)
v. ber £uba 150 Scbjorf CMrofdjen Strafe auf betf tfaiferö
Sefcrjl einrieben mußte.
9tufjer ben oben genannten würben wegen potitif&et Uiu
rufyen im 3- 1 372 noa) geädrtet: Würfel Selge, ©rvfer, -W-
flao Solf, 9KHa* v. Refnertfborf, ^aul au$ Wabmert&,
nebft feinem ®efelleu $enfel, WU\$ (*K>gelaw unt iWfta*
Öteinolb.
StodJ im 3at)re 1373 erlaubte ber Äaifer, von prftot*
walbe au»?, bem Diattye gu ©örlio, jeten SÜitetfe&tgen in ter
(Gemeine nad) tem Stattred)te p ftrafen. £>er Brief ifit
audgejfellt 9Kittwod) nad) grauen Sa>ibuug (17. fluguft) 1373:
3m 3- 1380 witerfefcte ftd) bie ©ürgcrfdmft , trofc aller
33erfud)e reo iKatbo tie flhigelegenriciten frktlid) beizulegen,
abermalö fo fyartnatfig, tafi wiederum ^Jtetyrere geädHet wur*
ten, tarunter: £ano £aut>eufdMlt , ®erbarb Sdjmitt, Äifo*
laö ;)tymmergefi&e auö Siegerotorf, Sbernbart StreHenwalt
weil er ben ikid)ier sJtiflaä *Notbe ermorbet tyatte, tQanü 9?aft,
£ano S3efmt, ^cter Xreppel, Wiflaä ^>orlemann unb $anö
ö. Älfir,- ber fia) gewaffnet gegen ten fbnig(id)en $oigt |ttr
älkfyr gefegt Ijatte. Damals befahl ber SSoigt SBenefd) von
ber Ü3uba bem 9iatr>c tie Stattmauern ju beffern, wie aud)
taö Sd)lo(j fd)on feit mehreren 3abren fyatte muffen in Staub
gefegt werben.
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$te Bewegungen in ber ©ürgerfcbaft hatten im 14. 3ahr*
bunbert vornehmlich ben $wcd, vom !Katbe ba$ freie 53ier*
brauen unr ben Söeinfduinf \\i ergingen. l£ö begannen ba*
mal$ Mehrere ebne (£rlaubniß *u brauen unb 2Bein ?u fchenfen,
iratf unterm Sonntage 3nvofavit (19. gebr.) 1385 vom <£>er*
*og 3ohanneö verbeten unb erflart würbe, baß bie6 *um Ge-
meinwohl auöMibeuteiibe stecht nur bem *Katbe juftebe. Damalä
famen ^>an$ oer 6ebn beo sJ$eter v. Jialtwaffer nnb Vanbgcn*
fdjeer, im 3- 1386 Bieter föetbe in Die 9ld>t.
3m 3abre 1388 muß ein offener Sluöbruch erfolgt fein,
turne Jcwfil , Ätfftrt ^iromerroann unD (Sdwrlinrf würben in
Die Siebt gethau, weil fie in Der ^eteretfirebe $$erfammlungen
reranftalret, Aufläufe »eranlaßt unb 2Kortthaten verurfaebt
hatten „bovon groä ungemach gefd)een ift." slKit tiefen 1 ba-
ten fdjeinen Die Slcbtöerflärungen gegen: *l*cter fcange, üonia*,
5itfla$ gifeber unb Befage, welche ber ^enog 3ol)auneö ju-
tücfnahm, in ^erbinbuna geftanben $u haben.
3wet 3ahre Darauf finben wir ähnliche §dnbel. iflein*
harb v. grieberöborf unb 9Wla£ Staftt mußten wegen Stuf*
ruljrd geächtet werben. 9foch in bemfelben 3abre, 1390, gebet
unterm beil. @hrifttage, Jtonig 5Ben$el ber (Gemeine ju Gör*
li$ bem 'Käthe geborfam $u fein, unb «£>er$og 3obanne$ vergab
ben Gebern unb einigen anberen «Jjjanbwerfern bie Stuffct^igfcit
gegen ben iKatb, mit Dein 8cfc$(, fernerhin Gehorfam $u leiften
(5$ mußte bem {'anbetffurften von 2Öidjtigfeit fein, baß bie
9Mjtca in ben 3nnungeu rem Dtatbe ausgewählt würben
unb ihm ergebene £eute waren, £er$og 3ohann gab Deshalb
am r)eil. (S^riftabenbe 1391 bem Sethe *u Görlife, unter an*
beren greiheiten, auch ba$ Privilegium, sJKeifter in bie £anb-
werfdinnungen eittjufefteu unb flu vereiben.
3m felgenben 3ah« 1392 mußte Serena SBogt in bie
Steht gethan werben, weil er in ba$ «Qauä von Georg Döring
gebrungen, ihm ein SBiergla* am Stopf $erfchlagen,Fmit ge$üd*
tem Keffer öffentlich herumgelaufen war, unb Stuflauf gegen
ben ?Xatb erregt hatte, gerner famen gleichfalls in bie Sicht:
3ohann- unb 9ttfla6, weil fte |lch legten angefdjloffrn hatten.
$ei biefer Gelegenheit hatte «Bogt noch einem gewiffen Georg
Xcttfud eine SEBunbe beigebracht. 3» bemfelben unb bem fei*
3abre theilten baffelbe ©cfnrffal mit ben Vorigen: 3efel
r unb äalbcnburg, weil fte einen Wann mit Steinen
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120
warfen unb wüfteä ©efcf)rei erregten; ebenfo 3ofoff ©Hubert
oon üemnifc, weil er einen £)bermeifter granfe mit einem
Keffer burd) ben Sinn ftad>; enbli# Die Bürger ^iperlein,
£an$ <5ugftymibt, weil fte bie Sürgerfdjaft ;u oerberbeu be*
müfyt waren. — Die* Aergernit* ging für ben ftatf) in ben
neunziger 3af)ren faft unaitfgefefct fort, wenn fidj aud) in
ben Slcfjtbücbern oor bem 3af)re 1401 feine Männer mefyr
aufgejagt fmben, weld>e bie 6tabt beuten meiben muffen. Db*
wofyl nun feit bem 3af)re 1401 Ättfllt&et au$ ben Innungen,
itämlicr) ber Sudfmadjer: ^eter Düster (1401), ber gleifdjer:
«Peter Drfele» (1401) unb Diotbgerber: Jpenfel granfe (1401)
im *Ratf)e befanben: mußten bodj in jenem 3afjre unb bem
folgenben, auf ®rnnb oon Drehungen gegen ben 9iarf>
unb 3*td)ter, £ofm, ©dnmpfreben u. I w. auögewiefen
werben: ßorenj S3eier von 9)Jarfer$borf, $an$ £trofe oon
Ullereborf, 1405 ©ofcfdje oom <£ee, $eter 6d)mibt »om 6ee,
Glofel 9to$tufcf;er unb 3oft, Leinweber. Diefe fielen «uöweifun*
gen unb wabrfd)einlid) anberweitige AuSwanberungen mußten
ber 6tabt einen bebeutenben Ausfall an ben einnahmen broben;
unb 23iele auöwanbern, oljne ityre rutfftänbigen Abgaben \n be*
jaulen. X)eöf>atb befafjl ber äönig SBenjel im 3- 1402, am
@t. Slntonientage (13. 3uni) bem ftatbe, feinen Bürger jober
Bürgerin aud ber 6tabt gießen \\\ laffen,. wenn nid)t vorder
an i^ren ©ütern baö t£igentbum ber Commune ftc^er ge-
bellt fei.
6cr;on im 3- 1394 rjatte fict> öerjog 3obanne0, von
Wildau au$, am 6t. SufaStaae (18. £>ft.) oeranlaßt gefeiert,
feine «Berorbuung wm 3. 1391, bejuglidj be$ 2Beinfcr;enfen$
6eitenö ber SBürgerfdjaft, *u wieberfyolen , ba man für; nicfyt
in ber ©emeiue baran gefeljrt fjatte; im % 1405 führte eine
äbnli^e Angelegenheit ju- neuen aufftänbiferjen Bewegungen.
Damals war c$ weniger ber 2Brinfd)anf alä bie Bierfutyre —
nur ber Pfarrer mit feinen Jiaplänen burfte audlänbifctjeS b. f).
nid?tgorli$er S3ier trinfen, — unb ba« SMerbrauen, welche*
bie Seranlaffung gab.
Die SJJipfttmmung in ber ©emeine mochte fdjon lange
bemerfbar gewefen fein; bie gleichzeitigen Tumulte unb bie
SBeftfcnafyme ber £)rtenburg in Baumen, ebenfalls burd) %uty
madjer oeranlagt, mochten bie ©örlifccr ju ctynlidjem Skrljal*
ten anfpornen. «Racfjbem fdjon mehrmals ber ^allifabenjauu
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121
um He ändere glurgreiw ber Stabt angejunbet, aber immer
nod) )u regier 3*** aclöfc^t roorben war, fc^etnt tun Anfang
3u!i He Aufregung einen hohen @)rab angenommen ju haben,
benn am 2. 3uli fchicfte ber 9tath an ben £anbvoigt unb bat
ihn nach ©brli& £U fommen: „weil eä gmifcfyett bem iHathe unb
ber (Gemeine wunberlich fhinbe." 93alb barauf ging ein $3cte
an Tineen) feiler unb Martin Stöger, wahrfcheinffch bie
g*rlt$er apauptleute, mit ber S^^berung ab, Jlnechte gu
mtethen, weil bie Xuchmacber aufgeftanben feien. Sediere
verfugten unter anberem and) an mehreren (Stellen bie ©tabt*
mauern $h bemoliren. Die ftnfunft £eller'$ mit mehreren
^ neckten mar jebod) noch nicht f)inreid>ent> um bem Dtathe
(Mewalt ju geben; ed fdjetnt ein Angriff auf ihn ftattgefunben
\u tyaben, ba in ben Gasrechnungen bavon bie Siebe ift,
ba£ J&eller gegen bie „3Beber" im Beritt fte gewefen fei. (£rft
He Unterftü^uug befreunbeter (ibelleute/ bed Hauptmann'*
v. <&aaan, bed £ug v. ber Mx>nt, SBillrid» v. ©u$f unb berer
£afenborn unterbräche ben Shifruhn
Da in ber ©emeine bie föebe ging, fte wollten 9lbgeorb^
nete nach %irag an ben Äönig fenben um ben 9iatf) bort $u
«erf lagen, würbe JUauä fetter nach *ßraa gefenbet, bem Jlö*
nige He betreffenben ÄRtttbeüuHgen machen, mit bem Neben*
aweefe bie anfommeuben Gefeiten gleich gefänglich einziehen.
(£d ging auc^ .in ber ILtyat ein gewiffer ©tachfeft gu biefem 3w>ccfe
mit mehreren ©f feiten auf bie SReife, würbe jebod) am
22. $ugtiß in 3ütau vom bereite* benachrichtigten Nathe auf«
gefangen, fpäter nach ®örU$ geholt unb mit ben ©enoffen burch
bad Schwert vom ^eben 511m Xobc gebradjt. Die ftnfunft ber
oben genannten 5?lbligen mit ihren Änecbten machte eä möglich,
bafj unter ihrer Decfung mehrere 33efeftigung$bauten an ben
Xhürmen unb hafteten vorgenommen, bie <5tabtmauern wieber
audgebeffert unb Begleich bte 3Bad)e ftorf befefct werben
fonnte, wofür man bie ©ölbner unb ihre güfyrer freihielt.
&önig SBenset hatte fowohl über bie bauftner al$ görlifecr
(Sxeignijfe genaue Nachrichten befommen. 5Äm (Sonnabenbc
vor @i. gorengtage y\ iÄuguft)*) 1405 melbete er bem üRathe
©örlifc, bafj er ben $Rarfgraf 3obft von Fähren ju ihm
f chief e, um bie Errungen in bet ©emeine beizulegen. $lm
") Tu Angabe bei flauet Eberl. ®effy t. <5. 374. tjl unric^ti^.
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15. (September fam ein jweiteö (Schreiben mit bem Befehl
an t>ic ©ärger, r>om «farlöftein auö erlaffen, ficf> ruhig jtt
oerr)alten. man foUe *wei oom 9iat!>e ii rtt> ^n>ci ron ber
©enteilte au3 betio((mäd)Hgt , 411 ifjm fenben, bamit er ben
^)anbe( unterfud>en Hnb beit 3£irren ein (*nbe maduMi fönne.
,9fad>bem Warfgraf 3obft, weldjer bei feiner tftnfttnft in
3ittau bereits bind) eine Deputation be$ görlifcer 9iatbee, an
bereit Spi^e ber ©tabtfdjreiber (taub, begrübt werben war,
ba$ *on ben aufftänbifaSeu ,£>anbwerfern befefcte 8d)lo|? Dr-
tenburg mit gewaffneter J&anb lieber eingenommen nnb ?Hufyc
bafelbft gegiftet hatte, feint er am 25. September*) mit bem
£anbr>oigte «£ert,og 33olfo *>. Wünfterberg (ber bem görliacr
*Ratbe fefyr gnäbig war, weil er t>ie( ©efdjenfe i>on Jenem
erhielt) nnb bem fönigltcben Jtämmerer Jtonrab nad) ©orlifc;
fattben ftch bort, tt)eil0 berufen, tljeilö freiwillig, um bem
Warfgrafen ben .£>of $u mad)en, noch ein: bie (jblen Söerfe
t>. ber Duba nnb r>. SBtberftcnt mit tljrejt ^öfyneit, Dito
r>. Jfcittlifc, bie 0. Surgau unb Dieburg, 5ßeujel t). Dom?n,
ber (£ble t>. Cottbus, l'abac* t>. b. @tabe(, ^etei unb Ulrid)
t>. ©u$f, enblid) Wfla6 von ber Sofyrc. Der Warfgraf,
weldjer gleichwie alle genannten fcon ber etabt beherbergt
nnb auf Jlommun'Unfopen verpflegt nnb bewirket würbe,
fcblicrttete bort mehrere attbere ^iänbel, j. SB. mit t>em
t». ^afenborn, beffen Jtnedjte beö Stratknraubcö bcfchulbtgt
waren, unb bewirfte feinen Auftrag ohne 93ltttgericht. Denn
er legte bie €>tr,eitigfciten jwifcfyen bem *Ratt)c Mttb ber 93ür*
gerfdjaft glucflith burd) einen Vergleich bei. Dap ftd) i'efctere
fo willig gab, mochte wofyl in bem (schreiten sor ben legten
.ftiitrictytungeit WachfefTä unb feiner ®enoffen begrüubet fein,
deiner mochte öffentlich auftreten gegen ben *Kat(), weif ifym
fein Äopf *u lieb war.
Der 2lH$faU ber Untcrfudnmg »or bem Jtdnige war, wie
ftch'tf vorangehen ließ, aud) gimfttg für ben fftatf).
Der Äönig fpvac^ ftch gegen bie ^örlifcer ?Katr)^ - 5(bac-
orbneten fehr wohlgefällig au$, ba# ber Statt) fo euergifdj euu
gefcfyritten fei unb bie ©cfellen*®efanbtfdjaft au ihn r)abe
*) 3n b(1t SRatljtfrecfjnungen, neben ben Urfnnben fafl bie einige
Cnelle, fielet: Sal>alho post Maurieii. Jtäuffet n. a. JD. 375. f>a*
ben Saturn, 22. @efctembet, nnridjtig angegeben.
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hinrichten lajfen. (Fr erlief überDieÖ von Schloß Bettlern,
Mittwoch vor St. ©aüi (14. Oft.)» 1405 einen SefeM an
Tie (Gemeine unD alle ,£>anDwcrfer, inebefonDere Die Sollen-
rvetrer cXiichmadjer). ftd) nicht fürDer wiDer Den JiRath \u fc&eu,
fonDern Der früheren 3$erorDnutni.en, iiwbefouDere Derer jtaifet
äarl'd unD reo .§m<nV* ^obanne^ eingeben! *,u fein.
Xer Aufruhr war im 3- 1405 noch nid^t völlig unter-
Dnicft Xao Aeuer qlcmm in Den ^3 ccboftvittcii in aller
Frille fort, 9tamentlid> in Sanften fant ec* wieber ju einem
Sluebniche, bei welchem man Den ?Nath abfeftte unD einen
neuen wählte. &cnu\ Geniel bereifte Deshalb im 'X 1408
fcibjt Die Vattft^, um Die ^erhältuiffe ber sHnwiiM in Reifen
fennen 41t leinen. (*r hielt in Sanften ($eridH tttiD ließ vom
neuen Statbe 14 ^erfoneu auf öffentlichem SWarfte enthaupten;
100 8nDere, welche gleichfalls inm loDe serurtheilt waren,
würben Durch Die ftürtpradie Der iHoniqtn 3opbie, befreit unD
in Die ?ldH gefchirft. \n (*wrli$ würbe mau Durch Diefe
'Sd)redcnefunDe fing, (yhe Der ,Uöniq Dorthin fam, t>cr*^lict>
nd) Der *Kath auf qutltchrm 3ikcie mit Der 6urger?chaft, wo-
Durch Dae Ungemad) serfdnncht wurDe, ntmat Die StaDt Dem
gelDhnngrigen &enige eine Summe borgte.
l^an emfefinq ihn, bei feiner, Witte Oftoberfl erfolgenDcn,
Slnfunft am 3 bore, unD friedete tt^tt nach Dem Sdwnhofe, wo
ein Duartier bereitet war. Um anDeru Sage ließ er fid> auf
Dem Stuhle De$ $3urgermcifter$ uieDer, um Die klagen jjh
vernehmen, hörte aber, nadt ^erabrebnng, von betben Parteien
Die größte ^urrreDeutjeit äußern unD war Deshalb fehr guäbtg.
X>ic freie $atb$fnr wurDe jebeety biö jmm 1412 twrent*
halten, wo fte wieDer writefgegeben warD.
<5ett Diefer $tit finDen wir feine befonDeren Unruhen
mehr in (*wrlifc, waö jweifelloö ber gemeinfamen Gefahr,
welche ffcetö Durd) Die Jpuftten Droste unD Den flnftrenguugen,
welche ^ener ?Kaub*üge Der ganzen sbürgerfdjaft vernrfad)ten,
«uinfchretbeu tfr, weniger Der Uebencuguug, Daß Der *Katf) in
feinem fechte fei. Xocfy nehmen wir Den Webefleifchfcben
flnfchlag an6, weldjer bei (Gelegenheit Der pobiebrabifdien Un-
ruhen er*äl)lt werben feil.
. 124
»terte* SSapittl.
3)ie ©ewalttfjat gegen 9teub<iH*. #änbel mit
Dftri&*) 1368.
Ungefähr 7 @tunben von @orlt$ in ber ^a<^c nach
6agan $u, liegt ein Dörgen 9ieuhau6, gegenwärtig tigern
thum Der (Stabt, welche* im 3at>re 1368 bem $erjoge 9$olfo
von <Sa)meibm$, einem bei Jtaifer $arl IV. fefyr angefehenen
nnb ihm felbft nahe »erwanbfen Surften, geborte. &er$og
93olfo ^atte bort an ber X$f<birne ein <5tdbtd)en unb Schloß
gebaut, in golge beffen bie 2Baiowagen, 6al$wagen unb an«
bereö gubrwerf bie frühere (Strafe $u meiben begannen, nnb
ben 2Öeg über 9ieuhau0 nahmen. 'bie Söerobung ber früheren
Strafe erbitterte bie ©örlifcer attßerorbentlich ; jie befchlotTc"
ba6 ihnen (Affige <5chlo$ fo wie fämmtUaVn neuen Anbau in
9?eufyau0 )u befeitigen, wagten jebod) bei Eebjeften be$ ^er^
gogä fein foldjetf Unternehmen, kaum war aber, am 28. Juli
1368, ber £er$og gefrorben, alä ©örlife ben übrigen @ea)$*
ftäbteu jümuthete, gen $euhan$ $u $iec)en nnb baä Schloß
niebergu brechen, bei weitem Antrage man vorgab, 92euh<uid
fei ein <Sd)(upfwtnfel für (Strafjenräuber unb bitter vom
Stegreife. 6d warb noa) hinzugefügt, biefe Angelegenheit
werbe ben (Becbsftäbten feinen <S<hat>en bringen, bd bte »er?
wtrrwete ^ergogtn Agttet* von (Schweibnifc bei Äaifcr ^tar(
nia)t in fo tyobtm Mnfefyen, wie ihr verdorbener ©emahl flehen
foüe. 3)ie (5täbte weigerten ftd) jeboa), bem Anfinnen gu
willfahren; fie lehnten ed ein $weite$*, ja ein britte^mal ent*
fdwDen ab.
x $)a nahmen bie (Dortiger it)re 3uflud}t ju einer £itl
Sie fct)tcften, ungefähr fechä 2ßod)en nach ber lefrren $wriid;
weifung, ihren Stabtfchreiber gu jeber ©labt unb baten um
£tlfe su einem 3U9* gegen ©traßenrduber: „wohin fte $ier)en
wollten, fonnten fte aber nicht fagen, weil fonß bie erfrrrbte
Ueberrafchung $u Richte gemacht würbe; übrt^enä verlangten
(te nur wenig SHamifchaften, ba ©örltfc bie $aupt&ah( ber
*) -fcanptqiifUe 3of)aim &on ®uMn. (N. Script, rcr. Lus. I. 34 f.)
»ergl. jtaufar'« Cfrftl @ffd>. I. SS54 ff. <gd>eifr, ©efammt ; ©efdjtdjte btt
Dbet-- «. «Rieb« *8aum>. I. 447 ff.
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i
Kne$te (teilen würbe." Waty einigem 93ebenfen faaten bie
(Staate $u, jebod) mit rem Vorbehalte, tat? <&örfi( alle
3krantwortlid)feit traaen muffe, Statürlid) übernahm ber üftige
<8iabtfa)reiber riefe £$erbittblia)feit.
lemnad) famen in rev ftbenbbäntmeiuug gegen $Beif);
na d) reu tote Kontingente von kauften, Zittau unb fcöbau tiad>
CVe i Ii 6 , unb würben um 3Ritternad)t von ben (Borgern nad)
bei 4£>aibe geführt, 100 baä ben lieb vi gen u 11 Mannte Schloß
unb r tartehen ^enhane, nebfit jwei l> nVitbantmcrii ohne Sfttei*
tcree von ihnen niebergebranut würbe. Wart) biefer 3" tun
wollten bie 6täbtifd)en naa) 3 agan ai einem, angelegten I er*
mine reiten. Die (Dorumer jebod) ritten ohne 2öiffen ber
übrigeu Stäbre weg, überfielen gufyrleute ber .<öeno gin &gne$
von <8d>roeibni$ auf ber S troße bei s.Venhauö, banben unb
foppelten- bie armen Vente unb führten ftc gwangöweife fammt
^ageu unb ©ütern nad) ©öriift. $wtd riefer abermals ge*
fe&wibiigen ^anblung war, bie gubrleHte, welche bie Strafe
über ^ienhano einklagen wollten, in dauerte 11 311 fefcen, ra*
mit fle wieber bie alte Straße wählten.
Xiefe Uebereiluug (eilte ben (Morü&ern großen Kummer
beretteu. Kai (er Karl IV. war bamald außer i'anbeö unb hatte
bie DbeHBerwaltuug iBöhmenö mit ben jugefyörenben Krön«
lanben bem 6rgbifd)ofe Johann von $rag übergeben. I ie
£erjiogin befdureue fid) bittex über bie $9el)anbiung, weld)e
ünem 3täbtd)en unb ihren Untertanen rind) bie übermü*
tbigen Sedjdftäbte zugefügt worben fei unb bat, fte, bie
SBirtwe, bei ihrem 9ted)te 51t fd)ü$en. I >ie golge bavon war
eine Station ber (5ed>dftäbte umt faifer(id)en ctattbalter nad)
$rag. Jjpier erinnerte ftd) ber grgbifcbof baran, baß bie
6ed)dftäbte i'id) fdjon früher über bie 6rraße von 9teut)auö bc*
febwert, unb er Abhülfe in biefer Angelegenheit unb ^efdjwerbe
bie nad) Wüdfebr be3 Kaiferö jugejtdjert hatte. (£r madjte
bie Stäbte auf riefen <&vrucr) aufmerffam, fuhr fte heftig an
unb fagte ihnen, baß fowofyl ber König von sj*olen, alö ber
König von Ungarn heftig erzürnt wegen biefer grevelthat feien.
(5o fönne fogar ber «fter^ogin f dienten, al6 wäre bie Untbat
auf reo (ynbtfdjof* ^at,) uut> utUer fc*ner SWirwijfenfdjaft ge ■■■
hinten, wäfyrenb er bod) ber gürftiu $(Ued ai ©efallen ge
than hatte unb ftettf ihr Scfyufcberr fein würbe. Dbworjl bie
übrigen 6täbte mit <Rea)t bie Sa)ulb auf ©örüfr allein fa)o*
■
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Ich, würben bie flbgeorbneten alter 6 table, nicht MoS bie
von OJörlife, auf Dem dcatbfyaufe ut *J$rag üt ©erwal)rung ge*
galten. Die (Erbitterung beo lvi*bi|ct)ofe mar noch baburd)
firfteiftert werben, bap er tu (mmIhuii>i brad)te, bie OKuImut
hätten vor ihrer &breife nach ^rag reu ©cfebl ertbeüt, bie.
noch übrigen Irihumer von Kctt^ane ttMWtfd)cn bet (Srbe
gleid) ku madjeit.
$cad)bera bie ftabtifd)eu ?(bgeorbneten einige $age in OJe-
faugenfchafl gewefen, würbe euDltd? tut $tkge inüiibücher ^er*
hatiDdtngeu benimmt, wenn bie c table bei Der «frerwgin
(Mnobe erlangt uub bie ^er^ogm ben terjbtfdwf um ^ci^cihttH^
für bie <Bed)*ftäbte angegangen fei, er ihnen ben «£>anbel
gnäbiglid) vergeben wolle, £lm 21. Jaituor 1369, aljo am
läge Der heiligen tfgncd, — matt ftebl, wie polirifd) fein bie
<sed)$ftäbte gerabe ben Namenstag ber ^erjogiit su t()rem
OhtabengefudK ausgewählt hatten — famen Die 8taDte nad)
8d)weiDnt&, ttnb erreichten ben Jwerf ihrer Beübung. Demi
fte würben |ttr Sühne wgelaffen, nad) ^itofiellung eilten Sie*
verfed, „Dan fte feine Strafie hittberu molUen, bie aus ober
nad) bem Vattbe bei ,£>erwgin führe, überhaupt nicht eher, altf
4 lochen, nad) erfolgter ?titjeige; ferner, ban* fte batf 8 t vi Dt
d)en s)(enhatti5 au ber :J^fd)irne gerabe fo, wie eö vor ber
3crftörung gewefen, wieber aufbauten; enblidi, bap ber ©au
am Sonntage ^nvofavit mit ben beiDen ^öirtbobäuferu \\\ bt*
ginnen habe." — Der @ri,bifcbof liej? biefe ^unfdqe (Melegeu-
heil, (*telD von Den Stäbten ut erpreffett, nicht vorüber gehen.
(£r vcrurlhctlte bie £täbte *u 1600 Schorf böl)in. (#rofcheu
StrafgelD. Die übrigen StäDte wollten fid) $ur Zahlung biefeö
OielDeö tüd)t verfteheu; etf veranlagte Diefe ^Angelegenheit
mehrfache ^Keifen unD uuenDlidie Sdrreiberei, bid euDlid) (Mörii^
vnti^ erlegte, uub am 8t. Jiafobotage 1369 bad StrafgelD
berichtigte. Jur Aufbringung bee (*klbeä mußte bie Srabt
eitt aufjerorbentlid)ee» Sd>afrgelD auflegen, watf gro|ie Xufrc
guiig uub bie oben angeführten Unruhen veranlagte.
Der ©au felbft bereitete ber 8tabt auHerbeut noch grofte
Sdjwiciigfeiten. Demi ber «fterjog Sagau wollte fol*
d)en, ald auf feinem (^riiub uub ©oben, nidjt Dulbeit, wed*
halb Die Maurer ttnb ^immcrlcute mehrfach von ihm $ur
(£htweidmitg von -Neubauo gezwungen witrDen. 2(uf Der aiu
bem Seite Droste Die ^er^ogin v. Scbweibnty, wegen $ichtau&
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füfyrumi übernommener Verbinblicbfeireu , rn rurr ©örlf$
mit üjrcm >iue, wenn Neubau ^ m.M balt fertig gebaut
werte. Xafjer mußten von Öorlifc auo Unterbaut ler balt
nad> £ a ^ a n , balt uad) Sdjtveitnift, balt nad) sJJrag reiten,
fo fcap Die .Hoftcu in tiefer oadje fcfyr bebeutenb anwürfen.
Xer $au tonnte erft un^eftört betrieben werten, ale bie 3tabt
uad> Sieuf^au* eine $kfa&ung von 40 sJLVauii gelegt batte.
Xer Streit würbe taturd) beigelegt, baß entließ ©brlifc
im 3. 1377 bae Stau dum v)Jeul)auo taufte. Xaß bicrauf mit
fofortigem viihucbe nidu gefäumt wmte, ift natürlid}.
tao ialjr 131>S fällt uod) bie Aeboe gegeu C>ftrifc>*)
Xiefce aufblühende 3ta*td)eu maßte fub uämlid) unter beut
Sd>u$e Der ftcbtifttu iMgneo I. 0. $rißlau slHaricntl)al
Stattrccbte an, braute s£ier nur vcrfubr baffelbe in bie Um
gegenr, ja, mau baute fogar eiu ftatybautf. JJpierburd) wart
Der t>cr Stätte, inöbefoutere Jittau'd, erregt. Xie
Scdjeftabie, baruuter 40 ©leren (circa 200 sÄanu) von (#öcli$,
jogeit am 12. Xcjember l.'Jtitf uad) Ctinn uut brachen taö
neue Dtathbauö ab, obgleid) fid) bie vu im im mit reu Colinen
von s3Warientl)al uuter ba* Waihbaud gefegt haru- Vlmb bie
Statrmaucen nnirten ber (5rte gleich gcutacfyt. Xaß tiefe
neue (Mewaltti n( ten Unwillen am Präger 4)ofe gegeu bie
z tat il nietyt verminterte, laßt fid) wobl benfen.
£>örlifc unter £eriog 3obanncä. «Pcfjmgertdjt. Jebbe
ted jgfefjogd mit tem v. $iberftein auf grieblanb.
Vertreibung ber 3uben, 1376 — 1396.
i&ine auöfübi ii die (.sumind>re bed merfwurbtgen ^hriiuen,
ehieo ter ^enigeu beö Uu^b^gUd^CU ^aujeä, von bem nod>
feiue Special * SBiogravbuT erfSicneu ift, (int wir in ter %i*
ulmlm- von oun im 111 du im r. raube \\\ geben. Xie ^ebeu-
tung biefee Surften reicht weit über bie ©renken wifered SkMf*
•) MMflfbei*« Okfa. w. ÜÄaritn^al, <g. 72. Johann t>e (Mnbin,
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bilbeä hinaus, unb ld.ua eö fann hier all ein von unö in $e?
tradjt gejogen werben. s)tur fo viel glauben wir fageu gu
muffen, bafi ber . Jfreriofl von ®6rlift" feine* wegä ben trau-
rigen Stuf verbient, mit welchem bie anwi jfenheit leiduf eiliger
©efd)id}tfdjreiber feine ^irffamfeit um bullt bat; baß er freilich
in golge feinet Xoreo im jugenbalter ben Wubm fid) nicfyt
bat erwerben tonnen, welken fd)on feine 5 baten alo jüugling
bereinft vom reifen tarnte erwarten liefen, üffiie fd)on gefagt,
ift feine $ßirffamfeit eine mel)r univerfeUe, nur barjer in &ejug
auf unfere 8 tarr nicht von ber $kbeutfamfeit ui welker ber
$itel: gfjjgjgfl ttffl «ßlorlift" hm»diHgt &ber aud) in bem,
wad bie 6)efrt)id)t*queUeii von ©orlifc jur Hufflärung bieten,
futben wir in ihm ffctti ritu& tragen ^i>olliiftlingo, einen
jüngling, ben von bei fiubcftcu $tii an, wo er uiredmungd*
fähig wirb, bie fffytttrjta Sorge« beä 4perrfd}crfyaufc* bc*
angingen; beffen furjeo Veben et füllt ift von Unruhe, top uub
üäufduing; ber, — ein gürft — , oft felbft bunt bittere 2ti
mutl) bebnitft wirb. (>iibIoö ^jn* mW fyergetrieben von bm
verwirfelten $krbaüniffcn, bie fein jabrbunbcit uub rao v£taatä«
leben jeneö ßritalterd überhaupt bewegten, febeu wir ihn dürften
mit ihren Golfern wieber vereinigen, feinen unglüdlidjen trüber
BBengeJ retten, ja bie bobmifdK trotte audfefyfagen, welche
er bei ber allgemeinen iMbutauug gegeu .Honig sIi>euul uu
behinbertjuiMeui foauvt t)ättf pfr»» fr?'MiX" Jit vfct*
wirf e 1 1 f t e tt juftätibcu tyarrt er au$ unbo e ft c h t mannhaft.
£>ffenfunbig leuchten feine ^Bemühungen, bie l littet t ha neu ;u
beilüden; gütig uub milbe gegen biefelben, befolg! für ü)re
Wohlfahrt in einem Älter, wo 8ohne uuferer jjeil faum ;um
crftenmal frei in* Vebeu treten, würbe er fidmlid) im reifen
Hilter, feinet Urgrojwaterfl, St aifer ^einrid)^ VII. glorwurbigen
Änbenfeuö, nur feinet unenmlbltchen 5>au"ro\ JfarVö IL, nid?t
nnwürbig gewefen fein. Slber fein guter OJeniu* verfapt ihn;
ein buufleä ^erhäugiiifi, ffiflrbig ber $Bethe beg Dnunaftferg,
verfd)lingt ihn, uub, bind) unergrüublid>e Sohauhbat fein for
geuvoUeä Vebeu in einem Hilter von noef) nicht fcjftÄ uub
iwaniig jähren enbenb, verfdjwinbel er plofttity vom cebau
jiTaJeber 2ÖeitgejdjuJ>rr, in ben morbbefledteiiSÄguumciucd
johauueo, £erjog von (Morlitj, iufel reo itttcilicbcu Mc
nigtf Johann v. Rohmen, aud bem #aufc l'uremburg, war
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129
ber frriO£ 5ofrn j&iiia-Jtol^Vv <weua,t mit reffen vierter
Öema^TiriTTfnjaFe^ Xodjter £er}oa, Sooftta*'* V. t>ou Bom-
mern, einer "iamOveldje bei auca.eL1«d)netei Ätiipexiö)iMil)e^
fo ungewö>iiüa)e £tärfe bei'ap, bap fie äudjeumenYt wie Ra-
pier jufammenbnidte, £«feifen mit ben Rauben jerbrad) unb 1
aauje ^angcr; wie ^ei«ewan^^'amnieurji>Ute»).
Gr warT^eboreii auf Dem faiferli(f>eu ^TffJfoMc ^u ©rag,
am 22. 3nni 1370, «beiib* 10 Ur)r, unb biete* (Sreiqnip
aldbalb überall Inn flentelbet, unter anberem bureb einen sBnef
an ben ftarl) ui ©rrajibHra,, welche* Schreiben nod> vor*
banben ifi~). «eine laufe i)efcf>at> am 24. 3hm, beut 3o*
baimtetage. Die (*rjiebuna, beo ^rinjen fiibrte anfänaNd?
ber 93ifd>of von geHbu^nnter ben 3(uqen betf ^atferö, ber \\i
im ^clcTTTUfiiH gfuftenjeiner 3eit gebort***), welcber $ifd)of
jebodj bei 3ofjann unb beffen älterem ©ruber Sifltmmb, int
3. 1374 )u Xangermünbe jurürfbliebt), all ber Äaifer bem
Aelr;ua gegen Warfgraf Otto v. ©ranbenbunj bein>of)ntef*).
»ei ber «Rücffel)r be$ tfaiferS nad) ^rag, bereitete ihn
feine gamilie, barunter audj ^rip4^^ol;auuci< , _jvc(d>en bej:
St a tfa ^mi^-~Um,^uucii . . £M))iuub. „4«jn Warf graf eV / Yuu
^r^iuJutt^. ejaiajmte. £>er äaifer liefi tajon'TNtmat* unter
Johann* tarnen ttfityrere Verträge, babei auä> bte (£rbreini*
gung ber Warf mit Dem tö&nigreia)e ©öffnen r>oÜije()cnf**).
3n ber erften tyit feincä bebend füljit 3ofyaniie4 ftetä
ben Xitel eines Warfgrafen von Söraubenburg; bod) gehört
ber weitere 3u|animen^an^ unb baä ÜBerfyältnij?, in wc(d)cm
•) Benesch de Weitmil ehron. üb. IV. b. Saljre 1371. (SS. rer.
Boh D. 409.) Sfabad), ©efd). Äaifer Sigmund l 5. u. a.
••) SÖenrfer, collect, archiv. i>. Ii6. u. a. a. O.
••") @. meine abljanblung: Ueber JTaifer Äarl IV. al« SdjriftjteUer:
SRaaaj. 3abrgati3 1849. 6. I ff.
t) Catal. abbat. Saganeus. bei Stemel. SS. rer. Silesiac. ©. 199.
t") »iebel, cod. diplom. Brandehurg. Slbtb. II. ätot 3. 6. 51.
Urfnnbe \Uo. 1168.
«m 17. SWai 1374, am 18. 1374. (d.d. $rcm*lai»). «Riebet,
a. a. JD. e. 31. 32.; am 28. SWai 1374 (d, d. ©üben) ebenb. 6. 39;
am 5. 3uli 1374. (d. d. Xangermünbe) ebenb. ©. 47 ff. in i»ei
fumenten u. a. a. JD. Äönig 2öen}el befolgte gleid^faUd ben »rauet)
feine* »ater* bei «uoferttgnng braubenburgifd)er Urfunbeit. Rirtel
a. a. D. ©. 90. 93.
9ef^ia>t< »on «crm. ^ 9
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er anr SÄarf roäf)renb feinet tfebenö ftanb, nid>t in unfere
6tabtgefd>id>te.
$11^ Jtaifer Äad im 3. 1376 baä (£nbe feiued Vebeno
bei immer abneljmenben &räften vorauefab, orbnete er baä
(£rb|cfoaftdverl)ältniti fetner 9?ad)fommlinge. 33ei biefer ®elc
qenbeit befam ber tjeJ^jatyi#ir>^o^ bie 92eumarf, bie
9tieberlauft0 unb außerbem bic^^TSTürli^ mit bej^Mad
gjorj^ — Die übrigen ^cd^|Y^r Wr^^'tef löc b men .
ncbii^ciiö ift ee* uocf> uubejttmmt, ob Mc Stall Vauban mit
ilucni SBejirf ^ um numnerjrigeu gürftenrr/um (Dör(t$ gefdjlagen
innre. Vaubau tventgfteiiö wirb in jener >u aio unter bc
fenberer böfjmifdjer ^>errfd) au ftefyenb, nnlu mit erwähnt,
wenn von j^HlKJuJiiibÄ^rt11.^ HUl> $8$Jßi ~^iJH^JiJ^
Sine befonbere Urfttnbe libfi* ^fifTiTufl fcicjcd n^ni güijTciu
tfyumo ift tue je$t nidu aufgefunbett, nur fo viel wiffen wir,
bafj mit bem (>inmtt bed neuen 3alne$ J 377 Maijev Maxi IV.
von $rag auö au beu Warb ui ©örlifc bie 33euacrnid)tiguug
eil ich, ,,t-afj cv feineu jüugfieu Selm jobaune* ^um $er&ege
von @ör(i$ verorbnet unb bafelbft ein fonberlicfyeö guiften-
tbum eingefefct kibe, welcf/eö vou bem Könige unb Der Jtrone
Söbmen ju Seijen gcfyen foü." $ier ijx bie erftc 9facf; riefet
vou ChmiL img bee ^ iu ftciithnmö (5örü$.
3n fjleidjer 3^t t würbe befohlen, baß s.Bter auö bem
9tatl)e, SBter auö Den Vleltefteu unb 3wei auä ber übrigen
©emeine auf näd)ftfommenben Dienftag nad) 6t. *Pauli voe*
fefjrung (27. 3anuar 1377*), nad) ^rag fomraen unb bem
£erjoge ljulbigen folltcn. Die 10 ^erfonen, an ber 8pi$e
ber Söürgermeifter 3ofcflÄÄ~ iwiJ)ieid>enbad) nebjt bem borgte,
fuhren bafnn in $ßagen, wel<f/e baju7 nadjpben Iftatfjöred)'
mtnaen, Hm 24 ®rof(6en angefertigt worbeu waren. Die
«Reife foftete ber 6tabt 44 Schorf ©roföen. Den Xag nad)
•) $ie Urfunben ftnb in bem Dberl. Urfunbcuüerjeidju. nadNufcben.
3u x>crgl. tfi Älof; : ©effy b«f $erjog<J Spanne* wu ©örlifr, »on beffen v
£bfd). auf ber Äatb«bHjlioü)ef .Rödler im ®i>rl. 3öegtt>., 3al>rgang 1839,
einen Xbbrud beforgt unb mit mertbvolten (Srlänterungen verfeben bat.
CDiefe, »orjjüglidj auf bie mit bem 3aljre 1376 beatnnenbeti gört, Math»*;
redjnungeu gejtü&te ©efdjifye, n't bi« vorjageiotife im Butfjuae n>ieber=
gegeben unb babei ramal# nodf unbefannte Duellen, wie 9tiebel'6
Cod. dipl. Brandcb , bie «b^anbL ber fönigL böbm. ©efeUf^. ber
in ^Jrag je, gu OiaU)e gejegen toorben.
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«
134
ber ^Hlbignng erhielten bie »bgefanbteii bie $eftdtiaung ber
Privilegien von bei« neue» #erjoge, beffen Siegel mit ber
Umfdutft: „Jobannes dei gr. roarchio brandenburgens. et
dtix gorlicens.44 an ber Urfunbe Mng.
Die Stellung von ©örli$ ui ben <5ca>dftäbten nnirbe
bierburcty md)t veränbert; bie <Stabt behielt im 93unbe tr)re
'»fechte unb SBerbflidHungen uub übte fte ftetä.
«te ^erjog *u ®örli$ ftanben bem SWarfgrafen Johannes
im qörlifcer Ui eife, ber Stabt (Morlin unb ben baui gehörigen
@tät>td>en, £errfa>aften unb Dörfern, alle ©eredjtfame eineö
fcanoe^errn $u. ör erteilte unb veibefferte bie Privilegien
ber 6tabt unb 9citterfcf;aft, übte baS $elehnung3^Jiea)t, bie
ÖejieUting ber Saubeäämter «nb bie oberfte ®eria)t$barfeit,
be;og öjfentlia)e (Sinfüufte, bot bie Untertanen \u Äriegäjügen
auf, mutlte aber babei alö börjmijdjea Untnlctu-iKShcrr r<a
4ci* Mwattom bie bireftc . &xx\Ml
<ug7immr
Da 3o^ann im Anfange feine« Regiment* nod) immun
big «nb Äönig äüenjel fern Dbersormunb war, fernen roir
Vetteren aud) or>ne >naun* Unterfd?rift ober 9?amt)aftma(bung
oberherrliaje ©eredjtfamc ausüben, '©äfyrenb t»iefer 3cü fianD
®örli$ mit ben übrigen 6ed)öfräbtcn unter bem fcanbvoigte
be* ÄönigS. 3n einigen gällen behielt ftd) aud> ber &onig
bie Seftdttgung ber von £er*og 3obann verliehenen pri^
vüegien vor; er bot bie Untertanen 3oi)ann'$ m Kriegen auf;
lief jtdj von ihnen (Steuern bemblcu unb alle £anbe$gefeöe
für 33ö()men unb bie einverleibten Sanbe galten aud) für ba$
fiurjtentbum ©örlifr.
3n geijtlid^en Angelegenheiten blieb (Moriin unter bem
Eiflthum deinen; bie Vlbfidu be* £er$og6, in (Morltn ein
tyfimsAtayitii für baft ftürftenthum ^u^td(fyt$n unb Demgemäß
au3*ufitatten, ift burO) ben fruTjen-^oB beä jugcnblia^en {Jürgen
mit U4 (Mrabe getragen tvorben.
Jtaifer Äarl unternahm in ber gaften^eit, im . 3. 1377,
mit ber tfaiferin unb bem Öerjog 3ohanne$ eine Steife nad)
ber SWarf SBranbenburg. Den 4. s3ttärj 1377 trafen fie in
C^orlin ein. <>■& würben bamate beim Empfange ausgegeben
für ben £ofjiaat be* Äaiferö 3 Sa)otf 12 (Shr., für gtfa)e unb
$rob, für Söein unb 33ter 8 6d)orf 18 ©rofaW
ferin reia)te man al* ^xtn^mt 10 @a)od, 8 £if<htöaw
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132
5 ,£>anbrüd)er unb 8 6tüef Semewanb für if)re &leiberfammer,
bie ° auf 2V2 <2d)orf angefe$t fiub. $>em «Öerjog Jobartnees
mehrte man "20 Sa)orf, feinem Jöofmeifter 2 6d)ocf, feinem
«frömmerer l (5d)orf, «Ipcinfo v. $)?evenwalb, bem Jtangler ber
itaiferin §« Kleibern : 3 Sajoef 20 ©rofdjen. £)ie itödje unb
3$ratcnwenber nebft ben übrigen Jtämmerern erhielten für
2 ©dwrf 12 ©r. iud) gcfa)enft.
$)cr ÄcUfer blieb je&t mit feiner gamilie nur für je ^txt
ba, unb ret^e $unäd)fl biä Sauden unb von ba nad> ©üben,
in $kgleituu$ beä 53ürgermeifter$ von ©örli($; bie Iföatfyäberren
Sodann (Srmelreia) unb ^eter $on)e nebft bem s4$oigte folgten
bem Äaifer nad) Xangermünbe, wohin er ftd) von ©üben
über Berlin beacben fyatte. £)ort erlangten jie bie (grflärung,
ba£ naa> bem Xobe ber ^erjogin 94gneS (f. $a». IV.), ber
©tabt ba$ IfRec^t wegen ber ©träfe naa) 6a)leften wieber gu*
fallen folle; aud) bie Jtaiferin erlief hierüber, am 1. 3um
1377, von Xangermünbe auö, an ben (Srgbifdjof Johann von
*ßrag ein 6d)reibeu. ber Äaifer im «£>erbfte na* 9361)*
men uirücfging, fenbete er ben £>erwg .Jpanä na* ©örli$;
gefcterer weilte von Anfang November biö um 3Beil)naa)ten
1377 in feiner üteßbeit), bi$ u)n bie äaiferin uaa> *ßrag abholte.
3m folgenben 3ar>re 1378 blieb ber ^erjog fortwäljrenb
in *ßrag, unb ftanb am Sterbelager feines 33aterd, am
29. November 1378. (Sin 33ote beä Sanbvoigte*, $enefd)
von ber 2)uba, benadjridjtigte ben görlifcer töatl) vom Xobe
ßaifer StaxV& , ni bereit Veidjenbegänguif in *l*rag aud) tlb-
georbnete von ©örlifc gingen. Mm 21. Dezember (6t. Xfyo*
ma$) würben bie (Sreguien fyiefelbft begangen, wie eö fätint,
fei)t feiernd), ba aud) bie Sa nbgeiftlia)eu ba waren. s$lm
fajatfte bamate ein Zud) von ©oibbtofat für 11 <Scfwcf an,
bejahte für SBadjö 5 6a>rf, ben ^n ea)ten, welche bie «fernen
unb £id)ter bei ber ^rojeffton trugen 27 ©r., für ^falter-
£efen Vi Sttarf, ben 5Wönd)en unb ^rieftern vom Sanbe pro
€a)maufe.6 <5a)otf. — geiber jtarb aud) ba'b nad) bem
tfatfer ber einflußreiche unb weife fatferltc^e 9tatfy: <Srs6tfd>of
3of)ann voir$rag.
ber 9cicberlaufth unb Weumarf in 93efi&, jebo d) fo, baf Jtonig
^cn^el unb bie Jtatferin <*ltfabetl> wä{>renb feiner ättinber;
iä^rigfeit bie StegierungSgefd^äfte ausübten, ^arürlta) gingen
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I
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au* fämmtüay unter «§>erjoa, 3efyanneS tarnen au^ßffteirtcn
Urfunben in jener $crfofce feinet i'ebenS von 28en*el urtb (5ft*
fabetb aus.
Die (Sinfünfte t»ed $ergoa0 beftanben im gürftentfjum'
©orlifc, wie im ganzen ßentgreid) Böhmen üblidj, aus zweierlei
Abgaben. Die feftgefefcten beiden fernen, Vofunaen, 'Kenten,
Steuern, 3mfen> bie nidrt feftgefcfcten mußten bewilligt werben,
unb beftanben, wie febeu im 1. üöuebe, Sta\>. 5. angegeben,
unter bem tarnen: Beben. Die erftere 2lrt von Abgaben
war im 3. 1356 vom Jtaifer &arl an ibimo t>. itolbifc »er-
pfänbet worden, wofür Ibimo bie Abgaben an beS Vanbeä- •
berrett Statt in ©örlifc erbeb, was ihm Jtönia, ^Öetnel be*
frärigte. Den Ueberfa)uß ber Steuern zahlte bie Stabt an
ben «J£)er^og. DieS betrug im % J379 jweibunbert unb vier-
;m Stbotf. &tt Stelle btefeS StabtgefcboffeS jablten bie (£in*
meiner ber görlifcer gürjtentbumS4'anbfcf;aft in bleibe (^fen-
ntgen) ober betreibe ibren £anogefcboß. Untere Abgaben be-
fam Der ^>eqog gelegentlid), wie audj (tyefdjenfe an ben geften,
au Djtoru, ^fingfien unb 3ßei()nad}ten. 3um £5fterfefte erhielt
er gewöhnlich 6, jur $ßei()nad)tsfeier 10 Sdjorf böfym. ©reffen.
3m 3anuar 1379 verließ «£>erjog ^>an6 *ßrag unb fam
über 3fr*au u,lt) $trfd)felbe, wojclbft er nird> bie 9iatf)6f}trren
. empfangen warb, nach (*)örli$. (£r traf am Sonntag omnis
terra (vom Anfange beS lat. ^falm'S fo genannt), b. b. am
16. 3anuar 1379 in ©örlifc ein unb würbe mit SBilb, ÜBein
unb 5Mer für ttd) unb fein ©efolge befebenft; au gaftnacfyten
lieg ihm bie Stabt geftlid)feiten bereiten, wobei munter gerecht
unb viel mujqirt würbe, was bem neunjährigen J&erjcge viel
greube madjen mochte. 9J?an finbet in ben föathSredmungen
angemerft: baS geft fei auf feinen üöillen abgebalten Werbern
Sein bamaliger 4?efmeifier, Hlbrecfjt von ©rtfftett, ließ fiel)
gleichfalls gern befebenfen, ebenfo ber fcanbvoigt. 3" biefer
Seatetjung waren bie ©örlifcer übrigens niemals farg, ba fte
bie großen Herren oft braud)ten unb wohl wußten, " welchen
(Sinfiuß bie Umgebung auf ben SÖunfd) beS £anbe$berrn aus-
übt — Seine ttefwen* war baS auf Jtaifer tfarl'S IV. Be-
fehl feit bem % 1369 erbaute Schloß am grauentbore, beffen
Ueberreft ber grauenthurm, frut>cr Sdjfoßtlumn beute nod)
fter)t. 9ttan muß niebt wie fließ u. 8., baS Schloß mit
ber «Burg bei ber $eterSfird)e, bem foäteren «BoigtShefe , »er*
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wedjfeln. gelterer würbe bem &önig 3o^onn im 3- 1319,
ale» er bie <Stabt überfiel f übergeben unb auf ben Söotgtdfjof
ift bie 23e$eia)nuiig: £er$ogä £of, b. 1). £er$og Reinritt)'«
3auer «£>of, beuten.
3m folgeuben 3afyre, 1380, mar ber £er*og qroßfentr>eil«
mit feinem £ofmeifter 2llbied)t Qhiffftett in ©örli$. 8m
Sonntag Dteminiöcere (19. gebruar) reifte er nad) %kik in
bie 9iieberlauft$, weljin if)n ber Stabt Sagen führten uno
erft um 3ubilate (16. Äpril) fcon bort wieber abholten. Jtonig
Sßeitftel erljob in btefem 3abrc vorn gürftentbume CMovlie eine
bebeutenbe Steuer, \n welcher bie ©tabt am 6. Bpril: 627
Sftarf t €a>o(f be&ablen mu£te. (£r fcf>Itd>tele noer; am
13. 3uli 1380 einen 6treit wifätn ©örlifc uno Zittau wege*
be* Söaibö. Die Bäuerin (Slifabetb, wela)e unterm 16. 3uni
1380 bem 9*atr;e ber 6tabt empfohlen batte, bie Steuer an
£euog £an$ richtig au jafylen, befugte ifyren <Sol)n im Sep*
tember, bei wela)er ©elegenljeit ein furnier t»eranftaltet würbe.
@$ erfreuen r>iet polnifcr)e (wol)l meiftend fa>Iefifa}e) uno meip-
nifcl)e ftttter. Ueberljaupt fanben mehrere gefte ber m in
tiefem 3a()re ftatt: in ber Sßorfje naa) (Spipf)ania$ (zweite
5öoa)e be$ 3amiar), am 3pf)anni$tage ; an ber JUrmefl. 33et
legerem Xurniere mar unter glnberen ber $er$og »on fünfter*
berg zugegen. ,
Der £eraog erlaubte im 3. 1380 ber ©tabt ©örlt©,
einigen 3»^ unD Untertanen in ÜWodö *u faufen, wofür fte
bem ^llbrecbt *. ©riffftett ein (Srföenf »on 40 «carf gab;
aud) belehnte er Sutfjer unb £etnje ». ©eräborf mit ftetcr)™*
bad), sJIÄengelcborf Hub ©olanb.
mx 12. TOars 1381 erlaubte tfönig Söenjel ben 6e<$$*
ftäbten baei «el)maerid>t, gegen Räuber Hnb Uebelfyäter aUer
8rt gan$ in oerfelben Sökife ausüben, wie e« ui feine« Ra-
rere Reiten beftanoen babe <B0 war bie6 fein geheime«,
fonfrern ein öffentliche* ©ertetjt, bei bem ftetd ein erwählter
ber Scitterfajaft: *Hia>ter, unb bie ©tröffen auö ben €ed^
ftäotett gewallt waren. SBenn biefe* ©erity, welche* ben
33lutbann unverfürit aueübte, eine« Uebelt^äter$ unb SBerur*
Petiten ni<f>t fab^t weroen fonnte, fo fam er in be$ 2?er>m*
gerid)t6 «djt; er war bann im Verriet) ber <5ed)dftäDte, unb
wo man feiner \)abt)aft werben tonnte, t»ogelfrei. «ufjerbem
beftätigte fBcnjel, bee».^>erjog« babei gebenfenb, bie ^Privilegien
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ber 6rabt unb befahl ben Jauern bie ©ere*tfame bet
Untertanen be* £erjogö nid)t \u fränfen; mar aua>
am *robnleia)nam*fefte (am 13. 3hoj) 1381, perfönlia) in
3m ^efolfje be* tfönig* befaitben fta) ber l*r*bifa>f
r. Stfagbebnrg, ber 33if<focf oon fcüberf u. — 3n biefem
3<>hre Würben nod) *wei <$ren}frreitigfeiten mit bem £er*oge
von <§agan, unt> bem Marfgrafen t>. ÜÄeifjen mit ber itroiie
Pehmen gefd)lia>tet; lefrtere tn ^ulöni^. Balb nadjfjer warb
in <$örli$ wieber ein furnier abgehalten, bei bem fta) viele
bitter verfammelten. — fluf bem €a>loffe be$ £er$ogä würbe
Oie Skrraäblung ber ^imeffm «nna mit Mnia 9cicbarb II.
tv linglano bedangen, am 25. sDcai (Sonntage #raubi). Die
Stabt bat hierbei feine Bnogaben gehabt, außer, ba() fte ben
Ömm*!L l*migegjjt SBetn unb ©iere gab. 3m Sluguft be*
(traue teiT^Pfffg fem ©ruber SÄarfgraf Sigmunb, in beffen
(befolge bie 6er$oge t>. €(hn?eibnih unb Oppeln, fowie ein
StfAef and Ungarn waren.
3n ben Sahren 1382 nnb 1383 flnb bie Gasrechnungen
verloren, and) feine Urfunben oorbanben. (*ine einzige b. b.
93ubweiö am Jfatharinentage (25. 9?oo.) 1383, oon ^erjog
3ofyanne6 mit feinen übrigen ©rübern jugleidj auSgeftellt, be*
weift, baß er bamalö in ©ubwete war.
1384 war £er§og £an$ wenig ober gar nidjt in ©orlifc,
fonbern, wie e$ fd)eint, metjten* in ^rag. 2lm 7. SRta
1384 belehnte er ben görlifcer ©üraw 3afob eieiffe mit 6
Schorf auf bad <&ut Äödlifc, bie biefer oon £anö Ulmann
erlauft hatte; ferner 9Jitfa) an ber (£rfe mit 6 Sdjod
auf ÄöSlifc unt> unterem 30. SRärs 1384 ein 6a>ocf 8 ©r.
auf Da* Dorf ^ennerdborf, bemfelben oon Margaretha 6teüi*
Werfet oerfauft. $on bemfelben Xage ift aua) t>aö oben
angegebene ikioilegium ber £tabtwaaße au$geftellt. 3m
6patherbjte (1. November) fa)lta)tetc ber ^eqog einen Streit
ber <Stabt mit bem (Selen Ottoo. ©eräborf, welker auf feinen
©ütern fid) unterfitanben tyaitt, Dber^eridjtfbarfett aufyu*
üben, weshalb er in be$ £er$ogd Äa)t gerietb unb bann naa>
gab. $on <4$rag au6 legten ber fombDoigt ©euefd) t>. ber
Duba unb be$ £er$ogd £ofmeifter (mayzoge) einen Streit
jwifoien ber ©tabt unb bem Stabtpfarrer 3ohatmeö (o. Sutifc)
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bei, welcher über gewiffe £eicf)entücber entftanben war unb ;u
(fünften ber £tabt emfd)iebeu würbe.
3n biefem 3af>re folltc ein äriegfljug gegen 3obann
v. 93iberftein auf 'Sorau unternommen werben. >hann
$iberftcin harte nämlid) beim lobe feineö <5d)wiegervaier*,
Weinbarb v. £treel, im Samen feiner ©emablin ftfaMf,
<gireei'6 ®üter, $eeefow unb Storfcw eingebogen, wät>renb
^önig Senkel felbige-alö fönigltd)e tfehen für fieb in Hnfvrud)
nahm, «m 22. 3uli 1384 follte nun ber tfanbvoigt J^eneßL
von ber Duba mit einem Speere, $u welkem aua> bie 6ed^*
lanbe ihr Kontingent ftellen follten, in bacJ $iberfteinfd)e Qk*
biet einfallen; boa) ftnbet fia) über bie Ausführung btefe* *JJla*
neä uid}t* vor*).
@$ würbe im 3 138 t wieber ein $au auf bem 6<$loffe
in ©örlifc vorgenommen, unb bei biefer Gelegenheit bie im
3. 1838 abgerufenen dauern unb Irep^en auf bem grauen*
ttnirme angebracht.
9?od) beim beginn be* 3«l)reS 1385 war 4jer$og ^>an«
in SJfrag bei feinem trüber, bod) fd)on nad) Dpern fam er
auf feiner «Reife in ber Warf in ©örli$ an, wo er hafte 3eit
verweilte.
sEor feiner «nfuuft beftärfgte er au« Prag, unter' m
4. 3auuar, bem Dtaibe §m ©örlifc bie angefallenen ©üter \\\
£enneröborf, 16 Warf ©elbe* unb ba$ flird>ler)en bafelbft,
welcbe $enefa) v. b. Duba verfauft batte; ntd)t minber am
19. gebmar ba* Privilegium be* Seinfdjanfe«. 3m No-
vember war «£>er$og £an* in Sauten unb am 25. beffelben
Wonat* ging Oer £tabtfa)reiber bafyin, ibm einige angelegen*
beiten wegen ber 3uben unb ber 6tabt 3ittau vorzutragen,
ttäbere* baritber ift nid)t befannt. ©örlt^ mugte bem £er*
joge biefeö 3al>r 1200 Warf bejablen, wa brfcbetnlia) wegen
ber langen Weife. Die <5tabt fa>enfte tym jwei vom £anb-
voigte beforgte galfen; feinrti gorfiern aber % 6a)orf ®rofd)en
m Xudje.
1386 fam ber «^erjog im 3anuar, wie auSbrütflid) ge-
fagt wirb, naa> langer JÄbwefenbett, baä erftemal wieber naa)
©örlifc, unb mar auä ber Warf, nebft SBolfram, feinem
^anjler unb 2llbred)t von ®riffftett. Wan fdjenfte ir;m 20
•) »ritt, @efd>. ». <Scxan unb Griebel. 6. 26. 27.
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137
Scrmrf Hnb verfrfncbene Herten feiner unb gewöhnlicher ©eine.
Und} fein (befolge warb mehr ober weniger befdjenft, unb
viele 9bg,eorbnete anberer Siäbte freu nb (ich bewirket. Da*
matö beftäH^te er bie Stiftung ber Capelle auf bem Sfatb
häufe in Wrlifc, am 6. Februar. (*r verweilte wieberum nMt
fmr$e 3*tt unb ging von hier nad) *J*rag, webin irjm jwei
Dem Statte, fowie ber Stabtfct)reiber folgten unb bie SÖitte ge-
wahrt erhielten, baß wäbrenb feiner 9(bwefenbeit ber Äan^ler
^ernrict) <5d>epfe bie ©eredrtfame ber <Stabt wahrzunehmen
befäme. $$on *ßrag au« reifte ber £er*og naa) £uremburg.
lieber be* £erjogö «nrecr;t auf Suremburg ftnben fid)
feine beftimmten Hnbeutnngen. Seit Dem 3. 1390 fütyrt er
and» ben "Xitel: „fierjog v. SurembHrg." Won 8uremburg au$
belehnte er am 3of)armi*tage feinen SJafallen unb „SBor-
fd>neiber," £and v. ^enjig, nebfi beffen trübem, mit einem
SebemJmannc „Caurrntiit*" \u ftottywaffer, jugleia) mit feinen
©arten unb £onig Verrat!).
Um SWicfyaeli* war er lieber In ©öhmen. Da neue
6treirtgfriten mit ber £er&ogln 8ane* von Sdjweibnifr wegen
ber Straße vorgefallen waren, jebitfte ber *Ratf) ben 6tabt*
fajreiber $u irjm na* $urgelin, bei welcher Gelegenheit über
ben 3rotft be* Stabrpfarrer* mit ben granatefanern verhanbelt
rcurbe.
9<tach bem 1. November reifle ber «£>enog mit ber $atfe*
rht (Sltfabetb, tn Begleitung be* ganzen i)offraate$, burd)
@)örlt$ nad} ber Sfteberlaujty, fam and) fväter auf ber 9tüd*
reife, begleitet vom Stabtfdyrelber ^einrid), burd) unfere Stabt,
aber um folche fofort wieber gn verlaffen unb fta) nad} s4$rag
ja begeben. SBenn bei biefem 3ar)re von einer „Ducissa de
Gorelitz" bte Siebe tft, fo fann barunter bie <£>er)ogin
v. Scbwetbnifc verftanben fein. 33err)etratr)et war ber $erjog
bamald noä) nict)t.
Da* 3a^r J387 wirb mit $er>be eröffnet*). 6cr)on am
(?nbe be6 3<tr)w$ 1386 r)atte* 3o^ann v. SMberfrein auf
©orau >c. neue «^änbel befommen mit Äönig 5Öenjel, wa$
ifm veranlagte ba$ £anb beä «£>erjog$ «£>an3 v. ©örli$ ald
Serjendträger M Äönig6 mit geljbe $u übersehen, ©iberjtein
•) «attülifdjrt Wogajin 1777. ®. 371 ff. ©orb« a. a. O. ©. 2».
-
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138
*og raher nicfyt allein feine mhl reichen Natalien &ufammen, fon-
rem t'chlon aud) eine (£inigung mit feinem ©ruber Ulrid) ». 93i
berfrein, $an* v. Cottbus, gbtnfo Burggraf v. $>obna it. A.
2)af)er begannen mit 9ceitjar)r 1387 btc gewöhnlichen, Damale
bei Sehren unerläßlichen £Raub$üge, ^iebbiebftähle unb 3)orf*
verwüftungen burd) ©ranb. 3b?nfo Burggraf v. 3)ohna greifte
von grteblanb ans ino f|drlt^tf cf>e ©ebiet, überfiel §auban unb
bebrohte felbft ®w&V_j^r^ £anä übertrug von präg au$
feinem Sanbvoigte yvlpnvber X>uba bie 9$eftrafung unb befahl
ben Wannen unb Starten bem Vanbvoigte ihr Kontingent |h
ftellen. Allein e$ äußerten ftcf> ©ebenfltchfeiten wegen ber
aufoubringenben getjbe ; Uufofleu ; man wollte ftd) nicht cr>er
jum 3ugc oerfteben, biö <£>er$oa JjpanS wegen foldjer Unfcften
bie in ben Privilegien für jtrtegägüge außer £anbe8 feftge-
festen (Sntfdjärigungen von Stenern verbrieft bätte. <Ta nun
ber «£>erjog ben gewünfdjten 93rief erft (£nbe 3anuar ausfer-
tigen fonnte, verjog ftdj biefe Angelegenheit.
Anfang gebruar ftellten enrlicb £attb unb 6täbte . if>r
Kontingent unb febieften baffelbe nad) kauften. 3Son Q6fft|
ging ab 3ofoff 6leiffe unb SBittcfce JD. Jtottwift mit 10 liefen
ober ©piejfen (40 Wann), fo bat? jufammen gegen 80 Wann
mit 40 Pferbeu abmarfd)irten. Anger jenem Äoitwifc waren
£ane v. Polen* unb (*tner v. i>anreefron im 3uge. *
Wan wanbte ftd) von Sauden au6 ntdjt unmittelbar
gegen 3o^ann v. ©iberftein felbft, welker mit feiner 6cbaar
bamale in ber ^ieberlauö$, in ber ©egenb um ©orait unb
ÄottbuS ftanb, fonbern jog vor 1>a*, je 3 Weilen von ©örlifc
unb Sittan gelegene, 6d)(oji grteblanb im blutsauer Greife. $>er
Warfd) gtna über ©örlrfc, wo 8 liefen ober c. 32 Wann
Seifige $erßä>fung .unter ben föath$berren SStnceua (Sgü unb
WH. Sd)eerenfd>miot jur £eerfal)rt fließen , bie Jüauban, Hnb
ned) an bemfelben Dorotheentage (6. gebr.) von bort bis
grteblanb. (S* iji faum gläubig, baß biefer Warf*, wie
angegeben wirb, an einem Sage $urürfgelegt würbe, ba bie
©ebarnifcfjten mit tr?ren Stoffen il)tt fchwerlid) ausfuhren fonn*
ten. — 3ßir wollen bie 2Bal)rhcit biefer Angabe auf ftd) be-
ruhen laffen.
Stuxn unb gut im £aufe biefer gebruarwocfje würbe Schloß
grieblanb, trofc feiner vortrefflidjen ^ert^eibigungSlage erftürmt
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439
uub bietf fcfort bem ^erjage $an$ v. (#<>rli$ nart> *ßrafl mit
cer Anfrage gemelbet, wie man m1> rem er hm gegen £>au4
t>. ©iberftrin verhalten folle? v. 93iberfteiu ging einen 3ßaf*
uuuiih'taur ein., welcher baä Sdjlofi Artcrianr wieber in feine
-\Sanr braute, jugleid) aber a»d> bie in jenen Reiten unver
metMid^e $clge fyatte, «baß jia> wabrenb ber fea)d 2Bca)en
Waffenruhe baä laui'trwictu' &riea,dvolf lieber wftreutt. ^and
r. SBiberftein trollte , Meten llmuaitr beuuueur, bie Seinbjelig
fetten gegen bae fd)u$lcfe ftürftentbum (^orlifc von Beuern
beginnen, alä fia) «£>er*cg ^remidlaw v. lefdjen in6 Wittel
fdjlug unb bie ۟ljne vermittelte.
Die Steuer von ^H> 3cbocf, trolle .&eneg ,&an$ von
ber (rtart verlangte, innre rurrb Bemühungen be* Vänbvcigt*,
ren man mit 3* Warf beitaa), bio auf 08 Warf ermafugt.
£fr;oa 3*f)<ni!i Wox ran i ininer in lohnten ober Ungarn,
nur auf furjt einmal in Worlifc, nnihrfduiulicr) um
rtele 99efd>werben an Ort unb Stette ui unterfudu-n. T^amald
belehnte er £utbern v. (MerSborf mit rem halben Mut heil ber
bmcgltdum rteuern, welche auf Ten Wutern Weid)enbad\
IVengeleborf, (Moofohvifc nur Solanb erhoben würben. Neffen
Sfyefrau Margaretha warb fcfwn unterm I. Otteta 1387 mit
einem tteibgebinge auf riefe (bitter belehnt. 3m VV 1387
mupte bie Wente De$ £>enog$, 120 rdjeef, an ben (£blen
,HclPi$ gezahlt rrerben.
lac* J._J£8£Uft fcetfhalb wid)tig, weil £erjoa $an*
ud> antJlQ. jjebmai vermahlte unD avar mit einer ^rinjefftn
u S^wcben. J oduei jenes .fcerjogö 2llb.red)l u. Weflenburg,
oeld>er in erfter txtye vermähl mu Sla^arbifl, üoduer re^
(trafen v. Severin, am 30. November 1363 in Stocffyclm
mm .Honig v. 3 darneben ertvdhlt würbe. Die ^dt tiefer
^enuahlmu] ift erft neuerbinge fonftatirt werben, Vurd) eine
Bermel, worin ber ^erjog befreunbeten (5belleuten feine Ver-
mählung anzeigt*).
Der «£>er$og eneugte mit tiefer (Gemahlin Widnubiä, eine
•) $ala<ft>, über ftotmelbüd>et.
b^m. @efeUfd>. ber in $tag.
rerijl. Äof»Ur, über bie ^er^ogin reu
Hebet beten Xodjtet (5ltfab<5l> : ö»ot(.
2. liefet, in ben Äbljanbt. bet Jtonigl.
©. «2. »t. 85. $tag 1848. 4.
(Mütlifc. ». 8. SR. (1849) <5. 300.
«njeiflet 1814. <S. 4.
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110
Xodfttx: (ffffctbcty, n>efd)e foäter al* „$erjogin von (Dörlty"
vorfommt*).
UebrigenG war ber «£)erjog «£>an6 im 3. 1388 tvieberum
arc^cittf>eit0 außer Sanbeä unb befcbäftigte fid> mit allgemeinen
fragen, treidle ba6 ganje (uremburgifebe tfönig^bauS in 93db-
men anbetrafen, mehr, ald 4nit feinem Surftentbum, in weitem
ber gefährliche <$eift ^ufrubrg (|in^gjy^fleTvann, unge-
rennet ben Umftaiic, tafe mu ^rapenraiibtrtt-uitfe J^^di»*--
gerern viele ©rreitiafeiteu entjtanbeu. 2lutf *J$rag verreiste
er (25. fteliruatr'tSöS an 3faTW ünT \£errmann Slenfe nnb
bie ©ebruber tyii, 9$ürger ju (Uörlifc, 22 Warf auf ba$
Dorf Dfjtg (ob $>enrftt> ober ©enbifdj £>f?tg ifit nidjt ange*
geben), »riebe fte von ftlbrecbt v. Xifcftirnbauien getauft bat-
ten; aud) nabm er einen «pammermeifter, Wiefel 35offe, in
feinen <Sd)u$**)j in einer britten Urfunbe vom Sonnabejtb
nad} &Uerf)eiligen (7. 9lov.) befaf>( er bem *Ratfye $u ®ör(i(/
an Änfelm v. dtobnau, *8oigt ®ör!i^f alle Rechnungen
unb ftegifter bed Sanbeä autyubänbigen. (Einige Soeben
barauf, am 27. November, fam er nadj ÖJörlifc, unb bejog
bad <5d)loß mit bem ganzen «ftofiiaate. l*r wollte jroar in
<$ör(i$ ein große£ Xurnier abgalten, ging aber felbft nod) im
2>ejember nad) ber 9iieber(auft$ unb sJwarf 3draubenbura , be- .
gleitet von ben görli&er föatbäljerren : <w ber (Sae***),
&ad unb bem Stabtfcbreiber. (Fr blieb lange $<it in ber
9heberlaufty unb Wenmarf. $er ftatb fd)irfte in jener 3C^
ben wieber jtrürfgefebrten Stabtfcbretber nadj Dreyen, Sßein
einjufaufen.
Witte Sanitär« 1389 fenbete ber ftatfy eine ©efebtverbe
über einen Straßenraub von Warquarb von Sffiartemberg nacb
ber Weberlaufifc. £)b bei bed #erjog$ ftücffunft um 8idjt*
•) ttlbrety, £eriog bon SJWlcnfrurq , .ftentg ». (Styrcbtn, t 1412;
txjtt ©rmablin: jKiftflrbitf, Xodjter ktt (fttafrnt^ (Sdytotrin, j 1380;
unb ?uremburg.
**) Cb«t Urf tmbeu*93 etjridnt. I. @. 127.
•••) ffialjrfrfKinlid} tm £a«fe Wo. I., wai normal*, au<$ fpäter mit
bft 9Bf jeidjnung : „an ber <?dc," crtoäfpnt toirb.
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U1
mdß ba$ furnier, ;u welkem oiele .heuen uub bitter in bie
^tafct ^u gereift waren , abgehalten irinrr tft ungewiß; gewiß
aber, rap ihm bei feiner xUnfunft von ber £tabt ©örlifc bie
£erna mit 300 Z dunt gezahlt warb. Cir beteiligte für biefe
$unftlid)feit uub „wegen mandjertyaub getreuer nur nü$lid)er
1 untre, }u 33efferung unb Juuabmc ced ftäDttfct>en 28efen6",
ben Muuh nnb bie (Gemeine am 2. gebinar 13b9 mit ber in
LmtMiit?, 3inä auter int betrage von jat>i iiU> 160 £a)otf tu er-
werbe» nnb nad) ber 6 tan *Red)te ju beftfceu. Unter riefen
©ütern finb bie sJ)fitleibenl)eitägüter &u uetftetyeu.
• rt^ nJttff itit ^^y»"'" and) £eijeg £ai»tj ber gtabt
enuge ^a^uJ^ej^Uiai ^mu^<4vaft frtefelhe- rcino&Ui^.. übernahm,
IT hm *T sJDfar$ 1389 ftuben wir ben $eqog in ^rag, oon
welchem Orte auö baö Privilegium über Ober; unb Untcrge
hebte erneuert unb ber ^feunigt.in$ auf bem Vaube fortge*
ftattet warb, gegen bie Verpflia)tnug, brei (Miefen (brei Spiele
mit 3Rannfctyafi) $u galten. (Einige >it vorder, ei)e Äöuig
<6tgmuub alle Untertanen reo &omgreid)d Söfynun auf ben
Sali, baß Mein,] $ßeit}el zeitig mit lobe abgiuge, twn ben
ihm geleifteteu (£ibeu entbunbeu uub biefe auf ben «&crjog
jp.iuo von ©örli$ übertragen rjattc, gewährte er ber 6tabt
rao *ßrioilegium wegen giuöweifung ber 3ubeu. \
i-'« .fed)on im 3- 1349 baue Marl IV. bie 3ubenfd)nle mit
allen 3Mbel)ortmgen in ber 3übengajfe> nad) ben ~ sJ$ili,läubeu
bin, einem Bürger Qoitrab, ^potbefer ber €>tabt, oerefyrt, unb
|u einer $£ofynung übergeben. (£d fd)eint, ald wäre bamit
eine (Entfernung ber 3ubeu verbuuben gewefen. Dodj jinb
fortwährend 3uben in ber 2 tan geblieben, biä auf baö x\atn
1389. vEtc bauen mebt altein bie jetzige N\üDengaffe, von un-
ten hinauf, fonbern audj ben 3übenring uub in ber Mahle oor
bem Xfyorc einen (harten, worin' fie it>re lobten begruben, im
93eft$. (sie befapen früher aud) eine Stmagoae, beren im
3. 1338 jnerft, fodter 1349 gebaut warb. 3m 3. 1388
noa> gab <Sara ibv ^>aud bem £ag ju einer <Sd)ule erblia).
t$om 3- 1385 an begann fdwn bie Verfolgung. Damalö
verfaufte 3Kana)er in ber stille fein^auö, #rged twraudfefyenb;
oier 3al)r barauf, 1389, erfolgte bie erfte große Vertreibung.
Die *Nitterfd)aft ndmlid), ber ftatl) unb bie $ürgcrfd)aft au
®örli$, befdjwcrten ftO) beim ^erjoge $au#, bafj burd) bie
3nben ben übrigen (Sinwoljnern großer €a)aben unb 8bbrudj
r
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U2
im SBerbienfce gefcf^ebe, unb baten ir)n, wenn er nid>t wolle,
baß fie verarmen joüten, beren Entfernung ju beerten,
hierauf erfolgte nad^efyenber ($riaß:
„SBir, 3of>anned von ©otted (Knaben, ^arfaraf ju
Brandenburg unb ju $aufi( »nb f>er$og ju ©örlifc,
tr)ttrt funb öffentlich mit biefem Briefe HUen, bie ifyn
[eben ober boren lefen, baß vor Und gefommen finb
bitter unb Änedjte, Unfere lieben (betreuen unb aud)
Unfere Bürger ju ©orlifc unb ber genieine 9tatf) ba*
felbft nnb fyaben Und vorgelegt unb gänj(id) nad^ge-
tviefen große €?d><iben, bie fie in benfelbett £anben von
Unfern 3uben merfficfy gehabt tyaben, mt> Und bernu?
tfn'glicr) gebeten, baß 9ötr aud fcnberlid>er @nabe unb
angeborener (Mtr fie furber in fünftiger $eit von allen
3uben befreien, alfo baß fie furber feine 2Bor)itung
mer>r in biefen Unferen $anben nnb Unferer <5tabt jm
($örfi$ fjaben möchten. Qedfyafb traben SÖir, angefetyen
ir)rcr bemütfyigcu unb getreuen Dienf^ oie fte und lange
3eit oft unb fefjr getreu unb willig gettyan fyaben unb nocb
tr)uen mögen unb foden in fünftigtn 3^ten, mit tvobl-
bebautem Wutfye unb mit Statte Unferer betreuen fte
gnäbigtid} erhört unb fonberfid} begnabet, alfo, baß
von jefct in fünftigen Reiten fein 3ube, nod} jubin in
ben vorgenannten Unferen Sanben unb in Unferer
<5tabt ju ©orlifc anfäßrq fein, nod) 9Bof)iiHng tjaben
feilen in iraenb einer Sßeife. Mit Urfunbe biefcd
33riefed, verftegelt mit Unferm ftirftttcfyen anfangenden
3ngeftegef, ber gegeben ifl gu ^rag im 3abre nad)
(£r)rijfri ©eburt, a(d man fdpreibt 5)rei£efmiiunbert unb
neun unb ad}tgig, am näcf/ften @onnabenbe nadj bcm
A^rifigtfjum*).
8hif $kfeh( bed ^crrn £erjogd u. f. ro.
SBolfram von $rag unb JDImöf,
Jtan§fer. "
ftrofjloctenb b aruber fenbete ÜRitterfdjaft unb 6tabt bcm
£er$oge einen ffiagen mit ©ier, jirm 93emeid ityrer $anfbarfeit
nad) $raa, »eictyed ©efdjenf fer)r fyulbrrid) aufgenommen
»urbe; bie 6tabf fcfyicfte überbied ald Sütcrfennung bem
•) 30. Xpxil 1389.
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U3
Äoasler für Hudfertigung biefrd Briefe* 15 €^orf. Do<$
»urten nod> mehrere $efd)icfungen wegen ber 3uben, bie ftd>
ipabrfd>eiulid> febr ftrctuben unb in anderen £ töbten anjtebeln
motten, notrjwenbig. Hm 24. 3uü 1389 gin^ SBofdKS in
gadjen ber 3ubcn nad> 9au$cn; am 14. fCit^ufl ber Stirgcr*
mtijttt Winten^ @gil unb ber <5iabtfd>reiber wegen beä p. <£>afen<
boru unb ber 3«ben nach $dj unb ©üben; einige 3eit barauf
3Heifter $eter unb ber Stotar nad) sJJrag mm £er$oge wegen
benen p. ^afenborn unb p. $iberftein, bei tiapettc unb „fd^raaefj*
polten 3uben"; am 17. September wnvbe wegen ber 3»ben
naety Sd>wctoni$ gefebteft; am 9. Oftober wieberum *um£er*
joge gen i*rag; am 31. Ofteber wegen 3ubrit'%crr>ä(iniffen
nad) $au$cir, am 12. Dezember jtacfy Söwenberg wegen 93arudj
unb ber 3uben u. f. f. in ben folgenben 3ofttfc — 1389
erhielte« vier $erfonen $BoUmacf;t, bie ©üter ber 3uben ein*
:i:;u-hüi; pon ifjnen wirb genannt ber (Jeimann ^efcfjil
<£d>ofl unb Xifce pon 6or>re. Dil Sepoliractdjtigten (anraten
md)t, ben früheren flXiteinwofynern bie ^äufer m ((blieben unb
warfen fogar sDeand)en in* 0cfängnip. Da nahmen beim
aud? bie ®eängftigten ityre 3«P»d)t §*M £eqoge, allein eine
Deputation, welche pon ityreu Gegnern abgefenbet warb, arbei*
tete ifyntit fo entgegen, baß bie fetyon einmal gegebene Urlaub* .
niß auf* Steue erteilt würbe.
Damals würbe ihre Synagoge in eine djriftlicfye Capelle
„m (Sbreu beö VctclMuim*? unfereä ,hcnn" mit jwei Altären
perwanbeü unb ber Segräbnißplafc tn ber Jtafylc mm heften
biefer Capelle perfauft Dort) blieben uod) immer einige 3uben
in @örli$ bi* mm 3- 1395, wo am 21. September ein per*
ftt>ärfted ®ebot bed ^erjogd erfdjicn, waö ifyre poflfitdnbige
(Entfernung mr golge rjatte. 3« biefer SBerorbuung bebingte
jid> ber £er$ogjioct; ein Äbmgflgelb au$.
9tact/ biefer 91bfcf;weifung getyen wir wieber auf ba* 3afyr
1389 mrütf. Hm 28. »Hgii|i fam ber £er*og £an$ auf ber
Durchreife in bie 3)earf mit bem SBifdjof p. £übetf naef) ®or*
ton. Docfj fann er ftd) in ber SWarr nur furje 3*** anfj$erjal*
ten haben, ba ihm am 28. (September pou ber 2tabt 19 <s ctu>cf
©rofdjen nad) Im gefenbet würben. Won bort auo erließ
er ein Schreiben mit ber Hnjeige, baß POn ihm in *Prag ein
HUar geftiftet unb taui 25 5d)ütf auf bie 6ed}ö(anbe ange*
wiefen feien. 3n bemfelben 3atyre mußte ftd> bie pon tyw
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1*4
serpf Anbete (gtabt ©örlifc mit 311 3Rarf 13 ©rofd>en au6*
löfen. — $)afj ber «&erjog im November in ©orlifc aewefen
fei, fdjeint auä ben &uegaben für ben fyerjoglidjeu ilüdjen*
meiner 9tymecfo unb feine ©enoffen, bie |td) umerni 18. 9io*
sember in ben 9latf)$red}nungen eingetragen finben, J)en>or$u-
gefyen.
3um 9teujal)r 1390 fam ber Äcrjog nad) ©örlifc .unb
würben ifym 20 <Sd)ocf , fowie ein Sßagen mit altem mär«
fifcfyem 93iere überreizt; in feinem ©efotge war ber (Sble
». £afenborn unb £)tto t>. <ftiuii&. (£r tyielt fid> bamalä, mit
5Mu#rtaf)mc eineä furjen 33efud)ed in ©üben, einige Monate
in ©orlifc auf. ^fm 5. gebruar reifte ber <Stabtfd}reiber
^peinrid) wegen einer £d)ulb beä <£>er$cg£ nadj $rag; er er«
bielt in biefem 3a(>re eine Seriia von 400 fedjetf. £m
26. gebruar bewirtete man bie ftitter auö Greußen, weld)e
gum 93efud)e ba waren*). — 9Äit $rag, wofyin ber <£>er£og
Anfang jurürffefjrte, war im 3. 1390 «Seiten* ber 6tabt
viel 5fcrfcl)r. $lm 2. Stpril ging ber 6tabtfdjreiber bortfytu;
am 17. Sfpril 3faaf Stuj, $eter ©djöufyeity, £empel 6tengel,
SRartin Jfrobuo*, eublid) ber ©tabtfdjreiber, unb fie mußten
i()m meljrmalö nad) SÖcrba, *pirna, Jlarföftcin unb 93rur nadj*
reifen; ebenfo am 8. 9Äai, am 4. 3uni, am 11. unb 18. 3uni.
&m 20. 3um erlaubte ber £erjog ben ©urgent unb ber 6tabt
ju ©örlifr für bie if)\n gegebenen unb für iljn geliehenen
1300 ec^orf ©rofdjeu, bie »ebe auf bem Sanbe in Pfennigen
unb ©etraibe aufju&eben unb näd> belieben fo lange ©efdjoji
gu ergeben, bi$ bie 1300 6d>ocf gebeeft feien.
5)en 21. 3uli traf ber £erjog £an* wieber in feiner
Oteftbenj in Begleitung ber »erwittweten tfaiferin, feiner 3Äut*
ter, ein. (Sr fdjloß am 29. 3uli einen SBergleidj swifd)en*bem
ttatfje uitb ber $ürgerfd>aft, bei welker ©elegentjeit au*
greuben für 2 6d>©cf ©r. $ier wtrunfen würben. 3n biefer
3eit befugten it)u audj ber £erjog unb bie «öerjogin &ou
6$weibni&. 2Öäf>renb biefe* faft jweimonatlid>en «nfentyal*
#te* fefcte ber £er$og £an$ am 31. 5Äuguft einen Saubfrieben
feji, auc^ war er am 20. September mit £einje ». tfittlifc
*) \Ubtx bie 93erljäUntffe be« #erjogd §an6 jum bcutfdjeit Crben
in ^rcujkn, bereit ©d)Übenina ntd>t Werbet aehört, f. ©piat, ©efdjidjtc
$renfeit* V. <S. 569 ff. 609 f. 619, 636.
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auf Dein »Jtatbbaufe bei Der 9tat(>*för ^uqegctt. ^3a(b nadiber
jinfcen wir ihn wieber in $rag. $lm 20. Offober würbe
w»ca,eu einer jübiii bortbin 9ctfd>aft gefenbet. Ueberbattpt
war Der 6tabtf<hreiber £eiurich beftänbig auf Weifen jwifchen
^rag unD (Mörlifc, fo am 29. £}ftobcr, am 5. November, am
1*2. November. Damals mujjten Die Sachen mtt> ftäftang**
ftuefe De* £er$oge auf Dem £d>loffe in ®örli& $ufammenge*
parft HnD Dura) einen gufyrmaiin nach ber böhmifchen äaupt'
ftal>t gefenbet werDen; au* lief* ftd) bic tfaiferin (Slifabetfy
füT 2 8d)ocf gorlifcer Suche fd)itfen. Die £erjogin «RicharDi*,
n>eicbe um Die 3eit De* 2tf. November £ea)$wöd>neriu war,
alfe Witte Dftober* bie ^rlnjefftn (Slifabeth geboren hatte,
würbe mit görlifcer $ier befdtenft. Arn heiligen Ghriftabenb
treiben Jahre* erliep ber £erjoa Den oben erwähnten $efer>f
an bie £anbwerfer unb bie \n ©örlifc, Dem ftatbe geborfam
ui fein.
Ott 5. 3Rär< 1391 würbe Die Hiifitnft De* £erjog6 von
3iuau au* gemelbet unD er fem audj einige Xage nachher in
Begleitung De* $ifd>of* von Vebu* an*), Um 25. War*
machte er eine Wallfahrt gum heiligen <Blute, war aber bereit« /
am 9. Slpril wieDer in *j*rag. $on bort au* forberte er 200 /
eeborf ©rofdjen, welche ihm gewahrt würben unD ui Deren /
Aufbringung unterm 7. 3Rai 1891 ber €tabt bie Aufnahme
eine* Kapital« geftattet warb. Einige mit Ungarn verfehrcnDc
Äaufleute waren unterwegs beraubt werben; Der£erjeg fpract)
für fte bei feinem Sruber unD SigmunD genehmigte auch, Dag T"
in Der penjiger $aibe auf Räuber gefaf}UDet werDe. 3ßittd>o
von Mettwty, «ineenj 6|U, SJitfche an Der <S<fe, 3afob 6leiffe,
Älau* gelier unD Der 6taDtfd)reiber 'jogen in jolge biefer <£r* \
laubniß tu Die £aibe tmD waren in ihren 9tad)forfd)U!tgen
glürflich, fpM^jieun fof^i^um in GJörH> gelangt werben /
iomueij^ Die|e* 3ahre* brauste Der £er<og 1
<ibermW~©elD. (** würben Den 23. September 700 Sdwcf
@efd)o# unb am 10. November 120 Schorf Nente naa) «Prag
geliefert. — Der £er$og weilte in Diefem Jahre vom 19. 9fo*
vember an in feinem ftürftenthum ©örlifc, reifte jeboch bereit«
am 24. November weiter naa) ©üben, $on Dort naf)in er
•) Tiefer «Bifdjof »on tfebua i(l mit bcJ ^erjütjtf @*ji«l?<r, Ux fdjon
im 3. 1376 naxb, nt^t ju wtoedjfeln.
&cftt<*tc Ben ©crli*. 10
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146
im 3)ejember Den iRütfweg über 6premberg ittit> ©agan un*
verjüglid) na vi) präg. <Sdwn am 15. £ejember würbe von
rjier a ho Dem Math ui Wo vi tu aufgetragen, ©efanbte aud
prenjien in ber lÄrt )u empfangen, wie eö fein Liener Wurfe
angeben werbe. Vim 25. Qe^ember ftelite er rnih auf 6d)loß
^Bettlern bad erft jciu von ihm anerfaitnte Privilegium aiu\
ba0 ^ürgermeifter, 6d)6ppeu nur ?<eltefte nuiu bloö tut felber,
fonberu aud) bie Jnnuugdälteften uad) freier 9öal)l befteüen
bürfteu; ein Reiter 93rief, ber von präg, wotyiu er im i'aufe
beö Xageo von 8d)loji Heitlern wrücfgeferjrt war, auägeftetlt
in, crtljeill wegen slkrfa$ be£ ^anbgejdjoffeä bem 9tatl)e ui
<#örli$ rao äterfpredjen , auf brei 3fll)re von jeglicher $ib#Qbc
befreit gu fein. XiefeS *8erfpred)eu blieb jebodj eitle itfer*
bcifunu], beim fdwn im 3. 1392 mußte bie 6tabt verfdnebene
alte 6d)ulben be* £erjog$ bejafjlen. (Sr felbjit ging am 10.
Wärj burd) ©örli$ uad) ber Warf, fam von bort am 30. Wcuj
unb ging am 20. &pril über grieblanb unb Zittau uad) präg
jurüd, wohin ihm am 18. Wai Warmbier getieft würbe.
,$ro& ber &bgabeufreil)eit auf brei 3al)re mu^te fid; bie 2 labt
wegen Lieferung von 200 Sdjotf auf verfefcteo ,£>olj am 2. 3nni
in (Einvernehmen fe&en. (Er giug am 13. 3uli mit großein
(befolge uad) ber Vierer lauft 13, wo er fdjon am 26. 3uli war
unb gegen ben 15. Vi na. nü ben ^ürgermeifter nebft mehreren
SRatfjäljerren unb 13 Seifigen mit Jiricgöfnedjten ju iut> ent*
bot. 9hn 7. September fam er au© ber Warf jurürf unb
licn iut) eine ©erna von 300 £ djod begaben, ja am 28. Oftbr.
erfolgte eine neue @elblieferung uad) präg von 200 Warf
©rofdjen. Damals trat er bie Äetfe nad) Ungarn an unb ift
über jwei 3al)re nut>t in feiner iRefioenj gewefen.
3m Anfange beä 3anuar 1393 war rei bet um tu Ungarn
bei feinem trüber Zottig (Sigmuub. Der sNath fct>tcftc ihm
ben 6tabtfd)reiber^einrid) naib Ofen nad), um mit ihm wegen
Slbbrud) eineö ^an^aufe^ ju verl)anbeln, weldjeä bem <£>eqogc
jur 33eluftigung gebaut, aber fo feuergefäfjrlicb war, bap man
bie 93efeitigung bringenb wünfcfyen mußte. (£r gemattete Med
unter bem 21. War* 1393. — 3m ifuguft war er wieber
nac^ 93öl)men ^urürfgefeljrt unb verfemte am 4. b. W. ben
©ebrüber Wiefel unb (9üntf)er v. *Ked)enberg ju Älitfdjborf für
100 £d)ocf dn 6rü(f von ber görli{jer«£>aibe gwifdjen £oldte$
uub 6d)remniq bei ©djnellenfurtf). ($r tyatte balb nad; feiner
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U7
«örffefjr au* Ungarn von Der 6tabt ©örlifc 300 eajorf ge=
fordert, Die fie ihm au* gab, unD Daruber m £tolpen, wo
fi* Der £ergog am 2«. Huguft befanb, eine 3a)ulD»erfd)reibung
erteil.
3m 3. 1394 tonnte £enog 3of)anne* fid) beinahe aar
ui*t um fein gürftentbum befümmern, weil er in Den atlge*
meinen Angelegenheiten Lohmen* ein 2L*ort ruitfpredKn unb
(einem ©ruber $ßen*el ju £ilfe eilen mußte. (£r verfeme
Diefer tfrpeDition an Metel *. Hechenberg Die goilifcer £aiDe
son £d)nellenfurtf) bi* an Da* ftelD bei Dem (vicbelberge um
100 Sdjocf *). $ei Der Befreiung feine* SruDer* iei^tc jia)
3obann al* Der fromme unD ehrbare »JJrinj, wie i(>n 2ßinDetf
im fceben SigmunM **) nennt, unD wir flehten Die Srftctylung
Diefer Befreiung, welaje eigentlfa) nidjt fpeciell in eine @e*
fa>id)te *on ©örlifc gehört, Deöljalb hier mit ein, weil Da*
Durd) fein tfbarafter in einem loldjen Sidjte fta) jeigt, Dag
£rjdf>lungen wie bei ^ajfe, 9Jtanliu*, (Droffer unD Garp-
low***), ohne Dap irgenD eine $cotij in g leid) jeiti gen görlifcer
&efa)id>t*quellen ftd> fänDe, Durajau* unglaublich ftnD. mix
teilen Diefe £d)iloerung nad> Den Soffen eine* bewährten
^iftoriferd mit. 9iaa)Dem ftftbadp im lieben Jtonig Sigmunb*
Die Durdj feinet BruDer* £igmunD* unD Ctyeimö 3obft Don
Fähren »eranlatite ©efangennabme Stonjelcs gefdjilbert, fäljrt
er f) folgeuDermapen fort:
„Ungeachtet man fo t>iel erlangt harte, gab man SBen^ef
bod> nia>t frei; ja e* ifit waf)rfcr/einlich, Dap er Die greiheit
obne Da* fräftige <Sinfd>reiten feine* Bruber* 3ohann von
&orü$ nicht würDe erlangt haben. Dfme ^erjug fammeltc
Diefer £rieg*t>olf unD eilte Damit »or^rag, feinem gefangenen
BmDer $n £üfe. ^ob)t unD Die bb^mifd)en £erren, nicht fo
fer)r gerüfiet, eine Belagerung au*balten $u tonnen, brauten
*) SBeral. baa €d)öfenutt6eil vom J3. 1499, €. 88 b. 3B. 9Wan
fremerfc cm Ä ti fldp u hmhiu^ tteldjen bie «Schöffen begingen, baf fi* Stoni$
Johann uub alle feine 9iaet)fc»l^er fction „.jperjotje von ÖoruV' nennen,
»ä^«nb biefer Xitel erf* »om 3. 1376 batirt.
••) <S. 107» fcei »tenrfen.
•••) «fcaffe DI., 76. b. ^oflmann, Script, rcr. lus. I. 327. Öroffer,
Uufie. SWerfw. I. 99. G>artyow Anal. II. 181.
t) $b. I. S. 62 f., uergl. auef) Catal. Abb. Saganens. tet (Stengel
a. a. C. 6. 216.
10*
148
ben Jiontg in ber 9fad)t von ^rag nach bem rofenbergifdjen
6d)loffe $r.uebfm$ an ber 2u$nirje, vou l)ier nad) tfrummau,
unb ba man ihn aud) hier nod) nidjt fidler genug im s#e\
waljr glaubte, nad) £>eftcrreid) auf batf 6d)lop SÖiltberg, »cU
d)ed tm Herren von €>tal)remberg borte. @o fä(>rle man
ityn von £d)loß *u 6d)lop, fo baß er felbft nid)t wufjte, wo
er ftd> befaub.
Dem «Jperjoge 3of)anu v. ©örltft würben olme Biber«
ftanb Die Xfoore prag'ö geöffnet. «Jefct erfl erfuhr man hn
pausen Vattbe, baß Jtönig Skujel gefangen war. Die €tabt
*j$rag leiftete fogleid) >f)anu ben (jib, it>n für ifyren red)tmä*
fjigen «£>erren unb Statthalter im Jl6iu^veid>e einziehen, fo
lange Kernel in (tyefangeufcfyaft fei, unb ihn nad) treffen lobe
aio ihren Jlonig aiuuerfennen*). Dagegen verfprad) 3obann
(29. juni), bie Stabt ^u fdutyen unb fie in allen ü)rcu 9ted)*
teil unb Privilegien ju belaffen.
Kobalt» ber Jr>enog von @knli$ fid> bei 4?auptjiabt ver*
fidjert unb ftd) aud) 6)elb verfdjafift Ijatte, fo baß er fein
tfriegevolf vermehren unb bei gutem Milien er halten tonnte,
venud)te er in ^erbinbung mit feinem $etrer profop, ber mit
feinem trüber 3obft bamalS in großer $einbfd)aft lebte, bie
$ktfd)Worenen }U befrieden unb bie rebellifdjeii Vanbberren
burd) $Berf)eerungen iljrer (Mter unb Onnnahme ihrer 6d)löffer
jur Auflieferung Stattete ju bewegen. Awtx^t würben bie
©üter ber jamilic v. Holenberg in ber Umgegenb von ^ub-
weiä verheert unb ungeadHet ber ^er^og Ali>red)t von Oefter*
reid) eine $iffc von oOÜ 3Waun fdurfte, um verljeerenb in
93öl)men einjubredjen unb beu bbljmifdjen £anbeöberreu gegen
3ot)ann beijufteben, fo bemäd)tiate jtd) nein bod) fd)on am
20. 3uli ber Stabt SBubweiö. Da unterbeffen aud) bie beut*
fdjen Weidjtffürfien auf bie 9tad>rid)t vou beä römifdjen Äö-
nigö ©efangenfdjaft ftd) in granffHrt verfammelt unb ben
fdfluß gefaxt Ratten, eine (Hefanbtfdjaft nad) Böhmen ju ben
rebellifdjen £anbl)erren ju Riefen unb iljnen mit einem Ürieg
ju broljen, wenn bie floälaffung be$ Jtöuigö nid)t |ogleid) er-
folgte unb wirflid) einige beutfdje 3Wannfd)aft unter *)iupred)t
von ber *pfaM im tfager bef*Äitti<|* Sobann eintraf; fo zeigten
bie böljmifdjen £erren ftd) enblid) bereitwillig, mit ^orjann
*) 6, obtn 6, 128.
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149
wegen ber Sreilaffung &ten$ei'$ in Unterr)anblung w treten.
3nbem man ftcf> wegen ber näheren Beringungen nid>t ver*
ftänrigen tonnte unb einigemal vergeblia) wfammeitgefommen
war, würben }u gletd>er 3eit von >bann, ber iinterbeffen
^llbrec^t von Oefterreicb gewonnen hatte, heimlich ben Stalj*
rembergern, auf rereit Sdjloji ©iltberg rrr Äönig noa) ge-
fangen fafi, ^Ciiträcjc gemadu; welche nidn jogerten, barattf
einzugeben. I>enn ba #erj#g Hlbredjt von Oefterreid) plöfclich
feine flnftdrt anreite, über bie (%fangeul)altung be$ böbmifdjen
&onig* fem SHififaüen änderte, nnb 3<>h«nn unb Söenjel nicht
nur wegen ber (Mefangenbaltung jeber -föadje feierlidjft tnU
tagten, fonbcrn auch bie Stabremberger af< Befreier *u be-
lohnen verfpradjen, fo liefen biefe ohne $*orwiffen ber böbnu
fdjen ^errcn ben ttönig tot* unb brachten tt>it felbft naa>
Bubweie ju £er$og 3of>ann (ben 2. auguf* 1394), nacbrem
er beinahe brei Monate (88 läge) ber ftretyeit beraubt gc^
wefen war." — $on bem auf fola>c Seife vielfeitig in an*
fprud) genommenen Johann, welcher im Oftober 1394 ben
Bifdwf von Sfleifieti befudjte, |la> mit ftai wegen eine* in
®örli$ w erriditenben I)omfapitel$ )U befpredyen, unb hierauf
über Barutb nad> ber 9Jieberlaufi$ ging, würben am 20. Of-
tober in Be$ug auf (Morlifc bie Briefe, betreffenb: „Die (*in=
fd)drfung beö verbotenen eUcnweifen üudjverfaufö außer bcm
(ffcwanbbaufe, bie Beftätiguna, be* sBeinfd)aitf$ , enblid) bie
Genehmigung, ba& ein Süar tu ber sJ*eter6fird>e gegiftet wer-
ben fomte," unterjeidjnet.
Hin rj. November, jur $tit ber ftnwefenheit bed «£>er$og£
in (Gliben, bewiüigten görlifeer $eputirtc t(>m 200 Schorf (Mr.
3m folgenben 3ahrc 1395 wollte ber £er$og bie Stabt
©örltö für ;MX) €a>cf verpfänben. !£etfhalb gingen ge*
gen (Snbe 3anuar att Wbgcorbnete beö iRat^ \u iljm:
3ohann Sitfer, ^eter Sleumaifter, sJ*eter Ma)ter, sJiifla$ Werfer
unb ber Stabtfchreiber mit 4 Sdnt&en, Sagen unb ^ferben;
fte zahlten 1000 6d)orf, um bie SBerpfänbnna, abuiwenben.
(ir tarn circa ben 15. September nad) ©örlifc; bie Stabt
mujitc ftd) abermalö \u 3<rf>lu"8™ verfteben unb 380 €d)ocf
geben. Stetige läge barauf erfolgte von Steubnifr am 24. 6epr.
ba* oben angeführte Gbift bejüglid) ber 3nben. «m 7. Oft.
war er in s^rag unb begnabete feinen ftleifdjfcfyneibei Wirfei
v. ^enjtg mit 300 Sa>rf ®rofd>en gegen Berpfänbung ber
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görlifcer £atbc bieffeitd ber H. Ijfdjirne. 9cod) vor Gtttyfgf
biefeö 3«pred brechen (eifert feie gdr(. ftatbdrecfynttngen auf
ein 3abr ab, fo baß über bie legten Reifen beä #er*oge*
,£>anö fein VhiruMui? gegeben werben fann.
Jöajjrf^eiiilid) ift er CSnbe 1395 ober Anfang 1396 m>d>*
malö auf ber lohten pfeife nad) ber 9iteber(atifi$ in ®örli|
gewefen. 3)a£ ikrrjälrnip mit feinem fönigl. trüber $Ben$ef
muß in ber lernen , Vit fettted Vebenä ungetrübt gewefen fein,
ba fict> nod) jwei Wormeln auä bem 3. 1396 sorgefunben
haben, worin bie böbmifd)en Marone aufgeforbett werben, ben
^erjog jot^ann t>. (^örlifc alö Statthalter im Jtönigreidje $tt
uttterfrüfren.
$>er <£>er$og weilte im SBorfrübling 1396 in ber lieber-
lauft n unb ftarb plöfclid) am 1. ÜDfärj im JUofter 9f ereile*).
So enbete ber ritterlidje «£>cr*og im Sllter t»on noa) nidjt
üollig 26 fahren fein bewegtes, forgenoolle^ £eben burd) eine
Untljat**), bie nod) einer fdjarfen Uuterfua)ung bebarf. 3Bir
vermögen ben Soleier biefe* gcaufenfyaften JHätbfele ntd^t gu
•) Cat. Abb. Sapaiien*. a. a. D. 217. 218. «fdjbacu, ßonia, ©ig.-
munb. [. 67.
••) Tie von bem «Berfaffcr be* ©erfed: „$a* furfllicbc Stift unb
Älojler 9teu;eUc,*' ( 6. 62 d.) citirten Stellen beweifen burenau* niebre»
qea,en bic 9i*afnMt ber $ucrft vorn ajeidueitia, leberiben ffiinferf anfgc;
(teilten ^i-haiiiMun^ : Jjeqcq «£>anö fei an ©ift geworben. 3ener namen;
lefe U^crf affer tannte fiitjerlidj bic Stelle aue bem gleichzeitigen j£atalog
ber faganer Vlcbte, treibe ben 3weifcl bc* lobctuute'e bebt. Sein $ud)
erfdiien 1840, <sten*cr* Script, irr. Silcsiacarum fcfcen 1835 ; unb c#
tfi ;um minbejicn bodnt anffallent» unb nacfylafftg von bem offenbar gut
unterrichteten (Sdjriftttellcr, bafi er nietyt birfe fo nahe liegenbe Ottelle be-
nufcte. Obct fannte er fit unb wellte fit abjtetytlid) überfefteu; ja vicl=
leicht wnfctc er meljr alo wir an* incllcidjt nod) unvcitilqten Älofierbus
ctjern «K cujellc'ö !
Deshalb würbe bem Slbte ^einrieb nod) mein bie $Mutfd)ulb auf
gebürbet »erben tonnen , ba wobl anzunehmen wäre, baft ein anberer
äHond) bem jungen lebcnetfräftigcu Staim ein ^ülvercbcn IM bie £um
gerührt fmtte.
üftar nid)t ?oIjanned Urgrojfrater an (Mift geftorben* £at;man
nidjt in Italien mit geiftlidjer £ilfe .*arl IV., Sofann'* JBatet, *u *tu
giften geflieht?
SÜaren bie WiMtctje iii 9leuje((e erwiefen nur lauter $na,el, wab;
renb im ganzen rbmifdien !T?eid)e grabe bie gri^ten 9lnnän$er bei Äirdje
bie Verworfenheit unb eittcnloftgfcit bee bamaltaen Jtlentö auf ba« 9c«
naueflc fdjiltern?
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151
entfallen, ftimmen aber »ollftanbig ben SBorten 2lfc^
bad)'ö*) bei :
,M& i\t nid)t unwafnfdjeinlid), bap, wie ber tfebenäbe*
Treiber oigmunb'*, (gberfjarb Söinbetf, er^lt: Der £erj*og
*on J*fnrli$, da guter, frommer unb geregter £err, iti trrt — •
©lutye feiner 3al)re (er war erft 25 3af)re alt) qn_ jgjiß
ftar^jvel^edibm unb bie iiiäbrtfcfien WarFgraien
3o^TlmF ^rofor . £a|
gesell ijn erfüllt wmv MMft ^rl^ir Ui ihren tyabfü$tigeri~
^eftrebuiujen auf tue Ärone ©itymea im SBege flau*."
55>d!)renFTTr?f^bcfcnbeit be* $cricgd "im J. 1389 blieb
feine (Semafjlin ftidjarbi***) in ber ctaDt iurürf, wie au$
mehreren GJefdjenfen an fie aue ben föatböredmungen p fd>iie^
pen ift. 3m folgenben 3abre tjielt ftc il)r SHodjenbette in
,!£>orfewi$; bie <Stabt fenbete it)r görli&er ©ier jur 6tärfung
borthin. ©ei ber €enbung, welche unter m 24. November
1390 in ben Olatfyerefyiungen eingetragen, fteljt auöbriirflid) :
„mit bper onftt frawen ber b<t$ogine in be fed)$wucfyen."
Der 4£>erjogin wirb im X 1395, Dann aber nicfyt mel)r
gebaebt unb fann bal)er über ihre weitern (scfyicffale md)t$
mitgetbeilt werben.
3t>rc Xodjter (*lifabetl)***) ftanb M ju iljrer ©erljeira*
tlwng unter ber ©ormunbjtyaft beä «ftönigä iffienjel oon ©öl)*
men, welcher fte, am 3. 3anuar 1397, mithin alä ftebenjälj*
rigeä Äinb, griebrtdi Warfgraf t>. Steifen, jur Verlobten ge-
geben halte. £>od) *erfd)lug ftd) biefc i*t)e, fowie eiu anbercr
U$(an, wonach (*ltfabett) einen 6olm beä SKuprecfyt t>on ber
^fal* betraten foüte. 3m Anfange be$ 3ab«d 1408 fenbete
ber «£>er$og Änton ». ©rabaut feinen geheimen iKatt), bitter
deiner -!ßcr an ben prager «£>of, mit bem Auftrage, um bic
£anb ber $tr§0gtn @üfabetf) }u werben. Jtönig ffienjel ging
auf biefen Äntraq ein. 3)ie Xombmtu uub ber Stüter
grteDricb £raa fdüojfen am 20. 3uli 1 408 @ent ben (Sf)e*
vertrag ab. 2>er ©ertrag fe&te feft, baß «£>er*og Litton ba$
*>on äöiüg SBenjel nad) beffen Xobe an bie $er$ogin (*ltfa*
beth \u sererbenbe ,£>erjogtf)um 2uremburg, erhalten, wenn je*
•) o. a. C. S. 67.
9t. «. 9». 1849. @. 300.
'*) ©ort. Vlnv 1844. €. 4 jf.
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152
Doch kernig Sigmunb ober 3Jtarfgraf 3obft von SRäbreit bieS
Einbetten, baö ^enogtbum ©örlifc unt> bie StieDerlaufib, aufjer
bem 20,000 (Bulben Witgift erhalten follc. Ueberbieä ;c*
(Mattete SBemel Dem «£>er$ogc 2tnton bic ViuMöfuug l>eö an
9)?arfgraf 3obft fammt Der ©eaffdfoft (Sbinv unb Der tfaitD*
vogtei (Slfaji vervfanDeten ^enogtbumd l'uremburg. Der am
27. Slpril 1409 erweiterte l*bevertrag befrimmte Dem ^er^og
Vlnton, Vuremburg erHieb, wogegen vom «£>er}ogc feiner Braut
(flifabetb bie <^raffct>aft (Sbim? auflgefefct warb.
Die ^er$oam ßlifabetb verlor ihren ©emabl febon im
3- 1415. (*r fiel in Der Sdjlacbt bei gf$iucourt unD wurDe
Citren neben feiner erften ou-mahlm 3obauna beftattet.
(£lifabcth gebar ihrem (Gemahl einen Sohn, Sßilbelm,
welcher aber febon am 10. 3uli 1410 ftarb unb in Der $ar~
meliterftrctye &u Druffel beerbigt ift.
Watt) bem lobe ihres @cnta^tt führte Die ^erjogin al-
lein bic Berwaltuug Deä £enogtbumtf Vuremburg. Die
£urembnrger empörten ftcf> im 3. 1418 gegen fte; fie war ge*
nötbigt, ibten Schwager, 3ol)ann von BurgunD, ,*u .fiilfe ju
rufen, unter Deffen Beiftanb bie Bewältigung Deö $hifftanDe$
möglich würbe. Jm 3. 1418 vermählte ftcb Die «frenogin
von Beuern, unD *war mit Dem, unter Bewilligung Detf s|lap?
fteö, auö bem geiftlicfjen StanDe gefd)iebenen, ehemaligen Bi*
fdjofc 3obiiun v. i'üttid), welcher fid) altf weltlicher Surft auf
feinen Siegeln: ,4*faUgraf v. Wbein, .£>er$og v. Baiern, (Draf
v. ȣ>enneberg, &otfanD unD Seelanb" nannte. Sic felbft
nannte ftch: „(Slifabctb von (Hörli$, ^>enogin von fcuremburg,
v. Trabant unb Himburg, (Gräfin von 6-hinw."
Diefcn ^weiten ©emabl, 3obann v. Baiern, verlor bie
^er^ogin (5lifabetb in berfelben Öteifc, wie ihren Bater 3o-
bannet. 3obann v. Baiern ftarb am 6. Sanitär 1424 an
©ift, wela>ec3 ihm burch 3ol)ann v. Bliet beigebracht war;
fein« Seidje ruht im Dominifancrfloftcr *u $aag.
(Slifabetl) verließ Jgwllanb unb febrte nad) tturemburg $u*
rücf, wofelbft fte Drürfenber ©elDmangel, Der ftete Kummer beä
guremburger «£>aufc$, jwang, briirfenbe Steuern aufzulegen,
welche Unruhen im ,£>er*ogtbum herbeiführten.
Der tut 3. 1437 erfolgte 2oD ihre* faiferlichen Ohm*
Sigmunb, ftürjte bie «£>enogm von ®öili$ in neue Sirren.
^önig Sllbrcty, vermählt mit SigmunD* 3,oä)tcr Glifabetb,
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153
trollte Da$ an (Slifabetrj von $örlifc nur verpfdubete «£>er$cg* s
tfmm £nremburg Durd> 3flMwng Der ^fanbfumme auetöfen.
Jtenig ftlbred>t* früher XoD, im 3. 1439, weit entfernt, Der
Apewgin ?Rut)e ;u verfetjaffeu, gab $$eranlaffung )u einer
ffehDe mit »öerjog Wilhelm v. ®a<bfen, Dem 6d)wiegerfobne
Der itönt^iu <&lifabetf). , ^ei^og Wilhelm begehrte gegen Die
üöeftimmuna, ber tfönigin (flifabetf), Daß ttureinburg wdbrenb
Der VebenoKit ber öerjegin von $örlifc in Deren $3eft& bleiben
feile, Die $efe6uttg" De* ^erjogtf)uin4. 3m 3- 1 44Ü famen
unter $ür)rung teö (trafen v. ©leiden 800 6 ad) feit nad>
^urembura., vereinigten fid) mit Den rebellifd>en llnterthanen
Der £enogin, nahmen ftiremburg ein unr vertrieben Die Herrin
au* ifyrcm Sdplojfe. Der Steffe ber ȣcnogin, $l)ilipp ber
<**ntige v. $urgunb, jog im 3. 1443 bei Dijon ein ^ecr ju<
fammeit, unb Johann v. Virneburg eroberte nod> in bemfelben
3abre mit biefen @ölbnern bae ganje «£>erjogtr;uin, welcbed
Der «öerjogin von (Mörlift von Beuern bHlDtgen mußte.
£>ie rranfe Dame *og ftd) im 3- 1449 jebod) wegen
^fränflicrjfeü unb ^ebeneü verbat $ von ber ^Regierung jurikf,
am trat biefelbe, gegen ein 3abrgelD von 8000 (Multen, an
'iUülipp 93uvgunb, ab. Styre legten läge verlebte ftc 411
Xrier, wofclbft im 3. 1451 irjr %ct> erfolgte. 3l)r £>cnfmal
ijt bitf heutigen Xag in Der ijefuitcrfirdie w ürier w fefyen.
3n Den legten 3al)ren lautete if>r Sütel: „(Slifabetr) von
<9örli$, $er*cqtii au toemburg, ©rafin $u ($Wmj, grau *u
$orne unD tfrcfel."*)
®e<frfleS ShpittL
Erwerbung ber ?anbetffrone 1440.
2öir haben bereite auä bem SBorfyergefjenben, tn$befonbere
an* bem ©ewaltftreidje gegen Neubau* gefer/en, baß ber vstabt
CMörlifc aUe Bürgen unb £d>löffer in tr>rev Umgegenb ein
Dorn im Sluge waren. 9*un ftanb auf bem 1V2 6tunbe im
•) Tie t»rftfn Wadjridjttn $ut GlffAidjtf tyrf« branctfntreirffcn be-
bend f. bei Bcrtbolct, histoire de Luxemburg, t. VII.
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M54
©üDwefien ber ©tabt cjclegenen SBerge, $anbe£frone, ein
Schloß, it)dd?c6 prafjlcrtfd) mit feinen Rinnen bte ©cgenb
überfdjaute unD fortwährenb ben ©örlifrem im ^fngefief^tc war.
$luf bem SBcrge waren feit bem 13. 3af)r^nnbert Herren
von SanDcäfrone anfäfjtg, welche mit bemfelbcn im X 1268
bei Xbciluiig ber ÜÜtarf Sauden in $wei Xr>eite# jur Warf
®brli$ gewtefen würben. 3Rlt biefen sperren lebte Die Stabt
immer in grieben unb fdjeint bie ganje gamilie überhaupt
ein frommeö, gotte6fürchtige6 ©cfchlecbt gewefen 31t fein, ba
mehrfadf Scheufungen berfelben an ßlöfter unb milbc Stifter
erwähnt werben.
3m 3- 1357 ftanb ber 93erg bem Jiontg v. Böhmen ald $e*
hen 411; ob 93erg unD Schloß in ben 93cjt$ &arl'6 IV. Durch
Äauf ober anbere Erwerbung fameu, bleibt bunfcl. 60 viel
tft gewiß, baß bie ganbeefrone ihm bamalä *ur unbebingten
Verfügung ftanbf fonft hätte er Wcmanb Damit belehnen
fönnen.
3m genannten 3at)re belehnte nämlich äaifer Äarl IV.
ben Witter griebrich v. ^iberftein auf grieblanb, Sorau jc.
mit ber gefte ^anbeäfrone, unter ber 33ervflidttung, Söibcrftctn
möge fcd> nicht vom töaifer Reiben, fonbern 3bm getreulich
wiber jeber 9Rann Dienen, helfen unb aufwarten.
grieDrich von 3Mbcrftein, ein feljr reicher Wann, unD &u*
gleich beim Jtaifcr fcl>r angefehen, war Den ©örlifceru ald
^iadjbar feiueöweg* genehm.
-Sic lagen nämlich feit bem 3- 1349 mit 33iberftctn tit
geljbe. (Sin s^afall beftelbeu, ein gewiffer Wtfcbc v. 3iadwi£,
hatte Damald Den C^orli^eru Den Sanbfrieben aufgcfünDigt ; fte
hatten Den jKarfwifc bi$ nach gricDlanD, auf Daö (£igcnthum
SMbcrfitein'ä verfolgt, währenb ein anberer Übeil nach iauchrifc,
wo bamalö 33iberftein fleh gerabe aufhielt, um mit ihm ju
unterhauDeln, geritten war. Der anDere ityii war noch in
gricblanD. $11$ 3Mberftcin von Saucbrift heimf ehrte, erzürnte
ben großen Herren bie Äunbe biefer il>atfad>c fo, Daß er bie
gbrlii&er Waunfd)aften angreifen ließ, in golge beffen $wct
(Dorumer auf Dem ^la$c erfchlagen, bie übrigen flüchtig
würben. $ei ber Verfolgung auf feinem ©ebiete verloren Die
StäDtifd)cn nodj fünf ihrer Seute. Die ©örlifer rächten ftd)
wiebetHm, fielen in feine Dörfer, vlünDerten unD nedten ihn
Dermaßen, Daß er Damals auf einen Sergletch antrug unb
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15»
200 e<M ®rbfd>en bellte, welche beim Beginn be* Baue*
ber ftrauenfirdje verwcnbet würben.
Daß feine <*)eftnnung gegen bie <£tabt im 3* 1357 beut-
nad> bie befte ttif^t fein mochte, fann man ri<f> crf lären ; ebenfo
bie lleberrafcbung bei (**örli{lcr, al6 fie ihren vormaligen
mächtigen getnb von ber fallen Sanbeäfrone Bejty nehmen
faben. '
(f*Ui<t(i<herweife flarb Biberffcein im 3. 1360. <5r hinter-
tie# *wei <£ji>bne: $>anö unb Ullrich, (von benen (öfterer ben
Ruberen uberlebte) nnb feine Bedungen fingen auf fie über.
«Öan* v. Biberjlein, n>eld)er batf ftürjtentfyum Ötörlifc, wie
wir oben erzählt, im 3. 1387 befehlet uuD wabrfdjeinlid) von
ber £ant>e$frone viel 6<l)aben getban hatte, belehnte im 3.
1397 ben Burggrafen (Sanbcr v. Hohberg, biefer wieber einen
£errn v. <$er<jborf mit bem Berge, welker feine Vlnf>röc^c
an einen hierin v. Pottwifc veifaufte, itaefr beffen $obe bie
Vanreefrone Bincctu geller auf Scrdja eine 3*** lang h*fap>
aUe biteben jeboch linterlebend träger bei Blberfteine, nnb jwar
nach bem im 3. 1419 erfolgten »bieben be* $errn £aw$
t>. Biberftetn, von beffen (söhnen «£an0, UUri<t> unb griebrich.
Die gütjrung ber Biberjiein'fd)cn VebeneUeute auf bem
Berge fd?eint titelt befriebigeub gewefen Mi fein. Sic muffen
ben Straßenraub geübt unb bie (Sinwobner von (Dörlifc beun-
ruhigt tyaben. 3cbenfa(ld fann tro$ ber fturdn vor ben £u*
fiten, ivetc^e bamaltf ?anb unb Stäbtc utebr einigte al$ jemals
bat» Berbältnjj* ber Schloßbewobnci auf bei fcanbedfrone w
Stabt Wörlifc fein gute* gewefen fein, benn 1433 Ratten Die
Slelteften uno ®cfdjworeneii in ber Stabt eine Unterrebung, „ob
eä nid)t gut fei, ber 5ffio^lfal)rt ber Stabt wegen, bie i'anbeö-
frone *n faufen."
lieber ben ftudfall biefer Unterrebung wijfen wir nidjte;
nur fo viel fitety feft, *wifd)cn 1433 unb 143d ift bae* Sd^
auf bem Berge von ber Stabt befefct worben; nod) im
3. 1435 hatten unter 3erufalem Bedjcrer ftäbtifche Sbloner
bic Burg Sanbeöfronc befefrt. &t würbe um SWartini 1435
laut matlwe^nungeit bi* Martini 143ti an bie Seute auf
bem Berge Selb ausgebt)!*.
3m 3- 1437 verfauften bic Bibcrfteine bie ?anbe*froue
an £ein$cn v. s4$romm&, ber nach wenigen Sagen fie an feinen
Selmbenen, ben £cr*og $and v. Sagan, veräußerte, burd)
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bcn btc 9Rannfd)aft ber (Dörltfcer mit Gewalt »erjagt unb auf
biefe SBcifc ber (8eft& betf $erged gewonnen warb. Wittbci*
lung von tiefem Ucbcrfaü* würbe fofort burd) eineit $3otcn
(ber laut $Ratb$rcd)nungen 4 ©r. befam) oon ©örlifc auä
bem ^uitbc \w 33au(en gcmelbet.
^rjog war faum in ben Seftfc ber beiben Schlöffer*)
gelangt, alö er Huftalt traf, btc baulichen löerfc in ben feftejten
2 taut w fcfccn unb $runb für mehrere neue Xbürmc mauern
lief?. 'Die 9ta(fyrid)t hiervon beunruhigte bie ©dritter um fo
mehr, alö man behauptete, ber «£>er$og beabftdjtige ba$ £d)le&
au 6igmunb i\ 2i>artemberg, ben größten Jeinb ber £tabt,
wie unten erfubtlid), *ur ^älfte vi überlaffen. <rte verwet*
gerten beöfyalb bem c$cr$oge «£>anö bie 3ufubr von ¥cbcnä*
mittein auf ben 33erg, waö \u ©treitigfeiteu mit ben Surg*
leuten uub p *J3lünberuiigen ftäMifc^cr Dörfer burdj biefetben
ÜBeranlaffung gab.
Segen btefer Girren fdjrieb ber $atr) an ben &aifer,
unterem H. November 1437, unb bat ihn, ba jj £erjog griebrid)
$u (sadjfen, ben Vau u 130111 fowobl, al$ benen im gürftentbum
S(r)wcibni& unb Jaucr Befehl gebe, ber ©tabt ©örlifc beim
Angriffe auf batf £d>lojj ^ilfe ;u leiften. Der töaifct erließ
an ben Verflog bie $ufforberuna, mit bem Saue innezuhalten.
Der &erftog ^aud bat mftänbigft bcn £aifer, ihn in
feinem Vorhaben nid)t ;u ftören, äuglcid) febrieb er aud) am
6. Dejember 1437, au ben ^Katb.ju ©örlty, burd) Sittich
v. Selhofe, baf? bie 2anbec3frone ihm allem gehöre unb 3Bar«
temberg feinen Einheit an ihr habe; er weite ihr Jrcunb fein,
uc möchten feinem Hauptmann i\ 9tid)terwi$ feine 9totbburft
uub Nahrung Aufommen laffen. Diefelbe (Srflärung würbe von
ihm am ^homa6tage wiebcrholt. Dod) gab ihm ber üRath
eine nid)täfagenbe Antwort, ohne feinem £Bunfd)e ©cr)ör \\i
geben. Die Mannen beö ^jer^ogä mögen wiebcrholt am flu*
lauf von £cbcudmitteln gebmbert worben fein, benn cd ftnben
ftd) ©puren einer Jehbe, bie erfl burdj ben 1439 erfolgten
Xob beä $eriog$ ihre Seenbiguna fanb. 3m 3. 1440,
9Jcittwocb$ vor Xiburciud (10. 5Äucjutt), verfauften be$ .£>er*ogfl
6öfmc 33altl)afar unb *Kubolph Mc &inbcäfronc nebft JMetn*
$ic$uifc, (gmutewift unb 9teunborf, um 600 «Warf böbmifebe
•) *nf jebem ©ivffl ftanb ein Eumcerf.
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©rofchen an bie <£tabt. «lebalb ging auch bic €tabt au ben
Abbruch bed f)efäl>rii€f)en edjloffeä, wofür Um in «tlern
31 ed>o(f 6 GJrofchen befahlt würbe. £er Weierhof W ber
Vertiefung jwifchen beiben 93ergfpi$en blieb bamalS noch freien.
®tfc$id>t« ber 6 tabt währenbber hufitifchen, martern'
b er gt| d>en unb pobiebrabtfdun 3eiteu*), 1414 — 14B8.
bereit* oben ift ein Xbeil ber jhriegfyüge unb gefjben
ber ©örlifcer beleuchtet. Die nun folgenbeu £änbel ftct>cn in
unzertrennbarem 3Hffl"»nwibange nnb haben eine bei Sßeitem
größere Xbeiluahme, alä bie früher erjäblten, wegen ihrer
weltgeschichtlichen SSebeurung in Slnfprud) ui nehmen. <£>ier
wie bort war ©örli$ gewöhnlich mit ben fech*ftäbtifchen
€d>weflern »ereinigt; biefer Äbfchnitt vornam lieh wirb bie innere
Äraft, fowie bie Wannhaftigfeit ber görlifcer ^ürgerfchaft be*
weifen, greilid) ift auch hier meiftenä nur von mittelmäßig
geleiteten Umhtvjägcn gu berichten unb bie (Srfotge ber 9cii*
ttungen ftanben feiueflwegö mit bereu Umfange im Skrhctltniß.
£>ie £täote, welche eä mit friegägeublen, mit guten Rubrem
oerfeheneu, politifd) unb religiös fanatifuteu Sd>aaren \\\ thuit
hatten, größtentheilä allein auf fid) angewiefen, waren alä
einfache SBertbeibiger iljreä £eerbed beut (Gegner im freien
gelbe feiten gewachfen. s)?ur gegen Heinere Abheilungen
fonnten fte fid) fchlagen; wenn bie großen ^eereefäulen ber
jünger von anfamen, mußten ftd> bie cedjdftäblifchen
in ihre feft »erfd^anjteu dauern jinriicf^eben, bie unglütflidjen
©aueru bem sDforb, ber ^ranbftiftuug , ber ^lünbcruug wehr*
loö anheim gebenb. 1 affelbe gilt auch von ben fpätem 93er-
hältnijfen wähvcnb ber ^ebeüton unter ^obiebrab unb ben
folgenben Reiten.
*) ©gl. jllüji: CMefdj. bed §ufuenlrieged in ber Cbetlaufift. SWanu*
ffript auf bem »Jtatybaufe in Gtorlifc, »erat, mit ber £berl. Ürrunben*
fammlung in ben gleichzeitigen görlifcer Scatyflrefymngen. •
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(5d erfdjemt wunbcrbar, baji bie ©ed)$ftäbre nid)t vom
f)itftttfd)eit Grifte angefteeft warben, ba fic fortwdbrenb mit
SBöbmen in fo inniaem Unfeine ftanben unb man benfen
tonnte, baf ber unruhige Gk'ift in ber sBüra,erfct)aft unb beren
(Streben nad) gleidier ^rwaltuna>s£etl)eilia,una, mit ben (Me-
fdjledjteru bie $uftten*eit jur <£r$wina,una, ber verfaßten
red)tiauncjen benufct babeu würbe. Dod) war bem feineeweejä
fo. Der 3wift in bei Gemeine ajng mir baä materielle 3nter<
effe, feinetfweaö bao fird>ltc(>e an. 3" legerem war qerabe
in jener Seit bie (Mlanjperiobe beä äatMiiitfmnö in @iörli6*,
e$ fmb auperorbentlid) viel <8rifluna,en für Midien nub adjit*
tid)e 3werfe au* bem 15. 3al)rbunbert ut metoen, wie bie
verfdjiebenen gleidneiticjen Stabtbüdjer beweifen. Die Dbcv
lauft&er, in fird>lid)er SBetfehuna, nid)t unter ^raq, fonbern
unter Weisen fteljenb, betrachteten bae* ^ufitentbum, wie alle
firenajlaub,ia,en #atl)olifen alä Üefcerei unb aud) bie (*)örlifter
verfolgten mit bem großen 3ntereffe bie Skrbanblungen ber
jürd)euverfammlnni) gu JConßan* (1414—1418). Dort fanbeu
ftd) fowol)l £erren vou ber oberlau|l&ifd)eu Mtter|d)aft, alä
von ben 6tdbteu ein. Vliuh <5Jorli& hatte bort $lbi)efanbte,
welche im JDftobcr 1414, mit ber übrigen fatboIifd)en 3Selt,
ben $apft 3o^ann XXIII. anerfaunten. Die|"e Slnerfennuna,
war iljnen fel>r liü^iid) bei einem qeijtlidKU »fwnbel, welcher
bei Gelegenheit ber ©efd)id>te ber fatl)olifd)en ^arod)ie er*
wähnt weroett foll.
Weitläufiger war ein anberer £anbel, welcher, obgleich
feineöwegä geiftlid)er 51 rt, merfwürbiger Weife vor ba$ Äon-
Sil fam.
(Siuige fttlmbad)'fche ^ichhänbler hatten im 3. 1416 eine
&n}al)l Dd)fen burd) r>en baufcner in bie görlifcer unb jittauer
Äreife treiben laßen; ber bamalige £anbvoigt «jpinfo üöerfa
v. b. Duba ^attc biefen ^iebhänblern burd) feinen ^erwefer
grtebrid) Micbenmeifter, freieö Geleit erteilen, unb jugleid)
ben öauvlleuten von 53au$en unb (#örli$, £cinrid) v. Ued)tri$
unb griebrid) v. Jft>au befehlen laffen, tfe nu fd)üfcen. Die«
war nia)t geliehen. Die Öd)fen würben burd) 6trapenrduber
weggenommen unb biefe ganje „Wobme" ben Arabien (Atorlifr
unb 3ittau $nr s£efd)werbe gemacht. Den Vanbvoigt befa>ul-
bieten bie beraubten, baj? er 9lutl)eil am töaube habe; bie
Stäbte, baß felbige nid)t ftytfctl genug ben Säubern nachge*
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• 4 59
eüt feien. Sie hielten fiefy (>auptfäd>(id> an Die beiben r tarte
unD braa)ten Den «£>anbel, warum? iß miliar, au Daä &0113Ü,
weid)ee Die Unterftidjnng rieter tttnqclc^citheit nirtu jm ütfwieö,
1 en Dein im 3- 1418 anhängig imuhte.
Der Jtaifer nahm fta> Der Statte an, fcl>rieb an 3of)ann,
Burggrafen ;n Dürnberg, er teile Die ,Kiilmbad>er tur %Kuhr
»erroeifen, n>etl er — ^igmuuD — im ($inperftänbnif) mit
&önig 3Ben^e( ». Lohmen, Die $efd>werDc erleDtqeu wolle;
Dod) ^alf Diefe (*inmifa)ung nidjtö; Die &nlmba<r/er jogen Die
Älage nidft \uxüd unb Die Öörlifcer fenDeten alä 93er*oUmäaV
rieten für fid) einen Slltarißen, - Johann Sabernator, naa)
Die|"er, ein gewiegter nnD poütifd) fd)lancr Wann, nahm
gran* t>. 3tegaü*ia, Pfarrer 51t ^a$fau, uim VetßaitDe, sDtgr.
tftfolaud .hot.uniplen, Domherr ano ©reälau, nun l eüicitator
unD SÄgr. 3o^ann ©raun ($raun, tyrun), alö >Jkofurator
beim payß!id)en £ofe, alö VlDoefnien Äfttyar De Rannte an;
jugleid) wufjte er Dura) £anö t>. ®eröDorf Den .£>er$og £uD>
»ig ©rieg ui gewinnen. Die $$erfammlnng war in Diefem
J^anDel günftig für ÖJörlifc geftimmt, wurDc ieDoa) >>or Dem
6prud>e im 3. 1418 gefa)lo|Ten unD Die gan^e Angelegenheit
an Den päpßlidpn £of gewiefen. Dbgletd) Dort Der £anDel
in einem Dura) ©rnn'e Bemühung, im X 1418 ju v3)fantHa
errotrften Grfenntnip, günßig für Die StaDt anäße! , war boa)
Der «uägang im 3. 1420, bei (£utfd)eiDnng Der päpßlia>en
Äammer, *um sJtad)t()eil Der StäDte, wela)e enorme ßoßen Da*
von hatten. — Hin Streit mit Dem £enog t>. SNünßerberg,
welker al(e £ea)*ßäbte betraf, wurDe erft nad) Dem <Sd)luffe
De* Äontfte beenDigt. Die nod) sorhanDenen ©riefe laber*
nater'd r*on Jfonßanj nad) ©örlie ftnD nia)t nnintereffant unD
beleua)ten melfaa) Die 3uftänDe bes tfonuliumä.
(£e iß Mannt, Daß Die huumdum Unruhen ba!D nad)
Dem geuertobe be$ Sofyann £ud, noa) $nr *>er Regierung
Äönig ÜBennerd, im 3. 1415 begannen, aber Die ö)renjen
Böhmen* nidjt überfdjritten. Demungeaa>tet war nia)t Stühe
unD grieDe im £anbe. Die Stabt voar fortwähren* Dura)
£änbe! unD gehDen $u Aue^ügeu gegen Strajjenräuber genö*
t^igt, Deren 8(uf$ählung Die ^efer ermitbeu würbe, um fo
me^r, alö fie ohne jeDe weitere BeDeutung ftnD. 6ie ftanben
tu feinem erweislichen 3ufammeuhange mit Den bofjmifctyeii
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160
Unruhen; man mliptc benn foldjen in ber burd) jene $uf*
ftänbe gefc^wäc^reit sJD?acht beo vanbeeberreu 3i$eiMel fucheii.
©rft ber lob M gefrieren führte einen offenen Irlich
mit ber Jüberlauftfr nnb ben Böhmen herbei. Datf un&wetfel«
hafte Stety Jtatfer cigmunb* auf bie böhmifdK Jerone, ver-
anlagte bie £>berlaH|ifrer $u bem (Sntfdrfujfe, jenen alö ihren
Sanoeeherm anzunehmen, wedhalb 33evol(mäd)tigtc mit bem
Erbieten ihrer Unterwerfung an ihn gefeubet würben. 9tod>
im September fam eine ®efanbtfd>afl beä Jlaiferd an bie
obeilaufifrifdjen Stäube, um ihnen bie gnäbigen OJeftnnungen
Sigmunbä au^ubrüden. 3" biefer $3cfenbuug fam im £)f*
tober 1419 noch eine jweite ber fatbolifd) gefilmten Böhmen,
auögebenb von $ane v. sJ)fid>elc3berg auf pöfig ($e*becg),
Otto v. Berge, bem Bifdjof v. Dlmüfr, weldjc von Hutten*
berg autf, bei tfanb unb 8täbten, «£>üfc gegen bie Bunbbrüber
in ^fafpmd) nahmen. Die l)ienäd)ft erfolgenbe Beitiitteerflä*
rung ber Dberlaufifrcr war baö Scidjtn jum Brudje mit ben
«£>ujlten.
3m 3. 1420 fam ber tfaifer 6igmuub nach Breslau,
betätigte untcr'm 17. Januar bie Privilegien ber €td)dftäDte,
befahl aber auch, nnter'm 20. gebruar 1420, ben 6ed)ö*
ftäDteit, ihm mit $olf unb ihren großen Büdjfen bei bem be*
vorftchenben gelbjuge ;.n $tffie au fommen.
Die oberlanftfrer s))tanufd)aft vereinigte fid) bei 6d>wetb*
nifr in 6d)leften mit ber faiferlidjeu Slrmee unb rüdte fobann
mit berfelben über äönigingräfr, 3eblifr unb töönigefaal gen
präg. £ier lief* fid) £igmunb frönen, war aber nicht mach*
tig genug, bie ganje «Btabt $u befefren, wa* jur golge hatte,
baß bie «£>ilf$truppen tbeilweife fid) jerftreuteu. Die £>ber*
läufiger waren fd)on im &uguji wieber \u «£>aufe angelangt.
*8on ©örlifr waren babei fed)$$ehn 6pieße, jeber £piep $u
vier pferben mit Begleitung gerechnet. Der Jtaifer blieb bei
Rudenberg ftebeir, baher halten bie £ufiten freieä «Spiel unb
ftreiften in einzelnen Raufen biö 3ittau. (** gingen beöbalb
tu tiefen 3ahre von ©örlifr auö mehrmal* Gewappnete unb
Schüben unb anbere aerüftete Banner, julefrt ^ermann 6d)uU
ted mit 15 liefen, 20 Sd)üfren unb 18 feagen na* 3ittau.
6ie machten einen Einfall in ba$ Sanb jenfeit ber (Slbe.
Dort fam ihnen £info v. pobiebrab entgegen unb fdjlug fie
am 25.9iovbr. 1420 bei bem Dorfe gotha. Den ©efangenen
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würben btc £äube unb Wa\t abgefa>itten unb bie ^erftüm*
melten iiao? Butan 8*f<Wt
3e großer im 3- 1421 für bie DbeTlaiifteer bie ©efahr
würbe, nadjbem ber tfönig naa) Ungarn abgegangen war,
ohne bat? er ein f<r/irmenbe$ £eer in ©otjmen jurrtdgelaffcn
r/ätte; um fo fräftiger rüfteten fte ftcfy u»r ©egenwebr. Der
neue Sanbvoigt £erwg £einrid> von Liegau förberte biefeö
Beginnen. Baumen würbe ungemein bcfejtigt. (fbenfo ver-
färben jid) bie anbem 6täbte, namentlich ©örlifc, mit ©eferjüfr.
Die „93unbbruber" fanbten vom Sanbtage ju (SjaSlau (6. 3uli)
9lbgefanbte in bie Dberlauftfc, ein Sünbni^ gegen Äönig
^igmunb anzufragen; im ©egentbeil breiten fie mit $er*
wüftung be$ SanbeS. Doa) fdjretfte Hefe 9?aa>ricbt bie
JDberlautlfcer nietjt. 6ie fcfjloffen bemungeadjtet mit ben fyuft*
rtfeben geinben, Jperwg griebria) bem Streitbaren unb me^
reren anberen NJWarfgrafen, ju Zeigen ein €a)ufc' unb Tru^
bünbnijj auf 5 3afyre. 9tad)bem ber ,f önig ben Cberlauftfcern
ben $kfef)l ertheift hatte, naa) Wöhren 311 fommen unb ber
9ted)t3 Sfnipel, unbefd)abet tr)rer Privilegien — nur innerhalb
be$ Äönigretd)* Böhmen ju fechten — gehoben war, gingen
tiefe Gruppen nach Fähren ab; von ©örlij auä 126 Wann
5» *Pferbe, mit 16 Sßagen. Doa) blieb biefer gelbjug wieberum
erfolglos unb bie Dbei läufiger f ehrten (£ube beö 3ahre$ $u*
rücf, ba ein £ujiteneinfaU in bie $!aiift($ befürchtet warb.
3u Anfang bed 3al>re$ 1422 jtanb ber Äaifer noch bei
Äuttenberg, würbe aber von 3i$fa bermajjen gefd)lagen, bap
jid) faft bie ganje Armee aujlöfte. Da ber Sanbvoigt «£>erjog
^einrich im ©efolge beä Jtaiferd war, führte beffen trüber,
£er*og Heinrich ber ältere, ba* Regiment in ber Dberlaujty.
Unter feiner Verwaltung legten auch bie ©orlifcer ben neuen
*Religü>n6eib, worin „ber römifdjen tfirche unb bem ^avfte in
®laubendfaa>en ui gehorchen, unb bie fogeuannteu Äe&er mit
aller 9Raa)t \u vertilgen" gelobt würbe, vor bem Dedjant unb
Dfftjial v. Baufce» , <£f)rifto»l) v. ©eräborf auf Baruth unb
Dijetjarb v. ^annewift abj für fie ein folgenreicr/ed ©e*
lobtüfc! Der wia)tigfte tfueg$hanbel in biefem 3ahre war
eine Heerfahrt naa) &ittM, woburch bie in ber 9cahe lagembe
£ujttenabtheilung jum Dtocfjuge veranlag warb. s:öcehrmald
würben «Haftungen unternommen, befonber* als ber Seinb in
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bte SHefeertauftfr unb ba$ S3ranbenburgifa>e eingefallen war;
boa> fam e3 nid)t junt eigentlichen 3ufammenfto|*.
3m fo(geiit»ett 3al>re, 1423, fam man wieberum mit Der
2lngft baoou, waö um fo oorttyeiltyafter für Die Oberlaufi$cr
war, ald im £anbe bura> Den Abgang £erwg 4pciitrid>'* beö
älteren Don (Slogan *om mt>iforifd}en i'anbooigtäamte, unb
ben £ob beä wiiflia)en tfanbvoigt* £er$og £einria) eine ge-
fäf)ilid)e 3wifa>en$eit eintrat, in weiter jeoe militärifa)e Dber*
leitung fehlte. £efyr nafce war bie GJefarjr im sDtonat 3uni,
alö 3iefa um Gwlbftein unb tfeitmcrifc feine 6a)uaren }am=
melte. (£tf gingen beoljalb, naa>em fdwn im 9Ronat sD?ai
^ermann 6d)ulte*, «öeinria) Dtto, Hirtel Pommer unb (&v
orge ÄaniS mit 32 Siefen, 24 6a)üeen unb 32 ©ewaw*
neten gen 3ittau aufgebroa)en, jeboa) ol)ne 3ufammenftofj
mit bem geinbe wieber auflief geferjrt waren, im 3uni von
Steuern £and (ßlqil, $eter Siple unb Afjaöoer Sauterbaa) mit
6 (Siefen unb 18 6a)üeen naa) 3»"«"-
3n biefem 3al)re war baä wia)tigfte (Sreignip: ber lieber-
tritt ber mächtigen borjmifdjen £erren o. Söartemberg , welcbe
bieder mit ber Oberlauf in greunb|a>aft gelebt Ratten, m ben
^ujiten.
mt bem 3- 1424 begannen bie (Sinfätte ber Junten in
ba* fea>dftdbti|d)e Gebiet unb l>te wirflid>en geinbieligfeiten.
Daß in biefen Angelegenheiten Ijäufig 3ufammenrunfte *on
ftäbtifdjen Abgeorbneten unb Vanbtage waren, brausen wir
nttt)t erft anjufubren. Statt berief uoa) über einem 33ünb-
ni0 mit griebria) bem Streitbaren, tfurfurften \\\ Saasen,
al* bie £iobtyoft anfant: ber §H\it %\^to ». ^obtebrab fei
am 25. 3attuar mit 8000 Warnt ju gu£ unb 700 Leitern
bi* an ba* ©abelgebirge wrgebnmgen nnb tyabe bie 3ittauer
beim €*lo£ äarlöfrtebe gefälagen. rürfte *or 3fttau
unb brannte all* Dörfer tu ber Umgegenb nieber, ba er bie
€tabt felbft nia>t erobern fonnte. Die €täbte rufteten fia?;
leibtr ju foäf. (** eilten »ou Gförlifr auö: Sigmimb 9»en§tl;
nebft «nbrcaä Gugelrjarb mit 24 ^ferben unb einer «n^abl
Sttagen ©ewawneter, fttfter #and Doberwifr mit 40 *gferben
unb 100 €a)ufcen 3fttau ju £ilfe, fanben aber ben geinb
nid>t mefjr. 3nt SBieberoergeitnng würbe im gebruar ein
<*infafl in Sötymctt gemacht unb bort rtiiftt weniger graufam
gekauft, al* bie* Seiten« ber £uftteu im 3irt<wifa)en gef^n
uign
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463
war. Die ffiaf)( beä £errn *. Noblen* *um Sanbtwgte war
für Die görberung ber jtriegöanaelegcnbetteii fcftr erfprie(jlid).
t>. $of>leu* dnberte ba* gan*e 2krtbeibigung*|pftero. (Sr ge*
Mete nic^t rae^r bic ßmlaffuiig ber üRanufaajt naef) «bjug
bed gciuDe«, fottbem orouete fortgefetfe ^Bewaffnung unb @ar*
ntfonen an ber ©renje au, fe$te ft<$ aud> mit ber oberlauftfter
ftttterföaft in gute* $ernel)men, fo ba£ jene »on nun an beu
Stabteii treulid) Die £anb bot.
3m Sttonat 3um näherte ftd> 3t*fa beu ©renjen. <£*
gingen in biefem SKonatc gegen 200 6d)ü$en »o* ®örli&
»ad? 3ittau; am 5. 3uli wieber 36 Uferte unb 100 ©ewapp*
nete auf $Bagen; am 22. 3ult *on Beuern »f)a*oeru$ Sau*
terba* unb grenjel ^nc mit 10 6pic|jen (ä 3— 5 üWann),
10 Söagen mit gewappneten eölbuern unb gegen 90 gewapp*
nete £anbwerfcr. Da fid) 3i$fa wieber in'ä 3nnere aurürf*
jpg, ging biefed 3a^r 1424 of>ne weitere Unruhe ab.
Da* 3a^r 1425 lie« U *on vorn Ijerein fe^r ängftfidj
an. Die Äadjrityen eine* beabjidjtigten Xaboriten * (Sinfall*
mürben fefjr bräugenb, we$fyalb wfdjiebenc 3ufam*tcn fünfte
in ©ortt* unb Baufcen umer Dem $rAfU>imn be* #an* ».
*Ml*nj abgehalten, unb baju, auper ben ®e^$fiäbteu, aud) bie
fteincren 2anbfitäbtd)en emgelaben würben. Die ©efa^r war
in ber £bat nid)t unbebeutenb. Denn cS burd^ogen plüiu
bernbe Gruppen ben fubö jtüdjen Zfyii bei Dberiauft* \ an ben
Weinbergen bei ©örlifc warb, unter anbern greoeln, oon einer
od>aar bic bort fktyenbc Capelle ruinirt. ©egeu (labe 3anuar
1425 aber gingen bie bufttifdjen Gruppe an ber ©renjc, weiter
in* fcanb jururf.
9fad) D£er« warb ber bdfymifrfje ©renjabei, »ornefymucfy
bie abtrünnigen ffiartcmfcerge unrul)ig; fie fteleu *om ®#loffe
Xoümfttin tf* jittauif^e Sßeid)büb, ftreiften bi* ptt JUofter
«arkntljal unb fügten Wiefel *. ^onirfau, bamattgen £aupt*
mann t>on $iUau, welker bei einem 9tu*faUe üt tyre ©ewalt
geriet^, gefangen in ba* ©urgwlief Mit SoUejtftein. Ski
ben Untcrfjanblungcn um feine eublid) erwirftc greüafiung be-
tbeiügten fid) aud> bie ©örlifcer. Die ijcrrfdjenbe USerwirrung
warb gemehrt burd) ^wifti gleiten, in weidje bie oem Jtaifer
bewirlte <£infefrung eine* aeueu Sonbwigta, in frer $er*
fon M mbvety wit itolbifr, ben beengen $ermefer ber
SbcrUmft, £eüirid> o. $o&lena, oerwirfelte. «euerer, beut
Ii?
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unleugbare Verbienfte um ba$ gefä^rbete ?anb nicfyt ab-
$ufpredjen ftnb, beanfpru d)te jene äöürbe felbft, wollte aud>
nidjt von bem rurjmlid) verwalteten Soften (Reiben, fo baß
bie Verwaltung burd) biefe fdjwanfenben Verbältniffc \\\m
Schaben be* £anbeö gän$lid) gelähmt war. £änbel, welche
ber angefefyene fcanovotgt früher ofyne Blutvergießen fd)lid)tete,
würben jefct burdj bac 6 d) wert entheben; 3eber fud)te ftdj
cigeumädjhg fein Äedjt. Die golge biefer inneren 3erfiüftung
war sJWad)tlojtgfeit nadj Stoßen.
Dem am 25. 3uti tu s-iöai$en jwifctyen Äatfer §igmuub,
.^urfiirft griebrid) m 6ad)fen unb ^erjog fllbredjt v. £)efter*
retd) gegen bie Quitten gefd)lo|Teneu Vunbniffe traten bie
6ed)6jtäbte, mithin aucr; t*Jörli$, bei. Die* brachte ifyien
leiber wegen ber SHactylojtgfeit be* Äaifer* mefjr edjaben al*
sJtu$en.
3m Sfoguft 1425 rücfien 18,000 £uftten vor i'öbau; ba
irjr (Stürmen jeood) frudjrlo« war, goqeu fte wieber ab, ofyne
(työrlifc i)etm^iifuc^cn; bort vcrboppelte man bie 38ad)en, warb
Stffcttet unb fefcte alle geftungäwerfe in ben beflten Vertbei*
bigungfyuftanb. Actum war ba$ 6täbtdjen von biefem grittbe
befreit, al* 2öilr;elm v. Soltow auf tfeipe unb 6tgmunb
v. 3öartemberg auf Xetfdjen, göbau von Beuern bebro^ten;
we$f)alb am 2. Dftober 3obann Ulricbäborf unb Johann
dotier von ©örlifc mit einer Schaar (Bdjitfceu unb Vewaff*
neten jutn 6d)Hfce autogen, um eine Mit lang tu Söbau
alä ©arnifou ju bleiben. Um eben biefe 3eit wuirbe von ben
vereinigten <5täbtett ui VernSborf in ber 9fäbe von Vernjiabt
ein Vager aufgefdjlagen, bamtt man jeber 3«* bereit fei. Von
@örli$ au« gingen bafjtn £an6 v. Volbert*, Hauptmann,
£antf ©eiber, Wiefel Süeitfd^reiber, aud) anbere £erren beo
$atb$ mit einer <Sd)aar Gewappneter unb blieben biö gegen
Witte JDftoberd. Die Vagerbefafcung ^atte jeood) fo fölcdjte
flunbfdjafter, baß trofc aller Söadjt fübue Räuber bie ©egenb
um fcöbau zeitweilig auöplunbern fountett, olme überragt \n
werben. — 8(* nadj ©eibnadjten bie $a#rifty einlief, ber
gemb zeige ftdj abermal« bei bo&mifö &ipa, brauen auf
Vefel)l be* «anbvoigtö, von ©orlifc r,er am 26. Dejember 60
3ßappner unb 12 SBagen nad> 3tttau aHf, famen jebodj fdjon
am 29. Dezember «benb* wieber juriirf. Da Blbrecfjt v. Üol^
bi& gegen (Snbe be* 3af>ree bie «anbvoigtSwürbe, aUfeifig an*
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erfannt, behauptete, trat mer?r (*inbeit im Banteln ber ©ectyJ;
»tarmeben ein.
9Äit bem Anfange bed 3abre$ 1426 verlangte Xlaifer
©igmunb: Vanr mm <5täbte ber Oberlaufs feilten lÜOO^ferbe
roirer bie Junten ruften. 3ur Abwehr biefer Wa^re^el gfng
eine T crntiitton an ben Kaifer; gleichzeitig aber mit bem VI n
erbieten eine* S3ünbntffed lamme *. bertfberf an ben Kur*
fürjten ftriebrid} ju Sadjfen.
Slacb Detern seranlajjte ba£ ©erüdjt, ba(i bie geinbe bei
Sebmtfcty - £eipe ftünben, bie 6tabt ©orlifc, if)r «Reutin*
gent au^urujten , veel$e0 rom 29. flpril bie* jum 4. 9Wai
1426 unter bem Jtommanbo be$ «£>anfl i\ &olbi$ im foqc-
nannten nicuhoU ein £aaer inne batte, am 5. iHai biä mu1>
Effylegel, nur am 26. i&toi nact) Draufenborf bei 3ilta"
rüefte. SBon Schlegel autf ging eine größere ?(btbei(ung, rav
unter 23 görli$er (ccbüfcen (KX) blieben in ber Stabt 3tttau)
unb eine gdrlifcer Shicfofe biä itac^ SBartemberg, roojelbf* bie
ttngc •äWannfcbaft son ben füllten tfyeilS gefangen, trjeilö jer-
tprnigt WHrbe. Da« Sefegelb für biefe befangenen fojitete ber
€tabt börlifc 43 6<t}o(f.
<Benn feben bte mcbn ahnten Jfciegdruftungen unb bamit
serbwtDenen »Heften ber £urt borli$ ungemein ftf)reet fielen,
waren bie tBerliifte ber (*inroor;nerfcr;aft bei ber <Scblad)t wm
flufftg*), am 26. Juni 1426, geeignet, bie 33ürgerfd)aft *ur
$$er$reeiflung $u bringen. Auf ftufforberting ber Jturfiirftiii
.Uatbaitna von Sad)fen hauen aud) bie <Bed)6fiäDte unter bem
SDbcrbefebl be$ £an$ d. Jtolbifc ein Kontingent jum fädjfifcben
$unbe$f>eere fiepen laffen. i*on ®örli$ gingen l)in 250
*ßferbe, unter reellen 36 blefen a 3 ^ferben ©elbner; über-
rtee* viel gufwoll au$ ber ©urgerfdjaft, mit £anbbüd)fen,
Slrmbrujten unb ^ferben reebl auflgeftattet ; ein Suc^fenmeifier,
Steiner, mit einer großen t»on fünf s$ferben gelegenen 33ücr;fe
unb 12 SÖagen. Som 9Jatf>e waren im 3«9«: Wfolau*
i^artenam, ©eorg fiantn, Johann 9toner, SHjatoer SaHtcr*
badj, Wiefel 5Beitfd)reiber, 9?ifolau$ Weumann unb 3afob
feiger. (Sin ©eiftlidjer, tarnen« sJÄai, ging aß gelbyrebtger
unb Wtifttx «Stefan alö Bunbarjt mit. $en ben 250 Sei-
figen ber ®&rli$er retteten fid) auä ber Weberlage eine geringe
•) Sgl. «fdjtacfc, **mg 6igmunb III. 6. 244 ff.
»
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ghtgahl. Die große $ü<hfe nebft allen 3elten, Söagen ?c. ging
oerloren unb äußerft wenige aud ber $ürgerfchaft famen j«*
ruef, unter i^nen George Äanifr unb 9Wotau6 9teumann, fpäter
auch Wfolau* Warienam, weiter, ferner oerwunbet, oiele
SÖodjett in DrcSben franf lag. Der Ä aplan Wai ^atte feine
(Dewdnber ncbft Dem Weßbuche, »Itarfteine, einem GHätfchen
Mnb jwei Ampeln vom WeßgercUh* auf ber gluckt verloren.
Der 93üd)fenmeifier ijarte ftch gleichfalls gerettet unb ber
ffiunbarjt braute bem 9tatr>c 22 (Schorf ber gdrli$er Jfriegd*
faffe jurürf. Hl* man im September ©ewißheit hatte, wer
noch am Men fei, mürbe ben Gebliebenen ein große* Seichen
btgängniß gehalten unb noch viel 3ahrc barauf Steffen ft*
ihr (Seelenheil gelefen.
Die ©tabt würbe fer>r forgfdltig bewacht. Damals
einigte man ftch mit bem Jlaifer über bestimmte oon ben
6täbten &u befolbenbc ,£>aHptleute; für unfere 6taH erhielt
biefe Vollmacht: Xbwo o. Jtolbifr. 3" flcgcnfrittflcr £>ilfelei*
ftung fdjloß man am 3. 3uli in tföwenberg mit ben Surften*
thömern ©chweibnift wnb 3auer ein Schuf* unb Xrufcbünb?
niß. Witte 3uli fiel 3an t>. Söartemberg bei 3irtau in*6
*anb, wobei e* vor&üglich auf ben ©iehraub abgesehen war ;
er wnrbe jeboeb in einem Hinterhalte beim fogenannten €pit-
telholje bermaßen oon ben 3*«*«*™ gefchlagen, baß fein
3HHth auf mehrere $atyt gebeugt war.
3m 3. 1427 warb bie ©efahr größer; bie ©tobte legten
baher Anfang gebntar auf SRelbung be$ o. SMichelflberg auf
^ofig: ber unter SBelif Aaubelinf bei Wacfjob, Jttttigingräb
nnb Xrautettait flebenbe $eere*theil beabsichtige einen iSmbrnd),
100 Seifige nach 3tttau. Der Sanbooigt fetbft begab ftch
borthin; er »erfngte unter anberent, baß bie e^Uffcc Tö-
nungen, galfenberg unb Neubau* ftarf befefHgt werben fo0ten.
$alb borauf famen ben ©täbte« preußifche ftitter be* beut*
f<hen Orben* w #ilfe, unb ber Äurftirft *on Skanbenburg,
ber bamal$ ein £eer gegen bie £uftten auäniftete, fagte feine
UnterftüOung 91. Die foorlifcer brachten gegen 1900 Wann
ftufammen unb fenbetcu felbige am 9. «Btot unter Unführuitg
ber 9rath<3berien Wathiaö Jiefer, £an« Ulrtch*borf unb <Paul
Scinftngießer nach $ttan, wofelbft bie geinbe in ben erften SKau
tagen unter bem großen unb f leinen ^rofop eine 14 Xage
bauernbe nufclofe Belagerung begönne« tßttm. 3n ber Koche
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*pr (Santate (18. 2Äai) bracb ba$ ^eer Der ^ufttcn auf unb
l'cfMen auf ®örli& $bjia)ten \u haben. 1 a Jeinfc plünderte
ba$ 4?(ofrer Marien tbal , legte bte 3 tat i djen -t>u fcf>felDe unb
Cm in in flidu', wanbte ud> aber bann von brr Straße
nadj Oknlifc, welche £tabt burd) reu £aubabe( ber Umaegenb
unb einen großen Ibeil ber ftäbtifa)en dauern wobl »er-
tfyeibigt war, auf Vauhut ju. Vhn 15. sJttai fam ber gciul)
t?or l'auban. I ort friste matt benfelbeu unglucttidjerweife *u
fd)u>aa}; ein fluöfall uad^ bem »ftapellenberge unter bec* röntg-
lieben ^auptmannd v. 3^tb(er &nfül)rung, lief fo unglücf lidj
ab, >ai< ber »erfolgenbe $einb jugleid) mit ben flierjenben
Surgent, weldn- ba* Ifyot ut belegen »ergeffen hatten, ein-
brang. Quid) Dforb unb Sranb würbe bie ganje 3tabt t>er-
wüftet. $m 17. 9Rai brachen bie füllten auf, gingen weiter
»ach £ chictien unb würben reu ben oberlauji&er üruppen btd
fcöwenberg, jebod) olme bafj fte eine 6d)laa>t annahmen , ver-
folgt. 3m 3uni ging eine Partei ravon bura) bte £)berlaufty
ninirf nur eroberte bei biefer Gelegenheit baö Schloß
tbenburg an ber 9cet|je. lamalö legte ber ¥anbooigt feine
i teile nieber unb ^and v. $or)lenj übernahm auf allgemeine^
©Ilten von Steuern baä 8tott cme$ $$erwefer$. teilte 8teU
lung würbe in Solge ber 9ii er et lagen ber $ewb$armee am
21. Juli unb 11. 21uguft 1427, eine f)öd)ft wichtige, ^ucjletcfy
aber an d> hodjft fdnvienge. Seine etite (Sorge war eine ftär*
fere OJarnifon fcer Stobt $ittm. QSon ©öcltö gingen, außer
reu 3Raiutfd}aften, weli^e ftd) iohmi autf owüö in Jittau be
ranreu, 40 Seifige unb 52 8 ibutjeu rahtn ab. £au$ v. *ßol)*
len;, oer ud) felbtt: „Skrwefer ber *Rcia)6laujDe nur Stäbte
unter bie .Hefter" nannte, übernahm rao Äominanbo.
Äufier biefer Veifmug vermehrte unfere Stabt ihre
fagung. £tcc Hieb eilt niererlaunner Kitter, ^eturid) v. iVial
rtfc, umirf, bem oer 9iuf voranging, er bcftfce viel «ftunbe im
AeKun^öbau. Stuf feinen ?Katl) beulte |i man, alle bei einer
Belagerung gefährlichen (*)ebäube ahjubiedum ; biefed <&<\)idjal
traf baü ^genannte Sltoenfyaud, eine verbäd)tige Pforte in ber
$)egenb De* j ewigen Sa^iet^wiitgcr*, jwei Vorwerfe in ber
Server ftaw unb einen l huim. ;Hn ber SBebcrgaffe baute
mau Dagegen eine neue Pforte unb legte beim ^oigt^ofe wiid
au rei sj)ejfe jwei neue 33 oll werfe an. $3ei lammtltdu h Oum
bauten, nicfyt tnjubex am SReipttyurme, warb bie neite (^rftnbuug
V
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ber Überhängenben ©ehren angewenbet. 3« km fteben großen
Steinbüd^ftn würbe eine achte, ferner $wei Heineren Kaliber*
unb eine 3Jcenge £anfcbüd)fen gegoffen, außerbem kugeln,
3ßulver, 93lei unb anfcereö Kriegsmaterial aufgehäuft.
33efartMlid) geigten im 3- 1428 bie £uftten Neigung $um
grieben^fdjluffe unt> traten mit Kaifer Sigmunb in Unterbanblun*
gen,weldje ben <5ed)$ftäbten3*it ju befferer9$efefrigung gewährten.
Die 400 3Rann in Zittau Würben auf gemeinfa)aftltd)e
Kojten befolbet. lieber bie Aufbringung Dicfer ©etoer ent-
ftanb 3wift, inbem bie Diitterfdjaft nur ben 4. Pfennig bot,
wäbrenb bie StäMe ben 3. Pfennig von tl>r verlangten. Da
fta) bie Parteien nid)t einigen fonnten, mürben jene 400 SÄann
entlaffen, bei welker (Gelegenheit leiber auch ^ohlenj au* ^fm
Dienfie ber €ed)6(anbe fajieb. Dfefer Streit war jeboa) nia)t
vereinzelt. Da ©örlifc anfänglich fid) weigerte, bie vom betitfä)en
fteid^tage aufgelegte fogenannte „Kefcerjieuer'' }u jablen, fam
e6 in ben SBaun, ivrictyer, nad^em bie Stabt jur jafhiiM ber
fälligen 142 Sd>ocf ftd) bereit erflärt, wieber aufgehoben
warb. Die llnterhanblungen mit bem Kaifer jerfchlugen fta);
bagegen war bie von Beuern brohenbe Kriegsgefahr eine 93er*
anlaffung baju, baß ftd} ber Abel beS görlifcer Kreifeä unterm
28. Augufi J428 mit bnr Stabt ui gegenfeitiger ^ilfeleiftung
einte, unb wabrlid), bie ($inigfeit war fehr nothwenbig! Die
»$ufiten ftanben im November in ber ©egenb von gneblanb
unb fdjienen efl auf ©örlifc abgefebeit $u haben.
Dort war man im 3. 1428. nicht müßig aeWefen, fon;
bern tyattt, wie 1427 gefa)ehen, ben 9$au ber ftefhingäwerfe
fortgebt. 9Jtan j^atte bie Überhängenben 3Öebren vermehrt,
ben 3nDenfira>hof in ber Kahle , mehrere £äufer auf ber
thergaffe, fowie bei bem Kuttelbofe (Sa)laa)thofe) abgebrodjen,
bie dauern verftärft unb bie Wallgräben vertieft. Drei
SüO)fenmeifter jur 33eforgung be$ ©efdnifceä würben befolbet
unb mehrere neue Such fett gegoffen. Da6 grauentbor warb
gan^ neu gebaut unb mit befjeren (Gewölben verfefjen, vor bem
.hofhnthiuc ein neuer IbHrm angelegt, ba6 *<po6pitat nun
heil, ©eift ganj abgetragen, nicht minber bad äußere 9?eiß*
bnicfcnthor. Da man ben grinb bei grieblanb wußte, fuhr
man bad ©efdjüfc auf bie dauern unb Sollwerte unb ru
ftete fünfzehn große Söraupfannen mit 80 Stein t*ed> \\\, ba*
mit e$ flebenb bem ftürmenben geinbe beim Angriffe auf ben
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169
geib gegeffen werben Wtine. Die 33efa$ung ber (Stabt war
r)tnrei$enb verfWrft. $et Sanbvoigt Älbrecrjt v. tfolbifr weilte
mit feinem oofme Xnvmo felbft in ber €tabt, bei ihm $er$og
^>ane v. Sagan unb S tfmafgorfd) auf bem ©reifenflein, nebfit
fielen fd)leftf$en mir läufiger 9?tttem. I er ganbvoigt hatte
bem Stifter ^anö v. £oberg am Wfolaitbore, Vitther v. ®er$-
borf am benahm', .vSctnu' o. »Uotrwis am grauentbore unb
gran$ iRoberid) v. jtonrab$walbe am rricfjenbadjer X^ore Die
4fafftd>t anvertraut.
"Die füllten griffen bie Stabt nicr/l an. (Sie jogen über
SBern&borf tn'$ fobaufcfye (Gebiet, worauf ber Itanbvoigt mit
einem Iheil ber bitter nnb gbrli$er ÜERannfcfyaft, babei bie
sKatbeherreu *ßaul Ninfengiefer, Reuige 3 auermcht unb 9ftfo*
tau0 Pommer, aufbradj, ben geinb hto hinter Zittau verfolgte,
am 16. November in feinem Va^cv bei Jtrafcau angriff unb
ttegreid) }im SÖetdjen braute. Diefer ©ieq war feit 3afyren ber
erfte größere ^orthetl eine? f atholncbcn ,£>cere$ über bie jtefcer.
3m fotgenben 3a()re würbe ein neuro ^üuNitf? mit ben
$fteißnern unb 8 dienern abgesoffen, unb eine ^forrhrenner
banbe jerftreut, welche ud> aleid? Anfang Januar in ben
6täbten bemerfü* mad)te. 5mn 1. Januar 1429 war Ourd)
jte bie ©tabt Vobau auf Antrieb ber Junten in Tratte gefteeft
worben. Die (Morluu'r fingen ben tbdter unb verbrannten
ihn im SWonat 3nli. fönige anbere et et er <Sippfcr/aft WHrben in
^er^ort rnidKheiii;e lanerntdu unr^etnrid) (£bert)arb, gefan*
gen, unb nad) funem üßrojefj, eine $3eute bed görlifyer (balgend.
Um biefe ^tit war ber ©tabtfcfyreiber von ©örlifc beim
jtaifer in Ungarn, ber unter anbertt ben wichtigen Befehl et*
geben ließ, wenn ber geinb anrüde, feilten fämmt(td)e $$or*
ftäbte jur Sidjernng ber gefiungäwerfe abgebrochen werbeu.
Anfang 3«ni ftreiften bie pufften wieber burd) bafl $anb,
gingen aber regelmäßig um @örli$ herum. ($in bdbmtfd)er
(f beimann, Mtffty $HUt§tf auf grebewalbe, welcher im 3-
1428 ju ben £täbten gehalten batte, mad)te im'3«ü 1429
bie Straßen unfid)er, inbem er eine ftorberung ;u fyaben ver*
meinte. 9Ran fanb ben -Kittet mit <$elb ab, unb e6 zahlte
©örli$ 60 <5cr;orf, „um größeren <5<fyat>en, Worb unb 39ranb
\n vergüten". $)a mehrere folefoe gelben bie Dberlaujtfcer be-
ängftijjten, befabl ber tfaifer bem fcanbvoigt, biefelben auf bte
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(Snbe September mar unter 3an tfolud) unb 3an v. ffiar*
temberg (9tal$fy) ein &or)>6 önftten im £anbe, berannte , je*
fr od) fruchtlos, am 28. September, ba6 Softer Cr bin, unb
ftanb plofclich, am 3. Oftober vor @orli&, wo man wobige?
ruftet tr>ar unb allein gegen 200 SReiftge m Verfügung hatte.
'Die J£)uftten waren um fo geregter, al$ fie alle Dörfer leer
fanben, benn bie dauern hatten ftcl> mit ihrem $ieh unb tt>rer
^g>abe nach (Mo die geflüchtet, fo bat* nur bie leeren glitten
eine Saite tr>re6 3orne6 werben tonnten.
SÖd ber 9nfuttft vor ber Stabt, fehieften bie Quitten
(Finige hinein, welche bie Stäbter ba$H aufforberten: „bei auä
ftutommen unb ein I reffen mit ihnen einwogen", worauf bie
Antwort erfolgte: „Sie gebauten ihrer lieber in ber Stabt &u
warten, benn fie vermochten ud> auf biefeä 3Hal nicht \n ihnen
heraus ui begeben, weil ihnen bie «£>arnifd)e fehlten". Die
fteinbe brannten, ba if)u Vlbftdnen vereitelt, bie ©ollwerfe ;um
Sturme aber \u ftarf waren, bie ^Borfräbte ab unb gogen in
ben bau&ner Ärciä. Sie puinberten auf btefem 3uge ba*
Älofter 9Raricnftern, nahmen bie Stabt Tanten; ein, verbrann*
ten auch äSttfichenau. SaHfcen würbe von ihnen hart bela
gert unb raupte ücb mit einer Summe OUMoee loefaufen.
km 18. Oftober fam ^rofop ber Weitere mit noch 5000 SHann
pr ilnterftü$ung biefe$ «^eerbaufenä unb rürfte mit ben vei
einigten Sdjaaren, feinen ^fab burch bie gräfHidiften äkrwü«
frungen begeichnenb, in bie ^tieoerlauufc. Tic Annäherung
M Jfcurfürften von tkanbenburg mit einem mächtigen $ctxt
Awang $roifop, aud ber 9iieberlaujt$ \\i weiden. 3)aber er*
fetoenen bie ^uftten am 4. November *um ^weiten sl^?al vor
©öriiö.
«grier ha*t< man ud> auf ihre Änfunft vorbereitet unb
wohl mit SMbnern verfehen.
Die y^u fiten fangen vor ber Stabt jwei Säger auf unb
[durften einen Parlamentär mit ber ftufforberuiig in biefelbe,
fta> $u ergehen ober eine 9ranbfcha&ung §n letften. $eibe$
würbe abgelehnt; im (^eaaitbeil verlebte man ba$ QJolfetrecht,
ftedte ben Äbgeorbneten auf ofener ©in de, im Angefleht ber
Aetnre in einen Sarf, unb ttin ;tc ihn in bie Wcipe. pvofop'o
in ber erften (Erbitterung gefaxter ©ei"d>lu|i, bie Stttt ui ftnr
men, würbe burdj bie Auna&igfeit ber hutitii"d)en Schaarcn ver-
eitelt, benn fie wollten gegen bie fciifrn SRauern unb Z^mm
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feinen Zulauf nehmen. "Die* veranlagte ben Hbuwg ber getnbe,
naefybem ned) bie wieber im $an begriffenen ^änfer ber Wer*
jtäbte von Beuern in ©ranb aefteeft werten waren. 21m
13. November betraten biefe £uttten*6djaaren ben böfytnifajen
Beben. — (Snbe be* 3af)re* Ratten bie §tabtc nod> eine
gebbe mit 33althafar v. 5Bnnfd) auf galfenberg ui beftetyen,
welcher ihnen Dienfite geleitet nnb feiner Anficht nach nid»t
genüg ^ahlnnq hefommen hatte, SHan fanb ihn fd)lte#ltcf)
mit ©etb ab, wovon ©örlift am 27. November 1429: 59
ed)ocf @rcftt)en nnb am 21. 3>e$ewber noch 19 6a>tf 13
<**rofd)en bejabüe.
3m folgenben 3a^e bi$ Anfang 1431 famen bie 4?n*
fiten fünfmal in'ä l'anb, Xob nnb ^erwüfhtng in tyrem hu
leit. Sei Wöilie brannten fie auf ber sKii(ffebr au* ber Wie*
beriaitftft bie ^orfitabt nieber, nnb werben dienten* von ber £o»
nnb $if. V. Dachau in heilerer im .'al* Damalige ftührer
von Sölbnern www 3chut.u ber 6tabt genannt.
ftitfet blod btira> bie 9taub;ttge ber «fruftten, fonbern auch
bnrtb anbere 6tra£en!pla<fer würben bie ©cwofmer ber 8ed)ö*
lanbc in jenem ftimntfchcn ^ahvhnnret t geängfittgt. ^ter ift
be$ Sritfdjc @rabi3 gv gebenfen, ber vorneijmlia) feine (SdMupf*
würfet fyatte: ju k4kterdt)atn ; ui Drebfau, bei Äirfel v. Äocfrin
nnb £>an6 v. IRafow (antt) rKatci genannt); $u Jtofel bei
®a(tf>afar von ber 6e^ba; }H fcobenan ($obc) beim Pfarrer
Zimmermann; §m Xormerflborf bei (George v. 9Äaren; *u
l£ifenborf bei 6an0 Äalow; &u Mechern bei'm fogenatmte*
fdjielenDen v. Äefcrab; \\\ Äotfyenbnrg bei ^anä tfuabe; p
^«äfau bei ^aad v. "ikn\u) nnb betten V. Rabenau; w\
©rot* ^effan bei «&an* v. Äottwifc. 5Me tarnen nannte
$ritfa)e, fem lange, Zeit vergeblia) nachgejagt würbe, fammtit rf>
anf ber Sotter. Da gritfdje* SluJfage t>ic frühere eine* ge*
wiffen Mflaö UterfdjHl) beftätigee, warben fammtliebe (**e<
nannte bura) bab* föniglia>e ©erietjt ;n (Störlifc in bie Ädjt ge*
tban, nnb bwften fia> bi6 auf £a«$ *. ^Jeujtg, bem wegen
erzeigter ©efäüigfeiten ber Äatfy ver&ief), nia)t mehr im fea)ä>
ftamifchen ©ebtete fehen (äffen, gritfehe ©rabiö fiel Dienftag
nadj WaTia Serfnnbignng, mittyn ben 28. Ään, 1430 in
bie ©ewalt ber görüber l'anDreiter nnb e* wnrbe fein langer
$ro)e^ mit ifym gemaa)t, benn noa) vor Dflern (im 3. 1430
am 16. a»ril) wirb gemeibet, rap er gelangt worben
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fei *) UebrigenS war Srirfd^c ntd)t ber 15'iinige. Sfugcr tf)m maaV
ien bie Strafen unftdjer: Wiefel o. ©cröborf auf l*ot;fa, Wiefel
2Mo$borf, 3ofyn Stltbte, ©eib t>. SWefcenrobe unb sBaft^afar
v. 9Refcenrobe. Vettere würben am 5. ■äÄat 1430 in bie ^f<t>t
getrjan, ba fie gödifcer ^auflente auf offener €trafje geplün=
bert galten.
'Kicfyt minber gefäbrlid) trat eine 33anbe auf, bereu Rubrer
93altbafar t>. @amen( war. — Xro$bem bie «hnriten bamalä
in -Weinen, (Sdjlefien unb Währen fyauften, war mau in
@örli$ nicht forgloä, fonbern fetue ftd) in SBertbeibigungtyu-
ftanb unb mauerte neue ^eU werfe bei ben Xboren unb £f)th>
men. — 3m November fingen bie 3ittaucr einen ^rief *ßro*
fop'ä an$ Scfyleften an bie an ber oberlauftyifd) bohmi fehen
@renje ftefyenben Üßaifen auf, auä welchem f)eroor.ging , ba0
ber £)ber(auft$ ein neuer SBefua) ;ugebaa>t fei. Daher neue
Lüftungen, neue Werbungen , umial jene ©renjfcbaar unt
weifen bie natje an ©örlifc ftreifte. &m 25. November warb
HU OkuIÜ3 befannt, baß bie böfymifa)en unb fctylejtfctyen Rinnen
Bereinigung beabfiebtigten. Sufolge 6täbtebefd)luffc$ famen
naa) Zittau 200 Keifige jum «djufce, wovon ©örlifc allein
50 ftellte.
2lm elften 3&eibnaa)t6feiertage lagerten bie ^eerhanren
ber Junten in 33ernjtat>t ; fte plünberten baä Stäbta)en unb
legten ed ganjlta) in Vl(du\
3n ben erften Xagen be$ folgenben vsabrec 1431 §ogen
fte unter gwfyrung ®enje( Sibacf $, ungefähr 8000 Wann ftarf
vor tteiduMibadv Die :Neirhenbaa>er ergaben fta) jeboaj wiber
(Erwarten nidjt; fte tiefen bie <5tabt im @tia>e unb verfdvm;
ten ftd) du ab viel hunrert dauern fräfrig nnterftrim, auf bem
&ird)f)of. Dort würben fte mit Wadn angegriffen unb nn-hv
ten ftd} tapfer biä $um 10. Januar , an welchem $age bie
geinbe, ohne ihren ^nn'rf erreidn ui haben, bei' m 3 eherne ber
flammen reö angejtinbeten Stäbta>enä abzogen. OMeid^ettiq
beftanb *£>ein$e o. (Stofct) unb ©otfdje £>dn>ff bei £orfa ein
©efea)t mit ftreifenben .Junten, in golge bejfen Stofd) fdjwer
oerwunbet, im Uebrtgen aber viel befangene naa) ®örli$ ein-
gebracht würben. Der Vlbjug anö Weichcnbad) fer/eint theii ■
weife bura) biefc* (Defekt, inflbefonbere aber burdj bie genieß
•) ®ört. Scgweifer 1838. €. 70 f. €. 105 ff.
»
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bete 3fitfimft von fd;lefif*en unb meipnifcfjen $üfttruM>en
veranlag worben 311 fein.
2>er Jtaifer, Anfang 1431 p Dürnberg angelangt, enu
pfuig bort eine 5)e}>utatioit ber Dberlauftfcer , bei welker ber
fcanbvoigt «Ibredjt von Jlolbifc unb Der görlifter etabtfdjreiber
waren. 2>er wieberMte ©nfall be* geinbed im Wonat ge*
bmar bewürfte, ba|? von ©örli& nod) ein gewiffer ^anfratiuö
nadj Dürnberg ging, um fd>leunige ^Kcid>e^ttfe \n erlangen.
$ie £uftteit werteten jt* von Ncidjenbad) aHf iittan
w, wo fie ftdj in brei Xfyeile trennten, bereu erfter HMer^ro*
top nad) e^leften auf #irfd)berg marfd>irte; ber jweite na*
Söfpnen auf $rür jog; ber britte enblidj bie ©egenb um
iittau l>eimfud>te. &m 19. gebruar erfd>ie» ein £aufe
Xaboriten unb gBaifen um SubwigSborf bei CMörlie, welche
ctaM rooty ijerüftet war. £>er Damalige <8ürgermeifter $aul
ftinefengieper Ijatte nämli* bie $efeftigunqdarbeiten unait$ge;
K$t betreiben, ancl> nod) metyr ©ölbner werben lauen. £)er
Kanbvotgt fam eiliqft von 33au$en Hnb übernahm ba* Stabf*
fommanbo. $ie $ertf)eibigung^Hftanb von ®örli$ blieb bem
geinbe nidjt unbefannt; er »erweilte nur einen Sag jtt £ub*
wigöborf, unb bradj bann über 5krutf> na* 93aufcen auf,
»eld>e otabt beftig, aber frudjtloö, von tym berannt würbe;
£öbau jebo*, wofjin ber Warf* von Staufen au* ging, würbe
bamal* vom geinbe erftürmt unb mit 400 Wann befefct; eine
£d>aar, weldje ringsum bie ©egenb branbfdja&te unb ver*
beerte. Um biefe 3ett fenbeten bie ©orlifrer bem tfaifer fol*
geuben Hilferuf:
„«Uerburdjlaufyigfter gürfi! ©ro0mä*tigfter Jtonig! ic
Site Hütt äönigl. Knaben treue unb untertänige «Wannen,
$ürgermcifter, Äat^manne, arm unb reid) <£uer ©naben <5tabt
unb ¥anb \h ©örlifc, (*uer (Dnaben ndd)ft tyaben (äffen fla*
gen, münblt* unb brieflich fol*e gro^e Skrberbniffe <£. ®.
*anb unb @tabt in Ueberjügen ber verbammten äefcer, näm-
Ud) alt? nur ein 3a*K vergangen, \u fünfmalen gefdpfyen, bar*
innen fie viel Äirdjen aufgebrannt fabelt, ba* wertbe ©afra-
mem «nfer* £errn 3efu (Sr;rifii geläftert, mit Seffern jer*
Ijauen, mit güjjeit getreten, Jungfrauen unb grauen befdjämet,
arme fceute gemorbet, gefangen weggeführt unb gebranbfdjafct,
aUe Stttterftfce (£. ©. Wanne aufgebrannt, bamit G. ©. Sanb
fo gräplidj verwüttet, ba£ bie ©auern tynen i^re ^infen nimmer
474
Ijaben ju geben. <£inb nun & ®. SRanne in (F. ©. @tabt
gerurft, allba Reifen m wahren mit ui fdjü&en. Neffen ($. OJ.
getreue ©tirgermeifter unb Mathmanne vor (£. 0. fleijnglid)
'lauf fagen. Slllergnäbigfter Heber J£>err, atö fte renn aud)
bie $k>rttabt ($. ©. rtan m (Druiibe aufgebrannt fjaben;
mit) <S. <8. getreue Bürger (S. ©. ©labt grop ftdj tyaben
befeftigt unb gebauet, $üdifen unb anber ^ehruuiq getieft
unb vom *nt)eben foldjer «Re&erei G (9. $u Dienfte uad) s.Wah
reu, voi $rag willig gefolget unb allem von ber 6tabt fte?
geh bei 1000 Wann nad) (* @. €tabt 3itta« gefanbt hatten, alö
leioer Van hau verloren unb aufgebrannt worben, batiad)
<£. <£tabt mit ifcren <56lbnern £üfc m fdwfcen k.,
unb auf gorberung ber totgeborenen Surften ^erlögen \i\
6ad)fen vor Kußig, ba fte an reifigem 3?uge mehr benn
250 ^ferbe hatten, unb wenig leiber tmeber baoon fomraen,
unb nun nad} (fw>. fönigl. @. ©ebot unb Verfügung 200
^ferbe gen ber Zittau mit ihren (Sölbnern beftellt hatten , t>t*
reit 0. oi. g tan ©öru> allem 56 ailba gehabt unb vier
gan$e 38od)en allba liegen l äffen, ba bod) von ben anbern
vanteu unb (Stäbten rahm SRiemanb gelegt unb gefd)irft war.
Unb ate bann foldjer ^uq vi hie M ^eiligen C>hi iftenqlan
bend in (§. ©. tfaitb gefdjeljen ijl, al$ fte vor ber Äird^e \u
"Keidumbad) lagen, r-anelbe ourd) 6ranb gräfjlid) »erberbt ha
ben, bafj nur auf 8. ©. ein 93erl)offen geblieben, Stlfo IIa*
gen fte bem aüinädtftgen @ott, ber £immeleföwgut SRaria,
unb <£. (9. al* ifyrem angeborenen, narurlidjen ßrtyerren, ba$
fte nun anbertveit am Montage nad) Älier Wannen Jajtnacbt
mit beiben £eeren ber Xabortten tmb Raiten aud (S.
fcanbe ber ©tieften in (£. @. tfanb m GJdrlifc gogen, inb
nid)t auf eine Hertel «teile von G. ©. 6tabt \u ©orli* fid)
gelagert hatten, banad) vor <£. ©. Stabt $ubiffut ritrften unb
am Montage nad> bem (Sonntage Äeminiöcere ba aufbrad)en
unb vor (£. ®. 6tabt tföoau sogen, bie in SHitte <£. ®.
etdbte ©orlifc Stebifjm unb Zittau gelegen ifi; bie fte leiber
eingenommen unb mit 400 reifigen ^ferbeu unb 400 Traban-
ten befe&t unb bem Äorbacty eingegeben ^attnt. Unb von ban-
nen oor €. ©. €tabt Zittau gejogen ftnb, bie (te meinten ui
aen>inuen nnb mit bem ©egeuge unb ^üvtten unb anbern
«Berten <£. ®. ©tabt ®örli$ »ieber ^u beiagern, baf öH)tt
^eufd)ftt gebe, bie ju ftürnieu, mit folgern (^e^euge ju ar
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bellen unb tyaben jfc barauä gejagt, fle p genrinnen ic, we$*
t>alb fle von (£. ©. getreuem £errn and Dem $anbe
nun, £errn 3an v. löhctyeleberg, 4perrn £)tto v. $rrgau,
£errn Dupt&fw Brütern, £errn iafujfeu v. ^irfeuftem, von
teilen t»n ber unt> anberer merfltdjeu $otfd)aft von
33öt)iuen, unb ir)ren Spähern, bie fie in Speere ber tfefrer l>a>
ben, täglid} gewarnet werben. $Utergndt>ig|ter Äönig, al$ fie
Denn nun (E. ©. ©labt Söbau eingenommen unb befc^t, unb
in 6. Q). fcanbe lagen, mit folget 3Jiad)t, fo meinen fie aud?
gauban nnb i3un$lau & @. ötdbte einjumijinea unb gu be*
feneii. tllfo tft & ©. ©tobt ©örlifc bereite umgeben, baji
and (£. ö). Rauben ber Scbleiim fein betreibe gugeben fann;
bedgteiiben aue bem Sanbe fciufib unb deinen , weber au«
ber 3Rarf sh$eW, 6alj, Sifdje, nodp einigerlet Kaufmann^
fd^aft jufommen k. <5o bie 6 tobt ©örltfr verloren würbe, fo
rotten ftd) anbere (S. <9. umltegenbe ganbe unb ©t&bte ^untat
ferner ju erhalten. Unb barum rufen fie an, (f. @). au*
geborene i&üte, a(6 tyren natürlichen angeborenen (trbtyerren,
tuio bitten mit bemütyger Untertyäuigfett, ba£ «. ©. 4Bür>
bigfett gerufen anjufelpn, fold>e Xreue unb ©etyorfam, ben
Iii: nod> urititg ßnb *u tfyun ic.
©egeben 1431 im 9Rartio."
$ßie früber in Vöbau, fugten aud) je*! bie gufuen au*
«o0i)rit bttret) geuertbtünjie in ber ©tabt ©orlty Unzeit Ipr*
vorzurufen; ber Vnfctyag warb jebod> etitbetft, fed>* fold)e
flRorbbrenner gefangen, gefoltert unb tn ber 2Bodje nad> sltfife*
ricotbia* Domint (14. äprit) entl^a^tet.
Die geinbe waren um biefe Seit vor i'auban gebogen,
wofeibfi, fowie in «torfltjfa, bie graten ©raufamfeitm ver*
nbt n>urben.
#ei ben Jtfbaner Junten jtonb &tgmmtb v. Sarremberg
auf $etfcr)en; *h feiner ©eobadmmg, ba er mit einem £em
batifen i>on l'öbau and bie ©egenb um Dftritj beimfudjte, leg*
teit bie «<*)örli*er eine *n§afn* gu^olf uad> Wenbifdwfftg.
Die anftopigen ^ten-€rreifewien bewogen bte ©orlibet,
$um «ugrife auf £öbau sw fdjreiteit. <Se *ogen im Vereine
mit ber <anbf^aft eine fWeuge Gkwowneter von ©orttb au^;
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476
ftießen bei 2 änifc auf ben grinb, fc^fu^en ihn um 3ubilate
(22. Äpril) in bie glud>t unb matten gegen 20 (befangene,
weldje ifu i L o biiigenittet, tbctlo ui ©örlifc in reu Stürmen
eingebogen gehalten würben. 9tacr; vielfachem (Betreiben unb
Reifen fam ed an ^fingften 1431 \u einer gemeiufamen £eer*
fahrt gen Voban, iubeffeu fonute fein Angriff verfuebt werben,
ba bie böfymifdjen ^uftten mit großer 9)t%ad)l ßöbau gu £tlfe
eilten. $)ie Änfunft ber £ufiten veranlage in @örlifc neue
Werbungen.
l£ine Partie ber anrücfenbeu geinbe ftanb am 3. 3Rat bei
UUereborf in ber 9iäl)e von ®örli$, *og über £ubwigö*
berf an beu äußeren SBorftäbten vorbei, bei wcld>er (biegen-
bat einige ^äufer in Sranb gefterft würben, wagte je*
bed) feinen t&turm, fonbern ging ber <£>au)>tarmee welctye
einige läge v^tttau umlagert gehalten baue, nad) Sd)le)ien
nadj. Anfang juli warb eine neue $eerfal)rt gen Vobau be
rebet, Sftitte 3nli unternommen, nur mit gutem (Erfolge
gefrönt $on ®örli$ waren viel ^fannfdjaftcn babei, unter
anberen Wiefel 9teumann, 6tu$mann, ^eter £mue unb 9iknjel
äßeitfdjreiber £erren bed 9tatl)eä.
3m Oftober fdjien ber öorijont wieber trüber \u werben,
we^balb ©örlifc von Beuern Werbungen vornahm, aud) auä
17 (Zentner Tupfer eine neue $9üd?fe gießen ließ.
3n ber 2Bod)e nad) Jlarrjarma <15. 9Jov.) ftreiften bie
auf bem ©rafenjfcin liegenben $uftten bid nafye an ©örlifc,
§ünbeten einige Rainer in 8efd>wi&, 9Wopä unb tfö*lig au,
würben aber bei ^aultfDorf von £einje v. ^ottivitj mit gor*
li$er SWannfdjaft angegriffen unb in bie gludjt gcfdjlagen.
9ttd)t genug, baß man ftd) mit ben .frufiten I)erumfd>lagen
mußte, e3 gab aud} nod> anberweitige Serben. Gin j$xin\i
mit bem Jim [unten von (Eacbfen würbe baib beigelegt; ntcl>r
Störung mad)te bie gel)bc mit ©eorge von Webern auf ßun*
jenborf, welker feiner ^nfid)t nad) für geleiftete $>ienfte rjö<
Ijere »nforberungen an bic ©örlifter, al* fte ibm gewähren
wollten, ftelite unb beäljalb vor Dftent auf görlifcer äauf
mann$gut im Sarin mit ßljriftopl) v. Wolzenburg wegela*
gerte. $ie Sadje würbe ungeachtet vtelfeitiger Ukmu Innigen
bed Äbetö, grieben \u ftirten, ntc^t völlig beigelegt, fonbern
bauerte uod) über bad 2m 1431 l)inauö. MUfd'0 v. ©er**
borf* auf Sotfa 3«# mit ber ©tabi, tiu golge beffen er ben
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pörlifcer Saubfaffen ^ui) raubte, würbe burdj ben Sanbvoigt
im Saufe reo JDftobermonatd vermittelt.
Unternebuiuuqölufttq, unb trofc ber großen Hriegäbrang*
fale ungebeugten Wui^ee», forderte bie etaU 3tttau <£nbe
be*? oabu'ö 1431 bie <Stäbte ;u einem 3uae *<>n
Jpuftten befefrteu £d)loffe galfett#ctti auf. Won Görlifc ging
am 6. 3anuar 1432 ber ftatf^err Sigmunb ©ten&el mit 8
M< fei rui nur 4 3Gagcn Gewappneter nad> Zittau; bod) würbe
nickte auä ber &ecrfafyrt, weil bie anbern £ table feine £ilfe
(etfteten. Ü)a$ (£rgebnifj mehrerer 3uMiroenfünfte waren bie
33e|'d>lü»7e: na$ Jittau unb Söbau meljr $efa$ung m legen;
in Jolge beren von Gorlifc 6ölbner unb £anbwerfer in jene
f vi 0 f i ^ d Hl 1 1 1 .
OTtrrc 3)idrj jogen bie £ufiten über grieblanb, bei Görlifc
vorbei, gen Sauban unb weiter uad) 6d)leften; fte febrten \v
bod) gegen (£nbe beö 9Ronat3 nadj Sauban juriitf, fetten bort
Safttag unb fähigen plö^(id> am 2. 9lpril 1432 bei ^ermd*
borf ein Sager auf; ed festen bie Slbftdjt vorzuwalten, Görlifc ju
belagern. Die um Uuterftüfyung auägefenbeten 93oten famen
auä Zittau unb Sauden mit ber 9tad)rid)t juritcf, man r>abe
befd>lojfen, mit bem geinbe \\\ unterl)ant ein, ba auf bie Sänge
fein SBiberfknb möglich fei. Docfc Görlifc befcfylofi, fo(d)en
auf eigene £anb fortjufejjen. §luf bem Xöpferberg vor ber
^Reipbrücfe würbe jur Beobachtung beä geinbeS *ße$ &rnolb
poftirt; er fonnte jeboefy nid)t fyiiibern, ba|i einige Käufer in ben
IBorftäbten, namentlich bie ©arten ber Salomondgafje unb ber
Jtummerau in Sffäe gelegt würben. 3$on «ftermäborf über*
idtfxitt bie Jjjauptmadjt ben 9tei(jeflutJ unterhalb Görlifc, blieb
einen $ag bei (SberSbad) fteljen, unb brad) von bort in bie
9Barf ©ranbenburg auf. ü)ie verzweifelte (Sinjelftellung ber
Stabt Görlty bei biefer Äriegc3gcfal)r veranlagte ben (Sntwurf
nadjftefyenber 93ertbefbigungc3 - Crbnung :
,#ad> (it)rifti Geburt 1432 bei Georg Suv\m be* öür*
germ eiftero Otiten unb fce* ftfrenben JKaibee bei ihm, ftnb bie
nad}gefd?riebenen Gebote mit Btatl) ber äUeften Gcfdjiöorenen
beffelben 3afyred gemalt unb gefegt, Unferm allergnäbigfteu
Äerrn, bem römifd)en ic. Jtönig \\\ ^ bven, arm unb reid) &u
(Öute, unb um ber ©tabt heften willen, unferd allerguäbigften
£errn bt* römtfäen tföm'gS Stabt vor ben äe&ern in foldjer
9ef«i*tc »<m «*Tli|. 12
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©efafw unb Abenteuer, mit (Srmafmung ber (£ibe unb Strafe
babei, ald fjier getrieben ftefyt:
„„Sieben greunbe, ald 3f)r benn wißt unb gefefjen babt,
10 1 d> ^udreiten unb Bildläufen \u gelbe auf ben bergen unb
vor ber Stabt, fo bie #e$er vor unferd aliergnäbigftcn Gerrit
bed itöniad ©tabt fommen unb ihr gager haben, bavon großer
Unratfy, (sscfyabe unb <Scf;anbe lynch unb und &Ueu befommen
mödjte, wint 3 in* wol)l, wie ein ^ebermann eüten (Sib getrau
unb gefdjworen f)at, unferm allergnäbigften £>errn, bem romi*
feben ic. Röntge, getreu unb gut vi fein unb bem iKatbe ge*
bor M m. 9tun ift (£ud) ein folebed bin geboten unb 3b*
feib bod) ;n feft, mit Ungef)orfam unfern idlergnäbigjien
iljre ßibe brechen, fmb meine £errn bei Bürgel meifter mit
bem ftfcenben Satfye, SÄelteftcn unb ©efdjworenen über biefe
nad)gefd)riebenen (Gebote unb ©e|e$e föatbd warben unb ge*
bieten (Sud) Stilen unb einem 3eben, befonberd von unferd
allergnäbigften £errn bed römifdjen ic. Jtönigd wegen, von
bed Otatljcd, von -Heid) unb Mrai wegen, unb vermahnen (§ud)
bei (Suren (£ibeu, bie 3^r feinet föniglidjen (Knaben unb bem
Watbe gefdjworen fyabt, biefe nadjgefdjriebenen ©ebote bei ber
angelegten 8uf e unb ^ein *u Raiten:
3um ffrßen, wenn bie Äefcer in biefe Saube fommen unb
um und liegen auf eine Meile ober näfrjer, ober wenn |lc if>reit
3ug vor uiie fyaben, foll fein Mitbürger ober Mitbürgerin in
ber Stabt ^titforl obne (£rlaubui|j ober ©ebeiji bed Sur-
germeifterd unb ber ^auptleute, bie ifjneu gefegt fmb, vor bie
6tabt ;n gelbe unb auf bie s3erge weber reiten, nod) gel)en,
noer; laufen. 3Ber babei ergriffen wirb, ben foll man von £tabt
wegen ald einen Meineiber mit feinem SBeibe uno Jlinbern
aud ber 6iabt vertreiben von feinem (Srbe unb ©üteru ewig-
lich, auf 9cimmerwieberfer;r.
3tem foll ein jeber Mitbürger in ber Stabt unb vor ber
(Statt fein ©eftnbe unb feine ©elfte, bie bei ibm tu ber 4r>er;
berge liegen, bagu anhalten Hnb mit i^nen fo befreiten, baß
fte folgern abgetriebenen ©ebote aud} geborfam ftnb unb vor
bie 6tabt or)ne Urlaub ober ©ebeijj bed 33ürgermeifterd ober
ber ^auptleute, bie von il)m gefefrt ftnb, itidjt reiten, laufen,
nodf geben; uno barf er SJiemanben belaufen nod} beherbevaen,
er woöe ed benn verantworten, ttfarb ber SBirtlj foldjen Un*
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orfam feine* ©eftnbe*, feiner ©äfte ober ber Bauern, bie
tfym liegen, »erfdjweigen, fo will man ben äöirtl), wo er
(einen £icnjt ober feine Verberge f>at, betrafen unb bic ®äfte,
dauern unb ©eftnbe fofdp* Uugefjorfam* wegen aud ber etabt
weifen.
3tem, wer wel)rbar ift von lebigen ©efeüen unb £anb-
werfdf netten, ber foll mit feinem "Birth unb Weijter *u ber
&kf)re gefjen, an weiche er gewiefen ift. ülßer beim ®egen
ttjeil begriffeit wirb, ber wirb au* ber 6tabt getrieben unb
barf nie meljr bort wohnen.
3tem, bajj ein jeber Sßirtf) in feinem £aufe befteüen foll
mit feinem ©eftnbe, weldjee baljeim bleibt, bap man ftd) l)üte
unb bewahre t>or geuerenotf) bei fceib unb ©ut, unb wenn,
wad ©ort vergüte, geuer audfäme, fott ein 3ebermann bei
Seib unb ©ut, bei feiner 2öel)r bleiben, e$ fei benn, bap er
von beu oberften £auptleuteu fortgefdjicft unb gefaubt werbe.
3tem, fo bie Jtefcer im tfanbe finb, foü fein Mitbürger
fyier *u ©örlifr t>on ber 6tabt weg^ief^en, er tljue cd benn mit
be* Bürgermeifterö unb Dtatye* Hillen.
3tem, bajj deiner au* einer Büdtfe fdjiepe, bei Jage ober
bei 9<ad>t, ed fei benn im 9*otf)faü\ ofjne ber £auptleute ©e*
' r>ci^ unb ©iffen. ©irb 3emanb babei gefehlt unb ergriffen,
ben will man (trafen nad> be$ Diatfjed ftatfje.
3tem, in allen Dingen ben £auptleuten geborfam au fein
unb über bie SBebren nid)t ui fefcen, ofme ©efjeip ber £aupt*
leute. Söirb 3emanb babei gefefjen unb ergriffen, beu witt
man frrafen naety be* Diatbe* Oiatl). £ier$u foll ein jeber
^Btrtf> fein ©efmbe, ©äfte unb dauern, bie bei tym auf ber
Verberge liegen, bei ber oben getriebenen ©ujje anbalten.
3tcm, bap ein jeber äÖirrt) in feinem £aufe, eine, jwei
ober brei Büd)fen, wie ü>m aufgegeben, galten foU, unb ju jeber
53ü(t)fe 1 Scfyocf Äugeln unb ^uloer nebft 3ubet>ör ober eine
gute Hrmbruji bei ber feftgefefrten Buße.
3tem foU eine jebe ©ittwe, nad) ifjrem (Srbe, einen, jwei
ober brei 2ßef)rf>afte in tyrem £aufe jtet* fjaben. Da* foUen
weber Bauern, nod) Mitbürger fein, unb folien ityre Büdjfen,
«rmbruft unb £arnifcf»e ^aben, wie ü)r befohlen ift. 2Beld>e
hierin anberS fjanbelt, unb barin ungeljorfam gefunben wirb,
bie foU nad> be* Katyrt 9*aü)e barum büßen, ober ber 9taty
wirb tyr 2Bcr>rr)aftc Riefen.
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Stern, baff efn jeber vererbter Mann uitb ein jeber Mit-
bürger unb £au3genojfe in ber @tabt an feine SBe^r geben
foU, mit air benen, bre $u ber ©ehr tangen im» bei ihnen im
£aufe ftnb, trenn man lauter, eä fei bei läge ober bei flacht,
aöen man bort nict)t pnben wirb an feiner 51k ()r, *u wdct)cv
er gefct)i<ft ifr, ben rrtU man mit feinem Söeibe uwb tfinbecn
nm bed Ungehorfam* mitten ai$ einen 9Reineiber von ber
©rabt vertreiben unb auswerfen von feinem (£rbe mib ©ütern,
unb er barf nimmer mehr l^neinfommen.
3tem, falte bie Äefcer vor und jogen unb man bie Statt)*;
glocfe läuten würbe, fo foU man fein ©eföäff forrfefcen, Stiemanb
fein £anbwerf fortführen, weber großen nod) f leinen £anbel
treiben, Sßer babei gefeljen ober ergriffen wirb, ben will man
nad) be* *Katf>eö 3iatt)e and) barum büßen laffen*).
3tem, baß ein jeber vererbter Bürger t)ier in (Mörlty fi<h
Äorn unb Speife auf ein 3ar)r anfdjaffeu unb haben foU \xoi*
fcfyen ^er unb SBalpurgid, unb jid) nid>t Damit begnügeu,
wenn (betreibe bei ihm eingeteilt wäre, fonberu fein eigen
»Horn unb Spcifc haben bei brei 3d)od (9rofct)eu Strafe.
3tcm, baß alle Mitbürger, bie nicht vererbt jeub unb alle
^>au*genof[en, bie bei per £tabt bleiben unb hier wohnen
wollen, auch tf>r Äorn unb Speife leiden bei 3 6chocf ©rofehen.
3tem, baß ein jeber vererbter SHaun, ber $au*ieute bei
ftch r)<H ftinem «fraufc, bie nicht $ur 2Behr rangen, unb be*
nen er nicht bie &o\t gibt ober Wotbburft geben wiö, folchc
jwifchen t>ier unb JOfüern weggehen lajfen foü. ©er ba* fre-
ventlich unterläßt, foll mit ^audgenofjen unb Stilen weggehen.
Stern, baß bie SBorfiäbter, wer e* vermag, ihre @eftettten
auch mit Jtorn unb «Steife befänden fotten, auf ein 3ahr;unb
wa* fie ©eräth t>abcn: follen jie bei $eittn tyneinfehiefen.
3tem, fott ein jeber ©ärtner feinen Stainjaun, wie vor
Hilter*, gegen Oftern einjännen; bei Strafe von 6 <5dr)ocf
©rof<hen.
3tem, e* wirb ber Start) in jturjem einen Unigang Bül-
ten laffen. 93ei wem man tforn, <5peife unb >Baffe niety fin*
bet unb ihn al$ ungehorfam gegen bie ®ebote erfennt, ber
•) $ie folgenden Strtifel famen im 3. 4433 Ijiitjo; Xoix geben fle
Wx gleidf mit.
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foll 4 <gdff>d tahkn unb wirb außerdem geftrafr »erben naa)
meiner Herren be$ ^Ratt>e6 $atr)e.""
Dem vom sJJ?arfgrafen von Brandenburg angetragenen
Biutdniffe formte ©brüß bura) Xruppenfenbuitg nicf>t beitreten,
weit bie von 3enem bei $ranffurt gefangenen £u fiten SRüte
IKai wieber in ben görli$er ÄreiS tarnen unb jwifcfyen Bern*
flabt unb Dftrtfc ein Sager belogen.
3n ©örlifc mujjtc sJWctfter Wfla$ abermals eine 6 (£tr.
13 *Pfd. fetywere große Büa)fe gießen, welche ben tarnen:
„Äeppe" erhielt; man warb wieder fcfyleunigft äriegdmann*
' fc^arten, welche eben fo rafd) entlaffen mürben, alö biefc $uft*
tenfebaar, n ad) dem fte $oöma verbrannt, naer) €d)lejten ab*
geigen war. 3m taufe be$ 3ar;red 1432 würben 31t ©örlifc
allein Ii «fmftten unb ^ufitinnen Eingerichtet.
9luf bem ©rafenftein lag ein gewijfer &eufcr)berg mit
einer ^tttttenfcr)aar, welcher bie oberen ©egenben bte ©örlife
bin biircbftreifte. 9faa) bem Xrinitatiefefre (SRitte 3»ni) mel*
bete plö&lfd) 3erufa(em ©euerer auf *Reiberöborf, jteufebberg
wolle wiebernm autyieben, um fta) ber $anbe$frone $11 be-
mächtigen. 3Ran fcf>tcfte Boten um £ilfe au6 unb gewann
ben 9?tfo( v. 6alja auf Xaua)ri$, $ranj 9. £augäborf aud
gaufean mit 24 9)lann u. a. &m 27. 3uni erfdjien v. v<teufcf}*
berg, wie gemeldet, vor ber 6tabt, in ber Meinung, foldje gu
überrafetyen, beftanb mit ber gbrlifeer slKann|'a)aft vor ben
Thoren ein ©efedjt unb mußte unverria)tetcr <&ad)e wieber
abMerten. Anfang September fam eine andere <&cr)aar von
9teicbenberg aufl in ben görliber ÄreiS. !0?an rüftete jicr) beä*
.Ijalb bort wieber unb naljm Söldner an. £)bwof)( ba* ©c*
ruebt ging, ber geinb wolle bie Sanbeefrone mit Gewalt ner)*
inen, würbe bap bod) fein Berfud} gemacht, dergleichen auef)
fein Angriff auf ßöbau unternommen, worein die ©örtifyer jur
£ecfung biefe* wi(f)tigen *ßunfte$ gegen 1(X) 5Rann gelegt
Ratten.
Beim flonjil Bafel würbe ©örlifc bura) SWolau*
3cifelmei#cr, ^robfi $u Breslau unb Watt^iaö, 3Winifter
de$ granfttöfanrrorben* in ber fädjf. £)rbendprovi»ty, vertreten.
— £ie oben erwähnte gefyde mit bem bitter ©eorg ». 3fte*
der*, (gegen tyn jogen 3)obufa) v. 3)oberwi&, ^ermann (Ejert*
la&, Unterfyauptmaim *u ®a)weibnib, lllria) ö. Biberftem
ttuf <Soww, ©orfa)e Ccboff auf ©reifenftein u. a., au*) würbe
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erft im 3- 1433 glürflia) beigelegt, «inertem fjatte bie Stabt
fett linbe be$ 3at>re* 1431 einen heftigen 3wtjt mit Senget,
Burggraf v. Domm auf ©rafenftein.
SMefe privat-gelben vermehrten bie fdjon im frtnbe burdj
bte ^ujlten binlänglid) genarrte $lnardjie ttnb veranlagten
fortwäfyrenbe Bilbung von ftäuberbanben, fe baf? bie (bewaff-
neten in ben Stäbten nie if)ren ^armfrfj ablegen tonnten, fenbern
immer auf bei £utr) unb im gelbe fein mußten.
Unter folgen ^ufpieiett unb wed>felnbcn @reigniffen fam
baä 3al)r 1433 heran. Anfang be$ 3anuar $ogen unter bem
Befehl ber ftath%rren : SRattyia* *|?Hl0nt$, £an* Proben,
tanö 2lrnelb unb Wfol v. (2alja eine 9J?enge gewaffneter
örlifcer aiiö, legten jtd) bei grieblanb in einen Hinterhalt
unb überfielen, in @emetnfd)aft mit bem v. Biberftein aHf
grieblanb unb ©otfdje Scheff auf ©reifenjtein, eine Sdjaar
©rafenftetner Junten, welaV vermaltet warb, (£$ würben
ihrer HO erfdjlagen, 9 f>art verwunbet unb nebjt ben 14 übrigen
gefangen. Sie waren reu tfeufdjberg'o" 2eMen, welker
burd) ^eiratf) einer :Xed)ter ' be$ Burggrafen von Domm
Äraeau befommen, jnm Danf bafur aber feinen Schwieger-
vater vom ©rafenftein verjagt unb ftd) bort feftgefefct hatte,
tiefer Sieg ermutigte bie ©örlifcer bifl naa) ßrafcau ju
j|ier)en, bie bortigen Bertheibfgungflwerfe nach r)artem (Gefechte
flu ^erfroren unb bafl Stäbtchen in Branb |« ftetfen. Die bei
grieblanb unb Jirafcau gefangenen ^uftten würben, ber bar-
barif(t)en Sitte jener 3eit gemäß, faft fämmtlicb in ®örli$
enthauptet ober gegangen.
Der grieblänber (teilte, gegen 4 Warf Solb bie 5Bocbe,
ber Stabt ©örlifc J4 feiner Bafallen.
3m gebruar famen bie füllten unter (£$apfo mit 400
*ßferben nad) bem Dberlanbe, unb nahmen bat* Schloß Jammer*
ftein ein, wela)eö (Sreigniß ©orlifc ju neuen SBetbungen nötigte.
Seil befonberä i'öbau bebrofjt fernen, würben am 25. Styril
15 Solbner von (9örlifc borten gefdjitft. Der geinb ging
jeboa) nad) grieblanb, nal)in biefen Drt ein, verbrannte Sei-
benberg, ging bei ber Stabt ©örlifc, wofelbft inäbefonbere ber
Xöpferberg, ber Storfberg unb ba* 6t. 3afobd^©terteC wof)l
bcfe&t waren, vorbei unb über fieitftfg in bie 9ttebcrlauft&.
SÖäbrenb biefer 3cit ruhte bie gebbe mit ®eorg v. Re<
bem nict)t, würbe jeboa) burd? bie Bemühungen be* I^wmo
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t>. Jcelbtfc enblid) beigelegt, (c bafj nun Sanb unb Stabt bi$
in Den September bie fo nötige *Ruf)e genoffen.
?lufierbalb i>cd i*anbed machten bie £edj£ftäbte einen von
*Ral0fo v. 3ßartemberg auflgebenben Vlitfd>lag auf baä ^cfylcfj
^mfenftein, fielen aber in golge beffen getäufd}t, in einen
{unterhalt. Xie 3i^auer befamen ben £eimtütfi((r)cu fpäter
gefangen unb ließen ihn am 21. Xejcmber t>tertl>etlen. Db
bie OJörlifcer Ukrluft bei jenem Ueberfaüe gehabt fyaben, ift
ungewiß. 9Bir fiuben feine 9cad)rid)tcn bavon.
fluper Heineren .§ufttenftrcifereien im Anfang Oftober tfl
§u merfen, baß im November 9ÜM v. tfeufebberg mit
circa 100 berittenen Junten au$ ben böbmifdjen $ergfd)löf*
fern ftd) in ber v)täf)c von (Mörlifc an bie Straße nad) $au$en
poftirte, um auf görlifcer (Mut $u wcgelageru. I te görli&er
3Rannfd)aft ging ihm von Weid)eubad) autf entgegen, Jteufay
berg fam bei (£bcr£bad) bind) jene rcid)enbad?er Sdjaar unb
bie au$ ©örlifc auSgerütften sJÄannfd?aften hart in'ö ©ebränge,
fterftc jeneö Xorf an, unb roanbte ftd) $ur i$lua)t. Ilm bie
Verfolger abzuwehren, hielten bie Quitten bei £irfa)felbe Stanb;
uc würben naa) hartnädigem Kampfe überwältigt, 10 ber*
felben erfdjlagen, 11 3Wann mit 30 ^ferben gefangen unb
$*iele fdjwer verwunbet. £>ic (Mörli&er }ät)(ten nid)t wenig
^erwunbetc unb *wei Xobte, nämlid) s^cter Simon unb ben
^ned)t beö Wiefel grauenftein.
Seit bem 3afyre 1434 überfdmtten nidjt mefyr gcfdjleffene
eere ber {mitten bie GJren^en ber £>berlauft$, fonbern nur fede
aubrirterbanben, »erlaufene Jtned)te, welaje ftd) an ben ärieaft*
lärm gewöhnt unb ttidjt mef)r tur Arbeit jurürffei)rcn, unb mit
*ßlünbcrung fta) erhalten wollten. (Sube gebruar erfdjien eine
foldje <2a)aar unter (Sjerne von ber £eipe, berannte unvermu-
thet ba$ Sanofi Xjfdjodja, unb nafym e$ ein.
Sigmunb v. Üßartembcrg auf Xctfd)ctt, SSerwanbter beä in
3ittau am 21. $>e$ember 1433 geviertelten föaldfo, ber aud
föadje (£nbe biefeä s3)conatö bei Zittau einige Vorwerfe ange-
untrer hatte, $og faft gleid^eitig mit jenem lieber fall von
X*fdwd)a vor 3ütaw; richtete aber nid)t$ att$. Ü>iefc Um-
ftänbe nötigten &u neuen Lüftungen in (Dörlty, unb bie Strei*
fereien bed v. SBartemberg unb be$ v. $eufd)berg, zwangen
bie <Stabt, immerfort $iannfa)aften unter ben 2ßaffen 51t galten.
3njwifd)en fam ber (Sigentfyümer v. £$fdwd?a/ Wartung v. Älür,
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<w$ Safel aurücf unb eroberte mit £ilfe ber ©örlifcer fem
6d)lbfi wieber, wobei bte bort abgefefmittenen ^uflreit fämmt*
lief) erfcf/lagen würben. ßeufcf*berg hatte fte im (Stiche (äffen
müften, ba feine Schaar wegen ber unter ben ^Böhmen felbfl
angebrochenen Unruhen gut Unterftüfcung ber ^ßrofope nach
?ßrag gebogen war.
Die (Hörli&cr befamen buref; einen nach *ßrag gefenbeten
Spion sJta er; richten Neroon.
Söenn gleich in *ßrag ba6 Schicffal 93öhmen$ entfehieben
unb ber eigentliche ^ufttenfrieg beendigt war, fügten bie tyax*
teien bod) fortwäbrenb ber 2auftfc Schaben $u, ftreiften in'ä
£anb, ftahlen ^Bief> uno erfchlugen sJ)?annfcr/afteii. Umgefehrt
gefefjah baffelbe Seitenö ber Dberlauftyer.
?fuj?erbem beflanben fte gelben mit ben ©ebrüberu t>on
Battenberg bei Sowenberg unb anberen Herren. Diefe gelben
ftnb unten aefebilbert.
3m folgenben 3a^ie famen bie böhmifchen ©ren*hufiten
felbfit in Streit, Sigmunb t>. SBartemberg »ertrug jt<h mit
ben Dberlauftfc ern , jog gegen ben tfeufchberg unb nahm
ihn gefangen. Stuf bem ©rafenflein faß $eufd}berg'$ Wann,
Stephan ftlad), welker fortwäfyrcnb baä £anb beunruhigte;
bie Stäbte fcfjloffen bed^cilb mit $Üartemberg auf beffen Än*
fudjen ein 93ünbnlß unb nahmen ben @rafenftein ein. 3e$t
enrftanb aber neuer greift mit 2öartembetg über bie $3efe$tmg
be$ Schlofiefl; er fagte ben Saufifcern ab, überfiel ba6 ©ebiet
be6 ®otfd)e Scf/off auf (Ureifenfiein ic. unb machte bie ®egenb
fo unfreier, baß mit (Einwilligung beä Ulrich t>. ^iberftetn auf
ftrieblanb bie £anbe$frone wieber befefct würbe. Da bie große
®efaf)r t>or ben ^ujtten befeitigt war, würbe and) ber ober*
läufiger x>i d c l wieber unruhig unb trieb Straßenraub T u*
fem eblen ©ewerbe lagtn befonberd ob: .Wi ficht ^anfcer,
9J?icbael t>. (%r$borf auf SRengerflborf unb «Heinrich t>. Sil*
benftetn. — 3m Dftober erfdjien uummn thet *. SBartemberg mit
200 s^ferben vor ber Stabt ©örlifc unb fengte in ben SBer*
ftctbten. Die Streifereien würben nicr/t fo gefahrloö burety ben
t>. SBartemberg haben ^ur Ausführung gebracht werben fönnen,
wenn nicht ber Abel ber r berlauftQ mit ihm hinter bem Surfen
Sjemeinfame Sache gemacht unb bie 6tabt_ vercätrjerifcf; bHnh
alfcfje Nachrichten hintergaitgen hätte.
3m 3. 1436 fefcte Sigmunb t>. SBartemberg feine Unter*
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nebmnngen in $erbinbung mit bem bitter auf böbmifch
Seipe fort. Die 6chlöjfer 'Setfctyen, (^reifenftein imt> Seipe
waren bie $eerbe unb 6a)(upfwinfel red frecbften Üiäuberge*
fimbel*. 3m jfrbruar fhreifte <5tgmunb biö nad) 9Bittia>enau
unb bebrobte auf t>em :Kmf ;iuie tföbau; tiefer €>tabt eil-
ten 50 gorlifcer Seifige *u £ilfe. (Jbrifioph v. Rothenburg
befebbete bie 6tabt längere $tit, bi$ ^erjog Heinrich v. @Ho*
gau ben 3roift beilegte.
3m ^(((gemeinen begann ftd) bie Stabt in biefem unb
ben folgenben Jahren aUmälig wieber \u erholen, wenn aua>
bie 8chulben febr brutfenb geworben waren. Die (Stnfunt'te
ber <£tabt warben natürlid) baburd) gefchmälert, bafj bie groß*
tentbeiltf verwitweten unb eingeäfa)erten ^itleibenbeitöbörfer
niebt* $ablen tonnten. Daber mufitc ber *Rath (summen über
Summen borgen , um ben c tabtha abhält, wenn auch immer
flimmernd), fortzuführen. Die *Httterfct>aft ber gauftfc unb beä
angrenjenben $&bmen$ fa)lo0 mit ben ©täbten eine (limgung,
furcer mit ben $efebbnngen aufzuboren.
Sfrir ber von 5öartemberg aab fta) niebt $ur Stühe; über*
fiel wäbrenb be6 (Bommert* l437 bie fecbdßäbtifcben Jtauf*
mannägnter, unb unternahm mit Senefd) Sirfa v. ®ilbenftein
einen 6treifwg nad) 6tt)ieften, fo bafj (Dörlifc aerüftet blieb
unb febr waebfam fein mußte. Webt weniger hinten bie 3$er*
hanblungen über ben fa>on erwälmten Änfauf ber fcanbtäfrone
in (Spannung.
3m 3- 1437 ftarb ber tfaifer (Sigmunb, unb fein (Sibam
J&erjog fllbrcdu von Cefterreid) bewarb jtd) um bie böhmifa>c
Ärone. Die oberlaufifcer Stänbe ^teilen gegen ^almarum
(6. SÄarj) 1438 einen üag $n Saufen ab, auf welchem fte
jtd) für <£>erjog Wibrecht entfchieben.
3m ftebruar beraubte (Sigmttnb v. SBartemberg von
^fciiem bie Straffen; Deshalb machten bie ©orlifcer neue
Werbungen, ©egen SWitte beä 3a^re6 hörten bie *ßlacfereicn
etwa« auf, ba Sigmunb v. SBartemberg mit bem £eere beä
Jtonige vor %afhx lag, unb bort, wegen angeblichen 53er*
ratr)e$ verhaftet, im ©efängnijfe ftarb.
3m JDftober fam ber Jtönig, na et) Unterbruefuna ber
bohmiffhen (Empörung, in «ßerfon nach ber ©berlaufty. ^öamit
er ficher burd) ba6 (Gebirge reifen fönne, gingen ihm 3 Herren
U* gorltyer »athe« mit 40 gerben, eben fo viel «Sagen ®e*
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fyarmfdjter unb 300 Trabanten entgegen. SMefe Stannföafi
gefettete ihn fpäter aucfy von Zittau nacb ©örlifc.
91m 28. Dftober erfolgte ber feierliche (£in$ug in feie
(Start. I er Math empfing Den äonig gebüfyrenb unD räumte
9?ifolauö £elaw'$ 6ob& für ifyn uno fein ©efolge ein.
2lm 1. November OMerfyciligentage) fano Die feierliche
^pulbigung ju ©örlifc ftott, bei welcher Der (Stabt alle tyxiou
(egien beftätigt unb beifiglicr) ber jtrieg6fcr)ufren halber ein
Moratorium auf 4 3afjre bewilligt warb. &ud) ein 3wift
mit ber *Nitterfcr)aft ift Damals beigelegt werben. $>ie Soften
biefeä vteiwöcr/entlicfyen Sbifemfyalte* betrugen nur 134 Sdjocf
JO ©r.!
33alb na d> ber VI breite reo «föontgö begannen bte Söhne
«£>errn Sigmnnbfl, ^einria) unb 3ol)n, ©ebruber v. ^ßartem-
berg, bie $ebbe gegen bie Secfyäftäbtc von Beuern. Um ^fingften
raubten fie &ici) in üroitfcfceuborf, weldjeö ifynen bie ©örlifcer
naa) einem glücflid)eu @eftd)te beim Sd)loffe ©rafenftein wie;
ber abnahmen. £>ie fortgefefcten Streifereien gangen bie
©örltfccr, raut Wattn fet>afteit narf) diottyenburg , Seibenberg
unb SBernftabt ui legen. SBon großer ftrategifctyer 2&id)tigfett
war ber (Sntfdjlup bc$ SEBentfcb Burggraf v. £>orma auf ©ra*
fenftein, ben OberlaHft^ern biefeä Schloß ^ur $efe$ung $u ge*
fiatten. Unter Slrnolb unb (Slupriö gingen von ©örlifc 10 ^ferbe
unb 20 Xrabanten borten ab.
$)er vlöi3liet>e Xob töönig 2llbrcd)f$ brachte neue Ver-
wirrung in alle Verfyältniffc Söhnten'* unb ber einverleibten
Vaitbc. Tie ©eburt beö VaMölau« (sJ*oftl)umu0) veranlagte
en riefe Verwitfclungeu. S eine 9)Jutter, bie Königin Mnabeih,
fetyrteb mefyrmalö an bie DberlaHttyer, um fta) Deren ©ttnft
\u fiebern.
3njwifa)en famen bie ©renslanbe and) m Skjinnung.
Die Streitigfetten wegen beö 3nterregttuinä unb ber UmftanD,
bafj nun *ßrag ber Littel» im ft ber Siüafjlagitarton würbe, be-
wogen ben böf)mifa)en $lbel fta) am 25. 3uli 1440 ju fteubnifc
bei Veitmeriu, wegen eince £anbfriebenö ui einigen , in welchen
bte Oberlauft&cr, wenn aua) einige $eit fpäter, gleidjfallä auf*
genommen würben.
3m gebruar biefed 3afyre6 würbe in ber görlifcei £aibe
% freier Straßenraub von £albau au6 begangen, baß Urban
Nutria) mit 42 «Pferben borten aufbraa), weldje ßrpebttton
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im Vaufe be$ 3afytc* wieberholt werben ntHfite. Um ^fingften
fiel ber v. $Bartemberg »ieber in'* $*anb unb plünberte Arn-
nerSborf au$. Die ©crlifrer fd>tcftcn 60 *Reiftge unb 300 Xra-
bauten unter Urban (*mmeria> unb Wiefel ^crfd^el'd ©efcl>l
au£; tiefe verfolgten ihn biö böbmifcb Finnin unb erfiürmten
biefen Crt niebt ohne $*etluft. $lm 30. November fam e*
mit 3öartemberg |i einem 2Baffeufti(lftanbe. (*r warb buret)
SRattlje* Quirns, tfaSpar von ber Velpe, Urban 6evfrieb
unb ben 6tabtfd>reiber v. (*)örli$ abgefetyloffen.
Anfang be$ 3af>K* 1441 mupte abermalft ber gor*
lifcifdje Hauptmann fyimt v. töottwifc in bie £aibe auSretten.
3Äit bem $i$artemberg fam audj bie6 3afyr ein ©äffen*
fhflftanb unb enblid) ein griebe *u Stanbe.
Der Vanbfriebe warb in ber £>berlauftfc ebenfo gehalten,
wie 'Xfyeobalb über ben böf)mifa)en Sanbfrieben ftd) auöbrücft:
wie bie gajten von ben &uuben. Die gefjben bauerten trotj
be£ Vanbfrieben* fort. £ie Jerftörung von ^albau im 3-
1442 verwicfelte bie Stabt in eine gefybe mit $<in\< v. Äott-
wifc, welche ^enog $an6 v. (Bagan beilegte. Die €tabt
war genötigt an bie verfdjiebenen £>rte ^annfaSaften $u ütuden,
um ber $lnara)ie ;u jteuern. SefonDerö zwangen bie (Einfalle
ber ©ebrüber 93erfa auf tfttilbenftein unb ©rafenftein *u Stüfhin*
gen unb Heerfahrten.
3n ber £>fterwod)e 1443 würben abermald Äiiftungen
gegen bie böfjmifcben Raubritter norfywenbig, welche ba$ Vano
yi überfallen brofyten. Die ©achfamfett ber ftäbtifa)en $e*
fa$ung fann nia)t fonberlid) gewefen fein, ba ungeachtet ber auö-
geseilten ®aa)en sDtovö unb 2öenbifa}of|lg von ettapenplacfern
ange^ünbet werben fo unten.
Da$ Satyr 1444 ift baburd) befonberä wichtig, ba£ @eorg
v. *Pobiebrab oberfter Hauptmann in Söhnten würbe. Der
3uftanb be$ SanbeS blieb in biefer fonigdlofen $tit berfelbe:
überall Unfrieben, überall gefybe. (Sine foldje mit bem $errn
v. S3iberfiein auf grieblanb, welche ftd? gegen (Snbe be6 3af)^
red 1444 entfponnen Ijatte, würbe bura? $fypmo v. Jlolbifc,
ißerwefer bec3 Vanbeä, betgelegt. Um ^fingfxen na^m bie 6tabt
an ber großen ^eerfa^rt gegen bie ©artemberge Xr)eil. Da*
mald *ogcn 9000 $Rann feberlauftfcer auc3. Die ©örlifcer
waren f)ler fetyr ausgezeichnet unb hatten viele ^Hannen gewor*
ben. Damals würben eine SRenge SKaubnefter, vornehmlich
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Xetfchen, ^erflört. $eter v. ©crSborf auf 9Ru*fau madjte ftd>
um bie (Statt wäfyrenb biefer ganzen 3«t fer)r verbient, unb
würbe reidtfid) befd)enft. 3m Cftober beftanben bic gorlifcet
•ftnerbte einen ©traufj mit bör)mifa)en Zaubern bei sJDfaa)erd*
borf in ber $errfd)aft ©rafenftein. $)ic bort gefangenen bei*
beu Eitler unb 21 gußgänger würben am II. Öftober <n
©örlifc geftenft.
4 Sei ber Eroberung Oed Xolknftcin'S im 3- 1445 waren
ebenfalls ©örlifcer; bie Girren ber 6täbte mit ®otfa> 6d)off
auf ©reifenftein legte ©örlift bei. $ttx £eerfar)rt auf ben
Sirfftein in «Böhmen im Dftcber 1445 ftellte bie Stabt auper
gupgängern unb einigen 93üd>fen, 36 Seifige.
3m 3- 1448 bemädjtigte fta) ©eorg v. *Pobtebrab he*
fanntlid) mit ©ewalt ber böfpntfcfyen «öauptftabt. SÖäfyrenb
biefer Unruhen in Böhmen erhoben bie SEBartemberge wieberum
©rafenftein, raubte in ber Dberlaujty. $on ©örlt$ fa)lojj eine
6*aar fta) beut oberlauftfcer tforpä an, welajeä ©rafenftein
eroberte.
Derfelbe berrenlofe SttfhnA erhielt fid) in ben folgenben
3a^ren. 1450 würbe beäfjalb eine 3eit lang jwifa)en 6a)ön*
berg unb 6eibenberg von &örli$ern ein gager belogen, bie
©egenb $u fa)ü$en.
1452 ftanben wieber Trabanten in £>ftri$ unb Reiben*
berg, weil man in ©drlifc Ueberfälle bc6 börjmifdjen 8bel6
befürdjtete, welker ftd> einige 3a^rc rufug vergalten Ijatte.
Die Stabt felbft würbe wieber befeftigt unb namentlid) vor
ber 9?et0bräcfe beim r). ®ciftr>o^)Htal unb am 9Wolaitf)ore
neue Saftionen gebaut, an ben (Stadtmauern JHkrjren ange*
braajt, unb neue 93üd>fen gegoffen. 3m £erbft nötigten nie*
berlaufifcifdje Wegelagerer bie Stabt, Wartin €d)lteffe mit 60
$ferben nad) 2Bitti$enau ui legen.
3u Anfange beä Saferes 1453 fam al* apoftolifa^er 9tun*
tiu$ ber $ernl)arbinermöna) 3o^anne6 Gapiffrano nad) ®ör*
lifc. $>ie (Sinwo^nerfdjaft §og ifent in großer $roaefjfam ctrt*
gegen; er naljm feine Normung im granjtdfanerflofrtr. 6a*
»iftrano prebigte von ber €aljr)au$treppe, auf weldjer ifem
ein «Prebigtftutjl errietet war, 15 SRal ptn SBolfe. $er 3»'
tjalt feiner 6trafvrebigten bejog jty ffauvtfädjlid) auf bie
Äleiberpra*t, laugen €a)näbelfa>*i^e, waöcuben £aare unb
Vl(brea)t Serfa vom Xollenftein, bamalä auf
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allen überflüfftgen Xanb. — »ei ber £>ulbiguug be$ jungen
Äonig* SabiSlau* in ^rag erf*ienen bie ®orli$er gleicbfalie-,
fie befd>enften ben Äönig Hiib ben ©ubernator von $öbmen,
®corg v. >t>biebrab, retct>licl?.
$a« 3«^r 1454 braute ©treitigfeit mit ber tattttafr
über welche auf jenem läge \u $au$en Einigung erfolgte.
3n biefer 3«* befaßte ber üditig SabieHan* anf ber Durcrr
reife nad> 6d)leften aud> ©örlifc, wofelbft er am 29. November
unter bem häuten ber (Dorfen, mit einem befolge von 1000
mann feinen teinjng rjielt. Mi* er §nm graneritfjore einjog,
tyatre Oer bamal* Hjäijrige Äönig auf feinen blonben Dorfen
einen Äran* von Dtingelrofen. @r febrte in bem €d)6nr;ofe
(bamald ein ©aftfjof) ein; fein ©efolge errichtete 3elte auf
oem fogenannten $ran beim retd>enba^er Xbore. Mm 30. s3t>
vember hulbigten bie 6ecf;*ftäbte bem jugenbltcben Surften auf
bem görlifrer ftatybaiife. lag? barauf erl)ob |ld> Oer Jtömg
weiter nadf Sauban. Sir füftren f>ter bie «umgaben an,
weldje bie €taDt bei biefer Gelegenheit r>atte unp fpejialifiren
folaje Oer SXerfwürbigfeit wegen.
I. 3« SMn «üb Bier für ben foniglichen JCeller 53 €d>ocf
12 <Br.; *u ®ewüa Pfeffer, 3ngwer, ?Koftnen je. 17 <Sd>od
1 ®r.; ju ©raupen, äraut, SÄilcr; unb (Siern 4 6c^od 19 ©r.;
\n Sdjmals, Oel, €ai$ unb (Sfftg 8 €d>o<f 16 ®r.; für
gifc^e, #ed>te, Karpfen, ^erfdje, Neunaugen unb €*mcrlen:
46 ©chorf 18 @r.; »u gleifd), iKinbern, edwptf, 9Öilb unb
Sögeln 28 €ct)ocf 16 <*Jr.; 3n«gemetn: Si*t k. 12 edjorf;
£eu, £afer, (Strol) 20 ©djotf; Joggen unb ©ai^enbrob
14 <5a)od 4 ©r. 5>ad ^ofgeftnbe »er^rte 35 (5d>otf 14 ©r.
Mtt ber Äönig aufbrach, würbe bem genteinen $ofgeftnbe:
Jtüchcnmeijter, Höchen unb Jtüchenfdjreiber, Xrorapeteru unb
Pfeifern, Käufern unb Hofnarren, £erolben k. }um Sertrin*
fen: 21 <&a)od 20 @r., bem ^ofmeitter unb Dbermarfdjaü
9 e%*d, bem Äämmerer ein fdjoneS $ud>, wa$ 13 e^orf
Werth war, gefdjenft. Wit einigen aitberen betrugen bie MuS*
gaben 359 <5a><f 12 ©r. ungefähr 62 Ibaler nach gütigem
®elce. 3m (*imelnen warb geliefert für reit äöntg:
1. Mn gleifd): 2 Dchfen, 26 Stopfe, 4 Äälber, 2 £pecf<
feiten, 12 junge Jöaljne, 2 ©chorf üfytm, 2 ©chwetne,
eine £irfdffoh, 4 £aafen. 2. Mn giften: 3 Sdfod £ecr/te,
8 &^od Jtorpfen, 2 ®d>od »euua«gen, 3 Makauptn, 2 6^orf
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bürre gorellen, 1 Sonne £ed)te, 8 ©djotf §t ringe. 3. S(n
©ewur*: 1 Stein Pfeffer, 6 $fb. 3immt, 6 $fa. SNnefaren,
II $fb. 3ngn>er, 4 $fb. helfen, 2 ^fl>. Safran, 3 £>üte
^urfer, 44 $fD. ^aubcln, 40 $fb. Soften, 44 $fb. ^Ket0.
4. 5Än ©emüfe: 4 Striae @rbfen,<2 <5trid)e (»raupen, 4 Son*
neu Jtrautföpfe; £ol)(, ^eterftlie mit (Uruneä fomel *u haben
war; 2 errief Söaijenmel)!, 2 eidc^ <*Jrie*, 2 <5trid> »epfel,
1 Strich kirnen, 1 Stridj welfdje Kliffe, 2 Strid) 3">iebeln.
5. $er|d)iebene$: '/4 Sonne $onfg, 16 NJJfb. Baumöl, 1 Sonne
Untrer, 1 Sonne «ipanföl, 1 Sonne sIRüd), 100 Scfyocf (£ier,
1 öd)orf böfjmifrfjen JTäfe, 2 Stridj Sali, 1 gaj? (frfjig.
II. £em Dberften in Söfymen, ®eorg o. NJ>obiebrab:
1. fln gleifd): 1 £)d))en, 8 Sdjöpfe, I Sdjorf kühner.
2. 8n giften: 3 £d>orf Äarpfen, Vi Sdjorf lebenbe £cd)te,
Vf Sdjocf tobte ^ecfyte, Vi £d)üd Neunaugen, 4 Sdjorf geringe,
1 ©djotf gorellen. 3. Ito Sranf: I Sage *Kbeimoein, 2 Vier-
tel SBefn, % alte* »ter ; % 2tfaijenbier. 4. *u gntter: 80
Striae £afer, be$gleia)en £eu unb Stroty.
III. £errn lllrid) (Sntjinger: 1 £>d)fen, 4 Stopfe, 12 ^üb-
ner, 1 Sage töbeinwein, 1 Viertel anberer ilßein, 1 Viertel
SBeißbier, 8 4>edjte, ein €d)orf Jtarpfen, 1 £d)ocf Neunaugen,
uub gutter für 24 Werbe.
IV. Ü)eitt Jtantfer ^rofop von Otabenftein: 1 £)d)t"en,
4 6d>öpfe, 12 £ül>ner, 1 Sage 9tyeiim>ein, 1 derlei Wein,
1 Viertel Sßeipbter, 1 Sdjotf Neunaugen, 10 lebenbe £ed>te,
20 Karpfen, 30 Strich ^afer.
V. £err ©eimeifd): l Dd)fen, 6 6d>opt>/ 20 £ül>ner,
1 Sage >RI)rinwein, 1 Viertel ©ein, 1 Viertel Weißbier,
20 Neunaugen, J£>afer für 24 ^ferbe.
VI. £err Ifd)ibig: 1 Dd)fen, 6 Stopfe, 20 £übner,
1 Sage M)eiim>ein, 2 Viertel *ßein, 1 Viertel 2ßei|>bter, 8 £ed>te,
1 6d)ocf Karpfen, 20 Neunaugen, gntrer anf 40 tyerbe.
VII. £einrid> b. fcofenberg: 1 £5<^en, 6 Stopfe, 20 §üfy
ner, 1 Sage ^einwein, 1 Viertel Sßein, 2 Viertel Sßeipbier,
10 £e$te, 1 Sdjocf Wennaugen, I 6d)orf tfarpfen, 40 Striae
Äafer.
VIII. £err ». Relsberg: 1 Dc^fe, 6 Stopfe, 12 £üb*
ner, 1 Sage W)eiim>ein, 1 Viertel mein, 2 Viertel 2I*ei|jbter,
8 £ed)te, 1 e^orf Jtarpfen, 20 Neunaugen, 40 Stridje ^afer.
IX. $errn $ro*ig: 1 Ocfy'e, 3 6d)öpfe, 1 Sage St^eui«
191
mein, 1 Viertel ©ein, 1 Viertel SBeifcbier, 8 £eo)te, 1 ©djorf
Karpfen, 20 Neunaugen, gutter auf 24 tyjatic.
Sluper tiefen £erren wurden täglid) 1000 Erfüllen auf
Stabtfoften gefpeift.
3m folgenbeu „\ahre dauerte bie Uneiuigfeit mnulKti <StaDt
unb fcanb Öörlifc fort; aud) unter Den £täDten trat $tvw
fpalt ein, unD Kautel mit Vaubau tvegeu Der KanDfirape von
$unjlau rourDeu erft am legten 3al)rcstage 1455 gefa)lia)tet.
3fuperDem ift nur uod) \\\ melben, Daß Der we|"tphäli|d)e grci>
graf > hautt Aiintami Die BUDi ®örli& toegeu einer 3a>ulD
forDerung >baun töutl)er'S m Dürnberg vor Den greiftuljl
beS geheimen (*eri(t)tS vi $öf)mi)aufen cilirte. hiervon wirD
unten ausführlicher gefyanDelt.
3m 3. 1456 braa) eine gefybe jroifcfteu Dem &önig von
Pehmen unD Dem «£>erjog grieDrid) $u 6ad)fen aus, weSljalb
man von Ouuür, aus Die KanbeSfrone mit SolDnern befehle.
3n golge eines ©ranbes in Der c tan rourDeu Damals Die
Roheit Stämme auf Dem 93erge gefällt, ber feit jener U'it nie
mehr <£>o<t)bejtanb gehabt hat. — (£iuc ilnetuigfeit wegen Der
(etrape mit <£>ergog 4j>anS von 6agan, nxld)e fc^ort im 3.
1456 begann, fpann tuh mehrere ja lue hmnndv 1457 rourDe
ein Xürfen kreii\jug Dura) tkrnr)arDütermönd)e, welche Die
©labt bei ihrer Änroefenrjeit neu f leiben liep, gepreDigt, fanD
jtDod) wenig £nfiang; aud) Die Xürfenfteuer ivarD nia)t qe
sahlt. Der plö$lia)e XoD DeS «Honigs Vanolauo ertverfte
befouDerS bei Der @)eiftlia)feit Den s.Berbact)t, (*Jeorg v. *ßoDie*
braD habe feine JpanD Dabei im spiele gebäht; jie freuten
ftd) nidjt, offen von Der Äanjel l)erab Dem ®uberuator Den
XoD DeS Königs uiv fcaft \u legen.
Diefer XoDcSfall verroidelte Die ©öili&er in roeitfajidjtige
Kautel, weil fta) ihr fatr)otifd)eS @efüt)l Dagegen fträubte, Den
von Der hinuiuheu gartet in 'Böhmen *um Könige gewählten
GJeorg v. ^oDiebraD anwerfen neu, unD Die Weift InMcu rao
31)rige that, von ber Jean unD Dem $eid)tfiut)(e aus Die
Wemuther ui fanatifiren. sMan rüftete fid) Daher jur Saften
jeit 145b unn £Biberftaube unD bereitete viel Kriegsmaterial
§u. — Die Stäbte famen in golge eines föniglid)en cdna
benS \u einem Xage ^ufammen, Deffen iftefultat Die 6itte um
eine griff nur, voeldje itönig ©eorg bis in'S Saty 1459 au 6
Dehnte. 3n biefem 3at)re erfannten Die Stäbte nact) langen
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unb weitfdjweifigen llntei hauMun^eti enblid) ®eorg ». *l$obie*
brab an, unb hulrigtru ihm ;u 3auer am 21. Zeptern ber.
©örlifc fjulbigte mit ber 9titterf(tyaft beä Greife« erjt am (Snbe
beä 3al)re$ |n*$rag.
1460 finben |td) vor £>ftern Angaben, bajj uad; £äfyud)en
auf Befehl reo Üoiug^ eine 3$cc\ tahi l ftattgefuuben habe. (£ä
mochte bort ein £anbeebefd)ät>igcr jtety feftgefe^l haben. Der
(Streit mit <&er£og £an$ ». Z agan würbe tu biefem Jahre
mit größtem Ohler geführt. 3m &uguft 1461 fam eo fogar
ju einem Angriffe auf baö bamal* in ben Jpaiireu reo ,£ki
jog ©alttyafai befiUDlicfye Sd)lo|j nur Stdotctyen Zag an. Die
CberlauuhuT entminten baffelbe auf Befehl reo äönigl
Zpater mußten bie (Moilifcer an einer Heerfahrt nadj $tottbu$
Tfyeü nehmen. Horn iNatbe waren zugegen: Zeifrieo
win mit 2 $f erben, Joh. bereit h ebenfo, $artl)olomäuö
£irfd)felb, 9tifolauä (im in ertet) unb fein Zehn, ber jüngere
Urban Uhu nierieb, 15 Sd)üfcen 511 Kop mit Ärmbrüften , 10
Ztartr ieuer, in (Summa 142 sJRann. 83 Wringe innre 11 be-
folbet; 150 Xra bauten in unten bie grojje Südjfe begleiten, 20
Partner jum <Sd)an$en mit Warfen unb Sdjaufeln Dem 3uge
folgen.
Vllo ber &önig im % 1462 bie Oberlaufs rurdneifte,
fam er am 11. 3Rat aud> nadj OUnlie- unb ging t>on bort
nad) <$uben unb (Miogau, wofelbft er ben (Streit ber <£tato
mit bem <£>er£Og von eagan entfdjieb. 91 uf ber tKücf reife würbe
ber ^oiug nocfymalä in (Morl in beumrhef ; er legte ben Z tven
reo ganbe* mit ber Ztan, weiter neb auf bie ftäbtifctyeu Pri-
vilegien reo SBierfcfyaufefl unb ZaUutarfto, Joil, 9Bottmarft,
Aufhebung ber ÜBerunalürften unb bte Cbeigeridnobarfeir ber
(Berdborf auf Xaucpri^ erftretft fyatte, au (äJunjten ber Stabt
@dr(t$ bei.
JDbg(eid) im 3. 1463 ber Streit reo ^apüeo mit Äonig
©eorg auobrad> unb Ve^terer unter in 16. S))U\\ 1463 von bem
papftiteben Legaten ^ieromjmuä )u öreälau für einen üefter
erfldrt war, Hieb bie Zrart bennod) auf reo Jtönigä Zeite
unb nahm an bem im Juli abgehaltenen $age ber Ztaure
^ohnteuö 511 ®rünn $beil. Zelbft im Ja In e 1467, bio uuu
sBanufprud)e s|urpft $aul n. über ft 0 n i g ©eorg blieb bie Ober
läufig Hur ®drli$ fdjeinbar bem Äönige getreu.
Der onig feibft bewies ftd) gegen bie Sedtfftäbte unb
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493
befonberd ©örüfc burd) Serleifyung unb $eftarigung von v$rt*
Plegien, febr gudbig, aud) war ber neue Vaubvoigt ©enefa)
t>. ßolowrat fortwäbrenb bemüht, ben Anhang beä Königs
ju vermehren. 5. 3uni erlief? ber ^egat ^WiiDclpb, Stfdjof
r. Vavant, ein iRHnbfd>reiben ait Die Cberlaufifcer bei «Strafe
Dcö Tarmed gegen Hie bem fefeerifd)eu vHonige wiberfefcigen
%3reelauer uiit>td }u tbuu. Da* vom ^apfte gefd)ürte Jeuer
begann in Böhmen unb _Sd)le|ien au^ubreeben. (*iue Vtn*>ir;l
(frpeüeute erhärten jid) offen gegen ben Jtönig unb beunruhigten
bie 6rra0en. 3n @)öi(i$ arbeitete man an beit ^gbrüden,
befferte bie Schläge an ben $f)oren, fdjaffte ^ulvervorrärtje an,
fefcte bie Donnerbüajfen in Stanb. sJJtan grub aud) einen
Brunnen, um baä s4fiaffer aud ber s)teifie in bie Stabt leiten
\n tonnen. Diefe Maßregeln gefdmben nidjt blod ber Stra*
fjenplarfer wegen, fonbern falben in bem Umftanbe ir>rc (*r-
flärung, oafj bie Stimmung ber Stabt immer mehr gegen ben
fe&erifd)en Äönig aufgeregt würbe. Üer l*anbvoigt benahm
fiaS l)ierbei fern* unflug unb braute burd) fein 33enef)men bie
»KebeÜiou jum Sludbrud). (*r fe^te gegen (Ihtbe bed 3af)red
ben abgefegten dichter $Jtel)eflei fd) wieber ein. Seine lieber*
einfeftung erbitterte ben N)Jatb gegen ben fcanbvoigt, l)ing aber
Seitend bed Vetteren mit einem grauenhaften tyime ftufammeit.
3)er !!Kid)ter benufete bie aufgeregte Stimmung einiger
Bürger, beuen vom Watbe llnred)t gefd)et)en war, \um $$er*
berben ber Stabt. Diefe $*erräil)er waren: sJWartin lauter*
bad), Wortin Sleijfe unb 9Jifol <£>orfd)e(. Benigna, !Xod)ter
bed Vctuaat war aujkrerjelid) von bem befanuteu (Meorg (5m*
merid) Butter geworben; GJcorg (£mmerid) weigerte ftd), bie
(*Jefd)änbere \n fyeiratfyen, wollte aud) feine ($ntfd)dbigung ge-
wahren. Statutengemäß t)dtte ber OHati) ben reidjen sJÜcauu
aud ber Stabt weifen muffen. Um fein ©elb ber Stabt flu
erhalten, fprad) jebod) ber fKatl) bie Verbannung nid)t aud,
fonbern veranlagte ©eorg (£mmerid), jur Sut)ne biefed %ei)U
rrittd eine s2BaUfal)rt jum Ijeiligen ©rabe nad) 3erufalem an*
jutreten. Hld nun ber tfanbvoigt im ^erbfte 1465 in ©örlift
war, gingen bie genannten Bürger uint föuigl. (£rbrid)ter unb
baten, tl)nen 311 einer Unterrebung ,mit Sr. ©ejh engen bem
Sanbvoigt, bei wela)er jie aud) sJtifol v. *ßaunewi$ unb sJRarrin
v. klaren, ben görlifter Hauptmann 3U,gegen wünfdjten, be*
fjulflia) ui fein. 3He^ef(eifa) ging auf biefen ^orfa)lag ein
unb ber SBoigt gewann burch feine (£vflärung: er »erbe, ihnen
ditdft verfd)affen, bie «£>eqen ber ©enanuteii völlig für ftd). ■
3m 3- 1465 befdjlofj ber tfanbvoigt, Hin bie mädjtige
6tabt bei bem eorauäftd>tlici)en SÄufftanbe unfdjäblid) *u im-
a l 11 , <3oxiu\ an^ünben ui Caffeit« nnb wäfyreiib beä $ranbe$
mit feinen beuten jtfty ber jeftungöwerfe unb ©affeiworräthe
51t bemächtigen.
Diefer abfdjeuliche $lufd)lag foli aud) vom Könige ge*
nehmet werben fein; fe viel ift gewip, ba|? ein gewiffer Bieter
v. Dolwifc, ein Bobine, uim Reifer auäerfeben war. iXVit
Elfteren (^ebanfen f ehrte ber \tanbeoigt im Januar 1466 nach
®6rlifc uirürf nnb uiebte fid) ber mifwergnügteu Bürger unb
betf ?Nid)ter$ sJDiefyefleifd) ju »er|ld)ern. X»ied gelang ihm
auöerbem noch mit brei auberen s4$erfonen: bem Shfol fearlo*
wi$, (s hi ifcopf) Drtomar (aud) lUtmann genannt) nur (irmeU
rid). 2im 16» gebruar famen oiefe feiten unter bem Dache
bes 3$oigtel)ofed ui einer s^eratl)fd)(aguitg jufaminen. Jpicr-
auf jogen jene 9hf. sDM)efkifd) bei Seite unb ermahnten ifnt,
beu £anbDoigt heimlich aufouforberii, er möchte ilnn in $rag
beim &cuige eingebeuf fein, bamit ihnen wiber ben :)iatb ae-
Reifen werbe. Hn 9. s3)car$ rief ber Vaubvoigt ben Stetye«
jleifd) ui ftd) unb fprad) heimlich mit ir>m. (fr begrüßte ben
9Jict>ter fel)r frcuitMul>f erinnerte ihn an feinen Dem Jtonig ge*
fchworenen (Sib unb bat ihn, bei feinen (freffuungen treu unb
tterfdjwiegen \u fein*). Die QJörlifcer wellten ihm \u Raupte
wad)fen unb reo halb welle er fie hart ('trafen, gröber, alet er
ed mit ben (£amemeiu gemalt habe, hierauf fam ber
9Rerbbreiuten>orfd)lag $u iage; bie 6tabt feile an brei v£tel*
len jugleid) angeniuoet werbeu; fein Diener tfeutholb werbe
ihnen baä Material befergen, übrigen* brause 'AUebefieneh
nid)t felbft £anb anzulegen, feubern feile nur bie Witteläper-
fen abgeben. Der tfaMwoigt fügte hinju, bafi er am anbern
bergen jur grühftüd^eit mit min reiten* 100 Seifigen am
5 bei e feiu werbe. 'AVehifiemh ging auf VlUeo ein, worauf er
vetn i'anbveigte in einem leberneu 6acfe eine $)teuge mit
^uloer gefüllter tyetax reu erhielt.
Doch war ber $nfd)lag bamal* nicht aufzuführen, ber
2anbt>oigt fe&te ihn ba(>er auf brei ober vier sffiochen nach
•) «Rad) ben %htn Ut *to|tfff«, **W uod> »orf>anb*u ftnb.
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*PSnqften, <wifrf>en bem 12. unt> 22. Juni 1466 feft, in we(*
d)er Jett er 1600 Staun bereit halten wollte.
(*e war beftimmt, baß ba* geuer bei Dittri* auf ben
'M)en Muben angelegt werben foüfe, femer bei Sfcter J>aupt
unter bem Ibore in ba* 4>eu, enblicf) bei einer grau Xtfdja*
fdjel im $fert*fa«e ihre« J^ofce*. Webefleifd) faqte in feinem
«efennrnif? v™ HO. ^itt^tift 1467 nod) au*, bei #oigt bellte
jwei feiner Diener, €evnirfe unb beffen trüber tflau$ ald
Äaufleute verf leibet uad) (Mörli* gefd)irft, bie ftd? bei il>m ge*
meldet unb von ttim in £orfd)el'ö £aufe 1 €djotf @rofd)en
befwnmen hätten. $>er (*ine fei bei Wattbdu* «rt, ber an*
bere bei £an0 Büttner verborgen gewefen. , 31>nen war ber
»uftrag geworben, 8 läge auf ben Voigt nu warten. , Diefer
bewarb ftd> uuterbeffen burd) bie iljm ergebenen bitter v. <£tb*
maunWorf unb fteWof v. Vöben um 600 Seifige unb 1000
Srabamen, bie ftd) jur s)k(^tjeit vor bem reidjenbadjer Xfjore
einfinben follten. 1>od) fam glüdlid)crweife and) bumal* ber
^ilan nidjt *ur Volleubitng. S)er Sanbvoigt fdjrieb ab, weil
er bie Wannfdjaften nid)t lufammen bradjte. 9?ad> Dem $(ane
felbft würbe ber Vanbvolgt mit feinen 100 Meinsen bur* bie
6tabt gefprengt fein, um wäfjreub be* Vranbe* bie Verwir-
rung \\\ mehren; feine £eute follten injwifcfjen batf reid>eit-
badjer Tf)or mit Herten anfragen unb ben dnbrinaenben
Vollmern öffnen, weldje bie bem tfönig feinblid) (Hefinnten,
wie überhaupt dlle angefefjenen sBnrger nieberniad)eu unb bie
(Etabt plünbern follten, wobei ftd) fowoljl bei Voigt, al« ber
görli&er Hauptmann, Wartin v. Waren, ein fd)öne6 @utnm*
d)en Jtt erwerben verfprad>eii. Dod) würbe biefer Hnfdjlag,
fowie ber eined gewiffen <£&el, auf Worbbrennerei, ferner aud)
ber Welduor'ä v. Söben, auf Vefefcnng ber tfanbedfrone, burd)
*n*eige eine* Sbeilnefjmer* vereitelt. Webeflrifd) würbe mit
feinem Anfange eingebogen unb ü)nen ber gemad)t; fte
Ratten fid> im $tfaf)ne, ber Jtomg würbe nad) @5ÖrU$ fommen, mebt
geflüdUet. Hm 22. unb 23. Vdiguft 1467 würben verhaftet:
Stf. WelKfleifd), Warttn Vauterbad), Warrln @letffe, «mbro*
fm* Vrenbel, Wifol Garlowifc, Warthe* €eit>elmann, George
*auterbad> unb mt ßmiefrid). £ie würben fämmtlid) im
. 3. 1468 gerietet, Wefcefleifd) aber geviert()eilt, unb fomit
biefen Vmätfjern ein verbiette* (Sube bereitet.
9U4bt<ferabf4weifung ifxauf ba*3af)r 1466 jumdaugeljeu,
13»
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Der Segat $ifa>of 9iuDolf ». Savant ui S3re$lau fa)irfte
unter'm 4. Wärj tiefet 3al)reö an Die ©eiftlidjfeit in Den
(gedjeftäDten ein jRunDfdjreiben, in weitem er jwar anzeigte,
Daß Die &udfprea)ung Deö 5tenne$ über l>en Äönig nod> einige
3eit aufgefa)oben wertet* folle, *ugleid> aber Dem «Klerus an-
empfahl, Die ®emütber für Die einfrtge ^inhiiin Der $3aniibuUe
vorzubereiten. Die Dberlauft&er von l'anD unD £täDtcn maa>-
ten frud)tloä beim Segalen hiergegen ^orfteÜHitgen unD wei*
gerten ftd) namentlia), Den %how Deö ^apfled gegen Den
nig unter Dem gemeiuen ^Belfe befanni ju maa)eu. Äua) an Den
^onig wanbten fie fia) unD befamen gnäDigeu $kfa>eiD von if)m.
Der l'egat, um Gtörlifc für fta) \u gewinnen, fd)enfte Der
6t $eorgenfapelle unter Der s^eterdfirä)e eineu Sblap von
40 lagen.
Uebrigenö Dauerten im 3. 1466 Die angefangenen 9iü*
ftungen unD Äriegdvorbereitungen, fowie Die ^efefiigunaear*
betten in ®orlifc um fo mel)r fort, alä wahrfdjeinlid) ju $olge
Ded sJWeheflcifd)'fd)en #ufd>lag$ Der Mttf ging: .König (*Jeorg
Motte fia> Der etaDt mit (Gewalt bemächtigen. Die Darauf
erwachfenbe Unruhe unD Nngß eutfremDete Die ©emütber Dem
Äöuige immer met)r, unD bereitete piglrid) Den entfa)ieDenen
Sluöbrua? Der iRcbellioti im 3- 1467 vor.
Der fd>oti am 23. Dezember 1466 von ^apft ^aul II.
gegen itönig ®eorg v. Böhmen autfgefprodjene üöaun raupte
nach einer pdpftlid>en sBulle vom I. Januar 1467 ab im böb*
mifd)en >Keid)e, mithin aud> in Der Dberlaufts verfunDigt
werten.
Der $if$of ^ubolph v. Savant ;u Breslau fdmeb ald*
balb aud>, am 19. 3anuar, an Die (ÄJeiftliajfeit ju Otiti),
mit Der Mahnung, ferner Dem Könige nia)t mehr gehorfam.
ju fein unD Den aufjtanD gegen ihn $u preDigen. Die $cr*
fünDiguug fanD um fo mehr Eingang in ®örli&, ale Damals
Der £auDvoigt vBenefa> v. teolowrat mit Der Drohung au3
$rag jurürfgefommeu war, Der Jtonig wolle felbtt naa> $örli&
fominen unD frrengeä ©ericht ballen. Deshalb fe$te man jia)
in Den äuperjiten $ertbeiDigunge$uftanD, befeftigte Die Parteien
unD fam in immer feinbfeligere cttmniuug gegen Den **anD<
Voigt, woju ein anDerer Vorfall nicht wenig beitrug, ütfebe*
fleifch, Der erwähnte fönigl. dichter, raupte Dem Otathe $ür*
gen ftetten. Sßarum? ift Dunfel. Der l'anDveigt i^xitb De**
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halb febr hart au$ kauften an ben fKalt? unb breite noaV
mal$ mit bem ioxm betf Äönigfl. (Snblicf) fam ^Jccbefleifcb
t>on feinem iNicbteramte unb an feine Stelle warb (*Jcorg
SSetiM gefefct; ^efcteren wollte man gar nietet in t>ie 6tabt
laffen imb rerfcblojl itym bei feiner Snrunft t>on ©aufcen, in
weiter Statt SBeitM ben 9iatb beim l>anbt>oigte verflogt
hatte, t»tc Xtwre. Xer ©oigt ©enefa) >\ (Solowrat fefcte einen
neuen Siebter/ 9*amen$ Wfolau^ ein, bei welkem fta) ber
?Ratt> |« (Dörlifc beruhigte.
Xer ftatb fam Dura) ben Äuflfprucb be* ©anneä über
ben flonig in eine febr üble i'age unb würbe bureb bie Unu
ftänDc genötigt, gartet \u nehmen, Söäbrenb eincrfeitS ber
tföntg am Jl. $ebruar 1467 ben Warf) ermahnte, ifjm treu
ui bleiben, ba er benfe, ben mit bem Zapfte beizulegen,
fennte von ihm nicht versilbert werben, bap bie ©eijxlicgett
*u (Merli& auf* £eftigftc gegen ben Jtönig eiferten, bie (Ste
meinte aufregten, unb im Salle man bem Üönig fernerhin
Oc^orfam leiften würbe, ber Stabt bie Segnungen unb Ire-
frungen ber Religion entziehen breiten. Xer £cgat freute
feine ©riefe, um bem ©anne be$ $apjte$ 9?aa>brurf ju geben
unb war bamatö bemüht, ben Saamen ber (Empörung aua)
unter ber oberlaufttjifcben Ütitterfffyaft autfjuftreuen, welches
Streben nicfyt erfolglos blieb. Xie föitterfcbaft trat mit bem
Legaten in ©erbinbung, ber ihnen einen fluffebub von 12
lagen bewilligte, nach beren Verlaufe ber ©ann öffentlich
abgefünbigt werben feilte.
3mwtfcfyfn fänmte aua) ber Sanbvoigt nia)t, feine ©orte
gur ©ahrheit *u machen; er fchlofj mit £er$og ^)an6 von 6a*
gan ein ©ünbnif? gegen bie Stabt unb beauftragte 9Welcf)ior
v. £öben mit ©efefcung ber £anbe$frone. 3$oti beibem erhielt
bie Stabt zeitig genug Wactyricbt, war auf ffyrer «guttb unb be-
fefcte bie Sanbeetfrone mit Sölbnern unb Attesten; bie 6tabt
©reelau fehiefte nach Oftcrn 200 Wann #ilftftruppcn. Urban
Sa)ellner, ein *Ratb$bcrf, befehligte auf bem ©ereje unb be-
fefHgte fta) mit großer ©erficht. Xie ©efafrang auf bem ©erge
blieb währenb beö Tahiti 1467 unb 1468 eben, fo baß jeber
feinbliche ftnföfag vereitelt würbe. — Xiefe ©eftrebungen unb
bat* gegen ihn berrfebeube Mißtrauen, wabrfcl)emlia> auch bie
gurcht, man werbe ihn in einer ber 6ed)$ftäbte gefangen
nebmen, veranlagte ben ©eigt ©enefa) v. ßolowrat, bieJDoer*
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faufifc *u meibeit. Um ein öaupt \\\ baben, wählten bie
Stänbe berfelben erft am 8. Juni gemeinfcrjaftlid) mit bat
übrigen Stäbten unb benen vom 2anbc ftdj einen neuen Vanb*
Voigt in ber *ßerfon betf Jaroälaw v. Sternberg, cined eif*
tigen (#egner$ bee< $enig$. Stadlern nene päpftlicbe Fullen
befannt unb bie $$erfünbiguitg beö ^auneö feicrlidjft von beut
9feid)#iage \\\ Dürnberg ausgebrochen war, würbe bem ftft*
ntg ber C^eborfam aufgefünbigt. 'Der ganatiämuc* würbe
nod) meljr angeregt bnrd) befonbere vom Legaten au^gefenbetc
otetftlirfn*, melcbe einen förmlichen ärntuitg gegen Jtönig
©eorg v. ^obiebrab an^iifac^en ftc^ bemühten mib aud) eine
SÄengc *Per[onen gur ^Bewaffnung veranlagten.
9m 8. 3»li famen 8anb unb Stäbte in (Herlifc jufam*
mcn. Sie einigten ftd) bort über eine Heerfahrt nad) Böh-
men r $u weiter bie Lüftungen um fo crnftlidjcr betrieben
würben, alfl in r>emfelben Senate Xrupven bc* Äönig'd ©eorfl
in1* ?anb brangen. lieber biefe (Sreigniffe finbet ftd) nid)t$ weiter
augegeben, altf bafj ben ©brlifcern bet rug 100Sd)orf2K%.
foftete. CDie Dberlauft&er bebten einige botymifdie Scblöffer,
nid>t minber, wie fdjon angegeben, bie tfaubeöfrone; Ratten
audj eine Vfn^ar>l fogenaimter Jlreu^iger in ifyrem Solbe.
3m 9luguft fiel Djerba v. ll$f mit pobiebrabifeften Sd)aa*
ren in bie Dberlauftfc. 2lm 29. 2lnguft fyatte ber l'anbvoigt
3aro$law v. Steruberg gegen 4000 s3)Jann beifammc», mit
we(d>en er bie böt)mifd)en Öuei^lanbe verwüftete. 3)ie$ ver*
anlaste ben Senkel Djerba v. ll$f, gelir v. Sfafl, 5kuefd)
v. (Setowrat (früheren l'anbvoigt), (iinen v. SWidjelöberg,
^ctnri$ unb 3droölaw von ber £uba $u einer (hwieberung.
Sie rücfteu am 8. September aHf bic jittau'fcfyen 3>örfer unb
verbrannten mebrere berfclbeu. i>ie in ÖJörlitj faum cntlajfe*
neu Sölbuer unb Seifigen würben batyet eiligst wieber ange-
worben.
S)ie :Kitteriduut im baufctter Jfcreife blieb anfänglich bem
Könige treu, unb beffen beftcr Slnbänger, 9tteldjior v. gdben,
r)ielt bad SdjJtojj ,£>over$werba befe$t. $or btefec* <5ctylo0
jog ber ganbvoigt, alö im September bie Böhmen au0 bem
Vvinbc gefcfylagen waren. Tic Wannt clmft ber Start Ölprlifc
führte 'Öartbolomäutf §irfd)berg al# Dberfler mib 3 o bann
Stereitfy begleitete tfjn. Sc^on am 20. (Sept. lag man vor
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Deut ScMeffe, wa$ ebeufo tapfer vertbeibigt, ald mit großem
^erlufte vergeblia> beftürmt würbe.
i>üß bic (Eroberung bamald nid)t bewerfßetttgt werben
fonnte, glitte feinen @*runb in einem neuen Einfall ber fönig*
liefen Gruppen, welcher bie Dberlauftyei jwang, einen großen
Ztytii ber vor Dem ©d>loffe liegenben s)Wannfd)aft, *um ©d)u&e
be$ £aubeei von ^operdnuuta weguniefjen, unb fo bie Sela-
gerung in eine einfache (£infdjltefmtig \\\ verwanbeln. Sei
ftnfunft ber i'oinn.uT jog litt) ber geinb wteber utrücf; jene
Drangen ihm aber jtaa) unb eroberten $abe(. (Sine neue
böbmifaV vH\i;;ta im Neonate November wurDe bmd) bie 3tt*
tauer allein geradjt. ©it fonnten feine Unterftüfcung erbalten,
weil Die anberen ©täbte ben «£>er$og von ©agau befrtegten;
verfolgten baber bie Setnbe, benen fte gewadjfen waren, legten
jid> in einen £interbalt, erfaMugen 150 SMann ber ©egner,
ltitD nahmen ihnen ben ganzen mawb wieber ab.
«£>er$og £anfl v. ©agan war ein gremtb befl J*önig0;
er fa)irfte ber bau fener Gittert d^aft ^tlförruppen nad) Jg>ot?ev6-
werDa, wedtyalb il)m grieDvid> i\ Siberftetn auf gorfle ab-
fagte unb in bafl ©aganer (Gebiet jog. -öerjog <£>and antwor-
tete baburd), baß er fowobl an tbn, ald an beffen Sunbeäge*
noffen, bie Dberlaufrner, ben geboebrief erließ. Xeöfyalb jogen
Die Dberlauft^er $Witte November 1467 mit 4peere0maa)t vor
©agan unb nötigten am 18. November ben £er$og ^an(?
fict> m ergeben.
Um 19. November fam Dura) ^ermittelung be$ jtonfgt
von %hkn ein Waffen fh Uftanb jwifdjen Äönig ©eorg unb
ben Nebelten \\\ ©tanDe, weldjer bie» $um 25. 3«nuar 1468
auegeDehnt warb.
Km ©cblujTe be* 3abiea ernannte ber päpftlid?e öegat
Sifajof ^Kubolpb von £avant, ber fta) in Ermangelung an*
berer Sluftorifäten al$ ^)ctrfa)er ber l'auftfc betrachtete , ben
3aro6law v. ©ternberg Definitiv $um: „SanDvoigte".
Slucfj int 3. 1468 blieb ber *papfi geinb DeS Jföntg*
®eorg; fomit audi Die fatbolifa) geftnnten Dberlaufifcer.
©ie Weinten ftd) in <$örli& mit ben ©djlefiern ui einem
©d)u£= unb $m$bfinbniß. Eine gemetnfaine ^eerfatyrt nad)
Seemen, wofelbjt man bis Xurnau vorritefte, lief jebodj ungfäcf;
litt) ab; ein itorpä ber Skrbünbetcn warb von ben Söhnten an
ber 3fot gcfdjlagen unb wetyrenb eine« vom Soigte 3<w$law
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200
v. ©ternberg abgefcMoffeuen SBaffcnfti H fta nbed jerftreute ftd)
ba$ Jqccx, bei weldjem 250 görlt&cr ftuttfnedjtc unb eine an-
gemeftene 6d)aar Leiter qeftanteti hatten.
1468 tarn «fiönig s2)(\ittl)iao von Ungarn nactj £dn*eften;
er trat in Unterhandlungen mit ben c täuben £d>lefteu$ unb
ber Dberlauftfc, unb machte feine 9Infprii<f>c auf bie böhmifd)c
Jtrone geltenb. 3l'f)^^ Ücp Wattbiac* ein »£>eer in fahren
cinrürfen, weldjeö vor DUmüfc jog nnb ben Äonig Georg
von ^obiebrab fo befebäftigte, baß er alle feine «£>rif6vö(fer
vereinigen mußte; biefer llmftanb gemährte ben £>berlauft&ern
*Dhiße *ur Chreberung befl ©cbloffeä «öoveröwerba , befl legten
v. Söartcmberg auf letfdjen im Anfang ?(itguft battc man
nid)t beachtet; fiel aber nunmehr, burd) fwveröwerba'6 <Stlt*
nafjme wefentlicb freier in ben Bewegungen, in baä ©artein
berger (Gebiet, unb rid)tetc bafelbft viele $$erwüftungen an.
Milien balb abgefd)lo|7enen 2L*affenftülftanb fünbigten bie von
5£artemberg im Januar 1469 wieber, um it)rerfeiteJ biegebbe
fortüufe^en.
Ifttf bem ftitrftentage flu tfieguifc, 1469, waren ascb bie
©örlifcer vertreten. 6ie befdjloffen bie sltertbetbigung$anjta((en
unb Lüftungen triebt flu vernadjläfftgeu. Die £anbe$frone blieb
befent ; aud) frifcfye ©ölbner würben angenommen.
Watt) ben görlifcer !)tatl)$ied?nungeit muß am 1. SDtai
1469 ein 3«8 na(*) 8öl)meit ftattgefunbeu l)aben; bod) ift
nur riefe einzige dloth befattut.
Befaimtlicb WHrbc in biefem 3al)re von (Meerg'S Gegen-
partei Zeitig Watthiao von Ungarn jutn böfymifcfyen Könige
gewählt; er ging nad} 33reölau, um ftd) von ben fd)leftfd)en
Stäuben ljulbigen ju (äffen unb berief bortfyin aud) bie £%r*
lauft&er, weld)c nacb einigen cebwierigfeiten ben «Ijpulbtgungä
eib am 1. s))lai 1469 ablegten.
Die 8tabt Görlifc war alö ber fejtcfte ^utift in bei
£)berlauftfc bem Äontg Georg von großer 3Bid}ttgfeit; bat)er
bie vielfachen 9tnfc^läge feinet «£>ofe6, biefelbe burdt) 33ranb ui
verberben. (Sin neuer s£erfud) würbe am 1. ftuguft 1469
bur(t) ben gorlifcer 6tabtfcbreiber M. 3ob. grauenbiirg, von
£iegni$ aus enttedt unb bem iRatfyc ju Görlife gemclbet, ber
feine <Sicberbeittfmaßregeln traf.
Der 9lnfd}lag folltc in Ütobinbung ftefycn mit einem Gin-
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201
falle DeS ^erjcq Heinrich r. Sttünfterberg, 6ehn De* tfönig*
©ecrg, in Die Ctofattfa Der im ttngiift 1469 gefcbal). Km
31. Suiguft ftanD Der !$c\\q<\ bei Zittau, unD nahm feinen
2Beg ren Dort über £fm£, £eiDenberg, £dn>nberg, n>eld)c
£ertcf)en verbrannt wurDen, nad> Vauban. Tiefer JÖrt warb,
glürfüchenoeife ebne tfrfcfg, mit ^ranDpfeilen befdjcjfen, 3»
Der 9fad)t fielen Die Vaufi$er au*, überrafd)ten Den bei Der
6chreibcr;$Jcur;le gelagerten in £id)erbeit gewiegten 8Wnb unD
feblugen ihn in Die gludn. $)er »öer;og nahm feinen ?lb;itg
nach ^HnUan, fo Dap (Merlifc nidrt "von " ü)m beunruhigt warD.
Tic gortfebritte, wcld)e im 3. 1470 Da* £eer De*
mg* SWartbia* gegen (Mecrg i\ ^oDiebrab* Truppen machte,
liepen Die Sabrfd)einlid>feit nidu ui fern liegen, Die über-
laaftfc fönne Der .tfriegefcbauplafc werben. Teoljalb warb in
©cilie, weld>e* ohnehin Truppen nacb 8a)lefien feuDeu mupte,
eine neue ^rtbeibigung*orDnung errid)tet.
I. 9lnf Dem 9iif clatatertel
„Älif Dem Thurm ftebet eine Jarra6büd)fe, eine Stein* •
büchfe, jwei ga|? $ufocr, 2 93ücbfen nnD 2 halbe 9ucbfcn,
nebft 13 9)fann. — Sil Dem Tbore ift tforenj ÖolDfchmiDt
Hauptmann. l*r bat bei fty 2 .£>ufrei&en (Kanonen), 1 gafi
^ulrer; auf Dem Tbore eine halbe 93üd)fe unD 2 $anft'
büchfen, 2 33iid)fenmeifter nnD 6 Wann, Darunter Dr. *tfin*
rentiu*. — Auf Der neuen Skfiei in Der £uni& ift ^aul Jei-
mann ■Weiftep bei ihm ftebt 1 Süchfenmeifter, 2 ,£>ufrei&en,
2 gaj? ^utoer, 1 £cbreiubucr/fe (fleht ©efdnifc), 2 fruit*
büchfen, fowie 9 Wann. — Kit Dem 3<June unter Der &aftei
ftebt al* Hauptmann: s^eter ©ottfcrmlgf nebft 7 Wann. —
3n>if<hen 9?aftei, Der Teicbmüble nnD Dem Tfyorc ftcf>t
®en*<l tfonrftD nebft 11 Wann. — Sluf Der $aftci hinter
Der Teid)müble tft Wartiu Trogfcfyeerer Hauptmann. (*r !>at
bei ftd) 10 Wann, 1 #üc$fenmeifier, 1 £ufrei&, 1 8<tf %}nU
per, 1 6d)retnbtichfe unD 2 ,£>anbbndjfen. — &n Der Pforte
hinter Dem £ofe*): Weifter 3ofoff C%lDfcbmiDt al* Hauptmann
mit 10 'Jlerjenen. — Äuf Der SBaftei hinter Dem ^efc }tt<
ndchft Der ^otrjergaffe: 2lnbrea* görfter nebft l 3$ttcbfenmeifter,
9 Wann, 1 £ufreifc, 1 gafi $ufoer, 1 €cr;reinbüd)fe unb
2 £anDbüchfen.
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202
II. Stuf bem ftetfit>iertel.
Huf bem SRciftbuimc: 13*Jkrfonen unb 1 $ud?fenmeifter,
nebft jn>ei 8d>retnbud)fen uub einer falben (Ecfyreinbücbfe. —
Hm Xbore: ^eter ^ermann afä -Hauptmann nebft 14 Wann.
Huf ber Erliefe unb bei ber Sabcftubc: sJ*eter «£>ent nebf* 11
Wann, welche 2 4jufrei($ unb auf ber 29abcftube eine fyalbe
(scbreinbücbfe bei ?td) fjaben. — Huf ber 'öaftei vor ber
Wühle: Wfolaufl £d)ulj nebft 7 Staun, 1 8üa)fenmciftcr, 1
%a$ $ufoer. — Huf ber tfirtfjc uub bem £o£pital : ber
Äürfdjner 3twr, Hauptmann, nebft 9 Wann. — Auf ber
nädjften öaftei bei bem ßatylnjor: Senjel Staronann nebft
7 Wann, einem Säätfeitmrifter, 1 $ufrei$, 1 gaß ^ufoer,
I e^irmbitcftfc unb 2 £anbbürtfen. - Huf ber #afki, bie
oben mit $cluwrf aufyefcbroten ift: Wtfel Äretfcbmar nebfi
II Wann, 1 s£ücbfenmeifter, 1 €d)trmbiid)fe unb 2v$anfc*
bud)fett — Huf ber f leinen haftet wnäebft ber großen, voo
ftd) ba$ Xeiffrtertd voenbet: ^etcr Wnbner mit 7 Wann, 1
£ufrei$, 1 €djirmb«d)fe unb 2 ^anbbücbfen.
III. Unferer lieben Stauen -Viertel.
Huf bem 2()urm: 18 *Perfonen, 1 Iborbücbfe, 1 £ufrei$,
jwet gafc ^Uitoer, 2 6d>rcinbüd)frn, l £anbbwd>fe. Hm
ifyore: Skltbafar l'anbretter nebfit 2 ^wbfenmeiftern unb 18
Wann, 2 Jjjufrttyen, 8 gaß ^utoer; auf bem Xbiore: 1 £iif*
reifc, 1 6d)reinbüa)fe unb 2 4?anbbüd)fen. 3w»fdj*n bem ,
Sbjcre unb ber rotben Saftei : 3of)ann Snttner nebft 10 Wann.
Huf ber rotben sBajtei: 9tif. £d)oU mit 8 Wann, 1 Surfen*
meifter, 1 ^ufreuj, 1 gaß $ufoer, 1 6(^rcinbiid)fe unb 2
£anbbüa)fcn. Huf bem Salle tieft** ber Pforte: Hnbrea*
tfunfce nebft 8 Wann. — Huf ber haftet wnädjjt ber Pforte:
Wicbael ^dnifflev unb 10 Wann, 1 £ufrei6, 1 ga* $ul*er,
1 6d)reinbüd)fe unb 2 6anbbüa>fcn. — Huf ber näd)ffrn
öaftei barnaa): Stephan Welver nebft 9 Wann, 1 £ufreie,
1 gaß Pulver, 1 e*retnbüd>fe unb 2 £anbbüd>fen. — Huf
ber großen haftet mit ber flehten (Pforte): £an$ Jftrebbof
unb 11 Wann, 1 $üd)fenmetftcr, ! Sarradbüdjfe, 2 $nf*
reiben, 3 goß itafoer, 2 cd)retnbüd)fen unb 2 $aubb«4feu;
auf ber flcttteti haftet baneben 2 6d)reinbüd)fciL — 3KrifdKtt
bem grauentbjore unb ber 3Mftatt: <8tetmer mit 8 Wann. —
Huf ber haftet auf ber 3ielftatt: 3ecuff 3*uigeKi<fel uitb 10
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203
Wann. — 3tvifc6en ber 3friftatt, haftet unb bem reiben*
baa)er Ihcre: €welltge nebft 9 Wann.
IV. fteid>enbad>cr Viertel,
gnf bem Sburme: 13 Wann, 1 Xarraflbücbfe, 2 ftaf?
Pulver, 4 tscftreinbficbfeit Hitb I £ufrei&. — $lm Ibcre:
^iflafl $igmaiiit mit pt*i $ucr»fenmciftern unb 9 Wann;
an? bem Sljor: 2 ^ufrei&en, 2 6<breinbüd>fen nnb 2 £anb>
biicbicn. — Huf bem Safe innädjft bem Ibore: i&eorg $re*
nMg nnb 13 Wann. — 3unäd>ft Weifter $an* JTanneqiefrcr*
£aufe: Wartin ftitttbel nebfit 10 Wann. — «uf ber «einen
Satfei ^Hnäcfifl ber großen: Simon gtfbart nebfr 10 Wann,
I €$reinbüd>fe Hnb 2 £aiibbüa)fen. — «uf ber großen nenen
»aflei: i<etru* 6dm>ofbeim nnb 10 Wann, 1 tarraöbudM'e,
I $aü ^utver, 2 £nfrei*en mit 2 gap Pulver, 3 €d>rein*
buchten nnb 2 £aifbbüa>fen. — Auf ber Keinen haftet vr*i:
fdKii oer großen $aftei unb ber (irbwebr (ba* jefcige £en*
magern auf bem grünen Giraten): Widjael Weumanit mit
II Wann, 1 €d)reinbucbfe unb 2 £anbbüd)fen. - 3wifa)eu
ber $ajiei iunad>ft ber £rbwel)r: Wncentiuö Sdmmann, 1
8üdN«tmeij!er uno H Wann. - «uf ber haftet *nncicr;ft ber
(Sroioebr: $aul (%od> unb 8 Wann. — «nf ber leftteu »a*
ftelam 3aune; Wattige« Pfeffer, I Sücbfenmeifter nnb 8 Wann,
1 ^ufreifc, 1 gaß $utoer, 2 ecbreinbudifen unb 2 &anb*
büebfen. — Die übrigen £auotleute waten: $eter Wann,
bem 7, Wide! Stifter, bem 9, £an* Sift, bem 5, unb ^etcr
^e&olb, wm 8 Wann \\\ lebete ftanben."
Xic ctabt war fonadj im % 147« gefaxt burd) 21
Safteten nnb Sbürme, mit einer täglichen SHacbe oon 355
Wann, unter 33 £auptleuten, Denen 17 $ücf)fenmetfter, 33
&anbbüa)fen umv68 £twf größere* unt> Heinere* <*tcfd)üft ui
Gebote ftanben.
(*in 3wift ber Statt mit ber görü*er toeitfritterfebaft
warb in gütlicher SBeife beigelegt.
3m 3. 1471 ftarb jwar flönkj Georg, unb b&te biefer
S^bfifafl bie Unruhe beilegen ftmncn, wenn ber anbang «*ö*
nig fleorg'* bie ®at)l be* Wartbiad anerfannt bjätte; bie*
qejebab jebod> nicht; welmeljr tvihftc bie bufttffa) gefmnte
Partei: ©fabi$lan>, Sohn Äbma eaftmir* s. $p(en.
önig Wattbta* fe^te ben $oigt, 3aro*law o. 6terftberg,
ab unb bejtimmtc jum neuen fcmbvoigte £er§og griebria>
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204
t>. Stegnifr, welcher trofc anfänglichen SBiberftrebenS bcr ©er-
Itfeer am 14. gebruar 1471 |ii 3kufcen tnftaUtrt warb. Der
£egat Bifchof Ötubolph t?. £a»ant hatte auch bei biefer Ange-
legenheit feine £anb im spiele.
Die ©örli^er blieben mit Den anbern £l>erlanftfcerii bem
Jtönige »atthia* aud) nach, bei 5^ahC be$ MabiSlaud ;u
*lkag treu, unb ftellten bem äenige »annfehaften *u feinem
£eere in 8d?Iefien. Daä fcanb mürbe im 3- 1472 wieber
ernftlich beläjtigt.
3m 3. 1468 war nämlid) Urban ßmmetich, ein görltfcer
Bürger, oonbem o. hartem berg gefangen, aberburch^ermtttelung
be6 tyckr t>. ©eräborf auf Äamnifc gegen eine ^3ürgfd>aft »on
300 6d>orf eutlaffen werben. Da (Smmerid) nia)t jahlte,
mußte s#ttcx ©ertfborf bafür auffommen, welctter (öfteren
öfter gemannt, aber nia)ttf erhalten hatte, weshalb er mit X\u
beren oom «bei ber £tabt gehbebriefe fd)irftc. Dod) ehe ed
Uim tfoöfchlagen fam, manlaßte ber Rath ju @*örli& ben Ur*
ban (Emmerich 3«hlung, woburd) sMc* beteiligt warb.
mit benen w ^artemberg warb am 11. Ȋr? 1472 ein
griebe abgesoffen.
3n biefe* 3ahv fällt auch ber Raubzug eines gewiffen
Smtrftfcft) ober 6chmirft$ in bie Cberlauftfc, weldjer tfornehm*
lid) ben Dorf ern ber 6tabt ©örlifc großen Radtfheil bereitete.
Die fdbon im £erbft be* 3a^rcö 1472 wieber aufgenom-
menen griebentf unterhanblnngen, würben 1473 auf ben lagen
&u Reiße unb Dppau fortgelegt, gewährten aber feine (Erho-
lung, ba tu*wifd)en bie nun müßigen Reiftgen mit ben 66lb-
nern im *!anbe umherzogen, bafelbft branbfd>afcten unb plün*
berten, um ftd) auf ben gall, baß wieber eine einheitliche,
mächtige (Gewalt im Sanbc auffäme, fomit eine georbnete Re-
gierung gebilbet würbe, cie Saften ju fUcnJ
«ud) ©wlffc würbe burd) folche Veutc nicht wenig beliv
ftigt, unb inflbefonbere oon Böhmen, bem beftänbigen (%en^-
heerbe ber Unorbnung, Hnter ben ^Baffen gehalten. Die Räuber
fanben bei Heinrich <5a)of ju €cr/loß Sfal, bei benen r>. 9Bar<
temberg auf Setfdien, bem Burggrafen t>. Dohna *h (Streifen*
ftein unt> ben Strien *>. Duba *u Mpt gute 3uflucht.
WS ihre greunbc werben befonbere* bie 6traßcnplacfer Rifol
unb ®eorg („bie tfitfeher") genannt, »an mußte auf £er*
*og griebner?'* *. ftegntfc »efe^l, wieber bie Sanbetfrone \>v
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205
fe&cn. — 3m £erbfte wirb barüber geflagt, baß viele ^larfer
im ©ebiet berer v. SBiberftein gebulbet würben.
1474 fuct>te man fia) in ©örlift gegen mutwillige $ranb*
ftiftungen f)erumfd)weifenbcr 3knben bind) große (Gräben unb
mäajtige ^Uifabenjänne um bic Statt $a fdni&en. 41 5>otf*
fdiaften würben von ber <Stabt ba*u aufgeboten unb l)abcn
3742 dauern, 340 ©ärtner, unb 794 Jr>a uenrirtbe ber 6tabt
baran gearbeitet 3)iefe SÄajjregel erwies fia) alä fel)r jwerf*
mäßig, ba ein Äorptf Ungarn, vom Äönig Watihiao bei IV
ginn biefeö Äriegefl in £d)lefteu wiber i;>er$og $Ubrea)t ge?
fdjitft, bie Dberlaufifc burdjjog. 2)iefe Leiter werben Weisen
ober Strien in ben bamaligeu 3al)rbüd)ern genannt, lieber-
biee ruhten aud) bie böl>mifd)en l'anbefbefdjabiger nta)t unb
burdMtt tifieu merjrfad) bie Dberlaufifc.
1)a$ 3abr 1475 braute einen neuen 8anbvoigt, Stephan
v. 3aPl>^a/ ©rafeu 3»P^/ a^er feine sJtuf)e; beim fo*
wol)l fdjleftfdje alä böfymifdte Näuberbanben machten fia) be*
merflid). 3m 3. 1 1Tti mad)te ftd> befouberä unuity: £anä
v. Clöui$ auf Hemberg in Böhmen. (5t jog mit 5 ©efellen
feineä ©elid)tertf, angeblid), weil il)m Äöuig sJOtattfyia0 nodjj
©elb fcfyulbig fei, in bie Oberlaufs, unb plünberte befonberä
Crtfdjaften beä görlijjer Greifes, wie: Jtüppcr, Seibenbeig,
Cber föubelöborf, ^eubnifc. 3w «jpalbcuborf erfdjlugen tiefe ©e*
feilen ben !Rid>ter : 3afob ©olbbaa). €päter trat, ba Difc
ni$ einen Zugriff ber ftd) rüftenben Oberlautf&er auf fein
6d)loß Hemberg befürdjtete, ein SBaffenfHillftanb ein, weldjer
fia) enblia) in grieben verwaubelte.
2(utf einem 3uge in bie s)tieberlauft&, ju weidjem bie
6ed>öftäbte burd) ben bortigeu Vaubvoigt v. fcöbeu aufgefor*
bert waren, würbe im 3- 1477 nidjttf, weil man v)cad)ria)ten
batte, baß ber vom tfaifer anerfannte Äönig Sülabielauä, ftd)
rufte, bie 6ea>3fiabte jum ©efyorfam §n jwingen. £eiu ©e*
neral, 4>einrid) v. emirfi&fy, beffen oben fa)on einmal gebaut
würbe, fam in ber Sftat mit 3000 ^aun in bie Dberlauftfc,
belagerte fcöbau frua)tlo$, verwüstete Den bau&ner Jtieiä unb
erfaßten am 3. 3uni vor ©örlifr; bort verlangte er ein
Sdjafcgelb von 6000 ©ulbeu, weldje Summe ii)m bie \x>o\)U
bewehrte trofcige £tabt abfdjlug. Dafür Raufte er graufam
auf ben ötabtgütern. m* tynen Äönig ^att^iao bie (ix>
üigitiz
206
laubniß erteilt, mit ben »tymeii J« »ertragen, traten fie
tem Vertrage Braunau bei.
Die wecbfelnbe ^olitif beä fdjwadjeu iratjerö, gnebricf; III.,
scrwirfelte bie BuftäuDe von Beuern. Säbrenb er furje 3eit
»orber äönig ^labtelau* mit Lohmen belehnt hatte, über*
trua er biefe, Jironc wieber an 9)taül)iaö, unb äöntg Diablo*
lau* aerietb'mit feinen Anhängern im 3- 1478 in ben »ann.
(iHütflicherweife fam am 23. »Ära 1478 jwiföen tfonig
Sölabielauä unb Matthias ein griebeu ui ©taube, woburd) aud)
Die $crfaABfeific in ber Oberlaufifc properen ^eftanb gewannen.
$alb beim anfange beä 3abreö 1478 famen bie (Dor*
Ü&er in einen Streit mit einem fd)lcjifd)en bitter ». fernen,
ber fte befeuere nnb fdrtttfHiife - fcurd> £inteil>alt in ihre
Gewalt geriet!). $ie '®t«M ließ ben|elben erft im 3- 1480
nad) weitläufigen Unterhanbluugen loö.
Som 3 1478 bis 1490 waren bie überlaufner Uutcrtba*
ntn be* ftoitfa« sWattl)ia^. (Srft 1490 ging bie^uwim wie;
ber an SMtynen über. Der Straßenraub ließ nach, je mel)r
fid) unter bem tfaubüoigtc ©eoTfl vom Stein bie Regierung
befeftiate (Siiijelue gälle von Uebergriffcn fehlten md)t. Süir
befd)lieuen biefeu flbfd)iiitt, beffen gewifte (Filiform igfeit fid) bei
biefer Smialgefchtd)te, wenn ein getreue* 93ilb ber l)uftti|d>en
Sirieu unb Unruhen geboten werben follte, nidn oermeiben
lieft, mit bem genüge, ben bie Stabt CWrlifc mit ben an*
bereu Sed)Sftabten gegen ben £er$og ^aiitf ». OJlogau auf
«Befehl beä tfönigö ftatftift« im 3. 1488 fuhren muute*).
$cm «öerjog £anä in ©logau war uämlid) bind) Ver-
trag baS güiftenthum ©logau nur auf fcebenojeit uigefid)ert
worben; bemungeafyet war ber £er*og im 3. 1488 bemüht,
baä gürftentbum an feine Xod)ter *u bringen, unb wollte fcanb
unb Stabt ©logau zwingen, feinen Sd>wiegerföl)iien, ben brei
Söhnen be* .öerjog* £au$ v. SRünfiterberg ui hulbigeu. T>a*
gab *ie tfofung utr gehbe mit bem Könige 9)iattl)iatf, welcher
ein Ärieg^aufgebot in bie Dberlaufu) ergehen liefe, in golge
beffen WrliJ bem £erjoge Ärieg aufünbigte. Die »erbün*
beten £enöge eröffneten herauf bie geljbe bannt, baß ne al**
balb über gorlifcer ßaufmanuägut auf ben Vaubftra|*en I>ev*
fielen unb fid) beffelbeu bemächtigten, woburd) bie Stabt
•) Script, rer. Iiis. N. F. H. 52 ff.
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207
großen Schaben fyattt, bt* bie ^eerfa^rt ;u 6tanbe gefommen
mar. .König SLUaciölau* von lohnten unterjtüjjte reit ^ei-
jog Jg>aud nur ließ ein Jiorp* von 3000 llNann t»urct> bie
JOberlaiififc gefyen, roeld>eä bei SBunjlau gefdUageu, auf bem
iHiithvege bad tfanb iehr beunruhigte. Der Jtrieg enbigte mit
tu (Eroberung von ©logau am 17. November 1488.
Vi iifuu ©logau wuroe bamal* greijtart, £prottau, Omni
berq, Siöartemberg unb 6d)tviebu$ eingenommen, tväbrcnb ber
Äönig Martina* baö gürftenttjum Wünfterberg eroberte.
/
Siebtes SUpiUl.
»
Die .fränbel ber 6tabt @örü$ mit tveftpbälifctyen
greiftüblen ber ^ebme. Johann v. £une, 1428. 3o*
Ijanu «rnfitebe, 1445. fceonljarb Nutzer, 1455.
Wiflad Heller, 1490.*)
Die roe{tpf)älifd)en greiftütyle ber s$ef)me begannen, feit
bem 15. 3a l)ri) nubert, mefyrfad), S&erfudje il>reu (£influfl über
ben ©oben v3Beftpl)alenä binaue, ju verbreiten. Dlefe S-Ber-
jud>e venoicfelten Die 6ed)ö|*täDte, inöbefonbere ©örttj in weit*
laufige £äubel.
Die ältefte (Spur eineä folgen ($ingri|T$ in bie 9ied)te
unb Privilegien Der 6tabt ©örlifr, jinbet ftd) in ben töattyö
redjnungeu beim iatyre 142b.
Damale Uib ©raf ^einfe ober ^cinvid) t>e (Bade, bie
8tabt ©örli$ mit ben anberen @tät>ten, vor Daä l>eimlid)e
©eridjt, ;nm Donnerstage vor Jlaibarina (18. November), auf
#nfud}en beä >baint von Vinn ju Jlöln, per an bie* £tÄDte
wegen ^einrieb* von Duba auf ^o^eräiveroa, £(nfprüd)e ut
tyaben behauptete. Diefe ^abuug veranlagte, ungead)tet ber
no heuten .vnimeiigefafyr, wiederholte £täbtetage jir VoKni.
Die 9iad)ri(öten über ben weiteren Verlauf fcerfelben (inb bunfel*,
•) (Jrubcfiutf: „*Bo\i bem ©crirfft^roangf bfr ft>etfH>älifd)en fyrim*
Hcfrfn grttvjVrirfjtc" ic. «B<i Dr. *. »nton, biplmnali^e «Beiträgf. JfvJt
1777. p. 118.
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208
nur fo viel ficht feft, bafj mehrjährige 93erf)anbfungen gepflo^
gen fein muffen, ba erft am 19. April 1433 $ernnarb Dobe*
fd)ii$ in "Begleitung einiger Ruberer nach 2hen*berg gefd)icft
würbe, um bic Stäble vor bem heimlichen (iJeridjte g« ver-
antworten, wae um fo bringender erfüllen, alä bereit (Hirarb
v. Sure eine weite Horlabung erlaffcn hatte. (£iu ^ibimuei bc$
Äapitelö vi kauften gibt barüber Aiiffchfatf, bat* bie Stabtc \ia)
anberwärtä *Red)t gefud)t hatten, fomit feineöwegä bem 2fuä*
fprudie beö heimlichen (Bericht* unbebingte ®ültigfeit juerfann
ten. Solche Schreiben gingen aud> bem Äurfürftcn ju Äöln,
fowie ben greigrafen ju Dortmunb unb Bremsberg ju. Die
Senbuug beä Dobcfd)ü& unb (#euoffcn fdjeint übrigens mehr
bie Grfuubigung nad) rem eigentlichen S&irfcn beä hcimlidjen
(Mcrid)tö, alä Ancrfennung beffelben, be$wecft ju haben; bod>
erreid)te Dobefchüfc ebenfowenig biete Abficht, alö eine anbere
Senbuug nad) Söeftpbalen unb eine britte au ba6 ^oflager
]u Weisen genügende Auffchlüffe gewährte.
3m X 1445 lub ein gewiffer Nonhoff, greigraf ber
(Mraffd)aft SiJalrecf, bie (*J6rli$cr vor fein greigeridjt, „unter
ben Viuben ju Saffenhaufen", wegen eined gewiffen Johann
Arnftcbc. Da bie Stadt Arfurt jenem greiftuhle näher lag
als (Mortis fdjrieb ber görlifccr Dlatl) an ben erfurter, um (Sr*
funbigungeu über bie Gewalt unb ben (Sinfluff einzuholen,
mit einer Aufrage, wie fid) bie Stabt Qjöilifc am heften hierin
verhalten möchte. Die Antwort beö erfurter !Natf)e* vom
18. gebruar 1446 befagte: „bafj aud> Arfurt fd)ou vielfach
Durch bie heimlichen greiftuhle mit s^orlabuugeu geplagt nnb
in enblofe £änbel verwirfelt werben fei. (Sr|l, nad)bem |lc^
bie Stadt energifch |ttr sBel)r gefefct unb biefen heimlichen
Stiftern mit (Sifer unb aller 9Äad)t nachgefpürt hätte, habe
man 9cuhc vor benfelben gehabt. Süaä bie beibeif genannten
s^erfonen übrigenä anbelange, folle bic Stadt unbeforgt fein;
beibe waren ganj verworfene, fdjledtfc CMefeUen unb mit ihrer
angeblichen "i)cad)t fei ee nicht weit her. Die Stabt (Arfurt
würbe baä 3hnge thun, um Äeiber Aufenthalt ju erftiuben.
Sielen fie in ihre Gewalt, fo würben: „genannter Nonhoff
unb 3ol)önn Aruftebe neun güjje l>öl>cr beim anbere offen*
bare Diebe hängen!" Uebrigen bäten fie bie Stabt (SJörlifc
jur eublidnMi (Srreid)u:: j oiefe$ um ihren Skiftanb." ©in
äßeitereö finbet ftd) über biefen gaü nicht vor. Die 3to<hfor;
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209
fd^ungen (Srfurfä muffen erfolglos gewefen fein, ba Wonl)off
alo greigraf nod) im 3- 1 457 qebad?t wirb.
3ehn 3^ve nad) ber leftten 3iorlabnng vor ein l>eim*
lid)ec $eiid)t, finbet jld) Der Dritte äbnlid)< gall. l'conbarb
»Huihcr, ein nürnberger Bürger, f>arre eine ödjulbforberung von
300 ©ulben an 3ofojf i'ange, Sürger ;u ©orlifc, unb ver>
langte von fcefctereui tu- Gablung ber 2 dwlb nebtt ben 3infen
nur @eri(bt0foften. fieonharb Wutha, n> a I> r fcf ) e 1 1 1 1 i cf^ in per
Minium befangen , burd) 5>orlabmig eineö $kbnn ia)terd werbe
er et) er ;u feinem GJelbe fommen, wanMe fid) an Johann amc
mann, ber fiO) einen „greigrafen in ber frummen <*)raffd)aft"
nannte, unb Sefcterer erlief 5)onnerftag6 vor $?ariä Reinigung
(30. 3ömiar) 1455 an ben Wall) ;u (ftörltfe eine Babtmg, worin
er bie JahUin^ jener <Eumme an $hit()er, im Weigerungen
falle aber bie ®efteüung vor feinen greiftubl $um 24, April
1455 verlangte. 3)iefeö 8 abreiben beroirfte einen 53rief an
ben ÜRatf) ju Dürnberg, in welchem ber fHatl) \i\ ©örlifc an
geigte, ba£ wenn (ta> Wutha au ihn, al£ bie oi reniiiau- £bxuy
feit, gewenbet hätte, bie Angelegenheit fa)on längt* befeitigt fem
würbe; ber iHatr> \\\ Dürnberg möge batyer feinen Bürger ver-
anlaffen, bie (Sntfdieibung ber «Sache in @örli$ u\ fticfyeit, in*
t>em ber iRath gu ©brlifc fta) nid>t baju verfielen tonne, baß
feine Bürger von fremben (Berichten beunruhigt würben.
ÜBeranfaffttng ju bem verwirfeltften üRea>tel;anbel biefer tlrt
gab 9Mlaö Heller, Bürger <u ©örli$.
9tifla$ StteUer war angefd>ulbigt, im 3ahrc 1 485 in
feüfajaft feiner grau unb SNutter, unter 3»Meh««g *wt$ alten
fcanbmamtd, ftrafbare 3auberei getrieben ju tyaben. 6r würbe tut*
ter Anflöge gcjreüt, ein vor ber Haufe geftorbeneS Jiinb a\\$*
gegraben, aue bejfen Armedf)öl)le, inbem er felbigc mit 2Bad*£
einer Ofterferje unb äßeihraua) füllte, ein £id)t zubereitet, foldjctf
angejünbet unb bamit vUubaa geübt }u haben*). Heller,
längere Seit gefangen gehalten, geftanb enblia) im £aufe ber
Unierfudmug, wa$ (eine &erurtheilung jum Hobe $ur golge hatte.
Auf Antrag beö bamaligen £anbvoigt$, ©eorg v. (Stein,
lie£ jid> ber 9tath ju ©örlifr bewegen, ba$ Urtel nicht voll*
jieben; bcjrrafte Stiflaö Seiler aber mit ber Ad)t unb diujie^
bung fämmtlidjer ©üter. •
•) N. S. r. Lus. II. p. 361
®<f*i4tc »on 0srli|. , 14
240
JffieUer begab nd> na* 93redlau, erlangte bort bie gtm
tpradje be* 9?atf>cd Breslau unb ©iföof* 3or,ann ». ffiara*
beui, unb glaubte burdj beffen Skrwenbung wieber in feine
fled)te unb ©üter altf gödifter Bürger eingefefrt werben in
fönnen. Da jebod) fowoljl ber 9tatl>*) a(* ber Sifdjof ». $re$*
lau tu golge t>on Sena^ridjtigungen be* gorlifcer Äatheö
über bie £ör;e jene* Steden*, tljren btdr>crtgcn ©djüfclinq
abtüteten, gma SBellcr unmittelbar au ben tafien aetfUt(ben
55^tJwJ 3nnoceng ben Vitt Unter ben Grünten
biefe* ©efuctje* führte Heller an, baß eö if>m nity möglich
fei, un ©ereile ber ee*«ftäbte »ety ju erlangen, nähern er
tu einer ber ^ec^öftäbte geästet worben. Der $apfi warb
l)ierburd> jum (Srlajj einer $ulle, d. d. Non. Junii (3. 3uni)
1487 bewogen, welche bem M. Sodann Gebiet unb beut Sta*
nonifu* Dr. ftifolau* Saudjan anbefahl:
„bajj fie jene Seute, unter bereu ©eridjt bie Eeleibiger (ber
Saft au ©örlifc) ftanbeu, eifrig ermahnen moebten, bem
»Mau« (Qßeller) ©eretfrigfeit wieberfaljren ;u laffen.
Die beiben genannten £errn ^rieben unterm 14. «pril
1488 an ben Sanbsoigt ber Oberlauf mit ber Bufforberung,
«Settern pm Gibe be$ ©erbaut* jujulaffen unb tym fobann
binnen OTona^frift *u feinem Üiedjte ju Reifen, wibrigen*
faife He bem papftfi^rn Befehle gemäß, fettfi ba$u gelungen
fem rourben. D
v « SfirÜ? I^W™ Untergang ergab ft* jebodj,
bag Sifla« ffleUer burd, jene« «erge&en « jty fein im
faulte ber tfirdje fei, t>or beffen »ufbebung jene ^erren in feiner
£ad)e etwa* ;u t^un außer etanbe waren. Die £o$ft>r*d)ung
fonnte aüein burdj ben ^eiligen «Bater gegeben. Detter war
beö^alb t>on Beuern gezwungen, fuf> nad> »om an ben pcMt,
toben StuM \m wenben, wofelbft er au* bur* Ermittelung
3uliar i«, Sif^ofd »on £>jüat munblid) »on bem ^apfte bie
^ebung be* jpäpftli^en Banne* erlangte. 3ugleid) trug
ber $atf bem ÄWof 3o$ann »on »redlau bie weitere £2
orberung ber tteller'fflen Angelegenheit auf. Dem £at$e ,u
«orli* würbe burd? Dr. Bifolauö Zan^an ber nunmehrige
6tanb Hefe* £anbel* mitgeteilt unb berfelbe na* «Breslau
twrgelaben,
*) N. Rer. Scr. Lus. II. £. 20. ftaf @djwi*<n ift vom 17. 3uli i486.
<
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£11
Dodj aud) bie tfommijfarien Cießen Beiert ©adje ganj
faCTeu, al* Der ^Watf> }u ©örlifc fein Skrfafyren gerechtfertigt
harte. <£orcof)l Die päpfUt#en Äommiffarien, ale Der $ifd)of
ui ©reölau unD Der SanDvoigt ©eorge v. 6tein triefen 2Öel*
lern fo beftimmt ab, Daj? er verjrceiflungävoll fld) an Die fyeim-
lia)en ©eridjte ivenbete.
2öeller'$ ffial^l traf Den greiftuM Bratfei bei Dortmund
welken 3oI)ann von £ulfd>ebe, Der fta) von faiferliefcer ©e*
roalt einen gefyulbigten greigrafen Der greigraffajaft unD De*
greienftublä )u $ratfel bei Der 6raDt DortmunD nannte, inne
atte. Der greigraf machte Die Saaje anhängig nnD am
. Wai 1490 fano man ju SuDivigtfborf bei 2Öenael @mme*
ridj'S Vorwerfe Die SBorlabung am äaune ftetfen. 6ie
lautete*).
„SKjfet ©eorg (Smmeria), ßanS Jhia)el, Ääffeler, SaU
tt>afar Jtird)()of, für fämmtlid)c Smgermeifter, fnait), «eltefte,
©efdjroorene nnD ©emeine, alle (Simvoljner unD Bürger mann*
liefen ®efd)led>td über afyjefjn 3af)r alt Der etabt ©örlifc,
Dap iefc, 3af)n v. £ulfa)eDe, von faiferlidjer ®en?alt ein fttaV
ter unD gefyulDigter greigraf Der faiferlidjen greigraffdjaftunDgrei*
{tafcft $rarfel bei Der £tabtDortmunb, auf Ijeute, am Datum
biefe* Briefes benfelben greiftu^lju Brarfel befleibenb unb befi&enb
mit Urtel unb 9*ea)i auf auSgefpannter Bauf naa) altem £erfom*
men unb <£a$ung beä großen ^eiligen Äaiferä Äarl unb Der grei*
Senate 9*ea)te, wie mir juftefjet: Dag vor mir unD bem grei-
uf)le crfdjienen ift ber befaeibene Stiefel ©eller, ein äa)ter
greifdjöffe be$ ^eiligen KeiefyS unb fdjroer über (Sud) ge-
flaget, n>a$ (Suren 2eib unb (5r)re fefjr l)od> betrifft, beSIjalb,
weil 3fyr tyu innerhalb (Surer 6tabt ungebüfjrlia) roiber
*Recty6form unb ofync irgenb eine <£et)ulb, ergriffen, in'$ ©e-
Engnip gefegt, gentiftyanDclt, böfe angefdjulbigt, über tyn ge-
gen unb einen Ungläubigen gefdjolten fyabt, ber 9(rifta)t, i()n
baburd) um feinen #al6, Öfyre unb guten Warnen $u bringen.
gerner, baß 31?r biejenigen, bie einen folgen ungläubig
gefdjolten, über iijn böfe ^nfdjnlbigunaen erbietet unb gelogen
Ijaben, wtewofyl er all' ber Dinge nidft fdjulbig ift, ungeftraft
geladen, t^n überbie$ famint Söeib unb Jtiubern vertrieben, il)r
gefammte* ©ut, £au$, £of, 9Jhif)le, ©ärten an (Sud) genom*
N. S. r. las. II. Seite 363.
14*
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212
mcn, verfauft uub gefa>lo|7cn, nad) (£urem uub wiber feinen
3ßiUen, weber feinem $cvoümäd)tia,teu ot>er fonft 3emaitbem
Wtdjt tyieriu geben wollt, alfeö wiber ®ott, (>brc unt> iXedrt;
bat berfelbc Stöger mit weitern (Sforen vora,ebrad>t, unb ijt
tiefe Älage bann von mir mit Uttel unb töed)t für ve&mge*
eignet unb fdjicflia) an einem greiftubl rieten, erfannt
SJemnad} fyat berfelbe Kläger von mir ilrtcl unb 9icd)t ge=
fud)t (abegewonneu), bap id) (5ud> fämmtlia) unb (Sin&eht vor
®ericf)t forbern folle, wie föedjt ift. Deofyalb gebiete id> CSua)
vou faiferticfyer uut> WnigUAet (Gewalt unt> Wac^t meinet
Hinte« unb ber greigeridjte, in Äraft biefe* ©riefe*, bat* 3br
fouttnt unb in ^erfon mit (5urem eigenen fceibe aebül)dia>
lum ©eridjt uub 9iid>ter(>rud) ber Veute beffelben §rciftut>id
$u ©rarfei, unb |tt>ar Wontag nad) 5t. ^ctri tfettenfeier nad)
bem Saturn biefeä 33riefed, (Sua) &u verantworten mit teurem
Veib unb Safer Qfijxt vor mir unb bem greiftuble gegen ben*
felben Äläa,er uub feinen bevoÜmäd)tigten ^rofurator. Soll-
tet J>br baö nidjt thun uub meine fai|*erlia)e (Gebote veralten,
mit uWrfd>mäl)ung ber greigrritye, uub gebäcbte bann ber Äla-
ger fernerhin feine Sadje gerid)tlid) $11 verfolgen, fo müßte id)
ober ein anberer grct*jraf in meiner 6taot über (Sud) ridrteu,
wa$ Dtedjtene wäre, wonad) jl)r (£ua) wetöfid) *u rieten
fyabt. begeben unter meinem Siegel auf Montag nad) beä
^eiligen Jheujeä;2luffiubuug, im 3al)rc be* £>errn 1490.
3obann v. *£)uifd)ebe, vou faiferlidjer ©cwalt ge-
billigter greigraf ber greigraffdjaft unb beö faifer-
Mmx greiflup i« 33ratfe(, bei Der Stabt £ort^
muub gelegen.
%n (*teorg Canmerid), ^ane* Jfud)cl, 33alt(jafar JliraV
bof, 8l6re4)t Sporn unb eimon ^poefeuer, für fämmtlidje
Bürger, 9tatb, Heltejte, ßkfdjworcne unb gemeine (Sin*
woljner uub Bürger, alle weltlidje ^unetyerfonrn ber
i£taM, bie über aa)nef)u 3a|re alt ftub, *iWiemaub auc$-
genommen, bie greifdjöffeu uub, meine gHteu greunbe,
fo ü biefer Sörief.
Der 9tatl) ju ©örlifc berichtete biefen Vorfall an ben
2anbc$f)errn Aonig SBiabieUaw von^öfymen uub bat ilm, bie
Stabt *u unterteil in Skjug auf iljre an ben greigrafen
gegangene $ücfäu|krung, bau* fte jld) vor ein auäfänbifdjeä
CMeridjt ntd)t fteüeu werbe, ba bic6 gäujlid) wiber ber Stobt
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213
^Privilegien unb 33egnabung fein würbe. Died gefdutf), beer)
ber wcftyl)älifd)e grctftHrjl ju 33rarfcl, beffen ehemaliger 3n?
[jaber gefterbeu unb bind) ©eorge ^aefenberg v. Selmftein
erfefct werben war, lief* fowofyl «König alä 6tabt ohne Antwort.
Der gerlificr fUatt) erfdn'cn narürlid) nirfjt in Srarfef,
imb Wtfcl Seiler erfjob bafelbft feine tölage. (£r flagte burd)
feinen SSorfprcdjcr ben föatfj ui ©örlifc be6 llnger/orfamtf
qegen baä it>eftp^cilifcf>c ©eridn an, ftcllte ba$ @efuct), ben
ftatrj in bic (McriajtSpön, $u (Frftattung ber Unfoften unb betf
Stabend ut verurtbeilcn , babei nm (yrlaubniji bittenb, feine
Alagc fortfefcen $u bürfen. 9iad)bcm biefc 3Jorverr)anblung
gefdjloffen, wieberboltc Seiler feine Älage, unb ftellte ben An-
trag: baf? itym für feine bitter erlittene 6d)maa), Stäben
unb Sofien, außer bem ^auptgutc, 5ÖO Bulben vom ftatfyc
tu ©örlifc vergütet werben foüien.
Seiler mußte hierauf entblößten £aupte$ nieberfuien
unb einen Gib leifkn, baß er mit völligem *Red)te biefc
Sortierung an bic etabt Wrli($ gcmad)t, weisen @ib bie
beiben greifd>effcn ifyrcrfcit* a(e einen reinen ßib befebwu-
reit, unb fomit bcfrafttcjtctt. £tcrauf erfolgte bic $crurtl)eilung
ber ^orgeforberteu von OJörltfe jum (Srfa&c be$ «jpauptguteö
fcwerjl al$ be? ganjen 8d)aDcnö. Dem Urtcl war nod) bie
ttnrrefyunt) beigefügt: „wofern 3emanb ben Piflas Seiler tu
£rftrebuug feinet tl>m ;ucrfanntcn Dtedüö rjinbern ober gar
SBioerftanb leiftcu würbe, ber feile ebenfalls in bc$ i>cil.
>Ncid>3 fd)were Ungnabe, be$ greigertebtö ut Üörarfcl s^en unb
Skucrj, bem Mager felbft aber ium tfrfafce feiner Unfoften
unb Stäben über bie gewonnene Älagc verfallen fein." Die-
fer <Rcd>t<M>rucr; erging unterm 2. flnguft 1490, tu einer Wx-
funbe mit mehreren Siegeln.
51m 16. Sluguft citirtc genannter ^arfenberg, jefct im
Siaraeu bc$ 3reiftul)lo gum s^olmftein, bie @örli&er auf 5)ükm
tag nadj ber Dftave illlerbciligen, mit ber &nbrol)ung auf
ben Sali abermaligen 9iid)terfd)ciuenö*);
„fte auö bem gefpanbeu greigend)te unb I>ctmüd>er be*
fdjlojfcner §(d)t $u (reden (au^ufct)ltcfien) unb gewin-
nen, unb über ibren l'eib, geben unb (Styre ba* ftrengftc
•) N. S. r, L. II. 366.
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2U
Urtel unb $ollgerid)t, welches ihm f<h»et falle, au«*
fp recfyen muffen."
Diefer Brief würbe in ber $reifaltigfett*fir<he bei ben
©rü^len ber SWönche auf ber (Srbe gefunbeu.
S)ie ungewöhnliche Mit ber Sabung hielt ben sJtath mein
ab, fofort an ben &urfür|1en ;u Jiöln nur an ben gebauten
gretgrafen }u fctyreiben, unb unter Bezugnahme auf ber 3 tan
5Begnabungen um (Enthebung von biefem 9ied)t$fianbe nachju -
fuc^en. 3)er Äurfiirfi verfprach in feiner Antwort, ftch ber
Billtgfeit nach galten ui wollen, fobalb ihm genügenber VI in
fehl ii H vom greiftufjle gu Bolmjiein zugegangen wäre, ifi
greigraf ließ biefed aweite 6 treiben beö görli&er 9tatbe$ wie
baä erfte, ohne Antwort, obgleich bajfelbe nod) vor Ablauf ber
gefteüten grift, am 8. JOftober 1490 aud ©örlifc abgefenbet
war. ?lm 14. November jeboch, beffelben 3a^re6, erfolgte bie
?(ecf)tung ber (stäbte ©örlifc unb Breslau*), ein gn intet*
effattte* Sftenjiäcf, al$ baß ec3 f>ier »ermißt werben bürfte.
Daffelbc lautet**):
„stielt gürften, Herren, ©rafen, ßnecr/ten, Amtleuten unb
(Einwohnern beä freien 9ieich$ unb anberer Stäbte, fortfl in$*
gemein allen d)rijtlid)en 9)?ännern, von welkem ©tanbe ober
*Berhaltnijfe fee immer fein mögen, tljue ich, ©eorg Jadeit*
berg, ein bewährter dichter unb gehulbtgter greigraf be* bei*
ligen Dteichä mit gejiemenber (£rbictung unb ©ruß \n wijfen,
baß (Siuer, genannt Wiefel Sffieller, ein achter greifdjöffe betf
Äeicrjö, vorgelaben vor mir mit bem heimlichen greigericht
vor ben faiferlict)eu greiftuM $u Bratfei bei ber Stabt IDori*
munb gelegen, wegen einer ftraffälligen (wanbelbaren), burd}
feinen (Sib nach >Ked)t beglaubigten &lage, Burgermetfter, fltath,
Sleltefle, ©efcfjworene, Bürger ber ©täbte ©redlau unb ©ör*
liu, überhaupt fämmtliche männliche (Anwohner berfelben über
18 3abr alt, wer nic^t greifchöffe, cirirr, unb ba fte auä
53eracr)tung unb Berfcr)mäbuug ber freien Gerichte nicht er-
fd)ienen fiitD: verflagt, verfolgt, überwunben unb in feinem
föedjtöfprucbc Jtofien unb <sd)abenerfa$ von ihnen gewonnen
hat, vollfommen nach ber greigerfcfjte fechte, 3nhalt* einiget
•) ©««lau fear audj »en 9lifla* ©eller in jene tflage gqogcn
treiben, weil btffc etabt iljm ben Schüfe »erfagt tyatte.
M) N. S. r. L. II. 367.
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215
Urtetebrtefe «nb anbetet $to$e£ aften, n>ei<^e bei« Äläger f>ier^
übet verfiegelt mitgetbeilr worben finb. Da nun bte votge*
nannten von $tedlau unb ©örlifc ben (Geboten bc$ faiferlichen
greigericht* überall ungehorfam gewefen mir in lehren unb
ftedn nicht geantwortet haben, bar mich bet vorgenannte JUä-
get angetufen unb gebeten, einen ferneren ftachbruef von
ncfctätvegen )u geben; ba ferner oaä xRecbt erbeifdu, baf man
mit Denen, welche t)artnä(fig ftcf> weigern, in ßtyten bä$ ftedu
ut pflegen, feine @emanf<haft haben foll, fo gebiete ich (Such
Min mt ttno fonber* f vor faifcrlicber ©ewalt von Wecbt« unb
meine* Vlmtö wegen, bie vorgenannten verhärteten Ungehoi -
famen von $red(au uno (Dörlifc nicht ut bc häufen, beherbergen,
tut er \\\ geleiten, |U befebtrmen, ui befchüfcen, ntdu mit ihnen
ni efen nnb \\i trinfen, ihnen nichtä abkaufen, nod> ui vei
laufen, unb über ha not fo lange im £anbel unb 2Banbel mit
ihnen ©emeinfehaft ;u meiben, biö fte bem heimlichen (Meridn
wegen bet auferlegten Strafe unb bem Kläger wegen feinet
etfranbenen rKcduo ÖHntugthuung gegeben haben, unb nicht
hiergegen beim bochfteu ©ebote unb Wedue ut hanteln, e6
wäre Venn, ran fte binnen bet ^eu gebuhreurc ©tünbe vor-
brächten, weshalb fte bad faiferliche (Meridu verachtet haben.
SoÜtet 3hr batauf hören, fo würbe ich obet ein anberet
greigraf, bei welchem eine Jtlage anhängig gemacht würbe,
über <iud> richten muffen nach Areutnhl* sKedu, wa£ fchwer
anfommen würbe. Urfunblich unter meinem unten beigebruef?
ten Siegel, gegeben im 3ahre be$ £errn 1490, am vierten
läge nach Martin bem SMfcrjofe.
ffiit mit tarnen Heinrich SReffenfchloer, «ftanö v'. (ScfelS*
heim unb 3ohann 3«be von Jtaffel, färnrntlicp ächte, rechte
greifcrjöffen be* hcüigen dteich^, befennen vor allen ächten,
red) ten ^reifeb offen, bafj riefe Äbfchrift wörtlich übereinftimmt
mit bem $auptbriefe unb tyabm be|j *n wahrem Sefenntnif*
unfete Siegel unten aufgebrüett."
s3iiflaö 2Beller fctjlug biefen $ld>tbrief auf ber leipziger
v)}<etfe öffentlich an; görli|er Lutger wuften oenfelben jeboch
fctyleunigft in ihre $anb $u befommen, fo bafi alle möglichen
Scachtbeile bei Otiten von ber ©tabt abgeweubet werben fonnten.
Sticht« beftoweniger verutfachte btefe* feefe Verfahren be6
greigrafen grojkä ftuffeben.
$eibe Stäbte hielten in Siegnty eine »erathung unb famen
* •
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216
fd)lieftfid) bal)tn überetn, eine $ertl)eibigung6fd)rift anzufertigen
mir folcfoe [oroofjl in Seipjig mit» ^refliau, al6 in andern
Drten, mit betten fte im «£>anbel$i>erfebre ftanben, öffentttet^
anfragen unb befannt machen \u (äffen, genier befdjroerten
fic fl$, in $bwefen6eii be6 tfönig* iSBlabiSlaro, bei ben böf>
mifc^en 6ränben in $rag, Hnb crfudjten ben «ftttrfürftcn von
Äöln nnb ben'fcanbgraf \u Reffen, gegen teiutf greigeridjt
einjinfcfyrritcn.
Söcller rufyte ingtolfc^rn aud) nidjt. l*r bemühte fidi,
fein erlangtes 9tccr)t auf anberc iMrt'geltenb I* madjen, unb
begab ftd> nadj £aitt an ber Glbe, mit ber Slbfkfy, burdj
lleberfall ber görlifcer unb breälauer tfaufleute unb guhrmän-
ner Sdjabenerfafc ju erlangen. Die Stäbte, meiere t>on fei*
nem SBorfyaben itunbe erhielten, mirfren ftd) bei *£er*og O^ecrcj
bon (Saufen <8d)u§ unb (Geleit gegen Detter unb feine @t=
feilen auä. Da and) btefeä $orrjaben 2Beller'$ vereitelt
war, wanbte er fhfi au Den aud ben Weberlanben uuml
feljrenben «£>er$og ?llbred)t, welcher in ber Xfyat aud) an ben
bamaligen tfanbwigt (BigntHttb t>. Söartemberg fdtrieb. 9ta<fy
erfolgtem &uffd)(uß würbe Seiler aud) t>on £er$og Hlbredjt
abgenriefen.
Durd) giirfprarfje if?re$ ÄönigS, SBlabfelarb i\ lohnten,
erlangten bie §täbtc enblid) ;u £in*, ben 11. Dezember t491,
ein 9Hanbat Jtaifer griebridj HI., n>onad> fein Umcrtban bed
heiligen romifd)eti 9teid)ö bie bon weftpfyälifdnrit gretae*
rieten gegen 8ngef)örigc ber bötymifdjcu .(trotte gefällten Uv
tfjeile für giltig erachten unb allen böfymifcrten U uteri ha neu in
feigem %aUe gegen btc fjeimlidjeu (9eridjte Unterfinning g«
reiben angewiefen würben.
Die <5räbte Söreälau unb 0drtt| liefen eine &bfd)rift
biefefl SÄanbatS bem *Katf)e ber (grabt Dortmunb unb bem
greiftuljle $u $racfel mittbeileti nnb erhielten fowohl bou ber
6tabt Dortmunb, alö bem greifafyle $u ^öratfel bae $ioimu$
jugefretit.
9tad) SBeller'ä Xobe $og beffen ©ol)n, 5Bo(fgang Rödler,
unb fein ©djwiegerform, Urban ©djwcrbtner, bie Sache wieber
vor Hub reaten im 3. 1502 bie bäterlidjen flnfort>crungen an
bie 6tabt öförlffc bon steuern an. Sie fugten bie Angelegen-
heit unter Übermittelung betf Orafeit ßrnfi be6 Weiteren t>oit
^enfteitt, fowte beö mtl)& §u ^Ulenburg 3« fwljwn. Der
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Hl
föatr) t>cn ©örltfc eröffnete bemnächfl ben 9lnfragenben, baß
wenn Die Gefchwifter Heller etwas in ($orli$ ju erlangen ge*
bächten, fcafl fdniglicbe Gericht Hefe €treitigfett anhängig ma*
eben werbe. ^ieraMf ruhte ber ^anbel wieber bi$ jnm 3.
1512, in welchem Bell \>. Xaubenheim mit Georg t>. Sa)lie*
ben, Sauprmann \\\ Scrau unb 3 agan al0 8üi irrster ber
wellerfchen $amüie auftraten unb wahrfebeinlich ana> eine
gütliche Beilegung |m <5tanbe brachten. 3« wie weit bieä ge*
i'cbeben, fä#t jich jebod) nicht gefd)id>tlicr) feftftellen, ba weitere
^ofitmente fehlen.
kleinere gebben ber 8tabt währenb be* $%nuri*
frtege* unb narf) bemfelben bi* in bie erften 3aty^
zehnte becj 16. 3ahvbunbertcJ.
(5* ifü bei Gelegenheit ber fyttffttftytn Unruhe«/ welche
bte geängftigten 6täbte fertwärtrenb ijiir Bewaffnung zwangen,
Hm nur einigermaßen gegen etwaige Ueberfälle gefa)u$t w
fein, fehen be$ Umftanbe* gebaut worben, baß Gorlifc ba*
mal« t?iele Kampfe mit <Strafjenrfitibern unb £anbe$befcf)äbi*
[dachte unerläßliche ^ollftänfcigfeit nia?t sermiffe, fcheint ^icr
ber Drt fein, auf jene £>ä*nbel ^Hrücfjufommen, um fo
mehr, als bie ftrc^(fd>ctt ^BerhctUniffe, überleiteub auf bie 3^
formaticmdbejtrebHngen, halb ati$fcr;Ueßlich ba$ 3ntereffe unfercr
fcefer trt ftnfprnch nehmen werben.
$et!truh Genfer*) hatte bao Sctylef? Ttfcriodja an ftdj ge-
bracht, tiefer ^einrich Genfer fam wegen einer <Scf)ulbfor*
berung in ©treittgfeiten mit bem <£>info &erfa t>on ber 5)nba
auf Jg>or)enftetn , fanbte ihm einen Sfbfagebrief; fiel in golge
beffen, unterftüfct t>on §eime t>on Gebern mit 125 Zeitigen,
am £in6tage t>er s4*ftngfien (30. ffcai) 1419 auf ba« Gebiet
be$ *on ber 1)uba ein, nnb verlebte bei biefer Gelegenheit
bnra> *ßüinberimg ber Dörfer Gering$w«lbe, ftupperSborf unb
•) N. B. R. L, I. 6. HO-112. ^ö>fd a. a. O. II. 484 f.
Damit man bie in einer vSpetfal-Ge*
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218
Vöfen*ber*berf, fedjdfitäbttfdje* (Sigenthum. Der Sanbvoigt,
ein anberer Verfa rcn bet Tuba, war fd) nell genug gur £anb,
unb jog in Zittau 15 Seifige unb 30 Sdjüfcen an fia\ mü benen
er jur Verfolgung auf brach, wäfyrenb nad> böiüfc ®otcn gut*
gen, weldje 511m bewaffneten 3«5Mg nid^t erfolglos aufforberten.
Denn um ©trafjenräuber unb l*anbc$befdiäbiger 511 fangen,
mar man manchmal, felbfl auf Soften ber Ueberlcgung, wie
unten ein anberer Raubet geigen wirb, ftetd bei ber f>anb.
Die kutaner trafen bie :Kcuf a h1k Sippfdjaft §uerfe in Slum*
berg, nafye beim marientfyaler älojlerborfe Seiferflborf. Sil*
jene ben Voigt fafyen, wanote ftd) ein 1 heil §ur Muebt unb
fprengte burdj bie 9?cij?e, wobei 10 berfelben ben börlifcern in
bie ^anb fielen. Die übrigen wehrten ftd), bi$ baä Volf be*
Sanbvoigtä burd) neuen Juuu] auö ßittau unb bie Bnfunft
ber barlifcer verwarft, bie JDbmadjt befam; Stenfer unb mefyr
ald vierzig feiner @ettoffen fielen in bie £änbe ber Sieger.
Der Voigt führte bie befangenen nadj Dftrifc, wo man foldje
bi* s3)tittwod), ben 31. Sttai, fcftyielt. 9tadjrid>ten au$ Vre«*
(au, bafi in ber bortigen beaenb bei 92eumarft eben foldje
Vantreiter bie Strafen beunruhigten, entfd)ieben oad ©djidfal
ber befangenen balb. £anä v. &ittii% mit nod) fünf Zubern
wmben naefc Verlauf von 14 Sagen auf bem sÄarfte ui 3ittau
enthauptet; $einrid) genfer unb Drei feiner benoffen traf bied
8006 vor ber r r a 1 1 ; bie übrigen würben gegangen, au einem
Xage achnebn, fo bafi im Itaufe von circa vier V3od)cn ein*
unbvier^ig btttgertc^tet würben. Den befangenen in börlift
ging eö nicht beffer. 21 du nntrrcu gegangen; ber neunte, <^ein*
rid} Domntf, weldjer überwiefen war, beim staube in %eu*
marft 2 heil genommen $u haben, enthauptet; ber ^ehutc aber,
ein Jtnctfyt Hnbreö ÜJtufjlbotf , weil er bie 8nbern beim 9(u$*
$uge nach Dem balgen geftärft, ihnen bebete vorgefagt nnb
tfirdjenlieDcr vorgefungen fjatte, auf Vorbitten ber Änwefcnben
begnadigt.
1425 verwitfeltc t>a6 Privilegium be$ ©traficnjugeS bie
6tabt in eine gefybc mit botfdje ©djof (©djaafgoti'dj) ui
breifenftein. Tic börüfcer ftatten nämlid} unter oem.Vor*
wanbe ber fycrgebradjtcn 6trafkngered)tigfeit einige auf Sieben*
Sßegen betroffene Untertanen be$ bretfenftetnerä gefänglich
eingebogen. 9lm 7. 3uli fc^iefte Scner ben ftbfagcbricf unb
vmu| ben börli&crn viel Stäben get^an fyabeu, ba er allein
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219
800 ©efangene, 13 ^ferbe unb 13 $anjer bei ber naa^er
erfelgenben dintgung auslieferte. Unfcr ihnen befanb ftd> ber
Hauptmann ,$an$ t>. $elberij*).
«m öftliajen (Snbe bed 5)orfe6 2öetter*borf bei Söwcn*
berg liegen awf einer Hnfydbe einige unter bem tarnen „BaU
fenbäufer" befannte @ebäube. Huf Diefrr 6teÜe befanb ficf>
im Mittelalter ein feffc* ©d)lo$, ber ©age na* im 3. 1207
begrünbet, beffen 3nf)aber bie (*blen Battenberg ton halfen*
ftefn waren. (Sin Slbförnmling biefe* ©efchledu«, C5f>riftopJ>
». Battenberg, würbe in ben hufttifaVn Girren unb ben
fehbungen ber Anhänger be6 Aönig* ©eorge *ßobiebrab, bc*
fonber« al$ Wegelagerer, beriiajtigt unb war in ben angren*
§enben (&egenben 6a>leftenö unb ber Sauftfc allgemein gefürdj*
tet. (Styriftobh t>. Battenberg war in ber Bhat niajt« al$ ein
fdjmufciger Räuber, wela>r ben 8u$wurf be$ Sanbeä, !3D?örber
unb flechter au« ben istäbten bei (ta) beherbergte, mit fetten au«
€a>lupfwinfeln unb Hinterhalten ben wer)rlofen Kaufmann
unb Reifenben überfiel, unb ringsum bie (Srnten unb baö
(Stgentbum ber tfanbleute plünbertc unb beftaf)(.
Unter ber Regierung be6 Jtonigft ^obiebrab fyattt ber
vom Balfeuftein noa) ben befenberen Sorwanb, al6 ein Rädjer
be$ Jtönig« gegen Die abtrünnigen Stäbte aufzutreten. 3m
herein mit bem fpgenamtten fdjweibnifcer Sunbe, feit bem 3-
1468, unter ben «£>erren t>. gürfknfteiu, gcfynfyau* nnb Wim*
merfatt mit Anhange jufammengetreten, wagte er e6 fogar,
bem Herzoge von €aa)fen ben gefybebrief jujufchirfen, in geige
beffen aläbalb bie faubern ®efellen alle äaufmannSgüter auf
Den bortigen Sanbftrafjen anhielten unb auf ihre Burgen führ-
ten. 3m 3. 1474 na^m fta> enblia> Äönig ^atttuae* ber ge-
ängfhgten 6täbte, weldu* mit btefem 33unbe nid)t allein fertig
waren tonnten, an, unb veranstaltete einen Jtriegfyua, an
we(a)em au* bie ©örlijer mbft ben übrigen 6ed)«|tdbten
Bh«l nahmen. 2)fe Huäführung beä 53etnid>tung0fd)lage$
gegen biefe Raubritter hemmte jebod) ber bamal$ au6gebro-
aSene Arieg mit $o(en. Ratt)bem ber griebe gef*loffcn war,
ging man an bie 33dnbigung beä fdjweibnifcer 95unbe$. (> brifterb
». Battenberg Ifattt ba6 wüfic Breiben aufgegeben unb war an
•) <0ro§cr, «. Werf». 1. €. 112 f. «auf. ^rovin^ialbl. 1. »b. 1782.
8. m. 453.
220
ben Äcf beS ÄönigS gegangen, wo er balo p (?tyren fam;
fein trüber 93ernr»arb Dagegen, obwofyf in fortwäf>ienber ftHrdjt
vor bem l'anbeSbauptmann, fonnte baS Rauben nid>t unter*
laffen ttnb war in ber Hdft Der SecftSftäbte. 3Rat$ia# beer*
berte Sölbner gegen ben Xalfenftein, mit benen fid> bie $ur*
3ng mit ©elb nnb Lebensmitteln unterftüöten unb enblirfc t>en
Xaftenftein eroberten. Der Santwoigt ©eorg v. Stein führte
dm 15. 3unf 1479 ben $efcf)l beS Äonig*, baS ittaubneft *u
fdjfeifen, glittflid) auS*).
Sitfel XtfdrtrnbauS**) unb Sriebrid) v. <ffiicbeba$ Ratten
ber (StviM unb ifjren bürgern bebeutenben Sdjaben burd)
Straßenraub getfjan. DeStyalb trottete ber föatr) banad), fte
in feine ©ewalt ;u befemmen. 39eibe Welten fhfe gewofmlid)
in Seitenberg auf, weld>cS Stäbtdjen in ben ©eridUSbeMrf
nad) ftrieblaub vor ben £errn i\ ^iberftein geborte Der
fRatb fefyrte jtd) nid)t baran, fonbern bemäd)tigte ftcf> ifyrer
mit 8fr <5r fd)irfte $wei s3ttann mit einem großen «£>ed)te
nad) Scioenberg, weldje vorgaben, nad) Kälbern ausgegangen
Hit fein unb unterwegs ben <£>ed>t einem "öauer abgefauft gu
fjaben. SllS bie beioen £jfd>trnl)auS unt> t>. üffiiebebad) fte ge*
wahrten, matten fte nad) 33eftd)tigung res £ed)teS ben s3$or*
fdjlag, mit il)nen ju effen unb \vl tf>eiieii. Sie gingen barauf
ein, unb ber eine &unbfd)after übernahm bie 3ubercitnng, 1
wäbrenb • bet ttnbere ft<ft fjeimlid) entfernte unr nad) (96rli$
fprengte. Dbgleid) bie ^ubereitang ben (Sbelleuten verbädjtig
lange bajierte, würben fic bod) fo lange Eingehalten, bis t>ie
®6rli0er in'S Stäbtdjett fielen. Da fdjwaugen ftd> bie be;
brol)ten bitter auf ifjre *Pferbe unb fprengten aus ber Stabt,
würben aber gefangen genommen, nad» ®örlift geführt unt>
beS folgenben XageS gegangen. Das gefd)al) am 6. Dejbr.
1482. Der trüber beS «fttngeridjteten, Sttidmel t>. $M<Wfn*
bauS, fd)idte am grünen Donner (tage (27. $JJ<irj) 1483 biefer
(Srefution wegen ber Stabt einen $ef)bebrief. gabtan t>. XjfdMrn*
•) Cnrpz. «. a. lib. V. I. p. 210 ff. SDhiUer'ö \>at( rldnHfdje »übet,
(Wogau 1837. ß. ZTi. (feine Slnqabe ift ungenau.) ©ort. Üüeatoeifer
1839. <S. 145. 181. ff. 320.
®üxI Wat^annalen f. N. S. R. L. II. €. 37 ic. 8. 407 f.
Cafe, ®orl. Slnnal, III. f. 107-110.
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tyaHä aber verflagte ftc beim Könige. Ungeachtet biefer Unter*
hanblungen in $rag begann bie gehbe. 3m 3. 1490 fam
Michael Xgf<tym$iuf in Die $lcht ber Sechäftäbte; bemun-
aeadjtet fiel er in ba$ Dorf ?inba ein nnb lief) jid) burch bie
dauern hulbigen. Schließlich legte ber *<anbvoigt biefe
«EBincn bei.
Slbam Schwöb, einer vom £ofgefinbe be* äurfürften 3**
tjaqn v. SBranbcnburg, glaubte gorbcumgeu an bie Stabt
Gtörüfc ju haben nnb wanbte jtd> um gürfprad)e an feinen
$mn, welker am SonnabenD nach Margaretha*) (15. 3uli)
1486, von (Syburg au$ in biefer Angelegenheit an ben Rath
von ©drlifc fchrieb. 2)er $at( antwortete, er glaube nicht,
baß Slbant Schwöb ober £anö Sbraunfdjweig, für welchen
Slbaiit Schwöb eigentlich auftrete, etwaä von ber Stabt }u
forbern habe, fei jebod) ju einer ibefpredjung über biefen @e*
genftanb nicht abgeneigt. £ieran$ fdjeint nidnä geworben ju
fein, beim am 28. Mai 1488 fam Slbam Sdjwob mir 400
Dtajigeu, worunter DlSnifc, Maren, 3>idmi& unb <&errnborf,
in bae görlifcer Ükbiet, }og jwifchen ^eopolbeljatyn unb ber
Stabt vorüber unb verbrannte 9llbred)t Spornt si$orwerf in
ber Siafje be$ Söpferberged, fowie einige ©ebäube $u £en*
neräborf. 'Huf bem Sßeiterjuge burch bie görti$er £aibc gen
Sprottau tyn, würben in ben Stabtbörferu nod) mehr ©ewalt;
thätiafeiten ausgeübt. Die Öörlifcer trieben nadj 3ittau
unb kauften mit ber Sfai ff orber ung, |id> einem *Kad)ejuge nach
Sprottau anjufchliefjen; melbeten bie* auch bem baufrner
Hauptmann, Wibrecht v. Schreiberäborf, befamen aber feine
iattmt. 3a auf einem £agc <u tföbau nötigte jie ber
fcanbvoigt, Sigmunb von Xetfdjen, baju 9(bam S$wob
einen freien ©eleitäbrier auöiufteUen. Slbam Sdjwob hatte
großen Anhang bei ber 9titterfchaft. Diefer llmftanb unb bie
llnterfhifrung, welche Schwöb bei bem bamaligen Sanbvoigt,
Sigmunb v. Setfchen faub, veranlagte ben #atl) im 3. 1490,
ihm feine vielfachen Räubereien 311 verleihen, ohne ba£ ihm
etwa* 3Öefentlicheö gefcheheu wäre**).
Montag nach Ubalrici (8. 3uli) 1510 würbe bem »athe
•) ©ort. 9tatb*annalcn. N. S. R. L. II 21. 22., *ö ber SBrwf*
4 ©eifert ftd} btftneit.
») ®örl. »at^anual. a. a. C. 8. 54. 383. 384. 385.
gemelbet, Heinrich Äraren*), ein berüchtigter Straßenräuber,
fei in UÜeräborf (in Söhnten) gefe^ett Worten, mfyaib als-
balb unter gübrung Sal&er JlirchhofS, noch 7 Uhr $benb$,
10 föeiftge mit 30 Trabanten auägefdjicft würben, um auf
ßragen ju fahnben unl) bei biefer (Gelegenheit feinen gebier,
Äaöpar v. Äottwifc, mit einziehen. Uebrigenö war ber 3UG
nicht ganj vergeblich; e$ würbe eingebracht nach ©örlifc: Jtaäpar
5>Üer, bei bem fragen in ber Scheune aefchlafen fyattc wnb
£and ÄnbreaS, beibe Unterfaffen beä liefet v. Dohna auf
bem ©rafenftein; ein Diener von Äottwifc, Simon. 3n ^3ul-
lenborf, wohin juh bie görlifcer Jtnedjte begaben, ba Jtottwifc
felbft nicht bat)etm war, fingen fte nod) ©eorg v. ©eräborf,
Wiefel v. ©eigäborf, JtaSpar v. JTottwifc unb Martin tfefer,
beit Diener Heinrich Jcragen'6. 9tüe würben nach ©örlifc ge*
führt, von wo jur felben 3e^ anberer Xrupp unter Si<
mon Jpocfener mit 40 gußfnechten aufbrach unb ^I>riftopI>
v. Jftottwifc verhaftete. Heinrich fragen unb bie genannten
dbelleute waren nämlich berüchtigt, an einem jüngfl bei Sir*
fenbrücf vorgefallenen Straf enraube %tycil genommen ju haben.
$fl$ man fte in ©örlifc gefangen fefcte, war gerabe ber
Surggraf Stiefel v. Dohna auf ©rafenftein, ©eorg v. Schelk
lenberg, fowie 3biälaw Serfa v. b. Duba auf Seipe bort an-
wefenb unb (irrerer begehrte, man möge ihm bie Verhafteten
überantworten, ba fie in jenfeitigem ©ericht$be$irf eingesogen
feien unb bemnad) in Söhnten gerichtet werben müßten. Der
SRath jeboch, weldjer froh war, bie Wegelagerer in feiner
£anb ut Ijabtn, ging auf bac3 geredete Segehren Dohnas
nid)t ein, ba$ Privilegium Jtönig Jtarl'fl IV., über ba6 (*in*
fchreiten gegen £anbe$befchäbiger vorfchü^enb unb am SOtar*
garethen Äbenb bejfelben 3ahred, ben 13. 3uli, würben Jta^par
unb (Ihriftoph Äottwifc auf bem föabcmarfte in ©örlifc,
ba ihnen nachg^wiefen war, baß fte bie Käuber von Sirfem
brücf beherbergt Ratten, enthauptet.
Jfaf Sorbitten bed Burggrafen v. Dohna unb Stiefel
v. ©eräborf auf £enner$borf würben Wiefel v. SBeigeborf unb
©eorg von ©erSborf ber £aft entlaffeu; ebenfo einige Seit
baraüf bie anbern ©efangenen, worunter ÄaSpar Xeller von
*) $affe, •fori, »nnal. I. fol. 46. 29. 87. 23. 30-42/58. 6t. 40t.
408b. 447. 428. 429. 453. 93dl. Sauftet'« Ctcrl. Ofcfö. <S. 72 ff
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223
UllerSborf. I ie Unteren würben fretgelaffrn gegen bad 5Ber*
fpredjen be$ Burggrafen v. Dohna, Der <Etabt ben in fein
Gericht gefcfyehenen Uebera,riff ju verleihen.
3ebo4j würbe, gweifellod auf 3Beranlajfung ber zornigen
dtttterfihaft, biefe Angelegenheit vom $anbwigte (Sigmunbvon
$ßartemberg weiter in bie £anb genommen, unter furtu unb
laMteplid^ vor ben Äönig gebraut. I er wirf(ia)e C^ei tct>t^htii
über ben ®runb unb hobelt, welchen bie Qtörliger verlebt bau
tenf war Ulrid> iv öiberjtein auf Jrieblanb. Crv fam nun
mit einem Schreiben au ben görltyer sKatl\ in welchem er
verlangte, ber Wath folle Slbgeorbnete ;u ihm fenben, ba er
geneigt fei, ben tlebergriff auf feinem Geridjtdfreife mit einer
&u£e 3eiteuo ber Stabt ausgleichen. ($r verlangte ur*
fprünglich 10,000 <sd)ocf ©ufje, begnügte jich jeboch enblich
mit ber Summe von 2000 3 dunf , welche ihm bie <Stabt lieh,
mit bem 93emerfen, er möge baö ®elb aufborgeu, wo er wolle,
fte würben bie 3infen bejahen; JreitagS nad) Dorothea
(7. gebruar) 15t 1 würbe biefe Convention abgefd)loffeu. la
bie Bad»« auet) vor ben Jtönig gebraut unb met)rfeitig and-
gefd>mücft worben war, fo ba(i ein ungünjhger r pmd) \u er«
warten fdjien, wanbten ftd) bie ©dritter an Äönia «Sigiämunb
v. $o(en, ber jid> berfelben bei feinem ©ruber 5Blabi0law au-
nahm unb verfctjiebeneinale an ihn fctjrieb. Der &önig von
*l*olen idmtte fogar feinen Seftetär, $aul Xomifcfy, an Jtönig
2ß(abid(cjw, alo ber Äönig nad) Breslau fam; unb unterm
5. 9Wai 1511 melbete ber Sefretär fowohl, ald äönia ©ig*
munb: bie Sache wäre beigelegt, wad $weijfello$ nidu ohne
©elbopfer Seiten* ber Stabt bewerf ftelligt worben ift.
Jpeiurid) fragen war fred) genug, von ber Stabt ©or*
(i( 200 Sdjocf als (fntfa)äbigung für bie 3$erlufte auf
feiner a In du ju forbern. ©erüdjte, bajj ^einria) fragen mit
feinem Anhange eine gehbe vorbereite, veranlagte bie Stabt
®örli&, ud^ §u nuten. Sei btefer Gelegenheit wollen wir bad
Kontingent ber Dörfer mujiern, weldje görlifrer Sürger im
3. 1510 befafjen.
Dem $eter (£mmericr) gehörte $ot>t\, we(d)e$ 40 Warf
unb Siffa, welche* 18 9)carf liefern mufHe, fowie jwei *ßferbe
unb einen Weiter \u fteüen hatte, §anö Cmmerich'* Dörfer:
Sor)re, 9teunborf, glorSberf, hatten jufammen 60 Warf ju
jaulen, be*gleiayn jwei ^ferbe unb einen »uffefter ju ffellen.
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.H Laues vU ölcr befaß ^ermäborf, welct)e$ Dorf 26 Warf, ebenfalls
\ i r t t Uferte unb eine» 9luffe$er fd)kfte. Dem Urban (£mme*
viit) ackerte mit Dera $3rut>er wammen ?ubwigeborf ; eö ;.ahite
28 -Warf unb lieferte ein k}>ferb nebft Sfuffc^cr. $aul 6m*
merifty'ö Dorf £eiberöborf gab 36 Warf, jwei $ferbe, einen
9u|fe|er. Deutfdjofftg , wad >}>eter greujel'S Äinberu eigen*
tlMimii^ war, labltc 20 Warf unb fteilte ein ^ferb. Partei
(Smmericr; ber Jüngere gab für cerdja 9, für 9acferifd) 18
Warf. Viuna, (§mmerid)'ä Xcdjter, gab für «Jpalbeuborf unb
8 Dönberg 51, für fyalb gefdjwifc 7 Warf; ihr lag mit sroei
>i intern &ufammen ob: brei ^ferbe uub einen Leiter $u febirfen.
£antf grenjcl jafylte für (^irbiaeborf 20, für 8riet>cr$borf 40
Warf uub fteilte brei ^ferbe, [owie jwei jftuffefcer; &ifaö£on*
rab für Ijalb ^efdjwifc 11 Warf, unb gab ein Werb, fowte
einen ^ferbef nedjt ; tforenj ^ermann für £ a^noeiil>aiu 9.
Warf unb ein s4>fero; 9öeiber für ©irbigdberf 10 Warf;
Steinberg für einen aubern lr)eil von ©irbigöborf 11 Warf,
für Sd)6pö 7 Warf unb für $oüeuborf 3 Warf nebft einem
sJßferbe. £icentiat @lett auf ^enneröborf war mit 36 Warf
uub einem *ßferbe beftcuert; cd)ü^ in Jeopolbäfjatyn mit 30
Warf, einem ^ferbe unb einem ^(uffefyer; (Deorge 9ttd}ter eub*
in!) tu ciMauroib mit 12 Warf. Die* madn 21 ^ferbe,
8 Leiter uub 1 $ned)t auf biefe Dörfer, wobei nod) fein
ftäbtifd)e$ ®ut aufgellt unb noct) lange t>on ben SBorrätbtn
beS Warftallö feine iXebe ift. Die Summe betrug 495 Warf.
Daher faut eö ber Stabt Wörlifc nid)t iiberrafd)eub, aU bie
^\id)iid)( anfam, rap fc$6ßdbtff$< , aud granffurt au ber
£>ber fommeube $ud)mad)er r>on fycinxid} m ragen nebft Spieß*
gefeUen bei gorfte überfallen unb tiner SBaare beraubt worben
feien unb ut gleicher 3^t ein 9lbfagebrtef Jpeiurid) Jfragen'ö
uub y>M\* r>. Waren'* einging.
$(uf einem Xage würbe mit bem £anb\>oigt unb ber sM\t
terfd>afi nodj »err)anbelt. Sie fteeften jweifelloä im (£tnr>er*
jitänbniß mit ben Straßeurdubern, ba jie ftd) ©ebenfjeit au3
baten unb bie Lüftung aufhoben, von ber jtd) -Jittau auö-
fdjliepcn wollte, weil ed ni<r)t in ürageu'd gefybebriefe auf
geführt fei, eublid) aber beitrat. Huf bem Sage ju ©an$en,
Donnerftag nad) Donati (5. War;) 1511 gab ber gebrängte
fcanbvotgt bie (Srflärung, bap er mit 9iatl) unb Ifyat bei*
flehen wolle.
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225
Die 6tdDte festen auf ben gang bc* ^einricfr Äragen
unb £an* SRareu 300 gl.
ftuf alle Dörfer würben von ®örli$ auo bewaffnete ge-
legt. Donnerftag nad) erteil igen (5. sJlov.) 1511 verfugte
Jiragen Da* Dorf £äbnd)en mit c. 14 Zeitigen )u überfallen
unb in branD *u ftecfcn, wurDe aber Dura) Die bort üegenoen
20 gupfuectyte abgefd)rerft. hierauf tt>anDtcu fid) t>ie ?anbeö*
befcfyäbtger geu Jtamenj, um Die £taDt* Vorwerfe yi vliinDern
unb \n ruiuiren; weil aber bie mannhafte fameiner ^Bürger-
fdmft fte barau IjinDerte, verbrannten fte auf Der gludjt jwei
Dorfer bei Jlameni.. Die baufcener famen, unter beö jungen
Stofenbavn frltyrung, oen tfaumneru wi £ülfe, verfolgten
fragen* SanDe an fed)ö teilen weit, erfdjlugen SJtcfc
rere miD retteten ein grop 11) eil beö famenudjeu Statt*. —
Spater Marten mehrere üöürger von .Hamen} in Per 9(äbe von
ÄunnercDorf burd) Die Raubritter überfallen uttD rl>eilei gefan-
gen, tbeiltf erfunden. Diefe fielwc Dauerte über fünf iabre,
wätyrenb welker ^eit in 0*6rli& Iteto 70 Meifige bereit gefcal*
ten würben. Da ging ^einvid) .kragen, Der mehrmals in (*)e*
fahr fam, gefangen genommen }u werben, uuD Die 9iacfyfteUuii*
gen furdjtete, aüfjer fcanbee, au Den £of be* ^erjogd von
Lüneburg. J^auo von Waren jebod) trieb fein Uuwrfcu fort,
biä ibn fein Sdndjal erreichte uuD er mit 3ofoff von tföcfrifc
im bejirfe bee Sifdjof* von Weisen im3al)re 1515 gefangen
würbe. 9Xan führte ihn nach Dreebeu unb von Dort uad)
@tödi&. ^Had)Dem er auf Der Roller viele* geftanben, würbe
Sparen mit Dem Sdjtverte hingerietet, Montag nad) tyaui
Eefehrung (28. 3an.) 1516.
3ef)itfc* JfaptteL
$ierfel)be mit 3ttrait *). 1491.
■
(£* ift bereit« oben angebeutet, bajj bie ©örli&er, wegen
fyfre Uebermutbes, mehrmals £änbel mit Den anDern 6ed)ö*
jtäDten befamen. 6ie wurDen fowol)l auf Den 6täDtetagen
*) übnr biefat 3lvift ©öd. 9taU)öannalfn (Script, ror. Las.
X. F. II 203 ff. V2V ff. Mjann toonöuben. ibid. I. ©.103. ©.112 f.)
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in mau al* burd) beu tfanbvoigt gefdjlidjtet, ofyne Xf>ätltdp
feiten nad) ftd) ju ^te^eu. £e$tere6 war jebodj in bem $ier-
ftreite mit 3ittau md>t ber gaU. $a6 $ier war für ©örlifr
einer ber gewidjtigften unb gewinnbringenbfiren £anbel^8rttfel.
waren fdjon viel 3«infereien wegen lleberfctyreitungen bed
SHeilenredjtS vorgefallen; bie 3tttaucr aUein fonnten nidjt baran
gewöhnt werben, in ben (Sdjranfen tl>rer Bannmeile §u bleiben.
^d)on im 3. 1490 führten fte il>r $ier über görlifter ©ebiet,
worauf von ®örli$ ©riefe mit Tarnungen nadj iittan gin^
gen, um von bort au* mit Drohungen beantwortet *u werben..
m& gütliche Söerfjanblungen nifytä fruchteten, paßten bie ©örlifcer
auf, gelten flauer Eier auf görlifrer ©ebiet an, gerfdjlugen bie
Raffer unb itcfeil ba* ©ier auslaufen. s3*on einer fol*en
3J?at heijjt nod> Ijeure eine Stelle bei £>flhri$: bie ©ierpfa&e.
Die 3fttaner nahmen fold>e$ ^erfafcren fefyr übel. £ie
rüfieten fid> unb (^rieben an mehrere (£belleute, unter anberen
an <£l)riftopf) Kaltenberg auf Düben, ttiffa* von Dofyna auf
©rafenjlein, ©otfdje (gdjaafgotfdj) auf töimaft unb ©reiften-
fteiu, bie (fblen von Xv"d)irni)auö u. a., fte fonnten görlifcer
£ab unb ©ut nehmen, wo fte e* fänben, unb möd;ten t^nett
in biefer gefybe bebilflid) fein, ©inen gewifien JTrebä, einen
fleineit Wann, fenbeten fte nad? ©örlifc mit folgenbem
(sdjreibeu:
„$öir ©ärger meiner, *Ratl)mcinner unb gange ©emeinbe
ber Stabt Titian tfyun funb unb ju wiffen, (£«d} ©ärger-
meifter, 9tatf) unb ganger ©emeinbe ber ©tabt ©örlifc unb
allen (§Hd) Angehörigen. 9?ad)bem 3^r über ©ebot unb
Verbot Aönigl. sJDiaj. unferer allergndtngften ^perrfebaft, roiber
verfdjiebcne Änerbietungen unferer 6eitä, nnfer gebraute* ©icr,
ohne Dtidjterfprud) , auä eigener Sillfür, mit freiwilliger ge-
wappneter £anb, uetymt unb mefyrmalä willfürlid) genommen
f)abt, erfläreu wir @ud), wegen feldje* liebelet nnb böfen
sJJ(utf)willen$ wie vorfyer getrieben, ba wir fein Äecfyt erlangen
fönnen unb efyrloä bafteficn, in (Erwägung beffeu, waä unä von
(£ud) gefd^efyen tft, für (Suren 8einb, obgleid) und ein Vertrag
lieber gewefeu wäre, unb werben nun, wo wir wiffen, fönnen unb
mögen, bei lag unb 9tad)t, Sud; unb allen Rurigen an tfeib
unb (Mut Sdjaben wieberum jufügen. Söoüen wir unfere
Gljre bamit vor unfern geifern unb ^elfer^^elfern, wie nöttyig
ift, vollfommen gewahrt Ijaben.
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mt Urfonb biefe* SriefeS unb wiegelt mit unfwm
(begeben, 3ittaw# $ienftagd nacr) Xrimtati**) 1491.
Sürgermeifter unb iKatljmänner ber <Stabt 3tliau"
(*be nod) Der Sotc au$ ber Sorjtabt unb bcu ÖJarten^äu*
neu berfelben geritten war, fam fd)on ein Sauer au* üß$enbifd)>
ofng mü ber Wadmdjt, Die ßittauer hätten bort Da$ £*iefy ge-
nommen. £ie waren alfo eingefallen wiber allen Sraud), ehe ,
nixfy Der Slbfagebrief in ©örlifc fein fontite. 2>ort prügelten
fte bie Sauern, plünDerten bie Käufer unb führten 25 junge
nnD alte *ßferbe, für 3 £d>od 1 Gkofcbeu StiuDer unb für 16
Sd)otf £d)weiue, außer anberen Diugeu unb baarem ©elbe, weg,
Daä war nicr/t bie einzige Unbill in biefer geljDe. 9tad)
brei Xagcn famen bie 3<^auer \>on Söfymen l)er btö £eiDeiö*
bi>rf, raubku ebenfalle alle Jlülje unb führten foldje nad}
3i«au, fo baß ber Schabe auf (>70 Ifyaler gefdjct&t warb,
(£d würben 2—3 lobte in einem @e!,wlje gefunben.
«Sofort uad) 2tiifiinft bed wenDi|d}o|jtget Sauerä würbe
iu ©örlifc bie Sturmglorfc geläutet, bie waffenfähigen Sürger
uub bie SblDner bewaffneten fid) unb nogeu »ad) SFßenbifcb*
offtg, wofclbft fie baö 9teft jeDod) leer fanbeu unb bie bei)*
ni|d>e Stebe ber 3^«^ ^«getragen erhielten: „Die ©örlifter
möditen fid) il)rc »Hübe in $ittm auf beut Warfte holen."
sJWan befe&te jefct äöälifc unb bie Seinberge bei ©orlifr ju*
fammen mit 2000 Wann. $er ^atl) aber befdjloß, obwohl
Die Stabt mäd)tig genug war, um vor Zittau \\i jieljen, nid)t
(Mewalttfyat mit (Mewalttljat *u vergelten, (ürr fdjrieb an ben
Hauptmann nach Sanken unb an Signiunb t>. SÖartemberg
auf letfd)cn, ben fcanbuoigt ber JDberlaujty, mit ber Sitte um
Sdjufc. «SigmunD Sartemberg erließ einen frfyr gnäbigen
Srief am 6. Xage nad) gro^nleidynamöfeft (8. 3»ni), wonn
er ben iNatl) am 2. läge Darauf (10. juni) nad) Sauden
beftellte. ber Sricf Deö Soigtä augefommen war, jog
fcic ©labt tyre 2000 Wann nebji bem auf 400 Sagen lie*
aenben ÄriegSjcuge, Surfen, Kanonen n. in bie Stabt aurücf.
3n Sauften erließ ber ^oigt einen Sprudj, wonach bie (9ör*
lifecr Siemaubcm bte Sierfuhre wehren feilten ^ wo fold)e
früher Angegangen fei} bie 3ittauer aber fiety furber jeber
•) $en 7. 3unü
15*
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228
geinjDfeligfeit enthalten, allen Schaben erfefreu, unb Die ©efan*
genen ohne ^ofeqefb loälajfen \oilten. SBemt bie$ uid)t qefd>ef>ef
würben fie ein (fetrafgelo *>on 6000 ungarifchen ©ulben, bereit
eine «£>älfic in bie fouigl. Cammer, bie anbre bem beledigten
Steile wallen foüte, jatylen muffen.
entfpann ftd) nun, bei beioe üheile ihre Sad)e in <^rag
führten, ein weitläufiger ^ro^efj, unb warb biefe Angelegen*
!»eit erft im X 1497 vom Könige enrfd^iebeu. oaä (Sr*
enntmt?, nach weUhem bie 3ftt<*uer gu fdjleuniger Erlegung
einer feine^wegä uubebeutenben ÖMbftrafe »erurtt>etlt waren,
in ^rag erlaffen war, würben bie jittauer Dtatb^Äbgefanbten
fofort in ben Thurm gefänglich eingebogen; eine Nachricht,
weldje in ©ör(it) fyüdjlidje greube erregte.
ü>ie 3t^»fr wollten in goige biefe* gefpannten v$er*
hältniffeä and bem Bunbe fdjeiben. $ec3balb bradjten bie
anberen Stäbte, uad)bem lange $ur ^erföhmuig gefpredKtt
war, oaö Strafgeld auf, womit bie Stabt ©örlifc ben $oigt be*
fdjenftc. Obgleich auf foldje Söeife ber Streit gefd)lid)tet war,
hatte ftd) bochein uNifjtou in oaä ^ßevf>dltni0 beioer Stäbte, beren
^ürgerfdjaft einanber mit Spottliebern eingefd)lid)en,
unb erft baö geineinfame (£(enb beö Tonfalles von 1547 t>er*
modjte bie frühere £enlid}Feit in bati 93unbeäi>erhältnif? jurücf
©efchidjte ber fatfcoUfdjen ^arodjie. Streit be3
Pfarrer* mit ben granjiöfanerbrübern. Söierfireit
beä ^farrere mit bem ÜRatt)e.
©örlifc gehörte mit ber ganzen Oberlaufs in fird>ficf>er
Beziehung }ttm SMäthum beißen. *Bon bort au* erfolgten
alle befehle unb Betätigungen, bie ben Dfeligiondfultud an^
betrafen; borthin mufite ber Sebent entrichtet werben.
Unter ben (Srjprieftcrftuhfen ber £)ber(auft$ war ber (*r&*
priefterftuftf ©örli$ ber bejtauägeftattete unb baher bei einer
(£rlebigwtg fehr umworben.
ju bringen.
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229
Stadj bei meißner Vt6tbum$*TOarrWel#) ftatit>cn unmit-
telbar unter bem Pfarrei \n (9örli& bie Jtircfyfpiele : @Jörli$,
^ermflrerf, £eopolbc*bayn, «£)eimer$Dorf, £iffa, ^enjig, Sofyre,
Langenau, 3WengelöDorf, Äiefllingdwalbe, (#rUna, Lichtenberg,
Vfaffenbcrf, SBellmannäoorf, ScbönbrHuu, SWeba, $aud)ri£,
Deutfctyefftg, 3^wcrntff ¥efd}wt9, l*ber$bad), <£wrfa, SBenbifd)*
offtg, SRengerSborf, 3°w^ 8»b»ltt#borfi SRotbenbura, (Ed?cn-
berg, Xroitfd)enborf, £euba, Äanfdja, üMmSborf (sAelaunc?),
^arjncben, über Gielau.
Die Öeiftlidjen tiefer JUrcbfpiele, bei ben Heineren Jta*
pellen ineijtend Äapläue, ftanben unter ber 3ufpefticn be$
(£r$prierterö 51t 0>övli^ ; fte erhielten burdj ifjn alle Verfügun-
gen bee Vifdjoffl von beißen, ber foldje juerfi an batf 2>em*
fapitel in Jaunen gelangen ließ, unb wanbten ftcf> in ber
Siegel burd) Vermittelung betf görlifcer (Sr^pvicftcrö unb beä
baufcner Aapitelä an ba$ Viötrjum. $>od) ift biefer 3nftan-
genjuft nicht immer aeuau befolgt Horben.
£>ie jpejicUe Xfyätigfeit beö (Sr&priefter* tu (Morlifc, glcid)*
wie ber übrigen ISrjprieftcr ber Cberlaufifc war wie folgt:
„$iefe grfrriefiter**) hatten btc 8uf ficht uiebt nur über bie,
an reu in ihrem Sprengel beßnblidjcn Jtivdjeu, ftefyenbeu Pfarrer,
fonbern auch über bie ju bemfelbeu gefycreuben ^rebiger, Sla-
plane, flltarificn, ÖHöcfner unb «ftntter. Sic forbeitcu baä
Cathodratieum unb Charitritivum (Abgaben) für ben SMfcbof
ein; wohnten ben Svnoben ju ^Reißen bei; (um r igten Die auf
Denselben gefaßten Vefdjlüffe iljren ^riefierit ein, unb gelten
mit bieten and) felbft begleichen 3ufammcuruufte. ftuf biefen
WHroe vor^üglid} Die SKecrjnuug betf Jtalenberä, wegen ber vor*
failenben 8w vorgenommen, unb mau nannte be6r)alb eine
joldje Svnobe einen Aatanb. Jn Kirchen- unb (Mewiffenö-
fachen würben biefe ßrjpriefter um jRatl) gefragt, unb bebend
liebe gä(le mußten fte an ben Vifcbof berichten. 2lud) fouuten
fie in ben .Ututcn unb Capellen, in welchen etwas Unfyeiligeä
vorgefallen war, bie göttlichen ^lernten 3Xeffe, Veidtfe, lau-
fen, Xrauungen, *Jko$efitoueu verbieten, unb ein foldjed Verbot
behielt fo lange feine Jtraft, bi$ e$ ber ©ifdjof wieber aufljub.
•) Scfjctfc 0. a. £. e. 612.
••) aWüUer, *ö<rf. eiu« obttlauf. Dc«fütmation^ffd)id)tf, ©örlifr 1801.
<5. 15 |f.
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830
yiod) weiter wohnten fic in ben ihnen untergeorbneten *Paro*
dn'een Den .ftird)euredmungen bei, uitD nahmen and) He aber-
tircnbcn 96ciber in'e ®erbör, nm aue'ftnbtg *u machen, ob
eine foldje gchlgcburt burd) Der IVutter £dnilt> erfolgt fei, ober
nid)t. $aa) Dem s#eftnbcu Der Utnftänbe belegten ftc biefclben
mit einer ßirchenbuftc.
Sin bem Orte i t>i geifttid)eu Stuhle* waren biefe I5r^
priefter ^it^lotd) Pfarrer, ^lebane, *J3arod)i (rt'ctorrs divino-
rurn ofHciorum). 2)iefe Wanten führten and) Diejenigen (Weift-
ItaVn, welche an bie ihrer 9lüffid)t anvertraute Jtird>e berufen
waren. 3n Den älteren Reiten prebigten fte felbft; ba fieb
aber ihre ®efd)äfte vermehrten, wohl auch ihre (Hemäcbltdtfeit
annahm, fo legten fte Mefen $hfH ^uer s4*flid}ten auf anbere;
fte nahmen ^rebiger ober ^räbifanten an. 9Äan finbet tiefet
im 14. 3flhrhttnbertc atterft gebadu, »üb wenigffcenä in Den
6ed)e*ftäbten würben fte allgemein. 3br Mint beftanD vor$g*
lid) tamx, baf* fie an Den Sonn* nnb ftefttagen prebigten unb
nebenbei ein Seelcmegifter führen mußten. 86 war bic$ ein
93ttch, in weldjeö biejenigen s^eiftorbenen cittgcfcbricbcit Würben,
bereit liinterlaffene gremibe cd oerlangten. 3brc Tanten wnr«
Den bieranf unter, ober nach bei ^reDigt oerlefcn, unb bamtt
fo lange fortgefahren, al$ mau ftd> il)rc Seelen noch int geg*
fetter backte. würbe an bie oerfammelte (Memetnbc
eine (hmafmung getban, Hejim Beelen mit Webet, Neffen
tttiD anbent oerbtenftlid)ett guten Herfen jit .£ilfc ut fomnten.
SBebttrfte cö mehr, um ben ^interlaffeueu ba$ (*infd>reibeu in
biefeö Scelenregtftcr jur heiligen *Pflid>t |H mac"bcn?
•Sowie fta) bie Pfarrer bcrglcicbcit ^rebiger auf ihre
eigenen Soften hielten, ftc nad) ihrem (Gefallen annahmen nnb
oerabfdn'ebeten, fo war bieS auch Der ftau mit ben Jcaplänen,
bereu fte in ben SechSftäbtcu biä fedje befolbeten unb mit
Wohnung, oerforgten. 3hlc Vlmteoerridtfungcn beftauben in
^effelefen, laufen, Statten, in ber (*rtbeilung ber legten
Delung unb überhaupt in bei Verwaltung ber Safratnente,
aufgenommen bie girmttug, weldjc nur vom ®tfd}of oou>*
gen werben Fonnte. UeberDte« hatten fic ihre £orae §u fingen,
3ahre6gcDäd)tniffc, 33egräbniffe ic. $tt beforgen. ?lua) auf Dem
^anbe gelten jtd) mehrere Pfarrer einen, $wei ober mehrere
Äapläne, je nadjbcm mehrere Capellen in ihrer *ßarod)ie bc*
ftnblid) waren. £>iefe Capellen würben au folcfjen Drten erbaut
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231
weldje von ihrer ^farrfirc^c entlegen waren; ed burfte aber
barm kbiglid) TOfffe gelefen, gebetet unb gefungen werben.
lleberbauvt würbe bie Steife für ba* wid)tigfte Stüd be«
©otteätienfie* angefeben unb ihre <Rotl)Wenbigfeit für Sehen-
bige unb $obte bem $olfe auf ba* 9*ad)brüdlid)f*e auge^
priefen, benn eä brad)te @lelb. Dura) biefe flnweifungen
würben benn auä) viele bewogen, äird)en, Capellen, unb in
ben bereite vorljanbenen ,f ird>eu Altäre au ftiften, in ber Wti*
mmg, baß tyren unb ber 3brigen Beelen baburd) am beflen
Geholfen fei; benn man glaubte, baß bie ^eiligen, benen *u
(froren biefe Stiftungen gefa)af)e«, ihren Stiftern unb 9iad);
fommen in auffteigenber Sinie, mit i^ren ^crbienfHen unb mit
ben babura) beförberten guten Herfen, im SHkrfe tl>rer Selig;
feit ;u flotten fämen.
diejenigen nun, weldje einen 8(tar fHfteten, mußten baju
9Neßbüd>er, Jtekbe, ^atenen, tfeudjter, Siebter, sIReßgcwanbc
antdjaffen, aua) ein Kapital auflfefcen, von beffen 3infen ein
SWeßvriefter erhalten werben Fonnte. $a$ v|*atronatred)t über
foldje «Itärc, womit bie Äirä)en $um $f)eil fetyr überlaben
waren, geborte ben Stiftern berfelben, unb mia) ihrem «bieben
benen, weld)e fie in bem Stiftungebriefe baju beftimmt fyattcii.
Die von ihnen ba$u erwarten SNeßvrtefter mußten bem Df*
faial bed S)om»robfte$ kauften vorgeftellt unb von il?m in
ihre flemter eingewiefen werben. £iefc $Heßvriefter, über
weldje ber *ßarodwe eine* jeben Orte* bloö bie flufftd)t führte,
ohne fonft etwa* mit tyneu )u tfjuu ;u traben, gießen aud)
Hltarifien, unb mußten alle 7 Seiten von bem $ifd?ofe er;
halten baben. <*in 3ebcr von il>nen mußte an bem tym an*
vertrauten flltare wöa)entlid) wti, brei bi$ vier sJHeffen lefeir,
bann aber hatte er aua) alle feine 9eraf*pfltd)ten erfüüt, e*
wäre benn, baß nod) außeibem in gewiffen galten Steffen bei
ihnen beftellt worben wären. ($6 fonnte aud) ein Hltarift
mit jwei Hitären belebut fein, weun nur bie SReffat berfelben
nid>t auf einen lag fielen; benn mefyr al* eine SWeffe burfte
deiner in einem £age lefen. Hud) war e$ erlaubt, baß ein
$ltarift an einem anbern £>rte tfanonifer, Pfarrer ober £a;
plan fein burfte; mir mußte er ftd) an bem «Itare, von wel*
a)em er abwefenb war, einen $ifar, wela)er aud) 'JJrofurator
ober Scrwefer genannt würbe, galten, welches aud) bie Pfarrer
in ifyrer Hbwefenfjeit traten. Dergleichen »Itariflen ober foge*
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232
nannte *ßriefUr gab e$ in ben €ed)6jtäbten 20 bitf 40 (in
©örli£ le&tere »njabl); Denn bie $egierbe, (Stifter eine* XU
tarä }n fem, war nicfn wenig tf>älig,\tnb *a cnblid) f>ie unb
ba in ben Jiirdjeu fein $(a( mcb'r ju ftnben war, fo gab
ber 93ifd)of bic (Srtaubniß baju, ba(? bei ben bereits vcrhaiu
benen Altären nod) ein ©epifl für einen anbem ^eiligen er*
riebtet werben burfte."
©otdjc Doppelftiftungcn gab e$ in (Worlifc mehrfache.
$öie bic Ur|"prung<tyefd)id)tc ber älteften f)ieftgett JUrdjcn,
ber Nifelat', 6anft*95€ter* unb ^autefirebe, ber heiligen @*eift*
unb <St. Safotofapelie, ift aud) bic frübefte (**cf4nd}te ber
$arod)iaf;(9eift(id)fcit in unburcbbringlicrjeä Dunfcl gehüllt.
3m Anfange beö 14. 3abrl)unbert$, *u welker 3«it bic eiffen
tarnen von Pfarrern auftaudjen, waren bie finfy(td>cn Wer?
bältuiffe ber 6tubt C5örli& Ivxngft georbnet unb bem allgemein
nen $raucf)c ber fatl)oltfd>en SBelt gemäjj geregelt.
Die Pfarrer batten ein befonbcreS (Betäube > ben $fatt»
bof beim 9WclaifirdU)ofe inne, unb geborten *u bemfclben eine
große sIWenge Werfer biö nad) (Sbcrebad) bin, weld)e einen
reicblidjcn Ertrag brad)tcn. Der Pfarrer Martin £d)mibt
(gaber) öerfaufte im 3- 1508 um 2H «Warf iäbrlidjen 3inftf
bem ftatfjc bad ^farrgrunbftürf. 3m 3- 1530 ließ ber dlaty
ben *Pfarrt)of bei ber Wfolaifircbc abbreeben unb baute bae
neue ^rebtgcrfyauci 9fo. 308. bei bei ^etcrefirdie.
Die ©efdjidHe ber fatfjcüfditit ^aroebie ftebt tu ber eng?
flen *8crbmbiing mit ber ^erfen ber betreffenben Pfarrer. Die
S(nftd)ten biefer Seilte waren ftettf majjgebcnb für baö geifc
(itibe £ebcn in ©örlifc. Der ffiatl) battc aud) bebeutenbe unb
foftfpiclige $änM mit fold)en Pfarrern burdnufübren, welche,
pod)enb auf bie allgemeine ^brerbietung, bic man ibneu wegen
ibreS Amteö joüte/ifjrc ^cfHgniffe Übertritten, unb Eingriffe
in weltlid)e Angelegenheiten fid) erlaubten.
lieber ben älteft befaunten Pfarrer \\i (Mörlifc*) fiubet ndtf
merfwürbigerweifc in Öörlty felbft nid)t* vor. Deffclbeu wirb
gebadjt als eine* "Begleiters befl sIRarfgrafen \\i 33ranben*
bürg. Diefer Pfarrer hieß 3obaune0 unb fdjeint weuigftem5
in ben 3af)ren 1315—1317 fid) nur am marfgräfltd)en £ofe
4
•) l*tn>aö von bem älteften oefannten Pfarrer in (
$to»in$ialHätter 5. 6tä4 e. 65 ff.
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aufgehalten, feine Pfarre aber, wie wir bicä bänftg fmren,
butrf) befoloete s}rer>iger befprejt ;u haben, Jofyaimed, ^ieban
von ®örlifc, war am 8. Juli 1315 bei teilt 9hutf)rafrn 3**
bann v. iBranbenbma, in ber StaDt £cltwerel anwefenb, alä
jener ba$ Dorf £>anem rem .ftlofter X)tftorf rerfauftc; er
fduieb bte Urfunbe mit eigener •gjaut» iiieber, al£ SRarfgraf
3ohamt ;n cpattbau am 3. 9cot>ember 1315 ber etabt 93ran*
benburg Den 6d>öffenftubl unb bic £>bergeria)te burd) bie
game sJWarf verlieb. Jn biefer Urfunbe wirb er Kaplan bc6
twarfgrafen genannt. Jn ähnlicher 2i>eifc fommt fein Warne
vor beim 22. JhU 1315, 21. «pril (Wittwod) itad> ber
Dfter^Oftave) 131H, ferner 8. jHni in Gegenwart bc6 Warf*
grafen 2ßalbemar von $ranbenburg. Johanne*, Pfarrer &u
ÜJörlifl, in (Memetnfcbaft mit (Shriflian OterGborf ((^erfyarb;
ftorf), rerabrebete am 1. Januar IM 17 ut SHkipenfctö, bie
(£heftiftung ^wtfdjen ber £dwefter betf ^Jiarf grafen |ti $ran*
benburg nnb bem Warfgrafen ftriefrrid) bem Jüngeren pou
Weiften*). 3um legten Wale wirD feiner gebadu am 21. 6ept.
1317, an weld>ent läge er in <Spaubau Stu^t war, alt* ber
Staffgraf Johann ber £tabt SSeerwatoe ben »See 03orc< unb
andere Wtter reif au ftc. Tie «frupotrjcfe bc* M. .ftlet?**), ba&
er fty nad» bem Tobe be$ Warfgrafen SBalbemar mid) (Mövlifc
begeben uno fein 8mt verwaltet habe, fdjeint nidjt unwahr*
fa)et;iltrf).
Srfl im J. 1364 findet ftd) wieber ein Pfarrer ut (9or*
Uft, beffen Warne geontyarb war. (*i war and) .ftanontfud in
$rünn unb febetnt ein frommer ^>err gewefen ftu fein, ba
mehrerer Stiftungen buraS ihn gebaebt wirb. @r ftiftete im J.
I3ti4 ein Jafyreegtbäcbtiriri fiir fia) unb feine (Altern unb im
3. 1374 in ber et. 9cifolaifirche ein $Utar \\i (Ffyren ber hei-
ligen Dorothea. Jm J. 1374 erfolgte fein Tob. lieber einen
Pfarrer Johann d. Äotelify, welcher im J. 1381 ftarb, finoet
ftd) nta>W ScäljereS***).
2L*ann ber Wirrer Johann v. i'utifc ba$ görlitjer sßfarr-
lehn überfommen habe, läßt ftd> nidjt nadjweifcn. ^eim J.
1384, unter bem 27. November, fommt fein 9came baä erfte-
") Ri«*dol, codex diplom. Brandenburg. II. £aupttl). I. ©. p 396.
•) a. a. O. €. 59.
•) Utfttnbcn»frjetrt)ni^ I. 111.
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23i
mal t>or, unb &war bei (Uelegenbeit einer Streitigfeit über
VcidHiimctHT. €d)on r vi nuilc niedre eo 9raud) fein, rat; bie
2 labt ut 33eftattungen gegen eine ($ntfdiäbigung Vcid^cuiudnu
verlief. Der Pfarrer fc^etttt biefeä ®elb für fid) in ftnfprud)
genommen, ber fRatf) biefetf &njtnnen jebod) abgelehnt ut ha
ben, tveobalb ein ^tvift entftanb, weldjer bem <£>erjoge \\n
$ntfd)eibung überwiefen warb. Der (5ntfd)eib erfolgte am
genannten Jage bafyüt, bap beut Pfarrer jeber Änfprud) an
bie über bie 3 obren ui legetiben I iidu*r abgefprod)en würbe.
3m 3- 1385 überwies berjelbe Pfarrer bie lafelaelber, weldje
bei geidtenbegängitijfeu für bie helfen auf ben ftltartifd) ge-
opfert würben, bem Wathe gu ©örlifc, unter ber ©ebingung,
bafe foldje für bie 6t. ^eter* mir €t. :Wifolainrd)e unb beren
Erneuerung unb 3$efferung verwenbet würben. Daö 9tota*
riatdinftrument ift vom 27. 3uli 1385.
Johann v. Vntin gerietl) mit ben aörlifrer gran$i$fanern
in einen 3wift*), ben wir hier auäfufyrlidjer bebanbeln mütTeu.
($6 huren fid) nod) auf bem *Kathhanfe Diele Dofumente über
biefe «ödnfcel, weld>e julefct für bie 3Rönd)c traurig enbeten.
Die Äuäübung ber »Seclforge (officia divina) war ber
©egenftanb oeä 3anfed.
Die 9Wönd)e matten fid) bie Seelfergc über bie 6tabt£c
meinbe an, unb ber Pfarrer, welker tiefen bebeuteuben 6ui*
griff in feine *Red)te nid>t leiben wollte unb fonnte, wiberfefcte
Jid) biefem treiben ber granjiefaner feit bem 3flfae 1386.
Der fftath warb baburd) veranlaßt, fid) an ben 4)er$og
3ol>anne$ nad) ^rag \u wenbeu, wrid)er nad> ben *Kathorert>
nungen jtd> auf niduo Weitere* einlief?, fenbern nur im 8U*
gemeinen beibe 3 heile \m ?Knhe ermahnte.
Die 9Jcond>e jebod) festen bie getftlid?en ^anbluuaen, ;n
benen ihnen alle 3kfugniß mangelte, fort, prebigten mit cd^ma-
fjungen gegen ben Stabtpfarrer unc wiegelten im 93ci(t>tjtuf)lc
ba* sl*olf gegen ihn auf. Sie gewannen ben Demanten p
3ei&, «£>eiitrtdr> von l^Uiloron", unb biefer ibat ben Pfarrer in
ben ®änn. iBenngleid) ber $ann wtrfung6lo$ war, weil
©örlifc nia)t §ur Didiefc 3ei$ gehörte, machte biefe Sadje bod)
*) Tic aftenmägigt 3>arftettunq Nefe* Streite« f. in btn flnmn
fangen jutn gerlifcet $ran$i*fanct ;Iofrt<nbu4)t: N. Script rcr. hin. I.
P 322 ff.
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235
bem Johann fron Surift viel $erbruß unD einen tfofilenaufwanb
freu 3UO (Wnlrcn. Cr verflagte hierauf Da* Älofter bei ^apft
Urban VL, von welchem Die Itntrrfuchung Dem *l$eter v. £uppa
übertrafen warb, ^nre 1 heile nutzten ftd> einen bcvoUmädV
rigten *ßrofnrator in »Horn erwählen; Der Pfarrer 3obann v.
Vutifc ernannte Dam einen gewtffen >haint (Matthew, Da$
.ftlofter unD Der Decbant von 3*i&: 3ofob v. Subntajo. Der
Nachfolger Detf im 1389 geworbenen ^apfled Urban VI.,
*Papft Sfoitifaj VIII. überwies Den *ßrr*eß einem anderen £om*
mifjartitf, welcher Die Parteien nad) iKom InD. Die Stditcfyc
blieben au6 unD beachteten Den Dermin nia)t, Der dichter aber
erfannte gegen |te, verurtfyeilte jtc aud) $u 8a)aDen> unb Äo*
fteuerfa^ air Den Pfarrer. Da fie gegen Diefe EntfcheiDung
Appellation einlegten, würbe Der $ro$e|? einem Dritten ÄuDitor,
•Uetrnö von Sloreit}, übergeben. Much Diefer verurteilte Da6
graiuiäfanerflofter, mit Der Drohung, ecJ werDe in Den Saun
getrau werben, wenn etf ftcb noch ntd>t fügen wolle. Die
i&uofübrung Der Gntfd)eiMiug befahl ber $apft Dura) feine
Statte d. d. töom vom 5. sJföai 1391 Den Drei ©etfUicbcu:
33ifd)of IQ üuben, Dem *Prior auf Dem Ctybin unD Dem 6rc6*
lauer Dffcitfl: @eorge 8uUfd)üffel. 9?od>mald ermahnte Der
55ifa}of v. Xuben Die ^Äöncbe, ftch Der (SntfcheiDung fügen.
Da auch Diefe Slnfpradjc Den Xrofc Der äKönd^e nicht
beugte, warb auf fie d. d. $re*lati, 21. fluguft 1391, Die
Sannbitfle gefcbleuDert. 3ie ift abgeDrucft in Den fdjon er-
wähnten Erläuterungen. Wachem Die (*)efd>ichte De* sl<ro*effe6
erzählt, Die Sutlc De* i>eil. Rarere* vom 5. 2)tai 1391 wört*
lieh mitgeteilt, folgen Darin Die gUd)Woite, weldje aUen ÖJeift*
lia)en unD Weltlichen $ur ftrengen $aa)achtung anbefohlen
werben. &h btefer merfwürbigen, noch heute im görli&er Ar-
chive befinblicben Urfunbe bangen 53 Wad)ofiege(, von Den
verfd)ieDenen jcuaeti unD ^ßodftredern &ux Beglaubigung De*
Baut* au Da* Pergament angeheftet.
Doch Die SBirfung De6 Sannes fonnte fehon Damals in
ber öffentltdjen Meinung nicht mehr fo fchrerflid) fein, als in
frühem 3<*hrhuttberren. Die 2>täbter brachen trofc beä San-
nes Den geiftlid)en $erfebr mit Den $Rpitd}tn nicht ab, fo Daß
Voiuac feinen ($nmb fanben, um ftbfoiHtton \\\ bitten, unD
noch im 3. 1393 im Sanne lagen. Der Pfarrer Johann
d b^l^igle
2S6
». ?Hti$ war baljer feiuerfeitä *u sJRa|jregeln genötigt, welche
nunmehr bie gauje £tabtgemeinbc betrafen.
(?r fprad) Den Sann über bic gan^e ©tabt and mit ber
(frrfltirung: fo lange bie im Sann lebenben s)Wtmd)e in ber
£tabt gebulbet würben, fönnc er weber SÄcjfe lefen, noch
ben Sterbenbcn bie üröftnngen be6 heiligen (Eaframented ge*
währen, nod) lobte beerbigen.
Um ben Sann redrt fühlbar ju machen, wählte Johann
v. üutifc Mim flu*fpnid)c bcffelben bie 3^* »or Cftcrn nuD
ließ bie Verfügung um ?atarc befannt machen. Ter :Tlath
wenbete jich an ben Sifchof &u ÜReipcn na* Steifen unb bat
um ^baltungöanweifung, erhielt jebod) feinen günftigen Se-
fdn'ib. (*rft nadjbem ber !Ratb ftch baju bereit erficht hatte, •
bie ÜSftöncbe nöthigenfall^ mit ©cwalt au<3 ber Stabt \u ent-
fernen, fam bie (frlaubniß inr Secrbigung ber Seidjen, benen
wochenlang ba$ Segräbnip verweigert worben war. Der
SRatfj fette fein s3krfprcd)en ine* SBcrf. 3» ben ?Hath$rech'
nungen fiuben ftd) jwet 3checf (Mrefdjcu aufgeführt, nad) be-
reu Empfange bie sJWond)e aus ber (Btabt weggefallen würben,
hierauf befenten bie (Etabtfnedne baö .^lofter unb bewad>rcn
ed. DicfecJ cuergifd)c tfinfchrcitcu brachte bic 9Rönd)c , über
beren Aufenthalt nad) ihrer Stabtverweifung nidne befannt
ift, gm Wadjgiebigfcit. Wach wenigen Senaten, gegen dnbc
3uli 1393, laugte ein päpftliche« Steve von föom an, wel-
d)ecj bem Sifchof vi beißen anbefahl, bic granjtcManermöndje
jim ©örlifc auc3 bem Sanne \\\ befreien.
Died gefchah unb bie SRdnchc jogen, nach erfolgter (Eini-
gung mit bem Pfarrer, wieber in ihr itioßer. hiermit wa-
ren bie Solgen biefetf Serfahrenä noer) nicht beenbet. «£>eneg
3ohann von Wörlift war empört über ba$ gewaltfame SBer*
fahren be$ *l*farrer<3 gegen bie gran^tefanerbrüber. ($r for*
berte baher 3obann v. i'utifc auf, ftd) in sJ*rag, am böhmi-
fdjen $ofc, vor ihm $u rechtfertigen. Der Pfarrer fewobl,
altf ber SRath fürd)tctcn, baß man fid? an bem ^orgelabeneu
tbatfächtich vergreifen würbe. Daher fdnefte ber iKatb wer
(Hcfanbtc gen ^rag, um bem Pfarrer jtchereä ©eleit auSju-
wirf cu. Diefc ©efanbtfchaft mu^te wiel>erboU werben, unb
baten bie ftbgeorbneten be6 jRatheä ben <£>erjeg au(3brücttich,
ftd? nicht an bem ^farrherrn ju vergreifen. 2Baä in ^rag
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237
^uKib, tft und unbefannt. ler Streit hatte übrigen* fefyi
Demoralijtrenb auf ben Älerue Der dJegeub bewirft.
SÖtan fttti) Dainalö in <$örli$ einen (Öeiftlicben, welcher
geftoljlen hatte iiitt> in ben eteef fam. 9)?an überwiee ihn Dem
SMfchofe ;u deinen, welker ihn lange jeit auf beut 8tolpcn
gefangen bied, bann aber nach GJörlifc unücffeubete. £ier
warb er Durch ben genfer gebranbmarft unb foDauu mit Dem
Schwerte vom ^eben *um $obe gebraut.
3m 3. 1406 würbe ein JUerifer Koren) (Klünenberg, laut
ften 9iatherechuuugeu, gleichfalls in'ö @)efängiutj gefegt unb in
rem leihen 3al)re etned gewiffen »£>orn, alö ^f^^rer $u ®örli$,
geDacf)t. 2&aun £orn Die i*fauc iiberfoinmeu, tft nicfyt nach*
wweifen ; er fcheiut neben Johann 0. Vutifc vielleicht als 53ifar
gewirft ;u tyaben, Da Diefer erft im 3- 1408 an Der $efi ftarb.
3m 3. 1409 wirb ^einrieb iftoii*) ein Pfarrer ui Öörlifc
genannt (£r war früher Äaplau Deä ,$tönigd $i$eii)el. 3«
feiner $tit warb Da* £orf Ober- Gielau auf Die $eteröfir$e
angewiefen, nur bie (Siufuufte 411 einer gruf>meffc Leu 11131.
8ud biefer Jrühmeffe ifr, nach Der fattyolifdjeu 3eit; Die grub*
prebiejt geworben, £ein Nachfolger fcheiut Johann v. Jtittlifc
gewejen $u fein, welken in Der fcfyweren ^nfttenjeit viel Reiben
trafen. 8 eine ^farrfelber würben mehrfach verwüftet unb
baber feine (Einnahmen fetyr gefd)mälert. (Einige $cit vor bem
Sluobructye ber Unruhen ober vielmehr vor beu &$irfuttgeu Der*
felbeu auf bie JDberlaufty, fdjrieb Der $Mfchcf WuDolf v. Zeigen
an ben ^(eban \\i ©örlifc, bie 9{achläffigfeit ber ^Itaiiften
nidtft ferner \u DulDcn unb bebrohte folctye mit Dem öanne*
3n ber £>uftten$ett fanb ein ehemaliger ^rebiger \u ©ör*
li$, welcher in SBünfcfyelburg i. 6. Pfarrer geworben war,
bafelbjt ein enrfe&lidjed (Inbe. Martin von s3olfenbam er*
jäfjlt Diefe $f)atfache**).
Nachbem bie $ujttett im 3- 1425 2öünfd)elburg eingenom*
men unD in $ranD~ gefteeft hatten, bei welket Gelegenheit bie
in ben Vellern verborgenen 3ungfrauen erftieften unb bie
1
*) Qiefer Warnt nt urfunblidj brgrünbet. Stotfte in feinen Um*
natietteln tu St. 'Jtifolai vom 3a(jre 1773 nennt ihn $etnrid) ftoU)t.
. Wbl ber C'bcrL ©ef. ber Sö. 20. L. IV. 20.
••) 93on ben £ujit<nfri<gen in <£d)lejieu unb ben ?auftfcen. N. Script
rer. Ins. I. p. 3öö, 366.
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238
Leiber mit Dcit ^tttbrrn Den bem Reinbe entladen weiten
waren, blieb julefct, in $olge ber ©innafyme beä <Sd>lo)7ed
fsteinhawz) ned} ber Pfarrer 9Reger(in mit (ebigen ©efcUen
mrüd. (£r ermahnte fte *uut fyeftigften ^Btl>crftant>c: „hieben
©efellen! wehret eud) beute eurer «ipälfe uul> ))el)t feftj wenn
ihr eud) gefangen gebt, werben fie cu<ty quälen, martern unb
peinigen!" &ufaug0 befolgten fie feinen *)iatr), Da fte aber
fafyen, baß ftd) t>tt bürget alle ergeben batten, gerieten jie.in
fturdjt, ließen nad) unb uberlieferten enblia) baä <5a)lop bem
Seinbe. 9iur 3Negerlin unb ein alter iDorfpfarrcr blieben
rürf, würben von ben 4puftteu l?erabgefyolt nnb unter bad £eer
geführt, ^eifter ftmbrojtuo, ein größer «£>nfue, rebete bier
ben Pfarrer latetnifd) an unb berfpradj tt>m bae ¥eben, wenn
er wiberrufen wolle, watf er geprebigt babe; im C*)egentl)eüe
würbe ifym ber S^uevtol) angebn>r)t. £od) SMegerliu fpraa):
„£>a$ wolle ©ott ui$t, baß ia) wtberrufen follte bie äßatyr*
beit unferd ^eiligen (£l)riftenglaubene , um biefer furjeu ^ein
willen. Ja) fyabe gelehrt bie Safnbejt ju *J>rag, &M ®*>r*
(i$, *u (#ra&, unb weif) aud> um berfelbeu willen &u fter*
ben!" $>iefe fyeroifd>en $i>orte rührten ben wütl)enbeu §einb
jeboeb nid)t. (Sin pullte braute eine 3d)ütte ctrob. 8ie ban*
ben unb gürteten e$ ibut um ben $eib uub liefen ben Unglüdli*
a)en, naetybem bad £trol) angejünbet worben, fo lauge fprin*
gen, biö er bura) ben Ofaita) betäubt, $u ^öoben fanf. iaun
warfen fte ihn in eine Sraupfanne \>oll jlebenben SBafferä,
nnb ließen ben alten Dorfgeiftlidjen gleid)falle biefeä entfe$lia)e
£a>irffal tbeüen, btö $eibe ben @eift aufgegeben Ratten.
s)tad) biefer Abweichung weubeu wir un6 *u beu görltber
^farrexn jurürf unb fugen nur in $egug auf Jebanu i\ .Hill*
u> nod> t)inftu, baS wäbreub feine* &ben* bie 6tabt zweimal
in beu Samt gerietb.
äkraiüaffung ba&u gab bie Weigerung ber etabt, bie fo-
genannte Äe$erfteuer ju entrichten, weü fte ^iulaualid) Soften
ber Hefter wegen gehabt fyabe unb nod) tyabe. &od) mupte
bie Stabt aal)len unb würbe erft uad) ber 3af)(ung, unterm
IG. 9Rärj 1431, auö bem tarnte entlaffen. 3wei Sa^re
barauf fprad) ber ftelfoerlretenbe Äommiffar be$ &idrl)umd
beißen ben Stenn über bie ©tabt and in äbnlid)cr Angelegen«
heit. (Sie fyatte ndmlid) trofc t)telfact)er Erinnerungen ben bt>
fa)öfli(^en 3w* oon 70 ©eragenen nia)t entria)tet Äm 14.
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239
Dftober bejfelben 3abre*, 1433, warb tiefer Baun anheben,
»ad)bcni Die Vorüber ben $mbor befriebigt baitru.
> banne* von Äirtüfc bewilligte ain 9. September 1435
^ctt 35au eine* #aufes beim Utfmyfi uebjt Sobnung für ben
Slltarifteu >bann 3mrw, beim 6t. Äatl^arinenaltar in ber
6t Wfolatftrdje; er Ktgte jtcb enblid) bem »Xatlje baburety ge*
fällig, rat; er bie ßrflärung abgab, »eU(id)e Eadjen follten niebt
vor ba* geijrlidje Qkxi^t geigen werten. (Sm 16. 3wni 1437).
(fr jiarb alt unb lebenemübe im 3abre J438.
lieber feinen 9tad)folger >|teter Jtaloe ift wenig befannt.
(£r war unter bem vorigen ^rebiger feit 1430. Jtalbe ßanb
in großem flmeben am faiferücfyeu £ofe jriebrid}'* III., unb
war am 18. SRärj 1452 bei beffen ÄaiferfröiiHng in Born
zugegen.
Äußer Dem $farrlebn ;u CHcrlt^, befaß er nod> al* jülid)*
fttyer ^robft 411 ^torbbaufen ^frttnben unb war Domfycrr beim
beil. .Urem ui Äcfen; war übrigen* feiten in &drlift unb ließ
fein Ämt meift bnrd> Slnbere verwalten. 3Wit bem Squteifta
geriet^ er 1445 in einen ^wift, welker 1446 beigelegt WMrbe.
Hud ber befreffenben llifnnbe gel)t beroor, baß nd) tytttx
tfalbe weigerte, wie #raud>, bem 6<bulmeifter M. Waxtin
Juffener, freien Xtfd^ auf bem ^farrljofe ui geben, tiefer
raneb bing Mammen mit ber Stiftung ber Üöieffe auf Ober*
Gielau beim (*Jefrifte unferer grauen in ber et. ^üuiMfi.
%itx battc ber Sdjulmeifter mit feinen 8*ülern bie Stcjjc für
ten ^farrer ju beforgen, wofür tym freier $ifd> utnacbft bem
^rebiger, auf bem ^farrbofe, unb ben 6d)ülern einige ©rofeben
jäbrlid) angeliefert waren. $*r Pfarrer \n fcöba« 3o^ann
(frrmelreidj legte tiefen ivoiH im herein mit anberen Männern
oaljin ibet, baß ber görliber ^fareer für bie X teufte, wdebe
it>nt ber 6d>ulmeificr fcfyulbig $u tfun and? feine ©erbinblid)*
feiten ;u loicit Ijabe. VI in 16. Df tober 1454 gab ^eter
Äalbe fein Pfarramt auf unb ift fpäter ju Ärfen geftorben.
Unter £einrfd> Steube, weiter 1454 bae gdrlifcer H*farr<
amt befant, finb einige merfwüroige dreigniffe ui erwähnen,
bie für ba$ religiofe geben in ©drlifc von großer "öebeutung
waren. (Stenbe felbp war iDedjant unb Äanonifud ;u 3«$
unb lebte mit bem SRatbe in gutem (£im>ernef>men , wa*
fdjon fein $$erfpredjen, baß wäfyrenb feiner Äbwefentyeit Um
frembe* »ier auf bem ^farrljofe an ©orüb gefdjenft werben
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2(0
folte, beweijt. Die beiben gebadtfen (Sreiguifje fint> bic Stif*
tinig beö Scelfyaufeö ititt> bie &$eibe Der reftaurirten 'HJeterdfirdje.
Jtatfyarina §eurigüt fdjcnfte udmltd) tt>r £an0 (tfrebd*
qaffc 9to. 304.) uir tfrridjrung citicd ^capitata. DU 6ttf*
tnugöwortc finb nod) auf und gefommen unb lauten*):
„^errjafob ÜBeiffag ju faitb 3afob i>nb Wartiuu* l'awter*
badj, alfo gelwartin etwenn Äatbeiiua gewriginn, bei* got
gnabe, fyabiu Der gnantin äatberina 4pawd in Der ßiebdgaffe
gelegiu, gote ;u lobe, ir *eln *u trofte, *u ewnem ewigi* $e*
jtament vnb gebedtfniffe »orfdjicft, vnb gegebin mit beä Sur*
germeifiterö rmb 9tatiö wültn alfo georbent, baö man Doruimen
eueteube (elenbe) fraugfe pilgrim fa( l)erbergwmt, bie ui$t favber
fernen mögen, Mb von bem ftlmofen, batf gute, frome, innige
perfon boreju gebin abir |d)irfen, fpeifeu, fo lange biß bie au
treffen fönten unb furbae gewanbern mögen; fuft anbei eneleubc
pilgrim, bte iucf>t fvang fein, mögen ernten tag imb c^txut nad)t,
»IT Da$ lengifte, boiMtnen berbergin. shknn aud) arme fdjuler
3u ber fdjuleu hang würben t>nb fuft arme gebied)lid)e crangfe
nienfcfyeti, fo euelenbe wereit tmb »emanbie bettin, mag man
oud> tion^it uemen, itod)bcme etliche gute Iutl>e ir $Ümofen
borcjH gegebin fabelt, Da* mau i$ ' bat mocfyt buwen »nb
t>frtci>tiiir »nb fnrfcer burd) fuldjer guter wergf wille, anber
lutl)e bifte geneiaeter borest würben, mib ir milbeä almofeu
boreju gebin, fo tyat ber Dtatf) baffelbe £awö in ebnen füllen
gemein ^oöpital befteriget. II. fer. post grobnleidjnam
(29. Mai) 1456."
5)iefe$ Seelljauä mürbe buret) bie SÖegbinen ober Seel*
weiber beforgt unb bte tfranfett gepflegt, lieber fee wirb baä
fotgenbe Kapitel Sluffcfylujj geben. S)ae ScclbauS würbe feit
bem 3al)re 1478 meljrmald befdjenft. 1480 ^ci#t Wiefel 6wob,
SBerwefer bed Seelfyattfeä in ber Jtrebflgaffe. 1481 fomtte ba*
4j>o$pita( fdjon Kapitalien ausborgen. 1537 ging batf £au$
au bad grauenboäpital über unb würbe im 3abre 1555 |ur
Äintäwoljiiuug für ©eiftlidje eingeridjtet.
Da« aweite wichtige (^retgniß, weldjeö oben fd>on berührt
ift, war bie (£ütwetl)ung ber St. H*eter*fird}e burd» ben Bifdjof
ju beißen, Jtaopar ». 6d)önberg, am 10. Dezember 1457.
Sttann ^einrit^ Steube fein $tmt nieberlcgte ober geworben ift,
•) Lib. Resign. II. 36 b.
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2il
fann nic^t ermittelt werben. 28at>rfd>etnlid) W* « J« @nbe
be* 3ar;red 1459 ober Anfang 1460 au* bem «mte.
Da* 3ar>r 1460 tft barum nodj betonter* |u erwähnen,
cap in bemfelben fie ^ret>iqermönd)e au »umlau tyre Serminei
in oer tfrefctyaffe (So. 303.) am 10. 3auuar bem 9tatr;e p
(*>örli& überliefen*) , jebod) mit bem $egel)r, tynen ferneren
baö «Imofeu bitten in ©örli$ $u ^eftatteu. $a* Älofter *u
»unUau hatte feit bem 3abre 1379 bie (SrlanbniS gehabt in
Dem genannten $anfc, weldje* „^ofefitatt" genannt wirb *u
prebiqen unb »cidjte ;u fjoren, aud) Mmofen ju erbitten.
Diefe Umgänge frember ©töncfyc waren fowotyl ben görlifcer
»ettelmöndjen, al* ber $arod)ia(gei|tlid)feit ein Dorn im
Äuge, ba tynen baburd) Slbbrud) an milbeu (Sparten gefdjürj.
«lo nun im 3. 1456, ben 18. 3uni, it>rc 9tcfti>en) abbrannte,
uno in ü>örli& Weinanb jum Aufbau etwa* tr,un wollte, ba«
Alojter \w »un$lau felbft jebod) feine Littel baju befafc t>er*
duperte ber Äom>ent ba* (^runbftmf an ben Dtatf) $u ©örlib;
baffelbe gcftah 1461 mit ben flnfprücben, weldje ber ^rebiger*
consent auf bie Weip »abeftnbe p <*>örli$ rjatte. 9Bit biefen
Ueberweifungen war aud> ber <$inßup ber s4Jrfbigermön(tye in
®örli& gebro^en. m* ber »JMor be* JDrbend pm Ijeil. jfreuje
in 6d)weibni$, 3of)aun s4^truö, bie alte ©eredjtigfeit in ®or*
l u\ wieber bcworfu d)te , würbe if)m nicfyt gewillfahrt, felbft
als ftubolf »iföof *u »redlau unb Segat be* päpftlid)en
eni^le* 1476 auöbrücflicr; ben ftatrj \u ©oilifr anwies, bicfe
Dominifaner uugeftört il)r 2ßefen treiben §u laffen. 3m 3.
1491 \>crfud)ten abermald jwei bun*lauer Dominifancrmöndje
*ou ben «elteften oa* Ferteln in ®örli& genehmigt ju erhalten;
fte überreizten bamal* wieber ben »rief *om 3. 1379. 2)od>
bie tfelteftem fdjlugen tynen ba* »egerjren ab, weil bie 2>o<
minifanermöncbe lange nitf/t mebr in ®orli& geprebigt f)ätten,
überbie* im Älofter Örüber lebten, wel^e bie @rabt $u ert>a^
ten babe, enblicfy, weil bie Äirc^en nodb unt>oUenbet unb twr
beren »oüenbung t>om Äatfje befdjloffen fei, feine frembe
Bettelei in ©örlifc $u gefiatten*). 2)ie frühere £>ominifancr*
r) Arbeiten e. verein. ©ffettfA. in ber fjbttL 1750. II. S. 420.
SNüller'* <Kefi)rmation<!,}efd>. <S. 64. ^efaeef * %)ret^fct>rifi. «R. *. SWagaj.
1Ö48. @. 34.
••) N. S. R. S. IL 6. 349.
Digitiz
212
Sermtnei ftanfa auf berfelben ©teile, wo fid> jefct bie »mW*
wobnung be$ 9feMfitii6 ber £t. petcrSfircbe befindet.
3m 3 1460 erWelt petcr <öartbolümäna, efti 6of)n be*
Statinem! peter, ber ju gleicher ^eit (*rbberr auf $ermöborf
war, bie görli&er Pfarre. Unter tynt brad) bic Rebellion gegen
Jftjnig @eorg pobiebrab aux?. Der $uf jtanft würbe vorzugsweise
burd) bie 0rfft(i$feit gefcfyürr, beren 6d)mäbprebigten von Den
Aaitfttfn nodi vor bem Vlncsfprud>e be* Samtefl ein fjödtf ge^
fpannteä sBerljältnip ber 6tabt mit ber Jerone bewhrftcn. Der
Aufgang biefer £änbel ift jeboeb fdjon oben*) auöfül)rUd>
genug erwäbnt worben, fo bajj l)iev nur barauf verwiefen |M
werten brauet. (Sr fammelte eine Äollefte bamit bie bölwrnt
Capelle be$ beil. tfreHjeö beim t)eil. (Mrabe**) fteinern gebaut
werben fonne, bat jebod) bie Hrtfftfpititfl biefed ffittnfcftc* (1480)
nid)t erlebt, guf fein Anbringen enblid> würben im % 1472
.brei OHocfeit, eine von 108 dm., bie zweite von 19 8m. unb
bie britte von 1 \/2 tfta. für bie 8t. $eterfftafte gegoffen unb
eine neue Drgel gebaut.
Die @inmütl)igfeit, weldje im Allgemeinen bi* bafnn
jwtfdjen bem INatfye unb ben Pfarrern gefyerrfdjt batte, rjörte
auf al$ s3Wgr. ^ieronvmu^ ©djwoffbeim, ein geborener i'iegni^er,
ber bereite im 3. 1462 fteftor sJ!)tagnificu* ;u i'eiptfg gewefen
war, 1474 ba* Pfarramt antrat. sMt tym tyebf jtd> ber
berüchtigte ©ierftreit an, weiter t>a* $*erbältni$ be* ^farrerö
pm Matlje trübte, enblofe 9$erwirfelungen, foftfpielige 8ri4tt<
teruugeu veranlagte, enblid) burd) bie £eftigfett unb maplofc
*eibenfd>afili<bfeit, bie 9teben*Umftänt>e welche bei biefer ©e~
legendi! *ur gragc unb an bie Dejfentlidjfeit famen, bie Acfotung
vor bem JUeruä in ber (^emeinbe fdjwädjte, fo baf* bie ^etyren
ber Reformatoren einen ergiebigen $oben finben fonnteii.
Slflt. 6d}Wofff)eim war faum im Amte, als er bie SBe-
fugniffe ber («eiftlidjfeit, nur für ftd> unl> iljre älerifer frembes
55ier auf bem pfarrbofe ju fyalteu, überfdjritt, inbem er auf
bem ^farrbofe fonnlid) um ®elb frembeö^ier verfebenfte, woge-
gen bie ©rauljofäbeftyer ber 6tabt, ftd} auf il)re Privilegien***)
•) f. e. 193. 196. 197. 199.
*") Unter ibnt ftiftete im % 1471 bie mÜM>äti;je Sl^ne* 3»w9erin,
fra* fc^enannte Slgnetenbrob, für dieifenbe nur etarfuug.
•••) f. e. 65 oben ff.
243
ftöfrenb, beim ftatfje tflage erhoben. S)er <Katb Schwerte fief^
beim Äonige unb am 16. 3)eeember 1474 erfolgte ein Wanbat
be* Jtönigä Wattlnaä an ben Pfarrer 6djwoffbeim, mit
ber Slnweifung, ftcr; tu ©ejug auf bad frembe Sier in ben
ihm angewtefenen 6d)ranfeu jn galten. 2)er Streit, welker
buref; 6d)wofTl)euu$ Berufung ale Dffaial nacb ©aufcen, 1476
uutcrbrodjeu worben war, wart fortgefefct von beffen 9tad>*
folger, 3ofyaune3 ©eljem, Sotyu eined gorlifrer £udjmad)er,$
uitD tietntiat m fanomföen fted)t$.
Die 9tad)rid)t baf 93el)em ba(b n$<b feinem Amtsantritte
im 3. 1474 auf Steifen aing, fdjeint fyüwibeuten auf bie al$*
balbige flufnafjme M 93ierftreto* Seiten* be* neuen Pfarrer*.
(*rft im % 1489 febrte er guräcf unb von biefem 3al>ie batirt
ftd> bie gortfefcung be$ befd)werlid)en 3wifte$ in vorfjer unge*
fannter unb ungeahnter £eftigfeit.
3unä^ft*) bewerte fld> ber «Pfarrer über ben föatl) beim
©tfdjofe ju Weifen, welker bie Parteien auf ben 23. Wärj
1489 in ftdj gen Stolpen lub. 5)ie klagen be* *Pfarrer$
berührten nietyt, blöd bie Sierangelegenfyeit fonbern erfirerften
fid) aud) wie fjier folgen wirb, auf anbere, unb jwar geiftlicr/e
©er$äitniffe. ©ei ber »Sertyantlmtg waren außer bem ©ifdjofe
3o^ann ». Weifen unb bem Kläger Pfarrer 3ol)annc$ «Bel)em,
zugegen: £anä v. <$d)önberg, Dr. WarfuS <5fultetu$ (Seouls),
Dr. ©igiSmunb tyfiug, $oml)err ju Weifen unb ber £>ffoiaf
Dr. 3*>bann laubenbeim.
Der Pfarrer bradjte mehrere ßlagepunfte an, nämlicr):
„ber SKatf) r>abc bem Sdjulmeifiter verboten, nur (Sfyorftfe nidjt
^mnen »nb fünfUicf>c ©efänge *u fingen, welche boeb jur
(£rr>öbung ber Jlircbeufefte viel beitrugen; ber ftatfy babe ofyne
fein flMfiett eine Orgel *£)rbnun$ entworfen, in welker ber
*Pret$ für baö Orgelf&iel erl)öl)t fei, woburd) bie ßapläne unb
Jtircfyenbiener, jumal ba* Sautegelb ber &ioden ebenfalls erlebt
wäre, $u (graben fämen; ferner fefre ber !Ratr> ofyne be$
»Pfarrei* Äenntnif unb (Genehmigung bie ©lötfner ein; laffe
o^ne fein SBiffen burd> bie Sfelteften £ird>enbauten ausführen,
au* ihm für foletye burdj bie Jrircbetwäter, wie ftdj'ä gejieme,
feine *Recr)nung legen; bad ©elb wa$ für bie Jtreujfapeue beim
beiligen ®rabe gebammelt fei, babe er nid^t erbalten, audj bie
•) N. S. r. L. n. 215 ff.
16«
244
93efugnij* ba$ ©elb für jene Spelle \n verwenbejt, überfchrit-
ten, ba er bod) folct)e ^rtaubiiiß nur auf nva 3al>rc unb
nidjt weiter ^emäl>rt habe, deinen Äuf habe ber 3ftath ba-
burd) bcflecft, bajj mau iijm uaa)fagc, er pflege verbotenen
Umgang mit grauen auf bem s$farrl)ofe, woran bod), bei @>ott,
fein wahreä 3ßort fei; nid)t minber habe ber Statt) ber 55ür-
gerfdjaft verboten auf ben ^farr^of jii geben, währeub gerabe
ihm ald Scelforger bic 3krpflid)tung obliege, fte im (sUauben
gu beftärfen unb aufjuflären; aud) fpüre man tfym nach
burd) befonfcerä aufgehellte c im ber, gleich einem $krbrea)er.
(Snblid) l)abe man il)m ba$ Ginführen fremben Siereö verfagt,
waä bod} ben Vorfahren unbenommen gewefen; mau hatte ben
s4$rieftern nicht uur bie ^ierfannen auf bem Jlird)l)ofe weg-
nehmen lajfcu, fonbem fei fogar in bereu 3Bohnungen gebrun^
gen, ^abe baä @)e|lnbc auo bereit Kammern in ben 8torf ge
bradjt unb ^au^fud)ung bei ihnen gehalten; fa)lie^(id) fei ben
^Heftern, welche bie erfte ÜJfejfcn gelefen, baö bei biefer (belegen*
heit gewöhnlidje ©aftmahl verboten worbeu."
*Bon Den 2lbgefanbten be$ görlifter 9totl)eö, ergriff hierauf
ber 6tabtfä)reiber sJJtgr. «Rourab 9tyffmanu baö 2Üort.
2Baö ben erfteu ^mift anbelange, fo fei ro rid)tig, bafi
ber Diatl) bem £d)ulmeifier verboten habe, füuftlid)e Qkfänge
mit feinen ^Beübungen anjuftimmen; bie Hebung in fold)en c ing
weifen raube ben €>d)ülem $u viel 3fi* unb halte fie vom
übrigen fernen ab; bie (£r)orale Vorfahren wirften mehr
auf bad ©emüth unb bie Erhebung $ur Vlnra^t alö bie neu
aufgefommenen ÖJefaiig^fünfteleicu. llcbrigenä Ijabc ber $arh
ein Vicd in neuer 2Betfc für r>ofec Sefttage nid)t verboten.
£>afj er aber bem ®d>ulmeifter ohne beii Pfarrer ai fragen,
Slnwcifuiigen gebe, ha&e feinen (Brunb in ber (linfefcung bee
6a)ulmeifter$ burd) ben Oiath, woju lefrterer feine 33eftätigung
beä *Pfarrerö brauche.
©erabe fo verhalte jict) eö mit ber £)rgel Drbnung, |a
nicht bie Kirche, fonbern ber Üfath bie £)rgel angefdjafft unb
im Staube gehalten habe, auch ben Drgamften einfefce. 1 an
ber *ßrei$ für ©elätt unb ßrgelfpiel erhöht, finbe feinen
@runb in ber ^b)ta)t fictd Littel ut befifcen um Drgel unb
(Dioden im (Staube ui erhalten. 3Ba$ bie Jtirchenbauten au
betreffe, habe man niaM geglaubt, bajj bem Pfarrer burd) ,v>imu
Siehung $u benfelben irgenb ein ©efalle gefdjelje, ba er bod)
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245
bura) ferne getfilieben ^fflifyen fefjr befd)äftigt unb in »nfpru^
aenemmen fei. Die M tra)enred>nung fei bem 9tatt)e fdwn von
Älter« her allein anvertraut unb ihm von ben $ifa)öfen $u
9Rn#eti ftet« 3utrauen gefd)enft gewefen. Da« ©elb au« ben
€totfen für bie f)eil. Jtremfapeilc fei aua) ganj aUein giim
gremmeu berfelben verwenbet worben. Der 9tal^ f)ätte ben
ÜPfanm niemal« in üblen SRuf gefegt; ob ber Pfarrer grauen
auf ben ^farrfwf geigen, unb ju welkem 3werfc, werbe
jener felbft am beften wiffen. Wur in betreff be« 93iertrtufen«
unb €piel« fei ben Mitbürgern ber Sefud) be« ^farrrwfe«
verboten werben; 23efud>e um geifilia)er 3»e(fe willen, fyabc
Wemanb unterfaßt.
Da« SMertrinfen fei ben ®eiftlia)en nieftt verwehrt, wc-W
aber ba« $ierfcf/enfen, womit ftc bie armen Mitbürger in ber
£tabt an ir>rer 9*af)rung frdnften; ber ^farr!)of folle fein
93ierf)au« unb Taberne fein. (Snblia) feien nid>t ben Sßriejtcrn,
fonbern weltlid)en $erfonen auf bem ^farrfwfc Äannen mit
fremdem $ier weggenommen worben. Sßenn ber 3$or|tef)er
(tyttener ol)ne ©efeljl auf ben $farrr>of gebrungen unb burä)
ihn bie eine Xbür aufgestoßen, auä) ein bort vorgefunbene«
Maoa>en verhaftet worben fei, habe Steuer bie« oljne ffiif*
fett be« «Hailje« getrau unb be«f>alb bereit« bie Strafe ber
HmtSentfefcung erlitten. Daß man in Sejug auf bie erjte
Meffe ben ^rieftern feine (Srlaubniß *u (Safrmäfjlern in ber
6tabt gebe, liege in ber sÄiUfür, weiter fieb aüc Bürger ber
6tabt unterwerfen müßten unb wovon \u ©unften ber ^Jrie»
ften'dwft, wenn fte in ber 6tabt $ereta) fei, feine «u«nal>me
qemaa)t werben fönne. Uebrigen« ebre in (9örlt$ 3ebermann
bie Ö)eiftlid)feit , wenn fte jtd> banad) betrage. Daß aber
näd)tlid)e odjwärmereieu unb $efua)e in rerbäa)tigen Käufern
Seiten« ber ^riefter nidft geeignet feien, bereu «nfe^en *u
heben unb ifne 5la)tung in ber (Demeinbe $u -beförbern, liege
auf ber £anb.
Der $ifd)of gab feinen <£nttyc\t> ba^in, e« foüe verbiet*
ben, wie" e« vor JMlter« gewefen fei, in £e$ug auf ®efang
unb Drgelfptel; über Äird)enbauten foße ber tfatr; bem ^far*
rer $enad)ria)rtaHng wfommen lajfen, bie ,fttrd)enrecr>nung
jeboa? of)ne be« Pfarrer« 3utfnm abnehmen. 3$on bem ®clbe
für bie i)dl Äreutfapelle gebühre ein Drittel tym bem 9ifä)ofr,
ba« jweite bem Pfarrer, ba« brrtte ber JtapeUe. 3rt SBejug
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246
auf bad SBier möge man fhb vor 9Jcijjbranch unb (sfanbal
hüten; namentlich auch bie Dorfpfarrer baju anhalten, nHt
für ihren getb frembeS 53tcr $u begießen.
Diefer @ntfcheib be«* SBifdjofS wirfte jebod) ntd)t fenbccOA.
Die Unordnungen Korten nicht auf. Die ^rebiger fer/mdb-
ten ben föath öffentlich von ber Jranjel, befdjulbigten ihn beä
Sßucfjerd unb ^etrugeö unb wiegelten bie ©emeinbe gegen ihn
auf. Der fßfantyof würbe ein wahrer ©afi^of, wofelbft frem*
beä Sier getrunfen unb allerlei spiele getrieben würben, Die
fct)on ben l'aien auf's 6a)ärfftc verboten waren, vielmehr noch
ben Jtlerifern. Die ßapldne unb Slltarificn aber, trieben ftdV,
mit geringen Huiita^men, nach wie vor in ben Zxint, (spiel
unb freien grauenhäufern ber StaDt untrer, beunruhigten bmd)
ndchtlia>en 6trapenunfug bie Vnrgerfchaft unb gaben fogar
gu bem 6fanbale 3!eran(aj|uitg, ba0 fte au6 Xrinfc unb 811M--
hdufern mit ©cwalt entfernt werben mußten. 3n einem (Sdjreu
ben »om 11. Ü)cdr$ 1494 bcflagt ftd) Her Diatb beim Sifa)of
von Steifen barüber, bap feit einiger ich ber 3irfelmeiftcr
mit feinen Dienern burd) einen „wilbcu fßriefta," Kamend:
hiebet SJfönd) beunruhigt werbe, welcher in einem offenen
6d)enfhaufe, nicht in geiftlicher fonbern in weltlicher Mcibttttg
aefunben unb barum anfänglich nicht erfannt worben fei. Da
thm ber 3irfelmeifrer, weil Die beftimmte 9cad;tftunbe, in wcl-
d)er gerecht werben fonnte, vorüber war, anbefahl fortzugehen,
würbe ber verfappte ^riefter fef)r auffällig, bie Unechte gingen
auf ihn ein, erfannten ihn aber bei ber Verhaftung noch bei
3eiten, um ihn weiter unbeläfttgt nach $aufe gu entlaffen.
9Bic befannt bieö treiben Der ©eiftltcr/en ben oberen tfir*
chenbeamten war, unb wie feljr fte ftch, 311 ihrer <£hrc, be*
muthen, Dem abzuhelfen, baS beweift baä Schreiben bc$ baufe*
ner DefanS 3ohann *ßfoel, an bie bauftner @eift(id)fe{t*).
Da* unorbentliche geben ber ©eifHicrjen jwang ben Diatr)
ihnen anzubefehlen, ©tuDcntcnfappen gn tragen, Damit nicht
Schdnbuna tr>rcr SlmtSwürDe burd) unmittelbares Vergreifen
an ihrer $erfon vorfommen tonne. (SS würbe zu weitläufig
fein, wenn tyet fdmmtltche Verhanblungen fo ausführlich, wie
in biefer »Sadje begonnen worben, fortgefefct würben. Die
Magen beS Pfarrers gegen ben töatf) unb umgefeh« be* iRatheS
•) C&erl. Urfunbenfamml. tom. Vitt fol 9lr. 1400.
»-
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247
über ben Pfarrer beim Offaiaf in Sau&en unb 3Mfd?efe in
Weiften, bauerten* bad ganje 3af?r 1489 fort Der Pfarrer,
auf beffen i'eute aufgepaßt ' unb bem mel?rmal$ frembeä 5Mer
an ben leeren weggenommen würbe, wiegelte bie fceute gegen
ben ftatl? auf unb befonberä war ein gewiffer 3jtd)mad?er 5o-
hanned fermelreid? Witfdjulbiger. 3ol?flnne6 drmfheid?, wei-
ther ben Pfarrer auf einer SBefdnverbereife uad? ^Batt^en jum
Dffijial bereitet baue, würbe be$f?alb aue* ber €tabt verwie-
fen, aud? biefed (£rfenntnift ber cdjöffen trof> ber Sitten beö
Pfarrer*, nicht ^miefgenommen. Jof?aime$ Sebent blieb bei
ben klagen nid?t jtel?en; er verbot feinen OJeiftlia?en fogar bie
«v>erren beä ftatbed im Seidjtftuble \n hören unb fte 311 abfel
viren. 9lni 2. War* erflärte ber ^tiefter Otfwalb fteid?nauer
bem <8d?öffcn $an$ 3d>mibt, in ber *l$erer#fird?e im Ange-
nähte alleö Golfes*: „(*r entbinbe t^ti ntd?t, benu er wäre (£iner
aud bem JHatf?e, bie bem Pfarrer unb ber priejierfd?aft bie
Privilegien unb 9led?tc fd?mälerten, unb beäbalb im $5anne
feien"*). 'Dem 6d?öffen £tei>l?an cebinfe fagte ber priejier
3ofeff 3ungnitfel auöbriicflid?, baö £lbfolviren ber ftatbtfuiit
glieber fei ber C*Jeifitlid?feit verbeten.
€o(a)er 93eifviele werben in ben gebadjten föatl?3aniialen
mehrere aufgeführt, mgleid? aber "erwähnt, baft bie granjiofa*
nermönd?e baö Hnjtnncu be$ Pfarrer*, bie !)tatf?mämier uicf)t
in abfelviren, ablehnten. Diefe Verweigerung ber Stbfolution
war bem SMfdwfe *u Weiften befannt werben, we$l?alb ftrenge
befehle an bie pfarrgciftlidjfeit ergingen unb biefe fiel? auä
<$urd?t vor bem $ifd?ofe *um 99eia)tebören verftet?en muftte.
2lm 19. 3uli 1490 fanb nod? eine £*ert)anb(ung in Ge-
genwart bee Wgr. @Jeorg 9Jot?t, $anö 3)? et? unb Wgr. Men-
Mb yi\)\\mann Stabtfd?reiber# ju Öirlifc mit bem Pfarrer vor
bem $ifd>ofe in 3telpeu ]tatt, weld?e jebod? of)ne £üf?ne $u
erretten, aufgehoben würbe. $8äl?renb nod? ber *Ratr? be--
mut?t war bei berühmten *Red?t$feuuern fid) Urtr?ei(e cin^u-
l?olen, geriet!? Joannes Lehern mit bem 99ifd?ofc ju Weiften
•) T>tr $ann fcarb fräter, am 14. Eejember 1491, über bie £tabt
^«•rbaitßt, ebenfo ober Vauban, JKeidjenbad) mit fc&bau. <5>runD bagu hwr
bie ©rmerbuiuj b*6 Pfarrer* von (Jberdbadj im Äteife. 3nbc§ iimrte
fäon Anfang* *e* 3al>re$ 1492 bie 10t a Bretel jururfgenommen.
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Wegen ®elbangelegenr)etten in 3roifl, »erlief fftimiiib bie Sraw,
Hüb jog über ©aufcen unb Dreyen nadj 9tem, um cen ©i-
fa>ef von SWetjjen vor bem ^abjle ;n verHagen.
Km 12. «pril 1491 erfebten Xbema* $edfo, ber Gonven*
tor vor bem ftatbe mit bem öffentlichen 9fotar 3o(>ann ^>eiit^
rf$ unb anberen 3«wn* und übergab bem 9tatb;e ein 6d>rei'
beit be* Pfarrer« d. d. *Rom, wonach Dr. 3Rarienam, Dfftftial
in Skufcen, angewiesen war, mit bem 9iatbe $u ©erlitt, faH0
Jefcterer fi<t> uir Sühne veTftänbe, ;u unterfyanbeln, im (Segen*
thetl aber ber $atf) am 60. läge nad) ber Gärung, in ?Rom vor bem
|>dpfl[t€^cn Jtommiffar 3or)ann v. £eretano, Siftyof von State
rtnum erfd>einen feilte. Jn Uebereinftünmung mit bem Siföofe
ju $teipen febitfte ber 5Hatt> in golge tiefer Gitation ben Df<
fijial Dr. 3ehann laubenljeim gen *Kom; er erhielt 200 un-
garifdje gloren 3^K""3 unb :* Seifige SBebccfung. Dem Dr.
ilattbenr/eim mit feinem Knfyange in ftom gelang eö aud) ein
päpftlidjeö $reve anzubringen, roerin vom Sifdwfe von 9tci«
j?en über Die Sachlage biefec* £anbel$ ftuftfunft geforbert warb.
3n Gegenwart mehrerer «frerrn vom Watlje, ftetteftat, (**e-
fdjworencn, aua) SJfitgliebern ber @Jemeinbe nnb^ befreunbrten
©eiftlict/en ber Umgegenb von ©brliß fapte man 511 Stolpen
beim Stfcbofe bie Antwort ab.
3o^anne6 93el)em hatte faum ^aanidjt von biefem 33c*
richte erhalten, als er, begünftigt burd) bie fflicrdftyväcbe nub
ärantycit be* $abjie6, bie Berlage bed $eiicr)te* ju verein*
bern unb eine neue Gitation auf ben 25. Sluguft 1492 gen
9tom SU erlangen wufjte. Der ftatl), welcher buret) biefe Än*
gelegenl)eit in gretie tlnfoften verfefct warb, hatte ftd) *war
nacr) ber erften Sabuna unmittelbar an ben äöuig gewenbet,
audr am 31. 3Rai 1491 von Äönig SSlabtölaro an ben $er*
tvefer ber Pfarre gu ©örlifc ein Schreiben empfangen, worin
bem Pfarrer unb ber ^riefterfchaft verlöten warb feine Unter*
tränen bura) gorberungen nad) $om ju bebrängen, ebenfo
wenta, auf ber Pfarre $ier ju fcrjcnfen: füllte fta> aber bem
getftlta)en 2Befen gegenüber l)ierbura) nid>t gejicrjert, unb be*
vollmäcrjtiate feine *4kofuratoren in $om ebenfo eifrig, ald vor
bem Fönigt. (*rlafi, am väbftlia)en €tut)le für ber Stabt ^ri*
vilegten ju roirfen.
Pfarrer ©er)em braute ein fogenannted Executorium
au*, woburd) ber ^robft 3otjanned S)örfflinger unb ber 6(^0^
>
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Ia«HcH« Wgr. <5ra«mu« ;u Siegnifc augewiefen würben, in
biefer Sadje 3t\u)cn \u vernehmen. Der ftatf) bejtritt He
Jfrmptteitji De« iirebfte« ;u ^tegnto, weil Die i'abung in ber
3eit be« «bieben« be« ^apft Snnocem gefdjehen war, mtb ging
ni($t nad) fctegnie. Da ber Pfarrer >hanne« Sebent, weU
eher eine ^frünbe auf bem Derne gu $re«lau befaji, ftd) von
9fom mittler 3*t* $re«lau begeben Ijatte, fdjrieb rcr
Rath, wiewrl evfelgle«, an Den SMfcrjof )u $re«lau, während
Jtontg 2Blabi«law burdj feinen ©efanbten am päpftlicben £ofe
im jnteteffe Der Stabt wirfte, unb in biefem Streben burd)
ben bem bre«lauer $ifcfyef feinblid)en bredlauer Domherrn D**
walb Srraubinger, ber bamal« gu ?Kom weilte, uuterftüfct warb.
3m Jahre 1495 erlangte ber Watt) bttreh finge Unter-
hanblungen ein fdnigl. Sdjreiben, wonach er an Stelle be«
ihm feinblichen ßenventor'« unb etitftwciligen ^f^vroerivefcrd
Ütjoma« Ulbert, einen ir>m willigen sJWann tfaöpar ^au«la
anführen bnrfte. Da« gefebah am 4. 3uli 1495, inbem ber
«Rat!) bie Slbwefenbeit ber (fteiftltcbcu auf bem Warrhofe be>
nufcte, unb ben tfa«par <pauOla, mit btfc^dflic^er ©enehmi*
gnng bort einführte, aud) jiir Sicherheit be« ^Warnte« 8 £ra*
banten bei ben Ikoven be« ^jarrhofe« aufteilte.
SRatt fann fid> ben Jörn be« (£cui>eutor« unb feiner @*e*
neffen benfeu, al« (tc biefen unlicbfamen CMaft auf bem $farr*
tiefe fanbeu.
Sie erheben grojjc« ©ef^rei vor bem ^farrr>ofc. Sil«
fie aber fallen bafj ber Äatf) feft blieb, ging ber Genventer
mit feinen ßapläuen in einen ®aftt)of ftum ll^ahle; ber *J$re*
biger Wgr. ^eter Sdjeit jeboch trat auf Seiten be« ÜRathe«.
Die Anhänger be« 3ohanne« Sebent freuten |icf> nidjt, in
ber £ird>e felbft llnerbnungen jh veranlagen unb wiberfe&ten
ftd) fe lange ben SÄnoibnungen be« neuen *Bfarr*erwefer« unb
ttathe«, bi« ber «Ratc> tynen anzeigte: „in ber £ird>e feien fie
fteber, bie Sicherheit aber, ba fte ben befehlen be« Zeitig«
Btbtrfitanb leiteten, werbe aufhören, febalb fte bie flirdje
Diefe Drehung — unb fte wußten rec^t gut wa« bei
tbem bamaligen ffiathe eine feiere Drehung $u fagett hatte — ,
jte gtelten nod) einige Sage neben bem neuen *ßfanrv«rwefer
au«, Hm bann plöfclidj bie Stabt ju verlaffen, wetyrenb bie
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250
übrigen Äapldne bem ?Pfarrverwefcr *pau*la ©ehorfam jm
galten verfpraef/en.
Alä ber SBifdjof von Weißen von biefer £anblung$weife
beö ßonventer'ä unb feiner Anhänger tfeuMiiife erhielt, befahl
er ihm bie ^riefter auf ben Stolpen $u fenben, bamit er fie
^Hr UnterfuchHng jiefjen fönne. Died veranlagte bie 3crtntrf(h*
ten ben föatl) um ÜBerjeihung anzugehen, welche von ihm ge-
währt waro. Auf Anfuchen bcö Wathetf vergeh ber SBifdfof
ben Weiften. (£iniiic mußten jeboefe auf bem Stetpen im ©e^
fängniffe tt>r nngeiftlid)etf benehmen bef tagen. 3ohanne$ Se-
hern, welchen ber frühere (&>nvcntor Xbomatf Ulbert in 33re$=
(au auffu<htc, fenbete foldjeu mit feinem s.lkebiger nach Ofen
jum Jtbnige älHabiälaw. Der (irfolg biefer !3Mifjton war je^
bort) für 3t>ha,u,c* 33ebcm ein fet)r benübenber: ber Äönig
ließ bie Kläger nid)t vor fiel); ja ber Jtanjlcr wollte fie mit
Jtntttedi fragen, unb erlangten fie nichts weiter, alä baß fte
vom ^farrverwefer ju (9örli$ ihr verftegelteS (*igentl;um auö-
geliefert befamen.
Auf biefe Üöetfe l)atte ftd> ber Math wol>l im eigenen
£aufe 9&uhe verfdjafft; leiber war aber baburcl) riefer »£>anbel
ni<bt abgesoffen.
Am 9. 3uli 1495*) melbete ber 9tatl> bie 3nveftitur be£
neuen ^farrvenveferä Dem SMfctyofe gu beißen, Gilberte bie
babei ftattgefunbenen (Sreigniffe unb bat um 33efet)l an bie
-$rießer, ft<h bem neuen Pfarrer $u fügen, waä altfbalb ge-
fdjah- 3n Sejug auf bie. golgen feiner rafcüen ^anblungä-
weife war e$ nun bie erfte Sorge, fid) ju ftdjern.
Am 17. 3uli erließ ber *Katb ein Schreiben an M#r. 3o^ann
Seher $u Sntflau, mit ber Sitte, ihm 9fad>rid)ten über et-
waige tyiam 3o^anne6 Sehemö unb j'einer Gönner au geben,
naetybem wenige Xage $uvor, am 14. 3ult, au Dr. Scrnbait)
ScultetuS, nad) £Rom gefdjricben unb bie äüßerfte görberuug
biefer Angelegenheit anempfohlen worben war.
Schon am 18. 3uli 1495 ging ein anberer Srtef in berfelben
Angelegenheit an Dr. Däwalb Straubinger. @eorg Gmniericfy,
SBerfajfer beffelben, fagt barin: „3ch geftebe, wir höben einen
gewichtigen, f)öd)ft fchwierigen, biß je&t in foldjer Art uner-
hörten £anb*l angefangen. Aber e$ tft -unverhohlen, wie fred>
•) N. S. r. lus. a. 0. £. p. 439 ff.
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251
jener alte <Prebiger war, welker nid)t nur bie 9tatf>f<b(<ige
auter greunre, fonbern aud) bie Wanbate be$ flönigö gering*
fdnl&te. (Sö ift aber febr ju befurdjten, baß Der von feiner
(Stelle Serbrängte nunmehr alle* aufbieten wirb, um bem
9KaÜ)e Sd)aben zufügen. ,$artbe(n ($w. 2öei$f)rit fräftig *u
unferm 9tu$en, }um JBohle te$ Xatyrt unb ber ©emeinbe
unb jum Sdjaben iljrer flbgonter!" Äiif Anregen bed ?Ka-
tbe£, lub ber Sifdjof ju Weißen Johanne* Sefjem vor ftd).
Sebent erfcf»ien, wie vorawMHfeljcn, nidjt unb betrieb bie Sache
weiter $u 9tom. «m 24. Wai 149« fdpieb beöfjalb ber ftatb
an ben Domherrn Dr. laubeulmm, unb bef tagte ftd) bitter
über bie frfjweren Äeften biefed mißlirtKtt £anbelö. Die Seit*
bung be$ Stabtfdjreiber* tfonrab Kttjfntaitn, an ben päpfHi*
d>en Stul)l war erfolglos.
9iadt mehreren anberenSenbungen genfRont unb großen Un*
fofieit fam enblid? im 3. 1498 ein Sergleid) jtwifdjen ber Stabt
unb bem Pfarrer &u Stanbe. Wirte tiefe* 3af>re* nafym 3of)anne*
Sebent burd? einen Altariften wioer Seftfc von feiner Pfarre.
Ungeachtet man benfen feilte, baß nun griebe jwifctyen
beiben Parteien qewefen fei, war bie* bod) feine*weg* ber
gall, wie eine Älage ergibt, welche ber «Ratfj beim Könige
gegen ben Pfarrer anhängig machte, tfönig 2Blabi*law be*
fa^l bem Pfarrer, ber ben Satf) fmwifcfyeu wieber wegen fetner
gorberungen au bie Ctyferftode beim heiligen ©rabc gequält
hatte, in s#erfon vor irjm &u erfcfyeinen, um fiel) bariiber *u
verantworten, baß er feine lieben Diener, bie Sürger ber
6tabt ©brlt$, an ben £of nad) föom gelaben, feinen von
tf)m präfentirten Altarifkn flnbrea* Simon in große Sofien
verfefct unb gegen feine, be* Jtönig* befehle, mit großem
Wuti)willen ftcfy aufgelehnt habe. Der Sorlabung war bie
Drohung betgefügt, falle er nfcfyt erfebiene, folle er aller gel-
ben, bie ihm von ber Ärone Söhnten eigen, verluftig werben.
Diefe* Schreiben bewog ben Spanne* Sebent, ftd» mit bem
ftattje $u vertragen, in golge beffen bie Anflagefcbrift unb aud»
bie tontglidje Station ^urücföenomnten WHrbe. 3cbanneö
Sehern ging auf ben Antrag bc* 9^att?ed ein, vertaufebte feine
Pfarre $u ©örlifr mit ben ^frimbeit be* Warttn ©djmibt
(gaber) Domherrn *u Sre*tan, ©logau unb Sauden1, unb
verließ feine Sater ftabt ©örlifc. Am 5. September 1501
würbe ber neue Pfarrer Wartin Sd^mtbt feierlich invefttrt.
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858
Martin €d)mibt aud äennerdborf war im 3. 1468 al*
<Pricf*er geweiht werten. (fr lebte bt* auf einige Heine ^än^
Del mit Dem föathc in grieben. Arn 26. fluguflt lf>07 etflaite
t)er »fäof 3ol)ann ;u deinen, ba0 Der Natt) )n ®örii* fty
über ba$ f>eil. ©rab unb Die SBafferleitung nach Dem $farr*
hefe »ertragen habe, welken Vergleich ein Schreiben beö $a-
tt>ed ju ©örlifc *om 3. 1508 befräftigt. Tie Hnorbnang De*
Pfarrer*, Dafj nach ber *ßrebigt ein Seelenregifkr mit gürbitte
twgelefen werbe, genehmigte Der Sifchof am 24. 9f wember
1507. Waxtin Sdjraibt aU Pfarrer erlebte Den Anfang Der
fird)lid)en Bewegung unb war ber lefcte Der fatholifcfcen Seift-
lid>en in @Jörli$, welche am (Glauben ber Vergangenheit feft?
gelten. Dem im 3. 1509 auSgefprodKncn ffiunfdje Deö »t
fdjofs ju sJÄei(?en; „ber föatl) möge ben ttlrartjfcn SBein unb
33ier jh eigenem ©ebrauche eiuführen *u (äffen/1 ftyefoi ohne
befonbere Weiterungen ©enüge gefc^eljen \u fein.
SöährenD feiner ?cbenö*eit erlangte ber $atb enblicf) ba*
Won längjr aewnnf^te unabhängige patronatrecr)t, unb Da*
«Rcd)t, einen Pfarrer nad> m töatheä Willen einjufe&cn*).
ilrfprünglich hatte ber £anbe$herr in ©crlifc bie pfarr*
befefcung, ba er bie Shtrg erbaut unb wa hrfcheinlich aud) bie
ttfte Capelle gegrünbet, minbeftai* ben 93au einer folgen auf
feinem Sanb unb Robert, als Dberlehenoherr, geftattet harte.
3>urtr? biefc (Stnridjhing famen jroljc unb übermüthige ©eitf;
liebe nad) ©örlifc, mit welken ber föatt) nicht aufyufommen
roufcte. Hm 6. 3uH 1397 fommt ber erfte Sali »or, ba^ ein
Sanbetfherr, Äönig Wentel, beut görlifrer töathe geftattete,
eine geeignete Herfen für bie *JJarodnalfird)e twrjufchlagen.
(Ed)on beim 3. 1400 ift triebet bie «Hebe Davon, bafj Jtonig
Wentel benen t>. Douijn baä »ßfarrlebeti $u ©orltfr übertragen
habe. 1457, 1474, 1486 unb 1491 gematteten bie Könige
fcaDiölaw, Matthias unb SÖlaDtelaw bie eigene ^rdfentation
eine* «Pfarrer«. 3m 3- 1491 warb bie (Srlaubmt? auf rtcr
mal gegeben, unb weil im 3- 1495 ein gewiffer «nbreaö
mon vom Könige präfentirt warb, au6brürflich Dabei gejagt,
baß biefer gall baö früher gewährte Privilegium ber ©orlifcer
nidjt »erleben folle. (Snblici), im 3. 1502, am «Raiirietitttage,
erlangte Die €taDt *tm Jtönig ffllabiSlaw Da* ftccfct Der uV
*) $«f<V<*r $rei«färift a. a. D. 6. 91 ff.
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883
brfdjf anfielt $farrwahl, bem jebec^ nach längeren Siebenten
erft am 20. 3uni 1510 ber 5)ifa)of *u s)Xeipen beihat*). —
s)iid)t mitil)cr, wie nad) biefem ^rfoücgium, hatte aud) ber
Math banad) qeftrebt, bie l^farrwiebeutut in feine £anb ui be<
fommen, wmutl)lidj, um babura) bie Umtriebe mit 93iere ju
verhindern unb ben Pfarrer auf bem $farrl)ofe mit feinen
®eiftlid)en beffer überwachen ju fonnen. 2)ie $farrwiebemut
hatte ben Umfang eine* nid)t unbebeuteuben Jttttterguted unb
reifte, wie fajon oben angegeben**), bfe) nach (Iberöbaa) f)in.
£amit fid) unferc 8efer einen beffem begriff von ber Huöbel)-
nuna. biefeä ®ruubftücfe$, feinen (Erträgen nnb bem Umfange
bed alten ^farrbofeä maa)en fonnen, teilen wir liier bic SBer=
binblidjfciten, welche ber görli^er Jßfarrer $u erfüllen hatte,
wie fola>e au$ bem Vertrage *wifd)en Johannes Lehern unb
bem Pfarrer Martin Schmitt im 3. 1501, hervorgehen, mit***).
£em Pfarrer lag ob: einen ^rebiger $u erhalten, weld)er
nebft einem Jtncf^te freie äBohmmg, Speife, 2ranf, 33e^ci<
uina. unb (behalt befam; ber S$tümeifier mußte, bedgleiajeu 5
Äaplane, tägltd) frei gefpeift werben, lefctereu, bie ihren £ohn
»cm Pfarrer erhielten, war ein Äned}t $u ftelien unb bie ©tu*
•) £ier fd>eint e* notfjwenbtg, audj ba* fogenaunte jus primarium
preeum (be* erflen 3iorfd>laged) ju berühren, weldje« bie ©ifdjöfe von
Wethen für fid) in Stnfprnd) nabuien. Sie wünfetyten uämlid) bao Äectjt
ober bie $$ergünjtigung , wenn fie ben bifcbeflid)eii Stttfcl eingenommen,
an jebem Crte bie $uerji erlebigte aeifllidje Stelle ;u befefeen. Soljann,
9ifd}of $u *Weipen, nahm biefe* wfedjt im 3. 151M $uer|t in 9ln|>rud)
nnb fefcte baburd) ben göriifcer fXatb wegen ber ^fanjtelle in nicht geringe
Verlegenheit. 2)a bamalö ber Pfarrer fdjon fel>c alt war, befürchtete bot
9iat$, ber 93ijd}of tonne baju fommen, $u biefer crjien gorli|er Stelle
einen Pfarrer einiufefcen. sDeofjalb bewog man einen 9lltari|ten 9Bolf;
gang \ux 5$er$td)tleijhing auf fein XUarlelpen, fo bafj biefe Stelle, bie erfle
erlebigte, unb fomtt burd» ben 43ifdjof befefct würbe, weither ba* fcltar*
le^en feinem 9cotar Solf übergab. $er JMatl» ju Wörlifr »erwarte fiä
übrigen* beiläifig gegen weitere Äonfeguenjcn biefer 9tnjtellunq unb aab
beut "Bifdjof $u veitfeljen, bajj man bie fBefebung meljr au* $Jefalligfcit,
aü weil man eine Berechtigung bagu anerfenue, angegeben r)abe. 3m 3.
1538 wieberijoltc ber Sifdjof >iumu o. SWaltifc ju Weifen ben SJerfndj,
ba# SRedjt ber Primarien ju beanfprndjen, warb aber oom a,örlifrer Statte,
ber bamaU gröftent^eil* fd)on lut^erifd) gefinnt war, tyojlia) abgewiefen.
(#tn gweiter SJerfud) be* SBifdjof* im 3. 1545 Ijatte ntcr>t mehr Erfolg,
al« ber erfie. ^efdjecf a. a. £>. <S. 88, 89.
**) © 232
•*•) N." S. r. Lu». IL p. 442.
Digiti
254
ben in ber Stobt mit $olj *u verforgen. Die übrigen Unter-
beamten Der Äircfcc: ^acealaurceu, waten, £>rganiften unD
<*M6dfaer mußten jäl)r(id) beim Pfarrer gweiunDfünftigmal ge-
fpeift werben. 1)ac» gum sl*farrl)ofe gehörige Starwerf erfor-
derte 08m minbeften 4 Jtnedjte unb 4 ÜRäabe ; ebenfo minbe*
fteuä 5 »Jlferbe nnb <ntfpred)enbeö SKinbvief). 2)a$ jäfyrlidje
©efinbeloljn warb auf 24 9Äarf gefd)ä$t. Slußerbem fonnte
ber Pfarrer ofyne einen Sdjaffuer mit $kbienung, eine itöcbiu
mit Äiid)enjungen nicht befteben. ?llle biefe £eutc mußten vom
Pfarrer mit freiem ,$ol$e verforgt werben. Rur *wei Altäre
;u fteninty unb Ü)redben waten ihm noch ftiftungömäßig etwa
40 (Bulben rf)ein. jährlid) ju jaljlen. (fnbltd) ijatte er auch
bie SftrrgeMnbc im baulichen Staube $u galten.
iie bebeutenben Einnahmen, weldje Die ^farrwiebemut
biernad) waHäfefren laßt, trat Martin Sd)tnibt am 16. sJ»ai
I50B bem 9tatbt *u Wörlifc um ein jätjriidK* <M)alt von
2ti SÄarf ab. jn Dem ^erfaufainftrHmente*) ftel)t auebrürf*
(ich baß ber Pfarrer ba$ ®runbftürf aufgebe wegen ber Un*
ruhe, weldu* bie weltlichen (Steftyäfte ber (^ntdverwaltong ihm
bereiteten, aud) weit er nid)t im Staube fei bad (SJefiiibe in
einer SM \n übmvaücn, woturd) Unglürf mit geueröbrunjt
vergütet werben fönne. 9tur ein Heine* ®artengrunbftürf blieb
bamalc* beim *Pfarrbofe, ift jebod) feit bem 3. 1532, in wel-
chem ber Natt) ben ^farrbof gan* abbrach unb baö ÜJtaebiger*
I>au€if an ber ^eterflfirdje Wo. 308, baute, aud) Stabteigenthum
geworben. 9cod) ift gu bemerfen, bafj in bemfelben 3af)re, in
weitem bie s4Jfarrwtebemut verfauft warb, ber berüchtigte 2>o*
minifaner $e&cl feine Hitlmtft in @örli$ anmelbete. £>a* be*
treffenbe Schreiben war vom 13. Deeember 1508 aud Sauden
batirt, unb metbete fidj $e$el bariu guin ^omadabenb, Den
21. Dccember an. Die (Srnpfanaobefcheinigung be$ Schreibend
erfolgte Deu lag Darauf, am 14. December. Vit bem genan-
ten Sage fam $e$el nad) ©örli& unb trieb fein Unwcfen mit
folgern (Srfolge, baji btd um Wartini beä 3atm'd 1509, gegen
2400 9Rarf in ben eifernen ®ctteefafteu ftd) eingelegt fanben,
welcher in ber N4taterdfirche, UnH beim Gingange burd) bad
große portal, nod) heute gu fel>en ift. Sefcel gab beim Slblaß*
prebigen nod) 3 Söodjen tu, fo bafj von bem (Srtrage biefer
#) Script, r. 1. Ii. p. 443.
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255
brciwödjentlichen Sammlung bic $eteräfira>e mit Jlupfer qebecft
werben fonntc. Unterm 8. 3anuar 1510 melbete befrei bem
ÜXatfye mi ©örlifc, baß bat goloenc 3ubrljal>r bafelbft nod) bid
auf ben 8. lag nach Ojtaru gelte. Xe&efö Auftreten in ®öi
lifc war voüftänbig geeignet, bie Artung welche btc beftehenbe
Xixdkfe no<b beim SBolfe genoß, — unb wer moajte läugnen,
baß ber ©ierftrett nia)t alle ©runbpfciler berfelbcu l)dtte unter-
graben muffen! — völlig *u verniete». %ot)omtt «£>ajfe*),
ein guter rcdjtgläubiger Jtatbolif, weldjem bie Neuerungen ein
Kreuel waren, fdjilberte üe&el'S Auftreten folgenbermaßen:
8v war von ¥eibe*geftalt ein großer ytarfer Wann, in ber
2prad)e berebt unb fetjr feef, ^iemlid) gelehrt, aber von leidjt*
fertigem i'ebenäwanbel (vnb fetneö &cbcn* alfo hvn). @r pre*
bigie $ehufd bed Ablaffc* unverzagt: er fei mel)r beim bic
Sfttttcr ©otteä $n Vergebung unb }u 93ewaf)rung ber guitben.
6obalb ber ^fennifi in'ä Herfen geworfen Hänge, fdme bic
cecle, für wela)e foldjer eingelegt, in ben $immcl. (£r fei
ein tfefccrmeifter; Allen, wela>e wiber feine 5>rebigt unb ben
Ablaß rebeten, benen wolle er ben Jlopf abreißen laffeu, unb
fie blutig in bie Jpolle verftoßen; er wolle bie Jtefrer brennen
lajfen, baß ber SKaua) über il)ren Kröpfen auffdjlage jc." £affe
nennt biefe* treiben unb ^rebigen mit iHedjt ein uucftnftlic^eö.
s3tan fagte il>m fogar nad), le$el t)abe baä eingelegte ©clb
im ©eefeu tycilwcife für fia) unb feinen fccib verwenbet, unb ber
Ginbrucf bcö ganzen Ablaßverfaufe3, ju welchem meiften* bie
alten Leiber it)re legten geller gefdjleppt, fei ein fehr betrüb
benber unb bemoraliftrenber gewefen. (fr l)abe fogar mit fid)
hanbcln lajfen unb vor feiner Abreife bie (Knaben briefe, weldjc
anfänglich ba* etürf einen Bulben gefoftet, billiger verfauft.
5>ie berrübeuben Erfahrungen, welche bic oberften tfirajen*
beworben täglidj Gelegenheit l)atten in 33e$ug auf bie sj)tora*
Utät ihrer Untergebenen ;u mad>en, veranlaßten fie ju großer
Aufmcrffamfett. Am 22. September 1508 erlaubte ber $»fd»of
Jobann v. Weißen bem »Katfye ui ©övlify einen gewifftn auä
bem ^tabtgefdngniffe aufgebrochenen Runter, wenn er fid)
wieber auf bem <Stabtgebiete fel)e» lajfe, fofort ju verhaften
unb würbe burd) biefeu ©rief bie ^erftcherung waljr gemalt,
welche berfelbe ©tfdjof fa>n am 19. Auguft bejfelben 3al)re$
•) *Ratlj*annakn, III. f. 4. a.b. «
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256
bem $tatf>e unb ber 3Namif$aft beö qorlt^er 2Beid)bilbe$ ge*
geben hatte, er fei bereit fogleich ctii^ufcbreitcu, wenn irgenb
ein ^riefter fid> ein Unrecht ui £ dm Iren fommen liepe.
Der Pfarrer Martin £d)mibt feierte, in ber betten (Sin*-
tradtf mit beut Mathe, ben 11. %ril 1518 fein 50jährige$
^riefterjubildnm*). (*r ftarb ben 10. Stpril 1520. (Sein
Vermögen, über tiOOO**) ungarifebe (Bulben, vermachte er *u
milben (Stiftungen, kragte feine leiblichen trüber gar nid)t,
he»? uod) bei fernen ^ebjeiten baö portal ber Mifolatftrcbe auf
feine Äojten bauen unb venu trete, baß mau iijn unmittelbar
vor baffe! be inmitten bed $ßege$ beerbige, rannt jeber l£iu*
trerenbe über feine fterblicheu Ueberreftc \\n febreiteu habe. Der
gang verwitterte unb halb vertretene C%abftein liegt heute nod)
vor bem portale ber <ct. 9tifolaifirche.
Dbfchon biefer Xobeäfall nid)t uuvermutbet fommen fonnte,
gerietl) ber Diatl) in grojje $krlegenbeitt, wem er in biefer
gefäbrlidjeu $eit, wo fo viele ©eiftliche ben teilaubeu wedjfel*
teu, bic Pfarre anvertrauen folle.
Dil 2öahl war um fo fchwieriger, altf, wie «£>affe fagt***),
„viel anlaufend burd) fein ientliche unb nnmtiuK Werbung von
Jtöu. .IVajenat, gürften unb £ern, für doctores, probift, ma-
iristros etc." gefdjal). I och wollte man nid)t auf ben Q)rab
ber ©elehrfamfeit fehen, foubern einen Wann haben, mit bem
ber Math grieb unb ($iuigfeit genießen forme, unb welcher bem
gemeinen $$olfe in guten, lieben unb pnei'revhchen <&itttn vor-
anginge. 9(ad)bem fte vier ÜÜodjen gezögert, befdjlojfeu fie
enblid), rannt ihnen Mein itteiu etwa bura) eigenmächtige
33efefeung in ben Üßkg fommen föune, M. Aiam Rotbart,
bamalö ui 3 piottau ^rebiger, ;nm ©eiftlichen \n wählen.
Aiam Motbart nahm ben ihm mich UnterftartMu eiber > bann
ftrnolb gebrachten Antrag an, fam, wie <Sittc, beim Mathe
um bie 2 teile ein, unb würbe am «Sonntage 3ubilate, ben
29. §tyrü 1520, auf bem ^ifarr^ofe eingewiefeiu 3Bir ver*
(äffen ihn hiev unb fommen unten auf Pfarrer Motbart &ui tut .
Urfprimglid) war bie Mifolaiftrd>e $arod)ialfwhe , wie
benn auch ber ^fetrrhof, wie gefagt, auf bem SRteberviertel ,
•) £affe a. a. C. II f. 92,
°) Ibidem II. 446b.
•) $affe ibid. IL f. MX
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ftonb, fpäter, unb ed ift nidjt genaH erweidlicb, wann? trat bie
größere unb fdpnere St. ^eterdfir^e an t^rc etelle. (Snbe beä
15. unb «nfang beä 16. 3abrbuttberttf führen beibe Kirnen ben
tarnen: ^arodjiaifircbe. Die auägebebnten Vränbe, weldjebie
et. KIMaitfafre mefyrmal* betroffen, mebnuaid jahrelang für
Den Qebraud) unanwenbbar gemadM Ijaben, mögen au<b all-
mäiig ben (kaufen fefigefeftt babeu, Die 8t. *Peter*fircbe a!6
bebre*, fernere* ©otte^auc* jur £anptfird)e ergebe«.
€eit per WeformationSjrit wirb aueb nur bie 6t. s4*eter$f irdje :
*4tarocf)ia(ftrcbe genannt.
$eibe Kirdjen, bereit fpe^cUe ©efd)id}te, mit ben übrigen
Capellen, ber Änbang bringen wirb, \ta\\Un junäcbft unter
per Obhut bed ^farrerö. (£twaö unabhängiger alä bie «pre*
biger, Äapläne unb «Itariften ber et. Nifelat * unb 6t. $c
terefirdK, ftanben bie Kapläne ber: $o*pitalfapeUe jum b*il.
©eift, ber eied)bauöfapelle ju et. 3afob, ber grauenfapelle,
ber [). Kreutfapelle, ber et. »nnenfircr/e.
Die Warnen ber betreffenben Sütarijien, foweit fie ber ®e*
[(feierte aufbewahrt ftnb, fowie bie Skjeidjnung fcimmtlicber frü*
bereu SUtäre werben im 9lnl)ange bei ber (£injelgefcbicbte ber
m 1 1 vtuMi erwdl)nt werben.
Die Kirnen unb Altäre mit ü)rem edjmncf, wie bie mei*
ften 3nftrumente würben aHö ben müben etiftungen erbalten,
unb auo ben Kapitalien, wetebe bie ^Itariften gebammelt unb
bei ibrem SUtar bureb Verlegung auf fiebere §*>potl)efen in
(grbginfen, gewöbnlid): „$fttffen$infen" genannt, angelegt fyat*
ten. 2öar ein »Itar nid?t geborig mit Kapital begrünbet wor*
ben, fo ba£ bie (Spaltung einee befonoeren Slltavijten ju fofc
fpteltg warb, fud)te man «blafj *on einigen [Soeben, refp.
Sagen ju erbalten. Dann famen bie ©laubigen, um ber
Vergebung ber 6ünben tl)eill)aftig m »erben, reebt jablreict)
SU bem SUtare beten, unb in furjer $cit waren auä ben auf-
gelegten Dpfergelbern bie (5infunfte beö Slltariften gefiebert.
Damit bie fo angelegten ©elber niebt verfd>wenbet unb über*
baupt $u feinem anberen ^werfe al* ber Dotirung beo* ®e-
ftiftd oerwenbet werben fonnten, waren mit ber Verwaltung
anbere $erfonen beauftragt, bie aud) weltlicben 6tanbe$ )eiu
fonnten. Diefe fübrten ben Warnen: „Verwefer." »etwefer
ber Stixdfc unb tbreä ganjeu Vermögend waren: „bie Kirchen*
oäter." ete beforgten, unter £)beraufftcbt be* Watbe*, bie
«<f<*id)tC cen «tili*. 17
Digitiz
258
weltlichen ©efdjäfte, gelten bie ©ebäube im Stanbe, formten
für bie ©locfen, Drgeln, bie 9ted>t$ftreitigfeiteu über bad &r*
djenvermögen unb nahmen überhaupt bie Stelle ein, weldje
bie fogenannten €aa)walter ber Üirdje (advocati ecclesiae,
in bem römtf^en Äirdjemvefen inne Ratten.
Die Aixtyn Ratten mancherlei Abgaben an ir)re geifc
liefen Oberen. £ier()er gehören bie fogenannten: 9ifd>of**
Sinfcit, an ben 93ifd>of von 9Wei|ien, welche buref; ben *Katr)
aHdgejar)lt würben. 28enn (Baumfeliqfeit in betreff t>er 3a*V
lung eintrat, wurtx bie 6toW mit bem 33anne betrogt. (£3
ift einigemal vorgefommen, bafi e* *um 93anne fam, wie fetyon
oben gezeigt ift. Unter'm 17. Äuguft 1445 fdjrieb grrebrid), ^Bifat
beä $ifcr;of$ $u Reifen, an bie oberften ®eiftltd)en in ©örlifc,
unb befahl ir)nen, Den Matt) von ber Jtanjel herab an bie (Er-
wartung ber Sifchoffyinfen $u erinnern. 8uch in Skjug auf
bie 9Wün§forte, in melier bie 3o^"n9 5» erfolgen batte, wa*
ren bie 33ifd)öfe fet)r gewählt. 5Äm 30. fRai 1454 begehrte Äaä*
var, $ifa)of $h 9)tet|ien, ber görlifcer 9tatb foüe bie 3a^un9 *n
©olb unb 6ilber, nid)t, wie er bie ®cwor)nr)eit habe, in *ßfen*
nigen leiften. 2Öie .fönig «Senkel im 3. 1411 baju fam, bie
53ifd>ofdginfen aufzuheben unb foldje auf bie föniqlia)e »flammer
anjuweifen, bleibt bunfel. Der SMfdjof von Wtfym fc^einl
bamale, um burd) biefen fönialicheu ^achrfvruch nicht in ber
golge feinen (Schafe ju gefaljrben, bie an ifyn $u jablenbe
<£umme bem Könige überliefert unb auf bie Srabt ®örli&
vervfänbet ;u t)aben. €o laßt tld> wenigftenä baä €d) reiben
beä tfönigö Stabiälaw vom lll&prü 1456, in welchem er jüa)
auf eine 33erpfdnbung ber (stabt ©örlifc mit geifHia)em 3to*#
bejiet)t, einigermaßen erflären. Die £auptabgabe ber 5ßelt*
lict)en an beu $}ifa>f war ber „Deeem," b. t). ber jet>nte
$rjeil beä Gtetreibeertrageä, auch in £aibegegenben von £o-
mg. Die €tabt hatte biefen Deeem auf ben SÄttleibenrieitf;
börfern einjufafftren, wie überhaupt alle abgaben burd) fte ein-
getrieben unb an bie betreffenben Staffen abgeführt würben.
Die Bltäre hatten ebenfalls »ifer/ofainfen $h entrichten. Da*
Cathedraticum (<£rjftuhlgelb) ber ^farrgeiftlidjen betrug jär)r*
lid> jwamal 2 (Dolbfolibi.
Sßenn ba6 Wmhn m viel 9u6gabcn hatte, verlangte man ba*
fogenannte: subsidium charitativum, b.(). 9lnr)(inglia>feit^3w?
ftufc als auSerorbentliaje Abgabe, wela>e viel 3ßiber|>rua) erfuhr.
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O'nMid) nahmen btc 9tfd)öfe für if)re 3Beif)reifen beton-
bere ©elDer in Slnfprud), welctye and) bei &ifttattonen Der
Mixdftn unb 3)töcefen unier Dem tarnen: procuratio ui jotylen
waren.
^1 u -3 Der ob in unterhalten $uägabenüberftd}t bee* gor
liBer ^leban'ä gef)t benuu , baß in ($örli$ Die (^eiftlidu-n tei>r
gut botirt unD vvaclnv oll audgeftattet worDen waren. 9)tan
fann |ld) einen begriff von Dem Umfange Dc£ fatf)oli|d)en
Seiend bierfclbft machen, wenn man erfährt, Daß allein an
Der St. ^ereeMiube nebft Der St. Ofcorgenfapelle 40 gut Dü-
nne ftltäre waren , Elitäre, an Denen mefyrfad} jwei ctitntn
gen, alfo Doppelte ^ueftattung beftanb. ,ut Den übrigen
jtirdjen: St. Di Mai, U. I. grauen, St. SÄnna, Den Capellen
jum beil (Ueifl beim Deißfyoepital, $u St. 3afob beim c ied)
bano gleichen Ramend unD unn beil. Jtreuj ober Der i). Ohabo
fapeüe, finDeii ud> ebenfalls mehrere Altäre. Dutt weniger
bebaute Die grbmmigfeit Der bieiiqen (fmworjnerfdjaft unb Der
umwotynenben 93evdlferung Die grangidfauerf treibe nn beil.
I reif a Uta, feit, wie Der betreffeube Vlbj'dmut Diefer (^eubid^te er«
geben wirb. X abei ftanD OWn im biä auf Die Deformation im
Dufe einer febi frommen £tabt, unD attt fmbinbai gefte
nun rat bier|elbft mit großem s4$ompe begangen , woju Die
enorme 9Kenge von (9ei|ütlidjeu, itaplänen unD ftltariften nnbt
wenig beitrug. 2Öir tbeilen eine Ueber|lcr;t Der merfwürbigen,
metjr oDer weniger auf Die Sinnlicfyfeit berechneten ft>mbolifd>eu
(MebiandK an Den getragen, wie foldje biä auf Die Deforma-
tion beftanben baben, mit.
2Ul|onntäglidj würbe eine große s4ko$effion in Der ^eterä*
ftubc mit gafynen, Jcer^en u. f. w. abgehalten, Umgang (cir-
cuitus) genannt, tiefer cireuitus fctyloß regelmäßig Die bobe
WeiTe. Der Pfarrer ging voran mit Dem ftllerheiltgjten, ibm
folgten Die ^tebtger mit 5 ßaplänen, 42 VII tauften »üb allerlei
&ird)enbebienten, in 3Heßgewänbern von ber garbe uad> Der
3at)redjeit. Jn Der gaftenjeit trugen bie ^lieftcr unb Sin
plane befonberc (Glorien unD große Wappen. Vhn <)k(mfonn?
tage würben Die $dnt$weige vor Der St. ^eteräfircfye feter*
lieb einreibt Vitt bemjelben Xage führte mau ben fogenannten
^alm (£fel, auf bem ein boUenieo (£f)riftuobtlb in einem iaiu
aen Dorfe ritt, bind) bie Straßen unb SRärfte ber Stabr.
2)ie Läuferreihen, welche ber 3ug beruhte, waren mit Zu*
17*
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260
djern unb leppictyen bedangen, mit Juanen gefdjmücft. 5)ie
Vornehm fteu unb folc^e r welche jtcfy bie grömmj'ten bünften,
erfauften jicfy bie (Sljre, ben (Sfel giefyen ju bärfeit. — S(m
grünen Ü>onnerßage würben bie circa 70 Altäre in ber Stabt
abgeräumt unb mit SBaffer, 2Bein unb Salbeiblättcrn abge*
lieben; t>on t>iefem läge bis tum erflen Oftei Aeic nage fdnvie-
gen bie ©locfen, unb bie Jltrc^^ättger würben in biefer 1 rauei -■
periobe burdj ülappen jttr Sttfle, Vesper uttt> Salve Waria
einberufen. — $fm (Sljarfreitage trug mau bie Jpoftie feierlich
umher, ebenfo fährten bie ^riefter einen fyöfyernen mit einer
rotten Jlapfcl bebeeften Veuttumi, um baS .§)od)altar ber
6t. *J$eterSfirctye. Sic Ijoben naefy biefent Umgänge baS hol
jerne 33i(b auf einen ausgebreiteten 1 eppidj, wobei baS SÖoli
auf ben Änieen betete. £ ann warb Das 53üt> unter &ortra-
gung bcS ÄreiijcS unb ©efang iit baS baju aufgebaute ©rab
gelegt, bei weichem bie Wenge mit Vidmun, $ag unb Wadu,
iS tum &uferftel)uugSmorgcii wachte. — SCnt ftilleit Sonn*
abenbe warb baS geuer geweift, welkes man burd) itiefel«
fiteine neu anfcfylug, nacfybem an liefern Xage alle l'iduev unb
Stityh vor ben Altären ausgelöst worbeu waren. $ln btefem
Sage bereitete man bie große Dftcrfene, weihte fic unter
SBofalmuftf, unb eutbanitte (eroreijirte) bas Xattfwaffer, wor*
auf eine *ßrojeffton mit Std)tem, Jtrcujen, 3a()tteuf Salben utto
jDel neunmal um ben Xaufftein jog, unter ©cfang ber heiligen
Litanei. 9tad) 93ecubigung berfelben vollzog ber Pfarrer bie 2Baf*
ferwcifye. — 3n ber Oftcrnadjt fanb mit bent Djhrrbilbe, welcfyeS
bie Siegesfahne in ber <£>anb hielt, unter s^ortragung bed M i eu
jeS, eine ^rojefftoit um baS Sal$l)auS (Saljfammer) auf bem
Dbcrntarfte, um Mitternacht aber in ber ^cterSftrdjc rie fo*
genannte ^oltermejfe jiatt. 9Jad) ©eeubiguna Der Witter
itad)tSmcffe uämlict), fam ein verfaßter trieft er mit einem
J?reu$e aus einem 5ßinfcl hervor unb fticfj bamit an bie 2 af nftei*
thure, wcldje vcrfdjlotfen gehalten warb, Äacf) (Eröffnung Der
3 hure ging ber ^riefter in biefelbe unb braute einige bofe
mit Letten belabeue ©eiftet nebft einigen erloften mit weisen
^emben befleibeteu Seelen heraus, welche Xrauerlieber fangen.
— $lm elften Dfterf eiertage war feierlicher Umgang ber fäinnit*
Ii dum ©eiftlichfeit, welche an biefem Xage mit weißen ©e*
wdnbern befleibet war, unter ©efang mit Jterjcn, M t eitlen unt>
galten; bei biefer ©elegen^eit braute bie (£inwohnerfchaft
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861
pfeifen unb CBetränfe $um <?infegnen in bie Jttr*en*orl)aUe.
3n Der £immelfarjrt$wod}e jofjcn bie *ßriefier täglidj mit bem
^reu^e unb Äir<$cnfafmen, nadj bcr £auptmeffe unter ©efang
ber ^eiligen Litanei in bie anberen flirren ; am £immelfaf)rt$<
tage felbft würbe ba$ 2MID be* Hitferftanbcnen in einer ©lorie
unb mit ber 6iegc6faf)ne, wie foldjefl feit ber Dfternadjt auf
bem $0<tyaltarc ber *ßeter0firct)e gefianben, 9tad)mittaa$ unter
©efang einiger $mnnen, von ben ^deftern mit (Seilen über
ba* ©ewöfbi ber Jttrc^e gejegen, unb bei biefer Gelegenheit
ein brennenbeä $ilr, ben Xeufel vorfiteUenb, f>erabgeworfen
unb von ben Jtnaben griffen. — £>a$ gro^ilei^namdfeft
würbe mit greger *Pradjt gefeiert. 33ei ber großen $rofteffton
burd) bie ©äffen unb über bie Warftpläftr, auf welken «Itäre
erbaut waren, an benen gehalten, gefungen unb gebeten würbe,
trug ber Pfarrer, ober ein $rälat, wenn fold)er anwefenb war,
unter einem feiDcjien Iragljimmel ba$ Sdler^eiligfte in einer
vrädjtigen 9Honfrran3 ergaben, wobei jwei ber älteften tttty*
Herren feine Hrme untersten. Sllle ©eiftlictyen, bie gran*
jidfauermön^e, ber £(fyulmeifter mit ben (Edjülern, folgten im
größten Ornate, fangen unb mutierten. S)ie Wenge fteUte
allerlei heilige vor, wie ben €t. ©eorg al$ 3)rad)entöbter,
ben St! Ktjriftopl), einen Knaben auf ber «c$fel tragenb,
6t ^at^arina mit einem Schwerte u. f. w. Dajwifdjen trug
man viel galten, ^reu^e, Äerjcn, ^idjter unb Jteldje, beren
bie et. Meters* unb Jtlofterfirdje über fünfzig 6tücf befaßen,
unb julefct folgten bie fünfte mit tyren Bannern unb viel
$olf. Der 3Beg war gefdjmüdt, bie Käufer mit Slumenge*
winben unb frönen ücppidjen bedangen, bie Strafen mit
Blumen betreut, 3Bäf)renb ber ißrojeftion ertönten fämmtlidje
©locfen ber <5tabt unb Wuftfdjöre ließen Choräle unb anbere
Äircbcnweifen erhallen, ^rojeffionen to folgern Umfange
fanben nur no(fy bei außerorbentlidjen Gelegenheiten, $. 9.
wenn ein 3ubelja^r begangen warb, wie 1490*) ftatt 3)a$
3ubeljafyr, weldjed im 3- 1490 nur adjt läge bauerte, braute
bennocl) an Cpfergeloe eine Einnahme von 141 9fetd)$gulben
unb 30 ©rofetyen. (5d)ließlid) ifj nod> ju bemerfen, baß ein
Slfvlrecbt in fo weit umfaffenber Sebeutung wie anberwärtS,
in görlifcer Jtirdjen, wie überhaupt in beneedjflftäbten niüft
•) N. Script. r«r. lus. II. p. 325, 326.
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aalt, ba Jtarl IV., am* 22. 9Rär& 1360, auäbrürflicf; erflärt
fyattc, Wiffct^ater feien tn «tirdjen unb jUöfiern ntdjt t>or
33er$aftuug ftcfcer. ©ei anberen gälten, al$ ©erbrcd)en, fommt
jebod) twr, bafi Verfolgte ftc^ burd} ftlud)t in ben 6d>oofj ber
@etfflia)feit retteten.*)
«
Die gcf ftCtcf) cn trüber-' unb Sdjwefterfdjaften in
©örlifc bis auf bic Deformation.**)
Hußer ben Äleftern würben nod) Vereine *n geifHtdjcn
3wetfen gefiiftet, in benen man ftd> wpfjictjtcte, mcr)r alö an*
bere teilte $ur (*rjre ©otteö unb jur ©eförberung beä eigenen
€eelenf)eil6 ;u trjun. 6rld}e Dreine entfüanbcn im 15. 3af)r*
bunbert unb ronrben nod) im 16. fcfyr begünftigt, weil man
fia) beliebte, bafl burd) bic Deformation binfäUig werbenbe
Tattyolifdje SBcfcu babnrd) ju förbern unb in neue 55lurt)c ui
bringen. 'Wan badete in foldjeu Vereinen bie d)riftlid)en
*ßflia)teit beffer al$ attbere im tljun. Diefe ©ruber- unb
(Sdjwefierfdjafteu ftifteten befoncere Altäre tu ben Jtira)en unb
übernahmen befonbere *ßflid)ten in ©etrcff be$ tfirdjengefange«*,
geier gewifler Sage, 9)?effenbefud)ä, ©egiäbnifjfolge. gaben
fid) felbft gan$e 3unungen in biefe ©rüberfdjaften unb wir l)a*
ben biä !>ent $u Xagc noa) in ©orlifc einen Uebevreft baren
tu ber Xud)maa)erfraternitat ober ©egräbnifjfaffe bierfclbft.
3n früherer JJeit war nun bie religiöfe Didjtung t>orwiegenb
über baä ©egräbnißwefen, obwotyl baffelbe bamit »erbunpen
war. Sit ben ^anbwer^briefen finben fict> Strafen tterjeier)'
net, i ©. Lieferung »oll $Öaa>etferjen. Die Aufnahme würbe
fer>r feierlid) betrieben unb war von religiöfeit (Meniütrmn fel)r
gefudjt, weil fte bann nad) tljrem $obe auf ©eelcnmeffen ju
rennen rjarten. 3«r Leitung ber ©egräbniffe waren befonbere
*) N. Script, rer. Ins. III. p. il. (beim 3aljte 1510.)
DucUen: feftfjeA *• 3N«9«A; 9^ XXV. <B. W f. unb
bort angeführte Triften »on Ääuffer (SDberl. Gkfd).) II. Dbcrt. 9tr;
beiteu $*. III. Wmt't Hcfc>rniatüm«9cft., fotoie bic <&Ubtbud)er.
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263
«erfteher (provisores) vorbanben, welcf>c bic auf ®runbftüden
l>afteiit>cn 3tn|"en einzutreiben unb \u verwalten Ratten.
$>iefc trüber* unb Schweflerfcbaften l)atten tbetlS einen
privaten Startfter, wie in ©örliö bie Srnberfcbaft 6t. «n*
tonii, 8t. Jafobi, Die Brüberfdjaft Der ^rtefter, Die- «rubere
fd>aft unterer lieben grauen ober ber $ürger*$rüberfchaft, unb
bie Brüberfchaft et. granetia, ober einen öffentlichen Gtyarafter,
wie bie Scbweflterfcbaft ber granjiöfaner unb bie Bereinigung
ber Seltnen, ober Seelweiber.
Söenn ber tfharaftcr privat war, ftanb bie Oberleü
tung bem Stalle *u. Doch übte Daneben (gleichwie über bie
a.eiftlia>eu Reinigungen) ber $ifd)of *u Weisen bie Ober*
aufftcht. IS* bietet nch hier Gelegenheit, au4 einer llrfunbe
fcer jittauer grauen »rüberfchaft eine a)arafterifti|a)e Stelle
aufbeben, welche Darauf binbeutet, bajj ba* adfülicr)e SBefen
bei bieten trüber * nur Scbwefterfcbaften ntcf>t ber alleinige
©runb bed 3ufantnientrtü0 war, fonbem ba$ viele ber Unterbai*
tung wegen eintraten, wie ja aua) noch ^eute an Singvereinen ic.
manche ^erfenen nicht bloe* bed Gkfangetf wegen X^eil nefj*
men. 3n biefer Urfunbe vom 3«l)re 1469 f>ei0t e* nämlich:
„3uni Secbften: baß bie Obengenannten alle SBocfyen
frühe in bem Hoven* $u bem Rogate corli de super etc.
fommen foUen unb barju verharren bis \u öube. dergleichen
an bem beil. <%ifttage $u bem jubila nnima, |n ber SHeffe:
cor fuipcbit, ilem ui allen gropen geften unfer* £errn, alä:
Circumcisionis, Trium regum. Resurrectionis, Ascensionis,
Pentccostis, Trinitatis nuD Corporis Christi (grobnleicfmant),
Johannis Bapiistae, Dedicalionis ecelesiae. and) alle anberen
Unfrer lieben grauen geiertage, alä: Concepcionis. Annuntia-
tionis, Visitationis, Nivis, Assunitionis, Nativilatis, Purifica-
tionis, unb an ber gaftnadjt, unb alle anbern gefte, Aposto*
lorum. Martvrum, Confessorum et virginum. 3« bell vier
Neffen foUen fte fommen unb bie mit Hnbacbt fäuberlicb unb
einftimmiglich ohne 3"*™n^ ober ^efdjwerniffe fingen. Hber
bie tfaienbrüber unb 2i$eib$per|onen , bie nicht fingen fönnen,
bie foUen ihr innige« ©ebet tlnm, al* ihnen von ®ott
verliehen rft Item, bie obgenannten trüber foUen alle Don-
nerflage über, ba* ganje 3a$r von Tonnen Hnb grauen, bie
literaten mit ben Schülern mit ihren brennenben Jlerjen fem*
berlich unb orbentlich in ber Vrojeftion gehen, nach Sefehlung
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2(>4
unferS Gerrit, be£ Legaten, unb bie Ungelernten fyernact). 3tem,
alle anberc ir)re geroöl)nlid)e «Singe jetten , alö batf Salve Re-
gina iu bcr Saßen, bie Vesperas, bie ftnfleren Letten, bic
.UJeffe: infra oclavas assumptionis Mariae ; u Unfct lieben
Srauen braußen, unb anbere Annata feilen fie nidjt laffcn ab^
gefyen, fonbern bie S^en*) fleißig vollbringen, tauber lief) Hnb
einträdjtiglicf), auf baß batf gemeine sl*olf baran ntc^t $terger-
niß netyhte, nnb (Spötterei baraud entfpringe. — — 3)od)
2lUe$ in einem folgen Unterfcfjieb, baß bie obgenannten trüber
feilen ben (£apituln unb (Balingen in ber 33ul(e unb allster
tdnflid)en verpflichtet, unb von (%tt verbunben fein, ift unfere
Meinung, liefet fo e$ irmen eine große $5efd)roerung roürbe
unb mit ui(f)ten veränbem fönnten, fonbern allein ;n ben gro*
ßen Äfften unferä <£>errn obgenannt, unb ;n bem 2(bvent nun
Rorate, unb in allen unfern lieben Frauentag * fa\tcn obge-
nannt, baju $igilien unb requiem, unb aud) jur ^Begleitung
jeglicfjen tobten s$ruber$ $u bem 9?egräbniß, unb feinem £ei*
cfyenjeicfjen follcn fie von bc$ OicdjteS roegen unb bei ein*r
s4*ön verpflichtet fein. — 3tem bie 3nbu(geutieu, gegeben von
unferm ^errn bem Legaten in ber Fullen) follen fie aud)
auf alle quatuor lempora (Q-uatember) mit einem ^Jrebiger
beftellen, baß fie bem $$olfe fürbaß verfitnbigt werben. 3tem,
auf baä lefcte befehlen 2Bir irmen von *Rea>töwegen ernftlicben,
„„baß fie e$ fürbaß auf bem Gabore bei ber Neffen, ober fonft
in aubern ?(nuaten orbentlid), jüd)tiglidj, fäuberlid) unb be*
quemltctyen halten follen, allee* unnü$e ©eläHffe, 6pafcierunge,
(Wefcbrei, (Driftetet, ^fünftem unb ^anblung follen abgetban
fein, unb alle bei einanber in einem Raufen für ben SBücjjern
fteben ?c.""
*Bon ben 93rüberfd>aften et. 3afobi, ©t. 3(ntonii unb
(5t. Sraneiflei ijt nid)t6 9tätyereö auftufinben geroefen. (§6
bleibt une» bemnad) nur bie ^Örüberfdjaft ber ^rtefrer unb bie
33rüberfa)aft unfern lieben grauen ober bie 93ürger*93rübcrfd)aft.
53et Weitem bie meiften s)iad)rid)ten ftnb un6 von ber
©rüberfct)aft ber ^riefter erhalten, obroor)l aua) biefe ntdjt
ein vollftänbigcöj 5Mlb gewähren fönnen, roe$l)alb man nur
mit 9?oiMen ftd) begnügen muß.
Die erfte (Irroäfmung gefdjiefjt von berfelben am 12. 6ept.
•) faiertage.
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1424, bei Gtelcflenfirit ber flufritftung eine* neuen %\tax$ in ber
6t. 9tifolaifir<rje, »nb am 29. Januar 1440, unter welkem läge
Heter Swertfeger für 3 9Rarf geliehene* Kapital, btefer 3}rü*
berfäaft 1 Rirbung 0>rofd)en jäVlidjen 3in* *erfpri*t*).
qemetn wirb riefer &rüt>erf(r/aft aufjerbem noa) gebaut in ben
3at)ren 1442, 1444, 1448, 1451, 1452, 1*52, 1456, 1460,
1464, 1468, 1500, 1503, 1504, 1506, 1517. 6ie befap
mehrere 9Utäre. Der im 3.1422 in ber Warrfircbe su<5t.9ii;
folai aeftiftete Hltar war geweibt bem dvanaelifien Joannes
unb anbcreit .^eiligen, weldie «Stiftung im 3- 1450 erneuert
warb; 1457 wirb ein jweiteö ©eftlft bem ^eiligen $Bolfgang
gewebt, utib 1477 ein Hltar ber 93rüberta)aft in ber grauen»
fird>e ifyr dtyentbum genannt. SBeirn 3. 1499 ff* t?on
jwei Altären bte *Rebe, nämlia) fcon einem HUar beS beüigen
3obanne$ unb $¥attbtad, unb von bem ^weiten, wetyer bem
fettigen 3obanne* unb SÖoIfgang geweift war.
S$on ben ^orftebern, ober wie ber offtyetle 9u3brucf ift
„SSerwefern" biefer »rüberfdjaft «nb if)re6 «ermdgen* fehlen
Die metfien tarnen, $efannt ftnb nur folgenbe:
1446 : 3obann greiberg.
1460: *l?aul Dciibiger «nb $aul ärobenofc.
1464: 3or>ann ©ottaw unb Martina* GJrauppe, 1465.
1466: $an( ftübiger unb 3oad)im ^efcolb.
1467: Wflaö Sragfcbeerer.
1471: 3ol;ann ©ottaw Hnb M. ©regor Hermann.
1472: tfadpar Seliger unb $eter Äertwta..
1474: ^eter 6(t)eibt unb 3orjann Sreitmtajel.
1480: Söenjel 6a>uffe( unb Sodann Detentor, fpätcr
3or)aun ^enricu^.
1481: *peter ®<r;eibt.
1482: 9Jtottr;e* 6tarfe.
1493: Xboma$ ftaffe unb Slnbrea* Wonbefajetn.
1497 : 3ofyann 9ÄoIgrcber unb *ßeter «öermann.
1499: 3of>ann sJ»olgreber unb 3ecoff (Spaltew^nbt,
fpdter, im 3- 1499, wie aua)
1500: 3of)ann Hermann unb ®eorg 3ße^mann t>on
1500 bi*
1501: 3or)amt ^ermann unb 3o^ann Breitmfdjel.
•) Actorum, (4431) üb. p. 20.
Digitiz
266
1504: ©regoriitfl 9tobar unb Wattbenö £o(mtann.
1506: Johann $?otgreber unb Watt heue* £ofjmann.
1510: Watthiaö 6walme unb Statin 3Harienam.
1512 unb 1513: 3o^ann 93reitmid)cl unb £eonl)arb
Wolter.
1514: 3ol)ann $reitmid)el unb %kttt ^ermann.
1516: Widuicl ttctiftof unb ©eorge Jjpöf.
1518: ^etcr Hermann unb 9Jmbro|tu$ Äod).
1520: tytttx «^ermann unb @e#rg «£>öt>e.
1524 : 3ol)ann 93reitmtd)el.
9Rftn faitn tnerauä fdjliefjen, ba0 alle 3afyrc bie 93or*
ftefyerfcfyaft nu-dMcltc unb eine s)feuwal)l eintrat, wobei jebod)
ber frühere 5krwefer wieber erwäljlt werben fonnte. 3o^ann
33reitmid)e(, welcher fdjon im 3- 1474 einmal vorfommt,
fd)ctnt in einen jüngeren uuD altereu gefd)ieKn werben ju
muffen unb fann fcfywerlid) ein unb biefelbe H$erfon fein. vUn c
tarnen fe muten Ijauptfäcfjlid) bei ®elbver(etf)ungen vor. (5o
waren meiftenö &(tariften, weldje bei gut botirten Elitären ©elb
jurürflegeu fouuten. Die $infcn beö gebot gten .Kapitale war*
ben ftet$ bem Verwalter ober VUtariften be$ betreffenben flltarö
be$al)lt, wenn ber wirfüdje ?fu£leil)er aud) längft verstorben
war. Dad 3iwred)t cvbte auf bem Altäre fort unter ben fol*
genben SUtarifteit.
3uwei(en fonnten bie geliehenen Summen wieber $urütf*
gejault werben unb bann famen fte an bie neuen 33efi&er, l)ier
au bie jebeämalige Verwaltung ber 5öriiberfd)aft, uumt, weldje
biefelbcn von Steuern auffiel). ©ewöfyiilid) aber würbe baö
Kapital nidn iiu in jut ürfgejaljlt, bte Verjinfung batterte jebod)
fort unb würbe von jebem folgenbeu Käufer beä mit 3i"$ be-
laftcten ©runbfturfeS übernommen. 5?act) ber Deformation
famen bie @elber an bie Jtirdjfaffe, fpäter an bie ©tabtfjauvt*
faffe, immer unter bem alten tarnen ,, Pfaffen Ritten", wobei
freilid) bie fpätereu (Sigcntfyümer von Örunbftitcfen mdu nu In
wiffen fonnten, baß biefe l'aft auf bie geredjteftc Seife von ber
Söklt auf ityrem (Stgentfyume rulje.
(Sbenfo war ed nun aud* mit ber Bürger '93rüberfd)aft,
ober $ierbürgers$rüberfct/aft, ober ber ©enoffenfefjaft $u Unfern
lieben Stauen. $ölr ftnben fte auetft erwäbnt im 3. 1447 unb
weiter 1452, J453, 1456, 1463, 1479, 1482, 1483, 1487,
1514. Sie mochte nidjt geringer alö bte vorige fein unb
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267
befaß ba$£od>altar in ber graue nfirdje (146a, 1514), geweibt
$nr Gtyre ber ^eiligen $>reifalrigfeit, 3Naria unb 8nna; fowie
ein anbereö ebeitbafelbft, $ur (Sbre ber Jungfrau 3Raria. ^eibe
?tlräre fommen in 3in6urfunben nebeneinander t>or. 8ud) in
ber 6t s|$eter$firctye war ein „SRarienaltar" (Sigentyuro ber
$ruberfd)aft. 3m 3. 1447 wirb Wfolau* Sangefritfae Hltarifi
be$ itjx geborigen Wtareö „Unfeter lieben grauen" bafelbß gc*
nannt; 1456 3obann ©ottaro ein SBerwefer bed Altäre«
„U. grau" in ber grauenfird>e. 3m 3. 1483 waren bie
^erwefer ber $riiberfd>aft: 3^ann äid)el unbfM. 3oi>ann
6d>eftmoüer.
$eim 3- 1482 wirb ein Sütarifr 3ebanne6 ttoßwein bei
einem ton ber föeid)d'Äramcr'3nnumj (institores) im 3 1474
geftifteteu %itax in ber t*cter$fird)e erwähnt.
s)iid)t allein unter fidj, fonbern aud} mit aeiftlicr^cn Q)c*
noffen trat man in be« ©ruoerfdjafttoerbanb. So im 3. 1475
am 25. gebruar bie 6djneibergefeUcu $u ©örlifc mit ben grau*
gtöfanermonctyen bafelbft *).
m& biefe Erüberfdjaften in ber Witte bc6 15. Safjrfyun*
bertd bebeutenb in Aufnahme famen, begann man folct)c mit
<*>efd)enfen unb (£rbfcr)aften fo reidjlidj ju bebenfen, baß Ädnig
Sabielaw unterm 14. üpxii 1457 bemfRatlje *u Wörltft befabi,
er möge ftd) vorfer)en, baß ntct>t Aänfer, (Härten uno Sflerfer
„unter bem Soroanbe einer $niberfaaft'' bem (befanntlid) &on
weltlichen Abgaben freien) fllcm* jinflbar würben, unb baburcr)
bem ©emeinbewefen großer 6djaben, ber (frinn>er;nerfd)aft aber
übermäßige Kbgabenlaft erwacfyfe.
bleiben nur nod) einige SBorte von ben 9iegelfd)üxftern
6t granjiöa unb ben SEkgfyinen au fagen.
2)er granjidfanerorben jerficl in bret Älaffen (Regulae):
bie fratres minores, bie JHarifferinnen , enblid} bie Terliariae
(ordo teiiius de poenitcnlia). 3)iefe brüte Alaffe roofmie
nidjt im JUofter, fonbern biloete gleidjfam bie 9icbenf(affe beä
DrbenS. 6ie Ijatte in ©örlifc ein befonbered £auö, nadj
•) 9t. *. aWogaj. 1849 (XXVI. Sanb). 82 , wofrlbjl bic mtxb
»ürbtae ^Befdjeiniaung bca bomalijjtn ©unrbiaiK 2J<U .Ronia, (ßimeff) ab;
gebntät ifr.
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268
welchem bie 9fonnengaffe fljren tarnen empfangen fyabtn foll.*)
Die $otfteberin biefeö Kaufes I>te# procuratrix (^orforgerin).
Mit bem $obtcttbud)e Der gran^iSfaner gu ©örlifc finb Wenige
9tamefl folct/er 6d}wefiern aMf und gefommen. (Sft färben
al$ procuratrix: 1502: jtatyarina; 1508: Barbara ©riß-
lertn; J510: Dorothea SRadjemvfftn; al6 6d)wefrern unb
Xbeilbabertnnen an ^räbenben im Sdjwefternl)aufe: 1346:
lela $elingeringe; 1371: 3utta; 1376: Gltfabrty gefetoattttne;
1402: Xda *Keber\mgen)nne unb 9Äargaretl)a 9tad)nawrmnc;
1483: Urfula ftamenfttu; 1485: «nna Botin; 1496: »nna
9Raqin; 1500: (Sbriflina <Sd)eumam?nnc unb SWargaret^a fyrixi*
cefynnej 1512: fertftina 6d)eunermt} 1518: Tlaw €cben-
jetynne; 1524: Äatljarina ffityaanbmtne; enblid) (Slara £)t
martynne, beren lobefljabr unbefannt ift
Die Segfyitten **) ober (teelweiber gehörten \u ben freu
wittigen Orben$gefeflfduiften, weld)e au$ Dummheit ober53o£*
beit verfahrt een waren, obgleich fte ni<f)t$ als 2Bobltf)ätigfett
unb SJfenfdjenliebe *u ihrem eblen $mdc Ratten. Stifterin
biefer @d>wefterfd)aft foü ber 6age naa) bie beilige 93egga,
eine Xodjter bed elften ^er^cgö ^ipin von Trabant, gewefen
fein. Rubere fd)rciben ben Urfprung ber 9$egf)inen einem
frommen ^rtefter, Lambert 93egiu$, ju, weldjer im 3. 1170
ui ^üftid) gelebt fjabe. Dem mag fein, wie irjm wolle, bie
93egt)inen würben niemals ;u ben regulären JDrben geregnet;
fte würben vielmebr, ba fte von ben ©efefcen ber berrfa)enben
ßircfye in einigen Stütfen abwidjen, von ber ©eiftlidjfeit aufö
beftigfte verfolgt. 6te Ratten weber ba$ ©efübbe be6 ©e*
borfamä, nod) ber ftrmutb, wobura) jic fta) von ben geweiften
barmfjer^taen S(f)weflern uuterfa)icben. Daß fte ein ©elübbe
ber Äeufct)l)eit wd^renb iljrer Srjätigfcit alö 33cgl)tnen batten,
ift anjunetymen, obgleich) nid)t bewiefen. (£$ fonnten in tbre
©efellfdjaft nt<bt nur 3ungfrauen, fonbern aua> Sittwen treten.
&ud) nahmen fte unmünbige Jfinbcr bei ftd} auf. SÖar e*
ttjnen gefäUig, fta) verheiraten, blieb tbnen biefe greift
*) Toti) fann aud) biefe Strafst tbmi 9tamen »on ben Tonnen an*
©t. SRarientfyal tragen, treibe in berfelben für jetttoetligen &nfenrt)aU in
öJorlifc traljrfdjeinluty ein 9teftbeint>au* Ratten. @. oben @. 14 unb 9t.
2. äBagai. 1849 (XXVI. *8anb), @. 288.
••) IJefdjerf, «auf. 3Wönat*färift, 1791. <S. 176 ff.
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2G9
unbenommen. 9Ran bietete itynen allerlei jrrtlnimer an, int*
befonbere bie r>on ben ^äpften infpirirten Sa)riftjteUer, für
wdty e$ einmal in ber Jlira)e feine gültige ©emeinfdjaft gab,
wenn fie nidn in eine ber gewö>ilid)en £)rbeuduniformen ein*
gezwängt war. Ü)ie freifinnigen ©djriftfteller, weld)e bie (£fyre .
ber $egfyincn retten wollten, (abrieben beufelben folgenbe t>on
ber fatboluduMt Äira)e abweidjenbe Veluiarse \u : I) ber Glaube
in ber fyerrfdjenben Äirdje fei größtenteils irrig unb rüfjre
»om Teufel ^cr; 2) alle religio, b. fy. sJDtönd)*regel, fei feine
Religion; 3) ber $apfi fönne ftd) irren (fei faüibel); 4) bie
$obteuopfer feien unnü&. Se^alb erlief $apft (Siemen* V.
eine tfonftitution gegen fie, worin er ben (^laubigen allen Um*
gang mit ben Beginnen »erbot.
2öir wollen bie religiöfcn ©laubenöfäfce ber Beginnen
baljingeftellt fein (äffen. :>uu fo viel ift gewiß, raf« jic fia)
in ben ^flidweu ber Sugenb ohne £eudjelei übten. Sie gingen
in nur ad) er äleibung, befleißigten fia) nad) ihren privat*
gelübben ohne 3wang ber sJDJdßigfeit unb Einfalt unb lafen
befonberä fleißig bie l)eilige 6a)rift. 3imdd)ft unterrid)teten
bie älteren unb .wftaubigen Beginnen bie jüngeren unb un-
wijfenben im (Sbriftentfyume unb gulen eilten. Sie waren
gegen ftdj fo ftreng in ber Sittlidjfeit, wie gegen bie Ruberen.
6ine iljre £aupfrerridjtungeu war, baß fie franfe Pilger unb
anbere arme elenbe ^frfouen in il>re $Bol)uuugen aufnahmen,
pflegten unb mit bem :Iroftc ber Religion erquuften. 3)afyer,
n>eil fte jid) zuweilen mit bem Seelenauftanbe ber Jtranfen,
Seibenben ober Verirrten befd)äftigten, fommt aud) bie ^e-
geidjnung „Seelweiber." 3« ®örli& wirfieu fic in biefer (Sigen*
fd>aft in bem bura) Äattjariua geurigin im # 1456 geftifteten
Seetyaufe in ber rebägajfc *).
£>iefe $egl)iueii waren nia>t »erbunben, ftd) in iljreSÖofy*
nung etnjufdjließen; fie gingen öftero* auö, trugen ben Xrofc
reo (Glaubend unter bie ^eibetiben im öffent(id)en ?eben, nah-
men freiwillige SClmofen Jlnberer an unb wwenbeten foldje
fluni heften iljrer jeweiligen ^ftegebefoljlenen unb Sdjüfrlinge.
3fyre Xradjt war bie einfache bc$ gewöljnlidjen gebend unb
geigte feine Spur son JDrbenäinftgnien. Sie würben außer*
orbentlid} geartet wegen i&rer milben, weitumfaffenben Sßirf*
*) 6. 240.
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270
fiim feit; Ätnber unb junge Verne fanben fu1> oft bafelbft ein,
unb ber Reformator von ®örli$, Pfarrer Rotbart ober S*»
pertuä, (oll ihnen bie Bufflärung feine* Weifte* *h verbaufen
qebabt haben, ba er al* ^dinlfnabe oft von ihnen Unter
weifung erhielt.
Mit ber Deformation 91119 jeboa) and) tiefe woljltfjätige
Sdmufterfdjaft in ©örli$ ein. In baä Hlmojengeben mau
mehr al$ ^flia)t befonberä geprebigt würbe, Irrten bie meinen
(spenben auf, ein SBeweiä, wie wenig bie frühere $reigebigfeit
ber Vente Dem eigentlichen (^efnble für ^armheniajeit )ugc
fa)rteben roerbett fantt. Tie 93egt)iiien erhielten fid) mübfam
bt* uuu vuihre 1530, in meinem oahre bie jweite \]\ n$weifung
beä Pfarrer ÜHotbart, ber ihr befonberer (Mönner geblieben war,
erfolgte. Dann aber mittue ihie sltarbiubung and Jniereffe
lojigfeit ber (£inwotmerfd>aft aufgegeben werben.
5)a$ 4r>aud würbe im 3. 1537 nebft beu wenigen (Mb
unfen beut ftrauenbo*pitale jugewiefeu, unb ift feit bem vuibre
1555 $hnt$wol)nuug beö 9febiiuu6 ber <5t. ^eteräfiraV.
Die Wünjwirren*) 1516 ff.
Daä 9Nünjrea)t hat bie (Stabt (skulin feit nnbefannter
3eit. Heber bie erfte (£rlaubnifj uim ÜXänaen iji feine Urfnnbe
vorfyanben. 3« einer Urfnnbe bes «£>erjog$ ^emneb von 3auer
vom 3. 9tpril 1322, in weichem er bem Stamnunb v. 9teueä*
fyoven ra* ÜRed)t eine* s)iiduer* in ©örlifc erblid) ui befttjen,
gewährt, wirb von (^örli^er S)fam$e (Gorlicensis monete) ge-
fprodjen. 3m 3. 1330 fa)enfte ber Äönig >bann am 13. 8pril
(VI. fer. infra oclavam Paschae) voll Vuremlmrq auä, ber
c rart ba* Wiinuedu, weil fie ihm bie jähr Ii du- € teuer auf
brei 3al)rc vorausbezahlt habe. liefe* ?Kedw betätigte ihr
&önig itarl IV. bei ber großen $kjtätigung aller ^n^ilegten
am 14. @ept. 1347, fowie unterm 15. SWai 1356. (£benfo
•) $affc. «at^annalm. I. 471 h. II f. 4—80. III. f. 2 ff. »gt.
mit ber Eberl. Urfunbtnf. a. m. O.
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271
bie folgenben Könige. <B ift in feinem Dofumente angegeben,
wie weit ftd) ba* Nedjt erftrcdte, ob nur ۟bermun*en, ober
ob aud} ©olomüiuen gefd)lagen werben fonnren. Dod) ifit e$
gewip, bap ber #a^ ju &orliö niemalö Ghitoen unb ©rofdjen
fonbent nur Pfennige gemimjt l)at. Diefe Pfennige, weld)e
fefjr häufig gefunben werben, Ijaben bie ®röpe eined falben
<8ilbergrofd)entf, finb aber biinner, »on Silber nnb tragen auf
ber £auptfeite bie 3nförift: gor (gorlitz \ umgeben von einem
(Sirfel in einem SEKererf; auf ber tfeljrfeite befinbet fidj eine
Ärone. Die ©örlifcer prägten in früherer 3eit Derbältnijj*
inäpig nur wenig. Die unter ©regor Selige bem Bürger*
meifter (f. 1438 ff.) gefcfylageuen Pfennige würben (Tregor
Selige Pfennige genannt; eö gingen 7 auf einen 3^igrofd?en
nnb 28, fpäter 34, auf einen ungarifdjen (Bulben. Die ©ör*
li$er famen über bie Ännabme ber sDtuit$e in Streit mit ben
übrigen Sttoten unb benen Dom Öanbe, weiden 3wift eitblidj
Jtönig ©eorg ^obiebrab bat>tn entfdjieb, bap bie görltpct
Pfennige von alten eedtfftäbteit unb bem &bel genommen
werben foüten. Dod> blieb bie s))tünje nid)t bloö in ben 6ed^
lauben, fonbern war in ganj Btymrn unb Sdjleften im Um-
lauf. 3ur 3eit bed «ürgermeifter* ©eorg <£mmeri<$ (1483.
1488) f^lug man Pfennige, 7 auf einen ©rotten, aber 48 auf
einen ©ulben: fie waren aifo leidjter wie bie früheren. $eben
biefen lief er aber aud) nod) beffere fd>lageit, fo bap 7 aör*
lifcer Pfennige gleid) waren 8 W1>mifd>en unb auf bie 3Karf
72 gingen. Ife würben von ber fdpereren Sorte aber nur
wenige gefdjlagen. 3m 3- 1506 u. f. 3cif>re fanben fid) jebod)
plö^ltd) polnif^e ©rofdjen tu ungeheurer Ueberjafyl ein, nrity»
renb görlifcer Pfennige »erfdjwunbcn wareu. <$$ trat ein
groper Langel an Sdjeibemünje ein nnb bie sJ0fttiue polnifdjer
>ißär)rtmg fiel, bie Lebensmittel aber würben rl)eurer, sumal
9tiemanb roed)feln fonnte. Da ber ^erfHd} eine* Verbots ber
polnifdjen ©rofdjen nid)tö fruchtete mtb überbie* bie "öreolauer
eine neue Art fd)lejifd)er gelier im X 1471 *u fdjlagen an*
fingen, befdjlof ber flatf) $u ©örlifr jid> feiued SHünjred^
wieoer ju bebienen Hnb münjte Dorn 3- 1510—1515 ununter*
brodjen, fo bafi in biefen 3afyren einige tyunbcrttanfcnb Sd>od
görli&er Pfennige in Umlauf famen. Seit bem % 1510,
nodj mel)r aber feit [1516 famen plöfrlidj eine SRenge fd)le<^
ter fupferner, felbft eiferner ÜÄunjen, mit ber Ärone unb
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272
auf ber äehrfeite bic ©ucbfitaben: „got" in £ur*, woburd> t>tc
neue» gdrlt^er Pfennige, $umal fie fd>(ed>t geprägt waren, in
folgen 3Xipfrebit gerieten, ba0 foldje fogar in Böhmen ver-
boten würben. Sin ©raf im §ar\c war ber galfchmünjer
unb Verbreiter ber falfc^en görlifcer Pfennige. £)bwol)l nun
ber ^Hatl> überall in ben 6ldbten vor bem falfcfyen ©clbe
warnte, in ©örli$ öffentlich bie vergebenen Korten falfche
sJWün*c an ber SiJaage aushängen ließ unb enblid) benen mit
Jtonficifarioii be$ Ötelbcö, ja mit ©efängniji brohte, welche
baä falfche @klb annehmen ober auegeben würben, fyatf bodj
fllleö nichts, ßm (fnbe famen görlii&er Pfennige, äd)te unb
unddjte &u Xaufenben nad) ©örtifr ^uruef. 4)aburd) fam
Raubet unb Sanbel mit bem 9(uölanbe, befonberä mit s^olen unb
Böhmen In* 6totfen; benn Sfiemanb wollte görlifcer SWünje
nehmen, unb e* waren fd)liefitid) in (*)örli& unb ben 8e<h$ftdbten
faft nur görlt^cr Pfennige im tfurä; weil ^ermann bad
nldjtgörlifrer ©elb, *ur ©enu&ung nach außerhalb, jururfl)ielr,
ober verwenbete.
Diefe Angelegenheit würbe in fcöbau auf ben fcchöftäbtifcheii
lagen, in ^rag auf ben böhmifdjen l'anbtagcn mehrmal* ver*
banbelt unb veranlagte uneiiblicr)e Schreibereien, Grfläruugen,
^rotefte, Erläuterungen, ßwiftigfeiten jwtfdjen Sanb unb £täb<
ten, bie* ber Katy allmäljg &um großen Schaben beä &om-
munverbanbed fo tfemlid) alle falfdjeu Pfennige einfielen
uub vernietet hatte. Seit bem 3. 1530 ff. würben bie *j*fen*
nige wieber angefehener, weif ba$ fd)led)te OJelb verfchrounben
war; bod) mußte bie 6tabt noch im 3. 1527 fty vor bem Könige
gerbinanb wegen ber sJWüiijwirren ober be$ „Wuii^rt^unib'd"
gegen bie Antdjulbigung Oer 9iitterfd)aft, fie habe baä tfanb
beti ugen wollen, weitläufig vertheibigen. Diefe Angelegenheit,
bei welcher ßinjetne ber ©ürgerfchaft, intfbefonbere aber bie
Tudjmacher wefentlid) in ihren Skrhältniffen geftört unb ge*
fränft worben waren, nährte ben feimenben @eift be* Unfrie»
benä unb Unwillen* iu ber 6tabt (*iörli& gegen ben Nach,
obwohl ?e$terer, außer ber Unbefonnenheit, folche Waffen
Pfennige vlöfclid) in ben Skrfehr au werfen, natürlich für Die
batf görlifcer (*Jelb entwerthenbe galfchmünjerei, nicht einftehen
fonnte. Seim ^önfall würbe vom Könige ber Stabt auch
bad SRün^rivilegium entzogen.
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273
Aufenthalt beä ©ifcrjofö 3of>ann v. ©let>ni& (*u
Wcipcn) in ©örlifc im 3- 1520*).
(§3 würbe befannt, baß ber 33ifd)of von Weißen in Sauden
bie Älofterfirdje weisen werbe, unb bann bie §lbftd?t habe tm
SBeubenlanbe «£>od)amt ju haitat, um bort baef 6aframent
ber girmung $u fpenben, $u weldjem 3*t>erfe er btö (Sberäbadj,
ftengereborf, Otot(>enburg sc. fommen werbe. Da" nun in ©ör*
im aud) mehrereö ju weisen war, (Riefte ber 9tath, befonberS
in ber XMbudM, ben in 93e$ug auf ben fatbol if djen Glauben fdjon
wanfenb werbenben ©emüthern burd) bie. geierlidjfeiten bei
biefer Gelegenheit einen neuen $ttiffc^n>ung ju geben, ben- Sur*
germetfter 4paj[e nad) ©aufcen. 3hw erteilte ber ©ifdjof bie
3ufage, er werbe ©öilifc befugen. Der 9tath erfuhr feine
ftnfuuft brei Xagc juvor, empftng ben von SÄothenbujg fom-
menben geiftlidjen gürften bei Subwigäborf, unb getötete t^tt
über bie gelber burdj bie 2unifc uub fcen ©raBeii nad) bem
reidjenbadjer $hore, bamit ihm uicht auf ber ©algcqgaffe ba*
^oc^gevtd)t einen Xnftoß gebe. Diefe* (pinjug gcjdjah am
Stbenbc vor bem grohnleichnamätage (6. 3um). 9lm reichen*
badjer Zfyoxt empfing ihn bie ©eijHi<hfeit, ber Pfarrer unb
bie Äapläne in ihren beften @l)orgewänbern, bie gran$iäfaner*
mondje mit Äerjeu unb ben fonft nur an fyofyen gefttagen bei
ben Umjügeu benutzten äirdjenfafynen, welche bei biefer ©ele-
genheit von befonberä ©efteüten au$ ben Innungen gerragen
würben. Der Pfarrer rebete ben 33ifd)of bei bem ©djlage im
innern 9*aume ber großen ©aftei (be$ Jtatfcrtruje«) an, unb
braute ihm ben ©ruß ber ©eiftlid)feit. 211$ nun ber Ätrctyen*
fürft unter ben beim reidjenbadjer Xl)urme gehaltenen Ztyon*
himmel getreten war, begrüßte il)n am innern reid)enbad)er
%tyxt ber Statty, mit einer ^lnfprac^c beö bamaligen £>ber*
ftabrfd)reiberö £affe, welker in feiner Diebe bie (Stabt wegen
ber \\)x jefct ju Ztyil werbenben (fr>rc glüdlid) prieö. Der ©if#of
antwortete: „bie Qfjxc, fo mir geflieht, wollen wir Alle ©ott
jumeffen!" Unter großem ^olf^ulauf ging nun ber 3ug nach
ber *i$eterdfirche, wofelbft bei bem ©raufen ber fdjweUenbett
•) Sctylterang in $aff<'ö «Rat^nnakn t. II. f, 442b. 443. 4 44.
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274
£)rgelf lange mehrere Sieber, unter anbeten aud> Da« „£err
®ott bid) loben wir (Te deum)" gefunden würben, nad) beren
Skenbigung ber ©ürgermeifier mit bem 9iatbe Se. (Knaben
in bie bem 93tfdjof au6gewäfjlte SBorjtiung — ©ernrjarb ©ernf*
iQanü — geleitete.
flm folgernden Sage, bem beil. $eid>nam0fefite, fyirtt ber
Sifcfyof baö Jpodjamt in ber St. ^etereftre^t ab unb tmg bei
ber 'Jfrogefitou ba* Slflerfyeiligfte; bte SRöndje, weldje früher
au$ ber JUofterftrdjc einen Umgang mit ifjretn Saframettt
auf bem Obermarfte gu galten pflegten, fallen aber fc^ou mety*
rere 3afyre abgestellt Ratten, gogen bicftmal, be£ 33ifd>ofö fal-
ber, naefj ber ^eterdfirefte, brauten tt>r Saframettt tu bie Sa?
frtftet unb fdjlojfen ftd) ber großen $ronefjiott in ber iiirdpe an.
9lad)mtttagS weitete ber 53ifd>of bie 60 (Zentner fernere
IMlocfe: „Huna"; unb vollzog barauf in ber St. ©eorgenfa*
pelle bte girmung.
&m ftreitag weitete ber 33ifc^of bie bamaltf erweiterte
9cifolaifird}e itebfi bem Äird^of, unb würbe am Sd)luffe bie*
fer geierlidjfeit mit 10 Seifigen über SBenbffdwfftg, Qeutfcfy*
offig, Ätttlifc, bis nad) üöbau geleitet.
2>ie fteftlicfjfeitett bei Gelegenheit biefeS btfdjöflid^en 9Be?
fudjeö waren, fo $u fagen, bafl lefcte §hif fiatfern be$ jfatfyolt'
ci6mu$ in ©örlt$. <Sr war, wie ba$ golgeube ergeben wirb,
bamit feierlich ju ®rabe getragen worben.
8tonf$e$ttte$ föiptttl,
(Eingang ber Deformation. Bewegung ber 99urger*
fdjaft gegen ben JRatl). Stillftanb ber Bewegung in
jolge beä großen ©ranbeS. 1521 — 1525.
2)ie großen (Sretguiffe, weldje in golge ber lut^erifc^en
Jtirdjenreformation gauj £)eutfd)lanb erfdjütterten, unb ber Vht
waren, wie ein 3«^den°ffc*) fa9*; *H* Ännalien,
S Grifte unb ©ebädjtnufj uuferer SBorfafyren fcfjwerer unb ge-
*) £afff a. a. £). Ilf. 1 f. Differ gange SBanb ifl $auW4Utne. $ilf*;
miüci: ^Dif^manll,^ $riefUrf$aft bft Dbfrlaiifo. KüHet'« ÄeformaHon««
gefetzte ber Ofectfalfty.
-
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275
9
fcfmunrer nidu oertoeifcn, nod) benen gleid) geachtet mir ab-
rechnet mögen werben, Die untere Beelen, O'bt i\ (Mut, gemeiner
vrtart Eingang unb (%ten betroffen haben," verfehlten ui du
auf bie 6ed)0ftabte ber Ooerlauftfy, inöbefonbcre ©orlifc, über
r aufteilt' uftiteli ciuumurfeu. Umwälzungen auf tem Webiete
be$ üultuei haben aber ;u allen Jetten politifdu Bewegungen,
wenn fee md)t von Anfang an mit ihnen oerfdjmoljen mären,
im ©efolge nadjjuweifen. @o and) beim (Eingänge ber De-
formation in unferer <Stabt.
Die neue Eefyre, burd) oiele Xraftate, welche bie in 3öit*
tenberg unb £eip$ig fhibirenbeu Oberlaujtyer in bie Jpeimatl)
gefenbet hatten, oerbreitet, mußte in (Berlin einen guten 33oben
' ftnben. ÜÄan hatte ben ffantalretduMt 93ierjtreit mit bem
Pfarrer Sobanneä Sehern nod) im ©ebädjtniffe, bad wüftc
unb leichtfertige I reiben ber 2Utariften nur Äap laue taqlutj
vor Äugen. 3Ru$ten nidn Vuthero 6djriften, welche gegen
bie Sittenlojtgfeit uub 3$erberbtfyeit beö Damaligen ÄleruS auf
\>a& «Viernau e eifern, gerabe hier großen Wnflang ftnben Y Wau
hatte fo oft baö fdjamlofe benehmen fceo ^rebigermönchea
Xetui, reffen Untugenben mctnuiglid) befanut Ovaren, mit Wiji-
fallen bewerft uub taut getabelt. $Wu£ten nidu taher Vutbei>
geuerworte gegen ben ftolaßfrämer gerabe in ©örlifc um fo
mehr Beifall erlangen, wo mb lefcel fo oft in feinem geiftli
dum Dünfel gefpreigt, fo mancher Herfen ben lefueu «heller:
„ber Vergebung ber 6ünben wegen" au$ ber Xafdje gelocft
hatte?
3» unferer @tabt fam ju biefer religiöfen Aufregung ned>
eine $Rißftimmung gegen ben Watt), rveldu-, in bem ununter'
brocken lebenbtgen unb im Stillen feit 3af>r!>unberten fort*
wuchernbeu ©ebaufen, einer 33eti)etligung ber Innungen an ben
<ßrtoilegieu ber furf4r)igeu ©efdjlechter, ihre (£entraltfation, in
ber 3)ftmjoerwirrung , bei bereu Verlauf gerabe bie ärmften
(yimpcbuer großen (Schaben \u beftagen hatten, enblid) in ber
fchmcihlkhen gluckt ber GJefchlechter, als wiii)renb ber ^eft *ou
1521 ber Aufenthalt i« ber ©tabt gefahrbringenb war, iljre
Anfnüpfungöpunfte fanb. 9Äau Khob rao ganje (Slenb jener
brangfalreicheu 3«* ben Dlatl), ber, fiete im ßknuffe ber
materiellen 2$ortt)ei(e be$ bamaligen patrijifchen ©emeinbe?
lebend, bie nid)t prhnlegirten ©emeinbegliebcr, aerabe alä ^>ilfe
am nott)toenbigfien war, ohne oorbeugenbe ÜatfyfäläQc unb
' 18*
«
Digitiz
276
•
rettenbe Unterfhifcung v erließ. Der ttufftymung, welken bic
(SJemütfjer burdj bic neu fyereiitbrca)enben religtöfen 3bccn gc*
wannen, gab ir)nen euergifeben süßillen, fta) aud) an bic Ser-
waftung ber Srabt $u wagen, um fo mehr, als bereit fftepxfc
fentanten, and natürlichem fonfervativen 3"tereffc, nid)t in bic
allgemeine Segclfiterung einftimmten, fonbem ber fyereinbredjen'
ben neuen fcit «neu ijemmenben iamm entgegeuaufefcen be-
müht waren. SBie bei ben Bewegungen bee* 14. unb 15.
Sabrfyunbertö, war baä $al)lreid)e, in feiner lUWefyrfycit ditmü-
tr)ige, unb bafjcr im vollen Selbfibewu$tfcin feiner Jtraft mäaV
rige (Bewerbe ber Xudjmacfyer, aud) bei ben nun |u fdjtlbcrnben
Scfrrebungen an ber €:ptfcc.
Die Sauet nunrufjen in Deutfd)lanb matten |ld) eben-
falls in ber £>berlaujt(j fühlbar. Die oberlauftfcer Saubleute
fdjmacbteten itklu weniger alä il)re fdjwäbifdjen, fränfifdjen
unb tbüringifd)cn (SJenoffeu unter bem Drude ber Seibeigen'
fdjaft; waren in nidjt geringerem IVaßc alo jene ben SNifj
fyanblungen eine* rohen unb übermütigen 3unfertl)umd aue
gefegt*), in ber llmgegenb von ©orlifc fagten bie Sanblcute,
alä bie Sauernaufftänbe im Meidjc befannt würben: „Sollte
(*)ott, baj* bie aufgeftanbenen Säuern aud) ju uns* fämen; ftc
folltcn uufere Metter fein!" (£in Bauer von Xroitfdjenborf
würbe* wegen foldjei ^euperung aue* bem l'anbe gewiefen.
Uebrigcnä behielt est iüd)t allein beim Sieben fein Scwcnben.
Die Sauern gingen $ur Xfyat über, ^tele Dorffdjaften fean-
ben gegen ihre (£bclleute auf unb vertrieben fte von ifyren
Mitterreit. €>o gefdjat) cd in Meict)wa(be, wofelbft ber £err jur
glucfyt «mwungen warb; fo tu Mengereborf, befreit £crrfdjafi,
eine 2Btttfratt, cntwtd), unb beim Äatt)e £ilfe fudjen mußte.
5Muf Sitte ber (£beüeutc würbe Seiten* bc# Matfye* \u
©örli|j gegen bie $ufrüf)rer auögejogen, unb bie Xbürme unb
(^efdngnijfc Oer 6tabt, mit ben 9nftfftern unb Äufwteglern
gefällt, wovon übrigen* ber Math nidjt allein ben (5 r eil euren,
fonbem aud) ftet) fclbft ben metfien Kiefen verfprad). Die
|tal)lreid)en (Sinferferungen waren vorjüglid) in ber 3bce be*
görltfcer Matfje* begrünbet, bic (§inwoi)ncrfd)aft ber <5tabt,
wcldje begann unruhig $u werben, eü^ufa)üci)tcrn.
•) (*in »eifpiel foltyr tto^eit f. N. S. r. L. III. p. 47. Seiten*
eituö 3unfcr*, SBaltfyafar t>. ©erttorf auf Xaudjnfc.
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©erabe jur itxt ber *ßefc alö bcr 9iat£> flüchtig geworben
war, begann ber im 3. 1520 eingewiefenc Pfarrer Rotbart
feine ^rebigten im luiherifdjen ©eifte. @r würbe in feinem
Vornehmen wefentltd) unterftü&t burd) ben im 3. 1491 $u '
9io<hli$ geborenen, nnb 1515 von SMfdjof Johann (v. Sal*
Raufen) }« Weißen ^um ^riefter geweiften M. SBencbift gifcher,
ber fdjon feit bem 3. 1516 in ©örlifc wirfte, ein1 aufgeflärter
Wann war unb in großem 2lnfet)en bei ber ©emeinbe ftanb.
Bciber Männer s4*rebigten, inäbefonberc baö X^ema, bic SRecht*
fertigung eines Sünbertf burd) tfbriftum, behanbelub, wirften
um fo mächtiger auf ba$ gemeine $olf, al£ bie täglichen
Sterbefalle bie Wenge au bie moglicherweife balb einrretcnbc
lobeäftuube mahnten; alcJ bie fctfyrc ihrer s4*rebiger ftc barauf
aufmerffam machte, wie nicht bie religiöfen gönnen unb beren
$eobad)tung ben Wenfdjen von Sünbe reinige, fonbern nur
bie (Srfenntniß ber Schulb, unb ber eigene ifeille ber 93effe*
rung bie Hoffnung auf ba$ ewige £eben *u fidjern vermöge.
Söenn man ben ^Borten ^affe'ö (a. a. £>.) trauen ODarf, $xt*
btgten bie beiben ©eifilictjen auch von ber StafytU alle Remter
unb beren SBcfepung müßten bem gemeinen Wanne Aufteheu;
burd) ihn feien 'öürgermeifter, JJiat^männei unb s^rebiger &u
berufen; bem sßrebiger gebühre efl auet), $efd)eib §n geben in
Bachen, bie bie ©emeinbe, bae weltliche Regiment beträfen;
er l)abe bie ^>anbl)abung ber ftäbrifdjen ©efefte, ber Stabt
3BiUfür, gleichfalls \\i beaufftdjttgen. ^affe fcfct an biefen
Stellen Imiku: eigentlich hätte wofyl ber gieriger in feinen
fteben baä nicht auSbrürflicb fo gefagt, bod) fei bie gaffung
ber Slrt gewefen, baß ber gemeine Wann allein obgebadjten
Sinn barauS gefogen habe; 33ewciö genug, wie fel)r in
ber Wenge jene ©runbfäfcc pm 3$ewußtfein gefommen waren.
1>iefe ^rebigten würben weit unb breit rudjbar unb zahl-
reich von £tabt unb 2anb befud)t. ü)od) würbe fchwerlich ber
9tatb, wie bod) er auch baö baburch bereitete Wergcrniß an-
fd?lug, \u ©ewaltmaßregeln feine Suf1"^ genommen fyaben,
wenn er nid)t von anberer Seite befiänbig ju bergleidjeu an-
geregt worben wäre, *$aul Fachmann, 8bt p 2tft 3c\lc, ein
letbenf^aftlic^er Siberfac^cr fcuthcr'ä*), fenbete feine $ahlreid)en
•) (fine fejner @d>rift<n (som 3<u)re 1524) fü^rt ben Sitel: «iber
bat wüb 9f»ffernb (Sberfötoem Lutherum.
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etrettföriftcn regelmäßig an ben ftatl? ju ©ortift, mit bcr
^ «Rainung, in wtlitfM £ntfyertyum nid)t auffommcn ui laf*
fen, fonbern ba* Unfraut ausrotten, weil e$ noch 3*" feu
'Da biefe (Srinnerungen wicberholt famen, ermannte ftd> enb-
lid) ber föatlj. Gr fcnbete eine Deputation au* fetner SRitte
an ben «Pfarrer M. $r. Rotbart, unb brang in ben ©eiftli<hen,
von ber neuen Se^re abjulaffeu, unb ben Safcungett ber fa-
tholifdien flirre gcmclp *n prebigen. Daffelbe tHnfudjen braute
bie Deputatton an ben ^rebiqer M. gtfd>cr. Seibe erflärten,
wiber ir>re Ucberjcugung nid)t reben ju fönnen unb legten
ihre Remter nieber, ja M. ftifcher würbe buref) t>en s43ifcr;of ;u
Vitien auf Antrag beö ftatheö förmlid) eutfe&t. »n be*
^c&tercn ©reut fenbete ber $ifd>of feineu £offaplan, M. m*V
dfiot Siübet, nad) ©örlifc, wofclbft er am 16. *sau|t 1523
feine $n*ugöprebigt hielt. Dod) erlangte ^übel feinen ©n*
flu0 auf bie ©emetnbe. Die Deformation trotte fd>on ju tiefe
^ßur^eln in ben ©cimithcru gefapt, unb feine ^rebigten waren
$u leibenfehaftlich unb gegen bie Reformatoren heftig, alö baji
fte trgcnbwtc ber (Sache bc6 itatholicidmuä hatten bienen
fönnen. Vielmehr $og er ftct> ben Unwillen ber ©emeinbe im
rjöcfjftcn ©rabe nt, unb wliet?, wabrfcr/cinlich aut* gurd)t nor
S^tttAfefcteit, im 3. 1524 bie Stak 6ein. Nachfolger So<
l)ann *l$re|}, wich ebenfalls fogleicb, ale* er bei einer *Pro$efjion
nur burd) baä @tnfc^retten ber 6tabtfned)te wr StiftycraMmir
gen gefehlt worben war. Da£ eine foldjc Skradjtung bcr
römifa*tatf)oUfd&en Zeremonien in bie Stetige gebrungen war,
hatte feinen ©runb in ben veformatorifer/en ©eftrebungeti,
welche dou bem, au* £of im SBotgtlanbe gebürtigen, M. 9?ifo;
lau* 3eibler, ben ber ftatr; nod) nir 3eit ber Sfowefenhcit
be* Pfarrers föotbart berufen f>attc, ausgingen.
Der ftan) hatte Hefen M. 3eibler hauptfätyich aud bem
©runbe t>on $reölau nad> ®drlifc emgelaben, weit er in Breeu
lau wegen feine* ßifer* für ba* fßapflt^itm affgemein ver-
halt war. Der berufene gab auch bei feiner Slnhinft in ©örlifc
bem ftarfye baö ^erfpredjen, ftd) aller ©ebühr nad> bem alten
©lauben galten ni wollen. Dod) reifte M. 3eibler, vor 51m
tritt feine* 9lmte*, auf Sefud) nach granfen in feine £eimath,
unb würbe bort aum lut^erifchcn ©lauben befcfjrt, al*er ben @e*
fang beurjcfjer Äirdjenlieber au« bem SRunfce eine* SRäbchenö
t>ernahm, welche« auf einet ffikfe ©ra* metyete. er^
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< ——————
f a mm barauo," erflärtc er nachmals bem 9fcathe auf befjen 33e*
fragen über feine crftaunenSwerthe @Hauben$änbcrung, „baß
auch bic armen $)ienftmäbd)cn batf Evangelium empfangen,
wüfjte and) jetu nidtf mein bavon ähnlichen. 3d) fann ici.u
Oii cum ab mehr &u St. 9iifolaud ober St. äacf/auiia, foubern
allein \u @hnfto weifen!" — 2ßic eben gefagt, bei ber %\v
trittöprebigt bed neuen *ßfanerd, nach feiner SRüdfe^r auö
granfen, hörte ber eifa^roefcne fltath, buva) ben neuen ©ciji*
liehen bem Ü^olfe bie lutrjerifche l'erjrc nod) t>icl überjeugenber,
wie Pfarrer Rotbart pflegte, Ott batf red;te Evangelium an*
preifen, Dagegen ben ^apft, ben Alcruä, bie «ftivdjenorbnuna.,
bie gurbitte \\\ ben «heiligen auf ba3 £eftigfte fdjmä()en. S)ie
Abmahnungen bee* Dfat(>c^ wirften bei bem feurigen Wanne
nicfcttf. Seine föeben begeifrerten batf $$olf, uub würben bem
iRaihe um fo gefährlicher, je mel)r er bem Pfarrer ÜBiberfianb
;n leiften verfner/te, unb je verbreiteter bie Slnftdjt warb, ber
SKatl) fei ber $emmfd)uh bc$ geiftigen gortfehrittä. Wau be-
achtete ben ?7lath nid)t; wich feinen TOItgdebern uub ben jßrie*
Item bei *Pro$ef|ioueu, fogar bem 33ilbc betf ©efreujigten nidrt
mehr auö, unb c£ eutftanb felbft in ber Äirebe beim Slnblirfe
von 9iathömirgliebern eine fola)e Unruhe, baf* fich bie SBäter ber
Stabt auch im ©ottcetyaiife uid)t mein fichcr fühlten. iJer uitheug*
fame M. $etMef fuhr in feineu «rebigtett uuaufhaftfam fort.
Er eiferte über bic Zeremonien, bic ^riefterfchaft unbWönche,
bic JDbrenbeichte unb SBinfelmcffeu, baö ffieihwaffer unb föäu-
dKrwerf, fowie bie »ergebenen Safeungen ber römifdjeit
Äirdjc, unb gebaute aud) (waö ihm ber $ath nicht verleiben
wollte) oft bce abgegangenen Pfarrer*. M. Rotbart fei ein
achter «ftirt unb Seelenwärtcr gewefen, um baä 5ßolf, feine
Schaf lein, auf bem ftttger betf Evangeliums \u weiben; weil
ihn nun ber töatf) beä Evangeliums wegen aud ber Stabt
unb au* feinem s2ßirfungdfreiö getrieben habe, fo fette mau
©ort um feine ÜBicberfchr inbrünftig bitten, ber £öchfte würbe
biefe (Mebetc ud)erlid) erhören.
5>er Dtath fajrieb wieberholt an ben 5Bifa)of ju Weisen
um gute ^rebiger, ba er: „von wegen gemeiner Stab fich
nicht gerne fo balbe in biefe newifeit cinlaffeu, abtr viellicber
ber alben <hriftli<hen Religion, fo möglich, halben wölbe,"
aber auch wm Wethen fam feine £ilfe, ba e* bort ebenfo wie
anberoärtf an gewanbten unb geiftreia>en ©ciftlichcn man*
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gelte, wäbjrcnb btc ©ferer für ba$ £utf>ertfmm mciftenö burd)
ÖJele^rfamfcit ftd) aufydcbneten.
3eibler würbe auf bem *Pfarrf)ofc fcfyr bäuftg von ben
(SJemeinbcglicbcrn befugt unb fcfcte bore bic Vefebrung ber
©entütrjer im 5$rivatfreife fort, wo er awcifello* feine Sebren .
noefj grünblicber erläuterte uub vcrftanbc$mäßiger entwicfclte,
ald bieä im I>omileiifd>cii ©ewanbe von ber ^anjel gefd)cl)cn
tonnte. Sein (Smfluß mar in bcmfelben 3Rajie in ber @c~
meinbe im 28acf;*tbum, M bic Adjtung unb gurdjt vor bem
Ratfyc im Sutten begriffen voar.
Senn fiaff* er*äf)lt, eö fei ein foldjer 3ulauf auf ber
Pfarre gewefen, baß tu einem 3abr bort über 200 Viertel
frembeö, aljo verbotene« Vier, tjetrunfen worben wären, mag
ber roaefere Styromft wo!)! etwa« &u fdjwarj gefeben fyaben.
Sßie eö in fold)eu 3fit™ Äu gcfd>el)cn pflegt, mad)tc fid>
bic berrfcfyenbe Aufregung aud) in perfcnlicfyen Sd)ntat)ungcn,
in Drobbriefcn unb aufrübrerifeben Waueranfcbläaen Suft.
$>robbriefe würben in bem ftatfyägcftüfyle bei s4ktcrönrd)e, auf
• Straßen uub öffcntlid)cn *piäfecn, in ben Käufern, aud) an
ben «£>au$tl)üren ber Vctbciligtcn angefdjlagen gefunben. Am
i\. September 1522 ließ ftd) ein Vlafat am Pfeiler bc3
R[au$ Jfoeleffdjcn <£>attfcd in cei ^etetofiid)e/ über baö Regi-
ment bcö 9tatl>€d im Allgemeinen auö, mit bem fhiumfcben
Serlangen einer Acnberung ber btäfyerigen Verwaltung uno
ber Rürfberufung bce Pfarrer« Rotbart/
1)iefe anbaltenbe Unruhe in ber ©emetnbe bereitete na-
türlid) bem Ratlje große Sorgen, jumal aud) in feiner Witte
eine Spaltung ber Anfügten eintrat. Einige Ratf)$verwaubten
meinten: mau folle bod) ben Pfarrer Rotbart, beffen Rücffetjr
am einmütbigften geforbert waro, um ben ®ntnb ber Aufre*
gung |n beseitigen, in fein Amt wiebrr einfeften; wäbrcnb bte
Uebrigen bebaupteten, gerabe wegen ber auSgcfprengten £>ro*
bungen fei ein foldjcr Stritt nid?t rtjunlid), Da burd) biefe
Maßregel ber Ratf) feine Dbnntadjt ober guretjt befunben
werbe. Sd)ließlid) fam man überein, bie 3nnmtgen auf trjten
Verbergen mit Ratböverwanbten befdjirfen, bort bat* lln-
wefen ber Sd)mäbbriefe anzeigen, mit ber (Srmafmung, bte
Anstifter bem Ratbe atuumclben, bamit er foldje frrafe an
Seib, (^t?rc unb @kt, unb sugletd) mit ber Reifung, ftd) trat
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ben *Pfarrftut)l ittc^t ;u befümmern, ba ber 9iatr; wof>l wiffe,
mb in riefer ^euebnng 41t »erhalten.
Um 28. «September lief» Der Dtatl) burd) je jwei ober brei
an* ben Dünungen, welche auf baä Miatbhautf entboten worben
waren , ben (£ntfd)lu|j befannt maaVn, bie 3nnung$gliebcr
motten gur $lbenbjeit auf ihren Verbergen fcin> 0CM
Hillen beö $atf)3 &u vernehmen.
Vliie 3unuugen nahmen bie Purere ber <Mbge|eubeten au$
bem iKatbe rul)ig fyin, nur in reo hielte tun ber £ud)mad)er,
Senkel 2Bawmann$ £aufe auf bem £anbwcrfe, jeigte ftd)
ein anberer ©eijl.
Xortfyin waren: Jranj Scbueiber, (*korg JKöeler, beibc
ehemalige Bürgel meijicr, unb ,\ebann Äomerftäbt abgeorbnet.
3bu Mieren würben nid)t [tili unb fcfyweigenb, wie ein malä,
angehört; fonbern eä erfyob jid) unter ben iftnwefenben ein ver*
bädnitjeö OJemurmel unb bie ©cfellen riefen ben Äelteften ju:
mau |cUe bie Antwort ad)t Xage auftrieben, ba fte ftd) vor*
ber befpredjen müßten. Unter ben (Edjreiem waren befonberä
bemerflid): Sfyomad 99cper, 9iifla$ Serber, 33enebift Völler
unb Vllerauber $3olje. Tie 9iatr)3abgefanbten mufiten $üen*el
ÜBavmann'ä ,£>auä verlaffcn, ofme ifyren 3werf erreicht &u l)a-
ben, Da fte in ber wüften 3$erfamnt(ung, in welcr/er viele ®rup*
pen wilb bura) einanber fprad)en, verladet unb verfpottet
würben, rtud) mit 6a)mer^ einfallen, baf* ber #eltef!e nia\t
(£influ£ genug beftfte, bie gebüljrenbe Drbnung fyerjuftellen.
9iad) (Entfernung b3r $ati)fli>erwaiibten befpradjen fte fid),
wie bem i&tabtfdnreiber nod) an bemfelben Slbenbc burd> 9iifla#
$Bercer, welker einer @inlabung ^affe'ö gefolgt war, anae*
fagt warb, über bie bem 9iatl)e ju ertljeilenbe Antwort, ijä
famen mandjerlei 3)inge $ur 6prad)c, beren wefeniitd)ße wa*
ren: bie Indnnacber wollten wiffen, wie eä um beö 9tatl)$
ßinfommen ftünbe; fte wollten flrtifel aufjeictjnen, wie ftd>
fernerhin ber 9tatt) in 93e$ug auf Abgaben unb ©efeftojj, Iftecfjt
nnb Strafen gegen bie (£inwof)ner *u halten babe; fie wollten
über bie Privilegien, tnSbefonbere ba$ ber 9latf)$für, unb wie
rannt ferner bin ui verfahren, Vi nf ich Inn haben; enblid) folle
bie lutfyerifdje Seigre frei geprebigt unb ber Pfarrer Rotbart in
bie Stabt gttrürfberufen werben. Ueberbieö rjörte £affe nodj,
ed fei im 2öerfe gewefen, einen ©efeüen mit einer ^aufe auf
ben 9Barft jh fenben, um bort anzurufen, bie Hn^änger be$
282
@vanqeliumd möcr/ten fid} um bie 3nnung fcrjaarcn, Denn fte
hätte im (Sinne, mit Dem dtatbe ein SBort Aber ba$ jtirchen?
wefen au rcben. @Wicflicherweife war biefer ^(an hintertrieben
roorben, 2>ajj 9iif(ad JBerber aber feine Unwahrheit berichtet
^attef erfah ber Stabtftfcreiber ^affe au$ ben nach 8 Xageu
bem Äathe übergebetten Slrtifeln, wela)e in ber %t)*t jene gor*
berungen enthielten.
$>ie etnciefc^üc^terte Partei im Statte fam ben aufgeregten
3nnungen burch ihre $efcr)lüffe weiter entgegen, Sie fefcte e*
burch, baß oem ftathe ben 3H"»"g«t befohlen warb, ihre
©ebrechen aufzeichnen, wobei freilich nur oon ben ©ebreetjen
ber einzelnen Innungen, nid)t aber t>on allgemeinen 3ntere||en
bie $ebe war. 3Bie bie besonnenere Partei im Wathe »orauö-
gefefjen, führte biefer Befehl W feinem anbern (£nbe, alö bap
bie unruhigen tföpfe ermnthigt würben. Sßährenb bie übrigen
3nnungen fid) tu ben gezogenen Schranfen tytlkn, ftellten bie
Buchmacher in ihrer ^weiten <$rflärung noch mehr allgemeine
Sa>e hin, wie in ihrer erjten Eingabe.
Serhanbfungen , welche ber föath ju (Sörlifc mit anberen
in berfclbeu $ebrängniß fdjwebenben Käthen angefmipft hatte,
(^affe gebenft unter anbern einer folchen $u Sieanifc) führten
$u feinem jRefultate unb änberten auch bie Sachlage in (j*or*
Ufr nicht.
heimlich unb öffentlich würben Serfammlungen gehalten
unb ber töatl) burch bie Sfelteftcn mit ben gefaßten Sefchlüffen,
bereu fofortige ttudfährung verlangt würbe, befannt gemacht
$iefc Spannung ber ©emittier hielt mehrere 3ahre an,
bid enblich im iHathe bie Partei Durchgang, welche burch bie
3urücfberufung beä Pfarrer* ber Unruhe ben fjauplgrunb au
nehmen bacf)te. M. ^aul Äucfjler, Xect/aut &u Ißaujjeu, über-
nahm auf ba$ Anbringen mehrerer *ßeifonen baö ©efchäft ber
Sermittelung.
Sei ber Unterrebung mit M. &ud)ler fuüpftc M. ÜKotbart
folgenbe Sebingungen*) an feine iKucffetyr:
1) Sofern ihm oergünfriget würbe, baö (Evangelium frei
ju prebigeu, fo lange er bad &h thuii im Vermögen; fo er aber
fein Unvermögen fühlen werbe, baß ihm ein Gehilfe, ben er
•1 D(ftmunn'6 i>rwrt<rfd>aft 6 14? f
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anzeigen würbe, jugegeben werbe, bamit er bi6weilen im
*4*tebigen abgelöft werben fönne;
2) bajj er eine neue Präsentation unb $elel>nung nefj*
men folle, büufe tftm unnotljig ui fein;
3) wa* bie W^brdud>c ober Zeremonien beträfe, wolle
er Da*u «war Untcrweifung geben, aber folaje, nur mit »rffen
M Datlje*, unb ofme £aft, befeitigen;
4) man bürfe md>t beforgen, baß er bie Weffe unb Vetyer
gam verwerfen werbe. «Sollte aber barm unt> in ber laufe
nebft ben anbern Zeremonien, uad) Zrforbern ber <Sa)rift unb be$
(#ewif|en* eine tfotommg eintreten, wolle er foldje mit (fteneb*
mtgung beä Datbeä, obne Sturm unb UnwiUen vornehmen*,
5) follten bem Dative biefe flrrifel belieben, wünfdje er
eine Zkgenäujkrung beffelben; in biefem galle wolle er bie
Pfarre naa) fcdtare bestehen;
6) bäte er barum, ju bebenfen, wie bie tfapläne erhalten
werben foUten, für wcla)e er fürber ntd)t mehr *u fergen t»er*
möge, ba beren Zinfommen gefuufen unb and) bie Zhmafjmen
ber Pfarre rerminbert wären.
3Nit Hituafjme biefer «rttfel, namentlid) beä erften, frradj
Der Darf) feine I>ulbung ber Deformation in ber Stabt
au*. Vi* auf ben aweiten flrrifel, würben alle $ebingungen
genehmigt, Pfarrer Rotbart, welker im grübjabre 1525 naaj
&örli$ fam, fa)eint Hnfangö, ebenfo wie ber ftaty auf ber
Verweigerung, feft auf ber (*)enef>migung beffelben befyarrt \\i
rjaben, benit er wohnte eine Jeitlang bei feiner Sdjwefter,
einer gewiffen Leiber, auf bem Deumarfie (Dbcrmarfte). (£nb*
(id) \&>tintn feine Hnl)änger ihn bewogen au fjaben, ben Darf)
formell um bie Pfarre anjugefyen, in weldje er bann einge-
wiefen warb.
$ie Düdfefcr bc6 Pfarrer* Rotbart, weld)er im Vereine
mit 3«bler baS *ntf)ertf)um prebigte, änberte nid)W in ben
uftänoen ber Staot; Die Deformation, wenn aua) nod) nidjt
rmell, burd) offizielle $efeirrgung ber fatf)olifd)en ©ebräuefoe,
«eben getreten, war bod> tbatfäd?lid> fa>n bewirft. 2)cr
größte X^eil ber (finwo^terfd)aft unterlief bie Zeremonien,
bie Verfügungen beS »ifdjof* 3otyann v. Reifen vom 1. Oftober
1524 mtb be$ Äonig* Subwig »om 4. Oftober beffelben 3af)<
red, wibet bie Verbreitung ber neuen ?eln*e, ma)t bea*tenb.
sJttan genoß oljne Zrlaubnifr in ber gaftenjett gleifa), feierte bie
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28t
^eiligen tage nid>t, unb befugte feine Weffe, woburd) bic %U
tare immer armer würben.
3n ©ejug anf r aö weltliche ^Regiment beö 'h\niu-o rauer*
teit bic Sefpredjungen ber j£>anbn>erfe, inflbefonbere ber %wfy
madjer, fort. 'Die Tnd)mad>er verbanbeu fid) immer inniger
unb t>ur^egeit meiffcnö in gefd)lo|Tencn Reiben bie Straßen
ber Stabt, weldje (£rfd)cimtng ben >KatI> vcranlaßte, baä
iKatbbflnö unb bic ffiadje, fowic ben 3Mgaug 3Hr Xfyurmglodc
wohl befe^t $u galten, bamit er nia)t unverfefjeuS vom *uf-
rutyr überrafdjt werbe.
Die Aufregung fyattc am 12. 3nni 1525 einen fyobcn
(Miab erreicht, unb ba$ (Dcrüdjt verbreitete bie Jtunbe, in ber
9iad)t vom 12. jum 13. 3uni feile ber 3tufftanb gegen ben
iRair; au$bred)en, al$ ein fürd>terlia)c$ $aturercigniß ben ©e*
banfen ber (£inwof)ner|d)aft eine anbere SKidjtung gab.
(£in großer Xfyeil ber Stabt rourbc nämlia) aij bcmfclben
»benbe burd> eine geueröbrunft verheert, roeldje bei ber Sau*
art ber Käufer unb bereu meift fernem Material eine große
8u$bef)nung gewann. Dafl fteucr brad) Vtbenbö gegen 7 Ufjr
bei einem Sätfer in ber 9teißga(fe aue\ legte bie 9ieißgaffe,
ben halben ^eringämarft, bafl ^anbroerf, ben fogenannten
r#3w*'/' ton gifcfymarft, bic Jtrifd)elgaffe, Säcfergaffe, ba$
9?cißtbor nebfit liuum unb Sabeftube, bie 9tcißbrücfc, ben
Xöpferberg unb bic 9tabengaffe bi$ auf bie Vorwerfe, in 58fa>.
$a$ lefctc «£>au$, waä abbrannte, gehörte bem 9totl)gerber
$an$ $ie*ling. Som *Ratt)baufc ftürjte bamalö ba$ $£ürm*
*en herab. 3m Anfange bc$ Sranbcö fpottete ein großer
Ibril ber (Simvohncr über ben, ängftlid) £ilfe beaufpruehenben,
9iatl), unb fragte itm fyofynift, ob ber föatf) jc&t bie Bürger
brause? Sil* aber bie ©cfabr aud) für bie <Peteröfird)e n>ua>*,
halfen Alle lofdjen, nnb bie aufgebotenen Bauern ber Stabt*
borffdjaften gerodeten in tiefer 9iotl) ertvünfdjtcn Seiftanb.
Untcrfrü&ung fam von allen Seiten, naraentlid) aud> in 2c* .
benämitteln unb JUcibung6frürfen, reidjlicr; von Sauften.
$d brannten über 70 luchmaa>cr bei biefer geueräbrunft
ab. Die babet erlittenen Serlufte unb ber Neubau ber Käu-
fer gab bem ftathe auf einige 3eit $ur>c. „Sie hatten mit
ftd) felbft genug tbun," bemerft £at|e, „unb vergaßen baber
auf eine Zeitlang be* sJiatf)e« unb teineö «Regimentes!"
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^rtefterfonvent in ®örüfc. Durdjfüfyrung Der 9te*
formatton. 1525*).
€d)on feit 3af)rf)unDerteu f)ie(t t>er Pfarrer $u ©örlifr
aüjäf)rlia) *wei 3ufammenfünfte mit Der ©eiftlia)fett Der Qbc^
priefterjTÜr)le ©örlifr, (seiDenberg unD 9tetd)enbaa), in ©örlie
vib. Skranlaffung war urftminglid) Die flbfta)t, für Die Bee-
len Der abgefa)teDenen SanDetffjerren aemeinfdjaftlid} ein See*
lenamt ju begeben. Da nun Die $riejfcr Diefe Verrichtung
al$ ein gutes :2ßer( für Die (Srlöfung Der im gegefeuer fdjmaaV
tenDen Seelen Der verdorbenen Surften, Den lebenDen SanDeö*
Gerrit befonberä angreifen wußten, erhielten fte von Jtönig
3of)ann, tfaifer Äarl IV.. SaDielaw «ßoftbumu*, 9Rattf)i«a
unD ®laDi6law befonDere greifjeiten unD Privilegien für fty
unD il)re Genfer. 8fn $rief, welker hierüber fluffa)lu$ gibt,
ifi in einem StoimuS De* 93ifd)ofö 3ol)ann \u «Weifen vom
3at)re 1522 nodj vorljanDen. 3m SlUgemeiuen Darf man an*
nehmen, Daß Diefe Konvente fefcon feit tfönig 3of>ann'* Seb*
weiten, mit wenig «utotafjmen, regelmäßig abgehalten wnrDen.
Die Verfammlungen fauDen flatt in Der Sttccfye nad> JDfiern
unD in Der SÖodje naa) sJ)tia>aeli$ unD jwar in Der $farr*
fird>e )u 6t. Wfolai, Die le&te unD wiajtigfte aber, welche
^ter aHöfüi)rli(^er beljanDelt werDen foU, in Der $eterdfira>.
Die ÄirdjgemeinDen, welche jum görlifeer ^farrfprengel
gehörten, ftnD fdjon oben*) angegeben worDen. 1g* bleibt f)ier
uo<$ übrig , Die Dorffdjafteu Der <Srtf>riefterftüf)le <Setbenberg
unD 9fteid)enbaa) aufwallen.
9taa) SciDenberg gehörten Die Jtirdjen $u: grteDeberg a. D.,
grieDlanD, SeiDenberg, 9Biefa bei SeiDenberg, 6a)werta,
eajömvalbe, ^efferdDorf, ©erlad^eim, «Rabenau, Ulier«*
Dorf in ©dornen, ÄunnerSDorf, SÖeigöDorf, £enuer*Dorf in
$öl)men, Sttefe oDer ©iefe bei ©reifenberg, ©ullenDorf in 93.,
•) Änautfje: *Rad)ri<fjt *on ?em Äonvent ber ^riefter gu ©ortifc,
1525, in »eltr/em fte urb von ber aeitrlidjcn (AJeri<r/t*barfeit be* »ifäofc
lotgemactyt. Änautlje, Mspte. tom. V. p. 202.
*•) @. 229. Dort iff bei bem Dorfe: 3Walm*borf ba* in Älammer
gefefcte ©ort: (SRelaun<!) alt irrtljüinlidj gu frreitfjen. Die tyet ge<
nannten Dörfer jlnb berfelben aWatrifel entnommen, wie Dir gbrlifrcr,
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Küpper, föengereborf, 2(rn6borf, «öermSborf, 23ertbel$borf; tu
föeicfyenbadj aber: Oietd^eiibac^, 3warferöborf, ®er$borf, gric-
beräborf, ©ertöborf, Schönau (auf bem (Siaen), 93erneborf
(93crnftabt), 3)itter$ba<fy, Äemnift, SBertfjelöborf (bei £errnfyut),
Dieniteräborf, fäcifäa mit bem gilial Xetta, 93ifd)borf, Sol)*
lanb (am töotljftem), SBeijjenberg, ©ebeljtg, Mabifduiu, (Sollm,
See, 3änfenborf, $)iebfa, Seiferäborf, Ärneborf, Jtönigdfyain,
SBeufelwifc mit SDfelaune.
SBenn man bie SMcnge äopldne unb Vi Ua vi neu, welche
au riefen ÜDorfrfarreien gehörten, bebenft, wirb einleudjtcnb,
baß biefe *Hriefierfonoente in ©örlifr fcfjr glänienb gewefen
fein mü||en.
sMx gefeit nun auf baä Sefen biefer ^rieftcr'likrfamm*
(ungen näfyer ein, inbem mir au bie betreffenbe ürhtnbe einige
fpejiellere Erläuterungen über ben fatljolifdjen diituü fnüpfen.
2)aä Dofumcm gibt barüber Huffctyuft waä bie $riejtar
in biefen SBerfammlungen überhaupt vornahmen. (Sä fyeift
barin: „Dieweil aüe Pfarrer obgenannter cm hie jäljrltd)
jwier (zweimal) in ber *J3farrfircfye Unfer Stabt ©öriifc vec*
fammlet, vor aller verdorbenen Könige, gurften unb £errn
gu 936ljeimb, fammt allen gläubigen Beelen, mit 33igilien,
SDJejfen unb aubereu guten SBerfen, <#cbäd)tni£ ju galten nnb
el)vlid) ui beforgen pflegen." Sitte hiev genannten (Sererooiufn
werben unter bem 9Borte: „Seelenamt" begriffen, »eil biefe
f ivd^itdK ^anblung ben armen, im gegefeuer ud) bejuibenbcn
Seelen ba&u bienen foüte, entweber bie .(£rlöfung aud bem
gegefeuer ehei a($ e$ bie ^bbüftting ihrer Sünben erforberte,
ober minbeftenö eine ginberuug ber bort aufyuftebenben Sdjmer*
$en ju erlangen. Ü)ie fyit, wo man foldje Seelcnämter fyielt,
nannte man 3tof)re$gebäd}Miffe (anniversaria), weil man in
ben angefefcten Stunben ber abgelebten Seelen geoadjte unb
ihnen mit geijtlidjer £>ilfc (suffrapium) beifprang. 5öie ber
Vlu^bvurf : „unb aubern guten Säerfen, fammt allen gläubigen
Seelen," anbeutet, fcfyeint nicfjt allein ba$ ©ebäd)tni|j abge*
fdjiebener Könige, fonberu audj anberer *ßerfonen bei biefen
Konventen begangen worben &u fein. SSRan mag bei biefer
Gelegenheit jugleidj Satyreägebäcfytmffe ber verborgenen Pfarrer,
9tatl)#verwanbtcn unb anberer angefe^enen Seute gefeiert Ijaben.
^igilien (%irf)twad)en), waren bei ben erften (Styrijtai
gcwöl)nitd;, welche ilne ^Berfammlungen tyauptfädjlidj, um vor
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Verfolgungen qefdm$t ui fein, jur MnAwit abhielten; fväter
bereitete man fia) runi> nadutidu4 lebete an ben Altären auf
tie hoben Sefrtage rev Jtiret^c vor. Diefe ^Btqtlten waren gut,
fo lange tie Verfolgungen Dauerten; wurden aber fväter c\a\v,
lid) abgefc^afft, weil fte Gelegenheit ui ben größten gefa)ted)t<
lutu'ii 9uSfa)wetfungen unb äntwrityung ber Jtirdjen gaben.
Vlnftatt Meier 9$igilien würben von ber &ira)e, ben £ag vor
Den gefttagcu, ftafttn angefefct, fo baf bie 33tgilieu fpdterbin
uidu ben mütbeften jnfanunenbana, mehr mit ifyrem tarnen
hat tetr &uS beut ®efagteu ergiebt jta), M$ bie trieft er, ber
brei 3)iöcefeu ben Xag vor btefen betreu gorlifcer Konventen
gefaftet, b. h fein Alemb gegeben haben.
I aS anbere genannte Hilfsmittel war rie ^ejfe. <Soldje
würbe von ber römifd} fathelitdien ,Uud>e für bae vornefymjte
Nüttel gehalten, ben Seelen and beut Segefeuer gu verhelfen.
Die Verfammlung , wclaje bie anbere $ßod)e uad> JDftern,
Donnerstag nad) Duafimobogemti (27. Stprü) 1525 eröffnet
tvurbe, follte eine ganj anbere gefa)id>tli$e Söebeutung trlan*
gen, als bie ruberen *4$riejfcrfonvente ber brei (iapriefterftnble.
9liö bie CMciftlidjeu jMfammenfamen*), offenbarte fta), aua)
unter ben Njsri eftern vom gaube, ber Weift ber Deformation,
roela)er in ben €>ea)Sftäbten fefte 2ttur&el gefaxt unb wie oben
erzählt, in ©orli$ bereits eine ÜReifye vou Verwirfelungeu fyer*
beigefügt hatte.
Ü)aS Oiefultat biefeS ÄonventeS war für;, ba£ man be*
fdjlofi nd) von ber (Gewalt beS Sifttyof* von Reifen lo^ui
faqeu; bie 9ted)tfertigung eiueS armen 6ünberS vor ©ort,
allein im ©lauben b'hrtiti \u prebigen; enblia) alle ©ebräudje
ab$ufä»affen, welcfye lefcterem fünfte wieber|präd)en. Xieie
brei fünfte ftnb fo wichtig, bafc jeber eine genauere (Srwägung
er^eifa>t.
hätten bie Pfarrer fernerhin ben $ifa>f tu deinen für
ihren qeiftlid)en € bereu erfannt, Wäre eS nidu möglia) qeive-
fen, erwaS in ben Jiivcl>cii^cbräiid>o» ;n änberu. Ter $ifa)of
l>dtte fola>e SÄenberungen nimmermehr ftugelajfeu, fonbern würbe
um fo mefyr mit bem Sanne unb geiftlidjen Strafen a*geu
•) $te betreffenben (stefien üb« tiefen Jtouttttt finb: Manlius 1. I.
c. 25 §. 3 (Hoffmann, Script, rcr. Lus. I. p. 433) Meisler (ibid. I
part. tt. p. 26,); Abraii. Heultet, Annal I. p. «88.
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bie Weift Ii dum eingefchrirten fein, alo gerabe ber r antat o regte*
teure £err, >bami VII. (von 2 levnifc), ein gefcbworener geinb
VutkTo war. (Sä mar Die fcoäfagung vom Sifctyofe für bie
Damalige (Meiitltitfcir ein böiMt bebeutfamed mir gefährltdjeä
Unternehmen, wenn man erwägt: ran alle Ätrchen tiefer
©eiftlichen vom Anfange ber SBenbenbefchrung an beim $id*
ihn in Üftcijjcn geftanben hatten; bap ber Sifa)of nidu blod bic
fanouifche, fonbern auch bic (mihi unb .Kriminal 0>eri du *> bai-
feit über bie Pfarrer, unb über alle bei ben Jeu dum angeftell*
ten ^riefter, Äebituen, &uftoben unb i4ebrcr jeberuu gehabt
unb biefe lerne in ihren Würben vi betätigen baue; bat* bie
»Könige von Böhmen ihn bei feinem bifchöjiicbcn :Kcduc utumum,
geinbe be$ neuen (*)(auben0befeunrnified waren, unb biefe Oh
fmnung ramalo fcfcon hinlänglich fonjtatirt hatten; bap bie
Pfarrer feinen anberen £chu$ alö bie öffentliche Meinung für
fid? b na hc 11, unb ^rebiger bed toitbenbumo idum bamald
,juiut" genannt würben; enblia), ran jtc ihrer reichen ^frün-
ben unb Pfarren alle Xage bura> gewaltfamed ($tnfa)reiten
ber 93ebörben beraubt iverben fonnten. S)och fd)ritteu bie
Pfarrer in ihrem 'Beginnen nicht mit [Übereilung, vielmehr
auf bie äraft ber u b er um a. euren Wahrheit antuet, vor. 3hr
©ewijfen lieji ihnen uulu \\\, bie evangelifebe lehre fernerhin
ju verleugnen unb ben befehlen beS ^ifchofO *u gehorfamen.
, Schon im 3. 1520 erhielten bie (&)eiftlid>en im Deitmer
s£iotluuu ein Schreiben beä Sifcfcofc*, d. d. Stolpen 24. i&
nuar*), in welchem angeführt wirb, bap imbci 1519: „etuen
Sermon vom hi>a>würbigen Saframent reo wahren Iculutamo
@hntti," herausgegeben habe, welker ben befehlen reo latera
ucuüutum vUcmulo guwiber, im Öiötbum beißen verfauft
werbe." Obwohl nun bann im hei nur gewännt , ran bad
heilige VibeurmaM in beiberlei @eftalt gefpenbet, unb bad
ir irrige Verbot aufgehoben werben möchte, fo fei ed boefy an
rem, raf; biejentgen, weiche fola>cö bisher unter einer ®eftalt
genojfen, (eicht geärgert unb ihnen (*>ewiifenc3ffrupel berettet
werben fonnten, utmal ba feine Oun'tlidum unb bereit Jftrcb
finber mit bem vom a)ufttiomuc< angeftedften Böhmen $rem
nachbaut feien. taber gebot er ihnen Alraft reo ihm fchul-
bigen ©ehorfamtf unb bei ben fa)werften Jiircfcenjrrafen, allen
•) einher* 5djn|tfn tom. IX. kl 88 fret StUttrotogfr ftutgat«.
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feinen @eiftlicheu unb aud) ben Äirdjfinbern, alle gebrucften
iReben unb (Sermone £uti)er'd bis auf weitere Verorbnung ;it
fonfiäciren, and) bie «Uirdnanter Darüber )u belehren, baß ba$
Saframent beö beiluden Abenbmahlä nur unter einer ®eftalt,
ba in je* leb er ber ganje O'hriftuc* vorbanreu fei, genoffen wer-
ben bürfe. 51m 15. 3uni 1523 publieirte er i>on Stolpen
au«? für feinen Sprengel ein neues patent , worin fein Saliner 3
funb wirb, über bie Nachrichten: ran in feiner DiöceS bie
Jtncbeu entweiht, bie Saframente, bie hergebrachte ©otteäfeier
unb bie Verehrung ber Jpeiligen unterlaufen mürben; ba$
Viele, bie jmxu Weh ort am geleiftet, ftd) ui fallen Vehren
wenbeten, gegen bie $rälaten wiberfpenftig feien, ben Sef<
rirern anfingen unb f)eionifd) würben. (§r bittet Daher, feft*
;nbalteu am (Stauben ber Leiter, reu reuigen Sd)aafen feiner
^eerbe Vergebung »erfprea)eub, wenn fie ben fallen jßfafe
verliefen; unb befiehlt ihnen uMufUieb: alle Scbcinber ber
.Uir dum, Gerächter ber heiligen Saframente, Mxciwc unb <£>ei*
(igenbilber, wenn fte nicht ihre Sünbe burch ©upe bereuten,
in ben Vann \n thuu, welcher in biefem lofnmente über bie
Abgefallenen wirflicf) üu$gefprocr)en wirb. 3)iefed patent follte
alle Sonntage in ben .ttinben öffentlich »erfünbict werben. —
$>ie nächfite %oi$t biefeS Abfallet t?om Sifa)ofe war bie
Verweigerung be$ ihm bidber auö ben d?rjpriefterfd)aften ©ör*
Im, Seibenberg unb :K ei ehe üb ad) zugegangenen Bifchofäjinfeä,
fowie aller anberen orbentlia)en unb aufjerorbentlichen Abgaben.
3)er Drucf biefer Steuern war in ben erjten Jahrzehnten
bed fednehuten ^ahrhuut?ertd für bie oberlauftfcer ©eiftlichfeit
faft unerfchwinglich geworben.
Söifchof 3«>hann V. (*. Sttfenbadh), im 3- i486 jum
33iatf>ume SReifien gelangt, führte einen partlichen £of, baute
rac< Schloß ber bifebofluteu dteftben) auf Stolpen unb brauchte
baher fo siel <$elb, baf bie (§rträ<je ber ihm gehörigen SBerg* -
werte *©ruben unb ber Verfauf vieler Stiftägüter feine 9(u$*
gaben nicht ju beefen sermodjten. 93ei feinem Xobe im %
1488 {unterlief er 21,000 «Rh- ®uiUn Sdjulbcn. 3hm folgte
Johann yi. (»on Salhaufen). Diefer 33ifchof war ein guter
£>auö balter, unb lebte währenb feiner föeaierungfyeit bi6 jum
3ahre 1518 fo wirthfdjaftlid), bafj er fämmtüche Scr)ulben
abzahlte, bie üerfauften ober fcerpfänbeten Stifts - ©ütcr wieber
erwarb ober einlöfte, bie verfallenen Stifte -©runbftücfe in
©cfd)id)tc «011 Q)6t(i|. 19
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fluten Sianb fe$tc, baö Schloß y\ ^ur^en baute unb außer*
bem noch, auf vielerlei anbere Dinge ®t0> *u venvenben im
Stanbe war. Die ©elbmittcl ju biefer materiellen Reftaura*
tton beä 3Metbumc* würben au* ben Säcfeln feiner Dideefanen
aufgebracht. (Sr erhöhte ben ttaien ben gewöhnlichen tyxciü
für JfiraKnweibe, Sinnungc* unb ähnliche religiöfe Jpanblun-
<jen; ben $ieiftlief)cn forberte er ein böbereä cathedraticuiii,
charitativuiii unb procuralio*) ab, ale bisher. Da bie
oberlaufi&cr (#eiftlid)feit in ihrer Verweigerung ber erbebten
Steuern burtf) bie Könige von ^Böhmen, ald Dberlcbenöberrcn,
unterftü$t warb, gebieb ber auögebredpene Streit bid vor ben
j>äpftlia)en Stuhl unb bie lefcte (SntfdVibung lautete rahm,
ba£ bie oberlauftfccr ßJeiftltcbfeit ben ftorberuugen beö 33ifa>of£
von 9)feißcn nadHufommen habe. Somit rourben aue* bie%r
außer orbentlidjen Abgaben, bem subsklium charitativiim unb
ber procuralio, regelmäßige Steuern, ^terburet) war eine folebe
3Rißftimmung unter ben ©eiftlidn'ii entftanben, baß alle gern
bem 53efc^luffe bc$ ilonvent* ui (Cöllns beitraten: bem 93i
fajofe Weber bie eine noch bie anbere ber genannten Abgaben
fernerhin ;u fahlen, fonbern einftimmig $u verweigern.
Der anbere ^mift war rein fira)lia)er 9iatur. Der ^rie-
fiterfonvent faßte ben 33efä)luß, fernerhin feine Vigütcn unb
Seelmcjfen in ben brei (Sr^riejterbiöcefen ju begehen, viel*
mehr biefelben völlig ab^ufüeUen.
s2Öie fd)en erwähnt, waren bie Rigiden unb Seelmeffen
raui beftimmt, ber $3erfrf)iebenen Seelen auä bem Segefeuer $u
eil oku. 9Rit ber ^iit'ubr ber versammelten Pfarrer über ben
Sfrtifel von ber Rechtfertigung einee» armen Siinberd vor ©Ott
burd) (>hrifti Reiben unb Xob, fonntc bad Fegefeuer , weldjeä
biefer Vi hu offenbar wiberfprid)t, nicht hefteten. (£brifhiö
hat ben SÄenfcben vollfommen erlöfet, unb alfo bad f$on gc*
than, waä ber sDJvtbu# vom Fegefeuer behauptet. Da nun
bie Sigjlieti unb ©eclenmeften ald gute 2$erfe bie ^rlöfung
aud bem gegefeuer vorbereiten foliten, mußten fte u aa> Aufgabe
ber fanonifeben Safcung vom Fegefeuer gfciajfaüd aufgegeben
werben. Die versammelten Pfarre* hielten behalt) (a)on
toärjrenb be$ Konventes vom 27. iHpvil 1525 feine 3Mgilicn
unb Seelenmeffen mehr ab. Diefe abfdjaffung erflrecfte fiff
*
*) e. oben e. 229 u. 259.
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min ntctyt blofl auf bie SKgilien mit» Seelenmeffen ber böbmi*
fdu'jt Könige, fonbern auch auf bie anbern SJigilien nnb See*
lenmeffen in ihren ^aroajialfirdjen überhaupt, unb war be$*
halb eine 3Ra(?reae( Don Heferfajütternber Söirfung unb uiebt
m beredjnenber Tragweite. Inm ba bad SBoU nidu mehr
©elegenfjeit hatte, ftünblia) einer 3Rejfe beizuwohnen , wie vor
ber !Äbfa)atfung genannter äirdjenaebräudje, wirfte fdjon bie
tMnrpbnbeit Dabin, ben fd)li$ten 9Kann auf bie Deformation
vorzubereiten, jur Deformation überzuleiten, 3n ©drttfc hatte
Pfarrer Rotbart bie SBigilien nnb ©eelenmeffen, beren faft
;abUoie in fammtlidum Äirajen unb Jlapellen tägltd} ebemaltf
begangen worben waren, fdwn vor rem bedfallftgen Sefdjlnffe
be* äonvettfö, unter nt 21. Hpril 1525 befeirigt. Uebrigend
barf man nidu annehmen, ran bie golgeu biefeä S9efa>luffeä
fofort fid) auf alle $aroa)iall irdjen in gleid) auo jerebuter SÖeife,
wie tn ©örli( gefa)al), erftrerft hatten; vielmehr aing bie
^bfdnijfmii] nur naeh unb naaj oon et arten, thetle, »eil
bie Jtirdjenpa trotte unb Älöfier alle mogli^e, Sorgfalt \u re
ren (Spaltung aufwenbeten, tl>eüö weil bie materielle (irbal-
tung ber Pfarrer bura) bie xHbhalttin^ ber heften unb bie ba*
bei genoffene Einnahme aus ben Jöpferfilörfen bebingt mar.
Die GHeiajgültigfeit ber 3Kenge, welche ba$ ^Reijopfer naa)
unb nad) geringfdjäbeu lernte, that hierin mehr alö alle vtf e
fa)(üffe, ©ebote unb Verbote.
&n bie 8 teile ber SBigüien uub Seelcnmeffen festen bie
Pfarrer bad fogenannte Requiem (Erinnerung an bie lobten)
unb eine treffe über bie ^eilige Dreteinrgfeii.
Unter bem Dequtem, wie foldjeä ber Äonoent einführte,
barf man jebod) nidjt ba$ frühere fatbolifdjc »Requiem , einen
3 heil ber ÜXeft* verfteben, ba fonft bie Aufhebung ber SReffe
aid reine 3Üujton erfdjeinen möa)te. Der 8u$brucf: lobten*
fejt wirb hier am beutfidjften ben Untertrieb bejeia>nen. (£ie
festen ein Xobtrnfeft utr (Erinnerung an bif verdorbenen beb-
nufa)en Könige. in bemfelben Sinne ein, wie je&t noa) in ber
ettangelifdjen tfirdje jahr(id) einmal ba$ lobtenfefi, am legten
Sonntage vor ber $6t>enlperiobe, begangen wirb, utr Erinne-
rung an bie lobten überhaupt.
Die eingelegte Stteffe ju (ffyren ber ^eiligen Dreieinigfeü
ij* äfjnlidj aufjufaffen. Der Aonunt fcfyaffte alle SStniel^SKef'
fen ab, mir bie »teffe am £oa)altar, al* tte^ßtfer für
19» ^
j0 )gle
in
<£t>riftu$ Seligmacher ber SKenf(^l)eitf lieg er freien.
2)iefe Steffe'mdr nicht* alö feie geier be* heiligen äbcnbmahl*.
9)tan lieg fllleä barin weg, wa* ber heil. Sdrnft wiberfprad).
ü)ie geier ber Äommunion begann mit einem SRorgenliebe,
bann folgte ba$ Jtyrie (Srletfon, ba* (Gloria, baö: ber £err
fei mit <£uO), bie tfollefte, bie üBerlefung ber <£»fj)el unb bed
(fvanaelium*, ber (glaube, bie ^rebigt, bie allgemeine ©eichte,
ba$ Äira)engebet unb Verbitten an Stelle beö Jlanonö, bad
SSaterunfer, baä £cilig, bie 2öeihe unb ba* ftbeubmahl. £>en
Sd)lu6 machte bie ÄoUefte unb ber Segen.
9Hit ber 2tbfa)affung ber Stgtlie« unb Steffen fielen au*
in ©örlifc alle bie oben*) angeführten ©ebräud)e bei ben ge-
nannten gefttagen. ?ln ihre Stelle trat einfach bie ^rebigt.
2)ie 33ruberfa)aften unb Sa)mefterfa)aften in ©örlifc gingen
mit bem 3al)rc 1528 ein. Xrofc bctf großen 2(nbange6 In ber
S3ürgerfa)aft fonnte Pfarrer Rotbart fta) in ©örlifc auf bie
Dauer nicht halten. Seine geinbe bewirf ten im %atyxt 1528
eine Drbonnanj be$ Jcönigö gerbinanb von Söhnten, welche
fetoe (£ntlaffung anbefahl. Doa) fam biefe Maßregel erft jur
$tutffül)rung, alö ber Pfarrer ben (£ntfa)lutj faßte, ftch $u ver*
ef)lia)en. 2)er föath gab bem Pfarrer }u verftehen, bag er
im galle ber Ausführung biefer &6fta)t, bie Pfarre aufgeben
muffe, ba ber fRatl) bieei vor bem fonigl. £ofe }u $rag triebt
ju verantworten wiffe. Demungeacbtet heiratbete Rotbart am
29. Stuguf* 1530, Anna, Softer m Sürger'ä Simon ffiolf,
auf bem ^farrhofe, unb verließ bann (ftörlifc, jum ^weitcnmalc
au$ feiner USaterftabt verbannt. (£r begab fia> von hier ju>
nädjjit naa) Sßittenbera., würbe im 3ahre 1532 naa) SBunjlau
ald $rebtger berufen, tm 3ahrc 1540 nach greiftabt, unb fehrte
im 3fthre 1542 wieber naa) ©unjlau gurücf, wofelbft er biö
jum 3ahre 1567 hö<hft fegend reia> wirfte. 3m gebauten %a\)xc
legte er fein Amt wegen Alterebefchwerben nieber, unb ftarb
am 29. gebruar 1570 ;u Sun^lau im neunzigsten 3«h« i&
ne$ bebend, tiefbetrauert von feinen zahlreichen Anhängern unb
greunben.
9toa) vor feinem Abfa)iebe auö ®örlt|j fajrieb ber föath
an Dr. Bugenhagen naa) Wittenberg, um einen neuen Pfarrer**):
•) 259 ff.
•) WütLn'*, obcxl 9cefi>rmation$gcfö. 8.346. $)ie JNntfcott ebetifraf.
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293
„Unfere freuublieben Dienfte $ut>or. ^odigefaftter, adjt*
barer, rourtt^er £err, befonberö gunftiger guter greunb. Site
fid) unfer ^farr, M. granaefuö «Kotbart er;elid) betreibet, wie;
roobl wir il>u frurd) viele gütliche 9iebe vermahnet, ba* (Snbc
je&igen 9teta)etagee \w erwarten, fei unö von fönigl. 9Wajeftät
*u jipungarn unb Stobmen unfero allcrgnäbigften «£>errn, fdjwere
Jtommijfton au §anben geftellt, wie gerinnen *it galten, bar*
aue wir und gemelteö unfere Pfarrer© fyaben entäußern muf-
fen, unD alfo eince» Pfarrers unb ^rebigerS mangeln, barura
aud) 3«<ieru btefeö, unfern ^tabtfcfyreibern, an (£w. 9la)tbaren
gefertiget, freunblidjen gleiß bittenb, giinftlid) $u verhelfen, ba*
mit wir mit einem guten tarnte, $um ©orte tauglia), ver*
[eben möd)ten werben, *foll einem wieberum *u Unterhaltung
feiner ^Öiüt>c baä gefdjeben, baran er (Gefallen tragen foll.
(lud) um bee SBorte uno unferer SMtte willen förberlia) be*
weifen, ate wir benn $u tbun fdjulbig, wollen wir jeber &\t
bereit fein." begeben am 15. £>f tober 1530.
Dr. 33ugenr;agen fd)ricb nid)t felbft, fonbern ubergab biefe
£ad)e an Dr. *Pilipp ?Jieland)tbon, welker in einem ©djret*
ben d. d. Wittenberg, 21. Df tober 1530 ifmen SBolfgang
£ anfiel (6ufteliu$), auö ^affau geburtig, empfahl. <Sa)t>ftel
bejog nidjt mebr ben ^farrbof, fonbern eine Ämtäworjuuug
innerbalb ber £tabt, unb bielt feine Vlutritteprebigt am 28.
Df tober 1530. 2Bie lange er in ©örlifc gewirft l)at, ift ungewiß.
2Bir verlafjen bie nunmebr evangelifdjen ©eiftliefien f)ier,
um auf biefelben weiter unten in ber ©efdjldjte ber evangelu
fdjen (^eiftlid)feit auefubrlicber lurürf^ufommen.
9iadi reu SefcMüjjen beö ^riefterfonventeö vom %al)xt
1525 war e$ natürlid), baß bie ©eiftlidjen in äonfWt mit
bem SMfAofe fommen mußten. Dod) verfugte berfelbe ver;
geblid) feinen früheren Einfluß wieber in ber Dberlaufifc &u
erlangen. Die ®etftlid)en nahmen vom 93tfa>fe ju beißen
feine 93efeble unb «Berorbnungen fernerhin an; eö ftetite ftet)
deiner auf bie bifd)öflicben ßitationen; ben angebrofyten 33ann
veraltete mau; bie geiftlid>en Auflagen unb (Steuern blieben
orme $erürffid)tigung. 3Benn bie äirdjen, nad) ben fanoni*
fd>en (safcungen, entweiht waren, ging Wemanb ben 93ifd>of
um Erneuerung ber ®etbe an. sJieue Pfarrer unb ^rebtger
würben burd) bie Jtirdjenvatrone eingefefct, ol)ne baß biefelben '
bie ehemals erforberlidje ©enerjmigung bunty ^Präsentation naaV
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gefugt, noch weniger um Snftatfation gewe Ratten. 3m
3ahre 1534 würben btc flirren gu ©ertbor, Sohlanb unb
äanni} erbrochen itnb beraubt, ber ©oiteGbienft barin jebodj
fortgefefct, währenb fbnß in biefem galle ber Sann über ben
JDrt aHtaefprochen, imb eine Staiweifye erforberlid) gewefen
wäre. 2>te weltliche JDbrigfeit benähte ben Ümftanb ber Sod-
faaung von ber bifchöflichcu ©erichtöbarfeit, Seiten* ber ©eifc
Itajfcir. Sie bewies ferneren ihre ©ewalt über bie ©eiftlichen,
währenb *ormal$ biefclben bei ber f^oc^ften Strafe be6 Banneä
von ben weltlichen ©ehörbeu iu fold)er $ejier)ung niemals be*
unruhig* werben burften. 5>ic fönigl. ©ertöte in ©örlifc befyn*
teil fofort ihre ©efugnißaud) auf bie ©eifttidjen au*, unb jo*
gen biefeiben unejefcheut $ur Untermietung.
Schließlich ifl noch $u bemerfen, um ^ißwftänbniffe jn
vermeiben, baß nichtj fämmtliche oberlauft|er ©eiftliche, fon-
bern nur bie i)iöceten ber Sßarochicn ©örlffr, Seibenberg nnb
SReichenbach bamal* fid} vom 93idtl>ume au SRetpen lo$fagten.
llebrtgcnd hatte bad (Snbe ber SBigilien unb Seelenmejfen,
wie oben fchon bewerft, für bie Pfarrer unb ©ertlichen bie
Söirfung, baß it)re bauptfäcf>lid>ftcn (tinnahmen aOfmäüg fdjwan*
ben, ba nach Aufhebung ber Neffen aud) feine 9)Jepgelber ge*
opfert warben.
2>er Suchmacheraufruhr. 1527*).
Ungefähr jwei 3a^re nach bem Sranbe ^ören wir nidjt*
von Unruhen, obwohl bie &njt<hten fortwdhrenb unter ber
Stenge ftch geltenb matten, baß e* ber ©emeinbc aebühte,
bie Serwatrun^ ju überwachen , baß namentlich in fingen,
welche betf Wext, ben ©eifi, ben ©lauben anbeträfen, bie
Obrigfcit <hwn Unterbauen nicht* au gebieten unb man ba*
bin abjielenben Sefd}(üffeii unb Befehlen feine golge *u leiftrn
habe. $to* geuer be* Aufruhr* jjlomm unter ber »fche fort,
unb vorjüglid) waren e* bie Suchntadjer, welche al* bie »n*
#) »^annale* III. f. JI-89.
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ftifter unb labtet be$ ®eifte6 ber sJKif?ftimmung angefeljen
werben muffen. (£in $um l*utbertbum übergegangener Pfaffe,
Ramend 3afob $afe, nahm regen &ntl)eil an Verbreitung
ber Dem iHatrje jcbäblidjen Unflaten unb ©erücbte. Diefer
,£)afe l)attc ftd) ui £orau t>er!>eiratr)et „ unb wollte, weil ff)m
jeoe *Snöjtcbt auf ein geifilidjeä Stmt benommen war, %ufy
macber werben. Da nun Der JRatb ben 2lelteften bie Aufnahme
biefeö 9Wanneö in bie Innung unterfaßte, l>egte er einen riefen
C%ott gram bie Verwaltungsbeborre ber Stabt unb war auf
jebe 5i$eife bemüht, bem Dtatbe $u febaben.
^tnt 1. September 1527 waren bie älteften ^erren, (*)eorg
*Röeler, Viirgermeifter §ratu <ScbneiDer, *ßeter Ttyiele, 3obann
$lrnolb unb M. Jqü))c auf bem iHatt)baufc perfammelt, um ftd)
wegen ber am foigenben Xage atyubaltenren Katböfür $u be-
fpredjen, al$ ibnen burrf) Partei, ben Xtjorfte^er, gemelbet
würbe, alle 3nnungen -lögen in bie sJkter$fird)e ;u einer Volte-
t>erfanrmlung. Vier auegefenbete (Etaotbiener melbeten, baß
Diefe Xbatfacbe richtig, alle Zvjoxc ber &ird)e mit 34id)mad)eni
befe$t, unb innerhalb berfelben 3(leranber Vol^c, nmgeben pon
$u(bmad)er*&elteften, lebhaft $u ben 3nnungcu fpräcbe. Der
Natb fettbete bie Stabtbiener nod)tnalö $ur Jiircbe. Sie tra-
ten unter bie 9Äenge mit ber Votfcbaft: „Der sJtatb unb bie
Herren lajfen (Sud) befehlen, bei (£uren (Siben unb $fltd)ten,
unb bem ©eborfam, ben 3^r gelobt habt bem itfrnigc *u
23öt)men unb bem iHattje biefer <5tabt, i>on biefem Vegmnen
abjufteben, unb fd)leuntgfl auf'ö Dtatbbauö $u fommen!" Die*
fer 93efebl braebte große Bewegung unter bie aufgeregte 5Renge;
tnbeß befebloß man ®eborfam \u leiten. Die 3nnung$*2tel-
teften gingen auf ba$ 9^atr)l>aii6 r wäbrenb bie nod) feblenben
iRatbömitglieber Dtatbä-Sleltcfteit unb 6d)öffen, etleub$ burd)
bie 6tabtbiener $u einer Sifcung berufen würben. Vor bem
ftatbbaufc flber fammelte ftd) ein großer fiaffe Volfö, um ben
Erfolg ber Beübung abzuwarten; unter 19111 9lleranber SÖolje
mit feinem &nf)ange.
211$ bie <Selteficn ber Innungen eintraten, ftanb ber Dtatf)
mtbt, wie fonft bräud)ltd)( auf, öermutf)lid) um feinen Unwü*
len gegen bie $klteften burd) biefe 9u6na^me von ber Siegel
ui be weifen; ber Vürgermetfiter aber befahl ben Getieften ftd)
*u fefcen. Vi$ auf ungefähr fed)6 ^erfonen, nämlid): ^aul
S^ame, @eorg Vierte unb nod) einen Xudjmacber, einen glet*
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t i
föer, ben ©dder SRartin ©ottener unb einen ©tbubmadjer
geborgten Hlle biefer Slufforberuiig. 2)ie ßrwäbnten jebo*
blieben fteben, wie ftd^d fpäter bei ber Unterfucbung eraab,
au* bem Ärunbe, weil ein fiebenber sJRann mei>r sJDtutb babe
unb jum reben beberjter fei, ald ein Sifcenber. Sie blieben
trofc wieberbolter (Srmabnung be$ SürgermdfttTtf, welker ver*
Seblidj nadj bem ©rnnbe ttcfcd auffallenben SenefymenS fragte,
eben.
$)er 93ürgermeifter fagte ibnen tytxauf 9Jad)ftebenbe$ :
3>er *Rall) bätte gehofft, |te feien eingebenf ibrer ©elübbe,
(Jibe unb 33erpfii(btnngen, bie fic beim (smpfanae bee Surger*
red>id ber äönigf. SRajeftäi *u Söfmten, al$ it)rem (Srbberm
unb Könige, bann aber ittfon&erfyeic Dem ^Hat^e gelobet, treu
unb bieber ju fein, ba$ Sefte ber ©tabt gu beförbern, baä
6<bäblid)e &u unterlajfen unt> bavon Slnjeige &u machen. 3*&t
febe er »er Äugen, wie fic biefe ©elübbe gelten. ©ie bätten
jicb obne SSerwiffen beä üRartjeä in ber Jtirdjc verfammelt, unb
wiber be$ DtatbeS Regiment r)cimlid)e 55efprecbungen abgebal*
ten, weldje bod) in ber ©tabt SBillfür verboten wären. Dem
Olatt)c fei biefe traurige (5rfal)rung um fo fdjmerjlidjer, alä er
ftcr) von ibnen allen eine* folgen unbebäct)tigeu unb unüber*
legten ©ebabrenä nidjt verfeben r>abe. 2Benn fte ©ebredjen
£u verbeffern wünfdjten, motten fte fol$e auf t>erfüdnbige
^eife, nid)t fo pflidjt* unb cbrvergciTen überlegen, an anberem
Drte, unb eine jebe 3nnung für ftcb, wie ci ber ©tabt ©e*
wobnbeit erfordere. 2Beü aber feld)e$ SBorbaben, ben SRatb
unb fein Regiment $u unterbrürfen, ber ©tabt jum SBerberben
gereidjen muffe, fönne ber 9tatb, welkem bie ©tabt burdj
ben ^önig *u 93öbmeu anvertraut, biefeS 93ebaben triebt ferner
bulben, müjfe e$ viclmebr naety ber Strenge ber ibm jufitlben«
ben üKedjte beftrafen. 3e$t motten fte berieten, auf weffen
Änorbnung fte in bie tfirebe gegangen, unb wa$ bort verbau?
belt worben wäre.
9cad) einigen Sluöwcidjuncren braute ©eorg ißterle bie
93ef<blüffe in ber «ßeterdfirebe jur ßenntniß be6 SRatbeä. 2)a
jc^fc gerabe 9fatb$rur bevorftebe, erfuebe man ben SRatb, bie
tfür aufjufd)ieben, bis auf ben folgenben £a<j. !Die 3nnun*
gen bitten vorber nod) (SinigeS vorzutragen, tiiäbefonbere über
bie £ärte ber ©trafen unb bafj man ben £anbwerfern, wie
in anbern ©täbten, aud) ba6 $raured)t gewdbren folle. 2)er
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tanptwunfd) aber war, ber $atb möge noefc jwei au* beit
anbwerfen, nämlid) einen Dörfer unb einen Scr?ut)mad)er
jur Mx hinziehen, beim in Der ©egenwart Ijätten bie 8fir>
' aer viel (Stimmen, wa$ $ur golge l>abe, baß im Dtatfye bie
ixatt)$verwanbten au* ben 3nnungen meijten$ übernimmt
würben.
$acf) biefem ©efenntniß Ijielt ber ftatf) eine geheime
Si&ung, beren (Srgebniß war, baß ber ©ürgermeifter ben wie*
ber in ba$ Oratorium berufenen 3nnungd *#eltefxen funb tfyat:
„Der 9iaty fei fct>r befümmert über bie unter ben 3nnungen
eimjefdjlidjencu ©eftrebungen unb baß fte über Dinge ratl)*
fragten, weldje wiber ir/re Söefugniffe feien. Der ftatf) babe
bie 9iart)$für nicfjt von i^iten, fonbern von ber Dbrigfeit, von
Äaifern unb Äonigen ju ©öfymen; er fyabe befctyloffen baran
feftjuf)alten unb werbe eö abwarten, ob 3emanb wagen würbe,
biefeS Privilegium an^itaften. Der Dtatb warne wof)lmeincnb
3eben, (id> um fein Regiment nidjt $u befümmern, fofern tr)m
fein Mb, feine @l)re unb feine £abc etwa* mxfy fei. dr
werbe bie tHnftifter \u erfahren unb ben bewiefenen Unge^or-
fam au ftrafen wiffen!"
9tit biefer Bnfpracfee würben bie Heltefien entlajfen, unb
bereit 23erid>t von bem unten verfammelten $olfe in großem
Unwillen angehört, 3Bäf)renb (Simqe meinten: nun fei 2lUe$
au$, ba ftd> ber $atf> ein £erj gefaßt f)abe,~ erflärte Martin
Stoltenberg auf offener (Straße: man müffe bem 9tatf)e ba$
Regiment nehmen, er folie Rechnung legen, bie £anbwerfer
müßten mit ben bürgern gleiten Sifc unb Stimme im ÜRatfye
fyaben, ein 3afn* um'0 aiibere ein Xucbmadjer ©ürgermeijter
fein, bie £anbwerfer ba$ Braurecht erhalten, unb überhaupt
bie ganje gegenwartige $ßillfür umgeftoßen werben, bann erfl
würbe eS in ©örlifc gut werben.
Der Vlati) nafjm am beftimmten Sage, obwohl mit gro*
ßer 2lngft, in gewohnter SBeife, bie Mx vor. Einige läge
barauf aber würbe Martin Stoljenberg, al$ ein £auptauf*
wiegler, plöfclicfy jur £aft geführt unb im ©uten fowofjl al$
mit ber golter jum Sprechen gebraut. Stoltenberg'* ©efennt*
niß gab Hufföluß über bie kleine ber *Berföwörer unb bie
£auptleiter ber beabfutytigten Unternehmungen, ^aul Xbame
warb verhaftet; Äleranber $ol$e aber unb ber Pfaffe £afe
entgingen burd) bie gluckt bem ibnen jugebac^ten ©efängniffe.
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. — - .
£afe wanbte ftd> mit einem gewiffen $offelt nad) ffiit*
tenberg; erlieft aber von Dr. Martin £utt)er, bei bem fid>
93eibe tRatbö erholen wollten, in feiner Seife, gebüf>renbe
Antwort, wie er nidjt erwartet t>atrc. Luther fagte näm*
lief): „(Sr wäre ein Stifter, in ber VefdjwernlJ ber ©ewiffen
9tat^ unb Urteil $u geben, nia)t gu weltlid)eu 6aa)en. 2l>ie
er'S verftünbe, fei in biefer Angelegenheit fein Diatf), als nur
ber %ct>, eS wollten beim bie Herren von ©örlifc an it)iien
Barmherjigfeit üben. Sie hätten übel gehanbelt unb Pfaffe
tafe, wenn fiays fo »erhielte, wie fte erjagten, fid> in ber
Seife eine* ScbalfS, Verrather'S unb Vöfewiay S benommen."
3u @orli& faxten bie ^auptbettjeiligten ben $efd)lu£
Hanl Shame unb Martin Stoljenberg, fowic anoere in biefen
Sagen Verhaftete, ju befreien, ba fte mit >J*ed)t befürchten
mußten, jene würben in il)ren AuSfagen aud) bie übrigen 8Wt*
fa)ulbfgen bloSftellen.
Sie l)eimtid)en Vefpredmngen fanben perft in bem £aufe
„in ben brei (Sidjen," hinter bem älofiter, fpäter aber bei s4>eter
fciebig, einem Xud)mad)er, Sangengajfe Wo. 162. wohnhaft,
ftatt. 5)cr erfte Anfcrjlag, auf baS StatbbauS }u gehen, ben
ftath böflid) um greilaffung ber Verhafteten anzugehen, wenn
aber, wie vorausgehen, foldje nid>t genehmigt werben würbe,
auf bie ftathSverwanbten brein*ufd)lagen, biefelben in bie
Xfnirmc }u fe$en, unb bann bie (befangenen freizugeben, tarn
am 3. September nid)t $ur Ausführung, weil Der Statt) ab-
fällig früher als fonft, bie Sifcung t>crlie#. (SS warb nun
von ben Verfdjworenen bie Ausführung il)reS planes auf
greitag barauf, ben 5. (September, feftgefefct, unb beftimmt:
man folle fid) mit Sßaffen wol)l verfemen, in fciebig'S £aufe
verfammcln, 9tad)mittagS, wenn ber Dtatt) in ber Stabtfaffe
bie £öf)tte auS$al)le, auf's 9cathhaHS ziehen, unb bie beabfid)-
tigte Verhaftung ber ftathSmttglieber mit ©ewatt bewürfen.
Diefer ^tan würbe ebenfalls baburd) vereitelt, bajj ein
Bürger, ein Sa)neibermeifter WamenS: s4*aul SdmuptS, ben
Anfd)lag bem M. £affe DonnerStag'S vorher anzeigte. Der
©ürgermeifter beorberte nun am folgenben &age, eine Stunbe
vor ber angefefcten VerfammlungSjeit, 9taa)mittagS 2 tttyr,
bie Stabtfnedjte nad> ^eter Siebig'S £aufe. $J<eter Siebig
würbe fdjleunig verhaftet, unb bei ber ^auSfud>ting in einem
©ew*ü*: Vüa)fcn, Säbel, Spiele, ^anjerjhirfe, Streitbarn*
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mcr ncbfl vielem Staffen- unb Otüfocug gefunben, aud) bic
Staffen auf ba$ *Ratr;l)aH$ gebradjt.
hierauf befahl ber <Rat^ bcn 3nnungcn auf bem ftatr;*
r)aufe unter bic SBafftn jh treten. 33i$ au? viele $ud>ma(r;er,
meiere eilen** entwichen, geborgten sMt biefem Vefefjlc.
^atürlidj würben nun eine SRenge Verhaftungen vorge-
nommen unb e* entfpann ftd> eine viele 2Bod)en baucrubc
Untcrfudjung, beren (frgebnif auflfür/rlid) in £affe'6 Statt)**
annalen nieber^eleiit ift.
Der 9iat$, wm bic etwa nod) verborgenen Unrurjfrifter
|« erfetyretfen, befdjloß, an ben Jjpauptangef tagten bie Strafe
balbtgfi, unb auf redjt rjcrvorftcdjcnbe Äeffe, vollftrerfen ju
laffen. Siebig unb «Stoltenberg würben bafjer am 26. Scp*
tember 1527 auf folgenbe ÜBcife vom Seben annt lobe gebracht.
Sobalb bie Verurteilten bHrd) ben Sdjarfricfjter biä an
bie (£tfc ber 8tabtroad)e geführt waren, mußten fte bie ©e*
rjarnifebten in ber Lüftung vom rKathlunifc fteigen feljen.
i)er ^ottenmeifter ging voran, fyinter ifym 10 Kotten Sölbner,
hierauf ein £err beä iftatrjeä, bem ein ftnabc mit bem enblo>
ten Schwerte folgte. Sölbner fd)lo||cn ben 3«9f neben wel-
kem ber föniglidje ?Kid)tcr unb ein 9iatr)$mitgtieb ritten. Der
9tatl)C%rr rief barauf (bcfdjrie) öffenrfid) bie ®riinbe be$ So;
bedurtljeild, wie folgt auö:
„$eter Stoljenberg foll barum leiben, weil er eib- unb
pfUdjtwibrig, wiber ben Jronig ju Völjmeu, feinen (£rbl)erren
unb ben $att), ba$ 8ergfic im Sinne gehegt unb Untreue
anftatt $reue bewiefen fyat;
<£r fyat Seute belaufen ju heimlichen Verätzungen, wlbcr
ben Äatf) nnb gemeiner Stabt loblidje SBillrur;
l§r tyat fjelfen unb förbern auf ben $atf) $u fafynben,
tyn feiner faifcrlicften, föniglidjen unb fnrfrlidjeu Privilegien
;u berauben;
Ott t)at bamit lirfad}* gegeben $u 5fufruf>r; ift anwefenb
gewefen bei Sage unb jur 9?acf;Meit in Verfammlungcn, wo
man ftd) berictr), ben *Ratr) mit SRorbgewefn* ju überfallen; er
bar auf biefe VI rt ben d}riftlid)eu unb büraerlidjen ^rieben ge*
brodln, unb Uneinig feit unter bie (Stnwofyner gefd)leubert;
(fr bat ben fdniglidjen Anwalt unb Sanbvoigt nicht we-
niger a(6 ben ehrbaren Statt), mit fd)mäl)licf;en unb abferjeu*
liefen Korten geläjlert, unb unter Änberem gefagt, ber JRatr;
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300
I>te(te bie Jtür $ur 9tad)tjeit, feine SÄitglieber fliegen auf*
Stallau* wie X>iebe unb Lotterbuben;
Unb roeü er 2(üe$ folct)ed mib meljr, n>tDer ben ©etyor-
fam unb d)riftlid)en grieben, al$ ein uugetreHer Bürger getljan,
unb t>em iRatfje t?on tiefen heimlichen planen feine Geltung
gemalt, wollen if)n bie fönigltc^eu ®eria)tc unb ein ehrbarer
Kail), and sJDcilbe jeboch nur mit bem Sehweite, richten unb
ftrafen laffen!" gerner warb gerufen:
„^eter tfiebig foll, wie Stoltenberg barum leiben, bafi
er gebanbelt wiber feine Schwüre unb Verpflichtungen. Gr
r>at Sag unb 9tad)t Seute in fein §aud gerufen unb f)eimlia>e
SBcratbungen mit ihnen gehalten, wiber ben töatf), wiber ber
©tabt löbliche SBillfur;
(Sr f)at in feinem £auf* gemattet unb mit baju Iftath ge--
geben, wie man in ber Aontgl. Wajeftat Obergerichte greifen
unb bie (befangenen befreien wolle;
@r hat helfen ratheu wiber beevftatheä faiferlidje, fomg-
lidje unb für)ilia)e ^«^üfgien, bem 3Hatl>e mit gewappneter
£anb unb mörberifchen Sßaffen, nahertreten, ibn $u entfern
unb in* ©efängnifj $u werfen;
(Sr hat ber Stabt Liener überfallen wollen;
(Sr l)at Aufruhr fliften wollen, burd) welchen bie Stabt*
gemeinbe in Ängft, 9toth unb ewiged SBerberbeu geftürjt,
littittwen unb SBatfen geworbeu wären, unb t)at baburd) ben
a)ri|clia)eu bürgerlichen grieben gebrochen;
t£r l>at |ia> ju ©ewaltmajkegeln oerftanben, benn bie
9Rorbgewel)ie, bie Süa)feu, Keffer, ©treithämmer, ©piepe
unb ^arni|0)e fmb in feinem £aufe gefuuben unb erft t>on
bort aufd jKatl)hau$ getragen worben;
Unb bieweil ^«ter £iebig, al$ ein untreuer Bürger, folche3
2Ule$ wiber ©ott unb feinen 9Md)ftcn, wiber @^re, ©leid}'
f>eit unb SRedjt, unb wiber ben a)rijtlid)en gritben gettjan,
wollen il)n bie föiiiglidjen ©crichte unb ein ehrbarer 9Rath,
ald einen meineibigen üBerratber ftrafen, unb in wer Stüde
teilen laffen!"
9tad)bem biefe (Sifenntniffe aufgerufen worben, führte
man bie SScfdjriecuen vor, unb sJWartin Stoltenberg warb mit*
ten auf bem ^lafre enthauptet, ^eter Siebig aber unter bem
Oranger burch ben »ad>rid>ter in vier ©rüde gehauen, welch«
301
ber 9iatf> an vier <ßfäf)!e an jeber Seite beö 9*atf)f)aufe* jur
ffiarnunij anheften ließ.
Die fdjmale ©äffe aber, bnrd) weldje bie SBerfdjworenen
penntttelft einer Seiteupforte in Siebig'ä «£>auä gelangt waren,
erhielt ben tarnen: „^errat^ergaffe /' nnb bei biefer Pforte,
auf bie Sangengajfe ju, ließ ber 9Ratf) bie 93ud)ftaben: „D. V. R. T.
(ber oerrätberifd)en Spotte Il)ür) 1527", in bie 3Rauer einbauen,
wo fte nod) feilte ju fetycn finb.
Der $atf) begnügte ftd) nid>t mit biefen £inrid)tungen.
Mutier Siebig unb Stoltenberg würben enthauptet: am 28. Sept.
1527: $f)oma$ löctyer unb Martin Dfyneforge; am 10. 3anuar
1528: mtott$ Deutfdjmann unb 9H$e( Entmann; enblid)
am 10. DftPber 1528: gabian Seiler, ber, juerft glütflid)
emfommen, bie Uiworfidjtigfeit begangen fyatte, tyeimlidj in fein
£au0 juriirf$ufef)ren.
granj giebler, gen. Sdjweinebrätlein, unb ^eter Schwelm,
weldje ftd) nad) Breslau begeben fyatten, würben auf be$ gor*
lifcer StatfyeS Wnfuctyen bort wljaftet, unb im Spätfjcrbft 1527
in 33red(au l)iugerid)tct.
£>ie übrigen ^Beteiligten waren entflogen; &nbere, min*
ber fdjwer 33erwirfelte, würben in ©elbftrafc genommen, unb
ft war biefer üufftanb, welker ber Stabt fein* gefäfyrlid) wer?
ben fonnte, befeitigt. (Einige glüdjtlinge famen im 3. 1538,
im ©eleite beä Könige, in il)re £eimatf) jururfj erhielten and),
nad) bed .u önigä Milien, wegen biefcä Umftanbeä oom sKuthe bie
(irlaubntjj, fernerhin ungefäfyrbet iljre ^OaterftaDt ui bewohnen
2ßäl)renb ber Abgaben unb Saften, weldjc burd) ben s^ön.
fall erwudjfen, taudjteii jwar im Dftober 1547 wieberum auf--
rüfjrerifdje Umtriebe auf, fanben jebodj ntd)t bie <Sinmütl)igfei
Hnb ben umfajfenben &nflang, wie in ber Weformationöperiobe*
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Befudj itöntq gerbtnanb* von Böhmen "in
©örlifc*). 1*38.
tdj vor einigen 3afyren in* *JJrag war, ging eine
(JJerüdrt beweg ben $atl), baß er ftcr; jur 2lufnaf)mc be$ Stö*
nigö getieft machte. Damals fam er jebodj nid>t, unb bie
©tabt haue nmfonjt eine ©umme von 1U00 Oml Den ftum
Empfange verwenbet. hierauf bat aber ber bamaüge Vaut>
Voigt, Berfa von ber Tuba, ben Jtönig, er möge frech beit
SaufuKui bie @r;re feinet Befudjeä vergönnen*, unb af* ul)
nad) ber &\t einmal vor bem Äönigc war, ba muh bic von
tarnen) unb Vohau bafun gefd)irft Ratten , fagte er mir feine
Vlnfmm )U. Bei ber langen Hubienj vor ihm, fragte er mich
viel über ba6 SBefen in unferer ©tabt, bic tontglictyen (%
richte, Die 9ted)töfprüd>e unb fragte aud), welche <£>anbiverfe
befonberö bei und im Crange wären? unb antwortete: bie
Bierbrauer unb Xudjmacber. 2)a fing ©e. sJO?aj. au ju fra-
gen: wie viel Buchmacher tu öunlm wären, unb wo fte bie
SBolle her befämen? (£r fagte babet, baß aud} er $8iüenä ge*
wefen fei, tu feinen ©täbten Xud)mad}er$ünfte einzuführen, bie
i'eute hatten ftd) aber darein nid>t fdntfen wollen, obgleich um
eine feiner ©täbte eine fo gute ©<fyafweit>e wäre, baß ed an
Sßoüe nid^t mangeln tonnte. 5)ie3 wteberfyolten 3()re 9ftaj.
etlichemal. Darauf unterrid)tete id> ben Jtöntg: e$ feien in
©örlifc mehr al$ 200 1 uchmachcr, ihre SBofle fauften fte auf
bem ßanbe unb aHf ben SWärften. 3<fy fragte tf>nf welche
©tabt e6 wäre, wo bie gute ©djafweibc wäre? Darauf am
wortete er: $u ^euftabt in Deften eicfv (fr eruihlte mir, in fei*
nem ©panteu wären Bauern, SBicljf^rrengenanitt, bereit (£iner
über 10,000 ©djafe mit ber feinften SBolle, bavon feined
Xucr), bte (Süc «u 5 unb 6 Tufaten gemacht würbe , befäße.
ein folcfyer Bauer gebe feiner Xotykx bie 10,000 £>ufaten
Mitgift unb eö habe ihm unlängft fein geliebter Srnber, itaifer
Äarl V., gefdjrieben, baß neulid} ein foldjer Bauer brei Xöcbter
' ) STOit einigen Stbfnrjungen in betr eigenen Söorten beö Bürger;
meijler £affe. 9taü)öannalen tom. III. f. 183— 1 89.
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30.1
r>erl>eirarf)et unb jeber 2l,OÜG Dufuten 9Hitgtft gegeben f>abe(?).
£)rme't>iefe reichen dauern wäre eä bem Jtatfrr nid)t möglid),
fo lange Kriege mit ben Xürfeu unD grausen $u flirren.
9?ad) foUf>en u\\t> andern Sieben bat id) ben ^önig um
(Sntlaffung. Seim &bfd)iebe fagte ei, er mürbe in wenig 3 a
gen nad) Der häufig fommen unb ^flied befd>auen. Unb riay
rig, IV ontagä nad) @antate (20. 9Xai) traf er fdwn in Sauften
an £>ier nahm man ihn (Main auf. Ob fte bied au£
Kargheit, Unwiffenrjeit ober ^ocbmutr; tbaten, weiß ta> indu.
(£rft hatten fte verfprodjen, fte wollten für t>e$ Jtönigä Jtudjc
unb heiler forgen; al$ er aber angekommen war, weigerten fic
fid>. Sie traten weiter nid>tö, ale baß fte bem Röntge mit
einigem gußvolfc entgegettftogen, unb ihm bie Stabtfdjlüffel in
einem Beutel von &tlaä überreizten. 3d) felbft war mit in
Sauften, unb fyabe nid>t gefefyen, baß fonft etwad gefctjefyeu wäre.
Der falte Empfang in Sauften mochte ben Jtömg ba$u
bewegen, aucr; in ÖJörlift nur eine 9cad)t bleiben ju wollen.
Da ia> bieö työrte, fiel id) £ r. 3Raj. ui Süßen unb bat eemu
tbig, er foüe ftays nur 2 £age bort gefallen lajfcn. sJ}tein
Sitten half änfaugö 9?id)td, obwohl viel &ätf)e ein gut 2Öort
einlegten, bid enfclid) auf bie leftt, ba id) vornweg natr) ©öi
U t > jieljeu wollte, er mir jufagte, jwei 9läd)te au bleiben. 3dj
verordnete hierauf fogleid), baß von (Sörlift aue auf bie
jtger i>aibe gefäidt würbe, um $üleä juu jagb bereit $u ma
djeti. 3Z entfdjulbigte mid) beim Äönig, oaß jwar in ber
^aibe wenig $Bilb wäre, baß bagegen bie Siabtgräben in
(*)ör(i$ voller $trfd)e unb Siebe feien, worauf, er antwortete,
baß e£ ihm niaSt um baä itMlrpiet ;u tbun fei.
Den 25. 9J?ai jog jhve SiÄaj. von Sauften au£ naa>
©örltft ju. Sei sJRarferdborf empfingen ihn Drei Sfatrjäperfonett
im tarnen ber Stabt, wobei id? aud) zugegen war. Da e6
nun Sitte utr baß wenn ein Äönig in bie Stabt nnucbr, alle
von ber Statt verbannten unb jlücbtigen lUtffetbater uuge*
mau mit einfließen bürfen, ließ id) obre sSraj. angeben, baß
id) ihm bie Sitte vortragen bürfte, ben @iit£ug ©eädjteter nidjt
jujugeben. &ld ber £anbvoigt bteä bem Jtöntg anzeigte, fpre*
cfjenb: ©näbiger $err, ber i>err SÄagifter*) ijl ba mit ber
unb ber Sitte, wenbete jia) Sc. Mai. gegen mid>, unb fagte;
*") eo tonrbc «öatte actüübnlidj aenannt.
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304
„„9ieitt? ba$ ifl unfere fürftlidje Jreirjeit, bie wir md)t abtljun
wollen!"" Hub fo famett aucfy wirflid} viele Verbannte, g. 93.
ber abtrünnige Xucfymadjer Jtlein'SÄärten, ein Töpfer &Sftner
unb Sfnbere mit in bie €>tabt.
hierauf famen bem Könige bei SJfarferäborf 100 -Reiter
and ber Stabt, weldjc alle in rotfye, mit weisen 3$änbern
burcr^ogene $eibrÖ(fe cjeflctbct waren, entgegen; ferner ein
riabiüem Jtnedjte, ebenfalls rotf) unb weiß, mit langen <Spie*
ßen unb halben Jpafenbücf)feii, aud ber Statt, bie gar luftig
auäfafyen unb bem Könige wof)l gefielen. Darauf folgten 42
©lieber 93üebfeit'Sd)ü$en, 24 ©lieber mit (Spießen, 3 ©lieber
mit ^ellebarben, 2 ©lieber mit <S>d)la<t>tfc!) wettern, ein ©lieb
mit ber großen $abne ber Stabt ©ör(i(, bann wieber 4 ©lie*
ber mit ^ellebarbeit unb 26 ©lieber mit langen Spießen.
9lUe$ war sJWannfcr)aft ber Stabt. Sülle gingen tn gam neuen
SLMmfen, weiß unb rotten ^ofen unb eben folgen Dorfen.
3f)nen folgten bie Sänfte, 60 £u<fcmad)er, 25 gleifäer, 30
©erber, 25 €>(fymiebe, 30 Säcfer, 25 6d)netber unb 8 Xijty
(er. Vornweg trug man ein fcfyöned, mit ©olb aufgelegte*
Sdjwerr, ©efirjenf für ben #önig.
tiefer lange 3"ö begleitete ben Jfcömg nad> ber Stabt.
2113 man vor bie Stabt fam, ftanbeu bort 30 Stütf grobe«
©ef$ü$, bie würben loägebrannt, auef) fefyoß man von ber
ganbeöfrone, unb fo, unter bem Donner ber $üd)fen unb Ka-
nonen, i>ielt ^onig gerbinanb feinen (Sinjug in bie Stabt
Bei bem $f)ore empfing tf>rt ber fämmtlidje *Ratf), fcfywarg
gcfleibet, unb übergab bie 6d)lüflel unb Siegel ber Stab* in
einem geseilten ^äftlein, baä mit rotten unb weißen Herfen*)
bedangen war. Der «ftönig gab aber bie Scftlüjfel jurürf unb
fagte Dabei: „„man forte nur aucf> fernerhin wie biöfter, auf bte
©tabt unb tyre Sachen gute gcr/tung traben.''" Die Bürger
Ratten fi$ vom $f)ore an bis nacfj.ber ^eterflfirdje in gwei
Steigen aufgeteilt unb ließen ben tfonig fo jwifdjen ftd> fyer*
eingießen. Dabei würbe von ben Stürmen unb Safteten luftig
gesoffen mit £afenbüdjfen unb galfonetten. ®om Xrjore au«
gingen bie s3)*oncr;c unb Pfaffen mit bem Äreuje unb bren*
nenben &er$en bem Äönige voran, unb biefen fcrjloffcn bte
Sdjulmeifter mit ben edjülerit, an 300 ftc^ an, weld)e Ctyor*
•) «tfaniiMdj if* totfj unfr mif *ie flMifrct aDawenfar&e.
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305
find anhatten unb ein Aabulmi trugen. Der 3»g ging ge-
rate ua a> ber *J}eteröfirdje, wobei bie Sdjüler fangen: „Accipe
re\ * (empfange o Honig k.), waö beut Könige fo wof)l ge<
fiel, ba|j er laut fagte: ,,„3l)r feib alle meine lieben Äinber!""
VUtf ber 3ug wor ber $eterdfira>e anlangte, ftieg ber
.Honig i>om Uferte uub ging in bie &irdje 9Äan harte fei*
neu Seg mit leppidjen belegt unb SUleä auf«? 2 djöufte auö
gegiert. Vi n ih bie 9tatur tl)at baä iljrige, um beu fronen
Viuhluf, UH-Uium biefe luTrliaV töirdje gewährt, noa) $u er;
ho in- u, benn ed fdjien bamald gerabe bie Sonne auf 6 ^ellfte
burdj bie fyofyen geimei unb ber Jiönig war ftd)t(id) erfreut
über unfer ©Ottenaus. Ü)ie Altäre tyatte man veidjlid) ge-
giert, alieo rein gefefjrt unb obwohl bamalä fa^on bie lutbe
rifdje £ef)re Eingang gefunben hatte, waren bennoa) bie Won
ftranjen mit bem Seelenamte aufgeftellt worben. Dieä hatte
bie bei bem itönige beftnblidje ©eiftlidjfeit fafl übel gebeuter,
gleid)fam, alo ob bie Vutbmuhen nia)t gefd)idt jum confc>-
criren, tote ia)*) benn noa) immer bed frommen Glaubend
bin: quod sub specie panis et vini (ba(j unter bem Bilbe
bed Broteä unb 3Beines) ein redjt lebenbiger geib (£f)rijti fei.
tu- .Uonig fniete vor einem Altäre nteber unb tljat fein ®e*
bet, worauf er wieber auf fein töofj flieg ull° ^or'3 athl>au^
ritt, in weld)em ihm fein Duartier bereitet war. <£>ier gefiel
eä ihm root)( unb id), M. .§>affe, unb Aium Sdjneiber gingen
Vlbeuoo \u ihm in fein Limmer, bamit wir erführen, wa$ er
auf morgen in ber Stabt \u befreiten habe uub in weiter
.Hu die er SRejfe houai wolle. (£r fagte: „„beute bin ia) in
eurer *J3farrfira)e gewefen, morgen wtU id) ju ben Britbern
tn'd Softer gerjn." Der anbere lag war Sonntag unb
3l)re 9#aj. Rotten eine ÜWeft'e im Älofter, welche ber Sßater
*ßromni( lad. x'lld er barauf tn'd Watbbam? jurütfgefeljrt
war, ließ er Supplikanten vor unb fd)lid)tete einige «£>änbel.
Sobann ging er in Begleitung von jwei feiner sperren au$
unb befaf) jta) bie Stabt, beftieg alle ibuvme unb ließ (id)
VlUed jeigen. &uf bem WatluMhuuue bemerfte er mit Unwil-
len, bafi bie Stabt ringä mit Bergen umgeben fei, ja er foll
babei geflutt Ijaben, wad man fonft bei il)m nie gehört.
*) $afte trat mental* $w lutfjerifdjen Jtird>e über uub blieb bt*
an fein am 10. Styrll 1544 erfolgte« C*nb« ÄatljcUf.
«c.v .1 t< »on ®erU|. 20
1 Digr
306
<$ie$ gefajal) vleUeidjt barum, Werl er meinte, bie Serge feien
ber Stabt in ßriegdnötbctt gefäfyrltd). — $ad) bem Slbenb*
effen ftieg er wieber auf fein 9toß unb ritt in meiner unt>
granj Sdjnciber'S Segleitung in ber 6tabt untrer, um Med
in beftdjtigen, wobei er angab, wie bie fürjlid) niebergebrann-
ten Käufer lieber errietet werben fottten. 2Bir $rigten ibm
aud) nodj, wo bie 9feißbrucfe txbaut werben follte. 9(n
bicfem Tage fyat <Sc. 9)?aj. ftc^ an bem genfter gezeigt unb
hinunter gerufen: „„ob 3emanb etwa** bei if)m vorzubringen
r)abe, er wolle il)n gern r)ören!""
?(ucr/ fcfccnfte ifjm ber SHatl) etlidje äleinobien, fonberlid)
ein fleiueö fünfUicfyed ed)iff, nad) Skiffe* flu unb fo gebaut,
baß man au bemfelbeu 8Ued fe{>cn tonnte, waö ju einem gro
ßen s3Reerfd)iffe gehört. Dajfelbe war gar fiinftlid) unb fofc
lia) gearbeitet, fo baß ber Äönig ed mit großen ©naben unt>
fonberlid)em Gefallen aufgenommen l)at. 3ur feierlidjeu Se
gel)ung ber Slnwefenr;eit beä JiöuigS ließ ber 9?atf) aua) alle
bie, weld)e ben äönig begleitet litten, frei galten unb butfte
Deö Jtönigö ©efolge nirgenbä etwatf besaiten.
Montage, früt> um 6 llfyr, ijlt ber tfönig, nadjbem er
jwet Xage in ÖJörlifc verblieben, weiter gen Suujlau gejogen
nnb von ba nad) Sretflau. (Sr f>at fia) in (*)örli$ gegen ben
sjtatfy unb 3ebermanu fefyr freunblidj bewiefen unb tyat man
and) feine Soften gefpart, il)m feinen Aufenthalt red)t ange-
nehm ju madjen. finb bei feiner Anwefenfyeit von ifyin
unb feinem ©efolge ver$ef)rt worben: fünf unb jwanjig Arten
Söein: sJRu$fateller, SWalvafier, Ungar, Meißner, $ran$, mar)
rifdjer, bor)mifa)er, croffeuer, - gubener, fenftcnberger u. f. w.
3tem camenjer unb jittauer Weißbier ift aua) ju befommen
gewefen.
3r>re SNaj. befahlen bei ifjrem Sfbfdjiebe, bie <ßeter$firdje
abmalen ju laffen, waä jtd; aber hemaa) ver$og. Älä id)
nad) einem 3ar;re wieber vor ben Jtönig fam, war ed feine
evfte grage: ob id} bie Äirdje abgemalet mitbräd>te? 3d) ent
fd)ulbigte micf), baß ber 9latf) jn ©örlrfc feine SRaler ba§u
hätte befommen fönnen, verfprad) aber, baß eö nun bafb gc
fd>el)en foüe, worauf it)in benn audj baö Silb ber ÄirO)e auf $
fauberfte gemalt jugefdnrft worben ift.
$ßeü eö nun bei bem (*injuge be$ Äonigä in ®örli$
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30?
alfo hmli($ angegangen, hat 9». Scfjmibt (gaber), ©ifäof ui
iffiien, ben (Smpfang befdmeben, um ü>n brutfen ju laffen, wa*
aber unterblieben ift. «
'Die älteren Statuten \>on ©örlifr ald (Strafte*
rifHf ber Stabtgebräudje unb Sittengefajicfyte
unferer Stabt*).
mt bem «Poufall, ben wir im Kujone* be* britten ©u^
d>e6 fa)ilbern werben, enbtgt bie eigentliche yolitifa)e #ebeu-
tung ber Stabt ©drlifc, wä^renb bie Äommun früher al*
mithanbelnb auf ber »ü^ne ber $ßeltgefa)id)te auftritt unb
mebrfaa) ttyätig in ben @ang ber (Sreigniffe eingreift, erfcfceint
fie ^infort, if)rer $Üf*queUen unb ^ertljeibigungeinittel beraubt,
nur leibenb. <£cfyaib eraa)ten wir e* für eine $0i$tf un«
fern £efern ein $ilb ber Stabtgebraud)e unb Malen C^iwric^^
tungen tyeRact Stabt 311 geben, wie fte im Allgemeinen wä>
renb beö Mittelalter* in ber 3eit ber Stabtfouueranitdt bt*
ftanben t}*ben. ©ir feilen beö^alb bie bid jkftt aufgefunbenen
dlteften Stabtftatuten im 9fu*ju<je mit, wobei wir bem Sefer
überlaffen, auä ben Verboten unb gebotenen SBeftimmungen
berfelben einen KMftyKttj auf bie Urfahr» }U machen. (Sine
grofe Menge berfelben fmb eigentlia) polijeüic^er 9fatur. Die
ut 3eiten auffaüenbe Strenge ber Strafen entfpria>t bem 6()a-
rafter ber ftohbeit jener (Generationen.
Sieben ben allgemeinen «Redjtögebrauajen entwirfelte fid>
in @örli$, wie in allen übrigen Stäbten, jeitig bie fogenannte
„Stabtwillfür", ober lofale ÜBefttmmungeu: „Statuten" ge-
nannt. Diefe Statuten betätigte tfarl IV. ber Stabt unter
golbener $ulle unb äaifer Sigmunb wieber^olte foltt)e im
3. 1433. Hufgeaeicfmet f^einen bie Statuten erft nad) ber
$ejiätigung Sigmunbö gu fein; e$ ift wenigftenS eine ältere
J5anbfa)rift al« bie t>on florier herausgegebene nia)t $u ftnben,
#) 3Me ältefleit Statuten oon (iJörlifc, fyerauaaetjeben von Rof)Ux,
im i. fcanbe Ux N. Script, r. Jus. 4839, @. 384 f.
20*
308
aucr) nicht ju vermuten, baf* ein fo widjttgeö Aftcnftücf ver-
loren gegangen fei, ba in teJörlifc feit bem 3. 1305, mit we^
nig Aufnahmen, bie alten Stabtbüdjer ftch noch vorfjnben.
Die Anfammlung ber älteren unt> fpäteren ®ebräud)e fcheiut
inixAnfangc beä 15. 3al)rl)unbert$ uiiD sn>ar im % 1434 ge-
fdjeljen ju fein, nach fcer Auffdjcift eines (Sremplarä ju fd)üe-
jjeu. (sie würben im Saufe ber j$tit, namentlich feit Im X
1471, wo ber Jtönig Stattyiaft ein für allemal bem Dtathe
Die (*rlaubnifj gab, willfürlidje Abäuberungeu anzubringen,
vielfad) veränbert. 9?ad) Dem Tonfall würben fte, ben neuen
<Berhältniffeu angemeffen, geltet unb von Jtaifer Warimilian II./
d.d. 3öien, 20. Auguft 1565, mit Wamen*iinterfd>rift beftätigt.
Die etatuten l)abeu im Süefentlidjen bis auf bie neuefte 3eit
beftanben, wo bie allgemeinen Sanbeögefefce bie abfladjenbe
Gleichheit für alle, 3 table gebraut unb biefe lofaleu Seftim*
mungen verbrangt fyabcu.
Der 3nfjalt biefer »Statuten ift im Allgemeinen folgenber:
An ber Spifce berfelben ftef)t bie Sicherheit ber tyerfon
unb bie ftrenae SBafyrung be$ $auörcchte$, wie folcheS im
magbeburger &ed)t auögefprodjen ift. Stiemanb barf ben An-
bem l)eimfud)en in feinen vier pfählen, weber am SÖege auf
ihn lauem, nod) auf ber Strafe überfallen, enblid) be$ Anbe;
ren grau, äinber ober 9)cägbe ftetftytto mijjbraudjen. Diefe
brei ©efitmmungen wirb ber IKath aufregt \u erhalten unb
nach bem griebeuöbrudje ju beftrafen wiffen. Stuf bem 8anbe
fteht bem fönigl. folgte bie Gewalt in tiefen fünften |tt.
3n 93ejug auf bie £>rbnung in ber Stabt war feftgefefjt:
»iemanb foll ju einem Auflaufe gehen, wenn il)it nicht bie
Pflicht, ober baö Gcridjt, bie Schöffen unb ÜKathmänner ba$u
rufen. SBäfyrenb ber ^Hatr>dfür bürfen feine Skrfammlungen
abgehalten, ober gar Aufläufe veranftaltet werben. 3ßer bei
einer folgen Gelegenheit ba6 Keffer jum Wachtheile eineö
Anberen jieht, muf 6 Grofd)en Strafe jar/len*). 9cicmanb
barf verborgene SDteffer ober Dolche in ben Mänteln unb
Aermelu tragen; ebenfo ftnb 9)corbfeulen unb Sdjwcrter ver
boten. Wemaub barf jwei Keffer, ein langet unb fur$eä, füh-
ren. 9iad) 10 Uhr Abenbä foll Kiemanb auf ber €tra{je
*) 3n b(x altejteu 3«it flanb , wie tu %d)tbüd}a ergeben, auf freu
mei|len (jier angejogentn ftäUen bie Strafe ber ^tafrtverroeifung.
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309
ohne £icf)t gehen, unb 0eftfaet mad)en: 3eber babet Betroffene
wirb, faUÖ ftd> nietet ein 9rath$verwanbtcr für ir)n verbürgt,
in ben Stocf geführt. (Snrfteht ein (Streit in einem 2Birth$*
häufe, ift 3^bcr ^ur Beilegung beffclben, unb, follten berartige
Bemühungen frud)tloö bleiben, \um 0 in ulucucn gegen ben
Urheber verpflid)tet, auf er eö wären Stactfnecrjte zugegen.
3ebe£ Spiet mit 3Öürfe(n, harten ober Kotten*) ift verboten;
wer be$ ©ewinnä halber fpielt, muß 10 sDcqrf ©rofeben Strafe
fahlen, ober bis ;u Erlegung biefer Buße bie Stabt metben, wer
aber au$ bem Spiel ein ©cfdjäft mad)t, foll für immer geästet
fein. 5l$eiß ber ^öirth um bad Spiel, fo wirb ihn ber 9Rath
nod) befonberä in Strafe nehmen. Jtein SÖirtf) foll nach 10
Uhr 5flbenb$ ben ©äften Bier einfdjenfen, bei Strafe von
6 ©rofcr)en; 8ngefeffene, welche nach 10 Uhr in einem Biep
häufe getroffen werben, müffen 6 ©rofehen Buße erlegen;
9ftchtangefeffcne fommen in ben Stocf. Der Üffiirtl) faitti 3e-
ben, welcher fortgeht, ohne *u befahlen, fo lange in ben Stocf
führen laffen, biö er ju feinem ©elbc gefommen ift. sJtic-
manb foll, ohne (Srlaubniß, bei Berfammlungen ober Xanj
Bier verfaufen, weber $öirtf) nod) (Haft werben in biefem
Salle von Strafe frei bleiben.
heimliche Befprecr/ungeu unb Berathungen fmb überhaupt
verboten.
2Ber in ber Stabt weilen unb ^anbel treiben will, muß
bad Bürgerrecht nadjfudjen. ^eimathlofe foll 9?iemanb be^
herbergen, wenn er nid)t für fte bürgen will; ber Stabt 2(cd)
ter überhaupt nid)t, bei Strafe ber eigenen ^iechtung.
3eber foll ben jRatr) unb bie Schöffen allein als feine
oroentlichen dichter ehren; wer ftd) an ein geiftlichc$ Bericht
in ber Stabt ober auf bem ^anbe wenbet, falte er ntd)t vom
ffiathe an baffelbe gewiefen, ift baher bem föathe mit 10
SHarf verfallen. 2Ber etwas tauft # ober verfauft, ober ein
(£rbe übernimmt, muß bieä binnen 3 Sagen vor ber Schöffen^
banf angeben; ebenfo barf 9ciemanb (SrbiinS einridjten, wo
folcher nicht fchon war, unb ©elb auf Jtauf ober Sßieberfauf
nehmen, wenn md)t ber JRath feine ©enebmigung ertheilt bat.
UebrigenS hat fah 3*bermann vor ber Schöffen banf mit Be
fd)eibenheit |ii benehmen.
•) «Hur auf »icr Seiten bezeichnete ffiürfcl.
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310
Stuf Sftteineib fleht bie Hedjtung auf SebenSjetr, eb«u
fo auf offen ilicbcn ©cbmäbrcben ^egea Mitbürger, wenn
jefyn fjeugen »erlauben ftnb, wöbet fem Unterfaßtet) bed @e-
febfeebtee gilt.
3eber fott auf feinen ©ürgereib jur ©eranfaßtagung be$
©efdjoffcS feine fabrenbe uno (iegenbe faabt genau angeben*).
3n ber ,ftitd)e foll ficf> 3eber rulng verhalten , nid)t her-
umgehen, (Kiffern unb f<hwa$cn, wenn ber sJ$rebiger fpri<ht.
Scientanb barf auf Die ©tabtfreihett (Die näajfite Umge-
bung «ttflerhaJb ber Dfingmauern) bauen ober 3<*unc fefcen,
bei ©träfe von 6 <#rofa)en, faflö nia)t ber fofortige Vlbbrucb
auf feine Jtoffcn erfolgt. 3Öeoer in nod) vor ber €>tabt bür*
fen Abtritte ober Stbjücbte auf bie ©ajfc hinauf an$dtqt wer*
ben. Ungewöhnliche 3Bcge über dauern, Saune unb Äerfer
finb »erboten, ebenfo bie 3öegführHng »on %£>olj «Hb Brettern
and ben ^areben**).
3nr ©erbütmtg von geueränotb barf unb ©trob
nur an maßt feuergefährlichen Drten aufbewahrt werben.
2Öer barren wiW, foli ba$ ftettcr an$ünben }m 3ubenfteit***),
unb anelöfiben ftbenbä 9 Uf?v. 3eber ftauewirtb mujp einen
geuereimer auf bem ©oben unb bei ber $audtf)ür ftehen Im
ben; befonberS werben bie ©öttaßcr unb ©aber baranf aHf-
merffam gemacht, fein ^o() unb ©trof) auf ben ©oben ;n
febaffen, wad übrigens 3ebermann unterlagt ift. ©ei 6 ©r.
©träfe burfen ©abeftuben unb ©arföfen nur $n ebener (Srbe
eingerichtet werben, uut> bamit eine Vtunuti be£ Jeuerfl wegen
in <Jkit>atw Innungen fei, barf biffe ©abeftuben nur bie Fa-
milie tmb ba$ ©eftnbe benttfcen. 3n ©ejug auf bic fixere
Aufbewahrung von .höh unb ©trof) ift Jebcanaun angewie
fen, feine nad)ften ^Ktuditaaßparn ui n benreuten. ©eint
©raun? unb ©rirnfärben fofl man ftd) wr Unglücf mit geiier
befotrberä hüten, getterinaucrn muffen überall gebaut werben,
©obalb geuer audfommt, muß bei harter ©träfe fofortige
Änjeige erfolgen. 1 ann bat jeber £au$wirth einen Wann
mit Sirt, geuereimetn unb geuermaterial überhaupt jtir ©raub-
•) «Bat. oben ©. 42, wo ber frrtreffenbe «rtiffi toörtlidj angeführt ift.
$te 6tabtgrafcen.
•*•) $ie <5tiinbe Äbenb*, uon toeldjer an fid) bte 3ub«i nid)t mefjr
auf ber §ttafct fefjcn laffen burftett.
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3H
Hatte ;u fenben; rieht baö geuer weiter um fid) ;u greifen, ift
jeoei .^.iiioiviuh ; 11 in Mbbecfen fctncö Jjpaufeä wpflid)tet; bie
stabl Oedt tue hteiauo erwacfyfenben Jtoftcn. Damit immer
SBaffer vonätbig ift, parf baö 3Bajfer auä ben 3^öl;ibüttcti
nur }um Jtodjen, nia)t jum SBafcfyen, verwenbet werben, ©eim
ftuobrudje be$ Sranbeö fyat ftd) l'eber 9iöl)rmeiftcr mit beit
jugewiefenen beuten an ben feiner fluni du ubergebenen Brun-
nen iu begeben. Die Jimmcrleure, Trauer unb 33aber ftub
nod) befonberfl pm Soften serpflic&tet. Scr ol)iie Settungd--
material $um geuer fornutt, wirb fortgcfd>tcft.
lieber bic ,£u>d)jeiten, Üobedf»iUe unb Grbredjt ftnb
auoruiulidn Öeftimmungen Vorlauben, welche V(uffd;luß geben
über eine sDteuge merfwürbitjer ©ebräudje.
3unaa)jl burfte ftd) $'iemanb mit einer Jungfrau ver
toben, bei Strafe einjähriger fld)t, wtber 2Bi(lcn bei (Altern
ober näcfyjien $krwanbten. Die ^elferflfyelfer, sJftanu ober
grau, würben noch harter beftraft. Die weitereu Seftimmuu;
gen im Sali ber ©enetymigung einer (£r)e unb ber •.! ••. i:
feter ftnb: 2$or ber <&od}£eit fotlen \üd)t mehr als je 10 per-
lenen, nämlid) 10 Männer unb 10 3ungfrauen*), bie &u
Sermäfyleuben in'ö 53ab geleiten. S3ei ber ^od)^cit felbft bür-
feu nid)t t>erfd)iebene iärten oon füttern fein, unb nur SBer*
nninbte unb greunbe $u ÖJafte eiugelabeu werben, and) 93e
fynfö ber Ginlabung Uitit grau Don ,£>au$ $u «£>aufc gefeit,
wenn ftc nid)t autf ber vgtabt gejagt fein will. 3"m Srei-
effen oor bem ^tfd^eitdtage buifeti nur &wci greunbe Kommen,
unb überhaupt uid)t mcfyr alö 24 ^erfoneu an jwei Üifdjen
fpeifen**). Xin flbenbe, wenn bie Statt ftu s3ette geführt
wirb, follen um ^wölf ißerfonen ©aft fein, unb nid)t me()r alä
vier ©ertaste aufgetifdjt werben. Der Unfug mit bem Sioiu
\tlu uno 3ucfen>erftreucn beim 3u(>cüfuf)rcu ber 3kaut wirb
Titeln mein gebulbet. ($'l)cgelb \w aatylcu am Sratitabcnbe ift
bem Bräutigam »erboten. Der ©ebraud) be$ 93rautr)itl)n$
oor bem üircfygauge am »£>od)$citötagc foll aufhören. SBclm
••) spater würben beim 3kbe je jwulf ^erfonen, nämlid} *roölf
«Wanner ober Sunggefellen bem 23räutiaam, unb jto&lf Brauen ob« Jung-
frauen ber 93raut $ugelaffen.
*•) (*in fväterer 3ufa| genehmigt für bie 24 ^evfonen fed)« ©e;
ridjte mit ber ©eftimmuna,, ba§ nur 4 $ebientc juigcgcn fein follen. Teu
»irb aud) ein britter Xifit) für'bie «JCinbet unb iienerfdjaft fleftattet.
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312
gcjte fclbft fallen feine febwereu auälönbifdjen 5Öeine ober
frembeä 93ier gereicht werben. (Sin 9(ad)tifd) am SBrautabenbe
ift ntdjt gemattet, $ad)' bem 33abe barf fein 3unggefeüe in
einer SBabefappe tanken, fonbern 3eber foU anftänbig mit
©amm^ unb £ofe befleibet fein, Sur ben £ocr/}eit6fd)mauf?
biirfen nict)t mefyr Stcd)c, tfödjinnen, 3»"^« «• f- <w
nur ein Jtod) ober »ftörfjin mit einem 3ur^d)er °^er ^ncr 3u-
reid>erin fein. bem £pcf)jeit$f)aufe foll weber Speife noefy
£ranf verfd)itft werben. Sollte 3emnnb au$ einer fremben
Stabt freien, fo föunen ben fremben ©äften )H (Sr)ren »icr
Xifdje unb am Sage nad) bei ^>o(^jctt nodj jwei üifd)e auf
geftellt werben, eö t>arf jebod) am 9?ad$od}$eit6tage fein ®dx-
lifcer zugegen fein. s!Öer «£>od)$eit machen will ober gemacht
bat, barf einen 3Rcnat vor unb einen Wonat nad) ber «ftod>-
jeit feine ©äfte bei ftd) beherbergen. 3öenn eine «£>od)jeit ge-
feiert worben ift, foll ber ftudricfyter berfelben anf ba$ 5Ratl>-
f>au$ fommen unb fdjworen, bafj 9llleö vorfdjrtftSmäjjig gewe-
fen. Damit ftd) übrigen«* 9ticmaitto in biefen 93eftimmungen
mit Unferintniß entfcf)ulbigen fonne, wirb ber *Ratl) vor jeber
£od)jeit $wei fRattydverwanbte in ba$ ^o^eitöf)ait6 fc^iefen
unb bie Öerorbnungen befannt matten lajfen.
Jtehte Sed)$wbd)nerin in ober vor ber Stabt burfte, bei
Strafe, ein (Sjfen vcranjtalten. Der bie6 geftattenbe ^au*-
vater r)atte 10 Sdjod ©rofdjen 33uße 5« *af)len. SKerfamm-
hingen bei Sed)$w6d)ncrinnen waren überhaupt nid)t gemattet*),
©efdjenfe unb ^Hilbringen von Sarfwerf ober Jtonfeft für bie
SedjSwödjnerin waren verboten, erftereS bei 6 ©r., lefctere^
bei 10 Sdjorf ©rofdjeu Strafe.
lieber Xobeflfälle unb bie (*rbfd)aft6regulirung finbet ftd>
9?ad)ftel)eubeö bemerft:
Stirbt ein 9Wann unb hinterlaßt unmünbige Jtfnber, fo
follen ftd) bie .Schwager berfelben bi$ jum 30. ttafyre anneh-
men, unb gut bafür forgen, baß ifyr (£rbc unb ©iiter forgfdl=
tig bewahrt unb n\d)t verfdjleubert werben. Sinb feine Scfywä*
ger vorfyanben> ubernimmt Der föatf) Diefe s|^lid)t. ^eiratbet
bie SBittwe wieber, fo bleibt baS ©ut ben Jtinbern beä erften
9Ranne6, e$ fei beim, baß fte ftd) juvor, unter ©enefymigung
*) @ratcr fomiten ^ödjften* ad)t Tratten ober Sungfraitcn rine
<Sfcf)*tood)nm'n befucfyfn.
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313
bei ftatM, mit ben Jtinbern ^ceini^t hatte ©owofjf in bei-
gabt alä in beren $orfiäbten foll beim Xobeäfalle ber grau
in allen $eftfcungen bcö verdorbenen Wanne*, wenn tt>r ber
Wann fein terbe au*qefefct tjat, ba* »£au$gcrätf) jnftef^en.
3ft itjr ein Qxbt au$gcfe$t, foll fte, angenommen wollene unb
leinene tfleiber, treibe ber grau allein wftänbig, mit ben ubri
aen Arbeit ba* (Merätfje tr>et(eit. Stirbt bie grau bem Wanne,
fo foll er vor SUlem ein voUjränbige* $ette mit bem nötigen
3nbebör babcii. £at bie grau feine 9taa)laßbeftimmimgen
getroffen, fo credit ber Wann alle« (bereif) unb $€11$, wa$
Tie wänrenb ber tffjc angefeijafft bat. 3ft iebod) ber iWadjlaß
georbnet, unb bem Wanne ityr $fftfctfyum ^igefcbrieben, foU
bie Raffte betf Wcrätrje* unb <*tewanbe$ an bie ictytx fom
men, unb fo fort naa) bem <%abe an bie (fnfelin, Stfyroieger*
mutter, Schwägerin. 5Benn äcine von ifmen am Seben ifi,
barf ei WM behalten, (*bcnfo wirb c$ mit bem 9?ad)laffc
einer ®tttwe gehalten. Stirbt eine 3ungfrau, fo behält beren
Wuttcr if>r ganje$ Gkrätr;; ift biefe tobt bic Scfjwcfrer, wän*
renb bie £eincwanb ben näd#en SBerwaubten anl)eim fällt.
Äommt ba* (Herätf) an nnniunbige äinber, foll ed in'$ Stabt*
bna) vcrjeidjnet, unb bann bt6 *nr Wünbigfeft im 30. 3<tf)re,
ober biä ^ur $$erfjeiratr)uug aufbewahrt werben. 3ebe *ßcr-
fon, welche Hurea)t auf ba<* Oerätri befifct, fann folc^e* vor
ber Verwahrung in flugenferjein nehmen.
Dienfiboten muffen tr>re 3eit abbienen. Qkben fte felbft
ben Dienf! auf, werben fte feinen fcofjn befomnten unb in bie
fem galle auf ein 3«hr bic ctabt vcrlaffen, e6 geigte fid)
benn, baß fte ein $ed)t ju 93efcf)werben gehabt hätten. 3f*
festerer gall nicht vorhanben, r)aben fte fein stecht, von ber
Sierrfchaft Sor)n $u forbern. Dlcnftbotcn follen nicht in Bier-
üben ober auf Xanjböben geben. DienfHeute foll 9tiemanb
bem Änbcrn abfvenftig machen.
Da im 3 1440 bem Stathe ber Äufwanb in «fflcibung*-
ftücfen $u auffallen* würbe, unb er au* biefer Sßerfdjwenbung
@efaf)r für bie Woralität unb ^rbarfeit ber Einwohner be*
forjte, würben eine föeifye Verorbnungen gegen ben Surud er
(äffen, welche am heften Sluffchluß barüoer bieten. 3" ber
Einleitung ber Statuten über biefen ©egenftanb f>ei0t e$ uh$-
brücfiich, baß bie «£>offart in ben JMctbern bereite |u vielem
Hergcrniß unb großer Sittenloftgfcit gefuhrt ^abe.
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3U
66 foü 9iiemanb Verbrämungen nur Ver&ierungen über
eine ,hanr breit an reu äleibern tragen , ebenfo an Wanteln,
Rauben nur Gürteln, Wentano barf über feinen <5tanb unb
feine Wittel ^eljvei Im am unweit anlegen. Jungfrauen unb
grauen bürfen fernerhin iticf^i mein hohe, mit perlen, @tolb
mir (§bel)teinen gezierte Rauben auffegen; Die grauen tt)re
jtinber !Üd)t mit feibenen Wntun bef leiben, unb nur fttberne
Gürtel anlegeH, tveUte uicfyt fernerer ald 1 1 .2 Warf (Silber*
nur. Wanner, grauen unb Jungfrauen, ohne Untendncc ob
jte au* ©örltfc über von außerhalb nur, bürfen feine Sd)ttä
bclutnibc anlegen. Tic llebenvürfe ber ffieiber foUen nur von
geinewanb, itid)l vou ©eibe unb nnanrobn ludern cdnntte fein;
ebenferoenig bürfen fte in außergeivöfynlidieu Rauben, mit
Aalten, Verzierungen, f)erabl)äitgeubeii Räubern Hnb ^aarge-
fd> m ei De, welche ben .Uovrrim überlaben unb ut fein* erhohen,
ftd> fehen (äffen. Die Jungfrauen fyaben ba* Anlegen von
Vänbem mit goloenen Winnen \n unterlaffen, aud) foUen bie
Wantel unb JKocfc ber Skiber nur fc lang fein, bat? fte eine
£aub breit von ber Srbe ahfteben. Die Kleiber ber grauen
unb Jungfrauen foflen ftugefyäfelt unb am £a(fe niemals offen,
bie Bermel ihrer @Jeivänber nia)t länger, alö eine Wie fein.
Da* 8u*gef)e« ber grauen unb Jungfrauen mit entblößten
Ernten in verboten. Ueberhanvt haben fon>of)l grauen al*
Wanner ftd) ungewöhnlicher unb neuer Xradjteu ;u einhalten ;
and) bie Wanna hinfort anftatt ber feibenen Voller mit
Schnüren, «infame £einwanbfad)cn anzulegen. 9iad) fed>* ll!u
ftbenb* barf fein Wann eine grau ober Jungfrau auf bem
©dritten fahren. $öer wiber biefe Gebote ver&6£t, fei'*
Wann, grau ober Jungfrau foU 8 ©djotf ©rofe^en Vupe
2öer feinen Vierljof befifrt, barf fein Vier fdjenfen, na-
mentlich iflt bei Verluft be* ©eträufe* unb fernerer ©elbfmflc
ber »u*fd>aiif fremben Viere* unb Seine* verboten. Der
Vörtcher, welcher anbere als vorfchriftfmäjjigc Keifen um bic
gäffer legt, foU ba* Bürgerrecht von Oörltft verlieren. Dr>nc
„ (Srlaubnip be* ftathe* barf frembe* Walj nicht in bie ©tobt
fommen. SRieutanb foll an ©onn- ober gefttagen Vormit-
tag* dJäfte bei fia) fehen, unb überhaupt ein Vierfachen au*
fteefeu, aufgenommen man finge an heiligen iagen auf ber
©träfe. Jefcer fotf fein ^anbwerf allein handhaben unb nicht
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315
üebergriffe in anbere $anbwerfe machen. Äur nad) bcr Brau*
orbmmg imb nia>t über bie Safcung barf Biet gebraut wer*
ben. Xränfebter barf nur bi6 ftum I. Wai, nachher nie mei)r
al* A»ci Waag OTar^ - ober grifd)bier «erreicht werben.
$opfcn ober betreibe barf Wiemanb auf bem £alme laufen,
unb !>aben fia) bie Biereigner bei (Strafe ben gefcfcmäjngen
Berotfcnungen ui fwgen. 2ßer Bier gefauft fyat, Darf eS nur
in bem «£>aufe oerfdjenfen , wo folcf>ed gefauft i#. S)tc Brauet
haben itnwanbelbar an tfyren ©ebräudjen \\\ galten. Huf
©er#enmal$ fotten nia)t mehr al$ vier kalter ©erfte gesof-
fen werben, auf ein tteijj Wal* nur *wei Walter SSaisen.
Die Wälder fotten mit bem gener vorftdjtig umgeben, foldjeä
nie ohne flufjid)t laffeu, niemals mit 6päl)uen leudjten unb
baraiff galten, baj? ba$ Walj nidjt verborrc. $fc Trauer
haben *ur angefefcten 3eit m brennen, unb wenn fte ©erften;
hier brauen, vor 12 lUjr Wittag* bie Pfanne nia>t weg$u-
febaffen. 3cber barf feine Warmbiere auf feinem #ofe felbfi
brauen, »ei »erltifi beä Biere* foUen *u einem Warmbiere
nid>t mehr al* fcd)$ halbe Ruber genommen werben; fonft fjat
ber Bicreigner fea>*, ber Brauer awolf <*Jrofd)en Strafe, ab*
gefehen von ber ÄonftSfation be* Bieren, *u *af)ieu. l«f
ein Xtanfbier fetten uid)t mef>r als 16 State! fommen.
ßbeirfe bürfeu auf ein SSei^roer von 16 Viertel nur *wet
£ampc(*)r bei SSerUtft be$ Biere* unb C^elDftrafe r fommen.
©er fcd)$ Sranfbiere braut, fann nod) brei ©elften - »nb brei
SBetfiHere brauen laffeu. «3er fünf Biere hat, fann brei
Werften • unb ^wei Stfelfcbiere brauen, wer vier Biere: t>alb
fterfien; l)dfb 3öeiHbter; wem brei ober *wei Biere auflegen,
fanu nad) belieben 9öei|j; ober ©erftenbicr brauen. 2öer bad
©ai^enbier verdünnt, bem wirb ba$ $cd)t genommen, fallet
ihm ber SRatf), gegen Bujie, nicht ver$eil>t; cbenfo wer Betrug
beim Bierfchanf fibt, unb juugeö für alte*, fowie umgefeljrt,
»erlauft, «Riemanb foll Warmbier anber$, al$ nad) bem be*
frimmten Waage, bei ©träfe von 6 ©rofdjen, oerfaufen.
3um Bortl>«ile für bie Trinen f ollen von bem Samuel, bei
©träfe von G ©rofehen gwet Wag nur fo viel, wie ein* von
bem guten Biere toften. $>ie Brauer bttrfen ba$ Braubau*
•) Der 9lad>qn6, freier tetma Straft ffat, gegenwärtig in ©örlt&
getrc^nlidj: „"Sintfcl}," frirtjer audf „€ang*tt*Ue" genannt.
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3lß
nidjt oerlaffen, bevor fie ben Sampel unb baä SRärJsbitnnbier
bu*d?einanber geg offen fyaben. Der Üßrete beä SBiertelS ©er*
ftenbier ift 35 uttb be$ SBetßbierd 36 ®r. ein für allemal.
3ur Suäfufyr auf bad Sanb foflen bie 33iereigner ba$ ©etränf
in Viertel Riegen. 5Beiftbier barf nur bi$ 3or;aniii, von ba
an nur 9Rärj)bter gefdjeuft werben.
Die 3$efrimmungen über bie $al)l ter einem 93ierr)ofe
äuftebenben SMere unb ber SMerforten wedelten mcfyrfacfj. (£$
finbet jicr) unter anbereu in ber SBiUrur, ba(j bie mit 12 Bie-
ren Sewibmeten jwei SBeißbiere verloren, unb ein foldjer 8
sJWäqbiere, 3 SÖcijjbiere unb ein $räiifebier; ber mit 10
Bieren ^Berfe^ene: 1 Xränfebier, 2 Weißbiere unb 7 ^Rärv
biere brauen fonnte. Den £öfen mit 8 Bieren ftanbcn 4
TDMrA*, 1 Xranf* unb 3 Söeißbiere $u, ben mit 6 Bieren:
3 9Rär$*, 1 $ranf- unb jwei äBeifibiere; ben vierbierigen:
2 9Rär)*, 1 £ranf? unb 1 Setßbier. d$ war nur geftattet,
biä vierzehn £age vor bem Ofterfefte $u brauen.
3m 3- 1 466 würbe feftgefefct, ba|?, we(d>er $of 6 ober
5 9Rär$biere fyatte, baju nad) ©utbunfen 4 Xranf* ot>er 3Beig-
biere brauen burfte; ber £of mit 4 ober 3 sJHärjbieren, fonnte
2 SBeijM ober Iranf biere, ber mit 2 Bieren, beliebig $ranf*
ober SBetjjbier brauen. 3m 3- 1467 würbe beftiinmt, bap
bie SMerfyöfe, weldje bafl 9led)t: 5 ober 6 9)car*biere *h brauen
Ratten, baju nod) gwet Sränfebierc unb nad) Sßiüfür 3Bai&en*
bier brauen burften.
"Sei Aufhebung ber SMraugerecbtigfeiten gab e$ in ©övlifc
nur 53rauböfe mit neun unb fteben Bieren, wie oben*) erwähnt.
3n $ejug auf bm £anbel#betrieb Ijeipt e* in biefer 593ittfür:
Sin ^eiligeutageu foll •Wiemano, namentlid) 33ormittagd,
betreibe ober <£>oij verfaufen; 6onntagd bürfcn vor ben
j?ircr)en, nodj weniger an <£>eiligentagen, feine 8d)Weine verfauft
werben. «£>ot>fen barf nur mit bem beftimmten sJttaa£e gemef*
fen werben. 8r*mbe3 betreibe ift nur am ©etreibemarfte *n
taufen geftattet; frembe Käufer muffen ba6 gefaufte betreibe
aläbalb »erlaben, ofm* eä in ber <5tabt aufhätten &u laffen.
9lur 6old)e, benen ed vom ÜHatb/e geftattet ift, bürfen
ben Äleinfjaubel**) betreiben. Jtein £öfe bgrf gifdje in gäffern
•) @. 67.
•) JDet 9lu0biud in Un Statuten ift: £0cfentt>erf, $efcn.
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317
unb ©efdßen, Söilb, Ädfe, (Sier uitb fold)erlei $Baare verfau*
fen, wenn nidtt ber 3uftänbige fein 3Rarftred)t anfqegeben
fyat. 3eber gifc^er foll feine $8aare einzeln, nia>t in ©emein*
fdjaft mit einem $nberen, auf ben SRarft bringen. s)lm %i)d)t
unb öäringe barf eigentlich ber Aöfe SBormitiagd feil galten;
vor ftadjmittagd wo ber Warft gefa)iojfeu wirb, ufi ifym
niit)t gemattet: Sßilb, (£ier, Butter, Stoffe, <£>ül)ner gu faufen.
SBringt ein (ftroßfyänbler foldje töSaare erft sJtad)mittagd, ift
ihnen ber (£nperb berfelben erft am auberti borgen erlaubt.
Die ^>öfen haben beim gehalten ftetd ba$ richtige ©tabt*
tnaaß 411 gebrauchen-, batf Bürgerredjt muß von ihnen eben?
fall* erworben, unb wöa>entlia) ein ©rofd&en ©teuer bejaht
werben.
($nbUd} iß nodj eine Im ciliare Berorbuung &u bewerfen,
wonach 3eber, befonberö auf ben itfrdjgängen unb 3Rarftftra*
|ien, jur angelegten 3^* feinen Junger vor bem <£>aufe weg«
fahren mußte. Da$ Verbot für bie Bäder, ben ©djweine-
bünger nia)t vor bie Xhüre ju werfen, aud) nia)t bie ©djweine
auf ber ©äffe in ber Qhrbe wühlen (äffen,, gibt fein befon*
bere* Bilb von großer ÜRetnüdjfeit in VUt*®örli$. Die ©anwehte
mußten vor bie ©tabt, jeboa) fetneöwegö in ben ©tabtgraben
geführt werben.
Beteiligung ber ©tabt bei ben Surfenfriegen.
Die Oberlauf^, als bem böl)mifa>en 9teid)e einverleibtet
$anb, mußte in ben Otiten, wo bie 6jterreia)ifa)en (Srblanbe
unb indbefonbere Ungarn bura) bie (Sinfdlle ber Xürfen fehr
ijcfä^rbet waren, nia)t bloä ©elbmittel jur Anwerbung von
tfrfegäfölbnern, fonbern and) Äriegäfölbner felbfl gum ^eere
beä JTönigä ftoßen laffen. Da biefe Kriege nicht auf fedjd^
ftdbrifa>em (Gebiete geführt würben, fann ed nid)t f>ier Abfidu
fein, weiter alö auf eine 3ufawimenfieüung ber %al)vtr in
weiden bie ©tabt (Dörlifc mit ir>reit fea)öftdbtifa)en ©a)wejfcrn
jur Beihilfe aufgeforbert würbe, einzugehen.
Da* erfte in foldjer Angelegenheit war bad ©abreiben
♦ .
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be6 #önig$ $Blabiolaw vom $fmgftmittwod} 1496, nun in er
bie ©ecfcölanbe auffotberre, rem Röntge von *ßolen wiber bie
1 mfcii ^tlfe ui letflfn. — Süd (Sultan §u(eiman im 3.
1521 in Ungarn ei ng errungen war, forberte Jtöittg Vubwiq
von ben 6ea)$jtäbten $war Gruppen, begnügte fiel) aber
fdjließlich mit ber 3a^(ung von 4000 (Bulben; 1522 bor %ut>-
wig abermal* auf unb erlangte 1524 von ben ober(auftyifd)en
©tänben eine befonbere (Steuer bewiüigt. 1528 unb 1529
mußten fiel) bie Jtaujtyer wegen ber dürfen, weldje befanntlia)
in legerem Jahre 9ii$ien belagerten, bebeutenb vüjtm. 3m %
1532 gefdiah ein neuer (Einfall ber Surfen in Ungarn, wes-
halb von <§)ör(i( 100 9Waun rotl) unb weiß gefl eioete £nea)te
unter ©eorg :Kotbe\? Leitung nach Ofen Stögen. (Steuern
waren ber dürfen wegen, wieberholt, in ben Jahren 1535,
1538, 1542 ju ;nMfii ; 1543 mußten bie 6ed)£ftdbt« I nippen
unb ©efa)ü$ uaa) Ungarn abfenben, ja 1546 eine 12proceutige
Xürfenßeuer jaulen.
Ü>a im 3- 1566 bie ©efafyr ber dürfen wegen wud)6,
würbe wie in ben tnerjiger 3af)ren baä abgefteüte ©ebet um
Vlbwcbv ber Surfen in ber ^eretofnebe wieber eingeführt.
Vim 22. 3«li b. 3- (fielt ber Virei \\\ ®örli$ auf bem (sal$-
r;aufe einen Stanbfag unb befdjloß bem tfaifer 260 Seifige ui
fteUen, über weldbe fpäter ^Kufterung auf ber 33ier)weibe ab-
gehalten warb. Xn'e 6täbte Ratten bae* *Ked)t erhalten, nicht
ferner mef)r SDJannfdjaften, fonberu nur ©elb ju beren ©efoU
bung $u ftellen. 6ie zahlten bamal* genteiufa)aftltO} 9000 (Bul-
ben. 3m 3- 1572 mußten fte wieberum wegen Xürfengefabr
für ben Äaifer mit 72,000 (Bulben Bürgfchaft leiften, ba bie
Stäbte, noa) fajwer gebrüdt von ben golgen be$ ^önfaUeö,
mein im (Stanbe waren, baareä ($e(b aufzubringen. $$om
ftäbtifdjen viril $ogen bamald Mehrere $u Selbe; von ($örli$
wirb in gleichzeitiger (£f)ronif Wemanb genannt. — 3m 3-
1594 mußten bie 6ed)dfitäbte wieber Xruppen fteUen nnb hat-
ten befonberä fciel burdj geworbene iBölbuer m leiben, wela)e
bura) bie 6täbte marfa)irten. SBom 5. sU?är$ 1594 an begann
nen bie Inulmunube bura) ©örlifc. 1595 unb 1596 hatten bie
6ea)dftäbte nach Ungarn ein Söhnlein tfnedUe $u fteUen,
wobei von (Sörlifc 75 sJÄann aufjubringen waren.
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Irittfs lud).
Som ^onfaBe biö jut Sefi^na^me bct Stabt barc^
*ttt«©a#fen. 1547— 1636.
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@rf*e« Äopttcl.
/
VerhanDlungen mit Ädnig gerDinanD von Söhnten
Sur Iruppenftellnng für Den tfrieg gegen 3oj>ann
grieDria) v. ©aajfen. Herrath Der SanDfcfjaft an Den
©täDten. ^önfall. Vernichtung Der fecr/*ftäDtifchen
sJWad)t DMrd) föniglidjen ©ewaltfprua). 1547.*)
Wir haben in Dem vorigen Buche gefehen, roeldje SeDeu*
hing Die ©taDt im 15. unD im Anfange De* 16. 3ahrr)nnDert*
f^atte. $ei Dem beginn Dt* nun ju fd)ilDernDen 3eitrauine*
fitanD Die ©taDt auf Dem ©ipfd if)rer ©röfje; aber im £aufe
Deffelben wurDe fie Dura) unerhörte Waa)rjprü<he gu 9$oDen ge-
treten, wichtiger Privilegien beraubt unD in eine große <Bd}uU
oenlaft vermittelt, weiche allein in neuerer 3eit, Dürer; Die Stei-
gerung De* ©runDe* unD 93oDen* paratyfm worDen ij*. $>iefe
betrübenDen (Sreigniffe ftef)en übrigen« nidjt abgefchloffen, verein*
jelt Da; fte finD im ®egentl)eil auf* 3nnigfte vcrbunDeu mit einem
(*reigni<j von europätfer/er Sßichtigfeit, Dem fdjmaifalDifcf/en
Äriege.
£>ie ©ech*ftctt>te, eingeDenf Der Eeftimmung if>re6 ©un*
De«, gelten von Anfang an in Der Bezwingung Der föaub-
fd)(öffer unD Vertilgung Der Strafenräuber innia jufammen.
3m ganzen 14., in Der Witte De* 15. unD 16. 3ar;rhunbert*
hatten fte beftänDig mit ©trafjenplacfern unD Gittern vom ©teg*
reife ju thun unD waren unermüD(ia) in Dicfen Befrrebungen,
7
*) ffletflf. 9tid)ter, @efd). be* ^önfall« ber oferrl. <Sectjöfi5bte. 9f.
S*. 8R. 1835. '9leumann, ^Beiträgt juv @efdj. brt fdjmalfaibifdjen Ärte-
a*«, bei bö^m. <Sntf»&rung unb bea ^anfalle im 9t. SR. 1847. audj
Sefonbft«, @örli* 1848.
0ef<6i*te ton «örli*. 21
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Huf bcr ©egenfeite f>in^j wieberum ber Abel tf)eil$ wegen all-
gemeiner 3ntereffen, trjcilä wegen weitverzweigter Verwanbt
j'chaftflbanbe einig, auf bafl (Sngfle Mammen. 9Ba$ Den
(Sincn traf, ba$ nahm ftcf> jeber Rubere au. Die Jpdrte ber
fönigl. Scripte unb 6d)öffen in ben Statten, weldjc mancher
3unfer fenneu gelernt l;attef erbitterte bie ilebrigen. «Ütit
(Gewalt fonnten fte gegen bie ftet* fampfgerüfteten Stäbte
nichts ausrichten unb bei Gewalttaten gegen bie Dörfer
mußten fte fdjließlid) immer ben Schaben crfe&en: baljer wdt)l*
ten fte jur Sdjwddjung ihrer gembe ein anbereS Littel. Sie
quälten bie SWbte auf bie manntgfaltigfte SBeffe burd) De
nundationen von angeblichen Uebergriffen, llngeredjtigfeiten,
©efefcwibrigfeiten fowol)l beim £anbv>oigt ale* bei ben Königen
von Böhmen, il)xc\x Banbcö^erren. Namentlich gefd;at> bied
feit bem Anfange beä 16. 3a{)ri?uubertö, unb famen baburdj
bie ohnehin ben gürfteu ju mächtigen ©täbte immer mehr in«
fdjwarje ©ud> bei #ofe. SSBenn aud) gewöhulid) alle 9lnfed)-
tungen ber Stäbte au bereu älughdt unb iljren reichlid) ge-
fpeubcteu ©elDmittclu feheiterten, hatten bod) bie boc*^aften bitter
unb £crren vom Saube greube barüber, baß ftdbtif^e ftommif«
farieu unb Deputirte fortwährenb auf Reifen fein unb bie »er*
haßten 9iäthe unaufhörlich SBerthcibigungen liefern mußten.
Soldje größere SProjeffe ftnb in ben (5l)ronifcn ber Stabt i>er*
zeichnet beim 3- 1489 (über bie »erfuhr); im 3. 1508 (über
bie Steuer), 1511 u. 1518 (sJ)tünj|e). 2lm meifteu würben
Übrigend bie ©tdbte bei ©elegeuheit ber Xhronbefteigung
Köllig gerbinaub'ä von ber üanbfchaft angefdjwärjt unt>
mußten ftd) bamulä weitläufig rechtfertigen.*) Die 9techtfcr*
tiguug war fcfjon bamalö fel)r verwirfclt unb fet) Wieda, weil
bie Diitterfdjaft feljr fd)lau bie Sereitwiüigfcit für bie «Kirchen-
änberung uud beu raffen Hingang ber Deformation in Den
Sed)$ftäbten iu bie &nflagc $u verflechten wußte. Obwohl
nun ^önig gerbinaub uact) langem Srageu unb luclfeitigen
Verantwortungen Seitens ber Stcibte, il;neu bamalä bie tyxM*
•) £affe. III. f. 63 b - f. 433 b. $iefe «erfanblung ifi Mf)a\1>
fetjr nierffoürbia,, weit im Saufe ber (frjtylinQ eine ^an^c Steide bipor.
'Ibarfarijen refiUutulirt werben, ftreilid» unb mdyt aüe Stnaaben ridjtig,
ba verriebene a,erabe;u ben Uvfunben hnberfvrecfyen. Qetfyalb fearf ba#
bort aufgekaufte SWaterial nur mit ^Drftdjt beuu^t werben.
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323
legten wiederum genehmigt, ftd) aud), wie wir gefebtn faben,
bei feinem t3ef*d)e in ®örli$ im 3- 1538 fef>r gnädig gezeigt
hatte: war dodj der Saame bcd SRijjtrauenö in feiner »ruf*
äitrürfgebliejben. Die unau$gefe$ten VerbätyigMngen der Sanb*
fc^aft erweiterten ben vorhandenen bi* $ur Jrfufü und da*
aHerding* zweideutige (^ebalyreu ber Oberlaufs vor bem fämal*
faWfäen JTrkge werfte im tföuig gerdinand be« (Sntfd^luß,
fobald olö möghd) beH Uebermutl) biefer Untertanen \u brechen,
wcl*e fid>, wenn e3 |ti Seiftungen und 3al)iungen fam, bie
Steuern ftetS abzwingen ließen unb in EewiUigungeii un*
gemein fvrobe waren.
£>aj* bie$ vor bem fdjmalfaldifdjen Kriege ebenfalls
gefdjal), war ber <*>rund de* Tonfälle* von 1547.
Seiend ber testen breiiger nnb vierziger 3af)re r>atte
bie Deformation immer mel^r Eingang in ben Sed)$ftädteu
gefunden. 3nr $€\t de* ^dufalle* gab e* nur no<f> wenig
Jtattyolifen in ben Städten. 9tatf> unb Gemeinde geborten
bem aug*burijifa>en ©laubendbefenntniffe an. Dafyer fanben
aua> bie Vefard)tungen für ben (Glauben, wie im ganjen
prot*jtantifa)en Denrfctylanb, befonder* feit bem Äeligionöge*
foräa) jm Degentfburg in ben Sea)*ftäbfen Verbreitung unb
förderten da* sJ0ci|jrrauen gegen ben fatl)olifa)en tfönrg, ben
Verwandten Äaffer tfarl'* V. 9cid>t miuber war da* in
bem damal* fer)r reformirten Vörjmen ber gaU. Darjer würbe
bie Stellung ber bötymifdjen nnb laufi&ifd)en Stänbe nad) bem
flu*fvrua>e ber 9teid>*ad)t über Jturfiirfl Johann griebrid) von
Sadjfen eine fefjr fdjwierige. Die läufiger Sed)*ftäbte fa)lu*
gen mit ber £anbfd>aft ben gefäljrlidjen 2tteg ein, jwifajen
ben 93ö!)inen unb bem Könige au ftetyen unb nnterfjandelten
mit beiden Parteien, wa* $um Verberben der Städte um fo
merjr Mite, al* die bitter an tynen ju Verrätern wurden.
Sa>on im 3 1546 forderte Äönig gerdinand die lau*
ft$ifa)en Stände auf, «fannfd>aften *um Kriege gegen So^atm
griedrid) ju fteüen. Die Verhandlungen gingen fort, bi*
plöfclidj ber (Einfall be* Wann griebrid) in bie Weberiaufa
im 3anuar 1547, bei welker Gelegenheit Dobrilugf geylun*
bert unb bie Städte ginfterwalbe unb Sonnewalbe eingenom*
mett wurden, ben £önig 311 bem Vefel)l veranlage, die Städte
foUten mit denen vom l'ande in die Wedeilauftfc jieljen, um die
geinde von dort ju vertreiben. Diefem $efel)l warb nid)t
21*
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32 i
©efyorfam getriftet, n>eil man — wie bie ©orlifcer in ifyrer
£krtl)eibigung£fa)rift fagen, — Die £täbte nid>t entblöße»
wollte, 3n Der 3wifd)cnjeit war in 33öl>men ber $(ufftanD
auägebrodjen. Jiöitig gerbinanb fyatte ofync ^3cn>tUt^uiif) ber
6tänbe auä eigener sJWaa)tvoUfommenl)cit ein Aufgebot von
&riegdmannfa)aft verlangt nnb auegefd)rieben. $)ie prager
(Stäbte wiber|prad>en &uerft, bei welcher Gelegenheit ber König
feinen Unwillen gegen fie Äußerte. $ie ©emeinben ber
Wltftabt unb 9teuftabt <|}rag unterftüfcten ir>rc Diatfye, ja fie
erf (arten auefüfyrlia) , baß fte ^öt)men nidjt mlajfen unb
nimmermehr gegen il)re 9teligiou6genoffen in Sadjfen wtytn
mürben. 3n i?eitmeri$ fyatte jid) eine Qkrfammlung von
(Stäbten unb Gittern vereinigt, weldje beidjloß, mit bem Kö-
nige, jebod) nur gunt leiblidjeu (&d)u$e beffelben, in'ä Selb gu
Siefen. CDtc 93efd)luffe fanten übrigen^ wegen ber (£reigniffe in
s4>rag nid)t jur Sluäfütyrung. Mm J3. gebruar traten nämlia)
bie prager otäbte uodjmalä mit bem $bel au6 neun Greifen
Mammen, verlangten von bem .Könige auf gaftnadjt einen
l'aubtag unb vereinigten ftd> am 25. gebruar m einem <$cfyn$-
unb £ru&bnnbniß wiber 3ebeu, ber bem föntgl. 93efeble vom
12. 3anuar gel)ord)eu würbe; bao 3Bid)tigfte aber war, baß
fte unter Kaspar $fiug v. fliabeiifteiu ein Seobaajtungdforpd
auffteüten.*)
£>ie läufiger Stäube errichteten in biefer ich &u Sauden
einen 2fu0fdjHß, weldjer bie ^erfyaublungen leiten mußte unb
im eugfteu 3iMammenl)ange mit Xeputirten von ber ^Ritter-
fa)aft unb ben 5täbten ftanb, bie nad) »^rag au ben £of,
jebeufalte jur $eobad)tung beö Königö unb Der l'aubeäftim;
mung, gefdn'tft worbeu waren. ßbglcid) ityneu nun bie ^or
fälle in Böhmen nid)t unbefanut blieben > rüfteten fie bod) i(>r
Kontingent, freilid) laugfain unb nadj vielen bitten unb Dro-
hungen Oed Damaligen *?anbvoigt$, 3bi*la 93erfa v. b. Duba,
aud. 3)ie Dfitterfdjaft brad) mit i()reu auf gwei sJKonate be-
willigten 11)00 Leitern fdjon im 3anuar, bie <Stäbte aber erft
am 25. gebruar mit ben ebenfalls nur auf jwei Monate $u*
gefagten 500 2Rann gußvolf auf.
Um 12. 3anuar' 1547 entwarfen bie ©örlifcer erft ba$
s^erjeid>niß ber 3)iannf(fyafteu. Darauf ift Die 3al)i ber ba*
•) $r(|fl, OJcfdndjtf »pit Etilen II. €. 547-507.
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325
malä uir Statt gehörigen Dörfer erftd>tlid). ,(5* ftno fol-
qente:*) Xroitfdjenborf, <Stangenf)ain, ©enbifdjoffig, $eubni$,
fceuba, 9hfiatt>orf, s)?icber-,£>«lhenborf, ^oltenborf, harter*'
borf, (#irbig$borf, sl$faffenborf, Jtumierroty, Steunborf, Sticiiu
39iec)iti$, grieberäDorf, gubu>ig$t>orf, Sohra, 9kunborf (Weber),
«Säbndjen, Spree, $rebu$, Senzig mit bei ^aibc (alle DtU
fchaften für ein Dorf gercdjnet, meldte allein . 90 statin zu
fteüen hatten), Sera)a, Jtönigflbain, Jtunneräborf, ^iebftein,
3obelf tfiffa, Sdjönberg, £albeuborf, Langenau, «£>ermöborf,
Sd)ii&enhain.
Der Vtu$fd)uß in Sauden, foroie bie einzelnen Stäbte
ftanfcen in ber ganzen $c\t im lebhafteren &riefroed)fe(j nid)t
bloä unter ftd), fonbern aud) mit ben fd)lefifa)en nnb böhmi-
fd)en 9anbftänben. Die Sajlejter, intfbefonbere bie aue ben gut
ftentbnmern Schroeibnift unb 3auer, weigerten ftcf> auf bad
(*ntfa)iebenfte, bem Äönige ,£)ilfc zh leiften. Unterm 23. sDfär$
erhielten bie Staube ber £)berlauji$ ein Schreiben ber bor)mi-
fd)en Stäube, ihrem Sd)u(^ unb Xru&bünbuiH vom 13. ge^
bruar 1547 beizutreten, uno ihnen in biefen gafyrlidjfeiten bin-
berlid)e «öilfe nid)t zu verfageu. 9(nftatt nun, wozu il)r Eib
jie vcrpfltd)tete, von biefem Sd)ritte ber Böhmen bem Äöuiae
.Äunbe §tt geben, unterließen biee* bie Stänbe; nod) mehr, ftc
(durften Abfctniftcu an bie nieberlauftytfcheii unb f$(eji(d)eii
Stänbe, mit ber $itte um Xntftori, was jie tyixin *bun
geDäcf)ten? Die 9ucberlaujt&er fdjirftcu roieberum ein Schreiben
i>ed Jiurfitrfteu 3ohcum griebrirt), jid) bei ber ^la)tvolliiel)ung
&eö Jiaifetä gegen il)ii nid)t 511 beteiligen, an bie Stäube bei
.Dberlaufty.
Jn^wifa^en hatte jicf> ber Stanb ber Dinge auf bem
Jfriegefdjauplafjc in Saufen wefentlia) geänbert. "Sei ber An-
näherung be£ Äaiferd verließ ber unfluge 3ohann griebria),
welcher erft am 2. 9Jtärz bei 9ioa)li$ fiegrcitt) gewefeu war,
ba$ zur 3$ertbeibigung günftige Erzgebirge, eine tycfttien, weld>c
für ihn um fo widriger war, alö er mit bem aufgeregten
Böhmen nur auf biefe 3Beifc in ^erbinbung bleiben fonnte.
(*r &og ftd) an bie Elbe, baö meifjnifche (Gebiet verlaffenb.
Da nun Äönig gerbinanb unb ^perjog s)3foriö &. Sadjfen ftcf)
mit bem Äaifcr vereinigt fyattm, bem Jiurfürfien nacr/zt>gcn
•) «Reumann a. a. V. @. 43.
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326
unb alle $age eine (£ntfd)cibung$fd)lad)t in 8bt*jtd)t ftanb,
orurfto ber Jionig unterm 23. 8pril au$ rem gelblagec bei
*Ragwi$ an bie eberlauftfeer . Stänbe ben 2Bunfd) au$, tl>r
Kontingent nodj \mi Senate länger im Selbe ui (äffen
9tod) vor biefer gfufferberwtg fyatten bie <5täotc ben $aupt;
mann \\\ $au$en gefragt, ivao er mit ben $anbftänben \m
ihnen gebädjtc, ob man meht lieber bad gujwolf abziehen unD
bieä @e. 9Äaj. meloen (äffen folle? 'Der Hauptmann unt> Die
Sanbftänbc antworteten barauf: ,,©ie wollten beefjalb t>td>t erft
(abreiben ) fte gebähten iljren Leitern auf einen Wo neu nod)
€>olb $u fdjirfen, nadjfyer nidjt mer>r. 3fa 6teuergeli> wäre
weg; wollte naajfjer no* 3emanb umfonjt bienen, fo möge
er e0 tljuen."
Leiber folgten bie Stäbtc f)ier nicfjt bem 5kifpiel ber *Rit-
terfdjaft, weldje wabrfef/einltd) bei biefer Antwort fa)on ßunbe
oon ber €5d)lad)t bei 9feür)lberg fjatte, unb biefe 9iad)rid)t'mir
ben 6täbten be$f)alb oerfdjwieg, um fte inö SBcrberben jh
ftürjen.
©enug; bie (Stäbtc liefen ifjrcm gufwolf ben <Solb au**
jaulen, worauf ftd) ba* gufwolf jerftreute unb wiber ben
Söunfcf) be* ÄönigS baö £eer verlieg. 211$ bie 6täMc ba$
€ abreiben beä ÄöniqS befamen, von bem fte bebauten, „e$
fei ifmen oon ber Ättterfdjaft au fpat mitgeteilt Worten/'
brad)ten fte in aller Ctle 4000 (Hülben jufaminen, um anberetf
gHjh>olf AU werben, fct>tcften and) mehrere Sagen mit
t>iant in ba$ Vager beö itonigS bei Dre^ben. (56 würbe jebodj
nia>W angenommen unb bie SBagen famen am 2. 3uni mit
tr>rcr Labung jurütf.
Die etdbtc Nörten hierauf *u tyrem 6a)rerfen, wie ber
Jtönig gerbinanb gegen bic anfrürjrerifajen 33öl)inen r>erful)r.
©leide) beim Eintritte in 93bf>men mit feinem ftegreid)cn £eere
erlieg er ein €d)reiben an bie bof>mifd)cn ©täube unter bem
3. 3uni 1547, welaje* in ben €ea)öftäbten allgemeine
ftürjung erregte. Unterm 10. 3uli fdjrieb ber 9tatt) $u ®cr*
Kfc, fürdjtenb bie ©täbte motten ade in'6 *8erberben geratfjen,
nad) 3ittau an ben Statt), mit ber Sitte il)m $u utelben, waä
an ben ©erüd)ten über ben »ufftaub in $rag fei.
33on bemfelben $agc batirt ein 53rief ber görlifcer 9(bacorb-
neten in *ßrag, ^etruS 6a)woffteim unb ©enoaüud @erlad>
■
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327
(Damaligen SpnDtfMä), an Den Stall) &u Öörlifc, mxin Die pra*
ger ßreigniffe vom 5. 6. unD 7. 3uli gefdjilDert werben.
<Sm 9. Vluguft 1547 erhielten hierauf Die StäDtc eine
5$orlaDung, in s$rag am 1. September (ßgiDi) 1547 vor Dem
Jlonige $u erfdjeinen unD vwar: 33ürgermeifiter, JHttfyter, $Ratf)>
manner in Herfen nebft Vlbgeorbneten am* Dem ^anDwerfer-
ftanoe, mit Dem 33efel)le, neben Der ^oUmadjt von Der ganzen
StaDt nnD ©craeinDc, aud) alle Privilegien unD greirjeitöbriefc
iu ii ;ii bringen. Die görlifcer UJollmadjt tarne vom 26. Vluguft,
unD unter Der auf und gefommenen 2lbfd)rift flehen Die üBorte:
„fluf riefe s2>ollmad)t l)at man am Jtreuac geftauDeu unD ift
Die StaDt 0>örli(j wader punirt worDeu;" am Sd)luffe Der
Safc: „s}*iel lüJorte geben viel Antwort unD Urfad) l)icnad) $u
fragen, bi$ mau vom Xeufel jur ^futter fommer."
3Äit fdjwercm $etyeu reiften Die Bbgeorbneten, auö allen
6ed)$ftaDten 81 ofyne Die StaDtDiencr, ab; fte wurDen in Daö
o|tentlid)c .ttirdjengebet eingetroffen uuD famen Xinötagd, Den
30. Vluguft, in s}*rag an, wofelbft fte in Der s<HltftaDt, im Waft*
bofe $um tfödjer, bei äaepar 6ternaDe, einfetten. — $ou
Ojörlifc gingen f)in: M. jdfob Rödler, 33ürgermeifter; Rran$
£d>neiDer; jor). (fommerftabt, ©fab.; ^ieron. Cappeler; «öanö
t ermann; M. *ßetr. Sforlcr; George Mber; Seit. M. ^etr.
djwoffbeiiu; tforen* ^illebranDt, gleifdjer im föatlje; £an$
geuerbud); Seidel Breuer, föotbgerber im 9iatl)e; TOd). €d)mieD;
(%org SKeiDer; M. Servai. (Merlad), et?nDifud; M. ^aul
Jtretfdjmer, StaDtfd)reiber; grans ginDener, <Rid)ter. 2ln6 Den
gerben: Litton leicfymann, lucbmadjer; £aufl *ßoge(, s£äder;
»lafmd Venire, edjujter, Elidel £illebranD, gleifd)er; unD
SigmunD peifcnet, Krämer.
SklD nad) Der Ünfunfi begaben ftd) Die 9lbgeorbneten jutn
SanDvoigt Der £)berlauft§, 3Diöla $erfa v. D. Duba, gut» baut^
uer flmtetyauptmauu Dr. Ulrid) v. Woftifc, unD anDercn 9tatf)en
beä äöuigS, ftellten il)re Unfd)ulD Dar, unD baten um
wcnDung beim Könige, wa$ gefrtmm l)interbrad)t wurDe unD
tf>u nod) mel)r erzürnte, Denn er meinte eö ginge Darauf l)er*
vor, Die 6täDte Dädjten: „er wäre im Staube Ungered)tigfeiren
auszuüben." Dr. Ulrid) v. 9ioftifc, Der ftd) al$ größter geiub
Der 6ed)öftäDte ' bewies , rietf) Ujnen/jeDe $ertf>eiDiguug &u
(äffen unD ftd) Dem Äonige auf ®naDe unD UngnaDe in Der
öffentlichen Mubienj *u ergeben, Deren 2lbweuDuug fte geraDc
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328
am meiftcn wünföten. Dr. Ulridj v. ftoftifc, weCd)cr neben
fdmmtlidjen Ütitterfdjaft, von ben *Berf)anblungen bet oberlau;
ftfter ©tänbe wdfjrenb beä fömalfalbifdjen Kriege«, ebenfoviel
wie bie ©täbte wußte, unb fxa) eine« gleiten $erratr)6 fc^uU
big aemadjt tyatte, mußte natürlich wünfcfyen, baß fämmtüdje
©trettfragen nnerörtert blieben, ba fonft bie ©d)ulb ber Otitter;
fc^aft nicfyt verborgen geblieben wäre. Selber gingen bie ©täbte
auf biefen tyeimturfiföen «Ratr> ein. 9htr bie ©dritter überga-
ben am 31. Stuguft eine ^ertl)eibigungSfd)rift*), welche wafjr*
fd>etnltd> gar nidjt in bie £änbe be$ JfönigS gefommen, jeben*
fall« von ifym ungelefen geblieben ift; benn fte f)ätte bei if)m
3weifel an ber ©efinnung ber töitterfdjaft erwetfen muffen.
sJcacr; einer allgemeinen Einleitung von £reu*@elöbuiffen
gel)t ber föatl) *u ®örlifc auf bie verriebenen fünfte über,
wef^e in ber fönigl. 2(nflagefd}rift gegen if)n anhängig gemalt
werben waren.
„©egen ben Vorwurf M tfönig«, bie ©täbte l)ätten fid)
geweigert, il)m bie aufgelegte «ftriegöfteuer, 12 vom üaufenb
entridjten, wirb geantwortet. 911$ ber fönigl. Jtommiffar auf
bem Sanbtage in kauften Vl>n ben ©tänben bie (Steuer ringe*
forbert, gärten biefelben ©e. s3)iaj. erfuhr, er möge biefe (Steuer
nid)t ergeben, fonbern itjnen geftatten bavon bie aufzubringende
Jtiicgämannföaft $u befolben. Die Antwort fyabe babin ge^
lautet: ©e. ÜWaj. wolle mit Empfangnahme berfelben warten
bt$ bie Lüftungen ber ©täube beenbet feien. 9Benn biefe gut
von Statten gingen, würbe er nod) einen Ent|d>luß barüber
fallen. 2>a nun bie Lüftung gefcfyetyen unb fein weiterer 93e*
fef)l ©r. 9Haj. erfolgt fei, fo l)abe man geglaubt ©e. 9taj.
fjabe bie Steuer aufgegeben, and) muffe ber Hmtöfyauptmann
au 33nbifftn bezeugen, baß ftd) ©örlifc, ba einige Xaufenb auf*
zubringen gewefen feien, nidjt gefreut frjabe ber ©tabt Dörfer
unb @uter p verpfänben. SBenn in ber Anflöge ftefje, bie
©tabt fjabe ©r. 9Äaj. batf ©teuergelb veruntreuen wollen, fo
wolle ber Jtönig folgen mißgönnigen SMngebungen fein £>f)r leiten.
Huf bie «nfdjulbigung: bie ©täbte Ratten, um bei ber
3af)lung be$ Siergelbcd billiger wegaufommen unb bem Könige
biefe ©teuer jh verringern, ein größere« ©djeffelmaaß ange
nommen, fagt bie ©tabt, bie« feien ^erläumbungen. Die
') 9lfumann a. a, £>., 6. 94—109.
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329
(gräote unb ©örlifc hätten fcii 100 3<u)rtfi ftd) beö großen
<5(^effcl^, it>ic er 9Bau$en gebrättcblid) gewefen, bedient , ba-
mit in ben ©edtöftäbten ein unb baffelbe sJÖiaa£ im Vetfcfyr
fei Hnb alle ctäbte biefelbc ^aft g(eid)tnäßig trügen. 3n neuerer
3eit fei feütedwegd ein gröfieretf <Sd)effelmaa(j eingeführt worben.
Vluf ben Vorwurf, bafi fie nad) Äönigä 33efcl>t nidjt gen
Dobrtlugf, (sonnenwaloe unb ginfterwalbc mit ihren Wann*
fd>aften gelegen feien, f tonten fte nur anfahrten: ba|j cined
XfjeilS ber Umftanb, bie Weiter foflteu vom gußvolfe getrennt
werben, anberen Xl)eil0 (Gerüchte, ber 2le%f)ter Johann ftriet>-
rid) beabsichtige in bie Oberlauilft einzufallen, weld)e nad) ?lb
Aua, tfyree* Kontingente fd)ti$(oet gewefen wäre, fie bewogen
hätten, bie sJKannfd)afteu bei ftd) ju behalten. Der ^Imtöbaupt-
mann \u 93au$en habe fdwn bamald biefe (tyrüube <Sr. sXfiQi
angegeben, wobei ftd) «£>Öd)ftbiefelben beruhigt t)ätten. s2i*enn
hierbei irgeno eine <5d)ulb obwalte, müjfe biefelbe aud) bie
£anbfd)aft treffen, beren Weiter ebenfalls nid)t auc^aertdt feien.
(Snbltd) fei e$ wiber bie Privilegien beä 9Narfgraftbumd Dber-
lauftfc, außerhalb ber (Hrenjen beffelben ju festen.
2ßenn ftcf> <5e. 9Jraj. barüber befdjwere, baft fo wenig
£ned)te gefommen unb unter ihnen teilte gewefen feien, welche
erflärt, fte würben gegen Scfyann §riebria> nid)t Rieben , aud)
ftd) mit Weben gegen <Se. 9taj. unb beren Diener vergangen
hätten, l)ätte ©örlifc ben ihm juftebenben Vlmbeil (170) mit
aller ^otfjburft verfeben abgefd)idt. Daä betragen ber Änedjte
habe bie €tabt febr befümmert unb wären bamalä bie 8d)ul*
eigen beftraft worben; flnbere hätten ftd) freilid) burd) bie
glud)t ber (Strafe entzogen.
Daß fie bie Äned)te nad) ben *wei Monaten entlaffen
unb bae (Schreiben 6r. ITJajeftät vom 23. Slpril nid)t berüd-
fuhtigt hätten, liege an ber verzögerten Uebergabe beä fonigl.
<5d)reiben$, weld)ec* ihnen erft, nad)bem ber (Solb fd)on aufl*
gezahlt gewefen, jugefommen wäre. Die Weiterungen beä
^lmtel)auptmannö unb baä <Öener;men ber Witterfdjaft in
99aufcen hätten fte jur (Sntlaffung ihrer 5Rannfd)aft bewogen.
SÜ fte baä ©abreiben €r. s))?aj. erhalten, wäre fofort bie
folbung für ein neueä gtöhnlein itned)te $ufammengebrad)t
unb aua) ber görlifcer Wntheil ohne 6äumen entrichtet worben.
Die 33efe$ung bed Sd)loffe$ in kauften fei ntcfjt von ben
©täbten vorgenommen worben, weil man gemeint habe, eö fei
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fdjablich, bie anbeut <Sed>dfiät»tc ganj ohne Sd)H$ &u laffrn,
namentlich habe baä bei göiltfter Miat(> für augemeffen eiad)-
tet mir ^6f)a(d bie halteten, £ härme unb gcjtungewcrfe in
reit beftcu ^ertbeibigungeuiftaup fefcen (äffen.
3Senu rui r Hirten, iuäbefon rei i (Moilifc iiad>i|cfai)t würbe,
fic hatten mit i'euten, weldje „3ohanu griebridj'ä 8elbfleid)cn
führten," im s}$erfehr geftanbeu, wüfite ber Math hievou nidjto.
(Einmal fei ein reitenber Sotc beä Äurfürften mit einem an
bie Stäube betf Warfgrafthumä Hm teuren Briefe gcfomuien;
man hätte ihn aber gleich von (Morlifc nad) Mannen ent|enbet.
3m Uebrigcn fönne et* wo 1)1 vorgefommen fein, baß eine per-
fon vom «ö^re beö ,finrfürften um bie Stabt bei Hin ober )Uj
fällig burdjgcritten wäre; beut *Hatl)e fei bavou nidHc* genieß
bet worben.
Der :K,nh wiffe bavon nid)t£, ba£ man an bie Käufer
ber föuiglid) (Gefilmten (Balgen gemalt hätte. £i>enn il)m ct-
wa^ Derartige^ befannt gewefen, wäre fold) unleiblidjetf Qic-
bahren beftraft worben. Daö man „Sd)anblieber gefuugen
uuD Schmähungen auf ben &önig auegeftofjen habe," fei lebet
rnebt An läugnen. Der Watl) hätte bie£ aber m1 1 bieten \mt>
baä Verbot öffentlich antrafen laffen; aud) ben V-Bua)verfäufern,
welche Schmählieber gehabt, ben SBerfanf unterfaßt; ent>lid)
habe ber präbifant M. Johann pe&ftein, ber bffentlid) von ber
H-.n,el über ben Jtönig unb ben Jtatfcr Äarl gelärmt habe,
ben Befehl erhalten, nicht mcl)i bie äaujel ^u hefteten unb
fei entlaffen worben.
Die provianMufuhr fei regelmäßig unb tabcüoö erfolgt
Dafj Sr. *JWaj. Schreiben über riefen punft fo fpät nad)
kauften gefommen, liege nicht in ber Sdjulb ber Statt (Sortis
Dem r nophriu6 äiubifd) habe man bei feiner $Bcrbung
um ^nea>te allen U$orfd>ub gctfyan. Daß in Öiörlifc äinbifd)
nicht viel Jtucdjtc hätte werben fönneu, liege cinetfthciltf bar-
an, weil JUnbifd) nur furje Mit in ber Stabt geblieben, an«
bererfcitS, weil fa>on vor feiner ftnfunft viele ^ued)te fidj nad)
Dredben begeben hätten. 3n be$ >Katf)e$ (Gewalt ftel)e cö
überhaupt nicht, freie lebige ÖJefellcn mit ©ewalt aufzuhalten.
Die ganfcgäter feien ftet* von ber Stabt richtig verftcuevt
worben. Daß man um feine Selefynung naa^gefua)t, liege in
ber Stabt Privilegien, wonach ber fönigl, Äidjter unb bic
Schöffen in <&orli& bie* jte^t gehabt hätten. Die früheren
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331
&ontge von Söhnten härten ber Stabt ©brli$ unb Den ubri*
gen Sed)$jräDten biefeö Privilegium erteilt, wegen il)ier Ü'r)ä>
tigfeit für bie Sicherung bed ttanbfriebenä unD bamit fie im
Staube waren, bei betreff enben Umftänben fd>Uuni^ft bitter
bei $anbeäbefchabiger an fid) $u bringen. Denfelben ©runb
habe bie (*rtbeiUmg bee $Öeid)bilb*9ied)tcS gehabt. Diefe Sanb-
guter allein fyätjeit e$ ber Stabt möglich geuiad)t, fteifige flu
siep *u fielien, wie mehrfad) gefd)ef)en. slßeim bie Stabt bie
(Einnahmen au$ ben i'anbgütern nid)t befäpc, wäre eö ihr
nid)t möglich, mit fo grojjem @ifer unb vielfachen Unfoften
bie Strafen fid>er m erhalten. Darum wolle ihnen ber
mg biefe Privilegien unverfürftt bewahren, ba bie Stäbtc burd)
fie *um Sdjrecfen alle* unnüfcen SRaubgeftnbel* geworben
vodren.
Die $Bilbbahn in ber £aibe, an welker lepteren ber
Stabt, ber Pohlen, betf ^oljicd je. wegen, viel gelegen fei,
wäre für Se. sJRaj. immer im Stanbe gehalten werben.
2Öenn gefagt würbe, fie hätten wtllfitr(id), alö wäre ber 9tath
fcanoeäherr, erblofeä ($ut an ftd) genommen, fei ihnen barüber
md}t0 befannt, ebenfo wären bie angeblid) verfd)leuberten Mix*
d)enfd)äpe färnrntlid) vorhanben, wie ba$ nad) Befehl aufge-
uommene Juventarium nadjweife. lieber bie geiftlicben £el)cn
unb si$erwenbung ber (Smfunfte gälten fte fd)eu läugft Sr
sÄaj. befehle erwartet. $3a$ bavon verwenbet, fei nur $u
guten 3^«^"* für bie Jrira)en nnb ^erbefferung ber Sd)ulen
benupt werben.
Sie bäten ba^er Se. Sttaj. um gnäbige Bewahrung ir>rcr
Privilegien, wcld)e flu feinem anbern 3wede, ald für bie
©repe ber Stabt, weldje ben ©lan$ bed Streue* Sr. 9Jcaj.
vermehre, beftänben."
3ßie fdjon angegeben, fd)(ugen bie Stäbte, auf ¥litratf)fit
ityrer geinbe, ber ^ttterfa)aft, ben $ed)t$weg nid)t ein, fonbern
ergaben fid) auf ©nabe unb Ungnabe. Die Strafe ber Störte
hätte nicht fdjwcrer fein tonnen, wenn ihre Sdjulb int sißcge
ber Untersuchung an bad l*ir^t gefommen wäre.
Der 5. September war ber gefiirdjtete $ag be* ©erichtö,
an welkem ihnen nod) bie oberiaufiper SRitterfchafr, ftd) auf
©nabe unb Ungnabe $u ergeben, wieberholte ; ein $eweiö, wie
fehr bie 9fttterfd)aft bad 33efa>reiten beä Dtecf)t$weged freute.
Hie bie Slbgeorbneten ber Stäbte, vorgeführt burd) ben
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332
©efretär, StyftyffgM Die&, vor ben .tönig famen, fanben fie
bei ihm feinen <5ohn, (frrsfyerjog fterbinanb, ben 53tfchof Jo-
hann v. niniiiu, ben 5Mfdwf von 93reölau, ^althafar v. sJhom;
nifc unb viele £d?lcfter, Söhnten unb £aujt$er vom Vloel.
33eim Eintritt nafym Dr. granj OJörift, 'Öürgermeifter \\i
kaufen, ba$ Sort, nnb bat im Kamen ber übrigen <5täbte,
wegen ber in ber fönigl. Üßorlabiing aufgehellten Scfcfynttn?
gungen, bemütbigft um sl$er*eir)ung , wenn fte fict> unbewußt,
au$ <Schwad)l)eit ober Unverftanb gegen ben $önig vergangen
härten, inbem er ;n^lu^ (Srftfferftcg fterbinanb nnb bie anwe-
fenben föniglicben Käthe erfu.1)te, ein gutetf &*ort für bie
(Stäbte einzulegen. Kad) biefer ^Surebe fielen alle &bgeorbneteu
auf bie Jinie, wo fie liegen blieben wär)renb ber gangen faft
breiftünbtgen 93eratl)ung beö töönigtf in einem KebeiMimmer.
2ll$ ber i'aubvoigt fyiMa ^erfa v. b. Duba baran erinnerte,
baß ber SHutforucf: „Uebergabc auf ßtnabc unb Ungnabe"
nidbt gebraudjt worbeu fei, bat Dr. ®öri$ bieä beut Könige
noct) \\i hinterbringen. 5ki ber Kürffunft beö Äöuigä erflärte
ber $3ifd>of von Keiffe, 3afob v. ^romnifc, im Kamen bee
Aönigtf: Der Ä'öntg wolle bie (Bräbtc in Betracht bei bemü-
thigeu Unterwerfung ihrer Htyeortmeten unb tu Setractjt ber
fiir fte eingelegten gürbitten gu ©nabc unb Ungnabc anneh-
men, obwohl er gefeinten gewefen, bie ©adje burd) Auflage
unb 53ertr)eibigung ben Kedjtäweg gehen tu lajfen — ben er
ihnen auet) je&t nod) offen laffe. — (St befehle ben flbgeoro>
neten, biö au feinem 93efd>eibe im 3tmnter $u bleiben.
Die <Btäbte vermieteten nedmtatö auf eine s^ertheibigung
unb baten, ber Jiöntg wolle fte babei gndbigft verbleiben laf-
fett, worauf jid) ber Jtönig mit feinen Kätfyen entfernte.
Kacr) Verlauf einer r)alben etunbe fer)rte ber 6d)lof?-
hauptmann 5Bolf v. Keut)att£* (ober Keufdjlej* ?) wieber juvuef
unb führte bie flbgeorbneten von 93aufcen, ©örlijj unb Zittau
in bie £arnifct)fammer; bie ber übrigen ,6täbte in ber Köni-
gin Aletberfammer, in ®ew«t)ifam, wo fte ftreng bewatit
würben. Kur fünf «bgeorbnetc, barunter graitj} i'inbeuer au$
©örlifc, erhielten ein erträglicheres @efängni$.
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333
&m 7. September eröffneten bie itommiffarien be$ Königs
©eorg £$fd)epfe, ®eorg v. l'uraun, Vicefanjler in Vöbmen,
Dr. Ulridj v. XofHt, $lmt6l)auptmann ju Vaufjen nno v. l'ogau
2lmtäl)auptmann $u £ctyweiDni& unD Jauer, Den (Stäbten t>te
6trafartifel mit ber SBemerfung, l>a0 alle Verl)anblungeu vom
Könige verboten unb mir mit: „3a" ober: „s)tein" ju ant-
worten fei. wurDe vom Könige verlangt:
1) Ueberlieferung alter Privilegien, DrDnungen, ©afrim-
gen fowof)l t>ed iHatf)$, altf Der 3ünfte;
2) Ablieferung alle* ©eföüfreä, pulver, Munition unb
3ubet)ör;
3) liebergabe aller 6tabt*, £ef)it* mit Sanbgüter mit bei
\ (Erwartung, waä Davon freiwillig werbe $urürf gegeben werben;
.4) Verpflichtung ein ewigeö 93iergelD, von jeDent jii ver
brauenoen <sdjeffel görlifrer sJttaaße$, eiimi weisen @rofd»en,
ftH geben;
5) AuSantwortung aller ilir^enfleinoDien unD Darauf be
jügitdjeu UrfunDeit unb jur ©träfe Dafür, baß Die 6täbte
Äirdjengut veräußert unb *um gemeinen Wu&en verweubet
bätten, ein 8trafgelD von 100,000 Neidjogulben ü 60 tfreujer.
6) SBeftrafung ber Urljeber unD 9iäDelefül)rer fei nod) be-
fonberö vorbel)alren.
$iefe Strafartifel unb Deren Vollaug mußten bie ©tfbfe
gdujlid) ruiniren. 2)ic niebergebrürften Abgeoroneten baten
um Die (Srlaubniß einer befonberen Skfprcdjuug. Alle Vor-
ftellungcu Dagegen halfen jeDod) ni$t& 5)er Jtonig blieb uu
erbittlict^. ©eine !Rätl)e, von Denen Dr. Ulrich v. Stoftifc, Der
beim :Ked)t0gange am meifteu fompromittirt gewefen wäre, fo-
wie Der fönigl. £ofrid)ter ju Vaufcen unD Wbau: Wirfei
v. sJ)te$rab, tebriftopf) Burggraf ju 'Dohna, ©tanbeö^err auf
äönigöbrürf unb Der baufcner Äanjler Oieorg gritfehe fid) am
böewilligfteu benahmen, wußten Die 6täDte Dem Könige immer
aehäfftger *h macheu, unb ließen eä au «£>ol)n, Drohungen,
ja felbft NJWißbauDluiigen nicht fehlen.
Um Die baufcner unD jtttauer Abgeorbneten willfährig ju
machen, fdjleppte man fte in eine Art von tfloafe, wo fte vor
üblem ©erudje faum ju att)men vermochten. — Daher mußten
Die ©tabte enblid) unterfdjreiben , obwohl unter auberen ber
^ürgermeijiter von ®örli$ unb Der von Vaufcen fußfällig um
Abwenbung, Der nad) Verluft Der Dörfer unD Privilegien faß
i
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33 i
unerf<f)winglid>ett ©elbftrafe, gebeten Ratten. 9?ur baä crreiaV
ten fie naa) vielem bitten, baß ba$ 6trafgelb in gwei Xer=
minen, bie erfte £älfte nad) 3 3ftocr)en, bie jweite nadj jwri
Senaten gestylt werben folle. 60 unterjeidjneten bemt dm
9. 6eptember bie unglütflidjen Äbgeorbneten baä 3$ernia)rungct-
urteil ^rer <£eimatl)$orte HHb nodj benfelben $«g reifte» von
jeber €tabt $wei ber entladenen befangenen naety £aiife, um
bie «olljiehnng bed Urteil* emwleiteit. 9fad> börlifc reifte:
granj ©djueiber uub Widjael €d)mibt.
€a>n am 12. September fameii bie Ungfürfdboten
nad) OHorlie verfünWgteii bie etrafarrifcl. Die fünfte,
inSbefonbere bie Surtmadjer, Ijatten noa) m*(^r vergeffen, rote
ber 9tatfy mit iljren benotjen beim gufrufyr von 1527 verfaß
reu war; baß iljnen jefct mit einem Silage i()re 3unuug$*
Privilegien abgefprochen waren, Weigerte baljev bie Aufregung un-
gemein. Wan |0)ob alfeä Unglürf lebiglia) auf ben Natt), nnb
bie 3ufMnbe nnirben beäfjalb fcl>r fdnvierig, weil gerabe bie
gewiegteften nnb erfahrenden au$ bem 9tatr)e nnb ber
ineinbe \\\ präg int Äerfer faßen. (Sä wäre beinahe $u neuem
9lufftaiibe gefommen, wenn uidjt bie gurdjt vor bem nedj ge*
rüfteten Könige nnb einem Äommanbo teuftet 11 i fd>er Leiter
bte Wenge wrücfgefjalten Ijätte. Söäfyrenb nun bie befangenen
in Prag nidjt blo$ bura) bie Reiben be$ tferferfl, fonbern
fonbertf bnrd) ben Kummer über baö ©d>tcffal ifjrer ©täbte
fdjwer litten, fo baß in ©örlift baä berüd>t verbreitet war,
ber s3ürgermeijrer Möhler fei im Oefängniflc geworben, Ijatte
grauj €d>neiber nnb Widjael ©djmieb große stfotf) in ber
bemeinbe wegen Aufbringung be6 ®örli& betreffenben *n*
t\)<i\* beö 6trafgelbe$ von 40,000 Bulben. <8iele weigerten
ftd>, überhaupt etwatf beizutragen. Darunter gehörten gerabe
bie 3*erm5genbtfen, wie 3oäa>im grenzet, peter grenjel, Stai*
par $ernr, 3afob @mmeria), ,£>einrid> Sdjeußlid). Die beiben
unglücflidjen tfommiffiarien, weldje einen ununterbroer/euen
SBriefwed>fel mit ben befangenen in Prag unterhielten*), mu^
ten von £au$ ju $an$, von Dorf $n Dorf )ier>eit unb über-
all Ijinfdjreiben, biß fie enblicfy ba£ @elb $ufammen bwdjten.
•) ©. a. a. £. XXIX. <B. 109. XXXI. 8. 113. XXXIII. <3. MG.
XXXIV ©. 117. XXXVI. @. 120. XXXIX. <S. 124. XL @. 12«.
XLI. 6. 128.
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(*e> »erben ©laubiger au6 S3öbmen, 6ad)fen, Stießen, ja
felbj* in Der €tabt $ofen auf^efü^rt, bie *u bem €trajgelbe
beä UüMualto Stammen lieben. Die Shifieguug gegen ben
Kath Münte nod) lange fort. üXan fa^tc mimlid) rem sJtatl)e
nad), er tyabe Die £tiftungdfavttalieu unb bie früheren tyfm*
einnahmen verfd)leubert, fonft fönnte er ja baä ©elb von bort
nehmen, weldjed ©erüdjt befonberä in Vlufnabme fam, al*
man ftd> genötigt fal), eine «Steuer von 5 ^ro$ent ui erbeben.
s)Jic^t minber wie im 3. 1527 gab eo wieber Drobfrriefe,
€d)mäb*ettcl unb aufrül>rerifd>c 2Naneraufd)(äge. Hui 31. £)f
tober (Stllerbeiliaen Äbenb) fauD man in ber grülje folgenben
3ettel an bei flcatböwaage angetragen:
㨟nftiggeliebte sperren! &$ir follen Sdjafcgelo geben unb
fyaben'ö nietyt, vom iumbert fünf 6djorf. Storni il>r e$ nidjt
felbft geben, ba ed (lud} aufgelegt ijit, wa$ gebt eä uuii an?
3d) benfe 3l)i* wollt gern einen iuifrufyr in ber 8tat>t madjeu
unb wirb e$ audj faum anberä werben. £ört jefct mit (£p
mafymtngen auf. ®ebt etf felbft, ba eö liudj auferlegt ift.
siöie fommt ed benn, baf* anbere 6täbte $$orratb, 3fyr aber
nidjtö l>abt*? 3fyr feib böfe ^auäljalter für bie (*5emeinbe ber
(Stabt ©örlifc. 3d? glaube 3fyr ^abt e* felbft ver$ef)rt, veref*
fen, vertrunfen, verfpielt unb (£urc Äinberbarauf gelegt. Wögt
wobl «£>erreu bleiben, baß nur Silbern, bie arme ÖJemeinbe,
muffen arm bleiben. 3*ber bat etwas für fit}, teiner l)at beu
Stfeinfeller ; ber Anbere baö fd)led)te €alj, waä nidjt von Jpalle
ift; ber Dritte (Sifcn u. f. f., bamit 3eglid?er etwaö für fid)
wegfd)lcv»e. £> du arme ftrmuti), wie läßt bu rieh bebrüden,
al* wüpteft bu gar ntd)td, wie 3a unb Wein, ©ich bid) riub
vor, benn bu f annfit auefy Rubeln. Somit fei Qtott befohlen.
(Sd ift nodj $$iele$ i)ier nidjt gefagt, waä gefagt werben fönnte."
Diefe namentlidj von jwei bürgern Wartin Sd>mieb unb
Xb»»na« tfober genährte Unruhe bauerte fort, bid Äönig ger*
binanb auf vielfadjeä Drängen beö 9fatl)e$ von #ug6burg aue
unter beut 14. Dezember 1547 ein Schreiben an bie ganje (&v
meinbe ber Stabt ©örlijj erließ, bem iWatl>e in 9Uem, waö
nidjt gegen be$ Äöntgö befehle fei, QJeljorfain $u leijlen. Die
bort ernft auSgefprodjenen Ermahnungen befdjwidjtigten enb<
lnl> bie 03emütl)er.
Die Äuefübrung ber föniglicfyen 6trafartifel lief nidjt
lange auf ftd) warten. Die foniglidjen Jtommlffarien, weld)e
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330
am 13. September in *l$rag abgereift waren, unb nadj benen
fid) ber Natt) |M tfauban unter'm 17. September in ©örli$
erfunbigte, famen Dienftagä, ben 20. September, $lbenb$ 8
Uhr, in ©orlifc an unb nahmen Duartier in bem Sßirtbö
ber Stynbifu* Servatius (Verlad) unb ftranj tsdjnetber nebft
nod) einigen anbern Sleltefien, unb e$ warb lur ^uäfütyrung
gefdjritten.
(£$ nahmen bemtiacfy bie äommifiarieit (Sfyrtjtopl) $urg*
graf von Dotyna, Dr. fcubwig Sdtraber, ber Hauptmann
SRiÄad ». Äünd>e»berg (sJWut)er?) unb ber £ofrid>tcr Wtfel
». 5xe&rab bie ^Barfciivorratl>c ber Stabt ©ddifc in Empfang
unb [durften fie nad) kauften. (£$ waren bieä: 2 fel)r große
Äanenen, 48 Stütf fleinereS @ef<bä(, 200 Doppelbaf en , 200
ganje £afen, 200 Zentner Pulver, 800 lange Spieße, 400
ipeüebarben, $aritifct)e für 100 Warnt 5u floß unb 300
Staim gu S«P. — ^iefe offizielle ^lünbcruug erftrerfte ftd>
aud? auf bie goltcrwerfjeuge, in öegwg auf weldje ber tauf*
ner ' HmWbauptmaim Dr. Ulrid) «oftifc, bem binterbradjt
fein tollte, cfl fei nod) nid)t «lle<3 ausgeliefert, nod) am
15. sD?ai 1548 einen fpifrigen ©rief an ben Natt) 311 ©örlifc
fdjrieb.
Dann würbe iu ben Dorffcfyaften fibergegangen unb al$
touigl. tfommiffar, bem bie Verwaltung, (£inuef)ung ber lan*
be$bervlid>en Steuern u. f. w. übertragen war, Äaäpar t>on
hoffte auf Äotbenburg eingefefct. (*r fdjeint l>auptfdcf>(i<t> in
feinen ©eutel gewtrtbfd)aftet unb überhaupt eine t)öd)ft unor<
bentlid)e Verwaltung geführt ftu baben. diu Eeifpiel bietet ba*
Dorf ^eiitfg. Dort ließ er feljr viel $ol\ fdjlagen unb t>er
laufen, m beißt in einem »eridjt vom 3. 1583, bie St*
bererwerbuug beä Dorfes ^enjig l)abe man in einem 33erid>te
au ben Äönig fd)on im 3. 1553 bal)in motwirt, baß bie pen^
gang ju befürchten, ber ftäbtifdjen £>berauf|idjt nid)t (Anger
entbehren fönne.
Von ben Jfirdjenfleinobien würbe nur baS SkaHdjbarftc
— baf3 Silber — fortgeführt -v baS Uebrige »erftegelt. Vei
ber Stufnafyme bei Jttrd)cnfleinobien in ein amtlidjeS 9iegifter,
am 30. November 1544, waren wjeidjnet worben: 310
Warf = 2540 Sdjotf; einigen Vericbten aufotge betrug baö
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©ewity M weggebrachten ©Uber* au$ ©örlifc 5—7 Sentner.
Die jurürfgelaffcnen Äleinobten fc^ä^tc man an Söerth auf
5—60Ü ©Hlben.
Der Jfonig blieb unbeugfam, obgleich ihm nicht verborgen
fein tonnte, frajj auf biefe 2Öeife Die ©table $u ©runbe gehen
mußten. Die verrätherffche *Ritterfd)aft befam jur ^Belohnung ,
für ihr treueä Verhalten mehrere ben ©tdbten geraubte Sanb*
guter gefc^enft. 2Benn nicht (Srjfyerjog gerbinanb, welker bie
ilnjichteu ber wcilanb luremburgifdjeu gürten über ben 28erth
gewerbreidjer ©tdbte für ben ganbee%rrn feilte, fortwäfjrenb
feinen Stoter nm Skenbigung bc$ graufamen ©ebabrenS gegen
bie ©ecbflftdlte angegangen wäre, bürfte fchwerlid), noch fo
rafch, als bie$ gefchahf eine SBerbcjferung be$ unerträglichen
Drucfeä eingetreten (ein. *
9?ach brei unb $wan*ig Sagen barter ©efangenfcfcaft
würbe ben eingeferferten $(bgeorbneten burd) (£hn?fogon Diefc
angemelbet, ber Äöuig gebenfe ben ©tdbten einige il>rer <ßrt* '
Plegien auriief, fowie eine (Shrenerfläruitg ju geben.
Diefe Urfunbc würbe unter$eichnet am 1. Dftober 1547.
Doch warb baä ©nabengefchenf nid)t umfonft erteilt. Die
beutegierigen födttje beä ÄbnigS erpreßten von ben au$gefoge<
nen (Starten nod) bebeutenbe Summen. Der oberfite £an$ler,
Burggraf 4peinrid) von SKeipen, verlangte uic^t weniger als
5200 ©olbgulben unb außerbem 10 *pro$ent biefer Summe
für bie tfanjlei. (Srf* als biefe* ©elb jur ©teile gefdmfft unb
50,000 ©Hlbeu, bie £dlfte be* ©trafgelbes, von ben ©tdbten
in *ßrag abgeliefert war, würben bie uncjlücf liefen ©efange*
nen, abgehärmt, im ©djmufce \)M verfommen unb franf,
auö ben abfeheulichen üerfern nach £aufe cntlajfen. ©ie
mußten beim Abgänge, bem ©chlofhauptmann v. 9?euf)au$,
noch 2% Xbaler für ben ÜJiann, alfo gegen 200 Zfyrttt ®\p
gebühren befahlen. •
Die ©tabt ©örlifc, welche noch befonbere Summen auf
5Beftechung ber föniglidjcn *Rätl>e gewenbet ju haben fcheint,
erhielt 75 Briefe unb Privilegien, freilich alle untergeorbneten,
einige nur gefdn'chtlichen Gerthe*, jurücf. Die wichtiaften
ber jurüefgegebenen waren: bie ©trajjcngerechtigfcit, ber 30II,
bie ©tabtwaage, 3ahrmdrfte, ber SBaibijanbel, fludbauäfchnitt,
©aljmarft, ©einfetter, bie Bierbrauerei, bie SBerfaffung, ba$
$ed)t bed DlatheS, ©ehorfam von ber ©emeinbe ju verlangen,
$ct<f?id;t< *cn QttU|. 22
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rnblicf) SBavven unb Siegel, atferbingö ^rivflegien, me(cf>e für
Den bürgerlichen gleiß unb bic gute 3«<h* *n ber €tabt von
großer Sßichtigfeit waren, aber in feinem SBerbältniffe $u ben
endogenen Diesten flanben.
3)ie €ouveränitätärechte fielen färnratlid) weg. 2>aö
!JRätt$r«$t, bie freie 9cath$fär, bie £)bergeria)te mit bem alten
<5aa)|enrea)r, — bafür mürbe im 3- 1548$u *ßrag eine 9lppeüa;
tionöfammcr hergeßettt — , bie 3«nfte in ihrem frühem SBe
fen tonnten nicht mehr errichtet roeroen; enblia) würben fämnit
ltd)e (Hilter ber kärger in föniglid)e VcIkh verwanbelt uno
beftimmt, Daß nur bie innerhalb ber glurjäitue gelegenen Saiuv
guter in Der Stabt ^Wttleibenheit fte^en follten.
Die genommenen ^anbgüter mußte bie Stabt allmälig
burO) Äauf wieber an fid) bringen. $)ie föniglidpen $äthe
unb «ftomiufffaritn bereiften bie Oberlaufs viele 3ö^te nach
bem $önfa(le von 1547 unb mußten babei bie ($täbte §um
5$ortheile ihrer eigenen ©elobeutel vortrefflich auäjufaugen.
Wm metfteu lag ber Stabt OUnli o an bem großen ®ute
sj?enjig, *u welkem bie auSgebehnte «£>aibc mit vielen £)rt
fdjaften gehört. sXad) vielfältigen ilnterhanblungen gelang eö
ibrf am 1. 9J?ai 1553, Üßengig fammt ben baju gehörigen
!X)orffchaften „vfanbmei|e" um 55,000 ©ulben, gegen einjährige
Sluffänbtgung weitend be$ Jfönigä, au jicb ui bringen. 5)od)
verfprad) tytxbn ber Äonig, faüö er ba$ @ut roieber auöiöfeu
]o Ute, um ed anberwett ui verpfänben ober ju verlaufen, ber
<5tabt ba$ ^orvfänbungS-, event. ä$orfaitfdred}t \\\ gehalten.
Die (Stabt borgte $u oiefem üaufe von gabian v. £ $önaid},
Hauptmann gu (&agan: 1(3,000 Iblr., für welche (Summe bie
<§täbte @(ogau unb $au(en, fowie ber reiche Bürger 3oad}im
grenze! auf Jtönigelmin bei Gförltfc Sürgfchaft leisteten. !Äm
.20. 3ult 1556 überließ enblich ber Jtonig ber (Stabt cac (Miu
^en^ig um weitere 35,000 (Bulben „erblich,,; unb im folgen
ben 3a^re 1558 entfagte er fogar feinem Sagbrechte auf ber
£aibe.
9lm 18. 2)egember 1558 würben ber 3Hirger ©iiter auä
bem i'ebenäverhältmß wieber in freies Eigentum umgefchrie*
ben, unb mit bem 11. Sluguft 1561 hörte aua) ba6 läftige
9tecbnung$legen auf.
S)ie Einrichtung ber vom Könige revibirten Statuten,
welche mit bitterem Sdjmerae von ben* alten Käthen angenom-
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339
m eii würben, erfolgte im 3»li fce* 3a$te6 1548. Sine sBe
fdjreibung ber @infül)rung$feierlid)f eilen in ©örlifr ift nidjt
»orbanben. Dod) bürften biefelben in ©örlifc wenig aubeTä
gewefen fein, alö in Den übrigen Sed)dftäbten. 2Öenn wir
analogifa) jurüdgefyen auf bie Beitreibung ber ($tnfür)rung
in Bausen, V ob au unb «tarnen)*), fo wirb, wie bort, ber gange
NKatto unb bie GJemeiube auf bao ^atbtuim? gerufen worbeu
fein, naa) bem (Antreffen ber fonigl. itoramiffarien. Dort
munte ber alte rKath bie Sdjlüffcl, $etfd)afte, ^kecjtfter, Stobt-
büa>er u. f. w, überantworten, hierauf hielt ($iner ber stom-
nttffaricn einen Vortrag, nad> teilen Seenbignng ber neue Dom
Könige auäerlefene 9tati) sorgelefen, unb befleu 3Ritglieber,
3eber einzeln, oereibet würben. Dann würben bie neuen
Statuten wrgelefen, unb utr &ira)e gebogen, wofdbfit mau
bad: „§trr ®ott, Did) loben wir", fang. (£in $efteffeu
fdpeint ben Xag überall befd)loffen vi haben. Der Bürger
meiner M. 3afob Rödler mußte bainalä aud bem Rinthe fd)et-
ben; feine Stelle warb oon ben itommtjfarieu burd) ben füg-
famereu unb am «Jjpofe beliebteren gram Sdpieiber erfe$t.
Daä Mcrtu ber freien Wathsfnr erhielt bie Stabt am
20. 3nni 1559 jururf, unb bie geria)tlid)e 8bl)ängigfett von
*(kag horte mit bem 12. äÄär$ 1562 auf.
Die Solgen be$ föniglia)en (Bewaltftreidjed lafteten, wie
auf allen Secbdftäbten, auch fefjr fd)Wer auf Ohm Ü13 unb foun
ten nur mit großer Sorgfalt unb vielen Dp fem ailmätig »er-
um utt werben. Die au^erorbeut(id)en Soften unb SBerlufte,
weiche burd) ben Tonfall erwudjfen, belubeu bie Stabt mit
erbrüdenber Sd)ulbenlaft, welcher fte erlegen fein würbe, wenn
md)t ber gütige W ad)folger gerbinanbd I., jfaifer s3Jcarirailian Ii.,
ber Stabt ©örlifc freunblid) betgeftanben unb namentlur) aua)
burd) Slbgabenerlajfe ber gebriitfteu Commune §ilfe ge^
fommen wäre. >
•) 6. «eine »eitrige rtc. 6. 134 ff. $it «^reiben ftn* funmt«
Ufr an ben alten ©urgermeifler M. 3afob mtUx errietet, «uö Sauden
fdjmbt ta ©tabtföreibfr Scbann GHotoifc, (ig. 134), anö Äomenj:
WOim Vbt&tx ('S. 137) unt> au* 8öbau: £ieronnmu* Äncll. (®. 13»).
22*
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340
ämette* Äapttel.
'Daä görlifcer granjiöfanerflofler biä jur 9fuf(6fung
beö flonvente*. 1563*).
tvt? ift bte auf bie neuere M\i bie 9tad)rid)t am iflofter*
qeftubl bei ehemaligen graiMi<3fanerfird)e $11 ®örli$**), baä So-
fter fei im 3al)re 1234 burd> einen SRarfgraf oou Söranbeu-
burg gegründet, alö feftftel)enb angenommen Worten. CErft
Kuller unb nad) ihm 3ct>ciü in feiner ©efd)icfyte Dei A'auüpen
Ijaben 3roeifel***) Dagegen erhoben, weld)e f)ier naiver in (§r
wägung gebogen werben muffen.
£ie ereile am Üloftergeftiicjl lautet in wörtlicher lieber*
tragung: „3m 3afyre beä ^erru 1234 würbe ber görlifcev grau- '
jiäfanerfoiwent begritnbet burd) ben SWarfgraf ui $ranbenburg
unb van im, vor ber Stabt. Unb bie Gelinge genannt SÖir-
fing haben ben trübem ilu (£igentt)um jur Manuelle uberge
ben." Iie barauf folgenbe Stelle giebt an, bie Älofteifirdje
fei am 21. $fnguft 1245 burd) SMfdjof Jtonrab i\ 9)ki|jen 311
(Styren Üttariä uub befl heiligen Sranjtöfuä geweit)t worben.
Tie ®runbe, welche rcfyel$ gegen bie 9ttd)tigfeit obiger
Eingabe an fuhrt , finb: 1) fei bamald bie Vanrin nodj nidu, wie
urfiuiblid) teftftebe, unter bem 5Narfgrafen 0011 Brandenburg
gewefen; 2) ba biefe Angabe erweiöltd) irrig, fei auf bie ün
gäbe ber 2Beit)e im 3af)re 1245, aud) niduo ju geben.
?(Uerbingd ift ridjtig, baß erft burd) bie ^aheuarbnna,
£)tto'£ UI. von 33ranbeuburg mit ber ^iuiu-ihu 93eatrir v.
Lohmen im 3at)re 1244, ba ber Schwiegervater üttoe, Sto-
nig *ßremi$l JDtofar I. v. Lohmen, bie auebebungene Mitgäbe
von 10,000 sJÄarf \\\ jaulen außer Staube war, im sSege
ber Skrpfänbung an ben $ttarfgrafeu 0. Sranbcnburg fam;
•) Duellen : Xobtcnbud) ber gt'tlijer ftranjiflfanermöncfye uub 3a$r-
büdjer ber $ran$i0faner (am .ftlofttfgefiüfyl) tu OJürlifc, abqcrrucft in fern
N. 8. r. Jus. t. I. <5. 265—350. Dberl. Ürfunben in beglaubigten %b
fünften auf ber Sibl. ber C$efeUfd). ber Üüifrenfdjaften in teUaii*
9iotijen in ben £tabünid>ern. ^ilfemittei: ÄnauUje'a Sammlungen u.
feine C^ef*. bed Gtorlifcer Ütymnafiume ; Ställe*'* Äeformatienagefd}. ;
^efdjecftf $ret0f^rift a. a. O. vgl. Umgangasettel jur t>. JTreifaüigfeif.
a. a. D. p 3H.
""•) a. a. O. fe. 356. »gl. Füller a. a, £>. 6. 33.
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341
baß mithin obige Angabe am Äloftergefruhl, bie fdjon 1234:
„einen ^Rarfgrafcn Sranbeuburg unb Sauftfc" fennt, unrich-
tig ift. Die 3ttfd>rift am äloftergeftühl rührt *on Sfleifter
Ortulphu* l)cr# unb ift im 3abre 1484 unb J485 gefa)ni&t
worben, alfo über jweihunbert 3ahrc nad) ber ©rünbung.
Dorf) braucht wegen biefeS 3rrthum$ im Kanten bat* 3afyr felbft
inrht unrichtig \\\ fein. war uuW unumgänglich nothwen;
big, baß sJHarfgraf Dtto, al« Älofterfitifter, fcanbedfyerr fein
mußte. ($6 fommen Seifptele Bor, baß frembe ^anbeö^erren
im fludlanbe Beiträge ;ti ,tlöftern mir Jürchenftiftunaen ga<
ben, unb gerabe von bem fei ben 9Äarfgrafen ift ein nuinhau
ger Beitrag in nod) t>iel fernerer ©egenb, in ?iefianb*), be*
fannt. Daß man gerabe im 15. Safyrfyunbert eö nid)t fo
genau mit ben Xiteln ber Vergangenheit nahm, unb anacfyro- ,
nijitifa) ben Surften einen fpäteren Xitel vor ber betreffenben
3eit beilegte, fehen wir auö bem 8. 88. b. 3B. abgebrueften
6d)bffennrtel t>om 3abre 1499. Dort nennen bie Schöffen
ben im 3- 1346 gefallenen Jtönig Johann v. Lohmen fdjon
„^erjog von ©örltfr," wäfjrenb bod) bie Errichtung b.e$ £er*
fogthumä erft breißig 3«l)tt nach bem Xobc biefeä $önig$,
im 3- 1376 erfolgte. (Sollen wir auö biefer Verwechfelung
auf bie Unrichtigfeit ber übrigen Angaben jeneä merfwürtigen
Dokumentes fdjließcn, weldjeä in ^weifellofem Originale vor
und liegt? Ungeachtet jencä thatfächlichen änrtfyumeV im Xitel,
wirb bie ®laubwürbigfeit beä Schöffenfpruchö burd) llrfunben
betätigt. 2ßa$ tytx auf baä Schöffenurtel belogen wirb,
fann aud) für jene JUoftergeftütjl 9tad)richt gelten. Die Huf*
finbung ber ©tiftungöurfunbe be$ görl. Älofterä, welche wal)i-
fdjeinlid) im baufcner Domarchittc liegen mag, ton nie bie alleinige
(Sntfcfceibung herbeiführen. Daher halle« wir an ber Angabe
be$ itloftergeftüblä feft; benn fte würbe ftcherlitt) im 3- 1484,
auf®ruub be$ Xobtenbuchetf eittgefd^nt^t, weld)ce* bie Sßeih-Sln*
gäbe nod) Deutlicher enthält **) feine Verglcichung ber Driginal-
hanbfehrift beweiji, baß bie Schriftjüge, welche bic Angabe
•) Riede), cod. dipl. Brandenburg. 2. £auW*f>. I- ©. 20.
Tit SWarfgrafen 3oljann u. £tto v. ©ranbenbnta, fd}cnfrn bem Abfei
Tunamünbe in Sieflanb 30 £nfcn Sanbe* in Xramyifc unb ebeiifoviel in
SCcaclin, am 6. 3anuar 1238.
") a. a. £>. @. 300.
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342
bringen, in ba$ (Snbe beS 14. 3ar)rfnmfcert$, alfo t>tcl oor
Drtulpfjnä, fallen.
S)ad Softer ftanb nad) ber Stiftung aitßer^atb ber
©tabt, beten Ringmauern er(* im % 1255 bis an beit
fumpftgen ©runb, wo jefct ber $cmianipla| ftef>t r erweitert
würben.
5)a# $f)or, irc(d>c0 naa) bem Jtlofter führte, würbe:
Sriibertfyor genannt, wie aud) bie „Srübergafte" nadj ben
granjiSfanerbrübern tfyreu tarnen erhalten fyat.
Qtye jur @efa)ia)te ber Jfciojterbriiber felbjt übergegangen
wirb, [teilen wir bie 9cad)rtd)ten über ben Sau unb bie Säum
licfyfeit beä merfwürbigen ©ebäubeä nebft Der ßird)e ^ufammen.
Sei ber Segrimbung war weber ba$ Softer, nod) bie
Mhty, welche ui (Sfjren 2Rariä unb ©t. granciGci geweiht
würbe, fo grofj wie je$t. ftnfangä beftanb e$ aud $wei im
(Heoiert aufgeführten ©ebäuben, umgeben t»on einer an ber
$)corgenfeüe bei ber Mixtyt beginnenben SWauer, welctye fid)
bann gegen StHtag mit einem bebeeften ©ange wenbete,
unb am Dbermarfte enbtgte, wofelbfit burd) ein Xbor ber
§auptemgang in ben äonoent war. Si$ )um 3afyre 1255
geborte baju von bem jetzigen Obermarfte ein gro£e$ S tuet
l'anb, weldjeä oon ben ÜJtoncben junt (Gartenbau eingerichtet
war, mit (Erweiterung ber (Statt jebca) wegfiel. Die erftc
größere Seränberung ber SaulicMeiten erfolgte im 3. 1371.
21. s3ttär* 1371 würbe im Softer bie Malier be$
alten Sfyorcö um Jen hoben biliar eingeritten, unb am 15. $)?ai
ber ©nmbftem gelegt; am 9. 8uguft würbe baä neue Refef-
torium, bedgleidjeu baö @aftt)au0 nebft bem ^embnlum unt
beren Umgebung gewölbt. Tie .Uucbe ging anfangt nur bis
an ben jefcigeit Sogen, bamalä würbe [tc verlängert burd)
ba$ jefcige (»fjor unb batf Elitär, unb bie jtanonifat$;©tüt)lc
angebracht, in benen bie Wöncbe wäfyrenb ber fanomftyen
©tunben ftanben.
Seim Sau befl .ftloftcrS $og man an ber Stargenfrite
ba$ ©ebäube bis an bie fttrctye, errichtete jwei Xreppen, eine
beim Mtav in baö obere Xabulat, unb eine SBenbeltreppe auf
ben Äirdjboben ; an ber 9Ättternaa)tfeite warb ein <£ang vom
Stabttlat auf bie (imporfirdje gebaut. $)iefe X^ure nebp bem
genfler bei ber Drget ftnb oermauert worbeu, al£ in bem
anftojjenben @emaa) bie Sibliotfyef hergefteHt warb, ©egen
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343
ÜNbenb würbe bie große Stüdjt unb baneben ber jefcigc £örfaal
ber 1. Älaffe nebfi ben Mben 6torfweifen angebaut HÜ
bte Barbarafapelle, im 3- 1385 gebaut warb, vcrbanb man
biefeS ©ebdube mit bem Jtlofier, fo bafi ber dunere Älofterfjof
bie ©eftalt, wie gegenwärtig, erhielt. 3>ie jefcige sJteftorwol)-
nnng war urfprünglid) baö ©afiljauS, au weldjed nad) unb
nad) bie ©ebdube gebaut würben, welche ben inneren Jtlofter^
hof biä nabe au ben ÜWarfiall einfd)loffen. 3» biefen innern
tof würbe ba$ Salomonöwaffer im 3- 1489 geleitet.*) $ie
Deüeute fdjenften bem Älofter £ol}, steine, Jtalf unb
ließen burd) uuentgelblid)e gurren bad Baumaterial t>eibct-
fürtreu. Biete 9totijen über bieje Bauten ftnb nod) vorljanben.
1376 errid)tete Ulman r. ©erSborf ein flltar im El)ore
nad) Mitternacht unb ftattete eö mit 35 SKarl au$; aua) warb
bamaie ba$ «Uar im Umgange errietet; 1381 würbe ber
(£l)cr sollftdnbig umgeberft; 1382 würbe bie Drgel im <£f)orc
gebaut unb bie t»ter ©laSfenfter im Efyore angebracht; 1383
würbe baS ÜJcarienbilbnit* gefertigt; aus bem 3af)re 1450 ba-
tiren bie ©ewblbe ber JUofierfirdje; 1476 traten bie Brüber
ben ÜJ?öncf)tl)urm an bie €tabt ab, wofür ir)nen bie €tabt
über bem Marftalle ein Sefret bautt. 3n biejem 3al)re wur*
ben nod) serfcrjiebene Reparaturen an ber Aitdp unb bem
Afaßet vorgenommen. 1508 warb auf ber Älofterfird)c bie
©ibelmauer naa> bem reia>enbad)er Ztyoxt neu gebaut.
Wad) ttolienbetem ^weiten Bau war folgenbe Einrichtung
im älojter. 6obalb man burd) ben Eingang (vestibulum) in
bae untere 6torfwerf trat, führten jwd Scnbelgängc in ben
Äreu^gajig. Dort war jur redeten £anb, im £örfaale ber
1. älaue, ber epeifefaal (refectoriuui), r$eld)er fpdter nad)
ber 2. klaffe verlegt würbe, währenb man bac3 große 3im'nct
in einen Betfaal (oratorium) verwanbette. 8u0 jener 3cit
batirt ba* Jtruaiju über bem Eingange jur s4$rima. 9ceben
bem oratorium ift bie ehemalige tfüd)* (iety ein £olaf)au$.)
Sieben bem 8petfefaale befanb ftd) bie Babeftubc (vaporarium,
baineum), je&t 6d)ulaimmer ber 4. klaffe, ©el)t man im
•) N. S. r. Lus. II. 6 fcergtidjen mit einer Urfunbe bed Drben*
muiifrer« Siibtoig. d. d. 18. ^eeember 1490, in welker getobt fcirb, baf;
bie* fflnffer mir *um Äedjen unb Xrinfen , nid)t Jttti Saften «nb ©aben
gebtfttid^t »erben foUc. ,
344
®ange weiter, fo trifft man red)t$ auf 'eine böipvne Xreppe,
w>eld>e in baä jweite Stocfwerf füf>rt. Dort mar, wenn man
bie linfö abgebenben «Stufen erfitieg, ber Jtranfenfaal ber
Mönche, unb ba$ anftojjenbe ©emact) (bi$ $um 3. 1837
Öutnta) £ol«iraum für biefen «Saal. 3n bem 2. -Stocf war
ba$ Xabulat (ber lange lid)te ©ang über bat* ganje Äloftcr
von Wittag gegen Mitternacht); man fam ju bemfelben nicht
bloä burcf) jene fcfyoti erwähnte fchmak treppe, wenn man
ben ©ang jur fechten betrat, fonbern auef) aue* bem
Jtreujgange vermittelt! ber fleinernen, unmittelbar bei ber
Äücfye im untern Storfwerfe beginnenben treppe. Huf ba£
Xabulat münbeten bie lt)üren fämmtlicher Mondwellen.
93om üabulat auä ging früher ein verbetfter ©ang über ben
Jtloftergarten unb bie üNonnengajfe nad) bem Marftalle btö
jur Stabtmauer. Der ®ang würbe im 3- 1752 gänzlich ab-
gebrochen unb bie Mauer gefchloffen.
gromme *ßerfonen glaubten feiiger al$ anbere |H wer-
ben, wenn fie jich im Äofter begraben liepen. 9tach bem
Xobtenbud)e waren in ber tflofterfirdje beftattet: 1476, Michael
Man; 1482, Simon tfalpfel; 1485, «Ricolefd); 1496, Hie-
ronymus Molitor; 1499, 3obann, ein ehemaliger Stabtfchrei*
ber; 1506, gren^el £evne a«6 &bd] 1521, föulo v. @er$*
borf. 3nnerl)alb ber Äloftermauern war ber Mönche Kirchhof.
Die görlifcer Mottle geborten bem Drben befl h- gran-
ÜäfuS von Sfjijt an unb jwar ber JUaflc ber fogenannten
Minnerbrüber ober Minortten. Sic mußten fich burch 8ct*
teln ernähren. 3t>re JileiDuug war fef)r einfad). Sie trugen
auf bem blopeu l'cibc eine lange Jtulte von groben braunem
Xuche, uebft einer .Etappe, weldje nach Umfiänbcn über ben
Äopf gebogen werben fonnte. lieber ben Dtorf banben fte einen
birfen fnotigen S trief. Strümpfe burften fte nicht anlegen,,
auch feine l'eoerfdjuhe, fonbern nur Holzpantoffeln tragen.
Die geiftlicheu ^anblungen biefer Mönche waren verfdne*
bener 8rt. Bin« £auptbcfchäftigung war bie Beobachtung ber
fteben ©ejeiten ober fanonifcheu Stuubeu, worunter täglich
fieben Betftunben verftehen ftnb. Die erftc begann nach
Mitternad)t unb fühlte ben 9tameu: Mette (niatutina); bie
zweite vor Sonnenaufgang (prima); bie britte ntrj nach Sott*
nenaufgang (tertia); bie vierte folgte gleich auf bie britte unter
ber Bezeichnung sexta; bie jur Mittagfyeit abgehaltene fünfte
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3(5
^tnnpe: nona; Die fed)füc roarD jur i&eSpeneü, 9?acbmirtagS
gefeiert, Dafyer vespertina; Die ftebeute fd)lo|i Den lag, unter
Dem 9(uSDrucf : couiplotorium.
3n tiefen fanonifenen StunDen wurDcu mit $lbroed)felung,
je nad) Der StunDe, (Hebele ntib ©efänae angeftunmt. Die
freite unD fef>r wefentlid)e Xbätigfeit Der 9J?önd>e beruhte auf
tan ÜWeffelefen an Den 9 Altären Der ^ird)e. Die Altäre
waren: tjaS t£)oa)altar .Mint tyeil. RranjiSfuS, DaS SUtar Der
b. Drei Jtönige, Des b- ^Bartholomäus unD (MeobocuS, DaS 811*
tar DeS b. SttfctatiS, DaS Hltar *ur b. Dreieinigfeit, DaS Eli-
tär Der b. Katharina, DaS Vlltai DeS b. 30tyaitite6, Untere
fünf ftanDen an Den fünf Pfeilern Der (£mporfird)e ; DaS HU
tar DeS I). ftabian, DaS Kftat DeS b- ÄreuH'S, Der b- ß&ri-
jttne unD 9lDell)eiD, enDlid) DaS Elitär DeS b Antonius. —
2ln Dtefen Altären wurDen Die verfdnebeucn 3abreSgeDäd)lniffe
begangen, unD an mehreren brannten ftiftungSmä|iig fogenannte
ewige glammen*). — Den gorlifcer gran$isfanern ftanD aud)
DaS 9ied)t Der 'JUreDtgt unD $eid)te §11, nur Durften jie SBeiDeS
nid)t ju einer Stunbe mit Der ^arodjlalgeiü lidrfeit vornehmen,
um ibnen feinen $fb6rud> m tbuu. 3m s$eid)tcl)öreu fdjeinen ftc
fielen Einfluß auf Die ©emütber entroicfelt 511 tyaben, wie man
auS *at)lreid>cn 6d)enfungen fd>lief*en fann. (*S fd>etnt am
^roerfmäfiigften, f)ier Diefe <Sa)enfungen eiti^uflecbten. Die
*8ermäcbtniffe, weld)e Durd> Die ^rofuratoren unD geiftlid)en
jreunDe im tarnen DeS JtlofiterS (f. unten) übernommen n>ur-
Den, befitanDen tbeilS in (ShunDbeftfc, trotte in baarem ©elDe,
tbei(S in Äela>en unD <&ewänDern, tbeilS in Stiftungen über
regelmäßige Lieferung t>on Lebensmitteln.
Söetm 3abrc 1364 wirb eines 4)ofeS gebadjt, roeldjen
(*lfe <5a)miDt Den Wonnen 3afob unD 3obanneS gegen einen
3inS *on 8 OTavf übergab**). 3m 3- 1 433 vermalte £anS
'Jtroföe feinen Salb bei Wdrtenberg Dem Softer, mit allen
ftea)teu, Dagegen unter Der ^eDtngung, Dag DaS Älofter alle
auf Dem SöalDc rubenDen ftäDtifcfyen Abgaben unD ^erpflid)*
tuKgen |ii leiften habe. 3m 3. 1438 ging Der 3BalD wirf*
lid> an DaS Älofter über. 3« bemji ben 3al)re befaimten
£anö, £einje unD sJtitfef, (fcebrüber »on Abberg, Dap fte Dtefen
•) Actor. J\m) lib. f. 10b
Über voeationum fol. 20 b.
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SBalb lefntfrei gemalt Ratten. — 3m % 1433 erhielt ba«
jUofiei nod) ein ähnliche ©efd)enf, burd) llebenveifung eineä
^Icfcrd, gelegen t>or bem reia)enbad)er Xfyore, Seiten^ ber Ox-
tep XifaSermtne*), freiließ unter gleicher ®ebina,ung, wie ben
sBalt> ui &a)tenberg, auf gortleiftung bed ftäbtifdjen ©efcfyof*
fed. (Snblid) ^at ben W6nd>en bei (Sörlifc nod) ein SMonverf
gefjört, tveldjea jiveimal erwähnt wirb, in ben 3al)rcu ;1 451
unb 1456**).
3m Xobtenbudje bei gianjiöfaner (abgebrurft im I. $anbe
ber sJteuen Scriptorcs rerum Iusnt.) finben ftd) namentlich
be|üglid) ber ^weiten, brüten unb vierten JUajfe mehrere ©e=
fdjenfe unb Stiftungen, fämmtlid) unter ber 33ebinguug, bafür
3at)re^gebäa>tni|fe abgalten. i)ie erfte fltifeeidjnung untere
nahm im % 1361 ber bamalige ÖJuarbian, ^cifolatic* von
^eruharbeöoorrh, rme er felbft angibt, auf päbfilidjen Stefeljl,
bamit bte nadjfommenben Wönd)e wüßten, »vaä |le }ti leifteu
rotten unb fein 2Bobltt)dter be$ Älofterd in s3krge(fenl)eit ge*
ratfye. Selber finb in feinem slkrjeid)niß nia)t alle Daten au-
gegeben.
Sola)c ©elbftiftungen grünbeten: ärfftan v. ©erfjart^
borf (8 Warf); flgatfja * sffielfon> (25 @r.); £einria) Stein;
ruefer (1 Warf), (SfrrijMna, £o$pital|d)roefter (5 Warf); Slbal*
rieib im J&o^ital (5 Warf;; ©erbrubid Jtolbin (5 Warf);
Wfolaitd Sdjul* Langenau, ©unjelin (V2 Warf); £ein-
rid> Wejferfdjmibt (10 Warf); (Slifabetf) £elle, Äonrab (Sr*
milreid), $rieftcr (2 Warf); Jtat^arina (4 Warf); tfunje 5Bi
finberg (9 Warf); 2Öaltf)er v. 2Üelfon> (3 Warf); ßlifabetl)
von iHotinburg (7 Warf); 3Wta SBiber (4 Warf); «fflara
Meinet (4 Warf); $eter Stolpe, (Slge Weiitl)arb (10 Warf)
uitD Jtonrab Sroorn (4 Warf). Naa? bem 3al>re 1361 ftefjen
großenteils bie 3a^re ber Stiftung babei. (** legirten:
1360, Stiele von Warfer*borf 5 Warf; 1392, 9citfa)e Sd)ön;
born 3 Warf; 1395, Mfolau* von ©üben 5 Warf; 1403,
.Katharina tteidjenbad) 3 Warf; 1418, ^eter #eper, graben*
tatet be* Äloftert, bemfelben alle feine ©üter; 1451, ^aul
i'tbtg eine unbeftimmte Summe unb in bemfelben 3al)re
ter ffieife in Sauban 20 Warf (10 au ©etränf, 5 *u fleinen
•] über rosignationum (U32) f. 9 b.
••] Uber resignaUonum I. f. 9. 11. f. Mb.
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:H7
Sebttrfniffen ber Woncfye, 5 jum Bau bed jRefeftorium$) ;
1471, ^etttrid) t». 9$et>nn>i$ 10 gieren unb 'tbeoberidj eine
unbejtimmte «Summe; 1474, 3ol)anne$ 2>euftmann ein guteä
Mmofen; 1475 Hnton (Sdjmibt 20 Warf; 1476 Wia>el Wan
40 Warf; 1478, Wargaretya Söeibner 4 Warf; 1480, am
20. 9io*embev, >J<eter Weije 200 Warf; 1482, (Simon äalpfel
eine nidjt bestimmte (Summe; 1484, Wifelaitf Woliteriä and
Wof>ol* 12 Warf; 1485, Scifolefa); i486, tfatyarina »fltabe*
ftotf*, 1487, Wargaretfja ^3ortfd> mit intern Wanne; 1490,
üfyomafl son 33ubifjtn; 1496, ^ieron^mu^ Wotitori*, fämmt*
lia> nidft be|etcf>nete (Summen; 1498, Barbara gidjtenci 300
(*Mbgulben; 1500, Wargarettya 5Befber 30 gieren; 1502, 3o-
cuff Seltener eine unbeftimmre Summe; 1503, 9nbrea6 Stob*
xott) 55 Warf; 1506, grenjel Jpeine »on $ot>(l 4 Warf;
1508, (George (Sdntlje eine unbejtimmte (Summe, 3ol)anned
.Hemelifc 30 Warf, Wicfjael SÖeibner 50 Warf; 1511, £an$
■SBelet 80 Warf; 1517, Waraaretf>a*<Seiffart 20 Warf; 1518,
Wartin gttber, Pfarrer in ©örlifc, 20 Warf; 1519, §an*
(Sa>wem<fe; 1522, War* £ilfct)er unb 1538, $taul 3one un-
befannte «Summen. s)fta)t befannt jinb-bie 3afyrc ber (Sd^en*
funken (Seiten* beä WattbiaS, Pfarrer* in (Seiferdbcrf, ÄHncf
Wetje mit 10 Warf, Wfelaud «ftretfdjmar mit 7 Warf unb
oe$ ^frünbeirinfjaberd £adpar (£ia|born.
Den beftimmten 3wetf eine6 3a f>re^ ^eb a cl^ tntffed foradjen
aH$: 1342, $8altf)er: 1346, 3ofyanne* ti. (Herf)arbtäborf mit
10 Warf, ©ermannt ßarpentariuS mit 5 Warf, *ßeter ÖJretj*
benberg mit 7 Warf, (Slifabetl) Wetye mit 7 Warf, griebrid)
£eren$ mit 6 Warf, Xwpfjil t>. 3<>bel mit 4 Warf; 1347,
Wfelau*; 1348, ©erbrub mit 12 Warf; 1370, 3ol>ann
<&d)ui\ mit 2 (Serageneit; 1372, ,£>etiiria) <Sa)äfer unb 4J>ein*
rid) 99är, 3cber mit 6 Warf unb Rottmar in Wotyä mit 3
(Seragenen; 1377, Waye <Sd)en;telin mit 12 Warf; 1378,
30fann Ulmann mit 4 Warf; 1379, Wiefel Sange mit 10
Warf; 1380, 3utta Sibiftein mit 18 Warf; 1386, &nna grie*
beräberf unb &att)arina Wurer mit 10 Warf; 1387, (Ueorg
^Bolf; 1425, Wargarettya <Sa)netber 20 Gtolbgulben; 1438,
Clara Settel 47 Warf; 1441, 3<>f>aiin Wditer von $ier)fa;
J451, WfoL Äö^erer 10 Warf; 1475, Simon Jtretfdjmar,
ferner Sttfolau* 6treit mit 65 Warf; 1479, Wfolau* (Stell*
madjer, 1488, 3«fob 3«ngmcfel; 1491, >4$cter SBalbe mit
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348
160 Warf; 1499, Spanne*, alter €taNf<breiber; 1503, ^ane^
Di tt mann mit 20 gieren; 1507, Wargaretfja Sctiffart 60
Warf; 1510, Katharina Sanbreiter 100 Warf, §an* $itt*
mann 60 (Seragenen; 1516, Hirtel SdjeM t>on 3<>bel 13
©Ölsalben; 1518, (Merbrub Sdjorling mit 15 Warf; 1521,
Dtulo ®erl)arb$borf; an iiubefamtten lagen: $llma Ufa
maä 12 Warf unb eine Seragene; ^»ilbegunb 3ener u. s$eter
3>nö mit 10 Warf nebft einem wgolbeten &etd)e.
«Reiche fcfyenften aHÄerbcm: 1405, tycttx Sforl; 1408,
Älara Wartin; 1470, Dorothea Kofi; 1471, Sarbara Äa
mein; 1476, sJ<eter Steffel; 1487, ^Bcnjel Scfyeuner; 1506,
£an$ Jtirften; 1513, Vnbroig SBalbe. ©ewänber unb <$t)or*
fappen fünften: 1403, WfolauS Heller; (4M, 91ifolau$
Wölner; 1483, Huguftin von £trfcfc*berg nebft 50 gieren *u
^udjern; J 186, ^Barbara £iüifd)er; 1508, Anna (Jilmberger
einen ^^lenfd)mH(f im 3Öertf)e t>on 20 Seragenen. Hube*
fannt ift ba$ 3aljr, in welkem ^eter $)orre ein 7 Warf
roertfjeö ^efeftenf serebrte. — 3" äbnltd)en 3wecfen fd)enftc
1478 ^Bartholomaus t>on «Ijpirfcbbcrg eine 'Xonne ^ärtnge unb
berfelbe 1492 eine zweite; 1491, ^eter Söalbe eine beetaleb
d>en. 3m 3. 1504 übergab «&anä 5öolf bem fRatlje $u @6r*
lifc (einen Slntyeil am (%te ^faffenborf bei ber Sanbeäfrone, *
mit Der $eftimmung, ba|i bie Älcfterbrüber jäfyrlid) 2 <jifunb
5Bad)0 unb ben nötbigen Jtircfyemvetn erhielten. fönblid} fin*
ben mir beim Safyre i 372 bei ber (*)elbfcf)enfung be$ Rottmar
and Wot>0, and) einen Walter ÜBtaijcn au $wet Weffen.
Ü)ie @*efcf}td)te ber granjitf faner, um nun auf ben allge*
meinen $l)eil einzugeben, läßt ficf> am heften au bie £ebene-
*eit ber ®uarbianc anfnüpfen, wie oben bie ^cfcf>td>te ber
fatMtfcfjen s4$arod)ie mit bem 'ffiirfen ber Pfarrer aerbunben
warb.
Der ©uarbian war ber erfre im gangen Älofter, beffeir
Wönc^e grctjtrntfyeitö bie verfebiebenen $eamtungen unter ftdj
v»ertl>ctU Ratten. Stuften @)uarbiau folgte fein Stellvertreter,
ber ^ice-Ohiarbian, bie Senioren, bie ^rebiger (pracdicaior),
bie Confessores (welche sugletd) neben ber ^rebigt Weffe lefeu
burften), ber Dorfanger {eantor), ber tfefemeifter, ber Pförtner
(portatarius, ostiarius, janitor), welcher einfl ber wicfytigfien
kerntet inne fyattc, ber Sacriftan ober Sacrifter, tu beffen
SBewafyuwg bic ^um Äirdjeubienfte gehörigen Äletbungen,
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349
Drnat unb ©erätlje, wie auch aller übrtger Schmud war,
Der 9toviaenmeifter, welkem Der Unten id)t Der noch nicht ge*
weihten ueu eingetretenen Mönche oblagt Der Jtranfenwcuter
(infirmiurius), Der $uchelmeifter (ccllearius ober cellarius) als
xHufu her über Jtüd)e unb Gelier.
ÜRichtgeiftliche ^eamtungen bei beut Jtlofter waren bie
fogtnannttn .$rofuratored (gürforger), attd): Svnbict genannt.
2Beü bie gran^öfanenegel verbietet, Oiclb ju nehmen ober
(iigentfjum jh bellten, erhielten Diefe Älöfteravon ben Zapften
Die (Srlaubmß, Dafi £aien, an il)rer Stelle, (ikjtyenfc unD
Stiftungen für fte tu (Smpfang nehmen Durften. Da es nun
befchwerlid) war, in jeDem galle außerorDeutlid) einen befon-
Deren s^rofuvator ju wallen, gematteten Die jßäpftc orDent*
liehe ^rofuratoren1, Denen Diefe Obliegenheit ein für allemal
$uftanD. Sie mußten vom DrbenSgeueral, ^rovinjial unb
bem JfuftoS gewählt unb burd) Die ^äpfte beftätigt werben.
3hre Üßfltcfy war: 1) von allen bewegltd)eu unb unbeweglichen
Gütern für bas Älofter, im Stauten Des sJiapftcä unD Der
romifdjen tfird)e, SBeftfc au ergreifen j 2) von verfauftem QHtte
Der SrüDer, DaS ©elD junt Seften DeS Jtloftere au ver-
wenben-, 3) von Sllmofen ba* ©elb in limpfaug ju nehmen,
unD baS auf teftameutSwege fcegirte nötigenfalls geridjtlich
einzutreiben. Sold)e ^ofowtoren finben ftd) in unteren
StaDtbüdjern nur Die wenigen: 1422: 93ernl)arD s3t.; 1433:
©eorg (£ani$ unD 3ot)ann ^le^il ; 1449: ^eler; 1495: SRityl
Sd)warn; 1512: Simon ^orfener; 1563: Dnophriuö Schnit-
ter unD £anS geuer.
3undchft Den ^rofuratoreu ftanben Die ilonfervatoren,
welche vom ^apfte befonbere Aufträge erhielten. Sie waren
eigentlich päpftliche ßommiffarien, unb mußte jeDer Prälat
unweigerlich eiueu foteheu Auftrag annehmen, Ser auch Saien
ertl>eilt werDen fonnte. Sie übten bie geiftlichc ©erichtöbarfett.
sBom görlifrer tflofter ftnb, fo weit bie vorhanbeneu Dofu*
mertte reichen, feine tfonfervatoren befannt.
Die britte Jilaife waren bie fogenanuten: geiftlichen greuube,
auch: Leiter genannt. Da bie sDtiuoriteu fein (9elb anrühren
Durften, bennod) aber baS 93ebürfni|j ^atteit, etwas )u faufen,
fo brauchten fte burd)au$ weltliche ^erfonen, welche ihnen in
folgern galle gefällig waren. 3n ber guten Jtlofterjett waren
ftets viel geiftliche greunbe bereit unb machten ftd? eine (ihre
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330
barau6, Ton granjiäfanerbriibern ;n $)ienften \\\ flehen. (Sin
\oid)ix Sttann fc^einl Jpand SBclab*) gewefen ju fein.
3)a$ gcrttfyer Äfoftar, befien oberper Leiter, wie bei aflen
$iinoritenflöftern, ber jebeömalige gramiöfanererbenägeneral m
Stom war, geluvte jnr fädjfifcben £)rbendprovin$, nnb jwar
junädjft pr gelbberger änftobic (nurimontensis custodia).
lieber ba$ görlifcer Jtlefter ünb t»erbältmfjmä|Mg mefyr
9?ad)rid}ten, alö über t»ie ^aredjialgeiftlidrteit *orl)anben, fei-
nedwegd aber in felaVm ©rate, bap fid) eine fortlaufenbe
(Snhrirfelung ber 0)cfct>icf>te bed Älefterd baran fnüpfen lie^e.
'Die jweitältefte 9?ad)rid)t über bad (efter bringen bie
£(nnalen unter bem 3abre 1315, inbem fte melben, baß baö
erfte *ßror>in$ial',ftapirel in ©örlifc gefeiert werben fei. $Öaä
in biefer "Öerfammlung wfyanbelt würbe, wirb nidtt gefagt,
ift aud^ and anbereit Quellen nidjt erfcfyttt.
(%arbiau betf ÄlefterS fommt baä erjtemal $er:
3obanne$ ». eemnierfelb (Sumiruelt), unb jwar am 25. 9pxtt
1342, in einem Dofumente, werin er bie Stiftung einer SÄejfe
btira) einen gewijfen $Üaltl)er befunber. 3m 3- 1347 war er
itftdj (SJuarbian, wie aud einem ^weiten 93Jej?briefe, in weitem
er bie Stiftung einer ÜÄeffe für 9?ifelan$ nnb beffen (Katrin
3utta anzeigt, fyen? ergebt**). 1348 ift t>on itym ein 3nr>enfa^
rinm ber Jlleffcrbiblietljef aufgenommen werben.
Wfelaud be Sernfyarbeöberpb fammelte im 3- 1361 bie
9?amen ber $Befyltf)äter beö itleflerd nnb felaVr, weldje heften
geftiftet tyatttn. 3el)anne6 v>. 6cbweibni$, war fein 9Jad)folger.
Unter ifym, welker am 20. December 1362 ftarb, wnrbe am
19. 9Je*>ember beffelben 3afyre$ ber tfoiWfltt naa) ber neuen
9tegel ber Wiitorttert refermtrt.
Unterm 3afyre 1362 erfdjeint aud) alä ©narbian, Wifc-
laud *Heftngarten, welker ein Swentarium ber $üd>er bed
JHefter'ä entwarf.
Die felgenben ©narbiane ftt)einen febr leichtfertig gelebt
jit fyaben, ba mehrere Sfnjeidjen ttorbanben ftnb, baf* im An-
fang ber fiebriger 3abte grefje 9tetb im Jtfofier berrfd^te.
•) Lü). fiesignat. »on eMiete*. UmgaBgajfüd ]U £t. Mola*
1783. <5. 3.
") ». «auf. g«agaj. 1849 (XXVI ) <B. 79. 80.
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351
3of>ann t\ Hattnau, ©*arbian,*) bemerft bei einer 5Refh
jtiftung, er babe fotdje für biefe* geringe ©elb nur angenom-
men, wegen l>er febr brütfenben 3«toerbättniffe. $>iefer @uar-
btan wirb nod) beim 3afyre 1376 fjenauut. Xodj ift er nid>t
in tiefem ganjen 3cttautme (*Htarbtau gewefen.
3m 3. 1371 fommt Stifdau* glorüi ald Wuaitian vor.
Unter ihm hatten fu1> rie llmftäiibe bed tflojter'ä wieber ge*
beffert, Denn er war im 6tanbe bie »erfejjteu Jielcfye unb
SBüdjer wtefccr ein$u(öfen. 3w {einer Seit gefdjafyen bie fdjon
oben gebauten baulichen Umgeftaltungeit im iüofter; et würbe
im 3. 1375 auf 6 s)ieue mm <§uarbia?i gewählt, nacfybem
feit bem 3af)re 1372 ^etruö (irifdjow mit biefer Surbe \>v
fleibet gewefen war, uub ftarb im 3- 1377.
3m 3. 1378 war 9ctfolau3 be fcubavia nur fur$e
Öhiarbian, beuu fdwn am 7. jDftober 1378 wirb (9ufolau£
(Steinbuo, alä ®uarbian genannt, weiter bie uim 3abre
1380 bad JUofter verwaltete. &$on ihm ift uid)tö weiter be-
fannt, al* bie ßinjeidntung einiger Neffen in bad > obtenbudv
6ein 9Jad)folger iü im 3 1381 SfiMauö v. ^nuhberg, ber
bereite im % 1366 ©uarbian genanut wirb.
<Sr war biä aum 3afyre 1385 3$orftet)er be$ Jflbfterä,
weldjeä unter ihm vielfache 33eränberungeu in baulicher töc
giebung erfuhr, aueb mit mebreren ffiermäd)tniffeu bebaut
würbe. Der görUfcer Konvent mag bei bem leipziger i>Jimo
riten*(£oncü im % 1381, burdj biefen (#uqrbian vertreten
gewefen fein, ba bad iRuubfdjreiben ber grangtefanerbriiber
ber golbberger $)iöcefe, in welkem \\t ftd) über bie Üerfcbwen-
bung reo bamaligen ^ vo vuuiai'^ ber fäd}fifd)en Drbeneprovinj,
93ruber 93ordjarb x>. 9)tanäfelb befebweren, im görlifcer grau
jiöfanertobtenbudje verleidetet ift, ein "Öeweiä wie fefyr biefer
©treit aud) bad 3ntereffe ber görlifcer granjidfaner in Kufprud}
nabm.
$$on ben ÖJuavbi anett , wefaV in ber Seit be$ 3wiftcö
mit ber ^arodjiala,eiftlid)feit, ber oben**) auoruh i ltd> erjagt ijt,
bem Jtlojiter vorgeftanben tyaben, ift beim 3af)re 1391 nur
•) 3m Xobtenbudje ; vgl. (Sarget», Annal. I. MI a. 2)ort wirb er
al6 3<ue# bei Beilegung eine* 3toi|to ber jittouec ^ranjKfaner mit bem
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382
folaud ©teinecfe erwähnt- 3m 3atyre 1490 ftarb ein £eftor:
^eter $$in<i>nt, bei beffen tarnen ba$ $obtenbud) bemerft, er
, fei tu jeuem 3wifie #bgefenbeter be$ JUofterä am römifdien
jg>ofe gewefen. 92ifo(aud £tdne de fommt noa) vor alä @)uar?
t>iau im 3 1399, bei (Delcgenbeit ber <£a>enfung eineä ÖJe*
mälbeä auf ben £>od)altar ber granftidfauerfiray.
lieber ben ÖHiarbian Änbread 9ftd)tl (1406) iß nichts
9iahere$ befannt, a(ö einige 6d)enfungen, unb bie wiercrbolte
VtufVidmung ber Teftamcnic unb 9$ermäa)tniffe, welche bem
jllofter $um 3Bol)le ber s3Hona)e gewibmet waren. 3ßie lange
er bie s2i>ürbc eineä Öuarbianö befeffen tyat, iß nicht erweislich.
Der uächftc Suarbian, beffen 9?ame auf un$ gefommen
ift, gram nüt bem Beinamen 6utor (wabrfd>etnUch »eil er
vor feinem (Eintritte in ben Drben «Schuhmacher gewefen war),
lebte mit ber Stabt in großem Unfrieben. 3)er <5toff , welcher
bem ÜÄatl)e mehrere ^iar)vger)ttte fpäter fo großen tfummer
beretten follte, — baä 3Mer — , fa>eint tyitx ^auptgegen*
jtanb unb Qkranlaffung be$ MergerniffcS gewefen gu fein,
granj Sutor fa^enfte nämlich auf bem Softer frembefl 93ier,
wiber beä 9catl)e$ Hillen, unb fanb bei biefem Unternehmen
großen Auflauf} in ber 93ürgerfa)aft. Der 9iatb lie(j ihm t>ie-
fefl beginnen, namentlich im 3al)re 1417 wieberholt unter-
lagen. S)od} fehrte fta) ber ©uarbian nicr)t baran, vielmehr
fprad) er öffentlich auä: er »olle bei ben QJörltyern nicht
ftet)en, benu fte wären $öeubebüte*); überhaupt, ba geringe
£eute von f (einen Stäbten, ald 93ätfer$ unb Jhirfchnerö Söhne,
bie <5tabt verwalteten, ¥eute, weldje ©eiftlidjen unb 2Be(t(tchen,
*|kieftern unb gelehrten 3Renfa)en gram unb tu allen Sachen
&uwiber feien, unb überbied alle Seelgerätbe unb $krmä du
niffe, wo fte eä immer t>ermöd)teu, unterfagten. «Seiner tlnftdjt
nach fönnten bie SBätfer baden, wie fte wollten, unb brauch-
ten ftct) babei nicht an beu SRatl) &u fernen; er würbe in ®ör-
(tfy Suarbian bleiben, nwd)te ihm ber 9tath guufiig ober ab*
günfiig fein, uub ohne beä fRat^ed ($rtaubni£ frembed 93ter
rrinfen, foviel er wolle.
lieber ben Huägang biefeS 3wiefpalted ift nichts befannt.
slBahrfd)einlich mag ber wiberfpenftige ©uarbian barüber ge-
•) (fin Sdjmäfjtoort ttr anberen <&td)ifiät>tt gegen bie ©urli*«,
»gl. N. S. r. L. II. 429.
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353
ftorben fein, beim fdjon im folgenben 3af)re 1418 wirb eine«
auberen ©uarbian*, 93ernb;arb SM. gebadjt. Sßityrenb feinet
Älo^erregiraented würbe baö Ätofter mit einigen Stiftungen
bebaut. 6onft ift von ihm unb bem unterm jafjre 1430 im
(£ntfa)eioebudK erwähnten ©uarbian gran* <sd)nwert feine
s)Joti$ aufbewahrt, ebeufowenig über 9Wolau$ Rupert (1433)
unb ©artbolomäuä (1434). Unter (Rupert erfolgte bie oben
erwähnte 6d)enfung be* halbes $u tfidjtenberg.
geit 1438 war WfolauS ©runer ©uarbian. 5Bär,renb
feiner l'ebenfyeit, im 3- 1442, warb ber Jtonvent abermals
nao) ber $egel ber SRinoriten regulirt; von bem beim 3at)re
1443 genannten ®uarbian tforn*) ift feine weitere 9faa)ria)t
vorbanben.
Der feit bem ^ai)xc 1449 geuannte *ßaul Börner fa)eint
im 3. 1430 in bad Diopter getreten unb vormalö ein bemit-
telter Wann gewefeu \u fein, beim im genannten Jsahre trat
er feinem Schwager Üöenael !&*aibfa)reiber alle feine (Mter
auf ben Dörfern ju Äoäma unb glorenöborf gegen einen 3»»*
ab, weiter im 3. 1433 um 3 Warf jäfjrlia) erb du warb,
alä ber Math ju ©öilifc $ßaibfa)reiberd (*hiter übernahm.
9foa) beim %a\)xt 1457 befenut ifym $eter ^infener \\\ ÖHr-
bigäborf V« Warf abgefauft ju fyaben.**) 9tußcr in
einer Urfunbe vom 4. December 1450, worin tymi «Horner
einer alten grau ben ©enup if>rer erfauften $fräube jidjert***),
wirb .Ulm ii alo 3eW genannt iu einem Q$er$ia)tbud)e, am
23. Dftober 1453**,MI). <*r ftarb im 3. 1462 unb war in
bem ganjen 3etnaume von 1450 an m du mal- ©uarbian.
91bwed)felnb mit ir)m, unb fpclter naa) feinem Xobe wer>
beu bis jum 3- 1470: ®eorg 3ener, 3obaim «Itenberg, Cas-
par <5teima>in unb £ubwig v. Wartburg, @uarbiane genannt.
Unter wela)em biefer ©narbiaue bie Wöna)6fd)ule (studium)
genannt, im 3- 1458 eingeführt würbe, ift md)t \u ermitteln.
Der Drbenä^rovinjial Wattfjeu* Döring war 6tifter
•) Stoxn, ©uatbian, toirb altf 3eu^c genannt frei timx Serijanb;
i. lib. Hesign. f. 408 b.
••) Actor. (U32) lib. f, ttl b.
••■) 9t. SWagaj. 4849. (©. XXVI.) @. 84.
•*••) Lib. Resigii. t. Ii. p. it.
«cfdji^tc von mxin. 23
I
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• ■
334
btefer wohltätigen Unflott*). @r melrete am ^ ftnqflbindtaflc
1458 von ©raunfdjweia, au* bem Statin \i\ @örli^, baß Die
($rrtd)tuitq eined fote^ett 3nftitutä im gran^idfanerflofter ;u
<&6r(i$ im legten Drbenäfavitel brfd)(i>ffen Worten fei.
innren bed()alb ad)t ober $ehn §ran$i6fanerbrüber unb jwei
gute Sefemeijiter nad) @örü$ fo muten, um ber 5a)ule ttor§i<
neben, lieber bie weitere @inria)runa, berfelben ftnb feine
sJJad)ria)ten vorhanben. 3öahrfd>einlid) motten auf ihr ©dju-
ler für bie llmverjitdt vorbereitet werben. (£$ gereidjt ber
tMnftalt nia)t pm geringen Rubine, baß auf il)r ber gelehrte
Valentin iroitfdjcnborf feine SoffeUtnutfl genojj, uub biefeu
berühmten vsdjulmann vor;üglid> bie fd)öne «Jtlofterfcibliothef
jur gortfefcung feiner 8tubieu bewogen haben foll.
ßinc $3ibliothef war im 3- 1376 unter bem @uarbtan
9?ifolau$ von $irfd)berg angelegt, unb fvater, wahrfcheinlidj
aud} burd) bie wiffenfchaftlidjen iöeftrebungen beö vortrefflidjen
*4$reDigerä ®ofd)ü$, weiter am 3. September 1439 ber tya*
rod)ialfird)e \u ®6rlifc eine wertvolle SMMjerfammlung le-
girre, vermehrt worbeu. 3)ie Anlage ber 6a)ule Wied von
felbft auf Vermehrung ber Söibliothef l)in.
3m 3. 1475 unb fünf 3«fyre barauf, 1480, würbe ein,
biö auf biefen Xag vorhaubeneä, ÜKegtjier ber im ^efitj be$
tölofierä befmblicfyeu Bücher entworfen. Seit biefer 3rit fiubcn
ftch mehrfach ©efdjeufe au Suchern aufge^eidniet; unterem 3.
1480 ift ba$ 3ahve$ - dtebädjtnijj eined ^rovinjiale*, trüber
9Jtori$, norirt, weil er bem Älofter jHr Viberei 50 werthvolle
3Mid)er gefdjenft ()abe; 1483 baä tMnmvcrfarium be£ SugufHn
von $irfct)berg, cinee* ehemaligen &loftervräbeubar$, bem bie
(£l)xt \w ityii würbe, in ber Sarbarafapelle beftattet \u wer
ben, weil er ber SBibliotljcf $nm lülfanf von Sutern 50 rh.
öhilbeu, unb bem Konvente foftbaren Sammet |B einem <#e*
waube gefdjeuft hatte. Unbefannt ift bie Seit, in welcher oer
Vlltarift iafob ®robf<t)ü& \\i £aud)ri$, unb ber ©ruber 3afob
Döring gefiorben (tub, burd) weldje bie JUofterbibliothef mit
Söüdjern bereidjert worben war**).
*) <5. t-ie (*rläuternua,en $um fttanjitfanertobtenbudK. N. ». r.
lus. I. p. 340 f.
••) baa Stloftct im 3. 1565 an ha» neu a,efliftete (%innafium
überging, tarn bie bamald 300 93anbe, meift £anbf0rift«n ttjeAlOtjifdjeu
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35o
Die ftegulirung be$ Jtlofrer« im 3- 1462, bei wet<f>er
®e(egenr>eit ber JDrbenSrainifter 9tifolau$ gaf^eman bie JUeino*
bieu be* älofterd aufjeicfynete, fa)eint bringenb notrjweubig
gewefen }U fein. Die s)Nöncr;e mögen früher «Bieled verfemt
gehabt ^aben. «m 2. »drj 1463 fagteii bie granjtöfauer
in tfattban bie görlifcer WöndK quitt unb (ebig einer Summe,
weldje fie auf eine »erfe(te SHonftranj aeUc^cn Ratten. Die
^ott) fa>eiut freiließ a»d> in ber ^ic^terfuüiiiig eingegangener
*Berpfii$tungen 6citen* ber gaien unb 9tia>teinjal)luna ber
teftamentarifa) worbneten *)flfen feinen @runb gehabt au baben,
wie man an* einem £d>reibeu be* baufcner Offciai*, Äa*par
sDtaricuain, t>cm 24. Wowmber 1470, an bie görlifter $f«n*
geiftiidjfeit, älteren muß.
mx fejjren \\\ beu @uarbianen }urürf. lieber bie 6wn>
biane *tteit 6artoriö unb grauetefue 6utorte ijt uidw vi
bewerfen. Wefjr über ben im 3. 1471 auftretenden SBeit Kö-
llig. SMtyrento feinet geiftiiajen £irtenamted würben bie sJWi
norüeit ju @orlib vom Sityofe ju Weisen mit bem Banne
bebror>t, weit fie ftd) unterfingen, gegen feinen $efel>l in Set*
benberg »eid)te *u frören, uub bie Dafür fäUigen Bulben nidjt
an ba* Stedum «feigen entridjtet Ratten. 6ie fa>etnen fia>
gefügt ju fyaben, benn ed ftnb feine sJcaa)rid)ten »orbanben,
bap ber SMfdjof jene Sßaffe ergriffen rjätte, obgleid) er im 3.
1480 wegen beffelben Uebergriffeö ben «ann in &utifid)t ftellte.
Derfeibe Quarbian lieferte im 3. 1475, neben einem SBtx^
}eia>niji ber Siberei, aua) ein folifreä ber bamatö sorfranbenen
3wf>alttf iät)Untt »ibliorM $n tiefer <2$iie. 2a>n im 3. 1472 war
bie MMiiiMhof in einem befoubera ba$u eingerid)rrten ®ema<be, fpäter aber
in bem 3immer, reo jefet nod) bie Vtrmenbibliotfyef im .uioi'tcr aufgcpclit
tjt. £)a bort bie alten Folianten buref) ben $iurm ferjr litten, machte im
3. 1767 ber bamalige Äonreftor M. GJei&ler bem Äatfje ben iöorfdjlag,
bie Äloflerfcibliotl^f mit ber miliclndjcu ju vereinigen, n>a* and) gefcMen
ijt. C^etfler {eignete in meieren *8(^uM>rogrammen bie <$anbfd)rifteu
auf. $©dj ift er babei nur Dberflädjlid) $u 3Öcrf< gegangen. befliß
ben jldf, ba mriftena jeber $anb nur naäj bem erften Sßerfe »erjetdjnet
ijt, getoöfynlitfc *iel metyr Süerfe in einem folgen Folianten jufammenae*
bunbeu, «1* bie «uffet^rift mb ber Mataio$ ahnen läpt, unb tttof. biefe*,
melier im 3. 1&4Ö bie ffirrjeidjnung ber $anbfd)riften unb beren Sülii-
rung begann, hat bamald mehrere neue aufgefunben. (£ine rolljiänbige
«Prüf «ng aller war bamal* ni<^t möglich, fo bajj nod) gegen 200 jn burdV
forfd?en bleiben. 3u ber »fformation^eit jinb bie «ü^er MB ©ofdjü*
in bie Äloflerbiblio^ef gdommen.
23*
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3Ö0
Jtleinobien beä Älofter*. 9fitf ©runb biefeS $erjeitf)niffe$ wa<
ren bamcilä unter $erwal)rung ber Safrififei: 10 Äeldje, 10
ft(bcrncf juiu Xljeil vergolbetc ^aciftealia, 22 ^umeralia mit
jtlbernen Stangen, 4 sierlidje S)erfel unb Herfen über bie
«ftetdje, 4 N3Wejjbüd)er, ein grojjeö sJD?efjbud) für ben ^odjaltar,
ein (Spiftelbud) unb ein $otivale; unter $erwaf)ruug be*
^rofuratorö: eine große vergoldete Wonftranj von Silber, ein
großer vergotteter .Heid) nebft Heller ju Oblaten, 2 vergol-
dete glafdjen von Silber, ein großed unb ein fleineä vergol-
bete$ ^öcifieale, eine ftlberne Xafel, worauf 5Mut bed tyeiligen
93ernl)arbinuö, 2 fleine jtrujiftre, bereit etiid vergolbet, eine
ftlberne 9)fonftran$, ein großes vcrgolbeteö Jtrujiftr, 2 §unte^
ralien mit fttberneu Spangen, bavon eine vergolbet, eine rotl)e
Qafel mit einem Jfteuj von perlen, eine desgleichen von
Sammet mit einem äl)nlid)en tfreujt, 2 lange ©ewember, .
ober 3)a(matica. 93eit Ütönig war nod) im 3- 1482 @uar-
bian, al6 ein Konvent gehalten warb über ben gefangenen
trüber: 3ol)ann Sdjerfftng, bejfeu $krgel)en uidjt näfyer be-
aeidjnet tft. waren bamalä jugegeu; ber ©eneral-tfuftoS
3oljanu Startfenberg mit 45 9Xönd>en, namltct) 2 ©uarbia-
nen, 19 granjiof anerbrüoern , 3 £iafonen, 19 Subdiafonen
unb 2 *ßrofeffeu. — 3m 3. 1487 würbe ber Äoitvent wieber
reformirt. 93eit Äönig verlief fpäter baö görlifter Jtlofter,
wann? ift ungewiß unb ftarb im Konvent 311 fceipjig am
15. SHdrj 1499.
Unter bem feit 1490 genannten ©uarbian $xan$ ÜBul-
predjt fdjeinen neue Unordnungen im bloßer aufgefommen 31t
fein; e$ fam auä unbefanuten Urfadjcn bat)in, bafj fogar
einem tfefemeifter, 93incenj (£ifag, bie Stabt verboten würbe,
unb Dr. 3öl)ann ^eimftet, sJJfinifter ber fdd}ftfd}en £)rben$^
provittj ftcfy veranlagt fanb, ben Dr. SBenebift, 2efemeifter $11
Sd)weibuify, wie für ba$ baufoner Älofter, and) für ben Aon*
vent $u ©örlty alä ^tfttator abjuorbnen. 3n einer är/nlidjen
Sadje ^aUc ber frühere Orbenöminifter ber Barfüßer -s3)fond)e,
Dr. &tbwig, bem Dtatljc $u ©örlifc auf geäußerte SBeforgnijfe
wegen SRücfgangeö ber ©eiftlidtfeit, am 22. November 1493,
geantwortet, er fyoffe, baß fte feinen Srübern bie Webe ntcr»t
entjie()en würben; er werbe felbft nad; <*Jörli$ fommeu, um
ftd> ju überzeugen. 93eim 3. 1497 wirb bad gifdjermittel ju
©orlifc in ber 2Jtond)e 2}rüderfcf)aft genannt.
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357
^olpredjt^ Nachfolger, SRarfimift £upi, fam im 3. 1499
au$ unbefannten Urfachen burd) ben Offaial \u (Stolpen in
ben 33ann.
(Sr ift babura) merfwürbig, baß währenb feiner $t\t bic
große Spaltung unter ben granjiefanern auöbrad) (5$
TOÜnfcfyten nämlid) mehrere Jtlöftcr , worunter aud) baä gor?
lifcer, von ber golbberger (?uftobie loäjufommen. 3m 3. 1499
warb beöhalb ein ©eneralfonvent ju Norbljaufen gehalten,
auf welchem bie Äonvente l'eipjig, 3wtd^"^ (Hörlifc unb
Scbweibnife ftd) Dabin verbanben, mit ben anbern granjiäfa*
nern alle ©emcinidmä abzubrechen, inbem fte unter einem be-
fonbereh, nur vom DrbenSgencrale abhängigen $?ifttator ju
flehen forberten. Doch warb baS niebt zugegeben. Der föath
gn (Mörlifc, weldwm oblag, bie Mönche $u unterhalten, wenn
Die Bettelei ntd>t hinreiste, fcheint namentlich ben Jnfi'if? aud
anbern Älöftcrn nicht beaünftigt ui haben, unb wanbte fld) an
ben Jfcönig. Diefer. befahl, am 22. Dezember 1499 bem
ftatbe, \\\ veraulaffeu, baß feine trüber ber fädjtifdjen ober
einer anbern ^roviiM, außer ber böl)mifd)en, in baä gorlifcer
Äloftcr aufgenommen würben; ja am 25. Oftober 1501 unter*
fagte Ulm i ig 3Blabiölaw überhaupt bie Aufnahme von Inn
fetjen unb fluölänbern, weil bad JUofter |n fehr überfüllt
werbe. 3*ber SBeränberung unholb, trat ber -Natt) im 3-
1509 ben 93eftrebungen be$ *Dliniftcrd ber fächftfehen JOrbcns;
provinj, baö & (öfter Mim ilebergange an bie 93ernbarbiner
gu vermögen, entgegen *). Die grage wegen ber ^rovina
blieb überhaupt eine offene, unb jtöntg $ubwig, welcher im
3. J522, am 29. 3uni, verlangt hatte, ba(3 qörli^er Jlloftet
folle jta) einem bohmifchen OHntßec unterorbnen, nahm nod)
in bemfelben 3«hrc ff ine Verfügung bahiu wieber gurürf, baß
bie grangiöfanerllöfter ber Oberlaufs im fächftfehen sJ$rovin*
jialverbanbe bleiben fönnten. Die Deformation wanbte bie
ÄiaimofaiuT von biefem Streite ab, ba bie Mönche, fortan
mit NJWühe ihr Dafein friftenb, aufrieben waren, wenn fte bei
ben bürftiger werbenben Spenben überhaupt leben fonuten.
^Martin ^upt ftarb im 3- 1503 $u Sauban; noch im 3.
1499 halt« er eine 5flemterorbnung im Softer ju ©örlifc ein*
gefuhrt.
•) $affe. N. Scr. r. lus. 1U. p. 72 ff.
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358
'Der ©uarbtan 9Äartinu$ üinetorte, feit bem 3- 1501»
war im .Kirim erlogen mir einige 3eit (Eaeriftcr gewefen.
C>t fd)eint feine befonbere Achtung bei ben Srübern genoffen
ju luiben, benn fie verwilberten ganj unter feinem ©uaroianate.
(Sr bulbetc eine sJ)cenge orbenöwibriaer (Schämte, unter an-
beren aud) baä Xragen von 6 dünnen. 3n feine 3**1 fätll
bie *ßejt von 1508, welche $rl>n ftraitjiöfaner auf ben JtiraV
f>cf brachte, ein Unglücf, weld)e$ bem Älofter (dum im 15.
3<ir>rf)unbert, 1463, begegnet war. "Damals ftarben au biefer
<£eudu' neun $Wönche. in ftatfy ;u Oiorli^ hatte wegen ber
Unorbnungen im M lofitct ben Drocnomintfter £ubwig «ftenningd
um !fft$Hft gebeten, unb biefer crflärte fict> tu einem schreiben
vom 26. Sept. 1509 t>aju geneigt.
Unter ben Nachfolgern befl s3ttartinu3 Üinctoriö, ben
(^uarbianen Urban von Reuthen (ftarb 1517) unb 3Narttnnd
(Miinrnttf (ftarb 1523), wuajfen bie Unorbnungen. Hin 3ar)i
vorher fd>vtcb ber .Hont im mir beö £)rben6, Aian; Gieret, aud
9re$(au an ben vKatt\ er möge nia)t bulben, ran bie Jran
jiftfauer Xafeln unb ©elbbüchfen $um (Stirfammein von sD(üiue
trügen, fie Ratten nur bie (5:rlaitbitt£, 33rob, S^ifd),
überhaupt Lebensmittel mir Jtleibungeftütfe uu ^eibeönoth
burft -n betteln.
Um bad Softer ;u reguliren, fa)eint ber Drbeutfmtmftcr
granj Wichet im 3. 1520 nach (9örli$ gefommen *u fein.
Diefer ©ciflltcf>e würbe aujSerorbcntlid) ehrerbietig, fe-
wohl von ben Hänchen, ale Dom 'Käthe aufgenommen, allein
auch er fonitte ben Verfall reo Älofterä mdu aufhalten, in
welches ber reformatortfa)c ©eift einzubringen begann. £>a$
beutet ein Schreiben SPetrufl v. 93oTn'$, bamaligen Dtteni«
miniftcr* ber fächf. 'Jlrovini , vom 23. Sfpril 1523 an, in
weld)em er bem *Kathe $u öwrlift eröffnet, er wolle näd}ften$
nach OHnlin fommen unb bic (Zeremonien unb ^rebigten im
baflgen Äloftcr orbneit. 3n bemfelben 3ahre ftarb ber ©uar<
bian (£urrifirt$.
Der nachfolgenbe ©uarbian, 3*!>anneö @o(wifc (gefror-
ben 1536) fonnte nicht verhinbern, bafi mehrere ©rüber tuil
bem Älofter fdneben. I mu wtrften namentlich äußere lsin
flüffe. Die Deformation veranlagte in ber beenge eine grojie
©leichgülttgfeit, bic ©abe* würben immer fa)mdler, je mehr
neben ber $5ürgerfd)aft ber ütatr; fta) beut £utfye ttt)*mt juwanbte.
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3Ö9
Die 9Röna)e famen unter bem lefcten (Suarbtan, (Sfemend
m linge, in Die größte sJi o t b . Daä befte 33ilb hiervon gibt ein
Schreiben ber cjörlt^er graublauer an ben itönig gerbinanb.
Daö «Schreiben ift vom 16. sAKat 1543 unb lautet:
„$$or betn allerburcfjlaudjtigften tc 9cömifd)en Röntge ic.
unfeirn allergnäbigflen <£>crrn: befennen wir 53ater (Slemend,
(*hiaiDian, ©tevtyanuö ^ice-ßhiarbian, Söolfgangud alter
(Muarbian unb anbere törüber beä ^eiligen granjtefanerorbeud
&u 05örlt^# uad) (Jrbietutiq uitfeveö anbäd)tigen unb bemütrngen
©ebetä \n ©ott hiermit öffentlid). sJcad)bem bie 8er)re £utf)eri
eingefallen unb viel Seute ergriffen, aud) von bem geld geift*
lidjeu sJt){önd)tbum^ unb 6tanbed abgezogen bat, befonberä bie
£>rbcnöpcrfoncn, weldje alle ihre ®elübbe, (£ibe unb ®er>or-
fam vergeffenb, ben Crben verlaffen unb bie Sßfabe beä 3ff-
tbumd befebritten f)abm, wad aud) unfere JTlofterbrüber getfyan,
bie ftd) nid)t einmal babei begnügten, fonbern nod> »filoftergut
unb ©ilberwerf mit ftd) genommen l)aben. Dar)er fyat in
SÖetradjt foldjer 3evrüttung bed Jtlofterd unb ber Älofterbrüber,
ein ehrbarer $atl) §n ®örlifc, einige vStücfc ber Jtleinobtcn,
obwohl nicht viele, mit unferem Hillen and rem Jtlofter in
bie ^farrfird)e tragen unb bort verwahren (einige 6tüde aber
*ur (Styre ©otted unb sJcot()burft bed ÖJottedbienfted bei und
ftefjeu) tuffeu, wofür wir vom :Kathe ernähret unb et halten
werben. Denn, allergndbigjter ^>err unb «ftöuig, ba wir unb
anbere Orbeudperfonen burd) bie verfül)icrifcr;e &itf)crlel)re an
unferem täglichen flhnofcn fet)r verloren fyaben, müßten wir,
wenn bei Rott) und feine ^ilfe unb <Sd)u$, ben wir täglid)
genießen, mit ben JÜeinobien eutyiefjen foüte, ebenfalls fdjeiben,
ba wie ed jefct fielet, weber bie (Mcbäube nod) jwei ^erfonen
ofjne s3eiftanb erhalten werben tonnen. Leohalb bitten wir
lv n\ -Waieüat mit und fo lange ©ebulb tu tragen, bid ber
Ällmädjtige feine gemittete d)riftlid)e ittraje burd) feinen \)ä*
ligen ©eift wieber aufrichten, reformiren unb in vorigen Stanb
fe&en wirb , wofür wir treulitt) beten unb bie jum iobe bitten
werben. Daß (£w. ^Äajeftät ald ein d)riftüd)er frommer .Honig
und fd)ü$cn »erbe , fmb wir überzeugt unb werben fterd au
bem ¥lUmäd)tigen für 6». s3)cajeftdt um ein lange* glücffeliged
Regiment beten."
Die Unterftüfcung, wcld)e ber 9taÜ) il)nen ju $f)eil wer*
ben ließ, Ntrug 24 ©rofa)en wödjentüd), womit fte ftd) offen*
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300
bar nur fehl fümmerltd) erhalten formten. Mi rem Langel
fam nod) rer ^)ot)n mir Spott, in Uten ftd) rte s2Renge gegen
fte ertaubte. I ie SHbnche waren in ÖJörlifc $ulefct faum mein
vor offenbaren sD?tßfyanMnn$en fieser.
$)ie nädjftc golge jened Schreibend an ben dortig war
am 30.9tovember 1544 bic ttnfunft fönigltcher »tommiffarien,
wclct)e fowof)l in ber fiaupt* alä in ber Jllofterfirche bie nod)
verhaubenen Jtirchenf (einobien wogen, unb biefelbi i, jeber Jtircbc
4 Jteldje jum (Gebrauche überlajfenb, verftegetten.
3m 3- 1563 ftanb e$ mit bem älofter fo, baß nur nod)
ein einher Stomfc, ein Sd)uhmad)er auä ^Ulenburg, Urban
sißei0bad)f ^axin fümmerlid) fein 2>afein frifiete; er lie$ ftet)
mit bem *Xatr>e, au* Älterdf<hwäd)e, auf Skrhanblungen in
s43e^ufl auf eine Abtretung ein, Hnb ber Äbminiftrator Seifen^
tritt ju Sauften ertf>eilte foldje am 12. 3«U 1563 unter ber
Skbingung, ba(? baö Softer m einer Schule umgewandelt
werbe. Jtatfer gerbinanb 1. genehmigte biefeu Vertrag im
3. 1564, unb ftubolpf) IL wieberholte bie lanbe$r;errlichc (Sin*
willigung am 19. 3uni 1577.
So warb im 3. 1565 ba$ (Mvmnaftum im Jttofter ein*
gerietet, unb Urban 58etjjbad), ber leftte sJÄönch, blieb bis ju
feinem im 3. 1573 erfolgten Äbteben barin wohnen.
dritte* ftapiteL
ScultetuS unt> 3afob Böhme.
(SS f(heint hier am Drte, bie Sebenäbefchreibungen jweier
berühmten ©örltfeer ein*ufled)ten , von benen ber (Srftere, etnft
verehrt unb geflieht von ©elehrten, gürften unb äaifern, ein
mathematifcheä ®enie erfteu 9iange(5, jefct fafi vergejfen ift;
währenb ber Änbcre, ber fdjwärmerifchc Schuhmacher, ju fei*
ner $tit verachtet, verfeuert burd) ben pietiftifchen ganatiämuä
ber (MetültaMelt, verfolgt bi$ utm ftiüen Grabhügel, noch heute
in ber giteraturgef<hid>te wieberholt genannt wirb, unb für
feine geheimnisvollen Schriften viele Anhänger Mbit.
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36*
Bartholomäus Schuir*) (welcher fpäter noch ber SBeife
feiner 3eitgenojfen feinen Samen latinifirtc uiu unter feein
tarnen: Scultetuö allgemein befannt war), würbe feinem
ter Stattta ecbuM, ganbroirthf<haft treibenden Bürger in @ör*
li$, von Urfula geb. icbler au$ SRoty* bei ©örlifc geboren,
am 14. 9Hai 1540 9ta$td 3/4l Uhr. (Beinen Unterricht er-
hielt Bartholomäus auf Der 6tabtfebule $u WörliO r welche er
im 3- 1559 »erlief?, um jich in Vetpitq ter 9tecf^tdn>tffenfcf>aft
mir (Hefdndjtc ;u wibmen. Dort waren für ben gelehrigen
ii nc wißbegierigen jungen Wann reichliche Duellen ber Äuä
bilbung vorbanben. (£r befugte bie juribifchen ^orlefungen betf
Dr. ?lmbrojiu$ fcobwaffer, waubte fid> aber vorjugäroeife bei
IVatbnnant ui, feiner $ieblinq^wiffenfchaft, bereu Zulagen ber
befannte ^Ratbemattfer unb 3)(ed)anifer >bmm Rommel faum
entberft hatte, alö er folcbe in feinem Saufe, in weichet er ben
jungen slHann aufnahm, mit forgfältigem Unterrichte \u ent-
wirfein ftrebte. $cmmer$ Xob am 5. 3uli 1 562, veranlagte
Scultetu6 ftd) narf) Wittenberg unb anberen Univcrfitäten \\i
begeben, bort größere $$ervollfommnung unb anbere ^ehrmetho*
ben fennen ui lernen, Später fer)rte er nach ?eipng urriitf,
hielt bafelbft wijfenfchaftliche ^orlefungen über bie äRatbema*
tif unb r>atte unter anberen beu berühmten $^d)o bc Brahe
ä«m 3wf)örer.
3m 3- 1570 finben wir ihn wieber in feiner Baterfiaot
®örli$, wofelbft er am 15. 3»ui burch ben bamaligen Äeftor
beä neu geftifteten @h?mnajuim$ M. ttaurentiu* ^uowig einge-
führt unb mit bem Vortrage ber Slrithmetif unb «Sphäre be-
traut würbe.
£>iefe$ Sunt befleibete er mit bem größten Erfolge unb
innigfteu (Sifer, behielt c£ auch noch bifl gum 28. Sept. 1586,
obwohl fd)on feit bem 3- 1 578 in bae föathSfoUeginm gewählt.
3m 3- 1^86 nötigten ihn jebod) vielerlei ftm&gefchäfte unb
Steifen ben Unterricht gan* anzugeben.
3m 3. 1589 würbe er Stabtrichter, 1592 bad erftemal
Bürgermeifter, weichet 5(mt ihm nod) fünfmal, nämlich in ben
3ahren 1596, 1600, 1604, 1608 unb 1612 anvertraut würbe.
" 3n ben von ihm befleibeten Remtern übertraf er alle (5r
•) ©raff, M. $art$olomäu* ©cfcul* im SR. £. 3Haga*in III
1824. @. 455 ff. Otto, im obett. (Sdfrtftjtoler^ctifcn III. ©. 260 ff.
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I
362
Wartungen unl) war ungemein titd)tig in jcbem gewählten Jacfrc.
flieid) begabt mit einem £ auin von äenntuiffen Der allgemeinen
unb fpejietfen £anbe$gefa)itt)tc mir juriftifdjen 6afcungen, tbäitg
bi6 $ur Aufopferung , flar unb bcütlid) im münblictoen wie fduifi
liefen Serfeljr, war €iultetu$ au gleidjer 3*il ein r>öd>ft ge?
wanbter Diplomat unb feiner v4>olitifer, «n llmflunb, weiter
ben Sortbeil feineä ©emeinwefentf nia)t wenig fötberte. Sem
3. 1580 bi$ 1614 war er Vllmofeiwerwalter, 1578 Senator,
1588 6a>6ffc, 1589 £tabtria)tei. Weben btefen unb bem Slir*
germeifrer Amte l)attc er bie öaibcr>erwaltung 19 3al)ie, bie
Serwaltung be6 4üeinfellerö 12 3al)re, bie Ueberwad)ung be*
töird)enwefen$ von 1574 M6 1614, beä 6al$urbard Den 1595
bie 1614, unb war 41 3al)re I)iuburd) Dberauffetyer berSiei;
fteuereinnabme. Sei legerer hat er 130,564 €d)erf 40 ®r.
eerred)net; in juribifd)er Sejictyung aber überhaupt wäfyrenb
feinet Gebern* c. 3900 Älagen unb Sefajeibe aufgenommen unb
abgewicfelt.
Die 3<*l)l»"g ber ^äufer in ©örlifc, ifyre Orbnung unt>
Ueberwaduing war fein üBerf. Sei ber ^eft von 1585*) bc*
wie$ er ungemeine Sorgfalt unb Xrjätigfeit, weburd) er MK*
fentlid) gur llnterbrürfuug unb Sefeitigung biefeö liebele bei
trug; bei bamaltf entftaubenen Unruhen unter ben ^anbreei fern
trat er mit Energie auf. Die fefte Seftimmung ber Srob* mir
ftU'ifdjpreife unb äbnlidje polt^et(id>e Anorbmmgen; enblia) bic
Drbnung befl unfdjä&bareu görlifccr WraWö Mnb ber €d)u&
biefer Dofumcnte, waren ba* SBerf feine* unermüblid) fdjaf-
fenben ©eifie*.
Sartbolemäu* 6cultetu$ war zweimal verheiratet. Da*
erftemal mit «gnefc SinNer, batf jweitemal mit £elene
ber, unb Unterlief* au* beibeu lfl>en *wei 6e^ue unb brei £öd)ter.
•) 3m X 1585 *ä1)!tt Öoilife 5(K) Raufet innerhalb ber »ing
mauern, numn 3916 SWenfdjeu am «eben blieben, in ben SÜorfldbten unb
Charten 875 Käufer mit 5153 Werifctjcn. 3n bei Statt jlarfrfn in 230
Käufern: 75? $erfonen, in ben ©orftäbten in 446 mit ber $efl bel>afte
ten Käufern 1698, im Wanden al>o 2455 »tenfdjen. — Senfl ftnb in
Gtorlifc efcibemifcK Krai Hjeiten gewefen: 1380, 1464 im Slttgufl, 1484,
1491, 1495 (vom 15. Slugujt 1495 bi* um ^aftnadjt 1496 flarben gegen
3000 ^etfenen); 1521 flarben gegen 1700 *Wenfd)en ; 1572, 1580, 1589
(tollen gegen 4000 $erfonen geftorbe* fein). $au}'tfäd)lid) umtbete bie
•U umHieit auri) tili Mei^giabugen Äriege.
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363
<5ein lob erfolgte am 21. 3um 1614 \\i (^orlifc, in einem
Älter von 74 3flfyten unb 27 lagen, deinem 33egräbnip
fdvloffen fid) im 3"9C über 900 vJ*erfonen an, ein 33eweid wie
allgemein geadjtet unb veretyrt biefer <|elcr>vtc ^ürgernteifter von
(A*orli& war.
3m 1592 b^mio ftd> £eultetu$ an ber Spifce einer
Deputation ber @*eiftlia>feit unb bed ftatbö von (Hörlig in
kauften jur Befolgung etaeö faiferl. Neffriptä d. d. ^xa(\ ben
15. 3 Anna r 1592, wegen bcö angeblichen Mi i tofalvmiomutf,
ber in <$öili$ r>crrfct>eit follte, unb übergab bort ju feiner s^cr-
tb;eibiaung bie görlifyer 3 UmiUm nuuiq.
war mit ben 6erubmtefteti Oleleljrten feiner 3C^ genau
befaunt unb würbe mehrmals von ihnen befudjt. <&o von ftn^
ton ^offevin, einem gelehrten 3ffntten, am 20. 3uli 1593, mit
bein er fia) über ben neu verötfentliduen Äalenber unterhielt;
von ,Hae»par s4$eucer, bem gelehrten Hr|l in Itailten unb bem
beräumten faiferl. SHatbematifu* 3obanned tfeppler. Vefcterer
fd>rieb an ihn wegen be0 im Cftober 1605 erfdnenenen Äome
ten einen $ricf*), ber nod) vorrjanben ijt.
Äeppler befua>te if>n in (Mörlifc am 26. Stpril 1607 unb
hielt fid) bei ihm bid $um 1. 9>tai auf.
3m 3- 1581 am 27. 3uli würbe ihm von ben Sanbfiän-
ben ber Oberlauf ber Auftrag, eine topograpbifay $anbtafel
teä ^arfqraftfmmei ju entwerfen, wa6 er nad) 11 Reifen gtüd;
lia) ju etanbe brad)te; aMf be$ (Sfyurfdrften vou <5ad)fen S$er=
laugen jeicfynete e»ne ^fanDfarte von SNeißen unb im 3 1593
eine foldje ber Oberlaufs^. (§ine mo$fowüifd>e ©efanbtfdjaft,
wela)e am 19. ftuguft 1595 burd) (%rli$ reifte, verlangte von
ihm, er folle einen (Etabtplan von $Ro0fau entwerfen, boa)
fam btetf Wefdjäft wafyrfdjeinlicb wegen beö im 3- 1598 er*
felgeuben Erlebend be$ ruft- tt§<w* fteobor L nta)t gu £tanbe.
Hm 16. Wat 1577 fam ber vHaifer Otubolpb II. mit fei>
nen SBrübern 3)iattl)ia3 unb sJDtarimiliau von *ßrtbuö in ©br-
lifc an. 5ki ber ©olbgrube**) empfing ben tfaifer M. Ottmann
•) 9lba,ebrudt in SRcifter* fcnnalen bei ^offmann. Script rcr. Ins.
6. 71. lat.
••) Sie 0>ulba,mbe, ein riefe* *od» an ber 9let*e unterhalb ber rr^en*
&nra,er <Strafce wirb *nerft erwähnt im 3. 1477, «in 22. ftebrnar wo tfcti
iPniraer an« ttrfurt bc*cflmad)tia,t famen unb gruben, aber nichts fanben;
gorlifret ®e»erfe »erfüllen fräter eine ©olbaber jn entbeden, fanben aber
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S64
nebft bem ü)tatf)e. ©eün $f)ore ftanben gegen 900 Wann von
ber Bürgerfdjaft in 5Bct>r unb SBaffen, weld)e vor bem tfaifet
her in bie 6tabt marfdjirten. Huf Dem «Rarftc ftanben bie
©a>ü&eu, weldje bret unt> brei if>rc ttevkbm befeuerten.
(*$ war eine ©äffe formirt von ber s}?ifolaifira>e bis pr
»{kteräfircto unb von ba bt^ 511m Dtntljbaufe, wo Sc. sl\aj.
abftieg unb in bie tfönigöftube ging. Der Äaifer blieb biä
911m 20. Wai in ©örliö. (*ine feiner erften gragen war naa)
€cultetu£, mit bem er ftd) bie meifie 3eit über unterhielt,
(sicherlich war ber Äaffer burch $t)d)o be s£ral)e unb Jlepp;
ler auf Seultetuö aufnierffam gemacht worben.
Der berühmte 3efuit (*hrifWh (Slaviutf, (geb. au Sam-
berg 16. 3anuar 1537, geft. *u ftom 6. gebruar J 6 1 2), wel-
cher ben gregorianifa)en Üaleuber perft ^erauögab, befennt in
ber Apologia 110 vi Kalendartt romani, baß er von Solltet
viel gelernt h«bc (ut ab erudito viro et in rebus mathema-
ticis poritissimo, Bartholomeo Scullelo aeeepi) unb fdjenftc
il)m ein (Sremplar biefeö Söerfeö von bem außer biefem (5rem-
plar nur noch jwei nad) Deurfa)lanb famen, einetf an ben
äaifer unb baä aubere an ben 9ieia>öf analer 3afob Gnrtiuä.
$>a$ an beultet gefenbete (Sremplar tft nad) ©ötttugen in bie
sSibliothef gefommen, ba$ aber weld)etf an @urtiu$ fam, beftn;
bet fid) je$t nod) in ©örli& (früher im $eft& bc$ 6upermten*
beut 3antfe), wa$ burd) 6cultct'$ Sorte: 27. November 1589
aliud et secundum excmplar a domino procaneellario ae-
eepi, erläutert wirb.
*8on $va>o be 93rar)e fmb vier lateiuifdje Briefe an
£inltetud vorhanben.*)
3« bem erften biefer Briefe, vom 12. Dftober 1581 freut
fid) Xtjdjo barüber, baß beultet nod) an ihn behfc unb it>ui
mehrere SBüdjer §um ©efdjenf aemacr/t habe, tabelt aber babei
auf bie freunbfdjaftlidjfte Sßetfc eine «njahl Sehler in ben
zugegangenen Schriften.
mt bem ^weiten vom 17. Huguft 1588 überfenbet £va>
nid)t«. 3m 3. 1564 an ^ftngfien ftna, man untfr $an* 91 öl» er'« aU
(Sdjtdjtmetfter, £eituna,, ttneberum an ber (Wolba.rube ju bauen an, man
fanb aber mieberum mein? unb toäre bet (*talbfdmubt IMirntorb Sdjolfc
faft burd) tutbredjenbe ftclfeh erfd)laa,en werben.
*) Singular. Lusatica XXVII. Samml. 2etf»i. u. $ubiffin 1743.
6. 178 f.
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305
be vBraf)c feine Sdjriffrn unb bittet, ifym ben auägefprodjenen
label tridjt übel ju beuten, waä er outi Seultet'S ^tiUf^wei
gen fd>tie#en will. ,
Der britte vom 8. December 1590 befdjwert fta> über
Scultet'ä Ijartnärfigetf £a)weigen; ermuntert tt>ti *u neuen
£immel$beobad)tungen. 60 (a^en tiefem ©riefe brei in Jtttpfer
geftoa)enc 53ilMii(fe bei, mit beren Ueberfenbung Xvdjo bie
SMtte verbinbet, fold>e einem in CMörlifc befinblidjen Didier
ju lieben, bamit er einige lateinifd)e Verfe ju Svdjo'0 Vobe
barunrer fe^e, unb erfud)t il)u, bann bie ^ortratW nad) Dane*
marf jurürfiufenben.
Stil bem vierten Briefe fenbet er vieriheile feiner 8 djrif
ten, bebanft fia) für bie Berfc beä sJJh?liuvi, weld)er if)n über
fein Verbienft gerühmt fyabe, unb muntert beultet unb feine
Jrcunbe am 6d)luffe turdj bie sBorte: vivite, White, ratete
}u Weiterem l'ebenögenuffe auf. SMefer le&te 'Brief ift au«
Oranienburg vom 12. SWärj 1592.
Uugead)tet ber s])?euge feiner ^mtägefdjafte, gewann Stuftet
benuod) x\i\t aujjerorbentlid) viel, unb $war gut \u fd)reiben.
(£r orbnete bie alten Rapiere auf bem görli&er *Natf)l)aufe unb
heftete eine ÜWenge Briefe unb Rapiere in mehreren äolianten
jufammen, woburd) viel 2Bertl)vollee vom fonft wafyrfd)eut*
liefen Untergange bewatyrt worben ift.
Seine Dru(ffad)en ftut> gröjjtentrjeilö matrjematifdjen, ajhrc-
nomifdjen unb geograpl)ifd)en 3nl)alttf. ^hunbjüge ber Stritt)*
metif, 53efa)reibung von Äometen (frfdjeiuungen, eine 3'1,ani
menftellung ber l£vangelienterte mit ber d)rift(id)eu unb jübi)d)en
3eitrea)nung (1580), iuöbefonbere .Haleuber, weldje feit bem
3at)re 1574 wieberljolt aufgelegt würben unb grofje Verbreitung
fanben.
Mufjerbem finb mehrere Sammlungen l)iftorifd)en 3nl)altd
in vielen Solianten von itym auf bem ijiefigeu ^Hatt)l>aufe vor*
iMurcu, bie 1 1 1 1 o mand)e wid)tige 9tad)rid)t bieten.
Vier Steile ber görlifcer Knnafen vom 3afyre 1131—1592
werben auf ber $ibliotl)ef ber oberlauftfcer ®efellföaft ber
2ßiffenfdjaften aufbewahrt.
Der £oljftorf ju feiner tfarte ber Dberlaufifr vom 3at)re
1593 ift auf ber Wittct'ftycn $ibliotl)ef.
©cultet färieb in feinem ttyatenreiajen fieben über 50 99dnbe.
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366
(Sine fvqieHe 3$er$eidmung feiner 6cf)rtfteit bietet bie citirtc
Vlbbaiirliiih] von @*nw im s)i laufl$ifa)eu v)Jtaga;ine.
«Scultetuä lourbe vom Maua Otubolf lt. in Kn ftbtfftanb
bed iReidjetf unter bem tarnen: 6dwl$ v. 6a)olleuftern erhoben.
lieber 3afob SBö^me; obwohl faum 200 3flfyr feit feinem
Üobe verflogen ftnb, eriftiren bie merfwurbigften fabeln unb
werben ftetd qtdubti) nachgebetet. M6\)kx in (Mörlifc hat bie-
felben befeitigt in einem ?hiruif>c bed göriifyer s2ßegweiferd
1837. s)io. 43 ff., in weitem blatte audj ba* 53ilt> be* tbee-
logijirenben S&uhmachcr* (ich jinbet.
3afob 93öl)me würbe im 3. 1575 ;u 2(It'£eibenberg an
bei böl)mifd)eu @Jren$e, unweit be$ (Etäbtdjeuä £eioeuberg,
geboren. Sein SBater iahb befaß bort ein 33auergut gwifchen
i>em l)errfd)aftlid)en Vorwerfe unb bem fege nannten <£>ain'f<hen
Ohite unb war baö 6. Äinb reo alten Vlmbrojiuo (uad) lauf.
Xialeft 33rufc) 93öl)me, weldjer 1563 frarb. 3» 8ölge feinet
$obe$ ging baä SBauerajit, naa) läufiger «Sitte, an ben jung-
ften Sohn', SBater betf edjriftfteUertf über, (fr löftc au 9ftar^
tini 1563 um 6(X) gödifeer Warf baä tbityrittatnreity feiner
(Mefdjwifter am 33auergute ab.
$)er $ater 3afob ^olmte, war ein febr angefehener unb
geachteter Wann in feiner ^eimatf), 1568 Äira>Mter unb
(nach ben altfeibenberger Sdjöffenbuchern) ®eria)te»|a)öffe , ge*
hörte alfo nicht jit ben armen Schludern, wie mau gefabelt
l>ar. 3a^b Söhnte zeugte mit feiner erfteu Qtattin Urfnla
fünf ßinber: Urfula (nachutalö befl Wartin Woij* in (fberä*
borf (§hefrau); ©eorge; Widjael; %atob (nnfer 6a)ul)mad)er);
Martin; mit ber jweiten Ebenau aber, (il)r s)lame unb bie
3eit ber $etheiratl)ung ffi nia)t befannt) noa) brei Jttuber:
(flifabeth (fpäter »er^eirat^et an Wartin Schubert in ©eil*
mannSborf); Dorothea (Wattheä Sbranb'ä ;u ©wrlf$ (&atti\\);
Waria, wela)e noch unmünbig war beim Xobc beä Skter*
im 3. 1619.
Dajj uufer 3<rfcb fläglidjeu Unterricht genoffen unb nicht
Ichreiben getonnt t>abe, tft wie fo vielem in si3obmc'o geben*
befa)reibungen, eine grofe Unwahrheit. 3afob genojj einen
Unterricht, wie er anbern Üinbern t>om Sanbe feiten *u Ztyii
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367
würbe. (£r ging nadj 6eibenberg in bie 6tabtfd)ule, wefdje
gerate bamalä vortrefflid) befefct war burd) 3ol)aun ¥et>er,
&eftor, au« §d)miebeberg, mt> einen Jtantor. Sajon fein
£*ater 3afob fonute ^reiben unt> beftimmte t(>n von frül> an
mm £anbwerfe unb nia)t &ur Sanbwirttyfdjaft, weöfyalb bie
^aa)rid)ten vom $Mel)weibeu bi* auf bie Sanbedfrone ic.
eben — erfunbenc $ad)ria)ten jinb. $ie £d>reibefuuf* ift tynt
fonaefc aua) nid)t burd) ein SBunber w\ Xtyeil geworben.
3m 3. 1589 warb er *h einem Srfmbntadpr in Seiben*
berg in bie t'efyre gegeben ; ber Warne biefeö l'ebrljerrn ifi nidjt
befannt, eben fo wenig ber ttea, welken 3afob 33öl)me
auf feiner $i$anberfa)aft nabm, bie von ü)tn 1593 angetre
ten würbe. Die sJ?aa)rid}t, bafi er fd>on 1591 in ©wlifc 9Jteifter
geworben fei, ift falfd). 2>ie$ gefd)ab im 3- 1599 am
24. &pril (nad) bem görlifccr 93ürgerbud)e). Zufolge ber $e
ftimmuugeu ber (Stt)ut)inad)er3nnung, verljeiratbete ftd) 3afob
$3öl)me uod) innerhalb eine« halben jafyreä uad) (Erwerbung
m s))kifterrett)t$, nämlid) am 10. Stfai 1599, mit 3tmgfrau
itat^arina tfun&fdjmaun, bereu $$ater £au$ iBürger in
(*Jörli& war. v
iix zeugte mit ifyr fedjö Jtinber: 1) 9J?id)ael, geb. 8. 3au.
1602; 2) £obia$, geb. M.'S'ept. 1603; 3) (Sliao, geb. 24. Ofto*
ber 1606; 4) Sfona, geb. 28. Wai 1610; 5) tytartfea, geb.
23. 3hm 1613; vom fea)$ten tfinbe, einem 6olnie, 3afob, ift
ber ®eburtotag nid)t aufoufinben.
Vlnfaiiqli.i) arbeitete %\tob ^dfymc fchr fleißig in feinem
(bewerbe unb fytelt ftd) feinen £$er()ä Kniffen gema^, wie bie
lauf patzen feiner Jtiuber in ben görlifrer &ird)enbüd)ern , von
benen Äeiner ben 53eifa|j: ,,.£>err" füfyrt, bewetfen. (£r nährte
ftd) gut, beim idum im 3. 1610 war er im ©tanbe von 3$a*
lentin fange ein £au$ (Obergajfe 748), unweit beä Töpfer
berge*, bei bem jejjt abgebrochenen duneren 9cfl£brurfentl)ore,
um 375 sJHad \\\ taufen, ©obmc zahlte barauf am 13. Woo.
1610, 200 m*xl baar; am 28. gebr. 1612, 25 Warf; am
9. gebr. 1613, 25. SÄarf; 1614, 25 9Warf, ebenfo 1616 unb
bie lefyte VU ;al)lung erfolgte nad) bem görlißer Jtaufbudje im
3. 1618. xH ii f bem alten ^olgfd)nitte von ÖJörlifr auä bem
3al)re 1565, ftefyt man bajj baö £auö einen Ijofyen ÖJibel von
£ol$ l)atle. 3afob ©öbme'ä (Srben vet tauften bajfelbe 1626
unb je&t beft^t e* ber iöätfetmeijter 6a)mibt. 3u bent £aufe
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368
liegt ein 1825 auö Berlin gefdiirftetf 8tammbud>. $fu$erbem
erlangte er nod> in ber (Stabt bei (Erwerbung beä SReifter*
red)t6 eine £d)uhbanf. 81$ er bind) bie „Aurora" 1612 viel
Viuffebn erregt fyatte, gab er fein bewerbe gaitj auf unb »er-
faufte bie £d)ul)banf an (George €ü|fcitbad) um 470 s3ttarf
baaren (*)elbe0.
(seitbem er fein 4paubwerf aufgegeben fyatte, gerieth er
in Dürftigfeit unb hat, wie bie (Benbebriefe fajliejjen lafien*),
von Unterftü jungen in baarem ©elbe unb Lebensmitteln vor-
nehmer unb reicher (Mönner, feiner gamilie Dafein gefriftet.
3afob 33öf)m? hatte feilte erjk (sd)rift: „9urora, ober,
über bie 9tatur unb wie IJlÜeö von Anfang gewefen unb ge*
woibcn ift, wie bie 9?atur unb (Elemente ereatürlid) werben
fevnb unb von beiben Dualitäten, Sofern unb ©uten" nur für
jid), feineäwegö für Slnbere niebergefd) rieben**). 2)urd) eiuen
Verehrer per 9laturpl)ilofopbie — man glaubt jfarl v. (Hilter
auf ^erd)a bei ®orli$ — würbe baö Sud) in mehreren $lb
fd)riften verbreitet unb erregte ungemeinem 9(uffebeu, «werfte
ü)m warme greunbe aber and) heftige unb gefährliche $einbe,
in ber 9täl)e unb in ber gerne.
6'iner ber heftigften war ber bamalige Primarius ®re-
goriud 9tid)ter. isobalb dichter von Sofyme'd (Schrift unb
bem babura) l)ervorgebrad)fen 8uffehen ()6rte, erflärte er tfyn
für einen gefäbrlid)en <£d)wänner unb ruchlofen <Seftirer, ben
er alöbalb von ber Äanjel in ber (eibenfd)aft(id)ften $8etfe
angriff. $>ieö war befonberö in einer Htobigt, am 28. 3uli
1613, ber gaü, wo 9fia)ter über bie fa(fd)en >Proph*ttn P*c*
bigte. 3fl>ei Xage vorder war ^öfnne auf bad Ürathhattö
vor ben iRath geforbert unb über feineu Glauben gefragt, ju*
gleid) pm ^tbftanbe von folgen ^Treibereien ermahnt wür-
ben. (£iner G^ronif nad) foli er fogar iu'ä @)efängniß gefegt,
aber balb wieber entlaffen worben fein. 6o viel ift gewip,
bafi itjin bao *Ötanuffript ber 1612 verfaßten ,,8mora" ab*
geforbert unb biefed 83 Sogen ftarfe £eft auf bem 9tatl^
häufe bid jum 3. 1641 aufbewahrt würbe. 8m 26. 9tovbr.
•) <£enbd>rirf< 6. @. 22; 9. @. 45; 21. £\ 115; 23. <5. 140;
37. <©• 150; 61. @. 248; 64. ©. 259. (er mup alfo in $reafcen audj
mit ©elb unterfhi^t »orten fein) G6. 6. 262.
*•) §en*ebriffe, <S. 3, fc. «u«gabe »on 1682. 16.
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3G9
1641 fd>cnfte e$ ber SBürgermeijter Dr. Scipio bem amvefen*
ben fädjf. £ofmarfd)all ©eorg v. ^flug, *>o» weitem baffelbe
an ben Kaufmann 53everlanb in Slmfterbam fam, beffen Arbeit
ed im 3- 1728 nudj Serben verfauften. .SicUeictyt ift ed noa)
bort 311 finben.
Den 30. 3u(i 1613 9faa)mittag6 mupte $öljme vor ben
Primarius 9tia)ter in beffen SBotynung femmen, mürbe Don
ben >}$räbifanten ausgefragt über fein ®laubenöbefeiintnijj unb
biepHtiite mit ifynen fo lange, bi6 er erflärt fyabeu foll, et
fci)e feine 3rrtl)ümer ein.
SJöljme fdjwieg nun bi$ jum 3. 1619, pflegte aber fort*
wäfjrenb Umgang mit feinen ®eiftedvenvanbten, unb trat in
'Öriefwecfyfel mit ilmen. Die Briefe ftub getrieben an £arl
von ^nber auf «eraja unb geopolböfyavn (s)lr. 1. vom 18.
3anuar; 9fr. 2. vom 22. Df tober 1619; 9?r. 5. vom I. De*
jember 1619; Dir. 6. vom 4. 9)iai 1620; 9er. 37. ofjne Da*
tum; 9tr. 54. v. 3- 1623; Wx. 52. oljne Datum, »n einen
aewifien (Srjrijtian 53ern^arb: 9tr. 4 (15. November, 1619);
9. (12. September 1620); 13. (vom 8. 3uni 1621); 14. (21.
3um 1621); 21. (29. Dftober 1621); 24. (28. Hpril 1622);
25. (21. 3uni 1622); 26. (3. 3ulr 1622), 29. (8. 3uli 1621)-,
32. (12* November 1622); 36. (13. Dejember 1622); 45. (13.
Df tober 1623); 49. (27. Dejember 1623); 51. (4. iHvril 1624);
57. (5. 9Wai 1624); augerbem nodj 9tr. 27 unb 33 oljne
Zugabe be$ Xageä unb 3at)vcö. (£a#par fiinbner 3öüner
ju Söeutben 9er. 12. (vom 10. 3Rai 1621); an Dr. med. 3of).
Daniel töofefytvifc, praftifdjen Slrjt in Striegau: 9er. 15. (v.
3. 3u(i 1621.) 19. (5. 3uli 1622); 93altt>atar 5öalrt>cr 5^r. 7.
(7. 3uni 1620); $aul Mtym, »r. 8.(14. »uguft 1620); unb
9tr. 11. (18. November 1620); $lbrar;ara v. Sommerfelb unb
galfeuljain auf Söarta: 9er. 10. (d. d. ©örlt$ 1620); Dr.
(il)rifitian eteinberg 9ir. 16. (3. 3«li 1621); Vlbrafjam von
granfenberg 9flr. 41. (vom 20. gebruar 1623); 3. ®. »on
ea)weinid)en 9ir. 53. (6. «prill 624); ©ottfrieb greubenfjam*
mer 9er. 42. (27. gebruar 1623); unb an biefen jugleia) mit
3ot)ann £ufar 9er. 47. (11. November 1623); Martin 9flo*
fer gu ©olbberg 9er. 50. (15. 9)(ar$ 1624); Dr. med. grieb*
rief) Traufe tu giegnifc 9er. 60. (9. 9)cai 1624); 3of)ann <Bu*
totvdfi 9er. 35. (13. Dezember t622); ^uguft Sippen 93er*
Walter ju «jfa 9eo. 65. unb 66 (beibe or,ne Datum); enblia)
Vtm*lU von 0örli|. ' 24
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370
an Sobiatf tfober, Dr. med. in ©örlifc bie widjtigften be*üg*
m feiner legten SebeneJjeit. Vier 9to. 61. (vom 15. Wai
1624), 62 (vom 19. Wai 1624), 63 (vom 23. <Dtai 1624),
64 (13. 3uni 1624) jinfc fämmtli* auö Dreoben gefdjrieben.
ecbließlidj flnb WKfi eine Slnjatyl Briefe vorl)auben an Unbe*
rannte, näntlt* »o. 3. 17. 18. 20. 22. 28. 30. 31. 34. 38.
39. 43. 46. 55. 58. 59. SKebrere bavon finb oljne Saturn.
©dt Dem 3. 1619 erfreuen von «öfcme in rafdjer Sei*
infolge Die and) auf un# gefommenen Schriften*).
Die Senbbrfefe fblb für 3afob Vö&me'ä Viograpf>en bie
aUerroidjtigfte Duelle, aber merfwürbigcrwerfe bi$ je£t fel)r
wenig bcnufct. Sic geben und einzelne Momente au*
feinem fceben, belehren und über ben Umfang feiner wettläu*
flfien Verbindungen, feine Steifen unb gewahren eine flare
törfenntnip über bie 9lnfd)auung feiner eigenen Verljältnijfe.
£>ie ©riefe jeigen iljn alö einen Wann, ber fid) auö inniger
Ueberjcugung für feine 3bee opfert, aber burdjauS ni*t bad
praftifdjc ßeben ganj außer $ld)t läßt, al<3 järtlidjen hatten
unb liebevollen beforgten Otter feiner Jfinbcr, alö tfjeilne^
menben um ba$ 3i>ol>l feiner Verwanbten befümmerten greunb.
Staut aud) feine materielle Sage nidn fo fdjlimm fein fonnte,
alt* man fid) gewöljnlid) benft, war fte bvd) befümmert genug,
wovon er &uweilen Slnbeurungen gibt. @r finbet ftd) in bie
Verfolgungen feiner $al)lreidjen getnbe, namentlich in bie 9Jad>*
ftetlungen feiner görlifcer «bgdnner mit ber Ergebung eincö
($l)riften, obwohl bie angetfyanen Vcleibigungen fgni frdufenb
unb fc^mer^ltd) fmb, unb iljn im $efüljl feiner Unfd^ulD, wenn
aud) feiten, \u 9leußerungen bc$ geregten Unwillens bewegen,
dr tröfiet feine befümmerte grau, fudjt fte auf ben Stanbpunft
ÄrijHi$er Ergebung $u ergeben, unb erfennt rid)ttg, baß He
tym angetane odjmad) in ber ^erriffeuen 3eit, in bem jäm=
merlidjen ptyarifäifcfyen 6tolje, ber eigenmächtigen Ueberbebung
einer fanatifdjen, bogmatiftrenben, volemiftrenben ©eijtlic^feir,
im 9letoc liege, unb feine Verfolgung in folgern Umfange ent*
ftanben fein würbe, wenn ein Öeleljrtcr Vöfjmc'ä Valjn be*
treten Ijatte. (Sr freut ftd) über bie Sfoerfeummg', welche iljm
in ber 9Mlje unb weiten gerne, in €d)leften, gtttljauen, eadj*
fen, «Korb* uno 2öeft*5)cutfd)lanb ju Sfjeü wirb, ol)ne bafc
•) Triften a. «. O, in graiufcubfra'e itbmti*föu\bun&
I
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371
ftd) irgenb ©tot?, irgenb Dünfel babei bemerfbar macht. ®r
jiebt oollfommen ein, bafj feine geinbe fiel) burd) ifyre #eftig<
feit wnb letbenfehaftliche «ngrilfeweife am meiften felbft fdjaben,
unb, man wirb e$ bem natürlichen SÄanne »ergeben, lägt auch
nicht unbeutlid) merfen, bafj er über ihr Siefen lächele, im
£inblirf auf bie ©enugthuung, welche i(>m oon ben gebilbet*
ften, gelebrteften, ihrer 3eit vorausgeeilten SKännern, nament*
lia) am breSbner £ofe au Ztyii wirb. @r ift ein ©thwäruter
in 33ejug auf bie göttlichen ^Offenbarungen ber ©ibel, obwohl
lange nicht in bem Umfange wie einige feiner greunbe gewe-
fen &u fein flehten. (Sr übt mehrmals Jfrttif an ben ^eilt^eit
$üd)ern, erfennt baS oft S&iberfprechenbe in Krfd)iebenen
Stellen unb neigt fta) fjäufig, $>anf feinem flüchten, einfachen
sJWenfcfjeHt>erfianbe, $u natürlichen (irflärungen tyn, worin
feine Anhänger fünftlid)e unb rmjftifcrje £)eutuugen unb *ßro'
pljejeiungen lefen wollen. iSine folche Stelle ift 3. 93. im 8.
Briefe an $aHl Äaym ©. 39: „$aß id) (Sud) aber nicht
eine au6fü^rltc^e Antwort meinet 5kbenfenS, wegen @urer
S3üd)lein über ben 1000jährigen ©abbath, auch ber 400ja>
rigen 3*'t in $ion gebe, welche ihr mit vielen jeugniffen ber
heiligen ©ajrift oermeint &u erweifen, ift baS mein Sebenfeu,
fcafj ia) nicht griinbltch weiß, ob fid) aud) biefelben ©prüche
tal)in gießen, benn eS jinb aud) viel Spruche in ber ©d)rift,
t>ie fe()en, als wollten fte nicht mel)r als eine allgemeine $luf*
erftetjung ber lobten anbeuten; unb ftnb faft h*Ue, fonberlia)
in ben üBorten Greift* in ben vier (ivangeliften, welche ich
für bie gewijfeften halte/'
Söenn man tiefe Briefe, fowie feine übrigen ©Triften
lieft — ein weiteres eingehen auf biefelben ift $er nicht wog*
lid), unb gehört in eine ausführliche Mens befchreibung 3a*
tob ©öhme'S, — muß man su ber (£rfenntnip fommen, bafj
Die oft bunflen ©teilen bei S9ör/me lebiglich aus einem 3wte*
fpalt feines philofp^r>trent>en ®eifteS, welcher (ich über bie
bei an o&iefrtoiren verfugte, unb feiner umfaffenben SMbel*
fenntnif h^oorgehen. 3)ie reine JDbjcfrivität founte er aber
nicht erlangen, weil ihm bie Äenntniji ber Gilten, mit einem
Sßorte Hafjtfche »ilbung fehlte. 3ur Unverftänblidjfeit trägt
manchmal feine mit ©orliciSmen untermifchte ©pradje bei.
Um fo merfwürbiger ift eS, baß er noch fo viel treffenbe HuS*
brüefe für bie ©egenfäfe finbet, in weiter »ejiehung fei«
24* s
372
®eift wafjrljaft fc^opferifd) ift. Sfud) lateinifd)e Begegnungen,
wie ens etc., verfdjmäljt er nic^t/ wenn er vermeint, in ber
sJOJutterfvrad}c nidjt t>eutlid> genug gewefen ju fein, entfd)Hl-
bigt ftd> audj beetyalb mel)rmal$.
3m 3. 1619 fdjreibt $öl)me: (eenbebriefe 9?r. 4. e. 16.)
er fjabe viele SBeforgungen wegen ber Xodjter feine* verfror*
beneu $ruberc3 unb muffe bedbalb viel auf« Kaub gerjeu; in
bemfelben 3af)re machte er eine pfeife uad) ^rag, unb wol>nte
bem Ginjuge tföuia griebri^'ö v. b. $fal< bei. (ibid. €. 17.)
3m folgenben 3abre 1620 war er ftu 2Beid)a. 1621 lag
^ofjnte fedjä sBod)en an einem von $urd>utglern gebradjteu
anfterfenben gieber franf.
3m 3. 1622 gingen wieber bie Dualen Seiten* beö ^ri-
martuö iHidjter an, welken bie Triften „von ber öuße unb
wahren $elaffenl)eit" in beu dujjerfien Horn verfemt Ratten.
Gr fing ben Streit mit 9$öl)me von Beuern an, »rebigte wiber
i f>it unb liejj brei lateintfd)e ©ebidrte auf Sööljmc veröffent^
lid)en. lieber baä erfte fagt ©öbrne felbft: „baä *ßa$quill f>at
ber allergröbfte Xeufel biftiret, beim er fyat feine Alanen ja
gar .;u Map bariimen entbeefet, baß man Har tieftet, baf? er
ein Lügner unb sJWörber ift, uub wirb vielen 3)ienfd)en jur
SBaruung fein, baß fte werben belfere Wdjtung auf ityre <8ee*
im Ijaben", mit beut 93eifafce, bat* biefeä ^ääqutll W W al-
len ®elef)rten bem &atan jugefdjrieben werben fei. OSeiibe*
briefe »o. 50. ®. 221.)
Gr bemerft nun (15. 9Mq 1624), baf? burd) biefe Scfymä-
Ijungen feine 8d)rifteu viel bekannter würben, alö e# fonft ge-
fdjeben wäre; 3eber fei jejjt begierig, bie verfeuerten ^üd)er
&u lefen. Da* erfte ift vom 7. $tdn 1623: Judicium de fana-
ticis sutoris enthusinstici scriptis; ba# zweite ift vom 6. SXärj
1624, überfer/rieben : £ulor antichrislus; ba$ britte enbltd),
vom 27. 9Wän 1624, Ijeipt: (senbebrief. $)od) ntot bloä
burd) fold)e £d)mäl)fd)riften griff il)n ber fauatifdje *}$rimartn$
an; er wanbte fiel) $u bem bequemen ^Wittel verächtlicher Seelen,
welche mit ifyren geiftigen 9Baffeu nicfyt ui liegen wiffen, uu
$)enuneiation, unb ging mit einer JUage an ben *Katfy. Dinner
bem regte er in feineu bonnernben Jtanjclreben bie GJemeinbe
auf; ci miiffeu Aufläufe vor 23öfyme'$ «£>aufc entftanben unb
überhaupt eine fefyr gereifte Stimmung gegen 93öt)me gewefen
(ein, ba ifym ber görlü)er SRagijlrat ben viatf) gab, bie &tat>t
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auf einige tyit &u verlaffen. SBährenb feiner 8bWefenl)eit in
Dreyen fdjeint man if)m Die genfter eingeworfen au i)abeu,
ba feine grau anfragte, ob fte titd>t folle genfterlaben machen
laffen, worauf nachftehwber 93eftheib erfolgte: „sINein 2Beib
barf feine genfterlaben beähalben (äffen machen, wollen fte
biefe einwerfen, ba$ mögen fte t^uen, fo ftefyet man be$
henpriefterS gvüdjte. Sie foll fid) boef) noch ein wenig ge*
bulben; fyat fte nicht diaum $u ©örlifc, fo will ich fte wofyl
an Ort unb ©teile verfchaffen, ba fte wirb griebe l)aben. Sic
bleibe bod) nur &u £aufe unb gehe utc^t ohne ^ot^ auö, unb
laffe ben geiub toben; er wirb fte nicht freien!"
Die 3)enunciation beä ^erm üßrimariu* war am 23. 5ttärj
1624 auf ba$ Oiatfytyauö gelangt; am 26. erfolgte Vöhme'ä
Vernehmung, welche bamit enbete, baß man ihm rieth, $ur Ve*
rul)igung ber ©emütr)er einige 3^1 bie Stabt ju verlaffen, ba
ifym $war ber größte Xt>etl beä iRaJhcS gewogen war, eä aber
nicht offen wagte, bem ^rimariud entfehieben entgegen $u
treten. 3afob Sööhme ^atte narf)pel)enbe Verantwortung auf*
gefchrieben, weldje ber Satty jebod) nicht entgegennahm (53. -
»rief S. 226).
„3afob Vöhmeu'd*) fdjriftlidje Verantwortung an (S. (£.
[Rath ju ©örlifc, wiber be6 Primarii Säfterung, £ügen unb
Verfolgung über baä gebruefte Vüd)lein von ber Vuße: (Sole,
^renvefte, Sichtbare, «jpocfegelahrte, ©roßgünftige unb 2öol)U
weife «Sperren! 3<h erfc^cine vor meinen Herren, aber jefco alä
ein 6l)rifi, unb bereit von meinen ©abeu unb (£rfenntniß,
welche id) einig unb allein von göttlicher ©nabe, als ein ©e-
febenfe l)abe empfangen, Dtedjenfchaft ju geben.
2) Von meiner ^erfon weiß id) anberfl nichts ju fagen/
al$ baß id^ ein £ai unb einfältiger ^ann bin, unb habe mich
al£ ein Shrift mit ber Siebe meinet i£>eilaubeei verliebet, unb
er h&* P4 m*1 verliebet unb verlobet nad) ber 3nwenbig*
fett meiner Seelen, bavon, fo e$ von mir geforbert würbe, ich
^cchenfd)aft geben wollte.
3) £(ud folcher ©abe t>abe ich meine (*rfenntniß unb
SBiffenfchaft, unb gar nicht vom Xeufel, wie ich unbillig
läftert werbe; bavon eine ernjle SRedjenfchaft, fü'tm ©erici)te
ßhrifti gehören wirb. &$ie gefchriebeu ftcljet, wer ben f)tiL
•) 54. «tief. 6. 228.
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©cift läflert, r)at feine ©er^ebung ewiqlicf»; ba id) bodj meu
nen $ßit>erpart ba« &er*li(r)e Erbarmen @otte6 wiinfcr)e.
4) Wein erfteS 93uc^ habe id) in folefter (Jifenntnijj nur
für miefy felber ftu einem wmorial gefd^rieben, in Göttien,
folc^c6 allein bei mir flu behalten, unb feinem Wengen
geigen; foldjeS ift mir aber burd) göttlidje ©cfyfdung endogen
nni) bem $errn ^rimario gegeben worben, wie ein ehrbarer
9tarf) wofyl weifr
5) 3m felbigen 93ud) ift ein |>f>tCofo)>l>tf<^er unb tljeofo*
Mifdjer ©runb mit folgen Sorten betrieben, wie kfy 'bfefcl*
ben ju berfeiben 3e^/ in meiner (Einfalt für mi<r) felber tyabe
toerftefyen mögen unb l)ab tcf> nid)t gemeint, bajj e$ 3cm anb
anber* lefen füllte. $>affelbe 33ud) pat mir ber ^err ^Prima-
rius ganj mit frembem ÖSerftanbe, wiber meine Meinung ange-
flogen, unb biefe ganje $eit alfo geläftert, weldjeä idj, um
($i)riftt ßfyre bitten alfo in ©ebulb gerragen r)abe.
6) Hit id) midj aber vorm sU?imfterto gegen ifyn want*
wortet, wnb angezeigt meinen ©runb, fo ift mir oom tjpimrn
^rimario auferleget worben, mcr)t mefyr alfo fd)reiben, mU
dft$ id) ja bewilliget, ben SBeg ©orte* aber, wa$ er mit mir
tpun wollen, fyube bamate nod) nfdjt toerffrmben. hingegen
r)at mir ber ^err Primarius fammt ben anberen $räbifanten
jtugefagt, fyinfort auf ber jran^el ^u fd^weigen, Weltes aber
nidjt gef(r)e[)en ift; fonbern fyat mi(t/ bie ganje 3«t fdmtäfylid)
geläftert, unb mir öftere $)inge äugemejfen, berer i<t) gar tiidr>t
fdjulbig bin, nnb alfo bie ganje ©tabt läfternbe unb irre ge-
macht, baß id) fammt meinem SBeibe unb Jfinbern r)abe miif*
fen ein 6d)aufpiel, (fnle unb 9iarr unter ir)nen fein. 3dj r)abe
ferner ade mein Schreiben unb 9teben oon foldjer fwfyeit unb
(frfenntnfp gättlidjer $inge, anf fein Verbot, oiel 3aljr bleiben
laffen, nnb gefjoffet, e$ werbe beä ©djmäfyen* einmal ein fenbe
fein, weld)e$ aber ni<r)t gef<r)el)en, fonbern immerbar ärger ge*
werben ift.
7) Sei biefem r)at e$ ber £err *ßrtmariuö nidjt bleiben
laffen, fonbern Ijat mein 9ud), unb SJerantwortung in frembe
JDerter, Stäbte unb Dörfer weqflcliefjen, unb baffelbe felber
auögefprettget, gan$ otyne mein S&iffen unb Millen, ba e$ bann
tft nad)gef(t)rieben, unb viel mit anbern 9ugen angelegen wor*
ben, als er ed angefefyen; baburd) ift es au<r) von ein« ©tabt
jur anbern, ju »ielen ©elefyrten, bei Sßriefttrn unb 2>oftoren,
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unb fielen abcligen ^erfonen, wie bcnn aud) mm .£>erjog $u
ber Siegnifc, welker e<3 begehret, gefommen, aber nur gann
unbewußt, ohne meinen 5Öillen.
8) Scadjmnlä haben ftd) viel gelehrte 9Ränner von s|uie
Hern r Doftoren, auch abelige unb qräfltd>ep uuvoM aud) etliche
fürftltd)e $erfonen, mit «Schreiben, auu> ein £beil in eigner
Reifen mir jugefüaet, unb von meiner Ö)abe (hfenntniß unb
$cfcnntniß ein mehreren gebeten. Denen id) anfänglich gefa*
v u t r td) bürfe e$ tüd)t ihnen, eo fei mir vom <£>errn *4>rimario
verboten. Sie aber haben mir bie Sdjrifl mit ernftlidjem
Dräuen göttlicher r träfe fürgejogen, unb ange^eiget, caf? ein
3ebet foll bereit fein, feiner (Mabeu Mnb (Glaubend, fammt ber
Hoffnung föecbenfcbaft p geben; uno baß ©ott würbe ba*
$futU> von mir nehmen, unb bem geben, ber e# anleget; aud)
fcaß man ©Ott met)r, alö s3Renfd)eu get)ord)en muffe, weldjeä id)
betrachtet unb ;u ©ott gefielet, wo fo(d)ed nidu feinem tarnen
;u (Muni gereta)eu folltc, baß er ed wollte von mir nehmen,
unb habe mid) >m ganj unb gar in feinen SBillen gegeben,
, mit 33eteu \u ihm unb Ziehen £ag uno s)(ad)t, bi$ mir bie
göttlid)e cble ©abe ift erneuert, unb mit großem rjimmlifdjen
£icf)t ange^ünbet worDen.
9) So habe id) angefangen ben Herren, auf tf)re Sragcn
in göttlicher l*rfenntniß ju antworten, unb auf 3Mtte unb
gcfjrcn, etltd)c Süd)(ein gefd)rieben, unter welchen aud) biefed
von Der Stoff** roeld)e6 attje^t gebrurft werben ift, gewefen iflt.
10) Denn in tiefem 93üd)lein ift mein eigener *l$roccß,
baburd) id) meine @)abe von ©ort habe erlanget, aufgezeichnet,
wela^eö auf t)ol)cr unD gelehrter tfeHte SMttc ift gefdjrieben
worben, unb ifi ctlid)en fo rief In tl>r £erj gefallen, bap eä
ein Vornehmer von §lt>el*) auä £icbe t)dt brurfen laffeu.
11) Daß aber ber Äerr Primarius fo heftig bawtbcr
oonnert, unb oaffelbc wm geuer verurtheilet, aud) meine sJ*er*
fon fo fd)mdl)(ig ansehet, unb mir bie ganje ©emeiue auf
ben <£>al$ be&et, auch vorgibt, id) hätte Die gange Stabt ©orlifc
fammt bem gürftenttjum i'iegnifc bamit vergiftet, unb baffelbe
audgefprenget, uttb baß große klagen von ben trieft cm ui
giegnty Deswegen über mid) ergingen, auch baß barunt (S.
eh^*wr ^ai^ fammt ber ©tabt (&örli#, in @efaf)r frünben.
*) $an« ^igidmunb *. <3d>w<intd)en.
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12) Darauf gebe r d> uu Antwort, bar? m d> folcheö mit
richten a(fo verhalte, mir baß mir foldjeä au$ böfer Neigung,
7i uv von etlichen wenigen, unb vielleicht wof)l t>ttrct> be$ £errn
Primarii eigene gtnreijung zugerichtet werben; weiln er vox
merfet, baß meine Unfchulo fcüe an ben Xag fommen.
13) $)enn erftlidj ^abe ict> baä Süd)letn felber nidu
rinden (äffen f |um anbern tyabc idj'ä nicht felber in'ö gürten*
lhnn $iegni$ eingefprengt; fonbern ber Patron, welcher c*>
bruefen laffcit , hat e$ feinen a rennten unb Sefannten gefd>itfct.
3um brüten, weiß ld) baß fein Vorgeben wegen foldjer ©efabr,
al0 foltte li d> ber «£>er}cg ui Siegnifc fammt ber gangen v^ue-
fterfchaft befchweren, ftep gan; nicht alfo verhält, benu ich
weiß foviel, baß e$ ber ^erjog fammt etlichen Warben, fowefyl
viel ber ^riefter felber lefen, unb wirb &on »ielen *J$räbifanten,
fammt etlichen von ben Iwtyen 8d)ulen, welche trefflid) gelehrte
Männer fmb, geliebt; auc^ wirb'* am Jfcurfürftl. ^ofe $u
2)re$ben unb <£achfeu, von vornehmen Herren geliebt, wie benn
aud) bei etlichen ?)ieid)$fürftcn unb Herren ber 9leid)c3ftäbte,
wie id) foldjeä mit Bielen ^Briefen $u beweifen hätte.
14) Unb ^alt berewegen gänzlich bafür, baß mir btefeä
Sab fei Bern Xeufel unb feinem Dteidj zugerichtet, weil er
fteht, baß fein Oteidj baburdj offenbaret, unb ber SRenfö jur
Süße unb christlichem 2L*anbel angewiefen wirb.
15) 2öeil aber ber £crr Primarius mein Süchlein aum
geuer »erbammet, fo bitte unb begehre ich nach ©ottet* 3ßil*
len, @. (Ehrbarer JKatf) wolle ihm befehlen, baß er mir meine
3rrthümer 2(rtifel6-28etfe auö btefem Süchlein aufzeichne, unb
mich \\n Antwort fommen laffe, ober jtt einem mimblichen
©efpräd) in Seifein etlicher Herren be$ 9tath$. 3ft'ä bann,
baß er mir wirb einen 3rrtbum beweifen, fo will ich mid)
herzlich gerne weifen lajfen, unb ihm folgen: 2Bo aber nicht,
weil e$ im $>rurf ift, fo mag er auch bawiber fd)reibe?r, fo
ed (£. (§hrb. ?Kath gefallet: e$ werben febon gelehrte tfeutc
fein, welche fid) meiner annehmen unb ihm antworten werben,
ob id}'6 gleich tüd>r tnate.
16) £e$lid) ha* wich vor ber ganjen ©emeine auöge*
fchrteen, ich »erachte bte Äirchen unb heiligen Saframente, unb
mich $um ofternmal für einen Äe$er, Schwärmer unb £qüun*
fen gefcholten, unb mich an meinem wohl hcr9*brachten, m»p
barin Pete wohl »erhaltenen (Shren, unb guten ehrlichen
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men angetaftet, aud) fo(cf>e Dinge, weldje alle nid)t wahr
finb, mir aufgeleget mit gefaget, id) faufc und) fletd voll
93raubtewein, aud) anbcrn SBdftt unb 3Mer'<9, Wie ein 8d)wein,
w< :ld)eö 'aber wiber (*h>tt, (S^re, *Red)t unb alle 2Babrl)eit mir
äugelegct wirb, aufl lauter böfen flffefteu, mich bei ber (Ge-
meine verbaßt \u machen.
17) Denn erfttid) veralte id) feine Treben, benn id) gehe
felber funein, viel weniger t>te heiligen Saframcnte, beren id)
miä) felber gebrauche, fontern id) befenne beu Xempel 3efum
Gbriftum in und, bafj wir Cfyriftim in nnferm ^>er^en feilten
lehren, nad) ©t. Stepbani unb ber lÄpeftel fcebre. So betbe
id) auef) von ben f)eiliijen Saframenten flarer gefdjrieben, als*
id) auf ber tfanjel von if)m nod) niemals gehöret, wie foldje*
ju erweifen wäre.
18) €o bin id) aud) fein Sefjrer ober *ßrebiger, unb pre-
bige ober lehre niebt; fenbern gebe nur föecbenfd)aft von mei-
ner ©abe unb (*rfenntni|i, wie id) bin baju gefommen, unb
barf fid) meinethalben $iemanb einet* ÄhtyingS fürd)ten; benn
id) gcf)c mit meinem Talent nid)t mit gemeinen Seilten um,
fenbern mit^oftoren,^riefternunb(vbeUeuten, welche gelehrt ftnb.
19) ÜBitte terowegeu E. (*hrcnveften unb ^oc^wetfcri
[Rath, mid) wegen feld)en ebrenrübrerifc^eu Sdjmähungen unb
unwahrl)aftigen Auflag, in gebührlichen £d)u(> $u nehmen,
benn mir gcfct>tef>et mit feld)er Auflage ©ewalt unb Unrecht,
unb bin fein äirchen- unb Saframent*gäjtarer, viel weniger
ein Xrunfenbelb, foubern lebe gan$ nüchtern, mit Beten unb
Webitiren in gettllc^cr ©abc, berufe mich aud) auf bie gange
Stabt, unb wein* ich, Mn Storni fein wirb, ber mich fol*
d)cö aeitjen fann. 33etm £erm ^rimario bürftc man woU
öftere benfelben trunfen Storni ftnben; id) aber femme fafl in
feinet $cenfd)en £auö el)nc 9cotf), viel weniger in SBier^cxu
fer ober S-H3einfeller, fenbern lebe än)am unb füll, wie GL £l)r-
3m aKemorialbuche be$ görlifcer «Rath* vom 26. $Jcärj
1624 lautet bie 9?otij über bie iBerhanblung mit 3afob
93öf)ine:
„3afob Söhnte ber 6d)ufter vnbt verwirrte (Snthujiaft
ober gantafl fpricht, er l)abe ba$ S3ud) jum ewigen Seben an-
gefertigt, fyabt aber foldjeä nicht truefen laffen, fonbern e$
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»78 _
fyabe einer vom Slbel, $an$ Sigiämunb von Sdjwetnflrjau*,
e$ truefen laffen.
3fl vom 9that verwarnet worben, feinen Stab ferner ;u
fefcen ober in (fntfrebiing ber ©üte foll fold)e<3 3brer Gtyur*
furftl. (Knaben beliebtet werben.
Darauf er fid> erelerer, er wolle elften $age6 ficf> weg*
madjen."
Der görlifccr föatf) beftattv 1624 auö folgenben ^erren:
I. ©nrgermeifhrr : 2Bolfgang Stoiberger. II. Consules: gr.
Scbwetrtg, SBartbolom. 3afobt, M. (ibrift. Staube. III. Sca-
bini: (S. (funrab, 33. ,£agenborn, gr.,93e»er, Siatb. Scultetti^,
3Öiganb Voller v. Wollerftein, ©eorg ^audborf. IV. Scna-
lores: %. görfrer, $ob. ©ranfcfe, Severin Sdjnitcer, Sipu
bifu* M.Sebaftian Jtreb*.
Äm 9. *)lai reifte 3'afob Böhme nach Dretfben ab unt>
Ovar über Zittau, wofelbft er vorzüglich mit 3or)ann s3JcVlitud
gürftenauer, jcbaim ^artia unb sJwattl)iaö SHenifd) Umgang
pflog, aud) von ibnen mit weifegelD untcrjtüfct warb.
33ei ber ünlunft in Dreäbcn würbe er fcr)r gut aufge-
nommen unb war ber ©aft beö 93enebift Jpenrfelmann. fein
würbe er aufgefaßt von vielen feiebf. ^of beamtet! , unter an-
bern bem Kämmerer 3oad)im v. Vof?, beut £aüö'slttarfd)aU,
bem Cber-Stallmeifkr, bem Suverintenbenten Hegibiud Strand),
benen v. Sdjwalbadj u. a. flm erpeu *Hfmgftfeiertage (16. üRaf)
Ijatte $encfelmann bie Anhänger 33öf)me'ö ju ©aflc gelaben,
wobei viel über ©örlifc gefvrodjen unb bie 93erwuuberung ge^
äußert warb, bafi ber Diatty einen folgen ^rimarttid nidjt $ur
Drbnung bringen unb bie @inwobnerfd)aft von ©örlifc fo
tböriebt fei" Wnne, ftcf/ ju berartigen (Srjeffen, wie vorgekommen,
t)inrcificu $u laffen.
21m 20. Sxai fuhren bie ©enannten auf beö 3<>ad)im
v. 2ojj (Sinlabnng nad) Sdjlofj *|MUnip, um bort mehrere an*
genehme Üagc im traulichen ©efvrädje |u verleben.
$lm 20. 3uni würbe jwifeben ©ör)me unb vielen für-
fürftl. onftfitorialrdtr)en ein Kolloquium abgebalten, welcfyeä
er jur 3nfnfbenbeit tfllcr auf ba6 *Rür)mlid)fte beftanb.
93on Dreyen begab (ich 33öl)mc nach Sdjlejten jum
£errn v. Schweinigel!, verfiel aber bort in ein l)ifctge$ gieber
rinb würbe auf feinen SÖunfd) nad} ©or(t( gebracht.
311« er bort aUmälig fdjwätyr würbe, reifte t^m H. mia*
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'IfjeoboruS ba$ 9fbenbma^l, nadtbem er mit ihm ein langet
CMcfpräct) an^efletlt hatte. Um 17. November €>onntag$ rief
SSöfyme plöVlid) feinett 6of)n Sobiaö, fragenb: „ob er aud)
bie fc^dtte 3Wuftf fyöre." biefer eä verneinte, ließ er bie
Zfynxt weiter offnen, unt ben <9efang beffer ju tydren. (ix
fragte wie fpät ed fei? VUö man ihm an muntere eö babe uvn
Ufyr gefctylagen, meinte er: „Da6 ift ned) nid>t meine 3eit,
nad> bret 6tunbett ift meine 3^*: O bu jlarfer ©Ott 3*&fl0tl)/
rette mia) nad) beinern SBillen! £) bn gefrett*igter $txx 3eftt
(Sfyriße, erbarm bid) mein, unb nimm mid) in bein *Reid)!"
Um 6 llhi sAVorgeno nafym er plöfcltd) Vlbutur von fetner
grau unt> bem a iure teuren Sofyn'e, fegnete fit nnb nad) ben
Sßorfen: „9iun fal>re id) f}Ht in'ö ^jarateiö!" feuftte er nod)
einmal, ttm bann fanft ju entfdjlafen.
^obme war flein unb fyager, (jatte eine niebrtge Stirn,
etwaä gebogene 9fafe, grau 'blaue klugen, einen bönnen Bart
unb ni du uj ftarfe Stimme; war aber im Umgange angenehm
unb ba&er bei betten, weldje ifyn näber fattnten, febr beliebt,
bitter feiner $ftiptfyrik}e, ben er faf* in jebe$ 6tammbua)
fdjrieb, war:
„Sem $tit W wie (fwfgfeit
Unb (£wig,feit wie itit
$>er i|t befreit
*«Bon allem «Streit/'
9lcd) nad) feinem Xobe verfolgte tf>n ber Sjafi ber ©etft-
liaMett föidjter war *war fdwn vor Böfjme geftorben, aber
fein 9tadjfolger M. 9tifolau$ !£ fyomatf war eben fo fanatffd)
unb mad)te große Sdjwierigfeiten in $ejug auf ein et)rlid?e$
Söegräbnfp. S)ie arme tyinterlaffettc grau Böfjraed fa)rieb
reehalb mehrmals an ben föatb.
3n golge eined jwriten €>a)retben$ ging ein ernfter Be-
fehl an ben ^rtmartuö unb bie ^äbtfanten, bie 33eftattttng
vorf<fyrift$mäßtg voll$iel)en. ^er *^rtmariud gab fta) für
franf attä; bie ^räbifanten mußten mitgeben, wenn fte nidjt
aUer wetteten Beförbetuttg (Seitend be$ Marne* von ©örlifc
verluftig geljen wollten.
<2)te ^rebigt, wcld)e M. (Sita* S)ittrid) (Sfjeoboru*) fjtelt,
war ein dufter von Un^art^eit; ein glAnjenbed aber trattrigeä
3^ugniß jeneä ganatidmttä, welker ber guten 6aa)e be$ 44ko*
ieftanti$mu6 fo vielen Stäben getfyan f)at.
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&ber aud) nod) im ©rabe woUte man ©öfyme'n feine
^Kiibc gönnen. Die görlifcer (#eiftlid)feit unterlieg nicbt ba$
6a)mät)en auf ben Jtanjeln. Der 9tatl) mußte ftd) tu'ö Littel
legen, unb e$ eraing am 10. December 1634 ein fdjarfeS De-
fett ©eilen* beffelben OJHemorialbud)): „ftd) be* 3nvef)tren*
von ben ^anjeln ferner ;u enthalten/' worauf euDltc^ ber
öffentliche 6fanbal befeitigt würbe.
„(*in ^ropljet gilt nicfjtä in feinem s2kterlanbe!" Huf
wenige 3Äenfa>en läßt ftd) biefed Sprüdjwort fo anwenben,
wie auf 3afob ©öf)me. Säfyrenb er in ber £eimatl) verfolgt,
»erbädjtigt, gelagert unb auf bie boöljafleftc Seife gequält
würbe, fo baß man nidjt einmal ba$ weldjeö ifym
greunbe auf feine !Knf)eflätte festen, fte^eu liep*), fanb er au
berwärtS bie Slnerfennung in grogartigem sJ)iaage unb war
mpi berechtigt ;u fdjreiben ((senbebrief 51. <©. 223): „Sa*
mein ^aterlanb wegwirft, baö werben frembe Golfer mit greu-
ben aufgeben."
3m 61. ©riefe fpridjt er bie ^offnung au<3 (<2. 217):
„Denn ba$ fünftige Sefulum wirb md)t 3™*™, ©eißen unb
6d)lagcn fein, fonbern Viebe unb ®ebulb, griebe unb greube
in (£rfenntni0 göttlicher (Habe."
Die grage: ifl biefe 3eit in ©e$ug auf ben ©lauben
fa>n gefommen? muß leiber mit: „Wein!" beantwortet werben.
9fod> ifl Sefflng'd ®letcf>ttt^ „ber brei töinge in 9latyait
bem Seifen," mit feiner tiefftnnigen Saf>rf)eit, ein frommer
Sunfa) geblieben. 9cod) greifen fia> nia)t blo* bie verfette-
beneu ©efenntniffe auf bem ©oben ber Religion auf bie ver
fdjiebenartigfte Seife an, fonbern aHd) innerhalb ein unb
beffelben ©efennmiffe* tobt ber vernia>tenbe 3wift ber €eften,
welker mel)r ald 2üle$ anbere bie Demoralifation beförbert.
Senn biefer 3wieft>alt nidjt aufhört, unb leiber fa)eint wenig
5Wu*ftd>t baju oorfjanben, fo Durfte Weber 3afob ©öfjme'fl
^ropbejetung, noa> Sefftng'S erhabene 3bec eine beglücfenbe
Saljrl)eit werben!
Sir fügen $um 6a)lujj biefe« Äapiteia 3afob ©öl)!ne'ä
Stammbaum bei:
*) 3afob SBofjme'« 2cbcn*lanf »on ». ftranfenfccrg.
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382
. KittttS Stapittl
©örlifc wdfyrenb ber 3e^elt gricbrid) von ber
*P f a ( 3 # unb ber Jtrieg$*Unrul)en bid auf bcn
prager gruben.
Die böfymifdje Revolution im 3. 1618 brachte Wieberum
bie JDberlaufifc unb bie ©tabt ©ärlifc in eine verzweifelte Sage.
$tn wen foUten fie ftcC> jefct galten, inäbefonbere nad)bem bie
SSötymen bie 9Ü$al)l gerbinanb'3 II. verleugnet unb ben Äur^
fürften grtebrid) von ber *^falj auf ben Stroit ber *ßremiö-
liben erhoben Ratten, ein 9ted>t ber freien »ftönigewa 1)1, welefyeä
itjnen nad) bötymifdjen (9efe$e $weife(Iod ftuftanb. £>er ©tabf
war nod) ba$ 3al)r 1547 mit feinen golgen im Q)tbäd)tuiß ;
oa$ 3^t>r 1618 breite eine ebenfo fürcfyterlidje $3ebeutuug ju
erhalten. Süie irr| 3- 1547, waren auej) 1618 93erid)terftatter
auö ®örluj in s$rag; ob fte aber befonberö bevollmächtigt
waren, fdjeiut zweifelhaft. SBenige Xage nadj bem £inabfturj
ber faiferlccfyen Raffte vom prager ©cfyloffe erfuhr ber ÜKatlj
ju ©örlifr biefeä (£reigni|j unb ift über bie weiteren (freigniffe
eine Dteifye von mel)r ober weniger genauen $3ericbten ehteä
®e^eint'@vangelifd)en ^ierfulbft nodj vorljanben.
3)ie ©tabt Ijanbeltc im (§inverftänbniffe mit ben Oberlau-
fs er ©tänben, welche befanntlid) mit beiben ^arteten, tföntg
gerbiuanb unb ben SSöfjmen unterfyanbelten, unb burdj bie 3$er-
pfänbung ber £)berlaujty au ben Äurfürften 3ol)anit ®eorg
von ©adjfen, wenigfienä im Anfange beä großen Krieges,
einen fiebern greunb ftcr) erwarben, wenn er fie and) ntd)t,
wie ftd) im Saufe biefer (Srjvifylung enveifen wirb, gänjlid}
vor ben (Kreueln unb Reiben be$ Äriegeä bewahren fonnte.
3Bir fonnen bei biefen unb ben folgenben .ftriegäleiben
(eiber nur bie einfache (bronotogifd)e 5)arftelluna ber ©djitffale
ber ©tabt ©örlifc geben, ofyne und auf ben 3ufammenr)ang'
mit ben allgemeinen (Sreignijfen einjulaffen, ba fonft bie vor*
liegenbe Aufgabe Übertritten würbe.
S3et ber Deputation ber obertauftyer ©täube, welche im
3. 1619 nar^ ^rag an baö bofymifcfye Direftorium ging, war
audj (£fyrfftopl) ©taube ein JRatfyäfjerr aud ©orlty. ©eit bem
14. 5Wai 1619 fing man bei ben Xfjoren $u wachen an; ed
famen 8 SÄann an jebe* Xtyor, weil ber tfurfÄrf! von ©a<$*
-
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383
fen in bte £)berlauft$ eingefallen war. 3m Saufe biefeä (Som-
mer* gingen viel *jiu(t>cr- unD Wunitionötran*porte an grieb*
rid> von Der $fal* au* ßnglanb burd) unfere ®tabt nadj
Böhmen.
*nt 10 Wän 1620 9ta<$mittag* wifätn 3 unb 4 llt>r
fam Jtönig griebricb mit feinem Bruber, l>em ^fallgrafen 3o*
bann Subwtg nad) ©örlifc, in einem rott) auftgeftylageuen
SUagen, begleitet von blau gefleibeten Xrabanten. 3ur geier
beä teiujuge* ftelite man bie Bürger in* unb aufierljalb ber
6tabt, ein gäljnleiu ftarf vom erjten ©arten vor bem laubaner
Xfjore bid )um MatMaufe auf, unb würben bte ©lotfen
geiäutet aud) bie ©efdjüfce auf ben (EtaDtljöljen gelöft.
&or bem äuperften £l)ore ftanb ber >Katl). Sil* ber «König
Dorthin fam, jog er feinen grauen £ut mit Der gelben geber
ab, behielt ilm in ber ünfeu $anD unD reifte Die iKed)t< allen
SRatbömitgliebern, wäljrenD tfyn ber StynDifuö Kantend Der
StaDt begrüßte. 9u 11. War.j ful)r Der tföuig frul) um
11 Ul)r in Die $eteröfirc$e, ging um Den .jpocfyaltar, in bie
(»Jeorgenfapelle, unb von bort au* ^itrücf auf* 'JtatrjljauS,
bejtieg bann um 12 U^r rvieber feinen 3üagen unb ful)r nad>
3ittau.
Die Belagerung von kauften burd) Den Äurfürften 3o*
l)anu ©eorg von Saufen veranlagte am 9. September 1620
eine Befe$ung von ©örlify unD UmgegenD, Durd) Gruppen De*
$önig* griebrid), unter bem Befehle De* Warfgrafen 3ol)aim
©eorg sen. von Brannenburg ;3ägcrnfeorf. Die Wannfdjaften
lagen ber ©egenb nicfyt wenig *ur Saft ba fle auf «kofteu ber
Bevölkerung lebten. ;Hm 16. September beganneu jte eine
grojje, (Sdjanje auf bem *4!farrberge (cterfberg) anzuwerfen,
wobei tdglid) einige 100 Burger unb (£tuwormer Reifen mujj*
ten. Der Warfgraf ließ ferner bie Brürfe beim £otl)ertf)ore
abbrechen unD le&tere* fowie ba* ginftertrjor unb ^a(>Ur)or
verrammeln, 2luf ben Dbermarft würbe *ur fe()r nötigen
VlufiedHbaUuag Der Wilitär-Di*$iplin ein ©aigeu aufgerichtet,
Vliu 17. (September empfing ber Warfgraf unb bie Stabt ben
ältefieu Sofyn Jtönig grieDridj'*, welker beim Warfgrafen
©eorg wohnte 'unb am 19. weiter nad) Breslau reifte. —
Einquartierung blieb nun ftet* in Der 3 tan, unter ben Oberften -
©raf v. <5olm* unb ©raf v. iolimx. &l* ber Warfgraf
9lad)rid>ieu von ber 6d>lad>t am weifceu Berge erhalten &atte,
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lieg er unverfebenfl bei Wadjt Hbolpf? v. @er$borf, 2lmt$*
Hauptmann ju $au$en, unb Giorrfrieb ®lied> v. sSfilti$, Stm*
bifud ;» ©örlifc, vergaffen; fte waren beä Serrat^ befcfyul'
bigt, würben jebodj fpdter wieber freigelajfen, weil ifmen nrdjtä
nadjgewiefen werben fonnte. fim 21. Februar 1621 verließ ber
9Warfgraf @örli$. ffienige Sage vorder, am 21. gebruar
war burd) bie Stänbe ber £>berlauftf> — ©örlifr von OMiedj
v. ^uitm vertreten — ein Q?erg(eid} mit bem äurfürjten von
6ad)fen abqetVhl offen, nnniaet) fte |td) ihm, ber im Hainen
gerbinanb'* auftrat, ergaben unb naebbem jie »tteae für ir>r
1 1 oheritje^ Verhalten auägefprodjen hatten, ^er^eibung *uge-
fiebert erhielten. £)ie ^>u(bigung bed ^fanbfyerren , äurfürjtett
von 6ad)fen, würbe auf bem £anbtage ju Manien; um 13, 3uti
1621 geleiftet.
6eit bem 22. Wärj 1621 lagen al* $efa$ung jweu
Jäfynlein furfädjftfcber 6ölbner in ®örlifc, weldje im 3uli
burd) anbere erfefct würben, wie überhaupt ein beftänbiger
SÖedjfel ber Einquartierung war.
$>er Äurfürft felbffc war einigemal in ©orlife; am 28. 3ult
1621 würbe er mit großen (Ähren empfangen unb lub am
30. 3u(i ben ?Kath uiv Xafel. Er reifte am 1. ftuguft na eh
Im u hau. S)en 17. Oftober war er mit (ynhenog Jtarl von
JDefterreidi unb belli 9ifd?ofe von 93redlau wieber jurüdgefebrt.
9m 29. 3"li g^fdjal) in ©örli$ bie £ulbigitng. Älä
fu\Tmülu1>c &bgefanbte waren uigegen bie hänfener unb gor«
In.'. er Jpauptleute: ^irolph unb ©igmuub v. ©ereborf.
2£enn ©örli$ in ben erfreu jähren bed töriegeö audj mit
Einquartierung in großer Stenge verfdjont blieb, war bod> ber
3uftanb in ber €tabt, nid)t miuber ber Umgegenb ein wahrhaft
entfeftüc^er. 3)atf bamalige SBerbefvftem brachte eä mit ftd},
baß rof)e$ ©ejinbel in JfriegSbienfte ging. Sefyr oft würben
fold)e 6o(bner nun int knien unb burdjjogcn metfrend in
Kotten von 40 — 50 ©tarnt ©tabt unb tfanb, auf neue Hn*
Werbung wartenb. Diefe £eute mußten umfonft verpflegt
werben; fte aßen unb tranfen auf jtoften ber Börger unb
erzwangen ftdj, ben Säbel in ber Sauft, wa$ fte wollten.
5)afyer in jener ganzen $dt, wo bie geute Söunber unb JeiaVn
am Gimmel fatyen, unb burd} Kometen, Seueräbrimfte, £eu*
fd>reaenfd)Wärme geängfrigt würben, eine ungemeine 1 Infi eher
^eit auf ben fcanbftraßen fyerrfdjte. $)ie ©ölbner nahmen, wo
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fie etwad befamen; fie burd^ogen alä organijirte Ääuberban*
ben ftefylenb unb branbfdjafcenb bat* Vanb unb überfielen ßeute
in Der näcfyfteu $äl)e Der g l abl , au«? welkem ©runbe bie
Xljore ftetä mit Sachen befe&t waren. 3)a$u fam nod) feit
bem 3at)r« 1621 .£>unger3not() unb enorme ©etreibepreife, fo
ba^ am 11. Slugujc 1622 ein großer Auflauf eutftanb, in
golge bejfen t)ier§e^n $erfoncn, weldje fid) bei ^lünberung
von Varen beteiligt hatten, verhaftet werben mußten. 3m
3. 1623 gab eä ahuliebe Tumulte, waä tut Jolge haue, bafj
vom V a u r c feine Lebensmittel mehr in bie 6tabl gebraut
würben nnb ber Sftatf) ein förmlictyed ÜJebot ba^u auf V £anb
erließ, and) einen greimarft für 33acfwaaren anorbnete. 1624
nahm bie Unftdjerfyeit auf ben r tränen ui; ebenfo 1625, unb
ne Neuerung nicfyt ab. <5d)on bamald waren bie oberlau«
ftfcer c tarte ber Sanbftraßen wegen genötigt, einige 60 Wann
anwerben gu (äffen. Seit rem 3al)re 1627 ließen fiel) viel
3ßölfe auf beut iüanbc leheu, wo bie Ort hatten theiltvene öbe
(tauben unb Villen flüchtete , um ben (Einquartierungen gu ent-
gegen; im 3. l^B würbe bei &ol)lfurt ein folcfyeö ^aubthier
gefangen. (£ö i>atie bereite mehrere. Heine töinber gefreffen
unb war biö gum <Sd)wanje brei eine halbe (Elle laug.
9tad)bem fcfyon am 23. 2)fär$ 1627 SßaUenftein, «£>er*
jog yvou griebtaub, von ben görlifcer Sdjufyma.ljeru loOO
v!;aar 3dmbe begehrt, jebod) nur 700 ^aar geliefert erhalten
hatte, ber am bie <&ta\>t plonlid) am 4. 3Rai 1628 brei .Rom*
pagnien vom Don Balttyafar be sJJ?arabad?!)iegimeute ju 9to£,
in ber $$olf$weife „bie Seligmadjer" genannt, gnr (Einquar*
lierung. JDbrift biefer fanbern Sdjaar war fcouiö gaborbe,
aud) ber lähme Urban " genannt. 2)iefe Sölbner biteben
22 SBocfyen ba unb plagten bie (Ei nwofynev weiblid) mit
^efelu ii i Kaveri u dum \um fatljolifcfyen ÖHauben. Ungerechnet
bie cdntuNbamt, welche biefe rol)en $riegefned)te an bem
neiblidjen ©efctyled)t oerübten, be muhten fie ftd> raffinirt m
äigftigen. Sie Ijbfirten ben $auewtrtl)en in baä slJcittagbrob —
ein Offizier jwang einen Sblbner ein foldjeö @Jerid)t ju ver*
fd)lingen; — erftadjen bie '4ta|onen, welche il)nen nicfyt gefie*
len, ebne weitere llmftänbe unb Strafe alä Ijödjftend einige
iage &rreft $u erleiben; fdjoffcn unter bie Bürger, wenn ed
ihnen beliebte; ritten in bie «£>äufer, felbft bie Xreppen hinauf;
erpreßten SÖein unb @elb, wann unb wo fie ¥uft fyatten, furj
vtimit von 25 '
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fte fegen bie Surgcrfcfyaft mit ber gefucbteften ^oflbeit fuftana?
tifch auä. Diefe fauberen Äompagnien, unter benen ec* ©rie*
eben, Muffen, Spanier, 3taliener, granjofen, ja felbft dürfen,
außer ben Deutfehen, gab, verließen enblicb am 4. Ofteber
1628 bie Stabt, um vor Stralfunb *u tfeben. Der gludj
ber (Einwobnerfdwft folgte ihnen.
3m 3. 1629 war bie Ameln vor ben ücfttcnftciii'fc^cn
Dragonern alö (Einquartierung groß, bod> famen feine in Die
Srabt Itttb ber Äurfürft von Sachfea befahl, um bem von«-
beugen, ftetö bie Xi)ore $u bewad>en. Mc$ tfriegävolf mußte
beflbalb bei ber Stabt vorübergehen.
Die ^efebruugtfverfufhe ber Solbatcu in Sdjleften erreg?
teu ben ^ovn be$ «Rurfürfteu von Saebfen, welker überhaupt
mit bem faiferlicben 9leftiturioii$ebitt vom 6. 9Wdr* 1629
dußerft unjufrieben war, aufä bodjfte. 3i$dbrenb be$ 3ahre6
1630 unterbrürfte er riefe (Gefühle nod); aber im 3- 1031
würbe am 8. gebrnar von ihm in fcfeip^g ein oberfäcbftfdjer
Jlreiöfonvent abgehalten, in welchem man bcfdjloß ftd) wiber bie
religiöse UkrfolgungSwutt) in ^ertheibigungtfjuftanb \u fefcen.
(Ein Sdjreiben an ben Äaifer unb bie fatbolifcben föirfürßcn
würbe beöfyalb am 18. SRdrj 1631 crlaffen. Obwohl nun
ber Jiaifer unterm 7. 9)tai 1631 Die oberfädwfdjen Staube
unb ben äurfürfteu von Sad)feu aun/orberte, bie Lüftungen
unb 5Öerbungen eiujufteüen, fo gefdjab bie$ feineöwegä unb
Jlurfacbfen WHrbe fyinfort al# feinblid)e£ £aub behanbelt.
Um 6. Oftober 1631 fam bie faifcrlid)e 9lrmcc, weldje
biä bahin in Sdjleften geftanben hatte, in bie Oberlaujty unb
häufte fürd>terltct>. Die Söloner fdjlugen $huren, genfter,
Koffer, Äfften u\, ja felbft ^Hauern unb Oefeu ein 5 verwü*
fteten, wo fte fonitten, plünberten unb raubten aufbatf fredjfite.
Da£ ungebrofdjene Sloxn ftreuten jte ben ^ferben unter, beraub-
ten bie jfirdvm, fdjlngeu unb marterten bie dauern, fd^dnbeten
bereit SBeiber, iödjter unb SHägbe, erpreßten ben legten geller
unb trieben ba£ 33iel) heerbeu weife weg. &m 8. Oftober fam
ein fatferlicher ÄommiffariHä mit einigen 3 0 1 raren in bie
Stabt unb fragte, ob ftd) fold)e in ©Ate ergeben wolle? morgen
würbe ber ÜDiarfchaU mit 36,000 sJ)ca im vor ben Xf)oren ftehen;
ließe e# ber 9tath $um Sturme fommen, fo würbe fein $)teufd>
verfehont unb fein Stein auf bem anberu bleiben. 5Xau gab
eine unbestimmte Antwort; ba wirflia) ^iele von ber Bürger*
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ftfpft bic «bft*t fjegten fi* *u \>ertheiMqeti. $>o* al« am
10. Oftcbcr ber gelbmarfcbalf Änbolvl) v. Ztefenfaa) mit im*
*ät>ltgen Waffen anmarfdjirt fam, überjeugte man fld> bei b*r
e<f>wäa)e bet «efaeuug von ber Unmöglid)feit bie €taW *u
fairen, madjte einen erträglichen «ccorb unb erlieft in alle
^ättfa.ftatyrrictye ßinquarfieruug von Offneren unb (Sölfenerit
welaje, enblotf <e*enb, jaft alle vorhandenen Lebensmittel »nb
(»)etränfe verjel^rten. $te «rmee lag 5 Sage in unb nm
CWrflfc, tmb 5Df3 am 14. Cftober weifer, 2(X> WuSquetiere
^efa&ung *urürflatTenb. »I« biefe wegen «nnäljerung ber
fäa)fi|d>en Hrmee am 19. Dftober bie 6tabt räumten, mußte
Ihnen nodj vom Statte ber 6olb auf einen f>alben fRonat
be^blt «nb bem Hauptmann ein filberner $ed>er gereift
werben.
$en 24. trafen bie ©ortritwen M fädjjlfdjen ©tneraf
«rnfyeim unter Obrift (Draf v. £olm* ein, unb würben in
&örli& einquartiert; ben 26. Dftober Srnftetm felbf* mit bem
Hauptquartier, welches am 30. tuufi Srt)lefien aufbratfj. 3nrürf
blieb nMr ba* edjwalbadffdje Regiment unter bem JDbrifiN
Söadjtmeifter 4>an« %abim v. ^oniefau. $>a* Regiment
marfd)ivte am 20. November wieber weiter, nadjbem über 300
(§olbaten unb fo viel (Sinwofjner an ber <pef* geftorben waren,
baß ber Raty einen befonberen ^eftarjt in ber Üßetfon beö
3ad)aria$ Ärtbreaö annahm.
$er tfurfürft von Sadjfen, weldjer iir biefem Söinter in
Söhnten ftegreid) einbrach, l>arte unterm 5. September 1631
von Xorgau auä befohlen, baß ein Sequejler auf bie ©üter
ber 6tabt ©orlip gefegt werbe.
»efanntliej nötigte SBallenfrein im Sritfjjafjr 1632 bie-
(Saufen, $öl)men urtb ^rag ju räumen, (§r felbft jog vor
Börnberg, ließ aber ein anbereS Storp* aus Sfi^vftt in
bie gatitfy marfd^iren.
Hm 11. 3u«i fam ber ftelbmarfdjall gretyerr £auntf>al
v. (Sdjanmburg vor ßtörlifc, wo nur 200 ©adrfen lagen.
Tag* vorder fc^on war ein Äornet mit einigen Wann über
bie Steife gefegt unb !>atte bie €tabt anfgeforbert, ftc^ ber
faiferlidjen &rmee ju übergeben. $iefe gorbmmg würbe am
11., als fid) ber SSorrrab geigte, wieoerl)o<t, mit ber S)rof)ung,
wenn We Übergabe nrajt binnen einer Stunbe erfolge, bürfte
We ©tabl mW ^lünverung Hnb geuer ntinirt, alle* «ebeubige
25*
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niebergefyauen uud baä Jtinb im SWutterleibc utdu »crfa)ont
werben. Dcofyalb gingen einige iKatljemitglicber unb einige
jafonen von ben ^anb|tdnben $um General in'd 2ager unb über-
gaben .bie 3 tan auf benfclben 21ccoid wie im j. 1631. (vd
würben Quartiere für bie fyofyen Dffijierc befdjafft unb Die
ganje <5tabt mit Solbaien gefüllt; von ber fddjjTfdjen ©arnifon
mußten bie Sölbuer bei beu Jiaiferliajeu !Dienfte nehmen, bie
einige jeit lang verhaftet gehaltenen £)ffj)iere aber würben
entlajfen. xHiu 12. brad) baa Hauptquartier wieber auf gen
Jitiau unb liejj 250 3)iaun guofnedjte unter bem Jtommanba
beä ßbrift Viiiiriiivinfo sl>arabeifer ale (Marnifon umuf. ge$*
terer ließ baö reiebenbadjer unb Wfolaitfyor mit (Srbe ver*
fd)ül teu, unb in beu &aifertru$ fefyr viel 3 leine tragen, um (cd)
barin im Sfotfyfall auf bae* ^eu^erfte ;n vertfyeioigeu. 5)cn
30. 3uni fam ber ®raf ca)afgotfd) mit circa 1000 SRann
wallonifd)cn, fpanifc^cii unb franko ftfa)cn Leitern. 8ie waren
biö nun 9. 3uli in ben Vorftäbteu einquartirt unb fügten
beu (Smwofyuern unfäglid)eu £djabcu ju. cd)afgotfa) *og
am 9. 3uli ab, bafür fam ber greifen Kbrifttan v. 3low
mit \wei Regimentern, ^efctercm modjte erflärlia) erfreuten,
rat? eine orbentlidje Verpflegung ber £ol raten nidjt möglid)
fei, wenn fie in ber £tabt fo Raufen Dürften, wie ed biö Da-
hm gefa)e()eu war. ($r ließ au alle Xborc anklagen:
1) (S$ füll fein Offtctrer uoa) SolDat von feinem 2öirtl>e
etwaä forbern, ale einzig unb allein Servitute (mit <£>öfliaV
feit) mit bem anbern fotien fic fid) au bc$ fttiferf Proviant*
Ctuarticrmeiftcr wenbeu.
2) 3ollcn aud) bie ®artl)c in beu Vorftäbten unb baö
liebe (betreibe auf bem geloe feiue*weg$ ruiniret werben;
3) Xic 93ürgcrfd)aft bei Ü)icu bürgerlichen {>anbtl)ieruiu
gen, iugleid)en bie Tawern gelogen werben.
4) £oll fein £olbat weber ju Roß nod) m gup ofjne
Grlaubnifl feinet Cffuiercrö ftd) betreten lopcn.
5) i)ie gifdje in Ieia)en follcit verfajouet unb niajt,
wie (miHhto, mutjjwilligcrweife forterbet werben.
2Bonad) ftd) alfo ju ridjtcn unb vorsufe^cn, unb vor beut
Uiiglürfc $u l)üttcu wijfen werbet.
Saturn, ben J2. 3uli 1632.
(£l)riftiami$ greiljerr von 3low.
2)en 21. 3uii ging 3low mit s4$arabeifer unb ben übri*
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_389_
gen Truppen ab. (*S blieben 200 «Wann unter bem Obrifi*
iientenant £elwig £etffel ^urftcf als Sefaftnm). ($r tie# 10
Käufer t>or bem grauentbore einreißen, Mm bem etwa anfom*
menben geinbe feinen föaum w geftfe&ung $n gewähren ltnb
befahl am 6. $1 tupft 4 Deferteurfl 31t erfebießen, meiere auf
ben grauenfirrfjlwf begraben würben. Diefe Truppe ging am
7. Hngnfl nad) Seriellen ab, bafür fam ^arabeifer jurürf,
melier ber Stabt febr große Soften wurfaebte unb in feinem
SkrpflegungS Reglement befahl, baß jeber Hauptmann mb*
cbentlid) 9 Tblr., ber Lieutenant 4, ber gäbririd) 3 uub ber
Äelbwebel l $Mr. 8 (Mr. von feinem «RSirtbe erhalten folle.
flußerbem ließ er ftarf ftyingfft, s£äHme umbauen, überall
$*erl)etfe unb 'Jtaüifaben anbringen unb platte bie Bürget unb
dauern auf ba$ SRutfywiUtgftc
$m 25. September braa) er plöfclid? mit feinen beuten
auf unb aing nach Styfltttt, wegen 5Ännäf)erung ber fäd>fifd)en
Ärmee. 3U ienet 3*t* wntfyete bie ^efif ungemein in OJörlifc,
fc baß zuweilen 30," 40, ja 50 ^erfenen an hinein läge auf
ben OJotteSarfer getragen werben mußten. ftarben im
Saufe biefe* Sdjrerfentfjabrefl 5513 ^erfonen, barunter 106
Solbaten. lieber biefe Summe finb nod) 592 }« jatylen,
weldje ber Tobtengräber gewöfynlid?, otyne Wnmelbung, frür) auf
bem tfird)bofe fanb.
Um 4. Oftober 1632 fam neue (Einquartierung, 200
9tantt Saufen unter bem Obrift^Sieuteuant ^riebriet) t>. uRafd)-
toxi, bie vom Bürger gebeten unb Selb erpreßten, fonft aber
im ©amen 9Jcannfyu<bt gelten. Sie foüten freilief) t>or*
fdjriftSmäßig nid)t£ befommen, als eine tfagerftatt, $e\s, 2id)t
unb Sal$. tMm (*nbe be* jabreS 1632 war ber Obrfft^ieip
tenant griebria) 3öilf)elm t>. ^ifctfjum tfommanbeur in ©ör-
lifc, unb unter Etat ftanb sDcattr)iaS t>. SBvfart. -
93i$tbum ging am 19. 3anuar 1633 ab; an bie Stelle
feiner Schaar famen $wet anbere ^Regimenter furfürftlid)c
fädjf. Truppen \i\ fRoß unb guß, weldje bis jum 25. 3anuar
blieben unb bura) anbere erfefct würben, fo baß bie (Uantifon
ba$ ganje 3aljr Mnburd) wedjfelte. Slm 4. Oftober ging bie
ganje faa)ftfd)e ?trmee auS S Rieften jurücf, r)interr)er folgten
Kroaten, weld)e uberall mit bem geinbe jHfammengerietpen.
5Sm fdjlimmften war Sterbet ber Stanb beS LanbmannS, wtU
a>r »on gremtb unb geinb auSgeplünbert würbe, 33e^
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390
fafcung in @öi (in blieben .300 9Jiann erlefene Vcutc unter Dem
CbrijbSBadjtmeifter ©eorge Äodjau vom 2Bi(öbruf?fd)en Sc*
gimente. Sie befestigten Die StaDt aufä Sorgfältigste.
?tm 30. Dftober, Dem (Sonntage r an welkem *J}rc-
bigttert ifü: „Webet rem tfaifer, ivaö be$ ilaifcrS i|V fam gegen
Wittag bei faiferliche ©eneralifftmuc* ^aüciiftein £erjog von
grieDlanD, nebft Dem gelDmarfchall 3lon> vor Die 2. tan gep-
rüft, [parte He ab unb fdjirfte einen Xrorapeter an Den JObrift-
©adumeifter föocjtyaH, mit Der Ermahnung, Die StaDt aufju-
geben, in welchem Salle 2lbuig mit Sarf unb ^aef verheißen
tvarb. Lochau erflärte, bi* umi 'lobe ueh vertheibigen 411
trollen. 3low tief? nun bie S lüde auf Die Stabt richten, ioltK
ununterbrochen befc^te^eit, von 2 11 lu 9iadjmittagö'bic3 Iflbenbd
6 Uhr. 3" Itytcrcr Stunbe fiel Die Stabtmauer am Rätter-
berge ein.
hierauf fdjicfte ber Selb »9R*ff$aN noci)tna((3 an Den
Obrift-Sachtmeifter, bie Stabt in Der öm'uc ui ubergeben.
Dod) Lochau blieb, obgleich ihn Die £anbft«nbe uuD Der rKaih
jur Uebergabe vi bewegen fucfcteu, ftanbhaft nur äußerte, nad)
Ablauf reo 1. St 11111 ico würbe er ud> erfläreu. 9c* ad) 6 Ulu
beorberte Demnach 31 ow Drei diegitneuter juni Sturme, welche,
obgleich Die (Sachfeu fid> ftanbhaft wehrten, Dennoch um 7 Hin
fowohl Durd) Die Srefdje alt* an anDeren «Stellen über Die
sDianer in Die Stabt famen. Sie brangeu, mit Vierten uuD
beulen Die £>au$t()uren auffd)fagenb, in Die ßiebäube, rlimret
teu Die Schränfe etc., ftacijcn weber, wer ihnen in Den 31>eg
fam unD bannen fürchterlich. s^d()reuD Der ^lunDeruug fam
burch 3krwahrlofung mit breuueuDem Vidu unb Vinnen mu
Dem JDbermarfte ach ei au$, unD eo brannten Drei 33iert>öfe
mit allen ^mieilninfcni fammt Dem (Srfijaufe nur einigen flei
neu Käufern am Älofilergä^chen a&, wobei baö @t>mnafium
in große ®efaf)r gerieft). &m llutermarfte brannte etn Jtram?
laben au$. 9iacb 2 Stunben ^UüuDerung lief* Der gelbmar*
iduili 3low Vllarm trommeln, unD aufrufen iune ui im Iren ;
Doch wollten Die l'eute nid)t aufhören , biä 3tow unb ©eneial
Sd)crr felbft h^umgingen unb einige Piiuberer eigenhänbig
lueberaeftojien hatten.
SSochau, ireldH-r in Den &aifertru& gebuchtet U)ar, mußte
fuh am folgenbca I aae ergeben uuD würbe im ^nnuqei mit
einem mebcrgef^offeti. <S«jn Leichnam blieb einen gan*
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301
acn Xag öffentlich unbebertt jur €d>au liegen. ttut 1., 2.,
3. unD 4. 9io»ember wurDen alle fyofyea Generale iu Die Stabt
einquartirt ; an Unterem Xa^c ging Der gürft &lbred)t v. ffiaU
lenjteiit J£>«r^oq von griebiauD mit Dem gaujen Kriegdvolf Dura)
Die StaDt. 5>ie gait^c Hxuitt braa) nad) Sauden auf, uub nur
300 Mann unter Dem Hauptmann ^eter (*mrid) blieben alä
$efa$ung jurütf.
9M im 3. 1Ü33 war Die $ejt al* böfer ©aft in Der
Stabt. (£t ftarben an if>r in unD außerhalb Der dauern 726
^erfenen, außerrem 435 Sclbaten. gelb jimorte au* SBer;
jweiflmuj waren feine feltene (*rfd)einung.
£*euu fdjon in Den 3af>ren 1631 unD 1633 ©orlifc Die
SeiDen beö Kriege* gefoftet, fo follte Dad ^al>r 1634 in Diefer
Sqicfyuitf) Da* bitterfte werten. £d>reden unD Kummer war
im (Geleit Der Belagerung von 1641, aber nid)t iu fo auägc;
Defynter unD grauenhafter Seife al$ bei Den meljrfadjeu s4Mwu
berungen Deö 3ai>re$ 1634. ^Öanrfe, fo bavfd) unD grob er
fein modjte, l)ielt wenigfteitf auf Manue^udjt, wao bei Den
Kaiferlidjen faft gar niebt Der gall war.
£>ic Einquartierung wurDe im janiiar 1634 Durd) fünf
Kompagnien unter Surft i'obfowifc vermehrt unD Der (Sinwol)-
ncrfd)aft &ur DrücfenDen fcaft, Da Jeber alle BeDürfuiffe Der
iruppen ebne irgenD weld)e Unterftüfruua liefern muffte, naa)
SBaUenftriiTa ©ruuDfa&e: „Mit 60,000 Mann fouime id) billig
ger weg alö mit 20,000. 3ene ehalten fid) felbft, Diefe müf<
feu erhalten werben/' Jim gtyril fam Die KunDc, Daß Der
Kurfurft von Sadjfen Sauden wieDer eingenommen, eine sJlaaV
rid)t, weldje Den gürften gobfottift ^um eiligen 2lb$ugc verau-
lajjte, nadjDein er binnen 4 Stunben 71MX) Xl)lr. von Den
l&nwoljnern erpreßt l)attc. 3>ie fäd)f. 2ltmee jog nur vorbei,
fo bafj am I. Mai fdjou gobforoifc wieDer $efafying nad) ©ör*
li$ gelegt Ijatte, weldje fpätcr wieDer ab$og unD 170 Mann
£ad)fen ^lafc mad)te; Denn Die fäd)f. Hrmee war fortwd^euD
in Der £>bcrlauft$ unD weiibete il)re Märfdjc mehrmals jurüd
nad) Den Stellungen Der faiferlidjen 2lrinee.
Xrofcbcm fonnte am 12. Mai unvermutet Der faiferl.
©cneral; Major Samboi mit vier ^Regimentern *u 9*oß, ttyeilS
Kroaten, Spaniern unD Italienern vor Der €tabt erfdjeinen,
Da* grauenr^ot anjünDcn, Die ©taDtmouer in Der 9?äl)e fvreu-
gen unD eiligft fturmeu, worauf, oijnc Daß Die fäajf. ©arnifou
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392
einen <sd)uß getfyan, eine neue *piünberung von @örli^ vor
fid) ging, unb waö nod) etwa vorfyanben war, geraubt würbe.
SBäfyrenb ber ^lünberung er|"d)ieuen Saufen vor ber Statt;
i'ambot ließ $u Uferte blafen, unb geriett) 3wifa)eu ($ber*baa) unb
©irbigäborf mit ben 6aa)fen in ein @efed}t, welcfyeä mit fetner
9?icberlage enbete. Die 6a<fyfen brachten 82 9Rann $obte in
bie 6tabt. Sie würben auf bem 9tifolaifird)l)ofe eingefdjarrt.
Slbenbä waren bie Saufen wieber verfdjwunben. £amboi
feierte prürf unb ließ noch bie ganje ÜWadn binburd) plünbern,
verlieg aber am 13. in ber grütye wieberum ©örlifc, um nad?
Sdjleften ;u jieljen.
£m 8. 3ult (25. 3uni) erfdnen abermals ber verrätljeri'
fa)e Satr)fe, weiter am 12. sMai fo fcfyleunig ba$ gelb ge-
räumt hatte, unb wollte nun 811 eä von ber (£inwolmerfcr)aft
erfefct fjaben, waS ihm auf feiner feigen gludjt verloren ge*
gangen war. Dod) al$ gelbmarfcball Vhuhiim fein bamaliged
iöenefjmen erfuhr, würbe aitö biefem Verlangen nidjtfl, fonbern
biefer Bramarbaä vor feiner töompagnic begrabirt, tfym ber Degen
jerbrodjen unb bie (Stüde ind @cfid)t geworfen, fo baß er mit
6d)impf unb €a>anbe weisen mußte. Den 9. 3uli ging ber
Äurfürft von @ad)fen mit feiner flrmee burd) ®örli$ nnb t>attc
bi$ }nm 11. fein Hauptquartier bafelbft. Sllle Käufer in ber
€tabt unb auf ben umliegenben Dörfern waren angefüllt mit
Sölbnern, wcld)e verpflegt werben mußten. Der Hauptmann
Äcclc blieb mit c. 140 Wann a(6 ©efa^nng pirütf. «m 12.
December fterfte nod) ein Irupp Kroaten vor bem Weißtfyore
einige £äufer in $ranb.
3m 3. 1635 würbe ber grieoe jwifer/en bem Äaifer ger*
binanb unb bem äurfürflen von Sadjfen abgefd^lotlen, unb
biefe freubige Gegebenheit am 3. 3uli bura) baö Abbrennen
ber Stüde unb ein dreimaliges $MetoriafdHeßen ber ©arnifon
au$ ben 9Jfu$fetcn gefeiert.
Sfimfte« StapittL
Dir (Srbtyulbtgung ber £)bcrlaufi{> an ba* ßurljauS
6ad)fen in ©örlifc. 1637.
€d)on am 6. 3uli 1620 r)artc ftd> ber tfaifer, welcher
bem Ankaufe ©adnen 6 Millionen Xfyaler fdjulbig war, ba-
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393
fytit verglidjen, Sc. furf. Durd)laud)t folle fo lange bie betont
arfgraftljümer Ober- unb 9tieoerlauft$ pfanoweife beftfcen,
biä Der .Uaua riefe (Oelber, fammt allen baraufgegangenen
Äeften wieber rid^tt^ *urütferftattet fyabe. Da bie# nun ber
jtaifer ntd)t im 3taure war, unb bei Umftanb, bajj im 3.
1635 bie furfürfH. fäd)f. Xruppen fiegreid) faft gan$ (5d)lejien
inne hatten. Den hattet utin s}iad)geben veranlagte, ging baä
Ü)?arfa,raftt)um im prager grieben bura) ben fogeuannteit Xra*
bitiouöie^cfj auf ba$ .Um l)auö <5aa)fen über. Die Uebergabc
qefdjab fa)cn 1 635 f bie (Srbfyulbigung tonnte jebod) vor bem
fotgenben 3af)re nidjt, unb war nur in föorlife vergenommen
werben, ba bie I)auptj~äd)lid)fte 3tabt, Sauden, gar nid)t im
<5tanbe war, im 3. 1636 fo viele unb vornehme (Mäfie auf*
junefjmen, wie ftd> bei bergleiajen geierlicfefeiten ftet$ eiiiftuftn*
ben pflegen.
Hm 6. Oftober 1637*) 9)ctttagö 1 1% fam ber Ätir*
fürft /s Mm n n George mit feinem gefammteu »öofftaate nad)
@6rli$. Der Abel unb bie anwefenben Sanbftänbe waren itym
entgegen geritten, ebenfo bie gefammte 93ürgerfd)aft. Sic
empfingen ben neuen (Srbfjerren auf freiem Selbe mit großer
geierlidjfeit unb beim Vorbeigehen an ber fcanbeäfrone würbe
mit Kanonen gefajojfen. Vor feinem (Sinjuge war bie Vür*
gerfcfyaft wieoer in bie 6tabt gerüdt unb l)atte fta) vom rei-
cbenbadjer $fyore an biä sunt Otat^aufe ju beioen Seiten ber
Strafe in Drfcnung aufgestellt. Der Äurfurft fam ^um rei-
ajenbaajer $bore in großer tyiaüft eingebogen. Voran jogen
8 Xrompeter unb ein JJpeerpaufcr; bann 6 fd)öne SXojfe mit
fa>war$en Deden, auf beneu ba$ furfäd)ftfa)e Sappen geftidt
war, Hnb 10 sJJ?aulefel mit ©epätf. Der flurfürft flieg unter
brei Victoriafalven ber S3ürgerfd)äft beim Satfjfjaiifc ab, wo-
felbfl fein Duartier bereitet war.
siRit bem Jlnrfürften, bei beffen ($injua,e mit alten ©loden
geläutet würbe, famen 3oad)im v. 6d)lemi$, Sanbvoigt ber
bberlauftfc, ber Dber-^of-SWarfa^aU $aube unb ßatmanu
Deajant von Vau&en. §e$terer nafjm in ben brei (Siefen fein
Duartier.
DonnerftagS, ben 8. Dftober ritt ber urfürft in bie $e*
•) £anbfd>e Gf>ronir (im Seft* b<* €tabtrat^ ÄÖ^Ur) III. p. 7*0 f.
®ro§«, 8. SR«f»ürbigf. I, 260 |f. Ääuff« IV. 260 ff.
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394
terdfircfye. 3l>m feilten $u guf? feine SRätbc, ber &bcl unb
feie 9Ratri$berreu au$ aüeit €cd)$ftäbten. Der «fturfürft ftelltc
ftd) auf l>e» (£l)or unb Ue0 ben Jfconlcucbter weiter hinauf'
Riehen, Mm ben s^rct>tqer beffer fehen au tonnen, prebigte
bei JÖbcrfyofprebigcr Dr. tWattfna* .£>nc von «£>ocneg. 9fad)
ber ^rebigt ritt bei* Jturfurft jurücf }um föatbbaufe, wofelbft
bic feierliche ,£>ulbigung vor fta) gina,.
3n rem 6 aale war ein mit foftbareu Xeppicben belebter
Tbronbimmcl angebraebt, unter welchem ber tfurfurß, feine
*Kätl)c ;nv Vinfen, ^lafc nahm. (Hilter von if)nen hielt an bic
verfammelten 6tänbe von Bant) uub «tabt eine Siebe, wenn
fte ftd) al* geborfame Untertbancu beweifeu wollten, würbe
<5c. furfürftl. 1 )urd)laud)t fte bei itjren ?)ied)ten, Privilegien
unb Aicilu'itcu in Religion* nur anberen Dingen belaffen uub
febufcen, wie biefl von friibereu äaiferri unb Königen gefa)cljen
fei. Darauf würbe ber .öulbigungöeib vorgelefen, uub vom
UM ftefycnb, von ber (^eiftlicbfeit unb ben 6täbteu fniecnb
mit vorgeftreeften ^wei Ringern naebgefproerjen.
sJcacb ber Ücreibigung trat ber «fturfurft an ein mit $ep*
pidjen behaugenefl Renfter auf bie 33rübergaffe binauS; bort
war bie $ürgerfcr;aft verfammelt. Deö Äurfurfteu ©eljeini^
fefretdr berichtete von l)ter au$ ber ©ürgerfdjaft, ba(j bie
(Btänbe ben (*rbbulbiguitg$eib abgelegt bannt, ermahnte jte,
ihren £ehenöeib *u leiften, unb fprad) tl>ttett ben ol)iie SiSiber*
fpruef) geleiteten (fib vor. (£in freubigeä gebeboeb fcblofi bic geier.
Die folgenben üage bitf juui J5. £>f tober, beut £agc ber
VI In ci i c bc$ jturfürften, vet gingen unter ÜBert)anbluugen aUgc-
meiner lauft Knobcr Hngelegcnbeitcit, beren (Erläuterung uia>t in
bie €pe3ialgcfdjtcbte vou ®örli$ gehört.
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Uifrtts pud).
Kon »efifcttafjme bcr ©tabt burd) Mut-Sacbfcn bi$ $um
Ucbergange an bie Ärone Greußen tmb auf bie
«tiefte 3ett. 1636-1850.
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<
Die Belagerung ber £tabt ©orlifc im 3. 1641.*)
a beim Hfrjtyfaiffe beö ^rtifular*griebeue jwifdjen bem
Jtaiff? gerbinanb unb bem Jturfürften 3ol)anu Qteorg von
«Saasen, bie Jtrone (Sajweben nic^i $u 9tatl)e gebogen war,
fanbeu jid> bie £a)weben bewogen, gegen Jiuvfai1)fett feinblid)
ju verfahren unb f antat im 9Kai 1639 aud) nad) ber £ba-
laujify. ©örlifc würbe von ifynen befefet, bie ©ürgerfdjaft
entwaffnet unb 51t 3<if)tungvon 20,000 Xl)lr. Jtrieg$*(£onrri'
bution gelungen. 3m SKärj 1640 traf ber JDbriftlieurenant
3afob lÜßaurfe von Zittau in @)örli$ ein, übernahm bett übet
bcfefyl mir fefcte bie ctart auf baä forgfältigfte in 93ertf)ei?
bigungäjuftanb. 8ein fefyr fd)wad)eä Regiment vefvuttrte fiel)
in einem Umfreife von 3 teilen um bie ^abt unb eben fo
weit erftredteu ftd) aud) bie £ieferunge-$(u*td)reibuiigen von
s3)cel)l, (betreibe, üBiet), Lebensmitteln aller 2lrt unb ©elb;
ftc mujjtett von ben 9iittergutdbefi$eru unb Dcrffdjaftcu in ber
Umgegenb unter 2lnbrol)ung von ©ewa ((maßregeln im 2Öei*
gerungöfaUe bejriebigt werben. Xäglitt) fanben in ber 6tabi
^rerrieriibuugen unb ^ajanjarbeit ftatt. s)iod) mefyr SMnftalten
*) SBei tiefer £arfteUung ift l;aupt|ad)lid> eine im 3. 1777 in ®ör*
li| erfefrienene (sdirift benufct, in »elfter #vti Xagebüdjer, einö in C&ßrlifc,
tat anrere beim $3elageruna,eforpö geführt, ntfammengefteUt unb neben
einanber gebruett jtub. öeifce tvaxin fdjou 1U4I, in Wmlib unb in
Qretfbeu im Ü)ru(f erjetyienen, aber feljr feiten geworben, baljer bie neue
$(uj*aa,e im 3. 1777 erfolgte, ttuf ber aWilidffdjen $ibliotf>ef etijtirt no$
eine im 3. 1641 nad) ber 3eid)nuug bces fädjjifdjen ©eneral - Ouartier*
meifter- Lieutenant ÄKeldjior <Bc^lomarbe geflogene Rupferplatte ber 99es
lagerung. Die SUpferjiidje jinb beigefugt bet »ulgabe von 1777.
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jur S8ertr)eibigung würben im 3. 1641 gemalt, al$ Unfangl
3uni baö ®erüO)l ging, taiferlid)C nur fäcfyftfcfye $ruppen
feien im xMnuuic auf ®örli$. 3n l»er Jtlofterfirdje unb allen
33au(id)feiten beo tflofterä lief? tarnte ^Diagajine anlegen.
3n^wifd)en t>atte ber äurfürjt von (Eacfyfen wirflid) ben
@ntfd)luß gefaxt , bie <5tat>t um jeben tyxtte in feine Gewalt
;u befommen. I er ©eneral Jelbjeugmeifter QJolfc befam öefetyl,
bie Btabl einzunehmen unb traf am 23. *3uli 1641 mit feiner
Äavallerie ein, machte aud) rafdj einen frei(id) uu{3lofe"n Angriff,
in ioi$t befielt 21>antfe fämmtlid* ^evmir u\ gegen 600 Käu-
fer, in 33raub fterfen ließ. $)iefer großartige $5ranb wüt(>ete
bitf gum an ran 3)iorgen unb braute bie innere €tabt in
foldje ®efal)r, baß ber Jtommaubant fofort ben 93efefyt gab,
alle Finnin von ben lagern $u |d)(agen, wobnrd) ber
^ürgcrfdjaft ein 6d)a9en von vielen taufenb £f)alern enrftanb.
9it btefem $age, beut 24. 3u(i, fürten alle Xfnrrmer auf w
fdjlagen. Slbenbä würben bie Bürger auf t\a$ Wnrhhano ge*
rufen unb ihnen vom ftegimeurä Ouarrtermeifter befolgen, höh
beä heftigen C%fd)ii$feuerö otyne fluflnafyme an bie €djan$ar*
beit rii geljen.
Hm 25. 3wli flin^n bie $aiferlid)en frur) um 7 Uf)t
über bie Weiße, fa)(ugtu oberhalb beä <Sä)ießf)aufe$ unb unter*
halb ber MVnblen jwei ©riitfen, unb fdjlugen auf bem 9taben<
berge, ber laubaner €traße, ber Sdjanje unb $$iel)Wetbe £äger
auf. Tie belagerten bagegen matten in ber 9?adjt einen
$\ no [all, gtinbeten vor bem reidjenbadyer Ihme nod) einige
ftefyengebliebene Käufer an unb bradjten einen (Befangenen mit.
Üm 26. 3hü würben aud) bie ^ienfimäbdjen uim €d)an-
$en gezwungen. Die (Waffen an ben Stabtmanern mußten mit
^laüifaben verrammelt unb mit Junger verfettet werben, um
bie Sfeirfung ber Jfonoiienfugeln ;n ulnvaaVn.
golgenben $ ageS würbe bie SÖurgerfcnaft bei üageöanbrua)
auf baä JHatbrjauä entboten. waren jebodj bie Weißen
;n «£>aufe geblieben um ftd) ber üfrigeu 8a)an*arbeit \u out
^iefyen. I a brad)eu bie ^djweben in bie Käufer uub jwan
Jen bie Bürger jur Arbeit; bem Mat^e [teilten fte Xob burd)
telver unb 3Mei in Huejid)t, wenn bte $5ürgerfd>aft nia)t
jal)lreid)er erfd)ieue.
£)en 28. 3uli bauerte bie Sd^angaritif fort. 3^>«tf
mußte brei ^erfonen fallen $ ferner jeber sMxty 10 $funb iim
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I
399
über ©lei unb alicrhanb ©erättye jur 6d)aiMarbett, wie gdffer,
Vierte, 93eile, Schaufeln, OJrabfdjcitc liefet«, bie £tabt aber
täglid) ad)t gaö $ier auf bie $Bad>t Sofien feubeu. Hin
fyeftiger Regenguß tl>at baö fehiige, um Die aufgebeeften ^äufee
$u ruitüreu.
Den 29. ju(i würben ade »Jtarfoiteft in ber <3tobt g*$4fjli.
fanben ?id) mit £öirtf)en, Äinbertt unb <*>c?Inbe 3388 9*er*
fönen. Da «Biete jty »erborgen Ijatten, ijt je*o$ biefe ttngabe
ntctyt ganj genau.
30. Swli, Dtnetag*, traf außerhalb ber 6tabt letzte*
unb fdjwereö ©eföftfr, nebft *wei Regimentern fäd;flfd>ert gti(i*
wlfeä ein, welche auf ber Sdjanje hinter bem beil. (%abe
imb über bem Mfolaifird^ofe fcdger bereit.
Den fctgeubeti 'Jag, 31. 3uli, bauten tie ©elagerer
jwet Rebouteu auf bie flhiböfyett bei unb $cnnei3-
borf; jte v>erfucl)ten uod) Ebenes um 10 Ul>r eiueii Un-
fall auf bie Drcirabenmufjle, unb befcr/cffcu beu i'fyurm mit
$efd)ütj. Die bort voftirteit fdjwebifd)eu Solbaten n>tefett ben
Angriff jurürf.
2lm 1. ^lugufi bcfdjotjen bte ©clagerer t>on früf) an ben
ruuben ül)urm au ber ^JJiible mit 4 Äaitoneu ; ungeachtet ber
lljurm bebeuteub ^erfcfyoiJcn würbe, blieb bodj ber gegen sJKit*
tag begonnene vs-turm auf bie 3)?ü()te, bei wcldjem ein £biift;
$ßad)tmeijter ber <stürmenben fiel, ebenfo erfolglos, alö ber
3$erfud), bie Steipbrücfe in sSranb ju fterfeu. Kebfyafte* ©e*
wcljrfcuer in ber Wadjt ergab, baß bie &aifcrlid}cn in ber
Jtatole auf baö £)d)fcnt()or einen Singriff vcefudjt, aber burd)
bie belagerten mit einem WuflfaÜ jurürfgeworfen worben wa*
ren. Die £ad)fen auf ber Scfyauje warfen folgcubeu iaged
eine Batterie auf.
Den 3. 2luguffc würbe r»on Racfymtttag 4 bid SIbenbd 8
\\i)x mit 4 .Kanonen baö ^pottyerttyor bcfdjoijeu, unb bort ein
Stüd 3Rauer niebeigeworfeu. (Sin € turnt bei ber Dreirabeu*
s3Nüt)le war wieberum erfolglos. Dagegen mußten bte <S(fywe*
ben bie $otl)ergaffe aufgeben, weil einige faifertietye Jufante^
rifien, welche über bte Reiße gefegt waren, burd) baä ger*
fdjoffene gärbcfyaue*) in bie £ot()crgajfe brangen unb burd;
•) ^ot^tgatTc 9tP. ««4 b.
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400
tf>rc llcbermadjt bie bort yoflirten 30 Wann (Schweben jum
Mütfjuge jwangen.
Hm 4. Viih]ii|"t würbe baä <2d)löfid}en von 7 Ufyr Bor-
gens au fo jtorf befdjoffen, baj? jum großen Sd)recfen ber
itirdjgäiiger wäfyreub ber $fmtöj>rebigt bie Steine aud ben
Pfeilern ber $eterdfird)e fielen. Sie 6ad)fen näherten (idj
burd) Saufgräben auf ber <£>ä(tern)iefe ben geftungflwerfen am
grünen (Kraben; wäljrenb bie 6cr)roeben in bie JteUcr brarfjen
unb bort plünberten. Statute verlangte gebieterifd) ©djanj-
gräber, liejj fidj jebod; burcb $ürfprad)e eiifcä Dfjijierä baju
bewegen, feinen SBefefyl, and) bie gefyrcr unb ®d)üler bei ben
6d)an$arbciten }U veiwenbeu, jurürfjuneljmen. $)a$ ©raben
würbe fo heftig unb ununterbrodjen biä in bie 9fad)t vom 1 1. Üü-
guft fortgefefct, ba|j viele $erfonen vor (Ermattung bei biefer
Virbett tyren ©eift aufgaben. Bei ber Pforte (ü&ebertfyor)
warfen bie Saufen Scfyanjen unb eine Batterie auf.
Hm 5. ttuguft bauerte bie tfanonabe auf bie ^ei^brürfe
unb Bicrrabenmüljle von frur; 4 biet 9fad)mittag$ 3 Uljr un-
unterbrod)en fort.
Den 6. Huguß fam ber Jlurfurft von Saufen nebft
bem ©eueral'gelfcmarfdjaU «jperflog Wtoecty Su ©adjfen nadj
©örlifo, bejog ein Duartier auf bem legten ©arten ber
3afobögaffe (bamalö 9?o. 844.) unb naljm mit bem £erjoge
nod; an bemfelbcn^agc aUeBelageruug$^beiteniu2Iugenfd)ein.
?Jm 7. unb b. $nguft mußte jcoer Bürger in ber 6tabt
12 ^futtfe Biet ober Sinn fdjaffeu. Die nod) vorfyanbenen Bor-
rcitbe an 9Beiu unb Bier nahm ber jtommanbant in Befdjlag
unb liejj auf mehreren fünften Käufer abbredjen.
greitagö, ben 9. Huguß, forberte 9öantfc von ben ©in*
Wörnern ^ecfyeln, ^ed> 8äjjcr. ^m & Hljr Hbcnbd lie£
er einen Ausfall auf bie ^älter-SBicfe verfugen, um bie bort
anfgefteUten €djan$förbe uub ^allifabeu mit s4*cd)f ränjen an-
gu^ünben. 5)od) würbe feine 2(bftd}t von ben Belagerern bei
Reiten bemerft unb bie 8tt0fa8ettbcn fo mit ©efcfyüfcfeuer be=
griitit, bap fte jtd) unmtuciu'ii mußten. SBancfe ermahnte bie
feinwotynerfdjaft uim ©ebet; er fetye nun ein, ber Seinb wolle
bie &tät>t um jeben freies nehmen. 3eber ^)audbeft$er mußte
Sßaffer auf ben ^aueboben tragen.
2fm 10. ttuguft l)ielten bie Belagerer ÄricgSratfy, besof-
fen au* aüen Stüefen bie <Stabt unb warfen jwei ©ranateu
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4
40!
hinein, hierauf faidte ber General ©olfr em offene« Schrei*
beu an ben Äommanbanten , „Man follc bie Stabt burch
«ccorb überleben, fonft würbe er ftch berfelben mit ©ewalt
bemächtigen." Söantfe wie« ben Antrag jurücf, erfidrenb:
„<£r würbe fetner Drbre jufolge ftch auf« Steußerfie verthei*
feigen." Den Bürgern würben Bretter, tförbe, gaffer jc. weg*
genommen; bie Bretter aber, nacfybem sJcagel in foldje ge*
fdjlagen worben waren, in ben Söallgräben angebracht. Sic
Belagerer begannen ?lbenb« um 8 Ityr eine ^eftfgc aber er*
folglofe JTanonabe, welche bi« tief in bie ^ad>t bauerte.
Sonntag«, ben 2. gugujt, fielen nur einzelne Schüffe,
aber am 3. würben beu ganjen $ag hinburch bie dauern
unb Zf)üxmt bei ber Pforte unb bem reidjenbadjer tyoxt ber*
artig besoffen, baß vier Z^üxmt aufammcnftürjteit. £« wa*
ren bort über 300 Äugeln verfeuert worben. (Sin Xfyüxm am
grünen ©raben war währenb be« € türme« von bem fchwe*
bifc^en Sd^urid) v. Soeft verlaffen woxt^m unb fiel in bie
£änbe ber Belagerer. Der gahnrich würbe am 22. Stuguft,
nach gehaltenem Jtrieg«gericht, in ber s}connengaffe beim Älo*
jter erfchoffen. Sein Denfftein befinbet ftch noch i« ber 6t.
«nnenfirche. — $tbenb« würbe unter ber SKti^Ic eine SRine
gefprengt, war aber von feiner befonbem 5Birfung.
Din«tag«, ben 4. #uauft, war ba« geuer nicht fo heftig
§lbenb« b^abm ftch ber £anbe«ältefte &\)xiftopt> v. £obberg
(auf Berne), ber ^ßroviantmeifter be« görlifcifchen- Sanbfreifc«,
($hriftoph t>. XjfchirtthaH«, (auf J?ie«ling«walbe unb Steigen*
berg), unb Dr. ^aul Scipio, (Srbürgermeifter, $um tfurfürften,
welcher jebod) bie SöanctYfchen Bebingungen ablehnte. — @«
ngeu brei Regimenter ber Äaiferlichen nach Schleften §ur
elagerung von Bunjlau unb ^öwenberg ab, bagegen famen
1000 branbenburgifche Jtavalleriften unb balb barauf 3000
9Jiann 3nfanterie vor ber Stabt an. Gin Xhurm am grünen
(Kraben würbe ftarf befchojfen, unb jtel. ben Saufen in bie
£anb, welche ihn gegen einen breimaligen (Sturm ber Bela*
gerten 311 fchüfcen wußten. Den Saufen würbe Sterbet 1 9flann
erfchoffen unb 17 verwunbet. 811« bie Schweben bie Baftei
mit ^ecrjf rängen in Branb gefteeft tyatttn, würbe biefer Xhurm
von ben Sachfen aufgegeben.
Den 5. Hugufi ließ SBancfe unter Xrommelfchlag au«*
rufen: 1) Daß ein jeber SBirth in feinem £aufe , fein,
$c,'*i$tc m MfU|. 26
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402
unb wenn er anberdwo ftd> treffen ließe, ert'cfiojten wer-
ben foöe, 2) baß 3eber auf Befehl )um ®d>an$en *u
fiellen ^abe unb 3) fein ©ewefcr jururfbeljalten werben fotte.
S)it beiben öürgermetfiter unb vier 9iatl)di)erren führte mau
in ber $ljat ald ©efangene in ben tfaifertruft, weil auf beut
9tatl)ljaufe einige alte verrojtete ©ewetyre gefunben worben
waren; Stadpnittagö würben fte wieber auS beut Ärreft ent*
(äffen. 3>ie Bürger mußten tl>re haften unb Äoffer jur Ber*
wenbung auf bie <5d)an$en ausliefern. — Abenb* jünbeten
bie Belagerten jettfeit ber »eißbrürfe bie ©djanjförbe einer
Batterie an.
Am 16. unb 17. Auguft würbe bie Berfjeimlidjung von
s4>ulver unb Blei bei Sebenäftrafe verboten; bie 6ct>an^arbett
aiug an beiben klagen fort; aud) würben bei biefer ©elegen;
l)eit jwei ^erfonen von ben belagerten erhoffen. Sei einem
Ausfalle ber (Schweben fiel ein Hauptmann unb ein gäljn*
iid> ber Belagerer.
S)en 18. Augufi ließ Sßantfe bad Blei vom ©ondMurme
nehmen; am 19. fam meljr Artillerie in ben: Magern ber Mau
fertigen an; fte bauten über ber Steiße eine Batterie, unb jfreU*
ten bort $el>n ©tücf ©efdjüfr auf. 3» ber Stabt würbe jeber
Bürger gezwungen, ^anbgranaten ju gießen, uub mußte baju
6 $funb SOfcffmg liefern.
Am 20. Auguft würbe ftarf gesoffen. 3m £«»fe ^o. 1 .
fdjlug eine ©ranate bura) brei Beben in eine Stube, wofelbft
eine grau ifyr Äinb babete; tyatte aber feine äBirfung. $er
Äomntanbant fdntfte eine Schrift mit 13 fünften f^eraud,
worauf ifynt folgenben Xaged burd) ben Jturfürfren anbere
fünfte gefenbet würben, welche SBancfe gum $ntfd)luffe ber
auäbauernbfren Bertfyeibigung bewogen. Am 22. fenbete
SBancfe einen Tambour ber Belagerer mit abfprectyenben 2Bor*
ten in bad Hauptquartier bed Äurfurften gurütf. Abcitbä ge^
fcfjar; von ben €cfyweben ein Ausfall auf bie am 12. ihnen
entrijfenen Bafiet „fd>webifd>e gä&nrkr;", bie jeboeff nidjt ge*
nomraen werben fonnte, wdfyrenb in berfelben ©egenb burcr?
bie ©cfyuffc ber Belagerer viele ©crjaitjgräber in ber ©tabt
verwunbet unb getobtet würben. 2>en 23. Auguft ließen bie
Belagerer in ber 9tär)e be$ fogenannten „$ipptW eine Wüte
fpringen, welöbe bie Hauptmauer auf einige jwanjig Stritte
nieberwarf. Söande wie$ einen neuen Berfncr/ gum »ergleid)
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403
ab, unb ließ aa bemfelben Sage beim (Satjhaufe ba* ^flafter
aufreißen unb einen Kraben Riehen.
Den 24. «uguft mürbe mit 7 Batterien ringdum auf
bie 8tafct von fiuh ununterbrochen gefeuert, außerbem ging
eine 9Äine auf, fo baß „hinter ber Wauer" bei ber Pforte bie
Htauu auf 6 (SUen breit jufammenfrürjte ; eine Breföe war
von ben Sachfeii beim #ältergrunbftücfe, in ber ©egenb ber
vBurjcgafif, gesoffen roorben. 5Än beioen Stellen wuroe nun
geftürmt unb war 3/4 Stunben ununterbrodjen, roobei bie Be*
lagerer mit Granaten burch bie Grefte f^offen unb baburef; ben
belagerten viel Seute raubten. 3eboch erreichten fie ihren
3wecf nic^t wegen ber in ben ©räben angebrachten gußan*
geln unt> mit Nägeln befptdtcn Fretter. Söancfe ^atte fo*
wohl auf bem 3ipvel, ald auf bem 3übenringc fehr viel Grb*
clnftnitte gemacht, bie Heller eingefchlagen unb barin »olfa*
gruben angelegt, »ei Anbruch ber 9cacht mußte mann unb
grau ohne Unterfchicb be# Stanbed \um Sdjanjen eilen.
9m 25., 26. unb 27. Hugu* ruhten im ©anjen bie
OOaffen. San begrub außerhalb unb innerhalb bie lobten.
>8on Schwebifdjen waren beim Sturme etwa 70 geblieben,
barunter ber SRegimfnt*?Ouartiermcijtar Bernaucr unb meh*
rere anbere. äßanefe unterfagte bem Sanbe* «getieften , beim
tfurfürjren um ©nabe für bie unglüefliche etabt ju bitten.
?lm 26. führten bie £>ffaiere mit ihren $fetben Dünger in
alle bie ©äffen, in benen dürfen geworben waren. £ud) riß
man mehrere Käufer nieber, um «polj ;u ^allifaben unb jum
lochen §u haben. 3eber Bürger mußte 6 Bretter in feinem
^>aufe losreißen lanen, am folgenbeu noch 9 ©tücf, begleichen
7 $funb Blei, 2 $fnnb 9Hewng, Becheln, »(che, glacr,*.
£ine aufgehenbe 5)?ine in ber £orhergaffc harte nicht bie be*
abfertigte 2öirfung.
&m 28. 5Äuguft mußte wieber gefd>anu werben, unb weil
angebiid) \\vci Biertelöuteifter nicht eifrig genug babet fid)
geigten, würben fte jämmerlich burchgeprügelr, ja diner, (ihr.
6d)öne, foüte erfeboffen werben; boch fchenfte ihm ÜBarnfc auf
ttieleä Bitten neben einem gewijfen ^Daniel (£berl>arb ba$
ben. Um 8 Uhr würbe ber $fortentl)urin besoffen, burd)lö*
chert unb bie babet ftehenbe Bafiei jufammengefrürjt. 12 Uhr
Stacht* machten bie (Schweben wieber einen BuäfaU auf bie
von ben Belagerern eroberte Bajki am grünen ©iahen, »er*
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404
motten aber mdMo unb verloren babei *wet Wann. Die $bv
lagerer befefrigten biefe 33atta bureb einen !h>aU nach ber
Stabt au unb burdj $aliifaben, um gegen fernere Ausfälle ge^
beeft ;u fein.
8m Sonntage (29. Sfagujt) würbe abermals ftarf (je*
fchoffen; bie Bürger mufften wieber Fretter unb Reifing ge-
ben; 2Banrfe liefi auch wt er er holt nach Bier unb tyca) tu aVn,
bei weichet (Gelegenheit bie Schweben einige Rainer plünderten.
Hm 30. Sngttft jündeteu bie 8 d) weben eme fäd>?lfd)c
9teboute an; auch fielen fte am t. September wieberum and.
3m Saget (amen 30 Secb^pänner mit Munition, auch f<hwc
red ©efchüfc an. 3n ber 3 tar t mußte überall SÖafier auf bie
Böben getragen werben, weil SBancfe viele Bränbe befürdjtetc.
3n ben erjten Xageu beä September, ben 2. unb 3., fie-
len bie 2 d)wet>eu nu er er holt auo unb untrere n mehrere Sßerfe
ber Belagerer an, welche fortwäbrenb burdj fchwereö Belage*
rungögefcfmfc ftd) verftärften. Xie Bürgerfcbaft mußte von
Beuern Bretter, Berte k. liefern. Berfuche Seitend ber Bela^
gerer, bie 9?eipbrüde am u umreit, mißlangen, SBande, roel-
eher am 4. unb 5. September einige £äufcr uieberreijjen liefi,
fanb bei tiefer (Gelegenheit einige Linien.
£m 6. September fing bie Brüde an )u brennen; tb'
wohl bie belagerten folche löfd>en founten, unterbrach btefcd
l?'reigntH roch bie Berbinbung mit ber 1 i eirabcnnnthie. 2öäl)
renb be$ Branbe$ würbe fortwäbrenb ftarf gefeuert unb Born*
ben von 125 *ßfunb in bie Stabt geworfen, beren 3Birfung
burdj ^luelöfchc« ber 3ünber vereitelt warb. Da 3 an eini-
gen Drteu aufaehenbc geuer würbe bei Jeiteit unterbriidt.
Stm 9. September fielen bie Schweben mit 200 3Wanu
beim .Uaifertrune auö, mußten aber mit Berlujit mehrerer
lobten unb Berwunbeteu jia) auf rao Befeftigung^werf ju*
rucfueheii. lie Belagerer hingegen griffen ben Ihurui unb
bie et raren niii hie, welche fchou feit bem 6. September hff"
rig befd)offen worben waren, an unb ftürmten a hermal* ver-
geblich gegen bie bort pojttrteti 12 ÜDcann, welche burch .Hahn
verbinbung vom bieöfeitigen 9ieipufer von ungefchwächten fn
feben SDtannfcbaften abgelöft würben. (Gegen 5 Uhr gemattete
3Üande bem gieriger ^hrtüoph Vuhmer unb bem ÜReftor I a
vib Rechner, in6 (urfurftlidje Vager ut uehen unb um SdjO'
nung ber Stabt ui bitten. $odj mußten fte ihm ju gleicher
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405
3eit einen föeverö barüber aufteilen, baß fte mcfu in feinem
Auftrage fönten. Der Anrfürji behielt fte bi6 jum folgenben
läge im Hauptquartier. Sie festen of)tte 3ufabentngen
wieber fyeim. ©anefe nafjm am 8. September bei ©efeaen*
f>cit einer *Revtfion ber Käufer nadj Lebensmitteln unb 3Ru*
nitien ein $er$eicfyniß aller 9<crrätye auf unb befahl jebem
5öirtf), au6 feinem $aufc. 4 halfen \u Riefen, unter &nbro*
feung, bie Käufer im ©eiacrungafalle ganj abbrechen su laffett.
Arn 10. Sept. gefefoaben *wei Huefälle, wobei Starteten*
3äune unb Scfcanjförbe angejtecft würben unv verbrannten.
Statt einer Batterie bei ber SBafferpfortc würbe bie SBierraben*
sXflü\)U faß gan$ $erfd)offen. Die folgenben Sage fdjwtegen
bie ©efer/üfte. Dod) gab SBancfe, von ber geängftigten gm*
wofjnerfcfyaft jHm Äapituliren gebrannt, noefy nidjt nadj; er re*
quirirte vielmehr Mafien, Fretter, föetßig unb Scfyanj 'Arbeiter.
Der tfurfürffc ließ fein Hauptquartier v erfdjanjt, weil bei einem
HnifaUc ber Schweben jwei Sdjtlbwacfyen gan$ in ber 9läf)e
beö äurfür|len aufgebeben werben waren.
Den 13. unb 14. würben jwet Stürme int 9ceiß$wtnger
unb im 9tieoeren* Pforten *3wn8e* beft^offen unb genommen;
lefctereu mußten bie Belagerer folgenben Xage* wteber verlaf*
fen, ba er von ben Schweben in 93ranb gefterft war. 3n ©er
9iacr;t vom 14. \\m 15. fahr ein 93ote be<3 ©eneral Stat)l*
rjautfd) über bie Ü^auer unb melbete, ber ®enera( nähere ftdj
ber Stabt, welche 9cacf>rid)t ben Äommanbanten am 16. m
ber 9feu|erung veranlagte, e* fei an ilebergabe gar nicr)t mefjr
51t benfen.
s^lm 16., 17. unb 18. September bauertc ba« Stießen
faft unauflgefefct fort, golgenben Sage« fielen 4 glüfjenbe
kugeln in bie Stabt, aud) würbe ber Jtatfertru^i ftarf hv
fdjoffen; beibeö ofme befonbere SBirfung. Den 20. ließ SBancfc
ber «Bürgerfcbaft ben vierten Sbeil be$ betreibe« wegnehmen.
9lm 21. würbe ber ^ulvertburm ftarf befdjoffen unb nach
310 Schaffen nebft bem ®ange fo ruinirt, baß e$ fetyien, al$
fönne ein Sturm von (Erfolg fein. Die Schweben fdjlugen
biefen Angriff ab. Sie festen bie ©aftei in Sranb. Hm 20.
unb 23. September würben einige «Belagerer bei HuSfdüen ge*
fangen unb eine s:Wine am grünen ©raben von SBancfe mit
©affer aufgefüllt.
Obgleich ben 24. bie ©efdjüfce fliegen, würbe beftänbig
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I
4or>
tit €d?amarbeit betrieben. SBanrfc forbtrtt »on ben Scfyuf)*
magern 500 ^aar 6d}ubt, von ben Aurfcbnent 9J?ü$en uno
9$tlje, fcon ben $ud}mad)ern Xu* jn Dorfen für bit (solta-
fcn, unb lief? gtgen 60 Shirf Surf) wegnehmen, «benb* fiel
«int gtuerhigel fit ber sJ?ät)e von ©*rli$ nieber, bie auf ttt»
tft'n, rote t$ fdjeint, einen bemüttytgenben (frinbrnef maa)te,
benn er $eigtt jta) feitbem geneigter I« Unttrbanblnngen.
2lm 2g. unb 27. würbe ber tfaifertrnfe unb reia)enbad)er
Xfjnrm, jebod) ofjne (Srfolg befdwffen. Ungead^tet ber äom*
manbant einen Xambour mit ber <£rflärung, er wollt fapttu
ttrtn, r;inau$gefd)irft fyatte, befahl er ben 27. einen $luöfall
1 miä bem reidjenbaa>er Ztyoxe, welker bewirfte, baß 17 9Kann
ber Sefa&ung einer föeboute bei ber grauenfirdje tfyeile nie;
bergebauen, tbeilä ut befangenen gemacht würben.
8m 28. unb 29. würben burd) ben fdjweoifdjen SXajor
53ö(f unb Hauptmann SÖtülIer bie Unterfyanblungen angefnüpft,
unb fttrförftli^er 6tit6 bura) btn Sftajor o. $i|d)offebtim
unb Hauptmann galfenberg geführt. (Snblii) am 30. :ging
ber Änrfürft, ben bie <£tabt erbarmte, auf SBanrfe'ö Skbin-
gungen ein unb würbe in bem 33rumttuf}aufe eineä ©artend
vor btr Pforte naajftebenber $lceorb abgtfdjlofftn:*)
„Accord'<3*^uncta
fo jwtfa)en btr föömifa) 'Jtatyftrf. SJcajeftät beftaltten Genera-
liiaet unb (Sbur^giirttl. DurcM. ju (Sadjftn an einem, unb bann
mit ber Jfömgl. vDfajeftät unb (£ron <Sd>webcn über Dero
fyocfyftel. Exccll. be$ J^errn General*9ttrf(tyaU0 Johann Ban-
ners Seib Regiment Dragoner beftalltcn Dbrift Lieutenant
unb dommenbanten in (9orli$ anbemtfyeil* ,
wegen Utbergabt btr 8tabt Öörlifc abgehandelt unb be*
fdjloffen worben."
1) ($d foll bem oon Dero Äönigt. sH?ajeftät unb ber ßron
Sdjweben über beö f)i><$fdl§Ctl §mn Genera l-gelb^Warfcball,
3ofyann 9$annierä KxceHeni £tib Regiment Dragoner bereu-
tem JDbriften* Lieutenant unb Gommendanten in @Jörli$, fammt
allen fyofytn unb niebrigen Äriegd-Oflicieren, wie bit immer
!Ramen fyaben mögen, gemeinen «Solbaten unb ganzen Bttgi-
mtnt Dragoner ut iHoü unb \n au fr- wie and) aubtm btr
fjocbtöblidjtn (£ron <E<bweben, unb tnrweber ;u Dero Äöntgl.
•) €. öftrer'* lauftyifdK »ifrftonrbigfciien <2. 271 f.
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Sdjwebifdjen <£>aufe ober ju Dero Staßfjanftfdjen Ärmee ge*
Rödgen itriegd *33ebienten , ob foldje gleid) Htcf^t specificirel,
ein 3eber mit gebräud)lid)em £)ber- unb Untergewefjr, alt
$ifbfcn, Söhren, 3tfuöqtteten, unb mit $uber gefülltem «ßan*
telier ober Patron *£afd)e, brennenben Junten, aufgefiridjenen
ASfym9 «äugeln im 9Äunbe, fliegenben Stanbarten, offenen
$ccr*$<uNtcitf Drommeten, Drommel* unb Riffen* Sd)t0
unb wie ein 3eber ftcfy ui gut; felber ruften mag, fammt afler
Bagage, Satf unb $<uf, £ro& unb Slnfjang ein freier «bgug
serftattet werben.
2) Soß aud) bem $erm DoritVLieutenant, $errn Major
unb fernen Capitainen, wie aud) allen anbern OfHcierern alle
ihre angefyorige Diener, SBciD unb «ffinber, 9icit- unb fjanb*
^ferbe, Bagage *20ägen unb alle anbere i^nen angepörige
, Sadjcn, fte fe^nb beniemet ober nid)t, frei unb fidjer passiret
werben.
3) Soßen bie ^bjie^enbe mit genugfamer Convoy otyne
SBevfdtfag einige* anfcerd OfficiererS ober Stüter*, fo nidjt
biefer Convoy gehörig, unb of)ne einigen Umfdjweiff &tt
t>ero Staßbanfifdjen Armee convoyret werben.
4) Soll aud) benen ^iefjenben, auo welchem £f)or ifjnen
aufyujiefyen, nad) welkem 2Beg iljnen ju marchiren, unb ifynen
De* Staats ftd) einzuquartieren belieben wirb, frei? gelaffen
werben.
5) Soß aud) feiner Weber »on «Hörn, tfaiferl. SWajefr.
norf> Gtyurfürfll. Durd)laud)t ju Saufen, no* Sfynr'StaUf
renburgifdjen Zoldem ju benen au^iebenben Sdjwebifdjen
ftd) na^en, no(ty Utfort au wedjfeln, viel weniger einige Prae-
tension an einem nnb anbern gu fudjen, nod) jemanbS auö
ihren $rouppen gewaltfamer ober practicirlidjer 2£eifc weg;
junefjmen, nod) auf bem sJHarfd), feine anbere weber Deuter,
Dragoner nod) anbere Xrouppen, ald bie Convoy, ftd) gu
ibneu }u nafyen geftattet werben.
6) 3m Vlfyug fofl aud) weber an einem nod) anberen
feine einige Practension nod) Exaction, unter wa$ Practext
e$ aud) fein modrte, feineö 2ßege$ gefud)t werben.
7) Soß benen 8b$tef)enben, von dato an, 4 Sage 3eit
getanen werben.
8) Soß aud) fein einiger weber »on tyto Rfattf*. Äeoferl.
«iajeftät nod) tyvo 6t)urfurftl. Durdjl. ju Saufen, nod)
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408
<$r;ur'8ranbenburgtfd)er ©ebienter, hoher ober niebriger Kriege*
Officierer, »iel weniger gemeiner Deuter, Dragoner ober ©ol*
bat bet>orab bie ©chroebif<he Garnison, mit allen Angehörigen,
abmarfchiret, fia) in bie ©tabt %t)ox noa) ©raben ju nahen,
FeineSwegeS unterließen.
9) ©oll fein einiger, er fjabe entweber 3hrer 9töm. Stet)*
ferl. SRajefiät ober 3^rer 6^urfürflL Durd)laud>t *u ©adjfen,
ober S^ur-33ranbenburg vorhin gebienet, ober etwaä entweber
!>egen 3I)r. jRöm. Jte^ferl. 9Raje|l (Hjurfürftl. Durajl. $u ©aa>
en ober (£hur'93ranbcnbura delinquirt, ober aud Dero Dien*
ften getreten, ob foldje fchon aua) 2anbe$* iTinber unb im
sMm. SReia) gefeffen, eS mochte gefefoehen tonnen, unter wa*
Praetext e$ fetjn wollen, auä benen audgebenben Xrouppen
genommen, noa) weber gu Dero JtetferL ffiajeft. ShiirfurfU.
Durd)L *u ©achfen, ober S^ur^ranbenburg Dienten genö*
thiget, ingleidjen follen aua) alle begangene delicta cassiret
unb aufgehoben fein.
10) Da aua) einer, er fcp, wer er wolle, *on benen
auSjiehenben ©chwebifcfjen Xrouppen gutwillig unb »orfefclich
abzutreten unb ftcb entweber in 3f>r. 9töm. JfKrpferl. sJXajefi.
3&r. (Sburfürjtl. Dur<hl. *u ©adjfen, ober Gt)ur*©ranbenfrur;
gifa)en Dienften *u begeben fta) unterftefjen würbe, follen bie
aue^ierjenben Oflicierer, fo wohl mit 3f>r. 9löm. tfeijferl. 3Ra-
jeftät befiaUten Generalität, al$ bind) nnfere GhurfürfHia)en
Durchlaua)tigfeit gu ©arfjfen bewillig * unb 3iilaffmtß fold?e
nieber ju fa>iejfen 9Äaa>t l)aben.
11) Da ft<h auch etliche unb entweber gu bero fönigl.
©a)webifa>en Aaupt* ober ©tall^annfa>en Armee, wie auch
gu bem au$nebenben Regiment geborige brande unb Set*
wunbete allste in ©örlifr beffnben, unb nicht mit fortgebracht
werten tonnten, follen fte fo lange, bid foldje resiiluirct, all*
^ier in ®örlifc gelaffen, verpfleget unb naefo erlangter ©efurio*
beit nächft ßrtbcilung eineö fiebern $ajjc0 *u ber ©tallljan*
fifa)cn Armee frei passiret werben.
12) ÜRögen fta> auch wohl bie *u bero tfönigl. ©a)we*
bifdjen £aupt- ober bero ©tatthanftfeben Armee, wie auch gu
bem aufyierjenben «Regiment gehörige £)ber* unb llitter*Ofticierer,
gemeinen Acuter, Dragoner unb ©olbaten ju ftoti unb gut*,
aud) wer fta) fonfien bei beut au^iel)enben Regiment aufge-
halten, unb mit au$marfd)ivcf, mit genugfamen Proviant, Mu-
409
nition unb Fourage verfemen, aud) fo viel 93ier, al$ auf ben
Marquetendor SBdgen mit jtd) gefüljret werben fann, fretj aufj-
gepafjtret vnb gelaffen werben.
13) Sollen aud) bie, nno entweber Jf)r. Kxcell. Jgierm
Genend- Major StaÜfyanfen, ober anbere Der f)od)löbl. (£ron
<öd)wet>en r)ohe^ unt> niebern Stanbeö $riege$*93ebtenten an-
gehörige unb allbier in ©örlifc vorfyanbene @ad)en; wie bie
ofyn einige Specificirung beftnblid) fetjn, fret> jidjer uu$- unb
fort passiret werben.
14) Soll fein einiger Bagage-'äBaaen nod) anbere Bagage
beftdjtiget nod) ge}>lünt>ert, viel weniger ^emanb, eä fet> 3Rami«
ober 3Öeibe$ * *Berfoncn, von beuen ^ferben ober 3$agen hinunter
gejtoffen, nod) nid)t$ fjinweg genommen werben, ba fold)e$
über Sßerboffen fjefdjefjen, foll fo(d>cd alles bHrd) 3br. ftöm.
Äewferl. 9Äaj. benallte Generalität, wie aud) bHrd) unfere <Sr)nr>
furfH. Durd)l. \h Sadjfen 4pülffe unb 53cfe(>Itd> in integrum
wieber restituiret, Werben.
15) Sollen aud) alle unb entweber \\\ ber Stallfjanftfdjeu
Armee ober ut bem au#uel)enben Regiment gehörige (befangene,
jeoweber nad) feiner Charge, gegen einanber auSgewecbfelt
werben.
16) Sollen aud) alle (ßferbe, fte r)aben vor biefem, weme
gewollet, gehöret, feine$weg$ angeft>rod)en nod) abgenommen,
fonbern frei) fidler abgefolget unb mitgelaffen weroen. S)a
aud) in biefen vorgefe&ten fünften etwas omittiret, vergeben
uno md)t speeifieiret, nod) genau in" £d)t genommen worben,
foll feineSwegfl gerinnen scrupuliret, nod) einiger tftnfprticf)
getban, fontrern alled fo wohl, alä wenn e£ plenarie, expressc
uno in specie exprimiret Hitb speeifieiret worben, allerfeit£
passiret unb gelaffen wetten. 2öeun bann ber (9egentf)eil
gewiffer 3u^erH^^ u,,b fobalb biefe Accords^unfte, fowol)l
von 3f)r. \R6m. jtetyferi. sJWajeft. Generalität, ober aber in
frerer 9tal)men, von uuferer G>l)urfurftl. $)nrd)l. ui Sadjfen,
genungfam mit $anb unb Siegel eorroboriret uub betätiget,
nad) alter Xeutfdjen Dexterität, Xreu unb ©lauben, unver*
bräd)lid) gehalten weiten, wie aud) gehalten werben follen;
al$ wirb unferer ßburfürftl. 1mrd)l. ju SadSfen von bem
&d)imtt)tfibtn Äerrn DbrifcLieutenant ba$ grauen*Xf)or, bi6
an bie Sfcing Ütfauer \\\ befe^en eingerdumet, feine Munition
vergraben, ba$ vorfjanbene Proviant unferer dl)urfurftl.
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Durdtf. ju (Saufen beftatttem Proviant ^ Weifler unverfälfdn
eingeliefert, unb alfo in allem eine alte tentfdje ef)rlicbe 5Äuf-
ridjtigfeit getroffen werben. Sßeil feine Stanbarten> Cornet ned)
gähnen vorbanben, foll bad ui $tfd)off$werba bekommene 3l>r.
««rfftrfH. $ur$(. fyinterlaffen, and) ber S3of)m. vom «bH
mit benett 8cbwebifcben, famntt allen feinen Angehörigen frei)
attäpassiret, unb bie in (^erlifc verbleibenbc Exulanten frety
ftdjer gebulbet unb unperturbiret verbleiben.
Daß nun allberührte Accords sJJuticta mit ihren Clausuleii,
reAtem ^erfitattD unb sA>to)nung ttad), unverbnu1)lidjen, fteif,
fefte unb nad) alter teurfdjer Dexteritdt, Xrett Mitb ©lauben
gehalten werben follen; haben unfer (SburfürfM. Durthl. \u
(Saufen, unb im tarnen 3br. 9töm. Äavferl. sJRajefldt be*
ftallter Generalität, eine* Xljeilä, wie aud) ber 6(fywebrf<i)e
Obrifte-Lieutenant, im Rantftt ber ^odUöbltdjen dron <Sd)»e;
ben, anber Xfyeilä, $wei gleidjlautenbe Exemplaria unterf^rie^
ben unb mit angebogenen jnjtegrln confirmiret unb befrdffttget."
Signatuin ©örli$ ben 2%o September 1641.
Aanujj ©eorg, ßfnu'gurjt.
gran& SUbredjt «£>er$og ni 6acr;fen !c.
M. Maxiin. greiberr von unb ai ber (Holfc.
Xm t . Oflober verfauften bie 6olbaten xt)t ©etreibe unb
bunbert Surfer würben beorbert, bafl reidjenbadjer Xljor ui
räumen, bamit bie Solbaten bort ihren tbjag galten fonn*
ten. golgenben Xaae$ begab ftd) eine Deputation von ganb
unb Stäbten *um flttrfürften wegen be$ fdmellen &bf$tttfic4
ihm Dattf abjuftatten.
Den 3. Dftober würbe ©encralmarfd» gefdjlagen. Um
8 Ufyr befefcte ba6 fäcbftfdje tfricgävolf ba* reichenbadber Xf>or,
unb jmtfdKtt 10 unb 12 Uhr jog SBanrfe mit 9ttajor 3faaf
«od, £auptm. Drewer, 3)Mbe/3Mler, 9io*wi&, £äujfei,
blande aud ©örli$.
2Bäf)renb be$ «biugö fiel von einem Schweben ein 6(hn£.
Die faiferltcfyen unb fäd)ftfd>en 6olbäten ftfrqren über bie
(schweben her unb trofcbem baß ihre ©enerale 9Ref)rere äugen-
Midlich erfdnepen nnb hängen liepen, Jam SBantfe*) faum
mit 150 Schweben bavon.
•) SHancfe wa,afi biefeö treutofe Überfallen niemals unb febwur in
ferner tnnetflen $eele iRadje ju nehmen am Änrfurflen 3»>&ann @eorg nah
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5(m 6. ©f tober würbe in ber *($eter$ttr<tK ein Danffefl
über He <$rlofung von ben <£d)wet>en abgehalten, bei l>em r>er
Äurfürft unb bie übrigen Generale zugegen waren nur ber
&ofprebiger M. (£f)riftopf) £aurenHu6 au6 $)re*ben eine $)anf*
$rebigt frjielt, welche im Drnrf Hiajt weniger al* 9 Sogen
ftarf war.
8m 10. iDftober würbe ba$ fäctmfcfye Regiment 2lrnr)eim
in ber Stabt einquartiert unb am 13. brauen bie 1 rupfen
au* ben Wägern nad) ^ajleften auf, wäfyrcnb ber Jturfürft ftd)
nadj 'Dreäben ^urürfbegab.
^Bär^retiD t>er Belagerung fmb ohö fdjwerem @tefd)üfc
anf bie 6tabt 5538 6$uffc gefallen, 40 ©ranaten unD bom-
ben geworfen unb 11 Stiften gegraben Worten.
Sie flarf Sande befeftigt fyatte, geljt aud golgenbem
f)en>or. ^ie Tljorc waren alle oerfdwittet unb mit ^aüifaben
verfemt. $(m 9tei$tt)or, gegen ba6 £>d)fentt)or, war alleä t>er-
paüifabirt, nur ber ttorbere föngang jur Babeftube freigelaufen *,
nad} ber ^otf^ergaffe war ber 3H9an4 verfperrt unb nur bmä)
ein 6a)iebe-s^fört(t)en ber 5Beg> nad) ber iWiifyle gangbar.
3n ber »fiotfyergaffe bei ber $ofy*9Rufy(c war ein ©raben mit
gbiftugö'drücfe. Die Steißgaffe war ferpallifabirt biä an ben
(**ang, ebenfo ber Jtträberg bis jum Sfathrjaufe. $on bort
fajt (im bie ganje ©taot — bei ber tfrifdjelgaffe weniger —
war bie innere 6tabtmauer mit >J)a(lifalen aufgefüttert unb
mit riefen (Gräben, frer Witten wegen, verfemen, an baten
«Rationen jwifctycn Sollwerfen ftanben. Äuf allen ^interrjäu-
feiner Emilie. 3m 3. 1647 »äbrenb eine* ©•ffllfHKfomfcH mit Jturfadjfen
befdflefi et baö fd>»a<t> befc^te $re*ben mit feinen Dragonern $u überfallen
nitt» bie fnrfurftlidje Familie fammt bem 9(bmtnijrrator von .SWagbebuva, fit
ermorben. @ein Slnfdjlaa, »nrbe burch ben CbrijMieutenant Sruneil bem
General ©anner »erraten, unb »HJande, ber fdjon im Süalbe von Iba*
ranb, 2 SWeilen von 5>re«ben, ftanb nnb in ber fdflenben Dlartjt bie Ueber*
rnmpeluna £>re«bene an«füljren »oUte, verhaftet, um vor ba* fdjwebifdje
£riea,#a,enct>t gebellt ;u werben. £iefee that am ü8. November 1647 im
Hauptquartier Clbenborf folqenben Sprud>: „bap ilmt Standen ;ru fefbjh
serbienter Strafe, anbetn aber *um abfrbeulidjen (Krempel, fein treulofe«
Her» au* bem fceibe qefanitten, um ba« äRaul qefd)faa,en, bann ber fceib
lebenbia, in vier Steile ^erbauen, unb anf vier $fäf>le an »in <Sden ber
siBett Reffet »erben foUe." $0$ ifl biefer Spxnd) niemnl« auagefübrt
»orten, »eil Uv ftriebe u/tb mit ihm eine Kmnefttf eintrat. <5, ^Jecte,
»efdjreib. ^reeben ö. fol. 1680. <S. 509 ff.
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fern unb 95öben jtanben gäjfcr mit Steinen; überbieä waren
Sdjiefjfdjarten in ben Käufern angebracht. 3» ben $orber-
Käufern waren gro§e £Botf$grubcn bid tief in ben Heller,
worüber man nur auf formalem 93rette ger)en fonnte. tyaiiu
faben waren in ber ©tabt, auper beim 9iei£tl)ore, otogen am
3ippel, bei* bem 2Bebertf)or (Pforte) über bie $ajfe, »om
grauentr)or bif$ an bie 9i*oimenaaffe, am ISnbe ber Steingaffe
beim Dbermarfte, bem Dbermarft von ber einen Seite bid and
wei£e -Roß, bie breite (Baffe am 3übenringe, beim Brunnen
an oer ^leifd^crqaffe, in ber ^übengaffe, von ber tfir<r)mauer
bis jur *|3eter$gaffe, von ber alten Sa)ule bie3 §utn ÜRentljaufe.*)
®efd)icf)te ber ei>angelifcr)en s^arcd)ie feit ber föe*
forma Hon.
.ftirdjenorbnun g. Scbwenffelbianer. Stx wptccalvi-
niämu*. ßr»angelif d)*u ngari fer/e Emigranten.
<JJieti$mu$.**)
lieber bie evanadifdjc ©eiftlidjfeit in (työrlifc ftnb eine
große sJWenge Sdjriften unb Slufjeidjnungen wt)anben, weld>e
#) Km 30. <$ertember 1841 nmrbe ein (£rinneruna*fett an bie Sc-
freiuna, ber Stabt *en ben iSctttoeben abfeiert, unb Slbenbtf bnrdj einen
©all bea,ana,en. 3n bem ©arten ber 3ecietät ift in einer ©rotte nafy
fleljenbe 3njfä)rift eingemauert :
Die Stadt Görlitz seit 1639 von schwedischen Truppen besetzt,
welche der Obristlieutenant Waneke befehligte, wurde vom 13. Juli
1641 an. durch den kaiserl. General- Feldzeugmeister \. und zur
Golz belagert; den Accord zur llebergabc aberschlossen der Chur-
fUrst v. Sachsen Johann Georg I., Herzog Franz Albrecht von Saeh-
sen-Lauenburg und beiderseits Commandirende in diesem Brunnen-
hause am 30. September 1641.
Zur Erinnerung errichtet den 30. September 1841.
*•) Ouellen: Diermann'« «ßrieiierfrrjaft ber £berlaun>. a^uüer^
JRefürmationöqefducrjte. rtunaYö fceben oqefd). ber gört. @rtftltcbFeit. 3>te
Umgana^ettei ;n ben tterfduebenen .Hirzen. Änauttyi o ÜWfpt. auf ber
$ibliot()e? ber cberl. ©efellferjaft ber 3LMt7enfcf)aften uub vielfache <£©nwe:
lute unter ber SHubrif: Lnsatica in berfelben «iblietM. auf Ätrd^en.
9(a,enben, ©eijilidje ir. br^nglid). ©roffer'* oberl. Werfn?ürbia,fetten unb
£i>ffmann'6 Scriptoies rer. lus. lieber bie fmuptfäcfjlidjttcn fünfte fdgt
unten bie fpeuelte »ngabe ber benufcten £ilfemittel.
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meifreutr)eil$ biograpljifdje unb literaufd) l)iftorifcr/e Beiträge
*ur ®efd)id)te bcrfelben bringen. £>ie twllftänbige 93enu$ung
öiefer lederen würbe ben s4$lan Borliegenben 2Öerfe$ bei Sei*
tau Übertritten, bae wtrflicr; (>iftortfd> sD<erfwürbige aber un*
ter ber Jülle jener ^coti^en oerfiecft, minbeftenö bureb biefelbe
fel)r serbunfelt werben, £)eöl)alb bleibt tyier nur übrig, in
bcrfelbeu SBeife, wie bei ber fatfyolifdjeu ©eiftlidjfeit, bei ben*
jenigen ©eiftlidjen länger $u »erweilen, weldje mit ber gemli -
c^eit öntwicfelung reo r)tejtgen Äird enlcbene* uoqugäweife in
Skrbiubung fielen, unb ^auptrepräfemanten ber »erfei/tebenen
fiutluiuMi jRidjtungen waren, bie, gleichwie ber ^roteüantio
muä in 5)eurfd)(anb überhaupt, aud) in unferer Stabt baä
jtirct)en(eben ^eitweife in große Bewegung gebracht fyaben.
@ä ift oben gezeigt worben, wie, nad) ber ÜRücffeljr be$
$farrer£ Rotbart, baä fatfyolifcfyc Gefeit in ©örlifc immer
meljr Ohuhd unb 33oben einbüßte, wie mit Eingang ber vA\\i
fen unb SBigilien bie große Sdjaar ber Jlapläne unb Sütari*
jxen il>r $rob verloren, unb ba^er tfyeiiweife autfwanberteu,
tbeilweife $um Vutbenlutnte übertraten, um anberweitig in geift-
Itcben Stellungen serforgt ut werben, liefe Umwanbeluiig
ging, nad) ben harten 2 djlagen, wcldu* ber SReformatiouäeifer
M. iKetbarfd unb M. 3^bler'ö gegen baö morfdj geworbene
fatbolifetye Gefeit, geführt hatten, nur allmälig oor nd); man
ließ in ben Jürgen nod) bie 9cebenaltäre ftetyen, weldje bin
fort mehr alo §(tterti)ümerfammlung betrachtet würben, unb 3. 33.
in ber St. ^eterdf irdje erft im 3al)re 1 69 1 bei betn großen
Öranbe nebft einer Üftengc ©rabbenfmäler unb 3nfd)riftenta*
fein*) x\i OUuiiDe gegangen ftnb. Die it^efeitt(td>ftett fatboli*
fdjen gefte, Srofynleicbnam, bie sjJcarienfefte u. a., anfäuglid)
bitrd) ^rebicjten gefeiert, jtnb nur nach unb naefy eingegangen,
mehrere berfelben erft unter ber preuß. Regierung.
$)ic 6t* *Jtetcr* unb $aul-Äird)e blieb, wa3 jle in ben
legten Säten reo JlatbolMtömuö gewefeu war, ^art>€^talftrct>c.
Än ifyr prebigten ber '4$riinariu$ — biefer s3(amc fam an bie
•) 3n ber «ötbliotbef ber oberl. ©efellfdj. ber Sßiffenfdjaften, fte^t
unter Lusal. III. 23. eiii tfonvolut »ou vertriebenen $änben, mit bem
Eitel: 3nfd}riften $u GJörlifc; ee enthalt unter auberen befonbers viele 3n*
fdrriften au« ber $eterefird)e vor bem 3)ranbe von 1691. 3m 91. £.
♦Waaajin follen bie &au»tfÄd)lidHien berfelben mitgeteilt werben.
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Stelle be* Pfarrer * ober $leban * Xitel* -, unb bie ftrife
fanten, welche erft gegen (fnfee be* 16. 3a^unburtö bie $e*
Seityiunq: Diafon, flrdjibiafon, annahmen, tfe$tere beforf|Un
neben Dem GJotteöbtenfte .in Der $arod>ialfira)e, bie Stif*
tuugöprebigten an ber 6t ©eorgeufapelle, ber grauenfird>e,
ben £o$pitalfapeüen <um Ijeil. 0)eift unb *u St. 3afob. Sie
bort iioa> gehaltenen Stiftung$prebtgten fommeu int 3Utbangc
bei ber Spe&ialgef'd)id)te jener Jrira>en unb «Kapellen gur (Sr*
wäfynung.
Hin regelmäßiger ®orte$bienft *) würbe erjt naa) bem
breijMgiäljrigen Kriege in ber ehemaligen gramidfanerfirebe,
feit bem 6. 9Mf| 1715 bura> 9tatl)*feefret , Jtira>e sur ^eti.
Dreifaltigfeit, im gewöhnlichen geben : £)berfira)e genannt, ein-
gerietet. (Sin £auptgvunb biefer Skranftaltung lag barin,
m bie *petcrtffira)e für bie wadjfenbe ^eiwlferuitg ber Stabt,
;n beren Vermehrung f)auptfäd)lia> bie au* Böhmen in uub
naa) bem breipigjäbrigen Kriege burd) bie 3efuiten vertriebe*
nett proteftantifdjen (Sinwanberer beirrngen, ju beengt würbe.
9*ad)feem ba$ Softer an ben 9tatr> übergeben werben war, be*
fcfjlojj berfelbe, im 3. 1568, alle Mittwoche bie ^räbifauten
in ber $reifaltigfeit$fird)e prebigen ui laffen. Die er#e evan-
gelifdje ^rebfgt in biefer Äirdje warb batyer am 28. 3anuar
1568 bura) M. 3ofyann Sirtfenbatn unb jwar über ben ertfen
<fta(m gehalten. 911* int 3. 1632 ber gröpte $f>eil beä gor-
lifcer fcanbabete wegen ber Äricgeuotb in feie Stabt geflüchtet
war, gab ber Äatfj *wei 8anbgeiftlicr>cit bie Srfaata$, wd^
deutlich zweimal, Montag* uub 9)cittwod>e in ber £ira)e »u
prebigen. Die, wetyrenb ber Belagerung im % 1641 in bte
^eteröfirchc verlegten ^ittwod)öpreDigJen würben na* Sbiftt*
bimg ber Belagerung unb erfolgter Säuberung in ber Drei'
faltigfeitefirdje wieber fortgefe*t unb fett 1643, in golge be*
Branbe* ber 9Jifolaifira)e, aua) l'eia)enprcbigten barin abge-
halten. 3m 3. 1672 würbe ber orbentliche Sonntag*^
teöbienft, wie folcfyer bi$ jefct noa) beftetyt, eingerichtet unb burd)
Üfanbibaten beö s4$rebigtamte$, aud) wofyl Stubenten ber %tyt>*
logte beforgt. 3m 3. 1713 legirte bie grau SKoftne Seifert,
geb. Oftin, eine Summe, wela)e e* mögliO) maa>te, einen be-
*) .KnautlK, lufuu\ Waduidjt twn bem $rtbigtr ÄoUegio \ui 1ftü.
$reifattigf<it in Öorlifr, 4. 173b. gefcr. bti Äid)t«t m titörtifc.
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fonberen ©rijWrten unter bem Xitel: DrbtnariuS, für bie
l)reifaitigfeit*fird)e anguftcUen. $er unten \u>$ befonber* $u
erwäfjneube M. sJXeld>ior 6d)äfer war ber erfte Drbinariud.
:*öä()renb bte junt 3af>re 1713 bie Jtanbibateu be* ^rebtgt*
amtß fotDo^l *ßor- als 9tad)mittag3 geprebigt Ratten unb jwar
an allen @onn* unb geiertagen, würben itynen fett 1713 nur
bie 9cad)tnittag$prebigten über bie <£pifle(n wftattet. $ie
Stiftung beä Bürger m ei fterä 9ticiud im 3! 1725 verbefferte
Den <Üe§att beä Drbinartuä unb bie Öhatiftfationea ber pre-
bigenben Jlanbibaten. 3)er lefcte Drbiuartu* war ber ie$t
nocfy alä *ßrebiger f>ierfetbfi wirfetibe 3- «£>aupt. WHit
füljrung ber neuen Äirdjenorbnung vom 15. gebruar 1848
f>örte biefeö Drbinariat gang auf, inbem feit biefer Seit alle
Ijiejige ®eiftlid)e abwedjfelub bem ©otteobienfte ber ^Dreifältig-
feitöfir(f;e jid) unterbieten.'
9Rü bem ©otteöbienfte ber 6t. tCmtfttftafet*) vergalt e$
fid> äftnlid). £anö grcnjei, Bürger ju ©orlifc, hatte für 6
?Mtariften Stiftungen audgefefct unb mit großer ÜJfüfye v>om
'Käthe bie ßrlaubnijj auögewirft, biefe ®eiftlid)en in einem
von if)m eingerid)teten *ßrebigerl)aufe bei ber Änncnfircfye unter<
jubriugen **). mit bem 3a()re 1525 tyorten bie Neffen aud)
in biefer Äird)e auf unb blieb biefelbe, bi£ auf wenige einzelne
gäüe, über ein 3a()r^imbert unbenutzt. 3m 3- 1692 traf ber
\Kari\ ba wegen ber Jiatedjiömuäletyre in ber ^eteräfirdjc bie
bort üblichen 9)?ontag$; unb 3)iu$tagö^rebtgteu eingingen,
bie (finricfytung, alle $>in$tage in ber 6t. $nnenfird)e pven
gen ui (äffen, roeld/e ^rebtgten vier äanbibaten ber Geologie
ober 6tubenten abwed)felnb gegen eine Remuneration beforg*
ten. Tic (Sinweibungeprebigt hielt ber bamalige Primarius
getter am 4. November 1692. $od> im 3. 1738 würben
biefe 'ißrebigten vom Dtndtag auf Donnerstag verlegt, unb
gingen mit M« Okvlacb (aufgenommen am 10. Miiguft 1741)
gämlu'h ein. 9iad) bem jiebcnjäfyrigen Äriege fudjte man bie
^rebigten wieber in Slufnafyme ju bringen unb befttmmte für
•) ÄnauHje, Äurje 9la*rid)ten von beut ^rebiaerAftotteflio ju <St.
Hnna unb berfelben Äirdje in ©örlifr. ©orlifc, 1740, gebnirft bei 9tid>ter.
8. 4. ©ibl. b. oberl. ©efellfd). ber L. IV. 151. mit @rdän*
jungen vom früheren €>uperintenbent jaiufc.
•♦) £affe, Wat^annalen II. f. 117 ff.
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ben ©otteäbienft in bcr ©t. 8lnnenftrd)e jwei Jtanbtbaten.
Später löfte au* Diefe (^inrtc^titnq fi* auf, fo ba£ bic tfirche
bid auf bic neuejle 3eit um ©otteSDicnftc nid)t mehr benufct,
fäfularifut unb fpdter benDcutfd);Jt atholifen übergeben werben ift.
3um ©otteabienfte in ber $arod)ialfird>e ^urütffchrenb,
fdjeint e$ f)ier notl)wenbig, eine Ucberftcht üfrer bac3 Vlgenben-
wefeu unb bie ,f irdjengebräuche feit ber Deformation ju geben*).
Wach KfcMpfffeng ber Fati)oüf*en Zeremonien nahm fid?
ber Datl) ber fachlichen (Einrichtungen in fflörlifc an, unb futye
foltyc fo viel al6 möglich *u reguliren.
Den erfteu ^eweiö bavou liefern bie oou tfaifer v))tarimi'
Üan Ii. im X 15Ü5 betätigten Stabtfratuten. Dort t>rt#t c*
in $e*ug «»f *>a* äirdjenwefen:
„Hm Sonnlage unb an ben lagen, bie man no1> $ur
3eit feiert unb jwi« prebigt, folt Wtrntanb Jtaufinanndföai
treiben, unb fonberlicb foll lein ©etreibe, äßoUe, £ols, aud)
Dergleichen vor ber Wad)mittag$prebtat hereingeführt, abgclaren,
gewogen, nod) verfauft werben, »ber nach gehaltener 9Äit-
tageprebigt, ob e* bie 9toth erforbert, foll ce gefchehen mit
titanji unb Grlaubuijj beö ftath* unb m üBürgetmeifterö.
«öegiebt ftch'* aber, bap ein foldjer geiertag auf einen Don*
nerötag gefiele, au welchem man allljier Söochcnmarft $u halten
pfleget: fo foll boch Wemanb* faufen ober vcvfaufen, e3 fei
beim, baß bie göttlichen Remter in ber Jtirchc ganj auä fmb;
unb an bemfeiben Sage foll nicht mehr benn eine prebigt ge*
fchehen. Damit aber ein Hermann eine Mjfeufchaft fyabt
um bie geiertage, follen bic uad>be(chricbeneu läge gefeiert
werben, baran fid) ein 3eber habe \u ^aUen : &tle Sonntage
burch'e 3ahr, ber Weujahrätag, ber heiligen brei Könige $ag,
^auli ^efehrung, Unfer L grau *id)tme|j, St. Wattlnä «pojtel,
U. S. grau ^crfünbtgung, ber Oftertag unb bie jwei folgen*
ben £age, s$tylippi uno 3afobi Xpojtrfn, ber Sag Himmel-
fahrt ßhvifti, ber wahre Md)nam6tag, St. 3ol)aune* be*
XäufcrS, unb $au(i Slpofteln, ber Sag $efud)ung Stfariä,
ber *ßfingfttag unb bie nächfieu jwei Sage banacr/, St. 3afobi
Sag bee «poftcld, ber lag Himmelfahrt SWariä, St. ©artho-
lomäUSag, IL t grau Geburt, St. 3Watthiä be* »poftel^
#) Sirtmann'a $riftffrföaft. 3. 125 jf. Stnmtfa, Mspte. III.
p. 499. (Historia juris episc. et jurisdiclionia ia Lua. sup.)
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6t. 9Rid)aeli6 Sag, SHlerheiligentag, St. Simon unb 3ubd*
tag, U. grau (Smpfananip, 8t. Xhoniätag bec Vi ihm t cid,
Da (Jbrifrtag fammt Den folgenten jwei Xagen."
3)emnaa> würben, au|?er Den Sonntagen) feit bem 3. 1565
nod) acr/tunbawanjig geiertage begangen.'
1573 würbe Die 2üraofcnfammlung mit ben Jtlingebeutetit
eingeführt, jebod) am 2Beil)uad)tötage 1584 wieber beseitigt.
3m 3. 1617 erftyien im 3)rurf: „(S. (S. Diatt)* ber Stäb*
©örlifc neuoerfapte &irct)enorDnuug wegen itirchenftelten unb
©eftüblen, wie e$ bamit in'ö künftige \u galten." 1679:
„(£. (£. 9tath$ ^erneuerte $BiUfür unD DrDnung uon Verlob-
mffen, ^)oa>jeiten, Äinbtaufcn, Begräbniffen unb Xraa)t ber
Jtleibung." Mm 2)reieinigfeitöfefte 1683 würbe ber alte ßte*
braud) reo ÄbjmgenS lateinifcr)er &o liehen beim b. 2tbeubmal)l
aufgehoben, unb bie Äolleften nur auf bie brei gefte: Oftem,
*j}jtngften unb 28ethnaa>ten angefetjt; 1689 an 2ßeihnaa)ten
aucr) baö oor bem i>. ^benbmal)l bi# Dahin ma)t befeitigte
Jntltnqetu am Altäre. Hm 20. 3uni 1683 fanb baö erftemal
am äa^rmarft- Sonntage bie s3)ttttagöprebigt ftatt unb mupte
Jtauf unb SBerfauf bemnaa) eingeteilt werben. x 1691 warb
verorbnet, ba§ baä h- Stbenbma^f greitagä begangen werbe,
ebenfo ben 20. 3uli ron ber Jcanjel abgefünbigt, bie falben
geiertagc würben fünfttg nur mit einer s^rebigt begangen
werben unb bie 9)cittagäprebigt gan$ wegbleiben. Unterm 22.
3(prü 1679 fefcte ber SHath bura) ein Defret feft, baß alle
Montage, anjiatt Der gewöhnlichen s4keDigteu für bie ©emeinoe
Jtatedjiömuäeramina, mit 3u9runbelegung Deö lutherifdjen ita
tecfjtemuS in ber ^eteröfirerje abgehalten, Sonntags aber Don
Der Äanjel abgefünbigt werben folle, weld)e ©äffen fid) Dort
ein$ufinben hatten. 2>aä Dramen hielten Die brei £)iafonen
itebft bem ^ebituuö ju gleicher 3e^ auf verfebiebenen ^Uäfceu
ab; im 3. 1714 wurDe bieS jebod) bahin geänbert, baß bic
brei ©eiftlidjen nebft bem JDrbinarius aüe Montage in ber
ireifalrigfeitäfird)e bie Äatednfation oerrichteten, unb jebeöinal
Di* Bewohner eines Stabtoiertelä ftd) bort serfammelten. Wit
Der neuen (Einweihung ber St. ©eoraenfapeüe (2. 2)ecember
1737) warb bie Verlegung ber ^atea)ifation in Diefe Capelle
befa)loffen, unb ein eigener &atecr)et in ber $trfon beö M. ©c^-
fer angeftellt, weiter biä *um 3al)vc 1763, neben Söeforgung
De* DibinariatS, biefed «ml beibehielt. — $eu 27. gebruar
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1729 würben auf 8efcfcl M <Ratf>eä bic tafeln mit ben
Siebcrnummcrn jum crftenmale in bcr Äiicbe au6gel)ängt.
1731 warb bic Slrmcumptlegungö^ffafie errietet unb fett bcm
5. 6onntagc nad) bcm XJvcteinigfettdf cftc , in bcr ^cterdftrct)«
wätyrenb ber Ämtf* Hnb Stfittagd^rcbtgt fünf Älingebeutel,
fpätet aber fünf ©ü^fen in ber 6tabt, herumgetragen. Xie
foniglichc Jtommiffton, welche bebuf$ Xmfbn ber ^tabtver-
waltung am i. 3uli 1733 von Dreyen anfam*), ret>tt>irtc
auch baä Jtirchenwcfen , unb fe&te eine auä §wei Satbtnutgtic
bern unb einem Slftuar befteheube Deputation ein, beren Skr*
waltung unb Sfufwht bie Jtircfyen, Äapcllen unb ,£>otfpitäler,
fowie bie im 3- 1716 geftiftete ^ricfterfäaftiH 6<hulwittwen*
unb 2Baifcn*£ajfe nebft ttlmofeii'&affe überwiesen würben.
1764 fam bie (£infüf)rung ber Äinberfoufirmation nad)
cvangclifchcr Sßeifc ;u §tant>e. Vorher waren bie Jtatedm*
menen fämmtlich einzeln von beu GJeiftlifhcn unterrichtet unb
cingcfegnet worben. (Sine ^tiftuitg ber am 8. 9Kärä 1762
verdorbenen grau Stima >Kofma ^«ö^born geb. grölid) mit
1000 Xl)lr. für bic 6t. ©corgenfapcUe: „aur SBerbefferung oer
Äatecfjifation nnb 23eförberung bc£ actus confirraatioms" gab
bie 93eranlaffung jur öffentlichen geicr biefer bebeutungdvoücn
firchlichcn £anbiung. Die* fino bie ttudjtigftcn 9iortjen über ba*
Jftrdjenwefen in ©örlifc bid auf bie neuefte 3*&, unb brauet
nur uoc^ ^ingugefügt jh werben, ba|j eine 8genbe bie *ßre<
bigttertc angab. 6old)e fam auger ©rauch im 3. 1830, burcb
(Sinfübrung ber allgemeinen prcupifcbeit 2lgenbe.
Da* 3a^r 1848 foüte für ba* Jtirchenwefen in ©örlifr
burdj fffttftyfiitg einer neuen Äirdjen* unb 33egrdbni^orbnung,
woburch manche llebclftänbc befeitigt würben, fetjr wichtig
werben. Da über bem für bie wachfeube Begeiferung ber
Stabe längft ungenügeubeu 9?ifolatfird)t)ofc ein neuer griefch*f
auf ben früheren ^farräefern eingerichtet würbe, war auch
eine neue gricbbofäorbnung**) nötl)ig.
Die SBorbetncrfungen ber Jtirchenorbmmg, welche mit bau
•) @. oben ©. 57 b. ©.
••) Äirdjenorbnung für bie ewang. $arod)ie ber Stabt ©orlifc, d. ü.
ben 1. $ecember 1847 et conf. ben 15. ftebniar 184« nebjt ftriebljof*;
' Crbnung, d. d. ben 29. 9to»ember et conf. ben 6. $mmber 1S4«.
gebr. bei ©. $etn$e u. C. 22. <S. l>o$ 4.
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15. gebruar 1848 tn'3 ?eben trat, beftimmt: bie ettangelifd^e
*J$arod>ie ber ©tal>t ©örlifc unb be$ eingeplanten Dorfeä Ober?
unb s)tfeber*9Äot}ö bübet imr eine Jiircfygemeinbe, beren $aupt«
unb ^farrfirc^e Die <£t. $eter* unb ^aulfirdje ift. 8n liefet
Ütrcfee finb fünf ©eiftlidje, ein Primarius an ber (Spifce, an?
geseilt, roeldje aüe geiftltdjcn ,£>anblungen fmvofyl in ber
N4*farrfird)e, aft ben übrigen ftäbtifcfyen Äirdjen Hnb Capellen
beforgen. Die ©eiftlictyen erhalten il>re feftftefyenbe 93efolbung
auä ber <£tabt^aupt-<ftaffe. Der ^ajtor ^rimariue* l>at ben
Söorjfy im geiftltdjen Kollegium (et>ang. >t ivdu-n 9Äini ftevi tun)
unb ift beftänbiger Stellvertreter beä magiftratHalifcfyen Geröll
mädjtigten, ber jweite *Jkebiger nrieberum beftänbiger Stell^er*
treter beö Primarius. &ufjer tiefen fünf ©eiftlictyen ftnb an
ber £aupt* unb ^farrfird)e angeftellt: ein €>rgai#, ein Kan-
tor, ein Dorfanger (*ßräcentor), ein 2febituu$, jwei SBälgentre*
ter imb bie erforberlidjen lauter, Käufer unb Käuferinnen. 3"t
9udfü()rnng ber Jlirdjenmuftfen ift ein >>mi mental *9Jtufifd)or
unb ber vereinigte ©pmnaftal ?Sangerd)or beftellt. &n ber
Jtircfye jur fyeil. Dreifaltigfeit ift ein Drganift, ein *ßräcentor,
ein ©lorfner unb ein SMlgerreter befolbet. (Sin auö Sefyrem
unb €><&ülern ber $Bolf$fd)ulen jufammengefejjter (5bor ijt gur
$u0fnt)rung ber liturgifcfyen ©efänge beftimmt. Mn ber 93e-
grdbni^firtpe ju St. Wtfolat unb Jtatfyarina ift ber £auptlel)=
rer ber sJttfolaifd)Hle, an ber ^odpitalfir^e $ur lieben grauen
ber £auptlefjrer ber grauenfdjule, an ber £o$pitalfird>e jum
tyeil. ©eijit ber Jpauptlefyrer ber 9teijjfd)ule $um ©lötfner v>er?
orbnet. Da$ ^Tatronarrecfyt ftefyt beut 3)tagifrrate allein $u,
unb er übt Daffelbc naef) ben befkfyenben £anbeggefe$eu, ben
aü*erf>od)ft betätigten S3eftimmungen unb ber örtlichen Dbfer*
van?. Der 1. Xfyeil: Drbnung be6 ©ettedbienfiteö, bringt bie
93ejtimmungen fowofyl für bie $farrfird)e, ale bie übrigen $ir-
djen unb Capellen, unb $roar über: ©eläute, Äanjcl? unb %i*
tarbefteibung nebft ©ebraud) ber vasa sacra, Anfang be$
©otteSbienftcö, Siturgie unb ittrcfyengefang, Aufgebote unb 91b*
fünbigungen; mit beut llnterfdjiebe gegen früher, baß nad} be*
enbigter $rebigt ein Drgelfptel'^rälubium Denen, treibe bie
2lbtunbiguugen ntcftt Ijören wollen, &it gcwäfjrt, bie Jtirdje
§n verladen, gemer über bie 93eidjtfjanblung unb .Uommu
nion, *Paffton£^rebigten, Jtated}i6mu$'S4toWtcn unb Jtatedji-
farionen, fyalbe geiertage, SBodjengottedbienft, (£iufegnuug ber
27*
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420
gBocftnerinnen, SfufffeUung ber Herfen an beu JUrittbüren.
6ie werben ftatt Dcö aufgehobenen JUiiigcbetitelS aufgehellt.
Die betonteren Seftimmungen feften genau bie Wmttoerrity
tungen unb ©efänge fowohl an ben £onn- unb geft', alä an
beu übrigen geier* unb 2öod)cntageu feft. Die ©efchäftSorb*
nung für bie ©eiftlichen firirt ihre :Xhätigfeit auf baö ©e-
nauefte. Die Gebühren für ben öffentlichen äonfirmanbeit«
Unterricht fliegen jur ftäbrifchen .Haffe, $on jebem €d)üler
beö @r/mnaftum$ unb ber höhern Surgerfctyule werben 2 Xblr.,
t>on jebem (scr/üler ber Solfeföult 1 Xhlr. entrichtet. Der
zweite, brüte, oierte unb fünfte SßrcMger futb 9tet>iforen ber
USolWuhulen.
Die Sauforbnung regulirt baö Saufwefen in brei Jtlai';
ien, z» freier SBatK, weldje eine breimalige, zweimalige,
ober einmalige Danffagung bebingen. (Sin Saufen 1. Jtlaffe
foftet im fangen 4 Xf)lr., ein foldjeä ^weiter klaffe t Shlr.
15 @gr. unb britter klaffe 25 6ar. 9iad) ber Xauftanb*
hing wirb in einem aufgehellten ©eefen ein Opfer für bie
Firmen gefammelt. S3ei $au*taufen fommt ber C%bührenfa&
* ber erften klaffe zur Wnweubung unb flnb bann außerbem nod)
3 Sl)lr. an bie @tabi<$auptfaf|e ju entrichten; tax^t ftatt be*
9Böd)iier$ ber 93eid)tiHitet, an biefen noch 1 Z\)ix. Die er*
forberlichcu ©efrellunaen »errichtet bie Käuferin. (Sinfegnung
einer SBödmerin au einer anbent 3eit, al$ greitagS um 9 Uhr
in ber Jtirdje ober zu «£>aufe, foftet 15 6gr. mehr.
(Sbenfo beruht bie Srauorbnung auf bem Jtlaffenfyfiem,
welches bie Slu^behnung beö @eläute$ unb aller (Zeremonien
bebingt. (Sä zahlt bie erfte «Klaffe für eine Xrauung 30 Xhhr.,
bie zweite 15 Stfr., bie britte 6 2,l)lr., bie inerte 3 ^f>lr.
15 (5gr. ^Brautleute, welche, ber Stetigen *ßarocr;ie angebo-
rene, fid) außerhalb trauen laffen, ^a^lett bie Soften einer ber
erften brei klaffen nach freier s]ßai)i. gür £au$rrauungen,
welche 40 Sl)lr. foften, fommen bie gormen ber erften Jriajfe
Zur $lnwenbung.
Die 93egräbuij?orbnung, ein wichtiger goTtfchritt gegeu beu
früheren burch £>bfen>anz unerträglichen tfuruä, bietet fünf
klaffen, bereu (e$te nur burch ein 2(rmuth$Zeugni$ tun Il-
ten geftattet wirb. 33egräbniffc ber erjien klaffe foften neben
ben zufälligen ftudgaben, welche im Manzen unbebeutenb finb:
40 14)lr., ber gweiteu 20 Zi)ix., ber briiten 8 Xi)lx.f ber vier*
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42!
ten 3 3Wr., ber fünften 1 $f>lr. 7 <£gr. 6 *ßf. gut 9ttcf>t-
($i>angelif$e ifi eint befonbere ^egrdbnitir ©ebüfjrentare ent*
werfen. Die neue 8n*bl)of$orbnung gibt ba$ SBeitere über
t>ie Schließung be$ 8rauen^£ird)l)cfe$, bie Segräbnifjfirdje unb
beren Anlagen, beit neuen $ifolai-ifrrd)l)of, bie £krorbnungen
über bie eimeinen Äbtbeilungen (für geilen (£rwacfyfener unb
über ein 3afyr alter $erfonenf fceidjen tobtgeborener ober im
erften 3af)re verdorbener Äinber, gamiliengrabftätten unb (5pi*
tapbien, gemauerte Prüfte unb (Gräber, hieben au$ ber fönigL
Srrafanftalt), ©röpe ber ©räber, S?nn nnb Sfudfctymücfung
fcerfelben, Familiengräber unb (*pttapf)ien , gemauerte ©rufte
unb ©räber, ©rabregifter, griebfyofäauffefyer, QSerweifung bed
s43risatDerfebre$ $en ber Xo&tenwaljlftatt.
Die ©eiftlidjen fyaben jtäbtifctye ^farrgebäube inne unb
$war bie £äufer 308., 309. an ber $eter6fird>e, £ain*
wulb 9to. 329. unb Wo. 330, enblidj Ober^angcngaffe Wo. 192.
9cadj bem ^bfebtebe be$ Pfarrer* JRotbart üon .©orlifc
wedtfeften bie Pfarrer /tum Schaben be$ .ft'rctycntoefen* febi
rafdj. Der an föotbarfö Stelle berufene ffiolfgang Sd)t>ftel*)
(Sutfeliuä) verlief im 3- 1535 ©örlifc, weil man if)n wegen
feines langen Söarted Ijöfyute, WHrbe jebod) fdjon im 3- In45
wieber $urürf berufen unb ift 1553 in ©örlifc gefrorben. 2Beil
er nef} t>erbeiratfyet fyatte, machte man iljm nod) 1545 Sdjwie*
tigf eilen. Sin Sdwftel'S Stelle würbe 1535 ber au$ ber 91 e*
formationSepoctye befannte M. .$cnebtft ftifdjer, *on Sagan in
Sdjleften jurücf berufen , mußte jebodj abermals bie Stabt x>tx=
lajfen, alä er im 3. 1538 eine Sattlerätodjter geef)lid)t fyatte.
Der $ad)folger Sifdjer'ä, 3ofyann Littel, ein ehemaliger Wendj,
fdneb im fclgenben 3al)re 1539 wegen 9Xi^ettiafeiten mit
rem föatfye. Der Primarius ^emtfyarb Steinberg, früher *ßrc-
feiger ju Rothenburg i. Oberl., fam im December 1539 nad)
©örlifr unb würbe bei feinem 1545 eintretenben Xobc bureb
M. $ifd>er, wie fdjen erwähnt, erfe&t. 3n %\\tyxyt $t\t fällt
bie entlaffung eine« ^räbifanten, M, ^c&frein, im 3. 1547,
•) 2>afjtu iji bie ungenaue Angabe @. 293. ju berichtigen.
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422
weil er öffentlid) von ber ^anjel ©(&mär;rfben auf £atfcr
Maxi V. unb Äönig fterbinanb *. Soljmen gewagt f)aM*).
M. Dttomar (Spplin, ein ©djwabe von ©eburt, ^attc faum
M. gifd)er'$ ©teile eingenommen, ald ihn am 16. Dccember
1554 ber tfanbooigt 3&i$lan> ©erfa von ber Duba abfefcte,
Weil er t>err)eiratf»et war. (*r ftarb ju tfonigSberg, ald #of>
prebiaer be$ £eraog$ Vllbredjt von ^reHpen. £>er (Srfafcmann
be* Stangen, M. Äaflpar '-IBtrtywetn, inftallirt im 3. 1555,
wirfte nur bis gum 3. 1561 in (Hörlty, uub erhielt ben
M. Samuel 3aud> au$ gretftaW in ©cr/lefien jum 9fad>folger,
3aud> blieb aud) mct>t länger al$ ber Vorige: nad) greiberg
tn ©a<fyfen berufen, tyiclt er fdjon am 3. gebruar 1566 feine
Hbjugflprefcigt.
5n feine geiftlidje SBirffamfeit unb bie feiner 9ta4fo(grr
fallen bie Skrfyanblungen wegen be$ tftt?ptocalmni$mud, n*l*
d)et angeblid) tn ®örli$ rjerrfcfyenb fein follte**).
2>ie lutljerifd)e **ebre war faum in $>eutfd)lanb gefiebert,
als ftdj titncrf>afb ber neuen tfirdK Spaltungen über Dogmen
erbeben, unb bie bartnärfigften, leibenfdjaftlidjften (Erörterungen
tyeild auf ber Äanjel, tl)eilö in ©dniften veranlagten, eine
©teile aud £afe'$***) Äird?engefd)id)te wirb ben beften Ein-
gang xxix Erörterung unb Erläuterung biefer $anbel, weld>c
auf bie JDbcrlauftfc,' iuflbefonbere auf ©örlifc, (£tnwirfungcn
äußerten, abgeben.
,,sJDtelaudjtl)on, entfdjieben gegen einen 3Mmb mit 3wingli,
aber überzeugt, baj? Weber bie lutl)erif(f)e, nod> bie cataintfetye
$benbmaf)ldlct)re, bie aud) auf Luther einen t>erföf)uenben Ein-
bruef gemacht hatte, bem d)riftlid)en ©laubeu unb ^eben wtber-
fpredje, wollte beice innerhalb Der Äircbe gewähren lajfen.
i)a()er ald bie ©treitigfeiten beäljalb im jnnern Qeutfcrilanbd
aufä b^ftigfte entbrannten, vermieb er eine beftimmte (Frflä-
rung, nur als 33ren& bie £cf)re oon ber Slllgegenwart b*d
SeibeS GF-f>riftt jum würtembergifdjen Äircfyengefefc erhob (1559),
mißbilligte sJDfeland)thon, baß foldje neuerfouneue Wormeln £u
*) 6. bie ttttflefu^rte» ^Beitrage jur ©cfä. U6 fdjtnalfalb. Antat«.
<S. 103. ver^I. mit *5. 330. b. ©.
••) Änautf»«, Mspte. tom. VIII. Hist. Schism. p. öö ff.
•••) Dr. Stazl £aff, Äirdjengcf^i^tc. 5. tUfL feei^ig 1844. 8. @.
394 f.
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423
©laubenSgefefcen gemadjt würben. 9lber feine fyinterlaffene
Sdjule fafy baä alleinige £eil im (£alvintömu$, fte war
gleid) mädrtige ,£>of»arteif ihr £aupt, Der gelehrte 2lrjt *ßeucer,
im gerjeimften watfje be$ äurfurjten. (id galt nid)t blo$
einem bogmatifajen 3wiefpalt, fonbern ber gangen firajliaVpo*
lirifdjen Stellung, £er äurförß $luguft fyatte feinen Glau-
ben auf ?utr)er'ö Meinungen gefe&t, wenn er fte and) nid)t
gerate fannte. Ü)af)er btc Htyiltppiften für nötfn'g gelten, ge^
gen aüe Änflagen ifyrer ©egner ben Sdjein lutfyerifa)er 9Red)t-
gläubigfeit ui bewahren. «Sie bewogen ben $urfürften, einer
(Sammlung von Sa)riften ÜttelandjtfJon'S gefefclia)e$ 8nfel)en
$u erteilen Hnb bie jenatfa>eit (Eiferer, 5Biganb unb £efjf)uftu$,
a(6 er burd) eine vormunbfdjaftlid)e Verwaltung il)rer meid)
tig würbe, au$ bem Flinte unb fcanbe $u vertreiben (1570).
^terbura) füfyn ober bura) if)r @tewijfen gebrungen, fpradjen
bie \|^bi(ippifiett in einer namenlofen, bod) unverfennbaren
Sdjrift, bie Verwerflidjfeit ber (ut^erifc^en ^benbmafylälefyre
au6. Verbannung unb Werfer war ifjr Volm, ber Xfjeologen
wie ifyrer ©öuncr am «£>ofe. 3n allen fäctyjtfcfyeii Jlirdjeu
WHrbe für bie Ausrottung ber calvinifdjen Äe&erei gebetet, eine
Denrmünje feierte ben Sieg @f)rifti über ben Xeufel unb bie
Vernunft."
X)er ^auptgrunb, weöfjalb ©örlifj in ben jRuf be6 rjeim^
lidjen- SafotmdmHd gefommen ift, fdjeint in ber milben Bf*
l)anblnng ber tttyct ju liegen, weldje faft fdmmtlid) Sd)ülcr
be$ Wlipp 9J?eland)tf)on, vom görlifcer töatlje nid)t, wie t>te<5
in Sauden gefdjaf), oertrieben, im ©egentfjcile jur Spaltung
bevorwortet würben. 3n @*örliö l)ielt man fefyr viel vou *ßl)t--
lipp sJD?elana)tfjon; er würbe ftetö in Äird)en- unb Sdjul^n-
gelegensten um feinen gefd;ä$ten Seiratf) angegangen.
ungefähr im 3- 1^30 bie Umgestaltung ber Stabtfdnile ge=
fd)ar;, liejj ber görlifcer iRatl) Öel)ver au$ Sittenberg unter
3)?eland)tl)on0 Vermittelung berufen. Unter btefen war M. ©eorg
Dttmann (auch ilttmann) ber Vorneljmfte, erhielt 1544 bai*
Sd)ulr*ftorat unb ria)tete bei ©rünbung beä @)mnnaftum6, au
weldjer $tit er aua> im ?)iatbc faß, $llleö nadj 93telana)tl)on'ö
$ßeife ein, wählte jum Sa)ulgebraua)e sJDielana)tf)on'$ Sa)rif
ten unb forrefponbirte biä )n feinem im 3- 1590 erfolgten
Xobe fef>r viel mit bem berühmten *)3cucer unb anberen Stxw*
tocalviniften.
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42 i
M. 3auct) würbe in Jreiberg be$ ,ärt>i>tocah>ini$mu$ be-
fcbulbigt, unb ba er crfi ron (Hörlifc bortfyin gefommen war,
taufte ber föuf auf, ganj Gtörlifc fei beim(id) eafoinifd)
ftnnt. £>bwof)l nun M.' 3and) am 9. 3uni 1578 in einer
au$für)rlid)en (Befjrift feine acht' futrjeriferjen S(nfi(f)ten beton-
bete, entging ev ber &bfe$ung nidH.
3n ©örlifc felbft blieb ba$ SBerhältnip unter 3«udM
Wadnolqer, ©altyafar Dittrid) (feit 1565) nad) wie vor. $ie
©eiftlidjfeit inSgefammt, bie lVt)rer be$ t%mnaftum$ unb ber
ffiatb waren melanduljonifd) gejinnt. <5ie waren rollfornmcne
^fnlippifien, in ber fluten 38eifc, ibr ganjeä 2eben l)inburd)
niemals ju (fünften beä (£altMni$mH$ erwaö ju äußern. 53al-
tbafar Dittrid) würbe buret) Änbänger Äaöpar <5d}wenffelb'*,
welche in feiner ©emeinbe auftauchten, in eine große (Erregung
gebradtf.
(sebafhan <8d)üfce*) auf £eopolb$f)awt unb ^enner^borf
war fd)on Hn bänger ber Hnßctyttn «Scfywenffelbd wäfyrenb ber
Ätrd)enveränberung in ©crlif). 6r r)ielt feine Äinber ;u äbn:
liefern frommen (spinne au unb richtete eine regelmäßige J^auö-
anbacfjt bei fid) ein. <5eine Üödjter t»ert)eiratr)cte er nur an
@Meid>gefinnre. 5>a er aber feineöwegfl ben äußeren (Dottel-
bieuft mnad>läfftgtc, bie ^rebigt befud)te, bie Jtinber taufen
ließ unb bafl t). *)lbenbmabl genof?, fam er nict)t in ben 53er-
baebt eiltet 6ectirer$. 3m 3. 1544, al£ ein 6d)ur)maayr,
ffirauj Deibel autf @orli$, t>on ihm jum Pfarrer in £eopoli)f
bami eingefe^t warb, unb man jta) über €>d)ü&e'$ 3bee wun
berte, einem ungelernten sA>faune ein fold)e$ Vlmt anjurer
trauen, begannen tnSbcfonbcre bie Pfarrer von SBiebertäufn
wefen \\\ munfeln, verloren aber über bem fctymalfalbifcben
Kriege unb ben nacbfolgenben (£reigiuffen bie 6d)ü$e'febe Ja
mtlie ganj aufl ben 2(ugen. 9LU nun ber föeligionöfriebc im
3. 1555 abgefdjloffen war, unb bie £eute mer)r ben äußeren
(%tteäbicnft wal)rju nehmen begannen, ale* ju ber $titt wo ba$
?utr)ertl)um felbft fortbauernb in ©efar)r ftanb, fiel ber @eift
lid)feit be$ görlifcer $\Seid)bübeä (sebaftian £a)ti$e mit feinen
Jtinbem unb Unfein, ber ,&otrmann'fd)en unb (Snber'fa^en %a
milie wieber um fo mct)r auf, ba folcr/e jefct im 6t)nftent^Hme
weniger bie äußere, als *ic innere @otteöt>erel)rung wafyrnafjmen.
•) Änautlje a. a. 0. tom. VIII.
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<Sie gingen *war noch in bie *Prebigten, ließen audj ihre Jtin-
ber taufen, aber ba$ l)eil. StbeubmaM genoffen fie nicht mehr,
lebtglich aufl Dem ©runbe, „weil ber große Äaufe in unbe-
f ebnem ^eq.unb (Binn ba£ Zeitige sD?abl bejuche, ftc batjer
or)ne Verlegung ihred ©ewiffena feine @emeinfd>aft mit jenem
haben fönnteV' Dieö vermerften bie *ßrebiger febr übel, unb
fca ©djwenffelb mit jenen görlifcer S^niHicn eine Anficht r)cgte,
nannten bie ©eiftlicr)en unb ber große J^aufe nach ihnen, bie
(scbüfce'fdjen^offmannYeben unb C^nberfa)en Familien : ^djwenf-
felbianer. £ie mußten beflbalb viele Hälterungen erbulben,
trugen foldje aber mit äci^t chriftlieber (Ergebenheit unb innerer
(Seelenruhe, um fo mehr, al<3 ihnen ^iemanb, außer ihren
angefeindeten religiöfen &nfia)ten, irgenb etwa* 336fed !iad);
fagen fonnte. Die *Prebiger verfeuerten fie namentlich wegen
ber 9ita^ttbeilnat)me am fttfcfye be$ £errn, von ben &an;e(n;
bamald übliche Kolloquien unterblieben. Die Slnfeinbung ber
<5chwcnf felbianer überfchritt bie* jum 3- 1560 nicht bie ©ren-
ken r)omiletifa^er *ßolemtf.
3n biefem jähre ftarb grau Urfula £offmann, geb.
<£dnifce, (&Qttin ^offmann'ä auf «£enner6borf. (Bie r)atte ftd)
mit ihren anbern 93lut#verwanbten feit mehreren Jahren beä
9lbenDmabl$*©cnuffeö enthalten, baber if)r bie ^rabifanten ein
ehrliche^ Begräbniß verweigerten. Der sJ}rimariit$ ©irtbwein
mit feinen geiftlichen Kollegen verboten überbieS einftimmig
bem (Sdjulmeifter unb feinen Kollegen bie Begleitung ber
£eict)e, inbem ftc hinzufügten, wenn bie Sefjrer ungeborfam
waren, müßte man fie auch für verfappte <5et)wenffeitianci
halten. 9(13 ber 9tath bie Befcrjlüffe ber ©eiftlidjen erfuhr, wurDc
fofort eine (5u)ung anberaumt, unb bem ©löcfner, welker
fd)on einen *l*ulä geläutet hatte, bie Jortfejjung beä Hauten^
biä auf 3ßeitere6 unterfagt. Da# (£rgcbniß ber 6tyung war
nachftebenbeä: ber föatt) fanbte ben ©tabtfdjrctber mit bei
Bitte pim Primarius, in biefer 6ad)e befa)eiben aufzutreten,
unb ber £eid)e ba$ ©eleit nicht ju verfagen. (Sr fönne ja
mdu behaupten, baß bie Verblichene überhaupt uid)t an bad
(Evangelium geglaubt tyabe: ^ier fönne ba$ .£>er$ nicht urthei-
len, fonbern ber alleinige ^erjenSfuabiger, ©Ott im £immel;
ber 9*ath werbe beefjalb beim tfatfer in Ungnabe fallen, ba
<5e. 9flaj. verbeißen habe, in feinem 9Reid)e Sebermann bei fei*
nem ©lauben ju fetten; gelänge bie Slbftcht be$ ^rimariuä,
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426
i
fo würDe mau jagen, ber (Glaube wäre erzwungen, ntdjt frei;
Die ^3ent>tcfe(iuif|ettr in weldje bie ©tabtgemeinbe Dnrd) biefe
Sadje geraden fönne, liefert tut gar ntdu überfein.
Dbgleid) nun Der Primarius Der erften $3otfd>aft De6
9Ratbe$ fein ÖJeljör fajenfte, vielmehr antwortete Die SBeritorbenc
fei eine $$eräd)terin Der fyodjwürDigen caframente, Da fte otjnc
(9enu$ beö fyeiligcn ÄbenbmaljlS unb ohne 5 hei Inahme an Der
$eid)te beiDnifd? uerfdneben fei, fönne fte ntdu alö (s~hnmn
begraben werben unb er mit feinen Jtollegen ein geift(id)e$
©eleit nietet gewähren: gab er einer ^weiten $ufforberung be#
%Katheo nad), unb feine (Einwilligung nt geiftlicfyer Begleitung
ber 2eta>e. 6eine> Seidjenprebigt begann in fctjrojfem 3ÖiDer*
fprud^e mit feiner bem rKarhc gegenüber übernommenen ÜBer*
binblia)feit, nur eine attgemein gefaxte $3arnung^rebiat über
Den 6a)wenffelDiani$mu$ ju galten, mit Den Korten:
„Daß wir Diefer $erfoii, fo verdorben, Da»3 (Geleit gegeben
ha heu , ift ntct>t in Der Meinung gefd)ehen, mit innerer (Siegen;
wart ju bezeugen, bafj Dicfe $etfon al$ rechte 0>" huütn \>erftor-
ben fei, fonDern Darum, um 3er er manu aujufaaen unD au
warnen, wie wir fyinfort feine ^erfon, wela)e Die hodmnu-
Digen caframente veraltet unD fta> anDeren Triften gegen-
über überleben will, ein ©rabetfgeleit gewähren werben;" ein
(Eingang, welker ntdu wenig (Gemurmel unter Der Stetige
erregte, huD Dem alten ^offmann bitteren Sdjmerj öerurfadjte.*)
'Da Don ben geifMicben Kollegen, M. 8nDrea6 äRifenud bei
ber Söeftattung gefehlt batte, fünbigte ifrnt ber föatl) Die (Stelle.
Die JtünDigung hatte DaS einmütige Slbbanfungdgefuct} Dee
gefammten 9)Jiuifterium$ &ur Solge. Dal)er blieb bem 9iatr?e
um weiteren Aufruhr in Der aufgewiegelten (tyemeinDe \\\ t>er*
hm cu, nur übrig fein Defret gegen ben M. ättifenuö )itrücf£ii
nehmen. $ux ^^K* ber Damaligen (*inwof)ner Darf l)ier nidjt
überfein werben, Dajj bie SBerftäuDigereu ben alten ,£>offmann**)
unb feinen Wnbang innigft beDauerten Hnb r>o\l Unwillens über
•) 3n ben ®eorfl Ädöler'fdK« glein>5ftHgen g*rü>er 3afcrKKt>ern ift
Ziffer SBorfaH cr^äfylt.
••) £offmann lief feiner Öattin folgenbe ©rabfdjrift feften: $>ic
tugenbfame grau Urfula £an« -froffmann, i|l in (Ifyriflo entfdflafeii, ben
14. Oft. anno Christi 1560. $ie Sdjriftgelefyrten »erbammten G^frtfrnm
jut fetten nnb lobe. SWarc. 14. Staaken foridjt $abib: «Selig i* ber
SRenfdj, bem ©Ott bie @ünbe niety juredjnet.
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427
bad ©enefymen ber ©cifitlidjen waren. 3)ic angefdjulbigten
£cf)wenffelber würben vor ben föatfy geforbert unb bort er-
mahnt, fta) fernerhin nicht mefyr von ber <*)emeinbc abwfonbern,
ba ihnen fonft ber 9(ufetiti>a(t in ber £tabt verboten werben
muffe. (Einige berfelben nahmen feit ber 3C^ wieber Xheil
am heil. &benbmar/le, nur bic ^offmann'fche unb Sctnlfcc'fcrjc
ftamilie blieb ihrer Anficht treu unb ber 3iatl> füllte jich trofc-
bem nicht bewogen, ben alten «£)offmann bem Kollegium ber
iRathäverwa übten $u entfremben Hnb ihn aufyufd) ließen.
1567 ftarb <5ebajtian <Sa)ü$e, ein Sofm be$ alten <5e*
bafHan 3a)ü&e. £)a er vor feinem Xofec baä ^benbrnahl
genoß, aua) in ber &ira?e für ftd) bitten ließ, machte bie ®eift*
lid^eit feine Sctywierigfeiten beim Seictjenfonbuft, wofyl aber
war bie$ beim 93eqräbniß bee* alten ftxani .froffmann, ber
einige $Bcd}en vor 6d)ü$e ftarb, gefchetyen. $er >ßrtmariu$
M. Salthafar Dietrich verweigerte ba$ Geleit, ba ^ojfmann
ofyne ?U>enbmal)le»genuß verfchieben fei. (*in größerer Sfanbal
warb baburri) vermieben, baß ber gorlifcer ^iräbifant Äaepar
^Jfafcfyfe, ein persönlicher ftreunb beö Verdorbenen, mit ben
^fartern au$ *£>enneröborf unb £eopolb$l)ain ber 93eerbigung
in ber Jrauenfirdje beiwohnten*).
9tach ^offmann^ ©ejiattung ließ ber $atf) bie ihm vom
geiftlidum ^innitaunn alS'beä 6a)wenffelbiani^mud verbäd)*
tigten c. breißig ^erfonen vor fich f orbern, unb beutete ihnen
an, fie mußten bie 6tabt verlaffen, fallä jte nicht $u ben %hä*
bifanten gingen, ihnen ihre (*Maubenonretfcl mitteilten unb
firf) belehren ließen. $)ie$ gefdjab. Die Reiften ließen ftd}
juredjrweifen ; felbft ein gelehrter 33ier ^Bürger, sJ9Jid)ael ^er-
mann, welcher ben ^räbifanten fer)r fchwierige fragen tt eilte.
6ie Ralfen ftcf> bawiber mit Safterreben, nannten bie 93efennrnijfe
wiebertäuferifche Änftchteu, fchoben bie (5d)ulb auf bie 9Jcenge
berariiget Stocher, welche sDRidjael ^ermann beft&e, unb waren
•) Um ben $enffiein fleht: „Anno Domini 1567 d. 6. April ifl in
©ott feiig entfctjldfen , ber (fyreufefie unb namhafte £err £an« ^ofmann,
3Ratb<*freunb aW)ier bem ®ott genabe." 9tuf bem Steine: „Paulus ad
Cohn t Ii IV. Cap. Mictoti't mein für bie 3<it bi§ ba§ ber ptxt Fommen
irur. »eldjer Quct) au'a £id)t bringen wirb, toae in ber ftinfierniji »et*
borgen ift; er wirb bie SRatfjfAläge bed £er$end offenbaren, unb bnnn
wirb einem 3egli<t)en von ®ott tob wiberfatyren !" Hufierbem würbe eine
latetnifdje 3nfd)rift mit ^offmann'ö ganzem Xitel in bie 2üanb gemauert.
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4 28
befriebigt a(6 ber Hngefeinbetc jidj jum ©cnuffc be$ ^cüi^en
$lbenbmal)l$ bequemte.
2fuä tfurdu vor Sfergernifs nabm ber alte Sebaftian
Sdjufce vor feinem am 4 3uli 1569 eintretenben &>be ba$
ljeil. Mbenbmar)l.
$en legten iHnftop erregte beä' Senator ^cbann Soffmann
am 13. 3uli 1575 verstorbener Sohn @teorg, weil er fld)
regelmäßig beä $tbenbmaf)l$ enthalten hatte. CDte ^räbtfanren
nannten ilm au$ biefem @runbe einen Und>riften nnb verweis
gerten batf 93egräbniß auf bem gemeinfamen Äird)hofe. Sie
verlangten, baß ihm nia)t geläutet werben folle, waä ber JRath
mit ben Korten abfrtMuq: bie @Uorfen wären (Sigentbum ber
®orli$er uub nia)t ber Pfaffen, man würbe ntd)t 8Ücä gener)*
inigen, wa$ ir)nen beliebe. (Sä ging bei ber $eftattung be$
@)eorg ^effmann jwar fein 3Ritglieb be£ geift(ia)en SRüüfte*
riumS, bagegen ber gefammte *Ratb unb bie Stüter mit ben
Seffern &u ©rabe, welrbed bem (fntfa)(afenen neben feinen
Altern gegeben würbe. s3Rid)ael (£nber auf Sera)a, Sa)wager
bed Vorigen unb $ater be6 fväter gcabelten, fa)on oben bei
3afob ^öhme'fl $cben$befa)reibung genannten Jlarl v. C?nber,
würbe wegen btcfeö gauattemud ber ^räbifanteu bei &aifer
^arimilian II. f lagbar, unb fugte ber 93ef*werbe ein 3«tfl'
niß ber Sefyrer beä görli^er ©wmnafmmä bei, worin jte bem
jungen £offmann teftirten, er b<*be feinen Jtatea)iömu$ voll*
ftänbig inne gehabt unb fei ftet$ ein ftiller, fleißiger unb from-
mer 2Renfa) gewefen. 3n Solg* biefer Älage eriiep t^er Jtaifer
an bie görlifcer ^räbifanten ein fct>arfe6 Schreiben, mxin fte
vor ähnlichem Unfuge mit ber irohung gewarnt würben, er
werbe im 2ßieberbolungöfallc ernftlid) gegen bie Sa)ulbtgen
ein$ufd) reiten wijfen.
$rimariu$ SBalthafar Dittria), ber fia) bei biefen @ele*
genr)eiten fo altgläubig unb bartnäefig in feinen Anflehten
erwieS, war übrigens fonft ein SBobltbäter ber Firmen unb
baher fet^r beliebt in ber Stabt, weäfyalb ihn bei feinem 33e>
gräbniffe am 3. September 1595 gegen 20ÜÜ ^erfonen jur
>Ruheftätte geleiteten. 2>a6 Verfahren gegen bie Sctjwenffel*
bianer fdutyte tf>n nia)t vor ^Infeinbungeu anberer ganatifer.
3n ben legten 3abren feine* bebend, taud)ten mit großer Se-
ftimmtheit wieber bie ®erüd)te auf, ganj ®örli& fei bem
•$tn?vtofalvini$mu0 ergeben.
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429
3uttäd)ft würbe biefe 93efd)ulbiguug auf bie ^efyrer M
©tymnafhintö gefdjleubert, unb ber Hefter SuboMcuä \>on beu
wittenberger ganatifern: ,£>unniu$ unb ©alomon ©eßner wegen
mehrerer Schriften*) für einen (Sabiniflen erflärt. 2Äau benun-
cirte ba* ©tjnmajtum am faiferl. £ofe. 5)iefer mad)te bie
©ad)e anhängig unb erlief am 15. Januar 1592 an ben
Sanbeöljauptmaun unb Defan gu 93au$en $efetye, ben ßal*
»internus m ber £>berlauftj> $u befettigeii.**) $ie beiben 93e*
l)örben citirten bemnddjft einige ^erfouen auö bem föatfye, bem
getftlicfyen 9Niiiijlerio unb bem ©tymuajium nad) Saufeen. <S$
gingen au biefer Unterrebung nad) kauften: ber Sürgermeifter
fcartfyol. 6cultetu* unb Dr. 3of)ann 2Belß »om ftattye,
M. (Sita* S)ittrtcfc (würbe 1595 Primarius unb ftarb wie befjaup*
tet wirb im % 1600 an ©ift) unb ©regor Siebter Ramend
ber ©eiftlid)feit, enblid) M. Martin WW\x* leiten* be* ©ym*
nafiumd. Wl$ fic vor ben Äommiffarien erfdnenen, warb
i^neti &unäd)ft folgenbeä Dleffript au ben fcaub&oigt £an$
v. (sdjweimfe gerietet, »orgelefen:
„Dtubolpbuö ber anDere k. SBotylgeborner, Sieber, ©etreuer,
SBir fügen Dir gnäbigj* $u wiffen, baß Und glaubwürbig 93e* '
vic^t fürbradjt, wie baß in Unferem Starfgraftyum £)ber^auftfe
mefyrer JDrten, wie auf bem Sanbe, alfo aud) in ©täbten, fon*
oerlicfy aber in Unferer ©tabt ©örlife unb betym ©djulen ba*
felbfleit, bie verfüf>rcrtfc^c fd)äblid)e ©ect ber (Safoimften ein-
wuqeln, fonbern aber ifeiger 3eit il)rer t>ie(, fo ftdj au$ ®tei-
ßen unb 6ad)fen begeben unb wanbent muffen, Unterfcfyleif
unb Hufentfjalt fud)en folfcii.
2Benn wir beim gar nid)t gemeinet ftnb biefe ärgerliche
unb fd)äblid>e 6ect in Unfern Sanben eiufommen ju (äffen;
Sllfo i\t Wermit Unfer enblicber Sefefjl, baß 2)u äiabalb mit
unb bety neben ben würbigen Unfern anbädrtigen (ieben getreuen
©regoru Seifentritt, ftbniimfhratorn unb £>ombedjant ju $u-
bifftn, al$ Mbnunijhratorn in spiritualibus allen gleiß ntd)t
allein *u ©örlife in ber Särgerföaft unb <5djulen, fonbern
aud? au anberu Orten ba bergleid)en ^erfonen falben 2kr*
*) Doctrina et certamina synoüi Ephcsianae. 4 5S3. 4. Synopsis
doctrinae de filio dei. 458V. V. Doclrinae scliolae Melanchthoniauae.
1589. 4. ttjaren bie anae^rijfenen <8d)rift*n.
••) ©iefe SRadjrieäjten fint» au* ®tu\M*$ 3af>rbüdjern entlehnt.
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430
muthung, gan$ in ber (stille eine fleifjige Jfrinbfdjaft auftelleft
unb f>aiieft r bann aud) biefelben Verführer unb (Seetirer als
an Unfer ium abfebaffef^, unb mit Verwahrung Unfer ernpen
(straffe abweifeft. Da fte fia) aber nidjt würben auf
Deine Vermalniung abweifen unb warnen (affin, Uni hernad}
foldjeö mit ausführlicher Speeification ber ^erfonen, nur ihrer
ilnfunft, unb fcnberlicfy berjentgen, fo tr>nen Unferfcbleif geben,
and) wie unb burdi waö SHttei foldie irrige unb \>erführerifa)fc
6ecte unb berfelbcn guaetfyaue ^eute au$ Unfern Rauben ge^
brad?t unb toavon gefiebert fein moduen, gehorfamlia) beriebteft
in maffen Söir bem gebadeten $bumbbed)ant \\\ Vubijnn ald
llnferm Administratori in spiritualibus in Ober- unb lieber?
Vau üb enblia)en ^3efct>l getrau, hierauf gute $fd)tung zugeben,
bergleidjeu vagirenbe fectifdje $rät>tfanten mit Deiner $ülfe
abjufdjaffen , ober ba eä nid)t fein wollte, für Did) felbften,
Und bie Gelegenheit ;u ferner Unfern ftefolntion in Gebor-
fam n\ beridjten, wollen 3Ütr Dir ju 9tad)rid)tung gndbigft
nid)t bergen. gefd)iehet an bem Unfer gndbigfter unb enb-
lidjer ÜBille. Gegeben, föntgl. 6d)lo|j, $rag, ben 15. 3an.
5lnno 92, Unferer iReid)e, beä rem. im 17., beä bungar. im
20., unb beö bohmifa)en audj im 17. %at)x."
$Rubolpl). Ad mandatum S. Caes. Majest.
proprium @ebalb «£>ingolb.
Adamus de ,nova domo S. R.
Bohemiac Cancellarius.
Da bie Äommijfarien ben görlifcer Deputirteu noa) weitere
Vorhaltungen matten, gaben fte etnmüthig *ur Antwort: fte
lehrten nia)t$ anbereä, alä waö bie augsburgifche Äonfeffbn,
ber große unb fleine ÄatednSmuö, be*gleia)en bie 6d)riften
Philipp sD(elanchthon$ enthielten. 6ie beriefen fta) auf bie
ganje Gemcinbe, bafj in ben fira)lid)en Zeremonien nia)t bie
geringfte Äenberung wrgeno turnen wäre unb foldje noa), wie
früher, beftdnben.
s3Ran entbannc baä 2ßajfer bei ber üaufe; serwenbe bie
Sborttttef, 9Ü?ef?gewäuber, Gafeln u. a. Vefleibung bei ben
heiligen Äenttern; finge bie lieber lateinifa); fyaitt SJforgen*
anbauten unb Vespern, unb t)abe au$ ben Äira)en nid)t$ ent-
fernt, fo bajj noa) alle Altäre, Silber unb 3nf<hriften t>orf)an*
^feien. 3« ber €a)ule trüge man naa) ben vorgelegten
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$udjern sor, welche über bie t»erf<^iebcnctt Unterricf)t<$ftunben
unb Den ganjen £ehrplan Auffchlufj gäben.
2Äan berief ftd) Dabei auf viele vornehme £erren, Aertfe,
3uri|*ien, am faiferlichen unb anbereu $öfen, auf ben ADel
unb bie bürgerlichen ganbeä-Seamten ber JDberlaufty, bereu
ÄinDer bie görlifcer (S^ide befugten. ©ic erf Ickten fämmtlich
bei Der lutherifcheu, t>on ihnen au$ innerer Ueberaeugung er*
tonnten ^ler/re, bleiben, unb bie 9tatl)$mitglieDer, im tarnen beö
görlifrer *Rathe<3, ftctö Dad Mitten; unb ©dmlwefen in biefem
Seifte überwachen ju wollen, fo Dajj wetxr in 3)oftrin noch
üt Zeremonien irgenD welche AenDerung eintreten bürfe. SctyliefM
lieh baten fte bie tforamiffarien inftänDigft, bie ©taDt bei faif.
SXajeftcit *u entfchulDigen unb wtDer falfche Angeber $u fchüfcen.
Die itommiffarien beenbeten Daä ®efpräch mit ber Jtunb-
machung, fte würben ©r. WajejWt unterthcinigfteu Bericht u*
ftatten uut> äfften, Der tfaifer würDe Der ©taDt wieDer gnäDig
gewogen werDen; ermahnten aber Dabei Die AnwefeuDeu nod)
ernftlich, in Jtirdje unD ©djule, an Der gefyre unD Den (Sere*
monien nichts willfürlich \w änbern, namentlich auch mit Den
(Saloinißen feinen 2krfchr ju haben unD feiner tytx\on biefe*
öefenntniffeö Den Aufenthalt in Der Stabt *u erlauben.
9iach glüeflicher S3eenDigung Diefer Untersuchung hatte
®örli$ eine 3eü lang 9tuhe. 3*hn 3at)re Darauf aber brad)
Der ©türm, in Der ^rimariatdpertoDe Deö Martin 3RoUer (geb.
1547, ald *ßrimariu$ ju ©örltfc aufgenommen am 30. 3ult
1600, gefiorben Den 2. «Dcärj 1606), mit gröfferer £eftigfeit
ald oormald, aud. m jum 3a^re 1602 waren bie ©örlifcer
noch nicht in 5>rucf fünften als (£aloiniften oerbächtigt worDen,
in Diefem 3ahre jeDoch erfldrte Dr. Salomen ©efner in 2Bit*
tenberg, Durch eine ©chrift De# $rimariu* Voller*) geregt,
Järche unb ©d)ule in ©örlifr "öffentlich für caloinifrif*.
3n ber S)ebifation Dec5 angefeinDcten ülßerfe* führt 9Jcol<
ler an, wie Der »erftorbene -fteftor SubooicuS ihn gu folgen
literartfehert %xbdm\ aufgemuntert habe, wie Derartige ©chrif*
ten vielfach in ©chleften erfchienen feien, unD fagt am ©chluffe,
er habe nicht für vorwiege tflüglmge, foubern allein für glau*
bige ©emüther getrieben.
*) Die 2rt)nft \\\ betitelt: Praxis evangeliorum. t LO i S., unb
Um ^erjog 3w^im ». fciejjnifc unb 93twfl gewinnet.
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&aum hatte Dr. @ej?uer bad 99u<h in bie ^anb befom*
men, ald er öffentlich, r«ou ber tfanjel unb im *ßrofefforen*
Kollegium bie bort 'auägefpr Odetten, angeblid? caloinifdjen
($(aubendfa$un$en auf buö heftigfte angriff, 9)ioÜer'n alä Ab-
trünnigen unb Apoftaten bejeidjnenb. ^toller erfuhr bur<h bie
in Wittenberg jtubirenben ©örlifcer bic Angriffe fcf>r balb, unb
fiteste, ba ihm gemelbet würbe, Dr. (Deiner arbeite an einer
Überlegung feiner Sdjrift, weiterem Sfanbal oorjubeugen,
unb bie Stabt uiajt abermals am faiferlia^eu £cfe in üblen
^Kuf ju bringen, Dr. ©ejjuer brieflid) jum Sa)weigen ju t»er-
anlajfen. (£r erbot jtdj in biefem ©riefe auf $rit>atwege mit
Dr. ©epner über bie von ihm alö calmnifa) erad)teten Stellen
ju vert)anbeln, aud) babei feine @Haubendfä$e genau unb ofc
fett barjulegen. Dr. (Hejjner wartete fed)$ $Boa)cn auf biefe
(Erläuterung, ba aber nidjttf bei il)m einging, fua)te er SRol*
ler'n *u ber öffentlichen (Srflärung ju bewegen, er fei ädjt Ih*
therifd) gefmnt.
Voller beantwortete biefen, ihm bura) einen (Srprcffen
naa) ÖJörlifc gebrauten ©rief Dr. ©epner'ä, am 28. Auguft
1601, mit einer weitläufigen, lateinifd) gefdjriebenen Audeüt«
anberfefcung, an beren S<hluffe er erflärte: fein anbereä ©e
fenntnip &u ^aben, al$ bie augdburgifebe jfrmfeffion unb bie
aug$burgifd)e Apologie nebft ben fa)malfalbifa)en Artifeln unb
beiben Äated)i$men tfuther'ä.
$)emungead)tet bctxat Dr. Oefmer ben 3öeg ber £>effent*
lidjfeit bura) eine polemifaje ÖJegenfdjrift, we(a)e fta) über bie
cah>inifd}e Jtefcerei im Allgemeinen, im ©efonbern aber über
ben in (i)örli& fdjon feit bem föeftor 8ubot)ieu$ eingeführten,
je$t bura) Voller befestigten eah>inifa)en Unglauben t>erbrei*
tete. $)a$ 93ua) erlebte jwei Auflagen unb ifl betitelt: „(£f)rifc
lia)e unb treuherzige Tarnung an bie löblidjen Stäube, Stäbre
unb ©emeinben in ©djleften, bafj fie fta) für einreißenden ßah
mnifchen unb Sacramentifdjen 3rrt()ümern mit allem $Met$
unb djrittlidjem Gifer ^üten unb oorfehen wollen. Wittenberg,
1602. 8."
Die <Sd)rift*) befteht auö fteben Kapiteln unb befdjuloigi
bie görlifcer Schule uno tfiraje offcnlunbig be* GalmniSmu*.
•) Äna»tf>e, a. a. 0. gibt p. 78 f. einen toeitidu^cn 9lu^u$
fcarau«.
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yaä> forgfdltiger $eratf)ung mit ben Diathömitaliebern lie£
Woller eine (Srwieberung brucfen, unter ber Auffdjrift: ,,, Apo-
logie einiger Sehr* unb $rojb Stüde, fo von Dr. Salomon
Gesnero in t>er Praxi evangeliorura angefeinbet. *8on 9Rar*
tin SRoücr'n. ©örlifc, 1602. 4. 6y2 Sogen. "
2)ie Angelegenheit erregte bamal* fo viel Särm, baf
auf biefe €d)rift näher einzugehen ift.
Auf bie Sorte: 1. Gor. 11.: „3fi Semanb unter (Surf),
ber $Hft ju janfen hat, ber wijfe, ba£ wir foldje Seife nicht
fjaben, bie ©emeinbc ©otte$ auch nid)t", folgt bie Sibmung
an alle gottfeligeu unb anbäctyigen 3"t?^er ;u ©örlifc, auch
feine gewefenen Jftrdjfchäflein an ©prottau, fyofjen unb niebern
ctanbe*. 3« ber Sibmung jcigt nun Voller an, bag feine
^rari* vor einem 3al)re im Drude erfreuen, unb er in fol*
d)er, in fjdctyfter (Knfalt bie (Evangelien, wie fte von ihm feit
3afjren von ber tfanjel aufgelegt, ju Belehrung, ürofl unb
ßrmahmmg in alter augujKmfcfcr uno bernharbinifcher Seife
erläutert, aud) bemerft habe, wie fein Buch anbäc^tigen £er*
jen lieb mit) Werth, unb bafyer täglich im ©ebraudje fei.
Dr. Salomon ©ejiner l)abe nun biefe ©djrift als calvinifd)
unb nidjtlutfyerifd) in feiner chriftlichen „SBarnung" verbäd)*
tigt, weö^alb Voller mit ©enebmigung bc$ 9tathe$, biefe
Verantwortung in ben S)rutf gegeben h&te, feineöwegS aber
in ber Abftd)t, einen geberfrieg anzufangen, bal)er er feierlid)
ein für allemal erfldre, auf auSgebeljnte ^olemif nid)t ringe-
ben ju wollen. 6eine ©d?rift, unb feine tfanjelvorträge, wie
bie ganje ©emeinbe bezeugen würbe, beruhten lebiglich auf
ber Bibel, ber augSburgifdjen tfonfeffton unb Apologie, ben
beiben tfatechiämen, ben fymbolifd)en Büchern, ben Üirdjen*
Datern, eublich Suther'* unb 9J?eland>tf)on'ö Serfen.
$)ie auä vier Bänben befteljenbe Praxis evangelioruin
fei von Dr. ©efmer nur im 2. unb 3. X^eile angefod)ten
toorben, unb jwar bie ^rebigten von ber Himmelfahrt (ShrfjH
unb bem ^eiligen Abenbmable. Demnach fjanbelt Voller über
beioe. lieber bie Himmelfahrt fagt er: „Unb glaube, wet§
unb befenne, habe aud) gefd)rieben unb fd)reibc nod) unb fajje
mit ber h*Mfl*n ©djrift, baß ber 6tuf)l unb Ztyvon, baretn
fid) ^hriftuö bur(h feine Himmelfahrt gefegt, hie fei unb heifte
bie rechte £anb ©otteä, ob fte wohl fein leiblidjer, räumlicher
JDrt, fonbern bie allmächtige, unbefchriebene 9J?ajejiät unb
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£>errli(fyfeit ©otteS felbft ift, bie £immel uub*(5rbe erfuOet
fo foqet bod> bic ©d)rift flärlid), baß ftd> (Sbriftud jur 9tecb
tcn ©otte$ gefefct f>abc im Gimmel, ja im äimmel unb nicbt
auf l£rbcn, aud) nidjt allenthalben, r>iel weniger in bei* Rol-
len. (Spl). 1. „Öott bat ihn gefefct ju feiner $ed>ten im
Gimmel" u. a. Wd>t* befto weniger, obwobl ftd) Gl)riftu*
broben im $immel jiir ^Kecbten ©otteS gefefcet, fo ift^ er vcab*
rer ©ort imb 9)tenfd) bod) taglicb aüentl>albcit bei feiner ©e-
meinbe, fdulfret, regieret unb fegnet, erbält audj ;fetbe wiber
alle £öllenpforten unb nwfmet in aller ©laubigen £er$en."
Voller belegt bied mit ghiftfpräcfyen ber 93ibcl, mit ©teilen
au* Sutljert* unb Welancbtbcir* ©(briften.
3cine Sertfyctotgung in 93qug auf baS ^eilige §tbenb-
mal)l ift tynlid): „<Sr bleibe in cbrijtlid>cr Einfalt bei ber
redeten einzig wahren (Sinfe&uug unb ©enuß be* roabren, wt*
fentlidjen ScibeS feineö £erm 3efu (Fbrifti, unb ftimme über*
ein mit bem ©afce: Die Gegenwart glaube idj, bie Art unb
SBeife überfefoe id) (praesentiam credo, modum ianoro\
äBenn Dr. ©eßner fage: @S fei rool)l in Hebt ju nehmen,
baß Meiern Voller ba6 (Sffen unb Srfofen be$ «etbeö unb
»lutc« dt)xifti im Slbenbmable nid)t* fei, beim mit ©ebanfen
bie ^mmlifcften Dinge »erfteben unb glauben, fönne er ba£
feinem 28iberfad)cr uid>t einräumen. Vielmehr behaupte er:
Dein beiügeö «benbmal)( ift mir ein tyeiligeö ©aframent,
b. i. ein foleb ©ebeimniß, ba i(b \xotit mit meinen äußerlid>en
©innen bic äußerlidjen Dinge fct>cr fdjmerfe unb empftnbc, al$
Dein 93rob unb Deinen tfelcb, aber gleidwotyl babei unb ba*
burdj bie bimmliföcn Dinge verfiele, glaube, empfabe unb
genieße. Da ©eßner Se&tereS tvegCaffe# ftel)e er in SHber'
fprueb mit bem ©afce Suguftin't: Die* nennen bie iörüber
beöbalb ©afrumente, roeil in ibnen ein anberc* gefetycn, ein
anbere* begriffen wirb. (Ista fralrcs ideo dicunlur saera-
menta. quod in iis aliud videtur, aliud intolligitur.) Daß
aber SKofler auf Den „©tauben" bringe, fei billig, roeil ce fid*
bier ntd>t um unwürbigen, fonbern wiirbigen ©enuß banbelc.
©eßler'n gefalle *ia)t, baß Woller bie ©ubftan* be* wabren
2eibe6 unb SBlute* @b"fti mit feinem «Berbicnft unb ffioty*
tbaten jufammenfaffe. Dieä fei wegen ber (frinfefcuugäworte
gefdjeben: (Sjfet, ba« ift mein 2eib, ber für Sb$ .gegeben
wirb; irinfet, bae ift mein 33lut k. ©o ftcf>e eö audj im
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— — — — «
$ated>i$mu$, welcher erft bic ©ubfianj bc$ SeibeS unk 3)(u<
ted bcfyanbelnb, gleid) barauf bic Sßofjltljaten bringe. £Benn
er auebtürflid) be£ ©roobrccfycnö gebadet, l>abe er biefem SBor*
würfe Dr. ©efmcr'ö nur mit ber Xljatfacfye ju begegnen, baf
bie 3Öicbcrtäufer aud) tiefen Sraud) übten , unb fei feine Sc*
merfung Tarnung für Stafette gewefen, baö Srobbredjen \n
unterlagen, weil Janf barautf eittfprtejjen fönne. 3n @örü$
aber fei bie Tarnung unnötig, fca man bort batf Srob niclu
bredje. £a|j ©c|mer ÜWoller'u für einen eefrirer unb ver*
fdjlagencu (Salviniftcu au6f4)reie, mage ifym (*Jott, ber geregte
?Kid)tcr über Ällc, vergeben; feine vorliegende (hflärung werbe
fyoffentlid) bic 2lbg6nner vom tekgentfyeile überzeugen."
Dr. Salomen ©ejmcr beruhigte ftd) feineöwegä bei
ben (Erläuterungen sJJcoller'$, fonbcni erfudjte einige cvangelifaV
tl?eoiogifd)e gafultäten um iijx ®utad)ten über ^(oller'ö vor*
gelegte 6d)riften.
3)ic gafultät $u Seipjifl gab i()r ©utad)ten am 15. 3ult,
bie Dtoftotfer am 16. Juli, bie 3enenftfd)e unterm 25. 3uli,
Die üübinger am 30. 3uli 1602.
Wk $lutffprüd>c, nid)t minber ba£ ©abreiben ber gaful-
tat ju granffurt a. b. ßber, erflärten ben Marlin Voller für
einen bnmliaVn (Salviniften:
„(Sljrwürbiger, (*l)rcnvcftcr , 2ld)tbarer, £od)gelar)rier, in*
fonberö günftiger £err unb greuub. £>em £crrn ftub unfere
freuublidjen $>ieufte nad) Vermögen juvorau bereit, unb fön*
neu Dem £errn woi)lmeiniglid)en nidjt vergalten, wie baß wir
auf beö 4perrn Segelten unb Sitten, bie in bed £errn Sar*
nuugebüa)lein an bie €d)leftcr jc., dirigiret, au$ ber Praxi
Kvangeliorum £crrn Martin kollert, ber Äirdjen ju ©örlifc
ministri primarii angebogene £>crtcr mit allem 9$leifj gelefen
unb mit ber barauf von Gollern verfertigten Apologia eonfe-
riret unb ponderiret, vnb enblidjen auö fold)er Collation fo
viel befunben, baß fid) bemelter £crr Ilartinus MouVrus, be$
Calviiiismi l)albeu, vngcadjtet, waö er in feiner Apologia
fdjcinlict) fürwenbet, nidjt genugfam entbrod)en. €onbcrn, baß
er ja vermeinet, bafj er bic Saltoinijtyen 3fttl)ümer in feiner
Praxi Kvangeliorum nid)t verfterfet tyabe, unb waf)if)aftig ber
augeburgifdjen (Konfession, berfelben Apologiat» unb beiben
Cateebismis LuMicri (wie er fdjreibet) mit <£>aub, £erjen
unb mmti jugetfjan ift, fid) beutlicber unb flarer auf alle
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unb jebe von ber Herfen (£brijti unb feinen heiligen $ad)t-
mahl erregte ftretrige ilnuift für ber ganzen (Triften I eit \a er*
flären unb alfo nicht allein mit guten lurba neben ©orten,
fonbern auch fid) mit auebrüeflichen \u unfern lutberifcben
Kirchen* 93 efenntnifj, oaferne er nicht für einen f}eimlid}en mir
wrfchlagenen Sabiniften will gehalten fein, au0 allen Set'
badjt ui entbredjen fdnilbig ift. Solches wir bem $errn,
trddu'm wir, fampt feinen Herren Collegis angenehme Dienjie
ui leijten willig, freunblich nicht bergen fönnen. befehlen
hiermit und fämptiiehen göttlicher ®nabe unb SlÜmacbt, mit
angehängter bienftlia)er Sitte: ber £erre wolle bed *Bcr|ugeö
halber fein SWipfaUen tragen, fonbern unö bewegen freunD-
(ich entfa)ulciaet nehmen.
Datum, granffurt a. b. £)., ben 1. SeptembriS Anno 1602.
2)e$ vherm bienffwittige
Decanus, Senior unb anbere Doctores ber
theologifchen gafultät c afelbfi."
9?acbbem bei Dr. Salomen ötefjner bie erften vier
fu(tätd'(£rf(ärungeu eingegangen waren, verfaßte er gegen
Martin Voller eine neue Srreitfcbrift: ,,Salom. Gesneri Bo-
leslav. Sil. S. Theol. DocL ^rofejforie ju Wittenberg grünt
liehe unb ausführliche SBiberlegung ber nichtigen unb aanj
calmnifchen Apologiae Marl. Molleri, bed ttornembften ^reti-
ger$ gu onnim, nebenft eingeführten djriftlichen unb wolkige-'
grünbeten Censuren, etlicher in reinen roolbejteUten, roeitbe
rümbten Universitaeten, tehrwürbiger Theolopifcher Facultae-
ten, allen frommen (Mnmcn in 8ct>leftcii unb Sauäuifc, auch
anberöwo, feinen lieben *!anbeeleuten unb guten greunben w
dniüliduT Warnung, £ebr unb Ermahnung geftellt uub |r
fammengebracht. Wittenberg, 1602. 8." 19 Sogen.
Voller fchtmeg flüglich, volifommen im Stnwjtänbnitic
mit bem jRathe, bem bura) SÄoller'S Slpologie hinlänglich
nüge gefdjehen war. Ueberoietf fyüttt Voller noch be«
Xobe bie greube, mehrere Auflagen feiner r»erfe$erten 33üa)er
$u erleben, $a Dr. Salomou ÖJepner im 3. 16Ö-I ?u 2ßit
tenberg flarb unb Martin Voller ben 2. sDfär$ 1606 ba*
3eitliche fegnete, aud) fonft ^Wicmanb ben Streit Don Beuern
anregte, würbe Diefer literarifdje Ärieg ohne weitere golgen
beigelegt.
9TO bem üobe be6 Dfeftor SOtyliuS, welcher nicht minDer
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wie Voller, be* f>eimlia)en (SalvintömuS befajulbigt warb, fyör*
ten alle ©erüa)tc über ÄrvvtocalvimömHC* auf.
Voller'* ©teile al« ^rimariue* natym ber M. ©regoriu$
ftidjter ei«. $r war ju ©örlifc am 1. gebruar (alten
Äalenber*) 1560 geboren, fam im 3- 1567 ju ©re*lau auf
bie ©djule unb würbe, im 3. 1584 von ber llniverfttät
granffurt a. b. £). jHrücfgefcfjrb, «freilege am ©vmnaftum,
1587 alt3 Pfarrer naa) föaufcfya berufen. Seit 1590 war er
DiafonuS in ©örlifc. ©ei »id)ter'$ (Sinfüljrung fltUte ber
9*atf> an ibn ba$ Verlangen: füqere ^rebigten gtt galten, bie
gürbitten \u mäßigen unb beutlia)er *u reben. (Sr war eilt
gelehrter SRann, voller geiftlia)eu Stoljeö unb £odjmutlje$,
unb würbe wabr|"a)einlid) gar iucf>t fo befannt worben fein,
wenn er nia)t ber beftiflfte (Gegner 3afob ©ö^me'd gewefen
wäre, wie oben*) erörtert ift. (§r fiarb einige Monate vor
3afob Sofjme, unb fein Wadjfolger, $rimarfu* tötfolau* Xtjo*
ma* (ftarb ben 15. SMr* 1636), wirftc in 9lia)ter'6 ©eifie
unt> Nidder* gcifllicfyer Uebertyebung fort.
lieber bie folgenben Primarien: M. (£lta$ Dittrid) (feit
bem 29. Mär» 1637 ^rimariu*, geft. 22. $ecember 1642),
*nbrea* Dellwig (geftorben 4. 3ult 1644), <Sf)rifto*f> %i$U
utx, einen flüchtigen Umlauten auä 53öl)men (geft. 1653), ©ott*
barb Dellwig (geft. 1662), Davio $ea)ner, ben berühmten
©djulmann (geft. 1669), (SliaS Meiria) (nur vom 26. SMvril
bi* 6. Cftober 1669, au welchem Xage ifjn auf ber Jtanjel
ber ©cfylag rührte, Primarius), ift nia)t6 93efonbere$ ju fagen.
sJKeiriay$ ©tdle erfefcte M. Michael getter, geb. 18. Oft.
1623 ui SßeUereborf bei Sarau, wofelbft fein Sater ©eift*
lia)er war. Der Ärieg raubte tfjm all bafl Seinige, fo bafj
er in feinen Stubienjafyren ein l)öa)ft bebrängteä unb bewegtet
geben $u fuhren gezwungen war. 1646 fonnte er ftdj, naa>
Dem er bei bem Pfarrer ju Sinbftäbt ald 3nformator van
reffen Jfcinbern, einiget $urtcf gelegt, bie Univerfttät Wittenberg
beiiefyen. 1649 »wang ityn bte -jiotb, ©Ittenberg ju verlaffen
unb bte Jtinber eines früheren ©önnerS, ©eneralfuperintenbcnt
Strabl in Stenbal $u unterrichten. Sluf einer Steife nadf
Sdjletten, würbe ifym bie (Jonreftor = Stelle &u ©orau angetra*
gen, unb von tym am 2. 3hü 1650 belogen. 3m Sevt.
•) s. 368 ff.
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i
♦
1663 berief ihn Die ettangelifcbc ftemetnbe ju (sagan al*
^rebiger. »ei bei- auf Hnften t>e€t Vlbt gabricit (iu €agan
betriebenen ©egenrefermatien CKciomtltirung) im Sagan'föen,
wtirbe aua? Setter vertrieben unb mupte am 20. s3Jcär* 1668
mit feiner gamilic ba* gür|fentl)um 6agan meiben. <8en
Sora« au*, fjielt er anf Sunfd? ber eeangelifdjen <Baganer
in bem nfcbcrlauft^ifcbeit OHenjerte 3efd)fenberf ^rebfgten, bi*
er jwei tfinlabungeu *u geiftlidjen Remtern, nad) grauftaH
nnb ©erlifc befam. (5r realste ledere £tabt unb hielt am
6. Deeember 1669 feine fln$ug*prebigt. 3n (fterlifc wirft« ei
unangefedjteu bi* an feinen Xebeötag, ben 28. X>eeembet
1694. Seine 3 driften, meiften* $ttMgtatf fiub bei Xietmann*)
Da* herbe (5rulanteufd>i(ffa(, veeldje* ihn in ©agan traf,
nutzte fein bleiben unb »ofylreeUeube <*Ufmnung gegen anbete
ÄÄnner feine* GHatiben*, reelle ba* 8006 ber ^erbauntma
gleichfalls fdjwer prüfte, [ehr rc^c erhalten. 3m 3- 1673**)
würben Martin teblabni, früher ^rebiger ju 6t. 3ebann t>em
SSerge, 3. ®eorg öraffiuö, einft *ßaftor sl>iimariu* 'gu Stxan
nifc, 3efyanne* cinapiu* ber Xrendjiner ©emeinbe $ajtot
Primarius, 3el). Äbam ^efffteter, i*rebiger tu £cr;emni&,
3ch- griebria) Reff, ©rebiger \\\ OHafkrtja» bei tfiemuitv
3ct)aun Sani ^afiter in $olefd)au, t'ubreig tfueiu* ^rebiger
an ber frcmntyer tfirdje, vl<aul yiatl), epang. ©eiftlid)cr }u
§a\\ntföa\) , Waxtin l'eeutyarb Werer, ^after in äumfcbha»,
Johann 6imenibe* Hefter ber £a)ule in ber fönigl. greiftabt
9$ri$neban, 3oh. tfetfdjan @emefter ber Sdnile in ber fönigl.
greiftabt Weber, enblid) 3ol)anu Neudjel, Lehrer an ber (Bdjule
au 93erg, fchnmtlid) au* Ungarn fiudjtig, ba fte in Schlefien
wegen 3efniten ilmtrieben feine 3"ffuc^tdftätte finben feunten,
•) «Priefterfrfwt, €. 204 ff.
••) $ie felgenben 9tact)rid)ten -frob ber hortete eine* $udje* (ohne
3aftre$$al)l) entnommen, beffen Xitel tautet : [nventarlim lemplorum.
continens res eas, quac in tcmplis et extra ea sunt, cum dedica-
tione corum et enraeniis in lianu formara ex variis antoribus col-
lertum, ac approbatione et perinissu maximac reuerendae. facultatis «
tbeologicae in eeleberrinia academ. Lipsiensi editum atque acces-
sionibus secunda ediüone ^auctuni Geonzio Chladoi, ecclesiae Haus-
xvaldcnsis pa. störe. — Sumptibus auctoris exeudebat, (Jorlicii vidut
Zipperiana. Die iöorrebe if) vom 4. ftebruar 1679. 2>a6 Südjleiu fdbfl
enthält 619 @. IG. '
•
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in ©örlifc fefyr freunbltdj aufgenommen unb längere 3«* burct)
llnterftüfcung ber gfcmeinbe erwarten. 3n*bcfonbere war man
Dem ©eorg 6l)a(bm, welcher oft preDigte, an<^ an ber Sd)ule
Unterricht gab, geneigt, unb nafym il)n fvgar in ben föatl) auf.
£te übrigen ungarifd)en (frulanteu führten ein Privatleben,*)
würben erhalten burdj JUrdjenfollecten, 6a)ulumgänge, ©e^
fc^eufe an Lebensmitteln, £o($ unb Äleibung*ftürfen, bi* ftc
naa) unb naa? Remter befamen. Waa? ftebenjäl)ria.em Aufent-
halte ßhlabnf* in ©örlty würbe er al* ©eiftltctyer an bie
evangelifcfye Jtirdje 51t £au*walbe berufen. Auf feinen SBunfcf/
»teilte i\)m Der görlifcer sMtb ein 3«i|}i"S welche* in
Der ^orreDe De* bejcidjneten ' 8d)riftchen* abgebrueft ifl, unb
wegen ber Seltenheit jene* 93na)e* r>ier folgt.
„SBir ^ürgermeifter unb ?Katr> ber <stabt ©örltfc, ent-
bieten allen unb jeben, wep (*f)ren, Sürben, Sßefen* ober
6tanDe* bie feinb unfre ganfc willige 3)ienfite, freunblicf/en
©rup unD alle* &uM $uvor: hiermit öffentlich vor 9Ränmg«
lid) befennenbe: bat* Un* ber (S^ffiürbiae unb 2Bo^©claf)rtc
£err (ire^orius Ghludni, K\ul au* Ungarn mit erfreutem
Gtemütrje $u vernehmen gegeben: wa* geftalt ber getreue unb
gutige ©ott biefe verflogene Xage au fein bitterMdjwere* fteben^
jährige* Exilium gebadjt: unb Dura) ben fytysl&ol)U®tbot)x*
nen Gerrit, £errn Wtcoln, be* £eil. Mom. iReid)* KSblen
Saliner* unb grev^errn,von ©erjfoorff, £errn aujf 93arutl),
£enner*Dorff, Sreitnig, Partei ,uub £au*walDa, (5l)urfürftl.
iuraU $u Saufen l)od>anfel)nlid) würrflid) ©efjeimteu jRatl)
unb Cammer £erreu k., bei Dero (Sfyrifilicfyen ©emeinbe $11
£au*walDa 411 einem prebiger orbcntlio) berufeu (äffen: w>eld>c
Condiiion (£1 elften* anzutreten vorhaben*: bannenl)ero Un*
mnb beglaubte* 3eugitij; feine* alliier geführten geben* unD
©anbei* bittlid) angelanget Sitann bann 3ßtr, unb jebermann
bew Un* mit ©runb ber 2Bal)rbcit fagen, unb bezeugen !ann;
bajj wofylermelbter £err Chladni, benebenft feinem SBeibe,
Äiubern unD GJcfmbe, bie faxt über feine* jiebeniäf)rigen (Srilit
unb Aufeutbalt* bi\) unfer Stabt ein bermaffeh (*K>tt*furcr;tige*,
*) Invontarium templorum, «2. 451 ff. 3n jener 3eit foanberten
oiirfj bie tBftjrünbtr ber Familie bea »erworbenen £berbiir^ermei^cr $e
miani (Demyanit autf Ungarn ein unb liefen ftd) \n gitycrfwtrba uicber.
Eberl. &d>riftfteUerlertftm s. v.
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ÜO
GbrifHidje*, ?riebfame* unb fritfe* eingesogene* Sehen; aud)
in ffiorten, SBerrfen Mnb ©eberben einen ganfc erbaren, unb
niemanben in geringfien ärgerlichen SBanbcl geführet*, unt>
nun »on fn'ei' mit freunblia)cr Dantffagung, dox genojfene
2Bol)fthaten, in £iebe unb greunbfdjaft abgefdneben ift: Alo
haben wir 3hm ba* gebetene Testimonium erteilen $u laffen,
umb fo viel mehr Urfach gehabt: jumafylen ($r auch ol)iie bi#
aller Seförberung, (ihren unb ©unft wof)lwürbig. Gelanget
bernnaa) an alle unb jebe nach Stanbe* unb (Shrcn-GJcbühr
unfer bienfNiche* unb freunblidje* Eitlen. Sie wollen 3hnen
gebauten £errn Chladni, fammt allen feinen Angehörigen,
unb folct/c* feine* (£l)riftlid)en unb erbaren 28of)h>err;altenä
willen, $um betten laffen befohlen fetjn ; allen förberlidjen unb
geneigten SBtllcn erweifeir, unb biefer wahren Jfunbfchafft im
iöertf fruchtbarlia) genießen laffen. Da* feinb wir t>mb einen
jeben nad) (Srfoberung feine* Stanbe* ju verbienen gefliejfen.
3u Urfunbt haben wir unfer (Gemeiner Stabt gröffere* 3nfie-
gel hierauf bruden laffen/' So gefabelt ©orlifc, ben Donata-'
tag 3ulü Anno 1680.
An $etter'* Stelle tarn am 28. gebruar 1695 M. Ghriftopb
Se^ffert au* Snllenborf bei gneblanb, feit bem 3af)re 166Ö
Dtafonu* \\\ ©örlifo. Seifert befleibete biefe* Amt nur wenige
3af)rc unb ftarb ben 20. 3uni 1702 an Eruftfrämpfen. (fr
machte ftd4, wbient burd) 99egrünMing eine* Unioerfttät*ftipcn^
bium*, welche* feine (Ünttin mit 2(X) %tyv. vermehrte unb
wirb unten noa) erwähnt werben. Sein Nachfolger, M. @ctt-
frieb ^retfd)mar (geb. 1654 gu 3Mfa)of*werber) , |iarb fdjon
am 17. Sttat 1711 unb warb burd) ben am 20. April 1667 *n
Berlin geborenen, *ulefct in Sorau wirfenben M. 3oh- Samuel
Saurentin* erfefct, weldjer am 28. Auguft 1725 ftarb.
Saft ju gleicher mit M. £aurenttu*, fam M. *Wel*
chior Schäfer alö erfter £)rbinariu* nach ©örlifc.
M. Sdjäfer war ben 28. Oftober 1682 31t Taliban gebo*
ren, unb Sohn be* bortigen SBürgermeifter* Melchior Schäfer.
Den ®runb ju feiner ©elehrfamfeit legte er auf bem laubaner
i^ceum, unb be$og im 3. 1703 bie Uniserfttät Seidig, wo
Dleartu*, ^röleu*, Seligmann, $tpping unb ©untrer ihn in
bie pf)t(ofopr)tfd>en unb theologifdjen Stubien einführten. Durch
Dr. (Günther würbe Schäfer mit ben Schriften Spener'* be
fannt, welche ihm fo- besagten, baf* er »ällig ber 6penerY«h«n
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6d)ule jid) atifd)(oß. &m 5. SRai 174)6 premovirte er flu
Mjtyfgi wurDc 1709 Pfarrer }8 ^ol^fird) unb fnupfte ein
enged Jreunbfiljaftöbanb mit M. 6djwebler in 91ieberwiefa.
93eibe ^aben befonberfl viel Sittfa unter i^rcu (^emeinben ju
verbreiten gewußt. 3m 3. 1711 erhielt er eine (§inlabung
ba# eben in 0örli$ neugeftiftete Drbinariat anzunehmen unb
hielt am 2. gebruar 1712 feine fln$ug$prebigt an ber Rio-
fterfirctye. M. Sdjäfer*) mar faum einige 3flfyre in Öör-
li$, al$ 3dnfereicn auöbradjen, in.benen befouberä ber @cf)ul*
reftor (Treffer, ^atf>ör)crr 0. SB. (Scf>uCted, ein v£d)ulfoUege
grätig ÜHüller, unb ber ^rimartuö, neben bem M. £d)ön, feine
(Megner waren.
Denn Sdjäfer war ein eifriger, ftrenger ^rebiger feines
OHaubenS, ein -ütfenfd) voll 6tol$e$ unb geiftlidjcu Uebermu*
tbed unb banb ftcf> bemnad) auefy nidtt an feinen, bem Dtatfje
am 12. 3anuar 1712 auflgeftellten Otet>evd : „Die reine l'efyre
@)otte$ \n prebigen, bie (HeifMtcften bei Äranffjeiten $u vertre-
ten, nid)td ol)ne beä *Hatl)e$ ^orwiffen änbern unb etnjH-
führen, ftd) alle$ Diflputirenfl unb aller 3nveetiven \\\ cnt^al-
ten, mit feinen Kollegen in £iebe unb (£inigfeit ju leben, unb
ftd) bee 9iatf)$ ßriitncrnngen unb gütliche Skrmittelung ober
redbtlictyen Änfprüdjen gemäß ju galten."
$\cx lag nun nunäcfyß ntd^t bie 6d)ulb an M. <Sd)äfer.
(£d war ihm au^er ben *Prebigten au ber £)berfird)e aud) bie
<Seelferge am (stymttafhnst Übermiefen werben, wa$ großen
Unwillen bei feinen Kollegen erregte, au$ @iferfud)t, bie £>ber;
ftrd>e fönnc eine zweite U*arod)ialfird)e werben. Sie weigerten
jid) ihm \i\ affiftiren, wenn nicht bafl (tyvmnajtum auferbem
in ber ^eteröfirdje 411m &benbmaf)l ginge. Da nun bie Schule
febr ftarf befefct war, bauertc bie bamalä allein gebräntt)lia)c
s4$rivatbeid>te of)ne flfftftcnj *wei volle 'läge, ben 11. unb 12.
3uli. "Sei VluStheilung beä fyeil. 2lbenbmal)lcö erhielt 6d)äfa
vom Diafonuä Keumaitti Seiftanb. Die 0ciftlid)cn an ber
^eter6fird)e proteftirten gegen bie Sorflettling 6d>äfer'<3, weil
er nid)l al$ Diafonufl berufen fei; ftc wollten ihm bie 2lbfün*
bigungen nid)t geftatteit. Dicfeö beleibigenbc 2Befen reifte
Schäfern au (£rwieberungen. 3n £öbau gab eö eine Lotterie,
•) Änautljf, Mspto. t. II. f. 20 W> IT. 3>ieimamt a. a. C. 273 ff.
©örl. Söegtteif. 1838. 102 ff.
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mit £oofen, auf welche Dctnfen flefcfyrieben waren. 1713 fam
ein £00$ mit ber Vluffchrift: „Memenlo saluiis, gübau hat,
waä ©örlifc wünfeht, einen treuen tfatedjeten," in l'bbau junt
SBorfcfjein, unb bad ©erüd)t verbreitete, M. £d)äfer fei $kr*
faffer biefer X)ct>ifc. Die übrigen ©eiftlidmt vertagten ihn
beider beim töatfye, nnb verwahrte ftd) £d)äfer in einem lan-
gen Memorial t]ea,en bie Vinfd)ulbi<)uua,. Ilm 27. juni 1713
würbe tym vom *Ratbc unterfaßt, feine üßrebtgten auf brei
6tunbert lange Sermone aufyubehneu. Dagegen erlaubte ber
*Rath*M. Schäfern am 2ö. September 1713, Juni Sieker feinet
Kollegen , ben (Hlötfner l'ef)in$ in ber £)berfird)e ^u trauen.
V(ud) erhielt er bie ISrlaubnijj, täglidje, um 3 Uhr v)?ad)mtt=
tagS beginnenbc, 33etftunben su halten, 8 m 16. November
1714 hielt M. Sdjäfer bie erfte Vlbenbfiunbe.
8d)äfcr gab burd) feine ,£artnärfigfeit ftd) eine befonbere
Jlirchgcmeinbe ju bilben, fortwäljreub sl*eranlaffung ju «frän-
beln, wcldje mit ber grölen '©itterfeit öffeutlid) von ber &an$cl
befprodjen würben. i<rtmariu3 gaureutiuä, iüd)t minber hoch-
fabrenb al$ M. £d)äfer, er$äl)lte am 6. December 1716 in
ber tyebigt: ba|j feine Kollegen, M. 8d)on unb M. 8d)äfer
frembeö ^ier ein^cfül)tl, ftd) betrunfeu unb in btefem 3uftanbc
auf ber (Baffe gelegen l>ätteu, weldje Jnfuiuationeu M. Sd)äfer
mit ähnlichen Sd)mcihreben auf ben s4$rimariu$ beantwortete.
6eit beut 3af)re 1716 trat H. €d)äfer offener auf. 3m
ftebruar begann er mit feinen 8nl)ängeru (Souventifel tfßri*
vatanbadjtäftunben) $u gölten. Detfljalb verflagt, erhielt er
nur bie (*rlaubnifj, eine täglidje tfatedjie mutflehre unb jwar
in ber &ird)e cüi^tivtditeu. Dieö gefdjal) $war, aber bie heim-
liehen 3ufflntmenfüufte unterblieben aud) nid)t. 3m 3- 1722
faufte (%af 3"MCtiborf, Stifter ber ^eniiljutrjergemeiube, 53er-
theläborf unb trat mit £d)äfer in $krbinbung. *ül$ bie ntähs
rifcfjen s£rüber aitfgewanbert waren unb nad) ©örlifc famen,
narjm fte €d)äfer bei ftd) auf, hielt mit ihnen s£etftuubeu
unb wietf ue nad) S3ertf)elöborf. Die mäl)rifd)en s$riiber woll-
ten im iKituö von ben proteftantifd)en ®emcmben abweiden;
man ging baranf ein, unb bie 3il>ctöf)emc'n^cn^ fom^ auc*)
bie @kuü$er, rid)teteu ftd) banad). Schäfer war SJiitglieb be£
neugebübeten Jtouftftoriumd für bie s$rübergemeiuben unb
i\roar ndd)ft bem ©rafen 3t»U'itborf batf tljätiafte. 3l)iten
biente Sdjäfer^ nachmaliger Sd)wiegerfol)it, Swarctye, alö
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^ucbbdnbler, bei Verbreitung ber Schriften. Seit biefer trat
M. Schäfer tu ©örlifc bemittelter auf unb beä 'Jlrtmartuö *ßit*
Mqteu liefen t>te (Kreuel ber 6 ct)äf erfreu tfotwentifel wurden
im 3- 1721 yon 28 görlifcer (*inwobnem mit Dem fcf)riftlU
eben Antrage an ben Statt) beantwortet, fic wollten eine eigene
(Memeinbe bilben.
(5in ähnlicher fftttr«^ Schäfer'* ging an ba* geiftlicbe
3Rimfterium nur Qegutadmmg , würbe von tiefem beantwortet
unb mit fämmtlidjcn Elften an bie rhcologtfd)c gafultät nad)
Veip^ig gefenbet. Xa* (Mcfnd) ber 28 (Anwohner würbe ab*
gewiei'en. Tie Antworten ber gafultät unb reä ebenfalls *u
Watl)e gezogenen Äonfifteriumfl ju Treiben erflärten ba* @on
ventifelwefen für unutläffig; jened Schreiben auö 3)re$ben gab
bem Diafonu* M. Sd)ön, welcher einige gefdmtatflofe , foge-
nannte ^äminelbruber ^efänge im <$cfangbucbe umänbern unr-
verbeffern wollte, ben Seftyeto, baß bie* nicht erlaubt, wohl
aber geftattet fei, an Stelle jencö Vicbetf ein weniger floefcl-
reiebe« fingen \n laffen.
M. Sd)äfcr beabftd)tigtc 1725 ein Saifcubauä *u errich-
ten, verfprad) jebod) bei (Gelegenheit feines SÖürgereioetf bem
Ratbe, weber bie* <£>aue*, nod) eine projeftirte Armenfd)ule
ol)ne be$ Rathen Einwilligung gu begrünben. Am IB. 3uni
1725 gab er wicberbolt eine Rechtfertigung feiner ^rivatcon^
ventifeln, unb befetywerte fid) über bie San.jmufifeit in ben
®aftf)äufern, welche bie Duelle ber größten ftnnüct)cn Xit6«
fd)weifungcn feien, aud) barüber, baß bie Einwohner ber Stabt
wäl)renb be£ (Gottetfbicnftctf in SMerbäufcr gingen. Alö ibn
ber Rath aufforberfe, fold)e gälte anzuführen, vermodjte er
bicc3 jwar nid)t, ließ ftch jebod) nicht abhalten, von ber jrangcl
über beö Ratl)e$ Unglauben ju bonnern unb ftd) tu *|3erfönltd);
feiten *u ergehen.
Am 6. Auauft 1725 ging ein f6niglict)e$ Reffript ein,
welche^ bei 50 ftyx. Strafe unb Amt$' Suepenfton bie (Sou-
ventifel unterfagte.
M. (Schäfer, babnrd) fctncöwegö gefebrerft, nahm im (#e*
gentheil biefeä Rcffrtpt mit großem Unwillen auf unb erlaubte
ftd) von ber .Ransel bie jtymäbUcftfttit Aeußerungcn über
ben Äönig'Äurfürften unb beffen donftftorium, fo baß ihm ber
Rath am 28. Auguft einen neuen S5erwd6 Jufenben mußte:
„ftd) feiner bebeufltdjen Expressiones pt enthalten." Uner*
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fäöpfltcf) im Dualen be$ föatheä uiit) getfllic^cn Winiftcrinm*
bradbte er balb neuen 3^nfftcff t>itr<^ feine SBefrrebungen gitm
93orfd>etn, baä im 3. 1725 in erftcr Auflage crfdjiencne ^errn-
huther ®efangbud) in frei Dreifalrigfeitäfirdjc einzuführen.
£ie$ fanb ber föatf) wegen ber bort abgebrutften $römm(er*
lieber — obgleid) biefe Auögabe nidu fo fd)limm wie bie von
1737j*) ijit — fefyr bebenf Itd), unb unterfaßte if)in burd) De^
fret vom 27. Dftober 1725 bie (Einführung, babei ben s^n-
vatgebraud) geftattenb. " Am- 17. November reifte M. (£d)äfer
au$ (9örli$, ofjnc um Urlaub na<ty|ufu<tyeftf er war noa) am
I. Oftober 1726 nidjt gurücfgefet>rt , weil ba ber SRatf) feine
ftrau aufforberte, für eine genügenbe Vertretung 31t forgen.
'üWit bem von <8d)äfer aufteilten «ftanbibaten, einem @rg'$te*
ttften, fonnte ber JRatt) nid)t auäfommen. tiefer junge sUlaim
begann nämlid) wieber Abenbanbadjtcn einzurichten , weldje
foglcid) vom *Hatr)e unterfagt würben. 9?ad) faft einjähriger
Abwefcnfycit feierte M. 6djäfer im November 1726 junief unb
bradjte eine ijroßc Stenge ^ercnrjutbifd)er ©efangbüdjer unb
fogenannter (Sberflborfer Bibeln mit. Der ©vmnajtalreftor
(Stößer entberftc 6d)äfer'$ Abjtcbten balb, geigte ftc bem föatbe
au, unb biefer erließ am 16. November 1 726 ein 3)efret:
„baß bei 50 Xl)lr. Strafe 91iemanb (£remplarc ber SBibel ver-
laufen, aud) fein 93ud)binbcr bei 10 Xf)lr. (Strafe eine fold)e
einbinben folle." 33ei bni 93ud)binbern würben allein circa 300
C^remplare eoufuMirt. Xem (trafen 3iiW,lborf, ber in einem
Briefe vom 4. SkMembcr 1726 vom *Ratf)c bie Auflieferung
ber Bibeln unb confi^irten ®efangbücr/er forbertc, warb ba*
®efud) abgefd)lagen. Am 21. 5Wai 1727 warb von Dreyen
ber Vertrieb ber Bibeln unter ber 33ebingung geftattet, baß
eine Söarnung »or baä $ud) gefegt werbe.
•) flofjler, treldjer a. o. £. im adrt SBearoeifer teeitläufta, über
biefe ©Irren u. bie £errnljutfKr a^ljanbelt tjat, etttrt batin au* bem &t-
fangbuetje von 1737 einige Stellen, welche ben größten 3ßaf>nfmn ent-
halten. 8i« 99eifriel folge fyier: Sieb 91o. 2217 (ober 2278.):
„So immer feittoatt* ftfyielerlidj vor fciebedfieber frfnitterltd)
fo feitenbeimwef) füblerlid}, ffiie'a Äinb ooll (Meifteä
fo lammoberjgruur puuMucrim lid), fo leidjnamoluft an$ieberlid),
fo lammofdjtteipfvurberiedjerlid), fo tounbennafj aue7fcriif>erli<!),
@o 3efu<<fd)»eiptropftjafti9lid), auf !Wenfd>fol>nö$eid>en güterlidj ie.
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Unterteilen flieg bie Erbitterung gegen M. Schäfer im
93olfe unb artete In Reffen au*. Diefe Angriffe auf bie Äir*
chenorbnung — benn ein geiftiger tfern lag in (Schäfer*
gormfragen nidjt — brauten ba* 33olf in grope Aufregung,
unb frembe Elemente, eiuwanbernbe <Schwenffelber, beförderten
Die herrfchenbe (Währung.
Schäfer tobte heftiger alä je von ber Jlanjel über bie be*
ftebenben äirchengebräuche, unb fe&te tro^ aller Verbote bie
(Eonventifel fort, welche bauptfäd)lich auö bem Örunbe bei ben
ganatifern vielen Slnflang fanben, weil ftc verboten waren.
@* fam *u jewaltfamen Hu$brüd)en. JMm 4. 3uli 1726
versammelten Wh $u ber Seit, wo ein folct/er (Sonventifel ftatt*
finben follte, $lbenb£, gegen tanfenb sJD^enfcr»en vor M. <S4ft<
fer'ä £aufe. Sie fonnteu glütflicherwcife burch gütliche (Sin*
fpradje §um 9eachhaufegel)en bewegt werben. 8m 7. 9tovbr.
1726 wiberfprach (Schäfern, alö er eben fer>r l)eftig auf ber
£anjel prebigte, eine Suchmacherfrau, kantend SRafrin, öffent*
lieh in ber Äirdje. Sie reichte am 17. beftelben Monate
beim Äafye ihre Skrtheibigung ein. Da am 14. 3uli 1727
ein gewaltiger Auflauf wegen einer $lbenbanbacht entjianbeu
war, würben folc^e auf$ ÜNeue unterfagt. Daffelbe gefchah
am 23. (September 1727 gegen bie burd) ben töanbibaten
Sdjüfce im (September 1727 auf "ber Sanbedfrene veranftal^
teten ßonventifel. — Die fortwährenbe Aufregung in ber
(Stabt, welche burd) Schäfer'ö ungebehrbigefl unb leibenfchaft*
lidjed 28efeu genarrt warb, fonnte bem Dreobner (£onftftorium
nid)t gleichgültig fein.
(fr würbe am 18. ftuguft 1727 vor ba$ Dberconfifto?
rium nad) S) reiben gefordert, um ftd) bort )it erfldren theilä
über bie von ihm gebrauchten anftöfjigen ^nöbrürfe vom $ehr*
amte unb ^eiligen (Saframente , theite über bie auä feinen
v4$rivatconventifeln entftaubenen Unorbnungen. Da$ £>bercon*
ftftorium jwang ihn, nach feiner 4peimfel)r von ber Äanjel,
nac^ einem ihm vorgefdjricbeneu gormnlare, über feine bisher
gebrausten (Streit^udbrütfe eine (vrflärung abzugeben. Hud)
unterzeichnete er in Dreäbeu einen iHeverö: „ba£ er feine ^re*
bigten orbentlid) eoncipiren, ba$ verführte $$olf wieber herbei
unb auf ben 2Beg ber reinen £ehre bringen, unb ftd> aller an-
ftöfjigen unb bebenflicheu Diebendarten, aud? ber (Sdjmähungeu
auf baä ^rebigeramt enthalten wolle/' 3n golge ber bre*-
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bener Vernehmung mußte (Schäfer im Dftober 1727 ben vor--
gefdjriebenen SÖiberruf*) im 93eifein beä &mtel)auptmanneö
unb beä tfanbcdältejten von ber Ransel ablefen, aud) wegen
ber 53elelbigung um 5krjeil)uug bitten. Die ©vmuafiaften
(6tubeuten) waren nuiu rann erwähnt unb befdjwerten jtdj
beebalb am 17. Dft. 1727 beim JKatfje, inbem ftc auf be=
fonbere 5)eprecution antrugen.
Dod) erfolgte biefe nid)t; im ©egentljeil fing <Sd>äfer
feine <Sd)mät)prebigteu fofort wieber au unb erhielt besbalb
bereitö am 16. November 1727 ben erften ©erweis. Slußer^
beut hatte er aud) vom Volfe »iel ,ut leiben, wuvoen
<5d)anblieber auf ihn fomponirt, ^^öquille**) »erbreitet, fpott-
weife &benbä vor feinem «jpaufe gefungen, ihm bie genjter ein*
geworfen.
S)cr ?Hatr> ließ burd) bie ©eiftlidjen nu* £Kul)e ermahnen.
Stllmälig wurbo 6d)äfer ftiller unb ba bie (Sonventifel md)t
mer)r auffällig, fonbern rul)ig irr ben Käufern 'gehalten wür-
ben, gewöhnte fta) bie sJ)?engc allmälig baran unb bie $(ufre^
guug legte ftd).
Slud) mit $att)olifen gerietb £d)äfer in einen geberfrieg.
Ü)er 3cfuit faver Regent, fdjrieb wiber M. Sd)äfer unb bie
£crrnf)utl)er eine neun 33ogen ftarfe glugfdjrift:
,,UnjKirtfyeiifd)e 9fad)rid)t von ber in ber kaufte überfyanb
nefjmenben, unb fyierauä in bie benadjbartcn £änber, infouber*
heit in 6d)leftcn cinreißeubeu neuen Sectc ber fogenanuten
<E>d)äferianer unb 3»V^nborfiaiter, berfelben £er)re, jfatedjiämo,
neu iiberfefjten unb «aufgelegten 33ibel, wie aud) Jiird)enorbnuug
in ^errnl)utl), nebfl @)egeuberid)t, baß foldje Sefyrcn bem
SÖorte (#oüeö wiberftrebeu, au$ allerfyanb verworfenen (Sectcn
verabfaffet, ber augöburgifdjen (Sonfeffion entgegenlaufend
Breslau 1729." 2)er 3efuit madjt bem M. 8d)äfer $um 3$or*
würfe baß er batf (Evangelium uiemalö orbentlict) erflare, bie
lutr)erifd)eu ^rebiger auf baö ©röbrlte läftere, behaupte, man
fönue in allen 9tirligionen feiig werben, bie 2Baffertaufe für
•) 9(bgebnicft in ben Acta histor. occl. tom. III. p, 40G.
würben vom Mail)* ronftatrt: 1) <8tn mtraulid)e* ÖJefpräd)
jnnfVfjen Ludovico nnb Lamperlo; 2) JUtet ^riefrn'c* , be<8 ungetreuen
unb n>iebertäufferifd)en SWietbhngd ju @brlifc, M. 6cf)äjfer'tJ irrige <Safce;
3) betrübte $)eutfd)lanb.
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447
mitritt balte, bie (Srlofunq l>er Serbantnttctt auS ber £ötte
anerfeune.
' 2)ie £errnl)uter beantworteten baS ^(ttqbfatt mit fol^enber
<5d)rift: „jeuflnip ber 2Baf)rl)eit ber (Gemeine \n $errnt)Mtl),
^errn M. s3Weldj. £d>äfer$, Past, ad s. s. Trin. ju <**örli$, wet)I.
$tn. (£f)riftopl) Sd)webler'$ Past. et Insp. ju Weberwiefa,
wie auch £errn 3ol>. Hnbrea* föotben'd Hast, gu $3ertbolbe*
Dorf, wiber £rn. <p. äarl Dfecjent, S. .1. Miss. Wacbridjt von
einer in ^aujty unb <sd)leften einreiben follenben neuen 8ecte,
auf vielfältig s£ecjel)ren |um Drucf befördert von M. Gbrift.
Gottfrieb Wardjen. 8. £errnbutb. 1730. 14 SBofl."
$)ic $$orrebe bring? einen Huffaft über bad ,£>errnbutber'
roefen überhaupt, bae) folqenbe ein (schreiben 6d)äfer'ö über
feine Knfufytn unb ber <sd>luf? einen $rief £d>wct>ler'$. Qu-
fed 53ud) bewofl ben 3efuiten *u einer nodi gröberen 8d)rift:
„^bfertiflunit ber vom Gerrit ®raf von 3imcnberf auf £errn*
^Htt) unb £errn M. SWelcfyior 6d)äfer, ^aft. *u Görlifc, beraub
^ebenen wafyrlofen 3ettgntf|t. — 8. Skeälau 1731." 3)a
(5d>äfer in feiner &>iberlei)uitfl au* bie Schrift: „Glimpfliche
©ebanfen von ber fcrjeinbetliijen 33oebeit, von einem Gar Be<
fannten Sd>lefier" 1728,*) berührt l)atte, erfdjien von bemfel*
ben SBerfaffer ein 3at)r vor JHeijent'S 9(bfertiiiiiiui eine: „58ofyU
mevnenbe (ihrinneninß an ^errtt H. Wcld>tor fediäfern, betreffenb
baö fogenannte ^errnbutbifebe 3e"Hnit* ber 2t$ai)rl)eit, verfem
ticket von bent (iar Befannten Scblefier. 1730. 5 93o<j. 8."
$>iefe Schriften bejtcttifjen im Drutf, baf M. 8d)äfer ein bebeu*
tenber Schwärmer unb grömmlcr war, beöljalb aud) von 3i"r
*enborf tu $wei Herfen**) befunden würbe. M. <Sd>äfer ftarb
am 9. 3tt(i 1738.
•) Unter biefer (5hiffcr fdjrteb M. Schäfer'* fteinb, ber görlifcer 9tatft<<
bar CM. ©erntjarb r Imlteö.
•*) Unfer geliebter 2ct>äfer toar
QJalb ml Wefjeim, balr ojfcnfrar,
3»ötf aWal auf bem SBea, fid) anfutraffen,
Hb« er fennte e* nid)t meljr fdjaffen.
Erbarm bid) unfer.
Tu aber, Untrer, fdjlaf feliaUrfj;
fflit $u'« i>erfyrod)en, fö teilte $idj,
Still afe €unber in« ÜJieer ber (Mnabe
Unb in £amme* «Blut fd)tt>imme im ®abe
3m Clement.
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U8
(£$ ift bei ©elegenheit ber Schäfer'fdjen Streitigfeiten
erwähnt worben Daß r tc religiofen (Elemente ber Unruhe noch
burd) Schwenffelbianer vermehrt morgen feien.
3» Den fdjlefifcheu Surften t f)ä ni ern Schweibnifc unb 3auer
hatten ftch feit bem (Snbe beä 16. 3ahrhunbert$ viele Sdjweuf
felbianer*) hetmifä) gemalt, welche im 3. 1726 nad) mehr-
jährigen ^erbanblungen unb 93eläftigungen Seitens ber Uifer-
luli cn Regierung, ;m 2ln$wanberung auS Schleften gelungen
würben. 9cad) ihrer Vertreibung wanbteu fte fid) an M. £rf>a
ferS greuub, (Styrift. Sd>webler, Pfarrer ju lieber -SBiefa. auf
feines greunbe^ Söitte ging M. Schäfer an ben 9tatf) ju ©örlifc.
S)er fltatb gemattete ihnen: „auf furje fyit" einen $bifentf>ato
ui ©örliö uub 4pennerSborf, machte aber am 23. gebruar
1726 einen 93erid)t an ben j£Önig*Äurfürft nad) 5)re$ben,
ftellte bariu bie betrübten SBerhältniffe ber teilte bar, unb
bewies, was fie bem Üanbe burd) 8lachS>, ©am* unb Sein-
wanbhanbel, ben fte befonberS betrieben, nüfcen föunten, auch
bajj Hoffnung »orfjanben fei, jle ber reinen iHtherifchen £et)re
ju gewinnen. Mm 2. ÜWai 1726 erteilte ber SDftnifter t>on
©ereborf 9catf)rid)t über bie 9nfid)ten beS ©eheimenratbS in
biefer Sache. (*S fei eine münbliche halbamtliche Üntmä
bahin be)d)loffen worben, man wolle il)re 8(nwefenl)eit ignoriren,
jebod) nur unter ber SBebingung, baß fte ihren ©otteSbienft
nicht öffentlich ausübten, feine Käufer ober unbewegliche ©üter
erwerben unb alle ^orftchtSmajjregeln angewenbet würben, bie
£eute forgfältig |H überwachen unb feine Unorbnungen burch jie
entftehen \\\ laffen. Sie festen nach gefchefjener Sfufforberung be*
9tatl)eS, il)r ©laubenSbefenutnifj auf, weldjeS ausführlich bet
änauthe ju lefen ift.
(£S war bamalS in religiöfen fingen ein merfwürbiger ©eiß
unter baS gemeine SBolf gefommen. (£in 33äcferfned)t, (5lja6
Saumgart, brachte neue Vdne aus ber ftrembe mit, bisputirte
über bie 9tothwenbiafeit ber Seichte mit bem M. Sdjön, unb
serweigene beim $atheftehen am 29. 3uni 1727, auf bie
Jrage: entfagft bu ic. baS 3a! fo h^rtnäefig, ba6 feine Stelle
burch ben ©löcfner vertreten werben mußte. Stuct) er gewann
einen Anhang. S)aher gab M. Sä)ön baS mit ihm abgeht-
•) .*nautljf, Mspte. tom. VIII. Hist. Schismalica. mit *ortrff|Iid}cn
tjanbfdjtiftlidfni dr^anjungen beö verftoriwmi €tU)«intenb. 3anrfe.
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449
teue ©efprdd} im Drutf fyerauä unter bem Xitel: „"Die fdjnobe
$erad)tung göttlicher ®nabenmittel : Stebft einem Viere, ber
fia> felbft entbetfenbe Ouäfer'®eijt ber öfterer."
Da l>ie (Sdjwenffelber befonberä burdj M. (5d}ön unb
M. ©etiler von ber &an*el angegriffen würben, fud)ten fte einen
anberen xHufeiitlmlroovi \i\ erlangen unb fd)rieben rc^t>alb, burd)
s33ermittelung bee Scabinud $äntfd) Kaufmann \\\ ÖJörlifc, an
t}oüänbifd>e iEBiebertäufer. Jnnvifdjen aerietfytn ÜJtand)e von
tfynen, weldK wegen ber £Rebeu in ber $eter$fird)e niäjt mebv
|um ÖJotteöbienfte gingen, in ein wüfted Veben, fo bafi vielerlei
Reibungen unb Aergerniß enrftanben. Da and) ©raf ^imen
borf biefe £eute an tief} in *iel)en fud)te, erregten fie Auffegen
bei vtuue unb eö fam Befehl, fie follten auä bem Sanbe gelten.
Die Reiften entfc^loffen ftd) ba*u, wanberten im 3a^re 1740
nad) Amerifa au$ unb liefen ftd? im Diftrift ^ennftlvanim
nieber.
lieber ben <sd)äfer'fd)en 3^!^M]^iteu ftarb M. $aurentiu6
am 28. Auguft 1725 unb fein Vinn ging an (£. ©. geller
auä tfinberobe bei <§orau (geb. 9. gebruar 1663, fett 1699
Diafonu* unb 1716 Ara)ibiafonutf in ©örlifc) am 21. 3Rat
1726 über. (5r fiarb fajon am 6. 9Äai 1729 unb würbe
burd) 3. ©. Steumann (geb. 15. April 1670 $u ®örli$, 1699
Diafonuö, 1726 au Stelle bc$ vorigen Ard^ibiafonuö) erfefet,
ber aiub fd)on am 11. April 1734 fiarb. (Sein Amt$naa>
feiger war: M. 3ol). Dan. ©eieler (geb. 30. April 1680 <ui
Altenburg, 1726 Subbiafonuö, 1729 Diafonu*, 1731 Ard)ü
biafonud) im Satyr* 1734. (£r verwaltete bieö Amt fegend-
reid) biß in bad 3afyr 1760 unb ftarb am 7. gebruar 1760
in bem l)ol)en Alter von 79 3- 9 Monaten 8 Sagen. 9Äattl>.
gr. töunjel (geb. ju Augsburg 8. 3»K 1707, 1744 6ubbia*
fonuS, 1758 Ardjibiafonuä), fam 1760 an ©eiSler'ö (stelle.
(Sr madjte fta) wdfyrenb feiner Amtszeit verbient bura) Crrria)-
tung einer Armenfdmle, weldje im 3- 1755 mit bem Sßaifen-
tjaufe verbunben warb. @r jlarb am 21. Sept. 1774 unb
würbe il)m von bem folgenben Primarius M. 6dwhe, bie
£eid)enprebigt am ©rabe gehalten.
M. 3ol). ©ottfr. ©a)ulje war geb. am 11. 3an. 1717
ui SÖBuftrau in ber *l$riegni&, würbe 1740 Pfarrer in ^unjen-
borf bei Sorau, 1746 Subbiafonuä §n ©örlifc, 1755 DiafonuS,
1760 Ard)ibiafonuö, 1774 $"mariuö unb itaxb am 5. April
öefätdjte »pn OWtU|. 29
I
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1791 cite 3"be(M*ebiger. (£in 93erid)t beffelben an bcn Ober*
^räftbial^räjibenten 93aron £>obentfnil \n 2>re3beu, belehrt
un$, baß 6dml$e'ö 3C^ femeflwegä ber burd) M. @d)äfcr
unb bie ^errnfyutfyei* geftreute Saamen vertilgt, vielmehr immer
nod) eine berrnl)utt)ifa> gefmnte Sefte in (^orlifc gewefen ift.
$>aö Sdjreibeu ift am 17. (September 1777 abgefenbet worbeu*).
3)ie Primarien bifl auf bie jetjige 3*i* ptb: 3- ®. SHofio
(geb. 20. £ft. 1726 ju Ktdpern, 1760 eubbiafeuud, 1774
l)iafomi$, 1789 iHrcfyibiafonuä, 1791 Raffer Primarius ref.
1803, geft. 1805); IL SB. ®. ^ermann, (geb. 17. 3»üi 1750
pt 93if$of6rt>erba, 1785 iSubbiafcnuö, 1789 £)iafonu3, 1791
$trd)ibiafouuö, 1803 ^riittariu*, reftgu. 1820, geft. 1829); M.
3©b. Gf>. 3anfe (geb. 3. 9Kän 1757 ju @6rli&, 1789 €ub;
biafonu*, 1791 £>iafonu$, 1803 #rd>ibiafi>nu$, 1818 (Super-
intenbent, 1820 ^aftor »Primarius, geft. 1834); Dr.th. 6t). 2ß.
■SOiößlcr (geb. 24. 3«». 1784 $u Xeunftäbt in $f)ürtngen, 1820
JDrbinariuS an ber £reifaltigfeit6fird)e, 1832 £iafenHä, 1834
$afror *ßrimartut\ «nb 6uperintenbent, refign. 1848); £. 9i.
Bürger (geb. 26. SKärj 1802 *u 3Mu*faM, feit 1833 6ub<
biafonu6 tu ©orlifc, 1835 $5iafouu$, 1847 $lrd>ibiafonud,
1848 ^aftcr $rimartud unb F. £uperintenbent).
Unter ifyrer $lmt6ful)rung finb für bafl fyieftge ^irdjm*
mefen wenig befonbere (£reignift'e ju melben, eö müpte beim
feit bem 3. 1848 bie Stiftung einer £lt*£utberanergemcinbe
fein. 5>te (£infuf)rung ber neuen Äira>enorbnung gefajal) unter
bem gegenwärtigen £errn ^rimarin^ Bürger. - i
©ritte« Kapitel.
3>ie alte ed)ule in ©6rlifr. ©efcf?id)te beö <*h>mna<
fiumö feit 1565**).
Ü)er Urfprung ber aörlifcer <sd)u(e ift bunfel, gleicfjwic
ber beö tfird)emr>efen$. %>oü) barf nicht bezweifelt werben, baß
•) «bgfbrucft im g&tt ^egtreift-r 1838. $, 114, 146, 162.
•*) Da* Gymnasium Aupustum ' tu ©örlifc. Subelfdjr. v. (S^riff.
tfmiutbe. ©örlifc 1765. 105. <S. 4. «8aum«üer, fRtUox, <&«tmn(. ttx
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451
mit Stallenbung ber .Undum auch eine 3 d>ulc errietet würbe.
Der fatl)clifd)e ©ottedbienft fonnte nicht würbig begangen wer-
ten ohne Jtnabeu, treidle bie lateinifd>en ©efdnge anßtmmten
unter Kettung eineä Sacriftef ö. 2)amit folche Jltnber l)eran?
gebilbet würben, war eine <Sd>iüc ndtfn'g
CDicfe innereu ®rünbe bered)tigen üollfommen \n beut
Schinne? bQp minbejteuö (fnbe beä 12. ober $nfaug be$ 13.
,\ahrhuiiDerte fa)on in OHnlm eine folche (Schule, bezeichnender
gefagt, ?lbrichtung$anjialt für bie hicMia>cn Zeremonien K-üan
ben l)abe.
Dajj ber Unterricht noch im 14. 3ahrh«nbert bad Vin-
lernen lateinifcr/er <&efänge, baä VI Ma ren beä %\ata Softer,
vi vc sAVaria unb ßrebo, r)ochftend einige ftufangdgriinbe im
schreiben nicht wirb überfchritten haben , fann au« ber Vinci
fcnnung gefchloffen »erben, welche ein ^ebenebefdjreibcr itaifer
fcubwig beä Söaier'ä ben «ffenntiiitten biefe* dürften ui Ihnl
werben läßt*). Icv unbefanute Editor fjebi bort heroor rat;
gubwig getauft, conftrmirt, *»ou allen beut d>rtftlid)en stauben
zugehörigen (Eaframenten jtetmrmß gehabt, ÜReben hätte halten
fönneu, ba$ (Etymbolum, ^ater Softer unb &oe 9J?aria gewußt
habe. §ugt man hier noch etwas GJefang Unterricht (umu, fo
roirb man i>ollftänbig ben fcehrumfang ber alten görlifcer
(Schule haben.
Später gegen (£nbe be£ 14. 3ahr^utlDer^ ma3 &er Ito-
terricht etwaä beffer geworben fein, nachbem baä baufcner (Sol*
legiatfitift errid)tet war.
5)och würbe ba auch nidjtä vorgetragen , ald irgenb ein
(sdjulbud)**) einet* Drbenä unb bie lateinifche ©rammattf be$
bei ®eleaenfyeit ber 3ubelfeirr 1765 erschienenen ©Triften, ©orl. 1765.
4. 123. ©. paginirt, mehrere nicftl Vaginirt. Calendarium Seholasücuni
barinnen bad, n>ae bet? beut @nmnafto vafftret, \v finben, anfaejeiebnet
»on Gfyr. Gabriel ftuncfe. dl>ronif nnter ben ©djulfollegen. '<a;d)lie§t
mit bem Xobe ©rofter's, Mspt. »ibl. b. Cberl. ©ef. ber 3B. ffi. Lus. III.
334. Clin &u*jug barau* unter bem Titel: Syllabus Docentium in
(ivnmasio Gorlicensi, Mspt. be$ *?rtjulfoUrgen Siotfye bid $nm 3. 1756.
Cberl. 0IH. Lus. III. 123. $ie Programme beö dtypinaftum*.
•) Vita Ludovici quarti impeiatori.s, p. 460. (Boehmer, fontes
rer. Germ I. 4843).
*•) .ftnantfoe: #on benen Scfyulbndjern, welche in benen obertau*
ft$ifd)en Spulen vox ber «Reformation Sutten gebraust «orten, ©ort.
1759.
29*
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Alexander Gallus unb vielleid)t nod) ber Donat. Da bie
VchrbiHl)cr uur ge|d)riebeu , unb eben reöljalb fetyr foftfpielig
waren, »erben fdjwerlid) viel $üd)er »erlauben gewefen fein.
Die (SrrtdjtHitg ber itlofterfdjnle*) l)at ftd)erlid) anregenb auf
t»en Scholasticus, Scfyulmeiftei:, Canlor, wie bie Stabtbüdjer
ben 2efyrer ber Stabtfd>ule nennen, gewirft. Später, (£nbe
beä 15. Safyrfyunbert'ä, fommt bcr $lu$brutf: Keclor schöbe
vor. Die grndjte bee UnterridjtS werben freilief) bei ben 9Be*
nigften grof* gewefen [ein, weil g. 33. bie lateinifdje (Sprache
von vornherein lateinifd), alfo otyne bem ßeruenbeu ein 33e-
wußtfein beä @elel)rteu $u verfdjaffen, vorgetragen würbe.
2Bie wenig «ftütber glichen au Sorgfamfeit unb £ern-(£ifer
oem naa)maligeu berühmten Xrogeborftue! Deben t>er ($ram-
matif würben fogenannte: Modi signilicandi i. e. SBörterbüdjer,
total gebraut. 9Jud) Debcn Ijielt man in ben Sdjulen. 3n
ber ^oefte war im Allgemeinen übiid): Sulpitius: über bie
Duantität ber Svlbeu; beim 3al)re 1463 wirb ein Martin
«^ein^in von ifurfau erwähnt, welker für bie görlifcer Scbulc
ein N$rofobicbud) abfaßte. Junt llnterrtcbt in ber Sogif benutze
mau Petrus llispanus über bie Dialeftif, erflärte Üju aber
fyödjft läd>erlid) uub wie «£>affe**) faßt, „fonberbar bunfel
unb unverftänblid) ! u \>>on Oer ban^ner Schule weiß man,
baß ßato'ä ^Dtfrtc^a bort in ber Sittenlehre erflärt würben.
sJMit ber Deligionälefyre war e3 biö &ur Deformation fefyr
fd)led)t bcitclit, ba bie $3ibel nicfyt gelefen werben burfte.
3)Jan lernte bort nur 4)vmnen unb Sequenzen, fwdjjitcne bie
Ifvangelien au£ ber mlgata ober lateinifdjen von v4iapftd
wegen gematteten ^Jibelüberfe^ung. ©efangunteridjt war jeren
faüd baä 33eftc vom ganzen Scfyulwefen, weil fortwäfyrenb
ber ©ottcSbienft bie Unterftüjjnug beö SdjulmeiftcrS uub ber
Sd)üler in Anfprud) nafyiu. 3m 15. 3afyrf)unbert wirb audj
ber Sdjreibefuuft in ber Sdmle gebadjt.
Soviel von bem Untcrrid)te bie* auf bie Deformation unt>
bie $um 3a^re 1530, in welchem bie Stabtfctyule mit SflelanaV
rfyon'ä Datbc reftaurirt würbe.
9(3 Sdjulmeifter fommen vor in ben Stabtbüdjeru:
1378—1404. M. ^eterj M. üöaltljafar, reftgnirt 1420; Johann
*) ecite 353.
*) 3n «tum Mspt: Uefrer Die ^riejhrunfeit.
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(9cijhitetfter 1428; M. Thomas 2angbam5 1428; Vnbread
^fibner auä Dürnberg, 1439; M. Wartin ^>üfetier 1448*);
M. Siaftmttltbtt*; M. .ftieronvmuc* 6tottlinq; *ßeier (Sfdjenloer,
feit 1455 3tot<tr in $re*lan; M. 3ob. Sranenburg 1462,
(1469 Stabrfcbreiber, 1478 $ürgermeiftev, fkrb 5. getaut
1491); M. Johann ffiefenftata 1465; M. 3ob. 6d)iebel, wg
1471 ab; M. 3Narfu* Düring £efretär be* 9ff$of* Dicrrtd)
v. beißen; ^etrn* genial* 1473; M. Job. Martini 1477;
M. %ktx\i$ 6d)orrmaim, \o<\ 1498 ab; M. (Bigmmtb, Lwg
1502 ab; M. S&olfgang £d)tnt>ler von (Ellenbogen, 1502;
M. 9J?artin von s3ttihveica; Dr. 3oj>ener von gtriegau, ftarb
1508; M. Wartin £ein(je 1509; M. XhomaS Spieä von 3Beit>a
1513; M. 8d)inbler (fubito; M. Hnbreatf *$übner; M. 2lnorca$
Büttner au* @)örli$; Dr. $ran$ «ftenberger; M. $Bolfaang
£oefe von Ole^er, 1520, reftgnirte 1522; M. 2(lerant>er feufr
ptnian, von welchem Safenttn Xrojenrorf, neben rem Unter-
richte, welcher il)m in rer Älofterfcbule \n Xbeil würbe, litt-
teroetfuitgen empfing; ftf. Knton $<m(tu6 von $reälau 1523;
Valentin ©Iber.
Manche von riefen Lehrern fiwb gleichzeitig unb fyier nur
in ber yReifye genannt, in welcher jte bie erfte (Stelle inne hat;
ten. Xenn mit ber feit beut 15. 3cibrbunberte wachfenceu
Sdjülcnabl, mußte aud> bie 3aM per l'ebrer vermehrt werben,
weld>c urfprünglid) beim ^aroebuö freien lifd) befamen unt>
für ein (Meringed l>ic Webenbienfte in Den ftintycn atö CHtkf*
ner, Drganifien, (5afriftane :c. verrt ritten matten. 6eit bem
(fnoe be$ 16. 3abrb. fdjeineu t>nr<t)fd>ntttltd> mit rem *Reftor
(Magister) fecl)(S Vebrer (bacealaurei) gemeinfam gewirft au
baben.
3m 3. 1530 wuroe tiefe 6d)iile reftanrirt im Reifte ber
Deformation unb 3fleland)tbon'$; fie gewann bac* Wnfeben einer
lateinifcben gdjule uno fam batjer immer mebr in Aufnahme.
$ctru6 Rittet war ber erfte 9Wtor ber neu begrünbeten 2ln-
ftalt, weldte bitrd) M. ßljriftepb ttajtud, einen 8trajjburaer
(feit 1537) febr gehoben warb. Gr überreichte in biefem %ai)xc
bem SKathe eine Wbbaublung über bie anjuwenbenbe slHiba-
gogif (ratio Hoctrinao et diseiplinae seholastieae). £11$ £a-
p«4 im 3- 1540 Pfarrer in flrnftan würbe, erfegte tyn M.
*) oben, @. 239.
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454
Üüenu*, ber fdwn vor M. £ajtu$ rer <Sdnde vorgeitanoen
hatte, auf ben 9iatb Valentin Xrojenborftf. Xrojenborf er^
fannte in Ütlcnud einen Roheren ©eruf *um ©d)ul* alt $xt*
n^f Vinitc. 1544 wart» M. (9corg Dttomann <Scbulreftor, ging
1547 nadj &tp$ig, fefyrte aber, wäfjrenb Joachim Bochmann
and OKuim eine $cit lang feine Stelle inne gehabt hatte,
wieber in bietf Wim jurürf, Hitb verwaltete e$ bis $um 3ai>re
1560 mit <Segen.
3m 3- 1560 wart» er in ben Watb gelegen, nnb war
fedjömal 93ürgermeifter biä 31t feinem Xooe, Den 24. 9?ovem-
ber 1590.
M. (sebaftian *Hööfer aufl 3ßunftebel, war ber lefcte 9tef-
tor ber alten £dwle unb führte biefelbe 1565 in oaä Softer ein.
Die 6tabtfd>ule*) hatte *uerft ihren $fa( in bem fo^c-
nannten iRentfjaufe bei ber ^eteröfirdje. 3m 3- 1 544 warb i>ic
<Sd)ule von bort verlegt in ba£ neugebaute J^aud (jeftt a. t>.
sl*etentfird)e 309), weSljalb tiefet J^autf ben Hainen: neue
<£dmle befam, wäbrenb batf 9tcntl)au$ ben Hainen: alte <Scbulf
lange -Jet! nod) beibehielt.
3ur ($titric^tuitq Oed neuen @)Mnnaitum$ im jtlofter waren
große Vorbereitungen nötrjig. mußte ^unäcr)ft bie Säfu-
iaiifation beä Atlofterä bewirft werben, bereu fdwn oben**)
gebadet ift.
3m 3uli 1563 fanote ber Demant 3<>hann Seifentritt jwei
Männer: Urban SMban uub OTelc^tor Sßiebemann $ur lieber *
gäbe be$ Jtlofter$ an bie (Etabt. $)a$ vom 9cotar Stellge
SBieoeinann barüber aufgenommene ^rotofolf ift gebrueft***)
vorbanben. SofyaM Veifcntrttt gab d. d. 93ut>ifftn 12. 3uli
1563 feine ©enefyntigung unb ber äatfer feine Konfirmation
burd) folgenoen 93rief:
„2ötr Jerbinanb von ©otteä ©naben k. befennen äffend
lid) mit biefem ©riefe unb ttmn funb allermänniglidi, baß
•) Weben biefet StabtfdjnU bejlanben vielfad} SBinfelanjialten. 1541
Viebigten bie Pfarrer a,ea,en bie Ijeimlidjen <8d)ulen. <5ö >var bamalö eine
foldje bei bem Caecal aureufl $8ramf|e, bei 4porfener unb bem (Wöcfner <u
umerer lieben ftranen. 9lud) werben genannt de S0infelle$ret: «Pacta-
laureu« ©regor Ifgel, Dr. »egulus unb ein geimffer Hermann $aulu*.
aWemeriolbud? be* gurlifrer SRathfl cf. @örl. Sßeato. 1838. ©. 620.
••) 360.
•••) Änauttye Gymnasium etc. a. a. £>. 6. 2J.
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_455
Uit* Die (Srfamen, Unferc lieben getreuen, N. ©ürgermeifter
BtttO Diatbmänuer Unfern £tat)t @örli&, in Untertljänigfeit \n
evfeune« aeben, wie, Da|j bei tynen in Der £taDt ein alt ge-
bauteä Jtlofter, Darinnen etwa eine s43rüDcrfd^aft 6t. granetöei;
£)rbeud geweft, vorbanDen wäre, welcfyeä aber nunmefjro vor;
langft, auö Langel geiftlidjer ^erfoneu unD aller anDeren
notrjweuDigen Uiuerl)altuug, unb Derfelbige ©otteäbienft aud)
mit allen anDeren Zeremonien unD ®ebräud)en von vielen
3«r)ren tjer gän$lid> abfommen, unD fyätte aud) gemelDet Silo*
fter an Der Sadjung unD aitberen (*JebauDen (wofern'fie nid)t
mit jäbrlidjer DaneidjHitg Die ^erfebung getl)aii), merflidjen
6d)aDeu erleiDen unD enDlid) eingerjeu muffen. UnD Diemeil
Denuod) in gemelDten fllofter nur eine einige ^erfon, Urban
*ißeijibad) genannt, im Seien, weldjer eineä verlebten Wterö
unD etliche viel 3at)r bei unD }u Derfelbeu Sebetage von Der
otaDt mit jäljrUdjer ^reviftou verfebeu unD unterbaltcu, Des-
wegen fie Un£ in lluterttyäuigfcit augclauget unD gebeten, Daji
sH$ir berül)rt $arfüßer4Uofier i()tten au einer ^artifular*8d)u;
len §u lluterweifuug Der 3ugeuD unD (Sraiebuug gefdjirfter
l'eute, fammt einem fleinen Da$u gehörigen s-ffialDlein*), aud)
Der Jlird)en-3ier unb iWejigewanD unD anDern autf ÜmaDen
allergnaDigit $u vergönnen, unD ju bewilligen gerieten, Dafr
sMv Demuad) augefel)eu, fold) il)re Demütige aicmlidje Sitte,
aud) Die angenehmen getreuen X teufte, fo fte unb il)rc Sor*
fabreu Und unD Unfern Sorfaljven Den Königen *u Söfyeim,
beftenö il)re$ Senriogend in Untertrjänigfeit geleiftct unD be*
wiefen iirtD binfüro nid)t weniger }u ttatt fid) uittertl)ciitt^lict>
erbieten, aud) wol)l tl)Hii mögen unD follen: aud) in Setrad)*
tung, weil geinelDtcr DrDen^SruDer freiwillig bebad)t werben,
Dafl obberübrte Älofter fammt Dem ^älDleiu, mit 3"^ff"»ß
Deö ebrwürDigeu £errn 3ol>anu geifentrittd, (Seuioriö unD
£ed)aut$ ju Ötibifttn, Ded $ifd)oftr)um$ ju Whi$cn General;
dommiffarii unD alt De* £rDiuarii abzutreten unb einjuräU'
men, vermöge De$ rjicvüber verfertigten 3nftrumenten unD ermelD-
teu Ded)ant$ Darauf erfolgten Konfirmation, welche fte unä ort-
ginaliter vorbradjt unD Darum mit wor)lbeDad)tem 9)Jutbe,
guten 3tatb unD recr/tem Riffen ©emelDten von ©orlij gnä-
biglid) gegönuet, erlaubet, augelaffcn unD bewilliget: gönnen,
•) £er Salb von gidjtciiberjj, f. oben 3. 34ö.
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456
erlauben, julaffen unb bewilligen tynen nun auc^ Sentit von
böfymifdjer Wadjt ^Wlfcmmeitbeit, wiffentlid), in tfraft t»iefed
S3rtefeö, l>ap fie berührt BarfütJer-itlofter *u s<Hufrta)tung einet
^arrifular^djule einnehmen unb gufammt bem 3Bälblein unr>
jtirdjen^r "ü&en follcn unt> mögen, t>on mänmglid) unge
fnnfcert, bod) Un* unb Unfer Jtrcn Bommen, unb fcnfl man*
niglid) an feinen jHed)ten unvorgriffen , getreulid)
unb ofme gkfdfyfte. mt llrfunb biefeö Briefe wfiegelt mit
Unferm faiferlid) anbangenbem Stiegel. @efd)ebeu in Unferer
€tabt Söien, ben 5. Xag beä SWwtaW gebruarii, nad) Gbriftt
Unferö lieben j&crrn unb (Eeligmadjer* (ftebHrt im 1564. Un<
ferer *Retd}e be* römifcf)cn im 34. unb ber anbern aller im
38. 3ar,re."
9la$bem no* einige 3n>eifel, inöbefonbere wegen bet
£irfd)bergfd)en 4>eringaftiftungen*) befeitigt werben waren,
erfd)ienen oie betwllmädrtigten faiferlid>en emmtffarien : 2anb-
veigt ©ruf 3oad)im v. fertlirf, Se^frieb v. ^romnifc auf
<£orau, sBill>elm ». €d)önaid) unb jwei $fönd)e aue Sagan,
unb übergaben am 24. 3ult 1564 bem 9tatl>c ba* Jtlofter alc
erblid)e* 33eft$tl)um.
Da bat? Softer fein- baufällig war, muj?te erft gebaut
unb orbentlidn* Älaffenjimmer fyeraeftellt werben. 3unäaMt
richtete man fünf ein: im früheren Mefecterium, im Balneum,
im 3immer an ber Ireppe naa> bem 9ttarfta(( ju, in Der
Jfranfenftube unb Biblwtljef. eine Ukranberung tiefer 3immer
tfl vielfach, je nad) bem Bebürfnifi, eingetreten, würbe und bier
aber ju weit führen, unb gehört in bie 6pejialgefa>id)te be*
(*h)mnafiumd, weld)e jur brcibunbertjäbrigen Jubelfeier im 3.
1865 ju bearbeiten ift.
Der föatb gab |td) wäbrenb biefer Bauten gro£e 9)cübe,
wftänbige unb berühmte l'efjrer nad» ©örlifr \\\ Rieben.
3oad)im (£amerariu$ jit Seidig unb 3ol)ann 6turm <tu (Stras-
burg gaben f>ter bie beften fKatbfdjläge unb empfahlen bie
Sfairtytitng ber latetnifdjen 6d)Hlc nad) melana>tt)onf*em ,
©ttfreme.
3oacfrim GamerariuS fdjlug bem ?)?atbe \u föeftoren
M. <J3eter «incen* unb M. Sorenj gubomeu*, bitytx Sßrofefforcn
in Wittenberg, \>or: fie gingen auf beSfalljtge Anträge be*
•) <S. 348. Jtnait^e a. a. D. <B. 26.
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457
ÜKutbeä ein. Nebelt tf>iien blieb bei vorige öauptlebrer >T ©eorg
SHö^ler, feiner ©eorg ftlorfcbufc au$ $Bre$lau, Johann SÖiberuö
unb (Stepban Jpoblfelb im tfef)rerfolle ginnt.
ftreitaqä, ben 22. 3mu 1565, wart» bic <5d>ule eröffnet.
Vormittags tytit Dei Primarius M. 3aud) Die orbentlicbe
JreitagSprcbtgt über ben <SprHd): (Eirad) 51, 31. ff. „sJWad)et
(Sucb bcr Jw nrir, tf>r Unerfahrenen unb fommt ju mir in bie
<Scbule, unb wad eueb fehlet ^ bao fönnt t f>r bier (einen, benn
tbr feib gewiß febi burftig." 9cad) biefem ©otteäbienft verfam*
mclten fid> bie bisherigen Alumnen ber alten <5d)Hle in if)rem
©ebäube, unb nogen !>teraitf , geleitet von tt>ren l'ebrern, unter
bem ©eläut aller ©lorfeu burd) bic *ßetei6gaffc, ben ^äringd-
marft, bie SBiitbergaffc, ben Dbermarft in bie Strebe unb ba(3
Jtlofter. Söäbrcnb be$ 3uge$ würbe i'utber'tf llcberfefcung be$
66. '4?fa(m'ä, febann ein lateinifdjer «öbmnuä: Coeperit faustis
etc. im fappbifcben Verömaape, angeftimmt. 3iu iunern Je ren^
gange empfingen ber *Ratb, bei neue iHeftor 3Mneentiu$, viele
©elebrte aufl bei 6tab* mit) ©lieber bei ^ürgerfdjaft ben 3ug,
unb geleiteten tt>u in baö je*3ige Sefunba. £ier WHrbe ber
,!&vmuuä von ber beil. 'Drcicinigfeit, unb baöt'Jfomm ^eiliger
©eift! gefunden. sJRacb SBeenDigung bei lieber betiat im ta-
rnen be$ *Ratbe$ bei <8>tmbthiö M. Ottomann bae Äatbeber
unb pioflamiite in einer lateinifdjcn iRcbe bie (Eröffnung ber
neuen Sdmlc, beren Leitung bem S-Btiicentiu^ übergebenb. 2>ie*
fer erwieberte be$ \5vmfcifu$ 5ßorte, legte fein ©laubenäbefcnnt
ntf ab unb verfprad) Xreu unb gleiß in feinem kirnte an ber
ibm anvertrauten 3ugeno ;u beweifen. $rimaritt$ 3aucr) f<t)loj?
bie Jetei mit einem (lebete, bic beilige Dieieinigfeit anflel)enb,
ftc möge biefe Schule in fegenSreicbe Dbbut nehmen , unb ^et)-
rer unb Serncnbc in ibren mbeiten reicblicb fegnen. (Sin: „£err
©ott bieb loben wir", feterlicf/ untei iiompeten* unb $aufcn>
Hang vorgetragen, beenbete biefen erften €>cbuU2lffu$ be$ gor-
üfcer ©vmnaftumfl.
Wenigen 6d)u(eu iffc baä ©lud \n Xi)ei( geworben, mit
fo vortrefflichen £ebrern, inflbefonbere JÄeftoren, verforgt wer-
ben wie bem görlifcer ©tymnaftum. 2Bemt eine <&d>u(e in 93lütbe
fommen foll, muffen ^war alle &fyrfyräfte gleidjmäfjig ftrb burd}*
bringen unb einauber in bie «£)änbc arbeiten, bie$ fanu aber
nui bei Sali fein, wenn fotlegialifd)ei ©eift jundebf* vom iRtV
toi bei 6cr/ulc eingefübit wirb.
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US
M. *l$eini$ $*ineenttu* (geb. tu t*re*tau Den I.SRai I.V20)
war ein feld)er 3Rann, unD mit einem reiben Öeifie im
Sinne Ter Otiten begabt. (*r richtete qicid> vom Anfange an
bie Sdmle in einer folgen $Beife ein, bap fic n<t> tat)lreid>e
Bonner im 3't' unb 9udlanbe erwarb. vl*incentiu0 veröffent;
Itd>te im j. IÖ66 feine pa^^oi)hd?^n ®runDfä&e unD gab
Scbutgefe$e im Allgemeinen felgenren 3nr)alte:
1) Sollen bie Scholaren in äir&e huD Sefyule fleißig Die
Behren Der Religion erlernen unb in ungefyeudxlter ©et'
tedfurdu Durd) bie Xljat betreffen.
2) jefcer feil fta>, fo oft e$ Dae eigene ®ewijKn erbeifdjt,
De6 beil. &benDmabl£ betreuen.
3) flüed (afterbafte £eben in <ä£Bort nnb £t)at ifi bei Strafe
be$ ÄanerS ober Der Delegation, je nad) iBeri)äUnip unD
Sllter verboten.
4) 3eDer fyat ftd) gegen Ottern unD £ebrer vertrauensvoll,
gebot (am, befebeiben nnb Danfbar ut erweifen.
5) Sittfamfeit, (frfyrerbietung unD C5(>rbarfcit ift jebem Staube
41t sollen.
6) Xic ftumelDung \m Sd?ule geflieht beim ?)Mtor, unb
bie Aufnahme r>urct> £auDfä)lag, mit welü)em ^ngleicb
(^eborfam Den Sebulgefe^en verbeißen wirb.
7) 3roift nnD Xfyätliajfetten Der Saunier unter einaiiDer ttuD
verboten.
8) tfbenfo aller £ärm unb Xumult außerhalb Dee JÜofterä.
9) Tie Sd)olaren tollen jtrt): fdjamfyaft, feHfd), mapig im
Weben, 0)et)en, Umgang, bei allen {>auDlungen benehmen.
10) 3eber foll ftd) Der firengjren Satjrbaftigfeit befleißigen.
1 1) Xie Sct)üler follen mit einanber nur lateinifa) (in Den oberen
JUaffen) reben, aua) auf Der ^nberen, Sleip unD Sitten
Sldit haben. 3)ic £ef)rer werben jweimal wodfentlid) 3"*
fammenfunfte galten, um Sinnigen entgegenzunehmen nnb
Die Strafbaren naa) $ert)äUniß mit Aufgabe lateiuifdjer
(5)ebäd)tntfiübungen belegen.
12) fcieberliay .&ernmftreid)er werben nid>t gelitten.
3)ie (SintretenDen wuroen in ein Album scholasticum ein-
getragen. Slbgeljenbe erhielten güt>rung^eugniffe.
Der Scbulplan beö 3at)re$ 1566 beweift, bap meiften*
latent. Sa)riftftellcr getrieben würben, ober wenigfteu* Den
£auptrang einnahmen. (Sr weift naa) in ber:
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iö9
t. JUajfe : Dialeftif, töbetorif, «irqil, qried>ifd)e Wrammattf,
O'icero von ben Pflichten, (Mcero'tf 9teben, ein ober *wci
$üd>er von ferner'* 3Iia$, eine Mftct»e be$ Jfocrate*,
Prüfung von sRcfaitd)$0ltt S cfjriften, grieebifche State
Äefe. ein (foangelium, Stilübungen, Hritbmetif, Sphäre,
Wuftf; in ber
2. JHaffe: tftmnologie, Seren}, (Heere'* «Briefe, Sirgtl'*
^>irtcn^^icl>te mit befonberer ^euicfftdjtigung ber $ro;
jobie, ÄVoral* unb Stilnbuugen mit bererften klaffe; in ber
3. klaffe: (Stpmologie, Cicero* f Innere ©riefe, Sittenlehre,
DidUcrfprüche, befonbere Nieral- unb Stilübung; in bei
4. Jtlaffe: (Stvmolocjie, flefop'3 gabeln, Hebung in $tffd)rei»
bungen mit »Stil bec3 gemeinen £eben6, i>?oralfprüd)c,
fatecbetifdje Hebungen, (Stil; in ber
5. JHaffe: Tie tfapitei betf tfatecbtömutf in beutfd/er Sprache,
¥cfeübungen, Scbreibübunqen nur ^Orthographie.
Sonntag v>cr ber ^reM\jt fameit bie Schüler in ber
Scfnile \\i einem gemeinfamen ^Äorqenqebete jufammen unb
gingen bann mit ben Vehrern in bie Jtirche, Wachmittags aber
würben gemeiufame qeiftlicfce tfrbauunqflftuubeu abgehalten,
an ben vier hoben geften öffentliche ttebeafte.
tiefer Vebrplan tft im (Hangen in bem elften 3al)rt}nn
bert ber görli&er Schule, mit wenigen bie Vebrgegenftänbe vep
mebrenben Slbänberungen, beibehalten woroeu, and) al$ eine '
6. JHaffe hin^ufam.- SRaffmilian II genehmigte auf per-
fonlicf/eu Antrag befl föeftorcj, ber görltyer Schule, am 24. $fog.
1567, jährlich oveihunbert Sdwcf vom $iergelbe. Die 9tad>*
folger tfaifer Warimilian'ö f>aben ftetd biefe Summe geneh-
migt unb ift felbige aua) in furfächfifcljer 3eit bewilligt gewefen.
Hin Rebell würbe im 3. lf>67 angeftellt; er hatte bie
Sertaner im £efen unb Schreiben \\i unterrichten; 1566 war
ein $ücherlabcn an bie M\ra)c gebaut werben, $om Jahre
1569 fdjreibt ftd) bie (*inrid)tung beä Käuten* auf bem sJWöna)ö*
thurme, um ben Sdjülern bie Annäherung ber Schulzeit }U
melben. Tte dauern um ben vorberen ßlofterhof nebft
ber ehemaligen Rebell wohnung (im 3. 1848 abgebrochen) liep
ber iRath im 3- 1567 bauen, aua) bie Statuen be* Jtaffet
sJOcarimilian II. unb feiner trüber, ber (fr^her^öge gerbinanb
unb Äarl würben. bamalö auf baö jefct a,leid)falle abgebrochene
Älofterthor gefteüt. Die Sa)ule war m forrwährenbem 3wä
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460
nehmen unter Den folgenDen Gefroren: M. 3oad)im ^elfter
(geb. *u (Hörlifc I. Sot). 1532, feit Dem 3- 1581 Gefror, re=
ftgnirte 1584, ftarb Den 10. $ebr. 1587 $u Bremen); Lau-
rentius £uDovicu8 (geb. 9. $lug. 1536 ju €iebeneid)en bei
$öwenberg, ftreunD uuD Anhänger 9)?eland)thoir$, 1565 an
Die görl. £d)ule, 1586 töeftor, geft. 15. flpril 1594) unD
Martin 2Ri)liu0 (geb. 5. Wo*. 154*2 *u ®orli$, 1568 (elfter
College am (Hvmiuaftum , 1594 Weftor, ftarb Den 22. 3uli
161 1). Alle Drei finD alä C*5eler>rte auönehmenb, Seffern uuD
Vettern* Durd> ftbfaffung laujtfter Wnnalen berühmt.
LuDovicutf tl)eilte nad) Xro$enDorf$ Vorgang Die (Sd)üler
für Die Hebungen in fect>€t klaffen, jeDc in Drei $ribu& Die
etfte Tribut begriff Die alteren uuD geübteren, Die Dritte Die
neueingetreteneu unD Darum ungeübteren, Die zweite Die mitt-
leren <5d)üler. Die Üribuö hatten ihre (Furien, unD Diefe
wieDer ihre Decurieu, Deren 3eDer ein £d)üler al$ Äuffeher
(decurio) vorftanb. Die gan;e (Ed)ule war aufierDem in
(Gruppen von je bunDert ((Sentnrien) getheilt; jeDe wählte au$
ftd) jwei Äan&fDaten für Den cd>ul-£enat. Die Üribuö jeber
klaffe wählten für fiel) einen Sßrätor fut Gelegenheit unD
Hebungen; Die Decurieu jwei Senforen. Durd) Diefe verfdjie-
Denen Remter Der 6d)üler unter fidj wurDe ein ^wertmäßiger
Wetteifer im etuDircn erzeugt.
Dufi Vubovkutf unD v))tyliu$ befonDerfl Deä &n>ptocator
ntätmtf befcrjulDigt würben, ift fd)ou erwähnt*).
2ÖährenD Der s^eft Deö jähret 1584/85 blieb Die €dwle
vom 3. September bi$ pim 10. ftebruar 22 3Sod)en gefchlof-
fen. Unter sJtöriliu$, im 3- 1600 fam Der (nun feit Öinfüh*
rung Der itird)cnorbnung von 1848 aufgehobene) Gratia) Der
fpäter mobiftjirten LctdKmbeglettung burd) odniler gegen ©elD-
Remuneration auf. Der frühere löürgermeifter .£>an$ ©liecf)
t>. sJ!)?ilti$ lief fid> von Den fämmtlidjeii £d)ülem Deö @h>m*
najiumö \\i @rabe geleiten.
Dr. «fiaöpar Dornaviufl, (geb. $u 3&xtö), 15. 3an. 1568),
Nachfolger Detf $fyliu6, blieb nur bitf jum 3. 1615**) Dieftoi
•) oben £. 429-431.
*•) Slu« einer @ina.abe erfiefjt man, bafc jn feiner 3eü burrfjfdjmit;
lid) »tertetiäfyrlirf) öon Cremten 2 Xl)lr., von (*inf)einü|d)en I Xfylr. ©ctjitl-
gelb <ie$af)lt n?arb. fSi wirb ein Unterfdjieb gemad)t $nM|"djen : JÄedjner,
<£d>reiber, «efer. et Calenrt. Scholast. Görlic. sub a/l613.
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»
unb ging an mehrere fürftlidje ^>ofe.- (£r unD feiu Wacfjfolger
M. (sliaö (£üd>ler (geb. 1567 §m ©djöuberg, feit 1593 Öuur*
lud am Gtymnaftum, 4. ftuquft 1615 ÜKcftcr, ge|*t. 10. 2tug.
1632) hatten Den ©a)iner}, Die ©d)ule febr in Beifall $u fe*
bcii; nid)t, uh'U jie itjrefl Vi m reo unvoürDig geroefen mären,
jn Diefer Segieljuug fiuD feine £tnfdmlDigungen gegen fte
vor Im ii riii; vielmehr lag Die sl*ermiuberuug Der ©djule tl)eil$
in Der %k\t von 1613 unD Den fpatern «ttriegöunruben , ttyeilä
in Der 1611 erfolgten Begrünbuug betf l%mnaftumd |m ©o*
bieälavo Durd) Den Surften v. üfofeuberg in $3öf)men. ©eit
Diefer $tit voanDten ftd) Die meifteu fdjleüfdjen, bdr>mifci;eti unD
polnifa>en SlDeligen nacb jener neuen ^flanjftätte Der Riffen*
fdjaften, mitist mit großen ©tipenbien unD ©etyenfungen Do-
rnt war. (£ö trat ein längerer ©djlufi Der ©djule vom
22. ©ept. 1632 bi$ in Den $tai 1633 ein; unD faHm war
Dad Stymnajuim unter einem M. 3ol). JJuDovicuä voieDer er*
öffnet, alö Diefer Wann an Der %kjt jlarb, unD bie fortwar^
renben JCriegärjäubel einen fortgefefcten Uuterridjt rnbinberteu.
Die ©crjulftunben Nörten fomit abermals auf uuD fouuten erft
im 3- 1637 roieDer regelmäßig eröffnet roerDen.
$er 8. SKeftor war M. Waxtin Weiler, ®o$n befl mefyr*
facb erwärmten Primarius gleiten sJcamenc*. Woller (geb. ,$u
©protrau 13. Wai 1594), würbe am 23. Wai 1633 Meftor
unD verfaf) Dieö 2lmt, unterftityt von M. DaviD $<ecr;ner al$
9ceben'*Jteftot, biä jum 3al)re 1649. 93ei Der £ulDigung beö
Jturfürfren von ©ad)fen im 3. 1637 überreichte Woller jtvei
lateinifebe ©eDidjte, Durd) roelcbe Der Äurfürft ju mehreren
(AJunftbejeugungcn gegen Die ©ebule bewogen roarD.
>
M. Woller erlebte Die greube, ba# in golge ber Belagerung
von 1641 immer uoa) färglid) Daftebenoe dfymnajium wieber
aufblül)en *u fel)en, niebt lange. (£r l?ielt im X 1646 baö
feit 1618 unterbliebene ©regoriuöfeft ba* erftemal wieber ab
unb ftarb im 3- 1649.
©ein gleidjjeitiger ©tellvertrcter M. Davit* 3kd)ner (geb.
|U greiftabt 13. Wäq 1594, 1636: 2. Ketof) füljrte nun
Daö Ämt, als trefflidjer ©djulmanu in Der alten SBeiff, bei
roactyfenbem 3"l*™me von ©djolaren fort. Weben Den ttrfot*
gen feiner praftifdjen $elel)rfamfeit verbeffertc er aua) Die etwa*
gefuufene ©d)ulDiö}iptin. Sie ©tuubeu mupten pünftlia) an-
4
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462
t
fangen*); bafyer mürbe ba* abgefommeue grüf) häuten vom
JUoftertburme, nact)Dem bte (scrjulglocfe umgegoffen war, unb
$war eine l>albc £tunbe vor ber Schulzeit, wieber eiugerid)tet,
nnb Die (Schüler genötigt, balb nad) bem (Beklage ^um hie-
bet im Areu^anqc $u erfebeinen. SRach biefer gemeinsamen
$lnbad}t fuetyten bie £cholaren ihre klaffen. Öbgleid) M. Ved^
ner fd)oit feit rem 3a^re 1649 ^tafonwe an ber *ßeterdfird)e
geworben war, fährte er bod) baä SReftoramt neben ber geift*
ltd>en Veamtung mit (fifer fort, felbft noch 1662, feit eintritt
beä 'JMmartatö. $>ie Saft beö Älterd bewog ibu im 3al)re
1666 ba$ (Scfyulamt aufzugeben, tu beffen verftänbiger güh*
rung er fid) ben Tanten ciueä großen £d)u(mann3 erworben
hatte. M. Vedjner jtavb am 15. Februar 1669.
Vechner'ä Nachfolger im Neftorate, ber wegen großer ©e*
lehrfamfeit feiner $eit bochberühmte M. (thriftian guuefe (geb.
24. Sept. 1626 $u greiberg) war faum beu 19. November
1666 eingeführt worbeti, alö er ben bieder feit Vincenriuä
beibehaltenen tfehrplan wesentlich veränberte. (Sine ^Durchficht
bejfelben jeigt eine Vervielfältigung ber $ebrgegenftänbe unb
bie gänjfidje Verwerfung ber l>alb - fd)otaftifct>en ü()emata be$
Vineentiuä uub feiner Nachfolger. M. gunefe bringt auah^
tifcr?e Sogif (au 8teÜe ber Dialeftif), ein Sehrbuch ber $Ro*
ral*, Stechtet unb 9Jaturpbilofopf)ie, ®efcbichte, ©eometrie, praf*
tifer/eä Rechnen (waö bie ba(;iu gänjlid) gefehlt ju haDei1
fcheiut) alö neue Uuterrid)tegegenfiänbe. (£r vervielfältigte bie
Seftüre ber römifdjen uub griedjifcheu Tutoren in allen klaffen
unb richtete eine fechte unb fiebentc «ft'lajfe alä Vorbereitung
ein**). $ie ^Imputationen würben beibehalten, griechifd)c
Stilübuugen hinzugefügt. 30conatlid) ließ er mehrmals befla
miren. Vor bem (Eintritt ber gerien jebeS Vierteljahre^ warb
ein öffentlicher 9febeaftu# begangen. Wtt bem 3. 1666 be-
gann er bie 9(nbad>t0ftunbe (exercilium pielatis) mit ben
übrigen Scholaren ber unteren iUaffen, juuächft in bem
•) ffnnrfe, a. o. C. »1. 29.
'••) Kuf ben ®Hnfd> ber Shtraerfdjaft , toeldje für i&re äinbrr tov
\u$iwti\~t im beurfd) 8efen unb treibe«, fowi* im Hennen Unterridjt
haben wollte, »urbe im 3- 1608 9ltranber itegel bei biefer £crta ange*
fteUt; bie fiebente klaffe, roclctye beim ftnfange J2 arme Jfinber jaulte, er-
hielt iljren Unterricht in bemfelben 3immer. $iefe (finridjtung beraub
bt* jum 3a^rr 1740.
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i63
Jpörfaale t>ev |iecttfti# fpäter aber in ber 3d)ulftube ber
4. klaffe. Die tfoüegen hielten biefe Stunbc abwed)felnb. —
3m 3- 1670 melDete ber ?Keftor bem Wache, baß bie ¥anb?
geittlid>en best (%mnajtaften bae *l$rebigcu gematteten, u oburd)
Se$tcrc übermüthig unb ftoh würben. Der ^alt) erlieg fonad)
ein Defret, weld)eö biefcö Unwefen ben iu ftabtifd^er ©eric^td-
barfeit beftnblid)en Pfarrern unterfagte.
3u Sunde' e» fyit war e$ 93raud>, ba(j auf ben t>6t>ern
Stuten bura) Sdjülcr bramatifa)e (Stüde aufgeführt würben*).
iSx feierte am 27. 2lpril J667 ben (ifregcriuöaftW mit gro-
ßem ©lan^e; etf würbe öffentlich btöputirt, beflamirt unb baä
erfle bramatifdje 6türf von Schülern vorgetragen.
Die neue Sdjulorbnung vom 3- 1688 gab ber <Sd)ule
einen allgemeineren (Fljarafter, iubem man batf Selb ber 2Bif^
fenfdjaften erweiterte unb bie llnterrid)t$gegeuftänbe mel)r bem
prafrtfcr?eii £eben anfd)tniegte.
3n ben lefcten 3abren be$ Hefter Sunde nahm ber 8d>ul
befud) etwaö ab, eineötheilä wegen ber großen Jeueröbrunft
von 1691, weldje einen bebeutenben Ujeil ber bieftgen @in=
wohner au ben 9$ertelftab brad)te, fo bajj fte an ben Sdjo*
laren, nicht mehr wie früher, 3Bohlthatigfeit üben fonnten,
anberntrjeilä wegen be$ boäbaft aufgesprengten @Jerüd)te$:
baä görlifcer ©vmuafium fei unter Leitung frömmelnder unb
pietiftifcher Lehrer. Vnt 25. Sbtguft 1693 30g bei Vanbeö*
hauptmanu wegen letzterer Behauptung Wadn*icbten vom Wathe
ein, weld>er in einem Berichte, d. d. 23. 3anuar 1694, ben
Meftor volljtänbig von tiefen 2lnfd)ult>igungen ju befreien
wußte.
Die auffällige Vlbnabiue ber ©polaren bewog ben Watt)
im 3. 1692 einen Schultag abzuhalten. Da äußerte man,
bie Urfacheu wären theilö muerlidje, thei(:> äu|jerlict)e. (£ö
fdjeine gar fein gleit? mehr bei ben Schülern vorhanben, auch
fein ffieg, jte in (Sutern ober Böfem $u beffern, auöftubig
gemacht werben }H tonnen. Sie blieben wod)enlang auö ben
oberen fowoljl alö unteren klaffen weg, unb trieben jtcb, ohne et*
waä $a thun, in Bierhäufern unb anberen £)rten ber 2tu$fa)wei*
fung herum, ba weber bie (Altern, noer) bie fonfHgen ^auewirthe
ber Sdmler mit (Energie auf Orbnung r>ieken. Ueberbieö fei
♦) U<bcr fddje Stüde vgl. Qftrf. B«f». 1834. (5. 696. 1837 6. 166.
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464
Die $afyi texer, welaje im Jtlofrer unter Sfufficf^t bed Oteftor'S
ivor)nteuf feJ>r gering, mib Daher Durd) Dort gurge$ogeue Schola-
ren fein Einfluß auf Die Schlechteren außerhalb aueutüben.
Xa nach Dem $ranDe von 1691 Dad £äutege(D vom !)iathc
verweigert warD, fam Dad geiftlicbe Winifterium um fofortige
3at)(ung Deffelben wieDer ein, inDem Durch Deren Verweigerung
Die Sa^ullehrer beDeutenDen Abbruch an ihrem (iinfommen
hätten, Den fte nia>t $u erfeften wüjjten.
Hefter M. gunrfc verfajieb Den 19. 3uli 1693 in einem
Hlter von 69 3«t)ren.
$öie Die früheren fteftoreu sDccifter unD Sötyliu* fta> um
Die laujiftifche ©efcrjidjte verDient gemacht fyatten, gefdjaf) Die*
aua> von gunrfc'ö }(*ad)folger, M. Samuel ©rojfer. Gr mar
geboren Den 18. gebruar 1666 *u Wmvtfd) im gürftenttjume
£>el$ unD rourDe 1695 au* Dem jHefkuate jh ^Ulenburg naa>
©orlift berufen. Siegen feiner ©eleljrfamfeit fudjte man
ihn für mehrere Uuiverfitäten &u gewinnen; er lehnte aber alle
Anträge ab. 3m 3- 1712 ernannte il>n Die berliner ÄfaDemie
Der 3BijKufd)aften ju tyrem sJDiitglieDe. Seine Schriften finben
fta) bei Änautfye unD im gaufifter Sdmftftellcrlericon auäfütjr*
lid> verzeichnet. Dort finD überhaupt Die fdjriftfteUerifdjen (£r*
aeugniffe aller göt lifter iReftoren genau notirt. Gr fiarb am
24. 3»mi 1736 in einem JÄlrcr von 72 3- 4 3M. 2 unD
feine* Sdjulamted im 45. 3al)ve.
©roffer war ein höcbjr verftänDiger s$äDagog, welker
ftetd bemüht war, feineu 3öa,lma,flt Durch VerbinDung Detf 9tüft-
lidjen mit Dem Ängenefjmen Den Unterricht anijehenD unD fef-
felnD 511 machen. Ü)en 20. 3uli ging ber Oleftor mit Dem
aanjeit (£oetuc3 fcholajrkuö, Den Lehrern unD Deren gamilie
Sunt erftenmale jum t). Stbenbmatjle, unD ift Diefe (Einrichtung
bis auf Die neuefte 3^1 geblieben, mit Der SHobiftfatiou, Daf
feit Den leftten 3ahrjehnteu nicht mehr viermal jährlich, fonbern
nur zweimal junt £ifcr/e Deä $exxn gegangen wirD. S)ie
Schule wud)$ unter ihm von Beuern unD würbe reichlich mit
Stiftungen unb StivenDien begabt. S)er Otath Vfrbcfferte bie
SefolDungen Der ^er>ver. Daä 9leformation$fefx wurDe am
31. Oft. 1717, Da* aweiljuubertjährige (Srinnerungöfejt Der
auaäburgifdjen Äonfeffton am 25. 3«nt unb folgenDe Sage
1730 00m ©vmnaftum gefeiert. 3m 3. 1726 befam Da*
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465
©vmnafuim bie miiWty Sibliothef, über welche 9<%re*
im $tnr;ange.
Sfo ©roffer'S Stelle trat ein Slbfömmling *J3Ef>. Striata^
thon'*, M. griebvich (SfrifHaii ©aumrifier (neb. 17. 3uli 1709
ju ©rotjförncrn bei ©otha); er übernahm ben 5. 3um 1736
fein Amt, unb befleibete e$ tum 2öor)Ie ber £djule neun uub
»ierjia %atyt 3m 3. 1780 feierte er fein Sofrorjubüdum
unb ftarb ben 8. Cftober 1785.
M. Baumeiftcr hielt tmf CDt^tvitn f wußte fid> aber bic
Siebe ber ©cfyitler burd) freunblichen (Srnft unb innige Zfytii*
nähme an ihrem 5Bor)(e jtt feffeln, ohne l)äufig ^u Strafen
feine ^ufiudu nehmen ju muffen. (5r liebte befonberä bie 9Jcc*
thobe, uhmui6 ftdj bie Z cftüler gegenfeitig belehren unb ge-
wönnen lernen, Selbftfritif ui üben, alfo felbft|tänbiger baju*
fte^en. (£in wöchentlich jufamntentretenber Sehrerfoiwcnt über*
wachte bie 6chulbi$uplin. Ccffentliche ftebeübungcn würben
r)duftg, aud> an fyiftorifd} merfwürbigei; lagen begangen. So
am 3. £>fc. 1741 baä erfie GrinnerungSfeft an bie aHfger)o*
bene Belagerung ber Stabr von 1641, am 31. 3anuar 1746
ein 3)anffef1 wegen bed breäbner griebenä, am 30. £)ft. unb
2. November 1755 eine ©ebdctjtuißfeier an ben 9tdigion$frie*
ben \n Augsburg. 2>ef (tebenjährige itrieg, namentlich bad
3a^r 1757 wirftc fehr nachtheilig auf bic Schule, inbem bie
oberen Staffen am 29. Stuguft 1757 ju einem preufjifchcn Sa*
jaretr; hergegeben »erben mupten.
2lm 3^ Dezember 1757 würbe ein $ri*at*£anfaftu0 ge^
halten, ebenfo am 21. Ȋrj 1768 ein griebeitfaftuS. S)ad
jweihunbertjährige 3ubelfeft beä ©»mnaftumö würbe am 25.
uub 26. 3uni 1765 ^öd)ft feierlid) begangen unb eine große
Wenge Schriften*) oei biefer ®elegenl)eu ebirt. 5lud) bie
ßnauthefet/e ©efehicr/te ttftyten bamatö.
3u befonberen Einrichtungen be$ 'Jieftor ©aumeifter tfl
• eine, jwcimal wöchentlich Bonner jtagä unb SonuabenbS, abge*
haltene ©tngftunbe (Collegium musicum) feit 1743 unb bie
•) 3m ©eüfr be< Stabtratb, .Kühler Jfterfelbjl ifi ein ftarfer ©anb,
in toeldjem aKe Subelföriften bei <&tU$ent)tit biefer geier jufammejtges
bunben jinb.
äJefd)td>te van «eili* 30
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* 4GG
Segrünbung ber Hrmenbtbliotrjef*) 1751 \n bemerfen. Seine
äal)lreid)en Schriften ftnb im Dtto'fd)en €d)riftfteUer- £erifw
uerjeicfcnet.
SCn feine ©teile fam 3o^ Sriebr. 9?eumann (geb. 8. Sept.
1737 $u ,£>eiber$borf), ein 3ögliug *>cö Vorigen. 3m 3.
1767 war er erfter ©djulfollege, 1769 (Eonreftor unb 1785
9faftor. @r jkrb am 23. November 1802 nid)* miuber w
bient unb betrauert wie fein Vorgänger**). ©owobl unier
i l)iu alö feinem 9fa(fcf olger M. i>bn\t\ au V(iu)uft 8djwar*e
(geb. 23. Dft. 1755 *u @ro$enr)aiu), (iomcfior feit 1785,
war ba$ ©tjmnafwm fefjr befugt unb in Slufnabme. Jtaum
fieben 3afyre hatte er ber ©djule vorgeftanben, alä ihn am
12. gebruar 1809 ber $ob ereilte.
©eit ©djwarje'ä Xobe hat ba$ @fymnaftum mit bem
wed)felnbften ©efdjirf iut ber Oberleitung bed geaenwärtig
nod) rüjiig wirfenben J^erm föeftor ^rofepfor Dr. thttra ju
erfreuen gehabt. Unter ifym fanb 1817 Der erjte Abiturienten*
Dramen jtatt.
Die traurigen ^rieg^ja^re 1813 unb 1814 wirften fo
jlorehb auf beu Unterricht, baß berfelbe eine icit lang gan$
eingeteilt werben mHpte. ©pdter gewann ba$ (%mnamnn in
fteigenber *ßrogrefjion , bte ftd) 9)iitte ber breißiger 3al)re bie
©d^ülerjabl ber oberen klaffen \n ttcrminbcrn anfing. 3)er
®runb fjiertn liegt jeboef) allein in ber neueren 3*^$^^
wonad) ftd) weniger junge sJDMnner ben Unit>erfttätöfiubieu
wibmen alo früher unb erfrretft fut auf alle (Sfyntnaften. 3Htt
ber (Srrid)tung ber böfycren 93ürgerfdjule, im 3- 1837, trat
eine wefcntlidje Slenberung ein, inbem bie bid bafn'n beftanbene
fünfte blatte einging, Unterprima in ©efunba, ©efunba in
Xertia, üertia in Dnarta serwanbelt wurfce. Die ©cfniler*
jafyl würbe bebeutenb fdjwädjer, weil nur biejenigen Knaben
auf bem ©pmaftum blieben, weldje fid> ben ©tubien wibmen
wollten, wäfyrenb bie übrigen \u ber rjör/em 53urgerfc^ule über*
traten. ©eit einigen 3ar>ren if* Der (Soetu* fdjolafticuS
•
•) M. @ei§ler, furje *Wa<^nd)t »*n ber görltfctfd>eu «rmenbibliotnef,
1766. Dr. «Rödler, ^repramm lum @er«borf fd>en «ftu« 1837. Sie
fji unter U€ £efeteren Rettung bejonber« burd) beutfdje e^rtfrfieUer »er.-
ntetyrt n? orten.
••) JDenffarif* auf tyn »om »eftor <£r^»arje in ber 91. S. Wtonav
farift. 1802. II. H. 387 ff.
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467 ■
wieber im Steigen begriffen unb jefct drea 130 @d}ü(cr auf
tiefer eljrwürbigen ^flatuftäite ber 2öijfcnfdjaften.
ffiäfyrenb int erften 3af>rfyunbert ber ©cfcule bur^fänittlicfc
fieben Setjrer an ber »njtalt bcfcfräftigt waren, biefe 3«W ffd>
aber je nadj bem 8requenj*$erj)ältiufi in ben folgenben Seittn
btd auf 10 fieberte, ober tterminberte, ftnb gegenwärtig fedjS
orbentlidje Sefjrer mit bem Sieftor angeftelü, neben ilmen be«
forgt mit ber fyöfyern $ürgerfd)ute gemeinfam ber fiäbrt'fdj*
9ttujifbtreftor ben ©efang, ein fyitytitiAttytT ba$ 3**$""*
unb ein Sefyrer ber työfjern Xfltyerfdjule b<n <5<fyreibunterri<f)t.
9Rit ber Umgeftaltuug ber @d>ule im 3. 1837 Nörten bie
früheren Xitel eine* erften, aweiten, britten Jtollegen auf, unb
trat ber Xitel: JDbcrlefcrer ein, ben gegenwartig alle orbentli*
d>en Selker fuhren. Die Würbe eine* Gonreftor* blieb aud)
nad) ber Umgeftaltung, aber bie eine* Subreftor* erlofd) mit
bem Xobe be* legten Subreftor* Sttauermann im 3. 1838.
Der gegenwärtige Sieftor: &ar( ©ottlieb Otiten, würbe
geboren ben 21. Januar 1778 ju Wittenberg, wofelbft fein
&ater Sßrofejfor orbfnariu* an baftger Unwerfität war. (Sr
genofi ben $rh>arunterrid>t feine* gelehrten Söater* bi* )um
ilbganae auf bie Untoerfttät unb würbe im 3. 1799 Wagifter
ber freien fünfte unb Doftor ber *pi)üofop&ie, 1800 Magister
legeos in Wittenberg, aud) SBaccalaureu* ber Xfyeologie,
1802 Witglieb ber lateinifaen ©efellföaft ju 3<na, 18U3
(Jonreftor unb Se^rer ber 3Ratf>ematif §u ©örli$, 1804 WU-
alieb ber oberlauft &i!*en Oefeüföaft ber Wijfenfdjaften, 1809
sMtox. ©eine jal)lreicr)en Programme jtnb bi* sum 3a^re
1820 in 6d>u(je'S (Supplement jum oberlaiifi^ifct)en (Sdjrift*
fteller^ericon »erjeic^net. Der 17. Kpril unb 17. JDft. 1849,
fowie ber 30. Sanuar unb 11. gebruar 1850 waren für it)n
50jäl)rige 3ubeltage, welche er febod) nur im füllen gamiliett*
freife beging. *m 17. «pril 1799 beftanb er nämlty in
Dredben bie Prüfung al* tfanbtbat be* $rebigtamt$, am 17.
Cftober 1799 promomrte er *u Wittenberg, am 30. 3atiuar
1800 warb er Magister legens unb am 21. gebruar 1800
Slbjunfr ber plnlofopf>. gafultät. Die Unberfität £alle*Wit*
- tenberg überragte i^n am 17. Dft. 1849 bur* Uebetfenbung
be* <5!)renbiplomS , ba* $ro*in*ial>©c^follegium am 14. San.
1850 burd> Ueberfenbung eine* Seglücfwüaföunga<©djreiben$
30*
468
imb Se. 5Waj. ber Jtönig, weldjer il>n fdjon früher mit Um
*ßrofeffortitel beehrt hatte, in ncuejter ^eit burd) Verleihung
fe$ rotten 9(bleroibeuä 4. Jtlaffe. Wöge ber fyod)t>erei>nc
9Jtann nod) lange fegenöreid) wirfeu.
Vierte« «mittel.
Der Oefang in ©brlifc t>on ber älteften bttf auf bie
neuefte $tit. ©orlifcer ©efangbü* er*).
Der ©efang hat fowcl)l in älterer al$ neuerer 3eit eine
fo widrige 9toÜc gefpielt, bap eine 3ufammenftellung über baö
Öefangwefen nia)t überflüfftg erfechten bürfte.
Da über 9Solf6lieber unb *Bolf«gefänge ntytä »orhanben
ift, fanu als ber äfteftc ftefang nur ber tfirdjengefang ange*
nommen werben. Da nun bie fatholifd)e Äirc^e bei ber gülle
ü;rer (£eremomen ohne (Stefano, nid)t beftehen fonute, wirb aud) in
Wrlifc ber ©efang fo alt wie bie Einführung bc$ ($l)riften*
tyjtmö, bie Segnmbiuig ber älteften &trd>e, bie (Sntftefyung ber
fatholifd)en jßarocfyte fein. Der Jlirdjengefang war in ber
Dberlaufu) ftd)erlid> nia)t t>erfd)iebeu \>on bem tfirdjengefange,
wie ihn baä fatholifcfye ©efenntnig in ber ganjen Sßelt übte;.
eS fönntc bafjer einfach auf biefen »erwtefen werben. Dod)
'wollen wir, um unfern liefern einen beffern begriff ju geben,
über biefe ®efang Zeremoniell" ber fatlwlifdjen itircfye auf bad
©ebiet ber Kr$u$en Sllterthum^wiffe'nfd>aft übergehenb, hier
@inige$ beibringen.
(SS ftnb ju betrauten: bie Sänger, bie (Stefang^eit, ber
©efangäort, bie ©efangd*3ßeifen, bie ©efangbüdjer.
Die Sänger founten fein: tfyeitt Drbenä^erfoncn, tfyeilö
*Priefter, theild nid)tgeweil)te *ßerfoueu.
Der (Mefang ber £)rbene**jkrfonen betraf meiftcuo bie
canonifdjen ©tunbeu, weldje bei ben granjiäfanennöndjen an<
geführt fiub**).
") Äuautbe: @ffd}td}t*mdf;tge 9tad)rid)t von bentu ©ffängm, <5*e-
fangdjeüen unb Ctrtern, toic auä) von ben fiieber -Diestern bei ben 9to
mifdV'£aH>olifd)en alö ßvangelifd) 8utljerif<h«n. Mspta. I. Historico-
Ecclesiastica, f?ier arüftcntyeil* im 9tud$uqe »iebrrgcgfben.
•*) <S. obfn <S. 344.
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Die $riejter Rotten t>erfd)iebenemal &u ftnaen, namentlid)
bei Neffen (wenn fic befonberd fcterltd> fein fouten), bei $RtU
ten unb UJeepern.
Die ntcf>t geweiften tfirdjenfänger waren ber cangmei*
fter (cantor), r>on bem bie §dntler Unterweifung im ©efange
empfingen. 3n ©örlifc war t>erfetbc jugletd> ©d)ulmeifta •,
bid bie SctyulauftaU fc audgebefmt war, baj? ein (Sin^elner
ntdjt mefyr bie 9fmt6verrtd}tungen allein beforgen tonnte. Die--
fer gall trat (£nbe bed t4. 3afyrhunbert$ ein. 3m 3. 1390
ftiftete ^anfl #o II manu, Bürger $u ©örlifc, in ber <St. *ße-
ter6fira)c eine tag(id)e v3)?effe, burdj ben (Santor unb Drei Scfyü-
ler, ewig au fingen. 2lu$ biefer Stiftung geht fyeroor, baß
fa)on ein Kantor eingelegt war. Der (^efang in ber fatfyoli;
fdjen Äircbe hatte feto* befttmmte 3eit. ©efungenc Reffen
fanben gewöhnlich SWorgen* neun Ufjr ftatt. Die 3eit ber
canenifdjeu €tnnben ift eben erläutert, flufkrbem gab e6 noch
Stiftungen ber fogenannten fteben ©e^eiten vom Reiben 3efu
(Shrifri. 3n ©örlifc würbe eine berartige €tiftHng am 19. Hug.
1465 bura) Sodann $ereitf) von 3uterbogf, alten 6tabtfa)rei^
ber, errietet, unb von Dietrid), SBifchof ju 9Xeipeu, am 26.
SÄfaj 1466*) bejtatigt. (Sinec »Jtafnon** ©eftift* ber 3ung
frau «Maria wirb in ©örlifr nicht gebaut. Slnbere ©efdnge
waren: bie tenebrac. greitagev früh um 9 Mr>r ; bad Salve
iKbenb*. slWan läutete babei ein ©lörflein, weldjeä 6al»e*
©loefe genannt warb. Die 3eit führte ben tarnen: Salve*
3eit, ober: „um Salre." Die SBigüien würben fowofjl ben £ag
*) SBeibe ©riefe im oberl. Urfunbenverjeid)ni§. 9taf}ere SBefhm-'
mungen utib Slermefyrungrn be* ßJefhfttf f. Actor. (1432, üb. p. 77.
p. 78. p. 79. p. 80. p. 79 b. lib. Hesig. II. 136 b. (£er (Srlöö eine«
£aufe* in beT Äreb*gaffe); ben 24. 3nni 1468: «ine 9$>iofe auf ben @u-
tern ju &una, t$tma\€ ber Ägne« Sungeffagerinne gehörig: Actor.
(4 \3&). lib. p. 86. 86b. p. 89. p. 91b. p. 93. p. 95. p. 96. p. 96b.
p. 98. p. 99. p. 100b.; 3in*fauf beö görlt^cr 9tatt)ea vom 8. SJiat 1476,
(Urfunbenverj.); Actor. (1432) lib. p. 10t. p. 107b. p. 108b. p. U3b.
p. 114b. p. 118b. p. 130. p. 130b. p. 131b. p. 134b. ; «Ibrefy V.
€djreiber*borf 3in6fauf »om 20. 3uni t495, Original-Urrnnbe im Sbeflfc
be* §raltfratfy Stbhitt in t&. Unter bem Warnen be* „neuen <*Jeftift<$"
tm'rb baffelbe erfeaqnt im ttrfuubenverjeidjnif am 6. *Ro»ember 1498. (5*
finb an ben citirten 8teUen nicht blo* (Sdjcnrtinaen , fonbern namentlich
3 in 6 ö £rfäu fe erwähnt. (Sie getf&ren aber auefe hierher, »eil folcfie eine
Heberet über ben 3Jermögen*§ufianb biefer retdjen Stiftung geben.
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470
vor ben geften, ai& aua> für bic Xobten*) gefungen. Da£
Rorate coeli de super etc. war in ber 8bvent6$eit frühmor-
gens gebräudjlidv Die ftnftern Wetten fangen bie ^Jriefter
. bei XageSaubrud).
©efang*£)erter waren meiftcnö bic itird)en unb itapeUen,
ober bei *ßrojefjtonen bie <5traßen. 3n ©örlifc fangen bie
©dntler vor ben Xfjureit ^mnen von ber $tit (hymnos de
tempore), nm SÄlmofen $u fammeln**).
5}ei ben Steffen ftanben bie Finger vor bem Altäre.
Die <Priefter, welaje bie £oren fangen, befanben fia) an bem
*ßlafc &wif(t)en $lltar unb tfirdjenfdjiff, bad (£r>er aenannt, tn
Stützen, bafjer Gt)orgeftür;l (in stallis). Die Won$e hatten
ä Imitate *piä$e, welche nod) fjeute in ber Dreifalrigfeitaftrcfce
$u fet)en ftnb. Die nirfu geweiften <Sänger ftanben bama(6,
roie je$t, auf bem ©inge*(£f)or, einer (Smporfircr)e. Dort wa*
ren bie cantores, praecentores, succentores unb bie <5cr)üler,
(£r)orfd)üler (choral^s). flutt) bie 8rüberfa)aften begingen
bort ir)re VluMdn; bie ÖJefangbüdjer lagen vor tbnen auf bc
reitftefyenben pulten (pulpitum!. Wan nannte ba$: „$ci bem
2kd>e ftefjen."
Die ©efangSweifen waren in ben bifd)bflia) meißmfa>en
Wiffalcn (Weßbüdjern) aufgefdjrieben unb burd) $oten ffariri.
gür jeben geiertag waren bie betreffcnben ©efänge anbeut
net unb mußte überaß vorfdjriftGmäßig vorgetragen werben.
Der (Santor leitete bie ©efänge.
Daß aud) befonberä fünftlidjer ©efang beliebt würbe,
ftefjr* man au$ bem Swtftt bed *Pfarrerd mit bem fJcatfje***).
©efangbüd)er aud bcr fatfyolifdjen 3t\t ftnb in ©örlifl
nia)t mefyr vorr»anben, vielmehr alle beim Skanbe ber ^eterS-
fira)e von 1691 $u ©runbe geaangen.
Die fJteformationöperiobe braute eine große SBeränberung
in ©egug auf bte Wenge ber ®efänae, aber feineäwegä, wie
man glauben follte, aud) fofortiae «Äecnbigung be* ©efangrt
in lateinifajer £praa)e. Wtt ^bfajaffung ber fatr>oltfc^en de*
remonieu in ©örltfc burrfj Pfarrer «Rotbort im 3. 1525, mußte
autt) ein groß übeil ©efang weisen. Da« Salve regina
••) g. 286. 297.
*•) Jpoffe, Xtactat uon ben $ricftfritnfen.
•"•) 6. 243. u. 244.
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hörte in Görltfc 1525, Der $afjton*gcfang be$ SBereü^ fcfcen
«cfttftö in ber 6t. ®eorgenfapelfe 1526 auf, ber (ateimfc^e
©«fang im iafyxc 1691 nad) bem SBranbe, wegen beä ($t)or-
büdjer-SBerlufteS. 53eim ttbcnbmaM würben bie (Sinfejungö-
worte gleid)faüö lange nad) ber ^Reformation lateintfd) gefun*
gen unb bem Pfarrer Rotbart 1525 ber 9krfud), beutfer) jn ,
fingen, unterfagt. £er faiferlidje SBefehl im 3. 1528, in ben
Jtircfcengebräucben ^Ucd wie früher $u (äffen # r>erfd)ärfte bie6
©ebot be$ föathed nodj. 9m 1. <Rkih»aa)t$feiertage 1542
erlaubte ber JHatf), bie (*iufe$ungdworte beutfd) $n fingen, je*
bod) nur unter ber 93ebingung, ba£ ber £)rganift wäljrenb beä
Gefange* fpielen muffe. 3o^aiut Hrnolb, ber augleid) Saft**
fyerr war, würbe, weil er am 3?eujat)rdtage 1543 bie (Sin*
fefcungäworte ohne £>rgelbegleüung beutfd} gefungen ^atte, beä-
halb au$ bem föatfje geftefjeu. 9<ad) M. $afjr6 lobe ging
jebod) baä Crgelfpiel bei biefer Gelegenheit ein.
(£in ^anplgruub, neben ben ftrengcu föniglidjen Geboten,
nidjte in ben Gefanabüdjeru ju dnbem, war ber SRanad an
bentfdjen Siebern. Xie lieber ^urr>er'd waren nid)t jahlreid)
genug unb aud) nur im ^rivatgebraucfye; unb fpäler trug baä
Gefdjrei wegen beä . ÄniptocalvintemuS siel ^itr 93ewaf)rung
M lateimfdjen Oefanged bei. £>ie 6tabt wäre be$ Jtrtypto*
uii in in 6 in iic für überführt gehalten werben, wenn man beutfehe
(Defänge eingeführt bätte. $)a$ Verbot, nidjtö an ben Jtit*
d>engebiäudfen \\\ änbern, wnrbe beim (Eintritte bco furfäd)ftfd)en
^Regiments wieberholt.
9tad) bem 93ranbc ber $cieidfifd)c würben, wie fd)on
angegeben, beutfdje Gefänge eingeführt. DieS gefdjaf) baä
erficmal bei (Einweihung ber reftaurirten JtiraV, im 3- 1696.
^Reiften* waren bie bentfdjeu lieber al$ Anhang »on Gebet*
büdjern uorhanben. M. Saud) führte nad) bem SReligionSfrte*
ben &u 2lugdburg (1555) aUmälig mehr beütfaje Gelange ein,
ttnb brauste namentlid) bei ben von ihm eröffneten biblifdjen
Seftionen beutfdje Sieber. SBom Ha\)xt 1566 an würben in
ben Xürfenprebigten t>on 3^tt ju &\t beutfdje Sieber gefungen.
Seit 1573 famen in Görlifc aud) Äird)enmuftfen mit 3ttftru-
mentalbegleituug auf; würben jebod) im Anfange nur fpärlid)
angewendet. 3nt 17. 3ahrhun^^ würben bie gebrutften Ge-
fangbüdjer bräua)lid)er, auch aab e$ oiel fliegenbe Sieber, auf
einzelnen Sogen. 3n ©drlift jetchnete ftd) ber Primarius
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I
472
M. Wtaxtin Dotter a($ gctftltd>er Dieter au«. 2>ie crflcn
beutfd)en auf s4]e|t- unb iürfengefafyr bezüglichen (8) £ieber
brudfte in ©örlifc gritfcfje unb RffUtttaW.
3nt 3 1611 erfaßten aus töbambaw'ä treffe bad erfie
®efangbud) ber JDberlauitfc unter l)cm Xitel: „Harmonia Ec-
rlesiae et Scholao Goiiicensis, b. i. t£ut|d}e unb (ateintfcfye
©efänge, bie nad) ber Liturgie in Jtircfye unb Säule gefunden
werben" , e$ pnb vierftimmige OTcfotieit mit -Koten Dabei. 4>ic
neue Sfufhge vom 3afjre 16J3. 8., würbe ©runDlage Detf
grojkn 23reöfauer ©efangbucrjeS. DaS s$ud) unter Dem Xitel :
,,®efangbud), Darinnen 700 geiftlidje 2ieDer, Jahnen , Hymni
unb ©efeinge, welche burdj'ä ganje %al)x über in ber dmftlt-
djen Jtirdje genügen werben, cum notis rausicis.ki 1624. 8.,
ift alä ©ruublage ber [päteren görlifcer ©efangbüd)er an; im
fyen unb von (Efyriftopl) 33uc$wälDer, SoÜegen Der blutsauer
Sdjnle, ^ufammeugefteUt. SBudjwälDfr orDnete Die Vierer in:
1) lieber beä $ated)ic$mi; 2) ^falmen unD ©efänge für aller-
lei ftotty ber (Sl)riftenr)eit; 3) borgen * nuD &benbgefäitge :
4) Xifd}*©efänge unD 5) SBegräbnifjlieDer, Älage unD Xroft^
gefänge, vom Xobe unb Sterben, #uferfter/ung, jüngftem @t-
ridjt unb ewigem Seben.
(5in anDcre* SieDerbuct) Drucfte Der görlifeer Drurfer im
3. 1663: „Martini Jani: ^farrerö ju dcferäDorff bei Sagau,
Passionale melicum, D. i. ^ueerlefene S3etrad)tungen bed aller-
fe6mer$lid)ften £eiDen$ unb XoDeä 3- ß- cum notis musfcis.
©örlie 1663. 12."
Sin 3afyr barauf eiferten: „$)aS ©örlijifct/e (Defangbudj,"
gebrueft von 3acob 3ipvern. 1664. 8.
(Mf 3af>r* (pater gab M. gettcr, *Prtmariu0, mit einer
Söorrebe, ein SBud), betitelt: „1>ie 93etr)*, gevDenä* unb Ster^
ben3*tfunft," 12. fyerauä. 2>er 9cacr)trag bietet: „ein fd)öne$
©efangbücf/lein aud Den Schriften Dr. 9». £utr)eri, anberer
gotte$fürcr)tiger Geologen unb frommer Banner ftu (Srwedfung
frommer d)riftltct>ev &nbad)t, mit gleiß in Diefeä gormat ge*
bradjt unD Der ©et^-, 2er>Den6* unD Sterbeuäfunft angehängt.
©örlt$ mit 3Wcr'ö Schriften 1675."
*tt M. sJWcldjior Sdiäfer feine ßatecr)i$mu^($ramina be*
gann, führte er in Der 3>mfaltigfeit*ftrcr;e $aul ©erwarb»«
©efangbud)- ein, unb machte Da$u einen $far;ang von 6 33ogen.
3n biefer 3eit ber grömmelei erfdjien e$ bem «Hatr>e fet>r
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* - ■ —
bringeub n ctb\<\ , einen feflen Anhalt für bie ©emeinbe in einem
guten ©efangbuebe \u haben unb betraute baher mit tiefer Ar -
' beit einen rant öligen $rebigtamt4*,£anbibaren, 3camen6 äWarl
Ghr. Garthe (geft. ald Pfarrer ju Jtamen), ben 28, 9iot)br.
173H.) 9cacbrem bad ^ttanuffrivt ber leidiger tt)eelegifchen
AafuUat jur Prüfung übergeben werben war, erfdjien bied
neue (Sefangbud) 1729. 8. im Berlage beä gör(t(er ffiaiftn*
häufe*, unter bem Xitel: „ba* vermehrte görltfyer ©efangbud),
wie felche* }u görberuug oeä .$evl$ bei bem öffentlichen @Jot-
te6btenfte unb befenberer ^audanba^t gebraucht werben fann."
Der 9$anb umfaßte 15 Xitel.
Die zweite Auflage warb von (Uottfrieb ©cbfer, üßajfor
;ii ^eiMig, (gejt. gu ©örlifc ale* OrbiuariuS, 27. 9tov. 1764),
beforgt. ($r braute mehrere neue lieber hinein, ließ einige
veraltete au$, unb gab ben Abtbeilungen bejeicr)nenbere lieber
febriften. Die britte Auflage fam im 3. J 753 herauf.
Die vierte Auflage erfdjicn 1740; bie fünfte (1748) Ijattc
frhon einen vom Ard)ibiafonu$ *Rütr>el verfaßten Anhang, wel-
d>er hnubert erlefene lieber brachte. 1753 erfolgte bie fechfte
Auflage u. f. f.
Au$ bem achtzehnten 3a^hnnberte ftnb noch anbere in
©örlifc gebrudtc $ieberbücr)er ;u merfen:
„M. ©ottfrieb ©evfer'fl fleine« ^ambaebifebed ©efangbuch
nach Einrichtung be* görlifcer ©efangbud)*. ©örlifc." 1742.
18 $og. 8.
„3weihunbert auderlefene, tf)«l* alte, theil* neue lieber
ftunt .fmuö- unb ^rivatgebraud) mit einigen furjen (Srläute;
rungen verfemen." ©orli*. 12. 1744. 2. Aufl. 1745. 3.
Auflage. 1747.
„Äleine Sammlung auöerlefener neuer lieber, barinnen
vornehmlich von ber alle Sünbe unb Unfeligfeit Überwiegenben
©nabe unb 2öabrr)ett in bem blutigen bebend * unb Seioen^
©er)orfam 3*fn <Sf?rifti nacbbrüctlid) gezeigt wirb, r>eitdbecjtert=
gen «Seelen, fonberlid) unter ben Armen iura ^rivatgebraud)
mitgetheilet." Seivjig u. ©örli* bei 6. 9tid)tern, lang 12.
1745, mit einer ©orrebe M. 3oh- @ottl. Jttamfcbe'e. 11 Sog.
„Söeibe für Cammer unb Schafe, ober Sammlung geifi;
reicher Sieber unb $erfe. ©örlifc 1752." 12.
3n ben legten jwanjiger ia^ren be$ neunzehnten 3ahr*
hunbert* würbe eine -neue Umarbeitung be$ görlifcer @efang=
*
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bud}$ befa)loffen, unb bind) ben ftrdnbiafonuft Johann ©ort*
bclf 9ieumann in SCn^rtff genommen. Tett fiarb berfelbe liber
Der Arbeit nur foldje übernahm in unterem rinne a(6 ber
Vorige ber Dr. theol., fpätere (Superintenbent unb $rtmariu«
SHöfuer. £>a$ ©efangbua) erfdjien im 3. 1836, unter bem
Ittel: „©efangbud) min firct>ltd>cn ®cbraucr)e iunädjft für bie
(Start ©öi hu._ 9?ebft einer Sammlung einiger lebete für bie
öffentliche unb r)äu6licr>e 5Mnbacr)t. SMift 1836. 3m *Ber*
latjc be* 2öaifenr)aufe*. ©ebrurft bei ©. ^einje u. ($omp."
ÜDte Pieper ftnb unter 26 !Rubrifen gebraut unb baä ©anje
437 8. jtarf. Seiber ift ein großer Stjeit ber alten lieber
im SBudje fer)r mobernffirt, au$ »tele Jtraftlieber barin au*ge
laffen.
Um bie oeiftlidje TOuftf bat ftd> in neuerer 3eit in @or*
lifc befonbere Ukrbienjte erworben: 3or)amt «uguft S3lüt>er*)r
geftorben ben 25. 9»ai 1839 ale fönigl. aÄuftfbirefter unb
Äantor an ber €t. <Peterdfirtr)e. (Sr würbe geborett am
25. Oft. 1785 ;n tteubietenborf bei ©ottja. $lüt>er ftubirte
feit 1806 auf ber Untoerfüdt ©Ittenberg Ideologie, wanbte
ftd) aber fpäter gan^ ber Wuftf $u unb lebte unter Gl). $r>.
SÖeinlig'ö Anleitung feit 1809 ju Dreäben aüein feiner Äunfr.
1813 ging er naa? $iedft> unb würbe 1814 al* Kantor na*
ftörlt* berufen, wo fc^ou feit 1812 ber berühmte JOrganift
6<bneiber wirfte. ©eibe Banner,, ooll autf<jejcia)neten £a-
lenteS unb warmer Siebe für ir)re Äunjt bejeelt, nia)t eifer*
füdjrig auf einanber, vielmehr innig befreunbet, bilbeten einen
©efangserein, welcher tüchtige 6änger unb Sängerinnen fa)uf.
(SS würbe unter SSlüfjer'a Leitung ®rof?artige$ geleiftet in «uf-
für)rung von firajlidjen iDtufifen unb Oratorien. 2ßir r)eben .
noeb baö im 3abre 1835 in ber 5$eter$fira)e begangene gro&e
lauter SJcujtffeft bervor**). 331ür>cr f)at ftd) burd> £eraH$*
gäbe feine« <£t>oralbud>e$ (1825) große Skrbienfte um ben
&ird)engefang erworben. (S* untersten t^n hierbei bie <*>e
fangbüajer, welche fty in ber ©ibliotftef ber 6t. $eter«fird)e
befanben. Leiber ftnb biefe ©efangbüdfyer au$ llnfenntnifj ber
wahren (Sigentrjümertn nad) Slür)er$ $obe nad) Statten ser=
fauft worben.
•) W. e. 2»<iaaiin 1839. ©. 88.
••)'».«. aWflgajm 1835. <S. 116 ifl ein att<fiU)rli<ber »ehdjt barAber.
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Sfudj ber Nachfolger ^lüber'*, 3RuftfDireftor Quingenberg,
hat fett feiner üttfanft in ®6rli$ einige Oratorien aufführen
(äffen unb in, wie Einher, al* geiftreietjer tfomponijl befannt.
Da* feit alten $titm befianbene od^ülerchor löfte fid)
D|tern 1837 auf, unb trat am 1. 3uli 1837 ein neue* 6inge;
a)or unter bem tarnen: „bereinigtet ©pmnaftal * Singed)or''
in'* geben, welche* bura) ftrirte (Debet Iter für bie !&Ritglieber
(einen $*dfeft unb beffen äbjunft, 4 (Soncertiften unb 11 $tu
pienifren) gefiebert würbe unb ein befonbere* Regulativ gebrueft
erhielt. Xa* &mt eine* SBorfänger* Oßräcentor*) in ber
Äir*c mürbe feit rem I. 3u(i 1837 einem anbern Üttannc
übertragen. 9ud) bie öffentlichen tfeichenbegleitungen, bie #od)*
|rit« unb Seichenjmgen burften feit biefem &age nur in ben
6tunben außerhalb be* (Schulunterricht* flatthaben. Sflle biefe
^-Berdnbemn^en gingen üom Sürgermeifter Tun um au*.
3öa* ben weltlichen ©efang in ©örlifc anbetrifft, finb
barüber nur wenige gfnbeutungen vorhanben. 3n ber $e\t
ber $3ierfef)be mit Zittau waren einige ($pottlieber gang unb
gäbe, beren 3Re(obteti jebod) nicht auf und gefommen ftnb.
$ajfe fprtcht in feinen *Rath*annalen mehrfad) r>on Spottoer
fen unb böfmifchen ©efängen, welche in ber «Reformation*-
periobe über ben *Rath im Umlaufe waren.
2>ie* wieberholte ftd> vor bem $önfall, wie bie «ntwort
auf äöntg gerbinanb'* 2lnfiagefcr)rift ergibt. Damal* mufcte
ber «Rath ba* Verbot foldjer Schanblieber öffentlich au*rufen
laffen*). Sonft ftnbet fta> über folcr?en ©efang nicht* öefon*
bere* aufgeführt.
($* beftehen gegenwartig mehrere s4$rioatgefang&emne,
unter Lehrern, jungen £anbwerrern unb Äaufleuten in ber Stabt.
$a* Amt eine* ©tabtmuftf u* , welche* au* fehr alter
3ett flammt, begeht noch- (fr begeht eine beftimmte Summe
für bie tfirdjenmuftfen, bie im Sommerhalbjahr täglich t>om
<Rath*thurme ftattftnbenbe OTuftf unb feine SRitwtrfung bei
fefllichen Gelegenheiten. $er Warne in alter 3eit war: bei
^tabt * Pfeifer.
•) «Beitrage ic. <S. 103.
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/
fünfte« MapittL
(5*efd}id)te Der $ud)brurferei in ©örltfc*).
(Ecr)on fett Dem 3f. 1530 fdjeint J>tcr ein ©udjbrutfer ge-
wefeif fem, ber fleine €:a)riften, glugblätter, fcieberbogert,
f leine 6a)ulbüa>er ic brutfte, tüte $aa)rid)ten in Den (Btabt
budjern filieren laffen. Seit 1534 beftanb eine ^apittntufjlc.
(Sie lag an ber 9?eijfe, bei ber jefcigen Obermüblc unb wirb
nod) 1556 ermähnt. $)a* *ß<ip*crjet(^en tfl ein Sdjtlb, in
meinem jicfy ein G (Goerlitz) beftnbet. (** fdjeinen bemnatf)
2Drucffac^ett mit jenem Reuten ^örit^er Drude ;u fein. 1513
wirb im Ü)cemortalbua)e ein 93tia)brutfer erwähnt, aber rhitf
Angabe feine* Tanten*. (§r war ^ugfetcb 93ud)l)änbler unt>
trug rar auf an, ber ÜRatf) möge Anbeten rat? ^anbetn mit
Drutffdmften, aufgenommen auf äirmfen »erbieten.
9kd) (Sinriajtung be* dtymnaftum* würbe eine gröpere •
$ud)brttderei notfjwenbig. Der Damalige ©tabt^rnrnfu*
Dr. griebricr) grttfd) batte einen trüber «mbroftutf (geb.
1523 $u Ofdjafc, ge|t. 5. $ec. 1593) weiter in Wittenberg
bei- £an* Suft bie Suajoruderei erlernt, in ^Safel^ weiter ge-
arbeitet unb jule&t bei Sobann töfyambaw in Seidig befa)a>
tigt gewefen war. flmbroftu* würbe nun nad> GJörli* geru
fett, wo er 1565 ba* Surgerredjt erhielt, unb eine Borjuglidje
•Drurferei einrichtete , für bie man tfjm bie alte Sajide ein* .
räumte, weldje bamalö leer ftanb. Seine Oettern bejoger
au* Seidig, benn fein sJiad)folger unb Sdjwager Sodann
9tyambaw errid>tetc erft nad) tym eine Sdjrtftgieperei ; ba*
Papier natjm er tbeil* au* ®örlifr, tfjeil* au* 3ittau, wo
bamal* 3ona* ^loam sJkpiermüller war, tr)eil* au* grteblanb,
wo ber greifen: w ÜRäbcr, auf gritfa)e'* «Borfajlag, eine «JJa*
piermül^e eingeriditet fyatte.
6ein erftee Drutfwerf war ein lutbetifd)cr Äatea)i*mu*
tu 8. 1565, fobattn 1566 bie Disciplina et doctrina Petri
Vincenlii, be* erften föeftor* am Gtomnajutm, weldjer uer*
fa)iebene Schulbücher folgten.
*) Knauthe, Annal. typograph. Lusat. sup. c. II. 3ufcclfdjrift
ton 1740. Äötjltr, ©efd>. ber SBudfbnitferet in ©örli*. 1840 (3ubelfd>r.)
e. n ff.
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3m 3- 1573 mußte er bie alte Schule (baä frühere Diente
je$t 3eugt)auä an ber v45eteröfirc^c) verlaffen unb jog tu
fein eigeneä «£>aud auf ber Särfergaffe nabe beim $runneu,
alfo in bie (Uegenb beö jefcigen *Sd)ulgebäube* am Sifd^marft.
ittmbroftHÖ ivitid) biente jebod) ntd)t blöd ber Sdjule alö
beren SRitglieb er förmlid) angefeben würbe, wie bie 2Borte
bed Gefror sDh>liu3 iit feinen Slnnalen T.moritur hujus scholae
non postremura et ornamcntuni et incrementuin," nacfr/
gritfdje'd lobe beweifen, fonbern namendtcb audj ber Jtirdje,
burd} Vertretung ber ^atfquiUe womit bie xHuhaiu-jer ber ver*
fdnebenen djriftlidjen S3ef enntnijfe , (Salviniften, Jtatfyolifen unb
Sutfyeraner Damals ftd) auf bie fdt)mär;lia>tte 5Beife angriffen.
Die Säfterungen unb anftöpigcu Oteoenäarten , welaV
beu Unn>iUen aller Verjtäubigen erregten, ha treu aber fdjon
Damals eine vom Sanbvoigtc ausgeübte Ueberwadjung voran
lagt, bie Jfcaifer gerbtnanb I. unterm 9. $)ecbr. 1560, bem
föatfye übertrug, um ben Verlauf unb baö Verbreiten von fcfydnb*
linken Silbern unb aufrüfyrerifdjen Sraftatelu )u verfnnbern
unb fireng gu beftrafen. ftmbroftuä Srtrfcfy, obwohl verwarnt,
unterließ aber ntcfu vielerlei $lnftÖ£iged *u bruefen, worauf
if)n ber ?Kath 1567 in'd (^efängnif; fterfte, auö bem er erffc
bHrd) be$ Demanten Seifentritt ui Jaunen Vermittelung ont
laffen würbe. 3)od) begann er fein llnwefen von Beuern, wad
bem :Kar!n' viel (Sdjrefberei unb ^lergernip machte, ba 00 audj
HU be$ Jtaiferä Dl)reu fam, baß baä X)rutfcn nod) in alter
Seife fortginge, weSbalb Seifentritt mefyrmalo ^iaajfrage l)iclt.
$)er Oiatl) r)atte mit bem Auftrage, bie Genfur au üben,
große €a>ierigfeiten übernommen. Der ^erfwürbigfeh wegen
teilen wir l)ier ein (£enfurgefud> wegeu eines Carmen M
Pfarrer« 3aeobu$ eeverinud ju Griebel vom 3. 1583 mit:
„}cad)bem id> von bem Urbaren uub vorfidjtigeu $(mbro'
fiuö, Vudjbruefern alliier, bem id) ein Carmen de Ins tau rn-
tione sacrosaneti Evangelii \u bruefen überantwortet, verftän*
biget, bap er nicfjt olme SBiüen unb 3ulaffHitg (5. £erreu
(Sürgermeifterö) bruefen bürfte, bitte itt) gan* untertt)änigft,
fie wollen bied (Saroten günfttglier; überlefen uub jum 3)rurf
beförbern. $>a|j icr; ber (Salviniften barin gebenfe, glaube id>,
eä werbe ben Gkleljrten meljr frommlid) unb et)rlia> als fcf;äb*
lid) fein, Sintemal id> von £erru SMafw verftanben, als wäh-
ren iljrer jween von ber £d>ulen unb jween von ber $rie*
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i78
fterfchaft atlbtcv unter bie (Ealvmiften gebogen, bamit ftch g(etd>,
ivo tue* Carmen, tac $um Xbeii wir er bie ($alviniften laurrt,
allhie gebrneft, werbe von ber gefaßten Su«pition erlebiget u.f.tp."
Äuf ba« SWanuffrtyt fchrieb ber (Seufor: „3ch für meine *ßer*
fon wei« feine Urfacb, warumb e« nic^t foüte jjebrueft werben."
3n anbern JÄrtifelu machte ftch Ämbrojtu« gritfeh vor*
tbeilban berühmt. 6r begann im 3. 1567 ben Äalea*
ber reo M. Sartfwlomäu« Seultet*t«, welcher großen öei*
fall fanb unb [ehr gefacht war. Der Drucf warb vollendet
am 29. November 1567. Der $itel ift: Sümanach uiü>
Schretbfalenber be« 3ahre« nach ber geburt 6t)rifti M. D. LXVIH.
bura> M. Sartholomäum Seultetum, ber sÄathemarifchen fünfte
befonberer liebhabet 3u ©örlifr brueft« JMmbroftu« grirfa>.
Diefer Äalenber würbe mehrmaf« fortgebt uub machte
flmbroftu« grttfrf) \u einem bemittelten Sftanne.
De« gormfa)netber« ©eorg Scharfenberg bebiente jic$
gritfeh für föanb- unb Xertver$ierungen, «nfang«buchftaben k.
3ener verfertigte auch ben großen ~£oljfa)nitt „bie Stabt ©ör*
Ufr im 3. 1566." 3um tfalcnber fO)nitt bie giguren 3ofeph
s3Jcc$fer, m$ wirb ein gormfa)neiber au« granffurt, Ramend
s^eter geller erwähnt ©er bie Stöcfe ui ben gritfcb'ftyn
Sanbfartcn fchnitt,-ift ungewiß. 3m 3. 1569 fam eine tfarte
vom Sanbe beißen, ber «ngabe nach auf 33eftellung be« £ur-
fürft Huguft von Sachfen, heran« \ 1593 von ber £>berlauft$.
gritf* bruefte fet>r viele S3üa>cr. Die Angabe in Dtfo'«
Scbriftfieüer^erifon enthalt bei Settern noch niebt aUe Drucf*
fachen von 9(mbrofm« griifcb.
3m 3- 1595 verfauften bie (£rben von griffet) bie Drucferei
nebft bem 53ua)hanbel um 915 Bulben an #an« 9*h<"nbaw
au« Seidig.
SRbambaw ober *Kambau führte ba« ©efchäft im ©eifte
feine« Vorgänger« fort; errichtete eine Schriftgießerei unbver-
anlaßte bie Anlage ber ^apiermüble in 3Äov« (im % 1609).
sJJcit feinem Sobe im % 1634 fam ba« ©efchäft in'« Stocfen,
ber gaftor Hermann wirtschaftete fo Iteberlfch, baß 1642 bie
Stabt bie Verwaltung übernahm. Seit ber 3«* führen bie
Bücher bie Sorte: Typis Senatoriis. Äu £ermanu'« Stelle
fam (^hriftoph 3W>« SBtojtocf, welcher im % 1663 bie
Drucferei fäujlicb an ftd> brachte, aber fa)on 1677 ftarb. (Sr
brachte neuen »uffchwung in bie JDffijfo. üx hatte brei Söhne,
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von bcnen 3afob Kipper bie Trurfcrci 1736 an Siegmunb
(Sbrenfrieb Butter oerfaufte, welker fut> im % 1735 mit
griebrich gief elfterer vereinigte, ber fie 1750 a(6 C> i^enthu
mec übernahm. 3Jon ihm ging jte auf feinen vSchwiegerfofm
unb (Kompagnon % ffl. Unger über, welcher 1809 üarb. 2$or
feinem lobe faufte fie $Bitye(m giebler, fpäter Wottbolr <£ei me,
jefcige girma : ©ottbolb ^dnje u. (Somp., welche im 3, 1821
bie evftc §teinbwcferei bienelbft errichteten unb im 3. 1841
mit tiefem ©efdjäft ben siMutbanrel, ber al* alte« sKecH auf
ihm ruht, oerbanben.
Da$ ©efchäft, welches £)ber*2angengane 9co. 185. ein
gerietet ut, bat in neuefter 3**1 f» an Umfang gewonnen,
baß 1849 eine 2. 6cf>neUvreffe aufgeteilt werben mußte.
(Sine jweite Drucferei errichtete 3 @). Bnrgharbt im 3.
1789, welche 1808 au JCarl ©ottlteb ccbivaib überging unb
1818 an 3o^ann Drewer verlauft rourbe. (rie begeht Ober*
marft %o. 134.
(Sine briete richtete griebrüh Söilhelmd im 3. 1840, Borf*
gaffe $o. 526., ein.
(Sine vierte <£. g. Nämifcb, gifchmarfl »o. 61 b.
(Sine fünfte enblich Julius Nobler im 3- 1850, mit einer
ScbneUpreffe, >Heter6gaffe 9co. 320. . .
®e cfjftc^ «apttrl.
Die Schweben in ber 2auft&. Jtarl XII. in ©örltfc.
ffiä^renb ber ÄegierangSjeit Jturfürft griebrieb Huguft'd
(auch ber Starre genannt), weiter rro$ alleö 2öiberftreben$
Oer oberlaufteer Stänbe, ba$ 3nftttut ber ttcrijc einführte, bie
fomit au^ in ©örlifr erhoben würbe, wüßten wir nicht* SBe*
fonbere* ju bemerfen, al* bie Hnwefenheit be$ Schwebenfonig*
Äarl'd XII. in unfern @tabt.
Äurfurft griebrich «uguft war befamttlich auch äönig
von $oleu unb harte al* folcher im norbifdjen Jfciege mit
bem rufSfchen (gjar, ^er bem ©ro^en, ein 93üubni# gegen
JTarl X1L gefcblojfen. Jtarl Xll. war fortwährenb ftegreidj
unb befchlofr im 3- 1706 von griebrich «ugnfc bem er wegen
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feiner $reulojtgfeit ben poltiifd)en Zkxon abfprad) unb an befreit
Stelle aue bei* Witte ber ^oleit eiuen netten König wählen lief?,
in beä Äurfürften (Jrbftaaten, Sacfyfen, ben grieben ju er-
zwingen. 9tad) ber Sd)lad)t bei graujrabt, in weld n über
7000 Warnt ber furfürft(id?en I nippen auf bem ^la^e Hu-
ben, ftanb bem Könige o. Schweben bie Dberlaujtfc offen.
Dajj <8 tieften beutfdjeä Weirt^gcbiet war unb er in feinem
Duntmarfd^e burd) biefefl Sanb ben föeidjäfrieben bratfy, be-
flimmerte i^it bei ber Sdjwddje be$ Dteidjeö fetnecJwegS.
3)ie vom König -Kurfürften fctUeiuuqü angeorbnete SRe*
frutirung, ut welker bie Oberlaufs 100 Warnt bewilligte,
veranlagte übrigene feine Xruppenaufftellungj, f>tnfänglicb, um
Karl MI. SBiberftanb ju lernen.
Hm 6. September 1706, 9tad}mtrtag0 um 3 Uljr, famen
plöfclid) 50 — 70 fa)webifd)e «gmfarat t>ou $ffd>wt$ fyer über
bte SBeinberge an r vi o grauenttyor. tu l o ber 3Öad)poften ihnen
ba$ Iber aufzumachen zögerte, fefete ihm (£iner bad Üßiftal
auf bie 93ruft; bie ftnberu fprengteü ba$ Ztyox mit ©ewalt,
ritten über bie Steingaffe auf ben Dbermarft unb oon ba
burd> ba« retdjenbacher Xljov wieber fnnattä, inbem fte mit
ipeid^uben fdd)fifc^eit Dragonern auf ber Verfolgung bei Max*
feräborf ein Sdiaimü&et beftanben. 8n bemfelben Xage nahm
.König Karl XII. fein Hauptquartier in Schönberg. 2>cn 9.,
10. unb Ii. September bauerte ber fdjwebifche 3)nrc^)Ug burdj
®örli$ fort; bte Schweben führten neben langen SBagenretyen
auch oiel ÜRtnboief) unb Scfcaafe bei ftd). Den 12. Sep*
tember l)aite Staniälaw &6qic6fy, ber neue König oon *ßo*
len, fein Hauptquartier auf bem Henneröborfer Schlöffe unb
nutzte bie Stabt an riefem, wie am folgenden Xage oerfchie*
beuc guber SBier unb SBcin für feine 2)canuf<haft, welche in
£enner*borf, Seopolb$i)ai>n unb £ubWig6borf einquartiert war,
liefern.
@ämmt(t$e Schwebet! marfötrten in ben meißner, frei*
beraer unb leipziger Kreiä. 2>och famen oon 3«t ju $tit
wcujrenb bec3 Aufenthalte Karl'd XII. in Saufen einjelnc Kom-
pagnien burd) ©ödifc, wenn fte in ber Dberlauftfc unb Sd?le*
• fte« refrutiren wollten, ober refrutirt hatten.
Slm 6. Januar 1707 würbe ber abgefdjloffene griebe
jwifchen bem Röntge oon Schweben unb griebrich öuguft oon
Sadjfen in ©örlifr auögeblafen.
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s£efan utlich räumte Maxi XII. nicht c()er Sadjfen, alä
bi$ ber Üaifer üd> verpflichtet baue, bie Ucbergriffe gegen bie
^rotejtanten in Schielten befeittgen $u laffen unb biefeä ÜBer*
fpredjen in ber Slltranftäbtcr Convention vom t. «September
(21. 2(ug. alten Stilä) vertragemäßig erfüllt war.
hierauf erfolgte ber Stüctmarfch ber fchwebifdjen Inippen
bura) Die £>berlauft& uaa) Schleften unb ^olen.
Vlm t2. September fam ber dortig von Selchenbach, wo*
felbft er Nachtquartier gemalt hatte, nad) @br(i$, ritt in
vollem ©alopp bto utv $eter$fird)e, flieg bort ab unb nahm
* bie M\xd}t in Begleitung be$ Slbmimfti a t ord von £olfiein unb
33ifcr)of$ von i'ubetf, beo $rin)en von Söürtemberg , ©eneral
Jcreufc unb jeljn anoerer Herren in 9lugenfd)etn. (Fr ging
aud) auf baä Drgeldjor ; jog felbft au ber Orgel mehrere !Ke=
gifter, erlaubte ftd) bei Gelegenheit beö Sungfernbaffeä einen
allerf)öd)fiten 2öi$ ui machen, uub war bort, fowie auch bei
SBeftdjtigung ber großen ©lodfe fel)r Icutfelig. $116 er an bie
(i)locfe anfcijlagen (äffen wollte, äußerte ber Hebttuuo fehr ge*
fa)idt: er beforge bamit einen Auflauf. $>och meinte Jfarl XU.j
„ber Auflauf fei bereite gefdiehen," ließ beu Jllöppel anfd)la*
gen unb äußerte fein 2Öol)lgefalien über ben fdjöneu Ion. —
l)ann ftieg ber ßönig wieber vor ber J?ira)e \n Sterbe, unb
bie ÜKenge Neugieriger ferjeub, hielt er eine SBeilc, mit bem
3urufe: „it)n ja recht genau $u befehen!"
3$on ber ^eteräfirebe ritten bie «£>erren jum ^eiligen ©rabe,
befal)en baffelbe, aber nur oberflächlich, unb ber ilonig ließ,
wie fchon in ber ^eterdfirche gefer/ehen war, bem Sttjm ein
Slnbenfen reichen.
hierauf ritt ber .Röntg mit feinem (befolge um bie €>tabt,
bunt bae grauenthor, bie Nonneng an, e, Schwargegafle in bie
33rübergaffe unb bie Neißgaffe hinab nach ßauban ui. @h<
noch ber Jtönig mit ber Suite bie Neißbrütfe pafftrte, war bie
Leibgarbe be$ Könige unb feine Bagage ihm bie «ftahle hjnab
vorangejogen.
d&iefcr einjährige SBefucf; ber Schweben in S ach fen fofiete
aua) ber S tan ©örlifc viel, ba jte ut ben Kontributionen
unb Lieferungen ihr gut XheÜ ju jahlen t>atte.
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Siebente* MapiUU
Durd)märfdje unb SJelajtungen wäbrenb ber fcblefi*
fdun Kriege. 1742. 1745*).
21$är;renb beä erften fd)te|lf<hen Jfriegeö war itut £ achten
im SBünbnifte mit griebrid) II. 9luä bem ftelb$uge ift nichts
bffonberee für ©örli$ |m bemerfen. Der Jftiegöfdjaupiafc war
toefentlid) Schlejieu uub ^36l>meu, nur am 11. &pril 1742
famen 1500 Sftann Einquartierung , auf Den Äierfwf 15 Wann.
Wm 13. 3uU war wieber ein {Regiment Greußen einquartiert,
weld)e Safttag in ©6rü0 Ratten, mir 6peife uub 1 1 auf ver*
pflegt werben mußten, unb Xagä barauf über Rothenburg ben
?Kii(fmarfd) in bie ^peimatl) antraten.
■cd) on im 3. 1744 t>atte bei tfurfürft von Sacfrfen jtdj mit
ber Äaifrrin SWaria ^ ^erejla von Ceftcrreicfy gegen ßnebrich II.
verbünbet. 3m 6pätl)erbft 1745 feilte auch unfere ©egenb
bie Aiud>tc biefeä Sünomfteö genießen. Damals brang be-
fanntlicr; bte preufnfd>e Vlrmee in jwei Kolonnen in .Uun'adMcn
ein, ald ^rinj Jtarl von Lothringen mit ben oflerrei^ifc^cn
Truppen eine Dfverfton nad) £ (tieften burch bie \\~\\\n\\ ver-
fugte. 9(m 21. November 1745 erfchienen feitwärtd (#örlifc
bte Defterrcicher. $rifty Jtarl von Lothringen hatte ba6 Haupt-
quartier bei (schönberg. Die Slvantgarbe ftanb bei ftatbolifcrr
Äenneräborf (£eimer$borf bei Lauban). griebrict) II. war iu
dümärfctyen augerüeft uub führte bie Kolonne, welche über
Naumburg am DHeip nach ©achfen $og. (£r ftiejj am 28. sJcV
vember bei $eunerebovf auf ben überrafd)ten geinb unb fddug ihn.
UÄan hörte bie Äauonabe tu ®örli$. 3n golge biefeä ^iegeä
ging bie faiferlichc ftrmee nach höhnten jurücf; bte ^reu^en
bagegeu plünberten am. 24. November in ben Dörfern jenfeit
ber Seifte unb ein ZMi ber grata fam am 25. November
in ®örli$ an. Der !)fath gmg ihm entgegen unb übergab
bie StaMWföffet auf ber töabengafte. Die 70 9»ann ftarfe
f4chftfd)e GJarmfou unter Kapitän v. üRoftty würbe $u Offan*
genen gemalt.
Hn bemfelben Tage famen nach uub nac$ nodj fünf iRe<
•) *Me baö voviat unb f»>Uienbe Äavitel «ad) mehreren aleidweitiaen
^aubftriffUcftfii (tynnifrit im «Beftye be* Stabtrartj Äö&ler.
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gimenter an, unb mußten mehrere Sage lang in unb um ber
Stabt einquartiert unb beföftigt werben.
Hm 29. November fam König griebrid} fef6ft nad) ber
Stabt unb blieb fünf Xage bafelbfi. $>er <Btat>t würben
100,000 (Bulben Branbfdjafcung auferlegt, unb ber ©ürgerfd^aft
fämmtlidje Gewehre abgenommen unb in bie <st. $lnnenfirdje
aebracbt. 3m befolge beö Königs war ber *ßrin$ v. Sßreufjen,
qjrinj gerbinanb v. Bevern unb anbere (Generale. $lm 4. $>e*
- eember ging König griet>rid> nacfy £>re$ben ab. •
$116 ber gurft von Änf)alt<S)effau bie <5d)lad)t von Kef*
feldborf gewoitneu fyatte unb in golge beffen ber griebe §tt
D reiben abgefdjloffen war, marfdjirte ein Sfoeil ber föniglidjen
glrmee unter ©eneraüieutenant ®raf v. ®efjler bnrd) bie JDber*
laujty nadj <5d)lejten jurütf. S3ei biefer Gelegenheit befam
müf unfere ©tabt in ben erjlen klagen be$ 3anuar 1746 viel
Einquartierung, welche fid) tibrigenö iu ber Stabt tabelloS
benahm, wäfyrenb baö betragen ber in ber Umgegenb ftatio-
ntrten Kavallerie in gleidjjeitigen 93eridjten nidjt befonberS
gelobt wirb.
«c&tc* ®ap\UL
©cfyirffale ber ©tabt wäfyvenb be$ fiebenjäfyrigen
Kricgcö*).
&m 26. Sluguft 1756 erhielten bie in ©örlifc ftefyenben
fäcfyftföc n Kompagnien vom Königin Regiment plöfclicfy SRarfd)*
orbre unb rütften ben 29. Sfuguji früp y26 Ufjr au$. $)e$
9?ad)t6 um 2 Ufyr blies ein *ßoftillon vor bem laubaner $f)ore.
ü)ie (Stabtfolbaten waren ber IMnjicfyt, e$ fomme eine (Srtra*
po#, faben aber beim Xfyor*£)effnen $u ifyrem (Sdjreden, bajj
preujj. ^ufaren Oßuttfamm er Regiment) ba feien, weldje fk
überwältigten unb in bie <£tabt fprengten, nad) bem ©eftanbe
•
— ■ .
— »
•
•) SlnfjeT allgemein befannten Hilfsmitteln: jtr-ci banh'cfmftl. Ctyro*
nifen aus jener 3eit. (fin I^ebud) aue bem üebenjäbri^cn Kriege, Se^
vierte eines (StorÜfcere (abgefcrutft im florlifcer Oikgweifer, 1837. 1638.J
^erfwüttiahiten von 1757. Sauban, bei 3. % Söirt^e« 1763. 126 S. 4.
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ber föniglid>en unb Stabt^affen fragenb. £>er SRatt) mußte
#rob mib Branntwein fäaffen unb wäljrenb injwjfajen bie
(Stabtfolbaten in 9(rreft gebradrt würben, befeftten bie £ufaren
alle Sinne. 6t begannen je$t ftarfe '2)urdmiärtd)e. &>äl)renb
nad) £enner$borf unb £eopolbet)a»n ba$ ed>inettau'fd)c
raffter^ei). fam, rücfte am 30. Sluguft in ®öxli$ ba*
$ranbetftfd)e güfilifr*8at. ein, weiße* 4 Kanonen, 24 $on*
tonö unb gegen 40' $acfwagen bei fid) hatte, 2. Septem*
ber gingen bie 9)iaimfd>aftcn weiter. Die 6tabt mußte 700
<5rutf $ferbe biö kauften liefern; bie guten würben behalten,
bie fcblecfyten jebod) $urütfa.efa)irft.
3m Decentber war bie Einquartierung am ftdrfften.
wedelten: ba$ gorfabifdje Regiment, fväter baö ^rin^Darm*
ftäbtifdje unb baö v. Stafteirföe. So» 26. 2)ecember an
würben auf ber 9ceißbrütfe jebe Siacr/t 48 £ölaer in Der «Witte,
unb bidrt am $l)ore 18 abgeworfen. Dae £äu$d>en auf bem
(*Jange fytnter ber >l*etcr0fira>e brad) man ab, unb brad)te eine
Kanone bortfyiu um bie 9?eißbriide bamit $u beftreidjeu. Äuf
ber 9feißbriirfe unb am $l)ore ftanbeh täglid) 10 £d>ilbwaa)eu.
3n ber Umgegenb ftreifteu $anburen unb Kroaten. $>en 27.
December rücfte baä alte ^urtembergifd)e gufilier* Regiment,
fpäter ein Bataillon vom tyvi\\\ grah*'8raunfd)weig'fd>en in
bie 8tabt, wäfyrenb baö v. ^Iitftell auf Dftrifc marfdprte.
Anfang 3anuar 1757 refrutirteu bie '^rcu^eit ftarf;
Riemanb, wer tauglid) war, verheiratet ober nid)t, würbe
verfa)ont; mau t)olte bie Veute fogar bei 9?ad)t au$ ben 9Bet*
ten. 2lm 3. 3anuar fam baö 2. Bataillon vom ~s4>rinj grau*
SSraunfdjweig'fdjen Dtegimente an, fo baß 2 vollftänbige Re-
gimenter 3nfanterie, außer vielen «gmfaren von allen garben,
in ©örlifc ftanben. (General v. Wnfiell war Jtommanbant.
S)ie Bühlen mußten beftänbig für bie 6olbateu mahlen uut>
burften feine Stellungen von ber Söürgerfdjaft annehmen.
!t>ie golge bavon war große $ Neuerung, im 7. 3anuar
machte ber (Generalmajor v. Wnftell bem Ruthe befannt, wie
e$ gut ^Untertreibung ber Defertion prcußifd)er üruppen bic
Rotfywenbigfeit erforbere, baß fowofyl bie görlifcer 93ürgerfd)aft
auf alle $erbäd)tigen 9(a)t tyabe, unb fogleid) Sdijeige maa)e,
al$ aud) ben fyerumliegenben £>orffd)afteu , bie Sturmglocfc
an$u$kl)en befohlen werbe, fobalb eine Defertion befannt würbe;
enblia) baß Riemanb bann ofyne s4Jaß burdj bie 6tabt bürfe.
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(Sin Dorf habt e$ bann bem anbcrn 311 bintfrbrtngen, gelt)
unb 3Balb aueuifttcben unb bcn Deferteur in bie näctyfte ©ar-
nifou $u Hefern, wofür ben (finbringern 10 Xl>lr. für ben
Wann gejabU werben würbe; folltebieö aber 3*manb unterlagen
ober ber Defertion gar $*orfd)ub leiten, fo würbe ein Solarer
mit fyarter \'eibe$*, nad) Umftäriben tfebenflflrafe belegt werben.
Den 16. Januar würben 2 <£d)litten mit leid)t ©leffhrten
von £irfd)felbe f>tr eingebraa)t. Denfelben lag fam ber
^rin§ v. SBevern, am 28. Haimar griebria> II. an. Der König
gtna nadj 6djlejien, fam von bort am 1. gebruar jurütf nnb
logirte beibemale im (Strapfyiu'fdjen t^awfe.
Den 19. gcbruar fam ba$ tyx\n\ Datmjföbt'fcfye Regi-
ment wieber in bie (Stabt ;urütf, wäfyrenb baä <*3Bürtem*
berg. Regiment nad) 6a)leften aufbrad). 9(m 21. gebruar
folgte bie Kavallerie in ber Umgegenb nad). >J$ürabepla&
war in btefer *>er ^äringSmarft, bie 9$örfe bie 3Bo1?mtng
bed Kommanbanten. ■ Dort fanben täglid) &u$f?ebungen unb
£u$loofuugen ftatt." Um 23. gebrnar lüfte ba* in @iörlifc
liegenbe Darmfiäbf fd>c Bataillon bafl offrtyer Kommanbo ab;
ben $benb vorder famen 18 ©eigen mit Skrwunbeten von
bort an, benn bei £>fh:i$ waren täglidj Sdjarmü&el mit ber %
f. f. 3nfantcrte. Den 25. gebruar marfcfyirte bad in ©örlifc
ftefyenbe ^Bataillon Darmftabt wieber ab; nnb am 28. ber
}at)lreid)fte Xfyeil be$ 33raunfd)wetg'fd)en güjtlier* Regiments
mit 10 3wölfpfünbern nad) ©ernffabt. SBom s3raunfdpeigfd)eu
Rcgimente blieben nur 4M 3Nanu. 2lbenb$ famen fämmtlia)e
SBagagewagen wrüdgefafyren; cbenfo am 27. gebruar bie 99a*
gnge befl äatte'föen Küraffier- Regiments, Kranfe unb 3$er*
wnnbete würben in ber Söörfc untergebradjt.
Den 1. SRärj famen 100 Sagen mit £afer unb Korn
für bad görli&er Waga^ln von l'auban fyer, eine golge bavon
baji ba* jenfettige Reipufer ganj geräumt warb. Den 3. Wärj
rächen bie 400 Wann vom Sramiföweig Regiment bem ©an-
«ten nad> unb e$ famen von £aubau 4 ©renabierfompagnieu,
2 von $lt*$Ltärtemberg unb 2 vom Darmftäbt. Regtmente in
Gtarnifon. ^om 8. üWarj an würben bie Xfjore angehalten. Die
antjerorbentlidjeu &orfid)tö maßreg ein Nörten erft am 20. 9Äär$
auf. Die' verriebenen Stellungen be$ 9$evern'fd)en Storp* in
ber Umgegenb, veränberten aud) bie @inqitartierung*verl)ältniffe
in ©örlifc; bauptfädMidj bikbtn Refruten ba, we(d»e au**
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bauernb emciven mußten. Das $c\igajin warb burcfy ein in
jjrteblanb erbeutetet vergrößert.
5; eu 21. Wüv\ ging ba$ am 19. von Oftrift angefommene
Braunfa)weig'fcr/e Bataillon wieber nad) Bernfiabt ab; ebenfo
bat in $eopolb$r>avn geftanbenc Sföiirtembergifdje Dragoner-
^Regiment, mit weldjem be$ Hkinjen v. Bevern ©eittarjlin ncbpt
6a)wefter anfam, welche am 23. sJRärj wieberum bie <Stabt
verliefen. Die <5tabt wuroe immer nod) feljr forgfältig bewacht
Hnb bie 6cr)lagbauine an beu Sporen angehalten. Den 23.
unb 24. fam bad laubaner sJKagajm, jebeSmal 300 Sagen
in bie ©tabt. Die 3tnfuf)r aefdjar; am 26., 27. imb 28. in
erstem SJtaaße. Den 30. $*ärj gingen 2 ßöfabrond grüne
#ufaren vom Regiment $uttfammer burct) bie ©tabt; ebenfo
am 29. eiugerutfte ©reuabiere. Ueberfyaupt würben nun alle
Gruppen auS ber ©egenb von ©örlifc weiter na* iittaxi ver*
legt, ein vorbanbeneö Pulvermagazin au$ ber Stabt entfernt
unb Änftattf« $ur Slbfufyr betf großen ©etreibe=9)caga$in$ nad)
Sauden getroffen. Waaj Abgang be$ @etreibe*9Jcaga$in$ am
18. flpril trat bis auf einige Durcnmchfcf/e ber bei $iraa ge*
fangenen 6ad)fen, voüfommene Stille ein.
2lm 17. TOai würbe bie Ceiaje m ©en>ral*gelbmarf*aß
©raf 6d)weriu naa) ©örlifc gebracht unb blieb bie jum
20. <Wa( im weißen Stoffe ftef>en. lieber bie (Sreigniffe in
Böbmen famen fwdjft unanverläfftge 9tadjricr)ten. SDtetyrmalS
mußte alte Seiuewanb unb am 3. Sunt Brob naa) bem preuß.
Säger geliefert werben.
Kalbern einige Monate Wube ger)err|d>t rjatte, rürften
unvermutet am 4. 3uli fciele rjHnbert !Öfunirion6* unb Ba-
gagewagen von vreußifd>en Bataillonen, welche 1321 ©emeine,
30 Dffeiere, 3 Gapitänä, 1 £>brift au Jtranfen unb Benvun^
beten bei ftcf) führten, gebedt von 5 Bataillonen, unter Stern-
manbo beä ©eneral v. föebeittifa) in ©örlift ein. I Bataillon
beö ^Regiments ^ebentifa> fam in bie ctabt, 1 Bataillon
sIJcarfgraf Reinritt), 1 Bataillon Äalfreut^, 1 Bataiüon SDiöl*
lenborf, 1 Bataillon Würfel unb baä $ufarenregimcnt SBerner
eampirten auf ber Bief)weibe unb in ben 6tabtgarteit Datf
©rjmnaftum mit anbern öffentlichen ©ebäuben, unb bie vier
(Sictjen würben ßajaretr;. Hm 13. 3uli famen noct) met)r
Berwunbete. SRan fd?affte fola)e am 21. 3uli unter Bebedung
nad> Sauften.
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flm 23. 3m(i erfdjten ein Jtommanbo t>on 300 dftenet*
dw'd)en Dragonern unb £ufaren vor ber ctabt, n>ela)e nad)
33efprea)ung mit Dem $ürgermeifrer 9tie<fy litt) in Die $teippor- •
ftabt efnauartierteu; am 25. 3uli wieber 400 Wann unb 800
^ann Kroaten Hnb SBaradbiner. Severe mußten nad> furjer
(Smquartierung in Den Käufern, auf Dem ^rlafter bipouafiren.
Die £)efterreid)er beftanDen foriwäcjrenb 6a>armu&el mit
Der prettf. «rmee bei Sauften unD n>urben t>on 3eit ju 3eit
einzelne befangene unD Sagagewagen nad) GJörlifc eingebradjt.
3n Der 6tabt lagen meiften* üöJaradbiner al* $efafrungA Dod>
wedelte Diefelbe fel>r, Da Der «König griebriü) balD Den geinb junid*
brängte, balb iiirürfgebrängt würbe mib Die ^iviufe(eien unter Den
(etilen Xruppen unabläfjig fortgingen. Den £>eftcrrcict>erii muß-
ten ftarfe Lieferungen gemadrt werben; allein am JO. Huguftpon
Den $ewot)nernber <5tabt ©örli&80,000 Nationen £cuunb£afer.
Den 14. rücften Die (Sroaten, Saraobiuer, Dragoner
unD £ufaren eiligft gum Sfjore fjinau* über Die 9teijjbrürfe;
flbenb« wurDe Die ÜReipbrüde abgebedt, Da* grauentf)or ge-
soffen, Die 3lufoiet)brürfe aufgewogen, Das odUupgatter Ijermi*
tergelaffen unb innen ftarfe halfen gebogen.
£eit Dem 17. fluguft jeigten fid> wieber febr erfd)öpftc
unD ermübete ^reufien. önbe be$ Donata würbe ein preu-
#tfd>ed Sajaretl) naa) Der 6tabt gelegt, unter Deficit Jtraufen
Die rotl)e ftut)r $u grafftren begann. Äönig gricDrid) marfdnrte
mit fiuem lljeile Der Xruppen Der ?Kcia>äarmce unD Den grau-
jofen entgegen, nur (General SBimerfelD blieb mit einem
ebaa>tung4forpd Der f. f. ärmee gegenüber ftet)en unb nal)m
eine Dreiedförmige Stellung awifdjen £erfner'S ^orwerf vor
SeopoIb*t)apn bis uad) sJÄopö fyin; wäfyrcnD ^rinj oon ©eoern
®orlifr unD UmgegenD mit Der SanDedfrone inne l)atte.
9m 7. September gegen 11 Ut)r Vormittag* iiejj Der
llmftanb, Dap Die (SrDe Pom geuer Deä ©efdjüfje* unD &kiiv
gewefcrfeuere $u beben begann, ein bebeutenDeS <$efcd»t gan*
in Der 9tälje vermuten. Unfer Referent war bei Den erfreu
ftatfeu £a)üffen auf Den grauenttjurm geftiegon unb entbertte,
ba0 bie Slffaire bei Stfop**) fei. Grft nad) 2 llftr legte fta)
*) dttn batt Hadder gebrurfte* Flugblatt: Umftanblidje (Radfrify
»0« bem mutagen unb tapferen «ngtif jc. 8 ®. ijfc, augev beit angea,«;
benen O-ueUen fjwt mit btnufet twrben.
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488
bei* Jeuern; gleid^ettig ging eine geuerdbrunft in 5Äov$ auf,
woburd) bie Sd)enfe unb ^tret Sauertycfe in flfd)e gelegt würben.
SBir wollen auf biefefl @)efed}t etwad näfyer eingeben.
üRad)bem bie f. f. Ärmee beit 6. Septembrr von Bernflabt in
baS neue £ager bei Schönau eingerüeft, unb fomit ber preu
fjifdjeu bei <*Jörlt& genähert war, begab fufy ^er^cg Jtarl
2otr)ringen über bie 9cei(|e auf töefognoScirung um ui feben,
wie ber «poljberg bei ttotyt am heften in öfimeidMfcbe ©t-
walt gebraut werben fönne. 3n JH*}* biefer Befictyrigung
TiiavulMitc baö 9cabaftifd)e töorpä MbenbS von Schernberg in
ber SRicfyrung auf beriefe önbrunn unb auf ^ermöborf, bie
■Referve bagegeu von ©roßRabmerifc nad) Jfcuna.
&m 7. September, borgend jeitlg, formirte ber %ttb*
marfchal(«$ieuteiiant $er$og von Aremberg mit ben fämmtti?
cf)en ©renabier*$ompagnien ber föeferve bie erfte Kolonne, be*
ren Detfung gelb*Warfcfjall*$ieutenant Warqtii* be Alerid im
dürfen war; bie zweite, ©raf (Sjtertyafv ; bie britte ©raf
v. ffiieb. Die Dedung biefer 3nfanterieförper Ratten bie bei»
ben f. f. Dragoner Regimenter Saufen * ©otba unb Wobenu,
nebft fädjftfcfyen (SbevaurlegerS. Da SBinterfelb bie Bewegungen
für ben SBerfiid) einer gouragiruug bielt, Ratten fte voUfoin-
men ^tit, tfd) in ber ©egenb von £erm$borf $u formiren,
unb Famen gegen 11 Ubr bid an ben ftu« beä ,£>ol$berge$.
(Sä begann eine »ftanonabe, wdfyrenb' bie Bebetfung be$ gut
verfdjanjten Berge* (2 Bat. @reuabiere, 2 Bat. güftliere,
1 föeg. Äufaren) alajrmirt warb. Die ©renabier*£ompagnien
unter güfyrung be$ ©rafen v. 58ürben, ^re^farf unb Surften
v. Stollberg brangen $nr redeten unb linfen Seite unter beut
©ranatenfeuer unauff)a(tfam auf ben Berg, unb brachten bie
vier Bataillone naefy audbaiternbem jweijrttnbigen SÖiberfianbe
gegen bie Uebermacbt \\\m deichen, Verfolgten foldje auch bid an
bie preufHfdje $guptfteltung $wifd)en 2eopolb$f)at?n unb ©örlifc.
Die ©renabiere brangen in ba$ preujjifdje Jjpufarenlager
ein. Dort würben fte burdj bie Greußen, welche injwifdjen
ft<f) vermittelt ber Dtegimenter v. £re$fow unb Wanteuffel
verftarft Ratten, wieber vertrieben unb fo glüeflid} verfolgt, bafi
bie %h eitlen ben Berg wieber genommen fyätten, fyätte mdn
ber £erjog v. Aremberg injwifdjen frifdje üruppen anrüefen
lajfen. Die Defterreidjer Ratten 1559 Wann Xobte, Berwun*
bete unb Bermipte, bie Greußen ungefähr biefelbe Vlujahl.
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489
Die prenpiföen SMeffirten famen fdjaarenwetfe über bie
unterhalb be$ (Sd^iepfyaufeS gefc^tageite S3rücfc in bie (gtabt.
Die auf bem 99erge geftanbenen Bataillone rurften gleichfalls
nad) ©örli$ Mb Rauben fet>r abgemattet auf bem Obermarfte
bei ber Dreifaltfgfeitdfircfye. Hin ^Regiment £at>aHerie, eben-
falls fefyr gelittet, broouafirte auf bem 3übenringe. Daö
Getümmel wäforenb biefer &\t in ber (Stabt war grofj ; bafl
große Sager biejfeitä ber $eiffe war abgebrochen, bie 93efa$ung
auägerütft unb ber Ueberreft beö ©interfelb'fdjen ^corpS ftanb
am Äbenbe be* 7. oor bem alten JBager in ©eftalt eineö
^albmonbeö.
,,3d) falj*) ben ©encral t>. ©interfelb auf einem 93rette,
ba6 10 preuthfcfye (Solbaten auf ben 3fctne(n trugen, Ijafb tobt
herein unb in be$ ©ürtlerS fiifötx £auö am 9teid)enbad)er
Xfyore bringen, wo er fyeutc früt>, am 8. September, um 7 Ufyr
in ber untern <5tube geftorben ift. 3Öeil idj in gebautem
$aufe befannt bin, würbe ia) ber baoorftebenten $l*ad>e im
oeaduet fyineingelajfen; er würbe erft in ben unb fobann
in gebadete 8tube getragen; bie üöleffur war von einer §lin*
tenhigel, bie unter ber regten Sd)u(ter in ben dürfen gegan-
gen, unb in ber ©ruft fterfen geblieben, wie mqu an bem (m
mifol; fo ia) felbft in ^dnben gehabt, beutlia) feljen fönnen.
£1$ er herein getragen würbe, jHcfte er fein ©lieb, lag
ganj vor tobt, unb war batf ©eftdjt mit einem rotfj* unb
weißfrreiftgten <5d)mtpftHd}e äugebeeft; ein Hein Jcommanbo
3Äger begleitete ifyn, unb einer bat>on trug feinen jQ\\t unb
Degen oor tfym r)er. Wan bebauert mit aroper (Sonfternation
ungemein ben 3>b bicfeS ©enerald, ber pcule tflbenb, nad)
oem er in $wei in einanber fiefyenbe haften gelegt ift, abge*
fi"if>rt wirb»*)."
$n btefem Sage würben bie preufjifdjen Sager gänjltd)
veränbert; baä vormals 2Binterfelb'fd)e, jenfeit ber Steife, war
nunmehr baä grope, ba$ bieffeirige ba$ fleine geworben,
war eine beftänbige Bewegung unter beiben ÄorpG, oon benen
•) Äriegatagefrud), ©egw. 1837. B. 710. fflerte eineö Augenzeugen
an feinen $reunb.
••) Ttm ©eneral 3Dinterf«lb ifl «in einfacher Steiu, mit ber 9luf-
fdjrift; „Hier OeJ Winterfeld, 7. £ept. 1757" frei SWo»^ aefefct werben.
Öinrn SSriefroe^fel mit $riebri<$ bem ©rojjen über ein fofcffc* 3)enfmal
f. &btl Söegto. 1838. <S. 706.
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*90
ba6 jenfeittge im ©ierecf, ba* bieäfeitige im ^>a(bt>terecf gela-
gert war. Den 9. (September founte mau Deutlich bemalen,
baß ;um Bbmanct) geruftet würbe, ^etm (Balgen würbe eine
©rüde über bie 9teipc gefchlaaen, unb vermittelet berfelbeit bie
SBerounbeten in mehr als 1000 2£agen fortgeführt. 9lad)
mittagS leerten bie Greußen aü*e ® arten um bie Stabt voll
ftänbig au<5. Wac^tS um 12 Uhr brachen bie nod) in (Mörli^
beftnblichen $wei ©renabier* Bataillone auf. Sie erpreßten
mehrfach ©elb von beuten, bei melden Deserteure verftecft ge-
wefen waren.
Slra 10. September früh 5 Uhr befefcten gegen 1000
Kroaten bie ^öhen über ber Stabt mit ©efchü{jen uub feuerten
auf bie gen Langenau abrücfenben ^reupen; fie beunruhigten
oeren Strajug fortwährend 9loch felbigen Xag fam ^rinj
Karl Lothringen, auf einem Schimmel in 4?ufaren4lnifonn
nach ber Stabt. $i$ §um 26. September ging nun nicht*
Sefonbered vor, auper bap eine $Rengc öfterreic^ticber Sit*
wunbeter alle öffentlichen ©ebäube, babei wieberum ®vm;
naftum imb Saifenhauä in 9nfpruch nahmen. 9m 30. Sept.
be^og ein Korpä von 18,000 sJ)?ann ein Sager £wif<hen £en*
neräborf, fceopolcebavu, ^ermeborf unb ^Dcove, alfo jenfeit
ber Weipe.
ÜHitte November brachte man bie Sajareth* aud (Morlifc
in bad 93öhmifche. Der dhunb geigte jtd) balb. 9m 21. fe&te
bie ^acf>rtc^tf König griebrich ftehe bei ©ifdjofawerba, bie
Stabt in Sdjrecfen. 9m 23. November famen preup. grüne
^ufaren, fpäter noch mehr Kavallerie imb König griebrich in
bie Stabt. Sie würbe mit viel (Einquartierung belegt unb
bauerten bie Durd>märfd)e $wei 'läge lang. s#ieh unb ^or*
räthe würben weggenommen. Die Stabt imune bem Könige
12,000 Ztyx. baar, 4036 Ztyx. an grie* unb Such, 950 2blr.
für ©efcheufe, 1625 Xhlr. p 33rob biö $Hm 25. November
liefern, hiermit hörten bie s4.Ua<fereien ber Stabt im 3. 175? auf.
3m «nfauge be* Kriegäjahre* 1758 ift für ©örlift nidjte
$efonbere$ $u bemerfen, nur bap am (Sube jeben Donata ein
Detachement preup. £ufaren erfaien, um bie Kaffen mit fort-
junehmen. Da ihnen im Wdrj eine 9btbeüung ^erreich ifcher
#uj"aren juvoraefommen war, fanbeit fie uitr/t$ in ben Kaffen.
9m 22. 9prü 1758 würben brei (Stffabrou* grüne $u-
fareu in ©örlifc eiitquarttevt j ben 24. 9prü bad »rebow'fdK
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3tifanteric*Regiment, bem brci Regimenter Jfürafjiere auf bem
sJRarfd)e nacr) DreöDen folgten. (£$ mußten für fte 10,000
©tücf (SommiSbrob geliefert werben.
$Md ;um 21u<jii|t mar eS oöliia ftttf e in ber ©egetiD, auo
genommen, bat* nd) oon 3*ü 3ei* öfxerreid)ifd)e «£>ufaren
fetjen liefen. V(m 14. Sluguft tarn Der SBefetyl be$ geheimen
• Jtrteg$ratf)$ o. ©Dönberg, für jebe £ufe Sanb % ©djeffel
Stoxn, % ©Reffet £afer unb 1 Str. £eu bereit 3U galten,
um foldje in ein ofkrreid)ifd)c$ Sager bei 3ittau liefern &u
tonnen.
?lnt 18. Sluguft erfd)ien ©eneval SaScty in ber ©tabt unb
ritt gum Reiptljor fmtauä, um ein Sager abfteefen \u (äffen;
folgenben Xagö fam ein öfterreicfyifcrjeö Referee *Jtorp6, mar?
fd)irte beim reid)enbad)er £t)ore vorbei unD lagerte ftdj *on
(£unner$borf bte an bie Reijje bei SubwigöDorf. Ü)aö Max*
fairen bauerte in r er Racbt unb am 20. $luguft fort. "Am
20. fyatte ®encral*gelb*s}Warf(r)aU ©raf Daun in ®örli$ fein
auptquartier unb wohnte beim Hauptmann ^e^ben in Der
eifcgaffe. Das Säger ging oom neiligen ©vabe über (§ber$=
bad), Jtunnerdborf, biä ÄlingewalDe. Ringö um Die ©tabt,
in welcher gegen 1000 Cffijierc lagen, fampirten bie öfterr.
Xruppen, weld>e gute 9)?aun$Aucr;t gelten unb an allen 3el
bem, loo Oiemüfe ftaub, ©d)ilDwad)en jum ©dmfce placirten.
2tuf Der ißiefjweibe fyatte man .bie Söatföfen aufgestellt, ©emüfc,
3ufoft unb Sßeiu waren in ^ülle unb gülle ba: nur bad
A leiht war theuer. Die ©tellung blieb biä uim 26. Äuguft.
Die iruppeit waren wie nadjftefyenb eingeteilt:
Sager ber jtaifert. Jtönigl. ,£> auptarmee unter Jtom-
manbo beö ©eneral*gelb*9J?arfd)all*, ©rafen
*. Daun bei ©örlifc, am 21. Huguft 1758.
(*rftc$ treffen.
3nfanteric Regiment: ©r. sJWaj. beä &aifer$, ^ilDburgfyaufen,
Saubon, «ftönigöerf, Seopolb UJalfv» Glerid, Hl ^ßolfenbüttel,
Browne, 93areutb, Xeutfdjmeifter, ©etilen, ©tabrenberg, ($oh
lorebo, ßoüowratr;, sJDfoltf, ©adjfen^Öottja, Sal)mue\ (fr^er*
jog tfarl. 18 Regimenter.
3wette$ Xreffen.
Infanterie * Regiment ; .Hart Sotljungeu, ©alDerf, Seopolb
Dann, äbeul, Slnblaw, X^ierbeim, 3ofepfy Gjta$af9#. $<ttr)9amt
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492
gorgatfcb, ^uebla, Wercv, guforefe, SfMiiS ©olfenHittcf,
£arrad). 14 Regimenter,
dritte* treffen.
Referve*£orp$. 3nfanterie*Reg. : £einrid> Daun, beCT ?iane,
lellperlv, *|ta(favactiu , gtteani, Durlad), ©ieb, SRaiiM,
Söürjbitrg, Rif olau6 (* (terfyafv, Aremberg, £arfd), $Baben*$abeu,
9Ba((i^, Reuperg. 16 Regimenter.
3n €umma 38 Regimenter Infanterie.
Die Artillerie jranb vor bem grauentr/orc , bie Kavallerie
jenfeit ber Reife.
3n biefem tfager würben 36 gebenft, 6 erfdjofffen, unb
5 neugeborene Kincer aufgefunden, von benen 3 am 2eben
blieben.
Die öfterr. Armee $og fta) am 26. Anguß wieber fort,
marfdjirtc naa) Dreyen, unb von bort wteber in bie £ber*
läufig wofelbft König griebrid) bie Stellung bei ^oeftfird)
eingenommen' fyatte unb auf einem hödjft gcfär)rlid)en Jerrafn
bem gelbmarfdjall Daun gegenüber flehen blieb.
Am 7. September tauten circa KM) Wann Kroaten unter
bem ÜRajer 93ablowöfv, weldje al$ vorläufige ©arnifon ftehen
blieben, golgenben Sagä crfcfytcnen- 4 Regimenter pufferen
unb Kroaten, bivouafirteu in ber laubaner $orftabt, pafftrten
am 9. bie 6tabt, unb marfcfyirten am 10. in ber Ridjtnng
auf Stolpen ab. gortwäfyrenb gingen Lieferungen au Kebenft*
mittein unb ©etreioc aue <Sd}(e|teu $ur Öfterreid)ifd)en Armee.
Am 8. £>ftober brang beim (Morteebicnfte wäbrenb ,ber
Urebigt ba6 ©eriidjt in bie Kirdje, König grieoritt) fei mit .
feinen Xruppen im Anjuge, wa6 allgemeine ©eftürjung er-
zeugte, ©eneral s$er;la poftirte fiefy mit 1000— löOO üftann
auf bie Sanbeöfrone unb verlaugte von ber Stabt tagitd}
100,000 Portionen unb Rationen, wovon jebod) nid)tä gelie-
fert würbe, ba. er am Abeitbe von bort ictyon wieber abgc
gangen war. gaft ftünblid) hörte mau ($cfd}u$ unb Klein?
©ewefyrfeuer in ber gerne. Die Tljore würben forgfältig ju*
gehalten.
Am 25. Oftober paeften bie «IG ©efaftnng baliegenben
Kroaten in ©örlifc, auf bie Radmdjt, bafi fid) König grieb*
ridj bei Ullcrflborf unb 3änfenborf befinbe, ein, unb verliefen
eilfgf* bie Stabt. Abenb* fagte man, bie ganje öfterr. Armee
*dme, ba 12 (Söfabronä öfterr. Kavallerie ftd> gegen 9 ityr
»
* -
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bei Der 3iegelfdjeune lagerten ; boeb am 26. waren fic fa)on
wieber fort unb bei (yberöbad) preufj. £ufareu tu fernen. (5$
fam bort m einem ©efedjt, in gol^e beffen bie Öefterreicfyer
bi$ $ur Sanbeäfrone fuh jurücfjiefyen mupteu. ©cgeu 2 Ul)r
erfaßten ber .uont^ • ) unb mit ihm 15 Bataillone, welche
in ber Stabt untergebracht werben mußten; bie übrigen bi*
vouafirten bei ©irbigoborf auf ben gelbem, griebria) II.
wohnte erft in ber Statt bei einer grau Brcfymer, am anbern
Xage im ÖJarteugrunbftücfe be$ iReftor Bamucijter beim fjeil.
©rabe. 3n ber <&tM mußten 25,000 Xtytx. baar unb au*
Berbern Lebensmittel unb Leinewanb ju Seiten geliefert wer*
ben, fo bap fein bieömaliger 93ejud} gegen 100,000 Xfyalcr
foftete. £>ie ttrmie, oerfolgt von ben £)e]terreidjeru, ging naa)
einigen Hauen nach <Sdjle|ten. £e$tere trafen v^ut alten, bei
sMo»is ^aejajaujungen auswerfen, würben aber hierin unter
broctKu. Denn am 16. Bevern bei erfdjien ber Äönig wieber
auä cihUiien unb giug am 17. nad} Inven. Den 19. 9Rov.
fam $rinj £einrid) von Greußen unb 9)iarfgraf itarl an; fic
hielten Dlajttag unb mußten von ber halb auogefogeneu 8tabt
Lebensmittel geliefert erhalten. Wim blieb eö biö auf einige
Streifpatrouiüen öfterreidjifdjer unb preupifd>cr ^ufaren, rufyig,
ebenfo Anfang bei* 3a^red 1759. (Srft im 3uli bildeten ftd)
wieber eutfefteibenbe Greigitijje. Die Daun'fdje 9lnuee fam
in bie Jüberlaufty unb Ijatte bei ®er(aa>3i)eim eine Stellung,
wol)iu viel SRebl geliefert werben mußte, ttnt 10. 3uli wa-
ren circa 120 SRann Kroaten in ©orlifc im Quartier; fte la-
gen auf bem Saljfyaufe, gingen fdjou am 21. wieber fort,
unb würben burd) ein Bataillon vom Laubon'fdjen ÜForpd er*
fe&t, weldjeö $um großen Xljeil folgeubeu Xagö bie Stabt
pafftrte unb bei tt>r in ber 9iäbe bivouatirte. Dura)märfd)e
waren alle Hage. Der Satl; mußte viel SBrob baefen lajjen,
um eä iu bad öjterr. Lager ju fa)icfen. Die (Srnbte würbe
fei)r babura) geftört, baß täglia> oiel 2Öagen unb $ftenfd)en re* .
quirirt würben. Km 29. 3uli gingen vom Jlorp* beö ©ene*
ral Laubon viele 93agage- unb äraufcicSBagen bura) ©örlifc.
Den 6. Sluguft famen fea)ä gelbbarfeieien vom Daun'*
fa)en Äorpä, baö immer nod> bei Lauban ftaub., Sie würben
') tyettact) m 9töbenbetf, C^tMdnctjtcfaUnteL jnetttet) 'e ©*. I.
358. ju cTgäu^cm.
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auf bem Scr/iefjplafce, bei ber ©ogelftange Junb bem SRabemarfte
(Demianiplafc) aufgefteUt.
3>rei Xage barauf, ben 9. Augufr, rücfte bü$ 9ttacquierifche
Jforpd, gegen 10,000 Wann von Sauften l)er in ®örlift ein,
unb lagerte fich auf ben gelbem twiftttii bcm heiligen ®rabe
unb ber 3ttftt(fcheune: $>en ganzen %aa unb [olgenbe fuhren
mit «§>afer belabenc Söierfpänner Auf Söhnten burch bie (Statt,
j|um Sfceithenbacher $t)cre hinoufl unb unterbrachen bie ^affage
für gujjgänger. £>er ©eneral logirte im SÄajor «fietybefchen
4paufe; er war ein fcr)r freunblict)er unb gefälliger mann unb
ttjat alle$ um ben Einwohnern Erleichterungen \u verfd^affen.
Am 14. Auguft würbe ein Danffeft im Sager beä ©e-
neral'S SOJacquierc wegen ber 6cf)lad)t bei Äunneröborf abge-
halten. $>er SKatt) würbe aufgeforbert, bie Sürgerfchaft mit
tiefem glücflidjen (Sreigniffc mannt ju machen, unb jur geier?
lidifeit juge$ogen. Er liefj vor einem $eitt ÜOteffe leien; $wei
9Jhtftfchcne warteten babei auf. £)en 15. würben 28 Jtano*
nen auf ben Obermuhlbergen aufgeführt; bie gefammte 3nfan*
terie in einer langen gronte hinter ber ^ifclaifirche auf ben
4pöl)en aufgehellt, unb breimal ^iftoria gcfchojfen. Den 18.
marfdbirte ber ©eneral fchleunigft nach S>re$ben ab.
gn ben folgenbeu ictgen würben fel)r viel preujjifchc ®e*
fangene auö ber <Sd)lad)t bei Jtunueröborf über .©örlift nach
Böhmen geführt.
Den 29. erfct)ien ein Korps von 20,000 Wann 3nfan-
terie, Kavallerie unb fdjwerer Artillerie au$ tfauban unb Um?
gegenb, weldje ftttiftyen Klingewaloe unb £ubwig$borf bivonafm
ten, aber fct)on am 30. Auguft nach 9!ÄH$fau aufbrachen. Auf
ber Siehweibe war ein gropeS boi)mifeheö $afer-'9ftaga$in auf-
gefteüt. E$ ging fpäter ber Armee nach.
*ßrinj Heinrich f)attt bie ihm gegenüberjtehenben Oefter?
reicher jurücfgetriebeu -unb burch fünftiidje 9)iärfche gefdufc^t,
babei in grieblaub ein 9Raga*m ruinirt. AI« er im (Septem*
ber auf ©örlift marfchtrte, nahmen bie iDefterreictjer auf ber
Sdjanje, in ber Dichtung nad) Eberäbaci), Klingewalbe unb
£ubwtg$borf eine Stellung, blieben ieboct), währeub $rinj
Heinrich fein Säger bei Schernberg t>attc, nur fnrje 3ett bort
ftehen unt> brachten alle üttagajine fchleunigft jiach Sauften.
Am 11. September früh 5 Uhr famen bie erften preu*
Alchen £ufaren jum grauenthore hinein ; nach unb na<h folgte
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3ufaitttrfe, fo jablretcb, baß ber ^Sauöroirtl) 68 Warnt Kinquar*
tierung jur Seföfitigung befam. $)a$ bauerte bi$ jHm 23. ©ept
au weitem läge t>te ?(nnal)erung ber £>aun'fd)en 9(rmce bte
^reußcn $um flbmarfaj »craniale, ^ie führten bic €tabt*
fdjlüffel unb bie beibett Sürgermcifter 33elimaim uitb Dtiedj
gleia)fall$ mit. 91m 24. s)lad)mittagö famm £e$tm junirf.
Wm 25. trauert bie &ai fertigen nacf; kauften auf.
9?ad)bcm einige 2ßod)cn lang bic 8tabt jticfyt mehr beun-
ruhigt worben war, famen ganj unenvartet am 28. £cceui>
ber 1759 von gauban 150 Wann pieußifdje #ufaren, nebfl
100 Wann 3nfanterie unb einer Äauone. Der tfommanbeur
forberte alle föiügl. Jtaffen, alle vorrätigen Sudje unb
40,000 Iljlr. Kontribution, (Srftcre würben tym cinaeljdn*
bigt; bie $ua)e follten ber Angabe ber Bürger nad), afie auf
ber ÜJceffe fein, boa) fanb er uod) fo viel, baß ber 2öertf) be$
9öeggenommcnen gegen 1000 £l)lr. betrug. 9Jad)inittag$ 4 Ufyr
tbaren erft 5000 Üt)lr. beifammen, wc$fialb mau große gunfyt
vor ^tlünberung Ijegte. Der 9Äajor nahm jwei angefefyene
Bürger, bie ftatfydrjerrn SRanifd) unb Dr. gröljlid) mit nad)
&mban, brofycnb, wenn am 29. nid)t baö übrige ©elb,
35,000 Üfylr. in Sauban fei, werbe er mit mefyr Gsrcfutiona-
truppen fommcu unb bic (5tabt pltinbern. (*r ließ ftdj bc*
l'djwidjtigeu als man il)m am folgenbeu Xage nod) 10,000 Xfylr.
außerbem für 1000 Xljlr. Zud) fenbetc, unb bie Uumögliajfeit
wrftellte mefyr ju jahlen.
Den 14. Januar 1760 bejog baä game Sdjmettau'fdje
Äorpö, gegen 6000 Wann, Duartiere in (Modifr. Die 6tabt
mußte mehrmals $u neuen .Kontributionen unb 2luöfd)reibun*
gen beä preuß. ©eneral-itommanbo'ä beitragen, wäfyrenb fort*
wäljrenb in ber Umgegcnb €d)armü$el jwifctyen Jlaiferlidjeti
ünb Greußen vorfamen. 91m 10. Wax\ ging ba$ ganje $orpd,
weldjed julefrt uod) 14,000 Xljlr. erpreßt fyatte, nad) gauban
ab. Die öfterr. Mrmce riefte wegen gourage - langete nicfyt
ein; nur ein Regiment blieb in ^ittan flehen.
2Rit bem 3a^re 1760 frören leiber bie fpejielleu Berichte
auf, roeldje ftcf; bid bafjrn «ber bie Truppenbewegungen bei.
©örltfr vorfanben.
91ld ber Jtönig burdj bie Dberlaufifc nad> Sdjlejien $og,
ging ifjm Daun jur Seite uub pafjirte am 5. Sluguß 1760
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Die €>tabt mit einem Xfyeil feiner Xnvpptn, ber anbete ging
fübweftiid) von ber ©tabt über bic Dörfer.
3m 3. 1761 war griebrid) ber ©rofje auf bem $>urd}*
ntarfdje nad) ©djleften in ©erlifc. 3eber Bierfjof fyarte 120
3Äann Einquartierung unb in bcmfclben SBertyältnifle waren
alle Käufer bamit belajiet. 3>ie ©tabt mu£te 21,465 Sfclr.
gonmbution, 2714 $f)lr. an £u$, 2696 Ztyv. an 5)ouceur$,
unb 1990 £f)lr. abverlangte Safelgelber geben.
Dbwofyl im 3. 1762 ber Ärieg$fdjaupla$ lebiglidj in
©Rieften war, r)atte bennodj, griebrid)* richtigem Softem
aemdfi, ftd) anberwärt* bie 6flf6mittel für gortfefcung beS
Äriegefl t)erbei$ufd>afFeu, aud) (§6rli$ *u leiten. $>en 9. 6ep*
tember 1762 fam ber ©eneral v. ©djmcttau nad) ©orlifc unb
verlangte 40,000 $l)(r.; au$ ben anbern ©ed)$tiäbten unb beu
JUöftam würben viel ©eiffeln feftgcr>a(tcu. Slm 4. Dftober
uiarfdjirte ©djmettau ab naefy ©Rieften; fam jebod) am 17.
auf bem $urcr)marfd)c nad) 9fleijjen wieber burdj bie ©tabt,
wofelbft neue Erpreffungen erfolgten. 91m 23. Oftober erföien
ba$ ßorpö beä ©eneral v. %euwieb; am 4. November jene*
be$ ©eueral v. töamin, weldjeä ftd) in ^lünberung f>er*
vortrat unb ber ©tabt biö in ba$ neue 3af)r 1763 jur Saft
lag. $)cr §ubert$burger griebe entfernte biefe *ßlaaegeifter.
Äönig griebrtd? ^afflrte nad? 8u$wedrfelung ber föatiftfaiionen,
am 12. 9)car$ ©örlifc, ofyne feinen SBaaen au verlajfen.
8m 21. Wäis 1763 würbe ba$ griebenSfeji in ©orlifc •
gefeiert
3m Kriege von 1778 fyatte ©öili$ jwar aud> einige
Einquartierung, weldje in ber ©t. $lnnenflrd)e ein 9Äaga$m
anlegte. SRan fam aber im ©anjen mit ber gttrcfyt fort,
benn ber griebe von 1779 befeitigte balb bie Befürchtungen
wieberfyolter J?rieg$leiben,
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Neunte« mpittU
Die milben Stiftungen in ©örlifr.
d$ gibt wenig Stabtgemeinben, we(<f)e eine fo große 3al)i
von Stiftungen jum grommen unb gur Uuterftü&ung bebräng*
ter 9)titmenfd)en |n »crwalten Ijaben, wie ©örlijj.
Sa)on früher hatte man ftd) bamit befdjäftigt, eine 2luf-
jeidjnuHg berfelben ut bewirfen, inäbefonbere befmbet ftd> in
Der Sanii&er SWonatSfcbrift von 1797. 93b. II. 6. 610. 3af>rg.
1802. 931». L S. 326 ff. 402 ff. ein thtffaft be* ehemaligen
Subreftorä Xjfdjopve am fjieftgen ©tymnaftum, mit einem
^JÖerjeidinifi ber Stiftungen für Stubfrenbe in ÖJörlifc. 3n
berfelben 2Ronat$fa)rift Jahrgang 1793, 33b. L S. 93, war
fdjon vor bem $afd)oppc'fd)en auftaue eine: „9tad)ridjt von
ber ^artmann'fajen Stiftung in ©örlifc" mitgeteilt korben.
$eueroing$ hat ber SRagtjtrat in ©orlffc ein s-8eraeid)niß
ber von ihm verwalteten milbeu Stiftungen entwerfen laffen,
welcf;e$ in großer ©enauigfeit unb überfid)tlid)er Klarheit ben
treffe vertagen f>gt.
Die Stiftungen ftnb in jenem angeführten 33erjeia)nip ge*
orbnet in folgenber ©eife:
I. Untverfttatöftipenbien, unb jwar a) vot$ug$weife an
SBerwanbte unb attäbrücflia) genannte ^erfonen. unb
b) an 9?id?t-95erwanbte unb niajt au£brücflich ge*
nannte *ßerfonen gebundene,
ü. Sd^uUStipenbien. a) für ba$ ©tymnajtum. b) für bie
bösere 93ürgerfd)ule; c) für bie JBolfäfdjulen.
III. 3n allgemeiner UnterftüfcHng für SBerwanbte unb, be*
ftimmte ^erfoneu. '
IV. 3« beftimmten 3roetfen.
V. 3ur Unterftüfcung für §(rmc: a) bei ber SCrmenfaffe,
b) bei ber £o$pital*Äaffe, c) bei ber 2Öaifen*fltaftalt.
VI. Stiftungen, treibe bei bem Sierar ber evangelifdjen
Ätr$e verwaltet werben.
enannten
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©efyen wir auf bie Univerjttäteftipenbien über, fo fiu*
ben wir
L ba$ erjie unb ältere vom 3af)r 1506, worin ber au6 @*or*
lifc gebürtige qßrofcjfor Subwig Scfyneiber in £cip$ig ein gegen-
wärtig auf 570 iljhr. gewadtfeno* Kapital audfefcte, beffen
3infen buref) ben ÜÄagiftrat auf 5 3abre an ein görlifcer
Stabtfinb $u vergeben finb, welche« auf ber Univerfität £eip$ig
ftubiren muß.
2) 9JMd)ior £auffe, Stabtfiauptmann in Dreoben, legirte
am 13. Scptbr. 1572 taufeub ÖJulben (jefct auf 1551 Ztyx.
7 8gr. 6 *ßf. angeworfen) für feine 4 Sdjwefteru unb beren
Äinber. 3m galt be$ ^(u^erbeud ber gamilie fommen bie
3infeu $u gleiten Reifen an Stubirenbe ber Geologie,
welche in ©örlifc auf ber Sdjuie gewefen ftnb.
3) Die SBittwe eine* gorlifrer <Bürgermcif*er$, Urfula
SWeljer, befHmmte am 23. gebruar 1602 bie 3infcn von
415 2f)lr. für einen frommen, gette$fürd)tigen unb armen
€tubenteu auf 3 3afyre. Die greunbe bed (^emannä unb
ber Stifterin, mit 8u$naf)me berieniaen, welche jelbft SBermö*
gen befi&en, fyaben ben ^orjug vor §rembeu.
4) Dfterbinötag (18. JHpril) 1609, gab ber Dr. med.
etabtpDfifuö Jtaäpar 8ct)wenffelb 205 fyix., beren 3infeit
auf bret 3a^re, junäctyji für s^erwanbte, bann für «Berföwä-
geite bee» Stifters gewährt werben follcn. GoÜator ifi ber
regierenbe ^Bürgermeister*).
5) Daniel Staube, Dr. unb Diat^mitglieb in ©örlifc,
1000 görl. 3)iarf (jefct 1032 %tjk. 15 Sgr.) auf 3 l)intcrein*
anber folgenbe 3al?re für bie trüber unb Sdjweftern beä
Stifters, wenn fte ber reinen evangelifdjeu iKeligton ange^ö-
, ren. Stenn ba$ @efd)ied>t eingebt, $u gleichen SfaUai für
tfinber armer £anbwerf er. Die Stiftung ift vom 3 1 . Staf 1616.
6) SÄatt^euö SBerger, ©ürger unb £anbetemann in ®ör*
Ufr, beftimmte am 24. Januar 4617 bie Stufen *>on 1025 X^lr.
Kapital für jwet Ideologen au$ feiner ober fetner beiben
grauen greunbfdjaft unb jwar Sollen, weldje ut ben beßen
Hoffnungen berechtigen, auf bret 3af)re. Sin& feine $fyeo*
•) 3ßo fein doUator befonber* angegeben, fyat bif (Joüatnr jtet*
fcet gütiger SWagijtrat.
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logen ober gamüienglieber vorfyanben, faitit bafl €?tipenbium
aud) aubem gafultaten unb 9ftcr)tver*vanbten u\ l hni werben. .
7) «Roftna, SBittWf be« ©utäbcft&er epea)t auf Seopolb*
l>avn unb £enner*borf, »ermatte am 19. «Oiat 1639: 520£blr.
bem unter ber ©tifiertn $lutevenvanbten älteren (Stubenten,
f t einem anbern frommen (stubenteu.
8) 3oaa)tm v. 33erae*$errnborf, 9teid)Sljofratf) auf £crru*
borf, errichtete am 21. jauuar 1702 jwet Stipenbien, jährlia)
pfammen 109 Hr>lr. 10 6ar. 3i»fe»/ f«r S^ei in ber <5tabi
(Berlin ober beren 3Kitleibenf)eit geborene Stubirenbe. C>oüa-
tur*$ef>örbe i\t bie v. $erg*£errnborfer @eniorat3 *(5recutoria
SU ©logau.
9) Äm 7. 3uni 1715 fefrte ber Sürger 3eremfa$ iBictorin
3ad)cv in ©örlifc 800 Ihlv. ;u einem Stipenbittm auf 3
3ahrc für arme (Schüler aud, tvela)e einige Ja tu e auf hielt--
gern ©vmnafium jugebracfyt haben, ^tabtfinber unb au6 ber
6tabt gehörigen Dörfern ©ebürtige Ijaben vor gremben ben
^orjua.
10) SWoller v. SWoüerftavn, SÖürgermetfler ju ©örlt&,
Ue0 am 9. 3anuar 1720: 300 Wart <je$t 388 Zfyr. 26 6ar.
8 $ßf.) unfünbbar auf ben 93raufyof 9fo. 23 eintragen für
jnjei arme (Stubenten, unter Denen feine 5Mutövenvanbten
unb görlifcer Stabtfinber ben s-8orjug Ijaben. I ic (£oüatur
fietjt ben ^envanbten, je$t bem föiemermeifter 3. g. Limmer*
mann in ©ödifc ju.
11) Mag. unb Past. prira. 6e*>ffert unb beffen grau 9to*
fme in ©örlifc, beftiinmten am 27. Slpril 1727 bie 6umme
von 1400 $r>lr. für ifyre Änvenvanbten, in (Ermangelung für
anbere in Seipjig jiubirenbe ber augeburgifcfyen tfonfefuon &u«
gethane ©drüber. . Xaö <Stipenbium beträgt je tu jahrlid)
50 3 Mr. unb roiib 4 Jafyrc vom Hefter beö ©vmnaftumä
unb jebe$maligen *ßajtor ^rimariuä in Oku Ii lad 5. 3atyr
vom fönigl. Spellhof in ©logau vergeben.
12) ttm I. 3uli 1737 würben von ©ottfrieb ©erlaa?,
lMu"^vätov in ©örlifc 1040 3l)lr. auägefefet 'ju einem <5u*
penbium auf brei 3afyre. SBenvanbte geben vor; fie muffen
aber evangelifa) fein unb roenigftenö jtvei 3al)ve ba$ görlifrer
©tymnaftum befudjt fyaben.
13) Die Wajt'faje (Stiftung für Stubirenbe (fommt in
ber brüten »bt^eilung noa) vor).
32*
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;>oo
14) 1032 %tyiv. 15 Sgr. würben t>on ber »erw. giau
*prebiger Sophie (£lifa&etl) 4pille geb. Wanin'uö $u ©örlifc *u
einem llmverjitätäftipenbtum für arme Stubirenbe, welcbe 3
3ab)r minbeften$ ba$ fnefige ©»mnajium bcfucftt baben unb
et>angelifdjen ©laubenö |mb, am 6. December 1754 befttmmt.
SBerwanbte gefeit babei t>or. Die Sdjüler muffen t>ater- ober
lastico am Sterbetage ber Stifterin eine 9tebe &u ifyrem ©e*
bädjtnifj, and) beim Abgänge öffentlid) eine &bfdn'eb$rebe galten.
15) Die »erw. Jrau l'ouife t>. ©eräborf, geb. ». $odV
berg, legirte am 26. SWärj 1774: 4100 Xfylr. vier Bürger*
lidjen auf brei 3a^re hinter einanber, $wei »on fjieftgem, jwei
son fäd)fi|d)en ©^mnajten. (öftere mü)Ten jäf>r(tcb eine ©e<
bÄcfytnijjrebe galten unb befemmen bann, wenn jte fla) auf
ber Scbule gut geführt fyaben, aud) baä Stipenbium auf brei
Uni&erjttätöjafyre. Dedljalb gehören hierbei 2100 üfylr. unter
bie ©tymnaftalftiftungen. Die sJ?aa>foinmcn beö Senator §x\v
beliuä f)aben ben 93orjug.
16) Slm 13. Januar 1786 beftimmte Dr. jur. unb §v>\\
bifu* (Srbmann ©ottlieb «ftartmanu in ©örlifc, bie 3»nf™ *™
1290 £f>lr. 18 Sgv. 9 $f. Sour. $n einem Untotrjitöttfti*
penbium auf 3 3af)re für ein görlifrer Stabtfinb, in (Srman*
gelung für einen Stubirenben au« ben gorlifrer SXitleibenfyettS*
bdrfern. Diefc Stiftung gehört $Hr großen Stiftung 9Jo. 38.
17) 3ol)ann ©eorg &>cr;mann, Kaufmann unb Schöffe üt
©örlty, »ermatte 1025 Sfjlr. auf brei 3a()rc für einen Stu-
birenben, weldjer wenigften* 2 Jatyre aHf f)ieftgem ©&mna*
jtum gewefen unb evangelifdjeu (Glauben* ift. SkrwanbTe
baben ben Sorjug, nacr) Umftänben entfdjeibet baö £oo$. Die
Stiftung ift vorn 28. Januar 1794.
18) 2800 £l)lr. bestimmte am I9.^ril 1 798 tfarl ©ort*
lob Stmbroftuö ®olf, Slbuofat in ©örlifc, jh 2 Sttycnbien
auf furfäct)ftfd>en 4poa)fd)ulen , für Söt)ne r)ieftger ^btfofaten,
bann »on s£iertel$l)auptleuteu, banu ber &inbfaffen, auf jwei
3al)re. Die keltern ber Unii>ertltätS*Stfpcnbiaten Dürfen nid>t
in einem ftäbtifd>cn ober föniglidjen Ämte geftanben labert.
(£oü*atoren finb bie jwei QJorftefter ber Vanbfaffen unb ber äl-
tefte Sftwofat unter ber 8ufficf)t beö WagiftratS.
19) 3o()ann ©ottlob Neubauer, Sdjneibermeifter unb
bürgerlicher Deputirter in ©örlty, bestimmte am 3. gebruar
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1817: 1035- l&lr. (urfprünglid) 1000 £f)lr. Gono.*©efo) auf
3 3flfyre jwet 93ürger$föt)nen, bie jtd) auf hieftgem ©nmnaftum
au$ge$eia)nct. 93ei Mehreren aufweitet ba$ £ooä. $)ie 3$er*'
aebung au anbere fleißige Sdjüler ftebt beim "üRagiftrate, falte
feine &üracr$föfyne portyanbrn ttnb.
20) i>ie t>ero. grau ^rofeffor SÖeiSfe geb. ^artmann in
£etpjig legirte am 20. 3uli unb 16. Sept. 1837 $u einem
Stipcnbium auf bie Uitfoerfttdt £eip$ig an geborene preußifdje
Cberlaufifcer, unb überhaupt preujnfdn' Staatsangehörige
2000 Xfylr. ©eborenc ©örlifcer unb foMe, meldje bie Sdjule
bi$ jum Abgänge befugten, haben ben ^oriug. Der s3Äagi*
ftrat fann nad) feinem Srmeffen baä Stipenbium aua) unter
3wei feilen. Siub feine Stubirenbe üorfjanben, wirb Dnö
Stipenbium in $n>ei föaten für bie lauer ber Skcanj an
Gtymnaftaften bei I. unb 2. Älaffc »erteilt, wobei geborene
©örlifcer ebenfalls ben 33orjug tyaben.
21) Xen 26. 9(ooember 1837 »ermad)te Johann 3^fob
Säittler, Bürger unb Stabtwertel*-- Hauptmann tu ©örlifc,
1025 Xfylr. su einem Stipenbium auf 3 3af>re für einen av
inen Stubirenben, oornebmlid) aufl be$ Stifter* ftamtfte mv
tertiärer ober mütterlicher Seite.
II. Sdjulftipeubieu.
22) Xer fchon genannte SRattyeu* töerger fefcte am
5. Huguft 1587: 100 Ztyx. and an 6 arme unb bürftige
©tjmnaftaften, fo fleißig ftubiren, am Jafobitage jebeä 3abm\
£>aö ©elb vergibt J>er Hefter beö Gtymnafutma.
23) greiljerr t>. Styloerftein-^ilnirfau auf Bndjwalbe fe&te
ben 27. üWat 1715: 2562 Xblr. l5Sgr. für brei eoangelifdje
auf bem görlifcer Qtymnafio ftubirenbc Schüler uuo jroar für
einen geborenen ©örli^cr , einen Saganer unb einen Sprot*
tauer, auf 3 3«f)re bintereinanber auö. SBeun mehrere be-
rechtigte porfyanben ftnb, wirb gelooft. *Äm 17. Äpril jebed .
3>af)re$ folfcn bie Perzipienten öffentlich eine fleine SRebe &um
2lnbenfen bc$ Stifters halten. (Jollatur^e^örbe bilbet ber
$tagiftrat für ba$ görlifcer; bad evang. JUrd)enfo(legium in
Sagau aber für ba$ faganer unb fprottauer Stipenbium.
24) Da« fa>n oben erwähnte ». ©erSborffdje Schul-
fitpeubium. &ußerbein hat bie Stifterin ben jährlichen
an^eil r>0n 20 Xtyx. <£om>.*@elb. (je&t 21 X\)it.) eirotf für
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502
$efjrerger)alt 33erbefferungen be ftimmten Jtapitald von 4000 Tblr.
gu ©aSulprämteti au^gefefct, oon benen $n>ei ©rfmfern ber 1.
klaffe ä 7 Xfjir. 10 (ögr. 6 *ßf., einem ber gmeiten 6 3tyr.
9 ©gr. gu 53 ücberu verabreicht »erben, 2Bir galten bie frü*
fyere 33enu(ung btefed ©elbefl $u geprägten 5) enf münden,
frelcfye ©djüler aller jtlaffen, feierüd) vor bem 3Ragijrrat6«
CSoltegio verreibt erhielten, für päbagogtfd) jroetfmdfHger, in-
fofern afo bet (Sfjrgeij bitra) bie Ärt ber Ueberrticfyung md>r
angeregt würbe.
25) Den 16. 9?ot>. 1777 befttmmte ber bereit« genannte
3. ®. 2oa)mann 836 $f)tr. 20 ©gr. für adjt arme fletfjtge
(Schüler, einem 3eben monatlich 10 (5gr. unb außerbem jafji -
lid) 5!/a ©gr. bnra) ben Dieftor be$ Gfymnaftum* ju ver*
rtjetlen.
26) £artmann'fd)e ©tipenSium für ®tytnnaftaflen.
oom 13. 3anuar 1786 beträgt jäfjrlid) für jeben ©dmler
25 Ztyx. 24 ©gr. 3 $f.
27) Dcrfelbe Sondier fefcte 51 Xfylr. 18 ©gr. 9 $f.
für ein arme« ©a)ulmäba)en unb eben fo viel für einen ar-
men ©dnilfnaben in einer r)tcftacit uiebrigen $Bolfäfa)ule au6,
u>eld)e <Summe, n>ie bei 9Jo. 26., auSgelooft n>erben muß.
28) ©ottlieb #oolf JUien, DiafonuS in ©örltfc, beftimmte
nott) bei feinen fcebjeiten, am 21. sJWat 1819: oon 200 Xfylr.
bie 3infen mit 8 ifylrn. an gwei bedürftige unb fletptae vom
?tteftor ju rodfylenbe Primaner, jebem nionatHcf) 10 ©gr.
2 üfylr. fallen 311m Slnfauf beutfdjer s2Rufterfd)riften für bie
tr(le klaffe vermenbet werben.
29) Derfelbe legirre am 20. 3ult 1827 unb 3. Kpril
1828: 110 Xfjlr. $u ©djulprämieu für bie beften 6a)üler unb
©djülerinnen ber ©tabt*8rmen*©a)ule beßetyenb in etngebun«
b$nen guten bei Gelegenheit bei Oßerprüfung gu oertrjeileuben
Sutern.
30) M. (£fyr. ©ottlieb 3or)n, $rof. in ©a)ulpforte, am
30. JOftober 1829 : 300 $f)lr., bei 4 $ro$. 3infen, für bret
©djüler auf 3 %af)xe, jebem raonatlidj 10 ©gr. 9trme ©<tyü«
ler au« ©eibenberg, feinem ©eburtöorte, t;aben%ben Qtargug.
31) 3or). ©am. (Sifler, $ubri(främer in ©örlifc, am
16. ©cpt. 1835, jdl;rli<& 40 Xljlr. an einen Primaner beS
©^mnajwmd.
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Ö03
32) Derfelbe jdbrltd» 40 Xfylr. für einen Schüler unb
40 Zfyit. für eine (Ecr)ü(eriu ber fyör)eren 33ürgerfd)ule.
33) <8oh t>er Stabt @Jörli& würben am 15. £>ftober 1840
uim ftnbenfen an bie X^ronbefteigung Jlötug grieDria) 2BiU
Mm IV. bie 3*«K"* fctd Stiftung *£apital$ (prüfend) *2Bü*
()dm$* Stiftung genannt) ju 2 Sd)ulftipenbien für „bie bchere
$uraerfa>ule'' beftimmt. Die (Sottatur hat ber Ü)tagijrrat unb
bie 6tabtverorbneten*$erfammlung.
34) griebria) tfiebegott s4$rätor, emerit. erfter £berler/rer
ber $ürgerfa)ule git tfbbau, fe&te im 3unt 1848 ut Unter>
ftufcung armer, aber augleid) frommer unb fittlidjer tfinber auf
Der t)öi>erit Surgerftule ju ©örlifc, im SCUer von 8— 14 3afyren,
2650 Xf)lr. au*, Änaben unb #?ät>d>eii in gleidjer «njar;l,
mental* in baarem @elbe, fonbern SßeifjnadUcn al$ s4kätor'fd)c
Spenbc in JUeioungSftürfen, unb Oftern alfl ^rätor'fdje Sa>uU
prämie in Sdjulbebürfniffeu }u erteilen.
III. 3" allgemeiner llnterftüfcung für sBerwaubtc unb
beftimmte ^erfonen.
35) Slnna $erger geb. £elbreid> beftimmte am 22. «Wai
1618: 133 $l)lr. 10 Sgr. (ie$t 140 £r/lr.) für ben jebeSma*
ftgeit Äantor bei ber evangelifdjen £aüptfird)c pro inspectione
et labore be$ $e*perfingenö.
36) Dr. ©ottlob Benjamin Wd)t, ^rdtor in ©örlifr, be*
ftimmte am ll.2tuguft (15. Sept.) 1739: 400 (jefct 420 Xr;lr.)
git einem Legate für bie armen greunbe feiner gamilie von
väierlid)er unb mütterlia)er Seite, befonbertf Derer, weld)e ju*
gleid) als mütterlidje Ukrroanbte vom ^rimariue (£liad dei-
ner) abftammen, jebem auf $wei Mfyxe, ben £anbwerfeiu
jum fernen unb l'oäfagen, ben Stubireuben *ur Univerfttät,
Den *ßerfonen wtibiidjen ©efdjledjtä gm ^utfftattung; im Waw
gel von »Hervoaiibren ben Äiubern bee Pfarrers ju 2efa)wifc.
«uperbem am felben läge 200 Sr)lr. Gonv.*®elb (burd) $e^
leirmng$*$$acan$en, jefct biö auf 2500 Hfjlr. angewad>fen),
wovon bie 3»"K» «i flrn*c ^erroanbte ber Gfyefrau be$ Sttf*
ter*; nameutlid) a) beö $ürgermeifter$ v. sJÖ2oü*erftein ; b) be*
Stabtrio)ter$ XobiaS ®ran$, c) ber verefjel. gewefeuen Xjfcrja;
fa)el, geb. v. ^oüer ftein verreibt werben. Sino folaje nia)t
Vorlauben, follen bie 3iufen gefammelt, unb bem jebeemal
9iäd)ften ein SR eljrere* gegeben werben.
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37) Den 16. 9cov. 1773, würben 500 Xfjlr. <5onv.*®elb. -
(jefct 520,£l)lr.) von (Ebrift. Wupper, SBefifcer De* Dorfe«
Dber*Deutfcbofftg audgefefct, mit Der Sefitmmwig, bafi 4/5 ber
3infeu an t>cn £auptlcf)rer ber 8W0*8olfcfd)itle, unter ber
9ßerpflid)tung, brei ©djHlfinbern unentgelblid) Unterrity au er*
teilen unb an be* «Stifter^ SobeStage ba$ Sieb: feinen bat
@ott verlaffen" , mit ber klaffe \\\ fingen, % aber .an ben
geijilid)en 3nfpeftor ber ©dnile für 5kauffta)tigung, verteilt
werben feilen.
38) Die fiartmann'fdje ©tiftung betrug urfprüngltcf)
20,000 £t)lr. Sonv.*<S)elb (jefct 20,650 %f)ix.) ($a ehalten
and ben 3infen: a) 165 %\flx. 6 ©gr. vier arme Sßitttnen
Obermänner, bie jnr ©elbfterfyaltung gu f&wadj jmbä41 $()lr.
9 ©gr.; b) 165 £f)lr. 6 ©gr. vier arme r)ier wofynenbe
SBittwen; c) 51 %x)ix. 18 ©gr. 9 $f. ein fhtbirenbe* ©tabt*
finb, wobei aud), im galle ©dritter md)t vorfjanbe« finb, bie
Dörfer partiripiren ; d) «Bon 103 Xf)lr. 7 ©gr. 6 <ßf. jweiarme
verlobte Jungfrauen, wenn ftc in ben ©tanb ber (£be treten, jebc
bie «£>älfte; e) fünf arme bieftge 2öatfcn auf bem ©mnnafium,
ober -ein £anbwerföbeflijfener, fo lange fte lernen, &ufammen
129 Xl)lr. 1 ©gr. 8 «Pf., ä jäf)rlid) 25Xl)lr. 24 ©gr. 4$f ;
0 82 $r)lr. 18 ©gr. jwei arme fn'ejtge Bürger; g) 51 Sfylr.
18 ©gr. 9 *Pf. ein armer 3ungltng ober Jtnabe auf ber 3Bai*
, fen-- ober §limcn*©d}ule; h) 51 $t)(r. 18 ©gr. 9 Bf ein ar-
mes 9tfäbd)en ebenbafelbft; i) 25 Xfylr. 24 ©gr. 4 *ßf. bie
&rmen*$erpflegung6fajfe jur $ertl)cilung unter bie ^ebürfri*
gen. 93erwanbte bed ©tifterä fyaben ben Starjug. 3u jeber
feenefijien^tefle wirb gelooft unb ifi ein 3tbfommen ber $oo*
fenben frreng verboten. Die 3afyfang von a. b. d. f. g. h.
erfolgt furj vor bem beil. 2\$eil)nad}t3abenbe.
39) «m 22. Mprtt 1802 fe&tc bie vertv. <5va ffioftna
©ommer geb. ©dmeiber in ©örlifc 1081 Ifylr. 15 ©gr. tan
au£, bafj bie 3iuf*u am ©terbetage ber Stifterin (19. &pril)
an brei arme ,£anbwerf$wittwen , jeboa) niemals mefyr al€
einmal verteilt werben follen.
40) 3>ol)anne (Sfyarlottc #äfmer, geb. $zxb\§ in ®örlifc,
am 16. gebruar 1816: 400 Xfylr., oeren Sinfen vier arme
SBittwen jär)rlia> jum 9leujafyr$gefct)enfe erhalten. SÖerwanbte
gelten vor.
41) Jtarl ©ortfrieb Jinfter, ^egociant in ©örlifc, am '
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-*
14. gebruar 1821: 200 Xf>lr., bewn 3mfen bte (5nfelfinber
beö Stifter*, fo viel it)rer jur $t\t fetned Xobeä am geben,
$ur 9fieberlajjung ober HuSftattung befommen. Xreten fold)e
gälte nuin ein, fo flicpt raö (Mb in bte &rmenfaffe.
42) Hm 16. (September 1835 oermadjte 3ot>ann Sa*
muel (Sifler, ^ubrifcfrämer in ©örlifc, ben s>)faajftrat unter
Jtonfurrena mit bem Unioerfalerben , Äürfdjnermeifkr Johann
Nitguft $öf)me al« . (Soliaturbebörbe etnfefrenb, 25,075 Xljlr.
n) Eon 15,600 Xtynt. ftnb bie 3"*fcn, jätjrli« 26. £f)lr. pro
*ßerfon an 25 #audarme in wöa)entl. Baten oon 15 Sgr.
jtt seriellen; b) »on 2000 Xf>lr. werben bie 3tnfen am
Sterbetage bed Stifter* (13. £)ftbr.) jebedmal an 10 $erfo^
nen mit 1 Xfjlr. unb an 45 $erfonen mit 20 Sgr. gcjaf)lt
(nur an würbige £au$arme, bie fo t>iel wie mögltd) na) fort-
Reifen fud)en); c) oon 7350 Xi)lr. werben am Sterbetage
bte 3infen mit je 40 Xblr. an jwei alte Bürger, jwei alte
Söürgerfrauen, einen Primaner (bed ©mnnajtHmd), einen Stt)ul
fnaben unb ein Scbulmäbdjen (ber t)öbern ©ürgerfcfyule) au*
gejault, ©er leer audgefyt beim bedfaüftgen doofen unter
dreien erfrält 1 Xtyx. Sd)tner$cndgelb; d) von 125 Xt)lr.
werben bte 3»nfen mit 2 £l)lr. an betbe flrmenoögte, mit
1 ZUx. an bie töatbebiener, mit 3 Xl)lr. an bie oolljtebenben
Deputaten gejault. Die Eerwanbten be3 Stifter« ftnb oor-
jHgäweife beredjttgt.
43) Hm 7. Äpril 1840 grünbete bet frühere Kammern
Äafjtrer $ertel in ©örlifc, fpdter 9ftttergut0bejt&er in Daubifc
bie ^ertel^eumann*3w^)etfc^e Stiftung mit einem auö bem 93er*
tauft be$ Dttttergutä Daubifc erfolgten betrage oon 41,000 Xfjlr.,
beren $infcn wäfyrenb ber 2ebenfyeit feiner SÖBittwe an biefe
nod) auswählt werben. Die 9Beftimmung.cn betreffen hanpr
fädjlicf) Serwanbte unb ©efannte bed Stifter* unb ftnb meb;
rere $ami(fen*Sripenbicn eingerichtet, beren fpe^teCle (frfnjelfjei
ten in ber SRagtfitratö rdmft angegeben ftnb. 3Öenn |ld)
feine Eerwanbte, bie wenfgftcnä im 10. $krwanbtfd)aft6grabe
ftel)en, melben, foÜ bura) 3C^U»3CU breier Sänber, ba6
gamilienredjt für erlofdjcn erflärt unb ber SriftungSfonbä für
allgemeine mtlbe 3wecfe naa) ben SBefajlüjfeu fceS görlifcer
ftatfjä oerwenbet werben.
44) Den 7. December 1842 t>ermad>te ber ©etfh unb
Sämifa)gerber: 3mmanuel Gottlob tflof 20,000 Xfylr. $et)uf$
DigitizecTby
MC
faruntuno, emer tlnftalt für Aufbewahrung armer Äinoer.
Die 3w|cn oon l%4 finb je$t nad) ber Rinning ber @etji*
lief feit ,ra mc befonbere SefrimmMUgen enthielten, ;m ,mni tuten
Jtajfe red eoanqelifd)en Aireben *AoUegit gebogen wcrbeit.
IV. 3« beftimmten 3werfen.
45) Älbtnue r erfrier, Neuner von &(ina.ewaibe, guDirta*-
borf unb Deutfd)omg fegte am 29. Sugujt 1704 eine md)t
abforbtrbare »ente oon 20 Vit (15 Xf>lr. 24 Sgr. 9
für bie ©ruft bee ©obiuä, fein gamilten (irhtu^rabmp, an-?
Die «Rente in jefct uten auf 2497 Xhli 15 Sgr. gewartfen.
46) Die fd)on oben 9to. 13. genannte grau r>. ©ereoorf
4200 Ibir. \u ©e^alW^erbejteru ngen ber ©vmnaftaUebrer;
von 500 Xfclr. 3infen m Remuneration ber Beamten; weiäe
bie Verwaltung ttyrer Stiftungen beforgen.
47) Diefelbe 2öobltbäteritt 3000 Ztyt gonoent. ©elb
gu einer grauen*immer*S<r?ule, welajer gonb* jefct burd) 3wi
läenräunte in welker wegen Langel* an Ibeilnebmern Ne
Sdjule ruljie, feit bem 26. «Ran 1779 auf 10,800 Sblr. an*
gelaufen ift. Gegenwärtig ift trieber ein foleber «Rufaounft
eingetreten unb foll ntebt er)er wieber eine (fröffuung ber Hn
ftalt erfolgen, ald bte oer bermaHge Jtapitalbetrag verbot*
pelt ift.
48) Hm 30. November 1787, beftimmte ber Stabtrityer
Vi mittat VI linear £einrid) Serdje 10,390 Xfclr. gu bem Snyc&t,
bog a) von 6234 £f>lr. bie 3»lKn Diejenigen, welche eine
im 3. 1787 bereit« leere fteuerbare Stelle in ber Stabt ober
wfd)loffenen iöorftabt aufbauen, b) bic Sinfcn von 4156 Il)lr.
für jwei Äünftler ober ^rofefftoniften , weiaje ald HuSlänber
H(b an fyieftaem Orte nieberlaffen unb ein ©runbfhtd erwerben,
jeood) nur einmal erhalten tollen. x\it deiner vortyanben, fo
fallen bie 3**tf*n an bie Hrmen- Verpflegung 'Jtaffe.
49) Hm 1. SRat 1790 würbe von einem bamatö llnbe-
fa nn teu, (ber ftd) fpäter alä ber 8ürgermeifter Samuel S/jfyr
in ©örlifc au6wietf) eine jefct 4800 Xl)lr. betragenbe Stiftung
gemacht, wovon 500 Slr>lr. $u Petitionen für ®^mnaftal»?c^rer
unb fyieftge prebiger Sßittwen, ber Dieft ju Söebürfniffen ber
biefigen evangelifdjen Stabtfd)ulen nadj (Srmeffen be6 sJ)<aa>
ftrat* benimmt finb.
50) Der ©ürgermeifter unb SvnbifuS 3*>&ann ©ottlob
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3obel in ©örlty fefcte am 15. gebruar 1813, unter (£oÜatur
beä slRagiftratd unb ber Bürger -Deputation (©tabtverorbneten)
2056 %i)lx. 22 (Sgr. 6 *ßf. an4, bajj bie jährlichen 3infen
jur (Errichtung unb Segung von SBranbgibeln, fobann ui 3ie*
gelbäcbern, vornehmlich in ber verfchloffenen iStabt unb nachher
in ben SBorftäbten verwenbet würben.
51) 5Äm 30. «pril 1827 beftimmte ber Bürger ©amuel
©ottbelf gorfler in ©örlifc 1000 Xtyx. a) jur Remuneration
be$ Xobtengräberfl mit 2 $f)lr. für $eaufjtchtigung fetner ga*
miliengruft, b) uir Unterhaltung ber festeren, c) ber ÜRejt fott
ui Änfdjaffung von lltenjtlien für ba$ ftäbtifche ÄranfenhauS
benufct »erben.
52; 2)er Rentier @f)rifttan grtebrtch v. (Schrirfel veranlagte
am 20. 3uli 1835 : 5000 £hlr., wovon bie 3infcn jur einfügen
SBegrünbung einer 9lnncn^efd)äftigungd*}Mnftalt, vorläufig jur
(*rjtebung verwahrloster Äinber verwenbet werben follen.
53) 2ßir ^aben fa)on oben bie griebridi SGHilhelmä (Stif-
tung genannt, .hier ift nod) anzugeben, bafj ber Komm crjien -
ratt) @ever$ 500 SEBfir. Hhb ber SBürgermeifter ^Demiani
100 l^lr. i« i*nen 5000 hinzufügten. */l0 per 3infen fom*
inen gu jwei (SchHlftipenbien für (Schüler ber 1. unb 2. klaffe
ber höheren 93ürgerfchule; 3/io $ur Unterftüfcung früherer <Sd)ü-
(er jener Hnfkill auä ©örlifc, welche fitt) bem höheren ®e-
werbeftanbe wibmen; 3/,0 ju wöchentlichen mit (grperimenten
verbunbenen Vorträgen für r>te|lge ©ewerbetreibenbe.
54) 5)er (£ommer$tenratb, (Stabtratf) ©eorg Stubolpf)
©everö »ermatte in feinem Seftamente, welrteä unterm
7. December 1849 in feinem auf bie Stabt bezüglichen Ztyüt
publirirt würbe: 1) @in Kapital von 1000 Ztyv., beffen
3infen biejenigen beiben Lehrer an ben hingen wer Wcitfr
faulen jährlich jur Belohnung, erhalten follen, welche fta> nach
bem 3eugniffe ber (Schul* 3n|peftion bae 3ahr fnnburd> burd)
forgfamen Mnb ^wertmäßigen Unterricht ber ihnen anvertrauten
3ugenb befonber* ausgezeichnet haben; 2) ein Kapital von
2000 $hlr. bem tyۆ$tn Xua)machermittel, wovon bie 3infen
an vier ber h«f*bebürftigften hieftgen Xuchmachermeifter, nad)
ber (Stimmenmehrheit ber «elteften unb be* ateefchuffe*
be* Xuchmachermittelö , alljährlich ausgezahlt werben follen;
3) ber biefigen Jtirche 6t $ciri unb ^auli 500 Xhlr.;
4) ein JTapttal von 1000 Ztyx. ber ^teflgen «rmenanflalt;
*
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5) ein itapital fron 1000 Zbix. bem f^teftgc» 2Baifenbaufe;
6) ein Äapital von 1000 Ztyx., voir beffen $in\tn jäljrlid)
Die Slufnabmefoften unb notrjwenbigen ^ebürfniffe von vier
armen tyeftgen £efyrünaen ju bcftrciten fmb, welaje fia) na<b
bem 3*"9nijj Ifaw Wf* burd) gleig unb fittlidje* 33etrag«it
auszeichnen; 7) ein Kapital von 2000 Xl)lr. ber <Stäbt ®ör*
im , von welkem Kapital Die 3infen alljafnlicfc $ur &älfte, im
58inter, |i 45>oMvertbeilung unb )ur anbern £älfre ber Suppem
ober ©petfetjertheilung^'^nftalt fiir bie Ernten überwtefen
werben folleir, 8) ein Kapital von 500 3$fc. ber ßleinfinber*
<8ewaf)r^luftalt; 9) ein Kapital von 500 Ztyx. ber «nftult
*ur SBejferung fmiia> *verwat>rlofter ^inber f)ierfe(b|t. Da
nun bie fclgenben (Stiftungen aua) unmittelbar ©örlifcern ju
©ute fommen foüen, fügen wir hierbei bie (Stiftungen an bie
3rren*2lnftalt in $lagwi$ 1000 Xfjlr., ba* SBlinben* unb
. $aubftummen*3nftüut in 93re*(au a 1000 Xtyx., wovon bie
3infen vonugflweife für berartige Unglütflidje aud Ijiejtger
Stabt benimmt fiub, fo fommen 12,500 Ztyx Legate t>erau$.
55) Die (£rben t>e<5 Vorigen, funbirten jum 2Inbenfen
an ifyren verdorbenen SBater unb an if>rc am 19. 3uni 1849
verstorbene WHtter, $rau Mariane Henriette ©evertf geb.
Debefinb, ein Kapital von 500 Ztyx., befjen Sinfen jur $älftc
am Xobedtage ber Sefcteren (19. 3uni), jur ^älfte am Xobed-
tage be6 (öfteren (29. November) au je 10 #rme, befonberä
franfe 2(rme verteilt werben foüen.
V. iux lluterftü&ung für $lrme.
1) bei bei Slrmenfaffc.
56) Dr. 3uliu$ (5rnft Sd)olj von (SdjoÜenftern legirte
am 22. 3uli 1728: a) 1050 %X)ix. unablöäbar auf ben Skau-
l)of 9to. 138. Hmrjelnb, beren 3*nfen am £fl8c 3uKh6 in bem
gebauten «£>aufe unter 400 SHrme ä mit 3 ifraifergrofdjen ver^
theilt werben, wobei ber ©eiftlidje für bie ftbrunbigung I Ztyx.,
ber 9Tebituu0 unb ^irdjenbiener ä 15 Sgr.; bie Jflrmenvögte
ä 1% 8gr. erhalten; b)8!2 %\)\x. Lö <sgr. auf ben 33ierr>cf
9to. 198. Die 3infen werben an 300 $trme ä 3 Äaifer*
grofdjen am Xage ßrnejii verteilt.
57) 38 $Mr. 26 ©gr. 8 *Pf. befttmmte am 7. December
1730 ber Bürger unb $ud)maa)er SÄatthcud Sdjulj in ©örlifc
Aur SBertfyeilung ber Sm\tn an Äranfe im ,Äranfenf>aufe.
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58) 'Um 1. 9Rai 1754 *erma*te Sofjann Gbriflopf) Sdjmibt
Bürger unb 91rmenbeputirter in ®örli$ 1000 Iblr., bereu
3infen au arme Bürger unb 38ittwen f>teftger Stabt am
23. M«anft; von 10 Sgr. bi$ f>oa)ften$ 1 $t)lr. wrtfyeilt
werben foüen.
59) Die viel erwähnte mitbl^AUgc grau ©erdborf
beftimmte t»ou 1000 Xblr. bie ^in^n ijur Bertfyeüung am
3£eibnad)t$abenbe an 2lrme, mit ber (Srwäfynung, bag bieS
|itm ^Jnbenfen an ihren rerftorbenen ©emäbl, nad) Abfindung
M Siebet. „Sei Sob unt> @br bem Ijödjften ©ott" gef*el)en
foUe.
60) Den 14. 9Kai 1808 beftimmte 3ol). Gfjrift. ». Triton
geb. Deitmer bie 3»»K» 300 $blr. }ur Bertfyeilung im.
aßinter an bebürftige £au$arme.
61) Der oben erwähnte (s)fo. 19.) Neubauer legirte
a) 2475 Xl)lr., unb awar To, baß 1) t?on 831 ,H)lr. 7 Sgr. 6 *pf.
Kapital Die3iufennaa> abgehaltener ©ebäa)tnifjprebigtmit 20 Sgr
an 20, mit 15 Sgr. an 20, mit 10 Sgr. an 14 unb mit 7»/2 Sgr.
an 17 arme $erfonen unb 20 Sgr. au bie beiben Firmen-
&ögte gegeben werben follen, 2) von 821 $l)lr. 26 Sgr. 3 $f.
bie 3>»fen an 4 arme Bürgerwittwen ober Banner, wobei
8 ^erfonen loofen, 3) *>on 821 Xr>lr. 26 Sgr. 3 «Pf. bie
3infen an vier arme SÖittwen fcou gleidjmätuger »efd)affenl)eit
fommeu follen; unb b) 413 £l)lr. 10 Sgr. alö jweiteä Kapital,
bereu $ui\en ber jebeömaligc sJDkgiftrat$ - Dirigent für feine
Bemühung um bie 2(u$für;rung crl)älti
62) Den 21. Januar f82(> befKmmre bie wrw. Sttajorin
Baum geb. Scfyneioer bie ^älfte ber 3»M'm etneä Kapitals
t>ou 1000 Xijix. }ur *Bertf)etlung an ?lrme fyiefiger Stabt an
ifjrem Sterbetage (12. 3anuar), bie anfcere £älfte am Sterbe*
tage tyre* ÜHanneö, ben 23. December.
63) Der ©et). £>b. «Regierungdratfj St. ©. «efnnauer in
Berlin Die 3infen ron 100 Xtylr. jur Sfiifna^nte franfer Dtenft*
boten in'S biefige äranfenl)au$.
2) bti t>rr Jpooi'italfafu\
• 64) Den 21. 3an. 1617 legirte 9Wattf)ia$ »erger 50 2f)lr.
16 Sgr. 8 jf., bereu 3infen <*m 3afobi an bie £od*
pitaliten }U St. 3afob verteilt werben foüen.
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65) Den 9. gebruar 1621. Gteorg Gmmericr;: 256 %tyv.
7 Sgr. 6 *Pf., an bie $o$vitaliten \u St. Safob.
66) Den 25. «pril 1682. 3gnafc Dotter: 19 X^lr.
13 Sgr. 4 *J$f., wovon bie Hinfcn am grünen Donneretage
im St. 3<tfob$ *4po3pita( verthcilt werben.
67) Den24.Decembetl689. SlubreaS Sommer: 10ü£l>lr.
an bie ^oäpitaliten jw St. 3afob.
68) Den 4. 3<muar 1710. Cfyrijtiaii dotier v. 9»oüer=
fteiu: 144 Ihlr. 20 Sgr., bereit ßtnfen an bie 6oSpita(iten
ber 4 ftäbtifd)en £o$pitäler verteilt werben pr #ira>metj$eit.
69) ». S^rverftein unb ^ilnirfau am 27. TOävs 1715:
1033 Xtyz. 10 Sgr. an ba$ grauen*£o*pttai.
70) Den 1. 3uli 1737 von ©ottfrieb ©eila« 50 2$(r.,
beren 3»M^ am • gebruar an bie £o$pitaliten im neuen
£aufe verteilt werben. Unbefannt ftnb bie StiftungStage ber
folgenben:
71) 100 X^(r. von ©. ^H. 9teumann, an bie £o*pita*
liten aUer 4 Äoöpitäler.
72) 25 Xt)lr. vom ^Bürgermeister Scrjön in ®örli$, für
baö £o*pital jum neuen äaufe.
73) 100 Xtyr. von 3ol). 3af.* 2id)tner au bie £o6pita*
liten ju et. 3afob.
74) 15 Xtyx. 16 Sgr. 8 $f. von % ©. görfter, an bie/
feiben.
75) 145 I^r. 25 Sgr. vom Eürgermetffcr »üttner an
bie et. 3afob'* £o*pita(iten.
3) bei brr ffiaifenanjialt,
76) «Born 3. 1802, finb bie folgenben: 4 Xr,lr. jär,r(ia)er
3iu$ von ber verw. Sommer *ur UJertfyeUnng am 19. 8pril,
bem Sterbetage ber etifterin.
77) 5 Xtyt. vou ©er>lcr jur <Bertl)eüung am Sterbetage
m Stifter*, 7. 3uU.
78) 4 Xfylr. von Demifd), $ur SÄotyfer Äirdjmct*.
79) 2 $r;lr. von görjter, jur SBertljeüung im November
am Jcird)weil)feftc ber 2öai|"enanfta(t.
80) 4 Xtylr. von ber verw. sJXür;Ie, ju verteilen am
26. November, bem Sterbetage ber Stifterin.
81) 4 £l)lr. von 2ott)mann, ber SBaifenmutrer für Unter*
•v. ria)t im 9MI)en. .
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82) 20 X^lr. 15 €gr. 9 $f. von 9teubaHer, jur 2lu3-
jtaüuua jweier ©aifen.
83) 2 Xfclr. 18 @gr. 2 $f. von Sodann, jur
*a(>lung an Den Sefyrer 1 ül)(r. 10 <3gr. 8 *ßf., ber 28aifeu*
umtter 7 (£gr. 6 üßf., ben jUnbern jur sIRal)l$eit 1 JXfjlr. am
Jtin$weil?fefte ber SlnfiaU. Unbefatuit fuiD bie folgenbeu:
84) 2 Xrjlr. 15 <Sgr.,voit mehreren Unbefannten, ju einem
Spaziergange ber äßaifeo.
85) 5 Xfylr. von Unbefannten }u einer Stapelt am
(Karfreitage.
»
VI. Stiftungen, vt»c(d>e bei beut Äerar ber evange*
filmen Stirpe verwaltet werben.
86) 3nt 3. 1746 vermadjte ber $ürgerraeijier griebrid?
Abraham Siciu* in ©orlifr 375 2f>lr. w Remuneration ber
$Kbigtamt*fanbibattn an bem großen *Hrebiger*<SoHegio, je$t
• naefc <5<fcfoß beffelben jur Stemuueration ber bie rjieftgen evan*
gelitten ©eiftlidjen vertretenben Äanbibaten, fo baß 3eber ber*
telben, fo weit bie 3mfen aufreihen, für eine Üßrebigt 1 Xtyr.,
vefp. 1 Ztyx. 10 @gr. erhalt. 3u bemfelben 3werfe werben
bie folgenbeu, für bad Heine ^ürebiger Kollegium bem «erar
ber 6t. «nnenfir^e vermalten «Summen verwenbet, nämltct?:
87) 50£r>lr. von ©eorge 6d>ön, $ürgermeifler in ©orlifc.
88) 50 £l)lr. von Dr. 3of>ann £raugott ©eljler.'
89) 100 Styr. von grau 2>orotf)ea Glifabety 6$ol$
v. Scfyollerftern. (Sublid) vermalte:
90) am 20. DU. 1767 Dr. Daniel Mied) «ürgermeijhr
ju ®orlifc 1542 Xtyt. 15 6gr., jum heften unvermöaenber
i&iitwen ber an fyefigen evangelifcfjeu &ird?en angebellten
(ik'ijtficfyen, wenn fie l>ier wohnen unb nietet über 4000 Xljlr.
im Vermögen bejlfcen.
(Stellen wir nun gutn Sdjluffe bie Summen biefer Stif*
ttmgäfapitale — abgeregnet ba$ SBaifentyaHd unb bie juer nid?t
eingeführten größeren «gwdpitalffiftungeu — stammen, wie fie
gegenwärtig ver&ifiji werben, inbem bei mehreren bie urfprüng*
lid>e Stiftungdfumme burd) bie Zulage ber 3wfen jtet) ver*
Doppelt unb no$ bei weitem mtfyr vergrößert hat ($. 93. beim
Sepfrieb'fdjeu Legate), finben wir, baß in <$)örU( je$t
219,103 Wv. 3 *Pf.
6riftungegelber verwaltet werben.
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512
93ei 3Hfammenftellung ber einzelnen Soften ftnbeit fid):
I. unb II. für ba$ ©tjmnaftum unb bie f)iefigen (Beulen
überhaupt: 41024 *r,lr. 12 ©gr. 11 $f.# »o»on.2121 5XI>Ir.
7 6gr. 6 $f. auf ba* XVI., 3197 Xljlr. auf ba* XV1L,
28,376 Jtfclr. 5 6gr. 5 $pf. auf ba* XVIII. unb 7330 Ztyx.
auf ba$ XIX. 3atyrr;unbert fominen.
III. 3« allgemeiner Untcrftüfcung für $krwanbte unb be*
fiimmte ^erfonen: 109,948 $f)lr. 15 6gr., nämliaj: 140 XWr.
im XVII., 21,590 S^lr. im XVIII., 87,756 Xr,lr. 15 Sgr.
im XIX. 3al)rl)unbert.
IV. 3" beftimmten 3wetfen (wobei and) nod) fürSefyrer):
56,344 $f)lr. 7 €gr. 6 $f., wofcon auf ba$ XVHI. Safjrfjun*
bert: 32,687 Styr. 15 £gr. unb auf Da* XIX. 3ar>rl>unbert :
23,656 Ztyx. 22 8gr. 6 $Pf. fommen.
V. 3« Unterftüfcung für Arme, ftnbeu wir bei ber $rmen*
Äaffe: 8089 £l)lr. 21 6gr. 8 BL ju weiter Summe im
XVÜL: 3901 Xl>lr. 11 8gr. 8 ff., im XIX.- 3a Wunbert :
4188 Xtyx. 10 €gr. beigefteuert würben.
Xie .gjoäpitaliten befommen außer ihrem Unterhalt in
biefen Slnftalten son einem Jtäpital &ou 2040 £l)lr. 18 ©gr.
8 $f. bie ^itiicir, unb baS 2tiaifenr)au6 hat ^ur Skrrbetlung
baar 49 Xfylr. 18 ©gr. 11 Üßf. gür bie £o$pitäler gibt e$
au$ bem XIX. 3af)rl)unbert feine Stiftung, ba fie foldjc bei
bem großen Sanbbeftfc (4 Dörfer ber ^poöpitäler) nid)t bebür*
fen ; e$ finb bafjer aud) für fie nur aud beut XVII. 3af)rl)un*
bert 426 £f)lr. 6 S$r. 6 $f., enblia) au$ bem XVHI. 1614 Xijlr.
1 1 <2>gr. 8 $f. legirt roorben.
Leiber reidjen bie ^infen auä einem Xfyeil ber befonberä
für Slrme beftimmten goubö ntct>t l)iu; fonbern bie Ärmen*
Unterftüfcung nimmt alle 3ar>re mit ber $rh>atmilbtf)faigfeit
in. (S$ beltefeu ftd) im 3. 1848 bie (ginhafymen auf 5494 $f)lr. .
3 (Sgr. 4 *ßf.; bie Aufgabe jebod) 1) für bie allgemeine
Armenpflege, 2) für befonbere SBebürfniffe ber Armen, 3) für
ba6 Stabtfranfenfjauä, 4) SBetfyeilungen auö <Stifungen; 5) für
bie 3roang$arbeit$- Mnb &rmenbefd)4frigung$anftalt, 6) für bie
Älein-Äinberberoatyranftalt, 7) ben iBerroaltungöaufroanb, 8) 3n$-
? einein, auf 19^574 itylr. 1 €>gr. fo baß bie dämmeret nod)
4,079* Ztyx. 27 <Sgr. 8 <ßf. jufd)tc^en mußte.
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513
2>ie Irfrten 3a^rc t>cr ©tabt unter bem fäa)fifd)en 9*e*
gimente bi* Mim $efreiung$friege 1810—1813*).
*
8m 2. gebruar 1810 fc^rte ba$ Bataillon bed fäa)ftfa)en
Regimentes Wtefemeufdjcl, welajeä unter cem £>briftlieutenant
t>. 3<föty im gelbjuge t>on 1809 über ein 3a(>r auö fetner
©amtton ©örüfc abroefenb geroefen bar, fyterfycr jurürf unb
rourbe mit großem ^ornpe empfangen. £>er ©tabtfyauptmamt
©fahin 3^ne unb ber ©tabt^ojutant Kaufmann Maurer
begaben fra) ben £ag vor bem dinmarfa)e naa) Sftofrty, in
bad lefctc ©tanbquartier beö Bataillonö um bie Xruppen am
anbem borgen ui geleiten. 3m tarnen ber Saubjiänbe be*
roillfommnetc fte in Dtcta^enbad) bei- sJ9Jajor unb Öaubfommiffär
i?. «öerjberg unb in £oftenborf, wofelbft bei ber SBniefe jn?ifa>en
uroet (£rlen eine Crl)renpforte mit bem SRamenSjuge bed Jtönigö
griefend) $(ugtift errietet war, überrafd)te bie Gruppen ber
©fabin Dr. ©töljer mit einer (Sinlabung $u einem grüf)ftücf.
Unter rem $ljore bed ^ofcö war ein £riumpf)bogen auf 2
Säulen errietet, mit ber 3nfa)rift: „bem Skrbteuße feine
fronen!'' unb auf bem ©a)lujjfteine lad man baö SBort:
„Söagram."
s)Jad) eingenommenem grüfyjriirfe marfd)irte baä Bataillon
ab burd}. eine anbere Grfjrenpforte mit ber ftuffdjrift: p«3ie^ct
ein in grieben!" QSiele Honoratioren unb Bürger ohö ©örlifc
waren bem Bataillon oor ba$ $f)or entgegen geritten. Slm
duneren :Xl)ore (tauben bie ©tabtfoloaten tn $arabe. (Sbren*
pforten waren an mehreren ©teilen angebrad)t; bei ber einen
empfing fte ba$ burgerlidje Sägerforpä mit feiner gafyne; bei
ber anberen am inneren reidjenbaajer Zijoxc, mit ber Hufftyrift:
„Unferen tapferen Kriegern 4?od)acr;tung unb f)eralta)c$ 2Öill*
•fommen," franb bie Bürgergarbe mit ber erften ©tabtfafyne
unb ber gafme ber ©djüfcengilbe. Stbenbö gab ber SERagiftrat
ben Offizieren , Unteroffizieren unb ben mit Oer Sftebaille befo-
rirten ©olbaten ein SDfaijl im ©aale ber greimaurerloge, wobei
aujjer bem Wagiftrat, ben ftäbtifd)en unb lanbftänbifdjen Beam*
•) Duetten; $ft ©orlifret Stitjei^er von 1810 — 1813, nnb nutyw«
$anbfd}riftlid)< Stjromfrn.
öcidmtte ven WrU*. 33
DigitizecTßy
514
ten, bte btcnftttjucnben StabtoffWere eingelabew waren. 3m
Saale fying ein SÄebaillon mit t>cn Korten; ,,©ott fehlte ben
Äönig, ta6 SBaterlanb unb feine braven Jtrieger;" gegenüber
eine 'jtd) bewegenbe Sonne, in bereu Glitte; „3BiUfommen,
feltcne ©afte!" 3n beu Strahlen Mcfer Sonne befanden ftdj
gu>ei SOtyrtenfränjc mit Jiricgflinftgnieu. — Den folgenden
Sag waren toicfelben *ßerfonen, von Den äRitattcbern ber
ÜRcjfource, ju einem Balle eingeladen, jn Dem Wtttelfenfter
bed Saalee bilbetc eine junge Rappel uub ©d>c eine (S'tyrcit*
pforte, in bereu Zentrum eine Säule mit föriegäarmatur unb
einem 9Jtebatllon: „^Bagram" ftd) befanb. Hut Hufen genfter:
„SSBillfommcn in unterer sJ0?ittc, Wjx tapferen!" unb im rechten
genfier: „$er$lidjer &rof)ftnn unb grcimbfebaft wartet (hteV!"
Vlm britten Xage gab bie Bürgergarbc unb geuermanntdjaft
ber Stabt bem Bataillon einen Ball auf bem JMemert'fä)en
(jefct Soeietätdfaale), wobei bte frohe SÖieberfefyr ber Sruppen
bura) Öebidjte befungen würbe uub allgemeine Jreubc ba$
geft belebte.
81m 5. 9Wärj, bem iVamenötage beä ÄonigS, würbe auf
bem JKatbdtfyurme baä: ,,«£crr @lott bfd) loben wir" geblafen
nnb am $lbeubc bem Bataillon Wefemeufd)el im Saale beä
blauen <£>ed)t$ ein Ball gegeben, woju bie tfeute tfyre SSBeiber
unb Jtiuber bringen foiuiteu. Wegen fed>* lU)r famen einige
ftäbtffdje Beamte unb bie Offiziere beö Bataillon* bortbin,
welche, naa) einigen Xoaftcn, ben Ball eröffneten unb eine
3eit lang fta) babei beteiligten.
&ue> biefem 3afyre ifl nicf)te> befonbereä weiter $u berichten
alö ba$ ein lebhafter iHeifeocrfcbr burd) nnfere Stabt ging
unb am 5. 3uli ba6 an bie Stelle be$ Bataillon* 9Mefenteu*
fa)el eingeritrfte 2. Bataillon be* 3nfanterie-9fcgimentd : 9ßritr$
Slnton ben Sa^vcötag ber Sd)larf>t bei Sßagram auf beut
Sa)ieftyau$faa(e beging. r
3m 3. 1HU famen am 17. #or*mber 430 3Ran«
po(ttifd>e jtaoallerie \>om 8. lllanenregtmente in @örli$ an, weldje
am 18. uaa) Söbau auSrürften. ~ Der 8u$brud) beä ruffifty*
fratuöfifdjen Äriegeö im 3. 1812 braute eine SWengc 3Durd^
«larfdje uub $ura)reifen franpjifötr txnppen unb Gknerälf.
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515
9lm 30. SBärj nahmen f>ier Nachtquartier ber bairifche
Generalmajor v. 93rei|Mng unb 1 (Mabron beö 2. (Sheveaur*
legere Regiments, von £cbau fommehb; am 31. ^Didra ber
SBrigabier, Generalmajor $mcentt unb bae3 3 bairifebe Linien*
regiment ^rinj ßarl v. 33atern; am 2. Slprü General (Serarb
nebft bem 6. unb 25. berittenen franj. Sägerforpö, aufjerbem
bie f. f. fran$cftfcf>eu Generals iabonci unb be £orgc; am
3. Slpril General 5)eUend*©oHcrcüe*Noiifiel nebft breifranjö*
ftf<hen $Hnien*3nfanterie*Negimentern unb 2 (Mabrond (Shevamr*
legerä; am 6. iMpril General Goubart Jfommanbant ber ita*
üenifd)en 8rmee; am 7. Slpril ber Dbrijt v. &ietf) vom
fdchjifcben Generalftabc; am 8. $lprtl Aönig 3erome von
2öejtpf)aleu nebft Gefolge, am 15. Äprtl £erjog (£ugen von
SBürtemberg; am 5. 3Rai $wu|t ^erjog von Dan^ig; am
7. s3Jc\ü ber bairifche General- 3ablmetjter »tugHvie außer Hm*
}äf)ligen franjöftfchen Äurierca voa unb nach ber 2lrmee, bie
ftcf> beftänbig freuten. Um 13. -üfai übernachteten bte fvan*
jöjtfchen Generale (Surial unb ifi>id>cl Inerfelbft.
$m 28. $Hat Der tytini von fingen; am 29. 9Wat ber
fächftfebe Generalmajor von Gerdborf, ber fdcf>ttfcf^e Jtammer*
r)crr SÖaron v. ^riefen, ginamrath v. (Schernberg unb $err
v. «£aag. 6ie begleiteten ben Gaffer Napoleon bte an bte
f^lefifcl)e Grenze.
Nachmittags um y42 llr>r fam ber Äaifer Napoleon an
unb verweilte fo lange, bi$ bie ^ferbe gewedjjelt waren, bann
fuhr er wieber ab nad) Glogau. 3)er s)J?agiftrat begrüßte it)n
am 2Bagen. (Sin Äommanbo fraitgcfifc^c Garbe unb ein Jlom*
manbo fächfifche ^Dragoner waren nebft ber Söurgergarbc unb
bem 9Bürger*3ägerforp$ in s^arabe aufgehellt.
$tm 31. Wlai ging sJftarfd)all 3$iftor «jperjog v. Saffano
§ur Ifanee unb übernachtete fytv. 31 m 18. -3um pafurten
jwei (MabronS von $rin§ 3of)ann ^Dragoner von gittern
nach Rothenburg gehenb bie £tabt; ben 25. 3um ber Söatail*
lon$ct)ef (Salmiac mit 550 2Rann franjöftfdjer 3nfanterie; ben
30. 3uni Dbrijt @evelinge mit 1600 SRann 3taltenern al«
Begleitung eines SBagentrandportö von c. 100 <5tücf; ben 7.
September ber franjöftfche General S3aron Gobart. Sllc3 bie
Nachrichten von bem unglücflichen 9(u6falle bee rufftfehen gelb*
juge$ nach Görlty famen, würbe am 26. Nov. 1812 felgenber s
Aufruf erlaffen:
33*
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■
516
„Öttte für bic in bem je(ugen 9e(b)iige fdjwer Dcrwunbcten
fd<^ftfd>en Sonaten unb bic 2öittwcn «üb Staffen ber
Gebliebenen.
(Sä bat bie ^iejige Sreimaurcr^oge in SöerbtabHng
mit ben gicichgejtnnten vaterlänbifdien t'ogeu unter ihren
Sttitglicbcvu eine Sammlung für bie in bem je$igeit gelange
fd?wer blefftrten färi>üfa)eu ^olbaicn unb für bie pintcrlaffeuen
SEBittweu unb SBaifeh ber (Gebliebenen veranftaltet. Sie wirb
mit SBerguügen von jebem Gutbenfcnben, er fei wer er wolle,
Gclbbeiträge biefem Berufe annehmen, nnb fürchtet nid)*>
ba(i e$ bei 3KenfdKnfrcunbeu unb Patrioten einer näheren
Shifforberung nöthig habe. Die £errcn £)briftlieutcuant v>. Äiefe-
weiter, ^ürgermeifter Sol)r, Stabthauptmann (£onrab unb Sc
nator <&äuufe, werben im Tanten ber £ogc fotbauc Beiträge
annehmen, woju aud) (£nbe$beuanntcr erbötig ift. Ü>ie ganje.
föunahme wirb fobanu, t?on fämmtlicbeu Segen jufammen, fp
T>ert()ci(t werben, bap bic fa>wer Mefjtrten Solbaten ein !Drittbei(,
bie SÖitrwen unb Stßaifen ber Gebliebenen jwei 2)rittl)eüe erhal*
ten follen. &ud> wirb bie $eredmung unb bic SBcrwenbuug
cfcntlia) befannt fjemadu werben, fo wie wir aua> ntebt an-
flehen werben, bieten flattern eine nähere ftngeigc t>on beu
bei un* cingebenbeu milben Gaben \n liefern.
Äarl Gottlob ». Hnton."
$fai 13. 'December fam ber sJWarfd;all «öerjog \>. SBincenja
unb ber 5Jcarfa)aU Sefcbsre von ber flrmee bura) Görli$; ben
14. December 2Rarfd>aU £uroc nebjt Suite; ben 18. ber
franjöfifdje General Graf $((bt>.
3)ie$ ift im $fügemciueu bafl, Wae djronifalifd) au6 ben
Sohren 1810—1812 anzuführen ijt. s)J?affcnbaft wirb freiließ
ber Stoff für bic fofgcnbe ^tii, wo bic grope Äeerfrra§e aud
Sa)lefien nad) Sadjfen, um wela)e )ld) bie ©tabt einft fo
bemüht hatte/ Gelegenheit gab, viel gu feljeit aber aud) nod}
me^r 311 leiben.
• J
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517
eifle* StapittL
®örli$ vom Anfange t>c$ 3aljr** 1813, btä jum
(*nbc be6 Saffenftillftanbce, 15. Aug. 1813*).
2>a£ neue 3al;r brachte, mit ren umirtfclncubcn Trum-
mein bc$ faiferlidjen $ecrcö oae ^aretbfteber alä fcfylimmen
©aft nadj @ör(ty. (Sä ftarbcu vom 28. gebruar ki* b. SDMrj
28 -|*erfonen; vom 7—13. 3Hära: 67 $erfotteit; vom 14. bi6
21. SJcärj: 51 "4>trf0RCtti vom 22. 9Mr| bi* 1. Slpril: 34
^erfoneu; in ber 7. 'Bocbc vom l. flpril ab trat wieber bie
gewöhnliche £tcrblichfcit circa 11—14 ^erfoneu ein. Stait
bezeichnete bic angeftetften ^äufei mit weißen Äreujen. 3n
bkfer ^ervenficbencit erf*ien folgenbe 93efanntmad>ung:
„3e mcl)r t>aö bura) bie gürforge 6. (£. ftatb* befte^enbe
(9efunbl)eit6bureaH in feiner Äenntni)* von ben (*)cfunbf)eit$*
unb l)äu$tirf>en s«8or^dItni|Ten ber $ewotmer unfercr <Stabt,
vorfebrettet, je melir Ku e$ Gelegenheit, ftcfy ;u überzeugen,
bap ber Wotbftanb aua) in Würfucbt auf förderliche* Wol)U
behüben bereit um ficf> greifenber unb eingewurzelter ift, al*
ed tem @in$eluen befannt fein fann. (*$ rann hier uoer) jur
3eit weniger von ber 3<# JUanfen, ooer ber $ebenflich*
feit ber flraufbeit felbft bie 9tebe fein, aber baß ber 3uftanb
einzelner gamiiten nnb ^erfonen einen hoben ©rab von £>ilfö*
loftgfeit im 3nnern erlaugt fyai, fann unb barf nicht verfdjwie*
gen werben. <Bo ernftlicb (*. G. ftatf) bemüht ift, aüd? biefem
llebcl entgegen ju wirfen, fo liegt bod) wob)l febou in ben
3eitumftanbeu tic Unmöglidjfeit, allein bad aufführen, wa$
nur in glüdlicber ^erbiubung mit ben ($De(gefumten im $u
blifo erreidjt werten fann. (Mewijj gibt eö in alten 6tanben
unferer Stabt eoelmütbige *Perfoneu geimg, bie von obiger
üffial)rl)eit crariffen unb in gefühlvoller (£rfenntnijj be« von
Saufenben ihrer bebauern$wertr)eu 9)(itbrüber noefe Hnange*
fodjtcnen $efkhcn$ böslichen Wirf* unb baimhafter @e*
*) Duetten für riefe« unb baö foUjenbe .Havitd «ujet einigen ante-
ren <Sf>ronifen Äarl ©ottlieb fcnton'«, !8ud?$änbler in GJDrlifc, Ärieg*--
tetgebuet?, 2 *Bbe. in 4.; a) vom 6. äWiüv; fcie 30. Sept. 1813; b) com
1. Oftober 1813 h\6 30. Sflärj 1814. im Srfjranfe be* martiftraiualifchm
€efffou*$immere, unb ber gürlt^er SÄiijeiger »on 1813-1816.
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• ■ ■ ■ ■ — ■ ■ ■
funb^ett, gern ein Srfyerflein ju Sftinberung ber 9^otf> beiju*
trafen, fiaS gebrungen fühlen. (&$ fann jebod) nidjt fehlen,
taj? airct) bet btftt 3öiüe beS (Einzelnen in crfprteglic^cr $e*
tfyeiligung tcr 4pilfdbebürftigen bei weitem nidjt fo glücf(id)
ober jirerfmdtjig fein fann, al$ e$ eine Deputation uno na*
mentlid) bem Uftebenben ®efnnb()eitdbnrean bei beffen näherer
Äenntnif fcee 3cotbftant>e$ int (Sinjclnen möglich ift. er?
gebet baher an bie refp. geet)rteften SBeroofjner unb SBeroofmc
rinnen uuferer Stabt bie ergebende unb attiemenbfte ©irte,
3^re beliebigen mifeftt Beiträge bem auf bem Cbermarfte in
bem Braufjofe 9fo. 21. iäglicty von 9—12 unb tum 2— 5 Ufer
»trfammelten ©efunbfjeitfbureau aufteilen ju Iaffcn unb bcr
gcmiffeH^aftefleit unb möglidjft $n>ecfmä|jigften Hnrocnbuiia ber
eingeben £ülfdmittel \u (Srleidjterung m beftefjeuben $otr>*
ftanbed, fc wie fcer banfbarfteu Sättigung, aud) be# fleinfteu
6<f>erfUin«, überjeugt ju fein. Dag übrigenö unter 93orbe;
rougt (5. (5. 9tatr>ö von ben eingegangenen (JMbern 9iccben<
fd^aft unb Danf abgemattet »erben roirb, wirb baS geehrte
Uublifum fönte 3weifel vertrauenb hoffen, ©örlifc, ben
16. Stftri 1813."
$a* Aufgeben bei 23etcf;fel* unb DDcr^inte Seitend bed
Äaifer Napoleon führte $u iNütfinärfdjen unt> 9iürfreifcn von
Gruppen Hnb Öenerdten, wela)e (Srftere, wie fd^ott gefagt, baä
SRcroenfteber mitbradjten unb überall bie ßajaretbe füllten. 2)ie
Sajarettje famen von £rt $u Ort, je naefy bem Staube ber
rufftfcfyeu 9lrmee, roejtlicb. $tud> fyier warb ein Sa^aretfj an-
gelegt. 8m 27. 3an. f am ber Dbriftlieutenant girf, 3 9Jhv
jor$, 8 Äapitdnö, 7 Lieutenants unb 31 3Äann vorn bairi*
fa>en Ärnteeforpd; am 29. ber f. f. franj. »ubitenr ßadjetet;
am 31. ber franj. General ©ebel nebft ftbjutauten von ber
Ärmer, am 4. gebruar ein frauj. JDbrift; am 7. ©rafv. LiaV
nowflfy, ein fran^. JDbrift auf ber Dteife nad? Drcöben; am
11. gebruar ber bair. X>wi|tond- ©eneral i\ 2Brebe; am 14.
ein franj. (General von ber Armee, mehrere fyunbert 9Jtann
bair. Gruppen, weldje fyiev föaffrag Ratten.. Lefcterc legten
ein bairtfdjeä Sajaretb im\ftleinertfa)eu ©arten, ben betben
^^^dufern unb tini^tn ^lioatrootynungen an.
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Die Ivuppenmärfctye Dauerten fort. 9fnr 17. gebruar
fam Der bair. ©eneral v. tarnet!) ; am 19. Der poln. General
9Jemimeroefty \ ben 20. ber fädjf. Hauptmann v. Eitting mit
einem Söagcn ^Xranflport auö Seriellen; ben 21. gebruar ber
podüfe^e General Oiraf jDr)in>teten>^fy>; l>en 22. Dermin, ©eneral
SPafilicroSfy nebft Mutanten nnl> bem franj. (General fter*
riere; Den 23. Der pcln. $rigabe; General v. @rabien$fy,
Cbrift Lieutenant v. $c>wctfy unb 3«n^# fran$oftfd)e <5Jen*
tarnten unb brei Abteilungen »olnifdje Kavallerie; ben 26.
Sebruar mehrere polti. unb franj. £>ffi}iere unb 2ruppen*$fb;
Teilungen, ben 27. jtranfett'Xrantyortt, welche fofort weiter
gingen! Diefc Wücfgängc würben Anfang* s)J?är$ immer fcfyleu*
niger mtb brilngenter, bi$ einefl iageö alle ßa$aretr)c fort
waren unb eine stille von furjer Dauer in ber Slabt eintrat.
»ilm 6. SWarj 33ormittag$ erschienen bie erfkn Kofacfeu
vom Jiortoe be£ Cbrift drenoef. Sie fvrengten bi* auf Den
Cbermarft, hielten eine 3c^laii9 auf ber 33ritbergaf|"e unD beut
Untermarfte, ritten bann juriief unb ftcllteu flcf> auf ber 9lei|M
bnirfe unb beim blauen ^ec^te auf. Dei £)brift nafym CUiar*
tier tu ber 9ieifh>crftabt beim 2Beipgcrber ^e$olb. ?lm 7. 9Mär$
quartierte (Id> ber Cbrift, welcher alle ©riefe erbruefy, beim
Sdjmibt JKubolvb am ?Keid)eubacfyer Xfyore, Die Äofacfen in
ben £ed>t unb ein s^ifct ruf|ifct)er Dragoner im ©aftbof $uv
Sonne ein. Arn 8. 2Mdrj legte ©renbel ©efchlag'auf bie Waf-
fen unb jeigte Dem Mnbedältcfien ftarfe Durcfymärfd)c an, um $or*
rätlje jn beforgen. Die Solbatcn würben in ber ftrengften ?Jlann^
glicht gehalten. 2lm 11. sJlJcar$ ging ber Obrift uart> ©aufcen ab
Hm 18. s)Mr$ ging ein Regiment äofaefen burd) bie
Stabt. Seit bem 12. fam bie leidiger %h>\t febr lmorbentlich
fcm 19. SHärj ging Vormittage 12 Hin* eine (*$fabron
vreufj. blaHe $ufarcn (Damals Dcegimeut ©ranbenburg) naef)
Oieiebenbad).
'$lm 29. SWävj Ijatte Die StaDt folgenbe Einquartierung:
ben ruff. (General v. 'Binjingerobc, beägl. s4>rina v. $8ürtem
berg unD nod). 7 Generale, 18 Obriften unb Stabe sJCffaiere,
40 6ubaltern42fftftiere, 350 sJÖ?ann Kavallerie mit circa 500
gerben, J S3at. Infanterie, grub von 9—12 Ul)r bauerte
ber Durdjmarfd) ber Kavallerie, Artillerie unb iWunittonofar-
ren; Nachmittage fam unsctyligc Infanterie. 91m 21. $lbenb$
war ©all auf ber Scfiburce mit ruff. SJcuftf.
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520
• *
$en 22. marfdjirte fämmtltdje SJcannfdjaft weiter. ©6
pafftrten von 9 llfyr ab 84 @efd)üfce mit *|3utver* unb SÄu*
nitiondwagen unb fc^öncr sDJuftf bie Stabt; um 11 ltr)r ein
Regiment 3nfanrerie mit flingenbem Spiele.
Den 26. (wäbrenb beä 24. unb 25. ging ein £r;eil beS Üorp*
von 93liid)er, welcher am 25. fein Duartier in £ef(t}wi& fyatte
feihvartS vorbei) famea 2 Regimenter preupifdje Dragoner mit
©efduift bind) bic ©tobt; am 27. Stftn fvüt> um 9 Ufyt eine
9lb;f)eilung ruft. 3äger, <un 28. 9ÄÄrj Ü$ormittag$ ein preujj.
Jturaffier * Regiment; am 30. ein preup. Ulanen* Regiment,
bann ein Bataillon Infanterie, rettenbe 3lrtiflerie, gegen 12 Ufer
ein Reg. 3nfanterte mit flingenbem Spiel; am 31. SRärg
einige f)uutevt Üftann ruff. Reconvaleäcenten.
Anfang Slpril würben bie s4$roflamationen beö Jtönigä
». ^reupcu: ,,%n fein *8olf" vom 17. «SJidrs 1813, be* ©e-
neralä 3Müd)er: „2lu feine Xruppen, Sunjtau 23. sIIMr$" unb
von bemfelbeu $age „an bie @acr)fen", „be4 preufj. Äriegö*
beeret an bie Deutzen jenfeitä ber (Slbe" unb ber Aufruf
„Sin bie Deutt\ben vom ruff. gelomarfdjall Autufom d. d.
tfalifd) 13/2.v s3)car$ 1813" öffentlid) aitgefd)lagen unb überall
forgfältig verbreitet. Der Ratr; jogerte eine 2Betle mit ber
Veröffentlichung, würbe aber burd) bie ©ewalt bei Umftäntc
gezwungen.
*Rit Anfang Slpril .fielen bie fädjf. Äaffenbidet«; man
nafjm fte am 1. b. SR. nur ju 22 ©r. 53ei ber auSgefdmc*
beneu Kontribution von 700,000 $b(r. für bie £ber* unb Wie*
berlauftfl follte ©örli& allein 70,000 $r/lr. jaMen.
»in 3. SIprtl-jogcii ruff. Infanterie, fpater Jtofacfen unb
Aalmürfen mit ©efang burd? ©orlifc.
2lm 4. Slpril pafurte einiges ©efdjüfc uno einzelne mii*
tärS bie ©tabt. Den folgeuben Xag traf ber ©encral 6t.
trieft mit feinem ©tabe ein. 8u biefem Xage jogen burd)
bie Stabt: früh um 8 Ut>r ein Regiment ruff. JlavaUerie j
um 2 lll)i Radjmittagö ein Regiment 3«fanterie; 4im 4 Uftr
ein Jftofatfenregiment uebft reiteuber 2trtitlerk*, um 5 Uf)i ein
Aofacfen^^ulf. <S* blieb nur ein Bataillon 3nfanterie ba.
Stuf be$ ©eueralS 2Bunfd> WHrbe am 5. 2lbenb$ ein S3aK auf
bem Reffourcenfaale abgebalten. Hut 8. JÄpril würbe bed
©rafen v. Sßittgenftein ^roflamatton d. d. „©eljig, 30. «Warj
1813" befaunt gemadjt. Die Shijfityrung ber Steffen in
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521
©örlifr unb Umgegenb War 6et €t. ^riefFS Storp* fe^r tabefad*
wert!) unb bie größten Stofcbcften bei ©emeinen unb Cffaieren
an ber Tageflorbnung. 2Öäf)renb ber aufentl)alt$jeit biefe*
tferp* waren alle «benbe 93älle unb bic geute famen nie
an$ bem *Raufd?e herauf. ©iffenfcbaftlian-r 8inn freien bei
bem ©eneral nidjt 31t berrfd>en, ba er feine £aubfaiten befaß
unb ft(t) aua) um foldje nia>t befitmmerte. ~%m 12. #pril,
wo ftüt> eine ©Sfabron Ulanen unb 1 Bataillon 3nfanterie
burd)tnarfa)irte, fam plö$lid> fttarftyortte, fo baß ber ©eneral
et.' trieft 9<ad)mittag* um 4 ityr bie £tabt mit fämmtlidien
Truppen verlief wäljrenb aud) in ber Umgegenb ba* aanje
Storp* fta) Bewegung fefrte.
Um 5 Ufjr erfdjien ber ©eneral SHilorabowitfa) mit vier
anbereu ©enerälen uub um 6 ttyr ein Ulanen *<Rcgiment.
flbenbd entftanb eine geucrabrunf* , bei ber bie unter sÄilora*
bowitfdj'd Befehl bejfer bi^iplimrten Truppen fel?r büfreiefve
£anb leiteten.
Den 13. Slpril ging ba« Dura>maifd)iren fo unauägefefet,
baß unfere ©eriefeterftatter nidjt mefyr bie $Renge fcbä&en unb
bie Truppengattungen notiren fonnten. 3nfantetie, Kavallerie,
»iele Äojaden, Jtirgjfen Hub Äalmürfcn, mit Jtameelen unb
Train. 3n ber 9faa)t, nautentlid) am 14. 9(pril oon 1 llfyr
an brennte ba$ ^flafter unter bem Gaffeln ber ©efdjüfee unb
Uöagenjüge. Nacfymittagö bradtfe bie löbauer sBürgergarbe 40
gefangene granjofen tianSportirt, weldje jebod) auf bem Trans-
port nad> Taliban ber görlifcer Gteforte enifprangeu.
Den 18. Slpril begann bie Zulage eineö großen sJftaga;
jinö auf bem 3$oigt$f)ofe; biefen Tag war tte ^eterä* unb
9lifolaigaffc fortwäfyrenb mit ©etreioewagen befe$t; jKdume
$u -einem ruf|lfa)en ^ajaretb mußten befdjafft werben.
Den 19. war beö DurdwarfdurcnS fein @nbe. Die
rufftfdjen ©arben pafftrten tfycilweife bie €>tabt. SBiele $of*
eqnipagen Deuteten bie nahe Durdjreife «fcaifer 2(leranber$ an.
Hill 20. Äpril 9tad)mittagö tterfammelte jidj bie Bürger-
garbe frül) um 9 Ubr beim $5iertel6meifter (£onrab, unb baä
Jäger^orpö bei ber mit bem rufftfa^en 2Bappen gefaymüdten
(f fyrenpforte am Neißtljore. 93on frür) an marfdjirten Xrnppen
aller ©attungen buret); bie ©traßen würben oon Neugierigen
belebt. Um 3 Uhr fam enblitfy nad) langem Marren Äaifer
2(leranber bura) baö laubaner Tfjor geritten/ würbe mit ©laden*
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522
qeläute unb Sebebod) empfangen unb begab ftd) naa} bera
Obermarfte. Gr flieg vor Dem jefcigen #auptfteueramte (Damals
bem £aufe bed SanDeeälteften v. Saffig) vom Uferte unD
nahm au* einem greife weifigefleiDeter äRättfteii burd) grau
Mein Senjranje v. Jtiefewetter ein ®ebicf)t entgegen. Xann
fct>ritt Der Jtaifer, begleitet reu Den Seljörben, burd) baä von
Der SBürgergarbe gebildete 6palier, ging in baS £au$, jeigte
fid) leutfelig auf Dem Salfon unb fpraa) feinen SDaitf für ben
Empfang au$. 9kd)bem er eiligft einige Xaffeu ^ouiüeu
getrnnfen, beftieg er wieber ba$ ^fab unb ritt fett £)bermarft
langfam hinauf, am reicfjenbacber Xbore Durd) eine mit ber
3nfcbrtft: „eegen begleite bie Ibateu Dee ßHorreiaVn uno
fetner »fteere" verferjene t£rjrenpforte ubeua|d)t. 2)ie berittene
$Bürgerfd?aft begleitete ihn ungefähr bis jur üJtoucr, bort baufte
er für weitere Begleitung uno* begab ftcb in fein Hauptquar-
tier: SRengcfttorf.
Um 22. Slpril um 8 llljr früh ritten mehrere Regimenter
Jtürafftere Durd) Die otabt; fpäter £ufaren unb Ulanen, Denen
ein Xratnjug folgte, weld)er Den gangen Xaa, bauet te.
#m 23. fam ber Jtouig gvieDrid) Wilhelm HI. Durd> tue
(Stabt; er würbe in ähnlicher $tkife empfangen, wie Äaifcr
. JÄleranber, war aber fefyr geftört uub abgefpauut, oa^er nta?t
fo jugänglid} al$ &atfer flleranber. gräHleiu ßonjtanje v: Äie*
fewetter überreid)te il>m wäfyrenD De* Umfpanueu* ein ©cr>id)t.
1)er jUittgf fd)rocr bewegt von Den 6orgeu Der «Jett,
fanb jtd) von Der neugierigen iWeitge um fo mefyr belä
ftiat, al6 folito mit Der größten 3 m D vi tt ^ l i d> f e i t Den $Öagen
belagerte unD roviel Slumen hineinwarf, Daß er faum eine
laffe QbofolaDe ungeftört trinfen fonnte unb beärjalb naa)
bem itferDewedjfel fdjleunigfi fortjufahreit befahl. ,
£>en 24. Hpril pafftrte Der rujftfcfye Qkoßfürft ßonftantin,
weiter in «£>enner*Dorf franf gelegen tyatte, in aller «Stille
bie Stabt; balb uad> tfjm fam ber preufrifebe £taatöminifter
v. «£>arDenberg. s)(aa>mittaa$ marfdjirte Kavallerie unD 3«-
fanterie Dura> bie etabt. &d blieben von legerer 1200 sJJ?ann
im Duartier unD feierten am 26. $(pril unter großem v\ubcl
Da* rufftfdje Dfterfeft. £)en 28.*3(pril ^iw^m viel töeeouva
ledeeuten ww ttrmee, ebenfo preufhfdK freiwillige 3üger.
Den 3. Mai erweiterte man bad £ajaretb,fo baß für 12003Ä.
geft^aft werben mußte. Sin biefera iage fameu aua) Die
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523
.ftaufleutc unverrictyteter @acr)e auö 8eip§ig JHtücf, W feine
TOeffe abgehalten werten fdnne. Wach fo bewegter 3eit waren
am 4. Wai rufftfd)c iRecenvale^centen unb preußifa)e fcanbwehr,
weldje auf bem Dbermatfte erercierten, ba$ einige SDHtitfc
in ber ©tabt. 9iachmittag$ um 5 Ufer erfaßten ein großer
$ulf Jtofarfeu. ®4on an biefem Xage würben Die erfien
9tachricf)ten von ber €a)lacr)t bei Süfcen befaimt.
$ie folgenben Sage brauten neue @erücf)te über Die
6d)lacht bei 2ü$cn, welche bie Ginwobnerfchaft von ©örlifc
nid)t wenia, beunruhigen mußten, ba fte bei ber $ücffehr ber
granjofen für ihren Empfang be$ üaiferd ?(leranber uub tfönigö
griebrich Sßilhelm III. 3üchtiguncj fürchteten.
3)en 5. $Jai erfchieneu ?Recom?aleäcenten unb ein fiarfer
äofacfeupulf , aber auch von ®au(jen her tfranfe für'S gataretf}.
$(m 6. ÜRai ging ein jtarfrt Regiment Muffen bura>. (Degen
150 Stalin frau$öftfd)e (befangene braute mau von kauften.
5(m 7. blieb ein Bataillon Greußen al$ ©arnifon in ber
Stabr. Um folgenben Sage ritt eine gitwhl SSafcbfuen, Wittag«*
ein Äofacfenpulf Durch ©örlit) unb viele S&ageu mit Muffen
pafftrten bie 6tabt, aua) fam ber ^BcfetSl ein $weited Kareth
anzulegen, wo$u jeber ^auöwirtl) binnen jwei Sagen l Stroh*
faef, 1 £embe, 1 Stattlich, 1 StroI)fifien , 1 Sttüne, t *JJaar
Strümpfe, etwaä alte Setnwanb tiefern follte. 5)ex ÜBefehl
tafttt war faum in ba* SBürgerfdjaft befannt geworben, alö
fchon SBagen auf 23ageu mit ruffifd>en SOerwunbeten von
Skufceu anfamen. 9J?an mußte ba$ ©vmuafmm unb atie
(ga)ulftuben, Dergleichen bie Wifolaifirche ju ihrer Unterbrin*
gung verwenbeu, ba ber befohlene $au von 93aratfen beim
(Scfyießbaufe nict)t fo fc^nell bewerf ftelligt werben fonute, alö
baö 53ebürfniß erheifchte. $en 9. 3Äai glia) bie ganje Stabt
einem üßferbeftatte, überall ftanben l^ore unb Sagen mit
neuangefommenen Muffen, welche in ber JHofterfirdje unb allen
großen (Sdjenfftuben nur mit 9toth untergebracht werben fonnten.
Slm 10. sJHai ftanb am Storgett ber Dbermarft wiebemm
voll von Sroß* unb Jtranfcn^SBagen. ^ufjtfche 3nfanterie tmb
Ulanen belogen ein SBivouaf beim reichenbadjer Xhore; babei
freuten jich bie wiberfpredjenbften ©erüchte. 1>ie game Wacht
vom 10. jum 11. slRai bauerte ber ?Hücfgang von SBagage;
unb Sroßwageit d^uffifc^e ^Dragoner unb Ulanen brachten
600 franj. befangene, unb geleiteten foldje naa) Sauban. Äm
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1 1 . ÜÄai gingen bie 3"g* mit SBerwunbeteu burdj bie Stabf
faft ununterbrodun; aud) würben Slnflalten getroffen, bie gor-
lifcer Sajaretfr afyubrecfrn unb nadj bem Älofter £eubuS ?u
fuhren. 500 9ftann raff. Ulanen famen 9cacr)mittag$ von
£ubwig$borf in bie Stabt; 3*ber f>attc mehrere 33unb «£>eu
hinter feinem Sattel aufgebunben; ba$ war auf bem lubwig£>-
borfer £ofe genommen roorben. Sic bivouaquirten vor ber
Statt. $im Vlbente frrte man Jtanoncnbonner in ber *Kid)
tung von Bauten, golgenbeu XagÖ bauerte ber SÖagen-
föüdjug vom frühen borgen au. 3n ®örli|3 unb ber Um- •
gegeub nabmeu bie ftreifeuben »Hofacfen *ßferbei roo feiere 311
faffen waren. 2lm sMbenbe beä 12. SRai gingen raff, Hammen
^uriicf; e$ erregte baö ©erücfr, Äaifer SSleranber werbe uäd?-
ftenä bie Stabt pafnren, bie größte ^eftürjung, welche burd?
ben 53efcf>l, Sacfe für baä WagaAtn liefern uub bie (irc?
fution burd) Jtofaden, fowie bie $8egnabme alle** gufrwcrf*
Seitens patrouiüircnber ruff. Ulanen vermehrt würbe.
Xen 13. $cai fam viel jurütfgebenbeä gufrwcrf unb ber
93efefyl, bap jebed $au$ eine Herfen 511m CSinfacfen befl @e-
ti Circo in baä SDJagajin \\\ Hellen habe. 3Rau fd)lug an bie-
fem Xagc mehrere 93rücfen über bie 9cett*e, augeblich für bie
9ceferve-Wrinee beö Sardai be Xollv. S6 trafen bie ÜHimfter
Stein Hitb von Jjparbcnberg ein «nb belegten alle öffentlidjcn
Waffen m't SBcfchlag. 5>cn 14. 9ftai paffirte ein Regiment
ruff. 3nfanterie bie Stabt; fpäter famen 100> leiefr Sleffirtc,
welche in ber Cberfirdu' untergebracht würben; ber 9iücf$ug
von guhrwerf unb Sruppen ging fort. — 9$alb ging baä SOW«
litär vorwärts, halb rücfwärtfl. $)en 16. maßten bie Dörfer
ununterbrodjen für bie preuß. Slrmce .HommiSbrob baden.
iJeu 17. unb 18. hörte mau beftanbig ^aneumbonner. $a*
r)er war bie Stabt fortwährenb in ber größten Spannung
uub 93eängftiguug. golgenben Xageö banerte bie ^erwirruna
fort, Jnfanteric, :Irainwageu, Leiter bimhcinanbcr unb baju
eine ÜÖtenge Sttarobeurtf, welche von ben Äofacfen in *Reit>e
unb ©lieb getrieben unb auf [Reichenbad) $ugefür)rt würben.
5Mm 20. hörte man heftigen Jtanoneubonner, 91benb$ vermehrte
folcfrr ftch fo, baß ber S3oben gitterte unb bie genfler flirrten.
$)aö ©efchüfcfeuer begann am 21. SKai fchon früt> um 5 Uhr
von Beuern, gmfftyeil 6 nub 7 Uhr vereinzelter, unb bauerte
nach 7 Ufr mit verftärfter ^eftigfett fort.
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9lm Radjmütagc reä 21. führte mau über 1000 gefan*
gene granjofen burd> bie Start narf> £d)lejien, (Kn tiefem
läge erbitterten bi6 $(benbä um 7 Upr lie genfter »ou bem
brptyntnttn üanonenbonner ; ra fold>er um 7 Ut)r aufhörte,
vermeinte man, bie $lngelegenl)eitcu (Muten gut; bod) bewie*
ba$ ©etöfe be$ beftdnbtg $urütfgel;euben gutyrwerf* in ber
^Rac^t jum 22. Wai balb bad ©egenrfyeil. #it biefem Wor-
ten unb Radjmirtag raffelte riet ruffifd^ee <#efd}üj \uvnd unb
«nirbe $wifd)en £enner6borf unb Wovtf aufgepflanzt. Regi-
menter folgten auf Regimenter, meiftene mit fUugenbem Spiele;
ade ©äffen waren befefct von Wilitäv, :&agen unb ÜBiebfyeer*
, ben. 3n ber Rad>t mußte jebee £auö einen Warnt jum 9J?a*
aa$in beforgen. !X)affelbe mußte mit ber größten ScfyueÜig?
feit gefaeft unb auf He reguirirten $Bagen gelaben werben,
weldje in enblofer Reibe bie Statt in ber Ri^tung auf Sub*
wigtfborf unb «§>enncr0borf oerließen.
Xen 23. SWat borte man fdwn in teu erfreu Worgen*
ftHnbeu $orpoftenfd)üjfe, unterbrochen von einzelnen Jtanonen*
fernlägen. Rad)bem aHf bem anbern Ufer ber, Reiße iwd ka<
nonen aufgeteilt waren, würbe gegen 9 Ufer von ben Ruffen bie
mit Strol) unbs^ed) umwitfelteRetßbrürte angejünbet. Ridjt lange
barauf famen bie erfren Sad)fen unter £8olfer*borf unb ©e*
nerat £efftng in bie Statt gefpreugt unb naljmeu einige jurücf*
gebliebene rujf. JDffijiere gefangen. Wan l)örte fdjarf fano-
nireu, alö gegen 11 Uhr franko |lfd)e Kavallerie einbog, ben
£)bermarft befcfcte, unb beu mit einem alten Bauerfyute be*
fleibeten um V212 Übt über berf Warft reitenben Jtaijer Ra*
poleon mit enttyuftaftifcfyem «£>ocfy empfing. Ü)er Jtaifer ritt an
ber falutirenben gront bie Sörübergaftc unb Reißgaffe hinunter
im @elette eines fäd)ftfcr)cn $)ragonerö glemming, welker bie
Reißfufyrten fannte. (£r fyielt am Reißtfyore, unbefümmert um
bie von ben gegenüberfrefyenben Ruffen gefenbeten Äugeln,
unb ritt bann langfam bie tfafyle fjinauf, bei Sc^ricfeU'd ($ar*
ten vorbei, bi$ ahui Sdjießljaufe; bort jeigre ihm glemming
bie guljrt. 93ou ber ebenfalls bemolirten Refervebrücfe au$
fefrjrte er nad) ber Stabt jurüd, begab jid) in ba$ Roftty'föe
£aud auf bem Dbermarfrc unb empfing bort bie ©eiftlidtfett,
bie lanbftänbifcr/en Deputirten, fowie ben Wagiffrar.
Rad> 12 Ul)r brängten ftdj Regimenter an Regimenter,
balb sum Reictyeubadjer*, balb jum Rifolattfyorc tyinein; be$
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XrommelnS uttb ber SWttftf war fein (Fnbe. Unter be$ üai*
ferä 9lugcn mußte beim Scfyicpbaufe eine Sefyiffbrüdc tibcr
t>te 9?ei£e gefcfylagcn werben. ^Ibenbtf war auf SBefcbl &cd
Ratbö bie 3taM, jebodj febr fcr)wacc), beleuchtet.
$>en folgenben £ag hörte man bauernb Älcingcwebrfeuer.
£cn 25. sJDJai, Wittag* \V!2 Ufyr ritt Der tfatfer, umgeben
reu fetner Generalität, fort, l)inter ibm jogen blc ©arbeit unb
eine Stenge Regimenter, welche beim reichen bad) er Xfyore
gleid)fam aud ber (Srbe quellen fd)tenen. &aum war bie
igtabt t>on ben granjofen Verlanen, als circa 500 sJWann SBa*
benfer itnb £effenbarmft äbter fclct)e befefcten. Die gratuofen
fdjnitten überall baö grüne «Kern mm Üßfcrbefuttcr ab, wa$ bie
golge hatte, baß uiMfdien ©örlifc uub Suujlau in ben folgen«
ben lagen über 3000 <flferbc gefallen ftnb. — Hm 26. 9)Jat
mußten alle 9Jcannfd)aftcn in ©örlifc fcbleunigf* jur irtrmee
aufbrechen. 2)en folgenben lag fyörte man in ber 9ttd>|ung
auf ©irbig&borf fcbie(ieti. Die grattJjofen l)atten bort *ßlänfe*
leten mit Jlofacfen uub ruft, Sägern, welche nod) in ber ©e*
genb berumfdjwärottett.
$>en 27. 9)fai begann ber Neubau ber Reifibrihfe. 9lm
29. Sttai fanten früfy Sadjfcn, 9cad}mirtag6 ein italiemfc$rä
Regiment; beibe Xruppentfyeilc marfcfyirtcn nach jwcißünbiger
Raft weiter nad) @d?leften. 3)en 1. 3uni ftanb ber Dbcr*
marft twller 2Bageu mit franjöftfcfyen SBerwunbeten son $ic£*
ni$ unb £aftnau f>er ; |k blieben in ©örlifc, wäfyrcnb baä fru*
fyere franjofifdje Sawretf) naefy 93au$cn pruefging. Tenteiben
%ac\ würben um bie <&tabt auf allen ^öfycn Kanonen aufge-
führt; jwei fratt$ö|'tfd)e 3nfanteric;Rcgimcnter bwouaftrten auf
ber sJ3icf)weibe. 2)en 3. 3uni würbe ber Sßaffcnftiüftanb be*
fannt; XagS barauf alarmirte ba$ ©erüdjt: „bie Jtofacfen
ftänben bei Dölbau/' bie gange etabt. 2lm 5. Sunt traf ber
aJcarfcbaU ^erjog t>. Saffauo ein. s3Xef)rere Regimenter Äa*
valleric, (Srgänjuug für »erftyebene SÖaffcngattungen , wöbet
and) ^amclucfen, etwa« 3nfanterie unb SKunittonamagen jo*
gen burd> ©örli$. 5lm 6. 3um würbe ber ©eneral Sa $rwere,
welker bei ^arferäborf neben bem WaxfäaU Duroc*) in
unmittelbarer «äl)e be3 Jtaiferö erhoffen war, feierlitt)ft beerbet '
•) £eht einfadjea Deitfmal ift ein ©rtenftfem an ber Sttarffr$borf<t
f« (1% et. w« ©i>tli^) mit frtn $öort#n: Duroc. f 4*43.
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Den 8. 3tmi traf uittev bem Donner beö ©efcf>M^eö unb
bem Tanten ber ©locfen Jtaifev Wapoleou wieber ein. Um
9 Uhr mufjte bie ©ürgergart* jufammeiifommen. <Ste jog
Mm Y212 Uhr auf bem Obermarfte auf imb itelite ftch in eine
ftetye mit bem anwefenben WUttvir, welche* in *Parabe auf*
marfd)irte.
Da$ Weisser war griin befortrt unb ein fetjr fchön von
SBlamen gefertigte*, mit einem Sorbeevfram umfctyfangcite* N
bafelbft angebracht. Den (^fngaiti) be* \\ 9?ofttfc'fcben «ftaufe*
hatte man mit <$Hir(anben betränkt mit) raiüber am &alfon
bie 3itfdjrift; Vivat, Vivat! semper Vival N. befeftigt. Sllö
rer tfaifer bei bem Saufe anfam, frreuteu eine 2ln$at)l weip*
gehefteter sJD9äbc^en SHumen, unb überreichten ihm auf Sei*
benbruef folgenbe 3c^en: Napoleonti Yictori Pollenli Potenti
Invicto S. — Civitas (lorlicensis a. d. VIII. Jun. MDCCCXM.
Der Äaifer empfing alle, welche ihm bic Aufwartung mach*
ten, (ehr gnäbig, trat einen Augenblicf auf ben $3aIfon, van
welchem aud er bie Anwefenben mit bem ^erfpeftive mußerte
unb jog fich tu fein Üabinet juruef, um $u arbeiten. Abenbä
ivar bie (5tabt erleuchtet, am briUantcftcu ber bem faiferlichen
Sogid gegenüber angebrachte £)beli*f mit bem N., t>a$ Salj*
hau*, ba* Wathfyau* unb bie S&o'rfe (Preisgericht.) s-9tit bem*
felben $age begannen franjoßfehe *Rücfmarfct>e. Um l>alb 6
U^r fam viel Kavallerie, fpäter Infanterie; in ber 3tabt blie*
ben gegen 6000 SKamt.
Anbern Xag* gegen 1 1 Übt reifte ber töaifer ab. €>chon
um 7 Übt war @)eneralmarfch gefetjlagen Horben, welcher bie
(Barben *um Abmarfch jufammenrief. " sXur ein Bataillon blieb
in ber 6tabt.
3n ben folgenben Xagen gefdjah nicht* *on SBebeutung.
3u bem Sager, weichet wähtenb betf Sßaffenftiflftanbe* bei
<$ör(i$, jwifeben ben Dörfern Seopolb*h^nr<£Krm*borf, Wot>*
unb Schönbrunu aufaefchlagen würbe, famen ÜWunition*wagen,
Truppen ic. (Sin Ühctl ber granjofen, welche am 8. 3uni in
©orlift gewefen, lagen im fötvouaf auf bem SRifolaifirchfwfc
unb häuften bort wie bie $knba(en. Sie verbrannten bie
Jtreuje, öffneten ©räber unb Särae, flauen etwaige ^oftbar*
feiten, inbem' fie bie Ringer abfehnitfen, an benen goltene
Eilige waren, (öften ben frifchen Seichen bie Äöpfe ab, fteeften
folty auf bie Sajonette unb trieben ähnliche Kreuel. Die
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töudmärfctye bewerten fort &m 18. 3uni würbe eine „93er*
orbnung für beu Unterhalt ber fvanj6ftfd)en unb aUiincn
Xruppen, unb bie 9$ewirtl>ung ber £>ffi$iere von allen ®raben,
» welche in Sacfyfen bei ben (£inwof)nern einquartiert ftnb, vom
, 15. 3um 1813 an gültig," befannt gemalt.
©äfyrenb bed ^BaffeufttUftanbed l;atte ber &ommanbeur
über bie Triften in ber Umgegeub von (^crlifc, (General
iKtMMiicr, fein Hauptquartier in ber 3 tan. (fr gab am 20. 3um
ben Dfftjieren einen 9$all in ber Diejfource. 5>cr ©eneral
!)atte in biefer Seit feine ©emafylin bei jtd); ftc fam am 29.
3uni an. 2lm 1., 2., 5., 7., 9., 10., 11., 12., 13., 15., 17.,
21., 23. 25 (jwei franj. Sttarine^egimenter), 26., 28., 29. 3uli,
2. ftuguft gingen franjöfifa)e Gruppen alier SÖaffengattungen
bura) bie Stabt, fydM inö ^ager bei 3Xot>0, tfyeitö naü)
<5d)lejicn. /
2lm 3. Äuauft würbe ba$ sJcameu$feft be$ Äönigd von
v5ad)fen feftlid) begangen, grill) blieä man auf bem töatfjä*
t()urme baö üebeum. $>a6 franj. Sager, in welkem ber 2>ia*
fonud Älien and ©örlifc bie geftrebe i)ielt*), war gläujenb be*
lenktet unb von vielen. (Sinwofynem ber «etabt befugt. S)ie
geierlicfyfeit fdjloji mit einem Salle.
£>en folgenden Xag fam wieber viel SWilitär unb am
5. Hüguß begannen bie Gruppen bei ber «Stabt 93erfa)anjun»
gen aufjuwerfen: bie £a$aretbe würben fortgefdjafft nad) 93auj>en *,
traniöftfdje £ufaren unb ©arfren jeigteu ftdj.
2lm 3. 8uguft erföien folgenbe Sefanntmadmng :
„Allen fyefigen (Sinwofynern wirb hiermit bei fünf Zfya*
lern unb naa) Sefmben ©erangui$ftrafe unterfagt, von ©ol*
baten unb anbem baju gehörigen *ßerfonen Srob, Sieifa),
Söier, SBranntewein, £id)te, £ola, gourage unb anbere SSerpfJe-
gungä*©egenftänbe an fidj ui faufen.
©örlfy, am 3. «uguft 1813.
£>er Äatl) atlba."
Der 10. Muguft würbe fowofjl im Sager, ald in ber
©tabt feicrlia) begangen. (5$ war befohlen, an biefem Sage,
mit welajem ber Söaffenftiüftanb ablief, Stapoleonö ©eburtätag
feftlia) ju begeben, ba vorau*ftO)tlia) ben 15. wegen ber JWegö-
Operationen feine sJDföglta)feit baju vorljanben fein würbe.
•) ®&rt. SEDedW«ifer 1838. <&. 778.
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529
3n ber *ßeter6fir<r;e würbe naa) ber ^rebigt be$ M. 3ancfc,
in ©egenwart ber franj. «Militär* unb (Eivilperfonen bad 31c*
beum gefungen. Die £ffi$iere vom fraftjöfif^en ©eneralftabe
vereinigten |lc^ mit benen bei fäcf)ftfd)eit ©arbe 31t gufj um
2 llf)r Scaajmittagö $u einem Diner im Saale ber jKejfource;
bie Solbaten würben auf bem Dbermarft an langen Xafelu
bewirket. Die Solbaten fangen, brachten s.Bivatd bei Ircm-
melfd)all auö unb fd>offett ityrc ©ewefyre tu bie 8uft ab.
Hbenbö mar bie £tabt $um Iben illuminirtj baä Salband
unb DUtfybauS am gcfdjmatfvolljten. SWm 9tatl)$tf)urm war
ein N. unb am Saljfyaufc ein E. (empereur) in ©rillantfeuer
angebracht.
3m 2ager be$ 9lrmeeforp$ bei 9Hot)0 war mefjr £e*
ben. Dort würbe ein glänjenbed geuerwerf abgebrannt, ju
welkem ber ©eneral Sanier fer)r viele ©inlabungen r)atte er*
gefyen laffen. Der «bbrua) beö Sagerd bei NDcoty$ begann am
13. JÄuguft.
Smblftti ®ap\UL
SBoml5. 8ug. 1813 bi6 jur (Srbfyulbigung au ^reu^en.
SÖir l)aben fa)on gefefjen, bap nod) vor 33eenfcigung beö
2öaffenftilljtanbe6 bie Truppenbewegungen ber fran$6|ifa)en ■
Slrmee wieber begannen. ÜWit bem »blauf beffelben Ijatte ber
gan$e ifrieg eine anbere 2Benbung bekommen. Der Wittel;
punft ber Operationen Napoleon« würbe Dreäben, welaVd un*
gemein befegftit unb verpallifabirt worben war. Der Jtronprtn3
von <5a)weben fommanbirte eine Ännee von (Sa)weben, wobei
ein preufj. »rmeeforpä unter Sulow. ©egen tyn follte War-
fcf>aü 9?et> operiren. Uitgefäljr biä an bie Üafcbaa) ftanD bie
Slrmee be$ Warfdjall SWafbonalb, ber bebeutenb verftärften
combinirten ruffifdjen unb preu(jifcf)eu &rmec unter Döingen*
fxein unb 93lüa)er gegenüber; in Sööfymen waren 120,000
JDefterreia)er gufammengejogeu worben, gegen welaK ber Stai-
fer einen Sfyeil feinet ^eere^ unb bie Öarben in Dreäben
verwenben mußte. Qx wufjte nia)t, wofyin er fta) mit ben
tferntruppen juerjt wenben follte, jumal feine 9(aa)ricfyten über
Q*efd?idftt wn «etil*. 34
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530
ben £)peratiou$plan ber SSerbünbeten nnt) bie öfterr. SBewe*
gungen fefyr unjuverlämg waren. Daher feine mannigfachen
$Rärfd)e bis \nx (5d>ladU bei Dvedbcn; baber audj feine jwet*
maiige $(uwcfeubcit in (Mörli( unb bic vielfad>cn Iruppeube;
wegungen in mit um (9örli&, bereu 3 ufa muten bang natürlich
bamalä in ber (Stabt 9iiemanb buntfdjaueu fonnte.
3Bir gefyen nun wieber $uv duonologifcfyen ^nfjäfylung
ber Scbitffale unferer Sfabt in jener 3eit über, unb tonnen
fn'er nur baä, waö bie £tabt betrifft, erwähnen, ba tyier feine
jcYicg$gefd>id)te jeuee benfwürbigen gelbjngeS, fonbern nur bie
(frlebmfje ber <5tabt aufjHjeidjnen finb. Der universale (Etanb*
punft ift auö jeber (*r$äf)lung beö gelbjugcd von J813 jn ge*
Winnen; ber lofale gebt unä hier allein an.
Den 12. 0n0. forberte ber Jtaifer für bie 3lrmee 10,000
(Senrtter 9Äcr;l uno 20,000 (Str. Strorj , wovon auf ©örltfc
nnb bie 9)iitleibenbeit 940 Steffel 1 1 ^tetjett tforn Hnb 261
6a)ocf 35 ©ebunb €rrol) Famen, Stixtfytn unb mtlbe 6tif<
Hingen würben hierbei nidjt verfdwnt. 9Man begann in bie
Stabtmauern 6d)ie|lfd)artcn ju brechen. Mm 13. Vluguft mar*
ftyfrtc ba$ 7. Strmceforp* nad> Vurfau ab j Truppen unb 2öa-
genjüijc# gingen unuutcrbrod)en. Den 14. ?luguft famen meb^
rere franjöftfdjc Illauen uub tfüraftlerfdjwabronen ; ben 15.
gegen 10,000 Wann junger ©arbc, welche bad nod) nidjt
ganj abgebrodjene l\iger bei ättotyS belogen. 6eit bem 13.
ijarte SMirgcrgarbe au$ @örli$ bat* l'ager bewadmt müffeit
(Sine Stenge Sagen mit frangojifc&en ^erwunbeten am*
£d)lefien beberften ben SRarfi unb bie anfto(*enben Waffen.
9Ran vermauerte am 15. bie Pforte uit^ arbeitete an $efefii*
gung be$ &affertai(ed, jweifelloS in ber SBefürdjtung einet*
. UeberfatfeS auö Böhmen. €tarfe Truppenbewegungen fanben
am 15., 16. unb 17. Slugnft feitwärtf CHoili^ ftatt. 3«
ber 9fad)t vom 15. gutn 16. waren gegen 50 ©encralc über
Stadjt ba. Die franj, Truppen benahmen ftcfy in" ber 6tabt
unb Umgegenb wie im eroberten tfanbe; tu vielen $fafl$4n*
fern uub Dominien mußten bie Familien fliegen; in ßubwigS*
borf führten bie $ran$ofen ben gamilten Sdjmibt unb 3aäV
mann alieö 5Jiel) fort. $£>a$ fie iticf>t fortbringen tonnten,
fa)lugen fte, wie au$ Dörfern gemelbet wirb, tobt. D™ 17.
jjtngen mehrere Regimenter mit flingenbem «Spiel bura) bie
äußere «Borftabt in ber 9cid>tung naa> 3ütau; Stacfcnuttagö
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■
3 Ur)r ritten brei tfürafrier; Regimenter burd), um 5 Ur)r fa<
men franjötlfche SERarinefelbaten, Hm 8 llijx ein 9ce>jiment 3n*
fanterie. £ie fd) lugen alte t>ie (Strafe nad) SdUeuen ein.
Den 18. Sdiguft J)ervfcr)te bie größte Verwirrung. SJüeö
fam uno ging bunt bind) eiuanber. Mehrere 2Öagen$üge mit '
Sd)ijf$briufen, mancher 2Bagen mit 10—12 *ßferben befpannt,
fuhren jwm reid)enbacher X(?cre hinauf. (Hegen 2 Uhr fam
ein 3nfanterie*&egiment auö (scblefien ^ururf, balb barauf
tfaifergarbe, weld)e ben ganzen Cbermarft bebecfte unb bie
9lad)t, (gegen 9000 9)fann) in ber Stabt büeb, fo bafj man
auf ber Straße fanm geljen founte, ohne über 6e(baten ju
. fallen. Um 4 Uhr fam ber Jlaifcr unb ritt über ben £)ber*
marft, bie 9tei$gane hinunter; um l>a(b 7 Uhr fefyrtc er wie»
ber jurürf, empfiug ben JRatf) unb trottete ifm mit beu 2öorten:
„Verlieren Sie nidjt ben Jtovfr eä wirb SlÜeä gut geben!"
über Diatt}, weldjer an biejem Sage befaunt machte, baß ber
jum 23. Öluguft augefe&te 3ahrmdrft nid)t abgehalten werben
fdnne, ^atte Der ftiiwefenbcit beä ^aiferd wegen eine 3Ünmi*
nation befolgen.
2(m 19. befamen bie üruppen balb SD?arfd)orbre, balb
würbe fie fturücfgcnommen; ber Jtaifer hielt ftd) theilweife in
ber StaDt, tbeüwcife außerhalb berfelben auf. si)Jarfd)aü* (Sau*
laincourt fam von v#rag an. Der Äaifcr war am 20. $fug.
nad) JDftrifc unb 3»ttau geritten, erfdjien aber plc&ud) um 2
Uijr r>ou ^iitan Voteber. 9$ereitö um< fyalb 1 lU)r war ©e*
neralmarfd) gefdjlagen unb ber «bmarfdj begonnen »erben,
auefa «Seiten* ber aud Sdjleftcn jurücfgefommenen SUWitär*
maffen.
. Napoleon betrat ben $alfon befl »ofW^fcben £aufe3,
ftampfte mit ben güßen unb war fur/tlid) l)od)ft jornig bar*
über, ba(j nidjt baS gauje Militär ferjon fort fei. £>jfenbar
^atte ber Jfrufer böchft unangenehme 9fad)rid)ten befommen*),
benn er war aufeerorbcntlich unruhig unb geftörr.
Um 4 Ul)r fefcte er fid) mit bem Äöiu'g w Neapel in
feinen SBagen unb fuhr eiligft ob. Äaum war er fort, ald
ber 2Birr»arr ber 3)urd>marfd)e bnrd) Sturmläuten vermehrt
würbe, benn c$ war gener au$gebrod?en, welcr/ed 7 £äufer
•) @« war n>af>rfd}einlid> bic Äelbung eingegangen, ba§ bie öflerr.
«rmee auf bem aJlarftye na<h Drcebe» fei.
34*
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verehrte». Diefer SBranb war um fo gefährlicher für bie
Stabt, als überall gaiue Reiben *ßulverwagen ftanbeu. Sie
fonnten glürtlidwweife ju rechter Seit befeitigt werben.
Radjmittagä fam bie Öarbc ju ^ferbe unb bic Schiffs*
brüefen von gaubati wieber jurücf, 2000 Slefftrte würben au*
cjefagt uub bie Anlage von Sajarct^cii befohlen.
Den 20., 21., 22. Knauf! war biefelbe Unruhe fort«
bauemb unb ter Jtaifcr Napoleon immer in ber Rahe; feine
Knftutft würbe von geü $u 3cit angefagt. 93alo follte er au£
Sauban, balb and Sunjlau, balb and £irfcfyberg, balo au6
Sauden fommen.
Den 23. Racfcmittag* famen bie (Sliteu unb ©arberegi*
menter aud Schleftcu jurücf unb marf^trten auf S3au$en, wie
man fagte, in llilmärfcben , weil ber geinb Dreyen fid? nä*
bere. Um fyalb 5 Uf)r fam ber ftaifer ju Sagen au$ Sdjle*
fien $urücf, umgeben von glänjenber Suite. Regimenter auf
Regimenter, Artillerie unb Kavallerie, enblofe 3Runttien6tra?
genjüge gingen £ag unb Rächt l)inburd). (Srft um tyaib 11
Ul)r fuhr Rapoleon nach Dreöbeu ab unb ift feit jenem Xagc
niemals mef)r in ©örlifc gewefen.
Den 24. Ataufl bauertc bad Durchfahren unb Durch-
marfer/iren ununterbrochen fort. Rod) am Abenbe famen 10
Regimenter Saiern, ©ttrtemberger, Stampfen, welche, burdj bie
2Bagen$üge beengt, alle Strafen verftopfteu. Wndf in ber
Rächt unb am 25. früh war ununterbrochene ^ajfagc. Die
Solbaten brachten viel Riubvieh unb Schaafe in bie Stabt
getrieben, uub verfauften ba$ geftoblcne ©u* $u Spottpreifen.
an biefem Sage melbete ber Kommanbant ben £au$beftfcern
in ben SBorftäbten, fie möchten ihre link™ frerfchlojfeu halten,
„weil alle Mugenblicfe ein preufiifcheS Streifforpä fommen
tonnte; innerhalb 24 Stunben würben bie ^reujjen ba fein."
(Sr mupte alfo fchon von ber Schlacht an ber ita&bach wiffen.
Um halb 5 Ul>r Radjmittagä fam ber SXarfcfcall Rev
unb fuhr um 10 Uhr JMbcnoS ab. Sdjon vor feiner Äbreifc
hatten mehrere Regimenter Kavallerie bie Stabt paffirt.
2lm 26. Sfuguft erhob ftch in ber Rad)t plö^lich ein gro*
fier Varm; e$ würbe (^eueratmarfch gefchlagen unb bie grau-
jofen marfdnrten $um reid)enbad)er %f)OXt hinaus. Salb fam
neues SRKitdt auS Schlcfien uub ein Söageniug mit Seicht-
verwunbeten. Radjmittagö ftaub wieber ber Wtaxtt voll 33er-
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rvunbeter. grill) um V44 Xlfjx f)orte man auf Dre*ben
fanontren.
Den 27. Kttjtttff, 9tad>mirtagfl um 3 Uf)r, (amen 230
Stanu gefangene v|*reupen, fpäter sD?unitien$n>agen. — Den
folgenben $ag waren bte (BcfytfFbritcfen über bie 9Jeifie ver*
fifyvuuben; baö über 9?ad)t gefommene grofjc ®ebirg£tvajfer
(>atte uc tveggerijfen. (*ine 9?aa)rid>t von 33erluften beä s3)?af*
bonalb'fd*cn jterpä würbe gegen Hbenb befannt.
Den 29. ftuguft fam i»tc Betätigung burefy vertvunbete
fran^öfifdje Dffiiiere, voeldje fagten, baß in <£<t)fcfien SlUed
verloren unb Mc 9(rmee auf bei SRetirabe fei. *
3u ber Sfadjt vom 29. $um 30. hörte man beftänbigen.
Mrm auf ben ^trajjen; e$ magre fid) 9fiemanb au$ ben
Käufern, aud) nicfyt vor bie €tabt. 1100 s3)?ann Reffen nid*
ten in biefclbe.
9m 30. 9(uguft fyörte man in ber föidjtHiig von 2Balbau
ftarf fanoniren ; bie (^arnifon brad) um fyalb 1 1 Ur)r nad)
DreSben auf; framöftfäe Artillerie paffirte bie Unter* unb
Dberfaljlc nad> bei baufcner ©trafie. ?lbenb6 fam ein großer
3«g mit ©efdjüfc $urütf.
Den 1. September*). „s)(un l)aben mir bie fc^one (Sr*
fahiung, bie mirfliebe fltetirabe ber granjofen aud ^chleften!
Unb weldje SRetirabe? Da mar bie rufftferje ntd)td bagegen.
Da$ get)t $Ule3 milb burdjeinanber unb im ginge. Die Äa*
vallerie, Kanonen unb SBagen. £o mioerlegt ftd) alfo bie
Behauptung eine$ feigen unb muttylofen Deinen, ber gefterit
fagen moüte, 'iflafbonalb t)abe bie Muffen unb Greußen bei
Sunjtau gefcblagen, Durch ben 2fugenfd>ein. — Wafoonalb ift
in Seelenangft and) angefommen unb iogirt bei s)?ofti$. Den
(£inwot)neru ift angefagt werben, gegen 12 Ur)r ©eroölbe unb
Spüren gut gn verfehlteren ; bie 9iet|jbrürfe wirb von ben gran*
jofen wieber abgebrannt. — Das Durd)marfd>iren unb 9teti^
rtreit von Kavallerie, 3nfanterie, Kanonen, $ulver* unb 53a*
gagemagen t)at aua) 9cacf)mittag$ um 2 llljr noa? nid)t auf*
gehört. 3u meinen jwei Offizieren befam id> nod) 1 Obrift*
Lieutenant, J Mutanten nnb mehrere Oriente tn'ä Ouartier.
Die beiDen älteren Offnere gingen 9?ad>mittag$ ob, berCbrift
•) SBir lafien hier ben 59itd>f>anbler Hntim felbft ftneAen, ba feine
dqahluiig bieff* Hnrfjug« ein fäft lebenbige* *8ilb gibt. B. I f. m.
«<-
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lieutenant in Der 9?ad>t um 2 Uf)r. Tie granjofen fyabett in
Den $$orftäDteu mit *l*(ünDern iuit> 9Rißbanb(ung Der Wen-
fdjen ungeheuer cjeimrtbfd>aftct ; freiließ, Wotx) tarnt fein ®e*
bot unD ftc fommen n>ie Die ausgehungerten 2ßölfe. 3« Den
SBorftäDten feil gar nityt mefyr vorbauDen fein. $Äan fagte,
t)ic granwfen ftänbeu in bcr (9egenD Der Sd)an3e unD beim
fcager in völliger Sd>lad)torDuung; id) habe von Jtonrab'3
Sommcrbaufe au« wol)l fel)r viel Militär, aber Mt* in uxi-
orDentlia>en Raufen gefefjen. 2; er ÄemmanDaiit f)at t>a^ neue
99aul>ol$ bei Der Strißbntcftj was giim Aufbau Der abgebrannt
ten ^äufer beftimmt war, wollen wegbringen (äffen, Damit Die
(Hüffen nid)t fegleid) eine neue $nitfe bauen tonnten. £>b ee
getanen ift, weiß id) niebt. §fuc^ fyat er Die 2>rei* unb *8ier~
ratenmüljle wollen abbrennen laffen, weil e^ nur Spi&buben*
9teftcr wären; fic ftnb jeborf) Wegen Der sJ)iel)borrätl)e erhalten
werben.
$>a$ S>ura)marfcbiren unb (Durchreiten ging Slbenbö naefy
7 Ufyr nod) immer fort. ÄbenW faf) id) hinten ^inaud bei
mir auf Den $ohen »icl 2tfad)tfeuer; eö entftanb eine lang
anhaltenDc ,£>elligfeit am Gimmel über Die sJfifolatfwbe, vtx=
mutr/lid) ein geuer in älingcwalDe. 9ced) 2lbcnD$ um JO Uhr
liep Der äommanDant Die Skürfe au)üubeu, wn Der jeboef}
einige 3od)e ftel)en blieben."
8m 2. September um 8 Uhr erfa)tenen Die erfteu tfe*
faden, gegen 12 Uhr preujjifd)e unD rufftfebe *finienrrnppe»t uuD
brad)ten balD wieDer CrDnung jurücf, obfdjon freilid) noch am
9cad)tnittage De6 2. Die preupiftyen unD rufftfebett Gruppen bei
mehreren äaufleuten: «Kögel, 6tat)r/ «gmbner, (Sifler, plünberten.
2lm 3. September fam Der 93efel)l 93hid)erö, StaDt unD
£anb ©drltfc foUe 300,00 > Zl)ix. (Kontribution aufbrinaen.
Srn 5. September wuroe auf Dem [Rathhaufe Darüber beraten.
2luf Die StaDt unD SHitlribenhcit famen 89,750 $l>(r., auf Die
Statt allein 53,394 Xtyx., auf Die sJ)citleiDenl)eit 35,656 $t)lr.
— 9lm o+ September horte man wieDer in Der 9?ähe fano-
niren unD fal) Die ^rennen bei Jtönigätyain auf Dem Kurfjugc
begriffen, ©egen 7 Uhr Dröhnten Die genfrer unD Xfyüren
von Dem heftigen JtanonenDoiuter. ÖJegen halb 7 Utyr waren
fd)on wieDer grangofen in Der StaDt ; Dafl ^eloton* unD Jflein*
©ewehrfeuer, fowie einzelne ßanonenföüffe ^örte man bis
gegen H UI;r 9iaa)tä.
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ttm ^Jorgen M 6. Sept. lag ber gau^e si)iarft vol( •
graujofen. $>er ,Honig von Neapel war augetommeu mit) lo*
girte bei Noftifc. Da»? .Kleingewebrfeuer erhallte bcfrdnbia..
X)ie Muffen unb Greußen f^aitDeu auf ben £öl)eii ber Seif*
tu>rftat>t unb Soften über beu glun; Die äanoneufugeln roll*
teil nteljrfad) in ber gfttye ber ^etenMird)e auf rem ^flaftcr.
s)ttaii fprad> bavon, Napoleon fei bereit in ' Neidjenbad) gewe*
fen, aber wieoer uad) 5)reet>eu jurürf. ttm 9. September ver* *
tottUHbe« plöfclid) bie granjofen wieber; um 10 Ul)r ging
3Rarfa>aU iWafoonalb mit Jtavallcrie ab. Nacbmütagd, um
2 \\\)x waren wieber Xiofarfeu ba uno um 5 Uhr bie Stabt
von Neuem Durd) Die Muffen befe&t.
Seit bem 10. September bauerten nun tu Durdjmärfdjc
von ruffifdien äorp$; bie ©Inajer'fdjc sJNad>t ging feitwärtä.
£>ie rtiffifd)en Truppen beuabmen ftd> je$t fetyr fd>Icct>t unb
ftat)leu wie bie Naben.
sJNit ber Nütffeljr ber ^eibüubeten- in Die Stac t fam aua)
t>ie ©Wü)er febe (Kontribution wieoer juni 3Borftt)rin. CDic Hup
biingnua beo ©elre* madue viel Noth. ^eber nutzte von fei-
nem Vermögen 5 ^rojent ; Jlaufmannebiener 5 Tbaler, Jtauf* .
leute 3000, 2300 IJjlr. u. f. w., S)ieuftboten vom X(;aler ihre*
A'ofyne 3 (%ofd>eu geben. flm 12. Septembrr verbot ber ruf-
fifdje Äommanbaut Dae Senutagä* Geläut, $ur Strafe be$-
fyalb, weil bei Napoleon d ^Jnfunfi gelautet worben war.
3n ber Umgebung ber Staot war natürlid) bei Dem 3?or-
unb Nürfwärterutfen ber verfdjiebenen 3.iuppenabtf)eilnngen
Mieles verwüftet, von Vcicfycn uuo iMaä verpeftet. Sine $n*
beutung gibt folgende $3cfauutmad)ung :
w4)a bcrmalen annod) au ben Vaubftraßen unb in beu
dußerften ^orftdoten mehr crepirte Uferte liegen, alö ber Ga*
viller in furzet ;}eit 31t verfdjarren im Staube ift, fo wiro
einem 3eben, rer ein fold)ee <?(atf 3 (Sllen tief, von beute an
veri'djaat $u haben, ourd) bie ^affenmeifter befdjeinigt, 12 ®r.
jur Belohnung hiermit jugefid>ert."
©orlifr, beu 20. September 1813.
Der Natl) alliier."
2)öfj e$ au Starter (Jiuguartierung nid>t fehlte, fanit man
ttd) wel;( benfen; befonberö am 17. September waren alle '
«£>aufer fo gefüllt, baß auf mand)e$ 10— KM) iDtann famen.
3n ber 9iad)t vom 18. jum 19. September famen Mo*
• >-
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536
fatfen, treibe mit ben Spießen an bie £äufer bonnerten, um
Duartter ju erhalten. SRetyrere £au$tl)üren würben erbrechen,
mambe mitben $ferben eingeritten, wie 3. in ber ©üttnergajfe.
£>ad 9iequmren ging fort. 2lm 21. September fam ber
$efebf, binnen 3 Sagen follte ber görli&er und baufcner Jtrei«
für 300,0(10 Iblr. $u<$ fdjaffen.
21m 23. September ftanb an ben Straßenerfen ein Sttauer*
anfdjlag mit $ad)rid)teii über bie Sd)lftd>ten bei Äulm und
Kottendorf. UeberfjaHpt wurden von ben SBcrbünbetcn $erict)re
ber 8rt häufig veröffentlich.
(Snbc September würbe- jtarf rerrutirt. ©ernur irgendwie
eine 2öaffe führen tonnte, mußte ererciren unb jur Armee.
Sin preuß. Hauptmann SÖinjtg bielt ftcb fett bem 2. Sept.
in ©erlifc auf, um ein. Jtcrpd freiwillige fädmfdje 3^ger aus
ber £>bcrlaujt$ juiammenjubringen. £iefe 2öerbun#en garten
guten Erfolg; fdjou am 18. Df tober waren beibe Kompagnien
circa 500 Sflann ftarf, unb Ratten ft<b großenteils felbft
equipirt.
Um 23. Dftober würben bie Erfolge ber 6<r;lacr)t von
Seipjig in ©örlifc befannt. £o.d) waren fd)on »orber mer)r*
fadje ©erüebte bariiber in Umlauf. 5Mm 27. Cftober rürfte dad
bier geftanbene 3. Sanbwebrbat. Sdrfejifd). 5. Regiments aus.
Um 2. November würbe in ©örlifc, wie in aanj Sad>;
fen, ba$. befohlene geft wegen befl ($in)uge$ oer ?oerbünbeten
in Seipjig uad) ber gewonnenen Sd)lad)t gefeiert, grub um
8 Ufer verhindere ein £)etad)cment äavaUerie mit Irompeten
ben Safttag; alle ©lorfen ber Stabt ertönten unb SRuftf er*
fdjallte vom ^Xr^urme. Um 10 Ufyr verfaminelten jid) bie tu
©örlifc gamifonirenben faif. ruff. Xruppen in $arabe auf bem
Warfte unb ba$ (Snbe beS XcbcumS würbe burd) mehrere
Salven unb ben oftern *Ruf: «^Hrrab! bejeic^net. Slbenbft
far) man eine r>errltd>e Illumination. „ 5)em £aufe beä Siom*
manbirenben gegenüber: (£in üempel beä ätubmetf; im gron*
tidpice erfdjien das Äuge de$ 8lttmäd)tigen , bie Siege feiner
aefegneten Binder überblitfend; im ©runde deä Tempels er-
blitfte mau ein ©emälde in ber £ör)e bie 9tnfangäbucb«
ftaben ber vier $erbünbeten, umgeben mit einer Lorbeer * und
Sternenfrone, alä 3*1^™ beS unterblieben Sieged bei Seip*
S*g, in der iiefe aber drei ?ldler unb einen Sowen, ftegetib
über der lerndif^en Solange, #n den Seiten deS-Xempelä
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faf) man jwet Altäre -mit ÜRofengutrlanben unb jn>ei ^tyrami*
den mit den Sinnbildern deä Siege*, der Jfcraft unb ber $3er*
einigung. SBiele Jftenfeuer brannten um ben Xempel, unb bie
üempel unb ^tyramiben unb ÖJuirlanben t>on bunten Rampen
machten eine herrliche Sötrfung. $)ad ganje «§>au$ be$ ©ene*
ral-Äommanbanten war vortrefflich erleuchtet unb ber 9tanten0*
jug tfaifer Süeranber'd brannte in einem geuermeerc. Die
38ot)nungen ber grau Gräfin von Vainjeftm unb aller !)^en
ftuffen unb ^reitpen, bie äommiffariate-, bie Sajarethe unb
bie 28achen waren febr fd)dn illnminirt. tÄucf) bie (§inwob*
ner bezeugten überall ibre greube. Dad *Ratl)bau$, bie Stürme,
|lrar)lten von bünten fcampen. Stu ber gronte beä (Maßhof*
jum braunen .jpirfeb befanden ftd> drei in der ($röße eined
hoben genjterä transparente ©emälbe, welche durch die, auf
beiden Seiten befindlichen tüuminirten genfter eine vortreffliche
(Sinfafjnng gewannen. Ueber dem mittleren ©emälde befanden
(ich die faiferlid) rufftfeben und öfterreid)ifd)eit, die föiiiglicb
preufhfeben und fehwebifeben SBappeu, jede« in feinem gelde
gehörig beleudjtct. Unter denfelbeu reichten ftd) fedjä aud
Söolfen fommende Sinne fed>3 verfcblungene £ände, um da-
durch $ugleid> die Sbeilnabme und Sluöbauer im Kriege,
weldje (&nglaud unb Spanien gegen granfreirf) bewiefen, an*
jugeben, unb unter biefen lad man folgende 2i$orte:
In i IIa concordia salus fimnaniae.
b. f>.: Äuf ibrer (Smmütbigfeit ruht Drutf^lanb« £eil.
lieber dem rechter £und befindlichen Reinalde las man
die in lapidar * Schrift erleuchteten sii>orte: (iermania reflo-
rcscens, oder datf „erftaudene 1>eutfchland", unter diefem
febwebte über ber überflöge bie grfedeuügöttin, in der linfen
£and einen *J$atat$weig, in der regten ein güllborn, ba$ fte
auöfdjüttete, halt«1*- ^luf der Dberfläcbe war rechte) ein
See, auf dem mehrere Schiffe mit vollen Segeln fuhren, linfS
eine £anbfchaft, worauf ein Slcferämann aefernb fleh Kfgte.
$)aä linfer $and angebradjte ©einälde enthielt die Ueberfcbrift:
D. Will, et XIX. Octobris MDCCCXIH.
Hydra evtineta, aetas aurea diluit.
Unter biefen fah man auf ber linfen Seite ein getöbteteä Un-
geheuer, beffen 2>racbenfWgel, Schwanj unb übrige ©eftalt,
(£ntfe$en erregte. Jn ber Glitte ftand eine naefte flarfe manu*
liehe gigur, auf eine Äeule, womit fte da<3 Ungeheuer in den
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i
Sötten bruefte , ßcflü^t. Stuf ber redeten Seite fa() man eine
aufgeteilte Sonne, oben fdjwarje, fmfrre SÖclfen, autf benen
fed)d $Mi$e fdjläugelnb baä Ungeheuer serfdjmetterten.
$lu|ier per burd) Den beim br. w Stöger .einquartierten
ruff. Wajor i\ Jtotyl angeorbueten $Meud)tuug bed <£>aufed
mit 200 Rampen batte Dr. o. Stöger an jwei genftern feineö
Jpaufed folgenbe Srantfparcntä anbringen faffen : 3m erjteu
glänzten unter einem flamraenben günferf bie Wamcn^üge :
A. F. I. F. W. Felicitas teraporum. 2)a* <&an$e umgab ein
©eroinbe oon Lorbeerblättern. 3n bem gmriten waren unter
einer flaminenben Sonne folgenbe Lüerte Älopftorf'ö au$ 'ber
£>be: V(n bie Ärieger: „Des Kriegers Grösse? Ja, wenn er
für Freiheit kämpft — — ; so ist der Held edler Mann,
verdienet Unsterblichkeit." $tuo) tiefe 3nförtft war mit
Lorbeer befranst.
3n ber $riibergajfe fyatte ber Dr. Vogelfang brei geufier
feiner 2ßotuiung transparent erleucbtet, worin man laö: Franz,
Wilhelm, Alexander — Heilte Drev, — hu riefst!
und Deutschlands Fessel sprang entzwei, lieber ber erften
Strophe befanben ftch brei rereinigte römifdie gaoreS mit
Seilen, weld>c ein gorberrfram) umfa>lang — ba$ Swmbol
ber innigften Bereinigung. — lieber: Du riefst! fpraa) ftd)
ba$ $<\<btn ber ÜKad)t bura? Siepter, Scbwerbt unb eine
brennence gartet, baä 3eid)en beö Jliie^eö, unter u>e(d)er ein
(SiaVnlaubfranj angebradrt war, autf; unb über: Und Deutsch-
lands Fessel sprang entzwei! — jeigte ftd) ein auf einer
Stange befestigter, mit (*idjentaüb behängter greifyeitfhut; um
bie Stange eine verbrochene Äette, altf ^eierjen ber Krbrodje*
nen Xmannei nnb ber wicbcrfefyrenben greibeit. — Stuf ber
$oft fat) man au einem genfter ben ^amen^ng . #lerauber'ö
mit jber äaiferfreue unb Unterfdjrift:
Zu unserm Glück erschienest Du, .
ITeil ruft Dir jeder Sachse zu!
81m SBogeFfcbett 93raubofe in ber ^vübergaffe war ber
9(amen^ug beö ttaiferö von föuf;taub mit ru|Ttfd)cr 3iu"a)rift
eileudjtef.
Sei bem Kaufmann (Sonrab auf bem Untermarfte fal)
man einen l'orbeerfranj mit ben Korten: Der» 'tapfern Krie-
gern! 9ln einem genfter beim Kaufmann iKöber la$ man:
Es lebe Alexander, Kaiser von Aussland!
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539
i
Slbenbä nm 8 Uf)r gab bei (General -^}Jajor 93erbiajeff
unb baä ruft. Dffijkrforpö SBaU mit 9lbenbc|Teii in tcm «£>aufe
ber dieffcurce. IDie (Gegenwart beä 9ioctö aue» ber Umgegenb,
ber $chörbcu uiib vieler angefchcncit Bürger vermehrte beu
(SHanj be$ ftefteö. Mein tanuc bis yun frühen borgen.
3übel* unb Srenbetifdjüjfe bauerteu bie gau^e Wad)t binburd).'
— 91 tu 5. November würbe bcr bamalige ?)ieDafteur bc$ gor-
lifcer Sluieiger*, ©chirad», verhaftet, weit er von beni gefte am
2. eine ^dnlDernng gegeben hatte. „(£r feile nur befohlenes
aufnehmen itab feine eigenen albernen (*)ebaufcn ftir jtd) be-
halten/' fagte ihm, nadjbem er einige (stunben gefeffen tydttc,
ber nette <&eneral*l%uvrrneitr, Surft IKepnin «üb lieft ben über
biefc 91 rt von Sreiljeit betroffenen wieber gehen.
©raf föevfad) würbe befinittv al* General- Laubcä^Hem-
mtffar ber Cbcr-- ilub ^iiecerlauity angezeigt nnb ttal)m feinen
3BohnjiQ in kauften. £>erfelbe lieg in feörliij einen ©eneral-
Karbon für alle befertivten fäctyftfchen '5el&atett, wenn tte bi$
Klint 1. gebruar 1814 freiwillig ju il>ren gähnen jurürffehrten,
unb einen Aufruf De3 fteorgauifatord bcr fäd)f. Mrmee, ©ene*
ral v. Xhiclemann an bie verfprengten fdebf. Gruppen, fia) $u
melben, atrbett Strapenerfen begannt macheu.
3m November hud December graffme wieber baö 9*ery
vettfieber in ©örlifc, boa) nicht in fo hebern ®rabe, ivie im
grfihjahr. v. üRegtabt, SHajer v. ftöber unb Dr. v. etöljer
würben ut Äommiffarien ernannt, nm in banden bie Canb*
iveljv für bie Oberlaufs $u orgamjtren.
Wit bem l. 3>ejembcr lbJ3 ging ber bid bahin Imr gc*
ftanbene äommatibam v. Worbberg ab; er fprad) im 2lnjeiger
feinen 5>anf für bie beweife ber Haftung imb Webe, welche
ihm in ©örlifc ju Xheil geworben feien, au$. Anfang* bie*
fed äfcmatft würben bie 9lMnei(hnungcn jur fcanbmeht mit
großer ($tle vorgenommen.
3n $örli& beftanb ber Lanbe$*bewaffnitng^$lu$fd)ufj au$
bem Hauptmann v. S3ofe, Lieutenant v. Jttefewctter, Senator
Riegel, efabtnufl ©eitler. £>cr 9catb von <#örli(> forberte
ju llnterjtüfcung ber 2öehrleutc auf.
2öie anberwärt* riefen aua) tn ©örlifc biefe Aufrufe
großen (Snthuftaämu* h*n>or, fo baf . namhafte Beiträge an
baarem ©elbe, 3uwelen, Silber * unb ©olbgegenftäuben,
Xua), Sclnewanb, Söaffeti jc. eingingen, bie und ber Ülaum
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.540
r)tnbert, !)ier aufzählen. Sie ftnb verzeichnet im görlifcer
iMnjeiger 1813., Ro. 51. vom 23. 2)eccmber. 1814. Ro. 2.
vom 13. 3anuar, Ro. 5. vom 3. gebruar, Ro. 12. vom
24. «Rärj, Ro. 14 vom 7. Hpril.
3n ben Giften beö £anbeä*6ewaffnung$*1Mreftoriumö *u
Sauften ftnb als freiwillig in bie Satibwegf (Sintreteube auä
©örli§ genannt: Dr. (Styriftian ?(ug. v. Stöljer, £einrid>
v. Roftifc Drjwiedi, ganbedältefler im gürftentl)um ©örlifc auf
lUtaftborf; Äuguft griebrid) griebemann, Schönfärber; 3of)ann
ftuguft gerfcinanb £or$fd)an$f», 3«dwe nmei jter j ttutowta (£mil
Brauer; gerbinanb griebrieft Scbmibt, ©pmtwftait; 6$rifHatt
Snbtvitj 93enab, 3ol)ann Jfcarl fluguft ©lauer, "3of>ann ©ort*
frieb £orter, ©uftav «Hflttfl Reuiwann, ©tymnaftaften $n
©örlifc; (gmamtel Jt 5. Möllmann, Dcfouom; ©ottlob «119.
Stieme, £anblung6biener; griebtid} (Sonrab, Sucrjmacfcer;
tfarl 2BM). ©ujtav Sa>olj, $anblung$biener; (Srnft ©ehlcr,
©limuaftaft; Maxi ©ottlob Sebmann, Seiler; tfarl griebrid)
Rödler, $ätfer unb Kuller; 3o()ann griebri« Jtabe, Stkmy>U
ner auö ©örlty.
3n ben legten Sagen biefeä benfwürbigen 3af)re$ Ratten
mehrere preaf. 2anbwet)r* Regimenter auf bem 2)urd)marfdje
Safttag iu ber Stabt. £ie $anbwcr;rau£f)ebung (welche in
Rieäfy, Rothenburg u. a. £>. wegen Ungefd)irflid)feit ber bort-
en gefenbeten Jtommijfare mit Tumulten begleitet war), ging
iu ©falty ol)ne Störung vor (t*.
2(m 3. 3anuar 1814 marfdjirten 3000 Hüffen bHrd>,
von benen 1500 Racrjiauartier unb Rafttag in ©örlifc Ratten;
fte waren bie Slvantgarbe von größeren Xrupvenabttjeiluncjen,
weldje nad> bem Rheine weitergingen. Anfang 3«nuar wurbe
baä Stabt^iommanbo geäubert;
,/Daß auf ©efebl be$ iQmn ®eneral,'©ouverneur$ von
Sacbfen, Sr. $>urd)laud)t befl gftrften Repnin, ber 9*uff.
Jtaiferl. Stab^Äapitaiu vom 15. 3figer-' Regimen re, ^err
t>. £anow$fv, tum s}Ma&-Jtommanbanten alliier ernannt wer
ben, wirb Jbiermit 311 3ebermannd SÖiffenfdjaft befannt gemacht.
©örlifc, am 11. 3anuar 1814.
3>er Ra^ aühier."
5lm 18. 3ariuar fanb bie feiertiaie SSeeibung ber neu*
fcruürtcn Sanbwefyr ftatt.
grüt) um 6 Ut)r würbe Dteveille gefcfylagen, um 7 Ufyr
mit allen ©lorfen geläutet, unb um 8 Ul)r oerfammelte fic^
bie ^üraergarbe beim SßiertelSmeiftcr (Sonrab. $on bort auö
jog bie 33ürgergarbe jum üDJajor v. 6tcljcr , fpäter jum ruff.
Jtommanbunten auf ben Dbennarft unb brad)te ifmen bie
£onneur£; fdjliejjlidj nar)m bie 3ttannfdjaft vor ber SRefiburce,
wofelbfi ber 9tatl) uub bie Honoratioren verfammelt waren,
$la$. Um 10 Uljr begann von bort and unter QHotfenläu*
ten, fetcrlid)er ÜDtujif unb &anonenfd)ü|Teii ber 3u0 nad) ber
^eterSfirdje. 3"erf* 93ürgergarbe, SKagiftrat, ©eiftlidjfeit
unb ©efjörben, bie vcrfcfiicfytenbe £anbwer)r, baä bürgerliche
3äger*J£orp6.
$)ic erftc 9Rebe in ber &ird)e fyielt M. 3anrfe*), vor bem
2ütaie, an weldjem ftd) bie S3ebörben auf (Etüden nieberge*
laffen Ratten; beim ©ebet fielen bie Sanbwebrmänncr auf bie
Äniee uuo flehten ©ort um 33eijranb für biefefl mistige SBerf
an. Süäbann erinnerte Dr. v. Stdljer, alä *9*itglieb beä 6en*
rraU?lu^fa)uffed, auf vorgängiae$ (SrfHcfyeit von (Seiten beö
$ifcrift&#u$fd)ut7e£, in einer fräfrigen Diebe bie £anbwet)r an
bie SBidjtigfeit iljreö 33erufe$, worauf ber £anbeäfommijfariuä
v. 33ebr bie (Sibcäformel vorlag, unb bie (sdjwörenben unter
5luft)ebung zweier ginger Söort für 2ßort naajfagen lieg. 9(m
Sdjluffe bcö ©ottedbieuftc* würben wieberum Stationen gelöft,
ein Sieb gefungen unb ber 3"9 berfclben £)rbnung jurütf*
geleitet auf ben Obermarfr vor ben -Sifc be$ 8u?f<r>uffc$ ber ,
¥anbe$bcwaffnung.
Hbenbö war ein grope$ gejt in bcr föcffourcc. 2ln bem*
felben lacje »afftrte bie erjte Kolonne ber in ber geflung
Xorgau frtegägefangenen graujofen, befteljenb and 1700 3Wann
30 Jüffijieren unb 2 ©enerälen bie <stabt unb ging erft am
folgenben Sage weiter.
3m 3. 1814 würbe $ur Belohnung für bie 3kmül)ang
ber Patrioten um bie ganbwefyrauöfyebung befannt gemalt,
t>a$ l)ierju ein einfadje* grüne* lucfyfrcu} erwät)lt worben fei
*) 9t*be bei ber feierlichen Bereitung ber fcanbtoefyrmänner auä bein
orlifcer, laubaner unb fr ibenoerger Jtrrtfc, ben 18. 3«nuar 1814. <5>drU$,
. £<mje. 23. €.
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542
unb unter anberem bie Herren v. Söofe, v. Äiefewetter, Seua*
tor <Sd>legel, Sfabinuä ®eißler, Utotfat ^iUt, Slbvofat 53Dc^
miant (nadjmaliger bürgermeifter), 9leumann in ©orlifc bamit
beforirt; fpäter unterm 6. gebruar 1814 ber ($enrrat'$lH$fd>uf?
in allen feinen Witglieberu.
3n ©orlifc war @nbe Januar unb Anfang gebruar wieber
viel (Stnquartierungölaft; bie franwjtfdjen befangenen von
Xorgau wollte anberwärtä 9ciemanb nehmen, Daher blieben
fte eine 3eit lang in unfern Stabt. Wan febiefte fte and
gura)t vor Dem 9cerveufieber überaU fort. SlußerDem gab e$
(Barnifon uno eine Wenge £)fftjiere unD Sonaten, 9?ad>Migler
verfcbieDener ^Regimenter, bie fid) m Affig fyerumtrieben, allerlei
Unfug übten unb t>tc brücfenbe Saft Der «Stabt vermehrten.
Unterm 17. gebruar befahl £err v. £>aiu>Wöfy tiefen Wenfa?en
fofort Die €tabt ju verlaften.
(Siue erft freiwillige Sammlung für burdj Den Jirteg
Beeinträchtigte würbe balD von oben l)er ©efehl. 3ebe *|tar-
fon bid vom 14. 3aljre ab mußte minbeftenö auf 6 Wonate
8 gr. -Beitrag jaulen, Altern für Die ÄinDer. (Snbe biefeö
Wonat* gingen fädjfifdjc (befangene, au6 iftußlanb entlatTen,
bura) ®örlt$ in ityre $eiutatb. 2)en 8. «Diarj gingen vreußifdje
Ulanen bura) bie Statt; Den 9. ein Regiment rufftfdje ©arbc,
von Dem ber Stab unb jwei Jlomvagnieen l)ier blieben; t>en
12. SDMra preußifebe 3äger unb tfaubwebr; Den 19. War* eine
Wenge Äofacfen; Den 23. unb 24. War* febr viel vreußifebe
Xruppen, Deö früheren glogauer Belagerungöforpä. — SHc
2luc3f)ebungen jur ^anbroehc Dauerten auch im Wär$ fort.
$Im 30. Wärj rourDe DaS Jnftitut Der Bürgergarbe ge*
orbnet unb feftgeftellt. 9ltle jungen Bürger (von 1809 an)
mußten beitreten. ®eria)t6vrofuratoreu würben angewiesen jebem
jungen Burger fagen, Daß er nid?t djer $um'($tDe pßtfaf*
fen roerben würDe, alö bitf eö in ber vorfd)rift3mäßigen Uni*
form gefdjer)en föilne. 2öer nicht felbft 2)ienfte tljun wollte,
mußte einen Wann für fia) ftelleu unb foglcfd) bejahen. 3Die
Dffijiere befamen wegen ihrer mehrfachen Dienftlciftungen bte
ftuelöfung nacr) wie vor fort. <8d)on vom 1. Slpril au muß*
ten von if)r bie Sachen belogen werben, ba außer bem .Hont
manbanten unb einigen wenigen Äofacfen, alle Muffen fort*
marfd)irten.
8lm 7. Slpril famen 500 Wann Greußen inä Duarrier:
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5i3
fte gingen am 8. &pril weiter, um aiwem 1200 Wanu Sßiafc
ju machen, von t>enen 300 Wann in ber «Stabt blieben; t>ert
11. marfajirten ebenfalls 1200 Wann mit Wuftf burd».
$ln tiefem £age würbe in $örlty i>ic 9tadnid>t vom (Sin*
juge in $ari$ befanut unb unter sXrommel|d)(ag mit 33oÜcrf"cr>aU
öffentlich funb getfyan.
Den 18. *)(prit beging man feftlid) ben Ginjug in $arid;
ber Äommanbant gab ein grütyftürf, in ber ^eter$firdje würbe
ba$ iebeum gefunden unb Wbenbä war 3u*uniinatioii.
sJ>ou 3^tt 8» 5*tt marfd)irten uod) .iruppcu Ärmee
burd) @örlty; fo am 10. Wai, 18. Wai, 20. Wai, 23. Wai,
25. Waf. X)en 31. Wai fam ruffifdje ftrtiUeric auf bem *Riid* "
marfdje, 36 ©efcfyüee mit c. 1500 Wann unb 1900 ^ferben;
ebenfo Muffen am I. 3uni, 2. 3unf, 5. 3uui, 7. 3uni (über
3600 Wann unb gegen 3000 Uferte), 10. 3uni, 11. 3uni,
18. 3uni, 21. 3uni, 23. biö 29. 3uui, 1. 3u(i, 4. 3uli, 6. 3uli,
7. 3ii(i,-10. 3u(i, 12. 3uü (batf Hauptquartier beö ©rofjjürften
jionftantiu), 13. 3uli, 14. 3uli, 21. 3u!i. ?(m 22. 3uli war
ber @hrof»fürft 9Wolaua Cic^t^e ^aifev) furje $cit fyier. 2lm
23. 3uli pafftrten Jtofacfen bic Stabt.
2>en 24. 3uli fam ber mfiifdje ©eneralfrtbmarfdjall ®raf
<8arclai be Zcll\> an unb bielt t)ier SRaftrag, mit i(mi c. 500
£)fft$iere. (*r würbe mit einer ^araoe ber 93ürgergarbe
empfangen unb $(benb$ ibm $u (Styreu bie (stabt iUuminirt.
©ein Quartier war beim Senator 53auer.
«m 26. 3uli futyr ber getomarfdjall auö ©ör(i&. S)ie
(Stiiquartierungen mit» ^>urd)marfd)e gingen fort fcom 26. bid
29. 3hü, 3. iKHguft, 12., 13., 15., 26. *Hauji. 3n ber ßwi*
f^enjeit unb fpäter fameu auö OtujManb frühere franpftfcfye
©efangene; aud) bradjte man faft täglid) ruffifaje Warobewrö
unb 3)eferteur$ ein.
*8on (Snglanb oh* waren 1925 2l)(r. 4 gr. für ben gor*
li|er Ärete Untcrftüfcnngägelber gefommen. $ie SBertfyeüung
begann nadj bem 19. giiguft. <Sd gab über 900 tylfdbebürftige
Unmünbige.
3n ben einzelnen Sagen be$ September* ging nod) bit
rufftfcfye 93efafrung von 5)re$ben burd) ©örlifc.
£ie Wilbtfjatigfeit war trofc ber bebrängten 3eitumftänbe
bamald fel>r grop, bafyer hnntc folgenbeä befannt gemalt
werben:
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544
„Da wir burd> fyty Verfügung in ben <Stanb gcfe&t
roorben ftnb, ^5 m If 6 b et> ü rf rt gen be* m& angewiefenen Dtftriftd
einige ©elbvorjdmffe $u Änfdjaffung von Viel) unb 6aamen?
(fcetraice unjinäbar bitf Dftcrn, aud) allenfalls in bringenbert
gaüen bis Wid>aeU cber SWartini 1815 jufommen jn laneir,
fo wirb biefeo* hiermit benen funt> getrau, weldje ftd) in Um*
ftättben beftnben, bie eine tolcfye llnterftü&ung jnr 5&ieberr;er-
fteUnng ber burd) ben ärieg jcrnitteten ai>iitf>fd>aft notljig
machen. Selbige fyabeu ftd) mit einem 3eu<jniffe il)rer £>rtS*
obrigfett, in welchem biefe ü>rc £ülf$bj£ürftigfeit, fowie ba£
fte jnr tu befiimmcnben 3eit jurürfjafjlen nnb biefe$ nod) ge*
rtcfytltd> befennen werben, anzeiget, §n verfemen, unb an einen
oon Un$ ebebatoigft ju wenben, unb $u erwarten, ob etwa*
unb wie siel jebem ju feinem Berufe ju Xfyeil werben tonne.
©örlifc, am 26. (September 1814.
£er 3)iftriftö^ülfö^u^fd)u^ ju ©örlift.
o. gel)rentf)eil = @ruvpenberg. t>. Simon, gitfer. £oHer.
3ur Erinnerung an bie Völferfd)lad)t bei £eipjig waren
dm 18. unb 19. DU. w>ei fyalbe geiertage, unb bafyer Vor*
mittags &ird)e fowte t'äbcn gefdjloffen.
$lm 10. November ging bie Verwaltung Saufend von
,ben rufftfcfyen Vefyorbcn an preu^ifc^e über, ein Ereiauijj, wel*
djeö burd) ein 6 d) reiben beS £errn E. M. ©. o. Jtiefewetter
d. d. Vaufcen 14. November ber Oberlaufs befannt gemalt
würbe. 3« biefer fyit bewegten ©erüdjte, ganj «Sadjfen follc
preußifd) werben, bie ©emittier ber ©örlifcer uictyt wenig.
&m 22. fam ber 9fceft ber 5)reSbener 33e(a$ung, 2 Olegi*
menter Muffen auf bem Durcr/marfcrje in bie llmgegenD von
©örltift in EantonuementS^Duartiere.
&en 27. November gab ber bisherige rufftfcf)e Jtomman*
bant von ©örlifo iv $)anow$fy baä Äommanbo ab, unb reifte
am 3. $ecember fort, Er war allgemein geachtet, weil er
fid) auf feinem fcr)wierigen Soften immer ber 93ürgerfd>aft am
genommen unb *u beren Erleichterung alles getljan hatte, waS
in feinen Wittein ftanb. Er r)atte jtd) hier verheiratet unb
nahm in einem fe(>r herzlichen Schreiben, ?lbfd)ieb von ber Ein*
wofmerfchaft ber Stabt.
$nton (fol. 169) fagt über ifyn unterm 4. $>ecember noch
folgenbeS:
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Ü45
„£eute reifte unfer braver Äommanbant v. $>anowdfy
hier ab. $>ie Bürgergarbe fyatte ftd) auf bem SWarfte förmlid)
aufgeteilt nur braute ihm ein lautet SBivat. Der ganje £>ber*
marft ftanb voll SÄenfdjeu. Um jefyn W)r ging cd fort
$>cr 6tiftäverwefer 'v. Sefjrcntljeil uno fein £ol>n, ber Sanbcfl*
dltefte v. ©ereborf, ber p. 6tabtl)auvtmann £äunfe unb bie
meiften Sürgeroffijiere, wobei aud) id) war, fo wie p> ÜDtidjael
<5d)mibt begleiteten tfyn biö £id)tenberg, wo wir il)m nod) &n
(Srjrcn ein flcinee grüljftürf gaben. (Sr war tief gerührt imb
nafjm mit vielen Ifyränen Hbfcfyieb. (£r war ein ebler unb
braver 9Hann, bei mit ffiillcit bie haften ber £töbt nie er*
fdjwerte."
5Wöd)te jebem Jlrieger ein foldjetf $>enfmal gefegt werben,
wie in biefen ©orten &nton'$ ber nie afynen fonnte, ba(j fte
je über feineä 3tntmerä JRaum fommen tonnten, al$ er obige
3eileti uieberfdjrieb! 60 viel über biefen Shunt, ber für uii*
fere Stabt in jener bewegten Äriegöjeit eine Ijodjft wichtige
^erfon war.
Die erften Monate ted für ©örlifc unb bie £)ber*£auji&
fo widrigen 3afyre6 1815 vergingen, ofyne baß fonft etwaä
Bemerfenewertrjeä vorgefallen wäre, mit 2lutfiial)me ber auf-
regenben Spannung über bae <#efa)irf ber Dbcrlaufib unb bei
©tabt ©örlifc. £)b preujjifd), ob fäcfyftfd)? ob in s^eubinbung
mit Den anbern 6ctt)$ttäbten, ob mit einzelnen? baö war bie
üaaeäfragc, baä ifofungäwort aller ©efprädje, ber ©runb ber
Hoffnungen ober 33cfüraitungen. 3m Allgemeinen wünfdjtc
3eber bei Sadjfen unb wenn bieö uid)t wäre, wenigfteuö mit
ben übrigen (Secfcflftäbten vereinigt $u bleiben. .
3(m borgen be$ 3. SXära 1815 reiften ber fcanbcäältcfte
v. @er$borf unb ber £err v. gef)rcntl)eil nad) 5öien um im
9iamen ber Vanbftänbe bei JDberlaujty ben tfongreß anjugetyeu
bie ßberlaufij bei Sadjfcu ju laffen. — Die am 13. War*
1815 audj in ®örli$ eingelaufene Nad)rid)t« Napoleon l>abc
bie 3nfel ©Iba vcrlaffcn, waubte alle 5Mirfe nad) granfreid}.
Der Deutfd^Jtatriottemu* war etwatf verraufd?t; s#iele fyojftcn
Napoleon würbe wieber ju Wadu gelangen unb bie q*t*
ftücfelung ©adjfcn« tnnbern.
VtmMt »cn «crlt|. --35
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54G
(Snbe SXon begannen bie BunfcmärfaK von Greußen Hub
ntjnfcben Truppen, meldte bid in brn 3«m hinein bauerteu!
Äitte 3»ni würbe e* *ur ©ewifrbeit, bap ©örlifr preußtfcf>
»erben würbe, $er !. 3um braute bie »olle Bcftärt^uitg,
tur* bic befannren ^rcflamationert
S)iefe <ßroflamarionen, welken ba* SeftfreratrifungS^a*
tenl sorangerjt, unb bic &uäfufjruna$orbre, d. d. £>re$ben,
28. 9Xat 1815, nachfolgt, würben mit Sa)merj aufgenommen,
ber viele $ßf߀ iunbura) rege blieb, bei ben älteren beuten
niemals, erf* mit ber neueren Generation, in bem Sewufitfein
einem großen Staate anzugehören, erlofdjen ijt.
Äm 6. 3uni wnrbe befannt, baß' ber 2anbeöältejre v. Äie*
fewetter jum dr)ef be* 3ufri$wefen6 bejtimmt unb von ir>m
'üppeüation an bad dtauvernement ui SWerfeburg gtt bringen
fei. Sanbeäaliejrer v. Sfoftty unb $iirgermeifrer ©or)r erziel*
ten bie (£entraifteuerfaa)en. 9Hajor t». 9töber, Jfriegdratr)
\). ©töljer unb ©fabinud ©öfcfoff bie Sorge für bie gaubed-
bewaffnung.
Ä(3 Muco mer)r georbnet worben, äuberten fta) jebodj
aucr) biefe Beftimmungen i heil weife unb ©örfifc mit ber preuß.
JDberlauftfr warb feit 181t bem !Regierung$bejirfe Siegnifc ju-
gewiefen.
Seier ber (£rbbu(btgung in ®6rlife beim Uebergaugc
an bie preujj. Ärone. 3. Bugujt 1815*)
3)ie £ufoigung$feier würbe 8onutag$, ben 30. 3«li, von
ber Jtamcl folgenbermafjen verfünbtgt:
„9?aa)bem burd) ben, gwifdjeu 3r)ren üftajeftäten ben Mb'
nigen t>ou Saa)fen unb Greußen in $ßien abgefajloffciien unb
•) SRaterialien finb: £ie $MtMgttii6*pretiat *?on Slrcr/ibiafonu*
M. 3anrff. 25. ©. 8. ®orl. 1815. frier ber (Frb^ulbifluna, @r. Äönigl.
9Waf. ». $reuien, griebridj 3BtU)tlm III., am 3. 9tug. 1815 in ber CtaH
@5rlifr, 31. @. 8. @örl. 1815. 3^ann 2>faa£, prtvattf. GMeljrter:
^ffdjrcibwng ber prachtvollen (Srleudjtuno, ber @tabt (Sortis ben 3. Huij.
K815. @örltfc 1815. 32 8. (Uorl. »njei^er 1815.- Wo. 32. ». 10. »ug-
Dretjc^itte* ftatritel.
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I ■*
Darauf publtrirten Wtxtxaq ein Sfyeil be$ Königreich 6ac$fen
an £e. SBajeftät, ben König von $rtu$cn, abgetreten, aucfy
von 6r. 2Rajeftät, beut Könige von 6ad>feu, bie in folgern
Xt)ei*e wotynenben UntertfjanetL ifyrer bidtyerigen $flicr;t gegen
' biefelben entbunbeu werben finb; fo ift nunmefyro jn ber, ©r.
Königl. 2Rajefiät von Greußen, nnferem aUergnäbiafren £errn
$u teijtenben feierlichen ^ulfcigung, näd)fHiiuftiger Xonnerftag,
alä' ber britte gfaguft biefeä 3abreä, .anberaumet unb fcü biefe
fyöcftft wichtige ^anblnng and) mit einer in biefer Kirclje ju
fyaltenben «foulbigungöprebigt frül) um 8 Ufjr gefeiert werben.
(Sure ctyrifthdje Siebe wirb bofyer ermahnt , ftd) $u biefer $Prc#
'bigt fleißig unb mtt gebüfyrenber $Jnbad}t einjuftnbeu, unb ©ort
von bergen anzurufen, bafi er biefe £ulbigung jur fegenövoll*
jlen &erbinbung jwifcfyen ber l)öcr)ften ^anDe^r)cirfd)aft unb
ifjreu Untertanen unb jur allgemeinen ^ufriebenr^eit unb
3Bef)lfal)rt gebeten lajfen woUe. X>ci* £err alter Herren tl)ue
e$ unb (äffe und mit greubeu vor feiu $(ngeftd)t fommen
unb feiner fortbauernbeu ©üte uub Liebe neu verftdjert wer*
ben, um unferä £eilanbeö, 3efu (St)rifti 9Bi((en, &men !"
8m 2. &uguft, $(benbd um 8 Ufyr, warb jnr 8lnfuubi<
gung be$ geftec* eine r)a(bc 6tunbe mit allen <$Hecfen geläu*
tet, unb einige Lagen mit Kauonenfcfylägen gegeben.
Wut 3. Wuguft warb von 5 Uf)r an wieber eine fyalbc
(Stunbe mit alten ©locfcn geläutet unb vom £Ratf>$t()urine bad
. Lieb: „2Öie fdjön leuchtet ber borgen ptevu" geblafen.
Um 7 Ufyr verfammclte fict) ber SRatl), ba$ £>ffqierforpä
be* 2. weftprcufMfctyen LanDwetyr-SRegimeutä, weldjed bamalä
ju ©örlifc in ©arnifon ftanb, bie eiugelabenen Deputirtcn ber
Lanbjtänbe, bie preujjifdjen unb fädjüfdjen Beamten, bie ©ar*
nifon, angeführt von ben Lieutenant* v. $ombrowär>, Öcifi
unb SBittfe, fowie bie Kompagnien ber Sürgeraarbe mit ifyreu
gähnen unb 3Ruftf, beim 9*atl)l)aufe. Um 8 Uf>r bewegte fid>
ber 3"Ö' vor«n SWagiftrat in fdjwarjer Kleibung unb jwa*
fo, baß neben einem 9ttagifirar$mttgliebe immer einer ber Df*
feiere OJÄajor unb Kommanbaut v. Stitwth),. Hauptmann
v. ättunf, £>ber*Lieutenant unb (Stappen-Koinmanbant s:iRifd)fe,
Lieutenant unb SlbjHtant SBittfc, Lieutenant unb diec^ntingd«
füfyrer Saugen, Sieutcnant v. 6cfymubc, Bataillone ^r^t
Dr. Kaufmann) unb Lanbfitdnbe in Uniform ging, bad Söür*
germilitdr nebft ben görftern ber görli&er £aibe julefct, unter
35*
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5i8
©locfengeläute, uad) ber ^etcröfirdjc. QU ©arnifon foiqte
in Harabe.
(Der ©otteöbienft würbe in folgenber 9Bei|"e abgehalten:
1) (Daö Sieb: „©ott fei unö guäbig unb barmljerjrg."
2) „Jfyrie, ©ott Bater in tewigfeit." 3) „Allein ©ott in Der
$ty' fattfyr." 4^) Collecte, p. 6 t>cr alten 8genbc: „<$6 fegne
und ©ott, unfer ©ott" n. „©ort, ber tu Gimmel unb (£rbe" ?c.,
wobei ber 12. ^falm verlefen würbe. 5) ,/3Jfeiu 9(uge fiet)!,
o ©Ott, $u 'Dir." 6) 3>ic Stelle 1. $etri 2, v. 17. würbe
Beriefen. 7) $aö ¥ieb: „©ott, (Deiner Stärfe frene fiaV'
8) £er ©lanbe. 9) (Die ^rebigt. 3n iffi entwitfelte ber
*Rebner, $lrd)ibtafoiui$ M. 3ol)anu (£r)rtftian %ande auc< bem
<Xert 1. %ktxi 2, 8. 17: „Xrjut (Sl)re 3et><rmann. £abt
bie ©ruber lieb, gurrtet ©ott. (Styret ben Jconigl" bie
jDpfer ehied treuen SBolfeä am ,&ulbiguug$tage feinecJ neuen
Jtonigd, unb vorneljmlia) ben ©ebanfen, fic beftänbeu in:
Religion, bewiefen burdj <£l)rfurd)t gegen ben Äönig, begleitet
von l*iebe unb 5ßcrtr)fd)äfcHug unferer SÖriiber. (Die vortreff*
lid>e 9tebc fdjlojj mit ben SBorten:
„9luu biefe Opfer gegen ben Äoitig fiub ee, meine 3h-
fyörer, bie wir r)eut auf ben Stltar bed BaterlaubeS legen:
„gurdjt bem tjodjften 93er)errfd)er, (§l)re bem ,ftönia,e, ^iebe min
fern üörübern, ^lajtung allen Mitbürgern; ftnb wir niajt alle
ju ifyrer (Darbringung einverfitanben? Wt 3«^ei*fid>t unb ©e
rul)ignng wollen wir bie neue ^Regierung als bie imfrige niv
erfennen unb ftnb c$ von it)reu fo oft unb feierlidj aue-
aeforod)eneu ©runbfäfcen berechtigt, bafi fic nur ba6 ©ute unb
&ed)te wollen, ba£ unfer 2Öol)lftanb it)r ein £eiligtl)um, bie
(£rf)bf)ung bejfelben ein ©egenftanb ber gürforge fein werte.
(5inb nur einmal bie noa) offenfteljenben Äriegeöpforten ge*
fdjloffen, fel)ret nur bie erfefynte Wutje in unfer« $aitfer Hnb
gluren jurürt — unb baium bitten wir täglio) — , fo wirb
aHd) bie Bereinigung mit einem mädjtigeu Staate und einen
bauerf)aften gruben, unb mit il)m bie fo nötige @rl)olung
von langwierigen Reiben, unb Teilung ber gefdjlageneu 3Bun*
ben gewäfn-en, unb uufere Berfaffung glütflia) von innen burdj
eine väterlidje Regierung, von außen bura) bie Berbinbung
mit allen beutfdjen 9Wad)ten wirb (Ufj wieber ergeben unt
blähen. Xbun wir nur ba£ Unfrige, finb ©laube unb du-
**nb, Religion unb Sitten und l)eilig, bann werben wir aua)
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549
au* ber fegnenben £anb ©otteS fernere $ewcife feiner OTacf^t
nur ($nat>e empfangen; »erleugnen wir aud) unter ber neuen
Regierung nid)t ben un6 nie abgefprodjenen (£l)arafter ber
bänglidjfeit an bcn Regenten, unb vergelten wir il)m feinen
6d)u(j unb Sorge mit ©efjorfam unb ireue, fo fiebert biefe
woljltbätige 5l>cct)feln>irfimg tynt greube unb föufjm, unt> bem
aanjen Sanbe feinen 5t?ol;lftant> unb (Wurf. £ejl bann bem
prfteu, bem ein fold) SSolf l)ulbigt, unb mit Vicbe unb $er
trauen entgegen fommt! £eil bem $olfe, ba* ein feiger 93a*
ter empfängt, beffen £cr* bac* ebelfte, beffen SBiüe ber reiufte,
beifen Jtraft bie entfdjloffenfre ift, baö sorbanbene ®ute weit)*
lid) ju beförberu, bie Mängel fttyonenb $u entfernen, unb ba*
burd) fein QHütf ju grünbeu. Unb biefe &$ünfd)e, biefe £off;
nungen, traft fann fte befräftigen, al* ein (Debet! (*Jewip r)at
e* ber Jtönig fyeut aud) für feine Golfer jum Xfyroue beö
£öd}ften gebradjt, auet; ba6 uufrige fteige empor, gefproeben
_ sou meinen Üippen, begleitet t>on urtfer aller ^erjen!
£err aller Herren, unb Jtonig aller Jtotuge, bu t)aft bie
Regierung «ufert £anbefl in bie J^anb eine$ gürten gelegt,
beffen Wladjt eben fo fräftig, al$ fein £erj geneigt ijt, bie non
bir empfangene (Gewalt «ir ^erl)errlid>ung beiuer (5brc, unb
jur s£eföiberuiig beä (McmeinwotylS ui gebrauten. 3n feiner
(5:rl)altung unb fortbauemben 38oblfar)rt erblirfen wir bie un-
[rige; bar mit/ flehen wir: 2ob unb Sdjmucf wolleft bu auf
irm legen, unb il)n erfreuen mit ben greuben bcine$ 9(ntli$e$.
sJ9iad)e feine Seele ftarf burd) beine gurd)t, feine 9legteruna
berrlid) ouret) beinen Seiftanb, feinen tarnen groß burd) baä
Öhite, ba$ er burd) bidi fdjafft, fein SBolf glüeflid} burdj feine
woljltfyätige 4perrfd)aft. i*a(j (Mnabe unb Aeil ifyn begleiten;
fuüpfe an feineu heutigen iljm fcbroülen Seoenötag eine lange
üHeir)e glürflieber unb inniger; laß feiner 3ar)re viel werben,
feiner ebeln Üljaten noerj mehrere, unb feiner Segnungen mefyr
att fie alle. Dein Sdjilb bebeefe tf>n aud) jefct im beißen
Jtam£fe für unfere 2Öol)lfar)rt unb bringe ir)n, längft mit fcor*
beern be$ Siegel gefront, balo, ad) balb! mit bem £>el*weige
beä griebend gefd)mürft, ui unä, unb mit ir)m bie fd)öne $tit
äiuürf. ($rf)alte und fein fäterlidje* §erj, il)m unfern fiiib-
lieben Sinn, ber ihn et/rt, tfym aelwrdjt unb vertraut. Deine
»pulb t>erf>errlic^e fid) an jebem IWitgliebe feinet f)of)en 6err*
fdjerbaufe*. Vajj tyn, ber gern fromme Diener tyctf, fer)en
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550
nad> teil 3 reuen im Sanbe, bafj fte bei tym wohnen; feine
Ukrrrauten, bie ratl>eitb mtb fyelfenb bie (Corden ber «Regierung
unb bie £tye bed Äamvfed mit ifmt feilen, erfülle mit beinern
<&eijfe, unb (aft bie grudjt ifyrer Sfuftrengungeh im S$u£e
beiner ßirdjc, im ©ange ber ®ered)tigfeit, im (*Jebeif)en ber
ftefdrifte, im glor ber Siffcnfdjafteu unb bed £anbeld, im
Ölücf bed ^anbef fidjtbar werben. Deine (Mnabe werbe jeben
borgen über ade Untertbaneu in äffen Stäuben neu, bamtt
in unferen 0) renken («crcdjtigf eit unb ftriebe fitt) begegnen, iu
unfern SWauern (Hüte unb Irene ftd) füffeu, unb ed und jur
täcjlidjen froren (*rfaf)rung werbe: ber tfönig freuet fi<$ in
betuer Äraft unb wir mit tfynr,' ftinen!"
hierauf fam 10) bad Sieb: „£err ©Ott bid) leben wir!"
wdfyrenb beffen )Mmmt(id)e ©lotfen ertönten, ,&aneuenfd>(äge unb
ßleingewefjrfeuer criajallte; 11) bi< tfollefte: „@ott gib $rteb'
in beinern ic." unb 12) bad Sdjlnfjlicb: „i^r^alf und *£>en
bei beinern ffiort" womit bie firrt)lid)c Setcr beenbet war. 3tyr
hatten beigewohnt bie tfefyrer am @)umnaftum mit fammtfid)en
Teglingen, wie aua) fämmtlicr)e Scbrer ber 4 v«8olfdfd)ulen mit
ben S<fyulfnaben unb SWAbdjen im Sonntagdfleibe unb bie
tfefyrer am Sßaifenljaufe mit fämmtlidjen 2Bai|cnfinbem.
SBor ber treppe bed Sal^baufed nadj ber S3rüber(trafe
jn, war am 2. Stuguft ein Xemvcl errietet werben, worin
auf 'einem mit $(umen ?©ewinben verwerten Altäre bie von
ben (Uebrübern $ßid)mauu in Berlin verfertigte 93üfle bed £6*
nigd von Greußen aufgehellt war. Die vorbere (Seite biefed
flltard cittr)ielt bie 3nfa)rift: Fridericus -Wilhelmus Hl., auf
ber redjteu Liebe gründet auf ber linfen Seite des Volkes
Treue. Oben war ber Vlbler, in einem Sange einen Halmen-
,&weig, im anbern einen Surbeerfranj rjaltcnb angetrabt, unb iu
ber Witte bed (Mebälfeö nvifdjen jwei Sorbccrfrdiiäen ber Safc .
Dem edlen Könige von Preussen
Ehrfurcht, Liehe, (iehorsnm, Treue
Die^ SUidt (Jörlilz.
9fuf i>ier Stufen gelangte man ju vier Säulen, weldjc
bad $aupt; (Mcbälfe trugen, ^m Sd)lu(?fteine bed portale
war ber reifdjlungene Wamcnduig in SMumen augebradjt unb
*
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I
551
barüber ein Sorbeerfranj. Huf ber Spifce be$ gionton* befanb
fid) t>ie aufgefyenbe Sonne mit bei Äröne in bei Wik. Sdjon
von frnl) 7 llf>r an, war ba$ 3äger-Äorpe ber 33ürgergarbe mit
iljrer SRafU unb galnic alö (SfyrenwaaV bei biefera Xempel —
ber fpäter auf bic tyremenabe fam — aufgeteilt werben.
Die gatjue enthielt auf ber einen Seite ben preu£ifd)en Hbler,
auf ber anberen unter bem fd)ü$enben 5Huge ber $3orfebung bie
Sdjrift: Gott segne den Küuig, das Vaterland und unsre
Sladt.
Der ©arnifon$*£ommaiibant 2Rajor v. 3elew*fy r/atte
gegen I Ufjr vor bem Xempel feine Xruppen in jwei Sinien
beu Dbermarft tjinab in %laxat>c aufgefteUt. Um 2 llljr erfyob
ftdj ber 3«g aller *Berfammelten vom ÜKatMaufe auf ben Ober-
marft. Die ©ürgergarbe nebft ber Sd)ü$enfar)ne fa)lo|i ben*
felben uub auf bem ÜJfarfte batf länalidje SBiererf, in ba$ fta)
fämmtliaje (Stupelabene nebjl ben fcffijieren begaben. Der
$aum bi* in bie©ajfen hinein war buref; üaufenbe von 3«-'
fdjauern gefüllt.
hinter bem Xempel war baä Singe*(Sf)or unb bie g tan
OTuflf aufgestellt um baä nfaugft' unb 8 d)lufjlieb gu begleiten.
9tad> 39eenbia,ung beö erften Siebes trat ber gejfrebner,
Stabtridjter Dr. («strapljinuS, vor bem Altäre auf bie Stufe
beä XempelS unb fpraa) einige 5Borte von bem 3wetfe biefer
geierlidrfeit. Unter anberem jagte er: „Da fyeute bie Depu*
tuten beö an beji tfönig abgetretenen £erjogtr)umd Saufen
uiv feierlia^en «öuloigung in SJterfeburg verfammelt finb, fo
begeben and) wir jcjft bie ftmbolifay AulbigHngflfeier. Söir
bürfen nid)t glauben, baji wir bei biefer SRegierungflveranberuug
verlieren werben*, e6 ift vielmehr fdjon ein großer *$ortr)eil,
baß wir mit einem großen, einem mäd)tigen Staate verbunben
werben, jumal wir einen Regenten befommen, ber mit SÜeiö*
l>eit unb ©eredjtigfeit fein 33elf regiert unb gewifj alleö waä
tu feinen JCräfteu ftel)t, ba$H beitragen wirb, feine neuen Un*
tcrtljanen ju beilüden. Sdjlietiltd) wün[a)e id), baß ©Ott
unfern Jtönig bei feinen fd)weren föegentenpfltdjteii unterftüfcen,
il)il bei bem Äampfe für bie geredete Sadje vor allen ©efar);
reu behüten, uub ihn balb mit Sieg gefrönt unb mit ber
^alme bcö golbeneu griebenä gefdjmütft, wieber in feine
Staaten juiüdbringen möge!
3»m 3ciii)eu unferer angelobten Xreue, ©efyorfamö unb
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663
*8erel)rung ertöne anjefct emmütf)ig: (£d lebe r)ocb ber aUer*
burd)laud)tia,fte, grefjmächrigfte Surft unb £err, griebrid)
beim ber Dritte, Äönig von Greußen, ^er^og ui Saufen unb
ÜSRarfgraf ber £aufh)en, imfer allergnäbigfter ganbeäfyerr!
llnb abermals lebe bod) unfer aUerverefyrtefter l'anbeövater,
griebrid) tfßilfyclm ber ^Dritte, nebft allen foniaUdjen $nn&en
unb $riugeffinneii!
llnb normale* lebe S>od> tynufmi unb unfer jiegreid)cr
Äönig unb £err, Sricbrtc^ ' ^i[r)chn ber Xritte, mit feinem
gangen ftegetrteutyaufe unb tavfern Speere!"
hierbei fiel bie Wujif ein, bie ÖJarnifon gab Salven unb
alle »mvefeuben ftimmten bureb 9tuf unb ,£>utfcbu>enfen bei.
Um 4 llljr ivar Xafel mir 150 ©ebetfen auf bem Stall)*
fyaufe, an welcher ber ÜDJagiftrat, bie Offiziere, bie £anbe#*
unb Stabtbepiitirtcn 3 l)eil nahmen.
(Sine gleite groblidjfeit ^cvrfcf>te im Äleinert'fdjeu CMarte«*
faalc, wojelbft |atyreid)e (*kfellfa)afteu augefebener Bürger
fveiften. Sei beireu gefteffeu würben für bie venvunbeteu
vaterlänbifdjen jtrieger reid)lid>e (Sammlungen veranftaltet.
Xaö vom SRagißratc für ba* qefammte bier garnifonirenbe
Militär vom gelbwebel abwärt* vorbereitete sD?ar>l belebte niebt
minber ber beiterfte grobfiun. -
Vln bem Salle auf bem Neffonrcen*(£aalc fowet)!, al$
auf bem im Jtleinerffa>eu OJarteufnale von bem Wa^iftratt ver*
anfialteten greiballe, nabmen bie gebilbetfteu <£inwot)ncr ber
etabt Hntbeil. gm bie übrigen (finwotyner fanben auf vier
©a|il)of« * (Sälen Salle 6tatt, weldje bi* jum Xageäanbrucf)
bauerten. 3n biefer 3eit blieb gleichfalls ber Semmel auf bem
Cbermarftc von Sürgerwadte befefcr.
?lbenb$ veranftaireten bie £d)üler ber Ijöfyeren Jttaffcn be*
Ctamnäitt'nrf einen Slufjug mit garfein $u bem pracbtvoU
erleurfUeten Tempel, ftc braebten bem Könige ein ^oa> unb
fangen, bie garfein vor bem Tempel auf einen Raufen werfenb
bae< l'ieb: (iamlt\*wms igitur.
yibenbe waren alle 'öffentlichen Gfcbäufee, ber 9iaty6tyürm
unb bie ganje &uit)t bte jum frühen borgen auf baö praebt-
vollfte erlemljtet. ^oa)auflobernbe geuer brannten auf beu
vier böcbften 9(nl)öben um bie 6tabt.
3ufd)rifteu waren angebracht auf bem ^oftamte; auf bem
Cbermarfte an ber föenomee (ba* $a\i* bee Kaufmann
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553
(£. 5t. Starfe), beim Senator Staube (bae 5Äuguftin,fd)e §aud),
beim ttatibtöMtffteit t>. Woftii (ba* je$ia,e 4?auptfteueramt), beim
Stiftcserroefer gcfyrentfyeil (im jefct Sdjmeljerfayn £aufe),
beim $ierbitra,er *pietfrf>mann; in ber 9connena,affe beim Ütfa>
termftr. ©ötl)üd), auf Dem sJ)carftalle beim WarftaÜ - <ßäd)ter
Naumann, beim 'JuTürfcuuiadHT 9teumann; 93rübcra,affe beim
bamal. ?lf t im v (ie$ia,en vsiitnu ath $iilc), beim 2 i1hi hnuntcvmfü .
Satyr sen., beim Kaufmann Temmler sen., beim ©iirgcrmfrr.
Satyr, fluf Dem Untermarfte war bie 93eleua)cuua, m$t minber
' fctyim, auf fcem föattydfeller, beim gleifdjer Scufdnier, beim
Stabr^oUeinnetymer SptfaV, in ber'$Bebera,affc beim Stabttyaup'*
mann 9$anfier £äunfe, beim Sajueibermfir. Dreßler; in btr
tfrifdjelaaffe beim Drea)$ler $Äönd), beim Sctyneibermjir. (jefct
Kaufmann) Oertel; in ber 9leift]a|7e auf ber alten s#oft (^auö
ber ©efellfcty. ber Söffi.), bei bem ^ewatjfuuna,$auäfd)u|Te; beim
.taufmann Maurer, beim 33ärfermftr. SÖSeife, beim $ua)binber
^nibner, beim Sdmeiber 9labifd>, beim (£tyirurt] Sange, auf
ber Sttutyle am ^Reipttyore, KränjelaafTc beim Sdmeiber 2öeife;
auf bem #anbwerfe beim Xuctymaajer Äabclbaa); auf bem
tyimeru £antwerfe beim (Sommerjienratty Malier unb bem Kauf-
mann (Mrötye, beim £ud)fctyeerer £>tto. Klient minber am
£amroalt>e beim «rctyibiafcnuS M. 3anrfc; auf bem $toiatötyöfe
unb bem ganbftcuertyaufe; ^cterd^affc beim Stabtriajter Dr.
StraptyinmJ, beim Jtrieaflratty Stöger, beim lifd)ler hinter
beim »bt>ofat Dittridr, »HofengafTc beim HmtSfefretär $au*
metjter; JOberlaiißenaaffc beim Sfabmufl 3<*tyne, beim ^uaV
bruefer £eintf. Der Klcinert'fctye Charten, war c\iti<bfall*
practyrsoll erleuajtet unb mehrere ftimreiajc 3nfctyriften an«
gebraut.
©ottleb Vubwig Demiani unb bic 3CM ftinti
^envaUuna.
Die Bettixiftttitg ber StaM feit ben Ärlegdjatyren tyat bi«
auf iiufere Xa^e mehrere (futwitfelunt^periorcu erlebt. De*
miatii war Äu^eiiieuqc aller unb bettytfilitjt bei allen sJ0?apre
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554
geht r welche in einem 3«fra»m* aon über breißig 3ahrcn,
jum 9Bol)le ber Äommun, jur 2lu6behnung ihre$ ÜBerfehrt,
jur J£cbnng ihrer SBcbcutfamfcit ergriffen würben. £>arum
läßt na) an feine ^erfon, an bie €cbilberung feinet bebend
unb 3öirfen$, am 3wecfmäßigfren bie ©efctmfye ber 6tabt ttt
biefer bebeutungtoolleu ^eripbe fmtyfcn.
©ottlob Stobwig Demtant*), war geboren |u X reiben,
ben 22. Hprih 1786. (sein Urgroßvater, ©roßsater unb
diäter waren 2fr$te, Severe beit>e bod) angefefjen am fäa>*
fifa)en £ofe. (sein *Bater Dr. med. unb öffentlicher £ch*
rer ber Pathologie unb Ztymyk bei bem mebiiinifaVchi-
rurgifd)en, Kollegium ju ü)re$ben, gab bem <5obue eine
fer)r forgfältige (Srjiehung unb ließ bie vortrefflichen Sin*
lagen beffelben jeing entwirf ein. 5>er (5ifer, mit welchem ber
Änabe ftd) ben £ebrgegenftänbcn wibmete, griff feinen äötyer
fo an, baß er fchon im frühen 3ngenbalter bie Äarlebaber
Duellen beiluden mußte. €eine ©vmnajialbilbung genoß er
in ©örlifc, wofelbft ber Änabe beim SMafoüttt grenfel in $cn»
fion war; fpäter aber fam er auf eine fäd>|lfd)e Jürftenfchule
£>en juriftifchen <5tubieu wibmete ftd> ber fleißige 3üngling
auf ber Univerjttät Wittenberg. (Sr würbe 9ibuofat unb trat
ju ©außen in bie 9ceit)e ber £>beramt*abt>ofaten ein; von
*) Sein« £eben$befd)reibnng im 9leu. Sauf. SWagaj. 1846. ftacfyridjt.
€. 222. eein Stammbaum naefy bem Oberl. 2 c^riftfleUrc * Scttfon ift
wie felgt:
Hnbrea* $emiani (Demyani)
and Ungarn eingenninbert, f nentig wegen beö etang. ©lauben*,
im 17. 3aljrf>., altf Kantor ju ^cft'cttftoetta geworben (?).
tt^riTHan^GtottloC
geb. (?) |N -fcotterömerba, Sieentiat ber äNebijin, *>raft. Hrjt
*u äHuefau, im ««fange be* 18. %at)xi). f (?)•
geb. 3. ÜMat 172? )Q Sttuefau, jlubirte jti Säuselt u. Heilig.
1718 Dr. med. u. praft. Slrjt ju 'Baumen, fpäter furf. fadjf.
Srttarjl u. -öofratfj, ÜHirglieb tot* SamtätöfoUegti *u 2)reö-
beu t' 12. ftebr. 1788.
Otyritiian Qkntlob,
geb. ja Sauften, 15. gebr. 1752. t ju £retfben 23. T<c. 1806.
(*>i>ttlob VuMrui $)emiani,
geb. 22. Styril 1786, | 5. Mi 184« J« $reöben.
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555
5kuf)en folqte er bem an ihn ergangenen ehrenvollen fltHfe
a(d Senator in ba6 görlifeer föatMfollegium, unb befleibetc
biefeä Mmt vom 1. 3uli 1814 bi* junt 1. 3uni 1820. Hn le$-
tcrem Xage würbe er ber erfte Kämmerer, &Hfolge ber in'ö ¥eben
getretenen Interim. (Stabtverwalrung*). 31 lä klammerer war ihm
vonugäweifc Die $lufjtd>t nnb Verwaltung ber großen görlifcer
^atoc übertragen, weldje ihm (Melegeuheit gab,<ft<h barin altf
ftorftmann unb £>efonom im böseren (Sinne bee ffiorteö anö?
•jujeidjuen. (*r verfchntähte feine Gelegenheit unb freute feine
^JKthe, fiel) bie genaueren (Erfahrungen über ben ganzen @*»e*
fajäftflverfehr unb betrieb ber \>ielfad)en öfouomifdKn -ßweige
berfelbett \\\ verfdiaffen. (*r fannte bie ^auptquelle ber borti-
gett ftäotifd>en (fimiabmeit , fcafl £ol$wefen, fo genau rote bie
gorftleure felbft, unb fein tiefbltcfenber (Meift war fortwährettb
bemüht eine Stenge Uebeffttinbe ber früheren Verwaltung jn
rieben. *5Ät& gcfd)af) aud) im tfaufe feiner Vcamtttng. (£r ließ,
um eine binlänglidje Ueberftdjt ber ^oljnu^uugen ;u gewtn-
nen, wgleia) ald gabrwege anwenbbare 5Öalblinien fcblagen,
unb eine genaue gorftvermefjung veranftalten. (Später begann
mau bie ftorftgeredjtfamc ber ^aibebörfer abpilöfen, um nad)
bereit 2lblöfung im Staube \\\ fein, burd) beffete Pflege ttub
<Sid)eruug beo ^oljwudjfeo, einen höheren ($mag aud bem-
felben \\\ erzielen unb ba$ Sßalbeigenthum vorteilhaft ttu ver^
wertfjett. Die Veenbigung biefer Manipulation, wela)e große
Leihen von ^roieffen mit ben Vetheiligten herbeigeführt hat,
erlebte Denttani nia)t. 3m ©egentbeile bauert bie flblöfung,
weld>e vor*,ug$weife vom Vürgermeifter gifrrjer betrieben wirb,
nod) fort; unb eben biefer Umftanb verbietet eö Mehrere*
barüber ju fagen.
' . Die iuterintiftifche Verwaltung* ber 6tabt ^örlifc fanb
mit bem <Sd)luffe be* 3ahrc$ 1832 il)r (Snbe, wie oben am
gegeben ift**). $ä würbe bie 6täbteoibnung von 1808 ein
geführt unb Demiani bttreh ba<3 Vertrauen fetner Mitbürger
}lim Vürgermeifter berufen.
3ur fefilid)en (Smfüf)rung biefer etäbteorbnuug***) unb
•) OUbett« barüber, oben 3. 33. ff.
eben 37.
•*•) @5rl. 1«33. <S. II. 2>i<f«J «Matt in feinen 3al>raänani
bi< 1839 ine!., bei ®i>rl. «nv feit 1842, nnb bü mit bem 3«l)rc »833
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556
feierlichen jnjtaffarion beä neugewä feiten WagiftratcG, war fcftpit
am 3. Januar 1833 ber JDber*4$r<ifibent & Berdel in ©orlie
eingetroffen. 3u feinem (fmpfange l\itte man ben @)aftf}ef
\\\m braunen $irfa), wofelbft ber Dber-^räfibent feine $Öol)
nung nafym, mit einer ßfyrenpfortc gcfdjmürft, unb Die 93uigcr~'
garte anrieft eilt. Wagiftrat mir (Stabrocrorbnete geleiteten ben
gefeierten (%ft in bie für ifyn ausgewählten ©emädjei ; flbcnbä
war bie statt w Uferen beffelbcn erlcudjtet unb würbe tl)m
ein Wuftf(tanbd)en bei garfclfd>ein gebradjt. Wut 4. Januar
bereiteten mit $agc$anbru$ ernfte QHorfcnflänge unb (£f)oral-
mufft vorn Sturme bie ©eiuutber |HT geier biefc* benfwiir-
bigen Xaqefl vor. (iin geller, Häver SKnttrtag verfajöncrtc
bie gcjtlidjfcit, welche na* 9 Ufer Vormittag* ben weitereu
gortgang nahm, intern ftd) bie ©ürgergarbe mit ifyren gähnen
unb 3auitfa>arenmufft vor Dem NatMaufe verfammcltc unb ein
6valicr *om Natljbaufc bi* an bie Sfeür bed C«aftf)cfe$ jiwi
braunen £irfd> bilbete. 3n leererem (*kbäube hatten ftd) in*
jwifeben bie Militär Vanbftänbifdjen* unb dtoil Beamte«,
ber alte unb uchc Wagiftrat, bie etabtverorbneten unb Mt
vräfentanten eingefunden, unb waren von bert auf ba$ WaH>*
hau* gegangen. Um K) Ufer begab ftd) ber Ober^^Täftbent
v. Werdet, von einer Deputation unter Mnf&fynuifl ber War*
fdjälle eingelaben, burd) bie «datiere ber 93ürgergarbe auf ba*
ftatf)l)au$, au* welkem ©cbäube ftd) ber 3ug, unter Geläute
aller OHörfen, fortritt von *D?nftfe», umgeben von einer $af)h
lofen Wenge Wcufd)cn, nach ber ^etcröfirdje erhob. Der
Dber-^raftbent, geführt von bem greifen emeritirten ^Bürger*
meifter 6ol)r unb bem neuen ©ürgermeiftcr Gemiaut, eröffnete
ben jablreicf/en 3*tg> biernädjft folgte ber Regierung* * Jtom*
mijfar Regier ungöratf) ©ringmutb au* 2tegni$, bann bie alten
unb neuen Wagifiratualen, geführt ^um $l)eil von <5tabtver-
orbneten, $um :Tr>ett von Saften. 3n ber ^cter«»fircr?c nahm
ber Dber-^rafibent mit bem WegicrungSrattyc am Altäre ^la$;
reeferd fapcu bie Witgliebcr bc$ alten unb neuen Wagiftrat*,
ber €tabtverorbneten'33erfammluug unb ber alten iRepräfcu*
tauten, linfö bie jat)lreia)eu (&äftc. (5in (%fang: ,,s2Bünf<f>t
@>lü(f bcr Statt, barin ihr lebt!" eröffnete ben ©otteöbienft, ,
fcfgowune anttlidjc StaM*<5f»roiuf $rtoäf?ren ba* Sliatmal \u fciffrm
Mapittl
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wehten &a Itter 93(ür)er mit einer von ihm telbit fompouirten
unb gut aufgefüllten Kantate gu vci luu i luhcn bemüht war.
5)te ?Kebe beä £>iafonud M. 9)töpler hau reite über ba$ Ibenia ;
• „Ütott um ll bafj alten Wen cn geholfen werbe." 9iad) been*
beter gctteöbienftlid)er geier ging ber 3ug mit flingenbem
Spiele unb fliegenben Jahnen auf baä iKatt>l)auö jurürf, wo
im neu Deformen, mit Sr. 9Raj. Sriebrid) Wilhelm 'o III.
(MfMffc gegierten <5effione$immer, ber Dber ^rdfibettt ». s3Äertfel
in einer inl)alt$f(f)wereu iKebe bie ßinfübrung ber Stäbteorb*
nun 9 buro) l*ntlajfuug bee bie beugen uitD (Sinfefcung bee neu
gewählten Waajjtrate vollenbete. Diegierungöratr; (Sriugmutf)
vereibete ben neuen Wagiflrar, wela)er nunmehr aue : bem
93ürgermeiftet £ enttarn, 6l?nbifud gifd)er, Naurath 2&eilll)olD,
Kämmerer 3immermanu, ^olijeiratl) 'äofyler, ben Watboherren :
Stauer* 9$auernftein, lemmler, 5>iejjler, ^rüfer, Änotfye,
Saiifie, $obel, Sdmlje bejhinb. $aa) biefem (£infe$iing0 *9lfte
begleitete Der 3"9 ben £)ber* $räjibenteii nari) bem ÖJaftfyofe
unii £trfd) jurüit ^aebnuttaeje um jwei Uhr trat ^>err
v. Wentel, i)efüf>rl von bem neuen IMs ig er in elfter unb neuen
6tabtoerorbneten*5$orftel)er, unter Xrompetcn* unb $aufenfa)aU
in bie Witte ber im SReffourcenfaale verfammelten @äfie unb
beteiligte fld> an bem Dort $ugerüfteten praa)tv>ol(en Wahle,
brachte auef) in entfpred)enber 9Öeife bie Xoafte auf <5e. Waj.
ben vUonti] unb bie Stabt ©örlifc aue. (Sin allgemeiner 93ür*
gerball im ^einc'fcfyen (je$t ©ocietätö - ^aalc) fdjlop biefen
benfwürbigen Xag, beffen fünfjährige 9tad?feier am 5. Januar
1838 begangen würbe.
3n feiner neuen umfaffenben Stellung entwicfelte nun
Demiani in innigem (fim>erftänbiüffe mit Den Kollegen, unter*
ftufct buid) feinen fajarfeu juriftifdjen »Jtarfltanb, glänjenb feine
feltenen Xalente für bie Verwaltung. ©djoii als junger 2lb*
sofat beim <^er>. (Soncil in Dreebeu fyatte er an ber völligen
Sefettigimg beö morgen fäd)ftfd)eu ©erid)tdwcfenö, namentlid)
jener fäcQrrHctycu ^iad^atjmuinj beo römifd>en <Rea)t*, ber foge*
nannten: Responsa prüden t u m , ber fubtilen, oft bijarren
Diftinctionen in ben »ielgelobten juribifd)en Sajriften ber $omr
mel/ $erger, tfetofer, Strvrf u. a., mitgearbeitet. Datier fanb
er fta) rafaj unb leidet in bao weniger verwicfelte preujnföe
SanbredM unb burajbrang bie gormen beffelben mit um fo rei* ,
ferem Urteile, ale tyn bie (Srfafjruug beö täglichen fceben*,
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358
ber SBcrfffyr in bcn büraerlid)en SBerhältuiffen fortwahrenb m
Änwenbuug, oft ju felbftflattbigec Äuölegung ber ©efefce no-
tl)igte. Ueberbied gab e$ faft feine (Stelle auf rem fo mäa>
tig um Pleuren (Gebiete ber $üiflenfchaftcn , weldjen S)emiam
gang fremb gewefeu »Are. 3Die vcrwirfelte Verwaltung ber
6tabtr bie vielen gäcfyev, beren 9Jeaufjid)tiguug ihm oblag,
bereu Ucberblitf ihm fa)led)terbingö notbwenbig war, fpornten
il>rt ununterbrod)cn jur Selbft* Belehrung in ben verfdjiebenm
3wctgen ber Defonomie, bcö gorftwefenä, ber 3nbuftrie, ber
9(aturgefdn(hte, bei $hvftt an. (Sr war ein Wann für baö
tfeben unb gab baljer nid)t viel auf alte Pergamente unb
fumente, wenn bereu augenblitfliajer 9(Hfcen niajt tu bie Äugen
fiel. Salb uad> bem Antritte fernem neuen Ämteö orbnete er
beöbalb eine 6id)tung ber tfanjlei von SRafulatur an; bie
merfwürbigjten alten Äftenftürfe fonnteu bei biefer Gelegenheit
bura) einen Jcenner gerettet werben, bie übrigen würben in ber
>Katf)ofanjlei aufbewahrt, wo fie, wie oben*) augegeben, ver*
zeichnet fuib. Sei biefer Arbeit unb limftelluug bürfen bie
Öetbtenfte bed würoigen Dtegiftrator* Gkeulid) nicht vergeben
werben. @r l)at mit f grofjer «Sorgfalt in ben vertriebenen
ftftenftäcfen bie betreffenben Dofumcnte unb jwar jiemlid; rief)*
fuj verzeichnet. 3u einer genauen 9tegiftratur vom Anfange be«
16. 3a^h"»bertd hinauf in frühere 3ett gehört freilich genaue
vtienntnijj ber 2)iplomatif unb mehr &\t jut Prüfung unb
Aorfajung, al* biefem vielbefchäftigten Beamten vergönnt ift.
Sticht weniger wie ba$ Äan^eiwefeu rcgultrte £>emiani baö
Je äffen wefen.
5)ie fa)on feit beut MW 1820 eingetretene einfachere
ttajfcnvcrwaltung würbe von ihm nod) mel)r Concentrin unb
überfid)tlid)er eingerichtet. $a* Äriuenwefeu war bie jum 3.
1835 in befonberer äaffen^erwaltung geführt worbeu. 2>a<
mal* vereinigte er fa>on biefc &afjc mit ber allgemeinen Jtaffe,
weldje 1836 in eine 6tabt^auvt> Jlaffe umgewanbelt wiivbe.
Sßic bie Äird)euFa(fc im Dftobcr 1835 ju elfterer gcfdjlagcn
worbeu war, -gefdjah biefl aud) 1836 mit ber bis bai)in befon*
oertf geführten 6tabt*6teuer',ftaffe. Die SKcguliruug betf (De*
fdjoffed unb »Servifcö gefajal) auf feine Anregung, unb bei
•) @. 29. tfmndj finbet ftd> mc^t barin, al* bie 9c<a,tfrarur i «n
ijabm tf>eil»«tfe entwarfen loffen.
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559
oben*) mitgeteilte Sfafyug au* bem ^romemoria über bie
(Sutfitefyung biefer (Steuern ift n>efentitd> burd) feine Bemerfun*
gen unb &anogloffen fo überftd)tlid) uiib flar geworben , wie
eine $$ergletd)uug beö cinrten £lftenftürfe$ beweift.
Der von bem ^olijeiratl) Stbtyn vcianftalteten neuen
fltegulirung bed ^olijetwefenä gab er )mKt\ Beifall unb unter*
ftüfcte bejfen Slnorbnungcn burd) perfdnlidje plö$lid)e 9tevifionen,
in 9e£tig auf wela>e wäljrenb feiner s3]erwaltungfyeit über*
fyaupt fem Beamter ßdtjtx war. Die Wacfytbewadntng in ben
s^orftdDten beftanb biä jum 3a()ie 1836 auf bew alten gufje,
wonad) jeber öürger unb <5d)itfcverwanbter ben Söadjbienft
perfonlid) nad) ber Äeit>e ableisten, ober einen Stellvertreter
bellen mußte. 9fair bie innere <Stabt würbe burd) befolbete
9taa)twätt)ter bewacht. 3enc alte, unvoUfommeite ISinridjtung
würbe vom s)ftär$ 1836 ab abgestellt, fo bafi bic $a\)i fämmt«
[id)a 9fadjrwäa)ter von ba an 23 betrug. Dagegen fyorte ber
Soften reo muftfalifdjen Xl)ürmer$ auf bein ?)iatlKMbmme,
weiter bie Stunben mit einem Xrompetenjignale abrief, auf.
Die 3Bajf^rpHmpe auf bem gifdjmarfte, unweit ber Sdjemfyof*
Brauerei, würbe mit einer geuerfpri&e verfefyeu, um im gaiie
ber (Defafyr fofort beuufrt werben $u tonnen. 3»* &d)ufUU
lung ber (£iäbafyn würben im hinter 1836 utm erftenmale
brei Sifa^er befolbet, weldje bie (Stöbatyu $u begrenzen, im
ftcfyern Staube \u halten, unb ju beaufjtcfytigen haben, 3u
gleidj würbe verboten, anberwäitö alö auf ber von Denfclben
abgefterfterf 93af)n ba$ (£iä jn betreten. Stuf ben öffentlidjen
Strafen unb fEfdfreu ber Stabt würben mehrere Serbeifeiun'
aen eingeführt, iblit bem 1. Stpril 1834 burfte ber Bürger-
peig Seitens ber ^anbeltreibenbeu- nidjt mef)r burd) Vorbaue,
um ffiaaren aHftutyängen, beengt unb verfperrt werben. 3tt
bemfelben 3af)re würben in bei innern Stabt fchnmtlidje von
ben Dädjern auf bie Straße Innauöragenbe iJlinufdjnäbel ($u$*
guprinnen), beren nodj eine große vorfyaubcn war, abge-
fd?afft. (Sine Umpflafteruug warb vorgenommen unb ftatt red
Ijügelartigeu ^flafterö bei ber alten Warfüdje (je&igcm ^olijei-
bureau) eine ft eineine treppe ju tiefem ^aufe gebaut, baä
^flafter bagegen geebnet. Die bi$. baljin beftanbenen fyöljcr*
nen 93erfaHföbuben an jtäbtifdjeu ©ebäuoeu, bem Sanbgeridjte,
•) 43 ff.
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560
ber $Baage, rem fXatbhaufe, rer luiTalrigfritSnnfce, bem Bai:
Ijaufe würben fett 1834 nad? nnr nad? befeitigt. Die ctrapenbe-
Icudmmg warb gevettert; eine vrojefmtc ($aebeleu$tung Kn bie
I -p.i nodj indn in'$ ¥eben treten fönnen. Die hölzernen ob-
ren, wela)e reit ©ajferbeoarf ber «ctabt iiifuhnii , würben
allmälig bureb gupeiferue erfror; Xrrftotr'* von @ranitplattra
angelegt unb eine $8afferiettung im 3- 1B45 neben ber $rücfe
naa> ver Steipvorftabt geführt.
SflRil Verlegung bed £auvtjteueramte* *>vö sJteidjenbadj
nadj ©örlüj in golge bee im 3. 1835 in'e Seben getretenen
3oÜvereind, wud}6 ber Serfe^r bejtänbig, inflbefonbere wurbc
allmälig (Portio einer ber bebeutenbfiten <9etreibemärfte ber
•^ionariiie. Die fidj ftetö mefyrenbe ai concm ber Satyr* nnb
$Bod?enmdrfte bura) Käufer nnb SBerfäufer bewirfte bie forg-
faltige Äegulirung ber auf bae SÄarftwefen beuigiuK:i $e-
ftimmunaen. 93en großer 2Bi<btigfeit für bie Stabt war bei
ben vielfachen Umgeftaltungen ber Verwaltung folgenbee &t-
fdjenf £r. -äXaj. reo »Könige. 8eil 1821 waren bie Eaube
mien, weldjc vor Uebergabe ber (£ivi(gerid?tdbarfeit an ben
Staat, bei SÖeftbveranbeningen in ber <Stabt unb ben trat hfdjen
Dörfern erhoben waren, vom gtäfud in ^nfprad? genommen.
I urd) einen (furfa^eib ber ^tntfterten wnrbe gwar verflattet,
bie ?aubemien feit bem 1. Januar 1834 wieber für bie ua rm\Ku
.Haffen ui ergeben, allein l)inftd)tlidj ber rütfjtänbigen ber
£tabt ein (gtnfprud} ntdjt jugeftanoen. 6dwn unterm 24. &u-
guft 1833 war bceljalb bem Könige griebrid) 2ßill>elm III.
eine SntmebiatvorfteUuna, überreizt worben. 3n beren golge
befahl ber Äönig bie 4>erau$$al)lung ber rürfftänbigen Sau-
btfmien, wela)e 1835 erfolgte. Die ganje £umme betruq
17,443 Iblr. 10 8gr., wovon 1435 Ztyx. 16 8gr. 1 $f
ber Jtämmereifaffe, 772 £f)lr. 28 6gr. 6 $f. ber förajenfatTe
unb 2318 Ztyt. 25 8gr. 5 «Pf. ber £oepit«lfaffe infamen.
9Kan wenbete obige« ©elb in ben <£d}ulverbefterungcu an.
Da* 6djulwcfen lag Demiani vorjugeweife am bergen.
Daher würbe für bie Verbejferung , inöbefonbere ber 5$olf$*
fa>ulen tmabläfjtg gearbeitet. €cfwn im 3. 1833 würbe ein
vom sJ3ürgcrmeifter aufgearbeiteter ^lan iur llmgcfialtung beä
SJoltefdjulwefens ben €tabtvcrorbneten vorgelegt, $ie 1833
erteilte man ben Elementar ^Interridn in ben fogenannten
^iertelfa)ulen unb einer flrmenfdjulc. Der neue ^lan richtete
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561
ftd) auf eine sBermefyruug Der 3fo(föfd}u(eii, bie Xreununa beä
UiUerrtdjtä für bie« Xötytcx auö bem gebilbcteii $3ürger|tanbe
von Dem ber Äuabcn unb bie C^nid>tuttg einer l)öl)eren ^ür-
gcrfdjule. Bei fcer 93ercitwfÜfgfeit ber 3tabrverorbneteu in
^Bewilligung ber nötigen Littel fam fd)on im 3al>rc 1833
ein K)eil t>e$ s|Uane^ *ur Sbidfüfyrung, nämlidj bie (*rrid)tung
einer befonbern sD(abd)enfdnile für bie gebildeten Stäube, wclcfye
einftweilen unb bi$ $ur 9uefüt}rung ehted neuen 6djulgcbäu*
bed, in bem Jjpaufe 9te. 255. eingerid)tet Hiib unter einen £aupt*
letyrer, ^u>et %JRebenlef)rcr nebft einer Severin gebellt würbe.
£a$ Programm über triefe üttftoft würbe am 4. gep*
tember 1833 ausgegeben unb fd)on am 21. Dftober ej. gefdjal)
bie Eröffnung*) berfelben, im Seifein fämmtüdjer fceljrer unb
in Gegenwart ber bürgcrfcbafrti^eu s3tfitglicber Inefiger Sduil*
beputation, burd) ben ©c^ukänfpeftor M. (Sinteniä. 9rad)bem
ftd> bie brei Älaffcn ber Sdjülcrinnen (bamale circa 80) mit
ben i^ebrern in bem größeren Jtl äffen jimmer «erfammeit tyat*
ten, begaben ftd) ber <5d)u(*3ufpeftor unb bie Deputirren eben
bafjin unb würben mit einem unter Begleitung einefl gorte*
piano'3 gefungcueu Viebc empfangen. $)ie barauf folgenbc
Nebe beä Sdjul'Snfpeftorö enrwicfelte befonberä ben GJebanfen :
„Sßelcbed ift ba$ I>dcf>fte 3iel mcnfctyiidjer $Büufd)e, unb wie
fann man foldjeä einzig unb allein erretten?" unb fcrjlot* mit
ben SÖoretu: „Unb fo fei benn biefe 8(^ulanftalt geweitet ^nr
Efyre ©otte$, be0 Sktere, unb beä Sobnc$, unb beä heiligen
©eiftedr jum «£>eil ber 3ugcnb, *ur greube ber (Aitern unb *um
biet ben ten £egen für und unb unfere Stabt. 3a, ber ©egen
GJotteä begleite fte ; er begleite und Wie jefct unb immerbar.
Minen!" Ein (Ecfylufjgci'ang beenbete bie fyerjlidje geier.
Xiefe Mnitalt nahm, feit rein baö gorlißer Scfyulwefen mit Ein-
tritt be$ X tief toi vU au manu im 3. 1836 regulirt warben war,
einen immer fteigeuben Muffd)wung. Eö würbe für fte ein bc-
fonbered (Uebäube, unb jwar auf bem gifd>marfte erridttet.
Um einen gehörigen N)iaum ui haben, ohne ben tyia% felbft ju
febr ju verengen, brad) man im NAHan 1836 bad bort befint -■
licfye alte fyöljerne 6d)ufyf)au$ ab. 2Öegcn Einfprud)* t>on
•) ©örUjwr aöegweifer 1833. 9lo. -85. <S. 673 ff. Dort iji bie
tfitU U* M. ©inteni« solljtänrifl abgebrueft.
Offerte ton «ßrli*. 3(J
*
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562
anwolmenben *prit>atperfonen fonnte bie ©runbjteinfegung erjt
am 19. September 1836 vor flcf> gehen.
9iad) SMenbung biefeä geräumigen, fd)önen ©ebäHDcd
fanb bie (Einweihung beffelben «Mittwoche, ben 26 . September
1838*) jktt.
$)a$ neben bem Naturalien - (Eabinet befinblichc größte
3immer war feftlich gefchmücft werben uub nahm bie ftdbtiftcn
93ehörben, bie Lehrer unb Schülerinnen, viele Altern ber tty
teren unb anbere Sdjulfreunbe aHf. (Sine große Änjahl fn*?
figer (Einwohner bagegen, welche bem gefk ihre Sheilnabme
wibmen wollten, fanben in bem 3tmmer nicht Sßlafc. (Ein
©efang ber Üttäbchen eröffnete ben HU, worauf ber Bürger-
meiner Demiant ba$ tfatheber befheg, in einer gebanfenrei-
djen unb gemütvollen Siebe bie verbefferten SSilbungdanftoltcn
für ba$ weibliche ©efcblecht alt* eine bringenbe gorberung ber
3eit Wlberte unb bad ju Sefriebfgung biefer gorberung von
ber Srabt erbaute 4>auö an bie Schule überwies, Die bar-
auf etntretenbe *ßaufe füllte abermaliger ©efang, an befjen
Schluß ber Superintenbent nunmehr Dr. th. SWößler, ben
ftcbncrftuhl einnahm, ftd) über ben Safr, baß auch bem wetb*
liefen ©efdjledjte 9Biffenfchaft unb Äenntniß nöt^tg fei, ver-
breitete unb bann bie religiöfe SBeife beä neuen ©ebäubeä
votljog. SXit auflgefprochenem Danf gegen ©egrimber, 93eför*
berer unb Erbauer be* neuen, ©ebäube* fdjloß Stbuloircftor
*ßrofeffor Naumann biefen Äft, tubem er ungleich in furzet
ftnbeutung eine ©efchichte bed ©ilbungägangeS beö weiblichen
©efchlcchtd unb feiner $3eförberungdmitte( entwirfelte. Nach*
mittag* verfammelten ftd) bie Mütter mit ben Schülerinnen,
Lef;rer unb Lehrerinnen im ©arten ber Societät, wo heitert
Spiele ben Ätnbern eine gemetnfame (Srfjö&lichfeit gewährten.
Seit bem (Eingänge be$ ». ©erdborffchen SXäbcheniufititured**)
r)at bie Schule beftänbig an 3ög(ingen angenommen unb ftno
ba^er auch mehr Lehrer unb Lehrerinnen angejreöt worben.
Die (Errichtung einer befonbern Selefta für SHäbchen, welche
ber erfien Jtlaffe entwarfen jtnb, benen jeboch bie (Eltern wei*
tere ©ilbung, tndbefonbere im (Snglifchen unb granjöftfchen au
*) CD&rl. »f^te. 1838. ©. 635 ff.
•) @. <5<it< 506. *Rc. 47. im 3a^f4 1846 euigeflenr.
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563
vjebcn wünfdjen, ift angeregt, aber r von Den 3tabtt>erovbneteti
nod) nicht befcblojfen.
Kn fcen ©olf$fd)ulen würben im 3. 1835 alle 6t$<
ter firirt, eine befpnberc Sdjnlfajfe erriefttet unb Sd}ul*£on<
troll *^üd)er eingeführt, wefa)e Jebem (schulfiube beim Eintritt
in bie €c^ule gegeben werben, um barin bie Slufnahme, bie
(Entrichtung beä Sdjulgelbeä, bie Senfuren u. }u vermerfen.
3n neuefter 3<tit finb and) bie (behalte ber 2$olf$fd>u Hehrer
etwae erhöht werben.
VSit fifcon angegeben*) erfuhr baä ©vmnaftum im 3-
1837 mit (£inrid)tuug bei höheren 33nraerfd)ule eine wefent*
lic^e SBeränberung. 9)?it biefer Umgestaltung, welche am
4. JDftober 1837 in Jtraft trat, würben aud) neue unterm
23. S>ejember 1836 vom ^roviitiial^djul^ollegium beftötiate
6d)ulgefefce eingeführt. Xie bort aufgeftellteu Gebühren für
baö ©vmnafium fmb: 1) bei ber Aufnahme: 2 üfylr. 5 ©gr.
2) Sd/ulgelb: in ber IV. Alane jährlid) 8 Xtyv.; in ber II!.:
12 Xtyr.f in 'ber II. unb I. Jflaffe: 16 S$lr. 3) «Beim Hb*
gange für ein £d)ulieugnijj: 20 Sgr., ein ^biturienten^eugnif
1 Sljlr., jur 53ibliotl)ef 20 Sgr.
^roaramme werben jährlid) vier ausgegeben : $um ®re*
goriu^Mrtuä Anfang 3tf"nar; *um Dfter-tfraineu, bie So)hI*
nachritten enthaltenb; jum (StylverfTein'fcheu flftufl (nach
^ftngften); *um vereinigten v. Ger$borf'fd>en unb ®ehler'fd)en
Hftuö ((Sube November ober Anfang £>e$ember). $er £iuYfd)e
®ebdd?tniötag wirb 3)?id)aelitf bei Gelegenheit ber (Senfurauö*
theilung für ba$ erfte ©chulhalbjahr, refp. Vierteljahr (bie
unteren jtlaffen erhalten viertel jährl. Ceitfirccn) nur vor bem
Coetus seholasticus unb Curator scholac begangen.
$)er 6chul = S)ireftor ber neuen 93ürgerfdnile, griebrid)
SBU^rlm Naumann, gebürtig aud ©orau, vorher ^rofeffov an
ber fönigl. Dfttterafabemie pt l'iegnifc, würbe am 15. $pril
1837 voi verfammeltem 3Ragtftrate unb ©tabtverorbneten im
magiftratualifchen (Sefftonöjimmer feieilid) bHrd) ben ^Bürger-
metfter Ü)emiani eingefe$t. $a$ neue 3nftüut würbe burch
eine ©efanntmadjung, vom 1. 3nli 1837 batirt, ber Ztytii*
•) <©. 466 ff.
36*
564
nähme be$ $uMifum6 empfohlen*). 3m Anhange ift ber
(£a)ulplan gegeben.
S)er ^lan fclbft fprid>t fid) uad) bei ffltiniftcrial ^erorb*
«trog vom 8. ÜRärj 1832 arid, über :
A. ©iffenfehaften. ,
1) iHeligtonSlehre, von VII. bid L SBecfung be* religiös
fen unb ftttlichen (Befühl*, Jtenntnij; ber l)ei(. Schrift, d>riftli-
cheu (Stauben** unb Sittenlehre uut> £auptmomeiite ber fMe^
ligion$gefd)id)te.
2) SRatfcematif. a. ©eometrie, von V— I. (Elemente biö
*u ben Aegetftynitten. b. $raftif$e0 Steinen von VII— III.:
Hebung in allen 9ied)uungdarten be$ bürgerlichen Sebent; in
11. unb L faufmäunifcheä Keinen, c. Mnthmetif, von VI— I.
sJ3on ben (Elementen bid ju ben fubifchen (Gleichungen.
3) Raturrciffenfdjaften. a. s)caturbefd)reibüng von IV—!.:
bnrd) Hnfd^auting erworbene ftemttniß ber älaffiftfation ber
SfaturprobHfte, genauere 9efanntf$afl mit ben biet 9(aturrei'
djen unb il)rer 9enu(ung für bie öebürfnijfe beä bürgerlichen
£ebentf. b. (Fl)emie, in II. unb I.: Ü)ie allgemeinen Vetren
ber anorganifaVu unb organifd)en Hernie, burd) Grperimente
erläutert, mit fteten ^inbeutungeti auf £anbel unb (bewerbe,
c. *ßhi>ftf, von III— -I.
4) (Hefdjtchte, von V — I.i eine fiebere cfyronoloaifd) < ge*
naue UeberfidH be$ ganjen hiftorifdjen (Hebtet* unb (Siitfccftt in
ben n>eltbiftorifd)en 3ufammenhang ber Gegebenheiten, kennt-
niß ber ©ruubentroidelungeu beä polirifchen, Hrd)lid)eu, aefel-
ligeu, roiffenfdjaftlichen unb fünjtlerifchen tfebenä ber weltnifio*
rifdjen Golfer, befonber* ber neuereu $c\t.
5) ©eographie, VI — I. Genaue Jtenntnip ber (5le-
ntente ber matheniattfehen, pl)\rfiföm unb politifdjen ©cogra-
phie, foivie Statiftif ber europäifa>n Sauber.
t B. Sprachen.
1) $eutfch, von VII — L: ©rammarifd)e Sicherheit, flarer
rool)lgeorbncter ©ebanfenvortrag, foivol)l in fd>rift(td>er wie
münblidjer ^arftellung, alö aud) Jtenntnijj ber hiftorifdjen
•) ©efanntmacfyung, He (Fröjfiwitfl einer }tytni SBitraerfdjule $u
©örlifc betreffen*.
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bbb
Gntwicfelung unb ©efd)idtte ber neuern beiitfd^ett Literatur,
Bilbung l>e^ ©ef(*>macfd uno Urtf>cüd an ben beften Puffern.
2) granaöftfd}, von V— I. : ßenutiiiti Der ©rammatif, (9e-
wanbbeit im Ucberfefteit, ftefrigfeit im Schreiben unb (Spredjett,
unb ^efannrfdjaft mit Den wia>ttgfiteii (Srfdjeinungen ber Literatur.
3) ?atctm'fc^r twn IV— I.: Äenntnifj ber (y(ementaN©ram'
matif, fowotyl bei gormenlefyre, altf ber Styntar unb Sidjer*
beit in ber flnwenbung berfelben, "ferner gertigfeit im lieber- ,
fefcen be$ (£äfar ober (Surliuä unb leicbtei Stellen bed Dt>ib.
4) Gnglifd), in II. unb I.: &funtuiß ber (ftrammattf,
Qkrjtanbuijj ber letzteren €d)riftfteller unb einige ©ewanbfyeit
im (Betreiben.
C. itunftfertigfeiten.
t) 3^^"e»; wn VI — I. a. allgemeine** $€\d)t\en. b.Wv
a>iteftomfa)e$ unb c. 6itHation$* unb *pian^3c^nen Öftere
beibe ^öerufd^eftion);
2) tfalligrapfnc i?on VII —UI.
3) ©efang t>on VII— I.
Daö 6d)ulgelb betragt wertel)äfyr(td) in I. unb II. 4 £f)Ir.,
in Hl. unb IV. 3 ZtyU. , in beu untem Staffen 2 $fylr. ; an
(£infd)reibe*©ebüt)rcn wirb 1 Xf)lr. $ur 3krmef)ruiig beö Set/r-
apparaid, unb al$ Beitrag jur 99ib(iotf)ef 1 l^Ir. bejaht.
©leid) bei 9$egriinbung ber Änftalt erljielt biefelbe eine
wertvolle s)?atnralienfammlung, weldje -bie <Etabt aud bem
vJtad)lap bc£ JHegierungSratfyO 9tolbed)en jh l'iegnifc im 3.
1837 gefauft fyatte, ju tl>rer S^enufcHng. $)iefe$ Naturalien*
tfabiuet, weld)e$ im refften Slügel bed 4. «Stotfed bed 5Räb*
d)enfd>ulgeba"ubed gegenwärtig aufgeteilt ift, enthielt beim
Äaufe im 3. 1837: 80 6äuget()iere, 1186 $$ögcl unb jwar
404 SluMänber, 250 (Sier, 70 Mmpl)ibien, 30 gifte, 4163
3nfeften, barunter 516 fcltene audlanbifd^c Sdjmetterlinge, 1200
@ona)Vlien, 4(KK) ^flanjen, eine Jp^ljerfammlung unb 1700
Sümmern Mineralien, unb ift feit biefer 3eit ourd) @efa>enf
unb Stauf beftänbig vermehrt, beägleidjen eine SÖibliotrjef, ein
pr)9fifälifa)e$ Jtabinet unb siWobeU'Jiammer angelegt worben.
9Iu biefer 2(nftalt würben juerft, aufier bem l)ireftor, 7
Vertier anjejteUtj mit ber wactyfenben 3»n«f)mc *>er &$viltt
aber unb &itoung ber 6efunba unb tyrtma mufjte bie $a\)i
ber orbentlidjen |owol)l alä ber £ilfdlcf)rer vermehrt werben.
Die gegenwärtigen bringt ber 2lnr)ang.
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im
$)er vierte Of tober 1837 war jur Eröffnung ber neuen
©d)ule beftimmi. fltemerungä* Gommiffar erfcf)ien am
3. Öftober Der 6dnil* unb Jtonft|torialratb bitter k. Ratten-
ficht. Slm gefttage*) felbft verfallt meltcn fiel) bie SWitg lieber
l>ed ^HagMtratä, ber £d)ulbeputatioit, Die £tabtt^rorbneten,
bie @tymnajtal* unb $ürgerfct)ul4*efyrcr nebfi ben eingelabeitcn
©äften, ben NJ3orfter>crn ber söcl)örben u. f. n>. in bem ßloftcrgc*
bäube, unb nacf)bem ber ?Kegicruugö'(£ommiffariu$, geführt burd)
ben Bürger meifter Demianl unb ben Direftor ber neuen ftuftalt,
^rofeffrr Jtaumann, erfdjienen war, begab fid) ber 3ug ber &u
wefenben in ben ^ur geierlicfrfeit gefdjmütften <£>örfaal ber 1.
klaffe be$ tfhniwajiumd. £ier waren bie £d)üler ber neuen
Bürger fcfjule (circa 150) unb eine beträd)tlid)e Änjabl ftreunbe
beä s£d)ulwefenö, (Altern ic. jablreid) wrfammelt, (Sin Ökfaug,
auägefüfyrtburd) baö (^>muafial'OängerdH>r, leitete ben feierlichen
SRebeaft ^wertmäßig ein. 3unärt)ft beftieg ber 33ürgermetftcr
Xemiant ben 9tebnerfhtl)l, begrüßte bie $krfammelten unb ent=
wicfelte in einer tiefgefühlten ?Rcbe ben (Stanbpunft, welchen
bie neue ftnjtalt einnehmen follc «nb mit ($ottetf ^ülfe aud)
werbe, wobei ber beftefycnben alteren 3ct)wefter, be$ Oh?mna^
ftumfl, unb ir)re$ fegenflreidjeu StSirfcnä banfbar unb aufmim-
ternb gebadjt unb bie 9cotl)roeubigfeit neben ber eigentlichen
gelehrten 6d)ule eine Ivette allgemeine Sübungö^itftalt &u
beftfren, auf ba* llebcrjeugeubfte bargefkllt würbe. Den Ha*
ren unb tiefen Korten über ©runb unb 3iel ber neuen
Schöpfung, Seitens be* Cannes, bem biefe Mnftalt t(>rc l^nt-
ftefyung $umeift »erbauf!, folgte bie gemütvolle unb erljebenbe
*Rebe be* ^egierungd^ommiffariuö, welker bie (Srörfnung ber
r)dl)erett SBürgcrfdnile feierlid) auefprad) unb' foldje bem 3>i-
reftor traft fjotycn Auftrags $ur Leitung übergab. §116 brittcr
Jeftrebner trat nun ber Direftcr auf, unb fpradj feinen iniri
gen Danf ben SBegritnbern unb s£efd)üfrcrn ber feiner Keitum}
übergebenen 6d)ule auä, mit einer frcunblidjen 3ufpracftc unb
Aufmunterung au bie mitarbeiteubeu Sefjrer bei biefem ikhcii
SÖerfc, Sorte väterlicher l'iebc unb ernfter (*rmar;mmg au bie
*erfammclten 6dnilcr bamit verfnüpfenb. Sin ©ebet fctjlofi
biefe weir)enbe geier unb übergab ba* ilebrigc~®ott, ald bem
•) ®bxl mt^tiftx 1837 Ole. 41, p. 641. et 3a^ij. brff. 581.
1838. Ho. 39, p. 609. S^ronif ber leeren *Bür9crf^ule gu ©6rli$.
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56?
treuen Aert jebeö guten menfcr/licf)en Xl)un*. ©efang fcf/lo£
jDie grjfjnwig,
Wittag« bewirtete ber Sttagifrrat ben föeaterung«*6om*
mtffartu«, Die übrigen eingeladenen ©Äffe unb fämmtlicfje tferj-
rer beiber Sdjulanftalten, fowie bie ^auptlel)rer bcr Stritt*
faulen mit einem einfachen sDlafjle.
Tie Hitfiall felbft würbe guerft in ben Baumen, welche
auf baö ehemalige labulat im itlofiergebäubc auömünben,
eingerüstet, ift aber feit bem 3abre 1847, bifl $ur Vollenbung
beö für fte prejeftirteu €d)ulgebäube$ in ein für bie SRtttel*
ftufe bejiimmted neue« im 3. 1846 in ber bberlangengaffe
erbaute« QJebäubc verlegt werben.
SDtcfe QÄittelftufe befielt au6 ben beffern €d)ülern ber
93olf$fa)ulcn, unb wirb fpätcr unter bem Tanten: 53ürgerfct)ule
in baö ©ebäube verlegt werben, in welchem jefct bie fyerjerc
33ürgerfd)ule promfprifer) untergebracht ift.
gür bie ©efuubbeit ber Sdjüler färnrntlidjer ©dmlcn,
fergte bie (Srridjtuug einer ftäbtifdjen (Schwimm - unb $abc*
aitjtalt in ber 9läl)e ber Dbermüfylc, weld)e einige %atyxt buret)
einen Ratteren, fpäter burd) Dberjägcr bcö 5. 3ägerbataiÜond
geleitet würbe.
Ter sJWinifter ber geifHidjcn Angelegenheiten legte am 9.
(September 1842 ber 93ürgcrfd)utc ba$ ^räbifat „f)ör)ere" ju
unb ermäßigte felbigc jur Abhaltung von Abiturienten ^rü-
fungen.
3nbem wir nun ba$ (sdjulwefcn eerlaffeu, gcfyen wir gn
einer auberen Üfyätigfeit Temianrö über. (5d ift bie« feine
33emürmug, ber <Stabt Qlörlty einen guten Jplafc im norbbeut-
fd)en (5ifciibal)nne$ 311 fiebern. Tiefe Verbanbluugen erftreeften
ftd) nid)t allein auf bie niebcrfdjlef.-märfifdje unb fädjf.-fdjlef.
(Sifenbaljn, bereu $>ollcnbuug bie* ©örlifc il)in, bem tfyätigften
Seförberer biefer kleine, leiber nidtjt ju erleben vergönnt war,
fenbern aud) ber 93al)u nad) töeicr/enbcrg. Aua) fyier gilt ba$
.bei Gelegenheit ber Abtöfung$fad)e (*rwär)nte.
Ta$ ftäbtifebe Jtranfenfyaitf i^crbanft feinen Semüljungcn
nid)t miuber bie (Sntftefyung, wie ber neue Jtirdjfjof, bie (*r*
riebtung einer öanbwerferfdjule unb Jtleiiifinber*99ewal)ran*
ftalt (f. ben Anfang). Tie ^aiilidjfeiten ber (Btabt fjaben
ftcf) unter feiner Verwaltung wefentlict) verbeffert unb t)erfcr)ö-
nert. Tie Erweiterung be$ graueutfyortf, bie Anlage beö
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568
neuen 3Bebertl)ore$, bie XrottotrS, bie föenovtrung ber Srauen>
firetye mit) bed &ird)fyof$ im 1838, t>orjügIid> aber bic
Umgeftaltung ber fallen £*ier)weibe in einen lebensvollen, frt~
fcf>en *Jlarf ftub bie fldUbaren € puren feiner Sßirffamfeit.
(§inen £iebling6wunfd\ völligen Abtrag ber alten Jeßling**
werfe, follte er nid)t in ber ^uöfüfyruna erleben. (Beine an-
fjerorbentlidjen 93emübungeu in biefem fünfte waren ftetä er-
folglos.
33ifl auf eine ^Angelegenheit finb in 3)etnlani'4 Seit
SBürgermeiftcr, feine Unruhen ober Unorbnungen fn ber (Etabt
aewefen. 3m ^flfyrc 1830 al6 bie l'anbwetyr beö bieftgeu
"Öataillonö 6. ^Regiments mobil gemadn, unb plöfclia) fämmt-
ltd>e sDfaunfd)aften auf einmal nad) (Mörlifc berufen würben,
ob)ue baß bei bamaligc Bataillons -Äommanbeur bereu SBer-
pfleguna gehörig vorbereitet gefyabt fyatte, verübten bie hungrigen
Seute Üreeffe auf ber sl<iei)weibc nnb fpätcr, ba ber gröpte
$r)eil obbadjloS war, in ber (stabt. Die oben angebogene
Unorbnung war anbereu UrfprungS.
Hm 20., 21. u. 22. 3»U 1837*) fanben Sumnlfe hier-
felbft Patt, bereit inbireftc $kranlaffung in beut vom Wagiftrate
gefaxten platte $u fud)en ift, auf bem grauenfirdjljofe ein
?eid)en^anö ju bauen, weju burd) freiwillige Beiträge fdwn
1626 Irjlr. eingcfammelt waren. Um ju bem (Sebäube ben
erforbcrlia)en ^la$ \\i gewinnen, war ee nött>ig einige Gräber
Au verlegen. s3tad) eingeholtem ÜJutacr/ten bes jWnigl. Jlreid-
*P^?fifaW mupte biefe (%ab Verlegung beS 9caa)t$ gefd>eben.
Obgleid) babei feit bem 16. 3ult mit allem erforberlidjen Hn-
ftaubc verfahren unb bae ganjc (Hefcfyäft unter flufftcfyt oe$
$atl)$r)errn Prüfer ausgeführt warb, fo entftanben bod?, mit
nnglaublia)er cduiclle, empörenbe (Merüdjte. s))Jan fprengte
an*, e$ würben bie Seiten gemiHbanbclt, bie 6ärge gerfet^ia^
gen u. f. w. Tie Kacfy vor bem 20. 3uli Ratten €d>aaren
von <Öceufd)en bie irdjhofmaucr erfttegen (beim bie Ibcre
waren verf^loffai) unb e$ jeigte ftd) ber 2ßille, bie fernere
®rabverlegung gewaltfam ju binberu. Befdjränfte Urtbcile,
felbft von gebilbeteren ^erfonen, benen bie gefefclidjen 9$or;
fdjriften in felcben Sailen völlig unbefannt waren, erbieten bte
©emütrjer, namentlid) ber Söeiber immer mer;r. $11* bafjer
•) Qbtl 5Üf9iP. 1837. Die. 30. i>. 465.
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569
am 20. 3u(i #benb$ bie Arbeit wieber beginnen feilte,
fammelte fia) ein Jr>aufe müßigen $olf$ vor bem tfirdjbofe,
erzwang ben (Eingang burd) (*rbrca)en ber ,ftircbl)oftl)ore nnb
verjagte bic Arbeiter. 4piernftd)ß würben bem, ber Mivtijt -
gegenüber wofynenben WatlNtycrrn Prüfer bie genfter mit Stein-
würfen bemolirt. Durd) 3"fvra(^c JtrfltfHtc W SRenge.
Da aua) am flbenbe beä 21. Juli bie (Erreffe ftd) wieberfyolt
fyatten, inSbcfonbcre bie Saftet be$ 9tatf)$fjerm Prüfer aber-
malä eingeworfen würben, fo bat* er für feine Herfen fürd)--
tcut»f auf einige Xage verreibe, würben am 22. ernfte s)Jlafc
regeln ergriffen, bie ^olijeibeamten curd) (Henäbannen verftärft,
Die 33nrgergarbe jufammenbernfen unt> ba$ fonigl. Militär reqni-
rirt, weld}eö auf ber alten ^romenabe Stellung nafjm. «£>ier-
bnra} fdjrecfte man bie Xumultnanten $on weiteren Srceffen.
(£$ erfdjien über biefe Vorgänge folgcube^:
„Die vielen, jnm Xbcil bat (Gefühl enjpörenben ©ernste
über eaä 3tarfat)ren, wela)e$ bei ber tyeljeren Ortä genehmigten
(Einridjtnng beä 93aupla$e$ für ba$ auf ben grauen »jCtafripf
beftimmt gewefene ^eicfyenfyanö ftattgefunben l)aben, legt und
bie sl*flid)t auf, nach Inhalt ber s.yert)anblnngen nnb angeftell-
ten Unterfu dringen ftolgenbe6 $ur allgemeinen Äenntni^ *u
bringen. s)cad) (Ermittelung ber jn wIegenben ©räber nnD
nadj iljrer 33e$eid)utmg 33el)ufc5 ber 93erid)tigung ber Wrabe-
regifter nnb Vlnfdjaulidjmadning beö 93a «plane*, fmb alle fid>
inelDenben ^Beteiligten gebort, wftäheigt, nid)t weniger ifyre
billigen, mit bem $m<fc nnb ben gefcijlidjen SBerfdjriften i>er*
traglidjen 5l$ünfd)e beaebtet werben. Die 9fudftif>ritng begann
Den 16. b. 9tt&, nnb $war nad) ber, auf ÖJrunb allgemein
fanitätepoti^cilidjcr ©efefce ertheiltcn ftitwetfung, bed Wad)tä
bei serfcbloffenen Späten mit $(anirnng alter verfallener ©rä--
ber. ($rfl in ben folgenben sJcad}ten warb, fo weit e$ bie
^©itiernng geftattete, bie fdjen am $(benbe bed 20. b. sJRt$.
unterbrochene Slufgrabung neuerer ©räber iinternommen, in
beren Verlauf überhaupt nidjt mefyr alä neun ©räber eröffnet
werben finb, in benen ftd) mir ein am Decfel befdnlbigtcr
Sarg Dörfanb, fo bap alle SMdjen nubefdjäbigt in mieröffneten
Sargen, in bie für fic angelegten neuen Araber gebracht wer*
ben tonnten. 93ei allen tiefen Arbeiten ftnb bie von ber vor-
gelegen Beerbe erteilten Seftimmungen, fowie Sorgfamfeit
unb flnjknb beobadjtet-unb biefi babnrd) bewirft werben, baj*
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bei 9iatl)6f)m, £err Prüfer, in golge bed ihm erteilten, von
ihm uuentgeltlid^ übernommenen mir gewiffenhaft audgefühi;
ten Auftraget, mit banfbar anjuerfeunenber Eingabe für amt-
liche 33cförl>eriiug allgemeiner ^weefe, bie Dberaufftdjt führte
unt) ein ald achtbar mir juvcrläfftg befannter f)iefiger Bürger
bie Sbtäführung mit Dem ihm untergeorbneteu ^erfonal, befte-
beut) and vier @M)ülfen mir einem <£>aublanger, leitete. (£d
gehet Imcviiuo fa}on hervor, unb ift burety bie angefüllte Unter*
fud;ung nod) beftimmter nachgewiefeu worben, baß feine Be-
rührung bei deichen, nod) weniger eine unauftanbige ober rol)e
33el)anbltmg berfelben ftattgefnnben habe, mir baß eine foldjc
burd) bie in Bcreitfdjaft gehaltenen (^erätl)fa)aften, bie aus--
fdjlieplid) in Spaten, Sd)a iifeln .nlib tfrbharfeu beftanben fa-
belt, auf feine Stteife bcab|id)tigt worben fei.
Waa) riefer wahrheitdgemdpeu l)ierburd; amtlid) beglau-
bigten Darftelluug mag bad ^nblifunt bie tf)r entgegengehen^
ben ©erudjte, ald unverantwortliche, veräcbtlidK i'ügen aufe-
f)en, unb, inbent wir uud vorbehalten, ihre ßrfmber unb Ver-
breiter &u ermitteln, mit und bebauern, pay ftd) einzelne l*in--
wohuer verleiten ließen, vom gefefclichen SBege abzuweichen,
ber ftd)erer unb auf eine mit bei iSijvc MÄ bem guten $ufe
bei Stabt verträglidicrc Sßeife juim $kk geführt hd0CI1 würbe.
Öörlifr, ben 25. 3ttli 1837.
Det sBagi|lrat."
Von ber Unorbnung am 20. 3ult fyatte fcic innere 6tah
fclbft uidjt eher äunbc befommen, ald ben folgenben borgen;
ben 21. jebod) flog ein 4paufe, meiften* Vc^rlCiigc unb anbete
Knaben, mit Okfang über ben JObermarft. ttm 22. war
«de* ruhig.
3wei (Sreianiffe von Sidjtigfeit für ^iefige 8tabt, welche
in Demtaui'ö Verwaltung fallen, muffen hier nod) erwähnt
werben.
greitag, ben 25. (September J835*), fam 3e. 9»aj. Kö-
llig griebrid) Mifytim Hl. bad erßental uad) ©örlie, feitbem
biefe €tabt bem vieupifcheu Staate einverleibt werben war.
Daher würben Seitend ber ftäbtifdjen Horben flcm$ befon«
bere ISrnpfangd; Vorbereitungen getroffen. £er & eilig traf
") ©drl. ®eq*cifer 1835. 9to. 39. <S. 615. 616. Eort ftnb aud)
bie 9lbbilOttiidcn ber b«fatiefecn<n (itjr entfalten.
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unter Dem ^ocfyrufen Der verfaminelten SHeuge t>ier ein. Se.
sMa\. tru<| l>ier mir einen einfachen Manen SolDatcntotf mit
rotbem fragen \\\\t> eine blaue Xudwtüfje mit rotbem Streifen.
Xaö ©efolge er. SJtaj. beftaub auä beut ©cneraU&bjutanten
v. S&ifcleben, bem ©eb- Jtabtnet^Sefretär SNütter, bem ©eb.
Jtrteg^ratb l'ater, beut «öofratb Briefe, Dem ©eiiera(*Stab6ar&t
3Öiebel, einem ^ifepoftmeifter unD mehreren ©el). Kämmerern.
Das ©efolge Der grau gürftin von Biegnty, weldje Se. sJÖtaj.
begleitete, beftanD au$ Dem ^ofmarfdjall v. 3)caffoW, -Obrift
v. i'inbbeim, Den Jtammerbameit v. Ojreu unD v. D. ©ol}.
s^or Dem ©aftfjofe $tim brauneu Jptrfd), wo Die erfte Sdnu
fcenabtbeilung (fpäter 5. ^ägerbat.) in ^arube aufgefteüt war,
flieg Se. vJD?aj. ab, würbe Dort von Den SKUitftr* unD (£ivil*
beworben, Den Deputationen Der £anbftänbe be$ ÜRarfaraf«
thHtuö JDberlauftfc preut?. tfoty., Der ©eiftlidjfeit unD Sdjule,
feierlid) empfangen, unD fprad) jid) fef>r woblwollenb unD
freunDlid) au*. * Die aatue Stabf war feftlid) erleuchtet unD
gefebmürft, am jenfeitigen (*nbe Der Weinbrücfe wölbte flcfy eine,
' tfrjrenpforte von Xatmenr eifern, mit Denen Die S3rüefe felbft
auf beiDcn Seiten eingefaßt war, über Dem $f)orc wel)teu
Drei weipe gabnen, Deren mittelfte Den preujüfcbeit flDler, Die
auDeru beiDen Dao lauft&er unD Da$ görlifcer StaDtwappeh je*
ben liefen. üBicfe Käufer waren mit SMumeiigtmlanbeu, Ärän*
*eit unD Vaubgcwinben gegiert, unD vor Dein C^afttjofe jui^i
braunen £irfcb, wofelbft Der Äönig fein s3iad)tauartier uabm, ftellte
iirt ein von mooöumwunDeuen Säulen getragener £albcir;
cu9 Dar, au welkem Blumen unD Orangenbäume praugteu.
Äuf bem Dbermarfte vor Dem cal^anfe glänze bem ¥Uige
$ivifa)eu $wei mit grünem $eiö umfleiDeten Dbelitffeu, auf
melden unD an weldjen geuer unD Vampen brannten, Der
fonigl. OcameneMug nnD Die fonigl. Jtroue entgegen, (fti vie-
len öffentlichen unD ^rtvatbäufern fab man transparente iiu
fdjriften, wie Denn unter anbern Daä £au* Der Dberlaufi^ei
©efellfcbaft Der SBiffenfrbafteu, Die einfadje 3nfd)rift: Fautori
cl Proteclori Musarum Boni^nissinio, jeigte, Der vielen übri-
St, mebr oDer weniger puffert gea>äf)lten, nidjt ju gebenfeu.
Dem Saale beö ^effourcengebäubeö fyattm Die Sanbflänbe
Der Oberlaufs einen s3all veranftaltet, ben bie grau gürftin
v. £iegni|> mit ir>rer ©egenwart beehrte. Huf beu Straßen
unb s4.Uä^en ber Stabt wogte eine uii^a^lige $icnfd)enmenge.
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im
9Bi$ fpät in bie 9?ad?t hinein tonte Jubel unb greube, aber
gemäpitjt unb in (Stijranfen gehalten, burd> ben Sftunfd) t>e$
alten 4>errn, ^n "^t ,m ^d>taf* iu ftwen. Um -Worten
bed barauf folgenben Xaged ful>r 6e. 3Äaj. in pie sHtter$;
firdje, von bort jum fjeil. CHrabc.unb fobann weiter nadj Icp-
li$, begleitet von ber grau gürftin von fcieanifc*).
Dad jweite**) war ein ©efud) <Sr. $taj. be$ regieren-
ben Aöniaft (*nbe Sttai 1844. 91m 31. «Rai flbenbe II Hin
traf ber $önig von töottbufl and nnb nad) längerem ^erwet
len in 3Ru$fau, in (Mörlty ein, begleitet vom General v. 9kn-
mann, gliigelariutanten ©raf v. giurfenftein nnb (fteneraU
ftabflarjt Dr. (tyrimm. $*on Berlin war ber Cber^Hice @ere=
monienmeifter 93aron v. vEtillfrieb, von SBreälau tcr Ober-
sJraftbent Dr. v. Berdel, von ^tegnt^ ber föeaierungö * *l$räfU
bent ©raf $u <StolIberg eingetroffen.- Dergürjt ^ücf(er*$Rud;
fan, welcber ben Äonig in feinem frönen *ßarfe bewirket
fyatte, war bemfelben über 92ie0ft) vorausgeeilt. Der ^m«
pfang gefdyaf), naa) bem ^EBtinfcbc £r. sJDiaj. , vor bem (Maft=
l)ofe jum #irfd>, wofelbft bem Jlönige fein Quartier bereitet
war. 'Dic'Scäbt war feftlid) erleuchtete baö (*ingang$tl)or
mit einer t£f)renpforte nnb ber gktjtyof $um £>irfd) mit einem
,£>albu'rfel von grünen nnb mit Blumen gefcfjmüdfen Fäulen
gegiert. s3iaa) bem Empfange liep fid> ber Äönig bic verfang
melten ©eljtlier/en, Militär- nnb tfivilbeamteu vorteilen, bie-
felben auf ben folgenben Sag ju einem £iner einlaben, nafym
and} bie ©nlabung ber 6tabt jum $efua) ber Sanbetfrone,
fowie ber <Stanbe uub etabt \n einem Salle ebenfalls auf ben
ndcbften lag an. Wad>bem ber tfonig am folgenben Sage,
6onnabenb ben 1. 3nni, bie fyietlge ©arnffon, 5. 3äger--
Abteilung, tnfpidrt unb ftcfy auf ben (£reruerpla|> ui gujj be*
•) 3ur (Srinnenuia, an bie 9(ntoefen(jeit ©r. 3Raj. »utbe eine Denf-
mün^e geprägt, amjefertiat vom SRunjratfy £oi>« in Berlin. Sie enthält
auf ber #aui>tfeite bae *43rujibilb be* .Kiwia,« mit ber Umfrijiift : Friede-
rico Wilholnio III. Rr^ri l'russiae, Manhioni Brandenbtirfzonsi , Duri
(■orlirmsi. 9litf ber .tfefyrfrirc baa €tatttvavvtn, auf n»eld>ec« firt) .ftttbele,
in ber Jfrant ben tterbeerfran;, fhifct, mit ber Umt'crjrift: Au? instar
I)om.(ui) Brand, enhnr^ensi) Erepta 1310. Felicias. (im«'/ llcstilnta
1815. Advcnlmn Salntat (iorlicia d. VII. Kai. Nov. I83ö. Reibet ift
ftatt (Mlir. eben erwähnte«!* Nov. au* iöerfeben arträat werben.
") ©Sri. «nj. 1844. 9lc. 23. £. *35.r
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geben hatte, würbe nad) ber &mbe$frone gefahren. Huf bem
( ifeerge, welker bei bem fdjöneu SBettet bie günftigfte 3(u6jid)t
an tiefem £age gewährte, waren ^dtt jur Aufnahme 8r.
sJDcaj. errid)tet worben; auf bem Pavillon wehte baö Banner
ber £ labt ÖJörlifc. grül) um 9 Hin (am ber «Hontg am guße
bed $)erged an unb erftieg benfelben, ohne von ben bereit ge*
()altenen Xragfefteln (Mebraud) ju mad>en. Unter 9öUer|d)üf*
fen unb ÜJJuftfflaug empfingen bie ftäbiifdjcu 93el)Örbeu ben
Üöuig auf ber platte be* Sergej nad) alter Sitte mit einem
(Shrenpefale, aud weldjent 8e. 9)1 aj. auf ba* Ütto&l ber 6tabt
tranf, fobaun aber, ohne aue$urul)eu# ben gebadjteu Pavillon
betrat, um bie IMueftdjt ut genießen. .£>ter unterhielt fid) £e.
9Waj. mit bem ©ürgermeifter Xemiani über bie s}$erbältuiffe
ber Stabt, weldje fid) im (Mrunbe, von ben Strahlen ber
Sonne übergoffen, malerifd) präfentirte, namentlia) über bie
Sevölferuug * berfelben in bei Skigangeuheit unb (Gegenwart,
©ei ber Zugabe ber ceelenjahl bemerftc bei «Köuig, baß ber
Stabt bie 9ted)te einer großen Stabt guftänbeu unb eruaunte
auf bie ^ulbreidjfte Sföeife ben ©ürgermeifter Temiaut jum
Dberbürgermeifter. $ont Pavillon in bem 3elt angelangt,
würben bie fcfyöiißeii gernftdjten, m$&efonbere beä jRiefengebtr*
Setet, in $lugcufd)eiu genommen, unb ju bem grül)ftürfe gürft
fötfler'IMuöfau, Dr. x\ Bierde!, ©raf gu Stolberg, Xemiaui
unb Stabtverorbnetei^orftel)er Sd>mibt befohlen. 9tit *e$te;
rem unterhielt fid) Sr. s)J*aj. angelegentlid) über bie gewerbli*
d)en unb £anbele^$krhältnit7e ber Stabt unb nahm bei biefer
Gelegenheit (frcmplare ber ^orty'd^itwrVfdjeii £orijonte, fo-
wie einer futjen (il>rorüf bei Vanbeefrone in Empfang, hier-
auf verließ ber .König, abermals flu guß, ben 5krg, unb be-
gab fid) nad) ber Stabt, befidjtigte t>a\e[b\t bie grauen-, Hn«
nen* unb £reifaltigfeit$fird)e, einen X$ei( ber Stabtmauern,
bae Älofter unb baä heilige ©rab' — wofelbft fid) Se. 9Rat.
tu ba* grembenbud) eintrieb — , unb befugte von ba bie
jtönigehainer Serge, wo in ber 9Jäl)e bee ,£>od)fteiueö ^ofrath
v. £einifc al* ©runbbeftfcer ben Empfang vorbereitet Ijatte.
9iad) fiirjer Dtaft in einem ba$u aufgehellten Seite, würbe fcer
£od)fteiu beftiegeu unb bie 9(uefict)t auf bie umliegeube freunb*
Ud)e £anbfd)aft genoffen. Ü)ie ©örmar'fdje Kiebertafel ftimmte
in£Wifd)en mehrere lieber im sJ)?ännerd)ore an, wad in biefer
Umgebung* einen wirffamen (Smbrurf madjte. Se. SJfajeftät
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lief? ftd) Den Dirigenten, Drganift ©örmar, vorteilen, danfte
mit freundlichen ©orten und gab bie Zufriedenheit damit, baß
aud) in ©örli& eine Siebertafel errichtet worden fei, *u etfen*
nen 9?ad) der Ötäcffunft fanb int ©afthofe ptu Jg>trfd> toad
Diner ftatt, wonäd>ft ber Jiönig bie Ifrinladung ber Stadt bie
Cbermühlberge ttoct> Hbenbä in fei)en, annahm. Um 81/«
Ubr begann ber Vall im föeffourcenfaale, welchen Se. s3Xaj.
eröffnete unb bann um Ufjr bie Dbermuhlberge befucftte,
welche von, einer jafyllofen Menfchenmeuge beberft waren. Die
$arfanlagen und $IÜeen, weldje von dem *Horttfuö au# nach
der ^blje führen, waren mit JHenfeuern beleuchtet, der $or-
tifuä felbft, fowie die ©artenl)äufer, weldje die Promenaden
begrenzen, prahlten von bunten Sanipen. Huf ber 4pc)t)e ber
Dbermiif)lbrrge war ein großem 3^t erbaut, in welchem Se.
Stöaj. jebcch nur fur^e 3elt verweilte, vielmehr von ber platte
au6 bie im vollften s)J?onblid)te erhellte ©egeub deä romanti-
fd?en 9?eiptbaleö mit dem glujfe und ben folchen begrenjenben
Vergen behaute. tMnf allen bergen Hm her brannten greH-
dcnfeuer und von der SandjHnge bei der 2ßeiulad)e wurde ein
fletneä geuerwerf abgebrannt, weld>c$ bie 33e|}immung hone,
durch Seud)tfuge(n n. f. w. die nädjtlia) bctmmernbe ©egenb
mit Schlaglichtern ju erhellen. Von l>iev begab fta) ber &ö*
nia nach bem 93alle juriirf, welcher bie nach Mitternacht fort-
gelegt würbe. Sonntag^, den 2. 3«nl wohnte Se. 9Waj. dem
©otteäbienfk in der ^etfrtfirdje bei, ließ (ich nadj ber *Küd-
fehr in'fl Cuartter mehrere ftnwefenbe vorteilen, und nahm
fobann ein grühfturf ein, an welchem über 30 ^etfonett
rfahmen. $lm Scbluffe beffelben ergriff ber Äonig bafl ©lad
unb fprad> laut feine jufrtebenheit mit ber Aufnahme tu ber
Vauut? fowohl, ald auch in ©ör(i$ befonberö, auä, mit beut
Veifafce: „Sagen Sie dieä jedem SaHffyer wieber, ber 3hncn
begegnet!" Die Antwort hierauf gab ber Cberpräftdent
Dr. v. SWerdel, woran ber gürft ^iicfler* Wufttai nod) ein
£och bem Ädnige anfnftpfte. Mit ben SBorten: „3"nt brit*
ten unb legten Filiale Dauf!" würbe baß Mahl aufgehoben,
um 12 Uhr aber bie Dfütfreifc über Sorau unb ©üben, nacb
Äerlin angetreten.
Die$ bürften bie wefentlichften (Jretgniffe währenb ber
Verwaltung Demtauf* fein. Demiant, noa) wenige 3at)re vor
feinem $obe durch bte Verleihung be$ rothen ^Idlerorbencj 3. XL
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mit ber 6d)leife geehrt, wie ifm im 3. 1839 t>tc Eberl, ©e*
fellfdjaft ber 2B$ß. jum 8$renmitaliebe ernannt Ijatte, würbe
fdjou im £erbfte 1845 feljr unwobl unb f räufelte ben Söinter
fyinburd) beftäubig. Durdj raftlofed Arbeiten unb ein fcfymer^
I)afte6 4pämorrl)oiballeiben gefa)wäd)t, fiicbte er in ben fdjönen
grfifjlingätageu von 1846 vergeblid) (vrtyolung nnb Kräftigung
in ben labern von $evli&. &on bort auö Dreöben befucfyeub,
würbe er vom 9cervenfteber ergriffen hud verfdjteb nad) weni<
gen Sagen am 5. 3u(t 1846 in feinem (Geburtsorte. Seine
irbifdjen lleberrefte geleitete eine Deputation beä fyiefigen SRa*
giftratä uad) ©örlifc unb feine SBeife&mtg fanb am 8. 3nH
1846 fratt*). 3m % 1847 ijt bei (*inweil)ung be* neuen
griebtyofd feine 8eid)e in bie bort erbaute erfte ©ruft $ur le$*
ten *Kul)e gebrad)t worben. (£in einfadjer Stein bejeidjnet ben
griebf)of$befud)ern bie v2obe$wal)( ftatt beä 9taiinr0, ber in weni-
gen 3al)ren Unglaublidjeei für unfere <Stabt geleiftet,unb eine grofje
giUle von prafttfdjen unb ^wertmäßigen planen fyinterlaffeu l)at.
Darum ijt mit 9ted)t riitjuftimmen in nad>folgenben Wad^ruf:
„©eftern Vormittag entfcfyltef nach einem mel)rwöd)entli<
d)en fdmterjfyafteu 9fervenleiben , in Dreöben unfer IjodjgeaaV
teter $txx Ober^Bürgermeifter ©ottlob gubwtg Demiani, bit-
ter beä rotten $lt>lerorbenä 3. Jtlajfe mit ber (Sd)leife, im $11*
ter von 60 3fll)ren, flu einem beffern Seben. 58ir, unb mit
und alle 33iirger, atte ©enoffeu unferer Stabr, weldje mit Siebe
unb SBofylwollen bereu @ntwirfelung gefolgt jfttb, betrauern
biefen unerfefcbaren SBerluft um fo tiefer, um fo fdjmerjlidjer,
ald er und ju einer 3eft nberrafdjte, in welker bie umfang*
reichen, widjtigften (kommunal *3ntereffen nod) lange feiner
9)ieijtarf<f}aft beburft hätten. Da$, wa$ er btdfyer in ber un-
ermüblidjjten SfHäbauer gefdjaffen uud gewirft, fid)ert il)m
ebenfo ba0 Änerfenntniß unb ben HngetljeiUeften Danf ber w
genwart, alä bad fegnenbe 9(nbenfen unferer fväteften (Snfel.
©6rli$, ben 6. 3uli 1846.
Der Magiftrat unb bie Stabtverorbneten*9krfammlung.''
*) <&ti\\t «Bmbiflund itf aefdjüwrt: ®ört. *n$. 1846, 91o. 28,
<S. 343. $i< Primaner beö ©tjmuafiumd t>«üft<uUid)ten cbcut»afel6ft,
<£. 347, eine lateinif^fawtnfae Ct>e al* 9lad)ruf.
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9teu'&ct)rünbung einer f atl)olifd>eit '4Jarod)ie. 1835.
Wadjbem im Saufe ber Reformation ©orlifc ganj evan=
gelifd) geworben war, l)ielt Itobulbfamfeit btc fati>i>ltfc^ett
©laubeiuJgenofteii von ber Weberiaffung in ber £tabt ab.
s)?äd) tfebergabe ber Dberfaujtö an iturfadjfen würbe im $ra-
bitionoreeefie (vom 30. Sttai 1635, vollen «y14 *lpiil 1636)
beftimmt, bap ber 3»ftanb/ in weldjem na) bamalö.bie Dieli-
gione[ad)eu befanben, gan^lid) uuveräubert (in statu quo) blei^
ben folle. £ieo würbe fo jtreng auögefüljrt, baß man an
ben £)rten, wo in Dem angenommenen 9?ormaljaf)re (1624) .
feine ftatfeoUfen vorljanbeu waren, benfelben and) bad Stecht
ber Wiebalaffuug für alle 3eiten verfagte.
(Sbcnfo verfuhren bie ftatfpUfen, wovon £)ftri$ ein leben*
bigee* $ki|piei in unferer 9fäl)e war. £o fonberbar biefe
Söjaßregel erftyeinr, tyatfe fte bod) bie golge, paß ^rrciti^fciteii
jwifcfyeii ilatljolifen nnb (£vangelifd)en , felbft bann, alö ber
(ntl)erifd)e £anbeol)err, äurfürft von 8ad)feu, fatljolifd) würbe,
vermieben worben finb. 3» ©orlifc Ratten fid) fjiernad) nie*
male Äatfyolifen l)äuslid> niebergelaffen — wenige befonberc
flnänalnnen abgered)net — , unb namentlich verweigerte man
jebem üat()olifen baä ©ürgerredjt 211$ bie «Stabt vreußifd)
geworben war, 1815, würben bie golden be# XrabitionSrecef*
fee* völlig aufgehoben, unb von ba meiste fta),aud) bie 3aM
ber fatl)olifd)en ©laubenögenojfeu jb -baß wir im 3- 1820
fd)ou 107 berfelben fyier finden. 6ie hielten ftd> an bie näajfte
fatholifdje JÜrd)e in 3aueruitf , lebten in größter (£inigfeit mit
ben @vangelifd)en unb ließen in ber Regel ii)re Jituber in i\c
figen evangelifd)en Schulen uuterrid)ten. cd) an 1821, alo
bie 3aW °er itatfyolifen cirea 140 betrug, reidjten jwei fatl)o*
lifd)e Bürger, ÜBeißgerbermeifter Vogler unb ÜDlaurerm elfter
Remfd) eine Bittfdjrift bei ber föuiglidjen Regierung w Sieg-
ni$ ein, worin jie um @rrid)tung einer fatfyolifdjen Äirdje unb
6d)itlc baten. £>a feine Antwort erfolgte,' wieberl)olfen fte
ba« (#efud) am 11. gebruar 1823, worauf fte von ber Re-
gierung an ben SRagfjhat gewiefen würben, welchem bie 9te*
gierung if)rer SeitS au'ö ^>erj legte, ben Jt\ttf)olifen eine
evangelifa^e Äirdje jum 2Wtgebraud)e ju überlaffen.
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^auvtfädjlicrj betrieb i'e$t ber Pfarrer ©eibler ;u Ser*
tbclöDorf bei Vanban bie £adu* unb mit ihm ber Aurn Luf cb of
Sdjimondfv .$u Srefllatt. 5)enn burd) eine päpftitc^e Stille
vom 16. 3uli 1821 war bie Oberlaufi^ ber bifdjöflidjen
Diöceä ^reelau utgeredjnet werbe«.
(£in erneutes Sittgefud) würbe von ben genannten beiben
Sürgem am 20. Dftober 1826 eiugereid)t, jefct aber beim
s3Äagtfrrafe nnb jte ftellten ihren Antrat) barauf, ein ^rivatlofal
anfaufen unb barin eine Jlira)e unb Sdjule eturtd>tcit 311 bur-
fen. Diefe Sitten bewirkten, baji Äönig griebrid) Sßilfyelm III.
burd) töabinctöorbre vom 24. September 1828 bie (£iurid)tung
einer farr)t>lifd>en Jfavelle für bie Alten unb Srf)wad>en erlaubte,
a^ierju würbe von ben Jtatljolifen ein Vofal in ber Jttiföel*
gajfe, $u beut $anfc ©ebergaffe fto. 44. gehörig, gemietet,
imb ber ©otteebienft, weldjen ber Kaplan von jauernirf be*
forate, am 27. Deeetnber 1829 bort eröffnet. Salb trat bie
geeignete (Gelegenheit ein, für bie fird>lid)eu Sebürfuijfe ber
fatf)olifd>en ©emeinbe in (Mörlifc vollftänbig ju formen. 3>ec
Sau ber Strafanstalt würbe im 3- 1830 auf Staatffoßett
ausgeführt. Wadj ben für alle vreup. Auffalten ber Art be*,
ftcfycnbeit Sorfdjrifteti muß in jeber berfelben bafür Sorge ge-
tragen werben, ba£ bie barin betinirteu Sträflinge rcgclmäßu
gen ©otteöbienft abwarten unb ftd) ;u jeber ^dt beS geiftli*
ct)en 3"fp™d)e erfreuen fönuen. 2)a wenig Äatl)olifen
in ber Auftalt waren, um einen befonbern ^>auSgeiftlid>en
beöbalb an$ujtellen, fonntc l>icr auf ben (Mruiibfafc jurüef ge*
gangen werben, in foldjem galle bie Seelforgc beut DrtSgeift*
[idfin gegen eine Sergütigung 511 überlaffcn. ' Diefeä Sebürf*
nif bot ein fidjere* Littel bar, bie Abl)äugigftit ber fatfjoli*
fd)en @emeinbc in Öörlifc von 3fluernitf $u befeitigen unb ba*
burd), bafr ber für bie Auftalt notlnvenbige £au$geiftlid)c jum
*ßarocr)u$ ber DrtSgemeinbe mannt würbe, für bie ledere
einen georbneten ^arod)ialtuftaub bervoqurufen, uttb bem ©eift*
lta>en vollftdnbige s4*arod)ialgered)tfaiite jujuwenbeu. $ie 31t
biefem Sefjufe gemalten Anträge bewirfteu nun nacfjftefjenbe
äabütetdorbre :
„3* bin unter ben nad) 3r)rem Sendete vom 22. b. 9».
obwaltenben Umjtäuben, bamit einverftanben, bafj ed am jweef*
mäfjigften fein wirb, bem Sebürfniß ber Strafanftalt für ben
fadjolifdjen (Sultu* unb Unterricht burd) Aufteilung eineö eige*
Vt\<!hWt »on «öcU|. 37
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neu .s>au " m\l t '1 i ubcit a hu helfen, wetöem zuglcidj Da; fatholiutc
©otteöbienft für bie (üuwobner ber 3tart *u übertraget! nur
beöbalb von ber qetftltcf>eu Dberbebbrbe bte ftafultäten eines
wirflidjen ^farrcrö beizulegen Hub, Der in ©örli& feinen be-
ftänbigen SBobnfifc ^at uub mit ber *Pfarrjtclie in ^anernief
in gar feiner $$erbinbung ftebt. tiefer Einrichtung evtbetie
3a) um fo mefyr sJ0ieine Genehmigung, alä bie ftebtifjm betf
Älojierä sA\\iiientbal ;uv 93efolrung ber neuen Stelle, auo bem
3(erar ber Äirdje in 3anernicf, alä Patronin berfelbeu bereite
ifyre 3 uftimmung gegeben bat, uub auf foldje Viw bie £ traf*
anfialt zu ®orli$ mit bem erforberlia)eu (Meiftlia)en verfeben
werben fault"
Berlin, 19. Juni 1832.
(gez.) ftriebrid) Söilbelm.
An bie_ 6taatöminifter
Ärei'berr v. Vlltenftem n. Freiherr v. 33renn.
Die Ausführung biefeö ty[an§ würbe ^unda^ft burd) drin- .
fprud) ber zur Jauern irfer tatb. ^ird>e gehörigen, " gro^cntbeilö
evangelifdien ^evölferung gewintert, uub fonnte erft bewerf
fteüigt werben, alö bem "JJlane ber Regierung, bie Patronin
von 3auernirf, bae Äloftcr 9Harientbal, babin zu bewegen, zur
^egrüubung einer evaugeltfayn ^arod)ie für jene (£mgepfarr-
ten auö bem 3üuernirfer &ird)envermögeu beizutragen, vom
ülofter SHarientbal beigetreten warb. s3iad) 3ablung eined Äa^
pitalö von 20,000 £l)lrn. zu iÖegrüubung be6 ^irct>fpiclo
ämmerwifc erflärten bie einmal* zur *l$arod}ie 3iuernicf. gc^
börigen @vangclifd?eu alleJbre Anfvrüdje auf baä 3auernider
Äircbenbermögen erlofdjen, fo bap bie Aebtiffin nuumebr über
bejfcn Skrweubung für bie zu begrüubenbe s^aroa)ie in <$örlib
freier biäpouireu fonnte. Daber würben nun im November
1834 burd) ben Negiemngäratb v. ^inrfelbev leiten* ber fö-
niglicbcu Regierung weitere Skrbanblungen über bie neue ^a-
rodne mit bem görlifcer DWagiftrate, welker bei biefer Gelegen-
beit erft itenntnin* von obiger Äabinetäorbre erlu'elt, angefnüpft.
Am 16. 3anuar 1835 würbe burd) Regierung* ;Neffrivt bie
fatyolifdjc ^aroa)ie für errietet erfldrt unb in bem ^roflama
bie Äabinetöorbre vom 19. 3uui 1832 publtjirt Der Kaplan
(*tiüer (geb. 1804 unb zum ^riefter orbiuirt 1829) aus 3au«r<
{tief würbe bierfelbft 1835 erfter Pfarrer, unb na^m ©örlifr zu
einem ©obufi&e. 9»it feinem Amtsantritte würbe bie feil
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tem 19. Mai 1828 befteljenbe fatbolifdje ^rivatfdjule, am
2. April 1835 jur öffentlicben fatf)oli|d)eu £d)ule erhoben unb
erflärt.
£>a bie Jtapeüe §lu befc^ränft an töaum ift, bemühen
lief) bie bieftgeu Äatfyolifen barmn, eine ber fjieftgeu nic^e reget-
mäfMg in Anfprud) genommenen Jtirdjen }uc Abhaltung ihre*
GtottedbicnM $u erlangen, ©eil jeboety bie 9Nttbenu$üng bet
Jraucnfircbe bei ben bectyalb im 3.- 1834 gepflogenen Unter*
l>anblungen abgelehnt wovben war, wanbteu ftd) bic ©liefe ber
Qemeinbe anf bic ®t. Annenfirdje. (£3 würbe if>r aHdj *n
Erlangung berfelbeu Hoffnung gemacht, unb würbe ftc folcfye
gern angenommen haben, wenn nidjt bie Seftynaj^me bed
s3öaifenbaufe$ *ugleid) Seiten« ber otabt alä ©ebiugung ge*
Hellt worben wäre. Die nähern ©ebingungen geben and
einem ^effripte be$ MtuifterS ber geiftlicbeu Angelegenheiten
an ben bamaligen Aoininiftrator beo ©ieUbumö ©reolau, $Beib*
bifcfyof Vfatnffcrf vom 12. 3nui 1844 hervor, nämlid): „baf*
ber Stabt bnreb (Erweiterung ber Xhorpaffage unb Abbrud)
eined £beil$ ber Inncrii 8tabtmauer mehr ftaum ju einem
nenen @djulgebäube, we$n biö je(jt batf Siniifenbauc* benufct
werbe befebafft, unb wegen ber ^Wel)rfo|len-fnr bie bann nö*
tbig werbenben Neubauten eine (£ntfd)äbigmig*fumme von
60,000 $hlrn. gewahrt werbe." Der äRimjta. rietb in bie*
fem SÄeffripte felbft, ba ftd) alle ©emübungeu ber Jtatbolifen,
eine ber cvangelifd)en ,Rird)en nun (Mottc^ienftc eingeräumt
\n erhalten, vergeblid) r)eraii'>rteUteu , ba auf baä Autragen ber
Stabt in betreff jeuer 60,000 Xf)lr. wegen Jg>öt>c ber gorbe*
mng nicht eingegangen werben tonnt, ebne baö $Batfenban6
bte tfirebe aber nuM abgetreten werbe, eine neue iiira^e $u bauen.
£>icä war benn and) Anficht ber geiftlicf)cn Oberen unb
QJemeinbe. @$ würbe ber 93au einer Mixtbc bcfbtitft) befchfof*
fen unb bie nötigen Littel burd) ben (Ertrag einer am 12.
November 1847 für <5<hlejten auegefd)riebeuen Äollefte ergänzt.
2>er Äircbenbau felbft wirb noch im 3- 1850 begonnen werben.
93aupla$ fft ein ©artengrunbftütf an ber $ßebertborftrafje,
&wif*en ber Oberfable unb bem Sefniftenwege.
37*
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©ertönte* ®*p\M.
DieStabt von Demi ani1* lobe bi* auf unfere X age*).
3m 4pinblicf auf t>te wenigen 3af)re, weldje &ii fdjilbern
ftnb , auf bie $äbe ber Gegebenheiten, bie mitl)aube(nben
$erfonen, fann hier im 3ntereffe ber Uuparteilidjfeit nid)t ber
(9ebanfe vorliegen, eine vollftänbige DarfteUung biefee aud>
für unfere £tabt infyaltfdjweren 3*toa»nic* $u geben.
fann tml)er nur ber si>ollftänbigfeit wegen eine gebrängte, fo
objeftiv alä möglid) gehaltene lleberftd)t ber ßufcänbe unb (*r-
eignijfe vorgelegt weroen.
5) er iob tec* £^>erbürgernieiftertf Demiaui bradjte für bie
Verwaltung ein Interregnum von einem 3al)re, wäfyreub bef?
fen ©tynbifutf fiifd>er bie Sü$ci beö <Stabtl)au$l)alte$ führte.
Die lange (Edjwanfung batüber, wann ein Definitivuni in
$kjug auf bie oberfte Leitung ber ctabt eintreten werbe,
Würbe buret) einen unterm 29. $Xär* 1847 erlaffeneu «fiabinetä-
befel)l ©r/SRaj. be* icönigä bafyiu erlebigt, bap Oer von ben
StaDtverorbneten jur SBafyf unter Drei ÄanbiOaten vorgefdjla*
gene ©ürgermeifter 3od)manu gu ^iegnifc Mim £>berbürger?
meifter ernannt würbe. Diefer ,Jtabinet$befel)l enthielt au fei-
ner Spifce bie (vrfyebung ber ctaDt ®öxii$ in bie föeifye ber
grofjen 6täDte unb beftimmte, bat? ber ältefie ber fogeuannteu
gelehrten (anf ber Univerfttat gebilDeten) 9ttagiftratämitglieber
— l)ier evnoifud gifdier — ben litel „$ürgermeifter," bie
übrigen „etaoträtlje" führen follten. 91m 8. 3uni 1847 l)irtt
nun Dberbürgermeifter 3od>mann in tforjlfurtl), — bem erfreu
auf ftäbtifd)em (Gebiete gelegenen Dorfe — von einer gemifdj*
ten Deputation bee SOiagiftratö unb ber 6tabtverorbneteu tyer^
lid) empfangen, feinen (Stnjiuj in ÜJorlifc. »uf bem bamal*
nod) befteljenbeu Jnterimobafjnbofe §u $enner$borf — bie nie^
berfd)le|lfd) • märfifd)c 3weigbal)n von ^or>lfuvtl> nad) ©orlifc
war im £erbfte 1846 biö an ben genannten £)rt bem 33c
triebe übergeben worOen ~ begrüben viele SBürgcr ben 8u*
fommenben, weitem bann nod) flbenbö in feiner Sßobnung bad
©ymnaftal;6ängerd)or unb bie Bürger Capelle €erenaben
•) £ier ffnb *oqua*n>eife Duetten: bie Solange be* «ort. S(nicu
der* 1846-1850. 2>a* 91. 2. SWagaj. in f. ^roSif.
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brachten. Tic (Sitifiibiima des neuen OberbürgermeifterS durch
den !)iea,ierHna$rath von Meltau au$ Viegnifc, am '22. 3uni, 1
be$eid)net tuglcirt) Den faftifctyen Eintritt von OJerlifc in die
Mtcibe Der großen Stätte, jedenfalls ein denfwürdige* Greig-
niß. ^u dem feierlieben ^oftamatienö VHlc waren auch die
Ortflrirtner der vielen gerlityer Dorffdjaften citirt werten. tÄuf
dem mit heftend, Jträn^en und Sahnen versierten großen Saale
deä ftathbattfeft, wofelbft Die Siebter mit allen ftätttfeben 9ebör>
den und Beamten verfammelt waren, begrüßten begliche ©orte
res Stadtverordneten * ^orftetierä Reit. Sdjmidt, den neuen
Dberburgermcifter, bevor er den $Mirgereid leiftete. hierauf
leitete der Wegieriutg^ommiffar die ^tapflicbtung de* Ober*
burgermeifterfl auf feinen flmtöetd mit einer gediegenen Wede
ein, in welcher er befonder* daö ,£od> widrige diefer Momente
für die Stadtfommun fyeivorbob, und A.ugleidj die durd) de$ Äö-
nigö tWajeftat vollzogene ©eftatiaung$-Urfunde uebft der Stc*
gierungS 's£eftallung übergab. X>er £)bcrbiu\]ermeifter fnüpfte
hieran ergreifende ©orte über die Bedeutung feineä neuen
$mted, und wie er e$ im (Meborfam gegen .Honig und ?Ke-
gierung, in l*t)tfurd)t vor den ©efefcen und treu feinen ge* •
fd)worenen (£iden nad) allen feinen Gräften w führen gedenfe,
wonäd)ft Stadtverordueten^orfteber gerd. Sdmtidt die 3ntro
duetionfl-^erfyaudlung mit einer XHnfvradje fd>loß. 9Jcittag3 um
11 Uhr war auf dem Obermarfte Parade der 'iöürgergarde,
um 3 lll>r ein Diner im föeffourcenfaale, EbeudS au mehre-
ren Crten von der Stadt veranftaltete Xan^nuftf und 9att
der $ürgergarde im fltyein £ofe. 600 kirnte wurden auf
Soften der Stadt gefpeift. Das ©vmnaftum überreid)te feinem
neuen Kurator ein lateintfd>e$ (Samten in Difticben*). —
#uf dem ikreinigten Landtage ju Berlin war die Stadt durd)
den ;)uftMratl) und «andfvndifus Sattig, fowie den föatl)äf)errn
Seilermftr. Prüfer vertreten. Durd) jenen Landtag erhielten
aud) 53efenu(n- de$ 3udeutl)um$ 3utritt $um SBürgerredjte von
*) Tie £ctii\itipn lautet: Viro Jurium ConsuJtissinio av Doctis-
simo Aenothro Jochmann. Urb» Consuli Superiori H tiymnasii Cu-
ratori Aiii|ilis*imo . AV/uif» ordittis rcrjii de arptila rubra iertiae ctassis
cum lemnisen, mtinrra sua fHiciter auspicanti famla rptwpie pie ap-
precalur, Koctor et 'Kollegium inajzistronmi Gymnaiil (»orlicensis. —
A d. X. Calendas Jui. anni'post Christ, not. MDCCGXLY1L 3m gört. 9tn--
$ria,<r vom fclgenbnt %a$e erfdjicn eint beutfrf)* Uebcrtraa,uii8 be* CJebidjtö.
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06r(t$, nac^bein llc über 4(H) 3abre bavon audgefcfjlofffu ge*
voefcn*). T>ie 3irii'£abtaer4*Orbre von 18 17 fteUte e6 Den
StaM&etorbneten , aitljctm, ihre Südlingen öffentlich ju i)al«
teil. Tie görlifcer £taDtverorDuereu faßten Den betreffenDen SBe*
fdjlitp am t. September 1847. £a lief} aber Der Umbau De*
neu erworbenen «£>aufeö, Untermarft 9fo. 261;, in bejfen inne*
rem üt)et(e mau Den 3i$ung6faal (>erfteütef bi$ in ben Som
mer 1848 fyiiuog, founte Die erfte öffentliche Sifcung erff am
25. Stapft IH 48 abgehalten unb Durch eine Die 2öid)tigfeit
biefeö Sreicjnijfce tu feiner 93euehung auf baä ©emetnbelebcn
beleudjtenbe anfpreduMibe iWebe Deä Oberbürgermeister 3o*mann
eröffnet werben.
9m 8. Hupft 1847 fam Die erfte fächftfehe Sofomotive
auf hieftßem $abubofe an, ein Üreignip, weichet* eine ^eitere
3ufammenfunft im ?KI)einifd)en £ofe veranlagte; ferner rourDe
am 25. Stapft |nm erftenmale Der grojje ^iaDuft befahren,
fo Dag Die (Iröffuung Der fäd>f. fd)lef. (§ifenbar/n uuD Der nie*
Derfchleftfdjcn Zweigbahn in iljrer ganzen £änge biä ©örlü)
am 1. September 1847 erfolgen fonnte.
&a* ereignisreiche 3al)r 1848 brachte mit Dem l.gebruar
Die mehrfad) gebaute neue tfirräenorbnung**), unterm 6. ÜHärj
ba$ neue SSauftatut***). Die ^eftimmungen Deffelben betreffen
Die fübiveftlid)e gtorftabt unD jumr fen tBe^irf von Der bauener
6trape bie an Die Obermühl berge, vom Bahnhof bic3 auf Den
Sahmhof unD Da* sBeberthor. Tiefe* ^reffft lef>nt tieft tyfttJ
an beftebenDe ^erfebreroege an, tljeilä jeidMiet ee neue vor.
Tre $aupt|trapen unter elfteren werben: Die 6alomon*gaffe
biö an Den Irennungtfpunft bei Der fletnen bieänifcer 6tra$e
unD Die lefctere bi* an Die ^aftnftofeftraHe, Die 3afob$gafie,
Die Jtohlgane, Die commergaffe. gür fie ftnb 32 gu|j galjr*
breite unb 12 gufj Xrettoire qngefefct, rrähreuD Die 9teben*
jhapeu: Äroelögaffe, änftgaffe, aXühlweg, £al)le unD ttfym*
gaffe auf 20 gnp galjrbreite unb 12 gnp Xiottoir* beftimnit
ftnb. Nad) Dem ^eDüifniffc neu anjulegenbe (Straften follen
unb jwar als £auptftrajjeu mit gleichen ^ebinaurtgeu wie
oben; 1) Die 3öebertl)orftra»e (vollenDet), 2) eine Strafe vom
31*. 141 ff.
••) <S. 412 f.
,-#) 20.
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3)emiampla$e burd) 9fo. 445/446. in füDfi*er iHid^tunf)^ mu
terfym in $wei $lrmc geteilt, bereit einer auf bie Äubgaffe,
ber andere auf ben bereinigungSpuuft ber Äufygajfe mit ber
ßrocltf gaffe auömünbctj 3) voll ber Salomontf gaffe na<fy
3afobdijaffe buta) sJ?o. 817. (vollenbet); 4) Die &af)nf}ofSfrrape
(vollenbet); 5) eine Straße von ber 3ah>bögaffe nad) ber
Jiofjlgaffe tängö befl neuen 3Rarfte$; 6) eine Stvape von ber
Jtor>lqaffe bei $o. 823, utr SommiTgaffe sJ?e. 81/, gelten.
3u Sieben ftrapen ftnb auScrfebeu: J) eine Straße vom Ka^nu
bofe in ber ftidrtuug vom SMarftalle Ine» &um Sd)ü$euwege,
ivo berfelbe mit bem $)hil)lwege uifammenfällt; von ber^roel^
gaffe naa) ber Salomonägaffe burd) sJto. 855. b79. ; 3) eine
iterlangerung ber 33 a r> n l> c f ö ?t r a 0 c nad) ber ^cbnuiane; 4) eine
Straße von ber Jtofilgaffe Wo, 826. btö $ur Sommergaffe
9Jo. 813.; 5) eine Straße von letztgenannter nad) ber ßetym*
gaffe; 6) eine Straße von ber Sommergaffe 9to. 827b. bis
auf bie ^lomeuabe. 53ei beu über bie £ol)lgaffe fytuauö lic*
geuben Strafen ift nur ein ;}aun nl ber Straßenfludjt, aber
tiidK ber ^au ber «£>dufer, wie bei beu übrigen, an bie Straße
erforberlia). Die Käufer fönuen bort beliebig in bell (harten
Ijintingefe&t werben.
3&emt fd)ou bie ^?aa)ria)ten von ber neuejten parifer die*
volution eine gewiffe Spannung in bie (Memiittyer ber (Sin-
wofynerfdjaft gebracht Ratten, war eö natürlich, baß bie am
19. -ättärj auf ben glügeln betf Xampfetf eingetroffene Äunbc
von ben Vorgängen in Berlin eine bebeutettfce Aufregung r)ier?
feibft tyctvorbvingeu mußte, weldje fonft mit beut nun gu bc-
rut>reut>cii (Sreigniß feinen 3"fammcn^al1^ l)attc-
2)ie Xbcuerung be$ Mnterö 1847 ju 1848 unb ba$
Mißtrauen Seitens ber $)Jenge gegen bie sJteblid)feit ber 93dtfer
fyatten fdioir wodienlang ba$ @3eriid)t im ^ublifum erhalten,
man roerbe bie SBärfer ju jüduigen wiffen. $lm 2lbcnbc be$
19. fam biefer SßCatt |nr 2luöfül)iuug. (Sin erft in ber Dam-
merung an beu Straßenerfeu, ber Beruhigung wegen veröffent-
lidjteö magiftratHalifa)e3 ^lafat: „Se. sÄaj. ber Jlontcj Ijaben
bie (finberufung beä bereinigten £anbtag$ befdjlcuuigt, s^reß*
frecf>ett bewilligt unb eine (Sonftitutieu verbeißen erregte viel
Äufjc^it. 33alb naa)l)er fal) man ^eute über ben Dbermarft
unb bie S3ntberaaffc l)inablaufeu unter bem Stuft: „^reßfrei-
rjeit! ^epfrei^ett! $iö jeft ftnb wir gepreßt worben, nun woU
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len^ wir treffen !" Diefee s3Jfttwerjtänbn!ti würbe ron mehreren
hieben benu$t; jte begannen an mehreren Stellen bie fcäben
ber 33ärfer $u bemeliren, unb vergrößert burd> ©leid)gejtnnte
mit Neugierige fcbwcll bie 2 vtaav ber (£rcebenten balb ;u be-
ttiiflutcn Raufen an, weldu ungehindert von ber Bürger =
fdjaft, bie ita) vielmehr über bad ben Bädern wgefüate sDtip-
gefd)id freute, bie gegen 9 Ubr ungefähr 17 $ätf erlaben be-
meinten unb blünberten, nebenbei aber and) anbere @egenftänbe
alv 33adwcrf ttablen, wie bie Unterfudumg ergab. Xa bie
alarmirte 93ürgergarbe nur äuperjt fpärlid) unb langfam er
fdjten, eine ^Miicbtwgejtenbeit, welche bureb bae 3**1^ tog,*1*
ber Vllarmtremmein vBeitenö ber Xumultuanten nur eintaerma
t?en entfdjulfcigt werben fann, würbe in bef neunten v^tunbc
bae fünfte ^ägerbataillon requirirt. &ud) ba verfudjte man
an einer 3 teile ben y-un nuten am Olafen ui binbern, bod>
genügte fdjon ber Sllarm bed sJ)?ilitäre, bie Müßiggänger nach
^aute ;u füljren. (9egen 1 1 Ufyr war bie »Äu^e in ber 8tabt
wieber fyergeftellt. Xie am anbern bergen jtct>tbare 3erjtiM
rung bed ^igentfyumS friedlicher Bürger, ber 33anbalidmu$,
mit welchem bie eingebrungenen Räuber mit Herten unb Zv\r>
Warfen geufterfreu$e f?erauegebrod)en , Xbüren eingefcfylaaen,
£5efen unb 9)föbel zertrümmert halten, ber bebeutenbe Um-
fang bed geftoblenen QJutcey brachten unter bie am 19. nod)
fo tr)eilnar)mlofc $ürgerfd}aft bie Regungen von cebaam unb
&ngft. ?i$ou £a}aam, weil ein geringem energifebeä liinfajrei
enr $u welchem einzelne ©ruppen von bürgern unb (5inwoI)>
nern mebrfeitig aufgeferbert werben waren, ben bie öfjre bei
€tabt beflerfenben 3faubal jweifelloä unterbrütft fyätre; von
&ngft, weil fie für il>r (Figentfyum ernfte SBeforgnijj ;n Regelt
begannen, l'efcterer Ümftanb bewirfte, bap bem im fcaufe beö
20. sJRäx\ gebiloeten 6d>u$verciu fta> beinahe ^ebermanu an-
fd?lop. Der am 2Q. November 1847 au* 2Ätiglie*eru ber
verfdjiebenften 8 täube utfammengetretene Sunt« Hnb Dtettungö-
verein, weldjer bem äRagtjfrat in 93cjug auf ba« geuerlöf*=
wefen fa)on früher feine Xienfte angeboten unb aua), barin
(Mewäfjrung gefuubett biaüe, bewaffnete fiel) unb trat vbetn
Souveräne bei. Xiefcr 8dm$wcin blieb jebod) nidn länge
in feiner ffoitjtjtata bettelten; mit bem ?Huf Ijbren einer umnit*
telbaren ©efaljr \vnxt>tn bie 2öadjen immer fdpäeter befugt,
enbfia> nur ein .Kern bei fräftigeren unb jüngeren Bürger
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fturürfblieb. Diefe bilden befonbeve Äorp* Ritter bem tarnen :
Bürgerwefyr. tfefctere bcftanb im Vluguft 1848: a) and ben
$wei Äompagnien Der ^ürgergarbe, b) einer brüten ifcompagnie
(ohne £elm unb $ürgergarbenwaffemotf), welaV jwar ftct>
gleid)mäpig, aber rein bnrgerlid) 'foftüinirte unb frfnvaqe
wttytn trug, c) ein Äorpä £a)arffd)ü$en (mit ben (Srer&tcr*
büd)fen be$ bieftgen ;$ägerbataillon$, fpäter mit eigenen Spifc-
htgelbücbfen unb £irfd)fängern bewaffnet), d) ein MctyQ Xur-
nci , gleid)mätiig in Xnmergrau mit grauen Ai lehnten bef leibet,
unb ©äbeln bewaffnet, 511 bereu flnfdjaffung irjnen von ber Stabt
ein 3«(*«P 100 Iblrn. bewilligt war, eublid? 0) 30
9tam berittene SMirgerweljr. SllleS in «Kein motten 1000
v3)fanu 35ürgerwer?r bewaffnet fein.
flue beut Sdjuövcrein verfHdjten mehrere Beamte einen
allgemeinen ^ürgerverein ju bilben, beffen £aupt$werf $el«l);
rHiig über bie politifd)en grageu ber ©egenwart fein feilte,
tiefer iyout warb jebea) burd) einige £d)reier vereitelt,
weld)e mit Anregung partifularer, in it)rem befdjränften ©c*
fiebtäf reife lic^euber, meift lofale unb perfonlidje Skrr/ältniffc
berüfjrenber fragen ben wißbegierigen Bürger jenen mit
jebem läge tumultuarifd>er werbenben ^erfammlungen ent-
frembeten'. Der vom Z aale be* braunen $irfd) nad) bem
Soeietätsfaale verlegte herein würbe bafjer immer fdjwädjer
befuajt, unb braute eine vollige Spaltung in per ©emeinbe
hervor burd) bie Anregung beö si$erfua)$, gegen bie iKürffef)r beä
grinsen von ^reujicn &u proteftiren, unb burO) ein 9Rißtranen$'
votum gegen Die t)ie|tgen Stabtvererbneten. (irft genannter
auf SBiterfprud) aufgegebene 3$erfua) unb eine tflbrejfe an bie
^Bürger Berlind, berreffenb ben 93erenb$'fa)eit Antrag wegen &&*
erfennung ber Revolution, vollenbeten bie Spaltung. Die
ledere Hbreffe veranlagte eine ©egenfunbgebHng ber anbereu
Partei, unterm 18. 3unt 1848. Diefe Partei eonjtituirte
ftdi ju einem Veteranen -herein,, im December baneben $u
einem herein für gefefclidje gretyeit Hub Drbnung. Die Partei
im 33ürgcrvcrein, wcld>e fia) vorjugSweife mit ftdbtifa)en 3«'
terefjen befdjäftigte, fd)ieb au$ bem 53ürgervcrein au$, unb trat
unter bem ganten: „Deurfdjer herein" jufammen. Der 93ür*
gerverein eonftttuirte fiel) am 29. 3nli neu, bat, gleid) wie bie
übrigen Vereine mehrere treffen, nameutlid) aud) in ber SRo*
vemberftifte verfaßt unb fidj haa). feiner Umgeftaltung meljr
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mit allgemeinen pofitifcbeu ^ntereffen befdjäftigt! (5r ift erft in
ber Waipeitofcc 1849 etii^c^angcn. (5in vierter herein trat
unter Dem Kamen: „'Jtolftifcbcr herein" im fluguft J848
fammen, voruiglid) um bie Sageäfragen wiffenfd>aftü<$ ui be*
hanteln. Ted) brachten fic sJcouemberereignine uub nod) mehr
bie ^anuarwablcn 1849 eine (Spaltung in benfelben. Ter
übrig gebliebene l^eii feiner SKitgliebcr trat im -April 1849
bem Kirgmereiue bei. 3o viel über bie Vereine, beren fpc<
gießt Pantfterifttf au* oben erwähnten @rünbeu jefct ned>
nidjt gegeben werben fanit.
Xie Äufforberting ber breftlatter etabtbebörben, gegen bie
(Einberufung beä ^weiten bereinigten Vanbragö ui proteftireu,
bewegen bie bieftgeu £tabtbef)örben am 27. äR&rg Sr. 2)Jaj.
eine itbreffe überreichen laffen, worin gebeten würbe: „baä
SBaWgefrfr fiir tie Vertretung be$ Volfee eorerft im verfaf*
fungöiuäfiigen 2öege burd) beu Vereinigten fcanbtag beraten,
baffelbe aber nur proeifortfd) gelten $u laffen, biö bie auf
(Mruub reffen anberweit imD fd)leunigft ein$uberufenbc Volfä*
Vertretung ein bepnitivetf ^al)lgefe(j uigleid) mit ben übrigen
Verfafümgtfgefefcen beraten habe." 3>er 5Jlufd)lufj ber etabt
an ben », s£üloW'£ummerewfd)en Verein |u Berlin würbe
im September aufgegeben, al* bie tiefer liegcnbeit t}(b|lditen
jener ^Ibelö^euniou in ein helleres £ia)t traten. Von politi-
fd>en Jtunbgebungen ber 33er)örben ftub nod) eine Äercffe ber
<Stabteerorbueteu an bie 9tatieual*Verfammlung vom 12. 9?o*
vember 1848 itttc eine ^treffe beo ättagiftrato an £e. *Raj.
beu Jtönig, vom 18. Wevcmbcr 1848 anjumerfeu. 8f(0 aucf>
in biefiger 6tabt wegen beo bma) bie Wational^Verfammluna,
auägefprochenen 3teucrverweigerung3*Öefd)luffeö grope tflufre*
gung herrfdue, fudjte ber SNagiftrat, bem ju Cfyren gefemmen
war, Dap (Betreue mehrerer ^erfonen eine gewaltfame 53e-
fdjlagnahme ber fertigt Äaffen beabftdnigt werbe, $u befürd)
tenben Üumulten baburd) vorzubeugen, ba£ mehrere fenigl.
Äaffen im (iinvcrftänbniffe mit bereu Verftänben auf bem
9iatl)r)aufc geborgen würben, um bort burd) bie 33ürgerwel>r
bewaa)t w werben. 9cad) wenigen lagen würben bie fenigl.
Äaffen ohne irgenb eine Störung wietrer abgeholt.
S3ei ben jßahlen für bie preujj. National 'Verfammlung
würbe 3ufti$rath Utted) unb nadjbem biefer fein 3)canbat nie*
bergelegt, im 3uni 6tabrtatt) Höt)ler, uim (Stellvertreter:
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*_
3ufti$vatf) € artig, für tie teutfche National ^erfammlung nad)
granffurt a. R. aber, bei welcher Statt mit l'antf reift (työrliö
vereint wählten, Dr. med. Sdmieber au^ (*)örli$ jhih Slbgeorb*
»eleu, ^aftor Xrabert in Staufs« jum Stellvertreter ernannt.
3wei großartige 93räute in ter l)iefigen föniglidjeu Straf*
anftalt fonnten glnrtticbcrwcit'c ohne weiteren £d?at)eit für feie
Statt gelöfd>t werten. (*ft fdjeint angemeffen, hier etwa* nä*
fyer auf tiefe geuerftbrünftc einutgefjen.
Um 28. Mai, $iadU0 1% Uhr, ertönten plöfcltd) Die
Signale teö geuertärm* mit $ugleid> eiwerfte tie 9cad)rid)t,
ter *3rant fei in ter (Mal. Strafanftalt, tie allerbegrünbet;
ften ^eforguiffe, tap mit #nfaa)ung tiefet geuerft ^u^leic^ ein
gewaltfamer Üuftbrud) ter «Sträflinge beabfufytigt wäre. Da--
|Jer eilten auf tiefe Sd)redeuofunte alle 33ürgerwehr- Jtorpft
neben ter rner jurürfgebliebenen 1 . Kompagnie 5. ^ägerbat.
unt einer fombinirten Kompagnie teä I. S3at. (Qiörlift) ti.
2antwefyr Regiments — tie 2. ijägcrfompagnie imt> t>ie übri*
gen 2autwebrmaimfd)aften waren in ter ^roviuj tyo)tn — ,
auf ihre Sammelpläfce unt nmftellteu in s-BerbinDung mit je-
nen Gruppen taft gau$e C^ebäute; uigleid) traten tie Sd}u£*
mannfa)aften an teu Xfyoren uut ihren iÖejirfen an, unnüfce
3uläufer absperren. (*$ brannte im ©aale ted nörtlidjen
glügelö bod) unter tem Dadje; in furjer $e\t waren alle
2)aaSräume in ein geuermeer verwantelt, ta taft geuer bort
3üntftcff an $ol?vorratb unt anterem Material fanb. tiefer
glügel, weldjer oben Sd)laf- unt unten VlrbeitSfäle enthält,
uut im lfrtgeja>t? überwölbt, ietoa> mit fteiuerneu Xreppcn
verfehen ift, war turd> S3rantgibel unt dauern von teu an*
ftonenten beiten glügel» beft im Wedjierfe gebauten «§ofeft ge*
fdjieteu. $eint borgen flu gel war tie OJefatyr am größten,
tenn hier befanteu üd) jwet Xburen mit £ol$umfcr?rot unt
ohne (£ifeublea> in ter 53rantmauer; ferner waren mehrere
halfen ter Tielung unt te$ Sparnverfcö turd> tie ©rant*
mauer gelegt, fo tap hier, nad)tem tie Otffmingen fdynell t>er^
mauert Worten waren, plöhlitt) taft geuer turd) jene $ol$*
verbinbung in teu gegen borgen befinblid)en glügel geleitet
wart unt tort an vielen Stellen tbeilft ausbrach, tfyeilft auft-
Wbredjen trotte. . SÖurte fyier taft geuer übermächtig, fo
fonnte baft Santfyauft geuer fangen unt audj tie fdjöue $e*
terftfrra)e in Me t)öa)j*e ®efaf)r fommen. $>urd> tie bewun*
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bern$würbtgfte VdioMun bei löfchenben Maurer, 3im|>erieale#
Sdjornfteinfeger mib ber *Kettiiit(|6maniiftf)afttit be$ Turnier*
ein* gelang e$, ba$ Setter )tim Sieben bringen, wobei ein
Ibeil bei Sträflinge böchjt ;wecf mäßig verweubet werben
fonnte. Die übrigen ^üdjtlinae wurbeu in ben 3cl'cl1 ttütec
ben ©ewölben festgehalten, oebon am 29. iWai fprad) ber
AVagifirat Den ^nlfebringern, am 10. i\imi bie fonigl. !Hegierumi
ui i'iegnifc ihren £>anf au*. — Xcr zweite, am 6. 9Jot»br.
1848, Äbenbä 7 Uhr audbrcd>enbe &ranb machte rwar gleich-
falls grofie ttnftrcngungeii erforberltcb, fonnte aber letd>ter ge-
lofcbt werben, ba bie tnjroiföett überall gebauten 3$ranbgiebel
ber Verbreitung bed abermals im cftlid^en Xt>etle wütheiiben
fteuerS bei! beften SBiberftanb entgegeufefcten unb feine Störung
ber l*ö|"4)eubcn eintrat, inbem bie >3ürgerwel)r in ber Stabt bie
lirhaltuug ber Drbnung auf ba* ÖMänjenbfte bewerffteUtgte.
flujjer bei biefen $ränben hatte bie $ürgerwehr aua>
einigemal Gelegenheit, |la> bei lumulten bewähren.
3m Sommer 1848 war ba* *Beri?ältniH berfelben noch
ber *lrt, bat* bie iwei Äompaguieu uniformirter 8ürgergarbe
unter bem tfommanbo beä Seilermeifter Prüfer, bie übrigen
ÄorpS aber Dura) freie SBafyl unter bem be* ^catrrermeifter
äiettfer jtauben, welcher im Allgemeinen alä Oberführer galt
unb )ui) befonber* Hm bie Dritte Jtompagnie, furjweg: 9&r«
geiwehr genannt, burd) liberale AudrüftHUg ärmerer Camera
ben fyödjft anerfennenewerthe ^erbienfte erworben bat. im
Wosember würbe bic 93ürgergarbe aufgelöft unb ald 1. nnb
2. Kompagnie ber $ürgerwei)r eingereiht, autt) ein Bürger-
wehrgerid)t für alle Abtheilungen eingerichtet, weichet jeb*cfo
nur wenige Sifcungen hielt, unb ba ihm weitere gefe$lid?e
Viuftorität bei ber ftetä prot>iforifa)en s49rlbung ber hingen
^ürgerwebr nicht $ur Seite jtanb, im 3. 1849 frühzeitig einging,
Die oben erwähnten lumulte waren am 20. Mai ein
Auflauf auf bem Deinianiplafce, in golge einer aua> hier
nachgeäfften fogcnannteu tfafcenmufif. (Sine Abteilung Sur-
ner bewirfte bie 3crftreuung ty* l'ärmenben. &l$ bei (£in*
fleibung ber Vaubwehr am 17. Oftober gegen Wittag ein
3ufammenlauf auf bem SDbermarfte eutftaiib, würbe aua) bie
vBürgerwehr alarmirt, fonnte aber ohne CSinfcbreiten entladen
werben, fta 1. November jeboeb mußte bie gefammte $üc*
gerwehr jur lluterbiürfung eine* Auflauf* serwenbet werben.
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589
cito ii am Tage ging baä ©erüdjt, ee fotte bem <8ete*
raneii*93ereiue, welker im ©aftljofe $um 3rrau$ btefen Slbenb
einen Appell halrcn wollte, eine JU&eumuftf gebraut werben,
ein llmftanb, welcher ben Oberführer tfiepler t>a$u betrog, bie
sJJiannfcf)aften ber «(pauptwadje \n verboppelu, mit $(benb9, alö
ftd) eine ungewöhnliche fcebenbigfeit ber Juanen geigte, bie
reitenbe 93nrgerwebr palrouüliren \u (äffen. T>ie in ber Näfye
bed (Straußes verfammelteu bieten ©tuppeu burd) 3Hfrrom
Neugieriger fortwäbrenb vermehrt, Drängten, fea feine <5iftHng
beö Veteranen-Vereine ftattfanb, auf t>eu mittleren Qcmiani«
plafc unb lärmten vor bem «^aufe be$ $Hagenbaitert £über$ sen.
Iu'kt rebete bie Tumultuanten mit erregten Korten an,
ite begannen nad) feinem «£>aufe mit 3 teilten \u werfen unb
Wangen bie anfcinmenben ^ürgerwebr-^atrcuillen, weld)e in
bem bieten ®ewül)le allen $alt verloren , inäbefenbere aua)
t>ie berittene 35ürgerwel)i buro) unauägefefctc 6teiimuirfe jur
Umfebr. 8htf biefe «ftuube ließ ber Oberführer 8larm fctyla*
gen. 5)er Turnverein, weld>er juerft am - ^al>lreid)ften auf bem
Samntelplafce war, wurte auf t>en Qemianiplafy fommanbirt.
2)ie 3Äenfd>enmenge (circa 800 ^erfoueu) liefi rie 60 Kranit
Turner bura)pafiheu, fd)lojj fte aber bann ein unb begann auf
bie beim 2üDerä'fd)cn «£>aufe ^tuf^efleUrcit ununterbrochen mit
©teilten ju werfen, fc baß mehrere Turner bewußtlos |H 55o*
Den jhirftten unb tu baö ^uberd'fa)e ,£>auö getragen werben
mußtet!. 3)a bie Sdtffcrberungcn beä Turncrführerd an bie
sJ)fenge, fta> naa) $aufe 511 begeben, frud)tloö waren, baö
eteinwerfen aber fortgefefct würbe, fontmanoirte er gum IMn*
grifft mit ben 6äbe(u, welcher zweimal wieberr;o(t warb unb
ben s4>la$ auf c. 80 8djritt im Gevierte oon -äNenfdjen fäa*
berte. 3Dod) würben bie 60 sJ9<antu ficti tiicf>t haben galten
tonnen, ohne jur 6d)ttßwaffe \n greifen, wenn ntdjt injwü
faxn redjtö unb Itufd &ürgerwet)r angerürft wäre, fc -baß bie
Tumultuanten auf brei 6eiten ine ©cDränge gerieten. Nad)
mehreren Angriffen ber 53ürgerwel)r würben bie Tumultuauten
in ber Dichtung beö äußeren grauentbon?, beo 9ial)mhof$, ber
oberen Üahle, ber 6teinga(fe verfprengt. in ber ©rübergaffe,
Scr;war$egaffenerfe, tnufjte ein Trupp tfärmenber nochmals mit
©ewalt jerfrreut werben, unb erft 9taa)t$ gegen 12 Uhr f ehrte
voüftänbige Nu^e in bie ©tabt jurücf, iu weldjer jur Vor|ia)t
bac* ^arrouilliren bi$ gegen 2 Uhr ferrgefefrt würbe. £>ie
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Jpilfc ber $ant>it>cf>v unb 2. 3äger*Äompagme, un*(d>c auf Dein
Cbermarfte uttC» bei ber ^etefSftraSe aufgeteilt waren, brauste
nic^t in ttufprud) genommen $u werben.
Seit biefer 3<it btd tu beu ÜXonat ;}lprü 1849 Kit bie
N^m qcnvcln regelmäßig taglid) iljre £anptwad)e am Unter*
marfte belogen, im $pril legten bie fämmtlicben äorp* bic
von ber Stabt empfangenen Waffen freiwillig ab, ba alle ©e*
fud)c um befinitioe (£onfiituirung ber ^ürgerwebr, welAe ftd)
niebt länger mef)r auf bem C%unbfafce ber ftreiwtlligfeit hal-
ten ließ, tdjeiterten.
21 m 27—29. Sluguft würbe oon ber ©ürgerwebr ein
fefyr r>eitere$ geft — bte angenebutfte (Erinnerung fyiejiger
5iabt au* beut jaljre 1848 — begangen, jm welcbem bie
tfommunalaarbett and Zittau, fcJobau, &au$eu, bie ©ürger
wefyr auö töeid)enbad> £V. , ¥aubau, Sdjöuberg, «eibenbera,
uub SHarfliffa eingelabeu wareu unb auefy fameu. (£in gro;
jje$ Surufdjanfeft idmmtlidjer biejiger lurner unb iwt*
nertttneti gab bem @*anjen mefyr $(bwed>felung unb ben (§ba*
rafter eineä ^olfefefted. $or bem »8d)tcfil)aufe waren eine
große Wenge $titi unb Stuben aufgebaut, welaSc $(benb6 int
fO)önflen Vampeuglaiue mahlten unb bei bei terraffenförmigen
£age riefen ^la$eä ein wa bv hart ma(erifd>e£ 5Mlb gewährten,
(^efang, Söajferpartfyien , fteuerwerfe, (Fencertc, »erfdnecene
^olfdbelutttgungen, altf 4patynfd)lagen, 6 tan anif lottern, %wn*
fpiele k. roedjfelten \ux (Erweiterung ber ^atifenbe von jw*-'
tbeilnentnern ab. £ae am 27. ^.Htttaqö mit einer großen
^ürgerwe^rpaeabe auf bem Cbermarfte begonnene geft enbete
am ^(benbe bed 29. mit einem großen ^atfeljuge. Xer <$eift
ber (Einigfeit unb ^rüberlidrteit leitete bie $al)lreid)en v£f)eilneb~
mer unb fein 3wiefpalt trübt .bie (rriuiternnq an jene wun^
berbaren £agc*).
Der 9)iagiftrat butte feit bem 3abr^fd)tuffe 1846 $ur
Rettung bed Inrnwcfenö einen Högling (5udeu$ ui Berlin,
90tori& 93öttcber, alä Surnlefjrer angeftellt. Diefer betrieb alle
*) 3it Um ©eilte tts ftefte* iit Pa* (frtraKatt ^um gört. Stnteia,"
»cm 31. Äug. 1848: Da* a*erbruPevuna,aKtt Per ?auft*tr in «örlifc, gf-
f einrieben, oon Pem necü @renu>lare in Pet ®ud)fyanPl. von @cttb. ieia^t
u. (Sc. fyicrfelbtl ;u ImI'imi fi np. Die CFilr , mit Pei Pie $efd)reiPuna aS-
gefa^t unP ßffefct narrten muffe, tvirb einige ftlucbtigfeiten im Stil entfdml-
Pig«n. (£*a,än$unge* ftuben jld) in ben „@drl. Snjtänben", vcm ©<tf. >. I84Ö.
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Soctattaitgeft mit großem (iifer Hnb fault* in ben SÖinter*
monaten 1846 311 1847 eruier Der Ijofjern $ürgerfd)ule unb
beä (&himitaftumd ju Vorturnern ein. 3m sD?ai 1847 war ber
fdjöue Xuruplafc, »tieften bie ©tabt bei* 3ngenfcwK im ®ar*
ten be$ 3afoböl)o$pital$ einsendetet Ijatte, fo weit rjergeftellt,
t>ap befien Eröffnung am 4. sJWai 1847 erfolgen fonute. $>ie
nnermüblicfte (Sorgfalt, wcldbe ber neue iurnlefyrer feiner
Schöpfung juwanbte, bewirfte eine fteigenbe Xfyeilnafyme an
beu Hebungen felbft nnb baä ebengebadne große lurnfeft im
X 1848 gab rem 3ntererfe fowol)l ber (Altern ald 6d)üler ^
einen newen $luffd)wung. (Sin Xurufeft beging noefy am 15.
3uli 1849 ber inrn- nnb $ettung$-siterein, weitem ber 9Äa*
giftrat bie 9)fitbenut$ung beo ^la^eö auf bie liberalfte $l>eife
gemattet fyat, bei Gelegenheit feiner gal)ueuweil)e. Tie Vater
ber ©tabt Ijaben burd) beu £ku einer im ^erbfte 1848 voll*
eubeten praftifeben Xnruljalle and) für ben Sali geforgt, bap
bie Witterung im Sommer baä Xurnen in ber freien 9fatur
hemmen follte. 9Bi6 ber im neuen (sduilgebäube projeftirte '
^Üinter-Xuru^aal vollenbet ift, wirb im SSBinter in ber fteit-
bahn be$ ©aftfyofS &um weißen Mlop geturnt.
Das Ver^ältnip ber @inwof)nerfd)aft sum Militär blieb
im 3. 1848 ungetrübt unb gab ftd> mehrmals bei 5Rürffef)r
von Iruppenabttjeilungeu au$ bem ©ropl)er$ogtf)ume ^ofen
burd) r>erjli^en Empfang al$ ein fcl>r evfreulidjed funb. 3m
November *1848 würbe bie ©arnifon turd) baä 1. 9$at. 8.
*?anbwer;r* Regiment* (granffurt) verjtärft. . Da$ Bataillon
war wegen vieler UebuugSmärfdjc im görlifcer, rotl>euburger
uiib fw^er^werbaer streife nur jeirroeife voUftänbig in ©öV
lt$. 3m Vorfrüf)liuge 1849 würbe ein 3J>eil ber ÜDJauufdjaf*
ten wieber entlaffeu. £er Äuäbrud) ber $tufftänbe in i)xtfc
ben, ber ^fal* unb SBabcn, unb ber Untftanb, baf* ein Xfyeil
ber bortl)in beftimmten ^ilitärfrafte unfere Stabt im 9)tonat
sJP?ai unb 3wni paffute, bradjte ein rjöcfyft bewegtes lieben in
biefelbe. ;£a3 5. 3ägerbataillon, feit jwantfg 3af)ren fyier-
felbft in ©arntfou, rürfte nad) Nabelt autf, ebenfo bie bier
ftcbcnbcit Sanbwefjrmänner 8. Regiment?. $(n($erbem mar«
fd>trteit burd) ©örlifc in ber genannten $eit bad 20. 3nfan*
terie^iKegtmeut , baö 12. £anbwef)i« Regiment, ba$ wriegener
£aiibwet)r> (35. SRefcwe*) Bataillon, baö ©arbe-ßaubwe^r^a-
taillon Stift/ bad 7 3nfanterie* Regiment, ba$ 4 Jturaffter*
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Regiment , eine öpfüubige reitenbe unb eine beflqleidjeu aw\i
batterie. $>ae 2. Bataillon 6. ganbweln*Regiment* blieb jh*
le$t in ber £tabt alö (*Jarmfon jurürf, eö würbe im ^erbfte
1849 bid auf 200 üttanit entlaffen, ju benen ne-ct) 200 ÜHann
vom fcöwenberger 5*at. beff. Regiment* ftiepeu. Da bae 7.
3äger'9$ataillon, welrfjeä l)ierl)er in ©arnifon foinmen foll,
auä feiner jeftigen Station Hamburg nod> nid>t eingetroffen
ift, bie sDianttfd)aften reo combinirten Bataillon* aber bie auf je
HM) Wann ctttlaffcn würben, trat bafür im tfuibjabr 1850
eine bi$ auf 120 infl. Stammmaunfdjaft entlaffene Jtompagnie
fceö ©arbe*2anbwebr* Bataillon* ©örlifc ein. Tie Cammer
t>e* 7. 3äger*$ataiUoti6 war im J£>erbft 1849 eingetroffen.
£ie neue 3uftij'Drganifation hat für ben görlifcer Jhei*
mit bem 1. flpril 1849 in'e £eben. Ter Bewirf be* in ein
&rei*gerid)t umgewaubelten fgl. £aub' unb 3 tabtgeria)t* gu
©örlio umfaßte nunmehr n) ben 8cgM be* bisherigen Stanb*
unb £tabtgeridtf*, b) fämmtlidje ^atrimonialgerid)te be$ gär-
iger Greife*, c) ba* ehemalige ^Wtrtmoiiialgeridu Jlunneio-
t>orf, (I) bie bieder bem fgl. £ber4'anbe*=©erid)te $u ©logau
unterworfenen ^erfonen unb Rittergüter. $ie ($rrid)tung
eine* (gcfywurgeiidjt* bierfelbft für bie Greife Rothenburg,
©örlifc unb Stauban würbe genehmigt in golges ber (Srftdruitg
ber görlifcer £tabtverorbneten vom 2. gebrueu* «4849, bafi jic
\\\ ben Slfftfen tf>rcn €i$ung*faal einräumen wollten. 2)tc
erfte öffentlidje Sffcuug. in (straffadjeu fanb, ba ber fner-m be*
ftimmte Saal im mmmeljriaen Ärei*gerid)t* * ©ebäube nod)
nidjt f>ergefitellt war, am 9. WM 1849 im Stabtverorbneten*
gofale ftatt; bie erfte Sifcuna bb* £d)Wurgerid)t*, buraj eine
bie 2Bid)tigfeit be* neuen «erfahrend beleuajtenbe Rebe bed
Direftor* Äontg am 8. 3«U 1849. Die zweite Sifcung beö
Schwurgerid^t* vom 8. £)ftober ab, braute am 12. unb 13.
bie erfte politifa^e ^er^anblung, ben Apodjverratljeprojejj ber
Wuöfauer Slngeflagten.
$>ie Slrbeitfloftgfeit be* 3al>re* 1848 nötigte bie 6tabt,
33efd)äftigung ber tRal)rung*lofen ju forgen, e* würben
al* verfdjiebene bauten unternommen, bereu oben gebad)t
if**). 3u ben bort erwähnten Arbeiten fam nod> im 3. 1848
ein neue* $olf*fd)ulgebäube am Rifolaifird^ofe, 2>er ©ruub
•) <s. 20.
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taju würbe am 29. 3«m 1848 gelegt; e* fam nod) im
öerbfte beffelben 3af)re* 1848 unter Dad) unb formte im
^>erbfte 1849 eingeweiht werben. $>er Umbau be* Äaifer*
trufce* warb gleidjfall* 1848 nad) einem von be* Äonia*
SRajejWt entworfenen $(aite begonnen unb 1850 in ber SBetfe
beenbet, bat) bie fcfycit im 3a$rc 1847 abgebrodjene £aupt*
wad)e auf bem Dbermarfte, in ber nad) biefem $(a$e geriet
teten gront be* reftaHrirten (*Jebäut>e* eingebaut würbe. Der
inneren (^Weiterung Der Stabt ftetjt feit ber im gebruar 1850
Seiten* ber aWttiftcrten erteilten (Genehmigung jum gdnj*
lifen %bbn\ä) ber Stabtmauern unb SCwefüllung ber aüeji
2Öalfgräben fein £mt>ernijj mehr im SBcgc. (Sin von ben
Stabtverorbneten unterm 28. September 1849 genehmigte*
^adftofögebäube an ber $abnbofftra£e gebt in biefem 3ak)re
ber <äßoUenbung entgegen.
Seit mehreren Jahren wur>e ber Langel eine* Xi?eater*
fefjr briirfenb fhr)lbar. Da« vom ludjfabrifanten ©ladjmaun in
ber Weifcjaffe So. 349. I)ierfelbft bergeftellte würbe nad) bem Un*
gtürfe betm33ianbcteoJlarl*rHber Xheater* jHm (Gebrauche un<
terfagt, ba e* fo enge unb mangelhafte 3n<jäu*)e hatte, ba(j bei
«uebrud) von geuer ein grofie* llnglürf \u befurd)ten war.
9^ac^ tyarttn dampfen befdjloffeu tie biefigeu Stabtverorbneten
am 1. 9t4r* 1850 ba* urfpuinglid) auf Hftien mit jtäbti*
fcher 3iutfgarantie beredmete ©ebäube auf Stabtfofien jii
bauen, ba* tfiefHer'fchc ^rojeft \u wählen, tinfc bem £rn.
Äiefiier beu $au §u ubertragen, weiter feitoein ruftig in $n*
griff genommen ift. (Sine ftäbtifebe $fanHrih*HnfiaU trat im
3. 1849 in'* geben ; ein bamit p verbinbenbe* Sparfaffen*
Jnftitut bürfte nod) in biefem 3ahre verwirflidu werben. (Sine
«erbefferung be* geuerlöfdnvefen* bradjtc im sJJc\Uj 1850 bie
am 11. 3anuar 1850 von Den Stabtverorbneteu genehmigte
geuer^öfd)'Orbnung.
(Snblid) ift 311 erwägen, bap am I. Januar 1850 bie
Stabt ©örlifc beut Sanbrathe a. D. von Oerjeu, weaen feiner
mannigfad)eu $ercienfte, weldje fUb berfelbe um ®örli$ er*
worden hatte, ben (Sfyrenbür^erbncf überreifen ließ, inbem fk
bamit jum erften üWale von biefem ihr jwftehenben *Red)te ®e*
bxaud) machte, unb baj* bie au*fd)eibenben (Etabträthe Temmler
unb ahorer ben ehrenvoüen Xitel : Stabtäiteffc erhielten.
©cWd?tC NR Wtlt*. . 38
594
Silbung einer a) r i ftf ar^ o ( tfc^ett ©emeinbe. 1845.
9io* unter DemianiM Stowaüuna fällt bie Bilbung einer
cfyriftfatfjolifdjeu ©emeinbe bierfelbft. 9ta$fcem in ber $wei--
tett Strfammlung vom 30. Statu bie 2Öal)l. be* SBorftanbe*
nnb ber Slelteften vorgenommen war, trat biefelbe am (tyar*
freitage (31. ffltärj) 1845 jiifammen. Den 11. Slpril tyielt bic
©emeinbe in ber tyr baju gewahrten Dreifaltigfcttofircbe ibreu
erften ©otteSbienft ab. 3Äer>r ald 4000 $erfonen Ratten fia)
in ben efjrwürbigen Räumen biefer tfirAe verfammelt; bie
©emeinbe felbft fap im Ureäbvterium , fo bap fte von ben
übrigen üfyeünefymenben auf eine entfpred)enbe Seife gefajic
ben war. Der s-8orfranb uaf)m, nadjbem er ben $u biefer
geier eingetroffenen Sorjanne* Dtonge biö an bie Stufen be$
• Stttarä geleitet Ijatte, ber ©emeinbe ba$ ©laubeitfbefcnnrnft
welajee mit einem einftimmigen 3a! befeftigt würbe, ab,
unb alöbaun begann ber ©otte$bienft Der Muftfbireftcr
älingenberg mit bem ©9mnaftal'<Eängerct;ore führte bie jRe*
fponjorien auä, bie befouberö gebrurften lieber würben ge*
meinfa)aftltd) mit 2lnbacr;t gefungen. Monge fn'elt bie *ßre*
bigt über bie Sluferftcbung im ©eifte unb legte in berfelben
baä wal)re 3Befen ber neuen tfirdje mit überjeugenber Älar-
f>ett bar. Da* ^eilige Slbenbmafyl, unter beiberlei ©eftalt,
feierte ber größte Zfytii ber ©emeinbe, worauf gwei Jtinber gc*
tauft würben. Die (Stattete erftarfte balb bura) iwtvitt ber
©emrinben auö £eibeuberg, Meiden barf> *. f. w., fo weit,
baß ba6 Oebärfnifj bringeub gefüblt warb, einen eigenen
Seelforger ju beft^tn. Slufänglia) Ijatte man bie iÄbftdjt, ge*
meinfdjaftlid) mit Sauban, X'öwenberg, ©reifenberg unb £äbn
einen folgen anstellen, weil bie Jträfte ber einzelnen ©e*
meinben mdu jur befonbern Aufteilung eines ©eijtlictyen an
jebem £>rte l)inreid)ten. Da bewilligte* bie f)ie|tge Stabrver*
orbneten*93erfammlung, vorläufig auf 10 3a^re, tfjren c^nft^
fat()olifd)en Mitbürgern einen 3ufd)uß von 400 Stylrn., tim
lidj gefdjal) eö in Taliban unb aubern ©emeinben. ^tn
£auptfummer war inbejj ber Mangel einer #ird)e. d$ war
befdjloffen worben, ben dl)riftfatt)oli|a>eu jur Aueübung beä
©otteebienfte* bie Jtapelle jum &eiL ©eifi ui verftatten. #ad>
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595
fyöfjerer Änorbnung würbe jebod) verboten, ben fatfjottfdjeit
Difftbenten, ehe jte bie ?lnerfennnng beä Staats erhalten l>a*
ben würben, evangelifd)e Jlirdjen ftum SDNtgebraud) ju über«
laffen. Die neue ©emeinbe f>te(t injwifdjen %en ©otteS*
bienft im Sdjulfaale ter flödjterfdjule, weldjer aber weber ge*
räumig genug, nod) paffenb baju war. Dod) würbe aud)
rjier Sari) gefdjaffr. Die Wnnenfapelie war vor wenigen
3af)ren $u 3w<fc" bietiger $olf$fcr;uleu fäfularifirt unt> aud
ber $a\)l ber Jlird)en geftridjen woroen. Diefeä nun weit*
licfye ©ebäube, ber &tät>t alä freie* (Sigentfyum juftefyenb,
würbe ben (£r)riftfatf)olifd)eu sum 9J?itgebraud)- eingeräumt.
Die $(e(teften ber ©emeinbe wägten beu äanbibaten i>c$ *ßre* .
bigtamtd Jeimann görfter aud ©örijfeiffen bei Söwenberg,
unb feine Drbination würbe am 10. Aug int J845 burd> 3o*
f)anne6 Hollge Donogen, weldjer auf feiner großen iReife von
jtönigdberg über ©erlin, <£>alberftabt, Seipjig, am 9. SCuguft
l)ierfelbft anfam. Die Räume ber 8fniteitrar$e , eine$ Denf-
male bürgerlidjen ©emeinfinuö, ftra()Uen in erneutem ©lanje;
bie feit 3ar;rrjunberteu »erblinbeten genfter wareu gereinigt,
bie dauern reo «Rird)enfcf;iffe8 gefäubert, unb tfanjel unb &ttar,
etnfad), aber würbig, &um Xtyeil mit ©efdjenfen audgeftattet
worben. &uä t>er Wäfje unb gerne waren ©äfie vornan«
benj bie ©emeinben $u Dreyen unb ¥auban Raiten Depu*
tirte gefanbt. So, t?on einer großen sJWenge von Xfyeünefy«
mern umringt, feierte bie neue ©emeinbe bie (Stnfüfyrung ifyreä
erfien Seelforgerö. Die Drbination vollzog Sofyanned töonge,
wobei ifytu ^rebiger 33ätt;ig unb ber würbige $ater bed neuen
Seelforgerä, »jjlrebtger görfter eine ©öriffeiffen, affiftirten. lief
ergreifenb war bie Änrebe t>ee 9$aterd an feinen @ofm unb
imtjergeßlid) bleibt biefe ganjc ^anblung, bie ohne *ßruuf unb
$omp, ohne äußeren (Miau; unb £errlid)feit, bennoef) fein
2(uge trorfen ließ. Xaf bie Drbination folgte fobann ber
©ottedbienft unb bie 9(utrittdprebigt ^ermann görfter'e über
bie (£arbinaltugeuben beä (griffen: ©laube, Hoffnung unb
Siebe. 9iad) bem ©ottedbienfte unb gefpenbeteu fjeiligen «toenb* -
mahle würben jwei töinber getauft, ©ei einem berfelben war
3or)anned Ofoiige £auf&euge; aud) wohnte er nadjber in ber
{vangelifd)en ^auptfira)e einem laufen alä 3*"9* bei. Die
©emeinbe bat feit biejer Seit *>l)ne Änfto(j beftanben unb i(l
fottwäfjrenb geworfen. Sie verbanb fta> nadj % 107—114.
38*
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5Ö6
ber Verfaffnngfl Urfunbe ber chriftfatbolifchen ©emeinben,
jut SBefpredjung unb Oerath ii uii gemeinsamer Angelegen*
leiten, §ur görberun^ be* ftrct)Üc^en Sebent in ben ©emeinben
unb jur (Schlichtung *on ÜNijjheUigfeiten, welche bie ©emeinbe*
Sßorftclnbe nicht beizulegen vermöchten, mit ben ©ememben:
Sauban, ^owenberg unb griebeberg a. £1. ju einem JfreiSvep
eine. Äm 19. Dftober 1845 fanb bie betreffenbe SBahl ftatt,
unb $war würben: Äan&lei*S)ireftor 5)ittrich in ©örli$, 3nfri$-
fommif}arlu$ Sulla in $auban, unb ber bamalige (Stabt*
richtet tyndtx in griebeberg in benfelben gewägt.
%^t^nU6 Sapittl.
©efebietyte ber Snnungen, ber 3nbujtrie unb be$
£anbel* in ©örlifr.
•
3nbujfrie unb £anbel, eng verbunbene ©efchwifter, ftnb
bie eigentlichen ©runblagen alle* bürgerlichen SIBohlftanbed ;
3nbuftrie unb $anbel haben fm SDnttelafter jene großen
(Stäbteverbinbungen gefchaffen, vor benen Surften gitterten unb
Jtönigreidje ftch beugen mußten; ber auä beiber Strebfamfett
erfpriejjenbe föeicf/thHm hat batf 93ewu|*tfein ber $raft erzeugt,
bie Littel jur Scförberung beä Schönen unb (Erhabenen, ber
fünfte unb SBijfenfchaften gefpenbet unb ijl baburch jugleich
ein mächtiger Jeebel freigenber Kultur unb wachfenber £uma-
nitett gewefen. ü)ie neuere Seit hat unfere Stabt, autf ber
SRittelmäfngfeit, in welche fte Durch bie golgen be$ Tonfall*
vom 3ar)rc 1547 unb ber vielfachen fchweren JfriegSlaften in
inbuftrieller Ziehung he™b gefcntcfX war, ja einem regeren
inbufrriellen unb eommerciellen geben wieber Crwecft, unb e$
bärfte biefelbe, wenn nicht alle Stnjeichen täufer/eu, vermöge
ihrer gunftigen Sage alö £anbel$pfa$, einer bebeutungSvoÜen
3u!unft entgegen, gehen. Daher fchien e* anaemejfen, biefcä
2ßerf — ein ber ©e<jenwart gewibmeteS Denfmal jur (fata*
nerung au ben 53ürger|tnn unb bie $hat*n unferer Vorfahren —
mit einer Sfijje über heimifa)e 3nbuftrie unb heimifer/en §an*
bei $u fct/liefien, alö ber beiben gaftoren, welche hierin zugleich
ben SRücfblicf auf bie Vergangenheit unb bie £infchau auf bie
3ufunft vermitteln.
i
I
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Die Materie biefed Äa^itclö ift jebod) fo umfajfenb, bajj
eine tn'6 Spejteüfte gebenbe Bearbeitung reift Iben allein einen
SRaum forbern würbe, wie er nur betn ganzen 2Öerfe mge*
meffen war; barum muffen wir und, wie fdjon in einigen
anbern gdllen gefdjeljen, auf bie allgemeine (Sntwicfelung ber
fyauptfäcfyltctyften ©runbjüge bed gegebenen <Stoffed befdjräti*
fen. Um nun biefen $md ui er reut en, f<r)etnt eö am paf
fenbften: bie ^erbältniffe ber Innungen ;um ftdbtifa)en Sur*
geitbum unb bereit Sebeutung innerhalb beffelben im HÜge*
meinen $u betrachten, bann mit ben Innungen im SBefonberen
for mt fahre n, enbücb mit ber %n unb Sffieife ui fd)licjjen, wie
fte i^rc ©ewerbe>(Sr$eugntffe burd) $ anbei t>enr>ertr)ctcnf wo*
bei jttgleid) bie äußeren ©eförberungämittel beffelben in Gr-
wdgung ju bringen fmb.
3n ben Umfangen unferer 8tabtgefa)td)ten fpielen bie
tanbwerfer nur m>$ eine untergeorbnete ?Kolle; bie eifernen
eiteu beä gaufhedjtd brängten Diejenigen in ben SBorber-
grunb, wela)e vom Vaubeeherrn unmittelbar jm SBertfyeibtgung
be$ 8anbe$, ber laube$berrlict>en ©eredjtfame berufen waren.
Dem 6tanbe ber 9iittennä$iaat mußten bie £anbwerfer um
fo mel)r bienftbar fein, ald ifyre grope Vereinzelung inmitten
larjlreidjer ärieger, jeben ffiiberftanb an fta) ver&inberte, felbft
wenn tyr $iltimg*jufhinb ifmen ifyre gebrüefte unb bemütfcige
Stellung |iini SBewufjtfem gebraut f)ätte. 3öie überaß im
beginnenoen Stäbteleben , wirb bafyer aud) ber görlifrer £anb*
werfeiftanb tu ber erfien s4kriobe bi$ 1150 nur tnfofern ge*
uannt werben fönnen, al* er bem föitterftanbe biente, ald in
ber 53urg be$ «Botgted für ba$ fcanb ©örfifc tanbwerfer feg*
baft waren, bie bringenben SÖebürfuiffe ber $efafcung brefe*
Sollwerte« *n befriebiaen. Sie unterfajieben fta) allein ba*
burd) »on ben Jhiegöfi tieften beä Voigtei, baf? fte nia>t leib*
eigen waren, unb führten ben Wanten: Surgfaffen. 3^rc 3a^l
wud?S tfjeilö in ftd), tf>eil$ bura) (Sinwanberuug von aufier*
fyalb beftdnbig unb verengte allmälig ben Diaum ber jur 33er*
tfjeibigung beftimmten 93urg fo, ba|j ber fonigl. Votyt genö*
tr>tat war, ifynen ÜBaitpläfre außerhalb ber $urgfreil?eit anju*
wetfen *).
Sßd^renb nun bie Vermefyruug ber ^anbwetfer etned
•) m. 12.
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®ewerbe$ fdjon burd) baG Bant) gleicher 3)ttereffen eine Än-
naheruna, berfelben unter fid) erzeugte, $wang reu Voigt bie
mit (Erweiterung ber 9Burg nötrjig werbenbe Vermehrung bei
Venheibigung6mittel ju Venufcung ber ^anbwerfer Gräfte.
Der Voigt mußte auä ber gulle ber Vurginfaffen %JDfännei
haben, reuen er bie Vertl)eibigung6pHnfte anweifen, burd) be-
reu Vermittelung er bie .^aitbwerfer wer)rr)aft machen founte;
— bie $anbwerfer ihrerfeite mußten fid) — nad> uralten
bcutfdjen ®ewor)nr)eiten — , über biefe 9JNttel$perfonen ver;
fiänbigen. sJ?tcfu*3 lag näher, al$ baß biefe Vcrfxänbigung uu--
ter Denen vor fid) ging, welche burd) gemeinfame £r)ärigfeit
ut gemeinfame ii 93efpred)ungen, 3ufammenrunften, aum eje-
meinfamen $ed)tn veranlaßt würben.
<5o entftanben fyierfelbft itdbm, aud) Innungen (Eini-
gungen), $anbwerfe (©ewerfe), Littel (weil ihre 3ntereffen
einen SÖcittelounft Ratten), ©üben genannt.
*Dcan bürfte wenig in ber 3e^ irren, wenn mau fid) bie
Vegrünbung ber erften ^djen in ©örlifc fdwn in ber dritte
beä 12. 3atyrr;unbert$ , bei ber erften (Srweiteruna ber $urg
gur ©tobt, c. 1150 bewirft, benft. Die junädtft au* ber
Sfflaxt einwanbernben vlämifdjen SöcUenwebcr werben bte 93tl*
bung von £anbwerfer<Vereinigungen in völligem dinverfiänb*
niffe mit bem fönigl. Veigte befd)leunigt haben. 3n ben Rfe*
berlanben, ihrem Stamm-Vaterlanbe, waren ja fdjon früher 3n*
nungen bräud)lid). @ö lajfen ftd) l)ier freilief) nur burd) fpra<h*
lid)e ©rünbe gefhi&te ftypotirftn aufhellen, ba Dofumcnte über
biefe Verhältnijfe ber alten 3eit mty vorhanben fmb, unb
auch bie früheren 3nnuug$4lrttfel, wenn beren 9tieberfd>rift
überhaupt über bie -Witte be* 15. 3abrh. hinaufgegangen ift,
beim $6nfaUe von 1547 abhanben famen, inbem bte abgelie-
ferten -3edjftatuten nidjt mel)r jurüefgegeben wurben.
2Öie mit junehmenbem SßadjSthume unb Vergrößerung
ber etabt, fowie 8u*bi(bung ber ftäbtifdjen ©ewohnheiteu unb
©afcungen, inSbefenbere mit ber Verleihung be$ Wagbeburger
9ted)tf bie Vebeutung be$ fönigl. Voigte* fdjwanb, ift fd)on
gefefcilbert werben*;.
Vei ber 2te$bilbung unfern ©tabtverfaffung fleUten ftd)
balb ehemalige fönigl. ©eamte unb bitter, inSbefonbere aud)
*) 6. 23-26. ©. 84.
599
©rmwbeftfcer in umltegenben JOrtfcbaften an bte ®pi$e Der
aUmälig wwidelter werbenben Verwaltung ; fte fonnten an*
fänglid), mrgetynbert son ben mit ifjrer dgencn GonftitMirung
befdjäftigten $anbwerfen, triefe gormen galten unD in im*
mcr fteigenber Sluäbermung ausbeuten. 6ie nannten fta) ©e=
fd)lea>ter, aua) ißürger an ficb, unb nahmen bte von ben 8an-
be6f)erren erworbenen ^rimlegien eigenmächtig in 93efd)lag, bfe
$anb werter, ben ifmen unterworfenen vXfjeil ber SBesolferung,
Dorn ©enutJe jener $$orrecr)te willfurlid) auäfdjliejjenb. $er
au« ben ©efd) (ecfyern, wela)e (Snbc beä 13. 3ar)rfyunbert$ bte
größeren itaiiffeiite in ihn Glitte aufnahmen, unb bte $um
jähre 1400 (eDiglid) aud ihnen gewählte unb ergänzte Rath,
fyielt mit eiferner Strenge bie $anbwerfer nieber, als jte fort-
wäbrenD permetyrt unb enger serbruDert, feit bem Anfange befl
14. 3at)rbunberr$ jum SBewnjjtfein iljrer Äraft erwägt, flör*
mifd) ©eredMigfett für fid) unb billige ©letdjbetfjeiligung an ben
©eredjtfamen Der ©emeinDe forderten. 3öir r)aben oben*)
Dtefe Verbal mijfe, foroeit Die »orfyanbenen Duetten reiben, au$-
einanbergefefct. 'Dergleichen finb bort bie allgemeinen ©run^
fd$e ber 3nuung0|"tatuten in 33ejug auf bte (Stellung ber (be-
werfe ut ben OUm'cM crtu ein unb Dem rHathc angegeben worben.
Durd) ben ©ruf beö «&erjogö Spanne« von ©örlifc, auf
©runo beffen ber Watt} Die 3nnung$-$lelteften nad) ©utbünfen
anliefen unD wetDen fonnte**). Da manage ^anbwerfe fefyr
frbwad) an 3a^ ber SWeffier waren, vereinigten fiefy oft mel)*
rere (bewerfe $u einer 3nnung, wobei feiue6wegö allein bie
9(ermltd)fett ber Arbeit ben lÄudfdjlag gab. Died warb geän*
bert, wenn eine ober bie anbere ber combinirteu 3nnungen ftd)
vermehrte, fo bafl jte felbftjtänbig auftreten unb au6 jta) al-
lein bte bittet jur ©ejtreitung ber (aufenben 3nnungS*©e*
fc^äfte fdjöpfeu fonnte. (§d war 2(üe$ in Den 3nnungen ge*
regelt. Die ^anbwerfö-^elteftcn führten neben bem iKatifa-
GommijTar, weiter feit langer 3eit ben 3nnungö -Jlomunteu
.beiwohnte, ben Vorft$. 3n tr)tcr £)bf>ut war bie gäbe mit
ben vom 9iatr;e unb fcanbeSfyerren beftättateu 3nnungd-2trtifeln
, unb foldun papieren, welche Da* 3»terefi"e ber 3nnung betra*
•) @. 114. 115.
•) ©. oben <S. 119.
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600
fen, t 9. ^rojeßaf ten, ebenfo bte 3nnung«*Jtletnobien (filberne
$ecr/er, ä&tllfommen, Sahnen).
60 fmb attd) gälte »orrjanben, baß #aubwerfer in üä-
neren Crtföaften au$ Der Umgegenb von ©örli$ bic Innung««
arttfel hieftger ©ewerfe annahmen*).
$ie Statuten ber görlifcer 3nnungen**) lauten bi* auf
wenige ba6 betreffenbe $anbn>erf fpejieü berityrenbe $eflim
mungen siemüc^ aleid); fte fmb sielfad> geräubert, abge;
f<fw>äcr}t unb ben 3eitumftänben angepaßt worben. 8ie ent-
halten bte «Hegeln über bte Aufnahme unb jjafjl ber Lehrlinge,
bte ©efellencreirung, bad 9Keifiei werben, 9Kei|ierftü(f unb ba*
bei ju beoba^tenbe ©ebräudje, bie }u leiftenben Abgaben
würbe mit großer »Strenge auf tabello* jittlicfyen 9iuf ber
heißer, auf ehrlidje Slbfunft berfelben gehalten — baher, nt*
ben anberen Umftänben, aud? bie SBebiugung ber Merheim -
tljung binnen 3ahredfrifl in äni^tn Ärttfeln an ben Eintritt
in bie 3nnung gefitüpft war. £>ie Söittwen \?on flReijtern er*
hielten Unterftüjuna au$ ben 3nuungdf äffen, welche bei neun
&err/eirathung aufborte. Die hinter von Acutem hatten
beim Eintritte in bic ehemalige jmiung ihrcö $Bater6 (iilndv
ternngen in $9e$ug auf i'ef^rgelb unb $o$fpredjung ; aud? für
bie hinterlaffenen 2öd)ter würbe einigermaßen geforgt I n
SteiftfC burfte nur auf ber Verberge ÖJefellen für feine Arbeit
auffucr)en unb auf ber Straße oou ihn angefprod)ene ©efefle n
waren mdu verpflichtet, bei bem Öturebenben $u arbeiten. ®e
mußte jährlich mehrmals bem föatfje buret) ben Coev Melteften
■Rechnung über ben 3nf)alt ber 8abe gelegt werben. Die 3?ei
trage würben aud) uu Uuterfhifcung bei ©egräbnijfen beruifct,
unb ift bie jefct noch beftetyenbe Xud)ma(her^egrdbnißfaffe ein
Ueberreft folgen SBraudjeä. 2Öie bamit bie auf bie Deforma-
tion aud) geiftlidje 93rüberfd)af ten verbunben waren* ift oben
gezeigt***).
•) $>te ©djönberger (Sdjufytnadjer baten ftd) im 3af)te 1580 bie
9(rtiW *er görhfcer Sriintymadjerinnung an«. @. Dberl. UrfunbenBeq.
II. 228.
••) 3m 9tatf)**®effiontgimmer Ijicrfelbft ftnb »ier fiarfe Duartbanbe.
bie toir mit SWagifirat« ;3nnunaa;$(rtifet (M. 1. A.) I)infi>rt bqeidjnen
»erben, roetc^e circa feit ber SRitte be* 16. 3a^rlj. fämmtli^e Statuten
f^teftaer Innungen, alte 9lbänbernna,en berfelben k. enthalten.
m. 262 f.
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<g* gab ana> für bte ©efellen betonbere Hrrtfel, wela>e
md)t weniger, wie bie ^elfter ^rtifel, eine 6eftättgung be*
jRatl>cd notbwenbig hatten. 8(16 $ro*e folge hier ber (Jrtraft
auä einem folgen 3nnung0jtatut*). gitr bie wanbernben
©efellen war crfle SBeftimmung bei oer flnfunft fogleta> auf
bie Verberge ;n gefjn unb bort auf 3ufp™dK CDingung eine«
SHeifterd) $u warten. £atte ber ©efelle noeb nia)t in ©orlty
gearbeitet, bann mufcte er fogleia) bei beginn ber Arbeit einen
Beitrag in bie ©efellen >l'abe geben. <*in ©efelle, wela>er
Montag ober eine» anbern %aa in ber 2BoAe bie Arbeit ein-
teilte (blau maa» foüte $wolf 2Bo*en lang feine «rbeit in
©orlifc befommen; ©efellen, weld)e au6 einer nid)t künftigen
3ea>e flammten, überhaupt nidjt 2)a$ beim $erbergtoater
(£erberg*wirtl^) eingenommene (Sffen mufite immer reblid) bc*
*af)lt werben, ebenfo alte vieren $age ein beftimmter 93et-
trag in bie ©efellen *£abe. ©enti ber £erbergtoater $tcr
fdjenfte, fonnten bie ©efellen jedjen, ja ed famen gälle mx,
bafj ber 3Ratb fte baju jwana, um 3encm IBcrbienfl jujuwen-
beir, war fein 93ierabenb, (o Ratten bie ©cfeüen mit tfjrem
gttfyrer, bem 2lltgefeÜen, bte Verberge »erlaffen. tfam e*
bei 3ed)^benben vor, bap jtd) ein ©efelle im $runf über*
nahm, unb baö ©enoffenc wieber von ft<6 geben mußte, bann
erfolgte gegen ifyn bie (Strafe ber ^errurjung um ein Söocfyen*
lohn, lalle Ouartale nuure bei ©elcgenbeit bed fogenannten
„$abetage*", — an welaym fi<fc bte ©efellen baben unb
grünblid) reinigen foHtcn — ein 9)caf)l gehalten; fyierju Ratten
bte ©efeüen jeboef) ben sonmgefyenben Xag boppelt fleißig ,u
arbeiten. ©djmäfyworte unb Z fjätlidrf eiten auf ber Verberge
mnfjten mit ©elbjafylung in bie ©efellen*£abe gebüpt werben.
AUe Ouartale wählten bie SÄeift<r, auf Antrag ber ©efellen,
au6 beren Witte einen Bit • ©efellen. s3ei biejer ©elegenfyeit
würbe bie ©efellen* gäbe unb beren Snljalt rembirt. — 3n
einigen ©efellen > Ärtifeln ftnben ftd) anbei weite merfwürbige
33eftimmungen. ©o flefyt in ber $uf - unb »Senfenfdjmiebe*
®efellen*£)rbnung oon 1560:**) (Sin Sefyrjunge, ber auswärt*
gelernt unb ein frember ©efelle, ber nicht naa) ©ewofynfjeit
•) 3ed)fctief ber 8^u^maö)er*@ff<IUu <« ®i>rlifc vom 3a(>re 1540.
&i>ti. m^tiitx 1837. p. 454—457. cf. gorl. «neiget 1844. p. 309.
••) ©ort. Slnj. 1844, <S. 209.
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601
be$ Äanbwerfd einen tarnen ((gpifcnamen, Seinamen) hat,
feil fteh unter ben ©efellen brei Rathen erleben unb vom $lt*
aefeüen mü einem tarnen fernen laffen. Unterbetj foHen bie ©e*
feüen bei Strafe von 2 ©refcnen ruhig flehen, gür biefe tarnen*
Verleihung mup ein ©o(t)enIo^n ?um Seften gegeben werben
Da bie f>anbwerfe Den alten (Stabtgebräuchen nach bie
Verrichtung Batten, je nach ber Sebeutung eine* ©ewerfed,
bewaffnete ju ftellen, fc forberten bie Weiter tf>rc ©efellen
auf, bie* gegen 33efo(oung au$ ber jnnunadfa^e ;u tbv.v.
(^vöbnlicb*) fanben ftd) eine Wenge freiwilliger Jtnechte $u
folgen >3 terra bv teit. vBeim 9hi6tuge gab e$ beftimntte ^norb^
nungen tn ber Reihenfolge, welche ft<h im 6ad)fenfpieae( be-
ftnben, unb ba in @ör(i( beutfa)e£ rKeclM galt, auch t)ier $wet-
feüoö in Änwenbung gewefen fmb. 3n ber Cberlauftfc gingen
bie gfeifdjer**) voran. Speziell über ©örlifc ift feine mi
bat Drbnuug aufgufutben. 3Bahrfchetnlich jcgen hier aud)
bei friegerifchen (Gelegenheiten ote Xucbmadjet vorn, wie aue
,£>affe'$ Bericht über Äönia. gerbtnanb'6 Sefua) 'in ©örlifc ju
entnehmen ift. Tantal« gingen bie hauvtiachliaVten Sünjtt in
folg cur er £)rbnung: Xuchmacher, gleifcher, (Berber (Röthgen
ber), v5d>miebe, Säcfer, Schneiber, Xifchler***). sunt 3
1845 beftanben ^terfrlbfk 56 Innungen t)r tn ihrem ©e =
werbe wefeittlid) geftärft bura) ba$ &ecbt ber Sannmeile.
9fa<fy Einführung ber ©ewerbefrei heit im 3- 1815 etablirten
firf) eine Wenge nicht*ninftiger Weifter in allen (bewerben, ein
ilmfitanb, welcher auch einige ^oeferung in bie Innungen
brachte. Da6 ©efe$ vom 9. gebruar 1849 t)at wieber eine
ben Innungen günstigere SÖenbung gebracht unb fmb gegen-
wärtig biefelben völlig in ber SReconjtrufrion begriffen. Hm t.
gebruar 1850 würbe ber erjte ©ewerberath eonftftuirt.
Um nun auf bie einzelnen Innungen naher einzugeben,
wirb eine «Sonberung nothweubig, nämlich in Innungen mit
33anfgerechtigfeiten unb 3nnungen ohne $anfgcrechttgfeiten.
Die acht gefchenften $anbwerfett), (welche gSerfaffer bief. ver-
•) <S. oben S. 115.
•#) ©ort. «njrigec 1844, 8. 216.
•••) Seite 304.
t) ©eite 82.
tt) 8 gefdjenften J&atibtoerfe neuer Ärttfel. M. I A. tom. ID.
p. 90 b, vom %at)xt 1694.
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603
gebltcf) $u erfragen bemüht war), haben ihren tarnen mit ba*
son, bafj fre Den ©efellen auf ber ffianberfchaft ein $t$x%t\t)t
®efcr)enf verabreichen, unb fmb außer biefem fünfte in fetner
SBejiehung von ben anbeut (bewerfen unterfchieben.
3n $ejug auf toie ^nnunaen mit $anfgerechttafeiten
braucht l)ier nur an ba6 angefnupft $n werben, read bereite
über bie gleifcher, $äcfer, Schuhmacher, ^fefferfücrjler , ©ar*
bieie, Jträmer, gefaat werben ift.
1) greiser, 3f?r $anfwefen tft oben erläutert*) 9Rit
bemfelben ftanb eine bte fe^t noch nicr/t erwähnte Einrichtung,
welche jeboch feinedwegö ubergangen werben barf — ber Jtut>
telhof**) — , in enger Skrbinbung. (S* war bie« nämlich ber
allgemeine Schlachthof ber gleifcher f^terfefbft r unb errietet,
bamit burd) bat* Huffiellen unb Schlachten be« «Biehe* bie in*
nerc Stabt nicht mit üblem ©emch unt> llnfauberfeit beläftigt
werbe. (Da tamalä bie £äufer grofjentheil* von §oU, bie
Strafen ungepflaftert, bie fe&igen untertrbifchen Slbjugefanäle
noch nicht errichtet waren, leuchtet Die ffiofjlthat $eä StntttU
hofe* al6 «Retniichfeit6;3nfiitut ein. 'Der Jtnttelr)of lag r>or
ber £otherbrücfe, bei bem £trfchwfnfel (bei Warne ftammt ba*
her, weil bort bie in ben (stabtgräben befinblichen £irfche ge*
füttert würben) unb ben $unb6bergen (bie ©egenb bei ber
SBaftei am 3uchthaue$winaer, wo bie 3agbr)unbe gehalten
würben), unb war fdjon 1299 auf ber gegenwärtigen Stelle
»orfjanben. 8le Sefaer im 3- 1310***) wirb (limut von
9?euedf)ofen genannt, ber ihn pfanbweife an ©üntr)er t>on
fcr>of$wcrber-um 34 Schorf ©rofeher überliep. Später löfte
(Simut ben Äuttclr/of wieber ein uub trat ihn an Sorcnj Xraut*
wein ab. tiefer verfaufte ihn erblich an 3Ratrhia$ in ber
tothergaffe im % 1331 f). 3<ber gleifcher, welcher fein
ich im .Hurtelhofe aufteilte ober nhlactncn wollte, mußte an
fänglich einen 3tn<3 geben, bi6 bie 3nmtng *>cu 3"1^ *m ®<*ni
;en jahlte, worauf äiittelhoforbnungeu entftanben. 3m 16.
3ahrr)unDert gehörte t»er 8t. $rter6fir<hc bie (im na bitte vom
Äuttelhofe. «Kann biee ^ermächtnifr, welche« ber äirche ne-
•) @. 75.
i#) ©ört. SCnjeig« 1843. *323-3*5.
'•) €tabtbudj (vph 1305) ad a.
t) <Stabtbud> {von idOö) ad a.
604
i
i
feenbei bie gßerbinbltcftfeit auflegte, ben tfuttelhcf im <Stant>e
$u galten, legirt, fönnen wir nicht anaeben, fluf beui
Jtuttelbcfe f)tttö eine ©locfc, we(d>e wahrta)einli<h fru!> unb
flbenb« gelautet warb. 1589 befferte man fte au«. 1590
würbe auf Soften- ber Ätrche riel am Äuttelhofe gemauert.
i)\t Äfnhe muß fta) foäter ber 93erbinblichfeit entlebigt haben;
benn 1673 baute bie g(etfchermnung, nur wenig oom töathe
unterfrüfct, ben Äuttefyof ganj neu auf. 'Deshalb würbe eine
Drbnung wegen be« Jfcuttelhofe« im 3. 1674*) entworfen.
3n ihr wirb benimmt, baf 1) ba« Sandten, Stachen unb
©cttläftern Seiten« ber ^Reifte unb ©efelten auf bem Jtut*
telr)ofc gan$ unterbleiben foUe; 2) bafc fein 3Äeifter ober
jlned)t Q3tc^ irgenbwo anber« fcMaa)ten bürfe, al« auf bem
Jtuttclbofe, bie fletnen üi&ti unb 93öcfe aufgenommen; 3) pa|
man fein ocf>(ad>tr>ier) in ober burdj bie (Stabt führen, ober
barin aufteilen bürfe, bie« folle nur im &uttelbofe gefchefKn»
4) Regeln, ba« Schlachten betreffenb; 5) ein heißer ober
Äned)t, welcher auf bem ÄUttei^ofe gefa)(aa)tet fyabe, fette bei
Strafe oon V* (5d)ocf, beoor er in bie <5tabt gehe, fidy fäu*
bern, reinigen, aua) bie Jtleioer jugefuöoft galten. 3)cr 9luf*
feher be« «ftaufe« ^iej ber Auttler ober jtüttler; er würbe oon
ber Sletfa^erinnung gewählt, mu&te Jebodj Dom Statte beftädat
werben. 3hnt lag ob, ein *J3ferb unb einen Sagen ju ^al^
ten, um ba« fleinere ©chlachcoieh oom Sanbe ^erbeiju^olen.
1691 brannte ber tfuttelfyof ab; ber Statt) legte jwar ben
gletfchern bie 9$erbinblid)fett be« Zubaue« auf, aber wähvenb
ber fpäter gan$ emgefchla feiten $erhanbtungcn barüber blieb ber
Jlutrelhof längere $eit wüft liegen, unb bie gleifdier gewöhn-
ten ftcb baran, in ifyren ^aufern ju fd)lad}ten. 9htr ber jähr*
Itdje (irtym« au bie 6t. ^teterdfir^e mit 4 Xr)lr. 16 ®r.
4 $f. erinnerte oie Innung nod) an ben @d)Iaa)tfeof. .3»
3at)re J8Ö5 oerfaufte bie 3itttuug biefe wufte Stelle an einen
*4)rioatmann unb ber ÄutteKjof tft feitbem gdnjlid) au« ber 3*W
ber öffentlichen @ebäube oerfchwunben. 33on ben gleifdjeru
ftnb äenbcrungen ber 3»nuiigäftatutcn nod) erhalten au« ben
Sauren: 1Ö65, 1618, 1635, 1645, 1671, 1793**).
*) fileifd}ljaueT*£)rbnunfl toegen U* &utttU)of<*- 1674. M. I- A. 1. 349b.
••) ©. M. I. A. (bie @teUen ftnb cietrt nad) ber (ReU)e oben ange?
fü^rter 3o^r«) : ll.p.l,l.p. 109., I.p. 49Ö., I. p. 353., I. p. 34 7-, IV.p.55
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605
Hu* bemfelben 3af>re, in welkem bie Äuttettwforbnung
abfltfa#t würbe, ift quo) ei« >8ergleid> ber gleifdjer mit bem
®arfoa)*) ju erwähnen. @ine$ ©arfcd)* ober weuigfitenS be*
Orteä feiner Sirffamfcit wirb fäon beim 3al)re 1320**) ge*
badtf. S)er ©arfoa> war ba um bei befonberen Gelegenheiten
mit feineren unb befferen Sprfftn aufwarten ju tonnen, ale
gewöf)nlia) üblich waren. 3n jener £>iDiumg von 1674 rjeifjt
e$, baß baran aud) ber ©arbrätcr unb feine Jfriedjte gebun*
beu fein follten. $eiin 3a^re 1320 ijt von ber „93ratefammer,"
1365***) von ber „$rootfammer" bie «ebe. Seit 1370 war
eine fjöljerne 93ube auf ber SBaage aufgeteilt, baljer: „b*
garbube;" 1381 wirb ein $au* „bie <*Kubube" aenannt; 1405
würben an biefem £aufebie Xreppen $tb<iut. 1595 verfaufte ber
9tatl) bie ©arrua)e am flRinge an sJDiattl). $ätatfj welker ba$ ®e*
bäube (Uutermarft *Ho. 261.) einriß uub aufbaute. 1843 würbe
bie untere ©arfüdjc reuovirt unb bie ^>iittetqebaube gebaut.
Xie gleifdjer Ratten vielfache $anbe(, (Singriffe in ifyre
(Srduftvredne betreffenb unb nod) in beu legten Jahren vor
(iiiinibniiui ber ©ewerbefrei t)eit fdjwebte ein ^.mou'h gegen einen
Surfrfabrifanten , ber in ^weiter 3nftanj gegen fte auftrieben
würbe. 3nt 3. 1482 f> waren fte mit beu Öerbern unb §$uf)*
magern flreitig, weil fte ir)rc gelle nad) aujierljalb unb mein
jenen görlifcer (bewerfen verfauften. Ü)er Diatl) entfdjieb, ba$
bie $lfif$cr bie gelle unb ^dute nur ben ^ieft^ert (Berbern
unb <Sd)Hl)mad)ern verfaufen follten. Anfang 1850 waren
27 gleifd)ermeijter in ber £tabt.
2) lieber bie 93ätfcr Innung haben wir niajtä befonberetf
mitiutfyeilen. <Btatute ftnb von ihr vorfyanben au6 ben jaiv
ren: 1568, 1575, 1614, 1618, 1683. $>i« tyre Sanfgeredj*
tigfeit betreffenben 9Jotijen |tnb weitläufig oben gegeben ff).
@ube 1849 waren rjierfelbjt etablirt: 34 $3äcfer, 7 ^Httobätfer
unb J?üa}ler. 2>ajfelbe ijt ber gall mit ben hänfen:
•) «erleid» ber ftleifd)f>aner mit bem <3>arfiHt>. 1674. U. J. A. I 35 Ib.
"») Stabtbud) (von 1305 üb) ad a.
**•) lib. Acticat. ad ann. efrenfo bei 1370. 1381. 1405.
t) Üb. Resig. III. ad ann.
tt) Ueber bie »anf8erfd)tiflfeit fiel>e oben ®. 73-75. 3>ie Gtatu*
ten in: M. J. A.: tom.il. p. 51.; II. p. 145.; I. p. 29b., I. p. 162b.;
bie ilmeit jua,ennefenen $fefferfüd)Iet (eben Seite 80) f. ft)te 3nmmo,*;9(T*
tifet: M. J. A. III. 250. com 3<^r« 1683.
606
3) ber Schuhmacher, für welche, rote fc^on gejeigt> noch
ba* «Recht befonberä im Bannmeilen ^rwilegium auflgefpro-
d)en war, bap höchftenä Schuhflicfer auf ben baju gehörigen
Ddrfern ftch uieberlaffeit burften. $a(j bie görlifrer Schuh-
macher, wie von beu 6d)ul>inad)er*3miiiitgcn ber Heilten Stäbre
befannt ift*), befonberä in aller 3«! bie !wärfte bergen r)ätrcn#
ijt ntc^t befannt; bie 4i 3Neijier hatten in ©brlifc unb ber
Bannmeile einen l)iniäug(i^en Sirfungefrete, fo bap fte jene
3Rarftbefud»e ntdjt nöfh'fl hatten. 3n fpäterer Stil haben fte
natürlich bad l\Varttrcct)t auch benu&t unb brausen bied gro-
(jentheilä ^eutc nod>, bie überhaupt bie meifieu 3nnitngc»,
waä hier ein für allemal gefagt fei. Sdnthmadm- JDrbnungen
unb Slrtifel ftnb befannt au? ben 3al)ren: 1574, 1635, 1783,
1788**). 3m 14. 3ahrl)unbert muffen bie Schuhmacher mit
ben ©erbern einen «Streit gehabt ^aben; es würbe eutfdHeben*^**),
ba£ ©erber unb Schufter bie Seile iitdu in ihren Käufern,
fonbern auf bein Wavfte, nicht in beu ©äffen, fonbern auf ber
„\Biherung" faufen feilen, tiefer (Snrfcbeib würbe 1489 von
Beuern publiun, bagegen 1516 beu 2 dumm i gefiattet, bie
gelle in ihren Käufern ;u faufen. 3hr 3wi|l mit beu aIci
fchern iji eben erft erwähnt. 3m 3- 1^36 erregten bie SchH'
ftergefeüeu in ©örli(> einen 3anf, wegen eineä ©efetlen von
Seibenberg, welcher hier angenommen worben war,, unb ben
fte nicht für redjt künftig hielten unb baher entfernen wollten.
Da bie SWeifter (ich bee ©efellen annahmen: „fo hat gefolget,
bafi bie fchuefned)te bei) tmnd alle aufgeftanbeu fetyn vnb bin .
weggegangen, welche bettn ein 9lath bamitte weiter tmrabtö
mühe vnb Unfoft vorhiit, wieberumb hereinbracht "t). 9cod> in
bentfelben 3ahre legten ber 9tatf) unb ber v. Biberftein, al$
@rbherr auf Seibenberg, biefen iwtft burch einen Vergleich
bei. ©in 3wift be$ ©ewerf* mit ben ftotbgerbern WHrbe am
*) $ef«f>ecf, $reie»f<hrift, ©efdjitye ber 3nbnfirie unb be* £anbeU
in ber Cberlaufifr, im «rc^be ber oberl. ©efeltfd). ber 90®. unb für ein«
ber nadjüf ii $efte be$ 9leuen 8auf. äRagajinö nun Ih urf benimmt. <S. 204.
••) Ueber bir Saufe ber ^ambmaduu f. ©. 80 b. ffi., über jene
SBejhimnuna, im Privilegium ber ^Bannmeile ebenb. «S. 82; bie anaqoa/
neu JDrbnungen unb 5 tarnten: M. I. A. totn. It. 430b., looi. I. IH.
tom. III. 402.
•••) <Stabtbu<h (von 1305).
t) Wie* 3ed)bu(^ fol. 13.
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26. «pril 1615 »om «Hat^e beigelegt*). GuDe 1849 gab e*
f>ierfelb|t 114 6rf>ul)niad>ermeifier mit 172 Gtefnilfen. -
4) £>ie 3nnuitgen Der 2Bur&* unb 6eiDenfrämer, fowie
Der Spifr* unD ^uDrifcfrämcr fmD in $e*ug auf ifjre 93anf*
geredjtigfeiten gleicfy Den vorigen fc^ou erwähnt**). @d ift
ier nur ju bemerfen, bajj Die Dort aeDachte «ngabe, ald feien
Die Slrtifel verbrannt, unrichtig ijt, melmeljr 'jtnfc Diefelben noefy
in Der Sabe Diefer jefct Durd) Die Einführung Der ©ewerbefrei*
heit im 3. 1845 aufgelöften Innung ttollftänbig DortyauDen. €ie
galten feit Der Trennung in 9Biirg* unD' ceiDcnfrämer iuid
(5pi$* unD ^uDrifcfrämer forrwäfjrenD initereinanDer 3wijt,
welker namentlich Dur* Die 93cftimmuiigeu De* (SUenweifen*
unD De* unter Dem $fiutbr Zerraufend in ifyren hunberterlei
üBaaren^rtifetn veranlagt wurDc. (Sine £arfteÜHitg Diefer
£änDel,'weld)e eine ganje föeifje von ttftcnjhKfeit auf Der fpc*
fegen $atf}6fan)(ei füllen, würDe ut weit führen unD au* we*
gen Der oft geringfügigen Dbjefte De* Streite* von wenig 3n*
terejfe für Diefe ©efdjictjte fein, etatute uub *Bcrgleicf;e Der
felben finDeu jtcfy in Der met)rgeDachten Sammlung***) bei Den
3al)ren: 1593, 1615, 1641, 1657, 1667 (wegen «uöbredwg
von Uten), 1671 (wegen Derfelben cadje), 1785, 1826.
Dben ift einer 93eftätigung Der Statuten Dur* Äaifer Sttat*
t^ia6 im 3- 1611 gebaut f).
5) 2)ie 33aDer Innung ljut auper Dom, watf über ifyre
33anfgere*tigfcitenff) JU fagen war, wenig l)i|*orifcl)e ^otijen
auftuweifen. Die magrftratualifcl)e Sammlung entljätt nur
jwei: „$albier*£>rbnungen vom 3af>re 1603 unD 16l2"ttt).
•) tfäujfer, ©rfd). b. Cberlauf. IV. p. 140.
■•) <B. 77 ff. tf. $efaerf'* ^rciöfdjrift a. a. D. p. 2Ö8, i39, 260. s
.«aujfer, Cberl. ©efd>. II. 407.
•••) M. f. A. tom. II. p. 310, I. p. 54b., I. p. I72b., L p. 219,
L p. 349., I. p. 324b., UL, p. 364b., 379b., IV. p. 76, IV. p. 48b.
Tay tue iKeitjenfolge ber Zitate »erfd)ieben ift, liegt im (fintragrn in t i e
maajjtrarualifdje Sammlung, weldjed nidjt r^clmäpig nad} ben fahren
erfolgte.
t) £berl. Urfnnbeit*er$eid}n»j? tom. II. p. 273. Der ©. 77 oben
gegebene Datum W Die ©ejtätigung be* $rfot(tgiiim* überhaupt. 3n bei
Jier angegebenen (SteUe würbe d. d. $re«lau, 24. <&tpt 1611 bie Drä-
nung ber Gramer betätigt,
ft) 79, 80,
Ut) M. L A. tom. II. 378b., tom. I p. 18b.
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608
$a* in fanitäW^olijeilicbrr fynfxfy MflKftMfie Ginföreiten
bat bie (selbftcntwirfelung ber ©aber In ibren Snnungöser-
bältaiffen immer unterbrochen unb flc metjr mit) mefyr Den
allgemeinen mebijinifcbeu i'anbe$gefefcen unterorbnen mfiffen.
ÜDaä 3al)r 1845 braute ben ©anfgcrecbtfamen fyiefiger In-
nung benfelben 9fcip, wie ben übrigen ©anfbereebtigten bieder
6tabt unb ift über eine t»efnHnftgemä|je Slblöfuug, cbenfowe-
mg wie in ©qug auf bie übrigen MbemJgenoffen ber ©aber
biä jefct etwa« feftgefefct. ßiner t>on i^nen trotte ben tarnen:
„§tabt*©aber." 6ie leiben vor einigen jabren bie in ibrer
fcabe befinblißeu Dofumcnte, grotkntbeüö .fef>r untergeorbneten
SBertbeä, unter fiel; »erteilt, ©arbicre uub Gbirurgen fmb
ieet 9 tyerfclbt».
£>ierber geboren ferner :
6) S)ie ©rauer, ©raubereebtigten*). fcefcterc bitbeten feine
eigentliche Innung , liefen fra) Dielmebr bureb einen ober einige
©rauer von ^rofeffton bie ibnen juftänbigen ©iere brauen.
£ie ©raubürger führten aueb in @örli|j ben Tanten : ©rofjbnrger,
unb hatten vor ben antern, tao nur noch bem Watbe *ufom
menbe ^räbifat: „<£>err" in Snfprucb |U nebmen. lieber bie t>er *
febiebenen gebrauten ©ierforten ijt oben sJln*ftnut gegeben**),
ebenfowie baß batf ^rirn'lcgium ber ©raubürger viele ©treifig-
feiten innctbalb ber ©emrinbe bewirfte***). X>er ©ierjwang ber
©annmeile fubUc niebt weniger 3®Wgfeittii mit beren ©c
wobnern bei l ei, be.v fpenelle Xaifteilinu] einen ganzen ©anb
füllen tonnte. 2)a$ ©terbofwefen veranlagte bäujige föesijion
ber beöfallfigen ©ewobubfiten unb Statuten. Qrine 1673 ent-
worfene ©rauorbnung für ©örlifc mufite febon 1698 veränbert
werben, grüber würben vielfache Ucberfcbreituuaen unb Um*
gebungen ber föatböfa&uugen bemerft. ftm 16. gebruar 1541
•) C oben <S. 65—68, üb« bie ©credjtigfeiten, SBraubofe unb bie
<Bier«©ann*3Weiie. SßttQl über ba* ®an;e ©reff. Sauf. SRerftoürbi Reiten.
V. cao. VII.. p. 27 ff., ^efebeef« ^reUfarift a. a. £). p. 51 ff. StäuU
fer'« Eberl. @eTd». II. p. 234 ff. 284. III. 135. 275 ff. 373. IV. 135.
401. 520. '29. 689.
••) <c. 314—316.
•••) ... oben <£. 119. 120. 296. $änbel ber Stöbt mit bem Pfarrer,
Ut $iere« weflen: €. 242—251.; mit 3ittau. €. 225 ff. Glroff. a. a. D.
<&. 29) mit bem ®uarbian 2\\tcx b. *B. 3. 352. ©ört. SBegw. 1837.
p. 25. ein Streit mit bem Pfarrer ju Seftyoifr au«? bem 3. 1*13.
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609
liep ber jKatb au bem Kathbaufc bei ber 9ßad*e ein lange*
eifenuv 3Raap aufhängen, nrie lang bae BrÄu; uut Darrbolj,
aud) ein fur&eft eifernee ^umi;, wie lang bae 93rennfyolj fein
Dürfe. Xagö barauf, am 17. gebruar, »Hebe burd) ben Nüttel
auf ©efebl bes jRatljed auegerufen: „(Sin etyrbater *Ratf) läßt
aufrufen tt gebietet unb befiehlt, baß ein x\ebermauu, ber ba
©etreibc $u s)J?arfte bringt nnb mfaufen »tll, ber foll baf?
(elbige gewähren unten unb eben, ofyne einigen betrug unb
Sortyfii. Unb roer'e im Sd>effel gemejfeu roili Ijabcn, bem
foü'6 ber ^erfäufer .bai innen aud) meffeu unb ridjtig gcroa^
ren. 5öer aber baö betreibe vom Silagen bei einzelnen Scbef-
fein »erfauft, ber nwg'ö aud) beim Viertel wobt auemeffeu
oljne ©efäbrbe. £c aber einem ein ganzer Sagen verfauft
wirb, ber folfe rem Käufer bei ganzen Scheffeln auänicffen
unb reetytöfräftig gewähren bei bee?Katf)e$ Strafe. — Unb
nad)bem aud) ein (*. Watb sermerft f>at, ban mit bem «freite,
fo jum SÜtarftc geführt wirb, *M betrug unb Geilheit, bem
gemeinen Vlimiüh uir Sefdnoerung eingefallen ift, fonberlid)
mit ber l'ange bco «£K>l$eo, bemfelbigeu aber juvcrgtifomnicn,
l)at eintKatfj gefeftt unb verei Diict, unb tic Waape unb hinge
einee efclidjen .£olt.etf an baet töatbbaue bei ber 9&a$c Rän-
gen Jaffen unb befiehlt, bap ein tnlid>er, ber ba $rAit()olg ober
i)arrl)o(j $u Siarfte bringt, ober tferfaufeu will, ber foll r?a*
ben bie Vänge beö längten eiferneu Stabes an ber 3Bad>e
l)ängenbe; item, ber ba $reiml)ol* ,iu s)Jlarfte unb töaufc
bringt, ber foll Ijaben bie IMnge t>e* anbeut unb für;ern eifer*
nen Stabee an ber 9fiad)e l)ängeube, bei luuluft beö «£>eüeö
unb be$ ftatfjee Strafe"*). Xie Trauer in ©örlifc baben fid)
in neuerer 3eit in ^nnnngebejiehungeu an bie breelauer
Trauer angefdUoffen. 5öir Rieben ju biefer flbtbeiluug nod)
eine ©efellfdjaft, bereu Statuten in bie magiftratualndjc Samm«
lung aufgenommen finb.
7) Die Sd)üfrengilbe**) Diefelbe fann in 21 Mtycn ihr
50Öjär)rigefl 3u6iMum feiern, beim üjrer roirb fct>oti beim 3afyre
1377 in gleidjjeitigen Stabtbüd>ern gebadu. Sie entftanb
urfprünglid) tu bem ^roerfe, bie Bürger im Stießen *u üben
*) ®örl. SJtjVtorif«, 3al»vg. t838, p. 50«. 00«
••) 3nr ©efetji^te ber €d)üfctnflife< in ÖJbrli^. ©ort. 2öffl\i\ 1837.
(ftuff. oon £&l)ler) p. 74? *ergl. ©örl. ©fg». 1833. p. 337.
©efaüttc ren ©erlifc. 39
610
, -
bamit fic bie Statt in jtrifgägefabr oertfyeibigen fönnten. 3Bie
nothu l iiot^ t>tcfc Hebungen waren, baoon tyaben Die (^Übe-
rlingen ber friegerifcr;en Serba Ituiffc, in welche bie 6rabr jum
€>d)u$ il>rcr Steift, $ur Slbwefyr fce$ geinbeä oon ü)reu dauern
unb l'anbgütern nur w\ oft gebrängt würbe, unfereu Sefer mefyrfadj
überzeugt. war uatürlid), bajj bamald ber föatf) flef) be-
eiferte, bie ©übe auf alle möglidje SÖctfc ;u fördern. @$
waren jxet$ bie angefefyenften Mitbürger SWitglieber ber ©übe,
unb finb e$ auet) geblieben, feitbem ber ernfte ber ge-
genwärtigen heuern Ssebeutung biefer Vereine gewieften ift. Salb
würben auf Seranlaffung beä ?Xatfte$ offentlidje ^ne^cn ab*
gehalten unb für Selofynung ber befreit €>cftü$en and ber Stabt-
raffe greife auögefefct. 6d)pn im 15. 3a()rbunbert, unb *war
gu Anfang beffelbeu würben fyier ^fmgftfdjiefien gefeiert.
$)ie görlifler ©d)ü$enaüre bcjtanb ganj in $oxm einer 3»»M
ober ©enotTcnfdjaft. X)ie tScftüfeeubrüoer wählten Öleltefte ju
iftrem Sorftanbe in weitem jwei Seijifcer beä DlatfteS fapen.
1 ie ©übe hielt eine Vabe gleicft ben übrigen Innungen unb
führte ein Sud) über bie mcrfwürbigfteu ßreigniffc ber Srnber-
fa)aft. £iert>on finb noeft einige Sänbe mit frönen Silberu,
©emälben, k. verfemen, erftalten, bereu ältefter im 3. 1593
begonnen, ftaeftrieftten bi* jum 3al)re 1519 abwärt* mitteilt.
5)ie ©übe tftcüte tieft feit beut JMuffommen ber Sa)iepgewebre
in $Wet Abteilungen: 8rmbruftf<ftü&en unb Sogenfa)ü$en,
welche aber auf Anerbnung beä >Katf)cö im 3 1605 fuft wieber
»ereinigen muffen. 2Öaftrfa)einlicr; waren bureft biefe 8pal*
tung ^arteiungeu unb 3änfcreien entjtanbeu. $tm 4. 2)ec.
1615 betätigte ber Diatft bie »erbefferten 6cftü&enartifel. 3m
3- 1530 befdjlojfen bie Scftuften für Den zeitweiligen äonig
ein Jtlcinob (golbene tfette) maefteu ju lauen, welcfte* im 3-
1532 jum erften äRale getragen würbe. 3eber 6a>"$cnfönig
mußte ein ©lieb baran madjeu lajfen. (£beufo legten bie Sücft*
fenfcftüfcen im % 1534 für fid> $u einer fitbernen tfette jüfam*
nten, welche 22 Sotl) fdjwer war unb 15 ÜRarf mit Arbeite
foftn foftete. 3m 3. 1550 bewilligte ber föatft bie Anlage
zweier Äegelpläne (Sahnen), beren feinnaftme in bie Scftüfcen*
raffe floß; fpäter erhielt ber jebeämalige flenig buref) ben föatft
auf ein 3aftr Befreiung vom ©efdjofh ©acfttgelbe unb beni
Xfyorftüter*©elbe. ©fit 1550 Fonnten beim £a)ie£en jwei
»aflelbänfe CBürfeffifcbe) aufgehellt werben, «(* ein fctfttftt*
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. 611
rc6 3<id}tn ldt>Ud>er ©efinnung ftefjt im Wemorialbu<fye beim
jarjre 1671 *eqeicr;net, bafi tic €d)üöenältefren jum ftatye
gefommen feien mit Dem Antrage: ba$ seither (Sonntags ge*
bräud)lidie @ebiepen na* bei* $reDigt auf ben Wonrag ser*
legen ui (äffen*) Die ttorfyanbenen (5(t)u$en-'$lrrifcl ger)en nicht
weit jurfuf. Sie ftnt> aue Den 3a()ren: 1714, 1725, 1738,
1743, 1768, 1770, 1772, 1829**).
Da bie am 14. Wär$ 1848 bar ©tabt (^örlifc burd) .
3r)re Wajeftät bie Äönigin (£lifabetl) « ^reufieu gefdjenftc
Stabtfabne meifteuö bei Sdjüfceufeften gezeigt wirD, fann
folebe am heften l)ier bejebrieben werben Die ftafyne, ein
Weifterwerf ber Stitffunft, ifr aufgeführt Duid> reu fönigl. .
^ofjtitfer *Röl>richt in Berlin 8ic enthält auf Der «öauptfette
Den fönigl. s)tamen$bud)ftaben K (($(ifabett)) in 3ilber auf
retbem Örunbe mit go(t)euem Gahmen, au jefeer 3eite einen
(£iaSeu$weig, in jeber Öde ein $>ayJvenfd)ilD, ba$ fönigl. *l?reuj*. -
rweimal unb Da* fönigl. $airifri)e zweimal. Die ^anierfeire
bringt in Der Wirre Da* volle 3tabtwaweu i» @k>lb mtb
Silber uud Die färben in 6eiDe nebft 3 reinen 3n jeDer (£rfe
ein 2Öawenfd)tlD , nämlid) zweimal ben weisen göwen im
rotben unb ben fd)war$en Dop^elabler im weißen gelbe. Die
Spifce enthält bie ^abrefyabl 1848.
Da$ alte Sd)ie#bautf, „aire 3MfaN" genannt, war an-
fänglid) in Dem 3wingcr beim Jrauentbore, wo notf) je$t Da$
fogettaunte 3n^,ljJ<l'JSd)i1$enbau^ fleht, weldjes Dem 3d)itfcen*
buetje jufolge 1587 erbaut würbe. Diefe 3fcl(tart wirb in Den
ftatr)drea)miugen fetyon beim ^atyre 1377 genannt. biefer
3*it flammten aud) mehrere im 3ar)re 1837 abgebrod>ene ®e* .
mäuer beim ehemaligen ftraueurbore. — <Seir Dem Jafyre 1 496
wirb eine $$ogelftange erwähnt unb jwar auf Dem 93erge bei
Den Sfeinbni^cu***). Jiu 1552 würbe fie burd) Jöaiiei
•
-) ®örl. Wea,tt>. 1837. p. II.
••) M..I. A. tom. III. 10V. toiu. III. «74. irll. III. ilitiij. III. iUOk,
III. 423 b
*"*) ^algenbe, fotoie. einige anbere 91ctijeu üiib einem $aubfd)rtftltd)cn
ÜBucrje be* ehemaligen ^Bürgermeifler Keumanu (\e$t im SBeftfye bee 4?rn.
Jammer hierfelbfi) entnommen. 9t ffaben ftffy bie merfwurtia/ten fläbtifd?en
OJebäube, ©äffen k. ver^eicfjnvt mit *Bemerfuna,en, h>te foldje bie mehrqe;
bauten alten <Stabtburner, ba* SRtmortolburf)' unb anbere hanbfdjriftiidie
Duellen ergeben.
39*
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Seibt auf ber $$iehweibe in ber SRäfye ber ehemaligen (Scheu*
nen von ^cU-crbaui. 1558— 1500 würbe baö babei befiublicbe
,£>auä gemauert, unb über bem (nbgefchofi ein (Stotfwerf von 8
Senftern gront ^wifchen bem 6. unb 7, über bev £au$tbüre
tburmartig errietet. 1580 würbe ein £tutf ber 5$iehweibe
alä €>cr)ü$engarten mit fpifceu pfählen Hmjännt. 1588 würbe
bie neue SBogelftange aHfgeridjtet, .welche jebod) fci)on 1624
qäitg(icr> eingriffen unb J630 burd} eine neue mit gemauertem
Umfcfcrot erfefct, baneben auch baä ^>aud auSgebeffert vmirbe.
3m 3- 1649 würbe eine neue $$ogel|tange bergefteüt auf ber
s^auerj 1671 bie SRauer, in welche ba$ £olj *u fielen fam,
bis aHf c. 30 (£llen ^#l)e gemauert. 1714 würbe eine neue
©tange aufgefegt unb feit ber ^cit mit gelegenen 9Ror)ren nad)
bem U$ogel gefdwffen. 1835 brach mau bie s$ogelftange ganj
ab. — lieber ba* vSd)iepl)au5 an ber ^ceiße berichtet ber Hn<
hang.
SBon ben nicht *banf* berechtigten Innungen gebort hier bie
wid)tigfte unb jablreichfte in $örli$ au bie <5pi&e:
1) Die ludjmadjer. X>iefed Littel war feit ben älreften
3citeu ba$ erfte in unfern €tabt. (S* wirb hier nothwcnbtg
für biefe 9$ef>auptuug, weld)e bis je&t-oh»* näheren Stoveio von
uns ()ingeftellt worben ift, äeweife $u liefern, inäbefenbere bafür
baß bie Xucbmacherei 511 ©örli$ burd) vlämifche (Sinwanberer
eingeführt würbe. £d)on*) im J. 1154 fefrte ber »ifdjof $u
SMeipen bad Dorf Döhren für flanbrifd)e (£inwauberer auö;
warum follte er nicht foldje aud?. nach bem ju feinem Sprcn*
gel gehörigen ©örlifc gewiefen haben? sprachliche ©rünbe
bringen biefen (Schluß faft bifl jur (Svibeni. finben fid) in
ben älteften görli&er 8tabtbüd>eru 2(u$brürfe, welche ber fonft
brchid>lichen (Sprache gan$ fremb unb alhuieberbeutfdjen Ur*
fprungS ftnb. 3n ben alten 2led>tung$büd>ern ftnbet ftch regeU
mäßig ber SluSbrurf: wegelogefi, altnb. = am 9Bege auflauern ;
orlouge (orloug altnb. oorloghe) = 2(ufrur)r, Tumult; geezoge
(altnb. auch ghetuygde) =. Aufruhr, Auflauf; meteborger
(altnb. aud) niedborgher) — Mitbürger. 211* weitere 93e
*) 9öer hat ba* Xuct)mact)era.ehH,rbe in ber «Statt dtöriifc begrünbet?
uff. ». Äotjler) ®örl. Seghuif. 1837. Ueber bie att --nieberbeurfdjett
arte »ergl. ba« bort citirte: ComeJii Kiliani Dktionarium leutonicum-
inum. Traj. Bat. 1777. 2 ©be.
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weife tonnen Dienen bie nod) üblichen tecbnifcbcn Wu^brütfe ber
hieben üudmiactyer fiiv tf>r ©ewerbe, welche nieberlänbifchen
Hrfprungd, in ben $ieberlaitben felbft aber längft außer ©praaV
»Kbraiteb jtub. Solche Wuäbrücfe ftno : Die 5Berfte (altnb. werpte)
~~ &tt\t, welche fe$t in ben Weberlanben: scheerdraad fyeißt;
bie 2abe (altnb. laedrv weucrslaede) ie$t in bcn s$ieberlanben
außer Skanct) ; bev lempcl (aünb. tempel, timpel); bie Spule
(altnb. spuck*) jety In •Jiieberlanb: spocl; Soppen (altnb. nopen)
= (eife berühren; bie Stiefel ober $Befe(fpH(e (altnb weuel);
Dränier (altnb. drom, drompaeren ober drum) u. v. a.
sltite bereite mehrfad) angegeben, vermehrten ficr> biefe (£in*
wanbertfr bebeutenb, unb würben, bem •föatbe gegenüber, al*
gübrer ber ^aubwerferbewegung eine sDcaa)t. £>ie erfien Uuru*
ben btefer Ärt tauchten unter iuehmacher^tamen auf im Anfange
bed 14. 3äfyrt). «nb ber llmßanb, baß bei biefem ©ewanbfd)mtt>
Streite, ein jtauftyau*, ein 1ud)hflu$ erwähnt wirb, beweijl
hinlänglich bie fd)on bamalä große SBebeHtung be$ (bewerte**)-
3)rau ging überhaupt in jener früheren 3*u Mit ^em ®nin&*
fa|e au*, baß ber Jabrtcirenbe ftdi nid)t mit bem Zerraufe ju
befchäfttgeit habe, vielleicht um ber ^ernad)läffigung feined
©ewerbetf vorzubeugen, inbem SEBarten auf Käufer leidjt mm
Müßiggänge verlocft.
lieber ben (*Jewanbfa)nitt fyatte ftd> im 3- i486 wieber
viel ctreit erhoben. X>a erging beim ein 9efd)(uß beä töa*
tljefl, welcher ben Schnitt von gewidmetem görlifeer üueh frei
gab, ben wir feiner Mcifwüvbigfeit wegen hier jnittl)eileu**).
•) oben, £. 116.
•*) 9Up tenn ber 9tatf> vcrmalp etm fafluiia, vnb flebotty von bep
a,ett*anbtfnibt a,emad)t vitc befloffen bab, ba<* benue mannigfelbtgf mig^e;
braucht gehörten ijr, ÜhW ber Warf) mit SPortriUen t>er (?(biften vnnb ge*
fditvcren (Gfefdmvrnen), ba* fich furber bty *8üra.er Itidjmedjer isneiber
vinib allerlen ^anbttrmjf 3n bem GJroantfnit aifo *n hiiiect} folaet fal*
beim foüenn. Stile 93ura,er mögen alterte* getvanbt, fremb aber aityft jeu
C$orliq gemalt, tr>r> bad fei, fttetbeu, gebort) füllen bie Bürger ftftn frembe
tjetuauM viitcv fünft* grofeben fneiben, bbweile ber gulben vor 1 (Üctyod
gerechnet ivirb. (Mörlifcer Tud) mögen fty ttebod» nad) fernen lourben
(Gerthe) fneiten »nnb oorfaufen; fuUen vnnb mögenn bft ludjmedjer
f)ewanbt bao allt>ie c^u Wcrli$ ^enmdjt \\t fcnnb fein frembbed fneiben
vnnb ben ber (£((en rifmeffen vnnb- nach roirben »erfenffe«, ^Bunber bn
tSneibcr unb allerlen ^anbttrer^f ftttten vnnb mögen auch alterten gewalibt
t>aS aib\) qu ö*orlici gemäße i?t, tnnb fuft fenn fremde! fneiben, alfe,
ba$ f» bad fürbap offenbarltrt) t?nnb nirfjt tt)«n, vnnb itlidjö naeh fenneu
6U
3d)on baiua($ war e$ üblicr), bajj bie Xudje von einzelnen
reiferen Seilten , aua) ivehl ait$ beut jKatfye aufgefauft unr
verrjanbelt würben. 3n bem melgebacfyten iöterftrette mit bem
fatr). Pfarrer bennfcten bie @)eiftlicr)en Diefe Xfjatfacrje, um ba$
^o(f gegen teil )Ha\ty aufzuregen, bodj war ber Skrfucr) ofme
2öirfung, ba Die be$r)alb r>or ben Oiatf) gelabencn fleltefien
beö £anbmerf$ erfldrten: bap bad «jpanbwerf bavow nur $$or
ibeil, feiueSwegd irgenb weUbcu 3a)aben t>ätte*).
Die im 15. unb Iti. ^ahrfyunbert fctyon burd) ihre Jciii
f>cit berühmten görlifcer £Hd)e würben fef>r weit verführt
unb würben in tiefer 3*i* vorjugöweife abgefegt nad> $oCen,
JDfipreujjen, Ungarn unb ber lurfei. Ate ^aHptmarfttoläfcc
für görlifccr Xudjwaare fommeu wieberrjclt in $etrad)t bie
£täbte 'Hofen, Sreefau unb SX ruf au, lefctere £tabt für Den
Orient, hieben bet 9iotl)wenbigfeit einer Xud>haüe, tereu
f$on gebaefot ift, (äffen bie auö bem 13. 3af)rrmnfcert verbrei-
teten oagen arjnen, wie grofi ber *nffd}wung biefe* (bewerfe*
fdjou bamatö gewefen ift. Dod) sermogeu wir ben bei ©rof
fer**) angebogenen Angaben nidjt el)er (Glauben $u tdjenfen,
a(* bi* eine (kinn^t in bie Briefe möglid) geworben ift. Da-
wurden fueiben vnnb verfenjfen , vnnb ba* fuldje ©orlitfd» Xudj, bn bn
99ura,er, lurtmedjer, ©neiber vnub anber £anbtrcera.f fneiben r falten ge-
*eid)net unb nid)t »na,e|eid)net fneiben. Sü) fal von $uraer, Üudjmedjcr.
vSneibcr *nnb allerlei) £anbt»era,f bip »f be« Diäte* tt>ofa,efaUeu , ge^al-
benn werben.
Actum in cur. (lorl. sabato nadi 5Wattl)ie ci^^of^cli (25. gebruar)
in bem lxxwj 3arc.
lih. Rosien. III. in bei Natfoofanzlci ad a.
*) N. Script» ror. Lusat. II. itü. W,.
"*) Siauf. äfeerFwüibigfeiten V. rap. II, p. 30. £ort ift ei» SBrief
Äaifer Äubolvb** I.. d. d. (frfurt, 15. $Iai 1274, abgebrueft, Worin tet-
Äaifer ben görli&er Iud)mad»ern feine befonbere Glnabe verfyridjt, an^eb;
lid>, roeil ihm bie Sud)ntad)er bei einer ^nrd^reife bnrd) ®örlÜ3 $elb ge-
liebelt batti-n; eine {weite 92aduid}t auf p. 31 ebenbaf. um ll wijfen, ran
im &idttntm 2t. fallen in ber «diweij ein üßeneju für görlifcer -iuefe
madier begehe. ttta (Mroffer ^ubolr^'e I. ^rief, ben er ttörtlidj mitteilt,
aefuitben, flibt er nid)t au. (fö follen auf bieftaem -^auMveif^haufe *tx
udMiiiid'n .\muutM, nad) VIuoh^o mehrerer Wnün, alte ^cfumente vor:
I^anben fein, n?eld>e nid)t von Ümeu entziffert werben fonnen. (9ine 9luf-
geid)uung unb Crbnuna, biefer iia^iere, ut weld)er iöerfaifer biefeö frei;
BiSki% unb unenta,elblid>, le&iglid) im Ontereffe biefer ©efdjidjte, fid> erbot, i^,
ungeadjtet mehrmaliger «nerbietunijon, bid t^eute teibet nodj mdft gemat-
tet worbc«.
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mit Mc (Ihre oe$ (bewerfe* atifvrcbt erhalten werbe, unb Die
görlifrn XuaVr immer folibe unD prcidn>ürDu) feien, war ehe;
mal& von Den Slelteften Die (£inrid>tung getroffen Würben, alle
verfertigten &itd)er im ,£anDwerf0haufe ;u prüfen unb nach*
Dem bie$ qeftbehen, eine late anf Diefelben in heften, waö
mit Sleueichen gefchabl 1)iefe $)urd)jtd>t nannte man: $Rer*
fen, Die ^Reiftet, welche fold)e bewerf jitell igten : Werfer, ein
Warne, nnter welchem auet) Dad £>anDwerf im Olanjen mit
Dem Vlnc^M Utk Werfer Innung (ober SRätfer* Innung? weil
Die Vlamläuber $uitäch?t au£ Der Warf einwanDerten) begrif
fen warb. Arbeit Dieter (Einrichtung überwachte Der $ath vor^
Utgdweife Die üuehmadjer, eiferfücbtig auf Die ßfyft Der gor *
li$er Xuchfabrifation, welche einem großen Ztyik Der (Sin-
wobnerfchaft Wahrung unb ©oblftaub verfdjaffte. (§r fn'elt
Den Tuchmacher * Weiteren eingegangene Wachrichten vor, bafi
Die görli&er Tuche an ^relewürbigfeit verloren hätten. 3m
3. 1511 fain gegen Cjtern Dem JKatbc Chren, Dag auf
verfloffencm tfaftnachtäiiiarfte \n Sreölau Die ^olen ftch über
Da* görlifcer Sud) befchwert unD gefagt Ratten: feit einiger
Jett fei Daffelbe ui für*, gu grob unD von fefjr geringer garbe,
H2öahrnef)mungcn , welche Die ungarifcheu Äaufleute veranlag
ten, viele Sailen mit görlifcer von Der dürfen nidn angenont;
ntenem Xudje, $urücfjufenüeu. $>ieö ^dtte Die golge gehabt, bag
gorlifcer Tudje welche früher 10, 11, ja 15 ^rojent mehr
al$ Die Der anDeru Sechäftäbte unD Die fa)lc|tfd)en luchtorobufte
gegolten, auf Diefem gaftnachtennarfte im greife unter ba* ge^
ringfte lauftmfehe Tud), ba$ von Welkenbach, gefallen feien.
Der Wath berief bamatö bie Äelteften vor fid), machte ilmen
Vorhaltungen über ihre Wachläfftgfett, unb eö würben, weil
mit Diefer" Angelegenheit im Wäth*geftübl Der >4teteröfird)e
gefunbene anonvme Briefe in Verbinbung ftanbert, meh-
rere biefer verbotenen ^aubljiug verbächiige Xuchmadjer, na-
ineutlid) Valentin (^ruuDcl, (Sonrab fcange unD $W*niid)el
in Ilrnrnt^efangniffe geführt, fpäter jeDoa), a(6 Die Unterfu*
d>uug fein weitere* Wefultat ergab, wieber freigelaffeu*). (*$
famen freilich trofc ber Aelteften Vlufjtdjt Uureblfchfeiten vor.
3m 3. 1543 würbe Karin Sten&el au$ Der ©tabt ge*
wiefen , weH er viele 3Mei$eid)en, womit ba$ £anbwerf
) N. Script, rer. Lusat. Ul. p. Uli.
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bte iHtfje bejcidjncte, entwertet, unb unter Xu*ma<hev ver*.
lauft baue*).
wn Swiftigfeiten Der Xudjmacber ift eine mit ben $rau
eignem in bemerfen. Die Xudjmäd)er hatten fett längerer
Seit $um £d)aDeir Der SMerbof berechtigten 5öter fitr ifjren 93e
Darf gebraut, Hm 22. Januar 1567 Raffte Der ätatb biefe
ein Privilegium- bcciuträdjttgeuDe citte wieDer ab, verwartete
Dagegen, Dap Die Cberalteften Deä Jr>auDwerr* gefd}of;fret t'etn
tollten, «n biefen ftacfrfap war Die SkDinguug gefnupft, üc
feilten Dem ftatbc Dafür mit jäbrltd} 12 ®r. au* Der *abc
;u .ftülfe fomuien.**). Um 30. Januar 1616' eittfdpct Dei
>Ratt) einen Streit Der Xuebmad)er unD Xud)fd)eerer , welcher
auf Dem llmjtanbe beruht fyatte, bap gefriere Den Xucbmarf>erii
nicht geftatteu wollten, fremDe Xudjfctyeerer bei Der Xudjberei
tung au verwenben***). 1708 erregten Die Xudjfnappeu einen
großen ttnfjtanb, b. I). fie verliefen in SKaife Die Stabr, wut;
Den aber wieber $ur rWucffchv veranlagt, ©ie Den 21. £c*
tember 1726 ein jwiefpalt $wifd)en Den Xudjmacbern in ®öx-
li$ unb gianffurt a. D. £>. entfd)ieben würbe, ebenfo fonnte
am 19. s2)iärj 1732 eine Jming unter ben Xudjmacfyeru unD
Xud)fd>eerern bureb ein lanbe^berrlidje« fteffript beigelegt
werben f).
$>a$ gcrlt&er Xud)mad)erge werbe bat, wenn aud> nad)
ber 6mnft Der uiet>r ober weniger unruhigen $tiun, ftärfer
oDer fdjwäd)er, ben erften Slang in Der Stabt behauptet, 9n
Drangfal reidje perioben waren für ba$ Xudjmadjermittel Die
^ufttenfriege unb Die Unruhen unter tföntg ©eorge pobiebrat
mit Der langDaueruben Unftcberbeit Der «trafen, welche Die
Xudjfabrifatiou in * Steden brachte. Die im 16. jat^nn-
bert $um ^orfdjein fommcnDe ÜttüiMvcrwirrung braute ben
görlifcer Xurtmachern vielen 8d>aben, inebefoubere wegen ber
polutfcbert ©rofeben, welche ihnen auf Den Xuebmdrften in
(schienen unb polen für voll gestylt, in Der £berlaufi$ ba*
gegen nur-t.u nirbrigerent Äurfe angenommen würben ff). Jm
*) (^örlipet ^i'flwdict IHi8, |>. tioO (nad) bem 9Wemorialbu(t».
**) 9Ncinorialbud) ad h.
Äanffer, Cbcrl. ®<td)id?t< IV. 141.
v) $«fc $0bmfnte im iKatfj*ard}h><.
tt) \. Script, rer. Ins. Kl. p.'OHÄ, t. 3L«<rf oben p. 271 . *72.
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bretttfgjribrt.qen tfrie«ie litt ba$ v§anbwerf mit ben übrigen, im
ftebeujäbrigen t?ej$ua,$wdfc burd) aufgefegte ludjliefernmjen.
lieber t»te Stärfe ber 3miHtt4 ftnb tun im Mannen roe<
nia,e, unb — ba batf ftatifttfdie (Clement bi$ jeftt febr tu bei
Oberlauf^ smtad)lafftgt werten iff — nuf atmäbeutb rtd»<
tt^c Angaben ;ti matten. Kenn and» cie meifteu ber uad>-
ftebenben vereinzelten 9tütt$en auf amt(id>en ober U>enfaftett6 »im
fMffyen Verfemen, beueu in bie amtlichen ftfteii Cftnftif>t gemattet
war, ausgegangenen 'PaoffentliVbutigeti beruben, fo fommen
tiefe bem gewcbnlMen Vaufe bei Dinge uad* ber $i*abrbeit nur
nabe, ftnb jebod) feiten «3 a 1 1 ^ PcttfMttbtg. Denn and) bei 1111$
fibabet Der SÖabrbeit foldjer Angaben tie Scfcrgnffj ber (**e^
werbtreibenbeu, beu 'Öebor&eu einen ffaven $Mirf in ben Um-,
fang ihrer (*>efd)äfte \u gejtatten, inbem fie r>ot>erc Sefteue-
rung befürchten. $m X 1538 gab eö über 200 Tudnnadjer
in ©örlifc; ob 4paffe*), wie ju vermurben, barunter aUcin
^eiftei mftanbett bat, ift ntct)t $u beftimmen. 9?ad) ben
Angaben in Sdjnmann'ö l'erifon**) waren in (^erlift im
3. 1700: 500 ludMuacbermeifter unb 100 ©efellen; 1788
waren 300 Xud)mad>erm eitler, weldje 5597 6rütf lud)
verfertigten, unb ein 58ollmaga$in jur Verfügung Ratten, auä
weld)em ben armen ^eiftew nad) Umftauben sBoUe vorge^
ftrerft WHrbe***); 1804: 369 Weifter, von benen 246 für ftcf)
arbeiteten; 1816 über 300 Reifler, weidu* über 1500 Spin*
ner befdjilfttgteu. J>»t neuerer 3eit ift burd? bie sJHafd)inen-'
fpinnerei bie uid)t unbebeutenbe ber Heinereu sÄeifter in
2U>f)ättgigfeit von (*n*gro$ lHd)gefd?äften gefemmen; eine gol^c
bavon, bap bie 3)feifter nid)t frül>er ibre (Melbmittel in engeren
Affoeiationen verbuuben fyaben. Sc fall gegenwärtig ein niebt
geringer U r)ctl nur and ber $attt) tu ben 'tWunb arbeiten.
^)ievuad) ift aud> bie 3ÄM btx ^elfter mit beut AuHcbwunge
beä gabrifwefeuä, im ^erbältniffe jur immer fteigenben Be-
geiferung ber Stabt genommen, febr gefallen. (&xo$ iffr ber
Unterfdjteb feit bem M\yc 1816 ;u bat fclgeitben Angaben:
im 3. 1831 waren: 50, *L832: 90, 1^33: 90, 1834: 90,
") obnt 302.
*) III. 219 f.
") %Ufyt<T$ «auf. »JRüiMlofrfjrift 1791. p. 49.
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618
3<if)l ber gabrifeu überhaupt nur 1 betrug, waren 1836 Deren
ftwclf). guf bie 6ot)e Der gafcrifatiem lütt Die Okone Der
flndfubr rjatte tote Werminberung Der Stifter feinen Slnfltif.
3m iahxc 1837 gingen in ben ju ©crlifc beftublid)en gabri;
fen 1770 Rinteln, tu ber in i*ubwigöborf gleichfalls gorüfcer
ftabrifanten gehörigen gabrif überbied 660 6vinDeln. - >«
3abre 1838 waren jtber 158 £tüble i>on 130 felbftftänbigen
Iu(t)mad)ermetftein im CManae. X>ie 3al)l »»« »bnen g«'
webten Iud>e warb auf 7094 Stütf -anheben. 3öüÜ|>inn
fabrifen waren im 3- 1B38: fteben mit Ö704 evinbeht, fl^
pretur fluftalteiMebn mit 37 föaub- unb 47 £d>eermafd}ineir)
@>egm l*nbe beö Jatyre* 1849 gingen fteben ^olleitgarnfviu
ncreieu mit 5380 rteiufvinbelu, fünf Davon burd) Dampf dCi
trieben; für cie Iud)maa)er fiub I72 3tül)le im ®ange,
weld>e 97 ^etfteru gebäre» j Xucfyfärbereien waren fünf;
Balfmüfylen fed>*. Appretur*, ^rep unb 6d)eer Vtnftalteu
gibt eä neun mit 86 j)taubmafd)inen, 47 (£\>linbern, 17 ^urft-
mafcfjiuen, aHcb 18 ^reffen. Den amtlichen Angaben uad>
würben in Umgenannten ^titftaltctt 468 Arbeiter, in Der Ttiat
aber, wie uiri merjrfeitig verftdjert werben , bei weitem mei>r
befdjäftigt.
Xie mit Xucfyfabrifation be fcfoaftigten ^anbwerfer tljeile»
fid) in lucbmadjer, Xucfybcretter uub £ud)fd)eerer, weldje ityre
befonbem Wrtifel haben. "Bei beut neueu ^uffcrjwunge, wd-
d)en baä 3unungewefeu feit einem 3abre \\i nehmen beginnt,
fyaben ftd) am 29. Xejember 1849 Iud)fd)cerer unb Xudjbc-
reiter gu einer Jitmiiig verbnnbeu*")..
*) ©&ri 3tfea,>r*eifer »838, p. 404 jf.
•*) «ort, SHeauu-ifer 1839, |>. 140.
••*) $ie ItifbmadKrgefellen feierten am 8. Cftbr. 1849 batf ftefi einet
neuen ftabnenroeibe. £i* ftaljne ift t?i>n h?eiper (Seipe. tlnf Per $aurf-
feite befindet ftd) Pae von $tt>ei Soweit ^ebattene Wappen Per jtinuna^ pu
3nft«jnien ($roei a,efieu$te 3lli>llb«>a,ei\, in per 2Mitte jroei gefreute i»?ebe-
frtjütjen, an jeter 5 fite eine Waubfarbe, wie fie bei Per frübereu ^ant-
rauberei erforberlicb waren, uub unten $roei gefreute SUalFbämmer), nacti
ber Naturfarbe in blauem #elbc. Ueber beut £d}ilbe eine ftürfteitftt>ne
mit ber Umfcbrift: „Die 3)ruPerfd)aft Per £ud)fnabpen in ©öriifc!" Unter
bem ÄcbilPe ein grüner ($id}en^veta, , unter »eldiem bie 3afire$$abl 1849
»lebt- Sluf ber kjjanierfeite ein ülbernee fctjräa*^ £reu$, u£er »eldjem bic
£er$0a,afrone von ^Bur^nnP, mit einem Purd) Pie Ärone getiefften 3at?fen
«nb Pauiber Pie 3öorte: „Dee Seif« £ru*, Pce dürften ' <©d)U* !" Unter
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t>19
Die fyiefigen Xud)mad)er Ivetten in Sejug auf Die vor;
fjanDenen 3nnung$artifel Dad l'oo$ aller 3nnungen f>ierfelt>ft.
i)ie alten ivurDetv $ur sl*onfall$perioDe in *prag jttrutf behalten
'Xudjmadjer-flrtifel finD in Der magiftratualifd)eu Sammlung
vom 3afyre 1557 Hirt) 1 592 , ferner ein $*ergleid) $tvifd)en
ifynen unD Den Iu(r)fd>eereru vom 3- I H 1 6, ein $krgleid) mit .
Den Tuchbereitern vom ^abre 1625, nnl) eine DrDnuitg wegen
Der ©efellen vorhauDen; noch im 3. 1666 haben Die Ina)
(leerer unD lurt)bereitei gemeinfame ftrttfel, feit 1675 trat
eine Spaltung in $voet Innungen ein; von Den lud) bereitem
erfctyeiut noch eine (Mefelleu* Drbnung vom ^abxt 1680, von
Den Tttchfdjeerern aber eine Umarbeitung ihrer fcrtifel au£
.Dem i^ar>re 1711*). 3nt % 1831 erfolgte bei Der Xucr)mad)er-
&egräbnif??&afie Die Aufhebung Der 3a(ne$fonvente**). Unter
Den Dt et Innungen, welche (Xudjmacber unD J^leifdjer Die erften)
fteltefte feit Dem Jahre 1 400 in Den ?Ratb febitften, waren:
2) Die (Berber, unD war Die 9lott)gerf>er. N^on leiteten,
welche ibrer^eit eine grofie 93eDeutnng gehabt unD aua) fehr
jafjlreid) fyierfelbt? vertreten geivefen fein muffen,' jtnD nur jvoei
Elften üu efe in oft erwähnter Sammlung, nämlich 3nming6ar*
tifel vom 3al)re 1611 unD ein 3$erg(eid> mit Den 8d)ut)mad)ern
auä Dem 3abre 1615. Sluper ifjnen ftnD Die $öeipgerber 511
merfen. 3fyre Ärtifel finD auö Den 3äl)wi I 1 , 1576, 1584,
1611. >43om Jahre 1576 aud> eine s2ÖeipgerbergefeUen*OrDnting.
Jm 3. 1670 fommen Aei(« unD 6ämifa)gerber*%ilrtifel vor***),
©erber gab ea <£nDe 1849 überhaupt Ijierfelbft: 1 7 >!)teijter.
3m 3- c- 1790 verarbeiteten fte jährlich ungefähr 12,000 rolje
gelle aller Art.
3) Die Sd>neiDer'3nnHiig f>at eine grojie ÜWengc mel)r
oDer weniger abgeänDerter Staruten, aber fonft befonDere 9tad)*
bftn &veu\( *ßalmen}tt>eüje, tteliije bie 3ahr«e^ilU 1535 beforiren. 3n brn
Ifrfen «rabeöfen, an ber unterm (Scte ber Warne ber ^tirferin: Ämatie
filtert, cf. Oteue* *auf. SOtaftaj. 1849. p. 5«0. lieber bie *ö<beutuu$
ber bürg. Ärene für bie beutfiinrn Xiidjuiadjer überhaupt, (ftörl. Sfi?eflh\
1834. p. 744.
•) M. J. A. III. 160, II 312b., I. 56b. I. 131, I. 198: I. 213.
(q,emeinfamer «rtifel); III. t, III. 4t, III. It, U|.'H3.
••) M. J. A. tom. IV. p. 80 b.
•••) M. J. A. tom. II. V28b. tom. I. 31».; tom. II. 8V. II. t$2.
II. 213 h., II. |f?b., II. f 6i ; tom. I. p. 185. Ueber bie uatutifciie Vi 11
gäbe toegen be« fceber*. f. $eftye<f* «auf. ÜHonatifar. 1792. p. 42.
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620
nd)teu ntd>t auftnweifcn , auper Da£ Die ®efetten im 3- 1475
mit Den $iauji#fanermönd)en in eine a,eiftlid>e ^3ritDerfd>aft
traten unD rem fd)(auen (MuarDiau tycix «Röntg junt fleißigen
33efud>e Der Elitäre Der 5ran$tflfauerfird)e, gegen (Srroartuna,
rer Säittoenvergeftuiig aufgefordert würben*). £ie ,\nmma itt
Der $aritr Der Sadie nad) fict>erltd> eine Der alteften in ®örli$.
£)ie cdmeiDer mußten in Der »Ranft eben fo erfabren fein, n>ie
je$t, Da, wie jefjt, Die (Göttin *Wobe iu allen 3cttaltern
if)ren Sintbert am Selrreajmenl <\tljabt bat. 3>ie Xradjtert HS
14. 15. Iii. 3rtt)rl)unDertt mit Den reidj gefmften^&oUet* uuD
Sdmmfen, Die Dotter Deä 17. 3abrl). nnD Die frait$öftfd>e
Äleibniti) be* 18. 3a^rt). erforderten ijrofje ®efdntf liebfeit uno
©auberteit. greilid) würbe Da« $anbmerf oft fdnoer betroffen
burcr) Die Jtteiberornutiujeu Seltene Der über Die slkrfd>roenDimg
in äteiDcnt befolgten StaDträtbc**). 1494 ronrDe eine foldje
äleiDerorDuumj publtjirt. @)eora. (Sntmerid) Der Surgermeifter
* lieg, alc* er feine grau unD lödjter mit breiteren Sorten roiDer
Die JUeiDer ^iüfür, iu Die ,*ird)e fommeu lab, folctye burd) Den
£&ürfte#et öjfenütd? auSioeifeu***). Sie im Jabve 1607 public
Atvic JDrDuuna, von ^erlöbniffen, $od}|ettf« tc enthielt aud?
eine RleiberorDnuitg uitb rourDe mebrmaffl, in Den jabren
1670, 1679 roicDerboltt). 5)ie auf und gefommeneii flrtifel
ftttb aus; Den fahren: 1534, 1550, 1564, 1569, 159h, 1601,
1604, 1609, 1614, 1681, 1792; eine aldjeuietne Sifenciter-
Drbuuua, für Die £ed)£ftdbte wurde im VV 1576 befannt a,e-
ma^tft). Hm 16. #pril 1850 feierten Dao £d)neiderl)audvoerf
tyierfelbft ein Dreibuudertjätyrigee 3ubelfeft. SdjneiDermciftcr
gab cd Anfang 1850: 118 mit 122 ©efjulfen unD Clingen.
4) Xie 6d)inieDe, ein $anbmerf, welcfye* um vorigen
an Älter fdjwerlid} uaa)fte()eu Durfte, verfallen tu mehrere 3n*
nungeit. Die ^uf- unD 2Üaffenfd)mieDe, aud> SdjmieDc über;
Ijaupt, ftnD wetfello* Die älteftc Der Dcrfdjiebeuen $lbftufungen
biefe* (bewerte*. l£d eriftirt eine ^)uffa)mieDe^£rDnung vom
•) 9leuc* Sauf. a)taqa$. jatjrg. 1849. |>. 82. 83.
20. oben. ®. 313. 314.
***) Hofftnann, Script, rcr. Lumit. I. 2. |>. «21. 9tnm. d.
t) aDteiftcr, bei •ftopiann, Script. I. 2. p. 73. I. ©palte. QctgL
fjfttrir* $reiöf(t)rift a. a. C p. 202. 203.
w. tt) M. J. A. toni. II. fi. V V8.. I. 308, II. 61, II. 362b. I. Oöl.
388, IL 4*3, I. 33 b. III. V5, IV. 38, tom. L p. 3<Wb.
621
3<ifyrc 1574, ferner Sdimiebe-Slrtifel von 1584 unb 1598.
3m 3. 1580 waren £uf- Waffen - unb cenfeufcfymiebe vereint,
im 3- 1593 bagegen wirb fdjon eine €eufeitfd)imebe*Drbnung
allein erwähnt. $om ^abxc 1684 batirr eine $«f* unb Söaf*
fenfd>miebegefeUen- Drbnung. -DcMferfctymiebe Crbnungeu erfd)ei*
nen bei ben Sauren 1563 unb 1596; eine SKigelfdjmieb'JDrb-
nung 1673 unb 1810*). 2)ie Jfupferfdjmiebe in ber ganzen
£au!M> erhielten burct) tfatfer ftubolpb II. im 3. 1584 eine
jDrbnung, weldje 1654 unb 1691 erneuert warb**). 3 m 3.
1594 war eine Umberfung ber ©t. ^elerMtrdje nottyweubig.
M. 33artl>olo in äu$ ScftlteM, welcher >tivd>eupatrou war, be*
fprad) ftd» bamalä mit bem Jtupferfcbmiebemeifter (Saäpar
#euerjtetu, unb biefer rielb ibm Äupfer ;um Dadje ber $ird>e
^u verweilten, ba biefe $(rt bie jwerfmäfrigfte fei. Da$ Dadi
auf ber SRittagefeite warb taljer aufgeboten, bie ftarfen $3(ed)e
mußten in ber $i$c burdj ben »Jammer gelten, bamit ftc
gleidje <Stärfe befämen unb würben nacftfyer mit ioppelfaljen
auf bie neue gorm aufgelegt. £ie$ gefdnil) nao) einem dufter
wie ber ^upferfdjmibt fold>e$ an einem bretflauer Xfyurme
fyatte anwenben febcn***). (Snbe 1849 waren bierfelbft: 17
ö)rob[d?miebe, 5 Äupferfdjmiebe, unb bei ben Sdjltfftern unb
9$t!djfenmad>erit mitgcredjuet: 51 3irfcl-, Jeng- unb Sagel*
l'dMuiere. , -
5) <Sd>werbtfeger , bie ^Öaffeuaufertiger neben ben SÖaf-
fen* u. Senfeitfa)mieben gab e« jebenfall* fdwn feljr frftb tytx*
fctoft. lieber biefe* £anbwerf ift nidjts befaunt, alcf bie bei*
ben Drbnungen von 1574 unb 1615f).
6) Maurer -3»uuug. Ueber biefelbe ift im ^«gemeinen
wenig befaunt, nur aH$ ben baulid)eu Uebeaeften, bem ^fojier,
ben verfdjiebenen töirdjen, Parteien, ^tabtmaueru muß man
fdjliejjen, baß ^auptgrunbfafc fcliber SBviu war, baber <nicf>
wenig 3iegel »«t>, meinen* bei und unfdnver 3U befdjaffeube
Shudifreine, angewenbet würben. 3nt £äufcrbau war ein eigener
®efd)inacf. Stuf £elle ber Treppen würbe verbäünitnnäfjig
*) M J. A. toin. II. @. tll. II. ?Oib. II. :i6l. II. 481, III. 66b.,
IL 356, |. 337, IV. 69.
**} $ffdje<f* $tti*f($rift a. a. C p. 86.
***) mxl SüegiDetfer 1838. p. 465. 466.
f) M. J. A. tom. II. p. 436. I. p. BSb.
*
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6*2
"wenig gegeben; bie Stuben legte man fe()r groß unb geräumig
an, Da baö §01$ ja fein billig war, tic ^auöflur ebenfalls
febr weitläufig, watf feine 93equemlid)feit hatte, unnal nutt
zahlreiche gamilien bamald in einem ȣ>aufe weinten, wie in Oer
(Gegenwart, 5Äuj?erorbentliched aefdjab tu bei* Anlage von
Keilern; wir finben hier ^raufyöfe, weld>e *wei (Etagen Heller,
ein formltc^ed mitci irtifd>cö ©cbaube, tief in Reifen ge-
hauen bejtfcen. Sfuf Dem Äbermarft ift bie ^itf^e^e flpo-
tljefe barin merfwürbig unb nod) mehrere anbete ©ebäube, in
Oer s^eterogaffe Oer Trailhof 9io. 320., in ber $eijjgaffe bad
§interhau* au Wo. 321. teiner 3iegelfcbeune wirb fefoon 1358
gebaut. Die Sage gebt foldje l)abe bei ben Oiabeläuben ge-
ftanben. Tic gegenwärtige liegt außerhalb ber Stabt fettwärt*
Oer Strafe nad) £ubwig*borf. $on ber 3nmmg ftnb nur
<wei Hrtifel fcorhanbeu, ber erfte oon 1585, bie 3eit be6 jrori*
ten ift unbefannt*). Gilbe 1849 waren Heben Waurermeijter
^ierfelbft. 3u ben Waurermeiftern gehörten and) Die Stein*
meften unO BilOhaiier. 81$ ein oorjüglicber StWaun in biefem
gaa>eroirb Weiftet £>rtulpbu* u. a., am Qrnbe bcet 15. 3<^rhnn*
DertO genannt. 2Bir haben oon foldjen Arbeiten nod) Ueberrefte : .
Daß au$ mehreren Striefen beftebenbc ©üb vor bem ehemaligen
grauentbore, welcheo jefct, jur fünftigen SBieberauffieüung be*
ftimmt, aufbewahrt wirb, begleichen bie f leinen 53ilber am
ehemaligen Jilofterthore, ba$ im 3- 1488 am 9tath$tburinc
angebrachte .Stoppen beo tönige SRatthiaö" Verzierungen .ber
öhebel mehrerer £äufer, am grontiSpice beä £aufe$ Ätijj*
gaffe 9(0. 343, an ber St. &nnetifird)c , baä Söappen am
Preisgericht unb innerhalb beffelben, bie Dtofwbütten auf bem
Dbcrmarft unb bei ben Dramen *c.
7) 3tmmcrhaucr Innung. 93ei ben pielen ^ol^bauten
muf ir)re ©ebeutung von früh an groß gewefen fein. 2Örr
finben über fte folgente ^rtifel oorhauDen: 1569, J579, 1663,
1712, 1720 unb eine Crbnung wegen ber Sfehrfnecbte oon
1688***). (*$ gab ($nbe 1819 fünf 3immermeifter bierfelbft.
*) M. J. A.tom II.'p 217b. 3unft;9(rtiM bfr SWaurer unt Stfin*
fefcer. III. U4. (?).
**] N. Script, rer. Luttt. II. p. 4
***) M. J. A. II. G4.. II. 469, I. 93, III. «31. III. 1Ö7. III 89.
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623
♦
— ~ #
• Sfcti 21. Wai 1849 feierten bie ©efetten ein mit öffentlichem
ftufwae oerbunbeneS geft.
8) Die Xifeblerinnung, bereit ftepräfeittAtiten (8), bei bem
feierlid>en (Empfange Äönig gerbtnanb'* I. im 3al>re 1538
genannt finb, muß biefem llmftanbe nad) mit 511 beit einflufj'
retten gejäfylt werben. <Sie fyat jtd> and} fyicr ftete mit
ber 3e^ fortgefyenb vervoUfcmmttet unb in netterer $tit Tic-
belmagagine angelegt. 3tn 3- 1575 ftnben Ymr befonbere
$ifet)ler*Hrtifel, ebenfo 1597, 1618, 1788; feit bem 3. 1589
waren bie Äattbelgieper (welche Trinffviittie« fertigten) mit tl)*
nen in ber 3nnung; &OU itwen jrttb au»> bem 3at)re 1586 be?
fenbere 3nttungdartifel, feit 1590 eine ^eiorbnung über ba$
3Raa£ ttorr)anben; bie £>red^eler - 3nnung war mit biefen bei*
ben bi$ \\v\\ %\\)xc 1611 terbtmben. Tantals erfolgte eine
(Eonbernng, fo oajj bie 1>red)öler für fW) befteljen blieben.
93on ifmeu ift nod) eine Orbnung au$ bem 9tor)re 1605 auf*
bewahrt •). 3nt 3- 1849 waren 67 lifdjler mit 1 19 @e!>fiifeit
unb IT T>recfy<Mer, fowie 3 l)ierber getunige edjirmfabrifanten
in ®örli$. $u$ Jfanbelgie^er tft 3inngteßer geworben.
9) SBagner* unb ®teümad)er l)atten in früherer $tit ifyt
©ewerbe feinedwegö fo weit in 9(ttff(t)wung gebracht, ale» utt-
fere SÖagenfabrifauten. 3n ber altereu 3e^ würbe befanntlict)
äußern wenig gefahren, beim auf Steifen ritten bie grauen fo
gHt wie bie •iWäuner. (£rft (£nbe bc* 17. unb im 18. 3arn*
tyuttberte fameu bie 8Ba§eri jum Reifen in $rauct). $lrttfel
biefer 3nnung ftnb nnr auö ben 3ar)rert 1572 trttb 1705 t)ier-
felbjt oortyanben**). (Snbe 1849 waren 7 9taoemact)er unb ein
Geigenbauer f>terfelbft etaWlrt
10) Die Leineweber Innung war $war aud) in ©örlifc
oertreten, aber nur fefjr fcfywactj im tierrjaltaifl 51t anberen
eed)ö(täbten htfbefonbere 3ittau unb Huban. 2edfe**f) be*
(jaultet e* fei 00h OJörtifc unter bem Wanten: Garlicks eine
*) M. J. A. tom. II. p. Iii, II. 2701)., II. :W9. I. 112. III. 290b.;
II. 270b.; II. 227b., II. 281b., II. V26, II. VOOb. $ei ben Sauren 16*9
unb 1664 faminen befonbere Statuten einer Uuterabttmlung ber $red}*ler,
ber tfammmaerjer, vor. (M. J. A. I. 13G. I. 223.) (*nbe 1849 toaren 6
JCammmadjer bierfelbft etablirr. $ie ^antoffelmartjer fann man mit hierher
$ar/len. £erer waren Stnfana, 1850: 3 in ©iMrlifc.
**) M. J. A. lom. II. p. 40V. III. 92.
. ***) 8eefe* «Äeife 442. vgl. Wd?ecf a. a. O. p. 289. 290.
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684
Sorte Srinewanb uaa) Surinam gefeubet woiben; ebenfo foll
ein *!einewanbr)ant>el nad> (iuglanb, Spanien ic. beftanben
haben. 9frtifc( von ityucii unb ben ß^^'^ni unb vorbauten
auö Den 3al>ren: 1587, 1589, 1591, 1601, 1612, 1615,
161?')' weiften ^üduier unb i'rineirebetmeiftcr treiben
jeftf ^anbe( mit fä<fcfi fetten tfabrifaten.
11) !X>ie Aürfdfiiev. Xic Arbeiten tiefer junuug würben
früher arofjentbeilo bunti bie Sctyneibet verfertigt. 3)iefe fyat*
ten viel mit ^tnferiiguug von ^el^en $u ttyun, ba reia)e unb
gefdjmarfvolle s4n*Uc ein beforibever sJl)fobe*iHuifel bei unfereu
U3orfal)ren waren. Jtürfdnier'Slrtifcl \u\t> vorfyauben aud ben
3afyren 1578, 1603 unb 1782, eine ©efellen - Orbnung aue
bem ia^xe 1787 ). (*nbe 1849 gab ed 13 $üifa)nermeijtfr,
welche j^itijleici) and) ^nt\en fabriciren.
12) $ie Harber 3 mt uiiq fyat *u allen £<*nb in
«jpanb mit ber £ua)mad>crei bierfelbft beftanben unb i^re SBu--
atteber gut gendbrt. !sfi*al)renb früher Sdjwar*-- unb Sdjon*
farber allein erittirten * ), ftnb foldje in neuerer $tit burdj
Seibenfärber ergänzt werben, gärber aller Ä« waren (Jnbe
1849: 12 t)ierfelbft.
13) Die gifd)er Innung. 9)eftel)t fdjon feit fe^r alter
3eit. Jtfyren Statuten naa) muji jeber Stnworjner ber $eü|c,
weidjer einen Äalju galten tpill, Weifter werben, eine @igenfd)aft#
bie Übrigend buidjaue feine ^rarid im eigentlichen gifrtfange
vorau$fefct. Die gegenwärtige gifa)erei in ber vJ?eijje unmittel-
bar in ber 9iät>c vou Öörlifr ift unbebeutenb. tfrüfyert) wirb
befonberd Die ihkinlarte al* ein Ort gerühmt, wo viel gifebe
ftd> aufhielten. £ie ©einlache oberhalb beä Weijjviabuft* befind
lta> hangt unmittelbar mit ber s}ceijje jufammen unb erhält
von biefer immer neuen 3«wad)$ «" Gaffer. Sie er(txecft
ftd) gegen Sübweft gerabe bem Sauf be* 2Öaffcrä entgegen
unb weil ber glup bort eiue Krümmung mattet, burd) bie er
fta) in $wei Slrme tfjeilt unb eine 3nfel bilbet, fo wirb ju
Anfang bei Vacfce la§ von bem entgegeugefefcten Ufer abpral-
M. J A. toi». II. ?ft7l)., II. 279, II. 29« b. II. 364 b.. I. 17,
I. 50, I. 100, II. 157. *<tf\ (ftorl. mt$to. 1838. p. 405.
**) M. J. A. tum. Ii. p. 467. II. 373b., III. 341, III. 395.
3^r< Ärtifd jlttt von 1616. M. J. A. tom. I. p. t>8b.
t) »eue «auf. SNenat*fd>r. 4795. I. ©airt. p, 80. cf. $ffa«f,
?reUfd>rift vi. a. C. p. 44.
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625
lenbe Söaffer hineingetrieben. Die $Renge bed ©afferd ber
Vvidu1 t)dngl alfo unmittelbar von ber 3Renge ree ;Äcißwaffer$
ab; wie e$ im Alu mV fteigt mir fällt, fo fd>n>tUt unb tritt cd
in ber £adje ;uiücf. 3h Umfang beträgt an breite balb 80,
. balb 100, unb ihre Sänge gegen 600 Schritte. 3n ben neun-
ziger 3al)reti beä vorigen 3al)rl)unt>erts fanb man bort folgende
$i|d)e: 1) bic SMev ober ^raffen {Cyprnfus Brama;, 2) Hlant
ober ©ötyc :C\prinus Joses ; 3) bic s4Jlöfce (Cyprin. Krylhroph-
ihalmus); 4) bae *Rotl>aüge Cypr. nitilus ; 5) ber Ufelev
Cypr. alburnus ); (\y ^>ecl)t Eso\ Indus,; 7) $arfd} perca
tluviatilisj ; 8) Äaulbarfd) perca ceruuaj; 9) bic iWalrautoe
gadus Iota; unb 10) ben $la( (muraena anguilla) — IHrtifet
ber 3unung ftnb in ber magiftratualifdn'u Sammlung vom
3at)re 1572 unb 1788 vort)anben*). 2lm 5. December 1845
feierte bie 3nnuna ein 3wbelfeft ihrcö 9Öeftel)ene **)
14) ©lafer Innung. Heber bad Hlter biefer 3nnung ftnb
feine ftacfrtyten aufzubringen. 9ef*nW funftreidje *ßrobufte
it)ree ©ewerbee fmb auö älterer 3eit nid)t mer)r vorfjanben
feitbem im 3-1691 beim $ranbe ber et. $eter0fird)e beten
efycmate fdjon gemalte genjker gefprungen waren. 9tur einige
wenige bunte Scheiben ftnb bei ben l)of)cn Senflern ber fdjönen '
jtircfje noct; ui fefjen. 3u ber ©egenwart fyabcu mehrere
©lafcr gKafptnbdtugeu. flrtifel fielje in oer magiftratualifcf;en
Sammlung au* ben 3af>ren 1594 unb 1H70***). (Fubc 1849
eriftirten rjicrfelbft 9 ©lafer.
15) Xöpfcr Innung. Xiefc* ©ewerbe wirb and) bei und
fer>r alt fein. s3J?au wie* it)m einen Ort vor ber Stabt an,
bamit fold)c wegen ber Xbvferbräube vor geuerögefafyr jicfyer
fei unb fo entftanD ber Sfudbrucf*: Sövferberg in ber 9fcipvor*
fiabt. 3n neuerer Seit rjabcu fte (idf befonberä t)ier mit Ofen*
fabrtfatton unb Ofenfeftcn befdjäftigt. 3m vorigen 3at)rl)unbert
war eine 3C» lflllfl ^ HuSfufjr von üfjonvfeifcn rnefiger
Xö>ferf). Die Statuten in ber sJHagiftrat$* Sammlung unt>
aud ben 3at)ren 1595, 1614, 1656ft). ©egettwärtig ftnb 13
üöpfer in fyiejtger Stabt ctablirt.
') M. J. A. loa. II. n. too. Hl. p. M4. .
**) <&öxl «meie« 1845. p. 611.
•••) II. J. A. tom. II. 338. I. 277.
t) $efd)ecf'6 SWonatöfdjrift von 1792 p. 48.
tt) M. J. A. tom. II. 3N>, I, 36b., I. 90a., I. 198. $eföecT* %tx;
«efaid?!« ven «ürli|. 4() ,
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626
16) ©öttdier 3nnung. »ud) f)ier gibt e$ mehrere Tanten,
je naa> bem llnterfdjiebc ber Arbeit, in ©rop* unb tflein*
$inber (naa) ber ©ebeutung ber gefertigten gdjfcr), baraud
entftanb aua? ber Sluöbrurf $übner, Büttner. Die 6tatHten
berfelben vom 3a^re 1493*), finb bie älteften 3nnung$ftatutcn
fyiefiger 3ea)en, welche überhaupt auf und gefommeu fmb.
3n ber oft erwähnten (Sammlung ftnb if>re «rtffei aud ben
3af>ren: 1579, 1584, 1596, 1624, 1727~). - Eon irrten if*
Mi bemerfen, ba§ im 3. 1484 bie ©efeüen beö #anbwerf*
einen Slufjtanb erregten, b. von ®ärli& nad> 3ittau fort*
Sogen, weit ein ©efelle, Martin tfeffborf, früher ein ÜBiertel*
3al)r bei einem datier al$ <Sa)äfer gebtent unb baburdj ba$
Jjanbwerf entwiirbigt fyaben fottte. $>ie SReifler liefen fyäter
naa), ba|j bie audgefprengten ®erud)te falfa) feien •••) $ötta)er
waren (Snbe 1849: 17 &eijler tyierfelbft.
17) 2>ie Seifenfteber, aud} S!itt)tmad)er, giajtjiefyer ge*
nannt, fyatten indbefoubere in ben 3*iten beä Jtatf)olici$mu4
vielerlei Sidjte uub Äerjen für bie *ßro$effionen unb gefie \u
liefern. (£$ wirb von Ofierferjen in ©örlifc unb 3ittaa ge*
fproajen, weld)e 15 (fllen fyoa) unb mannfljtarf warenf). $r*
tifel biefer 3nnuna ftnb und befannt au* ben 3abren: 1672,
1696, 1728ft).
18) dfotfygiefjer unb ©elbgiefjer. lieber biefe 3nnHngen,
ift in ber genannten (Sammlung nur ein (Statut vom 3afyrV '
1618fft). 3ebenfall* gelten ftd) bie ©lodengießer )« biefer
3nnung, we(d)e neben bem Uraguß von (Dioden unb ät)itlid)er
Arbeit aua) ben ©ujj ber großen 33üd)fen ober Kanonen ui
beforgen (jarte. SBon @Hocfengiefiem flnben fldj einige Wrt
men vor*t). 3ol)anne* Suca* tarnen tragen: bie fleine
muthumi ber Xdpferbera Ijabe »on bort flefunbenen Urnen feinen Urfarung,
fc^eint ettoa* aefudjt. fe. ^efef^eef a. a. 0. p. 80.
*) ®. oben e. 115. @ie befmben ftd) in $olae eine« äRafulatar»
oerfaufe« anf bem »at^baufe im »efffre be« Stabtra$ Äoljler ijierfelbfr.
••) M. J. A. tom. L 478b., II. HO, II. 278, II. 358, 1.127, 1.4 24b.,
III. 499b.
*•*) Lib. Hesign. III. ad a.
ti SWnller'a oberL JReformationflgefcf}. 257. $eue# 2<raf. SWaflajiti,
1842, (S. 301.
It) M. J. A. tom. I. 32*. III, 201.
fit) M. J. A. tom. I. p. 408.
•t) ®brtt>. fflegto. 1833. p. 794. 795.
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©lotfe in 3fluernirf, DeutfaVCfftg (vor 1848), WarferSborf,
©aufüg unb bie f (enteren in 'Xengerdborf int 15. 3ar)ri)un*
bert, fctyeint ein ©örlifeer getvefen (n fein. — Abraham Sie*
vert in ©orlifc gop 167« bie gro£e ©lorte in ftricberSborf,
1681 bie brei ©Wen in Äreba,' 1687 bic mittlere in Ärifdja,
imb 1689 bie^ brei (Dioden in Sdwnberg. ©eorg Sievert in
®örli|j verfertigte 1711 bie mittlere OMorfe in fc'iffa; Senja*
min Börner, qop 1720 bie mittlere nnb 1738 bie Keine
©lotfe in UUerSborf, 1731 \m\ (Worten für Warf lijfa, 1732
ju>ei für Wefferäoorf unb 1733 brei (Dioden für 93ert$borf auf
bem (£igen. 3of>ann ©ottlob Siebert in ®brli$, goß 1768 eine
(*Motfe für 3änffiibnrf nnb 1772 bic mittlere in £efd}ivi$.
, Gegenwärtig ift ein CHlotfengieper bterfelbff.
19) Die ®olbfd)miebe hatten alö Seibcnögefäfyrten ber
Sdjnetber viel Sdjaben burd) bie von 3e*t auftau*
djenben äfetber* unb $uru$crbitungeit. lieber fte ftnb Sfrtifel
vorfyanben vom 3al)re 1567, 15*4, 1610 ). ©egfmvärtig
ftnb fed)3 ©olP- unb Silberarbeiter bierfelbfi etablirt.
20) Tie 93eutlei getreu tl)iem bewerbe nad) 411 ben
altc\ten 3uuuugen. 3&re JOrDiimig vom 3af>re 1570 ftabeu
jie nod) mit ben Krämern gemein. Die jweite, in jene viel*
erwähnte Sammlung eingetragene, -ift vom 3- 1592 '% Sie
führen jefrt meift ben Warnen: £anbfd>uf)mad)er. Deren waren
1849: 6.
21) Die tfammfe&er. 3l)re 3unmtg*artifel flub vom
3af)re 1792'* ). Dort ift befonber* aud> von ber «nferti«
gung beS ÜHejfierfrurfd bie töebe.
22) Die ^ofamentir$unft ijl <vjt neueren UrfurungS, bic
beöfaUftgen Arbeiten matten früher aud> bie ©cutler. <£$ ift
nur eine v4Sofamentir*Drbuung unb iWrtifcl in ber Sammlnng
vorfjanbenr).
„23) Die 33arettmaa)er (f. bie jtürfcfyner) fyatten ftd) mit
1683 &rtifel ber ißarctt, 2BoUc;, $anb|d)uf)< unb Strumpf*
•) M. J. A. lom. II. 28. *7., II. tiOb., II. 4*1 b.
••) M. J. A. tom. II. 7*. II. 298.
M. J. A. tom. III. p. m.
tom. III. p. 77.
40*
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OZf*
ffritfer SReifter fowol)l al6 ©efetten*). Die 6trwmpfftri<feT
würben Crnbe be$ 18. 3afyrl)unbert6 burd) bad auffommcnbc
(bewerbe ber Strumpfwirfer t>erbr4ngt**).
24> Die $nopfmad)er famcit erft im 17. unb 18. ^abx-
fyunbert auf. 5$on ilmen ift ein 3nnung$fratut aud bem 3.
1753 t>orf)anben***). 5Hü teu (Gürtlern eingeregnet waren
(Snbe 1849: 5 etablirt.
25) Die ©firtler waren im 3- 1591 in einer Drbnung
mit ^utmacfyern, Sattlern, ©eitern unb ftiemern, weil jebe*
Jpanbwerf für fta) git fä)waa) war, um bie 3nnung$foften *u
erzwingen. (£ine ©ürtler*(I)efeUen*£>rbm!ng twm 3. 1565
ift bad ältefte ber in ber ^agiftratd* Sammlung Aber bie
Wirtler aufbewahrten Dofumente. 9(u$erbem ftnb nod) jwei
Drbnungen vom % 1566 uub 3. 1590 ttorfyanbenf).
26) Die Äutmaa)er famen im 3. 1568 allein in einer
Crbnung t>or, fic werben aujjerbem mit Seilern, Sattlern uub
Ziemern in ben Sauren 1571 unb 1579 genannt ü). $ut-
maajer waren (Snbe 1849 fyierfelbft 6 twrfyanben.
27) (Sattler. 23on tynen ift und nur eine Drbnung aiie
bem 3a^re 1602 befanntftf). Sie traben tljeilweife gleite
Arbeit mit ben XAjtynern unb mit ben:
28) Ziemern, lieber fie entölt bie genannte (Sammlung
aus bem 3af)re 1572 eine «norbnung über baS Steffterfrüif *f).
(Sattler unb $äfa)ncr eingeregnet, waren (£nbe 1849 : 34
heißer in ©orlifc ctablirt.
29) Seiler waren jebenfaöd fa>n fefjr frü$ in eine 3n*
nung conftituirt. Und ftnb nur befannt «rtifel btefeä $an^
werft au6 ben 3af)ren 1567, 1609 unb 1621 **f). (Seiler*
meiner ftnb Anfang 1850: 19 etablirt gewefen.
30) Jtrempel*Se$er* unb Gartetf<f)cn ^ad?er Hrtifel fora*
men beim 3af>re 1680 *or***i). 3^r Scame ift gan* in
•) M. J. A. tom. III. p. 48. 100. III. p. 255.
••) $efd)<cf, $rci«fd}rift a. a. C p. SOG.
•••) M. J. A. tom. III. 275.
t) M. J. A. tom. II. p. 10. II. p. «0. II. p. 281b. II. 290.
tt) M. J. A. tom. II. p. ÖS. II. p. 90. U. p. 477.
Itt) M. J. A. tom. II. p. 368b.
#t) M. J. A. tom. II. p.,97.
n M. J. A. tom. II. p. 497. 11. ^p. 421b. I. p. 87b.
t) M. J A. tom. II. p. 36.
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629
ber SBürftenbinber aufgegangen, Deren (Snbe 1849: wer t>or*
hanben waren.
31) Gabler, Senfer (Senfler, Sinfler) unb Sftingmadjet
werben bauernb in einer Innung aufgeführt unb von ihnen
flnb «rtifel au* ben 3at)ren 158CV 1606, 1743*) in ber aJcV
gifrrat6fammlung &er$eia)net. Die neuere Seit mit tr)ren all»
gemeinen ®ewerbegefe$en r)at biefe Unterfdjiebe ferjr t>erwtfd)t.
Die Gabler, beren fteben fia) (Snbe 1849 fner befanben, »er-
btnben mit trjrem ©efdjäft meiftenä Jturjwaarenrjanbel unb
haben taufenberiet ^rtifel, bie theilwetfe früher ben Spifc- unb
$ubri$främem auefdjliefjlid) infamen.
32) Die €ct)Ioffer waren mit Sporen, Süchten-, Übt*
unb 3Öinbmaa)ern in einer 3nnung unb fommen ir)re Slrtifel
im 3- 1636 mit ben genannten in SBerbinbung t>or. ©c^lof-
fer^lrtifel allein fmt> und au$ bem 3ar)re 1732 befannt**).
S<hloffer gab e«3 (Snbe 1849: 51, wobei auch bie 3trfel* unb
3eugfd)miebe, unb- $üd)fenmacr;er geregnet fmb. Die Uhr-
macher fmb merfwürbigerweife immer mit biefem sJttittel in
Eerbinbung gewefeu. (S$ waren (Snbe 1849: 7 Uhrmact)er
in ®orlifr etablirt. $eim 3a^re 1636 waren aua) bie £uf*
fctjmiebe in ber Schlojfer*3nnung.
33) Die generefjfebrer, geuermauerfer)rer, Sdjornfteinfeger,
befamen in neueren 3eiten al* poliseificrje 3nnung tftmet,
unb jwar ftnb bereu in unferer Sammlung rom 3af)re 1751
unb 1783***). Sie haben neben Maurern unb 3immer*euten
bei auöbredjenber geuer*gefat)r bie gefärn*lf(r)ften Soften unb
bi6 in bie neuefte ßeit tr)reit alten 9*uf)tn großer gutftatier
unb Uuerfcrjrocfenhett, in ben gefährlichen Momenten be-
wahrt. Gegenwärtig ift ber ftäbttfcr)e unb ganbbejirf *>on
©örlifc vier SKeiftern jum 3nftanbr)alten ber geuereffen bura)
Sefeitiguna beS gefabrbringenben ftuffed überwiefen.
34) Die Schteferbecferf), Daajbecfer, jefct auch 3iegel*
beefer wegen be3 t>on ihnen ttorjugaweife benufcten Detf*S0la*
terialS genannt, fommen fetton frühzeitig vor. 3nt 15* 3at)r*
- hnnberte betfte man meiften* bie £f)ürme mit Sdnefer, j. 93.
•) M. J. A. tom. 11. p. 487. U. p. 4091). Ul. p. 218.
") M. J. A. tom. 1. 451. IL 449b. III. 247.
") M. J. A. Ul. 238. III. 329 b.
t) ©örl. 2öegt»etfer 1838. p. 46Ö.
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630
1423 ben ftrauentrmrm *)• Die Sa)ieferfteiue würben an*
ber gerne gefeit unb mit Nägeln schiefern«) le, befeftigr.
35) Die 3»"ft ber ^Perurfenmaijer war für iinfere Vor-
eltern eine fer)r widrige, wie aud) feilte bie grtfeure, freili*
nidjt mefyr M junftigt s2Heijtcr, fonbern alä M$aarfimftler"
unentbefyrlid) ftno. Bernden ^J?ad)er*9frtifel würben in ben
3af)rcn 1751 unb 1752 entworfen*"). (*nbe 1849 waren
vier grifeure luerfelbft.
36) Sttinaj unb SLUin ; Sd)leifer-2lrtifel finb erft Mm
3abre 1730"*) vorbanben.
37) 93ud)binber;flrtifel bietet bie (Sammlung au$ bem
3abre 16031). (Snbc 1849 waren 15 5Bud?binbcrmeifter in
©örlifr etablirt.
Da* ©ewerbe ber lapejierer ift, wie ber Stoff, weld>em
. fie ifyren tarnen verbanfen, erft neueren llrfprungd ; bei bem
mebrfad} genannten 3ar)re6fd)luffe 1849 befanben ~ ftdj 8 Ja* •
pejiere fjierfelbft. Die Korbflechterei, welche jefrt in ©örlifc
burd) 10 SReifter mit inefyr ober weniger jtunfi betrieben wirb,
war in alteren Seiten al$ bewerbe unbefannr. ^nftreiefter
unb Sadirer ftnb 11 vorbanben, ferner 4 3N|trumenteubatier,
unter benen ftd) Dtieffer burd) muftfalifa)e ßenntmffc befonber*
audjetdjnet, unb bret (Steinfd)iteiber. Der Gartenbau wirb
feit einigen fahren in 33e*,ug auf Qkmufebau von tyiefujeu
<Stabtgärtnern mit Erfolg betrieben unb bie vier äuuftqärtner
fyierfelbft ftekn in Umurfjt unb Senium neu feinem uRannc
iljred ©ewerbeS nad). ^aulbeeraupflan^ungen jur Beförbe^
rang ber ceibenfabrifation ftnb r)ierfelbft mehrmals, aber ist*
mer ohne (Erfolg angelegt worbeu. Der S&grünbung einer
litfyqgrapbifcfycn Üuftalt bura) ©ottfyolb >>nujc unb (£omp. int
3afn*e 1821 ift oben fdjon gebaut. Spater etablirte ftd) ber
früher in ^>irfd)berg anfäfjige (£. *Sacr)fe; er war befonber*
burd) aenaue unb forgfältige Aufnahme von jacftmüe'd unb
bergl. fyervorragenb. £>ad)fe wanberte nad) Vlmerifa au$ nur
maa)te bem früher von ©. ^einje u. (£. befa>äftigten gran§
*) 9tathar<(t)iuiHaen ad ann. *
**) M. J. A. III. 347 b
*♦*) M. J. A. III. p. 2141)
t) M. J. A. U. 383 b.
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631
ffieingrirtner Der namentlich aud) im 95untbrutf bereite
vorzügliche Rieben feiner ©efdjicfltchfeit gegeben bar
ooviel über Die bewerbe in l)iejiger Stabt. bleibt
nur noch übrig, ben Dritten 3 bct( ber von und geseilten graben
£u beantworten, in weldjer 33e$iehung ®örli$ am £anbet |tcf)
beteiligt n nD wie tu @taverb« unD ,£anbeltreibefiben Die ge*
botenen 33crr)aUnt|fe gu ihrem ÜWu&en, ;nv Hebung M 93er-
fef>rö ausbeuten verftanben.
ffienn von £anbel$verhältni|Ten Die Kebe tft, fann eigene
lia), alä in ©örli$ befonberd fworragenb, nur t>om Xuchhanbel
gefprodjen werben. Daß Derfelbe im 15. unb 16. 3ahrhwubert be*
fonDerS Die jHtct)tung nact/ ^reupen, *ßolen, Ungarn unb DerXürfei
gehabt habe, tft fcr)on bei Den $ud)maa)ern bemerft worDen.
Diefe KufttüM ift in bei $hat nod) ^eute Die bauptfächlicr/fte;
Die lürfei, ©riedjenlauD unb Jtletnaften werben von ^ieftgen
Käufern mit Iua> verfemen. Der £anDel nacb $olen jeDoct)
Ijat gann aufgebort feit Der ruffifdjen ©renjfperre unb feitDem
Die ruffiföe $olitif Durch enorme, aber mit ßrfolg gefrönte
Opfer große £ucr)fabrifen im Königreiche $o(en begrünbet t)at.
Die Verlobung eine« großen Sfyeüö Der l^ieftgen Tuchballen
erfolgt über SBien auf Der Donau unb über Iriefx auf Dem
abriatifa)en Stteere. (Sin große* ^uct)acfcr)äft hat feine »u^
fuhr nach Dem lombarbifch*venetianifchen Königreiche, theiU
über Xrieft, tytilt über 8afe(.
(Sin groger Zfyeil Der von ^ier auä verfahrenen Xua>e
wirb allerbingd nicht r>tcr gewebt, wohl aber apprettrt
uitD überhaupt in Den Diefen t>erfa>ieDencn £anDel$rtchtungeit
entfpredjenDen 3uftanD verfemt. Dura) $wei im (fnlftetjen be-
griffene neue Xuchfabrifen in sJ!Nov3 unb Sefchwifc fcürfte einfit
eine bebeutenbe Erhöhung Der ftudfuhr bewirft werben.
Von großer Vebeutung für Die ©tabtbauptfaffe tft Der
.jpoljhanbel mit Den ^robnften Der großen görlifcer £aibe. Q*
nnDet eine ziemliche tÄuGfubr von £ol$ naa) 6aa)fen fiatt,
wela)e feit «nlage be$ £enner*borfer £ol$hofa im Steigen
begriffen ift.
greilicf) nur Xranfttofyanbel , Dod) für Die Stabt von
großem 91u$en, ift Der ©etreibefyanDel, weldjer feit Dem
2(bfd)lujfe Deö 3»Üoerein« mit Sachfen unfere ©etreiDe*
märfte febr belebt unb eine immer fteigenbe Vermehrung
De« Verfeme erzeugt \)at D>ie 3uf«^r geflieht au« Dem
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63*
graten ! heile tcr rrenthühen Cbertairuft unb auf Weber -
3aMeüen; rie breite bemmmen üd> gewchnlid* nad* tetrbun*-
lauer greifen, unb rie görli&er geben für fcebau unb Sauften,
wohin son hier auf rie meine Abfuhr iftr bij 9corm an.
€ädmf($c unt ;u mannen Reiten aud) böbmifa^e (betreibe;
Mnrler nnt bie ^au^tfäufer auf Mengen ©od»enmarften.
£ier fd>einr e* am Crte, etwas sen bem ($etreibemaafre ;u
erwähnen.
$Benn unt unter welchen Umftänben in @ödift ein eigene^
OJetreibemaati *) entftant, in nicht ;u ermitteln, ilrftmben laffen
fä>(ieSen, tap bie rlämtfeben .Seloniften and) ibr eigene* fleter-
maap mitbrachten, benn e$ ift von rlämifeben £nfen bie *Rete,
eben fo gut wie ron fränftfehen unb flasifcben. Der ©runt »
faft ber alten »KecbtSbücber: „tferfdjiebene önfen geben rer^
fdnebene* 3Raa§", t. h nach rem *(dermaape rietet nch ba$
(Hetreibemaap, bürftc ;u ber Hnnafune Innleiten, ta* alte gcV
lifter ^fciap Ijabe feinen llrfpruua, ben erjten «njteblern ;u
banfen. Der „3c^effel" nutet ud* febon im Stfagbeburger
£c*öfFenrecbt von 1303 als Einheit free WaaM Äatfcr
flarl IV., um ben Waapverfcbietenheiten ein $\ti $u feften, he*
faf>l ter 3tabt Sauften im 3. 1372: „ba$ ©erreibemaafc wie
e$ t?or alten 3eiten gewefen, feile burd) bie $aty*männer mit *
itjremGibc befräftigt unt benimmt, temnäcbft aber ter3d>eftel
in einen 8tcin genauen werben, bamit er affo bleibe." Diefe
Ukrorbnung mujj uuferer Statt $ur $ad)admina, in Hbfarift
aefdn'rft werben feirf, benu halt tarauf flirten wir aua> ein
fteinern (5d>effelmaap auf bem Cbermarfte. Da biefe allen
SWaajse tie gorm *>on Sauffteinen l>aben, fmb fte fdjen oft mit
leiten »erwecfjfelt Worten. 3n ber $ertrieibtgung$fcfyrift Pom
3al)re 1547 behaupten bie ©örli&er, fte hätten ftd) beö bauftner
. 6d)effeie febon feit KK) Saferen bebient.*) Unter ber furfurft-
lief) fäd)ftfd)en »Regierung nafjm man ftct> bie 3Rühe, überatt
gleichförmige* Waag einzuführen. Hm 18. 9tobembe 1715
würbe Dem Oberamte ein sJD?anbat wegen Einführung be$
Dre$bner SWaajjeö unb ©ebinbe* t>eröffentlia>tf unb fett tiefet
Sät ^at baö alte görlifter sJWaaß im offentlid)en ^erfe^re feine
refyli<$e Geltung verloren. entftanb im ©ebraudj beö
♦
•) ©örl. »it2. Tu^. 1845, p. 20.
••) 6. Pbcn i. 328, 329.
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tdghdjen £eben$ i>er Untei*f<^ieb: „neu*breabner SRaafj unb alt-
görlifcer 3Raa$." Um t>tc föebuftion be* alten auf neue« 9Raafj
Dit erleichtern, lief? bat* furfädjftfcf;e ©eneral'Äcete*£ottegium
alle beftefjenben sIRaape im ganjen £anbe aufnehmen unb ben
3uhalt uad) bem bre*bner sÄaa)je' fcftfteüen. $ie €$rift er*
febien werft im 3- 1719 unter bem Xitel: Univerfal'CHetretbe;
^aap^ergletcbung k., würbe 1720 wieberfrjolt unb 1730 für
(Dörlifc unb kauften neu aufgelegt 9Äit bem 16. Uftai 1816
. borte burdj (Sinfüfyrung ber preupffcfyen 9Raa£* unb Q)ewtcf)t6<
Crbnung ba« breäbner 3Raa$ auf. 1>fe ^erorbnung vom 3.
Dezember 1827 beftimmt amtlid), baß 14 breäbner <8djeffel
= 27 preuflifd)en feien. $lu« ber Univerfal*<$etreibemaafj*$Ber*
gleicfiung geht fyervor, baß 64-<Ecbeffel alt*görlifcer 9Waaß ==
55 (Scheffel breflbuer waren. Diefe« ,a(t*gcrli$er ^aap galt
auch für <5eibenberg unb (Sdjdnberg unb war außerbem in
trjüringifcb (Eaalfelb im ©ebraud). — SBerfcbieben war ba«
alte gvrli&er 3"t$ntaa|i. hiervon waren 256 <Sd)efel = 223
orefcbner, ober 1 Steffel = 3 Viertel I 9J?e$e 3s/4 SRäßdjen
breflbner.
9?tcf»t unbebeutenb ift fnerfelbft bie von mehreren Üabaf«*
fpinnern betriebene Xabafverarbeitung. <Seit einem Safyrjerjut
werben biefe $robufte, fyauptfädjlid) Zigarren, von rn'er au«
weit unb breit verfenoet.
Die Bierbrauerei r)at in neuerer Seit, feitbem bie Säger-
biere aufgefommeu jinb, nief/t met)r bie Bebeutung al« in
früheren 3af)rr;unberteu, wo foldje burcr; bad Monopol gc*
fd)ü&t war.
lieber bte ehemalige $*beutuug ber SBaibnieberlage unb
be$ 6al$marftc« iß föon oben gefjanbelt *):
Der 9*afd)*Aanbel mit 3*ug unb <Seibenwaaren , weldjer
früher vorjugflweife nad> (Sacfefeu betrieben würbe, tf* burcr;
ben 3ottverein«*!Hbfcr;lufj gdnjlitr) vernietet worben.
$>ap ber gewerbliche Skrfetjr überhaupt feit bem 3^
vereine ntc^t gefallen, fonbern gelegen ift, ergibt feit jener
3eit bie 3af)l ber £anbwerf «mcifier, welche l)ier tt>r $rob
unb Unterfommen finoen, unb welche ftd) feit ber «uftyebung
ber Monopole im 3- 1845 bebeutenb geweigert fjat, wie
*) @. oben @. 59, 60.
i
> ♦ w
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überhaupt bie Begeiferung feit 30 ^afjveit beinahe um M
Doppelte gewagten ift*).
3ur SBerinefjrung fe* ^erfefyrtf trug bie Anlage ber
Q^auffeen nad) Breslau unb Treben, nad) £eibenberg : um
9lnfd)lu$ an bie bdf>mifd)e (5r>auffec nad) $räg, unb nad)
Sütau nid)t wenig bei. Der QMenbung nafje $ eine 6f}auffce
über Sfieäfy, 9ftu$fau, Spremberg nad) .Hott hie. Die S$oU>
enbung ber meberfdjleftfaV märfifdjen unb fäd)ftfd) * fcf>left|ct;eri
Gifenbafm unb ber Umfianb, bag beibe Bafjrien f>ier ent>en,
war von md)f geringer SÖebeutung.
SRit biefer jteigenben Besölferung tfi au(fy eine Jtonfunenj
in bem .§anbe( eingetreten, weiter lange $tit nur tur* eine
einige Äanblung tvertreten war — wir meinen ben Budjrjanbcl.
Die erfle 2Öud)t)anblung l)ierfelb(i würbe am 29. 9Rär§
1629 burd) JtaSpar &ic$*) au* ßetpjig begrüttbet, naa>bem
fd>cn früher bie Bud)brurfer flmbrofiu$ griffe^ unb >Rr)ainbaw
auf Jtolportattondwege eine SHenge 6d)riften in SMift unb
Umgegeub vertrieben batten. lieber ben SBudjlaben mugte
im 3. 1656 ein neuer *Re*er« aitägeftellt werben. DoO) tritt
fett ber 3eit ein ganzer ÜKRanaeC an «ften unb Staajricbten
in biefer 58ejief)itng ein. Cb Jtlop «fftnber gehabt unb ob er
ober feine tftnber ba$ ©efdjäft aufgegeben t)aben, ift niebt ju
ermitteln. 3m 3- I <30 ftnben wir M. Ot&rifl. Oottfr. 3)2ar*e
all SBud)f)dnbler in ©örlif; er blieb biö sunt 3atyre lt63
bafelbft, überließ einem gewiffen $erm*borf bie Bud^anblung
unb ging bann nad) £errnt)utr), wcfelbft im 3- 1768 fein
leb erfolgte. 3m 3- 1793 übernahm (5l)r. ®cUf>elf tfnton
aud #alle, s3Witglieb ber oberlaujtyer (ScfeUföaft ber Söiffen*
frtaften, bie SRarayfdje $ud>t)anblung. Diefeö ®efd)äft fauftc
ber Sua)f)dnbler <£r)r. ©ottlteb 3obel im % 1820, unb von
•) SBir fugen f>ter, fotofit eine lle&erftty au* wenigen 9totij*n I>er--
geftettt toerben tonnte, foldje bei: löbs toaren gegen 11,000 (ttntooRncc;
158d nörf> ber $<|t: 6614; 1641: c. 5000; 1791: 7665; 1792: 7627;
1794: 7868; 179%: 8275; 1800 : 9000 ofcne äWMtär; 1814: Qp48;
1816: 8921 ; 1817: 9524; 1820: 10,486; 1822: 10,413; 1824: 10,52t ;
1825: 10,575; 1826: 10,492; 1827: 10,742; 1830: 11,116; 1831 :
12,031; 1834: 12,787; 1837: 14,169; 1838: 14,900: 1841: 14,6 1 8;
1843: 15,662: 1846: 17,455; 1849: 18,897. üRan ffefjt, ba§ »on 182Ö
— 1850 bte #e»ölfentng um 8411 $erfonen, fafl um bie Hälfte ber $$t-
»ölferung »on 1820 getoadjfen ijt.
s~J») »udjtaben*;&ecef. 1629. M. J. A. p. I. 141.
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ifym gingbiefelbe $ud)feanblung am 7. 3ult 1830 burd) Stauf
an tcn 3?ucr*bänbler Sfeftttl <Sd)mtbt üfcer, welcher bem ®e;
frfjäfte nur biö jum 3afre 1834 wrfianb. Um 2. Wai 1832
fam ber 33ua>f)änbler (Sbuarb ßttylt au$ 3ittau um Anlage
einer neuen v$ua)f)anbiung am Tiengen tyltyc ein; er erfnelt
am 25. JDftober 1832 bie (Soneeftlon Mtt ber fönialidjen 5Re-
gierung ju tfieanifc. (Jb. «§etyn übergab im 3- 184*3 bte giity-
iung feinet r/iejtgeu (tyefatäftd feinem Ü)efd}äft6fül)rer Dito.
Rüningen mib oerfaufte cad ganje ©efdjäft im 3. 1847 an
Den $Bud>r;änb(er (5. ferner au$ Breslau. Derfelbe erf>teft
am 22. 3uli 1847 bie ßonceffton uut> füf>vt baä ©efdjäft
unter ber girma „«gKtyn'fdje SSud^anbluna, ((S. ferner) " nod)
r)cute fori, gaft gleichzeitig mit (5b. «£>e?n, ndmlicfy am 2. SRo-
wmber 1832, erhielt SBucblJänbler $enfce (girma: ®rufon) au$
s3re$lau bie ßoncefjton jur Slnlage einer 33ua)r)attMuug. (*r
betraute mit güfynmg berfeiben feinen 93ud)balter- ©. «Röfyler.
8efcterer erhielt am 17. s)M\h 1834 bie Crlaubnip jur feibft-
jianbigen llebernabme bei $ud)l)anbluna unter eigener, girma,
roeldje nod) beute beftebt. (Sine neue 93ud)I)anbIung etablirte
am 7. Hpxil 1836 ber $ud)f)änbier 9aumeifler, beffen @efd)äft
jeboefj nad> Jurjer $>auer lieber einging. 'Die vierte hierorts
beftefyenbe $uebrjanblHitg ijt bie *on Äug. .fioblifc. 3t)m würbe
am 27. tfugutt 1839 bie (Srlaubnfp $ur Anlage einer Seif);
bibliot&ef erteilt, eine* Jnfrüutä, roeld>e* glcid)faU6 mit ber
£et?n'fd>en s3uc^l)aub(ung serfnüpft ift.
Die burefj fönigl. flabinetforbre oom 19. Wooember 1849
genehmigte uitb im grü^ja^re 1850 unter bem erften $räft* -
beuten tfaufmanu gerbiuanb ©djmibt l)ierfelb(i fonftitutrte
,§anbeläfammer für ©örlifc unb beu a.orli$er £ret*, will)
boffent(id) ba* irrige tr?uu , um jur «öerfanerumj, be$ SKaugeh
haften, $ur Söeforbcrung beffen, wa* bem fjiefigen 33crfcr)rc
it>ar)rr>aft dlott) rf)ut, willig if)re #anb ju reiben.
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i.
■
^Ber)etc^iitp ber ©urgermeifler
9libted)t Kpei. 1206. 1297
HJejolbu* \?. Seifenbad) 1298.
Verwirf) bee Galen 1305. 1314.
OWelaud r>. .Könia,«l>ain 1306. 130!».
$ffj, SBern^er'« Seljn. 1308. 1321.
1326.
Hermann 9Bifer 1320.
4?ermann (frmeridj 1321.
jofjann SUufdjcn 1325.
iWarttn *. SNabebera, 1326.
^ri^ (Scjfl 1328.
Xtfo ^tfdjer (Piscalor) 1331. 1335.
1337. 1339.
$tUx JRafcebera, 1332.
©iinfcel (Günther) ». 0?if(f)cfOw<rbrt
1338.
lUttx v. .Hi'iuqohai» 1344.
3of>ann (tfcel 1350.
jllmann v. ftabtbera, 1351.
3of>annc<* «Schreiber 1353.
BeiUi v. »ieta 1357.
Ii* V. £**id>enbad) 1360.
Sotjann u. Äeidjenbactj 1375.
3«?ljann @rmil«icf> 1376.
$etrue Stuffi 1383.
Wirfäfe Vift an ber (tcfc 1385. 1389.
Wttfd)f< (Munzel 1386. 1388. 1390.
1391. 1401. 1407. 1422.
3«^ann geller 1387.
Tineen) (Sfcel 1392. 1400. t 1401.
M. pernio Mctbc 1398.
Wiefel edjerenfdjmibt 1399. 1404.
1409.
Wifolaue Qtanürcicb 1402. 1413.
1419.
3afob 3*lcife 1403. 1410.
»ern^arb (Sanift 1405. 1408. 1415.
1418.
»artfjolomäu* (Sbernarb 1406. 1421.
«ttifol. SWaren Uli.
§einrid» «eumann 1412.
Scifol. *Bai*fdjreibet 1414.
mihi. ȟbede 1416.
fltfel. ©eiber 1417. 1420.
($a*t>ar getan 1423. -
Wiflau« SRarienam 1424. 1427
Ermann edjuUie 1425.
'2Oen^lau0 von ber 3lau 1426.
f motte tfanifc 1428. 1431. 14»
14f§< 1444
Veter ISunfce 1429. 1434.
tyanl Ninfenaieger 1430.
aWatttyiae ©eijjeler 1432.
Vaürenriittf Brnolbi 1433.
Veier Ijfdjtrmie 1435. 1439. 1443.
1451. 1454.
3afe*b (Entmann 1437.
(Wreaor Selige 14 38. 1446. 1450.
1455. 1459. 146 3. 1467. 1471.
Sotenne* We*<( 1441. 1445.
&eütri(tt ber ?lpoif)efer 1442.
Urban ömmrid) 1448, 1452. 1456.
1460. 1464.
(Einrieb ©o*ttmt 14 49. 1453.1458.
1462. 1466. 1470. 1473. 147?.
UM. 1484.
»nbrea« (Sani* 1457. 1461. 1465.
SRiful. tteutoirtft 1468.
Soljann «ereii$ (»on 3nterboaM
1469.
3^ann üBiberjiein 147 2. 1475. 1497.
M. 3o^anne« ftrauenbura, 1474.
1478.
~3of>anneö S^neib« 1476. 1480.
$etru* üöalbato 1482.
' ©eorae (tmroritt) 1483. 1488. 1494.
1498. 1503.
Wfol. «rüffener 1485.
3of>ann Äodjel 1486. 1492.
3o$ann ȟtrner 1488. 1490.
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Urban (Sdjelner 1489.
Üttid)el£cbtt>arfcel491. 1496. 1500.
1504. 1507. 1517.
Dlifolauo aWonbenfd>em 1493.
©ernb^irbin 3W elfter 1495. 1499.
. 1503. 1506. 1508.
/ Valentin ©djneiber 1497. 1501.
1505. 1510. 1514.
0tat()ia* »ofenberg, 1509. 1512.
1516, 1520.
Simon -öocfciifr 1511. 1513.
fcranj 2rtmntor 1515. 1518. 1523.
1528. 1531. 1537. 1540. 1545.
1548.
$eter Sble 1519. 1524. 1527. 4530.
4533. 4534.
^ohannfö »rnolb 1522. 1526.
©eorg »ööler 1525. 1529. 4532.
I6$6.
M Johanne« Jpap 1535. 4539. 4543.
Ga^ar (Stefcel 4538. 4542.
3of>ann Jtoraerftabt 4540. 4544.
4548.
M. 3afob »öOler 4546 4647.
fcranj fcinb euer 4549. 4557. 4561.
Hidtol <Sd)inieb 4551. 4552. 4553.
4558.
«Baientin §a§ 4554. 4Ö55. 4559.
3oad|im «S^mieb 4556. 4560. 4564.
$<tct Scorler 4562. 4566.
SJalmri* «irtet 4563. 45G7. 4571.
4575. 4579. 4583.
£no»l>riii0 Sdjnitter 4565. 4570.
M. ©eora, Uttmann 1569. 4573.
4577. 4584. 4585. 4589. ,
©lia* 9Räl$rr 4572. 4576. 4580.
4584. 4588. 4591.
3*t<utn ©lud 4574. 4578. 4582.
4586.
Öeorae Sfyniefc 4587. 4590.
M. 25artljolomäu* ©cultetua (eig.
. 4592. 4596. 4600. 460 V.
1608. 4642.
©ebaftian £offmann 4593., 4597.
4601.
Slleranber Sd^niiter 4594. 4698.
Dr. 3of>ann Bttf 4595.
äMeldjtoi ©teinbcrg 4599. 4603.
4607. 4614.
2>a»ib 9*amler 4602.
3 oha nn ©lürf 1605. 4609. 4613.
lobia* ed>nitter 1606. 1607. (t).
Sartftdlanäutf 3afobi 1610. 1614.
1618. 1622. 1626. 1630. 1631.
©eorge £ilbreid) 1615.
Dr. ifcaoic -ludtfer 1626. 1621.
Sodann tfmmuty 1617. 1620.
£einrid) bitter 1619.
5riebrid> 3d>»etttg 1623. 1627.
1631.
2Üolf^ai«d Stolbergtc 1624. 1628.
1632.
Sttiqanb Voller 1625. 1629. 1635.
«ran$ görftcr 1633. 1636. 1640.
1644.
M. Gbriftopf) Staube 1634. 1638.
Dr. $aul Scipio 1637.
«artfjolomäue ©e^ler 1639. 1642.
1643. 1647. 1650. 1654. 1658.
1662. 1666. 1670.
Valentin ©öfid) 1642. 1645. ,
CM coro, (Obermann 1646. 4649. 1653.
1657. 1660.
Saniel Nieter 1648. 1651. 1655.
ftriebrid) fcerber 1652. 1656. 1660.
4664.
> im n u ©enbt 1659. 1663.
(Slia* £ietrid> 1665. 1669. 1673.
1676.
ßarl fcörfter 1667. 4671. 4674.
iSörift. SHoller 4668. 1672.
©ortfrtei' Weltmann 4675. 4679.
4683.
(ffjrenfrieb £ea,enidu 4677.
Johann flieelmg 1678. 1682. 1686.
1690. 4693. 1697. 1701. 1705.
«nbreao Sommer 1680. 1684. 1688.
dtial Oiid)ter 1681. 1685. 1689.
46Ö2. 4696.
SMidjael Steinbad? 4687. 1694. 1694.
1698. 4 702.
Dr. (Saevar »Beffer 1695.
©regor Völler 1699.
Lic. ghrift. 9£iebemann 1700.
Lic. 9tbraf?am Jriebr. 92ictue 4703.
4707. 1741. 1743. 4716. 1718.
1722.
Samuel Änorr o. SRofenrotb, 1704.
1708. 1712. 1714. 1715. 1717,
1719.
Digitized by G©<
638
1 % €<f>ön 1706. 1710.
3. 98. ®t\fitx 1709. 1730.
Dr. 3. % ©ünujer 1720.
Dr. t.%ifh'an. Büttner 1721. 1723.
1724. 1726. 1727. 1731.
Äram <§trapf}mu0 1725.
Umritt, £aa,ebern 1728.
3. (5. 9leumann 1729. 1733.
(ybreufrieb Schäfer 1732.
Dr. 3. $>. Nied) 1738. 1740.
1742. 1744. 1746. 1748. 1750.
1752. 1754. 175C. 1700. 1703.
Dr. 3. 2LV Dehler 1739. 1741.
1743 — 45. 1747. 1749. 1751.
1753. 1755. 1758.
3. »eUmaitn 1759. 1761.
Dr. ®. »etfie 1765. 1767. 1769.
1771. 1773. 1775. 1777.
3. ©. *Diebrad> 1766. 1768. 1770.
1772. 1774. 1776. 1778.
0. £artmann 1779. emerit.
1797.
($. Q>. iCönici 1797. | 1802.
2. «. €ebr 1801. einer 1833.
S.'t. Otcuniditn 1806. J- 1831.
©ottlob ?ubtrig £emiani, Setiatet
1. 3uH 1814. .«ämmerrr 1820.
^ii^ermrifter 1833. Oberbnraet;
meitfer 1845. f 1846.
3cd;mamt, Cber&ür$ermftr. fett 1847.
*Büra,ermeitfer: ftifener 1847.
Christianus Sculteuis iu (Mrtrli*
1264.
Hcnricus judex <\ (Stab trister)
1294.
©ottfrieb ber SRidjter, 1305 im
Stabtbudje.
$«olb, balb nachher £einrirti ber
Hilter u. f. Unterridjier äifrib
ebenb.
^einrieb dtidtft ber 9t. unb @enrab
ber vlidfttx, <§tabtburfj.
maxtin um 1306.
§txx «Äifolauö Hilter (milos) t>ßn
9it Urtiere, jud. hered. Gorlie.
1308 bis 1322 »o fein SRmt über-
aina an feinen <Sotyn Ryiiiundus
de Neueshove von ^er^oa, £<*n-'
ridj v. 3aner unterm 3. . Äuril
1322 bomit belehnt.
Cito ber Otidjter 1323—1325 ; efreitf*
Hermann ber 9iid)ter.
«Martin u. Otto fommen 1326, lefr*
ttttx 1328 im <Stabtbutbe Vor.
Laurentius Tarnowa (£rbrid}ter
- ^ 132a u. 1329.
V $tinrid> Steinrfirf 1330, fommt b.e
1339 unb 1340 fetbft bi* 1346
neben Heynricus de Lybenslein
por.
Tyzko Rosingarlen 1335.
Ctte SWartini 1337. »
Caneus Unterrichtet 1339.
Albertus j. 1343.
£eitmd) $raa,er 1343.
£ein$e 9teud>tincf 1342, Ijcift 1346
llnterrid)ter. hiermit brietjt fric
Sfteifoe ab, bi<J 1371 nurber ein
Sdidjtrv auftaucht.
Laurentius THiditer 1392.
oohannrd be (Säle 1393.
Anselm Sei^t 139fc, n>af?rfd)ftnltct)
ber ßanbuoigt auf Steinau, fcfyeiut
bamaU von feinem alten Steckte
al* SanbvoUjt gfebrauet) gemacht
\n l)aben.
$atii $orer 1397, aud) *od> UOO.
fJiifla* au« ber 3Nnn}e, and} ftyon
1396, 1404.
Nicolaus Martini 1406.
J&an« Nabebera, 1407. 1410.
$an6 *. Sifemfe 1408, mfafaHn*
1U$ ein nnb berfelbt mit brm
Söbrigen.
Pranziscus Nydick 1408.
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639
Nicko! Bartith 4440. ml.
£an* »oner 1146, 4422 (ber alte
»irfjter).
Matthias Hocker £einfce *. Salja
4422. 4426.
£an« v. &»ber*UMg 4421.
3cf>. gpiegelberg 4V34. 4133. 1444
— 4448.
Xefco Äeftenblatt 4434.
Wif ot .HiMMuMatt 4434.
£etnfe< Sleiff« 4438.
HifolAnt J&nrfdrrl mo.
3afeb fronen 4 448. 4 450.
©eorge edjultttf 4 452.
deinndj Steife 4455. '
, ©eerge €rreb<l 4556.
3^. Wanemun 4 457.
9tifol Weheürifd» 4462. 4466.4167
(cntbanvtet).
Gieotai $cnb 1467, bod) in bemfelben
Sapre abgefegt.
£>einrid) (*fdjenloer 4477.
^einrid) ftranfe 4501.
£ann* i5d>mibt.
ücuiyc (vfdjentoer 4505.
ttntmtiit* <?fd)enloer 4509.
Talent, £irf<bmann 454 1.
$aul €djneiber 4547. .
$onatn* £rug 4533.
ftranj rNnbner.
•§finrid)^jluger45ö5. *8erft>alter ber
f&nigt. ©eridjte. Ohr war bfr le^te.
33er^eic^ni$ ber esana,. ®eiftlid)en mit 9(u$naf)ine
Der Primarien feit ber Deformation.
SBattfafar Eittrirfj, aeb. 4612, 4653
2>iaf., 4662 Strdjtb. t «676.
Safob *Sd)dn, geb. 4634, 4676 $iaf.
t 4695.
(5f>. gr. OKctuS, geb. 4624, 4662.
$iaf., 4676 «rdjib. f 4703.
M. 3mmanuel Ve Innann, g«b. 4645,
4695 3>iaf. f 4698.
M. £avib Xbnni, geb. 4648, 4698.
!Diaf. — 1699.
M. 3ereima* Ctto, geb. 4610, 4695
Strdjib. + 4 716.
M. 3ol>. Slbam 6d)ön, geb. 4675.
4746 £iaf., 4729 «rdjib. f 4730.
M. £a». £einr. JNeebifc, geb. 4685,
4734 £iaf. f 4716.
M. ©iegmunb fteblirf), geb. 4676,
4730 Tial «735 »rdjib. f 4780.
Ii. 3of?. Gkml. Äromfdj, geb. 4704,
4740 Subb. geji: *u 9iaufd)a 4763.
£. ©. J&ebluf, geb. 4718, feit 4 778
3ubb. v 4785.
<S. St. ftrenfd M. geb. 4772, <Sub*
biafon. 4800, ging ab nad) $xt€>
ben 4802.
Bf, Sebafttan Jammer (c. 4525) $iaf.
3o*>. SRariena, Diaf.
«nbreaö (?berf)arb (4538) SUdjib.
M). <Stre«ntann (4538) SCrdjib.
Slnbrea* (ScbityS, $>iaf. f 4557.
Valentin (Sciarb $iaf. | 4557.
$terontomnd N., 5>iaf. (na$m 4510
f. »bfdjieb).
3ol)ann .perjog, Diaf. feit 1544.
M. 3o$. Verein, $iaf- 15V7 CHtI-
Ucnat Pfeifer, 4519 $iaf. 4656 jog
er fort.
Bl. >hann iöivcfonhann. 4568 «r-
djibiaf. t 4581 (In «Brealau).
Bf. Gatftar *Wa«fe, geft. 4572. Sirrin d.
M. tfnbrea« SWöfenua, 3trd)ib. f 4590.
Slaftud 3enber 4574 Diaf. t 4591.
3of>ann .fcadjelberg, 4594 $iaf.,4606
«rd)ib. f 4643.
©regeriu* (Sidjter, geb. 4562, feit
4595 $iaf. f 4644.
$eter ©djön, 4611 Strchib. f *648.
mid). fticenu«, 4606 $>taf. t <649.
©regoriu* 9lid)ter jun. geb. 4598,
4624 2>iaf. f 4633.
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640
«raun, 3. ®., aeb. 4163, feit 4802
Subbiaf., im 3- 4808 nadj @pl>re,
toofelbj* ct f. guverintenb. »urbe,
f 4839.
®ottl. 91b. Jtlien, 4803 £ub*., 4808
!£iaf., 4820 »rctybiar. f *«*8.
3ofr. ®ottl>. «Reumann, geb. 1777,
1809 Subbiaf., 4820 $iaf., 1828
Slrdjib. f 4834.
S intern^ M. 3ofy. ©ottfr. Xb. fleb.
4 772, 4820 <Subb., 1834 9Crd>ib.
4847.
«f. $einri$, geb. 1800, feit 1830
@ubb. f 4832.
3. Seov. 4?ain>t, geb. 4 797, im *ßre*
bia,tamtr angefüllt feit 4826, feit
1832 SDiafon. u. £rb. 1848 «r>
djibiaf.
3. GL 6eracfeU, aeb. 4805, feil
483o «Subbtaf. 4848 $irf.
®4uriif>t. feit 4848 $iaf. )e*i 4.
$ rebiger.
3of>. (Srntf, Äo*mebl, geb. 1815, feit
4848 ^ubbiaf. jefct 5. $rebiger.
?Ü0 Crbinarii finb aufzuführen:
M 3Nel$. Schäfer (ob. ®. 440-
447).
M. ©ottfr. @e$fer, aeb. 4699, 4 73Ö
£iaf. feit 4740 JDrbin. f 4757.
3ob- ©ottfr. Sternberg, geb. 4732,
feit 4767 £iaf. u. Orbin. i 4824.
Änotbe, feit 484 4 — 4820 JDrbin.
bann Pfarrer in 9tieba u. f. @n*
periutenbent.
»JWopler (S 450.)
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% n 5 a n g»
fPtgurtfirr fcurd) (ßdrlty unb Kmgfg?tri>.
h
I. ÄirdKit unb Äapcllem
1. 3>ie @t. $eter* unb ^aHl^ir^e»).
^tc 3ett ber erfkn Segrünbung biefeö ^ra^twerfe* mit*
telalterlicrjer S3aufunft ift unbefannt, unb ba* 3. 966, weldjed
man in Gtyronifen angegeben finbet, entbehrt jeben ©runbetf.
6ie WHrbe auf bemfelben gelfenr/üael errietet, auf welchem
im 3. 1131 eobie$(arc bie $Hrg Öörlie baute unb früher ein
ijeiliger £aiu war, wofyer nocfy je&t ber Lanier £ainwatb.
3m 3- 1225 würbe bie alte Äirdjc umgebaut unb am
19. 9)tai OHfingjxmontag) burd) Bruno III. Bifcfjof s. «Weißen
eingeweiht. (*$ würbe im 14. 3af)tfyunberte merjrmal* an ifyt
gebaut, bafyer bewilligte Ufuarbu* unb anbere tfarbinäle im
3. 1317 ber Jtird>e einen Hblaß. 3m 3. 1340 fdjlug ber
3Mifr in bie £)rgel; fte verbrannte nnb bie neue Orgel warb
über bie boppelte £alle gefegt. 3m 3- 1423 legte man ben
©runbftein jur fd)on längft projeftirteu — im 3- 1412 ftnben
ftd) in ben 6tabtbü<f)ern bereit« Legate baju — Erweiterung .
•) (5$, ©. $uncf<, ©efrijmbuna bfr <&t. $<terrfwf>e 122. <S. 4.
J£i< <St. Meters unb $au(0fird)e $u &orli£ in ardjiteftonifcfjeti 3eid)nun;
gen auf Stein, tycraudaegeben vom SNagiftrate ju <&ör(i$ (»crf. ». Äöljlcr)
^ebrurft bei ©ottt). 4?ftnj< u. (Somp. 1842. Ijodj ftolio.
(#ef*i<&t< von ©6rU|j. 41
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642
ber Mixdft. Xic alte Mixdt)c beftanb nur au$ bem £äm]l)aufe
mit ben beiben Stürmen unb awei <Reif)en Pfeilern. $od>
ftörten bie ^ufttenfriege unb bie unruhigen untw Äöni^
Itobiebrab ben 93au, weiter erft fett bem 3 1457 mit (*nen
gie betrieben unb 1497 vollcnbet würbe. 1453 unb 1457 traf
wieberum ber SMifc bie Jtird)e, unb jwar beibemal ben fleinen
Xburm, welker hierauf umgebaut unb mit 3ft0*Ut geberft würbe,
wäfyrenb er feit 1379 mit Jtupferbled) geberft gewefen war.
Km 12. 3uli 1472 würben auf ber ^ierjweibc bie erfte gvofje
©lorfe: Sufanna genannt unb ba$ Sa)lie|j*©lörflein gesoffen.
1474 erneuerte man bie Drgel mit einem Jtoftenaufwanbe von
4000 gl. unb trug nod) 1495 ben älteften Pfeiler ab, itaty
bem er burif) ben Umbau uberflüffuj geworben war. Die ©eifye
im 3. 1457 (burd) $a$par v. Sdjönberg, $ifd)of &u Weifien),
unb bie SBoüenbung im 3. 1497 verewigt eine (fdjetnbar au$
bem 17. 3afyrf).) ftammenbe 3nfd)rift Um vom ^auptporiaU.
Da 1516 bie Salve*©lorfe entjweifprang, würbe buraS Herten
unb 9nbred billiger im (Kraben beim grauenttyurme eine 165
(Zentner wiegenbe ©lorfe gegoffen, unb babei viele fa>lea>tc
görlifcer Pfennige eingefdjmoljen. Die ©lorfe, welche 1517
burd) ben Pfarrer Wartin gaben Warta getauft warb, tnng
anfänglid) in einem neben ber Äirdje befinblid^en ©lotfenfyaufc,
unb würbe 1531 auf ben $l)urm gebogen, von weldjem an*
fte am 2lnt>rea$abent>e 1531 nun erftenmale ifyre volle Stimme
ertönen ließ. 1532 trug man bie fyolje Spifce auf bem Xfyurmc
gegen Wittag ab unb berfte biefen mit 3ifücfa- 27. Wai
1536 fdjlug ber 2Mi$, oljne weiteren Sct)abtn |u bereiten, in
bad fyeil. ('eidmamtfaltar. 1547 würbe bie ^alle auf bae
SanbfyauS $u gebaut; in bemfelben 3al)re warf ber $Bint> bas
Dad) auf ber neuen £f)urm|pi$e herab. 1559 fam bad «$pod>
altar ber Knnenftr$c nad) St. *(*eter. 1561 nafym $Wartiu
Ruffel bie üfyurmfnöpfe ab, von benen am 21. 3uli ber cjTöpte,
am 20. Sluguft bie anoern aufgewogen würben. Die in bem
felben Safyre burd) Weifter ^eonljarb granrfe mit einem Soften
attfwanbe von 218 Sdjotf 18 3fr. 5y2 *ßf. reparirte £rcj*c
£>rgel, unterwarf fcfyon 1578 Älbrerfjt von ^rag einer neuen
SBerbefferuttg. Äm 29. 9Äui 1566 voüenbete man bie tt einer
nen Stufen be* Sauffteinefl. 1567 baute man an ber ÄaUe
vor ber (SfyonXreppe. 9lm 17. Hpril würbe ein 93iert€l|tun
benjeiger bei ber Drefe-^ammer anjjebradjt; 1571 jwei $f(tar
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643
V
taftin aiiä ber St. Bmtenßrcftc an ber ffianb naaj bem Sanb*
baufe ml 1574 befeftigtc man ben el)emalä im ^rätorium be8
Äail)l)aufed anfgefyangenen großen meffmgenen geudjter bcm
$rebigtftul)le gegenüber, oon weldjer Stelle er am 30. 3uni
1599 l)erabftünte. 1589 erhielt Die tfirdje burd) bie (Srben
M Otitterä griebrid) Spät!) einen ^weiten meffhifjnen i'eudjter,
1600 burd? ben 9tatl)äfreunb Seroatiuä einen brttteu, von bc
neu bev eine bcm SdJiHer^Gtyor gegenüber, ber aubere beim
Pore an ber «£>aupttlnire *t$la$ erhielten. iHm 29. $(ugnft
1595 würbe ber fyerabgenommene Jhiopf bed ©lorfentfmrmeS
n>ieber aufgewogen. 3)en 5. September 1597 jerfprang bie
alte ©lotfe: Sufanna. £>ie auö bereu (5tncfen unb and frei-
willigen 9)?etall*®a ben neugegoffene 114 (£tr. 3 St. 16 4$f.
fdjwere ©lorfe fam am 28. viuguft 1598 unter ben üblid>en
geierlid>feiten wieber auf ben $l)urm. 1615 crr)öf)te man baä *
$atl)ägeftüf)l nnb befeitigte niedreres Sd)ni$werf baran. 1617
würbe Oer Sattfjtetn mit einem eifemen bitter umgeben. 1656
ließ ber Ämtäfeeretair tflbcrri neben ber (£l)or*$reppe unterm
©ewölbe beä jteinernen (£l)ore$ auf eigene Jtoften ein fyöfjerned
(£fwr mit 16 ©ejtüfylen bauen; 1657 würbe baneben ein jwei-
ter ©ang mit Stühlen unb 1667 ba$ Sd)ülerd)or neu gebaut.
Seit bcm 3afyre 1679 begann mau ba# 3tege(pflafter burd)
fteinerne platten ju erfejjen. Von 1682 — 1688 baute ber
fädjf. $oforgelbauer £omitiuö eine neue Orgel, welche am
5. September 1688 eingeweiht würbe; bie 93ilbbauerarbett
baran oerfertigte ©eorg ^ermann. 1690 oerfat) man bad
9fatl)$geftüf)l mit neuem Sdjuifcwerf. 2)ie neue «ftirdje würbe
am 19. ÜHärj 1691 bei (Gelegenheit be$ großen 33ranbeö t>on
ben Stammen ergriffen, baä 3)ad) oerwüftet, bad ©ewölbe an
einigen Stellen oon ftäqenbeu halfen bura)brod)en unb bie
* inneren Verzierungen aller ?(rt oollftdnbig oernjdjtet, wie aud)
bamatö bie frönen ©la&jemälbe ber genjler unwieberbriuglid)
verforen gingen. 3)er 3Öieberau6bau ber ^aupttljeile würbe
von 1691 — 1696 §u ©übe geführt unb bie 9?euweif)c ber
Sthd)t erfolgte am 7. sJD?ai lederen 3al)re$. liebet biefe *ße*
riobe nod) einige ^coti^en. 3m 3al)re 1692 würben ter Stix&it
lieben Jenfter gefa^enft. Ü)ie brei hinter bem §lltar liefen bie
$Iiid)mad)er maa)en, bie oier folgenben in bereu nädjften Um*
gebung, je jwei bie Xudjbereiter unb Üud)fd)eerer. 1694 fefrte
QJeorg £amanu ber 3'm™wnann ben großen Jtnopf auf ben
41*
■
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644
.ftauprtfyurm bcr Jtira>. 9lm 21. 9Jcai 1695 würbe bie neue
tfircf)tl)ür cingcljoben. 1696 würbe ber Xaufftcin wieber in
früherer Sßcife voüenbet. Die am 28. Ü)?ai 1696 unb 5. 3uli
1762 bie &ird)e treffenben 2Mifcfd)läge richteten feinen befonbc*
%ren Scfyabcn an. 1713 würbe eine neue Safriftei'Xfjüre ge-
bxofytn, 1722 ba$ Stytoerftciiffdjc Dcnfmal aufgeridjtct. 3m
3. 1824 nutrDe bie Jtirdje im 3»ncm übertündjt unb neu auö*
gefdjmücft, bie GJ)öre unb töänfc weiß angeftrtdjen unb bie
Heine. Orgel in bie 9Wolaifird)e »erfefct. 9(m erften Dfterfeier-
tage 1828 würbe wieber bcr erfte ©ottedbienft barin gehalten.
9caa)bem fa)on einige £age früher ber änopf beä Keinen Xfyur*
me$ ber ^eterefirdje wgolbct unb neu aufgefegt worben war,
erfolgte am 12. 9)Jai 1837 bie &bttal)mc beä ünopfeä auf rem
großen Purine; er würbe gleichfalls verleibet unb am 24.
• 5uni 1837 frül) um 8 Ul)r neu aufgefegt. — itronlcudjter
unb ©locfeu fommen unten jur Grwäfynung. 1730 fajenfte
Dattib Siebemann ber Stirbt ein ftlbernetf wreuj (J22 £l)lr.
Silberwertl)) jum Vortragen bei Seicfyenbegängnijfen ; 1745
(51)r. Sdjäfer unb feine grau eine ftlbeme JDblatenfcfyadjtel.
9tad) oiefer Uebcrftd)t wollen wir bic einzelnen <ßeriobcn
ber Jtirdje unb ifyrer Denfmälcr furj burdjgefyeit:
1) Die 23urgfapelle. *u* bieter 3eit ift nur bie Stxx>pU
ober ©ruft nod) vorfyanben, welche in ben geld eingefyauen,
65V4 gup Sänge unb 75% gu(5 Sicfe beträgt unb bem ^eili-
gen ©eorg — wie man 93urgfapellen gern biefem titterlid>cn
^eiligen weihte, — gewiomet war. Die Anlage ber Jtrwptc
fdjeint mit bem 33auc ber 23urg, alfo naa? 1131 anpfeften.
Doa) biirfte i^rc $ollenbung, wenigftenö ifyrc 2öeil)e, erft utn^
iSnbe be$ zwölften Safjrfjunoertö gefd)el)en fein, ba ber Dienft
be$ ^eiligen ©eorg nid)t früher im Slbenblanoe befannt wart».
SBa^rfa)eiulia) war eine aweite Capelle über biefer SBurgfa^elle
erbaut, fo oafj eine Doppelfapelle beftanb, bereu obere bem
^eiligen *ßetruö gewibmet war. Die jefrige ©eftalt fommt \>om
3af>re 1461 -1465. 6ola)e bietet ein breifad^ ©d)iff mit
äwei 9?ebengemäd)ern; in jebem (sdjiffe brei Pfeiler. (Sin *ßfeü-
ler (ber aweite gegen borgen) t)at unter ben ©urten eine Ü3er-
Gerung t>on fXrJiergeftalten. Die ©ewölbe feigen Spifebögcrt
unb t)ert>orftet)enl>e Kippen. Die itanjcl unb ber Elitär nmr*
ben im Saufe bcö 3al)red 1734 ff. angelegt. Sonf* aab
iwei Brunnen jur 2lufnar;me be* au$ bem gel* fa)wt&euben
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645
©affer« bie jefct verbecft (inb. — 3ur fatl>c(tfd>cn 3eit waren
folgenbe Altäre in ber ©eorgenfapelle: a) ba« 6t. ©eorgen*
«ftocfyaltar; b) ba« Sereitb'fcrje ©eftift jum Seiten unfer« £errn;
ü) ba« 6t. ®ence«lau« unb £vpolüu«altar; d) ba« 6t. #e*
lenen-Vlltar; e) Da« ^(Üer^eüifienaltar; 0 ba« SHtar Mariä
£eimfud)uug; g) ba« £reietnigreit«altar, h) ba« 6t. Wfotauö-
mar. — ©egenrbärtig wirb in biefer Capelle nur dm Xage
©eorgt bie ©ebfidjtrtipprebigt jum Mnbenfen an ben verflorbe*
nen $aftor Primarius ^eumann gehalten. Man fyat von (>ter
au« brei SBege nadj ber oberen Stirpe. Huf ber Morgenfeite
vermittelt einer boppelten 6dmecfentreppe, auf ber ^ad^tfeite
auf einer SÖinbetreppe, enblia) burdj bie Drefefammer.
2) Die *ßeter«firaV feit 1225. ?lud) bamal« führte fte
nur ben tarnen: Capelle, niebt Äirdje. Grft im 14. Satyr*
nunbert fam Oer fRame: j?ird)e }tt 6t. *ßeter unb $aul, auf.
6ie beftanb tvafjrfdjeinlid) au« bem jefcigen Sangfyaufe, ben brei
^auptfäjtffen, ben beiben Xfyürmen mit bem viereefigen Zhuxm*
fyaufe, bem Anbaue ber 6acriftei unb jwei Setzen pfeffern in
ber Mitte. $on ben Stürmen ift ber gegen Mitternacht in
bem oberen Xtyäk neu unb aroar au« bem 18. 3ar;rf;unbert,
ber gegen Mittag aber alt unb nur bie $aube nebft bem 6imfc
flammen au« ber ^ertobe von 1691. Die genfter an bemfel<
ben, bie 6äulen au ben iSden unb bie (Giebel fyaben bie gor*
Uten ber Uebergaug«periobe, 9tunbbogen unb Jtapitäle mttx
6pifcbögen. Der ©iebel, jefct jum $f)eil burcr) ba« ©locfen*
r)au« verbecft, trägt nod)'alte föunbbogenftetfung. 9fud) an
ben Gcfen be« linfen £f)urme« ftnb noep 9tefte alter 6äulen.
SÖeibe Xfyürme liefen oben in acf)t ©icbeln au«, auf benen
f)or)e Jtreuje jtanben, in ber Mitte ein mittelrjofye« Dadj mit
einem größeren Jtreuje. &m reinften r)at ftd) ba« portal an
ber $auptfeite erhalten, «§>ier geigt fta) bie Türöffnung im
»tunbbogen, bie 6äulen an ben feanben im 6tile ber alt*
fädjftfcfjen portale, barüber bie S3ögen unb tfefylen im entfte*
r)cnben 6pifcbogen mit bty&aniinffctyem 3^rwer^f Kbocf; tr/eil-
rveife burd) neue (Sinfäfce ergänzt unb ba« Dad) in fpifcer
©iebelform. STn ber £auptfrontfeite, redjt« vom portale ftnb
jwei 6imfe mit alter SBerjierung übrig; bie anbere 6eite ift
entblößt unb fteüt ftd) leer unb fafjl bar. Diefe 6eite l)at im
SBranbe 1691 mefir gelitten al« bie anbere. Der (5t)or be«
^auptfa)iffe« fft neuer unb im innern von ber aften ^raa)t
Digitizecrt>y Google
6i6
viel verloren gegangen. Der glügel be£ früheren Jlreujeä, gegen
Wittag fyat nod) altes 3tcingfftmfc unb einen verwitterten
£öwen, ber utr Regenrinne Diente. Die Untermaltem bed
Htmrmeö fmb an* biefer ^eriobe, and) wofyl bie beiben v3Rtt-
lelrciljeu ber Pfeiler, ba bie neuen Pfeiler nacb bem $)fuffer
ber alten (jemacfyt ftnb.
3) Die Aiixdjc feit 1423. Sämmtltd>e ,£aupttl)ctle be$
Gkbäubcä feljen nur nod) Ijeute. Die in biefeni 3eitraumc
aefdKljene $eränberuug betrifft nur ben Einbau ber beibeu 8lv
leiten, bie Anlage beä neuen @tyorefl, jwei neue ^fei(erreü)cn
unb bie genftcr. Die jejjige Jiirdje ift int Innern 218V.2 gup
lang, 119 1 2 gun breit unb unter beut Sd;eüe( be$ ©ewölbed
76% 8u(j tyodj. Die J5öt>e ber Pfeiler btö ut beu Sogen«
Anfängen beträgt 58 gu(i. ?lbfeiten finb föt$er; -bie mit-
tägliche Mbfettc länger ol$ bie nad) sJ!)Jitternad)t l)in gelegene.
Der (£l)or ift funffeüfg gefdUoffen, bie Kbfeiten breifeitig, bie
(Gewölbe jebod) ftettf von fecr/tf Pfeilern jm Spifcbogen ^jetra*
gen; nur am Sd>lu|fe ber äußeren £d>iffe gegen ?lbenb |tel>cn
bie Dtippeu auf &ragfteiueu, mit slVeufd)euföpfeu verliert*, fonft
verlaufen fte fal)l in bie Pfeiler ober ü&äubc. Die Pfeiler
ftnb ftarf unb babei fd>lanf; in ben 3orfelu adjtfeitig, in ben
Sdjäfteu u'erlid) abgefeilt unb farnifirt. — genfter gibt ed 38.
Der im 3. 1695 erbaute Sfflar mad)t feinen fd)önen (Sinbrucf.
Die £auffapelle wirb burd) ein befoubeiet fdjöuetf genfter erhellt.
Durd) 3t^'lid;fcit unb woblerfyaltene Kleinarbeit aeidjnet fiel)
bie iSdc ber Ä6cnb* unb Wittagleite ans. Die anftoHcnfcc
Terhalle ift aue rem lü. ^al)ibunbert; bie lljüren gegen
Wittag unb bie gegen Wittemadjt auö ben Saucen 1543 imD
1553. Daä frühere äupferbad) würbe 1509 unb fclgenbe
3al>re buret; StfrcT* 9lblaßveifa»f Ijergeftellt, 1691 aber ver^
nier/tet. s3cad) bem Traube von 1691 würbe baS gegenwär*
tige — auö 446 (Stn. 86 ^fb. Tupfer beftebenb — am 12. Dftbr.
1712 vollcnbet. m foftetc 18,000 ll)lr. 3« ben fahren
1763—1778 bedte mau baä Dad) um. 33eim Söranbe *>cm
1691 verbrannten aud) alle Altäre, weldje au« ber fatrjolifcfyeii
3«t nod? unverfebrt in ber Jtfrty baftauben. Diefe Altäre waren
ef)emal6: t) baö £od;altar, beut ijcii %ktcr unb s^aul geweift,
mit §wei Stiftungen} 2) ba* Slltar in choro monialium bei
bem X^unue, beffen erfte Stiftung: ber Waria Wagbalena
unb r>eil. £ebwig, bie zweite: bem tjeil. 93aitl)olonläua, gern-
647
retttiud, 3fytUwut unb 3afobu$ gewibmet war; 3) ba6 6t. 3o*
farine* (Svang. 8ltar bei Der Xfytr jur 6t. @eorgen*Äapellc;
4) bafl 8ltar 6t. 3otyannf* (Langel., junt tytü. Jlreua unb
Der f?ril. £elena bei ber 6afriftei; 5) ba* Bltar ber fjeiL
3mtgfrau; 6) bad 6t. Sinnenaltar bei ber flehten Sture; 7)
ba* mittlere Slltar mit $wei 6tiftuugen, bereit erffc: ber
ßmpfängnijj SRariä tmb ber t*il. %nna, bie jweite: ber teil
Sfona, Soa^im, 3ofept, s3arttolomäu$ unb Bnbrea« gewetzt;
8) baö Elitär ber vier Sefyrer (quatuor doctorum); 9) ba$
6t. Wfolaiaftar; 10) ba$ 93?arienaltar ber tframertmtung;
II) baä 6t. 3Bolfgang'$ unb £elenenaltar; 12) ba* bem
teil. $ßolfgang gegemtberfietenbe Hltar (ex opposito S. Wolf-
gangi); 13) bo* $eter* unb $anl*?lltar mit jwei 6tifhmgen:
a) bem tyeil. $eter unb $aul; 1>) ber teil. Jungfrau Äatta*
rina; 14) baÄ 6t. Jtattarinenaltar (secundum sub eiborio,
9io. 13 war: primum sub eiborio); 15) ba$ Sütar beim
X^urme, mit jwei ©eftifteij: a) jur $>ornenfrone be$ ^eilan^
beö unb beu fünf 3H»*gfrauen, b) $u Marien * ^erfünbtgung ;
16) ba$ Sütar im Söinfel bei ber Ömporfircte, mit jwet ®e<
ftiften,: a) jur . untbeilbaren t)dl. S)reieinigfeit, b) p @treti
bed teil. Jfreujeö, Söartfyofomcu unb Saureutit; 17) ba$ $((tar
ber 3«ngfrau Sttaria jtnb 3afobt, auaj ber tyil ^reieinigfefr, .
SRariä SJfagbalenä unb 9(nbrea6 gewibmet; 18) 3)a* »Itar
unter bem fleinen Drgelajore geweift a) ber Jtronung unfereS
4^errn (coronationis Domini) unb b) ben vier 2etrern; 19) baö
Delberg^ltar unter bem großen £>rgeld)ore, aud) bem teil.
UJnbread unb allen lieben (Ingeln bebicirt; 20) bad günf*3H»ta/
frauen^lltar ber Jtanjel gegenüber; 21) baö <ar ber fyetl.
3wölfboten (Slpoftel), Appolonia unb ber 10,000 bitter unter
ber Jtanjel; 22) ba$ ben^eiliaen: 99arttolomäu$, Laurentius,
4?ierontytnu0, Barbara, Don^ea, üßanfratiuä geweifte Sfltar
(in angulo); 23) ba<3 Slltar jum Vietnam unferS ^errn unb
jum teil. «£>typolit, auaj practorii weil e£ früher in ber 9^att)*
rjauöfapelle ftanb; 24) baä Elitär beö teil. Laurentius, (§ra$*
mu6, ber 1 1,000 3»ingfrauen, 3>orotteä unb pm r)ci(. Jtreuae;
25) Elitär Jacobi uiajoris et minoris unb Secnrjarbi; 26) baS
6t. ÜHarfuä* biliar auf bem 6d>ülera)or; 27) ba* Elitär ber
(Smpfängnifj, ^tuter bem 6a)ülera)or; 28) ba$ s$eter*, ^aul^
unb 2lnbreaö Elitär ^tnter ber großen %r)üxe> 29) baä 6t. ^e*
terSaltar bei ber Zfyüxt unter ber alten ©ibliottef; 30) ba*
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, 648
»
Hltar, welches früher unter ber Tonnen 6r)or bei bem Safra*
ment;©ebaufe ftanb, fpäter: SRarien £eimfua)ung, Wlippi,
3afobt, «Rifolai, Startini, eriten (ScjKft*, unb $ur (Ihre: 3o*
hanni* be$ XäuferS, *ßeter, *t*aul unb tfatr/arinä aweiten ©e
füfrt; 31) bad qtyiliwi* unb 3afobt* biliar; 32) ba* SRarien;
9Jcagbalcnen -Ältar; 33) batf ,ftanbwerfer*8ltar (mechani-
corum), 34) ba$ Ältar $u (^r)ren ^Äariä Himmelfahrt; 35) ba$
<St. £ebwig$-Hltar; 36) baä «Itar bed r)eil. #ieronpmu$ unb
*ltancrattu$.
4) Die 3ett feit 1691. Der SBranb t^at ber Jtittfye im
SWeujjeren viel gefd)abet. SBon früherem Scr/tnucf finb nur nod)
*Refte an einteilten Stellen, Die Slbfeiten, fonfl mit burefr-
broct)enen (Strebepfeilern am tfanghaufe gehalten, ftnb jefct mit
einem 3*eöe^ac^c »erfe^en. 9?eben allen Altären tt>urben aud)
fämmtliche 3nfa)riften an Pfeilern unb 2Öänben ber Stxxdbt
beim Traube t>erborben. Die gegenwärtige £)rgel sollenbete im
3. 1703 ber faiferlidje Jrwforgelmacher (SugeniuS ßadparint.
Die 93aufojrcn betrugen naa> biör/eriger Annahme 25,000 Xfylr.,
wovon (Sadparttü 7000 Xfjlr. unb freie (Station erhielt. Xram-
peli aud Eitorf im $oigtlanbe führte 1796 eine Reparatur
au6*). (Seit bem ift nod) mehrmals in neuerer 3eif an. ber
JDrgel reparirt worbeu. Die fdjöu gefcrjni&ten 93cid)tfiüblc
würben 1594 aufgehellt. Die Äanjel ift von 1793. 3m 3.
1703 ferjenfte ber (Senator £rautuer einen frönen ja 9Hinu
berg gegojfenen mefftngnen Kronleuchter, welcher bem Ältar am
nää>ftea hängt; 1710 t»erer)rte Senator (Srrapr)ittH$ ben in btx
sJJfitte r)dngenben; ein Dritter fcfjr jierlia) gearbeiteter fam
fpäter Ijinjm unb würbe beim £)rgeld)or aufgehängt.
@H6cfen ftnb fccC>d auf ber ^trd>c :
a) Die große ©locfe war beim 93ranbe t>erborbcn, bar)er liet*
man fte am 2. Sfuguft 1695 bura) bie brei eingefd}(agenen <&t*
wölbe hinunter unb fer/lug fte auf bem Sanbhaufe in S tuf
Fen. Dort erfolgte in einem baju hergerichteten (yiepbaitfe am
3. Hugufr 1696 ber Ghifr, unb am 26. £>f tober 1696 würbe
fte heraufgezogen bureb obiae jerfetylagene ©ewölbe. SBetferH*
ger ift 3ohatm ^annibal $rorfe. Die ©locfe wiegt 217 ®tr.
2 St. 18 $f., ber flloppel 6 (Str. 2 St. 51/* $f. *luf ber
•) Nähere* ü&er bie Crael f. i. «Nifelat, JhtrftefaftC «efdjreib
ber großen Orgel. 1797. 16. <©. 4.
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649
einen ©ettc ift <&t. *ßeter unb $aul'6 3Bübniß, auf ber anbern
tag Siabtwappen. Um ben oberen Ärei* ftef)t:
Conss. Michaele Steinbach. Johanne Riesling, et EUa Richter.
Ignl rVpta laCet CaMpana haeC qVlngVe per annos:
SeXto, LaVs Christo! sVrglt at hoCCe noVa.
Um ben unteren Umfrettf:
D. 0. M. S. Campana haec AEDJS hujus PETRO PAUL1NAE
maxinia , An. M. D. XVI fusa, qostqvam M. DC.X€I. d. 19-
Mart. ferali incendi6 labern fecerat, An. M.DC.XCVI. d. 3.
- Aug. Joh. Kislingi, Göns, et Tempil CuraJ. auspicio ab in-
tegro restaurata est, opera /. H. Brorsü.
b) $>ie jweite ©locfe, aucf> ©eMSlode genannt, ift ben 24.
3anuar 1697 geaoffen unb wiegt 120 (£tr. 10 ®ie würbe
am 18. Stprtt 1697 auf bemfelben SBege wie bie große aufye-
jogen unb junäcfyft bem Sanbfjaufe aufgehängt. 3n ber 9Jhtte
ift ba$ €tabt*$öappen. Oben Ijerum ftef>t :
Elias Richter. Micfiael Steinbach.' Johann Kisling.
JgnJs ego saeVa rabJe VJtJata resVrgo
KJsLJngJ CVris, et. VVIDeMann«, tVJs.
Unten ftefyt:
Fusa haec Campana M.D.XCVM. sed An. M.DC.XCI d. XIX.
Mart. eodem , f|vo rneterae funcslo incendio labefactatac,
Aedis hujus Petro - Paulinae Curatonim Johannis Kislitigii,
Cons. et L. Christiani Widcmanni, Scabini , auspiciis. Anno
M. DC.XCVIU Mens. Jan. restaurala «est, opera Joach.
I/annibalis Brorsü.
c) £>ie britte würbe mit ber fünften unb fechten an einem
Xage, ben 31. $(uguft 1691 geaoffen unb vom Damaligen
DiafonuS (Seifert ber tfiraje verehrt. ($ie ift 22 (£tr. 3 ©t.
4JJf. fdjwer, auf ber einen <5eite ift ein (Srudfir, unter
welchem ftefyt:
©£)£X gelobte« $ranb- unb S>anff*£>pffer
ben 19. Mart. 1691.
auf ber anberen <Seite bie Söilbniffe bei Vlpöftel tyttex u. *ßaul:
„3Bie id) meine Sippen aufgetban, unb mein 9Runb gerebet
t)at in meiner $otf). SljSfalm 68. ». 13. 14."
d) 3)te vierte fcr)enftc bie 3unft bei Suajmaajer im 3a*)re
1616. 6ie wiegt 12V4 Gtr. 32 $f. Unter bem Defjre fol*
getibe Umfa)rift mit großen lateinifdjen ©ua)ftaben:
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650
Ao. J6K>. gegossen von Mictuiel Weinhold aus Dresden. Ao.
1 737. der Harmonie wegen umgegossen von Benjamin
Körnern aus -Görlitz.
Stuf ber einen £eite ber @Hocfe fteljt ba$ $ud}tnad)er-2öappen
mit bereu Söerfyeugen; auf ber anbeut:
Dein dre\ einigen Gott zu Ehren hat Anno 4716 die löbl.
Zunft der Tuchmacher allhier in Görlitz auf ihre Kosten
diese Glocke lassen giessen, und in diese Kirche wohl-
meinend verehret, und sind zu der Zeit Ehesten gewesen:
Martin Tuschner MT. George Sch wider G. Daniel Meiss-
ner WP. Gottfried Clrich G. Gottfried Seibt. Andreas M-
tenberger. David Wicdetnann. Johann Firte. Christian
Schmid. Johann Schneider. Christian Hoffmann, Johann
Fried. A7///'.
e) Die fünfte, 6 (Str. 5 $f. febwer, würbe ber Äirtfye t?on
ber e^ü&engefeUfdjaft gefaVnft. Oben jfefjt:
Dnrd) baii geuer bin 3d> gefloffen,
9lbra()am 6ievert tu ©örlifc l)at mt<r) gegeben;
in ber 9)?irte:
1691 ben 19. Martii
911* biefc Stixty unb ©Drte$*£piel
.. Durcf; geur in föaucr) unb 91|<f> verfiel.
Den 31. Aug.
£at btefe ©leef ber €d}üfcen £anb
Dem £(5rni geftifftet nad) bem $ranb.
0 Da$ ScMuß'GUöcfttycn, 2 (Str. fetywer, fdjenfte (Sita*
(Dölbner, &auf* unb ^panbeßfjerr tu ©orltfc. 6te fyat fol-
genbe ttirffcfyrift:
Da DEVS, ut qvoties resonans Campana tonabit,
Officium faciat tunc qvoque qvisqve suum. J69f.
5HUert!)ümer unb Äunftwerfe ftnb nur no(f; wenig in ber
Äirdje, ba bic SBranbe $Ht>iel jerftort rjaben. (5in SWarienbilb
au$ £tein, auf einem Pfeiler an ber SBanb gegen sJJtitterua<r;t
ift im Traube unt>erfef)rt geblieben. 3wet tydljerne Sötlbfäu*
len, <&t. $eter unb $aul, in ber £allc geaen <Euben, ftnb
vom 3. 1430. Die 6äule au$ rotyem Marmor ebenba-
felbft ift, wa^rfefteftsttd} ein atcfl ber älteftcn Jtirdje, hier*
fyer serfefct.
3n ber Safrifiei, welche, nad) bem 6tabtwap^eu an ber
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65 t
CDecfc $u fdjließen, wafyrfcfjeinlid) nad) 1433 umgebaut ifif,
werben nod> metyrei* fe|r alte ^eßgewänber mit foftbarer
Stieferei au3 bem 14. 3äf)rf)unbert, ein prachtvoller &e(<$ aus
fcerfeften 3eit unb einige anberc ebenfalls alte unb fdjöne
Jlirdjengeiättyc verwahrt.
l*ine Meifje ^ortrattd Bon @*eiftlicben ber ^eterSfircbe
Rängen in ber Safriftei, babei auef; jwri Silber t>on ^nti>er
nnb $ttelanrfKfyon , bodi leftfere nur jtepieen, feineäwegd (Sra-
nad)'fd)e Delgemälbe, wie lauge 3«t ben gremben gefagt würbe.
Außer ber (%tte$bienftaeit wirb bie Äiwbe ftetä bereitwillig
gezeigt «om Slebituuö Sibmer, tfrebSgaffe 9h. 303.
2. Sie tfirdje ju ®t 9tifolai unb St. tfatrjarina
liegt auf beut «£>ügel, weldjer burd) ba$ 91iebert>iertel Pen ber
innern Stabt getrennt ift, unb foU ber Sage nad) bie ältefte
,Rircr;e fein. Die s8el)auptung, bie jiircfye habe fd>on geftanben,
el)e nod) bie Stabt erbaut gewefen fei, watf man au# einer mit
ber 3<ii)te^a(>l 1041 bezeichneten ©lode, bereu ehemalige
(Sriftenj aber fetyr zweifelhaft ift, folgern wollte, ift nidjt er*
weielid). Ü>cmungead)tet muß angenommen werben, baß bie
JUrd)e' bie ältefte ift, Da fie bis auf bie ?Wefoimation faft au$=
fd)ließlid) ald s4*arod)ialfird)e galt unb erft feit ber 9RtUc beä
15. 3üf)tl)uuberttf biefer Muflbrutf neben ber 9lifolaifird)e and)
für bie St. Oktertfirdjfe auffam. 3uvcr^VHjK Dcacfyricrjten über
c>ic Jlirdje ftnb. folgenbe. 3"i 3- 1317 erhielt fie Ablaßbriefe
um ©elt> $u il)rcr s3krbefferung. 1372 erteilte 9$ifd)of s3ii-
folauö r>. beißen 3"bulgenjbriefe \\\ bemfelben 3^c^c> 1 426
würbe wieberum an ber «Sirtfye gearbeitet, bod) blieb wegen
t>er »ftufttengefabren ber Jtircbenbau liegen, unb obgleich) am
15. v)liü 1452 mit großem ^ompe ber (#runbftem aelegt wart),
trat wieber in ben pobiebrabifdjeu ,ftrtcg$l)äubeln ein 63 3afyre
rmuernber Stillftanb im Sailen ein. 2Da t>ermogenbe Bürger
— »jpanö grenu'l ftatyltc lOOSonnabenbe tyrntereinanber jebe$*
mal 15 9)?arf $ura $3au — ftd} ber Äirdje annahmen, würbe
ber 5ku feit 1515 energifcfyer betrieben. sJÖtan faßte ben 93e*
fdjluß, folcfje größer &n bauen unb rürfte weiter am 99erge
hinauf, wo bort bie lefcte *Keil)e Pfeiler ftefyt. 9Wan riß- lue
alten dauern nieber, führte fie fjörjer Innauf unb wfaf) fold)e
ring«* mit ftarfeu Strebepfeilern. 3nr föeformatioufyeitaltcr
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652
blieb ber innere Ausbau wieber bis $um ^ahxt 1543 liegen;
ba man baS Dadi für jn fyed) bielt, würbe eS bamalS ab*
genommen unb burd) ein verlorenes erfefct. 1582 (teilte man
ein neueS Dad) ber, weißte bie ^ird?e auS, fd)loß bie Dede
mit Brettern unb fefcte neues ©las in bie genfter. $eim
53ranbe vom 26. $(ugufl 1642 brannte bie »firdje bis auf bie
dauern unb Pfeiler, welche jerfprangen, nieber. Der 1647
begonnene SBieberauSbau würbe 1717 burd) einen neuen SBranb
vermeinet. 1718 begann man wieber ut bauen, bradjte DaS
Webau re 1720 unter Dad), trug bie gerfprungenen Pfeiler ab
unb erfe&te fte burd) filetnerne. genfter, X^üren, Äanjel, 6b©r,
SUtarbeden u. f. w. würben burd) tterfdjiebene Bürger unb
©ewerfe ber Rixctjt gefa)enftr weldje überhaupt burd) eine
•ftoüeftc bie Littel ju tfyrer ^ollenbung erhalten mußte. 1786
Würbe baS Xtnkmcben auf baS Dad) gefefct.
Diefe t)ielfad)en Umbaue ^aben bie Äirdje fo veränbert,
baß if>re funffrfttge 33auart beinahe als ber einjige *Reft ber
frühem Mixdjt anjufeben ijt. Die $ird)e \\t 84 feilen lang
unb 42 Collen breit, innen gau; gleich unb glatt, f)at ein brei
fadjeS, gleid) r)ob)eS Sd)iff, welcbeS mit einer graben gefdjmatf*
loS bemalten ©retterbede belegt ift, bie an jeber Seite auf
fed)S fd)lanfen adrtetfigen ^fctlern ruht. DaS ©ewölbe lag
einft viel beber, wie man auS ben außen gan| beuttid) juge
mauerten viel l)ör)eren genftern feben famt. Die 17 genfter
finb in ber 9Hitte burd) einen oben ftd) fpafteuben linfS unb
red)tS an bie ©ewänbe aufd)lagenben Stein geseilt, wobureb
in jwet €>pi$bogen geseilte genfter entftanben jmb. 3n ber
,ftird)e ijt außer einer alten im 3- 1842 auS ber St. ^eterä-
firdje borten t>erfe$ten Orgel md)tS merfwürbigeS, benn ^Itar,
&ait$d unb ©eftubl ftnb fämmtltd) auS bein 18, 3ti^rr)unl>crt
unb in beffen fläglidjem ©efdjmatf gearbeitet. Diefe £>rgcl ijt
langft nid)t mel)r jum (Spiele braudjbar, würbe aber wegen
ifyrer biftorifdjen ^erfwürbigfeit unb weil baS @M)äufe ntd}t
nur alte ©emälbe, fonbern aud) partes unb fd)öneS $qI$>*
fdjnifcwerf enthält, auf 33efd)luß beS JcirdjenfollegiumS burife
ben £lfd)lermeifter gortagne bierfelbft aud) in 33e*ug auf baS
<Sdmi&werf ganj gut reparirt. Der Ilmfang beS alten 3Öerf eS
umfaßt 39 (SlaoeS, im ©äffe fehlen bie tyalben Xöne, ber
DiSfant gebt bis jum breimal gefhidjenen a. DaS jebenfalld
fpäter angebrachte ^ebal enthalt 23 (SlaoeS. 3m untern
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653
Xfyeüe be$ ©efjaufeS ftel)t: M. Bartholomaus Scultetus. Anno
1590. 2(m ©inblabenfpunbe jtefyt: Ranovatum bura) X>at>.
Decfer Ao. 1624. — ©egett $(benb ift ei» grojjeä genfer in
ber $ird)e, tanuucr ein Doppeleingaug in Spi&bogen mit
\mi runtcn 93ogeu barüber, neu aufgefüllt. 2>iefen (lingang
ik$ M. gaber, legtet fatt)olifa)er Pfarrer, im 3- 1519 machen
unb fein ©rabftein mußte im 3- 1520 t>or ba$ portal gelebt
werben, bamit jeber Sauberer in bie itircfye über tyn hinweg*
febreiteu müjfe. $>a$ ganje Denfmal 4ft fefyenäwertr). — 3n
ber fatt)olifd)en waren jteben Altäre mit jwölf (Stiftungen
in ber sMolaifird)e, nämlid): n) baä «bodjaltar, fvul>er bem
6t. 9iife(aud allein, fpäter nad) ber (Erweiterung and) ber
beil. .Hat hart na gewibmet; b) baö biliar beim Ciborium (3a
framentöfyäirfcfyen), beffen erfteä ©eftift U. 2. grau unb £im*
meläfönigk üttaria, baö zweite bem beil. Xouat gewidmet
war*, c) Altare a dexteris, mit jwei Stiftungen, bie erfte
bem f>ct 1. Seifgang, bie zweite bem fycil. @pange(ißen 3ofyanne$
unb St. Watttyiaä bebicirt; d: Elitär in ber Jtira)enmitte am
erften Pfeiler, audj 3nngfraueu> Sütar genannt, weil baä erfte
©eftift ber fyeil. Äatfyarina, baö jweite ber heil. Stppoüonia
geweift war; e) ba$ fjeil. Mvm^Utax, funbiil burd) ben Pfarrer
3o(). t>. l*utifc; f) Elitär bei ber Safriftei, mit jm?ei Stiftungen,
bem l)ci l. ^fyilippuä unb ^afobiu^ foroie ui sI)tariä Gimmel«
fal)rt;; enblia) g) bad Slltar am anbem Pfeiler, betten erfte
Stiftung St. ^cter unb üßaul, bie zweite aber ber fyeil. i&orotfjea
geweift war.
Gegenwärtig wirb bie Üirdje nur für Xrauerprebigten be*
nuftt. u$or bem legten 53ranbe waren jn>ei ©lorfen, jebe
c. 20 (Stn. fcfywcr, auf bem Üircrjtfjurme. 3eftt jwei. 1) 2)ie
große c. 40 Zentner fcfywere ©lotfe trägt bie $uffd)rift am
5tanbe: Anno 1716 goss mich Michael WeiuhoUll. in ber
.Vi ine; Pistillo dum tango vivos voco. mortuos plango.
Diese Glocke wurde gegossen anno 1716 auf Anordnung
//. Joh. Georg Pauli, Burgermeisters u. 11. D. Balthasar
Dietrichs auf Deutschossig d. Scabini, beiderseits Vorsteher
der Kirche S. Petri und Pauli in Goerlilz. 2) $)ie Heine
c. 20 (£tn. fd)were ©locfe ^etgt nur' bie £&orte: Gegossen zu .
Goerlitz von Koernern, anno 1728. $)ad ©eläure wirb ge*
geuwärtig neben ben Jtirdjenglocfen für bie Äirdje bei 93e*
gräbniffen aud) vom Sr. *ßeter$fira)tf)urme beftritten.
*
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2luf bem Jlird)()ofe, welcher juerfi 1559*), fyäter aber
burd) ein* im 3- 1842 gefaufteä 20 borgen große* ^Icfcrfrücf
da halb bed alten ÄirdjfyofeÄ erwettert worben ift, finb merf-
würbig: ba$ ßhab 3afof> 93öl)med, wenn man naa) berdpöfjc
t»om ^anptgange au$ freist rechter £anb in ber 9?äl)e ber
Xobiehgräberwol)nung gelegen. £fm obern (£nbe be$ alten
#ircfyf)ofed jnr linfen ^>anb r>oin großen 5öege ift bie ©ruft
beö ($obin$ nnb in beren 9cal)e auch bie etferne Umzäunung,
welche mit ber (sage vorn sJ(\ubmluiutt jtutammenhctngt. Stuf
bem oberen 1#i7 eingeweihten Kirchhofe* befinbet ftd) ba*
$)enfmal be$ verstorbenen Oberbürgermeifferä 'iJemiant, unb
l>art an ber £trd)e eine im 3. 1606 bei be$ ^rimarmd SRoller'ä
C%abe gepflanjte große Sinbe.
3. £>ie tfirdje jur heil. 2)reifaltigfcit**).
Diefe Mixty würbe angeblich im 3. 1234 bureh einen
s3Warfgrafen r>on 33raubenburg jng(eid) mit bem granjiefanei^
flofter begrünbet Hnb mit legerem am 20. ^ngnft f245 bnrdj
s-8ifd>of &mrab I. von Steißen ju @l)ren bed heil. Sranjidfud
unb ber Flavia geweiht. s3ei (Erweiterung ber <£tabt über
bie 9feuftabt U»*3 1255 fam Softer unbÄirdje in bie dauern
ber <5tabt. Die erfte Vange ber Jtircfte ging biä an ben großen
©ogen unb ihre breite war bie ber beiben ©ewölbe uaa> bem
Warfte *u.
Hin 21. 9)iar$ 1376 würbe bie Stauer be$ alten Gfyor'ö
um ben «Hochaltar abgebrochen unb am 15. s3Wai 1371 ber
©runbftein jur neuen gelegt; im 3. 1381 würbe ber (£bor
fertig biä *um Gewölbe, beög leieren auch an ber Barbar ata-
pelle gebaut, weld)c 1385 eingeweiht warb. 1382 Hm eine
Drgel unb vier bunte (fMaöfenfter auf ben (£r)or. 1385 mür-
ben bie erfren @horgejrühle, 1484 bie legten gefegt unb bamale
bie Snfcfyrtft angebracht; bie golbene 9Jtarie, beren 93efcfyrei
bung unten, flammt an$ bem 3- 1383; bie ©ewölbe ber
biö bahi» nur mit £olj gefchlofienen ^irc^e au$ bem 3 1 450.
*) C?in (£tü<f SWauer erhielt vom Weift ben Warnen „SBiermanfr",
»eil bie «Sage aUia,, bog an tiefet Stelle immer bie Pfarrer ba« fremde
SBier in ben $farrfyof gefctjnwgflelt Ratten.
••) Sranjiöfaner -Xottenbu^ unb bie ^ian}i*faner - 9lnna Un im
I. 'Banbe ber N. Script, ror. Lus. finb bie $auptquel(en jur $augefd>icf?tr
bet Äircfje, baneben bie 9<atf)dredjnuna,en.
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1 1
3n toterem 3ar>re, einem 3ubeljahre, erwiefen ficf> bie (Sin*
roohner fe^r mifbthätig, baljer bie großen bauten au berÄirehe.
1508 würbe bic ©iebclmauer gegen ba$ töcichenbacher tyox
*u neu aufgebaut. 1512 würbe ba$ grojje genfer gegen Stet*
gen, $wei im (J^ore unb brei in ber Safriftei gegrünbet. 1666
würbe bic Mxxdic in* unb auSwenbig gereinigt unb mit neuen
genjteru serfehen. 1691 würbe bie alte Drgel unb b«$ bar*
unter befinblich* (Sljor eingeriffen, unb über Den (Sanonicatfiüh*
len ba$ Qfyox für bie Seljrer unb Schüler gebaut, eben fo
gegen Mitternacht ein @hor für bie ,<Sdnger, efnä gegen
Wittag über ber 6t. ^öarbara^apetle, aHd) vier neue deicht*
ftühle unb 1692 bie (gegen 360 £Wr. foftenbe) neue Orgel
aufgeteilt. 3m* gebruar 1693 würbe bie £cr/u(* unb ©d)liefc
öHocfe umgegoffen. 1712 fam t)tnter baö Mltar ein neued gen*
fax, bei weld>er ©elegenheit (eiber auch bie gemalten ®laä*
Reiben, wegen ber £eiligenbilber, t>on M. (£d)äfer, befeitigt
würben. 1715 würbe tiefer 53au vollenbet unb in ber neuen
£alle, nadjbetn am 6. Mär* 1715 ein $atf)S*Defret ber Äird)e
Den tarnen: jur ^eiligen Dreifaltigfeit verliefen tyaUe, über
bie %t)üxt ba6 fteinerne $ilb ber ireieinigfeit geftellt. 1730
würbe bie ehemaliqe £alle nach bem SOfarfte $u neu aufgebaut;
1775 bie äußere $tauer ber ©«frijiei fehöner aufgebaut unb
in berfelben ein 6tübchen eingerichtet. 1777 brach man bie
alten 2äben ab unb legte neue an, welche im 3- 1840 gän^
lief) befeitigt würben. 2Bann ber $l)mm, sJJ(*onchäthurm :
,,9J<oneh, vulgär: 9J?onnieh" noct) heute genannt, entftanben,
ift ni du nachjuweifen. Vlm 27. 3uni 1605 ftbluq ber$Mi$in
ben %x)uxm, olme ja jünben, zertrümmerte aber tljeilweife ben
SBalfen, auf welchem ba$ 3od) ber (Glorie ruhte. Da ba$ $oty
roerf ber ©pifce fer)r befchäbigt war, würbe foldie 1607 Der*
beffert unb um 18 (§llen erhöht, ^ugleid) ein vergoldeter Jtnopf
unb eine gähne barauf gefegt, baä Dach aber mit 5Mei geberft.
(Sine 9?eubetfung gefchal) nun 1824, bei welcher (Gelegenheit
and) ber Xhurm abgepufct warb. 3ut 3. 1837 hatte fich bie
Spifte bed fchlanfen %t)nxmc$ fo geneigt, baß ein ^erabftur)
berfelben 41t befürchten war. (Sine be£falltige Unterfucf/ung tt*
gab, bafj ber obere %t)t\i be$ $hurme$ im ,£>oljwerf fdjabhaft
unb bie eiferne €>pille mit .Unopf unb gähne aud ber öefefti*
cjung gewichen war. Hm 14. iluguft 1837 nahm ber <5chie*
ferberfermeifrer (£rner beibe btxcib unb fc&te fte fyäter wiebet
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auf. 9lun nod) einige $eraerfungen über bie Bauart unb ba*
3nnere ber £ira)e.
Da« @bor ber ilirtfcc ift fef>r lang, fünffeitig gefcbloften
mir in feiner Sänge viel \u wenig beleuchtet, obgleich fia) ftc-
ben genffrr vorfinben. <8ier biefer genfter waren wie angege-
ben efyemal« gemalt. Die Gewölbe finb einfach, bie ©urten
fteljen auf äragfteinen, bie eine Sßanbpfeilern ähnliche fleine
gortfe&ung tyaben. Da« Gf)or wirb bureb eine breite Söant
vorn Scrjtff getrennt, in ber nur ein enger DHra)fd>lag im
Spifcbogen ift. Da« Sdjift ift einfadj gewölbt, bie Stippen
ftefyen auf köpfen ; gegen Wittag ftnbet für? eine ganj niebrigt 1
»bfeite, fonft ift ba« Sdjiff nur einfaa) wie in allen Äird>en
be« ©ettelorben«. Die tfiraje fjält eine gange von 112 (£llen,
wovon 63 auf ba« Sdjiff, 32 auf ba« tfbor bi« *u ben Stn<
fen unb 17 von ba btd Ijinter ba« $Utar fommen. Die ©reite
be« Sdjiff« (bie Barbarafapelle mit gerechnet) ift 30% Sllc;
16 genfter finbeu fta> im ©anjen vor. — Die ©eftufylc frnt
wunberbar fa)ön gefdjniot. lieber beiben Seiten ber (£rjorjhible
ftnbet jtd) eine lange f^warje Sdjrift auf weitem ©runbe,
einzelne 93ua)ftaben rotf), eine im 3. 1484 auf biefe Söetfe ber
Wadjwelt aufbewahrte ßbronif be« Drbcu« unb Äloftera ent-
fyaltenb, wela)e fta) augenfcfyeinlid} auf ba« nod) vorbanbene
granjiefanertobteubud) ftüfct. Da« 8ltar ift erft au« bem 3al>re
- 1713. 3ur 3cit ber s3Äöna)e. waren folgenbe- 16 Sütäre t>or«
r>anben: a) ba« £oa>altar ju (Sfcrcn Waxiä maj. unb beö? r>eil.
granjidfu«; b) ba« Wltar Der f>etC. brei .Honige, be« \). Bar*
ttjolomäu« Hub be« b. ®eobocu«; c) ba« Sil sWifolau^Sfliar;
(I) ba« Elitär jur f>. Dreieinigfeit; e) ba« Hltar ber r;. Jtatrm*
rina; 0 ba* Slltar be« r;. 3ofyanne«; *?) ba« Bltar bed Ijcil
gabian? h) ba« Ältar bec l). Jfreujje«, ber l). (Sfyrifhna unb fy.
SlDaüjetb; i) ba« Hltar be« f>. Hntoniu«; k) ba« «Itar be*
Seiajnam« unfere« Gerrit im ^reujgange; 1) ba« Elitär ber
r;. Barbara; m) ba« ©t ^eter«*S(ltar ; n) ba« St. $eter* unb
sitaul^lltar; o) ba« Ältar ber fteben Scfymerjen WaruS ; p) ba$
St. granji«cu«^ltar; q) ba« St. Bonaventura ^Slliar. 3u
bebaueru ift, bap aUe 9lltartafeln jerftört worben ftnb. *Bon
Slltertfyümern ijt junäc^ft merfwurbig: 1) Da« alte «gwdjaltar,
jefct in ber Barbara-flapclle aufgeteilt. Da« Bilb ber 3Äarta
würbe 1383 gefauft unb man Ii bamal« ein fväter «viebert^olt
verjierte« ®el)äufe barum maa)en. 3n ber ©litte ift SRaria
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i ■
mit bem Sfyrifhrtfinbe, auf einer verftlberten $Wonbfa>etbe fte-
fyenb, hinter il>r golbenc Strafen, lieber tt>rer Reibung fyat
fie ein prädjtigeä golbeueä ©tantelgetvanb, befreit Saum ein
ßngel fyält, »äfyrenb pei (Engel im begriffe fmb, fie ui frö-
nen. !X)a6 narfte Gfyriftftnb langt mit beut regten £änbdjen
. naa) bem vorwärts bditgenbcn Aaar ber ^Mutter, wäfyrenb eö
mit ber gtnfen eine SHkltfugel, UÄaria in ihrer •fKedjten, einen
Sjetoter/ f)ält.
Ü)a* Sdjnifttverf ift vortrefflich, bie innere Seite ber glüget*
teuren von DUinüfyer'* £anb. oben bie ^ertuubiaung, hin-
ter ÜRarkn ©abrief, naa) welkem fte mit bem jfopfe |td> jururf-
neigt, in feiner Äanb ber öotenftab ; feittvärtö fallt ber Ölirf auf
ba$ Stäbtajen Wajaretfy. föeajte oben fomint ÜWaria jur (Slifa*
betfj; linf* unten ift im StaKe bie ©eburt be$ ^eilanbeö, vor il)m
9Raria unb 3ofa>l) mit vier (Ingeln; auf ber Seite bie Birten
bei ber öeerbc unb bafunter bie Stabt 93etblef)em. 9ted}tö
unten ftctyt man bie ^eiligen brei ßöuigc, tveld)e vor ber
3Raria, bie ba$ (Sfyrtftuöfinb W** »»b >fep^ »l Anbetung
verfuufen ftefyen. Met ift jumeift vergolbet, aucl) verfilbert
unb wo ntd)t $(etf$ »»b Hintergrund erfajeint, befonberö
SSäume, ©ewänber, SBorbergrunb mit garben bemalt. 2>iefer
s'dtai i'tebt in eiuem einfaajen, ungefdjmürften haften. 2) 9Jeben
biefem JJlltare ftefyt ein eigentf)ümlid)e$ 93ilb auf garbengrunb,
au$ bem (5nbe befl 15. 3al)rf)unbertö (Sljrijhiö a(ö 3öeltria)ter,
vor tfcfti s3)laria unb ein ^eiliger fnieenb. daneben erfdjeint
ber Eingang junt ^tmmel unb \m Jpolle unb jwar red)td ber
(Eingang \\\m Seben, welchen Hh-ivu? mit bem ^iutmeläfajlüffel
auffcl)lie|?t; Iinf6 ein runber Ityurm, auo weldjent glammen
fcfylagen — bie Jg>dlle. 3) 2)ort befinbet ftd) oho) ein fefyr großes
1 1 im von (£f)rtftu$ unb neben ibm sXRaria mit jobanueo
übergroß tu «£>ol$ gearbeitet. 4) 3m Sdjiff ber töirdje ftef)t
auf einer (£rl)öl)ung eine vorgüglid) gearbeitete (trappe von
Stein, früfyer gweifclloö ein ftltartifd). Da$ «öauptbilb ift ber
im Sdjoojje AVanen e nibcuDe fceidmam ßbrifti. £>iefe Arbeit
ifl auf 23efef)l -©eorg dmmeridjä von £>llmü£er verfertigt.
5) «öintev bem Altäre liegt ein ©rabftein auf bem au lefeu:
Anno Dni MCCCLXXXI mortuus est Johannes de Duba, (ilius
Benissii. $11$ im 3af)re 1565 bie itirdje mit bem Softer an
baö ©vmnaftum überging war eine ©locfc barauf, welaje ntefyr*
mald: 1578, 1641 unb 1693 umgegoffen warb. £efctere jog
G»tf<6t$te »cn e*tU|. 42
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G58
man am 2. 9»<irj 1694 auf. Sie ift 5V, Str. fäxm mit»
bat folgenbe 3nfd)rift:
sLla tlChtero Tobla KVppero MJChaeLe sieJnbaChJo
Iohanne KJsLJngJo pils CIVKaUs sVae ConsJs fVsore slVeiUo.
Quae dudum suin fusa , refusa, refundor in arrais
Orbis stal quando Lotus ad arma vocans.
Nun sine fato: Nam Mars quoque tum da bat arma
Quum fueram prima rite refusa vice.
Q Deus altitonans Marlis compesces furo res!
Ne quoque Liisatos implied ipse Meos!
M. (agiler), C.(^rifHan). F.(umfe). R.(efo>r).
Um ben üHanb herum:
Zur Ehre GOTTES bin ich gegossen worden durch die
Hand des Glockengiessers Abraham Sievertens in Görlitz
A. 4 $93 den IX. Julius,
hieben "iefer gäuteglocfe, roeldje im Xfyurmc bongt, tft aud»
eine Seiger|djeüe in SBerbinbung mit einer Uhr auf bem ± burmc
ttddje bur^fdjniitlid) 10 ^Minuten t>or ber sJiatbtfuhr btc Sur
ben anjeig Sie ifl 1607 gegoffen unb ftef>t auf tyr folgen
bee" (Sbrouofticrunt:
1 ALJVs Vt hJC apeX CoeLo GonsVrgere VJsVs
/Vsa horas D1DICJ Vorbere pressa LoqVJ.
1) $ie grauenftrefce (ju II 2. grau 9flarta).
tu- tftrdu4 ni Unferer lieben grau tierbauft ihre (Surfte
hang einer 93lutfüfme. 3m 3. 1344 fyatre griebrid) t>. SMber
(bin auf grieblanb flehen görlifcer öüraer: $änlein t>. Sev
djenbad), Otto Jfreferoetrer, $entfd)d (Seibenberg, <£>entf*fccl
@d)eerenfd}tmbt, ^ermann von finita, Martin l'auban uni
^ermann Vöbener erfd)lagen unb würbe uir 8üf)mma a,e$n>an
gen, in golge beren er 200 Schorf ©rofdjen $um Sau eine:
Äirdjc geben mujjre. 93alb barauf (»abrfdjrinlidj nad) 1344)
begann mau btefe £ird)e, mm Slnbenfen an bie Seelen bei
(£rfa)(agenen, fing ju aber gleidj fo f oftbar an, bafi ictia
©elb nid}t reichte unb nur bind) Diele Stiftungen uno ©c
fdjenfe warb cö moglta) bic JiirdK $u ^dienten. 1
Umfianb, bap im 3. 1363 fd>on »Uariften angeheilt*), ew
V) 2>er 3)i-uf|tcm eine* Stüartfteu ift nod> erhalten tyiat'r betn 9.1«
Ure. £>ie $iour<» un& ©djrtft ftnb in ben 45tein geraum »x*
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» •
£ou* jur äBobnung für biefelben benimmt würbe, beutet barauf
#n, ba£ 1363 fctwu @otte*bienjt gehalten warb. Die $aut*
Stynfung befldttgte am 17. 9ttai 1363 3of>ann SBif^of ja SKefc
pen, 1378 weihte ber 93tfäof 3ofmnu ». ©enjenftefn ui Zeigen,
ein aitar; 1395 ber 2öeibbifd)ef ben äfrc^fpf ber grauenfird>e
unb ein nette* 2ütar. 3m 3- 1-449 begann ehi Umbau unb
t473 würbe ba* Darf? M$ auf beu %$mm fertig. Sluf baä
Dacfy fani ein flernee Xbürmdjen mit $wei ©lüden, e* warb
1480 »om SBtifcc getroffen unb brannte fammt bem Dac^e
nieber. ftacQftem fdwn 1477 ber 9tfdpf einen «blapbrief j«r
«ottenbuna au«aef5tcüt Ijatte, würbe bie Äirdje fowett fertig,
ahn 3- 1494 bie wirHidje Decfumi erfolgen unb ein
(fenjtutyl gefefct werben fonnte.
1506 würbe eine Orgel gebaut. 1539 traf ber »litj bad
Stytanctyeii unb *erf$lug einen «Klar. (Seit 1566 ftnbet ftd>
auf ber Äirdje au ber worgeufette ein aujterfiger Xfyurm, auf
bem ©iebel ber JHbenbfeite ein Äreuj. 1609 würbe baä obere
Xluirmdjen am Dad)< verbeffert unb mit einem $i$erterr)a&ue
verfemen. 1696 würbe bic Orgel in bie ^eterefirdje gefteü>
unb einiiweilen ein ^ofttiv auf ben (£bor gefegt, an bejfeu
(Stelle erj* 1778 eine neue Orgel fam. 1735 würbe ber$f)urm
reparirt mit 2Med) tefcfyiageu unb biefed grün angeftrietyen ;
1850 riß ber 6turm ein grojjeä &tüd biefeä ^8lcc^6 ab unb
fcfyleuberte eä auf bie Strafe. 3n neuefter 3eit ijl viel für
bie Jtircfye gcfrfjeijen. Die Jrird)e würbe im 3nuern neu ge-
tündjt, ber 8ufjboben mit (Braiufylatten belegt, bie Äanjel Der*
golbet unb bie Öeftufyle neu angepriesen, gerner würbe burd)
ben 33anmeifter SSutfow aue £trfd)berg eine neue Orgel gebaut,
ein 8füpige$ SBerf, mit 15 flingenben (stimmen, *u welchen
24 ftegtfter unb 2 Wamiale von C, Cis— c gehören. Der
fteinerne Ältartifd} würbe mit einem äraetfir unb jwei i'eud^
tern von dhijkifen gefcfymurft unb inäbefonbere aud) bad fdjönc
©tetngdänber be$ Orgeldwieö vollftanbig tycrgeftellt. &m 3.
November 1843 erfolgte burd) ben Superintenbenten Dr. theol.
waren mit fd)war$er 3Rane angefüllt. $ie figur ^eiejt ben ^riefte in
Üeben6ari?§e, ba* ^a«j«t gefroren, ritt ^rieftertalar befleißet if>n unb bie
auf ber SBruft gefalteten £änbe galten ben tfeld). 9tect)t* unb linf« beö
.ßaupte* ifl ein Ävcu;. $ie Umfdirift tetat ned} ledbar bie ©orte:
MrCCC.LXlll OBIIT. DN. MARTJNUS. MARTINJ. ALTA-
RJSTA. HÜIUS. AI l AiUS.
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SRöpler im «ufrrage bed ©eneralfuperintenbenten für Stiletten
tie ^einreibe m &ir$e. Xte äußere Umgebung berfelben $at
auf bie 3 tabtfeitc unb nun ^ort^etle bed Ijerrüdjen portale*
am Xfyurme r iud> ein eiferned im 3- 1837 jwityen ©ramt*
faulen angebrachtes ®itttx, an Stelle bet verfallenen alten
ÜRauer, außerorbentlid? gewonnen.
3n ber 5rauenfir$€ waren efycmalä fünf SUtäre unb urar:
1) ba$ £od)altar ui Unf. lieben grau uub «5immel*fcntgin
SHaria (ber grauenbrubeTfdjaft ger>öri^); 2)ba$ <ar §Hr 9ied>
ten beim €f>ore: ber bdi. Apollonia unb ®erbrub; 3) ba*
biliar uir Medneit ber Jburc: ber bcü. £ebwig; 4) baä Altar
uii hinten ber Ibure: 2J?aria, SWidjael, >hamu\\ SÄattfyia*,
ben Jnnnr boten, I orotfyea, Barbara, Apollonia, £>etuNg ge-
weiht; 5) bae Elitär bed bcü. <5igi$munb unb 93eit.
<$S ftnb brei ©lorfen auf ber Äirdje. Die größte
©locfe friinte 1480 beim 93ranbe herunter mit bem Iburm
cfyen, würbe 1481 mit ber Jnfdjrift: o rex gloria veni cum
pace neu gegoffen, aber 1716 umgegoffeu unb am 16. Dfrbr.
1716 $um erften Stale geläutet. Sie wiegt 10 @tr. 2 et
21/« $f. Die Sluffdjriften lauten:
Pulsa metaila ctiam resonant praeconia Jovae.
A. B. 4746. Auspiciis Senat. Gorlic. Sam. Knorrio de Bo-
senroth Consul. et Carole Emerico hujus aedis curatoribus.
. a. 4481. Primum fusa, refusa atque aucta opera Michaelis
Weinholdi fusoris regii Dresdensis.
Die jweite, jefct 5 (Str. 10 $f. wiegenbe ©locfe, würbe
mit ber großen in DreSben umgegoften unb ben 15. 3uli 1717
dum erften 9ttal geläutet. Dben ftefyt:
Si campana sonat, precibus sirnul ora sonant.
Providente senatu Gorlicensi Sam. Ktwrr de Rosenroth et
Carolus Emericus curatores me A. MCCCCVC fusam refundi
et MDGGXVI. eurauerunt Dresdae opera Michaelis Weinholdi.
Da* Dritte ©lochen wiegt 3 Gtr. 19 $f. unb trägt
bie Hufförift;
A. 4747. goss mich Michael Weinhold. Soli deo gloria
Sam. Knorr de Bosenroth d. Carola Ernenne, curatt. atque
luther. Jubilaeo secundo. 4717.
Tic .Hinte ift auö Sanb* unb großem Jtalfjtein gebaut
unb fyat untterjierte, oben nur mit einer S3lume tterfefyene &txt-
^bepfeiler. Die breifadj mit 6temftäben geseilten genfer ftnb
» <
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»
tyocty unb im ©pifcbogen errietet, Bei linigen ftnb nod) dlo*
fen im genfterbogen, wa$ ftcf^erttcf^ einft bei alten Der gatt ge*
wefen ift. 3m genfier gegen Horben ijt außen eine alte ©tent»
blume. (Segen 21benb fyat bie Jtircfoe in ber Witte einen Thurm,
unter bem eine große unb geraumige Vorhalle liegt, über ber
ftd) baä in englifrfjeii tfirdjeu fc befannte Sffieftfenfter beftnbet,
beffeu Betrachtung wir aüen Befudjem auf ba$ angelegentliche
empfehlen. Durify bie Xfjüren tritt marv in bie c. 9 guß tiefe
Bort)alle; bie ©ewölbe ftnb jufammengefefct unb mit fyervorra*
genben kippen. Die 6dUußfteine jeigen einen Äbler mit »wei
köpfen unb ben böf)mifc^en göwen. Die 2öänbe ber Äirdje
unD bie <5pitbo#tn baritber finb nur einfach mit Stab unb
£tthma verliert. Die Jfircbe $eigt ein breifadje« ©djfff, beffen
•Ööfye 3z, i*änge 69 unb Breite über 32 (SUen fyat, an jebet
©ette auf brei fef>r fetylanfen ad)tecfigen, mit gegliederten güßen
verferjenen, fonft ganj glatten Pfeilern rufyenb. Die kippen bed
vcrfcblungenen ©ewölbeä finb aüe hervomtgenb unb gefyen in bte
2öanb hinein. Da« (Sljor ift einfad), breit wie bct6 Wittel
fdjijf unb öffnet ftd) gegen borgen auf eine gefällige ffleife
mit feinem breifadjen (Schluß. Die Orgelempore rufyt auf vier
Bogen unb fiarfen Pfeilern; vor bem twittelpfeiler ftefyt Flavia
mit bem 3efu6finbe, barunter ein auf einem fd)lanfen adjtecfi*
gen ^feiler ruhent>e$ achtecfige$ 9ßeihwafferbecfeu. §err ?ef)rer
8d)äfer, dufter berfelben, befFen 2Bof)nung unmittelbar am
Äirdjhofe ift, fuhrt bie gremben ^erum unb jeigt babei aud)
noch ein merfwürbigeS 6türf einer SWarienftotue.
5. Die 6t. «nnenfirdK.
3(1 ein Denfmal ber grömmigfeit eine« reiben Bürger«
$u ©örlifc, bed im 3- 1463 geborenen £and gren$el'$. <&
t>ert>eiratt^ete ftd) im 3. 1489 unb befchloß nach mehreren 3ah*
ren finberlofer (5^e eine Jtirdje ju bauen. <Sr fam beim föatfje
um einen Bauplafc ein, ber tym enblid} nadj vieler ©djwie*
rigfeit ntd?t weit von ber 9tonnengaf[e, unweit be$ grauen*
tf)urm6 unb ber gefhmg6werfe eingeräumt würbe, 8m Sage
ber heiligen Krina (26. 3uni) 1508 würbe ber ©runbfhin ge*
legt unb ba6 Jtirchlein trofc ber bajwifchen faüenben $eft fo
weit voßknbet, baß e$ am grrttage vor $tfingf*en 1512 burety
ben SBeibbifdjof von £alberftabt eingeweiht werben fonnte.
3u ^idjaeli* beffelben Saferes war bie Äirdje ganj vollenbet
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C>6'2
Mttb <tu6Qe^attet mit Wii&n «erütftcn, Drgel, 3 (Dorfen u. f. w
3n $r ftanben brct Stltäre itnD füriebe« Elitär ftattete grenjel jwet
Hfctefter au«, von Denen 3eber jafjrli* 30 Warf erhielt «nb
ein SKeggcwanb. €ie waren gewebt Der Butter #otte« SRarU,
Der heiligen 8nna, un* tyrem ©emable, Dem ^eiligen 3oa*im.
$>er ©au foftete 8550 Multen. ©aumeifter war 3tlbre*t Srte
S' tjer von @örii*. (*r fut^rt« Die Ätrdje tbeil« von ®etf
den, tbeil« von ©ruebfteinen auf. ©ei einer Sänge von
82*/* Su0 (int 2id>teu) ift biefelbe 39 gu* breit nnb vom
Aßflafter bi* |um ©ewölb« 52 gug f)od). 5>te £trd)e bat ein
einfüge« 6<b»tf, Der (f bor ift Dreifettig geföloffen unb b<p« 3«'
nere wirb t>on a$t geufterti erleuchtet 2)ie äußeren Gefeit
«nb Die ^itternatyfette fmb mit €vinbelfäulen von unten
herauf verliert, welche Xragjteine tragen, auf Denen unter
gotbifrfjen Xbürmcben £eiltgenbtlber fte^en; Die 9Hittag«feiten,
nacb Den gefhtng«werfen (je$t Demiamvlafc) $u hat feine *8er
gerungen. Sin Der erften (iefe De« ßbore« ftefyt Die €tacue
De« f>etl. Soadn'm; auf Der feiten Säule Die beil. Slnna,
SRaria unD Gbriftu« tragenD ; auf Der Dritten Säule Die SWut*
ter ®otte«; auf Der vierten Der beil. 3ofevh mit Dem ©eile unr
über if>m Da* ©ruftbilb De« ©aumeifter« mit Dem 3irfel in
Der £anb. Xn Der SÄitternacbtfeite auf Der fünften £äule
Gbriftu« al« Sßeltrt^ter-, auf Der festen unD ftebeuten
$wel ^»eiligen« ilDer. föeicb verliert würbe Da* portal gegen
$Ritternad>t, wo befonber« Die <£ingang«tbüre febeu«wertb fft
%n Der ^beubfette, wo jefct bae &Saifenbau« ftebt, befanD fidj
ein arofje« genfler. §(uf Dem öftli^en iadjgiebel jtanb fonft
ein Heiner fuvferbeberfter $r)urm mit jwef ©locfen, welcher
am 11. 9Äärj 1652 buvcb Den 6tnrmwinb bevabgefitlcu
bert warb; eben fo jtanb auf Dem Giebel ein &wei Qllen |er)e*
eiferne« Äreuj, welche« 1688 herabfiel.
$>a« 3nnere imidu einen wohltätigen öinbnttf. Da«
weitgefvannte, von feinem Pfeiler getragene Gewölbe ift mit
(Kurten verjiert, welcr)e mti f tauen uuD mit ftarfen Ivagetfen,
bte im (Gewölbe bunbgeben, umfaßt, auf Diefe 3öcife baä )öki*
d}m Der weitgefvannten (Gewölbe verbinbern. ,ftierbur$ m
Die .Ututc eine ard)iteftonifrf)e 9fterfwürbtgfeit. Tic Schluß
fteme Der ©ewölbe baben ©djilber mit ©übern. 3n Der Witte
bie vier (Svaugeliften, über bem@bcre ba« £anbele^ei<ben §an*
grenael'« unD über Der Orgel Da« De« ©aumeifter«. 2>a« Or*
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663
arider $at ein fd)öned bnrd>brocf)ened ©dfinber von ©tritt.
fan ftydne* Qwbaltax, t>oit #and £)Hmtt>er gefertigt, fam 1559
in bie $etcr«fird&e unb if* 1691 leiber bort verbrannt.
©o lange ^renset lebte (bi* 1526) würbe ber ©otte*bt*nft
regelmctfHg abgehalten, allein wäbrenb ber fteformattonSunr«*
$en nad> fernem 2obe fing er an eittaufdjlafen, bi« fein ©olm
3oacbim 1531 ber ©labt bie Stixty unb ba6 ©tiftungtoer*
mögen überwie«. 1539 würben nun bnrd> ben Olatir) bte bd;
ben ©locfen vcm Xfaxmt genommen. 1562 fiel ber Xt)uxm
$erab unb wart) ttt^t wieber erbaut. 5>ie Äirdje felbft wurbc
ß(* »Hfbewar;rung*ort für SRarftbuben benufct biä We ftadb*
fommen 8renjel'0 aBf Reinigung brangen. 26. 3ult
1627 warb bie tfirdje normal* gewetzt $ur twn 3eit gu
3eit mit Unterbrechungen hielt mau bafelbfr ©otte*bienfr, feit
1773 alle ©onntage £ated>ifationen. $»rd> bte »on 1726 —
1747 bewirfte £erfrellung be* 2Öaifen häufe« würbe fte für bie
Söaijenfinber, fpäter aud) für bie ©trafgefangenen im anfielen*
ben flrbeitehaufe benufct, bi* bie ©Äcularifation au6ge!>rod>en
würbe. — Severe machte e* möglid) ber dhriftfatboltfchen ©e*
meinbe, welche am Karfreitage 1845 ftch m ©orlifc gebilbet
hatte, bie Äird>e jum SHitgebrauch $u übergeben, fo ba£ bie
adriger ©emetnbe ber SJcacjbeburger bie zweite itt
Greußen war, welche einer eigenen Jttrche ftd) erfreute.
8n Srichenfteinen ifx nur ber be^ fogenannten fdjwebifdjen
3a^nrid>, neben ber ©afrijtei, merfwürbig *).
6. Die teH. Äreuj^apelle unb baö f> c i I. ©rab**).
©ie würben im Mitten Viertel bed 15. 3ahrhunbtrta ge<
baut, um ben zahlreichen frommen, Denen bie «Wittel jum 8*
fuch be* Ml ©rabe* in 3erufalem festen, etwa« für ihre xt*
ligtöfe *phantafie \vl bitten. Erbauer ift ber im 3. 1422 $u
©örlij geborene unb 1507 am 21. 3anuar hterfelbft geworbene
©eorg (Smmerid), ber, (Siner aud ben görlieei ©<fcr)lechtern,
Dorn 3. 1484 an fünfmal ba$ »ml eine* $ürgtimdfter* »er*
waltet ^at. 3m 3. 1465 — Emmerich ^attc ein SHäbcr)en,
*) ?(iu'führli*i'r f. b. 2t. Ännenfir** |tt ©orlifr (». Ädtjlet) mit
2 ©ilbetiu ©i>rltfr. @. #einje u. domp. 1845. 16.
*•) €. bie auf bem l?eil. ®rabe ju faofenbe *B<f<$Teibima beffelbtn
mit »bbUbrnifleti. (». (Jun<rtl>). ®drli| 1823. 8.
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664
^Benigna $otftd, »erfuhrt, weigerte ftd) fold)e ju f)etrotf)en,
unb raupte beflbalb eine SBupfatyrt antreten, — machte er übet
SBenebig nur Süeranbria feine erfte *Reife na(t» Pennälern, unb
foü*, waä Untere erft bei ber ^weiten föeife behaupten, bereite
bamalG einen Wal er unb Saum eifler mitgenommen fyaben, um
eine sJtad) bilbung be$ beil. <*habe$ in feiner SJaterftabt ju be*
werfftetligcn. (5r fam glürflid) hin mir würbe am 11. 3ult
1465 von bem 6)uarbiau be$ ÜÄinoritenfloftcrG auf bem 93erge
6ion, grangiäfuä v. ^iacejija, ;um bitter be* hcit ©rabe*
gefcfylaaen. I ao ^eugniti beftnbet rieb im &nopf Defl ^u*
ttyürmcpeiri unb fettete ihm 10 Dufaten. 9iad> ber glütfltd)eii
!Hücffcr>r in feine ^aterftaot im 3. 1470 fudjte er einen paffen-
ben *JMa$ für bie Anlage feiner (Stiftung unb faub ihn nort
weftlicb auf einer xMubobc in ber äufjerfren $3orjtabt, bie von
ber 211 M ah burd) bad fogenannte Äreujtbor getrennt ift, roaä
wegen einer fdjen früher bort geftanbenen fyöljernen Capelle
äum beil. &reuge, Ärnutiw benannt werben ift. Dort fduen
tljm baS von 9torb naa> 6üb unb von ba wieber bei ber €itabt-
mauer vorbei naa) Often bingefycnbe Slüpa^en £uni$, ben S9ad>
äibron, bie $eter* unb *Paul0fird)e ba$ föid)tfyau0 beö %
latus, ber eben genannte auf einer VI n höbe von 6üben gegen
Horben 40 (sdjntt. in bie Sänge unb 20 (Stritte in bie breite
fta> erftrerfenbe ©arten felbfi ben italvariaberg (Sdjäbelftatte)
nebft ber Umgegenb, unb ber Dahinter norbwärtö tiegenbe .^iV
gel ben JDelberg am treffenbften rann (teilen: unb barum befehle p
er f>tcr bie Anlage ;u treffen. Xei ©ifcfyof ju SReiffen, wel?
4er bie (5rlaubnij? juni 3$au geben hatte, jöaerte jeboeb mit
ber ßoncefüon unb fo mad)te er im 3. 1476 bie jweite *Reife
^nad) 3erufalem, wobei er feine tyiänc unb 3e^Hundcn ÖCT*
volfftänbigte unb verbefferte. Um t. Dftober 1480 erstell er
burd) ben JDjficial befl Sijtyofft 3obann V. von Wcipeu, Dr.
Warienam in Sauden, bje @v(aubnifj jur 2(u$füfyruiig be$ rjetl.
©rabeev, weld)e$ $i$e*fmeifter £Majtud Otötyrer au$ ^eipjig
gleid) mit einem an bie Stelle ber früfyer bort befmb(ia)en hol*
gernen Jtreu$fapelle entarteten tftrcMem, jwifdjen ben Labien
1481 — 1489 voUenbete. 3»n 3- 1504 befam ber 9iatf) burct>
ben baufcner £)ffidal Dr. SBillibalb heftig bie (^rlaubnifj, baö
biliar bee ,ffird)lein$ weisen ju laffen, wel(fye$ ^eilige Officium
3ofyann 53ifa)of von 9Barabein aH^fü^rte.
8m 4. 3uni 1536 traf bei $li$ ben $f)urmfnopf, ging
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665
burcb ba$ Dach unb ©ewolbe unb ^erfchlug beim Kitare ba6
Silb be$ ©efreujigten , n>elc^e6 er)emal$ am ßbarfreitagc in'*
beilige <$rab gelegt würbe. 1569 würbe bie .fttrcbe gereinigt
unb bte genftcr neu verglajt. 1578 liefi ber (fnfel ®eorg (im*
merich'd, 3or/ann (Smmericr), ba$ S^Ö^^^ ber Stirbt
unb bem ©rabe erneuern, bie betben ftemernen Ten finaler in
ber Ätrcbe aufrichten, bae 9Jcarienbilb mit garben auftreiben
unb einen neuen Jtnopf auf ben ühurm fefcen. 1612 u. 1660
warf ber 5Binb ba$ Zhürmctjen herunter. *9can baute 1678 .
ba* £trd)trjürmd)en wieoer vollftanbig au* uno [teilte bie Sta>
pelle neu fyer.
3ur näheren (Erläuterung I)ier folgenbe*. 9$on ber *ße*
tertffircre, unter welcher man ficf> bad Mcf) rtautf be$ Pilatus
\\\ benfen bat, uiblt man bt6 ;n ber vor Dem ftifolaithore
über Per 93rücfe linier ^>anb f)inau6, an ber flunty, ftehenben
f lernen .Kapelle ober fteinernen Säule, bie mit: 1489 bezeichnet
tfr, unb im 3- 1625 vom s)(ifolaifirchh°fe hierher verfemt würbe,
265 bid 286 Schritte; bi« bahin muffte ßhriftuft fein Ärcuj
alfein tragen. 93on hier geht man auf bem Steinwege
burch bad Jtiagltyor unb gelangt enblich mit 594 bid 647
Schritten ;u einer ähnlichen Keilten fteinernen äapelle :$itnäd)ß
an ber $hüre äujier bem ^et(. ©rabe, mit einem eifernen
Jtteuje. Sie *eigt an, bafi von jenem fünfte bis tyiu
her Simon von (Jmeitc bacJ Dem (Srföfer ;u fct)wcr gewor-
bene Äreuj ihm ^abc nachtragen müjfcit. SBenige Schritte
vorher, and) fchon vor rem ^reujtbore, beftnbet ftch auf einer
Änböhe rechter Jöanb ein flelneä fteinerneö ^äuScfjen mit bop*
peltem ©iebeloache. 6t foü bie ffiobnung bed eroigen 3ubeu,
2«ha$verua, bejeichnen, rer, als Gbriftuä Dabeihabe ausruhen
wollen, eö nicht jugegeben, fonbern ihn fortaerrieben hätte.
Darauf fommt man von jenem äapeltcben mit 37 Schritten
bergan &u brei tfinbeu, von roelchen Die mittlere ba« Jhreuj
Gityxifti, bie beiben anbereu bie ber mit ihm gefreujigten TOffe*
thdter vorfallen follen. Berber, von Oer $eter$ftrche an
aerechnet, betrug folglich ber ©eg 896 M 970 Schritte. Wahe
bei ben brei Sinben ftel)t ein Heine« burebau* fteinerne*, 16%
(SUen langet 13% GUeit breitet ©ebäube, bie Stirbt jUm heil,
tfreuje. &k beftebt aue ^wei Stocf werfen, wovon baö ge*
wölbte <5rbgefd)of», mit einem Slltar auf oer Oftfeite, ba<3 <Ratb**
Limmer vorfallt, in welchem ber £ohepriefar unb bie ©efefc*
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fuabigen über 3*M Gnburtbril fpraa)cn. 3n btm lltort
bejinbet ftd) ein «ferner Mafien für l»ic 30 Silberunge bt«
SBerräther« 3«ba«. (SBon ifmen ftnb beim Äufito* Slbgüffe in
feinem 3^nn unb Silber }u befommen). <£tn grembenbud) liegt
au«; ba« Ätttre fjaben Ieiber im 3- 1813 franjöfffche Sttaro;
beur« geraubt. — hinter bem Slltar biefer itapelte bat bte von
gehauenen Duaberjfeinen aufgeführte datier einen von oben
bi« unten auf ben ©oben gehenben füufitüc^eit SRiß: er foll an
ben bei» Xobe 3efu gerriffenett Vorhang im £empel, jerberftene
Reifen unb aufgefprungene ©räber erinnern. — 9co<b ifl t)ier
«egen Mitternacht tyn ein ©ewclbcben , in welchem 6hrifhi6
> lange bleiben raupte, bi« alle« jh feiner äreujigung vorbe-
reitet war. ©egenwcirtig tft in biefem vergitterten ©ewölbchen
eine Statue be« verurtheilten Jfreilanb« mit einer Dornenfrone
auf bem tfopfe bargeließt. 5Benn man von biefer unteren
Capelle in ba« obere Stocfwerf hinauf fteigen will, fo muß
bte« von außen auf ber SRorbfeite vermittelt einer fteinenten
treppe von 17 Stufen unb mit eiferner £ef)nc gegeben. Der
f leine 9iaum bebeutet ben Sani, wo 3efu6 mit ben 3üugern
ba« Opferlamm aß. Ein Sifa) foll benjenigen bebeuten, auf
reellem bie römif^en Solbateu um (^riftoS tfleibung wür^
feiten. @« ftnb au* fleineme fflürfd ba; Die früheren ftlber*
neu fta^l ein fdjtoebtfdjer Solbat im 30jährigen Jtriege. Oben
an bei- Subfette befinbet ftch ba« $ilbniß ©eorg Emmerich'«.
Ein Denfmal, wa« bem Erbaiier im 3- 1578 von feinem Enfel
ßJeorg Ammert d) aufgerichtet würbe, fieht ebenfall« oben.
Die« obere Stocfwerf wirb burd) 9 genfter von rurtben @(a«;
febeiben erleuditet; im unteren ftnb nur vier ähnliche. 33fini
Eintritt ift eine Klmofenböchfe an ber ©anb angebracht, bie
früher fehr reifliche Spenben geliefert haben muß, beim im 3-
1489 befch werte ftd> ber Pfarrer 3<>h«nne« Gebern bei feinem
benötigten Streite mit ber Stabt barüber, baß ihm ber Diatb
bie bortigen Einnahmen vorenthalte*).
$on biefer flirre liegt norowärt« einiae Stritte entfernt
ein fleine« mit eifernein ©itter verwahrte« ©ebäube, worin
bte Salbung Eh«fK burch ein ©ilbwerf vorgeflellt wirb. Severe«
ift funfrretd? au« einem einigen Stein gearbeitet. 3ugW<h whD
baburdj bie Entfernung von 36 Schritten angegeben, wieweit
•) f. Script, rer. Lusat N. F. H. 6. 216, 33. »crgl ©.436. «tun.
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ber rem Dreine abgenommene üeidmam getragen weiten mu}te,
ehe man ihn vom Stute reinigen fonnte. (Stne Urne ftebt im
(Erinnerung an t>ie Salbuugd * Specereien ba. — 2&eftwärt6
34 Schritt Wetter ift bad freinerne ©rab felbft. tfä iß mamr
aue r.uarertteuuMt aufgeführt , beträgt in feinem Umfange
iO* Jtlaftern, in Der Sänge 10% (SUe, in ber breite 6% (Süen,
in ber Äö&e 6% (SUen. Oben ftebt in ber ^itte be* Dutfee*
eine auf fcdjd Raulen rubenbe mdjt im§terlid)e JtupDel.
Die eingangSthürc ift auf ber $?orgenfeite. Didjt an
berfelben liegen Itnfö unb rtd)tS jwei große gehauene Steine
ber Sänge nach, worauf bie ©rabwätyer gefeffen I)aben fallen;
ein Dritter liegt einige Schritte bavon queroor $ur (frinnernna
an ben Stein vor bem ©rabe. tÄn ber SEBatü) beftnben ftch
bie Siegel, baneben bic Siegel be$ <Ptlatu$ unb beiber #oher-
priefter. gerner ftefyen jwei Specereigefäjic wegen ber jweiten
Salbung (Shrifti burd> bie brei Söeiber ba. Da* erfte ift ein
einfaches iBorgemacb. Der (Singangötfjur gegenüber jur linfen
|>anb ift eine 2% (fttc hohe Oeffmtng, welche in ba« beilige
©rab felbft hinabführt. $*or bemfelben liegt ein Stein, wo-
rauf ber (fngel am &uferftef)ung$morgen faß. Da$ ©rab felbft
ift 38/g (Süeu lang, 3% (*llen breit, 6>/4 dflen f>o*. (?$ ift
barin nid)t$ merfwtirbigetf , außer eine Statue von (Sbrtftufl,
welche 5 guß 5V2 3oU lang ift. Der S3erg, welcher ftd) jen-
feit* ber £unifc ($ad) äibron) ergebt, foll ben Delberg vorfiel
len; ber fübwärtS an ihm ftefyenbe utmüunte 93aum, bie Stelle
wo (£J)uftu0 gebetet bat; eine Steinwurfdwette füböftlidj weg
ift ein vicretfigea föafenplä&chen, batf ben Ort bezeichnet, wo
er feine brei 3ünger verließ unb biefc eiufc^liefen.
Die Stiftung felbft ftcfjt je$t unter bem Sd>u$e M ffla*
giftratä; e$ waren befonbere ©rabr)üter (custodes) früher au4
ber (£mmcrich'fchen gamilic anqeftellt, weltbe ba6 ©rab jeigten.
8tud) freute tft ein jtttfto* bafabft. Mehrere* ftnbet man ta
ber oben angefahrten Schrift.
7. Capelle jum ei (. ©eift.
Der $eft$er bee Dorfen fcertyolbdborf ftiftete ju (£nbe
bed 12. über am Anfang be* 13. Sahrbunbert* biefc fla^llc,
unb jwar ihrem jefcigen ^laje gegenüber, an ber Stelle wo
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668
jefct bie Stotterte gabrif tfi, juerft Die Jtapelle würbe ber
heil. 9Wagbalene gewtbmet unb im 3- 1312 bei ber großen
Ueberfcbwemmung gän^icr) jerftört. (£rft 1350 würbe bie &trcr)e
unb jwar an jefcigem *ßlafce beim ^oöfpitale wieber aufgebaut,
in $wei 3<*h«n vollenbet unb bem fyril ®eift geweiht. 9Jcan
erlangte fttr fte einen Ablaßbrief , von $apft 3nnocen$ VI. wo*
nach 3«ber ber an fte ein Sümofen entrichten unb in ihr 7 *ßa*
ternofler unb Äve^JRarta'S beten würbe, bunbert Xage Ablaß er*
galten foflte, $u benen 3ohamt v. 3fenburg, ©<fcf>of von beißen
noch 40 hinzufügte. Die Einweihung gefchat) 1352 unb jwat
burch ben 93if<hof fefbft: „in honorem spiritus SanctL" *Bon
biefer $tit an fchwanb aümälig ber Name : sDcagbaleuenfapelle.
3n ihr waren fech* Altäre geftiftet barunter ein ber tyil Do*
rethea gewibmete* von grau Dtti(ie v. Salja (de Sale) welche
auch h<« ber Kirche begraben lag. Die übrigen waren ba«
Hochaltar jum heiligen @eift, bad tfreujaltar, ba$ St Sttar«
garethen- Altar, ba6 3nugfraueu* Altar: 6t. Katharina unb
Apollinaris, enblich baS Altar (*lifabetb unb OTariä Wa$U>
lend. Diefe Altäre waren meiftenS an Altariftat ber Wfolau
unb (St. ^eterSfirche, mit »uSnahmc beS ,£>ochaltar$, vergeben.
3m 3- 1525 würbe bei einem großen Sranbe in ber Stobt,
ber von ber Neißgajfe ausging, auch bie Girrte in Stfd>c ges-
iegt unb erf* 1653. für ben evangelifcben 0?ttud vom
giftrat, wieber aufgebaut, jeboch arößtentheil* nur von ^)oli|.
Später bcfdjloß man fte bauerhafter $u errichten; legte 1769
am 29. s3Jcän ben ®runbftein unb fonnte bereit* am 30, No-
vember 1772 baS Äirchlein einweihen. 3n neuerer 3eit (1841)
würbe fte etwas renovirt unb äußerlich neu t abgepufct. 3e$t
wirb in ber Kirche von bem 4. ©efftlicben viermal be* 3abre*
eine ^rebigt mit Kommunion abgehalten. Die ^irchweit)e fällt
in bie SBocbe nach bem 1. Abvent. Außerbem benufct feit bem
30. April 1848 bte evanaeltfch^lutherifche ©emeinbe biefelbc bei
ihrem ©otteSbientf unb bte $ibelgefellfchaft jtt ihrer jährlichen
^auptverfammlung. Da* ©löcfcheu, welches ftch auf ber Ätrcfce
beftnbet, war et)emalS auf bem 9teichenbacher Xhurme. @S
hat 2s/4 guß im Durchmeffcr. (5ine 3nfcf>rift auf bemfelben
ift nicht mehr ju bemerfen, nur auf ber einen Seite ein vier
3oll langes Sftarienbilb unb auf ber anbern ein .jtructftr, von
bem Äreuj unb 3»tf<h«flf frwie bie Unterfchenfel am (SotpuS
abgebrochen ftnb.
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. 669
* ^ ^ w
8. tfatfyoltfäe Capelle.
9ln ber (5rfe bed gifcbmarftee unb ber Ärifchelgaffe, ift feit
bem 27. December 1829 eingeweiht. (Sine ncHe Äirche an
bcr SBeberthorffrape für bie fatholifcbe ©emeinbe ^at man im
3uli 1850 ui bauen begonnen.
, 9. Capelle auf ber Sfcothenburger Strajje.
Smfer £anb, wenn man auä ber €tabt nach Subwigd*
borf geht, fteht eine Heine Capelle, weld)e, nach ©cultet'd
Angabe, von ©eorg ©mmeria) aufgerichtet worben ift. Stl*
©eorg (Smmerid) im 3. 1470 über Dreeben auö bem Oeüigen
ganbe jurürffehrte, ('durfte (Smmcria) jwei Diener vorauö, von
benen Griner, ein böfer SRenfö, ben Mnberen, welker (£mmc*
rich'ä illeinobien bei jid) führte, ju Reifung berfelben veran-
laffcu unb bann bamit flüchten wollte. Da ber ehrliche Sflann
nicr)t auf biefen $lan einging, ritt ber 93öfewid)t voran, fa)nitt
fia) vor bem Xfyore mit feinem Dolche iu'ä &c\id)tf fo bajj er
ganj blufbeflerft auäfah, unb fagte bann auf bem 9tatf;r)aufe
au6, ber nachfolgenbe Jtnecht l)abe ©eorg Emmerich erfcblagen
unb ihn feiner Äleinobien beraubt. (5r habe bem £errn Reifen
woüen unb fei bei biefer Gelegenheit $u 93oben gefangen,
von 3cuem für tobt liegen gelajfen worben ; injwifchen habe er
ficb wieber erholt unb fei bura) Umwege bem s2)förber vorge-
kommen. 2luf biefe 5(u$faa.e fingen bie 8tatftfned)tc am Stet*
a)enbaa)er Iluue ben unfchulbigen Diener unb ba$Nfönigl.
©eria)t verurt heilte, nadjbem bie Üleinobieu bie Slnflage ui
betätigen fdjienen, benfelben }tun lobe bura) ben Strang,
welcher folgenbcu £agä vollzogen werben feilte, ©eorg 6nt*
meria) ^rte, von föeichenbad) fax ber ^Stal>t näher fommenb,
folgenben Xagö ba$ <5terbcgeläute, woraud er vernahm', ^ajj
eine (Srefution vor ftch gehe; er fragte ^Bontbergehenbe nad)
bem tarnen bed 33erurtheüten unb (lüfte von bem graufamen
€>cr;itffale, weld)c$ fein Diener ju crbulben im 53egri(fe fei.
(Sr jHe|j bemnach voller Slngft feinem ^ferbe bie [Reit? Stacheln
in ben 8eib, unb jagte fo eilenb burd) bie £tabt, rap baö
*Pferb auf bei ©aigengaffe unter ihm jufammenftürjte. ©lürf*
lidjerweife hatte man ihn noch bei Reiten erfannt. Der %l)aU
.beftonb ergab fta) unb ber falfd)e Singeber würbe fofort an
ben iidjtm ©algeu gehangen, ©mutend) hatte währenb bec)
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670
fhürmtfc^en *Reiten$ feinen |>etltgen De* $au einer Capelle
gelobt, wenn ev ben UitgUiatic^eit su retten im (Stanbe fei.
Da bieS gefehah, ließ er an jener Stelle, wo ba$ $ferb unter
it)m tobt gufamntenbradt, jum ewigen @Jebä<htnf(j biefer wun-
berbaren Sebenärettung jene$ tfapellchen bauen. — (£ine anberc
Nachricht, wonach oie itapelle ald ۟lmc wegen eines sDforoed
von bem Xootfchläger ^lattheuo ©vaf im 3- 1545 erbaut fei,
iß an unb für ftety einleucfytenb falfch, unb itebt eben in einer
gewöhnlichen ebne Munt jufammeitgefchriebenen (ihrem f. 1545
war (^ordn burch mir ourdi evangeiifch , fo oaf* s3tieraant> eine
fathcltfcbc Capelle t>er r t , wie bie liier erwähnte, gebaut
^aben würbe, unb überbied hatte nach reu üblichen (Meieren
fem Sötarber, welken bie ©tobt in ihrer «£>anb hatte, ohne
ben $ob bavon fommen fönnen*).
1. Da* 9fei0ho*pital. -
l £o#pital mm beti (Seifte, gewöhnlich wegm ber
jage 9tetpho$pital genannt, ift bie ältefte Stiftung in ®6rli$.
cehon §*i einer 3*** wo bie <5tabt faum t>alb fo gro)j war,
wie je$t, wo über ber Steiße no(h bao Dorf SBerrholbSoorf (Äa*
bengaffe unb Cbergaffe) lag, war baffdbe vorhanben. Der
©age nad) foll ein £err auf 93ertholböDorf feinen ^Cirtcnio beuu
hergegeben unb baä 4po#pttal geftiftet haben. Doch ut fein
nifrortfthe* Dofument hierüber ba. Mit mcl)r ^ahrfcbetnltcK-
feit fann man Bürger von ©drli$ aio Stifter annehmen.
Daß e$ gerabe an Die s3rüefe gelegt würbe, gefehah jweu
feil eo, um bie vorüberji e beuten Ketfenben ju unter ftur^eu,
beult bort ging fett u neu bltaVr Jeit cie grofje JpanfcelS-
ftraße von $olen nach sachten. Die ältefte (Erwähnung
gefchtebt im 3. 1264, wo (£onrab ein 6ohn bee *Peregrtnu$
(von ®6rli$?) bem £pital acht 4?nfen tfanbe* fünfte, unter
•) ©rurfner'« Umgnnaejettel jum Saljrc 1779 fyat jene angebliche ©er
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ber ^Regierung SWarfgraf £)tto'* t>ott SSranbenbiirg. (Sine be<
beutenbere $tu$bel)nung ber ©üter erhielt baö <Stift unter ber
?Warfgräfin Seatrir (Softer tfönig Sßenael'ö HL v. $öf>men)
von Sranbenburg, welche iljren Sttttocnft in ©örlifc gehabt
tjaben foll, burdj ben unterm 9. s3Wat 1282 von 3ener be*
(tätigten Slnfauf jweier $ufen in ©irbigdborf. 3m 3- 1301
fcfyenften ^einrid) unb SLßitdcjo v. Äamenft bent bort „sur tyeu
li$en fßtana an ber öriirfe" genannten «£>o$pital bie jäl)rN<fyen
3mfen von 5l/a Sftarf in «Rabenau unb einen 2Balb bei
tfiedlingSwalbe.
3m 15. 3a Wunbert gehörte bem #odpitale Znitfäm*
borf; im 3. 1478 würbe von ißm Wflaöborf $um größten
Ztyik gefauft, fpäter bie bann wteber veräußerten ©runbflürfe
ber DreirabeniuüMe, ber $ifd)brücfe ic. Diefer Steinum floß
meiftenS au$ ben SBermädjtniffen von milbtfeätijjen ©örlifcern. —
3>fc SBerwalttmg gefd)afy jietd unter 5(uf|t^t bed görlifcer
Äatljeä burdj fogenamUe ©pitalmeijkr, beneu Uuterverwefer
jugefellt waren. 8eit 1738 ging fic an eine fogenannte De-
putation für bie milben ©eftifte über, wetöje 1833 aufgetöfi
unb beren ©ef^äfte mit ber <5tabtf)auptfaf[e vereinigt würben
wie bei allen £o$pitäleni gefcfjal).
Die ©ebäube fjaben oftmalige 3}eränberungen erlitten.
3m 3. 1312 ftanben fte niebrig am ^eißufer unb würben burd)
grope$ SQ3affer faft gän$üd>. vernietet. Wan rücfte fol^e bann
weiter vom Ufer ab unb baute Ijöfyer. Die £uftten, welche
bie 6tabt niijt einnehmen fonnten, brannten fie im 3- 1429
gänjli* nieber mit ber *8orftabt. 1432 waren fte faum wieber
in bie £öf>e alä ber gluß foJctye abermals wegriß, worauf
baö Ufer ertyo^t unb gemauert würbe. 164! brannte 2öanfe,
ber 6$weben*£>brift au6 ftrategif*en ©runben ber SBerttyei*
bigung ber 6tabt wegen bie «Borftabt unb ba* £o$pital ab.
Seitbem ij* fein Unglücf metyr pafftrt. 3m 3. 1769 matye
ba* Blter einen Neubau nöt&tg, ber im % 1772 voUenbet
warb*). — 3m 3- 1837 enblid? erfolgte eine «Reparatur, wel^e
bem ©ebäube nebfi ber Jiirdje bie gegenwärtige ©eftalt gab.
Sieben bem £o$pitale ijt jefct eine 93olf$id)ule in ben ®eb iubtn.
•) (Sin »üb bc* bomtal* vom 3a$te 1769 btfinttt im
1837. %. 13ö.
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672
2. 2>a* 6t 3afob*tyofpital uub Jtirche.
Um ben Urfprung biefcS JpoSpitale, welkes anfänglich
nur für eine beftimmte klaffe mm (Flenbeu imb Äranfcn ent-
fianb, ju erläutern, muffen wir eine allgemeine tfbarafteriftrung
aller berartiger Slnjialten unb ihrer ßittftefytitg anführen*), ju
mal über ba$ tyouy fct>r falfche Stifteten bcrrfdjenb ge
wefen ftnb. $ie Seuche beS ttudfaftr* (3Äafd, Otffelfu^t,
lepra, altfranj. maJadrerie, w ar)rfd) ein Ii cl) bie fchwarjen %lat*
lern, s3ttenfcf)enpocfeH) wütl>etc im Mittelalter fetwn unter ben
Karolingern. 3m 12. nur 13. 3abrhunbert f*eint ftc befom
ber$ häufig gewefen $u fein, ba ftet/ in vielen franj. unb beut*
fetjen Stäbten (Spuren folcher Käufer: domus leprosorum ge-
nannt, fmben. Wit biefer Jtrantyeit behaftete Jrcmbe wie*
man über bie ©ren^e; lSinl)eimifcr)e befleibete mau mit grauem
SWantel, (Stylit unb Eettelfacf unb wie* reu Äranfen in ge-
n>6r>nlic^ auf vier $fcU}teit im gelbe (Ml)cv bie Siechen auf bem
gelbe) gebaute £uttcben, wo bie einfame Sohnung voar. 3n
bie Jtirche warb er mit gewijfen ®ebräu(ben abgeholt uub mu|te
fcort mit verhülltem @eftcbt unter einem Irauergerüjte jt$en
unb ba6 Requiem anboren, gleich <d* ob er nicht mehr unter
ben Sebenben wäre, »ut feiner grau war eo geftattet ihn &u
pflegen; bann burfte ftc aber nicht mit auberen 9Jcenfchen in
33enihrut^ fommen. Speife unb Iranf würbe ihnen gebracht,
aber weit von ihnen weg gefegt. Starb ber raufe, wa$ bet
bem Mangel an Pflege unb bei ben eifernen Naturen jener
3eit, bei benen bie ©lattern gewöhnlich ufemaÖ juut erleid
ternben offenen Ausbruche famen, gewöhnlich war, fo würbe
bae Äüttchen mit deiche, Kleibern unb ©erätl) verbrannt. 3m
12. Jahrhnnbert begann man £ofpitäler anzulegen: domus
leprosorum,, boef) immer aufier ber Stabt, im freien gelbe,
©n ähnliche* £au* war ba$ St. ^afobe^ofpttal, beffen Sttf-
tungdjahr völlig unbefaniit ifx, benn baö angegebene 3. 1206
ift burch feine glaubhafte Duelle \\\ erweifen. Seit bem
Anfange be$ 14. 3ah^?«»berW aber fentmt etf fd)on als Spi*
•) 2>er arme £eiurid} von «fcattmann v. 9(uc t»urd) ^e ©ebrüber
©rimnt Ijerauagf geben. Berlin 1815. 224 2. R. 8. Slnfjana,: Äbfaniü
III.: über ben »u«fafc. <§. 160 ff. Dort ftnb auch bie Stellen angeführt,
toeldje bie $errf<henben Gebräuche erläutern uub begrunben.
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tal *>or, unb $n>ar als bem t>ctf. 3afob geroeifjteö Spital.
Stiftungen unb Sajenfungen an baffelbe Ijeipcn für: ba$ do-
mus leprosorum, bie (Eicken »f beme Belbe, bie armen Sie*
djen brausen t>ff bemc Qklbe. So erfajeint baä Spital junt
crftcn 9Kale im ältejten Stabtbucbe beim 3 1305, metyrfaa)
fpäter. 3m 3- 1320 betätigte £erjog £einria) t>. 3aucr bcm
^ofpitale einen 3Balt bei «frenncröborf. Später gehörte ifym
ba$ Dorf CBrojMSitfmt, aud einer SBeftätigung bed äo*
nig« 3of)amt ». Söfmten an« bem 3- 1345 f>en>orgef)t. 1400
würbe tat* Spital burd) tthnofett neu aufgebaut unb mit einer
Stauer wfefjen, aber erfi 1431 »ollftanbig fertig. S)amal6
fdjeint aua) bie Mixty gebaut ut fein, beim 3. 1413* fommt
ein St. S^foböaltar im £ofpttale, 1434 pm erfreu fötale ein
Kaplan vor. 1462 bebadjte *ßeter ^lejil als er in ben 93ern*
fyarbiner*£)rben ging aud) ba$ St. 3«fobör)ofpital. Steigere
Stiftungen ber $(gne$ giugerin u. a. ftnben ftd) in ben libr.
Resign. 1416—1540. Am "27. 3ult 1723 ttermadjte l^m
Voller «OteUerftein 36 9Jtarf unb ben 3. Ikcember 1737
3afob Sdjittler 100 Xljaler. derbem fmb noa> Heinere Stif*
tuugen vorljanben. 1545 fameu $wci ÜHotfen auf ben Sfyurm,
welajer früher nad) bem gelte fyiu an ber äirdje ftanb. 1567
WHrbe bie jiirdje mit <ar, Jtanjel unb Käufen mfefjen unb
fola)e 1605 t>erbef[ert. 1666 würbe bie Jlirdje abermals reno*
mrt, 1732 aber »ölltg eingeriffen unb neu aufgebaut, bei wel*
djer ®c(egenl)eit ber Xfyurm wegfiel. Gin Umbau beS Spitals
erfolgte 1776, pgleid) aud) bte Bereinigung bcS ^jofpitalS
jum State« £aufe mit bemfelbeu. — (Gegenwärtig beforgt bie
geiftlid)*K SlmtSfyanblungen in ber JUrd)c ber brttte ^rebiger
unb ftnben aUj<l(>rltdr) vier ^rebigten mit (Semmunion ftatt.
Die tfirdjwetye fällt in bie «ffiodje na$ 3afobi.
3. 3)aS £o$pital jn U. £. grauen.
Steljt au bem äußeren grauentbore, *>er Stirpe gegenüber
unb ift beinahe 311 gleia)er 3c,t mit bcm neuen Umbau berfel*
ben entftauben. Stifter ift ber (Erbauer beS ^eiligen ©rabeS
\u ©örlifc, SBürgermeifter ©eorg (Smmcrid). Gr legte e$ im
3. 1489 unter bem Tanten: hospitale peregrinuntium an,
. bamit Pilger, 2BaUfafyrer, anbere reifenbe *j$erfoneu, arme
Sefyrer unb Sdjüler tan u ein 9tad)tlager, Öefjaufung unb
BuSwartung bie fte wieber wegretfett fönnten, ftnben mortem
Gefaxte »on ©crli*. 43
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(?r verwenbete 1000 gl. Ungar, barauf unb fanftc baju ben
*ßla& von einem gewiffen $roban ober .jpoban. 3m 3. 1490
lief er aud bem €alomondbrunnen SRöhrwaffer btnlciten. 3nt
3. 1512 würbe e$ vom Stathe erweitert, fo bog 35 arme £eute
unb halfen barin untergebracht würben. 1537 würben bie
3tnfen be$ <Seelhaufe$ in ber ,freb$gaf[e auf baö 6püal an-
gewiefen. 1641 brannte ed ab, würbe iebod) bi6 1646 fo
ziemlich volijtänbig wieber aufgebaut. 3m 3. 1732 würbe
e* anSgebeflert unb 1780 erweitert. — Legate ftnb mehrere
an bad £>o$pttal getaugt gr. 2(nna grenjel geb. Z itifin,
Sßittwc be$ reiben .£>anä grenjel vermalte in ihrem £efta
mente bem <£pital baä 3)orf grteberöborf, unb ihr 6ohn
3oachtm grenjel übergab ben ©arten an ber (£cfe ber <2alo*
monS gaffe, in welchem fpäter ba$ alte Siedjfyauä errichte*
würbe. (£in gewiffer Büttner vennachte im 3- 1623, 22€d>ocf,
wovon bie 3*nf^n für baö ©efinbe beftimmt finb. £er 1691
verdorbene 53ürgermeifter Knbread Sommer vermalte bem $o$*
vitale 100 Zi)ix. 'Der 33aron €tylver v. Styloerftein legirte
in feinem am 6. Wai 1720 veröffentlichten Xefiaraente
1000 %tyx.f bavon bie Sinftn unter bie armen geute im 6pi*
tat verteilt werben unb biefe bafur alte grei^ge baö Sieb:
„SBarum betrubft bu bich mein «$er$" fingen fetten. 3)cr Bär»
germeifler 6t)rifttau Wolter v. Wollerpein vermalte am 27. 3ult
1723, 50 Warf; 3of>cmn 3afob Schief ler am 3. iDec. 1737,
100 Ztyx. — 2)er ftath gab il)m c. 3570 tylx. «uperbem
at ed Viitthct l an bem VtdnnerifdKii unb Wicbacl 9Jeumannf<hen
egate. Die (Sinnahmen fließen in bie (Srabi*£anptraffe, aus
ber jeßt, wie bei allen ,£>o$pitälern, bie 33ebürfniffe geregelt
unb befriebigt werben. — Die geiftlidjen &mr$hanblnngen für
. baffelbe wie für bie graueufirche r)at gegenwärtig ber zweite
$rebiger. (Sä pnbet für biefe #o#pttaliten jdt>rltd^ viermal
©otteäbicnft mit Kommunion ftatt, an welcher au^er ben £o$'
pitaliten auch anbere alte unb fchwadje *ßerfonen Iheil neh-
men fönnen. ?lm 13. Dtecember, wirb bie älofffche @e*
bächtnifprebigt in ber £o$pitalfird)e gehalten.
4. Da* £o$pital aum fteuen #aufe.
im Anfange beö 16. 3al;rf)unbert6 in 5>eutfchlanb
bie $uftfeuche auffam unb ftch auch in ©örlifc einzuteilen be-
gann, üefi ber föaih in ber ©egeub auf Submigäborf au —
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wo ber OJalgeu einft ftonb — ein £aud bauen, „granjofentjaufl"
in ber gemeinen Sprache genannt. JqUx ftanb ed über 30 Jafyr,
2Beil et? aber ben Sterben befdjwerlich fiel/ fo weit l)iuaueuu-
getjen, lief; im 3. 1544 ber Sttatf) naher auf bie Stabt $u an
' ber Straße ein neueä «ftauä bauen. Da fpäter bie Se*<fye
ita) ui du mehr fo anfteefeub wie früher enrico , würben
feit 1567 biefe «ftranfeu in rao Siechhaue« gefa)afft, unb ba$
&ait$ armen beuten $um Wohnort angewiefen, worauf ed ben
Warnen beg bleuen öaufctf erhielt. Daö ,hauo vcrffel immer
mel)r. 1776. vereinigte eö baher ber Diatl) mit bem %atob&*
fpital unb bauk ba6 9?eue <£>an£ auf bie Wittaggfette von >
ber .Uirdje au. Stiftungen für bafjelbe ftnb feit 1567, wo
bie önrgerfcfyaft auf Äuftorberung beä $rimariu6 lütrid) eine
Sammlung für ba$ Spital machte , bie ber grau 33erger,
welche am 22. SRai 1618, 500 £f)(r. legirte, bed Öfirger*
meifterä sJHoüer v. SKoÜerfiein fett 1723 mit 50 2Rarf, be$
<öice*Stabtrichter$ ©erlach mit 150 Ztyx: am 19. Wen). 1737;
beä 3afob ©emittier mit 100 ütylr, unterm 3. December 1737.
Die .&o$pitaliten haben ui gleicher 3^t Untbcil an ben 9Xi<fy.
^eumann'fc^en unb SaWfcfyeu SttmdtynrffoL
5. 2ftilitair'8a$arct$ (vormals Stabt;Sied)r)au$).
, Siegt vor bem grauentfyore, an ber Salomonögajfe, ber
vttubaafu: unb bem neuen ^tranfenhaufe gegenüber. Heber ba*
alte Sicdjrjauä finb nur fehr wenig Worten, in ben föathhaud*
aftcn fajt gar nidutf vor bau reu &ö würbe hn 3. 1573 erbaut,
na d) rem ber Watb von 9ÖÜfc ein ^auodKii gefauft hatte. .
1676 erfolgte ein Umbau beffelben. Ilnterm 17. 9Här| 1817
evbielt ber -ölagifrrat bie Waduidu, baß ein Bataillon Iruppen
nach Oku- Ii 13 in ©arnifon foinmen unb beehalb aua) ein lata*
reth eingerichtet werben folle. 3Wan beabsichtigte erft ba$ Schieß
baiu^ raui }u verroenben, bod) genügte ber $ia| nicht. 3m
Anfange famen bie ^iilrtair- Jtranfen raber in ba$ ftar tr-
iebe Siechfyaud, würben aber von ben Oiiul Traufen getrennt
gehalten, wie ber 53 er i du vom 9. 3uni 1817 an bie Weiterung
in £tegni$ ergibt. 3m 3. 1818 würbe nun ber 2tnbau efneä
8lüael$ unternommen, bamit für baö Sftiliiair mehr Wauui
gefcham werben tonne. . 5?lm 1. 3uni 1818 war baö X>ad) auf
ben neuen gtügel aufgefegt. Der ©au bed Okm je u foftete
3313 2#r. 22 Sgr. 6 $f. ©i* jum 3af>re 1831 Wieb b<r*
^43*
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I
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9ttllitair*fia&areth in bem neu angebauten glügel, in biefem
3atyre jeboety würbe ed in ba# alte Siect)haud »erlegt, »eil
bie Wttty ju viel Foftetc. 3m 3. 1844 würbe ba$ für 109
%t)\x. verfaufte alte Sied^attf gdnjlid) abgebrochen unb bad
3Rilitair*£ajaretf) fam wieberum in ben 1818 angebauten glü*
gel ober baö ehemalige 2 tabtfi an fenbauo, wo eä benn nodj
heute f«h befinbet, Die officietle Uebergabe erfolgte am 31.
3anuar 1845, obgleich thatfächlicr) ba$ SÄilitair fdjon feit bem
1. 9tov. 1844 im 93efty be$ Äranfenhaufeö roar.
6. ©tdbtifcheS JtranfenhauS.
Siegt mit ber £aupt-gront nach ber Äu^gaffe, mit ber Sri*
ien*gront nach ber SalomonSgajfe $u, bem ©arnifon^ajaret^
gegenüber. Legate für baffrlbe jtnb 1) bad Schuljc'fch* von
50 9Karf ober 38 $hlr. 21 Sgr. 4 $f., wovon jdhrlich 2 Xhlr.
10 Sgr. 3infen gejagt werben, ein unablöälicheä Kapital auf
bem Stabtgarten 9fo. 1026. 2) baä görjter'fche Segat von
1000 Xtyx. auf ben 33raul)of 9to. 350. alö unabloSlicheS (£a*
pital Iwpotfjecirt. 3) 2)a$ 3d^ne'f(^e Segat von 10 £f>lr.,
wovon bie SBdrter alljährlich bie $inm\ beuchen. 4) 3)ad
93ehrncmer'fche von 100 Ztyx. jur Aufnahme franfer $>ienftboten.
211$ paffenben *ßlafc für ba$ neue ifranfenfjau« fanb man
bad oben bezeichnete ©runbfrücf 9fo. 882. unb bezahlte bäfür
4000 Zfyx. 3)a6 bort ftehenbe holjerne ©ebdube würbe völlig
abgetragen. 3n bem ©eodube felbft ifl folgenbe Qrintheilung.
3m erfien Stocfwerf, wHd)ed 6l/2 g«ß über bem gujibo*
ben liegt, i(l a) an ber SWorgenfette ber £aupteingang, glur
unb treppe in ber 9)titte be$ ©ebdube«, bb) rechte bem glur
unb ber Xreppe jwei fleine Stuben für ben $au$vater unb
Pächter; cec) linf« bem glur an berfelben Seite bie tfüche,
ein Stübcfcen für bie Äöchtn unb ein Speifegewölbe; an ber
anberen Seite be$ tytx 6s/4 guß breiten gorribor'ö an ber miu
täglich gelegenen «öälfte be$ ©ebdube« bem Aauptein^angc
gegenüber d) bie »ufnaljmefiube, unb e) baS 4>i6penfationä*
Simmer be$ $lr$te$, banebcu 0 ba* Seicr/enbaud 28 gu£ lang
18% gup tief, gänjlich in $wet buret) ©laöwänbe geriebenen
£aHptabtf>etlungen, wo ber <Raum für bie 28äcf?ter; g) linf*
- neben bem aufnatyntejimmer ber Jtüd^e gegenüber 4 fleine 93abe*
gimmer, burdj einen SBorplafc von bem (Sorribor gefonbert,
febeS für 2 Söabewannen eingerichtet; baneben hh) baö wohl'
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verwahrte ©elafi für gn>ei 3rr finnige. Quid) bie ©laäthür
f nb rt ein gut erleuchteter (M a ng i) ui freit beim liefen $emad)ern,
bie wie t>te in ben oberen <5tocfwerfen belegenen ohne ©efahr
»on 3«9 ^CIt «äranfen zugänglich ftnb.
3m ^weiten Stocfwerf beftnbet ftd) a) ein fyett erleuchteter
glur mit einem 7 gu|j breiten Durchgehenden (Sorribor, bb) redjtä
am glur unb ber treppe jwei fleine «ftranfenjimmer auch für
9tecom>ale0centen beftimmt; cc) linfS t>om glur |Wei berglri*
djen für JÄugenfranfe, banetai d) ba$ Operationdjimmer an
ber anbern (Seite bed ©anged; efghi) fünf größere unb Hei*
nere Äranfenjimmer für männliche Jtranfe. m\$ bem (Jorribor
füt)rt eine grofje ©laäthür mit barüber bejinblichem fcichtfenjter
k) \u ben beimliriuMt ©emächern tiefet (Stocfwerfä.
3m britten Storfwerf: a) ber glur mit (Sorribor, red)t6
bemfelben bb) bie 2Bof)nung be$ (5l)irurgen, cec) bie betyufft
gänzlicher 8bfperrung von außen, burd) eine ^iDtfc^en inner lie*
^genbe fleine SSBärterftube c, jwei unzugängliche 3inimer för
männliche unb weibliche ^oefenfranfe; defgh) fünf «franfen*
Zimmer für oben erwähnte «£>auptabtl)eilungen weiblicher $atien*
ten. Der Dach räum ift \u serfchiebenen 93obenfammew, zur
Unterbringung ber Utenftlien unb ber &au$beamten, fo wie
&um 2Bäfchb4)ben benufct. Äell erräum e unb unter ber gangen
nördlichen (Seite bed ©ebäubed. Daä ©ebäube ift febr $wecf*
mäßig unb brillant erbaut, aUcö mafffo unb fyodjfi anfiänbig.
Der Sau, welcher im 3- 1843 begonnen unb unter Dach ge-
bracht beffen innere (5tnrid)tung aber erft im «g>erbfte 1844 be-
endet WHrbe, fam mit feinem neuen S3runnen gegen 30,000 %f)lx.
jh ftefyen.
HI« @ cf) u 1 e n .
f. Da« ©tymnafium.
3fi in bem ehemaligen gran$f$faner Softer am Ober*
marfte feit 99egrünbuna biefer Schule im 3- 1565 untergebracht
Der ©runb jum bloßer würbe im 3. 1234 gelegt, unb ba*
8anb baju t>on (Solen ». Söirftng gefdjenft. 3m 3. 1245
würbe Älofter unb Kirche eingeweiht. Söeibe waren t>on einer
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HÄouet umgeben, jebocb noch nicht fo grof* wie je$t. Da*
JtlofitT war nur ein Dttabrat, unb beftanb au£ 2 ®ebä«ben.
$>ie 3^* ber SWöndje würbe balb fo bebeutenb, baf eine Ott*
Weiterung eintreten muffte, welche 1371 erfolgte. Bei bem
öfter 909 man an ber SRorgenfeite ba$ (Gebaute biä $ui
Jtirdje unb fertigte 2 Treppen unb Xtyüxcn, eine in bie Stirbt,
bamit bie Wöncbc ohne bem Detter auägefefct |u fein, in bie
Äirchftüble tmb eine anbere SÖenbeltreppe, bamit fte bequemer
auf ben Jtjrcbboben jum Vamen be$ ©löcfteind fommen fonn
ten. 8n ber 3Jcitternachtfeite jog man ebenfalls eine SRauer,
unb f*$te auf biefeibe einen @ang um auf bie (Sraporfirche
gut JDrgel gelangen 41t tonnen, welche Zfyüxt fpäter bei Be*
grünbung ber SBtbliotbef zugemauert warb. (Segen 9lbenb legte
man bie grolle tfuctye unb raneben ben jefcigcn lg örfaal ber
1. Älaffe nebft ben bariiber bt6.an bie Äloftergaffe gebenben
beiben <Eto<fwerfen (wo bie $eftorwof>nnng ift). 911$ man bie
SBarbarafapelle baute, verbaut» man auch Im er bie Älojfcrge'
bäube mit ber Äirdje unb machte auö bem bloßer in bie Ca-
pelle einen gewölbten ®aug, welchen mau mit bem £reu§gange
im 3nnera m Verbinbung febte. 3Beil ber 3ufpru$ bou grem*
ben fef)r bebeutenb war, würbe ber mit ber Jtloftergaffe parallel
geljenbe glügel (je^t mit ber 9teftorwohnung t>erbunben) ange-
baut unb Aum ©afrfyauä eingerichtet, weld)ed burd) ein anbereä
(im 3. 1837 abgebrochene*) ©ebäube bid an ben iRlofiergarten
eine Verlängerung erWelt.
3m unteren 6totfwerf fommt man nach jwei 2Benbung$<
gdngen iu ben ^reuggana. Dort ift jur rechten £anb ber
fcörfaal ber 1. ©»mnaftalflaffe, ein siemlid) lid)teö, mit einem
Äreujgewolbe tterfehene* 3"nmer, welche* fairer ben ^önajen
junt Spcifefaal, fpäter jeboet) in ber borgen* unb flbenbftunbe
*um 33etfaal biente. lieber ben tfreujgang weg — ■ bei bem
Sirojjen Pfeiler in welchem bie Sage einen ÜDcönd) eingemauert
ein läßt — , in ber 2. klaffe, war ber 6peifefaal (Refectorium),
wo bie Ü)(önrf)e oft gemeinfam mit ritterlichen ©äften unb SBo&l*
thätern befl tflofierS fpeiften. Althen bem ©peifefaal, war bie
Babejhtbe (Vaporarrom, Balneum), ba$ Heine hohe 3immer
— x worin ittf bie merte klaffe Unterricht empfangt. $>aö je&igc
Xertta war bie flranfenftube, welche fpdter in ein 3immer
JDuarta) 2 Xreppen höh« »erlegt würbe, kommen wir nun
H*ben erften 6cocf, fo fallt und ein großer langet Ilster ©ang
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679
*on Wittag gegen Mitternacht auf. Da« tj* ba« Sabulat,
läng« beweiben Die Mondwellen lagen, lieber tiefem (Sange
war früher ein anberer weiter bi« hinter ben 9ttarfkll ju et*
nem Xfyuxw führte, ber einjl jum Älofier gefjörenb 1475 t>on
bem Älofier an bie (Stabt jur fiärferen Skfeftigung berfelben
abgetreten würbe. — $et ber Uebergabe an bie Schule wur*
ben natürlich tnele bauliche 93eränberungen notfjwenbig. 6päter
im 3. 1717 warb bie $eftorwohnung faft neu erbaut; im 3.
1732, 1741, 1744 nahm man mancherlei SBerbefferungen t>or,
1741 unter anberen auch bie Umpflafterung be« ßloftahofe«.
greie s4*Lifce innerhalb be« älofter« waren: 1) ber t>orbere£lo*
fter^of (welker im 3- 1848 »on ben f leinen 6eitengebäuben.
unb ber Mauer befreit unb $um Cber-Marft gebogen würbe);
2) ber Wintere .f lofterfjof, in welchem bie «Rö^rbütte $u merlen
iji, *u ber im 3. 1490 ®eorg (Smmrich ba« SBaffer au« bem
©alomon«brunnen leiten ließ; 3) nahe babei ift ber (Eingang
in ben Äloftogarten nach Der Stonnengaffe Inn; 4) ber tfirch*
hof ber Mönche, welker ben $la$ auf ber Morgenfefte von
ben Oebäuben bi« an bie Ringmauer in fed^ faßte unb an bie
äirfy fließ (ber offene Sabeplafc beim fegenannten 6chwib*
bogen unb t>on ba auf ber 9*onucngaffe bi« jum Marftall, ber
nur üon ber Äloftergaffe au« ju erreichen war); 5) ba« ©iefj*
hoffen, wo bie juchten noch btd heute ftnb; 6) ba« £>tU
berggärtcheu, weld)e« feinen ^la^ ftwiftyeu bem üreujgange unb
ber Äirc^e ^at. Die Benennung fommt bafjer, weil barin ein
«Itar, auf welkem ba« 93i(b Ghrifti auf bem Delbergc fnieenb
ftanb, ftd) befano, wohin bie Mönd)e gingen il)re Slnbadjt ab*
p^alten unb ^rocefftonen anfteUten. — 93i« $um 3a^re 1847
hatte bie feit 1837 befhljenbe h^ere SBürgerfchule ihre &bßU
gimmer am ehemaligen Xabulat, wä^renb ba« ©pmnafmm
fortwd^renb bie unteren behalten hat. Hm 6nbe be« tabula?«
auf bie Jlirc^e |u ift bie 8ibliotI)ef. 3» bemfelben etoefwerfe
aber in einem glügel nach bem fleinen Jirofierhofe ift bie Hmt«*
, Wohnung be« Conrcctor's Gymn., unb bie be« Jtaftcllan'«.
2. Die f)öJ)txt ©ürgerfdjule.
Diefe im 3- 1837 begrfinbete »nflalt beftfct noch Fein
eigene« £au«, welche« föon feit 3ah*en projeftirt ift unb
wurbe 1847 in ein für bie 93ürgerfchule OMuöwabl ber beffereit
€(hület ber $olf«fthulen) errichtete« Äwetftöcfige« ©ebäube in
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680
ber Cberlangengaffe verlegt, wofelbft jebott) feie ad)t ÄlafTen
(e$ befielt eine Septima a. unb b.) nur mit 9ttuf)e utt
tergebradjt werben fonntcn. (*nbe 1849 würben 348 6<t)ület
an ber Anftalt unterridjtet.
3. «£>ör;ere 5Ääb(r)enf(t)ule.
DiefeG elegante , cl)ne (*rbgeftt)cfj brei Stodwerfe sär)lenbe
©ebäube, gereift bem ftifdpmarfte ja nidjt geringer 3terbe
Die ©runfefteinlegung $u feemfelben erfolgte am 19. (September
1836. Die Sd)ul$immer finb im ^weiten unb britten Stod
werfe unb im (5rbgefa>fj . 3m britten Stodwcrf redjtS naa) ber
93ädergaffe nt ifl ein für Sdmlfeierlicfyfeiteii befHmmtet föaum,
unmittelbar barunter ber 3etd>nenfaal, linfd auf bie Ärifdjel
gaffe fnnau* bad 9taturalienfabinet ber ^oberen $ürgcrfa)Hfc
aufgehellt. Gnbe 1849 waren 243 Spulerinnen in Diefer Anfialt.
4. ^Bolföfdjulen.
Stefjen, wie (mit Audnafyme beö ©tymnajiumd) 1 alle tye-
ftgen SdjuUAnftalten unter bem Diredorate be* ^rofeffor Äau*
mann. ftnb fteben unb jwar junäa)ft bie vier 93ejjrf$f<r)u-
len: a) bie (St. Annenfdjule mit brei klaffen in fünf Abtuet*
hingen, von bencn bie erften brei im St. Annen*Sd)ul*®ebäufee
am grauentljore, bie beiben legten in gemieteten Malen unter*
rietet werben; b) bie grauenfdjule, brei Jtlaffen, von benen
bie aweite in jwei Abteilungen. 9cur bie erftc Älajfe erhalt
ben Unterrirfjt im graHenfpulgebäube bei ber iftrdje, bie übri*
gen in ■!DMetr)räumen; c) bie 9ccifjfa)ule. 93on ben brei klaffen
tft bie erfic, in eine Knaben unb 2Ääba)enabtl;eilung gefonbertc
nebfi ber britten klaffe im 9cetßf)cfpitate, bie jweite in einem
gemieteten 2ocalc untergebracht; d) bie 9tifolaifa)ule. Drei
klaffen mit fünf Abteilungen, weldjc ftatmtlid) im neuen
Sctyulgebäufec am UircMunc unterrichtet werben. Tiefe vier
Sejirfdfa)ulen jaulen bemnaa) gegenwärtig 18 klaffen, auf je*
ber 93ilbung$ftufe 6. unb fmb in ber erften feie ©efa)lea)ter ge-
trennt. Die fünfte Spule ift feie in jwei Abteilungen gefon-
berte combinirte SWäbdjenflaffe , beren erfte im 9Räbd)enfd>ul-
gebäube, bie zweite in einem sJÄiett)lofale Unterricht empfangen;
feie fea?£te: $Bürgerfa)ule genannt, be\ttf)t auä $wei klaffen im
9ctfolaifa)ulgebäufee unb bie fiebente: klaffe für torperlta) unb
geifhg fa)waa)e Jtinber, tft ebenfalls in ben Räumen lederen
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681
f(t)önen ©ebäubeS untergebracht. (Sin befonberer 8er)rer tft für
alle btefe SBolfdfchulen alö ©efangler)rer befolget. (Snbe 1849
waren in fammtlictjen et>angelifcr)en 93olf6fd^ulen 1850 JtinbeT,
nämlich 930 Knaben unb 920 Sfläbchen. Die fatyoltfcfje «Bolf«*
fchule jd^lte bei biefem Xerrhine 79 Äinber, b. r). 32 tönaben
unb 47 9Jcäbcr/en.
5. ,£>anbwerferfcr)ule.
DaG 93ebürfnijj fnr gebrlinge unb ©efellen be£ ^anbwer*
ferfianbeS Gelegenheit $ur weiteren &u*bilbung $n geben, würbe
um fo fchleunigcr f^ierfclbft befriebtgt, al$ im 3ar)re 1829 beä*
halb eine flufforbenmg bei foniql. Regierung \u Steam^ an
ben üJcagifhrat erging. 51m 7. 3uni IÖ30 trat bie STnftait in'«
geben, wirb Unterricht gewährt in ber ÄaUigra^ht«, JDrtho*
grapbte unb fcbriftlichen Sbiffäften, föecf)nen, Körper* unb (5o>
p\T*$tid)ntn, (Geometrie (von ben $Öinfeln, Dreiecfen, IßitU
eefen, vom Greife), Stereometrie ($ri0ma, (5ubu$, (Stylinber,
*]toramibe, Äegcl unb ^uget mit Änwenbung auf baä öraf*
tifdje geben), $h*)ftf unb SJcecbauif. 2>ie Anftalt, unter Slufjt(r)t
be$ Ü)ireetor$ ber Roheren $Mirgcrfcr)ulc Urft) r>on fünf ?er)rern
mit Unterricht oerforgt, i)at ftetö viel Übeilnafyme ©eiten6 ber
93etf)eiligten gefunben. £>aö Unterricr)t$lofal ift in ber 6t.
^nnenfqule.
IV. ®tabtifdje unb AötttgH$e ©ebäube unb
»ererben.
1. ftat^aud.
2öann e$ erbaut ift, wiffen wir nict>t ; boc^ bürfte bie
(Sntftefmng bejfelben jebenfallS in ba$ erjk 3a^rje^nt be$
14. 3ar)ri}unbert3 fallen, in welker bie <5tabt mit bem
SWagbeburger 9cecr)t bewibmet warb unb bie 6elb(tregierung
ihrer Angelegenheiten übernehmen tonnte. 3m 3- 1377 würbe
ba* ftathhauS umgebaut. 3n biefem 3ah*c würben 8 ©r.
für eingenfter ausgegeben \ ^eter 9caffe erhielt 6 «Warf Sohn für
bie (Sifenarbert, SSetfter üffialther 11 6chocf (wahrfcheinlich
für 3immerarbeit). gür Umbeefung eine« X^eil^ be$ Dache*
erhielt ber ©djieferbeefer 16 9Karf. tiefer Umbau fcf>etnt fich
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682
meiftenä auf ben Dacfybobeu unb ba6 ^£>a^ erfrrerft ju r/aben.
@d würben fcchcn Giebel gebaut unb mit (£ifen veranfqrt, ebenfo
fed>et (Srfer. iluferbem richtete man auf beut ftatbhaiife ein
Sfyürmrtyen auf, wela)e$ (für 9 ÜÄarf) eine 99efleibung mit
brei (Sentner ]i\\n unb (32 ©dwcf) äupferbecfung erhielt
1378 unb 1379 bauerte ber 33au fort, in ben 9tatfv8rea)nungen
fmben ftd) Sfuägaben für Xreppen, Xfyore unb ©itterfenfter.
Die (Dewidjte jur Ul)r würben 1379 von 9)leifter ^ulfier ge*
goffen. 3m 3. 1385 fnftcte ber sJcatr; auf bem 9iatr)t>aufc
eine Capelle ut ISfyren be6 r)eil. Seidmain'ö unb beS fyeiltgen
Ä^olit unb würben eine äett lang an biefem ©eftifle n>öa>eut=
litt) brei Steffen qelefen, bis ed fpäter in bte 6t. ^eteräfirttye
serfefct »urbe. Daä Ufyrwerf würbe im 3- 1386 neu gear*
beitet, ba e$ vom SBinbe jerftört worben war; 1390 repartrfe
^elfter ^ulfter bic ©lotfe auf bem Diatbfjaufe. 1419 mirfc
bei eiuem 3ku im 9tatl)l)aufe ba$ neue ($emad), bie f leine
Stube unb ©djulfcfammer erwähnt; 1429 wirb an ber obersten
unb nieberen föatlrsjtube gearbeitet. De3gleia)en werben $au*
ten genannt bei ben Sauren 1431, 1432, 1433, 1446, 1447,
1451, 1453, 1455, 1472. 3m 3. 1488 würbe ba* ©tabt*
wappeu bura) einen bof)imfa)en 3Öerfmeifter gefertigt unb bei
bem Eingänge jum föatrj häufe angebracht. 1492 würbe ba6
£f)ürmcr/en auf bem 9lat^aufe ^om 3Mi$e getroffen. Die
3immerleute $ogen bie ©pije mit ©eilen t>om Ülmrme berab,
weil bad Tupfer auf bem Dadje fdjmolj unb bie ©pt$e in
33ranb gerietl). Die ©pi&e fiel auf bie Weinfhibe. %m 5. 3War$
1496 brannten in ber aa)t ©iebel, wetfbalb aud) auf
bem !Hatr)r>aufe ein ©a^inbelbaa) abgetragen warb. 1509 fing
man am gegenwärtigen JÄat^t^urme an §m bauen, 1513 fam
bie ©pifee brauf; gänjlia) warb er im 3. 1516 fcollenbet.
1525 fctylua. ber ©li& auf ba3 Xr;ürma)en am Dactye —
e$ war bicö baä ältere, ein Dachreiter, — unb aünbetc;
baifelbe gefd>at> 1542 in ben großen Sfjurm ofjne weiteren
©cfjaben. 1534 fäuberte mau bad Wappen am $atr/l)aufe,
1566 würbe bie ©djoffen* ober £anbel$fuibe, welche in ben
iKatr>0r>of ^inauöge^t üe$igc ©tabt^auptfaffe) unb ber (Srfer
gebaut, 1569 ein anberer (Srfer ber Dtat&eiftube gegenüber
beim großen ©aale. 1576 ben brüten Buguft würbe ber alte
Änopf nebft ber Wetterfahne wieber auf ben Xfjurm gefeftt.
Um 17. December 1583 befa)lo$ ber Xati) bte italtetiifc^e ©tun.
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683
I -
t
benjäfjlung (1 — 24) abjufdjaffen unb bafür bie beutfdje mit -
zweimal jwölf täglich einatmeten. 3>en 30. SÄai 1584 trat
biete <§inrid>tting in'6 geben, «m 24. 9Rärj beffelben 3al)rc*
geigte ber llrjrmad)er Skftian *#e$fa) an, baß erba* &Htoma*
ton jnr falben Sd)laguf)r fertig Ijabe. (Än ber Ul)r ftnbet ftd>
nämlid) ein ©eftrr;t, beffen 9(u genialen mit bem *^enbcl ber*
felben in 93erbinbung jierjen, unb je nad) ben <Sdjroingungen
redjtS ober Hufs ftd> bref)en, ein 9tted)ante*mu$ ber nod) beute
;u fer/en ifi). 2)amalä tft ftcfterlia) aud) fa)on bie ,'fogenannte
Söwenpfetfe im ©ange gewefen. tiefer i'oroe liegt nod> jefct
in einer 9fiefcr/e am 9iatf)ätf)nrme ift aber fd)on feit längerer
3ett ftumm. (Sr follte burd> fein 5küüen bie <5^rtjien{)dt an
bie ^itferfte^ung erinnern, (£r brüllte, wenn SReumonb eintrat
uno bie* fo gräplia>, bat* wer ba$ ®ebeimni§ ntd)t farntte fefyr
erfcbraf, fo baß grauen ifyrc \u frufje Weberfunft auf ba$
Sowenbrütten Rieben tonnten. ü)ed^atb (würbe e$ abgeftellr.
Dtx 9Jced)ani$mu3 gefdjal) burcf) 3t^c|* eiue$ 5Mafebalge$,
wie au* jwei Angaben fyerr>orgef)t. &m 13. Slpril 1593 »er*
befferte s]Äattbeö sJJebel auä 93öf)men — ein jDrgelfefcer — bie
göwenpfeife auf bem 9iatr)$tl)urme mit einer $ofaitnc unb flei*
nen £)ctaoe, unb madite baju einen bo weiten 93Iafebalg; 1598,
ben 3» 3 uli würbe ein neuer $lafeba(g mit 4 pfeifen, wela)e
3 £>ctat>en Ratten, fyergefteUt. Jörn 31. 3u(i 1591 würbe bie
©etecfytigfeit mit Sdjwerbt unb SÖaage auf eine fteinerne @äale
an bie s)?atb bauet vevre gefegt, fie wurbe 1619 neu gemalt,
vergeltet unb tjerftlbert. Purere bauten finb bei ben 3ar)ren:
1584, 1592, 1612, 1616, 1686, 1690, 1698, 1706, 1714 *u
merfen. $m 9. 3uli 1742 fcr/litft ber $lifc in ben ftatr^au**
finirm uub entjünbete baö «ftolawerf, fo baß ber gattje obere
$r/urm (bi$ an ba6 Gewölbe über ber ill)r) abbrannte, fammt
ben ©lotfett, 3**9*™ unb llfyren. 2)te ©pifce fiel in ben
£of be* SiatrjljaufeS. Der Sffiädjter in ber 3ßaa)tfribe wurbe
erfdjlagen. 3)en Neubau nafym mau aläbalb wieber t>or. 3m
3at>re 1846 taufte bie <8tabt bie frühere ©arfudje, ba$ (Set*
fjauä Wo. 261. an ber Unter ;£angengaffe, curcfi beffen ?lu6*
bau bie innere SBerbinbung mit bem alten ttatb häufe, gegen*
wärtig bie (Stabroerwaltungfcbureau'd in engen 3ufammenbang
gebraut finb. 2lm 21. 9tottember 1848 wurbe »on ber ©Arger-
wefjr eine feit (Snbe £>ftober gebaute «frauptwadje neben bem
SSöeinfcÜer bejogeit ©eint 3afyre 1490 fommen mehrere So*
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684
falnamen im alten 9ratr)r)aufe vor. grüfyer ift von einer libe-
raria (watyrfdjeinlicr) bie alte #an|lei) bie 9fcebe. 1490 werben
folgenbe Zäunte genannt : bie' f leine ©tube, ber Saal, bie
©djlofiftube (fonfr aud) jtönigflfiube), ber ©aal vor ber ©djlofc
flube, ber $of, ber ©ang vor ber alten föatfySfrube, ber ©ang
vor ber Diencrftube, ber ®ang vor ber 3Jcünje, bie SBetnftabe.
Da$ praetorium, weldjeö oft vorforamt ift bie ?TKatf)Sfeftton$ftube.
©efjen wir nun ju ben !K&um(tcfyfeiten be$ gegenwärtigen
?Ratl)r)aufe0 über, weldjeä wir im ©anjen mit bem ^>a«fc
9lo. 261. begreifen, fo finb auf bie SBrübergaffe ju im (jfrbge-
fdjofj mehrere 8<tben, auf bem Untermarft: ber 3ÖetnfcÜer,
bie ©tabtl)auptwad)e, eine befonbere Xreppe nad) bem ©tabt*
verorbnetenfaat (für bie 3nf)6rer) unb ber 9tatf)$fan$lei, mehrere
Wben , in ber Unterlangengaffe ber (Singaug mm ^otyet'bureau.
3m erften ©tod führt von ber großen treppe eine Xfyür
burd) ben großen Saal nad) ber ©tabtfjauptfaffe, irjrer £bnre
gegenüber in ein $eratr)ung6)immer für Deputationen, ©ehr
man burd) ben ©aal jurütf, fo ijt lutfer «£>anb ber Eingang
jur Diener*, uub Durchgang *ur föatfyatefnouöftHbe. Cfal ber
Dienerftube fü^rt eineÜtyVr nad) bem ©tabtvcrorbneteu-©ifcungS*
faale. 9led)iä vor ber Dienerftube jtnb ©emädjer $u Deputa-
tionen, unmittelbar redjtä beim Aufgange ber 9Ratr)l)au$rreppe
füf)rt eine ftetnerne Xreppe jur sD?ilid)'fc^en S3ibliotl)ef unb jura
*Ratf)$tf)urme, von weldjem eine fer)r fdjone 8u$fid)t ift. Un*
mittelbar über bem 3BeinfeÜer Hnb ber £auptwad)e befinben
ftdj bie älteften Rapiere ber 9tatl)$fanjlei, welche einen ©tod
rjöfyer über biefejn Raunte, in $erbmbung mit bem Sofale beö
©tabrfefretariatd (in welchem wohlverwahrt in ©djranfen ba$
Sfrc^tv ftd) befinbet), unb burd) eine ^oljtreppe mit ber Die*
nerftube unb bem ©tabtverorbnetenfaale. (Gegenüber ber Natb*
fandet füfyrt eine Xl)üre nach t>em Bureau, be$ ©tabtratf)*
für bie ^oli^ei unb buS *Polijeifefretariat im $aufe 9fro. 261.
^luf einem (Sorribor mit bemfelben ift bie Sergeanten*© tube,
baä *ßa(jburean, eine treppe fjöljer ba$ ©ervidamt. 3m un<
tern 9taume be* £aufe$ ^c. 261. wor)nt ber Jtafteöan. 9Reh*
rere anbere 3intmer unb 9ldume bafelbft werben m Depot«*
tiondjimmern, Weberlagen ic. benufct.
2. AäntgL JtreiflgericH
£at am Untermarfte in einem ber ©tabt gehörigen ©e*
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685
■
bdube gegenwärtig fämmtlidje Sofalitäten jur Sterbe ttxne.
Xas ©ebdube ftefyt auf bemfelben *ßla$e wo früher ba6 alte
Jt aufhaue ftanb, welches im 3. 13Ü1 erwähnt wirb. Xas ge*
genwärtige ©ebdube ift 1706 gebaut unb feübem unter bem
Tanten: 93örfe, (Sommifftoneljauä befannt gewefen. Xie 1784
im oberen (Stocfwerfe aufgehellte ^talidnehe ©ibliotfyef würbe
1824 auf ba$ 9taü)f)au$ gebracht unb bem fönigl. ganbgeridjt
ba$ ©ebdube eingeräumt. Xte nod) ju anberen 3weden ver-
wendeten [Räume be$ ©ebäubed würben 1849 bem am 1. Styril
in'3 Beben tretenben neuen Jtreiögerid)te t>oÜ(tänbig übergeben.
2)er (£ aal für bie öffentlichen (Sifcungen ift im 2. ©toefe be$
©ebdube*, beim £inaufgange linier ^anb.
- 3. 6tabtwaage.
$>iefe$ (Scffjaufl am Untermarfte würbe 1453 gebaut, wenn*
gleicr; fcfjon feit 1411 bie Sföaage an biefer 8 teile gewefen fein
mag. 1606 warb ber Umbau bed auf brei Stotf erhöhten
©ebäubeä ttoflenbet. 1836 würbe ba$ ©ebdube frifer) abgepufct.
9(uf?er bem SUctyungdamt befinben ftd) in biefem ©ebdube bad
£ofal be$ ®ewerbe*93erem$, bejfen 93ibliotr/ef gleidjfafifl &ier
aufgehellt ift, unb ber ©ewerbe^rüfung^Gommiffion. — 2)a$
Gomptoir be$ *ßädjter$ ber Stabtwaage Kaufmann gifdjer ift
linfe jur ebenen ßrbe.
4. $>er SRarftall.
X)aä $au$: 9connengajfe 9co. 70/71 wirb erft in ben
€>tabtbüdjern beim 3afyre 1472 erwähnt; baö gegenwärtige @e*
bdube ift 1752 errietet, grüner war aud) ein 9ttarftalt in
ber Sangengajfe. 3n ben älteren $t\tcn geborten bie im vJWar-
ftatt gehaltenen s$ferbe, meiftenö iReitpferbe, ber «Srabt unb
mußten utm X teufte beä fonigl. ©ericr/tä unb ceö Statfyeä ftet$
bereit gehalten werben, ©egenwärtig tu bad ©ebdube an einen
VohiifuttdKi verpaßtet, welker zufällig weil er ben niebrig*
ften *|kete bei aufgetriebener (toneurrenj für ftäbtifdje 8ul)*
ren fefcte, foldje abjuleifteu l)at. SÖefonbere 93orrecr)te ftnb
mit bem ©ebdube nicfjt i>erfiiüpft.
5. $a$ Sal$r)au6. '
Xiefeä ©ebdube ftefyt auf bem £)bermarfte, würbe im 3.
1407 begonnen unb erft 1470 im Sau twllenbet. Unten ift
ein ftarfeä ®ewölbe, worin früher aüe 9)carfttage Salj W
fauft würbe. 9(uf beiben Seiten fuhren ft einem e Xreppen auf
einen geräumigen (Baal, in bem $wr 3a!)rmarft$$eit fowcM bie
etntyetmifcfcen a!6 fremben Imtmadm feil galten, größer würbe
baä ,£>aud audj, wenn ber 9iatl) bei* 5burgerfd>aft ein SBergni
gen bereiten wollte tale öffentfütyer üanjfaal, bcdgleidjcn an
Wuffüfyrung von Übeaterftütfen , 1813 al6 W^avetb benu$t.
$fuf bem 93oben barüber, ber früher alö <&etrriba'(tyttrtboben
unb Sftagagin angewenbet würbe, befanb jid) bte kbi bad 3.e*8*
band für bie gärlifcer ganbwefyr ^fca&aUeric (£$fabrou unb bad
^rtnuiMial Vaiimreln <- Bataillon , roeld)eei nun uaefc bem um-
gebauten tfatfertruft verlegt »erben foll.
6. Da* 64te$(au«. *
Der $la$ bed Sdjiettyaufeä an bei* 5Äei(je, beffen llmcje ■
bung bei £d)iefjfefteu bnrdj bie neuetbingä angelegten Xerraffen
fefyr »erbejfert Horben ift, warb erft tut X 1531 burd) ein fycU
uuncv Sdnejjfyaue aufgefüllt. 3m 14, 3atyvljunbert war ein
Sdjiepfjauö im ^wingei : ^iclftait (czelstat) aud) 3Mibenfyaud
(blydenbwse) genannt. Da$ £ol$gebäube warb 1544 unter*
mauert. 3n ber Seiagenmg von 1641 war baö Sdjiepbauä
von ben Belagerern fo zugerichtet werben", baß ein Neubau
nöttjig warb. Diefer würbe 1651 begonnen unb im folgenben
Sommer beenbet. Daä 1726 abgebrannte ©ebäube würbe
1728 unb 1729 wieber aufgebaut unb |War fo wie baffelbe
ftdj gegenwärtig nod) präfentirt. Seit ber 3fit fab nnr tat
3nnern einige Reparaturen unb SlbänberHngen vorgenommen
werben. — Da$ im 3. 1849 al* Sctyeföau* außer Betrieb
gefegte 3wingerfd)üfcenl)auS am giaueutl)uvme flammt aud
bem 3af>re 1587.
7. unb 8. Der ^acffyof unb baS Theater.
lieber betbc ©etulube ftnb wir gegenwärtig, wo foletye nodj
im Bau begriffen, nidjt vermögenb erwaä 9Mfyere$ pt fagen.
Der Bau beS ^acfjjofgebäubeS (weldjeö rirca 10,000 (£tr. tri*
fen fofl), würbe am 28. September 1849, unb ber be$ auf 800
äpfämtt beregneten XfjeaterS am 1. SRärj b. 3. von ben
Stabtoerorbneten befdjlojfen.
9. Da$ SBaifenfyauä.
Wm 6. September 1712 mad)te ber Burgermeiper Samitel
l
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Jfciorr von ftofenroth ben <Borfchlag ein Sfrmen*, ffiatfen* unb
3u(^t^au^ ja errieten. Da man Htn Littel baju verlegen
war, errichtete man unter lanfce$f)errltcf;er (Genehmigung eine
Lotterie, welche jeboch nur 355 Xtyx. 8 6gr. 4 $f. einbrachte,
welker gonbö burch milbe Beiträge vermehrt warbe, wenngleich
biefe wegen ber 6tabtbränbe von 1717 unb 1726 nur fpär*
Uch eingingen. 9hn 23. 3uni 1727 legte man ben Önmbfreitt
:,n bem gegenwärtigen an bie 8nnenftrchc anjtopenben ©ebäube,
im «£>erbft 1728 waren bie vier 6tocfwerfe in bie $öhe, unb
ben 23. December 1728 ba$ Dacn völlig mit Regeln gebeeft.
Daä £aud ift 100 gu£ lang, 45 gu§ tief unb bi* jum Dach
56 gn£ h«*- 9?achbem bie nöthigen ^erfonen befteUt waren,
erfolgte am. 31. 3anuat 1731 bie Eröffnung ber «nfialt mit
13 Sßaifen. Später ftieg bie 3al)l auweilen biö auf 50 Miiu
ber, welche mit anberen armen Äinbern zugleich Untcrrt^t ge-
nießen. Der 2lbminiftrator ift zugleich Sefjrer au biefer mit
ber Vlnnenfcfcule verbunbenen Slnftalt. Söefonbete SBerbtenfte
um bie gorberung ber jungen 8lnjtalt erwarb jt<h ber *ßrima*
riuä Stul^ef. ©in SCbminljtrator, ei» Söaifenvater unb eine
2Batfenmutter flehen bem 3n(titut unter ^uffict/t beä $Nagtfitrat$
vor. — S3ei biefer Slnjialt beftnbet ftet; auch ba* jtäbrifche ^o*
lijei^efdngnif.
10. 93efferung$*2htftalt beä Oberlauf. Vereine* für
fittlid) verwahrlofte JUnber.
Diefe Slnftalt beftnbet ftet) vor bem laubaner $h*>rc Auf
ber fogenannten neuen Scrjanje. Der verdorbene £anbeö*5fel*
tefte ber Dbcrlaiifty v. Derlen auf (£ollm bei 9tte$fv, brachte
bie 3bee jur ©rünbung einer folcr/en im 3. 1835 auf bem
im November abgehaltenen «ftommunadaubtage \nx 8prad)e
unb fanb fo viel 9lnflang, ba(j noch währeub bec3 Sanbtag* eine
Subfcription ba;u erfolgte. d$ bilbete ich cht herein, in
beffen Styungen vom 5. unb 27. 3<tn. 1836 bie Statuten
feftgefteüt würben. 1 tr Anfang würbe mit 7 «ftuabeu gemacht,
welche bamalö im £aufe ber 3jfcl)lerwfttwe ^perrig^ut sKci -
chenbach untergebracht würben. 3hrcm ©efe^dft ftanb
ber Zi fehler Steffel vor. (Sr führte zugleich mit bem Lehrer
deiche unb bem DiafonuS SHarfch bafelbft bie $lufftd)t. Der
erjte ^ii^utupbcridu erfolgte am 18. "sunt 1837. Unter bem
15. mi 1838 nahm ©e. JTönigl. £oheü ^rinj Wilhelm
Oigitized
68B
von *ßreufien, Dfyeim Sr. Sttaj. be$ Jtonigö ba$ *ßroteftorat
über bie Hnftatt an. 2)amalä mürben 9 Knaben bort evhaU
ten. 3m 3. 1841 befcfjloji man bie Vinmilt von Welkenbach
nad) ©örli$ \\\ verlegen unb baute auf ber fogenannten neuen
@d>an^e vor bem laubaner 5^l>orc einbaue), weldjeS am 2. 9Wai
1842 in ©egenwart einer aatylretdjen 'üBerfammlung turcb eine
2ßeil)erebe beä (supertntenbenten $rim. Dr. kopier eröffnet
würbe. $)er Sau biefefl ^aufe6, welcher burd) mehrere be*
beutenbe Beiträge rrmöglidjt würbe, foftete 2143 Xblr. 24<Sgr.
lö*ßf. 3"m SSorjianbe gehören ber Sanbeäältefte ©raf v. £öben
aHf Weber^ubeldborf, ber <£>ofratf) v. £>ctmi$ auf J?önig$r)atn,
8anbfynbifu$ 3uftijratt) (Sättig, üßrebiger fjergefell unb 2anb*
föafMftmbifut 3uftüratl) v. ®tepf>am> au ©örlifc.
©egenwärtig im neuen fBolfdfdmlfyaufe auf bem Wfolai-
viertel. *2)iefelbe würbe am 11. November 1844 eröffnet. 1>ie
@röffnung$rebe fyielt ber £>iafonu$ ^ergefcll , worauf bie SBer*
pflidrtung ber Starßefyerin ber Bnftalt, ber grau v))jei>cr geb.
Stiller buref) beu £)berburgermeifüer Xemiani erfolgte. » $)ie
3fn$at)l ber Äinber betrug 1844: 24. $ux 3eil ift 5$orftefyerin
tiefer nu$ltd)en Staffelt bie verwittwete grau £)berleljrcr ihröfjne.
£iefe &nftalt l)at fcd> 6eitenä ber armen (Altern, weldje, auf Sir-
beit gefyenb, oft ifyre Jtinber mit grojjen borgen aufftdjtSloä laffen
muffen, einer ftets ßetgenben XtycKnaljme $u erfreuen gehabt.
(sinb in bem ©arten beö 3afob$l;»ofpital$ vor bem grauen*
tt)or errichtet. ?lujjer ben 3^9^ngen beö ©vmnafmmd unb ber
fyöbereu 33ürgerfc*l)ule , befommen aud) bie <©d>ölerinnen ber
9.VäMH'nfdnile unb s$olfdfcr)ulen , fowie bie 2Baifenfinber auf
jenem Sßlafce Unterrid)t im turnen. $m 6. SDfai 1847 würbe
ber fdjöne "jUaR, auf we(d)em neben ben Surngerätfyen am1>
für bie jüngeren <Sd)üler Wafenpläfye uim spielen fmb, roter
lid) eingeweiht. 3nt 3- 1848 würbe |um Stirnen bei unfreunb*
lidjer Witterung von ber 6tabt nach bem ^ofpital mit ber
W ücf fr out gu eine 2 um balle erbaut, wcUfye groji gnma ift um
{leben Wiegen ju gleicher $tit bie 30?öglirt)feit bed Surnenä
IVL aeftarten. Vlm 27. ftuguft 1848, fanb auf bem *ßla$e ein
feiroM Schauturnen von allen Schulen, fowie ben SWitgliebern
11. iUeinfinberbewafyranftalt.
12. Xurnplafc unb Surnljalle.
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6#t
bef Zum* unb fXetmng$verem* in Ötörlifc flott, ju benen ftcf>
viel auswärtige Turner gefedt hatten.
. 13. $al <stänbehau$.
Diefeö Hilter bem 9Jatnen: ©d)lo^en, Sanbfyaud, Mannte
bei ber Jßetetdfirdjc 312 a. unb btr fönigl. ctrafanftalt liegenbe
y>aiu\ in welchem bie ©ifcungen beä Oberlauf. Jtommunallanbta*
ged abschalten werben, gebort raitju ben aUt]ten 3iebelbofen ber
©tabt, unb war urfprüuglid) ein diitterjty • bei ber ©arg. 3n
unbefannter Seit tarn ba# «ftauä in ben 33eity be# $athe$,
welcher abftdjtlid) afle ©iebeTfjäfe auf ber ehemaligen 33urg*
frei h ei t auffanftc, um Gittern ben 9ßol>nfi$ in ber Stabt \u
t>cr(etb€ti. 3m 3. 1565 verfaufte e$ ber 9tath bem bitter
3afob v. £aag, nad)bem fciefer verfprödjeu feineu befonberen
(*>ertchtdftanb für fidj beanspruchen, fonbern nur unter ber
6tabt ®erid)t al$"ü)m in ÖJörliö juftänbia fteljen ;u motten.
3m 3- 16(19 faufte c$ ber jKatl) für 1100 Xt)lr. von £iob
v. (Salsa unb verfaufte e<3 im 3- 1811 an bie ^aubftdnbe
ber £>berlauftfr um 3000 Ühlr., welche, wie oben gefagt, noch
heute im Seftye brefeö mehrfach rcftauriiten ®ebäubc$ fmb.
14. $>a$ SanD'6teuer^4mt.
Die Surcau'ö beffelben befinben fid) im erfteu Storfe btö
gleichfalls ben oberlau ftyifcfycn ©täuben gehörigen $aufc$ JH*
folaigaffe 9to. 293. 3m jweiten ©toefe bfefed @ebäube# r)at
ber ftmbfvnbifuö unb 8aiftffeuer;©efretär feine Amtswohnung.
v 15. Da* fönigl. ,£>aupt*©teHer'$mt.
3jt feit feiner Verlegung von 9teid)enbad) md) ©ör*
lifc im 3- 1835, in bem vom $i$fu$ erfauften Söierlbofe
Dbermarft 9co. 131. Die SkrcauS fmb fämmtlidj im Gib*
gefchojj be$ frönen ©ebäubeS, welcr)e£3 im Kriege von 1813
einem $errn v. 9Roftt$ gehörte unb in beffen dauern mehr*
malS ber Jtatfer Napoleon auf ben vielfachen Durchreifen in
©örlifc, aud) ber Äaifer Slleranber von 9cufjlanb weilte. 3m
erften ©toefe ift bie Amtswohnung beS f. ©teHcrrathS unb
im ^weiten bie beS £aupt Steuer -AmtSrenbantcn. — Daö
©ureau beS tfreiS*© teuer- Amts Ifh ^etcrSgaffe sJco. 278., bae
Der fönigt. ©aljfaftorei: ^eterSgaffc Wo. 313.
OeftiWe ton &öx\it. 44
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690
16. tföntgf. $oft<(5omptoir.
, Die SÖürcau'S beffelben beftnben ftd) §ug(ctcf) mit ber
*ßoftyalterei in einem gemieteten ^rtoat^aufe: *ßeterdgaffe
9to. 216. Die ^oft war früher in bem je&t ber Dberl. ©e-
fellfcfyaft ber Söiffenfctyaften gehörigen £aufe: 9leifjgaffe 354.
17. Jtonfgl. £anbratfy'Ämt.
3f* im erften @totf be* £aufe* : Unterlangengaffe 9?o. 227.
in einem 5flietf)lofaie.
18. £rei*;@ericr)t$*@efängni0.
3n ben ältefren ßeiten waren bie gewöhnlichen 6rabt'
©efängntffe Zäunte in ben Stürmen unb fcmmt ein befontnee
©efängnifi nur nod> unter bem Sludbrucfe groljnfefte unb 93üt*
telei »or. Diefe befanb fich foweif bie 9?a$ri<*?ten reiben
immer im £intergebäube be* Äaufeä gifc^marft 9to. 63 a.,
war jeboch t?on bem befreffenben $orberl)aufe burdj eine 9)?auer,
welche ungefähr bie 9Kitte be$ gegenwärtigen £ofe6 berührte,
Sefc^ieben. Der ßwgang 8wm ©efäugnip fanb &war aud) vom
ifdjmarfte au$, jebocr) burdj eine famole ©äffe an bem £aufe~:
gifömarft 9fo. 64. ftatt. 3n ben Gasrechnungen beim
3al)re 1377 werben captivi ad cippum erwähnt, 1391 baS
©efängnip: ber 6tocf; 1397, 1401 uitb 1413 würbe an ber
©üttelei gebaut. S3ei biefem ©efängniffe befanb ftch mit einu
gen wenigen 3afyren Kuänahme, währenb welker ber Scharf*
rtc^ter beim gtnfterthore wohnte, biö 3um~3ahre 1601 bie
ed)arfrid)tcrei. 6eit ber 3eit war bie 6djarfricf}terei beftäit'
big in ber iRifolaivorftabt. Die Rüttelet • würbe im 3. 1589
»öllig umgebaut. 3m 3. 1817 brannte ba* 93orberhau*
9?o. 63a. ab, würbe neugebaut, 1822 vom gtäfuS angefauft
unb im (September 1823 belogen. 93tö jum 1. Sfyril 1849
führte bad £au$ ben tarnen: 3nquifitoriat.
19. tfonigl. ©trafanflalt (früher ber «oigtdfjof).
(Steht hart au ber *Peteräfird)e, wo früher bie 59urg ©örli&
war. lieber bie frühere ©eftalt unb (Einrichtung iß nichts
33efonbere$ auf un$ gefomraen. Die ©ebäube würben 1456
burch 53ranb jerftort unb blieben ttiele 3ahre wuft liegen, bi$
Jtaifer SWarimilian 11. unterm 10. Sluguft 1567 ber StaM ©or*
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691
(ift ben *J5lafr überlief mit ber (Srlaubnif bort ein Schutt* unb
93{a(^aud anjul:gen, jebod) unter ber Sebinguncj einen X^etC
be* ©ebäubefl gur Bbtyaltung be$ 2anb* unb £ofgeridjt$ unb
ber ftäbtifdjen Verfammlungen etnsuridjren unb gegen Sfcütfer*
ftattung ber aufgelegten Soften au bie faiferl. Verwaltung ju*
rücfjugeben. ©o blieb e$ benn bei ber ©tabt bi$ im 3- 1810
bie ©täube ber Oberlaufs bie SBiebereinlofung befd)loffen um
bort ein 3wWauö anzulegen.
$a$u beabjtdjtigte man audj bie bamalige ©tynbifatöwol)*
mma, ba* foaenamite ©djlöjjcfyeit ju aiefyen, weldjee im 3.
1609 ber »ati> *u ©örlifr von £iob ©alja für MOOStjlr.
getauft fyatte.
9Wan vereinigte ftd) fpät, ba bie Vauredjnungeii tfyetlweife
festen, bis auf bie ©umme von 9900 JXr)lr. Ihn 16. 3anuar
1811 würbe ber Voigtdfyof nebft bent 3twn9er biä 511m
^tfotaitfyor unb bem ©cfylofcben ben ©täuben ber JDberlaujty
übergeben. $)a$ £au$ fonnte wegen beä j?riege$ nid)t aud*
gebaut werben unb war aud) im 3- 1826 nod) nid)t fertig
a(ö bie tfohigf, Regierung iu Siegnifc Slnfprucr) barauf machte
l)ier eine fönigl. ©trafa'ujialt anzulegen , we^)alb ber $Ragi*
ftrat aufgefordert würbe fein vorbel)altened Vorfauf$red/t in
«£>infid)t be$ 3^ingerd aufzugeben. 3)fc Qonunun tfyat bied
unter fcen $3ebinguugen, baf jte von ber Verpflichtung, bie
dauern am Kraben unD 3w"l9cr l(nb beim Anfange beö Wi*
fotaitfyord im ©tanbe $11 galten, entbunben werbe. 2>er Qiffud
bejar)(te an bie ©tänbe 25,000 ^f>Ir. wofür fte ber Regierung
bad Qkbäube überliefen, jebod) ba$ ©djlöfdjen al$ if)r ©igen*
tfyum befamen, um von nun an bort il)re ßanbtage*©ifcungen
$u galten. 5>iefer tfauffontvaft warb abgefcrjloffen gu llegnifc
fcen 14/ 2>eceutber 1826. Uebrigenä entfpaun ftcf> nod) ein
©rreit jwifcfjen ben ©täuben, ber Regierung $u 2iegni& unb
ber ©tabt, welche nicfyt gutwillig bem Verlauf beä ©ebäuoeS
beitreten wollte*). 3)aö ©ebäube würbe nun belogen unb ent*
f>alt $aura für circa 700 ©träflinge. brannte am 28.
Mai 1848 ber nörblidje Xfjeil bi$ auf ba$ erfte ©torfwerf
gänjüdj ab. 2lm~7. November beffelben 3^l)red brannte wie*
berum ber eine glügel ber ©trafanftalt am ©djlojjdjen, wel*
•) 9Ufo gang entgegfngcftfet ber «nfidjt, bafc bamal* bie Aemmutic
W tyw 9te$te auf ba* @cb»iube torfdjtwll begeben t)ätU.
44* v
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692
d)tt ©ebdube nur burd) bie f>ol>en geuergiebel vor ber 3erfi6^
rung bewahrt wurbe.
20. $ic 9teißbrürfe.
$ie Srfirfe geborte unzweifelhaft mit ;u ben älteften ffn*
lagen. $>a bic &rütfe immer von £ol$, niemals von Stein
war, wurbe fie vielmal vom Söaffet völlig weggeriffen. 5te
fannt finb auä ben 9Ratf)$red}nungen folgenbe 3aln*e: 1315,
1316, 1432, 1434, 1441. bauten Hnb BuSbefferungen wtjfen
wir au« ben 3al)ren 1379, 1388, 1392, 1398 (in bem 3«W
fling bie 93rücfe tt>ar>rfd>etnlt<^ wegen be$ £ßjfoßerd weldjee bar*
auf gelegt war, von etnanber), 1399, 1441, 1525 (weil fie
beim S$ranbe faft ganj vernietet war); 1537, 1545, 1547,
1576, 1587, 1615, 1621 (am 18. 3nli früf> brad) ba* Wu
teljod) ein unb fiel fammt 8 ^erfonen, bem £)bertf>eile, 3ftad*
badje nnb einem Diingerwagen in bie 9leiße), 1641, 1642,
1659, 1662 (weil einige 3od)e eingefallen waren), 1745 (weil
am 15. 3uli baä Ü)ad) vom Sturmwinbe abgeworfen war),
1746 unb 1747 <baute man bie Srutfe oljne $)atf)), 1774
(ganj neu unb mit Dad>). 3>en 23. $Rai 1813 würbe bie
93rtitfe von ben retirlrenben Muffen angejünbet, aber in fnr$er
3eit burd) bie franjöjtfdjen 3ngenieure wieber fyergeftellt, ba
bie 3wfye fkfyen geblieben waren; beu 1. September 1813 würbe
auf 3Äafoonalb$ ©efefjl von ben retirirenben granjofen bie
Erliefe abermals niebergebratmt. Seit ber 3eit i|t viel an ifyr
geflirft, eine projectirte neue fteinerne 53rü(fe aber nod) nidjt
in Angriff genommen worben.
21. 2)aö jRent^aud.
3)iefe$ am *Peter$fird?enplan gelegene alte ©ebäube, in
weld)em jefct ba$ 3*ugf)<w$ beS ®arbe*8anbwel)r* unb be£
7. 3wrbataillon8 ift, t>at f<fyon viele Söeftimmunqen gehabt.
3m Stabtbudje (von 1305) ift beim 3afae 1330 vom ffiafo«
fyaufe mit einer ^ofeftatt bie SRebe, b. f). ber bitter weldjem
bie, 9htfenngen ber 2Öaibnieberlage jugefvrodjen waren, fydtt«
foldje in feinem Siebelfyofe. (Einige 3äf)r$el)nte barauf, naefc*
bem ber *Ratl) ben Siebel^of an fid) gebraut, fyatte man t>it
Sdjule bort eingerichtet, bauten an ber Schule werben in
ben 3af)ren 1376, 1377, 1387 unb 1428 (bamal* machte
v man ©djiejjfdjarten) erwähnt. fSon bort würbe bie Schule in
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693_
• • •
ba$ ncugebante £auö: an ber *peter#ird)e 309 verlegt, unb
ruep feitbem: alte ©cr)ule. 2lber aud) le(jtereä ©ebäube juerft
jum Unterfdjiebe t>on jenem: neue Sd)u(e genannt, würbe jur:
alten 6djule, alä bie €kr)ule 1565 in bad Jtlofter ser*
legt war. 3)ar)er bie Verwirrung in 53ejua auf biefe ®c-
bdube. 1578 würben bie (Srfer naa) bcr kreiße abgetragen
unb 1584 ber alte ©iebel bunt) einen neuen erfefct.
22. äaifertrufc.
2o fyeijjt baS runbe ©ebäube auf bem Demianiplafce,
weldjcfr früher umgeben war Den einem großen unb tiefen
Kraben, mit ftorfen $ebenaebäuben neben einem fel)r feften 3ir)ore
t)erfef>en, al6 ein Äauptfeftungöwerf ber Stabt galt ©eine
dauern naa) bem Xo>fertr;ore $u ftnb c. 7% dllen bi(f. 3m
3. 1490 würbe bie 99aftei gebaut. 3eber 53ürger im Verhält*
iiis ju feiner Vefajäftiguitfl, jeber €tabtgärrner, unb bie ^au
ern auö ben ftdbtifa)en Dörfern mußten cntweber felbft einen
lag baran arbeiten ober für ihr Welt? einen 'Xagclöfjner ftcdtn,
um ben !©oben ju wlaben. $luf ber ©teile, wo jefct ber $e*
mianiplafc ift, gwtfd)en ber ©tabt, ftanben viele Sa)eunen, welche
in jeuer .Vir abgebrochen unb in'ä greie gebaut würben, X ic
©ctjeuneu jUmbeii in ber Xiefe unb würbe ber ©runb mit ber
ausgegrabenen (Srbe aufgefüllt. $}ei ber Belagerung, im 3.
1641 war befonberä biefeä geftungSwerf uneinnehmbar, weö*
r>alb ber fa)webifa)c Oberft SOBantfe eö höbneut: „Äatfcrtruö"
taufte. 3m 3. 1848 würbe wegen Sftafyrungdloftgfeit vieler
Arbeiter bie Umgebung beö Jtaifertiufted, — tiefe (graben —
mit bem $obenabtrag t>om grünen (Kraben aufgefüllt unb ber
53erg t>om 9teia)enbacher* bid Xöpfer*$l)or gleia)fallö baju t>er*
wenbet. latf Ihor fowie fämmtlid)e dauern um baffelbe
würben ebenfalte abi]ebroa)en unb baburd) ber ^lafc ungemein
erweitert unb serfdjönert. 3m 3. 1850 würbe ber neue 93a w
oollenbet, bei welkem baö ^buvnutcn im ©ebäube um jwei
Stocf erhöht in. Sie fd)ou angegeben, ift baä ©ebäube &um
Vlrictial be£ fönigl. s3Hilttär6 beftimmt. 3m erfreu ©torfwerfe,
ober vielmehr im 2fnbau ui ebener (5'rbc ift bie $auptwad)t
mit ben bajugehörigen s4ppattemeutd. Der untere töaum bed
eigentlichen ©ebäubeä ift gu Söagenremifen beftimmt. 3m $weü
ten 6totfwerfe über ber «£>auptwaa}t bepnben ft<h bie Militär*
Brrefi^oMe, im' eigentlta)en ©ebäube ber 2Baffenfaal, bie
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694
Uniform* unb Sattelfatumer ber rjieftgen. £atibwer)r*(£6fabrön ;
im britteh ©tocfwerfe bic ftäume \\\ Äammetn für ein rofl*
fiänbige* Bataillon 3nfanterie.
Vlupcr bcn bei JUrcfyeit unb .Capellen, be$g(eid)en bem
Sfcatfjrjaufe erwähnten 3$ärmen fommen l>ier nea) brei in (3h^
wägung:
1) Der grauentrjurm. Diefer Ifjurm, mit dauern
t>on 3V2 ^^e Dicfe, gehörte in ältefter 3e** 5«m €>d>lop,
weldjeS jta> t>em grauentfyore eiuft bi$ an bie alte Bürtelei
erflrecfte unb 1474 mit ©enefjmiguug bes tfönig ÜOlattriiaä
abgebrochen würbe. 1399 würben bie treppen auf ben $fynrm
gebeffert; 1408 beägl. 1423 war ber 6a)ieferbecfer auf bem
Jfyurme befdjäftigt. 1532 würbe bie ©lecfe auf ben Iburm
gegangen unb nad) Dem $atf>$tnurme gu jieben angeorbnet.
Sm 4. 3ult 1552 warf ber SBihb ba$ Dad) vom graHen*
thiivmc fyerab. 1558 fefcte man eine neue (Epifce auf ben
grauentfyurm , unb ben 19. 3uli WHrbe bie ©lorfe eingegangen.
3n neuerer Seit ftnb bie Anbaue an ben £r)urm, welcbe mit
bem Xfyore in ^erbinbung ftauben, abgebrochen werben.
2) Der Äeia)enbaa)er üfyurm. Diefer fa>öne unb jterlidjc
Xfyurm wirb beim 3afyre 1376 in ben 6tabtbua)ern juerft er*
wäfynt. 1395 würbe abermals an bemfelben gebaut. 1419
unb 1432 würbe er, wie bie übrigen Xfyürme ber ^ufttenge*
fafyr wegen neu befeftigt, 1485 würbe ber £I)urm ungefähr
wie er jtd} jefct jeigt, erbaut. 1537 fcfjlug ber Blifc an brei
JDrten in ben *Reid)enbad)er Ztyuxm. 1539 würbe eine ©locfe
ber &nnenfird)e auf ben Sburm gebracht; fte jerfprang 1544.
3m 3. 1555 fdjlug ber 3Mifc in ben $f)urm unb bejcfycibigtc
ben 2Bäa)ter, fo baj er ftarb. 9lm 7. «Wai unb 14. 3uli
1582 fc^lug ber 2Mi$ abermals in ben Xfyurm; beim lefcteren
(Schlage würbe ein Steinmauer getroffen. §lm 21. ffiai 1607
ritflete ber Baumeifter ®eorg Jpen&fdjel ju ben knöpfen auf
ben (Srfern bcö Zfymmct, ben 1. 3uni würben felbigc wteber
aufgefegt, ebenfo am 4. 9(HgHft bie am 18. 3uli abgenommene
2Betterfaf)ne mit bem Jtuopfe. 1652 würbe ber Änopf unb
ba« Daa), weil fte bei ber Belagerung *on 1641 SÄaben
gelitten, wieber in ©tanb gefefct. 1700, ben 26. 3uli falsa
^ »er Blifr in ben Xljurm unb fdjmols ben Äupferbraljr. 1736
23. Die ll)ürme.
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würbe ber Xfturm Mm brei (gHen crntebrtat; 1781 bie bau*
fälliae £aube abgetragen mib 1782 reparirt Hm 10. Hpril
1836 nahm man bie 5 (Em. wiegenbe ©lotfe vom Xfturme- unb
brad)te auf benfelben bie 12 (Stn. 18 *J3f. fernere ©locfe») be«
9?eitjtrnirme$, welker fpäter ganj abgetragen warb. Hm
19. Oftober beffelben 3a^re« fefcte man ben beffer erhalte*
nen Jtnopf ne6ft ber Wetterfahne beö ehemaligen 9*eißtf)urmeS
auf tiefen 1 ()unn.
3) Der ftffolaitytirm. S)a6 etabtbua) (von 1305) bringt
ben Zfyuxm beim 3- 1343 jum erftenmale in Grwäfmung;
1405 rourbe bie 3ugbrücfe beim Wfolaithore gebeffert. $ei
ben Söränben von 1456 unb 1465 ging ber $hurm ebenfall*
großenteils nieber. <$r rourbe im 3. 1484 erft voüftänbtg
ui (Snbe gebaut. 1515 ftfclug bae Werter in bie Xfjurmfpifce,
fo bajj bie (Spiefjbäume unb Sparren gänjlicf) gerfömettert
würben, weshalb man 1516 eine neue €pi$e auffegte unb
ben $r;uxm mit Äupfer berfte. 1539 fam eine ®(o(fe au«
ber gnnenffrctye auf ben S^urm, welche 1585 aHf ben $ath$* '
thurm übertragen warb. Hm 17. 3unt 1586 fdjlug ber ©li$
jwifaxn bem 3itgelbad}e unb Äupfer ein, fur>v am Xtyuxmc
herab unb erfajlug ben Xagewädjter tytttx Sernth- 3n bem*
felben 3ahre würbe bie Wfolaibrücfe mit brei fteinernen *ßfeü
lern verfemen, welche vier ©ewöl6e fristen. Hm 12. December
1589 nahm man ben Jtnopf fammt ber 6ptnbel unb wa3 an
(Sifen von ber Wetterfahne übrig war, ab; irrt Wärj 1599
fefcte %atob Sdmiibt auä Ottenburg eine neue gähne mit
tfitopf auf. Hm 26. Huguft 1642 brannte ber Xhurm ab.,
3)er Neubau beffelben war erfl im 3- 1669 vollenbet. Hm
16. Huguft beffelben SahreS würbe ber 8l/2 $fb. fdjwere an
einer (Stange von 20 y2 $fb. (£ifen befiiiDlidje Jtnopf wieber
aufgefegt. $>aö tfupferbaa) brauste 20 (£tn. 74 $fb. Hm
10. $>ecember 1669 jog man bie 13 (£tn. 3 Stein fchwere
©locfe auf ben Ü^unn. 1705 würbe bie fd>abf)afte Sptfce
bi6 aur ®lotfe abgetragen. 1717 unb 1726 brannte ber obere
Xtyil M XhurmeS «b unb würbe fett 1727 mafftver gebaut.
4) Safieien fmb nod) vorhanben: a) im ©rrafanftalte*
jwtnger, im 3. 1428 gebaut unb wirb jefct ju einem 3tta*
#) $ie 3nfärift biefer ©toefe lautet: Hora ruit. redimite tempus.
fusa Gorlicii M.D.CCXXXVII. per Benjamin Körner
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«90
ga^inc benufct Seiten* bei Strafanffolt-.; fo) im ©rabcn feit*
wart* be* 9tifolaitbore*; 1452 würbe batan gebaut; c) bte
*ßult>erbaftei am grünen (Kraben, unweit ber vorigen, iefct ein
tm* imb StrofcSWagajin, 1H42 *ott Beuern erbaut; d) bie
aftei am Demiamplafre, 1477 erbaut; e) bie haftet im
3u>wger über ber UnterfaMe.
24. Die $r)ore.
Deren finb eine jienüidje SWenge t>orfcanben. SfiBir
wollen bei bereu Betrachtung t>cn ber 9?ei|jbiücfe anfange«,
^unäc^ft in bie töeijworftabt geben, un* linf* vom lUeitubore
wenben nad) bem SftiebenMercel, burefy ba* *Reid)enbacfyer* unb
grauen Hertel wieber bi* \un\ 9(u*gaiig*punftc jurücffefjren.
5)ie £l)ore waren Mgjkttt fcarfe $oü werfe..
a> $>a$ SReifjtfyor. $öirb juerft 1327 genannt; e* würbe
1378 reparirt, ebenfo 1390. 3m % 1420 war wegen bet
•Vuiuteu wie an allen $t)oren aud) fyier eine grope Mette an=
gebracht. 1453 baute man bie Umgebung be* If^ore* mit
bem 'Ibtmne um. 1494 war bie datier unter bem 9?eißtl)ore
fdjabfyaft unb warb burd) jwei neue Pfeiler gcfhtyt. — 5*eim
3$ranbe bon 1525 ging ba* %fyot in glammen auf. 1539
baute man bie ÜHtauer nebjl bem Umgange auf bem I bore.
1778 brad) man Sagen unb ©ang über bem $fyore ab unb
baute eine 38ad>tftube für bie StabnolMten baneben. Da im
3. 1841 ein großer Vollwagen im Xfyore fterfen geblieben
war, warb ba* Dacfy ganj abgenommen.
b) £>a* £aubaner %fyox. Ob hierunter in ber älteften
3eü ba* Xtyor, welche* gegenwärtig biefen tarnen füfyrt ober
ba* beim s)iei|if}oc3pttal ieufeit ber $kucfe belegene ;u verfielen,
ifl fcfcwer ju fagen. 1378 wirb bie Reparatur ber j$im\e be*
lubanifcr/en $f>ore* eswäljut; 1399 er$är)lt, baß bort ein 38ä<&*
ter angefietft fei. 1414 wirb in beu -)iatf>*recr)uunßen ein 2Bcg
&wifcfyen bem lubanifdjen Xfjore unb bem Stabtgraben genannt;
1415 ba* $l)orl)aH* gen 2aaban. 3»* 3. 1848 würben bie
noi) übrigen $an8$fetfefl be* $()ore* befeitigt.
c) $>a* ftabcntljor. ©irb in ben ©tabtbüdjern nicfyt be*
frnber* genannt 3n alter j$eit führte bic SRabengane beu
tarnen: bie Steingarten, weil bie bortigen $Borwerf*befifcer
überall, 3Betnpflaui«ngen angebracht Ratten.
d) £otl)ertl)or. gurrte 1428 beji tarnen;: $foc*e beim
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I
Voigts b ofe ; 1470 Pforte hinter bem <£>ofe. 3t« breifjigiährigen
Kriege bei Gelegenheit bei ^Belagerung würbe e$ fetyr jerfchoffen.
e) 2>aä 9liebertl)or. 3Öirb wegen feiner geringen Vebeu*
tung in Ve^ug auf (eine Vertr)cibigung0fäbigfett niemals er-
wähnt. Sßenn ber jeinb fam würbe efc regelmäßig verladen
ltnb sogen fich bie Einwohner ber it% Vcairt gefieeften sJiifolai*
vorftabt in bie innere (5tabt aurücf.
0 Da£ ginfterifyor. gürjrie ehemals ben tarnen: Xobten*
grabet Wie e$ j. 53. 1455 genannt wirb. 1489 fefcte ber
N)iatb einen $öäd)ter borten unb lie§ e£ Inhalten um ben
Pfarrer gu verrjinbern, frembeS Vier auf ben anftojjenben *<|}farr*
bof au fuhren. 3u neuerer 3^ ifi ta 3wgang $u biefem
Xhote, burd) weld)e$ im 16. 3abrh. bie Verurteilten (barjer
ber fct)male Sugang ber armen 6ünber ©apcl/en rjeipt) 411m
©algcu geführt würben.
g) !l)a$ 9ftfolai*hor. Da$ 9?ifolaitr;or wirb auf ben
elften blättern beö alten Stabtbucheä beim 3- 1305 genannt,
1344 ift vou einer «£>ofeftatt unter <£t. Wifolauä Sturme
jwifcfjen ber 9)?auer (wabrfchcinlid) bei Vierr;of. Wfolaigaffe
9Jo. 287.) bie föeoe. 137^ würbe ba$ innere unb dufjere 9ii-
folaühor (ber Vorbau vor ber Wfolaibriicfe an ber £uni$)
repartrt; ebenfo werben 1392, 1395, 1399 Sauten an beut X&ore
erwähnt, au weitem im 3- 1399 ^aloeifeu befejtigt würben.
1400 würbe ein neue* Überbau*, 1428 eiueSöebre über bandbe
gebaut; 1489 fe&te ber iKatb einen befouberen üBäcf/ter an baö
Xt)or, um ben Vierfd>muggel be$ Pfarrer* in bie innere Stabt
ju hintern. 1774 würbe bie jitgbräcfe unb baä gallgitter
an ber 9Wolau6brücfe beteiligt. 1818 würbe ba* »ifolait^oT
bie auf baö ben ffieg utd)t fperreube £l>ad)tf)au$ abgebrochen,
wobura> viel iKaum gewonnen, iuSbejonbere t)od) belabenen
ffiagen bie gabrt erleichtert warb.
h) 2>a3 Jfrflifttfeor. 1378 wirb etf noa) bezeichnet alör
äugereä Xfjor gegen (Kersbach f)\w} in biefem Satyr* fowie
1386 unb 1388 würbe e* reparirt. 1489 fefcte auch an bie*
fe* Xtyor ber Ncrtb einen Pächter auf frembe$ Vier aufeupaf*
fen. 3m £erbf*e 1559 Ite# bej ftath bie Stauern vor bem
Äreujthore bt£ an ben Kraben unb auf ber anbern <Seite bi$
iunt Veatäbmtjplafce erbauen.
i) $a* XetaVhot. ffiar wie bie äußeren Vorftabttbote
überhaupt von weuig Vcbeutong unb baber nia>t feft, wie bie
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698
%$oxt ber eigentüd^ert (Stabt. 9Jcan baute bie äufjeren X^orc
nur um einen erften Inhalt gegen Strajjenräuber unt> gewöhn*
ttc^e 9tttter vom Stegreife ut fyaben. 3)ah*r fommt biefed
Zljox in ben Stabtbüchern nicht vor, eben fo wenig wie
k) ba$ löpferthor.
1) 3)ad föeicbenbacher Xfjor, wirb juerft beim 3afyre 13()9
genannt. 1379 fam ein ^ßaUifabeit)Ottit um ba$ Xl)pr; 1388
würbe ed reparirt, ebenfo 1399, wo baS SBauwerf $ufammen-
geihlr$t war. 1521 wurbe ba$ Xbor mafjiv neugebaut unb
mit bem föunbel in $ertc)eibigung6yerbinbung gebracht. 1590
wurbe bie 33rürfe über ben (Kraben erneuert unb 1617 an Stelle
ber böljernen eine fteinerne gefe&t. 1640 ließ SÖancfe baä Xhor
zumauern; e$ würbe bei ber ^Belagerung jebod) fo jerfd)ojKn,
ba§ bie Saufen, na#bem etwa« aufgeräumt war, 1641 burdf
baffelbe ihren (£in$ug galten fonnten. 1706 würbe eine neue
3Öad)tjhtbe im Xhore gebaut, 1773 bie 3uflbrucfe "nb bad
gallgitter burd) eine gewölbte fteinerne 93rücfe erjefct, unb 1848
voUftänbig mit allen s3efeftigungen, foweit ftc mit bem Äaifer-
trufce in 5krbinbung ftanben, abgebrochen.
m) Das grauenthor. «£>atte früher ben Tanten: Steina
tf)or (man fagt von einer in Der 9fät)e befindlichen Steinme^
hätte) unb fommt unter biefem tarnen 1305 unb 1309 jum
erfteumale vor. Seit bem ©au ber Capelle Unferer lieben
grauen (c. 1344) begann man jtd} an ben SfluSbntcf: grauen*
thor ju gewohnen, obgleich ber $tu$brucf: Steintfyor auch 1399
noch gebraucht wirb. 1384 mußten bie SRaueni beimSchloife
unb grauenthore auf be$ «OeigteS Befehl gebeffert unb burch
ba* $f)or eine durchfahrt gemacht werben. 1388 wirb ba*
Z^orhaHd: „vor vnfer vrouwen vorfleige" erwähnt; 1391 wirb
bie 93rücfe: „vor vnftr grauwen üore" gebeffert, waS auch
1392 gefchah; 1398 wurbe ein jweite* Xhorr)ütcr|¥ibchen «ber
bem grauenfyore, bie Sßctnbe an ben treppen auf ba* Xhor
bef leibet, bie ßrfer gebaut unb ba$ $>ad) reparirt. 1400 er-
folgte ein völliger Umbau be$ Xhored; 1428 wurbe ba* Xhor
von Beuern umgebaut jum Schule gegen bie Äuftten. 81*
im 3. 1474 bie (Srlaubniß $um Abbruch beö Sdjloffed einging,
fnüpfte ber Sanbvoigt ©eorg v. (Stein hieran bie SÖebingung,
ba& nadj gesehenem «bbrudj jenes £aufe$ baS grauenthor
mit einer Saftet über bem äufjeren $f)ore unb an ber S3rücfe
3um Schufce ber Stabt befeftigt werbe, weiter 2Bunfd> 1477
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699
ausgeführt warb. 1558 würbe baS ©inbewerf unb ber t>er*
betfte runbe (Hanoi beim Araueuthore errietet; 1595 bie bei-
nerne Srittfe gebaut 17()6 baute matt ein neue* 2lcctfer)auS
unb eine neue SÖadjtftube. 1772 befeitigte man bie 3uabrürfe
unb überwölbte in 93erbinbung mit ben 1595 errid)teteu jteittep
nen Pfeilern bie SÖrütfe. 3m $uguft 1838 braa) man jwet
Xf)oreinaänge nebft ben $togelfd)miebwerfftatten innerhalb beS
ai rau ein hoi eS weg; im OTdrg 1847 braa) baS (Gewölbe in ber
haftet burd), weSfjalb man anfing baS Zljox einzureißen. 3m
3- 1848 würbe ber ^(bbrueä fcllenbet.
n) Ü)aS ßafyltrjor. 58irb beim Jatyre 1386 erwähnt unb
1388 erjagt, baß eS reparirt warb. £er Warne: StafyU, fommt
von einem 33ewofmer welajer in biefer Sßorftabtmel ©runbbefty
batte unb: (Salow DaS Xljox lag in ber Uuterfarjle, ging
1525 im $kanbe mit nieber, unb erfyielt, um meleS fefter auf-
gebaut, wegen feiner Starte ben tarnen: Od)fentr)or. 1833
würbe ein ifjeil bat>on abgetragen. Spuren ba&on ftnb nod)
ju [eben.
o) $aS Qßebertfyor. güfyrte früher ben Hainen: Pforte
unb entftanb aus einer 93efejtigung welche im 3- 1425 ber
£ujtten wegen aufgeworfen warb. 3m 3- 1 426 brad) man
biefer 99efeftigung wegen burd) bie Stabtmauer. 1429 arbeiteten
3immerleute an ber SÖebr l)infer ber 20 eberp forte. 1470 wirb
bie SBeberpforte al* 53aftci erwähnt. 1563 legte man bieXudj-
rafytnen oor ber SÖebcrpforte au unb befeitigte bie unfrudjtba*
ren Üfikinftöcfe, weldje biet barmt bort gepflanzt gewefen. 8tn
14. 3imt 1568 würbe bie neue Pforte jwifd>en bent 9ceijj- unb
grauentfyore, )u einem freien Ausgange zum erfteu 9ttale ge-
mattet. Damals faufte ber Hart) ein Stürf t'anbeS ju einem
©aßO)en in ber Stallt, oon bem Xua)mad>er granj üffienbler,
welchem biefe bis balnn zum (Metteibebau benu^tc gelbmarf
gehörte. 2tm 13. 9Hai 1578 fajlug ber $li& orjtte befonberen
(§rf>aben in bie «ßforten*$Jafki. 1668 baute man eine neue
$rürfe. 1769 legte matt ftatt ber f)öljernen eine fteinerne
»rürfe frei ber Worte an; 1792 würbe bie Pforte erweitert
unb abgepufct. 9m 1. flpril 1845 begann man bie Pforte
ab&ubreayn, wölbte eine Erliefe über ben ©tabtgraben unb
baute ein neues offenes Srjor. Die gortfefcung biefeS (£in*
gangeS, bie 2öebertr)orftra£e warb in ben 34teu 1846—1849
ttollenbet.
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700
25. SSBafferleitungen unb $lb$ud)te.
SBaffer, eines ber wefenttidjften ©ebürfntffe be* menftij*
licfcen ?eben$, tft in ®örli$, 5>anf ben &emuf)ungen unferer
SBoreltern in retd)ffc$em 3Raaße verfyanben unb burd) bie
6ffenHi(t)en Rohrleitungen beinahe in jebeö $aufl ju führen,
gur bic 9teinlfcr)feit unb gefunbe 2uft auf ben öffentlichen
2Begen unb «Straßen ifr gefer^t bur(t) große untertrbifdje, bei*
nafye- mann$f)od) gemauerte &6jüd}te, bie allen 6^mii$ nnb
alle Hnreiulicfyfeiten au6 ber ftocljgelegenen 6t«bt in bie 9?eiße
führen. (Sä ftnb S3auwerfe, wie fte in wenigen (Stäbten ($n*
ropa'ö in fo großer SWenge nnb 3werfmäßigfrü 3« ftnben flnb.
$on ben $but(fytcn ift gtierft im 3. 1397 bie 9tcbe^ wo
e£ in ben *Ratf>$red)nungen r)eißt, büß jn Duaberffetnen für
bie burefy bie Stabt gefyenbett $lb$tid)te 16 €>d)o<* mtb ju eifer*
nen ©irtern für biejelben 21 (5d)od öhrofcfyen an SRatfyte
^olcjfdjüwer au&jegeben würben. 3m % 1470 fa^eint bieä
allgemeiner geworben nt fein. Damals würben bie ffceinernen
^auprröfyre für bte iMbjuajte gebaut unb beinahe in jebem
4jaufe (Seitenfanäle angelegt, wofym bie fogeuannten „hoffen"
führen.
Da6 SRöfjrwaffer fommt au$ verfdnebenen Srunnen m\b
Seidjen, weldje außerhalb ber ©tabt liegen.
1) $>ie (Eiebenbrunuen, ftnb 7 Duellen in vier gemauer-
ten Srunnen vor bem fReidjenbadjer $r)ore, auf iRaufcbwalbe
äit gelegen, welche in einer QSerlunbung von 2892 (SUen bfa
in ben 9töl)r$wingertrog unb von bort auö in bie €tabt geleitet
werben. 95ei bem 93au ber fäa)f. fdjlef. (Sifenbafyn würbe bie*
fer Damnen im 3- 1846 abgegraben unb etwa$ naber ber
Stabt $u wieber burd) bte ®efcüfa)aft umgemauert. 3}ie Brun-
nen ftnb bei ber Üf)al4leberbrü(funq hinter ber reidjenbadjer
ßfyauffae nvifdjen @>irbig6borf unb 9faufd)walbe.
2) Daä *ßontewaffer, ebenfalls auf Siefen vor bem rei*
a>enbaa)er £f)ore fließt auö brei Duellen unb gefy 27Ö2 (Silin
weit in ben gebauten Xrog.
3) 5)a$ ftofenwaffer, würbe feit 1716 au$ 6 Grumte»,
beren weiterer r>inter bem ©tabtgraben auf raufdjwaiber 5*1*
bem verbeeft liegt, w4l)renb bie anberen näfyer im $&alc n*u$
ber 6tabt $u ftcr, befmben, bi* an ba* Setätyot 4728 Wtn
weit geleitet.
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70 \
4) Da« ^$eter«waffer ober ber 3ii3cift*Xkunnfn, beflnbet
ftd> in einem gemauerten Brunnen in $wei CueUen, befannt
al« ba« fünfte SÖaffer in ber ganzen £tabt. <£« wirb feit
1489 benufct unb in einer 9^öf>re burd) ba« beim l>eil.
<$rabe (in bejfen 9läfye e« entfpringt), unter ber SBrficfe auf
ber ©djanje bi« auf ben SWittel* Steinweg einerfette unb bie
£unifc anbererfeit« burdj ba« 9ttfolaitf)cr, bie Strajje hinauf
bi« $ur *l$eter«fira>e \>on ba tfyeil« bi« anf ben Äirdjberg,
tfyeil« burdj bir $eter«gaffe nad} ber *Rei£gajfe, twm JfiraV
berge nad) bem 4£>ainwalbe, ber tfräinelgaffe bi« auf ben
gifdjmarft geführt. 93i« jur *l*eter«fird)e vom Urfarunge and
betragt bie Settwig 1622 Glien.
5) Da« neue SBaffer fliegt au« bentfelben ©rutmen unb
wirb burd) bie ÄHmmerau, bie £älter, gleifd)ergafte unter ben
gleifdjbänfen bi« ?uv alten ^oft uub an bie Stabtmauer geführt.
6) Der @alomon«brunnen in ber grauen-^orftabt in ber
9)fitte bcr Satonwn«gaffe gelegen, würbe 1490 nad) bem neu*
gebauten grauenf)o«pital, von ba nad) bem Wabemarft, bem
Xopfbau«, ber #onnengaffe, in'« Softer unb naa) ber neue«
93abeftube geführt.
7) Da« Jftreujwaffer am Jfreujtfyor wirb burd} bie $unife,
ben ©raben, auf« lieber < Viertel bi« $ur töotfyergaffe geleitet.
8) Da« 50ranntweinwaffer, vor bem Xetdjtfyor, entquillt
redjter Jjpanb au« einem wrbedten fBnmnett, unb wirb 3Hr
ftäbtifdwt Brennerei auf ba« fogenannte üeidjgrunbfrütf geflirrt.
Diefe SBafferleitungen fönuen nottyigenfall« burd) waffer
au« brei $eid)en verftirft werben, weld)e ebenfall« in ber
oberen 93orftabr, jwei bawn bei ber weisen s3Kauer liegen.
V. tßtffenföaftU^e unb anbete fßtvcint.
1. Die oberlaufi&ifdje ©efellfrf^aft ber Sßiffenfd; a f ten
trat im 3. 1779 unter bem tarnen: einer „*prii>atgefelt*
fd>aft in ber £auft$" ittfamtnen, verlegte ifjren <Si$ nad) ®er*
li|j unb Welt bort jäfyrlid) viermal wiffenfdjaftlidje SBerfamm*
lungen <tb, in benen befonber« über bie (jeimifdjen Ser^Mtrrifje
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702
<8orträae unb $efprea}ungen ftattfanben. 3uglei<$ würbe eine
SBibliotyef, eine naturgefd)id)tlia)e Sammlung, eine 3Rünj> unb
Ultertfyümerfammlung angelegt, welrte burd) reiche ©eföenfe
raftt) Wulfen. Die ©efellfa>aft begann mit bem 3afn*e 1793
eine ben 3ntere|len bei tmterlänbifa)eu $ro»ins gewibmete 3«^
fdnift, unter bem Sitel: „SaufaifaV $ionat*fa)rift" rjetaue^
geben, welche eine Ü)ienge treffltd>er «uffä&e enthält unb er£
tm 3. 1808 wegen ber beftänbigeu Äriegöwirren einging.
9?eb«n biefer 3<W*rift war bie §auptaufmerffamfeit ber 3»ii*
glieber auf ba$ Sammeln »on Urfunben sur Erläuterung ber
©efa>ia>te ber Obertauft» gerietet, unb bura) bie Sorgfalt be*
Stmbifu* 3obel ju ©orli* waib e* möglra) im 3 -1799 bad
erfte £eft eine* Urfunben * Eeneidjni jfe* für bie Dberlaufifc
fjeraufyugeben, welche* im 3- 1825 mit t>em 2. $anbe r>or*
läufig abgefcfcloffen warb. £>ie £auph>ermel)rung unb StÄt-
funa erhielt bie ©efcHjtyaft bura? eine 8a)enfung ber «Mitglieber
t>. ©eräborf auf Weffer^borf unb Sdjwerta unb M Seua*
tor'S Dr. t>. Hittott auf über*9*eunborf unb ©roihÄraufaa,
wela)e nod) bei ifjren t'ebjeiten ber ,©efeUfa)aft befannt madj*
ten, bajrnacr; ifyrem Sobc alle iljre bebeutenben Sammlungen
an 93üa)ern, 3eidmungen, alten £aiibfdnifteu, Mineralien,
^(ifalif^en Apparaten, Lobelien, ©emälben jc, ber ©efelU
fcf)aft unter ber 93ebingung erb- unb eigentl)üutlid) werben foUien,
bei beren etwaigen Stoflöfung fämmtlidje ©egenfiänbe ber
Stabt ©örlifr ju einer öffentlichen Sammlung unb allgemeiner
SBenufcung gufaUeu ju laffen. 81$ biefe* großartige ©efdjenf bc*
fannt warb (in einer ^auprserfammlung), zeichneten bie ®e*
feüfajaftemitalieber utm «nfauf eine* $aufc* fofort 1329 5£t)lr.
3m 3. 1803 warb bie ©efellfajaft unter tyrein gegenwärtigen
tarnen burd) ein lanbe$f)errlid)e$ Privilegium beftätigt unb
als Korporation anerfannt. Die Budjerfammlung wucfyä nn-
aemeiu burd) ©efdjenfe unb i.wechnäjjige $lufäufe; namentlich
l)at bie JHubrtf: Sauftyifdje Sdjriften (Lusatica) einen enormen
3uwad)$ erhalten im 3. 1835 burd) baS $8ermäa}tni# beS
reiben SdjafreS biefer Ärt, Seitens beS Superintenbcnien
' 3antfe, eines ber grünblidjften unb flcifigften Arbeiter auf
bem ©ebietc ber langer, befonberS gorli$er ©efd)id)te, unb bie
auS bem sJ?ad)laffe beS ©el). Dber-SRegierungSratl^ t). Xjfctyoppe
in ©erlin erfaufte Sammlung von (SrubeliuS.. üBetuabc ein
voUftänbiger äorribor ift jefrt mit biefer lmerfrtopfliajen Oueüe
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703
für ben gorfojer flefüUt. 2)aS aWtrglicb $etrt fefrte 600 Xfyx.
Kapital auS, fceffen 3infen a Iii abritt uim Honorar einer
*ßreiSaufgabe benimmt ftnb. £ie @cfeUf$aft faufte 1803 -
auf bem Obermarfte ein 6auS7 red) trug eS fo fdjfedjte 3in
fen, baß man fola)eS 1804 wieber serfaufte unb beim Dr.
t>. Litton baS untere Stocfwerf feines ^>aufed (Sangengajfe
$o. 209.) mietete. Später würbe bura) baö ÜWitglieb t>. ®erS*
borf baS £auS 9to. 354 ber ©efeüfdjaft gefa)enft unb alle
Sammlungen in biefeS kn-ltdu' ©ebäube verlebt. 3Bie fdjon
gefaat, erlahmte bie X^ätigfeit ber ©efellfdjaft feit bem 3ahr*
1808, würbe aber wieber frifd) angeregt burä) bie vom bama«
Uaen DiatonuS SReumann feit bem ^alnc 1822 unter Sfltt*
wirfung ber ©efetlfdjaft herausgegebene 3eitfc^rift: „baS 9teue
2aufi&. 2Kagajin" (fortgefefct von t832— 1834 bura) Dr. th. $}e*
feheef in Titian), welche 1835 unter beS ^rebigei $aupt als
Sefretär Äebaftion junt VerlagSwerf ber ©efellfchaft erhoben,
bis jt'iu in 26 93änben fortgeführt worben ift. Sluper biefer
jährlich erfd)einenben Schrift würben unter bem Xitel: Scrip-
tores rerum Lusaticarum, 9ieue Jolge. 2 33dnbe mit (au*
iu3 ikIumi ©efchichtSquellen fyerauägegeben, welche in ben 3ahr«t
1836—1841 erfd)ienen, feit 1850 mit bem neubegonnenen
brüten SÖanbe wieber in ber 8i>rtfefoung begriffen finb. lieber
bie reichhaltige 93ibliotl)ef warb int 3. 1819 bura) ben fa)on
genannten 9ieumamt ein jwei SBänbe 8. ftarfer Katalog k-vauo =
gegeben, beffen britter 33anb gegenwärtig jur Verausgabe ror*
bereitet wirb. — £>er Vorftanb unb bie Verwaltung befteht
im 3. 1850 auS folgenben SNitglicbern :
*ßräftbent: SanbeS*2leltefter @raf tv £öben auf lieber*
ütubelSborf; Vicepräftbent: Stabtratl) Möhler; Sefretär: $ri*
satgelehrte 3ancfe; 93ibliotl)efar: Oberlehrer Zfäafäti, 9to*
fengaffe 9?o. 254.; Äaffirer; Oberlehrer £ertel; föepräfentant
beS £aufeS: Slpothefer Stabtrath SWitfajer.
iRepräfentanten Kollegium: 3Hfii&rath Sattig, *ßrebiger
£ergefell> Direftor Naumann, Oberlehrer «£>ein$e, 2(potl)efer
Stabtrath Strmje, Jtonreftor Dr. Strutte, *ßrofeffor Dtcftor
Dr. Slnton, Oberlehrer gecr)ner, $aftor «£>ird>e in SunnerSborf;
Dr. theol. et phil. *J$efd)ecf in 3ittau Mb ^afior Dornicf in
£airtewalbe (auswärtige 3)?itglieber).
3nfpeftoren ber wijfenfchaftlichen Sammlungen ftnb a) ber
antiquarifo)en: Jconreftor Dr. Smwe (im ßlojter), b) ber na*
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704
•
turfn'famfdjen: Oberlehrer geebnet {SnibeTgaffe 9lo. 14.), c) ber
p^ßfaHftyen: Oberlehrer £ertel (Demianipl. 9fo. 452/453.),
d) bcr ÄupferjtiaV unb ©ernälbe* Sammlung: *Prwatgelcbrte
3awfe ($reitegaffe 9to. 122).
äernmifftonen für Verausgabe ber @ejeÜfd)aft£fd)riften: a)
be$ neuen $auft(tfd}en ^Dragajfnä: ^rebi^er ^>aupt, fßrebiger
^ergefeH, Direftor Naumann, ^aftcr fyxdft $u Äunneräborf,
b) ber Scriptores rerum Lusaticarurn : Stabrratf) Nobler,
^rwargelehrte 3«n<fe, *Prebiger §aupt, f>r. phil. 9?eumann.
Die 93ibliothef ber ©efellfdjaft ift 3)onner$tag3 *o« 1 —
3 Uhr geöffnet. Wcht-Sttitglieber erhalten Sätfytr gegen €ai>et
rinef ©efeUf(fyaft$*9XitgJiebe& ©Je Sammlungen treiben bar<$
ben Sefrrtär unb bie jnfpeftoren gegeigt.
2. Die naturforfrtenbe ©efellfdjaft iu ©örlifc
würbe ant 9)tia)aeliäfefte 1823 geftiftet unb bafjer an biefem
ftage immer bie £aupft>erfammlung abgehalten. Die ©efefl-.
f(t)aft r)at ihren 3 werf : ^eförberung ber ^aturfunbe, 3nbnfrrie
unb be6 ©ewerbewefend immer v>or Xugcti gehabt Hnb 5vlf>tt
eine grefe SWenge Witglieber. Unter bem litel: „^fb^anb?
hingen ber naturforfdjenfcen ©efettfdjaft ju ©crlifc" erfahrnen
von 3^it W 3e^ Sammlungen ber @Jefeltfa^aftäfa)riften. Die
©efellfdjaft r)at eine fehen$wertr)e prnitfyologifdje Sammlung,
and) eine nid)t wertfylcfe $Ktertr)umerfammtung; bie $5iblictr)ef
enthält uameutlid) SÖerfe tecfyntfcfyen, pt)wfifalifa)en unb n<itux?
hiftorifdjen 3nl)a(t£, ift aber wenig umfangreich. Ü)ie Samm-
lungen finb &u fel)en Donnerstag von 10 — 12 llljx ItBcrmit*
tagö im 1. Stotf beö £aufe* $eter$gaffe 9?o. 277. Die
Vertretung ber ©efellfdjaft ift gegenwartig folgenberm afien )u*
fammengejefct: 1. *ßrdfibent: @el). Ob.^nftijratb a. D. Stabt*
ratr) Starfe, 2. ^raftbeut: Oefonoime*3tommiffariH$ 4paupt'
mann 3^mme*,maiin , ©eneral^Sefretär:1 Oberlehrer gedmer,
33ibliotl)efar nnb 3"fpeftor ber ?flterthumerfammlung: *ßrit>at<
gelehrte 3anrfe, 3nfpeftoren ber 9?aturalienfammlung: «£Mrte
unb XobfaS. Oefonomie<SeTtion: 3*orftanb: Oefonomte^ont;
miffariuS ?c. 3immermann, Sefretär: Oefonomie^ftommiffartuS
t>. SttÖllenborf. 3)iebi^inifcf)c Seftien t>er flerjte: Söorjtaub:
Äreiöpr)i>fifuö Dr. sD?affalien, Sefretär: Dr. 5Metfa>. Ze$nc*
logifd)e Seftion: SBorftanb: Mpotjhefer Stabtratb Stnwe, Se-
fretär: Kaufmann ©uftat> 6a)mit>t.
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»
3. Der ©en>erber>eretn
*
würbe burct) ben SEBunfd) unb ba$ vereinte 3ufammenw*rfen
mehrerer Bürger fytefiger ©tabt au3 ber Älaffe ber ©ewerb*
treibenben am 1. 9Rär$ 1830 in* geben gerufen unter bem
«orfifce be* ©tabtbaurarr) 2ßemr;olD, unb f)at ßct* an 9Rit-
gliebern jugenommen. 3m Sßintcr »werben allwöchentliche
*tbenbt>erfammlungen gehalten, in benen, unterftüfct burch bie
feit bem Safjre 1840 begrünbete griebrid) * Wilhelm* * (Stiftung,
Vorträge junt heften gegeben werben, «uperbem bejtebi ein
Sefejirfel technologifeber ©ebriften, eine $ibliotbef unb «Wobell*
fammlung. $8on 3*\t ju $ät »erteilt ber herein Prämien
an 3öglinge «£>anbwerferlehrling$fdwle, ©Triften tedmtfdjen
unb öronomifchen 3nr)a(td unb hält ©ewerbeaudftellungen ab,
r-eren lefcte im 3ahre 1847 ftd> ber regften unb größten ZfaiU
nähme erfreute. (Sin Dircftor, gegenwärtig 2tpothcfer ©tobt*
ratf) SWtföer, ein©cfretär: Sifchlermeifter ©oben, ein tfafftrer:
©tabtratl) 2lpott)efer ©truye, ein ©tbliothefar: Äantor SeuSler,
welker ftetd im ©ommer Donnerstage von 1—2 Ufjr, im
SBinter ©onntagö son l -3 llr)r bie im 2. ©toef M Saage*
gebäubeä am Untermarfte bejütbliche SMbliothef öffnet unb fünf
&orftefyer: Appreteur Döring, Kaufmann Dettel, ©tabtbaurath
5ßeint)olb, ©tabtratt) Jtötjler unb SBagenfabrifant SüberS sen.
leiten bie ©efctyäfte be$ Vereins, ber fid) mit mehreren anberen
in SBerbinbung gefegt t)at.
4. Der ©uftarj*5Äbolf*3wd8ttmtn
trat am 12. ©eptember 1844 für bie Greife ©örlifc, fRofytn*
bürg unb £otyer$werba gufammen unb bat ftd) feitbem einer
ftetö regen Ztyilnatyme ju erfreuen gehabt. Der in ber erfien
©cncraiverfammlung $um *Bor|t$enben gewählte £anbe$ältefte
©raf v. Söben ijt nod) h*«te ^orftanb beS Vereins. Die 93e*
fiätigung ber ©tMuten erfolgte am 30. SMq 1845. Die
jährlich gehaltene £auptw(ammlung finbet nach einer firdj*
liefen geier ftetd im ©aale beö ^anbhaufeS bei ber Cetera*
firdje fiatt.
5. Der «£>anbwerf er*®efcllen*@efang*$8erein
befielt feit bem 3ahr* 1843 unb ift burd} ben Drganift ©ör*
mar, Kantor XeuSler, Sehrer Äabftein u. 31. begrünbet. eine
SMbjwrigung beffelben ijt:
«efd>id>« ton ©örli*. 45
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6. Der Sängcrbunb
feit bem 3af>re 1847.
7. Die 5Reffourcen*©efcllfdj>aft
(Jin herein pi gefeüigen $ftc<ta, weldjer in ber dfrif>lf
9to. 1088 ein etgened ©runbftücf unb £aHä nebfi Clauen
anlagen beftyt. ®äftc werben buräj 9ftitglieber be6 SBereind
eingeführt. 3m £efc$immer biefefl herein« finbet man eine
grefe SJtcnge 3«tan9™-
8. Die Societät
@benfo ein gefetliger herein, beffen ©runbfhttf bem vorigen
gegenüber £ar>le 9to. 1080 liegt Die ®efeUfa)aft (jar tiefen
©arten verpaßtet unb macht nidjt ftnfpruä) auf alleinige $3e*
nufcung beffelben. Donnerstag* unb Sonntag* pnben bort
geroöVnlia) Goncerte jiatt.
9. Die SBürgerreffource
ift am 29. Januar 1807 gegrünbet unb beftfct ein ©nrabfrücf
gangengaffe 9to. 193. 9tiä)t ntinber ift bem gefelligen Ser*
gnügen genribmet:
10. Der Sürgerserein,
eine 2lb$roeigung ber ©ürgerreffource.
WL f&ibliotfythn unb Sammlungen.
1. Die tfiraVnbibliotf)ef ju St $etri unb $auli.
Der eigentliche Urfprung biefer efyematö beocutenberen
Südjerfaramlung, alo fold>e gegenwärtig ift, lägt fta) auf bie
Sajenfuna beä ^refctger ©ofa)ufc in feinem Xeftamente tont
3afyrc 1439 jurürffüfjren , naa) welcher er ber St 9ftfolat^
unb St $eterd!tra)e feine SDcanuffripte vermachte. Diefe
Sammlung ift fpäter an bie Scfjulbibliotfyef unb mit biefer
auf bie 9ttiltayf(r)c ober 9catr}l>au6btblictr)ef gefommen. (Sd
'waren natürlich meiftenä tr)eologifa)e üftanuffripte. 9$üd)er,
»elcr)e ttjeilweife noä) in ber Jhrdje oorfyanben fmb, fünften
im 16. 3af>rt>unbert ber ^rebiger M. SBolfgang Sa>oftcl (Sä^
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'
ftdintf), im 17. 3«fafyunbert ber «ReAtSgele&rte 3gnatiHö
Voller, nnb, roie ed fdjemt, ein ©uc^binber, Atomen* 3afüb
6to$. Xie ©efdjcnfe beftanben meiftenti auö fettenett Söibef-
brurfen unb (Eoncorbanjeit. 3n ber erflcn £älfte bc$ 18. 3*1)**
bunbertö fdjenfte ber Wbvofat unb rKatr>öcjcviwt>t^profurator
(irbni. SDcaty einige feltenc 3$üd?cr, barunter bie feftene 9Ut$gabe
betf ^euen 3>ftament6 au* bem 3«tyre 1516? ferner ein 93itd)*
binber (Ifniftian ©cfyäfer 12 93änbe Arroales GoWicenses Ijanb*
fdmftfteh; SWicfjael ©unfrei föenfte ba« $fafftfte 9Jibeto>erf
mir Tupfern. Die ^airptoermeljrHng erhielt bie SMMiotljtf
burd) eine $üd>erfamm(un$ be* Primarius Wcumaun im %
1763. Der Äatccfyet ©ierfcfyner, ©cfyfcager bed Vorigen, an
ber *ßcter$fird)e ju Stegnifc, Cegtrte 100 £f)lr. für bie Ätrdjen*
tobliot^ef. 3efct ifl ftc &iemlid> in SSergeffen^eit geraten.*)
2. Die fUtilidndje »ibtio^ef.
©eaenwärtig ira jroetten ©toef be£ *Ratf)l)auje$ aufgeftefft,
ift eine Bereinigung mehrerer 'Bi bltotbef en unb hat ben Jpaupt-
ftufdjuf burd) einen 9Ridjt*®orltt}er: l>cilid) erhalten, naefy beffen
tarnen fie im MgeutrincR benannt ttirb. Die ©runDlage
berfelben bübet bte )&>on im 14. ^abrbuuberte im gran^iesfaner-
flofter, ftäter, feit ber (Srridjtimg ber Jtlofterfc^Hlc, im 15. 3afyr*
fyunbert, »efentlidj vermehrte 3Wdnc^öbibUotr)ef. Dies jinb
meißenä £anb fünften tbcologifcben jnbalt*, alte s-ßulgatenr
(Srflärungen ber heiligen ©djrift bnrdi bie JiirdKitvätcr )C.
3h SBermefyrung berfelben ftnben ftdj viele fiegate in ben ©tobt*
biidu-rn, rtjeild in SBaarent, t bei 13 in 93üct)crtt, bar unter bte
von Slnguftin $ir$berg, ©regortuä (Snbermann unb ©eorg
©cfyrcarfc befonberö ju nennen jtnb. 1565 ging biefe ©Motfyef
an ba£ ©Dmnajtum über. 3m 3- 1615 famen circa 500
Söänbe au$ bem SRatfylat? beä Dr. jur. Daniel ©taube unb
1676 be$ Surgermeifterö Dtetrid) fciel Sit^er pfytlologifdjen
Snljalte an bte $ibliotf)cf, Itätyc 1712 burd) ben iKeftor
©roffer in 6 Älajfen: a) tfyeologffcfye unb fir^engefd^ic^tli^e,
b) jurifttfdje, c) mebijmtfdje, d) pfyiloftylnfdje, e) ^flortfdje
unb djronologifcfye, f) öermtf^te : Philologica, Oratoria, Poetica,
•) Srutfner, .Rurfcc #itiodfcbe 9lad)ricf)t üört fcer ÄirAfn*^i8Hur^if
&rt> bfr $auj?t*£irtl>e ju <5. <S. tyttxi unb $auli in Gtötty btim Htrt*
45»
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georbnet würbe. 2)ie SWanuffripte waren befonberS in einem
fKepofttorium aufgeteilt. $>ie ^auptvermefyrung würbe ber
Sötbliotljef buraj ba$ Xeftament beä Slbvofaten ber gürflen*
tljümer 6ct;weibni& imb 3auer, 3of>. ©ottlieb Sflilia), am 26.
3«li 1727 $u H)eü. 9taa) einigen ©djwierigfeiten Seiten*
ber faiferlia)en Regierung ui 93re$lau unb nad) einigen SMefc
ftählcn (Seitens ber 3efiiiten, wela)e namentlta) eine wichtige
bie ©egenreformation in Sa)leften unb 93öf)men fett bem 30-
jungen Kriege betreffenbc (Sammlung von fyanbfdjrtftudjen
3)ofumenten unb Spieren wegnahmen, fam cnblid> bte 33i-
bliotyef naa> ©örlifc, fo baß fie am 30. £>e$ember 1727 glücf*
lid) im *Ratl$aufe aufgehellt war. @$ erfolgte an btefem
$age eine förmliche (£inweil)ung$feierlia)feit, ber bte (Belehrten
ber <5tabt beiwohnten. ÜJiefe Sammlung enthält eine große
Spenge prachtvoller alter l)iftortfd)«r Sammclwerfe unb einen
großen ©d)ä$ an ^anbfäriften, namentlid) ttalientfdjen; unter
ben flaffifdjen Slutoren ift eine «£>anbfd)rift be* Sallüfi unb
bcS tfufian befonberS berühmt. Unter ben 3)rucfen erwähne
iaj nur: Du Chesne, Script, rer. Francic, VI. 33be.f unb 22
golianten von Muratori, Script, rer. Halicar., weldje man ge-
wöfjnlid) nur in ben 99ibliotf)efen ber £aupt* unb 9ccflbcn4*
ftäbte finbet. 2lucr) gegen 500 ÜBünjen famen bamal* &ut
93ibliotf)ef, we(d)e burd) mehrere Legate für einzelne gäcfcer:
®efd)id)te, flafftfdje Ätiologie k. vermehrt wirb unb je$t circa
9—10,000 Sänbe fyaben mag. Slußer biefen regelmäßigen
vom SDcagiftrate überwachten ^n'fa)affungen erhielt bie öibliotbef
aucr) mancherlei @cfd)enfe, tnSbefonberc in £anbfd>riftcn, welche
ber SDcagifirat fonft ju feinem @cbraud)e in ber 6q"|lonöfrube
ftel)en t^atre. Severe fmb meiften* red)töwiffenfcr?aftlid>en 3n*
JjaltS, wie j. 33. bie alte #anbfa)rift be3 Sacbfenfpiegel* au*
bem 14. Satyrfninbert, wela)e faft allen £anbfa)riften tiefe*
9tcct)t$bud)eö vorgewogen wirb; ein paar ^anbfdjriften ber
Blume beö 9te<r?te< (flores) von Scifolauö Sßurm u. a. 3n
Sejug auf lauftfcifdje ©efcbtd)te ftnb eine große beenge Samm*
lungen über bie verfd)iebenften Materien, inöbefonbere Original
fyanbfdjriften be$ gorfa)erö Äloß auä ber Sammlung beä etye*
maligen ©ürgcrmcifterä 9lcumann, ber Sibliotfjef einverleibt
worben. ©eber über bie Drucffaa)en noer) über bie $anb*
fünften eriftirt ein gebruefter Katalog.
$ie BiMiotyef ift bura) ben ÖiMiotycfar ^rofetjbr Dr.
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Natal jeben H)onner$tag unb Sonnabenb von 2 bid 4 Ur)r
Nachmittag* geöffnet. Sucher werben nur gegen Savet beS
©Vnbifuö auggeliehen.
3. Sie ®9mnafial;$lrmen*$ibliothef.
Set Der SÖtenge von Schülern unb ber großen 2lrtnuth
ihrer ßttern fehlte c$ oft an ben notrnvenbigften Schul-
bäd)ern beim Unterrichte unb eä trat ber galt häufig ein, baß
mehrere Schüler nur gemeinfchaftlich ein 33uch benufcen tonnten,
tiefer Umftanb veranlagte am 15. 9Jcai 1751 eine Sekret*
fonferenj, welche nod) fünf anberc hervorrief unb in bereit
fechten am 26. 3unt 1751 ber 33efchluß gefaßt nmrbe, $ur
2lnfchaffung von Sd)ulbüchcrn für arme Schüler einen gonbd
ui begritnben. Die SBibltothef roarb burd) eine freiwillige
(Sammlung ber Lehrer unter (ich begritnbet, fpäter burch ver*
i \luebene (Einnahmen beim (Sinfchreiben in baä Schul* 2llbum,
beim Abgänge von ber Schule Mint ?luffchlag auf baö Schul«
$eugniß unb bura) freiwillige 93ücherg efdjenfe ber Schüler be*
beutenb vermehrt, jumal immer gtvifchen 2 unb 300 Schüler
baä ©tytnnaftum biö $um 3ahre 1837 befugten. 2)ie ba*
maligen neuen Schulgefcfce regelten aua) ben jur Sibliothef
bejttmmten Seitrag, 3n neuerer >n, feitbem bie billigen
Stereotypausgaben inäbefonbere ber flafjtfchen Tutoren auf*
gefommeu nur, ging man von ber ^nfer/affung eigentlicher
Schulbücher ab unb taufte mehr Kommentare unb gute 2lu$*
gaben mit Slnmerfungen jum Selbjtftubiunt ber Schüler. 9ca*
mentlich h^ gegenwärtige Stbliothefar JDberlehrer Dr.
Siööler in bem langjährigen 3«iraum ber Senvaltuna biefe*
Untied eine beinahe vollftänbige Sammlung beutfajer Älafftfer
unb 9)cujterfchriftfteüer forgfältia. jufammengebracht. Sticht $u
überfehen ift bie, £anf ben tvetfen Bemühungen unferer Unter-
richtSnümfter, burd) jährlichen Saufa) eingeleitete Sammlung
von Programmen beutfeher Schulen unb ©ijntnafien, roo fo
manches Xrefflid)e fafx unbenutzt verborgen ift. föchte eine
3ufammenftellung in einem Programme einmal ^ier eine gute
Ueberftcht bringen!
4. 2)ie Stbliothef ber ßberlauftfcer ©efellfchaft ber
SBtffenfchaften (f. oben S. 701.).
5. Die Bibliothef ber naturforfchenben ©efellfchaft
(f. oben S. 704.).
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6. Die 9?ib(iothef ber höheren ©urgerfdjute
ift, wie bie oben beim ©tymnaffum erwähnte, bei $egrünbuna
ber fyöfyeru 93urgerfdmle in$ geben gerufen, unb vontebmlta)
für Selker unb 6a)üler biefer anjtait befittmmt.
7. Die »ibliottjef be$ GJewerbevercin* ([.eben 6.705.)
8. Da$ natttrfyiftorifaje Äabinet ber fyöfjeren
Surgerftbulc
würbe bei ©elegetttyeit ber ©raubung jener StnfiaÜ auä bem
Bladjlaffe beö Äegierungdratljeä 9coibea>en gu Siegnifr vom
flßagifrrate erwerben um> bietet eine nia)t unbebeutenbe gut
erhaltene Sammlung von (Säugetieren, Sögeln, Ifieni, &m-
probten, giften, 3«feften, ßond^üen, ^flanjen unb Mineralien.
3n Ufrter 33ejiel)uug wirb freüidj biefe Sammlung bureb bte
audgejeidjnete ber £)berl. ®efeüfa)aft weit übertreffen. Da*
Jtabinet ift int vierten Storfwcrfe beä ^fadjenfdjulgebäube*
auf bem gifdjinarfte aufgehellt unb wirb buren ^ermittelung
bed Direfou* ber fiebern ©ürgerfd>ule, ^tofeffor itaumann
(»angengaffe $o. 168), gezeigt.
A. £)effentlia)e *J*arf anlagen.
SJJenn man auft bem 2öebertf)ore tritt unb bte gerabe
Straft biö jum ^Sorttfuö verfolgt, fyat man red)t$ unb linfS
bie ctvea 15 3a^r alten *ßurfanlagen. Die vom Sabrc 1829
bf£ 1832 vom *Jßerttfu3 au$ angelegten vierfachen Staumpflan-
lun^eu, beren mitteile beibe *Hetl)en £inben jtnb, fuhren bei
kern 2BilfjeIm$babe an malerifa)en ©artenfjäufern vorbei unb
(fiten auf bie JDbermüfjlberge, wo fta) ber grofe ttifenbabn*
vtobujft über bie 9Wjje am heften prafentirt, unb im $fnter*
grunbe be$ angenehmen XfyateS bie blauen ^ö^enfetten be*
$iefenaebira,e8, ber £afelfta)te, tyi SBotylifdjen Hammes unb
ber $efafen.§äg$ be» ^orijont begrenzen, iief im ®runbe liegt
bie Dber * SWufjfe, getrieben von ben raffen Selten M
giuffed. $kn bort aud führt eine SSrürfe, unter weldier bie © chie--
nen naaj bem im £intergrunbe erfc^eineitben bet^ürmten $at)n*
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rjof6empfang$gebdube liegen, $u einem T^clrn^cqc, ber jtmfdjen
sJBiefen unb Werfern naa> Der 3ütauer Strajje Einleitet CDiefcr
ga tue weite \m mit Sommer^dufern unb fronen ©artenanla*
gen begrenze nur aleidjfam üben acte Waum, war vorrnal* bie
»tfaveibe für Das 93ieh ber$ürgerfa)aft unb mitfdjwadjem@rad<
wu^fe bebetft. (£r gehörte 311 bem Dorfe ßonrabeäborpf) ober
Jtunqenborpr); fpäter fjatte ber Statt) einen Dbftgarten (pomoe-
rium) in biefer ©egenb. 1566 fyiefjen bie gelber binter bem
6cr)eibenftanDe: bcr Herren ©ärten. 1580 würbe ber ©djüfcen^
garten mit einem 3<wne von ber üßiefyweibe abgegrenzt. 1738
legte ber fpdtere 93urgermetfter SSellmann bie Sinbengänge von
ber <5alomon6gaffe bi$ $um Stfn'efjfyaufe unb längs be0 6a)ü$en*
l)aufe£; 1741 bie Sinben-StUee am ©a)ü()enwege an. 1752
würben bie ftnben auf bem grünen ©rtiben unb vom StahU
thore in ber Unterfaßte an Mint ben Sauinfpeftor ^etpner
8epflan$t; von feinem 9(aa)folgcr $era)e bie $inbenattee in ber
eil. ©rabägaffe. £e$terer errichtete aua) bie 1848 bei $lanirung
beä Demianiplafceö befeitigten Sinbenallcen unb s£ttd)enbecfen,
im 3. 1777. 1782 legte man ben (früher mit grünen Herfen
bepflanzen) ©ang von ber Stallt bis m ben <5tabtfd)eunen
an, weiter 1847 unb 1848 verbreitert unb d?anfftrt würbe,
Tett 3. 9uguft 1816 ficllte man ben bei ber (Srbbulbigung
am 3. Sluguft 1815 betrübten bohemen Xempel bei ben oicu-
nen auf. Die Anlage ber Vliiee von biefem Xempel, welket
1840 burtt) gegenwärtigen Muntifuo erfefct würbe, ift fa)on m
waßnt. 1843 würbe ein b*fonberer ^arfgärtner gur Pflege
ber Anlagen ang efteilt unb tbm 1844 eine SBoßnung gebaut,
von welcher au6 fid> bem flirte eine boebft reijenbe 2iuöfidu
enthüllt. Die fdjönjten fbifhfyen ber «Stabt ftnb auf ber £ölje
vor 3iaufa)walbe, auf ber f (einen 3dwme, auf bem neuen
Äirdjbofe, auf ber 9totl)enburger 8 träne in ber vJtabe ber ©olb*
grübe, auf ber hoben cebame jenfeit ber ^ceifie, auf bem ©ange
am Vergab bange vor 8oren|'3 SBorwerf (9ceifjvorftabt), auf
bem ©ninbftücfe be* Ufjrmaajer ^attpt beim Stoljntyofe.
B. Dem $ub(tfum jeitweife geöffnete ©arten.
a) Der €ocietdt6garten, an ber Sebertr)or|tr«|je, wa
gewobtilirl) Sonntagd unb Donnerftagä im <§ommer ©arten*
(Sonderte, b) Der ©arten, Stallt 1082 , wofelbß juwd*
len feonaerte ftnb c) Der ©arten be$ 2Bilbelm$babe$ auf ber
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*Promenabe. d) Der *Reffourcen*®arten am SBebertljor if* nur
burefc» (5tnfür)rung von ÜJcttgltebcrn ui betreten, e) Der €>d)rif*
felTfö* ©arten tn ber Äable, beren gegenwärtiger 93eft$er an*
ftänbigen *ßerfonen fer)r gern ben Sefua) beä frönen *ßarfed,
welker aipifdjen ber Unterfaßte unb bem 6d}ü$emvege liegt,
ITH. 2Rerfwürt>tgfetten unb ^Jartieeti ber
ttmgcgenb.
gür Steifenbe. tvclcfye ftd> einige merfivürbtge Tanten tn
33e$ug auf bie tyier jufammentreffenben Halmen anfefyen wollen,
ftnb ju merfen:
1) Der 93af)itr)of, für beibe ©efellfcfyaften, bie nieberfdjL*
märfifetye unb fäcbfifd) *fa)lefrfcbe eingerichtet. Vic^t vor bem
grauentßore an ber 3'^"^ Qtyauffee auf ber (Stelle beä ebe*
maligeu 3aniiafd)'fa>en ©runbfiücfeS, roelajeö ein alter iRitter*
ljof war, in bem im 3- 1641 bei ber Belagerung ber (Btabt
ber (Sfyurfürft von Sacfyfen, unb im jtebenjäbrigen Kriege auf
einem Durcbmarfaje grtebrid) ber ©rofe ifyr Hauptquartier
hatten Die 3 tan Faune ba$ ©runbftütf, welcbe$ $uUw
bem SDcaurerm ei fiter Wepler geborte unb verfa)enfte eä Öefyuf*
Anlage be$ 5)at)nl)of$. (£r nimmt einen glädjenruum von 6853
D. Ruthen ein. Da£ (£rpebitü>nögebäube tn in einer xHvt r»on
Jtirdjenftyl gebaut mit 2 Stürmen unb von feinem fiacben
Dadjc eine vortreffliche 9lu$ficbt.
2) Der 9ceifjviabuft crfjebt ftd} vom gewöhnlichen 2Öaffer=
fpicgel biö atv s>3abnbobe 112 Auf*, aber 140 Auf; über ber
<5or/le beä tief jl gegrünbeten SÖafferpfeilerä , bie gange be$
*Biabuft$ betragt 1506,5 Auf? unb beftet/t au6 30 balbfretö-
formig überwölbten Oeffnungen, von benen bie 3 bem linfen
bofyen Ufer gunäctyft gelegenen 71 guf?, bie 3 barauf folgenben
60 guf , bie 5 näcbften 40 gufj unb bre übrigen 19, in brei
©ruppen verteilt, 30 Juf weit ftnb. Die Breite befl für ein
Doppeigleid eingerichteten SBtabuftö beträgt 27 %n$. Drei
Söafferpfeiler ftnb auf, von 6punbroänben umgebene ^fatylrofte,
12 $feiler ftnb auf gewaebfenen gelten unb bie übrigen ber
(Sifenbatynanlagen.
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Heineren Sögen auf eine fefte <Sanbfd)id)t gegrünbet $a$
Material biefem Sauwerfe befielt au$ fettem ©ranit, wel*
d?er m ben ty2 ÜReUe entfernten &ebjtemer Stödten gewonnen
wirb. 3« b*& ©ejimfen unb ©elän&cr*3Jcauern ifl ^odjfircfjer
Sanbjtein t>erwenbet. Die 53rüdt fofiet überhaupt 640,686
Sr;lr. 26 Sgr. 3 $f., alfo ber laufenbe guf? 428 Xfjlr. Die
Srücfe ift am Sefien von ben Dbermüfylbergen überfein.
3) Der öennertbarfer Stabuft ift 479 guf lang, 36 gut?
fyorf) unb bef)e|t au* 11 r)a(bfrei£förmig überwölbten Deffnun*
gen, )>on benen bie äufjerften, welche al$ 2Begebura)faf>rten
bienen, 32 gufj, bie übrigen aber 18 gu£ Spannweite erfyal*
ten fyaben. Die an ben Xfyalränbern ftefyenben $fetler ftnb
auf feften «Äied gegrünbet, bie mittleren nod) mit (Spunbwän*
ben umgeben, Der Siabuft iß von feftem weifen Sanbftein
erbaut, weiter in ber ©egenb von «£>oa>fira) bira^t. (Sr foftet
überhaupt 58,141 flfjlr. 22 6gr. 6 $f. Der laHfenbe gup
alfo 121 £f)lr. 11 Sgr. 5 $f.
Der Setradjtung werty ftnb nod) bie gelfeneinfdjmtte ber '
Sar)n bei $enner*borf, £eopolbdr)apn unb sJRot}& welche un*
gemeine Sa)wierigfeiten gemadjt r)aben. (Sbenfo auf ber fäa>
|tfa)*fa)leftfcr)en @tfenbat)n ber (£infcf)nitt unb Sau bei ben fo*
genannten Sajrtbelteidien hinter ber baufcner (£t)auf[ee auf ftaufay
walbe su.
2Beitere angenehme Spaziergänge ftnb nad) 9Jto)6, jen>
feit ber Wei&c, tf>cilö auf Der Seifcenberger Gfjauffee, tr)eü$
auf einem gußwege über ba$ SBetter'fcfye Sorwerf, nad? ge*
fer)el)cner lleberfal;rt über bie 9feif?e bei ber übermüde, ju
erreichen.
Die 3nfel am oberen 9?ei(jfluffe bei beit Dbermüfylbergen
gelegen, ift feit bem $txb\t 1849 ein beliebter 3krgnüguugäert.
gerner 2efa)wi&, 1 Stunbe »on ber Srabt; Stabmeri^,
2 Stunben »on ber Stabt (wofelbft baä gräuleinftift 3oaa)im*
ftein mit feinem fa)önen ©arten), 1 Stunbe oon bort ba$ in
altertr)ümlia^em ©efdjmarfe reftaurirte Sdjlojj ^ornuifc.
9tad> Aenneräüorf werben, (aufgenommen ben 3Rittagd*
jug um 2 u^r) bei jebem &of)lfurter 3uge $affagtere mitge*
nommen unb Sületd für $in< unb £Rücffabrt (3. Sit. 2% Sgr.,
2. &(. 5 Sgr.) ausgegeben. 3n ber 9täbe biefeä jDrteä ge*
wäfyrt ber Äalfjkinbrua) unb ber babet befinblidje jieile mit
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bem fogenannten Xeufelflftetne gefrönt* «fmgel einen frönen
Umblicf auf bic Umgegenb.
33et weitem belobnenber ift bie Sluötlcbt von brei bereu
teureren ©ergen unb ©erggruppen in ber ^cafye von ©orlifc,
ber SanbeSfrone, ben ijauermcfer unb Jtönigdbainer bergen.
Die SanbeSfrone.
tiefer 1303,6 par. gufj fyorje, nur eine ©rnnbe wejtlid)
von W6rln> gelegene 33erg, an beffen Anne in ®xop unb^lein-
$ie$nt$ für ben Chrauitfungfucbenben ebenfo geforgt ift rote auf
beut 33erge burd) bte AieiuelTcfie ^ejiauraiion , gewährt eincä
ber pradjtvollften ^anorama'ä in ber ganzen Überlauft^, lieber
ben $erg felbft unb alle* wifjenäwürbige in $e$ua auf mitte*
ralogifäe SBcfcbaffenfjeit, botanifdje (£igentl)ümlia)i:eiten, *Sh$*
mtt unb @efdjid)te gewährt eine f leine Sdjrift: „93efd)reibuna,
ber l'anbeäfrone bei ©örlifc nebfl ben (sagen unb ber Q)etd?id)ie
biefe* 93erge$. ©örlifr. 1847. 82 6. 16. Verlag von
©ottbolb ^einje u. (Somp.", welche foworjl in ©örltfc ald auf
. bem öerge p fyaben ift, fjinlänglidjen Muffölaji.
Die 3auernirfer $erge.
Der 2Bcg von ©orlifc nad) 3*uernid fann trjeilä unmit-
telbar auf bem gufnvege über 5Me$ni&, rbeilo auf bem Satyr*
wege über ©ieämtj, am angenefymften aber auf folgenbe Üöeife
gewählt werben. üRan gebt burrf) ba6 Aiauentbov bie x\afobo
ttrape fyerauä, folat beren Verlängerung, ber 3<^uer errate,
Luict>t bei ben ©embergen rea)t$ ab naa) bem s£ie3ni$er Ibale,
von ba an ben gujj ber tfanbeöfrone unb bann über oad boaV
gelegene Äunnerwifc nad> 3<uiertücf. Dort fmb jwei $erge,
ber ©urg- ober 5treut.berg unb ber 93ttfaV ober ^ofjberg.
©ei beiben 53ergen fyerrfcfjt ber ©rantt vor, befonbert auf bem
©urgbereje. Der ganj mit ffialb bewacfyfene ©ufd)berg fyat eben*
faflä faß bid an bie tfuppe ©ranit. (Stwa breiig Schritte
vom ®tpfel jeigen fic^ 93afaltgefa)iebe, unb auf ber böcbften
mit ©ebüfd> bewadtfenen ituppe ragen f leine vier* unb fünf*
feitige 3k faltfaulen unter ber bräunlia) grauen Dammerbe vor.
Mein weit bavon liegt eine fleine feffelförmige Vertiefung, um
wela^e ringsumher ©afaltfäulen. trtuf bem e. 770 guf boben
©erae liegt ein Dörfa>en, 3auemtcf (Jawornik = ^bornborf)
welches jweifelioä einer ber und befannten dUcfltti Orte ber
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Oberlaufs unb au* ber (5a<je na* baö erftc Dorf fein fofl
wo $u flavif*er 3*^ ^ne #tr*e gebaut würbe. Der lefcte
rittedi*e Seftyer von ^aucrmtf war £avtwt* von $)cbfen
(Didjfa), welker ben £)rt 1234 bem neu öfteren Softer $fa*
rientfjal verfaufte. Seit btefer 3«* *f* Sauermcf fortwäbrenb
beim Älofter geblieben. Die 9lu$ftcbt von bem mit einem
großen Äreuje gefrönten 93ergc ift fefyr f*o"n. 9Nmmt man
bad ^erfveftiv jur #anb unb wenbet ft* na* Söejt, fo er*
f*efnt linf$ vom 4potyberge ber Rottmar, re*tä vom ähr**
tfyurme ber fanft fattelförmige S*o£fyube( im 3iNauer ©ebinje
(ein Sanbfteinfelfen bei 9ceu*£artI>aH>, linf* über ben $tt*
ter$ba*er Änorrberg Der Bollberg bei Liemes in Söhnten,
ber 3ef*fenberg bei Welchenberg, wenig linfS bavon ber &um
3fergebirge gehörige ©ifeleberg ober Mihi* berg ; $wif*en bem
SRoltbcrge unb bem ÄeuUgen-^erge ber Scrjwar^eberg, im
«gnntergrunbe be* 28ittig*a(e* auffteigenb; wenig re*td über
ber <£eibenberger Miwbe bie runbli*e befalle Muppt be$
6emrari*0; mittm vor ber Äiefcnfovve ber «§o*ftein bei
oebreiber^au ; etwa* linte fjinter ber £anbe$frone ba0<5ommer*
l>aud auf bem ©eieräberge bei SRengeräborf ; linf* bavon Siebflein
mit bem £errcnl)aufe; ovif*en Sfebftein unb bem gimaSberge,
ein £errenf)au$ mit einem Sburme — Daubifc; jwif*en
ber £anbe$frone unb ^faffenborf, ber na* ^Pfaffenborf gefjörenbe
®eu*enberg; linfä hinter bem mit 3*e9e*n gebeerten Jtrif*aer
«frerrenhaufe ba$ $ei*namer 6*lo£ mit einigen <S*ornfteinen.
DaJ fyier oa6 ganje (auftfjer ©ebirge, ber 2Boblif*e unb grieb*
Idnber Äamm unb ba$ fötefengebirge in befter $üt$bef)nung ui
überfebauen ifl, brau*t nicht weiter erwäfjnt $u werben.
(Sin 33efu* btefer Serge, welche mit gufjrwerf in einer 6tunbe
von ©örlifc ;u eneieben jtnb, wirb 9tiemanben reuen.
Ü>ie ^önigSfyainer 53erge.
2öenn bie fcanbeöfronc unb 3auernicfcr $erge bur* bte
von i^nen au* \u geniefenbe ?ludft*t befu*en$wertfj fut$,
verfnüpft ud> an bie «$önig6f>ainer 93ergc neben biefem no*
ba* antiquarif*c 3nterejfe. $ier wie an wenigen Drten ber
©berlaufifc, wirb e$ flar, bafj bte giganrif* aufgetürmten
getömaften nur ^robufte einer großen (§rberf*utterung fein,
bafj uc in einer ber foioffalen Revolutionen, wetebe na* natur-
Mtortf*en gorf*u«gen bie ©eftalt be* (Srbball* gänj(i* ver*
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nxmbelten, in ber jemgcn 2Öeife fytroorqtbxaüit feien. Die
gelGflumpen ftnb nicht allein auf ben Sergen, fondern and)
in bem über eine 3 tunke langen malernd) am Ufer eineä @e*
birgflbacheö jerfrreuten Dorfe aumhh olmin, vielfad) ui finben.
Die Jtönigäbainer Serge beftebeu aud folgender von Sübweft
nach 9corbweft fich in einem ^albjirfel hinjiebenber Serggruppe:
bem Jtämpfenberge, ^ocbjtein, Üobtenfitein und Schwakenberg.
Den Schluß macht ber Simadberg, an beffen «£>ange baä Dorf'
d)en Viehteiu liegt. 9tte riefe Serge gehören ;u ben fanftan*
fteigenben, ber tyodtftt, ber ftpdMto, liegt 1210 gujj über ber
ÜJJeereöfläche. Die Steinart auf den gröj?tentr)eüd mit Vaub*
unb WareiM; bewact/feuen Sergen, ift ein meißer, uns gelb'
1 1 et > e fallender grobförniger (Kranit, ber ftch, wegen der feften
Sßerbmbung n>ie Sanbftein verarbeiten laßt. Die Seftanbtheiie
ftnb: grauer, bisweilen bräunlicher ha Ibtnirrfm einher Duar$,
gelblicher gelbfpatb unb fcbwär$licher auch oft grünlicher OHunmer.
3uweilen jeigen ftch in biefem (Kranit bunfelgelbe Sldern, welche
ihre garbe von einem bräunlichen geldfpathe erhalten, än
verfchiebenen Stellen nur et man fogenannte Sergfriftalle unb
Ocaucbtopafen in fünf- unb feebdfeitiger ^rte^menfornt mitten im
Kranit. V t n r bem ^ochftein, Xodtenftein unb ber wejtltcbcn
(Seite de& Sd)Walbenberge$ ftfben von allen Seiten frei eine
9ftengc fenfrechter ©ranitfelfen. Diefe oft. 100 gut? im Um»
fange jäf)lenben, jwifchen 60—80 gu£ fyofytn gelömaffen, trtu
halten ohne Vtn^uahme Schichten unb Sänfe von vermiedener
Dicfe, oft von wenig $cU, oft bid fünf gup ftarf. Die gor*
men biefer &o(offe ftnb bie mannigfacr/ften, unb außerordentlich
malerifd) burch da$ fte verhüllende Steinmooä von verfchiebe-
nengarben, die au unb auf ihnen wachfenben Sirfcn, Suchen
und binden, den ranf enden (SphcMr °ie verfchiebenften Sperieä
von garrenfräutent unb $lngelifen, welche gwifchen ben gelä*
Hüften bie ragenden Säume und blühenden Sträucher wuchernd
umfchlingen. Daß febou mehrfach (£inftürje gefchahen, betret
fen die im Grunde liegenden gelfentrümmer, deren jum I heil
mit Iii de unb s]ftoo$ bebeefte Mimten von Säumen überschattet
find. Die fchönfte VinonclH bietet ber echtem; da$ antiqua*
rtfehe 3nterefK feffelt mehr ber Xodtettftein , deffen höc&ffe gelfen
in einer Gruppe von circa 50 ^oloffen tiefer 8rt in beimrifcber
3eit ;u JDpferpläfcen und ;m 3 obtemvahlüan gedient haben,
wie die häufig bort gefundenen Xobtenurnen btwetfen.
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Der gnrftenfiem ift mit feiner ©dule im 3. 1 789 jum Hnben*
fen an f>rcrn t>. 6chachmann einfügen SBefi^cr ber Serge
unb fceä Dorfes gegiert. Die Stufen auf bem 4pod)ftein ftnb
1753 angelegt roorben. 2ö%enb bie malende Sdjönheit be$
einft mit einer roenbifdjen fpäter beutfdjen Surg befeftigten St*
maöbergeS baburch vernichtet warb, bafj feit bem 3af)re 1843
bie bort Borhanbenen gelämaffen abgebrodjen unb großenteils
jum Sau beS foloffalen (Jifenbahnttiabufteö sernjenbet worben
ftnb, ift bur* ben Slnfauf beä £od)ftein$ im 3- 1844 leiten*
beS £ofrath », $ev>ni& unb ber be$ Sobtenfteinö Seitens Sr.
^Äajeftät beS JtönigS bie ©efahr beS wnichtenben SftrijjelS
t>on biefen Sergen abgewenbet worben. — Um bie Serge »oll*
fitänbig mit ben merfnnirbigen Stemmajfen ju beftchttgen, ae*
hört ber 3«traum «neS XageS; beSwegen wirb ftd) ber Se^
fudjer auc^ in Sejug auf Lebensunterhalt einrichten muffen,
inSbefonbere ba im Dorfe aujjer Srob, SDfilch, Sutter unb
Ääfe nichts ui befommen ift.
IX. Sttfhmatettno«} für 1850.
A. ©arnifon.
f. (Stamm bed 1. BaiaUfont (©örtifc) G. £ar.bn?eljr ; ^Regiment*.
Sfogalla u. 5Mberftein, SRajcr unb äommanbeur. — Sanbaetjr: Ulanen;
Stamm: «ftommanbeur: Lieutenant v. ©alomon, fommanbirt »om 4. J)va-'
goner • Regiment. — SWorife, ^Bataillons? 9lr$t.
2. Stamm be* 1. «Bataillon* (©öriife) 3. Warben ?anbn?e^r < 9tegi*
ments. tfommanbeur: SWajor o. SÄanbon?. 3ur (stammfompagnie fomman*
birt: eieutenant ». $urtli$ v. Äaifer $ran$;JRegiment. — ©ataillonö $rjt:
©c^trarj.
3. £aa 7. Säger; «Bataillon, tfommanbeur: SJJajor SWeine. — «Ba*
taidon^ Slr^t: intenm. «Worte.
4. ©end'barmerie, 6. JBrigabe. ». «fcaedler, aÄajor.
B. ©eiftltchfett unb höhere Schulen.
I. ®eifUid>feit.
1. (£vangelifcf)e ^arodfie: ©ur^er, i. *#rebiger unb £gl. <Su^mn?
tenbent — $aupt, 2. ^rebtger. — «fcergefeU, 3. $rebiger. — @cf)urid)t,
4. $rebiger. — jtoamettf, 5. «Rrebiger. — Älingenberg. Äantor unb SWu*
flfbireftor. — ©örmar, Drganifi ber <St. $eter*Hr$e. — Xöptrt, Drganifl
ber Sreifattigfeitlfirdfe. - 9ötnberlid>, $racentor ber @t. ^eterrtirdje. —
SBiebmer, «ebituu* ber <St. $eter«fird>e. - <£d)ubert, ©lodner ber £>reu-
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faltiftfeiMirdfe. — $erm, Äirtrjeubiener ber <St tyderMitQt. 5k* e*a*r
aelifäje Jtirdjenfolleguim : SÖüraermeijier Spnbtfu* 3ufHjraih ftifätx, Üöor*
ffyenber. — bie obengenannten ©eifUIdjen. JtJe^uHrte: ftinjter. — Sernbt. —
3nnmermann. — ©Än$el. — (Salin. — Äraufe.
2. Die ftixüft ber ©trafanftalt: (sdjevfcig, 1*rebi$er, — Heuser, Sa*
tor unb Craamjt.
3. »ei ber fatholifäen ©emetnbe: €tiüer, Pfarrer. — 3ul »ein-
olb, <2cr)u((ehrer, verfemen jugleid) bie ^eelfora/ für bft .Satholifen frei
er f. Sfrafonftalt. .wirdjeitvorffet^eT: 3»feVh Ottrborf. — ftranf £ct»are.
4. 31 n ber dmttfjtluU. (Bemetabe: Hermann flörfter, ©febifler. —
lehret € eiler, Organiji. — <Sct)n*tber »iefc, ÄirdKnbiemr ©erftanb iinb
Äeltcfie: Jtan§leibireftör Dittricb. — Uhrmacher Qkqnrtfp. — »at^jouw
uatiji $hUiW. — €taMI>auptfaftenbudjBafter 3Hmann. — öflafertnfrt. Sei
ler. — ®emüftt)unbler Ängnitin <5(fmttbt. — * S^fermertier fleftt. — &iri-
rurguö Jeimann. — 8Saagemeijier $öfrl. — (Sbiwrb Ximmler, — Äa«£
mann Slbolf Traufe.
5. Än ber eoangel. lutljer. ©emeinbe: ^rebiger 9t. $ajert tu SJunj.-
(au, tu beffen $arod)iafbe$irfe bie {jiefige ©emeinbe geh&rt. Serftanb w :
©. Lehmann unb Sil^elnt ftrifc.
6. 3«bifdu' ©emeinbe. Leiter ber geifllidjen 8u*Ftk>n unb 9Miawn*=
leerer: 9iabinat$-'£anbibat .Kampf. — ^rovifortfdier iöoritanb: Kaufmann
^Berliner, SWener fceto. ©otteäbienfi wirb einteilen bie tut Sluafnhrmig
be* projeftirten Saue« einer (Sönaaoae in einem gemieteten Sofale ber
«Wifolatgaffe abgehalten, ©emeinbe^ttglieber: 22; @eelenja^l ber @e*
meiiibe: über 100.
II. #ö$ere «^ulanflalten.
1. ©ömnaftum. Dr. Hntou, ^rofeffor Rect. Gymn., — Dr. 6tmr,
Conrect. Gynin. — Dr. 9ti>öler, Otortetjrer. — Hertel, Oberlehrer. —
•Kögel, Oberlehrer. — Dr. üöiebemanit, Oberlehrer. — £üngenber$, 9Ru-
fifbireftor, ©efanglebrer. — .ffaberfd}, 3eid)nenlehrer. — tBöffd)er, Turn-
lehrer. — ftuljrmann, ®nmnaftal-3tuf»5rter.
2. höhere SBürgerfdjule. Naumann, Jt&nigl. $roftffcr, SMrtfter. —
Dr. <S. Xillid) II., Oberlehrer. — Seiner, Oberl., — Ijfchafdjel, Oberl. —
Dr. 8. Xiflid} \.§ Oberl. — «Öeinie, Oberl. — Xhiemann, Oberl. — gritfdje,
Oberl. — <£d)afer, gefirer. — Äraufe, Lehrer. — Söifbner, Sehrcr. — Älin=
genberg, SWufifbireftor, ©efanglebrer. — Äaberfcr), 3<irt>nenlef>reT. — $re-
biger «frauM, &eligion«lebrer. — *8öttd)er, Turnlehrer. — Öonrab, Sdjulbienrr.
3. £ie mit ber höheren SBürgerföule »erbunbene aftäbdjenfchule:
Äaumann, Äonigl. *ßrofeffor, JDireftor. — Ztfdiafdjtl, Oberl*. — Dr. 51.
XiUid) I., Oberl. — Xhiemann. Oberl. — 2üilt>ner, fcebrer. — $inr»art,
Lehrer. — Langenberg, attuflfbireftor, ©efangle&rer. — Äaberfch, 3eid>nen^
lehrer. — ?8üraer, 1. $rcb. u. ©uperintenb., JRefigion^lehrer. fcehrfriu*
nen: ©tabame ^übler. — ftraulein Äun§<. — Fräulein 33ro$e. »öttd>er,
'X urnlchrer.
i. Äonigl. ^anbrathamt. Sanbrarh S v. ^au^ifc auf Weugeteborf.
— Äreiifelretar: Mennig, £att»tmamt a. 2). — 30mer, interimi|t Äreif»
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2. ÄMtia,L Äreidgeridjt in ®örli*. A) 9tu»ter*£ol(eahim: Stute
®eri$t*.-3>ireftor: Mbnia; Mx.tQtr.mfy: *LW%, ^aul, m $eüai,
».Äamty, $aberftrt>f>m ; £ret*ri$rer: ÜJjltfter. ®ärtner, Berf, o. ©focrra«!»,
^feunifltoertf) bei ber (&eridjt*comimtiion in 9tetd)enbadj.
B) ©taatöanmaltfdjaft. ©taatöantoalt: J6c|fma»n; $oli$eiamoalt :
J&errrumjjf.
C) «Subaltern Beamte, a) ©efretäre: 2>ittrid> (äanjleUStreftor). —
Sinbmar. — Äa&lert — XieSler. — ftlect — b) Wenbauten: Mit,
€>alariett'-ÄQffen;9ifn&ant. — ©djönborn, Devojital 'Staibant — ©trfdfe,
©al.'JtaiVÄontrcllcur unb 2 Nortel - ftrab. — c) Aalculator: .Hrawer. —
d) Botenmeifler unb (Pre cution^Snfpeftor : JRi$ler. — e) ,Uan^lei 3n
foeftor: -öornig. — f) Bureau ;®el(>ülfen: ©tarfe. — ^ojfmann (9tefeTe*b.) —
ganger (äu*fult.). — fcrö&lid). — ©refdjeL - @tw$ba*>. — Sern. —
Bogel. — X&terbadj. — ©runer. — 2Bel§. — 3Bcit»ner. Bei ber Qkt\ü)t*:
Äoramifjton in 9t<tct)enbad) : Jj>oljbed|er unb SHutter. — g) (Sitol super
numerate unb Slpplicanten : ©iefdje. — ©d»re"iber. — Äafdffe. — h) ©e-
fangBen^nfoeftor: Belifc. — i) Boten unb (Rrecutorö : SRicrjaelia. — äijler.
— £aacf. — £armutf). — Bö^m, — £aafe. — «iebe. — (Sbelraann. —
Ohrfelö. — Siemen«. — ©09t,— ©djtoanbadj. (3n SÄeüfrenbac^: SKuller.)
k) fcafmfdjr eiber: ©Wert. — £ouat. — äRortell. — Älrfe. — (Mrüfael
L unb II. — Üöetfe. — Seifert. — Bntfd>ar*rY — ^errmamn.
D) 9ied)ta anwalte unb Notare: Jperrmann. — ^ctjolje. — ©cJ>n«
bert. — Utte(fc — ©Übt. — 3iUe.
3. ÄdnigL «ßoft--eont^toir in ©dritfc. $oftbireftor: 3^»eb6. — $ofr
fefretdre: JKlein. — ©djutfc. — §cf)»mbt. — MbHtx. — SWanitiii«. —
ßfmeforge. — JRidjter.
4. Mbuial Steuer; unb ©aljfcertöaltung. ©teuerratn: ©uifdjarb. — -
$.*@t.*«.*8fenbant: ©d)üfce. — $.*©t.* «.--Äontroleur: Betrete. —
©teuer^nfpeftor: ^übner. — 4?.*et.-'3L?9lfflftentcn: Süolft. — fcaugfaj. —
©enffert. — @aI$?$aftor: t>. ©acf. — • i^or^ontroltfuriJ : Ätnfae. —
Jtieper. — Barufcf». — ©rüttner. — BocNfjammer. — Bergna — Be*
rittener Steuer--9tnffeJ|er : ©tilleT. — ©teuer*Äuffefyer: ©<ruer. — 2*1115. —
Siemen*. — Dttinger. — ©toll. — $et>born. — Hamann. — <&$lc
Ml — ©tumpe. — $.*©t.»«.-3>ieiier: Bierbrauer. — ©ett>id>tfefccr:
£orbler. — @ali.toärter: Stifter.
5. Äönial. ©trafanfialt. A) Cberbeamte. $ireftor: 9to§..— - 1.3n.-
fpeftor: Äldbifdj. — 2. 3nftjertor unb lÄenbant: Xljimanu. — ©efretair:
©e»bel. — (Langel. »njralWprebiger: ©d>op*ig. — .tat^ot. «nfralt^re*
biger: ©tiller. — Äantor unb Sefper : Xeutfler. — «urtattfurjt : Dr. ©lo<f* —
Üöunbarit: Ärei*dnrurgu« ©djraibt.
B) Unterbeamte. £au*t>ater: SPfönfe. — S&erfmetjter: ©tuulj. —
C)bers2luffel)er::^leif^er. — 9tuffe^er: Siemen«. — ^icr)tner. — ©r^uli,—
©$ab»t*. — € türm er. - ^ouetjd. - »amfty. - müet. — »lum*
tben. — ©erdjan. — 3oberbier. — Äinb. — ^ifefeer. — Äan. — Beer. —
«fcoWe. — Pförtner: ©entel. — 9lac^tiSluffeher : &erbi»anb. — Pfeiffer. —
^ülfdauffe^er: Äirft. — Bartfch. — 3ntermift. 4«lfaauffet>er: sie^e. —
aöert^.
6. ÄreitftCefonomie^äommifflott. SW&Uenborf, Oef.'Äommiffariu*.
7. £a«b- unb ffiafferbauinfreftwtt. »tüller, ^ieut., iöeaebaumeifier.
8. Möniqi. Bau^^anbtüerfer^rüfunad^ÄommiHton. Äd^ler, «Stabt«
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720
rat$, $r«ft«. — Hamann, Äönia,!. ©auinfvefcor , ©aura$. — SBeinWb,
etabtbauTatt». — dWüller, Äönigl. aSegebaumeifter. — ©einfcer: Äie#rr,
9Waurermeijter, — Siffel, Siaurermeitfer, — ©enbe, 3immermeifter , —
©eramann, 3immermeifieT, — Äefler, Srijornfteinfegennjlr., — (foner,
S dnef erbecf ermetfier.
9. Äönigl. Ärei«^anbiverfer^rüfung«-Äomnu}Ticn. Möhler, Statt*
raty, $rafe*.
10. Äönigl. $arlef>n6fafte. JBvrjianb: Sattig, 3uftijratb. — SRenbant:
3llmann, Stabt;£vt.?Ä.j©. — ©udjoalter: Äiern^, @rb.:£.;Ä.s©. —
Äanilijt: £entfdjel, Sbt.*£.*Ä.-Ä. — ©ürqerfdjaftlidje *Bortfanb«müatie-'
ber ft«b: 1) Äaufm. «erb. Sctynift. 2) Äaufm. $ave. 3) Äaufm. Starte.
4) &aufm. (Sontt. 5) (Sommerjientatl) ©auer. 6) ftabrifb. ®eifcleT. 7) Äfm.
«Vüfa. 8) Äfm. £ecfer. 9) Äfm. ©ettel. 10) 9tyotl>. Errufe.
11. Sdjieb*männer;3nftitut. 1. u. 2. ©ej.: Sdiornjietnfegermeifier
Heller. — 3. u. 4. ©e$. : Sebrer (Sauer. — 5. u. 6. ©ei. : Xudjawretfur
3X>ring. — 7. u. 8. ©ej.: Äaufm. 2ubif($. — 9. u. 12. ©ej.: £ud>ma*rr.'
meifter Gonrab. — 10. u. 11. ©e$.: Sudjfabrifant »eljfelb. — 13. «.14.
©e§.: Seilermettter unb Stabtratb Prüfer.
12. ©örlifcer ^anbelcfammer. $räjibent: Kaufmann aoit. Edmübt
;u ©örlifc. — SWitglieber: Äaufm. £einr. £«fer be*gl. — $abrifb. Q*ei|ler
beflgl. — Äaufm. Certel bedgl. — ISommerjienratr) ©auet bf«gl. — Äfm.
£aüe ju SXeidjenbact). — Äaufm. 3ä*ridj be*gl. — Stellvertreter: ®iit«-
beüfcer unb Stärfefabrifant SWeuber in 3obel. — Äaufm. 3ametf Sa>mi>t
gu Wörli^. — Äaufm. 91. Starte be*a,l.
13. ©etverberatl> ber Stabt ©orlifc. 1) £aubiverferjtanb. SRittfitta:
Äurftyiermeifter Stabtälteji. (F. %r. fyoxcx. — 3immerraetfter ($. ©og*
ner. — Sd)neibermeiöer 3. g. 3. 9lnbre«. — Äuoferfdjintebmetfter C*. »tonis
Jöertram. — SJiaurergefelle Setymann. — Sd)ubma(t)ergefeUe feinte. —
Xudjmadjeraefelle £drge. Stellvertreter: Sdjutjmadjermirr. 3.51. ftritfcfye. —
Sffymiebmeifter 3. £elbred)t. — SWaurermrtr. 3. ®. Sind. — Söeber*
mfir. 3. 3. 9töber. — Sd>n«bergefelle Jpojfmami. — Sucfcfdjeerergefelle
$reifct>e. — 5leifd)er^rfcUe 2Heber. 2) £anbel*j»anb. Äaufm. gerbinanb
Schmitt. — Äaufm. 4?einr. Werfer. — - Äaufm. fRob. Cettel. — Äaufm.
(Subäu*. — Äaufm. "9lugujiin Scbniibt. — Äaufm. 3ul. Äöa,eL — Äfm.
9tb. Äraufe. Stellvertreter: Äfm. i. S. Sdjmtbt. — Äfm. 3ultu* (*iffler. —
9l^et^. 91. Struve. — Äaufm. 9lug. Starfe. — 91votr). tt. gWitfdjer. —
Äaufm. ftranj (Senti, — Äaufm. g. 91. Certel. 3) ftabrifftanb. üJJtt
alieber: gabrifb. (£rnjt ©eitler. — ftabrifb. ®. ^alberftabt. — §a--
brifb. (Sari Äraufe. — gabrifb. 20. SDörina,. — ^abrifarbeiter X. ^irc^e. —
gabrifarbeiter üö. ^eibner. — ftabrifarbeiter Xraug. Jbomaa. ©teUcer-
treter: ©agenfabrifant 3- 6. Sübere^. — gabrifbeffyer 0. ©. ©eiöler. —
^abrifbefi^er jutarig ©reölauer. — Guntmerjienrat^ (S. @. ©auer. —
gal>rifarbeiter ®. (*rner. — ftabrifarb. Xrau^. 92at^e. — (*rnfi Äeilanb.
äJorfi^enber be« ©eu>erberat^0 : Äürfdfuermeitfer etabtältoita iljorer. —
Stellvertreter bereiten : Äaufm. 91. Äraufe. — Sorftfcenbe ber einzelnen
Slbt^eilungen: $ür ben ^anbtverferftanb : Äürf^nermei^er ©tabtältefter
Xfyorer. (Stellvertreter Äuvfetfcl)miebemeifier ©ertram.) — $ür ben $an-
beleflanb: Äaufm. 9t. Oettel. (Stellvertreter: Äaufm. ^. $e<fer.) —
gür ben gabrifftanb: Sabrifbeftfcer ö. ©eieter. (SteUvettttter : gabrif;
beftyer Ü. Ätaufe.)
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721
. D. «anbjtänbtfctye Beworben.
©raf v. £öben auf Diteber-Dtubfleborf, «anbeääUejier. — t>. Äiefetoetter
auf SBeifiig, SanbedbejiaUter.
Sanbfieuer - 8lmr. 3uüi;vaih 3attia,, Sanbfönbifu* u. ^'anbfteuer 5 c
fretdr. — Sauritf, fcanbjleuer-Äontrcleur. — UUridb, £anbfteuer;Äaffiret. —
Woltorf, 2anbfieuer;Äalfulator. — ©te^an, £anbfieuer-£anjUfi. — Ztytxs
bad>, Sinbfleuerbote. — Siiebel, Sanbtjandbiener.
E. 6täbttfd>e «Beworben.
1. JWogijirat. 3od)mann, JDberburgermtrr., — fciföer, Sürgermfir.
u. S^nbUuö, 3ufttjraty. — Söein^olb, Sau* u. Siabrratlj. — Äölflcr, (srfabt.-
rat^ für b. ^olijeiveri». — Prüfer, ©tabtr. — Srnwc, Äfcotycf. ©tabtr. —
©eijjler, ftabrifbef., ©tabir. — 4peinjef Sud»; u. ©teinbrudereibef., <2tabrr. —
tyapt, Äaufm. ©tabtr. — JKidjtfteta,, Äämmerer, ©rabtr. — Itylmann,
XVMp u. ©djonfarber, ©tabtr. — .$i>rfcfdjandfD, ©tabiratlj. — SRüUer,
3üd)nermeifter, ©tabtrat*>. — SWitfcfyer, Styotljef. ©tabtr. — Statte, ®el).
Db.^uflijr. a. 3). ©tabtr. — SWartintf, Saumeifter.
2. ©tabtoerorbnete*). «frerfer, Jtaufni. Sorflefyer. — .Riep kr, SMaus
rerm(ir. 33orti.-©telfoertr. — Cettel, Äaufni. ^rotofollf. — Jtraufe, Äauf*
mann, *ßrotofoUf.;©tellvertr. — .Reiler, ©djorajieinfegermjtr. — Stanbig,
fcleifdfermjxr. — fcurfner, $artif. — $obfd)all, ©eifenftebermftr. — 28en*
»el, ftletfdjermfir. — Naumann seu., ©eifenjiebermfir. — SRemer, Sudj--
oänbler. — SWattljeu*, Xudjfabrtf. — ©äuiann, ©djneibermfir. — X>ienel,
tfleifdjermftr., — Srücfner, Xifdjlermjir., — £ennig, ©djnitttoaarenlj., —
Serger, ©olbarbeiter. — ^aupt, Xutfofabrif. — «Oartmann, ©emüfef>. —
£eine, ©eifenjtebermjtr. — ©dmiibt, ©emüfeb. — ftiebiger, ^f«ff<rfuct>-
ler. — 2Jlüller, Xudjfabrif. — ©artig, 5ufti«;ra^. — ©eiöler, Srauermfhr., —
©eilig, Äaufm. — Seiler, ©lafernifir. — hinter, Jtaufm. — Trubel,
©clHiijmadjermfir. — (Sonrab, Säcfermtfr. — äHattner, ©d)neibermftr. —
Döring, Xud)aWreteur. — «fcerbig, Äunftgdrtner. — fcifcfyer, JBaumftr. —
vUUnfler, Älempnerrnftr. — Xeuöler, Äantor u. ©artenbef. — fcübera «en„
©agenfabrif. — ©arbe, ©artenbef. — Jtettmann jun., ©djmibtmfrr. —
Sßierner, ööttdjermfir. — Sonntag, $Bunbar§t u. Sortoerföbef. — Xifdjen*
borf, Sädermfrr. — Änotbe, XuAfabrif. — SRürfe, Xud)fabrif. — JRefj-
felb, Xudrfabrif. — Xrillmid}, Xndjfabrif. — Riffel, aWaurermfir. — ©djulj,
Xudtfabrif. — filiere, Xud)fabrif. — Seramaun, Xuctyfabrif. — Sergmann,
Xudjfabrif. — 3iefdje, ©eÜermjh. — Seramann jun., 3immerm(tr. —
Öfcii, ©artenbefifter. — 3Benbfdjufy, ©arten6efifcer. — (£ngel, ©eilermfir.
— Sertram, jtuvt<rfd)miebemfir. — £elbred)t. ©djmtebmftr. — Dlorbmann,
Sdrfermfir. — §äaler, ©dimiebmjxr. — $ater, Xöpfermftr.
3. äRaajfharualifdje Sureau;Seamte. n) ÄanileisSeamte: SBemer,
©tabtfefretär. — @reuli(b, Äegijhator. — 3«Nirnalift. — SBelfdj,
9legtPratursSJffi|ient. — ©umha, Äanjlifl. — «^auötoalb, Sotenmeijter. —
Soten: Äru^l. — ©rop. — Jtolbe. b) ÄalfulaturiSeamte : ^ilbebranbt,
Äalfulator. — ©djulj«, Sudjl;alter. c) 6tabt|au^t(affen*Seamtc : $ilbe«
branbt, ^au^trenbant. — Äre^fc^mar, ^anptfaf(irer. — SucfyljaUer: Äau^,
©eiffert, «anger, ©c^ulje. — $entfäel, Äaffirer^fnftent. — ©uralter:
*) Äm 1. 3*lt 1960.
«fi<t»d,te ten öörlift. , 4ß
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in
3Unuran, Sangner, Äientfr. — $eriog, £affen*99ote, — ^entfdjel, (Srefu*
tot für bte (Stabt. — Dritter, (frerutor für baö 8anb. d)£örnig, Defe=
nomie*3nfr-eftor.
4. 2Wdgiftratualifcr)e $oli$eioernjalrung. jDoer--93ürgermeifter 3«^-
mann, *Poli$ei--:X>ireftor. — tfötyler, ©tabrratn für bie ^oliieroettoalrung. —
Ätefiltng, *l*oU$eü©erretär. — ©äf>r, #«»ebtent I. — »nton, fcrpebient
II. — &id)lcr, JTattjlift. — liefert, $olijei'3nfoerror. — $otijd*€t?*
geanten: ©djulje, ©djrotr, Mufifdj, Äretfdjmar, Söe^ner, 3«t)er. —
aöaU^er, $olijeiamt«biener. — tfif», (»efangenwärttr. — ©ermannet :
Üöettmann, ftränfe (festerer auf <|Jrobe.)
5. ©eiirfeoorfteljer. 3m erftftt ober Äloftery^Bf jtrf : ^tffn^dnblrr
IM*. — 5m jtoeiten ober Dbermarft--©ejlrf: ©dmttebemeifter ®öfcr. —
3m brttttn ober Sangifngaffen;i8e$trf : <&nrHermeijter ©pärtfltd). — 3m
vierten ober WFolauiBejirf : Xndjfabrtfant $raurmann. — 3m fünften
ober Äirdjiöejirf : 3üdjnerme{fter SBüljne. — 3m festen ober 9tetf-'4Bfs
jirf: Stfdjlermetfter ©iebert. — 3nt flebenten ober Äo^53e^irf: Töpfer*
meifter ©lauf. — 3m actjten ober ©vital^ejirf : Xityfermeifler (§tfp. —
3m neunten ober 9tcid>enba(f>er^e$trf: ©etlermetfter 9let£. — 3m jefa*
ten ober ©teinweg^ejirf : Xudtfabrifant Stotfje.— 3nt elften ober £otber;
S^ejirf: Jtaufm. $rang. — 3m jwölften ober Xetdj^ejirf: $n<t)fabrifant
,u raufe. — 3m brennten ober Saubancr^SBejirf: ©djmtebemetfter £arf-
mann. — 3m oierjefmten ober 9tabengafen:55ejtrf : ©eilermfhr. $afcn?
felber.
6. $omtmal*$oKjet*©telloertretung mftanfcfca. ($lan§en, ^for/rmei--
ffrer, ©telloerrreter. — »ellfn, $orfc unb $olijei--©ecretär. — »orrmann,
^olijeibtener.
7. ©erot«;9lmt. SBürgermeifter, ©unbifu*, 3ufiitrat$ ftifdjer. —
$ape, ©tabtratfj. — ©dmteber, erfter »töeteur unb ©efretär. -- Äödler,
jweiter Söiltcteur. — ^Bürgerliche <E>epurtrte : SDeutfämann, Sange, @otf,
Jtraufe. — ^römter, üBote.
8. Sltdjamt. ©tobt; unb Sanratb 2öeht!jolb, $>treftor. — ^Bürger?
licfye SDejmttrte: JDeutfdjmann, ffritföe, SBuft, ftalfner. — ©nrfet,
9. $fanblei!jr9(nfialr. Kurator: Ätyler, ©tabtrafy — »enbant (ad
int): ©dmlje. -— 99ete (ad int.): Sladjmann.
10. $Öaifenljaue\ ©tabrratl) ©rruoe, 3nfpefror. — ^bTtrini*
ferator. — ©cfytdjt jim., #au$oarer. — SÖittwe ®etntij, SBaifenmutter.
11. 3»ang<arbettös«nfla!t. ©tabrratJ) ©rrnoe, 3nfVeftor.~ ©$i$i
jtin., $audoater. — *8au$, Sluffe^er.
12. »rntenbefc^äftigungö^nüalt. ©deicht sen., ©erffüfjrer.
13. $orftamt. ©tabtraty, Äammrrer JRic^tfteig. — Gtaufcen, ftorft-
mefjieT. — $äfrler, Dberförfler.
14. ©Ktbttföe UnterrtdjtUanftalten. I. Sortbilbnngtf^njralten. ^anb-
»erferfdjule (für JJe^rlinge unb ©efeTlen): $rof. Naumann, 3)ireffor. —
^rer: Dr. (f. Züiid) II. — <§d)äfer. — Äaberfd^. — Söalcnttn. —
3)utf<f>fe. II. 93olf«fd)ulen. ^?rof. Naumann, 3>treftor fdmmtltd^eT ©offtf-
f*ulen. 1) @t. Ännenfdjure. ?etjrer: f. JH. a) 9lbmintfrrotor^trc^e (bte
a^äbdjen); b) ©unfcbera (bte Änaben). — 2. Sauer. — 3. Ml :
(.Knaben). — 2. Äi.: a) ©eiler; b) Äabjlem. ~ 3, StU: ©drftr« jun.
V
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723
3) 9iri§fd)ule. 1. JH.: a) SBurger (SJcäbdjen); b) Deminier (Jtnaben). —
2. ft: flöljr. — 3. JH.: Horner. 4) »Jtifelaifaule. 1. JH.: Würfe (SWäb*
($en). — 2. JH.: a) Tepert; b) Xeidjert. — 3. JH.: a) Jtraufe; b) @la*
bofef). 5) Gombinirte aWäbdjenflaff*. n) ©raf; b) Dutfrfjfe. 6) Bürgers
frfjule. I. JH.: Üfletbner. — 2. JH.: <5d)abe. 7) Älaffe für förperlty unb
getffigjfdjttjadje JHnber: Jeidjert. 8) $ür ben ©efangunterridjt: Ättu
berlidj.
15. JHeinfinberbenniljr .- Slnüalt. 33ern>irtto. Oberlehrer Jtröfjne, geb.
'JJerf, Sluffefycrtn. — ©unfdjera, Setyrer.
F. e b i j i n a I - e r f o n c ».
Dr. Waffalien, Jtrfittfifyftftt«. — Dr. SBauernjtein , StafcttffrflfuJ.
— Hflgfc : £ofratt> Dr. ©oaelfang. — Dr. ©lorfe. — Dr.
(Sdjmige. — Dr. 33ietfd). — Dr. ©dfnieber. — Dr. £tnf, #oineopatlj|. —
^(l)nurf , Jtrei*;(Sf)irurgu0. — ©ebfyarbt, kommunal; unb Ärmen^ühhinb-
arjt. — 2Bunbärjte : Sonntag. — Sdjul}. — (Horner. — ©eber. —
Snbrea*. — 9Hngf, föntgl» JHreWfXljterarjt. — «fräring, Xljierar^t 1. JH. —
?tyoH)efer: Witföer unb 6tnive. — ileubner, $)roguifi. — £eiurirtj b$gl.
G. 33udj* unb 6tetnbru(ferd*$3eftfcer.
£ein$e u. £oml>. — $re§ler. — 3. Jtüljler. — SJtämifdj. — SEöiU
^elm*. — ffieingärtner. — Xfjieme.
H. <Butf>r)änbWr.
Jtöljler. — JtoMiji. — £ein;e u. (5omfe. — JRemer. Setybibliotyefen'
Seftfcer: Jtoblifc. — Semcr. — Bertram.
I. SRebaftionett.
5Webaftion be* ©&rli|jer Sinniger«} bet ©drlifeei $ama; be« ©dt*
lifcer üjntelligenjblatte«; ber fcauftfcer 3eitung.
K. 33efi$cr von 2ÖoU*Spinnfdbr(fen.
©ebrüber 93auer. — drnfl ©etiler. — ©ebrüber Bergmann unb
Jtraufe. — <Salin unb (Somp. — (Sari ©eifjler.
L. Xudjfcfjeer* unb 2lppretiir$fnfralten.
£alberjlabt. — Döring. — ©artig. — ßiufe unb SJetter. — SBirty. —
$ol)ue. — £)at XudjmacfyermitteL
M. <2>pebiteure.
Sinbner. — SWüller. — Jtollmann. — ftrauflabt.
N. (£ommiffio näre unb Agenten.
(Stillet. — (Schubert. — £. Sretflauer. — Gubeu«. — ffl. (5ltf-
ner. — <t. ©erfte. — £. Werfer. — 51. Äranfe. — JR. Cettel. — 50.
Cfjle. — 9t. Otto, — 3. £. Scfjmibt. — (5. 3»al>r. — ftr. $alnu
0. KotteTit'lXnttX'dtinntfymeT.
<2üUig. — ttabifd)..— (Sifftet.
I\ ^Bereitete &uftionö'(£oinmitfäre.
©urtycr.
46*
724
Q. ?of)iifutfd>er unb 3>rofc^f cnbef^er.
Sluguirin, Cbermarft 126. — »erger, Cbermarft 124. — 33ud>--
toalb, «reitegaffe 113b. — ftörfter, Cbermarft 98. — ©räfer, Cbermarft
107. — ©regoriu« 3., Celfd>lägergafTe (»erl. 9tofeng.) 239. — @reao-
rüttf 8., 93runnenjtra§e 463. — item, ^antmerf 394. — Jtnoblod), 3ü;
benring 176. — Äutfctjc, ftifdjmarft 57/58. — Seemann. SRarjiallpadjter,
Eonnengaffe 70/71. — *ucfa«, Cbermarft 107. — 2Wüble, ealomon*;
qafle 865. — SRüller Vfangengaffe 171. — 2Nöller, Statyt 1082. —
Lintert, Cbermarft 106. — $ufe, DemianMafc 435.— (Schiller, Dlofen^
aajfe 255. — €>d)mibt, Aiüt>marft 53. — Sdjmibt, ^eterÄgaffe 313. —
Stocf, fcangengaffe 166 a. — Xrautmann, $cter«gaffe 321. — Salter.
6anbmerf 395 b. 911* Xarc ift bcn Drofdjfenbefoern für bie 8u$re rom
Bahnhofe in bie <5taM 5 ®gr. angcfeftt, im übrigen wirb man tüoty tbun
fi<f> mit ibnen auf einen bejHmmten $rei« ju »erjiänbigen.
R. öattr^KnftaUen.
Sannen- unb Dampfbc Unterfaßt 1090. — Sannenbab : im Sil*
Ijelmababe. Dort ftnb auch überbetfte aerfchloffene 3ellen «um 93ateu in
ber Steife, ebenfo circa 120 @d)ritt meiter ein gan§ freie« ftltifbab (^rei«
1 <5gr.) bei Silbe. — Daa fogcnannteftiftherbab, orifdien bem Sifbeirmfr
babe nur fleinen (Srercicrplaie jenfeit ber 9tei^e gelegen; ein freie« 33ab
unter 9tufftd)t ber Stabt. — ifeieÄnaben;6djtt)imm^nftatt, bem Silbeim«:
babe gegenüber. — Die SWäb^en-Äabe^nflaU, ein verfdjleffeneö tfäbtifche*
?9ab, gegenüber bem flehten C?rercierj?la^e. — Unterhalb ber 53rüife, Sto:
tbenburger:<§tra$e 972 b. (ftjfler'a Strombab mit ftarfem 'SeUenfdplage,
in grofjen verbceften 3cllen, wo auch Douche unb manne ©aunenbäber
•tu jeber Xagetfgeit §u befommen ftnb. $ür Damen finb gang befontcr*
mehrere 3eRenbaber eingerichtet ; für Diejenigen, »eiche jeufeit ber Olei&e
ttom £enner«borfer Segc aud übergefahren fein trotten, floht ein .ftabn
bereit. SBiUetö ftnb in ©iffler'« #aitblung, SBrübergaffc 8. , fotoic im® an-
böte jum Äronbrinjen unb in ber Änftalt gl< haben.
S. ©aftfyöfc unb föeftaurationen.
Äh*inifd»er £of (©aftgeber 3afob), 3afob*frra£e 842b. - $rnt§i-*
fdher .§of (©ajtgeb. ^fennigmertb), Cbermarft 95. — 3um braunen £trfd)
((gaftgeb. £ülfe), Untermafft 324.— 3 irr golbenen Jtrone (@aftg. Jtnauiij),
Cbermarft 124.— 3um meinen Diofc (©afiaeb. Araber), Cbermarft 107. —
3um golbenen ißaum (©aftgebertu SNab. xhomet), Uutermarft 4. — 3um
golbenen ©trauf (@af)geb. aRüjfig), Demiattiplafc 419. — 3ur golbenen
•Sonne (©aftgeb. ttamvelt) deichen bacher Xhor — 3ur «Stabt Seipjig
(©ajtgeb. 3etfd)fe), 58aufcner'@tra§e 898c*. — 3um Äronprtn$en (©aftg.
(»iffler), «Rifolaigraben 612. — 3ur «Stabt ©retfau (©ajigeb.' Slltmann).
Cbergaffe 730. am Saubaner Ityox. — 3um blauen £ed>t (©afigeberin
vtm. Xbettrich), Cbergatfe 716/717. — 3um beutfdjen ^ofe (©aftg. Seins
brig), KabengafTe 1060. — 3ur ©tabt $rag (©afigeb. 3trobadj), «Sei.
benberger 6^auffee 1068. 9lettaurationen nnb Seinihtben: $ape («Stein-
^ gaffe 93.) — gerben (Cbermarft 22.) — SWebetf (9lei§g. 350.) — Söllig
(9cei|g. 1.)— Subifcb (DemiantDlafe 411/412.) »ierfliuben, mt bei ben
»irr juleetgenanntett fo au^ bei: ^aul (^eter«g. 276.) — SKullcr (9tei^
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725
gaffe 351.) — ©etöler (Stetig. 348) — $äfe (£anbw. 360.) — $ememann
(Sangeng. 193.) — in ber iaffagierftube Wetertg. 315.) u. m. a. O.
3n ber «orfiabt : bei Änitter (.Kummerau 930) - €anbon> (3af obeaaffe
843 - $eibrid» (im eci>ie*t>aufe a» ber »ei&e.) - ®4ol* (im mu
U. Slumen* unb äunftgärteu.
Der $a»e'fäe ©arten, am Wüfcltvege. — Der £erbia/f$e ©arten,
an ber 3afob*ftra$e in ber Oiabc betf 3arob«$oavitald unb 95ai»nf)ofe\ an
ben Xumvlafc ftofcenb. — Der Waurer'fty ©arten an ber Unter-£at)le. —
Der äunft; unb $arfgärtner ffiirtrj, beffen 9öol»nung in ben $arfanlaaen
vor bem 2Hebcrtf»or ftd) beftnbet, hält ebenfalls eine Sammlung von fei;
tenen ©elväcfifen unb »-Blumen.
X. Sagegfaleitber,
Xäaiif^t (tifenba^njüge: 9lad> Dreaoen (8öbau (3ittaul,
Sauden, £ifcr)of«tverba), « U$r, 8% U., 1 U., 5 U. flad) »retflau (Äohlfurt,
«öunjlau, £a»nau, ttegnifc) 6% U. W., 2 U. Witt. 9lad) «Berlin (Jcoty;
furt, ftaufcba, £an«borf |©logau| (Sorau (Wutffau), 11 U. 3». u. 8 U.
45 9Rin. Kbenb*. «Bon Dredben 9 U. W., 1 U., 4 U. 45 Win., 8 U.
«öon »Bretflau 12 U. 4o W. Witt,, 10 U. 30 3». «Hactjt«. SJon «Berlin
7 U. 30 «Di. 5Wow., 4 U. Wadjm.
Xäglidje Soften: a) »bgebenbe. 9lad) ^rag 9 U. 38 Win.,
3ittau 11 U. 30 W., fcauban 3 U. «Jtadjnu, Aremberg (Oiie«fv, Uiutffan)
5 U., Warfitffa (Wont. Witt». «Sonnab.), 5 U., £irfd)berg (iauban, ©rei-
fenberg) »benb« 11 Uf>r. b) «Jlnfommenbe. «Bon ^irfdjberg 4 U. 30 W.
Worg.': von Aremberg 9 U. 15 Win.; von Warfliffa (Wont., Witttv.,
©onnab.) 8 U. 30 Win. Worg.: von 3irtau 9 U. 30 9t. Worg.; von
Sauban 11 U. 45 W. Worg.; von *ßrag 1 U. Wittag«. «Briefe »erben in
ber <Stabt bi* 1 2 runbe vor Abgang ber 3üge unb Sofien, auf ber Bafyn;
Ijofa i ($r*ebttion bi$ 15 Win. vor «Abgang be« 3ugetf angenommen.
Wontag: Oeffentlidje Sifcung be* Nirt)ter« für Bagatelle unb 3n--
jurienfadjen, von 9 Ufjr Woraen« ab, £eringemarft !Wo. 260 1 Xr. Ijod».
DineUag: 3m hinter Slbenb« 8 Uhr «Berfammlungen betf ©enterbe;
verein« unb Vorträge in ber $riebrid)*2Öilf)elm6;©tiftung. 3n ber ©tabt=
n?aage 2 Xr. fyod).
Witttvodj: Ceffentlidje ©ifcung für <Straffad»en , im Äreidaerity,
von 9 llr>r Worg. ab; öffentliche Si'fcung bee 9lid»ter<5 für «BagatelU unb
3njurien Sadjen im angeführten fcofale, von 9 Uhr Worg. ab.
Donnerstag: freiet (tintritt in bie Sammlungen ber «Jlaturforfdi.
©efellfdjaft, $eter«gaffe 277, l.XrevVe, frülj von 10—12 ttyr. Die «Bi*
bliotljef be« ©etverbevereintf ift im <Sommer von 1—2 U^r 9ladjm. im
©aagegebäube; bie »ibliotbef ber Cberl. ©efellf^aft ber ffi®. ift von
1-3 1%; bie Wilid)'fd)e »ibliotbef im »at^aufe von 2— 4ttbr geöffnet.
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726
ftreitog: Dttfentüdfe <3t$ung in SBagatett* unb 3njuti«ifa(^f«,
rmgtfntarft 261 »ort 9 tU>r 3Morg. ab. Dcff«ntlid)< <Si$nng »or bnn
Winter übfr *8<rflt$«i, ftifdjmarft 63 von 9 Uf>r äRorg. Oeffentlid^c
€tafct»frotbn€t«njfyun9, im StatHaufc 9tad}m. von 3 U^r ab.
©onnabenb: JDcffentlicfje (Sifcung in $roce^faa^en, im flrei6gerid>t,
frütj von 9 ttyr ab. 3Nilid)'föe »ibliotytf, im 9tat^aufe ttadjin. »on
2-4 U^t.
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I
Sfrefltfier über ben 5lnfmitß.
gj Seite
<^icf)amt. 1850. . . .922
St. ?lnnenfir<$e . . .061
ftrmeube|7t>äftiguna,öan|talt,185Q 722
&uctipn0-(5i>mmif|are 723
s-öabr?(nüa(ten ... 724
9afiricn . . . .695
$au:<§anbtt\-vi?rüfung6'(&i>mnt. 719
k£efferunaö;9(ntlalt für fittlict)-
rcrroafrlnjle Stint tx . .687
M^irf^rjiftyfr . . .722
^ibliotbtfen unb «Sammlungen 706
Blumen- unb jtunfigärten . 725
'Öranntcroeintüaffer 701
*Bud); unb Stcinbrurfer . 723
93ud)ljänbUr . .723
^öura,er;ÜReffi>uref . . . 706
'Bürger; Sdjuljl'ejjrcr 1850 679.718
* : ^iaturalien^ab. 710
$ürger--Sereiu . . .706
ISljnftfathelifd}« OJtmeinbt . 718
tfomin ifnonäre unb Agenten . 723
JJarlerjnöfaffe .720
©rfifaltigfeitdfirct)« . . (k>4
V$tf<nbaf?nan(aa,*u . 712
^tffnbal^n^of . . .712
(Ivangel. jtird}rnmimf)mum 717
tfelfeneinfdjntrte . . .713
^tnjtertrjor .... 697
ftorfiamt . im
Sranjiafanerflofter . . 677
ÄvauenlnM'riMl
Arauenfircfye .
ftrauentfjor .
ftrauentburm
(«eilt- (l)eü.) Stabile
©eoraenfavelle
Seilt
673
658
698
IM
724
667
644
©efeUfdjaft, cberl., ber flttffmft. 701
0cweibtratfy . .720
&en?erbe*eretn, SBibl. . 705.710
ftrab, beil., $efd>r. . . 663
Gqtapffcbolf herein
©pmnafium, fcefyrer
J&anbelefammer
«^anbnj.:(VJefeUen^©efflna^erein
£aitbwcrfer£el)rlingöfd)uU
JÖaupt- Steuer-- Wmt
«&c*ner*borf
£o|>itäler unb Äranfeu^äuffr
£otr)ertr/or ....
3nfel
oafobJhiM'ritiil unb Mix Au- .
3auernir?er 5öera,e
3i>ad>ijmicin , Stift
oufifet)« («emeinbe
3uaenbbrunnen
.ftaoltrjor ....
tfaifertrufc ....
Capelle, fall;
705
677
720
705
6M1
880
713
670
696
713
672
714
713
718
701
699
693
669
auf ber SRotfyenburgerji. 669
728
«Seite
tfatgolifd>e $aro$ie . 718
Äleinfinberbewafjranflalr . 688
.«onigdfjainer »erge .715
Äranfenfjau* , jiäbtifd>ee . 676
Äreiagr riebt, foni^lidw^ 684. 719
£rei«gerid)t*gefängmf . 690
.toei*'Cefonomiecommifjton . 719
Äreujtyor . .697
Äreujtoaffer . .701
fcanbratbamt ; .690
Sanbfle Ufr am t . . 689. 721
£anb-- unb ffiafferbau^nfyeftion 719
Vanbe «frone . .714
fcaubaner Xhot . . .696
?efcr/h>ifcer @Vajieraang 713
«ofjnfutfdjer n. irofdjfenbeftfcer 724
Somnifr .713
fcuttjeranmÖenieinbe . .718
aRäbd»fnf^ule^^re,?rl)rfr680.718 6
SNagifirat .
Wagitiratdbeamte
»ittebijinal^erfonen
aflerfroürbigfeiten unb ^artieen
ber Utngeaenb .
m\itf)d)< Sibüotyef
SJtilitärbe&örben .
^üitärlajaret^ .
WlvW .
9caturforfd>enbe ©efellfdf. Ml
SReipbrücfe .
9lei§fafoital .
Weiptfar
Weijjviabufr . .712
9leue Gaffer .701
<ttttic* $aua, ^>ofpttal . . 674
«Hiebertljor . . .697
9tifolaiftr$e .651
9Wolaitftor . . . .697
OWclaitpurm . . 695
Ober*ÜWüf>lberge . . 710.711
VatfVf .... 686
^arfanlagen , öffentlidje 710. 7 1 1
©r. $eter*firdje . . 641.706
$eter*»affer . .701
721
721
685
723
712
707
717
675
713
704
692
670
$fanblety*9nfialr .
^olijeibeamte
$ontett>affer .
$oficont»rcir, föniglidje*
^romenaben u. iöergnügung«*
ort er
fliabeutljor
»atMan*
9taty«tf>urm
9taufd>a,£om.$oli$. (SteU&ert. 722
Dtebaftionen . . . 723
»eiebenba^er Iljor . 698
Äei*enbact)er X^urm . . 694
«entfalte .... 692
!>ten"üurcen;®arten u. ®<\t\tid). 706
ÄefMuratuMKii . . .724
9iufenn>affer . . . .700
ealomonöbrunnen . . 701
eal)fau0 .... 685
@al$faftt>rei . .719
*Sängerbunb . .706
Schiebern ännet . . .720
(Scrwptjaue an ber Steide
£cf,ule, fatMiftt • •
6cn>t#amt . ,722
©iebenbrunnen . 700
£ocietätegarten . . .706
Stabtverorbnete . . . 721
@tabtn>aage . V 685
etabt;Unteni(rjt*anfialten . 722
<Stänbef>aK0 .... 689
<5 trafen jialt, fönifttidp 690.719
XeicWor
Xenfeleftein bei $ennereborf
Xbeater
Xnore, ©efcfjidjte berfetben
Jbürme, («cfcbidjtf berfelben
XötfertljoV .
Xurnplafc unb XurnfaUe
3öaifenbaue .
5önfTerleirungen n. Hbjüdjte
^ell^inn-ftabrifen .
3toang*arbeit*anjialt
Seite
722
711
696
681
681
697
714
686
696
694
698
688
680
686
700
723
722
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I
729
<grgan)»ngeit unb Scrit&tiguttgett.
@. 21. Dag in tat aud SWencfen beruht auf einer falfdjen Wotij.
Sorl ni aft von ben 3«ten bed Äöniga 3o|aun von Lohmen bie 9lcbe.
£anbv5a,te Aber bie Überlauf fommen fdjen viel früher oor.
@. 71. Urfunblidj fommt fdjon beim 3aljre 1350 ein Styotfjefer
unter best Warnen: Äonrab, vor. cf. Oberl. Urfunbenverjeidniij; I. p. 54.
@. 345. <J« jinb nity 9 SUtäre in ber $ran$itfanerfird>e, fonbern
16 barin aetoefen, f. ben Anhang @. 856.
@. 367. JDa0 3afob SBofone'fae £auö toar Wo. 789. (nify 748.)
unb gehört jefct bem SBätfer Worbmann (ni<bt @<hmtbt) Worbmantt ver;
waftrt aud ©ofyme'* 3eiten nocty ein @la6a,eraä(be, roa« früher ate $en;
fierfdjeibe gebiert bat unb auf bem <§aufe ift eine Wetterfahne von (Sifen;
bled> mit ber ,\ahre^ahl 1613, unter welcher bie ^udjftaben J C. P.
(Ringer) unb eine jweite 3af>re$$af>l 1797 ftef)en , bie bei einer Reparatur
hinzugefügt jtnb.
<S. 489. 9(nm. *•) ifl \u ergänzen, ba* bat* Denfmal SBinterfelb'«
bei SWott* burdj bie Obertauf. €>tänbe gefegt morben fft
8. 687. 3)er gegenwärtige Uiorfiaitr be* £bert. ©eremö flnb : ®raf
v. Söben, $ofratf) v. ^etynifc auf Äöniaöljain , Eanbfdjaftefnnbifu* 3ufiij-
rath v. <Stevhan». 2anbfd)aftofvnbifu* 3ujHjratlj (Sättig, Kaufmann $er;
binanb <Sd>mibt, Stabtratlj 3tb. SKüUer, $rebiger £ergefell.
3. 705. Der jeßute iöorjianb be$ ©ttftav^bolfjißereina befleht au*
fotgenben Herren: ©raf v. fcoten unb Sanbratb v. Derlen, ^räftbenten.
^rebiger ^ergefeü unb Direftor Äaumann, @efretäre. Äanfmann Wöber
sen., Äaffirer. %n biefem JDrte finb nod) einntfdmlten :
Die ©ibelgefeKfdmft beftefjt feit bem 3atyre 1820, gegenwärtig mit
nadtfetyenbem 3Jorfianbe: ^rrath v. $eVnt6 auf Äöuigatjain , ©uverin;
tenbent Sürger: ati ^räftbenten. ^Irebiger <5d}ovv»g altf ©eneralfefretär.
$rebiger £ergefeu* unb ©djuridjt alö Special 3eFvetare. Die jährliche
^auvtverfammtung finbet in einer ber Ijiejigen Jeinsen ftatt.
<£ntljaltfamfeit*verem : iöorjianb: $rebiger £ergefeH, Gonreftor
Dr. <Stru*e;'!( »* K,
'0 Huii \:'ti\<nKf,% - iü?«« i x . Min
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I
730
3> r u ef f e h 1 t x .
Seite 29. 3eile 14. von unten litf: „ttotar" ftatt: 9*ed>t«an*afc.
59. t 8. * oben ftrcidje ba<* Äomma hinter: bö$roiföen
<5tänbc,
64.
•
s
5.
oben
(tat;
„26. yiuflufi" üatt 6. «uguft.
67
•
4.
unten
..ÜBieritoanae" * SBüraeritoanae.
73
2
eben
..1625" ftatt 1635.
95.
15.
9
;
„3nquiftt" ftatt 3nquirent.
95.
t
19.
z
„1303" üatt 1305.
154
;
15.
*
unten
MM« ■ M
„1344" * 1349.
157
:
1.
m
„unb" fiatt in.
„in" ftatt iu.
164
i
10
a
^
oben
W V M
*
185.
s
2.
;
s
„Gkafenftein" üatt ©reifenftein.
229.
2.
;
unten
„iPerf." ftatt 9Jerf.
240.
21.
S
r
..nnetnanbitf" ÜÄtt nentanbi^.
246.
0
10.
t
„bemühten" üatt bemüt^en.
251.
*
23
:
s
toieber" üatt mtotx.
„lvrlduT" ftatt toeldtem.
' 270.
9
11.
■ %
;
f
280.
'S.
18.
t
!
„bei" üatt in.
340.
*
i.
t 5
„166" ftatt 356.
341.
*
s
12.
;
oben
w V M
. .fernere ©eaenb nach" Aaft fernerer
0)eaenb tu.
' ♦M»M%1 •
352.
*
1.
9
„1390" flart 1490.
413.
t
11.
S
„ben '* ftatt bet.
426.
t
14.
unten
„feinet" ftatt feine.
452.
-
15.
oben
„aebrauct)t" ftatt gebradjt.
428.
*
3.
f
unten
„üa^ren" ftatt ^abren.
466.
s
. 5.
t
r
„1838" ftatt 1837.
480.
I
14.
s
t
„£e«cjtn«fy ftatt eeeqie*fp.
577.
+
4.
M
„22. v." ftatt 22. b.
580.
6.
t
oben
„©rgänjuna." ftatt »oüftänbigfeit.
603.
;
9.
S
unten
„®rof(^en" ftatt ®tof<f»er.
610.
*
5.
S
oben
„unfere" ftatt unfeten.
615.
17.
t
unten
„25 en" ftatt Der.
620.
7.
„feierte" ftatt feierten.
639.
•
16.
t
oben
->
9
„1456" ftatt 1556.
1
\ e$neu>reffenbrutf oon 3uliu# Äö^ler in ®orU*.
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CMfi
ÖTAAT6
DlBLlOTMfcK
I
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I
uchblnderel
SCHWAB
Mönchen
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